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11, Mai 1983
I N H A L T

DOKUMENTATION
Erklärung Reagans zur Freeze-Resolution des Kongresses
Aktuelle Entwicklungen des Atlantischen Bündnisses
- Von Botschafter Tapley Bennett -

WIRTSCHAFT
US-Außenminister umreißt Fragen des Ost-West-Handels
- Shultz bei der OECD in Paris -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Physik im Dienst der Medizin
- "SQUID"-Apparatur mißt Eisenspiegel

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40

�11. Mai 1983

ERKLÄRUNG REAGANS ZUR FREEZE-RESOLUTION DES KONGRESSES

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 5. Mai 1983 mit
Genugtuung festgestellt, daß eine große Zahl von Kongreßmitgliedern die Gefahren
erkannt habe, die mit einem sofortigen Einfrieren der Kernwaffen verbunden wären.
Die Resolution, die das amerikanische Repräsentantenhaus am 4. Mai verabschiedet
hatte und in der ein beiderseitiges Einfrieren der Kernwaffen in den Vereinigten
Staaten und in der Sowjetunion gefordert wird, stelle, so betonte Reagan, jedoch
"keine Antwort auf die Rüstungskontrolle dar, die ich verantwortungsbewußt
unterstützen könnte".
Die vom Weißen Haus veröffentlichte Erklärung des Präsidenten hat folgenden
Wortlaut:
Vor fast zwei Monaten begann das Repräsentantenhaus eine ernsthafte Debatte
über alternative Wege zur Rüstungskontrolle.

Die Debatte, eine der längsten

in der Geschichte des Repräsentantenhauses, hat nicht nur das Verständnis für
diese Fragen vertieft, sondern auch klargemacht, daß die Fragen selbst äußerst
komplex sind.

Es gibt keine leichten Antworten auf die Frage der Rüstungs-

kontrolle.
Während der Debatte

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Während der Debatte begannen mehr und mehr Mitglieder des Repräsentantenhauses einzusehen, daß ein sofortiges Einfrieren - das zwar äußerlich ansprechend
zu sein scheint - grundlegende Fehler hätte,

über 30 Jahre lang haben wir den

Weltfrieden bewahrt, weil die Vereinigten Staaten wirksame Abschreckungsstreitkräfte unterhalten.
gefährden.

Wir dürfen unsere Fähiakeit, den Frieden zu erhalten, nicht

Ebensowenig können wir die Vereinigten Staaten auf eine Position

der Unterlegenheit festlegen.

Und wir dürfen keine Schritte unternehmen, die

die hoch sensitiven RüstungskontrollVerhandlungen in Genf stören würden.
Ich freue mich, daß eine große Zahl von Mitgliedern des Kongresses die
Gefahren erkannt hat, die mit einem einfachen Einfrieren verbunden wären, und
Änderungen durchgesetzt hat, die eine Verbesserung der endgültigen Resolution
bewirkten, die vom Repräsentantenhaus verabschiedet wurde.

Besonders begrüßens-

wert war die Levitas- Änderung, weil sie die Bedeutung der Rüstungsverringerung
für die Erreichung echter Rüstungskontrolle hervorhebt.
Die Quintessenz der gestern abend verabschiedeten Resolutioi. ist zwiespältig,
ja innerlich so widersprüchlich, daß eine Interpretation schwer fällt. So
fordert die Resolution beispielsweise ein Einfrieren, während sie gleichzeitig
die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung einer Gleichwertigkeit und ein stabiles
internationales Gleichgewicht unterstreicht. Diese Administration stimmt - wie
sie das schon so oft zum Ausdruck gebracht hat - zu, daß die Aufrechterhaltung
eines Rüstungsgleichgewichts wesentlich ist. Alles in allem stellt die endgültig vom Repräsentantenhaus verabschiedete Resolution - wenn auch mit großen
Verbesserungen - keine Antwort auf die Rüstungskontrolle dar, die ich verantwortungsbewußt unterstützen könnte.
Sollte diese Debatte jetzt im Senat weitergehen, dann bin ich sicher, daß
die Zweifel an und die Opposition gegenüber einem einfachen Einfrieren jetzt
weiter wachsen werden. In der Zwischenzeit wird diese Administration sich am
Verhandlungstisch mit allem Nachdruck für Rüstungsverringerungen einsetzen, die
nach meiner Meinung die beste und wahre Hoffnung auf Frieden und Stabilität
darstellen.
+ + + + +

