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                  <text>Information
und
Dokumentation

I

United States Information Service

21

18.Mai 1983

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan: USA sind dem Ziel der Nichtweiterverbreitung von
Kernwaffen verpflichtet
- Botschaft des Präsidenten an den amerikanischen Kongreß
Schreiben Reagans an Mitglieder des Senats zum Thema
Rüstungskontrolle
- Wortlaut Ziel der Sowjetunion ist die Zerstörung der NATO
- US-Verteidigungsminister Weinberger im Gespräch mit
europäischen Journalisten Offener Brief Trudeaus zur Erprobung der Marschflugkörper
in Kanada
- Wortlaut -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuer Katalysatortyp steigert Ausbeute an synthetischen
Kohlenwasserstoffen

Um Uber/endung von
ßckgcHcmpfcwcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40

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1

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

21

18. Mai 1983

REAGAN: USA SIND DEM ZIEL DER NICHTWEITERVERBREITUNG VON
KERNWAFFEN VERPFLICHTET
• Botschaft des Präsidenten an den amerikanischen Kongreß

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 11. Mai 1983 unterstrichen,
daß die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen (Nonproliferation) ein grundlegendes Sicherheitsziel der Vereinigten Staaten ist.
In einer Botschaft an den amerikanischen Kongreß erklärte der Präsident,
seine Regierung habe dieses Ziel aktiv verfolgt, indem die wesentlichen Maßnahmen zur Nichtweiterverbreitung verstärkt und neue Mittel und Wege erarbeitet wurden, um diese Interessen der USA zu fördern.
Die Botschaft Reagans, die dem Kongreß zusammen mit einem Bericht über
die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen übermittelt wurde, hat folgenden
Wortlaut:
Die Verhinderung der Weiterverbreitung von Kernwaffen ist ein seit langem bestehendes und grundlegendes Sicherheitsziel.

Meine Regierung ist

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Meine Regierung ist diesem Ziel mit allem Nachdruck verpflichtet und hat es
aktiv verfolgt, indem sie die wesentlichen Maßnahmen zur Nichtweiterverbreitung verstärkt und neue Mittel und Wege erarbeitet hat, um unsere Interessen
der Nichtweiterverbreitung gegebenenfalls zu fördern.
Wie ich in meiner Erklärung vom 31. März betont habe, müssen die Bemühungen, der Weiterverbreitung von Kernwaffen Einhalt zu gebieten, verstärkt
werden, soll die Rüstungskontrolle umfassend sein und die Sicherheit der Welt
gefördert werden.

Wir setzen unsere Anstrengungen mit anderen Ländern im Hin-

blick auf die Notwendigkeit dringender Schritte fort, die Maßnahmen gegen eine
Weiterverbreitung von Kernwaffen zu stärken.
Die Maßnahmen der amerikanischen Regierung bezüglich der Nichtweiterverbreitung und der friedlichen nuklearen Zusammenarbeit im Jahr 1982 sind
in dem Bericht aufgeführt, der aufgrund des Abschnittes 601 des Gesetzes über
die nukleare Nichtweiterverbreitung aus dem Jahr 1978 (Public Law 95-242)
vorgelegt werden muß.
Der Bericht wurde vom Außenministerium in Zusammenarbeit mit anderen
zuständigen Ministerien und Behörden erstellt.

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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

21

18. Mai 1983

SCHREIBEN REAGANS AN MITGLIEDER DES SENATS ZUM THEMA ROSTUNGSKONTROLLE
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 12. Mai 1983 in
einem Schreiben an die Senatoren Charles Percy, Sam Nunn und William
Cohen erklärt, daß das Prinzip einer beiderseitigen Rüstungsverringerung
- Verschrottung einer höheren Anzahl alter Waffen als die Anzahl der neu
dislozierten - nützlich sei, wenn es flexibel formuliert und angewandt
sowie im Kontext des modifizierten START-Vorschlags ausgehandelt werde.
Das Schreiben des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich danke Ihnen für Ihren jüngsten Brief zum Thema unseres strategischen Modernisierungsprogramms und seines Verhältnisses zu unseren Rüstungsvorschlägen. Ihr Schreiben zeigt jenen überparteilichen Geist, der
meiner Meinung nach dazu beitragen wird, unsere gemeinsamen Ziele zu erreichen: Die Sicherstellung wirksamer Abschreckungsstreitkräfte und ausgeglichene und verifizierbare Rüstungsverringerungen.
Grundlegendes Ziel der Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen, die
die Rüstungsverringerung betreffen, und insbesondere bei unserer Haltung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�unserer Haltung in den START-Verhandlungen, ist es, Vereinbarungen anzustreben, die die Sicherheit und die Stabilität durch eine Verringerung
des Gesamtumfangs der Streitkräfte erhöhen und gleichzeitig die für eine
glaubwürdige Abschreckung notwendige Modernisierung der amerikanischen
Streitkräfte erlauben würde.
Wie Sie wissen, hat die Scowcroft-Kommission festgestellt, daß Elemente unserer START-Vorschläge mit den Ergebnissen der Kommission in
Einklang stehen und diese unterstützen. Ich stimme von ganzem Herzen dem
zentralen Thema der Kommission hinsichtlich der Rüstungskontrolle zu:
Erzielen einer Stabilität auf dem niedrigstmö'glichen Umfang der Streitkräfte.
Die Empfehlungen der Scowcroft-Kommission zu Modernisierung und Rüstungskontrolle stehen in organischer Beziehung zueinander. Unsere Maßnahmen im Hinblick auf diese Empfehlungen müssen gleichermaßen umfassend sein.
Aus diesem Grund wird derzeit von mir eine Überprüfung unseres START-Vorschlags in der Absicht durchgeführt, Änderungen zu entwerfen, wie sie notwendig sind, um die von mir geteilte Haltung der Kommission widerzuspiegeln.
Um nur ein Beispiel zu nennen: Der Bericht der Kommission empfiehlt,
daß die vorgeschlagene Begrenzung bei den dislozierten ballistischen Raketen, wie sie derzeit in der amerikanischen START-Position enthalten ist,
einer Überprüfung unterzogen wird, da sie nicht in Einklang mit der wünschenswerten Entwicklung in Richtung auf kleine Interkontinentalraketen
(ICBM) mit nur einem Sprengkopf steht.
Zur Einarbeitung dieser und anderer Empfehlungen der Kommission in
unsere Position hinsichtlich der Rüstungsverringerungen steht uns eine
ganze Reihe von alternativen Möglichkeiten zur Verfügung. Bei der Modifizierung unseres START-Vorschlags werde ich auch weiterhin Stabilität
auf dem niedrigstmöglichen Streitkräfteumfang anstreben.
Die von

