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                  <text>^n^m
nroimocion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

22

25. Mai 1983

I N H A L T

DOKUMENTATION
Ikle: Sowjetunion bringt jährlich 100 neue Objekte in den
Weltraum
- Darlegung des Staatssekretärs im US-Verteidigungsministerium
vor Senatsausschuß -

HINTERGRUNDMATERIAL
Unannehmbare Einmischung:

"Aktive Maßnahmen" der Sowjets

- Von Lawrence S. Eagleburger Staatssekretär für Politische Angelegenheiten im amerikanischen
Außenministerium
»

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Sorgfältige Schwangerenbetreuung bei Diabetes
- Angeborene Defekte gehen merklich zurück -

Um Übcr/cn Jung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Dokumentation

l

United States Information Service
Embassy of the United States of America

22

25. Mai 1983

IKLE: SOWJETUNION BRINGT JÄHRLICH 100 NEUE OBJEKTE IN DEN WELTRAUM
- Darlegung des Staatssekretärs im US-Verteidigungsministerium
vor Senatsausschuß -

WASHINGTON - (AD) - Der Staatssekretär für politische Angelegenheiten
im amerikanischen Verteidigungsministerium, Fred Ikle, erklärte am 18, Mai
1983 vor dem außenpolitischen Ausschuß des US-Senats, daß die Sowjetunion
in den vergangenen Jahren fast 100 neue Objekte jährlich in den Weltraum
transportiert habe. Diese Zahlen zeigten deutlich, welche Bedeutung Moskau
seinen Weltraumprogrammen beimesse.
Die Ausführungen Ikles haben folgenden Wortlaut:
Ich begrüße die Gelegenheit zur Diskussion über die Bedeutung, die der
Weltraum und die jüngste Initiative des Präsidenten über die Verteidigung
mit ballistischen Raketen für die nationale Sicherheit haben.
Die technologischen Revolutionen bei der potentiellen Nutzung des Weltraums haben der nationalen Verteidigung neue Möglichkeiten - wie auch neue
Drohungen - gebracht. Sowohl die Streitkräfte der Vereinigten Staaten als
auch die der Sowjetunion setzen Satellitensysteme ein.
Die militärischen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die militärischen Weltraumobjekte der Vereinigten Staaten dienen der
Unterstützung militärischer Operationen - bei Kommunikation, Kommando und
Kontrolle, bei Warnung, Navigation und bei Wettervorhersagen.

Die Weltraum-

systeme werden in der Tat in zunehmendem Ma3 für Kommando, Kontrolle und
Kommunikation eingesetzt.
Unsere Satelliten, die Raketenstarts signalisieren, sowie unsere strategischen Warnsysteme leisten einen Beitrag zu unserer nuklearen Abschrekkung.

Weltraumsysteme ermöglichen es uns auch, die Einhaltung von Rüstungs-

kontroll Vereinbarungen zu überwachen.
Es bedarf nicht des Hinweises, daß die militärische Nutzung des Weltraums durch die Vereinigten Staaten in Einklang mit dem Völkerrecht steht.
Unsere militärischen Weltraumprogramme sind nicht lediglich eine Reaktion auf die Weltraumaktivitäten der Sowjetunion, sondern sind Ergebnis unserer ständigen Überlegungen hinsichtlich der Art und Weise, wie wir die
Ziele unserer nationalen Sicherheit am besten erreichen. Wir sehen den Weltraum als ein Gebiet, in dem militärische Unterstützungsoperationen durchgeführt werden können. Obgleich unsere Programme keine Reaktion auf die sowjetischen sind, müssen wir selbstverständlich die sowjetischen Weltraumaktivitäten in Rechnung stellen. Wie in anderen Bereichen auch, unterscheidet
sich die sowjetische Haltung hinsichtlich des Weltraums von der unseren erheblich.

Die sowjetischen Weltraumaktivitäten
Mit der Entwicklung und der Bereitstellung einer orbitalen Antisatellitenwaffe vor über einem Jahrzehnt hat die Sowjetunion ein deutliches Zeichen dafür gesetzt, daß sie den Weltraum als eine Arena der Kriegsführung ansieht.
In den

�In den vergangenen zehn Jahren hat die UdSSR jährlich über 75 Weltraumobjekte gestartet, vier bis fünfmal mehr als die Vereinigten Staaten. Während der letzten Jahre stieg die Zahl sogar auf annähernd 100 pro Jahr.
Die jährliche Nutzlast, die die Sowjets in eine Erdumlaufbahn brachten, ist
mit 660 000 Pounds zehnmal größer als die der Vereinigten Staaten.
Diese Anstrengungen spiegeln die Bedeutung wider, die die Sowjets
ihren Weltraumprogrammen beimessen. Allerdings könnten sie ebenso eine gewisse technologische Schwäche hinsichtlich der Dauerhaftigkeit und Flexibilität ihrer Weltraumobjekte widerspiegeln. Die militärischen und militärbezogenen Raumfahrtprogramme der Sowjetunion reichen von ausgedehnten bemannten
Missionen bis zu meteorologischen Kommunikations-, Navigations-, Aufklärungs-, überwachungs-, Ziel- und Antisatellitenmissionen.
Seit dem erfolgreichen Start des SPUTNIK I im Jahre 1957 haben die Sowjets sin tatkräftiges und methodisches Programm der Nutzung des Weltraums
für militärische Zwecke verfolgt. Zum erstenmal zeigte sich die Nutzung des
Weltraums für militärische Zwecke durch die Sowjetunion im Jahr 1961 beim
Start ihres ersten Fotcaufklärungssatelliten. über die sechziger und siebziger Jahre hinweg weiteten sich die militärischen Weltraumprogramme der
Sowjetunion sowohl hinsichtlich des Umfangs als auch der Anzahl aus. Mittlerweile sind aus diesen Programmen reife, integrierte Systeme für die direkte und indirekte Unterstützung der sowjetischen Streitkräfte geworden, die
die Fähigkeit haben, die niedrigfliegenden Satelliten der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten zu bedrohen.
Ständig befinden sich zwischen 70 und 110 Satelliten auf ihrer Umlaufbahn, wobei über die Hälfte hauptsächlich militärischen Zwecken dient. Etwa
85 Prozent aller sowjetischen Weltraumstarts sind hauptsächlich militärische oder militärisch-zivile Missionen.
Es hat

�Es hat den Anschein, als entwickelten die Sowjets ein wiederverwendbares Raumfahrtsystem, dem der amerikanischen Weltraumfähre ähnlich, sowie ein kleineres Weltraumflugzeug. Probeflüge dieses kleineren Flugapparates in Erdumlaufbahn haben bereits stattgefunden. Diese Systeme könnten
innerhalb eines Jahrzehnts in regulärem Einsatz sein und werden die militärische Flexibilität und Kapazität der sowjetischen Weltraumanstrengungen weiter vergrößern.
Die bemannten Weltraumflüge der Sowjets werden immer umfangreicher
und stellen das weitläufigste Element des sowjetischen Raumfahrtprogramms
dar. Nachdem die Sowjets in den frühen sechziger Jahren eine ganze Reihe
von

Erstflügen schafften - einschließlich des ersten Menschen im Welt-

raum -, wurde das bemannte Programm der Sowjetunion zeitweilig von den bemannten Programmen der Vereinigten Staaten Ende der sechziger Jahre überflügelt.