�Dokumentation

1

United States Information Service
Embassy of the United States of America
11. Mai 1983

AKTUELLE ENTWICKLUNGEN DES ATLANTISCHEN BÜNDNISSES
- Von Botschafter Tapley Bennett •

HEIDELBERG - (AD) - Der Ständige Vertreter der Vereinigten Staaten im
Nordatlantikrat, Botschafter Tapley Bennett, hat am 11. Mai 1983 in Heidelberg
ein positives Bild des Atlantischen Bündnisses gezeichnet. Auf einer Veranstaltung der Deutschen Atlantischen Gesellschaft betonte Botschafter Bennett
jedoch die Notwendigkeit, daß das Bündnis "standhaft an seinem Doppelbeschluß
festhält". Nur dann seien Fortschritte bei den R'üstungskontrollVerhandlungen
mit den Sowjets zu erwarten.
Die Rede von Botschafter Tapley Bennett hat folgenden Wortlaut:
Das Atlantische Bündnis ist in das 35. Jahr seines Bestehens eingetreten.
Seit über einer Generation hat es jetzt den Frieden in Europa bewahrt - ein
beispielloser Rekord in modernen Zeiten. Es ist ein demokratisches Bündnis
souveräner Staaten, und in einem Bündnis von 16 freien und demokratischen Mitgliedstaaten muß es unausweichlich nationale Unterschiede geben. Aber heute
erfreut sich die NATO einer ausgezeichneten politischen Gesundheit. Das Bündnis
hält sich in dieser gegenwärtigen Periode der Bewährung sehr gut, was sowohl
die militärischen als auch die wirtschaftlichen Aspekte unserer transatlantischen
Beziehung angeht.
Mitte 1982 beherrschten wirtschaftliche Spannungen zwischen Europa und

^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ .: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Schlagzeilen der westlichen Presse. Es schien ungewöhnlich schwierig, die
Differenzen zu überbrücken, die die westeuropäischen Staaten mit ihren starken
Verpflichtungen zur "Ostpolitik" und "Entspannung" von den Bemühungen Washingtons
trennten, in die Abwicklung des Handels mit der Sowjetunion größeren Realismus
und größere Vorsicht einzubringen - Kontrollen im Handel mit Waren einzuführen,
die direkt zur Stärkung der militärischen Macht der Sowjets beitragen und
umgekehrt zusätzliche Verteidigungsausgaben der westlichen Länder verursachen,
um das stetige Anwachsen der sowjetischen Rüstung auszugleichen.

Kenner atlan-

tischer Angelegenheiten behaupteten, daß die NATO "in Unordnung" sei. Sie hatten
nicht recht - denn selbst auf dem Höhepunkt der Kontroverse über die Erdgasleitung
verliefen die politischen und sicherheitspolitischen Funktionen des Bündnisses
völlig normal. Man kam jedoch in der NATO zu der wachsenden Einsicht, daß die
Meinungsverschiedenheiten über die Erdgasleitung unter Kontrolle gebracht werden
mußten, weil sie sonst früher oder später durchaus einen negativen Einfluß auf
den Zusammenhalt des Bündnisses haben könnten.