�Die von meiner Administration vorgeschlagene Dislozierung der
"Friecenswahrer"-Raketesteht im Einklang mit der langfristigen Zielsetzung
des Berichtes der Scowcroft-Kommission. Die "Friedenswahrer"-Rakete, disloziert in einer Mischung mit kleinen ICBM mit nur je einem Gefechtskopf,
würde es uns ermöglichen, die Wirksamkeit unserer Abschreckung beizubehalten und die Stabilität zu erhöhen.
Lassen Sie mich gleichzeitig betonen, daß wir keine Erstschlagkapazität anstreben. Zu diesem Zweck haben wir die von uns für eine Dislozierung geplante Menge von "Friedenswahrer"-Raketen auf ein Mindestmaß begrenzt, wie sie nötig ist, um die Wirksamkeit unserer Abschreckung zu garantieren - nichts weiter.Unsere Aufgabe war

natürlich viel leichter,

wenn die Sowjets einer Zusammenarbeit mit uns zustimmen würden, um das Verhältnis von treffgenauen Gefechtsköpfen zu Raketensilos zu verringern.
Es liegt auf der Hand, daß der Gesamtumfang der "Friedenswahrer"Dislozierung im Einklang mit den Erfordernissen unserer nationalen Sicherhiet von den strategischen Programmen der Sowjets und von den Vereinbarungen über Rüstungsverminderungen beeinflußt wird.
Außerdem bin ich mir voll der zentralen Rolle bewußt, die die kleinen, nur mit einem Gefechtskopf bestückten ICBM bei dem in dem Bericht
der Scowcroft-Kommission empfohlenen Gesamtmodernisierungsprogramm spielen.
Wir werden sogleich eine umfassende Anstrengung unternehmen, um den Vorschlag einer kleinen, nur mit einem Gefechtskopf ausgerüsteten Interkontinentalrakete mit höchster Priorität zum Tragen zu bringen.
Bei ihren Erwägungen hinsichtlich der Durchführung des ICBM-Modernisierungsprogramms in seinen wesentlichen Teilen kam die Scowcroft-Kommission zudem zu der Ansicht, daß in den kommenden Monaten eine Reihe von
Entscheidungen - sowohl der Exekutive als auch des Kongresses - notwendig
seien, um die künftige Gestalt unserer ICBM-Streitmacht festzulegen.
Weiterhin stellte
- 3 -

�Weiterhin stellte sie fest, daß nicht alle diese Entscheidungen im
Jahre 1983 getroffen werden könnten oder sollten. Die wohl abgewogene Art
der Entscheidungsfällung, wie sie von einer Reihe von Kongreßmitgliedern
vorgeschlagen wurde, steht voll in Einklang mit den Intentionen des Berichtes der Scowcroft-Kommission. Ich bin mir völlig der Tatsache bewußt,
daß ein dauerhafter Konsens bei einer solch wichtigen Frage sorgfältig
hergestellt werden muß, und ich beabsichtige, mir die Zeit zu nehmen, um
einen solchen dauerhaften Konsens zu schaffen.
Ich möchte jedoch alle Betroffenen darauf hinweisen, daß sie an eines
denken sollten: Wenn wir unsere kritischen Elemente des Entscheidungsfindungsprozesses unnötig lange währen lassen, so werden wir die Sowjets nur
dazu ermutigen, die Verhandlungen zu verzögern, während sie gleichzeitig
mit ihren eigenen Waffenmodernisierungsprogrammen fortfahren.
Um dies zu verhindern, erbitte ich vom Kongreß ein deutliches Zeichen
der Unterstützung, um die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten zu signalisieren. Hierzu gehört die offenkundige Notwendigkeit, rasch die Mittel
zu bewilligen, um die "Friedenswahrer"-Raketen zu beschaffen. Gemeinsam
sollte dies erreichbar sein, während gleichzeitig unserem beiderseitigen
Wunsch entsprochen wird, die Probleme de; Dislozierung, wann immer möglich,
auf sorgfältige, überlegte Weise zu lösen.
Sie haben erwähnt, daß bestimmte zusätzliche Initiativen dabei hilfreich sein könnten, uns auf unsere Ziele der Sicherheit und Stabilität bei
einem verminderten Streitkräfteumfang hinzuführen. Eine der hervorstehendsten dieser Initiativen ist der Gedanke eines "garantierten Abbaus".
Das Prinzip eines beiderseitigen Abbaus, wenn flexibel formuliert
und angewendet sowie im Kontext unseres modifizierten START-Vorschlags
ausgehandelt, wäre ein nützliches Mittel, um die Verringerung zu erreichen,
die wir alle anstreben.
Es würde

�Es würde, wenn korrekt angewendet, unsere Absicht unterstützen, die
Anzahl der Gefechtsköpfe bei ballistischen Raketen auf beiden Seiten zu
begrenzen und beide Seiten dazu zu bringen, dieses Niveau im Laufe der
Zeit stetig und beträchtlich herabzusetzen.
Es könnte von beiden Seiten flexibel und mit einem vernünftigen Spielraum angewendet werden, um die Streitkräfte ausgewogen zu machen, die disloziert und reduziert werden. Je nach Notwendigkeit würden variable Bezugsgrößen eher zu stabilisierenden als zu weniger stabilisierenden Systemen
ermutigen.
Es könnte auch in Verbindung mit einer vereinbarten Untergrenze angewendet werden, die - wäre sie einmal erreicht - eine Aufhebung der AbbauVereinbarung und damit Neuverhandlungen auslösen würde.
Wie auch Sie darauf hinweisen, muß ein jegliches Konzept des Abbaus
die Bedeutung der strategischen Modernisierung und die Notwendigkeit anerkennen, während des Abbauprozesses ein Gleichgewicht aufrechtzuerhalten,
um der Tatsache der Asymmetrie zwischen den amerikanischen und den sowjetischen Streitkräften Rechnung zu tragen.
Erforderlich wären natürlich auch Vereinbarungen über wirksame Verifizierungsmaßnahmen - einschließlich Zähl regeln für alle Systeme.
Meine Administration untersucht derzeit die Struktur eines Abbau-Vorschlags, der diesen Kriterien gerecht und ein START-Abkommen erleichtern
würde, das beträchtliche Verringerungen bei den Nuklearwaffen umfaßt. Ich
werde mit Ihnen und Ihren Kollegen bei der Entwicklung eines solchen Vorschlags zusammenarbeiten.
Zum Schluß möchte ich noch den ganz außergewöhnlichen Beitrag erwähnen, den die Scowcroft-Kommission geleistet hat. Er bot die Gelegenheit für die überparteiliche Analyse einer überaus schwierigen Frage als

- 5 -

�Frage als ersten Schritt in Richtung auf die notwendige Liberparteiliche
Unterstützung der dringend notwendigen Modernisierung unserer strategischen Streitkräfte.
Ohne Einzelheiten oder den zeitlichen Ablauf vorzuschreiben, unterbreitet der Bericht der Kommission Richtungen, die bei der weiteren Entwicklung unserer ergänzenden Strategie für die Rüstungsverringerung eingeschlagen werden könnten. Kurzfristig werden weiterführende Vereinbarungen,
zu denen Mitglieder der Kommission herangezogen werden, sowie eine enge
Koordination mit dem Kongreß sowohl technisch als auch politisch äußerst
hilfreich sein, wenn es darum geht, diese Entwicklung zu Ende zu denken.
Wir werden natürlich sorgfältig abwägen, um herauszufinden, welche Vereinbarungen unseren gemeinsamen Zielen am besten gerecht werden.
In dieser Hinsicht scheint mir ein Ausschuß überparteilicher Zusammensetzung und mit wechselnder Besetzung das Beste zu sein, um in diesem
Bereich Rat und Kontinuität sicherzustellen.
Ich werde, auf der Erfahrung der Scowcroft-Kommission aufbauend, mit
dem Kongreß zusammenarbeiten, um den Konsultativ- und Beratungsprozeß zu
stärken und zu ergänzen, damit im Bereich der Rüstungskontrollinitiativen
ein dauerhafter, nationaler, überparteilicher Konsens sichergestellt wird
- ein Konsens, der es verdient, von einer Administration zur nächsten gewahrt zu werden.
+ + + + +

- 6 -

�18. Mai 1983

ZIEL DER SOWJETUNION IST DIE ZERSTÖRUNG DER NATO
US-Verteidigungsminister Weinberger im Gespräch mit
europäischen Journalisten

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar
W. Weinberger erklärte bei einem Informationsgespräch mit eurnDäischen
Korrespondenten am 27. April 1983 in Washington, das größte Ziel der Sowjetunion sei die Zerstörung des Atlantischen Bündnisses.