Seit 1971 haben die Sowjets sieben Raumstationen in eine Erdum-

laufbahr gebracht. Die erste bemannte Raumstation - SALYUT I - wurde 197i
gestartet. Ein zweiter Typ davon wurde 1973 gestartet. Beide waren in der
Lage, militärische Forschungen durchzuführen. 1977 hatten die Sowjets die
Fähigkeit entwickelt, die Besatzung ihrer SALYUT-Raumstationen neu zu versorgen und auszutauschen. Dreimal haben die Sowjets bemannte Missionen
durchgeführt, die bis zu sechs Monaten dauerten. Mit der Beendigung einer
211-Tage-Mission im Jahre 1982 schafften die Sowjets eine neue Höchstleistung.
Das sowjetische Engagement im Hinblick auf das bemannte Weltraumprogramm wächst weiter. Die Entwicklung einer großen, bemannten Raumstation
bis etwa 1990 zur Erlangung einer militärischen Präsenz im Weltraum ist
unserer Meinung nach eines der Ziele der neuen schubkräftigen Startsysteme, die sich derzeit in der Entwicklung befinden. Die Sowjets werden
außerdem weitere Hilfssysteme von großer Schubleistung einsetzen, um noch
größere Raumstationen und Raummodule vor Ende des Jahrhunderts in eine
Umlaufbahn zu bringen. Diese Raumstationen könnten über 100 Tonnen wiegen

- 4 -

�Tonnen wiegen und in der Lage sein, eine größere Mannschaft über einen
längeren Zeitraum hinweg ohne Neuversorgung aufzunehmen.
Die Einführung, Anwendung und bekannte zukünftige Entwicklung von
sowjetischen Weltraumwaffensystemen weisen auf ein koordiniertes Programm
hin, das folgendes umfaßt:
- Die derzeitige Generation von AntiSatellitenkörpern, die jetzt einsatzfähig sind und dazu entworfen wurden, Satelliten in niedriger
Umlaufbahn zu zerstören.
- Ein sehr umfangreiches Forschungsprogramm über gelenkte Energie, einschließlich der Entwicklung von Laserstrahlwaffensystemen, die entweder auf dem Erdboden disloziert oder an Bord der nächsten Generation
der sowjetischen AntiSatellitensysteme oder auf bemannte sowjetische
Weltraumstationen verbracht werden könnten.
Das bereits aufgestellte sowjetische Antisatellitensystem hat die Fähigkeit, amerikanische Weltraumsysteme in erdnaher Umlaufbahn zu zerstören.
Die Sowjets veranstalten alle Jahre Tests, um den Satellitenabfang zu proben
und das Antisatellitensystem zu verfeinern. Wir sind der Überzeugung, daß
eines der Ziele des sowjetischen Weltraumwaffenprogramms die Entwicklung
und Dislozierung von im Weltraum stationierten Lasern ist.
Die Sowjets könnten den prsten Prototypen einer kleinen, im Weltraum
stationierten Antisatelliten-Laserwaffe Ende der achtziger oder Anfang
der neunziger Jahre starten. Ein System, das in der Lage wäre, andere
Satelliten im Abstand von einigen tausend Kilometern anzugreifen, könnte
in den neunziger Jahren möglich sein. Im Weltraum stationierte ABM-Systeme könnten in den neunziger Jahren erprobt werden, würden allerdings
wahrscheinlich nicht vor der Jahrhundertwende einsatzbereit sein.
Seit Anfang

�Seit Anfang der sechziger Jahre haben die Sowjets ihre Anstrengungen
bei der Foto- und Elektronikaufklärung im Weltraum ständig verstärkt. Jedes Jahr werden mehr als 50 dieser Satelliten gestartet, um die Streitkräfte mit täglichen Informationen auf dem Laufenden zu halten. Das Raumfahrtprogramm des sowjetischen Militärs spiegelt zudem die immer stärkere
Nutzung des Weltraums für weltweite Überwachung und Vorwarnung wider. Durch
diese im ,feltraum stationierten Systeme haben die Sowjets einen erheblichen Teil der Streitkräfte der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten
unter Beobachtung. Die Überwachungssatelliten umfassen ein System, mit dem
Abschüsse von Interkontinentalraketen entdeckt werden können, sowie Meeresüberwachungssysteme wie die beiden atomangetriebenen Satelliten, die während
ihres Funktionsendes und ihres Wiedereintritts in die Erdatmosphäre 1978
und Anfang 1983 weltweiten Alarm hervorriefen.
Die sowjetischen Anstrengungen auf dem Gebiet der Beobachtung werden
allen Erwartungen zufolge zu einem Mehrfachsatellitensystem der Aufklärung,
Beobachtung und Angriffswarnung gegen ballistische Raketen strategischer
wie nichtstrategischer Art und möglicherweise auch gegen Bomber führen.
Die Sowjets verstärken auch ihren Einsatz von Weltraumsystemen zum
Zweck von Kommando, Kontrolle und Kommunikation. Seit dem Start ihres
ersten Fernmeldesatelliten Mitte der sechziger Jahre hat die UdSSR ihre
Programme für Kommunikationssatelliten zur Unterstützung ihrer politischen Führung sowie ihrer militärischen, diplomatischen und nachrichtendienstlichen Missionen verbessert und ausgeweitet.
Die Sowjets führen eine ehrgeizige Ausweitung ihres Kommunikationssatellitenprogramms durch, das ihre weltweite Kommando-, Kontroll- und
Kommunikationskapazität beträchtlich verbessern wird. Im Lauf der nächsten zehn Jahre werden die Sowjets eine noch fortgeschrittenere Serie
von Kommunikationssatelliten entwickeln und dislozieren, von denen
einige, von bemannten Kommando- und Kontroll Plattformen in Erdumlaufbahn

- 6 -

�in Erdumlaufbahn übermittelte Daten weitergeben könnten.