Hier erwiesen sich die außergewöhnlich guten Kenntnisse von Außenminister
Shultz in internationalen Wirtschaftsfragen als besonders nützlich, als es galt,
Mittel und Wege zur Überwindung dieser Belastungen zu finden - zuerst durch
sondierende Erörterungen mit seinen Kollegen im Bündnis bei den informellen
Gesprächen der NATO-Außenminister auf dem Oktober-Treffen in La Sapiniere in
Kanada und dann später im Laufe seines Europa-Besuches im Rahmen der NATO-Ministertagungen im Dezember und seinen anschließenden Besuchen in Hauptstädten von
Bündnisländern. Man kam dann überein, eine Reihe von Studien über Probleme des
Ost-West-Handels bei den geeigneten internationalen Einrichtungen in Brüssel und
Paris durchzuführen, und dies ermöglichte es Washington, die amerikanischen
Sanktionen im Zusammenhang mit der Erdgasleitung aufzuheben. Aber darüber hinaus
gab die Entscheidung, die Ost-West-Studien in Angriff zu nehmen, den nordamerikanisch-westeuropäischen Beziehungen gerade rechtzeitig Auftrieb, um die Einigkeit
des Bündnisses zu Beginn dieses kritischen Jahres zu fördern, in dessen Mittelpunkt
die Rüstungskontroll Verhandlungen in Genf und Raketenfragen stehen - die Durchführung des NATO-Doppelbeschlusses von 1979. In vielen Aspekten der Ost-West-

- 2 -

�der Ost-West-Studien sind gute Fortschritte erzielt worden, und die Ergebnisse
werden den Teilnehmern des Wirtschaftsgipfels in Williamsburg und den kommenden
Ministertagungen der OECD und der NATO in Paris in Bälde zur Verfügung stehen.
Der Besuch von Vizepräsident Bush Anfang dieses Jahres in Europa und seine
Gespräche mit wichtigen Führern des Bündnisses ließen Einigkeit des Willens
und der Zielsetzung erkennen, beide Teile des INF-Beschlusses vom Dezember 1979
standhaft durchzuführen - also in Genf ernsthaft mit den Sowjets auf der Basis
der Rüstungskontrollvorschläge zu verhandeln, durch die versucht werden soll,
den Stand der INF-Konfrontation so niedrig wie möglich zu halten, mit dem Endziel
der Null-Lösung für beide Seiten; und zweitens im Falle, daß die Genfer Verhandlungen zu keinen Ergebnissen führen, mit der Dislozierung der PERSHING II-Waffen
und der landgestützten Marschflugkörper zu beginnen. Man darf nicht vergessen,
daß die PERSHING II-Raketen an die Stelle der PERSHING I-Raketen in der Bundesrepublik treten und nicht zusätzlich disloziert werden.

Ferner dürfen wir nicht

die Tatsache übersehen, daß die Entscheidung der NATO von 1979 zum Abzug von
1000 nuklearen Gefechtsköpfen aus Europa geführt hat. Die NATO wird also am Ende
dieses Programms, sollte seine Durchführung notwendig werden, weniger Kernwaffen
auf europäischem Boden haben als 1976.
Vizepräsident Bush hat die Auffassungen der Verbündeten nach Washington
mitgenommen, daß Präsident Reagan eine Modifizierung der Nul1-Nu!1-Option ins
Auge fassen sollte, die den Verzicht der NATO auf die Dislozierung aller amerikanischen PERSHING II- und landgestützten Marschflugkörper im Austausch für die
sowjetische Beseitigung der SS-20 - nicht lediglich ihrer Neudislozierung in
die östlichen Gebiete der Sowjetunion, von wo sie leicht an die westliche Front
zurückverlegt werden könnten

- anbot. Am 30. März 1983 gab der Präsident

bekannt, daß er den westeuropäischen Forderungen nach einer "Zwischenlösung" für
die INF-Dislozierung der NATO nachkommen würde - so wie die Vereinigten Staaten
auf die Anliegen im Bündnis eingegangen waren, die zuerst von dem damaligen
Bundeskanzler Schmidt 1977 zum Ausdruck gebracht worden waren, innerhalb der
NATO zusammenzuarbeiten, um das Gleichgewicht der Macht in Europa wiederherzustellen, das durch die sowjetische Aufrüstung mit der SS-20 umgestoßen worden war.
An diesem entscheidenden