Weinberqer

gab seiner Überzeugung Ausdruck, daß Moskau "nahezu alles tun werde",
um die Dislozierung von neuen Raketen des Typs PERSHING II und von bodengest'ützten Marschflugkörpern in Europa zu verhindern, die zur Modernisierung des Waffenarsenals der NATO vorgesehen sind.
Die Sowjetunion, betonte Weinberger in einem Gespräch mit den
Journalisten, möchte ihr Monopol bei den weitreichenden Mittelstreckenraketen aufrechterhalten.
Die Fragen der Journalisten und die Antworten Weinbergers haben,
um einige weniger wesentliche Fragen und Antworten gekürzt, folgenden
Wortlaut:
Frage: Gestatten

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Frage: Gestatten Sie mir, einen Satz aus Vizepräsident Walter
Mondales gestriger Ansprache vor Zeitungsverlegern herauszugreifen, in
der er sagte, das atomare Wettrüsten könne niemals gewonnen werden. Meine
Frage geht dahin: Fassen Sie je den Stop eines solchen Wettrüstens ins
Auge, oder werden sie ihn je ins Auge fassen? Wenn ich das frage, möchte
ich damit nicht Antwort: Ob ich was je ins Auge fassen werde?
Antwort: Eine Art von Stop, wenn Sie es so wollen, der Eskalation des Antwort: Des Wettrüstens?
Frage: Ja!
Antwort: Ja, gewiß. Wir haben zwei Punkte in Genf auf dem Verhandlungstisch; Vorschläge, die die weitere Ansammlung von Kernwaffen auf beiden Seiten beenden oder ganz erheblich vermindern würden; und das gilt auch für konventionelle Waffen und für Mittelstreckenraketen. Dies sind Methoden, das
Wettrüsten aufzuhalten. Aber man kann solche Verhandlungen nur mit Erfolg
führen, wenn man über genügend Stärke verfügt, um den Sowjets einen Anreiz
fü; Reduzierungen zu bieten, Ich bin der festen Meinung, daß dies möglich
ist. Ich meine, es muß geschehen. Und ich möchte sehr hoffen, daß die Sowjets in einigen dieser Verhandlungen eine entgegenkommendere Haltung einnehmen werden, als bisher ....
Frage: Ich möchte Ihnen eine Frage im Zusammenhang mit dem Problem der
Gefechtsköpfe stellen, die unter anderem von der Scowcroft-Kommission aufgeworfen wurde. Viele Leute meinen, daß es im gegenwärtigen Augenblick
ein wesentlicher Fortschritt wäre, wenn man sich angesichts der Situation
bei der Kernwaffen auf Raketen mit nur einem Gefechtskopf einigen würde.
Damit würden die Kernwaffenarsenale wesentlich verringert und gleichzeitig die Stabilität verbessert werden. Was ist Ihre Meinung hierzu?
Antwort: Es

�Antwort: Es handelt sich um die kleine, mit nur einem Gefechtskopf
ausgestattete Rakete, nicht wahr?
Frage: Nicht nur das, sondern darüber hinaus auch um andere Raketen
mit nur einem Gefechtskopf.
Antwort: Mit nur einem Gefechtskopf.
Frage: Fortfall der MIRVs, der Mehrfachgefechtsköpfe?

Antwort: Sie sollten sich allem voran, meine ich, die grundlegenden
Kriterien vor Augen halten, die der Präsident aufgestellt hat. Sie besagen,
daß wir nachdrücklich für eine Verringerung der Kernwaffen, in der Tat aller Waffen, auf einen Umfang sind, der uns die Parität oder Gleichgewichtig
keit einbringt und vollkommen verifizierbar ist. Das Abgehen von den Gefechtsköpfen, von Mehrfachgefechtsköpfen, und der Übergang auf Einzelgefechtsköpfe wurde als ein Schritt empfohlen, der durch die Scowcroft-Kommission sehr sorgfältig und gründlich sondiert werden müsse; und das geschieht gegenwärtig. Wir verfügen im Augenblick über keine leichte,

mobile

Rakete mit nur einem Gefechtskopf. Wir müßten eine solche von interkontinentaler Reichweite erst noch entwicklen. Man wird - wie wir hoffen - die
Scowcroft-Kommission, will sagen ihren Bericht, akzeptieren. Und wir werden mit der Entwicklungsarbeit beginnen. Dabei ist zu bedenken, daß die
Zahl der Gefechtsköpfe mehr oder weniger eine Funktion der Zahl der Ziele
ist. Deshalb gilt es, den Blick auf die Zahl der Ziele zu richten, die zu
erfassen sind, um eine wirksame Abschreckung aufrechtzuerhalten. Das soll
nicht besagen, daß wir je auf diese Ziele zu feuern oder sie je zu treffen
wünschen. Wir müssen aber in der Lage sein, die andere Seite zu überzeugen.
Die Abschreckung besteht darin, was sich die Sowjets vorstellen. Die Sowjets müssen sich also vorstellen können, daß wir über die Fähigkeit
verfügen, ihnen nach einem Ertsschlag durch sie - wir würden einen Erstschlag nie ausführen - hinreichend Schaden zuzufügen vermögen. Aber auch
- 3 -

�Aber auch nach einem Erstschlag durch sie, darüber müssen sie sich klar
sein, verfügen wir über genügend Stärke, über genügend Vergeltungsstärke,
um ihnen so großen Schaden zuzufügen, daß sie den Erstschlag besser unterlassen. Das läßt sich auf mehreren Wegen dartun. Es läßt sich über Mehrfachgefechtsköpfe erreichen oder über eine größere Zahl von Raketen mit
Ei nzelgefechtsköpfen.
Raketen mit Einzelgefechtsköpfen bieten in einem gewissen Sinne mehrere Vorteile, insofern als jede einzelne Rakete ein weniger kostspieliges
Ziel darstellt als eine Rakete mit zehn Gefechtsköpfen - oder im Falle der
Sowjetunion mit 20 Gefechtsköpfen. Das also kann man als einen Vorteil
ansehen.
Die wirkliche Lösung ist aber meiner Meinung nach sogar einfacher.
Sie ist vielleicht schwerer zu erreichen, ja sie wird sicher schwerer zu
erreichen sein. Eine wirkliche Lösung liegt darin, eine drastische Verminderung der Atomrüstung auf beiden Seiten - der Gefechtsköpfe, der Traglasten und der Sprengkraft zu erreichen - was nach meinem Dafürhalten die
wirksamste Methode zur Bemessung und Verwirklichung wäre drastische Verringerung auf beiden Seiten bis herab zu dem Punkt zu erreichen, an dem
Gleichheit eintritt und an dem sie verifizierbar werden. Das aber bedeutet
Verifizierung an Ort und Stelle, die wir immer angeboten haben und in die
die Sowjets nie eingewilligt haben. Das ist die Methode, nach der wir
meiner Meinung nach einen wirklichen Fortschritt im Abbau der Bedrohung
durch diese Waffen erlangen können.
Und was die Langstreckenraketen auf lange Sicht angeht,- und damit gehe ich weit von Ihrer spezifischer Frage ab - steht alles in den Sternen.
Und damit meine ich die Zahl der Jahre, die es dauern wird - dies und
nichts anderes - bis es uns, wie wir zuversichtlich hoffen, gelingen wird,
eine brauchbare Verteidigung gegen diese Ar + von Raketen zu entwickeln,
und daß diese Verteidigung zuverlässig genug ist, um die Bedrohung, die