Die Weltraumaktivitäten des amerikanischen Verteidigungsministeriums
Gestatten Sie mir, nun auf unsere eigenen Aktivitäten einzugehen. Im
Dienst unserer nationalen Sicherheit beschafft und betätigt das Verteidigungsministerium Weltraumsysteme und betreibt weltraumbezogene Forschung
und technologische Entwicklungsprojekte.
Wie erwähnt, bringt die sowjetische Entwicklung einer einsatzfähigen
AntiSatellitenkapazität die Möglichkeit mit sich, daß der Weltraum zu
einem feindlichen Umfeld wird. Aus diesem Grund bestimmt die Weltraumpolitik des Verteidigungsministeriums, daß die militärischen Weltraumsysteme,
einschließlich der wesentlichen Bodenelemente wie der Objekte im Weltraum,
auf ihrer Erdumlaufbahn so entworfen, entwickelt und betrieben werden,
daß ihre Überlebensfähigkeit und ihre Dauerhaftigkeit verstärkt werden.
Seit 1977 ist es die Politik der Vereinigten Staaten, die Entwicklung
einer einsatzfähigen, nichtnuklearen Antisatellitenkapazitat zu verfolgen.
Wenn wir eine glaubwürdige Vergeltungskapazität besitzen, dann sind wir
besser in der Lage, vor Angriffen gegen unsere Weltraumsysteme abzuschrekken.
Wir sind derzeit Signarstaat von wenigstens drei Verträgen, die gewisse militärische Aktivitäten im Weltraum berühren: Dem Weltraumvertrag,
dem Teil Verbotsabkommen für Nuklearversuche und dem Raketen-Abwehrraketenvertrag (ABM-Vertrag). Unsere vertraglichen Verpflichtungen umfassen:
- Haftung bei Schäden durch Tätigkeiten im Weltraum;
- Aufrechterhaltung des sicheren Zugangs zum Weltraum und zu Operationen in ihm;
- Nichteinmischung in
- 7 -

�- Nichteinmischung in die nationalen technischen Mittel der Verifizierung (ABM-Vertrag, SALT I, SALT II).
- Der Weltraumvertrag verbietet außerdem die Errichtung von Militärstützpunkten, von militärischen Installationen und Befestigungen auf
dem Mond und

anderen Himmelskörpern sowie die Erprobung jedweder

Waffentypen sowie das Abhalten von militärischen Manövern daselbst.
Dieser Vertrag verbietet außerdem das Einbringen in die Erdumlaufbahn, die Installation auf dem Mond oder anderen Himmelskörpern oder
die Stationierung im Weltraum von jedwedem Objekt, das Atomwaffen oder
irgend andere "Waffen der Massenvernichtung" trägt. Die Erprobung
oder das Einbringen von Waffen, die konventionelle Explosivstoffe mit
sich führen, in eine Erdumlaufbahn ist nicht verboten.
- Der ABM-Vertrag von 1972 verbietet die Entwicklung, Erprobung und
Dislozierung von weltraumgestützten ABM-Systemen und Teilen davon
(Artikel V ) . Sollte eine zukünftige Technologie neue ABM-Systeme hervorbringen, die "sich auf andere physikalische Prinzipien stützen" wie etwa Laser- oder Teilchenstrahlen gegenüber jenen, die in den
derzeitigen Systemen verwendet werden - so die Übereinkunft, so würde in Einklang mit den Zusatzbestimmungen des Vertrags eine Begrenzung solcher Systeme vor ihrer Dislozierung erörtert werden.
Lassen Sie mich zum Abschluß ein paar Worte über die Initiative des
Präsidenten auf dem Gebiet der strategischen Verteidigung sagen. Der Präsident hat beschlossen, daß wir ein Programm in Angriff nehmen, das der
sowjetischen Raketenbedrohung mit Maßnahmen begegnet, die defensiven Charakter haben. Er ordnete eine umfassende und intensive Anstrengung an, um
ein langfristiges Forschungs- und Entwicklungsprogramm in Richtung auf
das Ziel zu entwerfen, die Bedrohung aus der Welt zu schaffen, die die
Atomraketen darstellen. Diese Entwicklung könnte - ja, sollte - durch
Rüstungskontrollmaßnahmen vervollständigt werden.
In Einklang

�In Einklang mit der Entscheidung des Präsidenten hat das Verteidigungsministerium in Zusammenarbeit mit anderen Behörden eine doppelte
Anstrengung angeregt: Einerseits die Erforschung und die Klassifizierung
entsprechender Technologien, andererseits die Entwicklung und Festlegung
von politischen und strategischen Optionen.
Uns geht es nicht um ein einziges System des Abfangens und der Verteidigung gegen jedweden Raketenangriff. Unsere Forschung richtet sich auf die
Analyse eines Verteidigungsnetzwerkes - einer Reihe von Systemen, die sich
nicht notwendigerweise auf die gleichen technischen oder physikalischen
Prinzipien stützen-, das in seiner Gesamtheit für uns und unsere Verbündeten eine wirksame Verteidigung gegen Atomraketen bietet. Wir sind uns der
Tatsache voll bewußt, daß es sich hierbei um eine langfristige Anstrengung
handelt, deren Früchte möglicherweise erst im nächsten Jahrhundert zur Verfügung stehen.
Da es sich um eine solche langfristige Anstrengung handelt, müssen wir
uns - wie der Präsident erklärt hat - darüber im klaren sein, daß wir uns
in der Zwischenzeit auch weiterhin auf die Abschreckung verlassen müssen,
um den Frieden zu bewahren. Wir müssen - und wir wollen - auch weiterhin
vertraglich vereinbarte Verringerungen bei den Kernwaffen verfolgen, die
ausgewogen und verifizierbar sind. Da unsere Suche nach defensiven Technologien das Ziel hat, die Bedrohung durch die ballistischen Raketen zu
vermindern, steht sie in vollem Einklang mit den Rüstungsverringerungsanstrengungen, die wir derzeit bei den START-Verhandlungen verfolgen.
Sie unterstützt jene Anstrengungen, indem sie die Aussicht bietet,
daß die Wirksamkeit und die Rolle der ballistischen Raketen in Zukunft
deutlich verringert wird. Die Initiative des Präsidenten ist natürlich
auch in völliger Übereinstimmung mit den bestehenden Rüstungskontrollvereinbarungen. Während der ABM-Vertrag zwar die Entwicklung, die Erprobung oder die Dislozierung von ABM-Systemen verbietet, so erlaubt er

- 9 -

�erlaubt er doch die Forschung.
Das Wesentliche der Entscheidung des Präsidenten hinsichtlich der
strategischen Verteidigung besteht in meiner Sicht darin, daß sie andere
Wege eröffnet, um den Frieden im Atomzeitalter zu wahren. Die Nachfolger
von Präsident Reagan - im nächsten Jahrzehnt oder im ersten Jahrzehnt
des nächsten Jahrhunderts - sollten ihre Optionen nicht durch die strategischen Vorstellungen eingeengt wissen, die in den siebziger Jahren Mode
waren.
Unsere strategische Planung war viel zu sehr durch den Gedanken eingeschränkt, daß Defensivsysteme schlecht seien und wir für unbegrenzte
Zeit in eine Konfrontation der allgewaltigen, offensiven Raketenstreitkräfte eingebunden sein könnten und müßten. Wir schulden es der nächsten
Generation, entschlossen die Suche nach besseren Alternativen aufzunehmen.