�An diesem entscheidenden Punkt ist es von lebenswichtiger Bedeutung, daß
das Bündnis standhaft an seinem Doppelbeschluß festhält - in dem Teil der
Rüstungskontrolle, um festzustellen, ob es möglich sein wird, mit den Sowjets
zu Abkommen zu gelangen, um den Stand der INF-Konfrontation zu senken, wo ein
Gleichgewicht gewährleistet werden muß; und in dem Teil der Dislozierung, um
die Entschlossenheit zu zeigen, die notwendig ist, um unseren sowjetischen Verhandlungspartnern klarzumachen, daß bei den Genfer Verhandlungen ein ausgewogenes
und verifizierbares Ergebnis erreicht werden muß.
Die INF-Frage ist zwar das bei weitem überragende Problem des Bündnisses
im gegenwärtigen Zeitpunkt, aber wir führen mit der NATO auch enge Konsultationen
über den Fortschritt bei den Verhandlungen über die Verringerungen der strategischen Rüstungen (START) und bei den Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen (MBFR) durch.

Bei diesen drei Verhandlungen geht es

um die Triade der NATO-Streitkräfte - strategisch-nukleare, nukleare Mittelstreckensysteme und konventionelle Streitkräfte - die entscheidend wichtig sind,
um unserer Strategie der "flexiblen Antwort" Glaubwürdigkeit zu verleihen - der
Strategie der Abschreckung, die den Frieden in Europa erhalten hat.
Die Verbündeten haben in allen diesen Verhandlungsbereichen richtungsweisende
Vorschläge unterbreitet. Bei den START-Verhandlungen in Genf hat sich die Aufmerksamkeit weitgehend auf amerikanische Vorschläge für umfangreiche Verringerungen der amerikanischen und sowjetischen strategischen Systeme konzentriert,
vor allem der höchst destabilisierenden landgestützten Interkontinentalraketen.
Die VereinictBn Staaten haben eine Verringerung der gegenwärtigen Zahl der
Gefechtsköpfe um etwa ein Drittel und ein Abkommen über eine niedrigere Zahl der
Trägerwaffen gefordert. Bei den MBFR-Verhandlungen in Wien steht bei den Verbündeten ihr Vertragsentwurf vom Juli 1982 im Mittelpunkt der Erörterungen.
Die Verbündeten wollen den Stand der konventionellen Streitkräfte, was die Zahl
der Soldaten in Heer und Luftwaffe angeht, auf beiden Seiten verringern. Die
engen und häufigen Konsultationen über diese Frage im Nordatlantikrat waren
erschöpfend und umfassend. Sie sind für alle von uns wertvoll,-und hier sind
die Bundesrepublik Deutschland und die Vereinigten Staaten besonders engagiert.
Auf der Madrider

�Auf der Madrider Nachfolgekonferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa - der Überprüfung der Schlußakte von Helsinki von 1975 - arbeiten die

Ver-

bündeten zusammen, um den Entwurf des Schlußdokuments zu verbessern, den die
neutralen und blockfreien Staaten vorgelegt haben. Alle Verbündeten kamen vor
der Wiederaufnahme der Madrider Verhandlungen im November vorigen Jahres überein,
daß in dem Schlußdokument, das von den neutralen und blockfreien Staaten unterbreitet wurde, mehrere