- 4 -

�Bedrohung, die sie in die Welt getragen haben, den Terror und die Schrekken abzuwenden. Das ist eine Frage, an der wir weiter arbeiten müssen
und auf di\ wir uns weiter konzentrieren müssen. Wir sind uns aber darüber
im klaren, daß sie erst in einer Reihe von Jahren akut wird, daß wir gegenwärtig über eine solche Möglichkeit nicht verfügen und daß wir unsere Abschreckungskräfte als einen strategischen Schirm die ganze Zeit über beibehalten werden. Wir arbeiten daran, und wir haben eine Menge Arbeit
geleistet. Auch die Sowjets haben eine Menge Arbeit geleistet;

es han-

delt sich um ein erreichbares Ziel, nicht aber um ein Ziel, das wir schon
erreicht haben.
Ich halte den Aufruf des Präsidenten, weitere Schritte zu unternehmen
und diesem Projekt höhere Priorität einzuräumen, für äußerst wichtig. Hier
zeigt sich uns eine Angelegenheit, die ihn - wie ich weiß - seit Jahren,
seit vielen Jahren schon interessiert: die Verteidigung. Das ist einer der
Gründe, aus denen er sich für die Methode der Stationierung in dichten Bündeln entschieden hatte, weil diese Methode angesichts des derzeitigen Standes der Abwehr ballistischer Raketen die ist, die sich am besten für Verteidigungszwecke eignet. Das liegt aber alles weit weg von unserer Ausgangsfrage nach den Raketen mit nur einem Gefechtskopf. Die Beschränkung auf
nur einen Gefechtskopf ist eine weitere Methode, die Abschreckung zu gewährleisten; sie erfordert allerdings sehr weiträunige Dislozierungen und
eine sehr große Zahl von solchen Raketen. Wir müßten dann aber unsere Haltung in einigen der Gespräche über den Rüstungsabbau, bei denen man sich
bisher auf Startanlagen anstatt auf die Zahl der Gefechtsköpfe konzentrierte, in mancher Hinsicht ändern.
Frage: Herr Minister, ich habe eine Frage. Trifft die Feststellung zu,
daß die Doktrin der flexiblen Antwort aufgrund des relativ niedrigen Grades des Vorbereitetseins der NATO auf dem Gebiet der konventionellen
Waffen Schwachstellen aufweist?
Antwort: Die

�Antwort: Die NATO bedarf größerer Stärke im Bereich der konventionellen Verteidigung. Das ist einer der Gründe dafür, daß wir nach neuen Technologien suchen, sehen wir doch darin eine Möglichkeit, die Stärke im konventionellen Bereich zu mehren, ohne die Mannschaftsstärken zu erhöhen
und sehr große stehende Heere zu erhalten, was die Völker in unserer Art
von Ländern, was unsere Gesellschaften nicht so gerne hätten. Wir brauchen aus einer Reihe von Gründen eine stärkere konventionelle Verteidigung.
Einer von ihnen ist genau der gleiche, der für die Abschreckung gilt und das schon, wie ich meine, seit Jahren. Eine der großen Stärken der
NATO besteht darin, daß sie ein Maß an Abschreckungsstärke beibehalten hat,
sowohl bei den strategischen als auch bei den konventionellen Waffen, das
vor einem Krieg abzuschrecken vermochte - und zwar seit 34 Jahren.
Von entscheidender Bedeutung ist, daß dies weiter so bleibt.
Gefährlich ist, daß die Sowjets, sollten sie auf irgendeinem Gebiet
einen hinreichenden Vorsprung erlangen, meinen könnten, das Risiko eines
Vorstoßes wäre nicht allzu groß. Man muß diese Dinge ständig vom Standpunkt
der sowjetischen Planer aus betrachten: Was reicht aus, sie davon zu überzeugen, daß sie einen Erstschlag besser nicht auslösen sollten.
Das andere Problem, das mit dem Versäumnis einhergeht, hinreichende
konventionelle Stärken aufrechtzuerhalten, ist die Tatsache, daß viele Leute in der Vergangenheit meinten, die sowjetische konventionelle Stärke sei
so groß, daß ein sowjetischer Angriff mit konventionellen Waffen in kurzer
Zeit schor zu einer Entgegnung mit nuklearen Waffen eskalieren müsse; das
wiederum wollen wir auf keinen Fall. Wir wollen ein hinreichendes Maß an
konventioneller Stärke aufrechterhalten - vor Ort und auch interkontinental -, damit es zu einem derartigen Angriff erst gar nicht kommt.
Frage: Darf ich Ihnen zwei Fragen stellen, als eine Art Anschlußfrage
im Zusammenhang mit Ihrem Wunsch, unsere konventionelle Verteidigung zu
stärken: Welches Ergebnis erwarten Sie von der Überprüfung der taktischen
nuklearen Arsenale, die die NATO gegenwärtig hinsichtlich der vorhandenen

�der vorhandenen Typen, der Bestände und der Zeitplanung unternimmt - können Sie dazu etwas sagen?
Antwort: Ich halte es für wichtig, daß man die Kapazitäten in allen
Bereichen überprüft. Eine fortgesetzte Überprüfung ist angezeigt. Ich halte jede uns zu Gebote stehende neue Technologie als Stärkung unserer konventionellen Bewaffnung für wichtig, um unsere Streitkräfte auf diese Art
und Weise gewissermaßen multiplizieren zu können; das ist die wohl beste
Methode. Was die taktischen Nuklearwaffen angeht, so haben die Sowjets
solche. Wichtig ist, daß auch wir moderne und wirksame Waffen in diesem Bereich bereithalten - nicht notwendigerweise in großen Mengen oder so.
Was wir aber tun müssen - und hier handelt es sich um einen fortwährend notwendigen Prozeß der Überprüfung - was wir also tun müssen ist, das
aufrechtzuerhalten, was ich diese schrecklichen Gleichungen nenne. Wir müssen fortgesetzt überprüfen, was die Sowjets haben. Nicht wir haben diese
Welt geschaffen. Wir verbergen nichts, und wir in der NATO hegen keine aggressiven Wünsche oder Absichten. Wir müssem versuchen, manchmal fast täglich, eine Gesamtrechnung aufzustellen, was wir auch tatsächlich zu tun versuchen: Grad der Stärke, Ausmaß der Abschreckung, Stärke der Vergeltung
und alles, was notwendig ist, einen eventuellen Angriff zum Stillstand zu
bringen - und das auf allen Ebenen. Die Sowjets haben sehr große taktische
Gefechtsfeld-Nuklearkapazitäten. Wir müssen dem etwas entgegenzusetzen haben. Wir wissen, daß sie einige Verträge auf dem Gebiet der chemischen und
biologischen Kriegführung gebrochen haben, und deshalb müssen wir, zögernd
zwar, auch auf diesem Gebiet gewisse Kapazitäten unterhalten.
Ich kann Ihnen keine spezifischen Zahlen nennen. Ich möchte nur sicherstellen, daß sich die Überprüfung der Stärken durch die NATO an der
Vorstellung dessen orientiert, was wir bedürfen, um einen Grad der Vergeltungsstärke aufrechtzuerhalten und leider so gut wie fortwährend, weil die
Sowjets sehr viel auf diesem Gebiet investieren. Diese Überprüfung hält