+ + + ++

- 10 -

�22

25. Mai 1983

UNANNEHMBARE EINMISCHUNG:
"AKTIVE MASSNAHMEN" DER SOWJETS
von Lawrence S. Eagleburger
Staatssekretär für Politische Angelegenheiten
im amerikanischen Außenministerium

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der "NATO REVIEW"

Seit einiger Zeit ist der sowjetische Begriff "Aktive Maßnahmen" Aktivnyye Meropriyatiya - in das Bewußtsein der Öffentlichkeit gerückt.
Dieser Begriff schließt eine ganze Reihe von Techniken der Irreführung
ein - wie sogenannte Frontgruppen (d.h. Gruppen, die nach außen nicht als
kommunistisch erscheinen), Falschinformationen, Fälschungen, Pressemanipulation und sogenannte Einflußagenten (d.h. politische Einflußnahme).
All das gehört routinemäßig zur Außenpolitik der Sowjetunion. In keiner
anderen Sprache läßt sich die Bedeutung des Begriffs "aktive Maßnahmen" "Active Measures" - genau wiedergeben. Am nächsten kommt vielleicht

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�kommt vielleicht der Begriff "psychologische Kriegführung" aus dem Zweiten
Weltkrieg.
Aktive Maßnahmen werden gegen praktisch alle Länder außerhalb des
Sowjetblocks angewandt - Länder wie Nordkorea und China sind ebenso Ziel
dieser Maßnahmen wie NATO-Länder. Zur Illustration nur einige wenige
Beispiele solcher Tätigkeiten, die in der Öffentlichkeit bekannt wurden:
- Ein sowjetischer Botschafter wurde 1980 aus Neuseeland ausgewiesen,
nachdem er dabei ertappt worden war, daß er der dortigen moskautreuen kommunistischen Partei Geld gab.
- Ein französischer Autor und Journalist wurde verurteilt, weil er
fast 20 Jahre lang als sowjetischer Einflußagent tätig war.
- Eine großangelegte Falschinformationskampagne in den Medien wurde
unternommen, um die von den Vereinigten Staaten geförderten Bemühungen zur Lösung des Namibia-Konflikts zunichte zu machen.
- Allein 1982 wurden über ein Dutzend Fälschungen - meist von amerikanischen Dokumenten oder Schreiben - aufgedeckt.
- Eine Kampagne in den Medien - z.T. mit heimlich untergeschobenen Berichten und Fälschungen - sollte den Eindruck erwecken, die Vereinigten Staaten hätten den Staatsstreichversuch im Novembe
1981 auf den Seychellen unterstützt.
- Rundfunkstationen gaben vor, für oppositionelle politische Fraktionen in China und im Iran zu sprechen, sendeten aber in Wirklichkeit
von unbekannten Orten in der Sowjetunion aus.

- 2 -

�Aus der Sicht des Fachmanns
Die obige Liste von öffentlich bekanntgewordenen aktiven Maßnahmen
ließe sich lange fortsetzen, aber den Geheimdiensten in der ganzen Welt
sind noch sehr viel mehr Fälle bekannt, die die Öffentlichkeit nicht erfahren hat, entweder weil empfindliche Quellen nicht bloßgestellt werden sollen oder weil politische oder diplomatische Überlegungen gegen
eine Veröffentlichung sprechen.
Aktive Maßnahmen sind auch kein neues Mittel im politischen Repertoire der Sowjets. Schon in den zwanziger Jahren infiltrierten politische
Agenten der Sowjets russische Emigrantenorganisationen und brachten sie
zum Streit untereinander. In den dreißiger Jahren manipulierten sowjetische Agenten eine ganze Reihe von Frontgrupper.. in denen die Hand Moskaus
geschickt verborgen blieb, bis es im August 1939 zum Hitler-Stalin-Pakt
kam. Zu jener Zeit sprach ein altgedienter Organisator in der Komintern,
Willi Mlinzenberg, von diesen Gruppen zynisch als "Klubs der Unschuldigen". Eine sowjetische Falschinformationskampagne bald nach dem Zweiten
Weltkrieg versuchte die Vereinigten Staaten der "bakteriologischen Kriegführung" im Korea-Krieg zu beschuldigen.
Gelegentlich erhalten wir einen kleinen Einblick in die aktiven Maßnahmen von sowjetischer Seite. Eine solche Gelegenheit bot sich, als
der ehemalige KGB-Major Stanislaw Lewtschenko überlief, der von 1975 bis
1979 die aktiven Maßnahmen in Japan koordinierte - offiziell als Korrespondent für die Zeitschrift "Neue Zeiten" tätig - und eine Zeitlang
der Stellvertretende Leiter der KGB-Gruppe für aktive Maßnahmen in Japan.
Lewtschenko beschreibt in seinen vor einiger Zeit veröffentlichten Aussagen vor dem amerikanischen Kongreß mehrere erfolgreiche Fälschungen
und Falschinformationen. Er erklärt, daß der KGB in den siebziger Jahren die Politik in Japan durch zahlreiche Einflußagenten beeinflußt
hat, einschließlich eines früheren Kabinettsministers, Mitgliedern des