- 7 -

�Diese Überprüfung hält nun schon seit über 21 Jahren an, und nichts deutet darauf hin, daß wir sie je einstellen könnten. Was auch immer geschieht, die Wirtschaft, die Gallup-Umfragen bezüglich der Sowjetunion
oder die Anhörungen

durch den Kongreß und alle diese Dinge, sie kennen

keinen Stillstand. Und deshalb haben wir diese Überprüfungen als Fakcor
in unsere Gleichungen von den Entgegnungsmöglichkeiten einbezogen.
Frage: Darf ich Ihnen noch die andere Frage zum Thema der Mittelstreckenraketen stellen? Welche Faktoren sehen Sie als entscheidend für
die zeitliche Abfolge und die Art einer ernsthaften sowjetischen Eingehung auf unseren Vorschlag einer Zwischenlösung,auf die sogenannten Interimsvorschläge, vor? Wie meinen Sie, daß sich die Dinge hier entwickeln
werden?
Antwort: Ich weiß nicht. Voraussagen sind sehr schwer zu treffen.
Ich kann noch nicht einmal vorhersagen, was der Kongreß tun wird, ganz
zu schweigen, was die sowjetischen Verhandlungsführer tun werden?
Frage: Verzeihung. Was ich meine ist, daß jeder VerhandlungsfUhrende eine gewisse Vorstellung davon haben muß, was sein Gegenüber am Verhandlungstisch denkt.
Antwort: Nähme ich an den Verhandlungen teil - und nach meinem Dafürhalten denken einige unserer Leute so -, ginge ich davon aus, daß praktisch nichts geschehen wird, bis die bodengestützten Marschflugkörper und
die PERSHING II disloziert sind, daß die Sowjets am Verhandlungstisch bleiben und reden werden, daß sie uns aber nicht auf nützliche oder wirksame
Art und Weise entgegenkommen werden. Bisher jedenfalls haben sie das
nicht getan. Eine weitere Runde steht uns ja noch im Mai bevor. Ich hoffe,
daß ich mich irre - es würde mich freuen, sollte ich mich irren -, aber
nach meinem Dafürhalten sind die bisherigen öffentlichen Verlautbarungen
zu der vom Präsidenten vorgeschlagenen Zwischenlösung, der InterimsMethode, zur Erreichung der Null-Lösung nicht besonders günstig ausgefallen.

- 8 -

�günstig ausgefallen. Es gibt eine Menge Leute, die da meinen, Hauptziel
der Sowjets sei es, die Dislozierung der als Gegengewicht zur SS-20 vorgesehenen Waffen zu verhindern. Werden diese wirklich disloziert, und es ist
ganz klar, daß die Dislozierung nach Plan erfolgt, werden wir vielleicht
tatsächlich eine Art Gegenvorschlag erhalten. Das scheint logisch, weil die
Sowjets von einer Vereinbarung über eine Verminderung ihrer SS-20 etwas
profitieren müssen. Sie besitzen gegenwärtig nach der letzten von uns publizierten Zählung 351 SS-20 Raketen, und es kommen immer neue dazu. Jede von
ihnen hat drei Gefechtsköpfe. Sie sind sämtlich motorisiert und wiederverwendungsfähig. Die Sowjets haben es nicht nötig, irgendeiner Regelung zuzustimmen oder irgendwelche Verminderung vorzunehmen, solange es keine Gegenwaffe gibt; und es gibt sie wirklich nicht. Deshalb meine ich, daß wir diese
Dislozierungen vornehmen und klarmachen müssen, daß sie planmäßig voranschreiten, ehe wir auf etwas wie eine vernünftige oder nützliche entgegenkommende Antwort rechnen können.
Das diesbezügliche große Ziel der Sowjets steht vollkommen im Einklang
mit dem, was sie immer beabsichtigt haben. Sie versuchen, die NATO zu zerstören - schon von ihrer Gründung an, da dies eines ihrer Hauptprinzipien
ist. Die Versuche, die Vereinigten Staaten von Europa abzukoppeln, sind ein
weiterer Teil ihrer diesbezüglichen Anstrengungen. Sie versuchen ferner,
die Dislozierung jeder möglichen Gegenwaffe zu blockieren, um ihr Monopol
auf dem Gebiet der Mittelstreckenraketen aufrecherhalten zu können. Das
ist noch immer ihr Ziel, das zu verfolgen, sie nicht müde werden. Sie ändern
ihre Politik nicht alle drei oder vier Jahre und sie bewegen sich direkt auf
diesem Pfad voran
Frage: Ich möchte Sie nach zwei Dingen fragen. Begrüßen Sie die Tendenz, von der in Frankreich und in Europa sehr viel die Rede ist, nämlich
die europäischen Verteidigungskapazitäten von Jahr zu Jahr aufzustocken,
damit in Europa immer weniger von den Vereinigten Staaten abhängig wird,
und glauben Sie, daß die neuen französischen Militärprogramme in diesem
Rahmen einen Weg in diese Richtung oder einen Weg zurück in die NATO dar-

- 9-

�NATO darstellen?
Antwort: Zum ersten Teil der Frage scheint mir wichtig, daß wir alle
mehr hinsichtlich unserer Selbstverteidigung tun sollten, mehr, um uns
selbst stark zu machen, und mehr auch, um wirksame Verteidigungskräfte
aufzubauen. Nach meinem Dafürhalten bietet die NATO eine vorzügliche
Möglichkeit hierzu. Sie funktioniert und sie ist ein starkes Bündnis aus
freien, souveränen Ländern. Es wird natürlich immer Meinungsverschiedenheiten geben; das war in den 34 Jahren ihres Bestehens so und wird auch
in Zukunft so sein. Die NATO ist ein starker freier Zusammenschluß unabhängiger selbständiger Länder und als solches ein Bollwerk des Friedens
in Europa.
In dem Ausmaß, in dem ein Mitgliedland seine eigene Stärke mehrt,
ist dem meines Erachtens nur Beifall zu zollen. Ich sehe dies aber nicht
als einen Weg an, der die Vereinigten Staaten in die Lage versetzt, sich
zurückzuziehen oder irgendetwas derartiges zu tun. Ich glaube wir werden
uns immer, wir werden uns immer gegenseitig brauchen. Ich kann mir nicht
vorstellen, daß die Vereinigten Staaten in einer Welt fortbestehen könnten,
in der Europa überrannt worden ist. Und ich halte es für wichtig, daß jeder von uns auf einer völlig unabhängigen, aber in die Wechselseitigkeit
eingebundenen Basis die Verteidigung aller zu stärken hilft. In dem Maße,
in dem ein Land seine eigene Verteidigung stärkt, verbessert es seine
eigene Situation, gewiß aber auch die Weltsituation.
Nach meinem Dafürhalten besteht die wirksamste Methode, dies zu tun,
in einem geeinten und starken Bündnis, und ich meine und hoffe, daß wir
in Einsicht und Stärke fortbestehen und weiter wachsen können. Darin
liegt meines Erachtens für uns alle die beste Hoffnung, das abzuschrekken, was sich als eine gewaltige und rasch wachsende Stärke der Sowjets
auf allen Gebieten erwiesen hat, vor allem auf dem Gebiet der offensiven
Stärke, und so halte ich dafür, daß damit alles gesagt ist
Frage: Kennen
-10-