- 3 -

�Mitgliedern des Parlaments und prominenter Journalisten. Nach Schätzungen Lewtschenkos hat der Resident des KGB in Tokio im Jahr einige hundert
Anweisungen für aktive Maßnahmen erhalten. Von diesen ist es nach Lewtschenko gelungen, etwa ein Drittel erfolgreich durchzuführen.
Ein weiterer Überblick bietet die Aufdeckung der heimlichen Beziehungen zwischen dem KGB und dem Autor und Journalisten Arne Herloev Petersen durch dänische Behörden. Im ~ommer 1981 gaben die Sowjets Petersen
das Geld, für das dieser eine Reihe von Anzeigen aufgab, in denen dänische
Künstler ihre Unterstützung für eine Nordische Kernwaffenfreie Zone zum
Ausdruck brachten. In einem anderen Fall überbrachte Petersen der nordkoreanischen Botschaft außenpolitische Dokumente, die ihm die sowjetische
Botschaft lieferte und die er auf Anweisung der Sowjets als v i einer amerikanischen Quelle stammend deklarierte. In einem weiteren typ-sehen Zug der
Falschinformation veröffentlichte Petersen eine Broschüre, in der er die
britische Premierministerin Margaret Thatcher angriff. Den Text dieser
Broschüre erhielt er jedoch von der sowjetischen Botschaft. Wie in der dänischen Stellungnahme zu diesem Fall erklärt wird, war es für diese Anstrengungen zur Beeinflusssung der öffentlichen Debatte typisch, daß die sowjetische Herkunft verheimlicht wurde, um ihre Wirksamkeit nicht zu verringern. Als Geheimkontakt Petersens wurde der KGB-Offizier Wladimir
Merkulow - Zweiter Sekretär an der Sowjetbotschaft in Kopenhagen - enttarnt und

,n Oktober 1981 als persona non grata aus Dänemark ausgewiesen.

Großer bürokratischer Unterbau
Die aktiven Maßnahmen werden von einem
Unterbau in der UdSSR getragen. Das geheime
ist der Dienst A des Ersten Chefdirektorats
KGB. Im Außendienst kann jeder KGB-Offizier
Durchführung aktiver Maßnahmen herangezogen

- 4 -

großen organisatorischen
Organ der aktiven Maßnahmen
(Auslandsgeheimdienst) des
oder Geheimagent für die
werden, und in den größeren

�den größeren KGB-Residenzen, wie in Tokio, gibt es Spezialgruppen, die sich
mit diesen Geheimoperationen befassen. Die Techniken aktiver Maßnahmen
sind integraler Bestandteil der Ausbildung aller KGB-Offiziere.
Bei der Ausarbeitung dieser Operationen arbeitet der Dienst A eng mit
der Internationalen Abteilung und der Internationalen Informationsabteilung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei zusammen. Andere Elemente ues sowjetischen Apparates, wie Zeitschriften, Rundfunkstationen,
und die amtliche Luftverkehrsgesellschaft Aeroflot, werden je nach Bedarf
herangezogen.
Die Internationale Informationsabteilung überwacht die sowjetische
Propagandatätigkeit im Ausland und ist damit von entscheidender Bedeutung
für die Durchführung aktiver Maßnahmen. So verbreitet beispielsweise die
sowjetische Propagandamaschinerie üblicherweise irreführende oder tendenziöse Berichte, die von Agenten des KGB in der ausländischen Presse untergebracht worden waren. Diese Technik erlaubt es den sowjetischen Propagandisten, Falschinformationen die größte Verbreitung zu verschaffen, deren
angebliche Echtheit kaum in Zweifel gestellt wird, da sie ja aus ausländischen - und daher ganz offensichtlich unvoreingenommen - Presseorganen
stammen. Die Propagandaorgane unterstützen die Durchführung aktiver Maßnahmen auch dadurch,daß sie Themen der Kampagnen der Frontgruppen laut
hinausposaunen. Publikationen wie "New Times" (Neue Zeiten) stehen ebenso
voll im Dienst der Sache wie Radio Moskau und der angeblich nichtamtliche
Sender Frieden und Fortschrift.
Die Internationale Abteilung ist zuständig für die Verbindung zu den
kommunistischen Frontorganisationen im Ausland. Sie insinuiert oder befiehlt kommunistischen Parteien im Ausland, politische und propagandistische Maßnahmen zur Unterstützung bestimmter Kampagnen aktiver Maßnahmen
durchzuführen. Frontgruppen, wie die verschiedenen sowjetischen Freundschaftsgesellschaften, die Solidaritätsorganisation afro-asiatischer Völker

- 5 -

�afrc asiatischer Völker und der Weltgewerkschaftsbund werden über die
entsprechenden sowjetischen Organisationen durch die Internationale Abteilung kontrolliert.
Eine Frontorganisation, der Weltfriedensrat (WPC), wurde aus Frankreich und ös^rreich wegen Tätigkeiten gegen das Gastland ausgewiesen.
Schließlich gelang es ihm 1957, in Helsinki ein Hauptquartier zu errichten. Seit über 30 Jahren sind die Stellungnahmen des Weltfriedensrates
zu internationalen Fragen im^er wieder deckungsgleich mit dem Standpunkt
der Sowjetunion: Der Weltfriedensrat hat die früheren militärischen Interventionen der Sowjets in Ungarn und in der Tschechoslowakei ebenso gebilligt wie die sowjetische Invasion und Besetzung /""ghanistans. Die Unterstützung sowjetischer Aggressionen hat den Weltfriedensrat nicht abgehalten, bei einer Reihe von "Friedens"-Bewegungen als sowjetisches trojanisches Pferd zu dienen - angefangen von dem Stockholmer Appell zum "Verbot der Bombe" im Jahre 1950 über die Kampagne gegen die "Neutronenbombe"
im Jahre 1977 bis zur heutigen Agitation gegen die INF-Modernisierung.
Da der Großteil der Mittel des Weltfriedensrates aus sowjetischen
Quellen kommt, haben die Anhänger einiger nichtkommunistischer Friedensbewegungen praktisch indirekt sowjetische Unterstützung angenommen, indem sie die Mitwirkung des WPC bei ihren Tätigkeiten akzeptiert haben.
Es ist bedrückend, daß Moskau in der Lage ist, sich in die öffentliche Debatte im Westen über diejenigen Verteidigungsmaßnahmen einzumischen, die
notwendig sind, um der sowjetischen Bedrohung zu begegnen, und das noch
mit Hilfe so durchsichtiger Medien wie des Weltfriedensrates.