�Frage: Kennen Sie die genaue Zahl der SS-20, die gegen Ziele in
Europa und Asien gerichtet sind?
Antwort: Es gab nach unserer letzten, der Öffentlichkeit mitgeteilten Zählung 351 SS-20 mit je drei Gefechtsköpfen. Inzwischen wurden es
mehr. Neue SS-20 werden in stetig gleicher Zahl disloziert. Einige von
ihnen stehen östlich des Urals und sind gegenwärtig gegen Asien gerichtet. Die Mehrzahl von ihnen aber steht in Gebieten, von denen aus sie jedes Ziel in Europa zerstören können. Sie sind motorisiert und können innerhalb weniger Stunden an einen anderen Ort verbracht werden. Ihr tatsächlicher momentaner Standort ist mithin nicht so wichtig. Zudem besteht
noch die Möglichkeit der Wiederverwendung. Ältere Zählungen sind mithin
nicht gerade sehr relevant.
Die SS-20 ist eine tödliche Waffe, eine sehr zielgenaue Waffe, eine
Waffe ohne Gegenwaffe mit vergleichbarer Reichweite im Bereich der Mittelstreckenraketen und so halte ich es für entscheidend wichtig, daß wir
ein Gegengewicht für sie schaffen und daß wir die entsprechenden Raketen
so schnell wie möglich an Ort und Stelle bringen.
Die Bedrohung aber ist eine Bedrohung für ganz Europa. Sie ist eine
Bedrohung, die potentiell und tatsächlich heute auch gegen Asien disloziert ist. Die genaue Zahl an diesem oder jenem Ort ist wegen ihrer Mobilität irrelevant. SS-20 können rasch von einem Ort an einen anderen verlegt werden, und alle Angebote, eine gewisse Zahl von ihnen aus Europa
fortzuschaffen und nur auf Ziele in Asien zu richten, sind nicht nur irrelevant, sondern beunruhigen verständlicherweise die Asiaten.
Frage: Wie ernst ist Ihrer Meinung nach dip von den sowjetischen
Medien ausgesprochene Drohung, Raketenabschußbasen unweit der Vereinigten Staaten zu errichten, sofern die amerikanischen Raketen in Europa
disloziert werden und wie würden die Vereinigten Staaten und die NATO
auf diese Bedrohung reagieren oder antworten, sollte sie Wirklichkeit

- 11 -

�sie Wirklichkeit werden?
Antwort: Das sind Drohungen, die zuvor schon mehrmals ausgesprochen
worden sind, und ich habe keine Vorstellung davon, welcher Ernst ihnen zukommt. Wie schon gesagt, die Sowjets tun nach meinem Dafürhalten fast alles,
um die Dislozierung von Gegenwaffen zur SS-20 zu blockieren, weil sie ihr
Monopol behalten wollen. Wenn sie das sagen, versuchen sie allem voran jede
mögliche Art von Opposition dagegen auszulösen. Und nun erklären sie vor
einer Reihe unterschiedlicher Foren - offiziell und inoffiziell, abgesehen
davon, daß, wie ich vermute, alles, was von dort kommt, offiziell ist daß es zu weiteren Dislozierungen kommen werde, wenn die Dislozierung in
Europa erfolgt. Ich sehe keine Möglichkeit zu beurteilen, wie ernst dies
ist.
Und was das angeht, was wir tun würden, wenn die Sowjets mehr täten
als nur davon sprechen, darf ich sagen: Wir haben eine solche Situation
schon einmal gemeistert und ich kann mir vorstellen, daß wir abermals damit fertig werden.

+ + + + +

- 12-

�21

18. Mai 1983

OFFENER BRIEF TRUDEAUS ZUR ERPROBUNG DER MARSCHFLUGKÖRPER IN KANADA
- Wortlaut -

- (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut eines offenen
Briefes des kanadischen Ministerpräsidenten Trudeau an die Öffentlichkeit
seines Landes, der am 10. Mai 1983 in zahlreichen Zeitungen Kanadas erschien.
Er befaßt sich mit der vorgesehenen Erprobung von Marschflugkörpern in
Kanada.
Der offene Brief hat folgenden Wortlaut:
In den letzten Monaten habe ich eine große Anzahl von Briefen und Petitionen erhalten, in denen gegen die eventuelle Erprobung von Marschflugkörpern in Kanada protestiert wird.

Weil es mir physisch unmöglich ist, all

denen persönlich zu antworten, die mir ihre Besorgnisse ausgedrückt haben,
erwiderte ich darauf in aller Öffentlichkeit, als ich im vergangenen Monat
anläßlich eines Essens zu Ehren von Vizepräsident Bush dazu Stellung nahm.
Weil diese ganze Frage auch weiterhin schwer auf dem Gewissen von Vertretern der Regierung und der Öffentlichkeit lastet, habe ich mich jetzt

�mich jetzt entschlossen, mich direkt mit Hilfe eines offenen Briefes an
die Kanadier zu wenden.

Zweck dieses Briefes ist es, die Position der kana-

dischen Regierung zur Erprobung der Marschflugkörper sowie zu der weitergehenden Frage der Abrüstung darzulegen.
Einleitend möchte ich darauf hinweisen, daß die Freiheit, solche Fragen zu erörtern und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, unserer Demokratie
ihre Größe und Stärke verleiht; aber genau diese Freiheit kann uns angesichts
des sowjetischen Totalitarismus verwundbar erscheinen lassen.
In den letzten Jahren hat die Sowjetunion Hunderte von neuen SS-20-Raketen disloziert - jede mit drei nuklearen Gefechtsköpfen ausgestattet und
in der Lage, alle großen Städte in Westeuropa zu erreichen.

Und dennoch

hat es keinen bedeutsamen Protest der öffentlichen Opposition gegeben - weder innerhalb noch außerhalb der Sowjetunion.
Daß die sowjetische Bevölkerung gegen diese Maßnahme ihrer Führung nicht
protestiert hat, überrascht niemanden.

Was allerdings überrascht, ist die

Tatsache, daß diejenigen Kreise im Westen, die gegen neue Kernwaffen opponieren, relativ schweigsam waren im Hinblick auf die Stationierung der SS-20.
Ganz im Gegenteil:

Sie gehen nunmehr auf die Straße, um gegen die mögliche

Dislozierung von amerikanischen PERSHING II-Raketen und von Marschflugkörpern
zu protestieren, die Europa gegen die sowjetische Nukleardrohung schützen
sollen.
Was in Kanada insbesondere überrascht, ist die Tatsache, daß die Demonstranten gegen die mögliche Erprobung von Marschflugkörpern auf kanadischem Territorium protestieren, aber nicht dagegen, daß ähnliche Raketen
bereits in der Sowjetunion erprobt werden, wie dies im Dezember letzten
Jahres von Generalsekretär Andropow bestätigt worden ist.
Weil die Menschen in der freien Welt nicht die Macht haben, die Führung der Sowjetunion zu beeinflussen, liegt die Versuchung sehr nahe, ihre

�nahe, ihre Ängste und Besorgnisse mit aller Kraft gegen die einzigen Entscheidungsträger zu richten, die sensitiv gegenüber der öffentlichen Meinung sind, nämlich gegen die führenden Politiker der demokratischen Länder.
Nachdem sie zu der Überzeugung gelangt sind, daß es nutzlos ist, die SS-20Raketen zu verurteilen, finden diese Menschen es meiner Ansicht nach einfacher, sie schlicht zu vergessen.