Die Wirkung aktiver Maßnahmen
Wie wirksam sind die aktiven Maßnahmen? Diese Frage ist nicht leicht
zu beantworten. Es ist nicht nur unmöglich, ein kontrolliertes Experiment
durchzuführen, sondern die in den aktiven Maßnahmen innewohnende Täuschung

- 6 -

�innewohnende Täuschung erschwert jede Beurteilung. Im übrigen werden aktive
Maßnahmen nicht für sich allein angewandt, sondern koordiniert mit anderen
Elementen der sowjetischen Außenpolitik, wie diplomatischen, handelspolitischen, informationspolitischen und militärpolitischen Tätigkeiten. Es ist
nicht leicht, den Beitrag der aktiven Maßnahmen zum Gesamtergebnis isoliert
darzustellen.
Daß die sowjetische Führung an die Wirksamkeit glaubt, liegt auf der
Hand. Es bedarf eines großen Aufwandes an Menschen und Geld, um eine weltweite Infrastruktur von Frontorganisationen und Agenten für aktive Maßnahmen
aufzubauen und zu betreiben. Wir gehen davon aus, daß die sowjetische Kampagne gegen die "Neutronenbombe" - die die Sowjets als eine ihrer erfolgreichsten betrachten - rund 100 Millionen Dollar gekostet hat. Aus sowjetischer Sicht war dieses Geld gut angelegt. Es ist der UdSSR gelungen, die
öffentliche Debatte über dieses Thema in ihrem Sinn zu beeinflussen und die
Aufmerksamkeit von der massiven sowjetischen Bedrohung der Sicherheit Europas durch die konventionellen Streitkräfte des Warschauer Paktes abzulenken
- eine Bedrohung, der die Waffen mit verstärkter Strahlung (Neutronenwaffe)
so wirksam begegnen kann. Aber abgesehen von den finanziellen Kosten sind
die Sowjets auch bereit, Prestige und guten Willen aufs Spiel zu setzen, da
ihre Beteiligung an aktiven Maßnahmen zwangsläufig immer wieder ans Tageslicht kommen muß. Dieser indirekte Preis, den die Sowjets bezahlen müssen,
geht über eine momentane Verärgerung hinaus. Auf lange Sicht erhöhen diese
fiachenschaften zur Täuschung und Manipulation die Enttäuschung über da: sowjetische Modell.
Auch wenn die Sowjets offensichtlich glauben, daß das Spiel den Einsatz
wert sei, sollten wir doch versuchen, zu einem eigenen unabhängigen Urteil
zu kommen. Aktive Maßnahmen sind keine Wundermittel, und es ist keineswegs so, daß die ganze Welt nach einer heimlichen sowjetischen Pfeife tanzt.
Moskau beherrscht die politischen Prozesse in den westlichen Demokratien
nicht. Trotzdem sind die beharrlichen Versuche der Sowjets, unser politi-

- 7 -

�unser politisches Geschehen zu beeinflussen, nicht immer ohne Wirkung.
Dies gilt besonders, wenn aktive Maßnahmen der Sowjets darauf ausgerichtet
sind, die ernsthaften Besorgnisse nichtkommunistischer Kritiker der amtlichen Politik westlicher Regierungen aufzublähen und in die richtigen
Kanäle zu lenken. Solche Bemühungen dienen weiter dazu, interne Spaltungen in unseren Gesellschaften zu verschärfen - ein altes sowjetisches
Ziel.
In den Entwicklungsländern ist die Wirkung größer. Die dortigen Regierungen - oft instabil, wirtschaftlich unter Drucl und ohne bewährte politische Institutionen - sind der heimlichen Manipulation gegenüber anfälliger.
Abgesehen von dem gelegentlichen Beitrag aktiver Maßnahmen zu den Bemühungen, eine Moskau hörige Regierung an die Macht zu bringen, tragen diese
Techniken dazu bei, die Unsicherheit legitimer Regierungen zu erhöhen und
die Aufmerksamkeit ihrer Führer von ihrer Hauptaufgabe - der Entwicklung abzulenken. Der zerbrechliche Zustand der freien Presse in vielen Ländern
und die einfache Tatsache, daß Journalismus in den weniger entwickelten
Ländern oft ein wenig einträglicher Beruf ist, bietet gute Ansatzpunkte für
sowjetische Manipulationen.

Steter Tropfen höhlt den Stein
In Industrieländern wie in Entwicklungsländern haben, abgesehen von
dem Erfolg oder Mißerfolg bestimmter aktiver Maßnahmen, diese eine aushöhlende Wirkung auf die politischen Systeme offener Gesellschaften. Die
Verwirrung, die durch Manipulation der Medien, Fälschungen, gezielte Gerüchte, gefälschte Quellenangaben von Rundfunksendungen und die Tätigkeit
von Einflußagenten hervorgerufen wird, kann mit der Zeit das Vertrauen
der Öffentlichkeit in politische Institutionen und Prozesse untergraben.
Angesichts dessen

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�Angesichts dessen, was die Geschichte bisher gezeigt hat, und aufgrund des großen bürokratischen Apparates, der hinter diesen Tätigkeiten
steht, dürfen wir nicht davon ausgehen, .aß sich das sowjetische Programm
der aktiven Maßnahmen nach Schwankungen des internationalen Klimas richten
wird. Sie ließen