Das merkwürdige Ergebnis dieser Vergeß-

lichkeit ist, daß es jetzt irgendwie möglich wird, die Sowjetunion nicht als
Aggressor hinzustellen, sondern als unschuldige Zielscheibe,, Dies zeugt von
einer merkwürdigen Bewußtseinsstörung und bedeutet eine völlige Umkehr der
Rollen - und die sowjetische Führung war sehr schenll dabei, dies für ihre
eigenen Zwecke auszunutzen.
Sie hofft offenbar, daß einseitige Informationen und einseitige Proteste zu einer einseitigen Abrüstung des Westens führen werden.

Ja, es gibt

schon in der öffentlichen Meinung Westeuropas Teile, die sich diese Politik
zu eigen gemacht haben.
Während der ersten Sondersitzung der Vereinten Nationen über Abrüstung
habe ich im Namen Kanadas eine Strategie des Im-Keine-Erstickens vorgeschlagen.

Diese Strategie sollte - selbst schon im Laboratorium - die Entwicklung

neuer Kernwaffensysteme zunichte machen.

Es lag auf der Hand, daß mein Vor-

schlag für beide Seiten oder für keine Gültigkeit haben mußte.

Ganz ohne

Frage wollte ich mit meinem Vorschlag nicht andeuten, daß der Westen einseitig abrüsten sollte.
Weil diese Strategie, die Dinge im Keime zu ersticken, von der Sowjetunion abgelehnt wurde, wie ja die anhaltende Dislozierung von SS-20-Raketen
zeigt - einer Waffe, die den SS-4- und den SS-5-Raketen weit überlegen ist -,
konnte natürlich nicht darauf gedrängt werden, daß die NATO-Länder allein
diese Strategie akzeptieren. Deshalb haben wir uns der Strategie des Doppelbeschlusses unserer NATO-Partner angeschlossen. Die beiden Teile des Beschlusses zielen einmal auf Verhandlungen über die Beseitigung der sowjetischen SS-20-Raketen und zum anderen auf die Vorbereitung der Dislozierung

- 3 -

�der Dislozierung neuer amerikanischer Raketen in Europa ab, um erstens die
Sowjets zu ernsthaften Verhandlungen zu drängen und um zweitens unsere europäischen Verbündeten nicht in einer verwundbaren Position zu belassen, sollten die Verhandlungen über die nuklearen Mittel Streckensysteme fehlschlagen.
Nachdem wir unsere Unterstützung für den Doppelbeschluß erklärt haben,
sollte Kanada seinen fairen Anteil an den Lasten tragen, die eine solche Politik dem NATO-Bündnis auferlegt.
Es ist kaum fair, sich auf den Schutz des Westens durch die Amerikaner
zu verlassen, sich andererseits aber zu weigern, sie zu unterstützen, wenn
sich die Dinge schwierig gestalten.

So gesehen grenzt der Antiamerikanismus

einiger Kanadier an Heuchelei. Sie sind zwar bestrebt, Schutz unter dem
amerikanischen Schirm zu suchen, möchten diesen Schirm aber nicht mithalten.
Wenn wir moralische Prinzipien hinsichtlich dieser Frage anwenden wollen, dann kann man sich sehr leicht in Positionen gefangen finden, die entweder zu kompliziert oder zu einfach sind. Die erstere kann uns lähmen, mit
der zweiten können wir uns etwas vorgaukeln.
In die Falle der Überkompliziertheit geraten jene, die darauf beharren, daß keine moralische Position gültig sei, die nicht jeden nur möglichen
künftigen Durchbruch auf dem Gebiete der nuklearen Waffentechnologie in Rechnung stellt und jede mögliche künftige Schwierigkeit bei der Aufdeckung der
Aktionen der anderen Seite. In die Falle der Übervereinfachung geraten jene,
die sich damit zufriedengeben, nur darüber zu sprechen, wieviel Schüsseln
voll Reis für die Kosten einer Rakete beschafft werden könnten, oder die die
Regierungen dafür verurteilen, daß sie überhaupt etwas für die Verteidigung
ausgeben.
Ich bestreite nicht, daß es ein Element der Wahrheit und der Gültigkeit
in einer bedingungslosen pazifistischen Position gibt.

Ich sage lediglich,

daß es allzu einfach ist, die reale, komplizierte und oft unmoralische Welt

- 4 -

�unmoralische Welt zu ignorieren, auf die unsere moralischen Entscheidungen
angewandt werden müssen.

Der Papst selbst hat dieser Tatsache in einer Bot-

schaft Rechnung getragen, die er im Juni vergangenen Jahres an die zweite
Abrüstungssondersitzung der Vereinten Nationen sandte.

"Unter den gegenwär-

tigen Verhältnissen", so schrieb er, "mag die auf Gleichgewichtigkeit gestützte Abschreckung - sicherlich nicht als Selbstzweck, sondern als Schritt
in Richtung auf eine progressive Abrüstung - immer noch als moralisch akzeptabel beurteilt werden."
Ich glaube, daß die sowjetischen Völker genauso den Frieden wünschen
wie die Völker der freien Welt.
schwer bewaffnet sind.

Aber ich weiß auch, daß die Sowjets überaus

Unter diesen Umständen wäre es nahezu selbstmörde-

risch für den Westen, eine Politik der einseitigen Abrüstung zu verfolgen
oder eine Politik, die die Entwicklung neuer Mittel der Selbstverteidigung
gegen die sowjetischen SS-20 im Keime ersticken würde.

Dies ist eine Art

der heroischen moralischen Entscheidung, die zwar ein Einzelmensch in seinem
persönlichen Leben trifft - aber hat irgendjemand das Recht, diese Entscheidung einer gesamten Nation oder der Gemeinschaft freier Länder aufzuerlegen?
Wenn es um die Entscheidung zwischen Standhaftigkeit oder Schwäche angesichts des Totalitarismus geht, dann sollte uns die Geschichte gelehrt haben,
daß die Weigerung, sein Leben für die Verteidigung der Freiheit zu riskieren,
bedeutet, den Verlust der Freiheit zu riskieren - ohne jede Garantie, daß
man dadurch sein Leben rettet.
Aus diesem Grunde hat die kanadische Regierung sich entschieden - nicht
ohne Besorgnisse oder ohne die volle Erkenntnis des Risikos -, sich unseren
NATO-Partnern bei der Verfolgung einer Politik der Stärke gegenüber der Sowjetunion anzuschließen.
Bei der Unterstützung des Doppelbeschlusses des Atlantischen Bündnisses
werden wir darauf bestehen, daß Fortschritte gleichzeitig im Hinblick auf
beide Teile dieses Beschlusses gemacht werden.

- 5 -

Diese Kombination von Stand-

�von Standhaftigkeit der Zielsetzung und der Bereitschaft, zu verhandeln,
scheint Früchte zu tragen, wie das jüngste Angebot von Generalsekretär
Andropow zeigt, die Anzahl der Gefechtsköpfe wie der Raketen in Rechnung
zu stellen.
Müssen wir nun annehmen, daß diese neue Flexibilität Andropows ein
ehrliches Zeichen des guten Willens ist?