beispielsweise auf dem Höhepunkt der Entspannungsperiode

in den siebziger Jahren nicht merklich nach. Die Anwendungen dieser offensiven Techniken, die Ländern schaden sollen, die die Sowjets als Gegner
ansehen, sind eher ein Hinweis auf den Grad der unterschwelligen Feindseligkeit. Die aktiven Maßnahmen müssen ein Anlaß zur Sorge für das Bündnis
sein. U^ekehrt würde die Einstellung dieser Tätigkeiten ein wesentliches
Hindernis für bessere Beziehungen beiseite räumen.
Bevor wir uns der Frage zuwenden, wie wir den aktiven Maßnahmen der
Sowjets begegnen können, ist es angebracht, über eine Haltung zu sprechen, die nach Auffassung der amerikanischen Regierung wenig nützlkch ist.
Gemeint ist die "Na-wenn-schon"-Reaktion auf sowjetische aktive Maßnahmen, die meist in solchen Formulierungen zum Ausdruck kommt: "Wir alle
wissen, daß die Sowjets schmutzige Tricks anwenden, das ist nichts Neues.
Warum sollen wir uns also darüber aufregen?" Das heiß' nichts anderes, als
daß es naiv wäre, sich wegen solcher Tätigkeiten Sorgen zu machen, da sie
ein unabänderliches, aber triviales Element des internationalen Verhaltens
der Sowjets darstellen.
Diese Einstellung bedeutet ein voreiliges Urteil über die Frage der
Bedeutung sowjetischer aktiver Maßnahmen, und da man die Bedeutung von
vornherein bestreitet, steht sie einer realistischen Beurteilung im Wege.
Aktive Maßnahmen beinhalten per definitionem Täuschung, und ihre Wirksamkeit und Ernsthaftigkeit sind von Zeit zu Zeit und von Ort zu Ort unterschiedlich. Nur eine sorgfältige Untersuchung kann zu einem ausgewogenem
Urteil führen. Eine Verniedlichung des Problems gefährdet die notwendigen
Anstrengungen, um die Wirksamkeit sowjetischer aktiver Maßnahmen einzudämmen .
Es lohnt
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�Es lohnt sich, einen Blick auf die deutliche Unausgewogenheit der
Lage in Ost und West bezüglich aktiver Maßnahmen zu werfen. Das straff
kontrollierte politische System der Sowjets läßt wenig Raum für heimliche
Manipulationen. Es würde Einflußagenten wohl kaum gelingen, in die Strukturen des "demokratischen Zentralismus" einzudringen und diese fehlzuleiten.
Die kontrollierte Presse der UdSSR bietet kaum Möglichkeiten für einen Einfluß von außen. Westliche Gesellschaften sind dagegen für alle möglichen
politischen Einflüsse offen - einschließlich jener, die in trügerischer
Absicht im Dienste der sowjetischen Außenpolitik eingebracht werden. In
den Ländern des Westens unterliegen die Durchführungen der meisten aktiven
Maßnahmen nicht einmal strafrechtlicher Verfolgung - aus Angst, damit könnten der legitimen politischen Betätigung Grenzen gesetzt werden. Und wenn
im übrigen eine heimliche Bemühung in der totalitären Gesellschaft der
Sowjetunion fehlschlüge, dann gäbe es - im Gegensatz zum Westen - keine politische Opposition, die sich die Verlegenheit der Machthaber zunutze machen könnte, und eine gehorsame Presse würde der Öffentlichkeit eine solche
Schande vorenthalten. Die Antwort auf jene berühmte Reaktion, "das tun
doch alle", ist, daß aktive Maßnahmen ein Gebiet sind, auf dem der Westen
nicht effektiv konkurrieren kann.
In Demokratien - ganz sicherlich in den Vereinigten Staaten - sind alle
Meinungen, auch solche, die für Standpunkte eintreten, die den Standpunkten
von ausländischen Gegnern entsprechen, vom Gesetz unbedingt und völlig geschützt. Bemühungen, Interventionen durch aktive Maßnahmen einzudämmen,
sollten sich, außer in Fällen ungesetzlicher Handlungen zugunsten einer
ausländischen Macht, auf ausländische Einflußagenten konzentrieren und
nicht auf eigene Staatsbürger, die exotische Meinungen vertreten. Wir betrachten sogar die freie Konkurrenz der Ideen - woher sie auch stammen mögen - nicht nur als einen fundamentalen Anziehungspunkt unserer Gesell"
schaften, sondern auch als das Lebenselixier demokratischer Kraft. Daß
die Sowjetunion und ihre Stellvertreter zu aktiven Maßnahmen greifen, ist
ein stillschweigendes Eingeständnis ihrer Schwäche. Weil eben ihre Ideolo-

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�ihre Ideologie nicht aus sich selbst überzeugen kann, müssen sie im Wettbewerb in der internationalen Arena so stark zu Täuschung und psychologischer
Kriegführung greifen.

Notwendigkeit beharrlicher Antwort
Die vernünftigste Reaktion auf die aktiven Maßnahmen der Sowjets ist,
daß wir ausgewogen bleiben. Es wäre sicherlich ebenso unklug, die Bedrohung
zu ignorieren als von der Vorstellung einer ganz großen sowjetischen Verschwörung besessen zu sein, die unsere wichtigen politischen Prozesse manipuliere. Wir dürfen nicht vergessen, daß aktive Maßnahmen nur ein Aspekt
unserer komplexen Beziehung zur Sowjetunion sind.
Grundlage einer vernünftigen Antwort auf aktive Maßnahmen muß sein,
daß wir das Problem erkennen. Dazu gehört die Sammlung und Analyse von reT
levanten Informationen. Das ist keineswegs nur eine Sache der Geheimdienste, da die aktiven Maßnahmen sowohl politische als auch psychologische Aspekte
haben. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, daß aktive Maßnahmen über
Landesgrenzen hinweg wirken. Eine Fälschung, die den Interessen eines bestimmten Landes schaden soll, kann auf der anderen Seite des Globus auftauchen. Falschinformationskampagnen zielen auf die Medien vieler Länder.
Diese und andere Probleme sind jedoch keine unüberwindlichen Hindernisse
für ein viel besseres Verständnis des weltweiten Musters der aktiven Maßnahmen. Wir müssen nur unsere Antennen richtig auf die Herausforderung
ausrichten.
Da die Sowjets die aktiven Maßnahmen zu einem regulären Instrument
ihrer Außenpolitik gemacht haben, müssen wir de. Ganze als ein langfristiges Problem betrachten. Plötzliche Begeisterung, ihre schmutzigen Tricks
aufzudecken, gefolgt von Zeiten der Apathie, sind keine Antwort. Eine vernünftige und wirksame Antwort muß beharrlich und anhaltend sein. Das wird
am besten erreicht durch eine wachsende Aufklärung der Öffentlichkeit

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�der Öffentlichkeit und einen zunehmenden Konsens über die Bedeutung dieser
Tätigkeiten. Auch Regierungen haben die Pflicht, ihre Souveränität vor
Verzerrungen durch aktive Maßnahmen zu schützen, indem sie die ausländischen
Instrumente der Intervention enthüllen und entfernen - wie etwa den Diplomaten, der seinen Status mißbraucht, oder den ausländischen Journalisten,
der als Deckadresse für Falschinformationstätigkeit dient.
Aber unsere Antwort darf sich nicht auf eine wirksame Abwehr beschränken, so wichtig diese ist. Wir müssen aktiven Maßnahmen dadurch begegnen,
daß wir sie öffentlich enthüllen. Das sind Krankheiten, die nur im Dunkeln
gedeihen, und Sonnenlicht ist das beste Desinfektionsmittel. Die Regierungen sollten die Öffentlichkeit soweit wie möglich an unseren wachsenden
Erkenntnissen der sowjetischen Praxis teilhaben lassen. Es braucht nicht gesagt zu werden, daß solche Enthüllungen sowjetischer Manipulationen ein
Höchstmaß an Genauigkeit haben müssen.
Publizität dient mehreren Zwecken. Unsere Öffentlichkeit braucht die
besten Informationen, um ihren demokratischen Pflichten nachkommen zu können. Darüber hinaus hilft die Erkenntnis sowjetischer Praktiken unseren
Bürgern, daß sie nicht Opfer spezifischer aktiver Maßnahmen werden. Publizität schwächt auch den Anreiz für die Sowjets, da sie zunehmende Enthüllungen fürchten müssen. Umgekehrt würde einf stillschweigende Hinnahme des
sowjetischen Einsatzes aktiver Maßnahmen die UdSSR zu immer kühneren Aktionen ermutigen.
Zusammengefaßt kann man sagen, die Sowjetunion setzt aktive Maßnahmen in großem Umfang ein und hat einen großen bürokratischen Apparat für
die Durchführung dieser Maßnahmen geschaffen. Wenn sie auch keine unmittelbare, tödliche Bedrohung des Westens darstellen, so sind die aktiven Maßnahmen doch schädlich - in welchem Ausmaß läßt sich nicht ohne weiteres
feststellen. Welche Gefahr die aktiven Maßnahmen auch darstellen, ihr anhaltender Einsatz allein ist ein offensichtliches Hindernis für bessere