Müssen wir ernsthaft glauben,

daß bei zwei Gelegenheiten seit dem Dezember vergangenen Jahres die Sowjets
öffentlich eine Reduzierung ihrer nuklearen Streitkräfte in Erwägung gezogen hätten, falls wir in unserer Entschlossenheit nachgelassen hätten?
Für mich ist die Antwort klar.

Es ist absolut wichtig, daß die Ver-

einigten Staaten mit ihren Anstrengungen fortfahren, über die Beseitigung
der SS-20-Raketen im Austausch gegen die Nichtdislozierung neuer amerikanischer Raketen in Europa zu verhandeln, oder zumindest doch über eine kleinere Anzahl von Raketen auf beiden Seiten.
Ich hoffe, daß meine Darlegung unserer Politik deutlich gemacht haben
wird, daß, wenn wir einer Zusammenarbeit bei der Erprobung des Leitsystems
der Marschflugkörper zustimmen, dies aufgrund unserer Solidarität mit den
anderen westlichen Demokratien geschieht - in einer Welt, die sich gegenüber der von uns vorgeschlagenen Strategie, diese Dinge im Keime zu erstikken, taub gezeigt hat.
Nachdem ich dies ausgeführt habe, möchte ich jedoch hinzufügen, daß
wir die Hoffnung auf die Beendigung des nuklearen Wettlaufs nicht aufgeben
sollten. Alle Menschen der Welt, ob sie nun Freunde oder Gegner sind, wollen ihr eigenes Leben sowie das Leben jener, die sie lieben, erhalten. Wenn
die Entdeckung der schrecklichen Geheimnisse des Atoms uns die Macht verleiht, unseren gesamten Planeten zu zerstören, dann gibt es doch noch eine
größere und mächtigere Kraft, die ihn retten kann:
Kindern und die Liebe zum Leben.

Unsere Liebe zu unseren

Daher bin

�Daher bin ich weiterhin der Überzeugung, daß unsere Strategie des
Im-Keime-Erstickens die beste Strategie ist.
gern sich, sie jetzt zu akzeptieren.

Die Großmächte der Welt wei-

Aber das wird uns nicht davon abhal-

ten, bei jeder sich bietenden Gelegenheit unseren Vorschlag zu wiederholen,
bis die Anerkennung seiner Wahrheit uns alle von moralischen Nöten und von
Furcht befreit.

+ + + + +

7 -

�18. Mai 1983

NEUER KATALYSATORTYP STEIGERT AUSBEUTE AN SYNTHETISCHEN
KOHLENWASSERSTOFFEN

- (AD) - Die Kohlehydrierung zur Gewinnung von synthetischen ölen
und von Benzin aus Kohle, eine Erfindung des deutschen Chemikers und Nobelpreisträgers Friedrich Bergius aus dem Jahr 1912, erhielt erst nach der
Einführung von Katalysatoren in den Prozeß durch Fischer und Tropsch im
Jahr 1925 und die technischen Weiterentwicklungen der Folgezeit wirtschaftliche Bedeutung. Während des Zweiten Weltkrieges war in Deutschland Kohle
die wichtigste Quelle für Kraftfahrzeug- und Flugzeugtreibstoffe, die nach
dem Fischer-Tropsch-Verfahren erzeugt wurden. Wie kürzlich Robert Huggins,
Professor für Werkstoffwissenschaften und Werkstoff techni'- an der StanfordUniversität (Kalifornien),erklärte, verlange heute der große Bedarf nicht
nur an öl und Treibstoffen, sondern auch an synthetischen Fasern und anderen Materialien neue Anstrengungen, um die Kohle als chemischen Grundstoff
besser zu nutzen. "Fast alle Synthesefasern werden derzeit aus Erdöl hergestellt. Wird dieses knapp, brauchen wir andere Ausgangsmateri lien sowohl für Fasern als auch für Kunststoffe."

Eine ganz wichtige Rolle in der sog. Kohleverflüssigung spielt der
Katalysator, der beim Fischer-Tropsch-Verfahren aus Nickel besteht, übri

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�besteht, übrigens kommen alle wichtigen Katalysatoren aus einer Gruppe
chemischer Elemente, die leicht Elektronen aufnehmen oder abgeben; es sind
Elemente der sog. Nebengruppe im periodischen System. In Anwesenheit von
Nickel werden Moleküle von Kohlenmonoxyd und Wasserstoff in großer Zahl
aufgebrochen, und Einzelatome von Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauersotff
lagern sich an der Oberfläche des Katalysators ab. Normalerweise gehen diese
Atome dann ohne besondere Schwierigkeiten Verbindungen ein und bilden Kohlenwasserstoffe (mit Methan als einfachster Verbindung) sowie Wasser.
An diesem Punkt setzten die neuen Entwicklungen von Professor Huggins
und seinem ehemaligen Schüler und jetzigen Mitarbeiter Turgut Gus ein mit
dem Ziel, die Ausbeute an Kohlenwasserstoffen zu vergrößern. Als Katalysator benutzten sie einen ""ig. Ionenleiter - einen Feststoff mit besonderer
Kristallstruktur, in dem Ionen (Atome mit elektrischer Ladung) den Stromfluß besorgen. Im Gegensatz dazu tun dies bei den Metallen und Halbleitern
die sehr viel kleineren Elektronen.
Huggins legt eine Spannung am Ionenleiter an. Dies bewirkt, daß die
an der Oberfläche des Nickelkatalysators haftenden Sauerstoffatome eine
elektrische Ladung bekommen, noch ehe sie Zeit hätten, sich mit Wasserstoff zu Wasser zu verbinden. Sie werden zu Sauerstoffionen. Man kann sie
nun von der Nickeloberfläche lösen und durch Anlegen einer elektrischen
Spannung durch den Ionenleiter "hindurchziehen". Schließlich werden sie
als Sauerstoffgas auf der anderen Seite freigesetzt.
Dieses kontinuierliche Entfernen oder "Pumpen" von Sauerstoff von der
Katalysatoroberfläche steuert den Umfang der Gesamtreaktion. Mit relativ
niedriger Spannung an der "Ionenpumpe" läßt sich die KohlenwasserstoffProduktion außerordentlich beschleunigen. Ein weiterer Vorteil dieses Verfahrens besteht darin, daß neben Kohlenwasserstoffen reiner Sauerstoff
als Nebenprodukt anfällt. Dieser ist, technisch gesehen, sehr viel wertvoller als das bei dem alten Verfahren anfallende Wasser.
Allerdings ist
- 2 -

�Allerdings ist der neue Prozeß nach Meinung von Professor Huggins
von einer kommerziellen Anwendung noch weit entfernt. Das Hauptproblem
liege gegenwä'rtig darin, daß der bisher benutzte Ionenleiter nur bei Temperaturen über 600 Grad Celsius optimal funktioniert.Aber in diesem Temperaturbereich sind mit Ausnahme von Methan alle Kohlenwasserstoffe instabil. Desha"^ müssen Ionenleiter-Materialien gefunden werden, die bei niedrigeren Temperaturen einsatzfähig sind, um die Gewinnung schwererer Produkte
zu ermöglichen.
Das zum Teil mit Geldern der Nationalen Forschungsstiftung (NSF) der
USA finanzierte Projekt geht auf Forschungen von Professor Huggins zur
katalytischen Zersetzung von Stickoxyden in Auspuffgasen zurück.

+ + + + +

- 3 -

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