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�für bessere Beziehungen zur Sowjetunion. Wir sind uns zwar darüber im klaren,
daß die aktiven Maßnahmen nur ein Aspekt unseres komplexen Verhältnisses
sind, aber der gesunde Menschenverstand gebietet uns, diesen Übergriffen
nicht nur durch wirksame Abwehr, sondern auch dadurch entgegenzutreten,
daß wir unsere Bürger so umfassend wie möglich über diese Täuschungspraktiken informieren, denen sie ausgesetzt sind. So sehr wir auch wünschten,
die aktiven Maßnahmen würden aus der Außenpolitik verschwinden, so müssen
wir doch als Realisten mit den Folgen dieser feindseligen sowjetischen
Tätigkeiten leben und sie, so gut wir können, eindämmen.

+ + + + +

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�22

25. Mai 1983

SORGFÄLTIGE SCHWANGERENBETREUUNG BEI DIABETES
- Angeborene Defekte gehen merklich zurück -

- (AD) - Obgleich angeborene Defekte und Mißbildungen bei Babies diabetischer Frauen zwei- bis fünfmal häufiger als bei Babies nicht zuckerkranker Mütter zu beobachten waren, ist Diabetes heute kein Grund mehr,
von einer Schwangerschaft abzuraten, "ei richtiger Betreuung der werdenden Mutter, so Dr. Larry Cousins, Gynäkologe am Klinikum der Universität
Kalifornien in San Diego, und bei sorgfältiger Überwachung der Entwicklung des Kindes sei kaum mehr mit Anomalien zu rechnen. Diese betrafen in
erster Linie Gehirn, Wirbelsäule, Herz, Nieren und Skelett sowie lebenswichtige Stoffwechselprozesse.
Dr. Cousins macht aber besonders darauf aufmerksam, daß bei nichtdiabetischen Frauen eine Schwangerschaft Zuckerkrankheit auslösen könne*
Schwangerschaftsdiabetes sei eine Folge der hormonalen Veränderungen in
dieser Zeit und verschwinde in den meisten Fällen nach der Entbindung
wieder. Aber die Erkrankung sei oft das Anzeichen für eine genetisch bedingte Disposition für Zuckerkrankheit und ein Signal, daß diese im späteren Lebensalter manifest werden könne. Auf jeden Fall sollten stets

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�sollten stets Tests auf Schwangerschaftsdiabetes durchgeführt und eine
entsprechende Behandlung eingeleitet werden.
Am Universitätsklinikum in San Diego werden regelmäßig Informationsprogramme über "Schwangerschaft" und "Diabetes der Frau" angeboten, in
denen u.a. Schwangerschaftsdiabetes und Risikoschwangerschaften eingehend
erörtert werden. Es gibt keine klinischen Symptome dafür, daß sich bei
einer Fr u Schwangerschaftsd'abetes entwickelt. Jedoch können gewisse Faktoren wie Korpulenz, familiär gehäuftes Auftreten von Diabetes, Lebensalter (älter als 25 Jahre) oder die Tatsache, daß die Schwangere bereits
sehr schwere Babies von mehr als 3 800 Gramm Gewicht zur Welt gebracht hat,
ein erhöhtes Risi«o bedeuten. Eine Schwangerschaft diabetischer Frauen
verlangt eine besonders sorgfältige Überwachung von Mutter und Kind und
Vorsorge für spezielle Maßnahmen zur Geburt. Häufig wird noch vor Ablauf
der normale; 40-Wochen-Frist die Geburt künstlich eingeleitet.
Laut Cousins sei bei angemessener vorgeburtlicher Betreuung zu vermeiden, daß Babies diabetischer Mütter zu groß und zu schwer werden, was
die Geburt kompliziert. Die schwangeren Diabetikerinnen erhalten regelmäßige diätetische Beratung, ihre medikamentöse Behandlung ist ganz auf
die jeweiligen individuellen Gegebenheiten zugeschnitten. Auch werden die
Frauen gründlich darin unterwiesen, zu Hause den Blutzuckerspiegel regelmäßig zu kontrollieren. Für die Untersuchung der Neugeborener steht ein
Team besonders geschulter Ärzte zur Verfügung.

- Eltern lernen Mund-zu-Mund-Beatmung Babies, die auf der Frühgeborenen-Intensivstation des Universitätsklinikums gepflegt werden mußten, dürfen von ihren Eltern erst dann nach
Hause genommen werden, wenn diese einen Spezialkursus über Herzmassage

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�über Herzmassage

und Mund-zu-Mund-Beatmung erfolgreich absolviert haben.

Wenn Säuglinge das Leben in einer Intensivstation beginnen, haben sie gewöhnlich Untergewicht, sind nicht voll entwickelt und sehr krankheitsanfällig. Tod während des ersten Lebensjahres ist bei ihnen doppelt so häufig wie bei gesunden Babies; bei Frühgeborenen ist der sogenannte plötzliche Kindstod sogar achtmal häufiger.
Entgegen anfänglicher Bedenken bei Ärzten und Schwestern, daß eine
Schulung der Eltern in Wiederbelebungsmaßnahmen bei Atem- oder Herzstillstand solcher gefährdeten Babies sie noch mehr verunsichern oder verängstigen könne, erwiesen sich als völlig unbegründet. Vielmehr ist gerade
dieses Programm eine wichtige psychologische Hilfe. Die Eltern haben nun
die Gewißheit, im Notfall zunächst selbst das Richtige zun zu können, bis
der Arzt eintrifft oder die weitere Behandlung in der Klinik gesichert ist.
Im Verlauf der letzten Monate wurde im Einzugsbereich des Klinikums sieben
Babies auf diese Weise das Leben gerettet. Die Methode ist speziell auf
die Gegebenheiten bei dem winzigen Körper abgestellt. Die Eltern der Babies erlernen die Technik überraschend schnell und erweisen sich in der
Regel in der Anwendung als sehr geschickt.

+ + + + +

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