Änderungen vorgenommen werden müßten, bevor die Verhand-

lungen, die im Herbst 1980 begannen, zu einem annehmbaren Abschluß gebracht
werden können.
Die Vereinigten Staaten stehen fest hinter dem übereinkommen des Bündnisses
vom November vorigen Jahres und sind nach wie vor besorgt, daß die Sowjetunion
weiterhin bewußt einen weiten Bereich von Bestimmungen der Schlußakte von Helsinki
verletzt. Wir sind besonders besorgt darüber, daß sich die Sowjets weigern, die
Menschenrechtsbestimmungen der Übereinkommen von Helsinki einzuhalten oder sich
an Geist oder Buchstaben der Bestimmungen über den Gewaltverzicht zu halten, wie
dies durch das Verhalten der Sowjets gegenüber ihren Nachbarn in Afghanistan und
Polen zum Ausdruck kommt.
Bezüglich Polens hat das Bündnis auf die Verhängung des Kriegsrechts vom
Dezember 1981 reagiert, indem es eine Sondersitzung der Außenminister im Januar
1982 einberufen hat, auf der man sich einigte, drei Kriterien für eine Rückkehr
zu normalen Beziehungen des Westens zu Warschau anzuwenden:

Erstens, Freilassung

aller Internierten; zweitens, Aufhebung des Kriegsrechts; und drittens, Wiederaufnahme des Dialogs zwischen dem Regime, den Kirchen und der Gewerkschaft
Solidarität.

Vor dem Hintergrund dieser drei Kriterien verfolgt das Bündnis

auch weiterhin die Ereignisse in Polen mit großer Aufmerksamkeit.
Das Bündnis hat überdies die sogenannte "Prager Erklärung" geprüft, die
auf dem Gipfeltreffen des Warschauer Paktes im Januar veröffentlicht wurde.
Diese Erklärung scheint in gewissem Maße eine Antwort auf Appelle an den Osten
zu sein, die auf dem Gipfeltreffen in Bonn im Mai 1982 von der NATO ausgingen.
Das Kernstück der Prager Erklärung, nämlich der Vorschlag für einen Nichtangriffspakt

- 5 -

�einen Nichtangriffspakt zwischen Ost und West, ist nichts Neues.

Zumindest seit

1958, also vor 25 Jahren, haben die Sowjets wiederholt diese Idee vorgebracht.
Aber was sollen wir heute davon halten, wo die Rote Armee in Afghanistan praktisch
eine Agression durchführt?

Darüberhinaus unterstützen die Sowjets ohne Zögern

die Aggression vietnamesischer Streitkräfte gegen ihre Nachbarn in Südostasien,
und in der westlichen Hemisphäre helfen die Sowjets dem marxistisch orientierten
Regime in Nicaragua bei dessen Bemühen, die demokratisch gewählte Regierung in
El Salvador zu stürzen.

Ohne Frage sollten wir in der NATO uns Zeit nehmen und

unsere Augen offen halten, wenn wir die Prager Erklärung bewerten.

Zweifellos

wird das Kommunique zum Abschluß der NATO-Ministerratssitzung in Paris im Juni
im Lichte der gegenwärtigen Gegebenheiten in angemessener Weise auf die Vorschläge des Warschauer Paktes eingehen.
Wegen der potentiell gefährlichen Herausforderung der lebenswichtigen
Interessen des Bündnisses in Regionen der Welt außerhalb des Vertragsgebietes
der NATO, hat die Allianz seit 1980 in zunehmendem Maß damit begonnen, Mittel
und Wege der Zusammenarbeit zu erwägen, um mit solchen Herausforderungen fertigzuwerden. Obwohl unsere Hauptsorge sich im Augenblick auf die Bedrohung Westeuropas durch die SS-20-Raketen konzentriert, die mehr als 1000 Gefechtsköpfe
tragen, werden wir uns vielleicht demnächst überaus ernsthaft damit befassen
müssen, wie wir dem Problem der Herausforderungen außerhalb unseres Vertragsgebietes begegnen können. Insbesondere gibt es Gründe für legitime Besorgnisse
hinsichtlich der westeuropäischen und amerikanischen strategischen Interessen
in Südwestasien. Die großangelegte sowjetische Truppendislozierung in Afghanistan
ist ein Beweis für die Bereitschaft Moskaus, bewaffnete Macht in diesem Gebiet
einzusetzen. Das fundamentalistische iranische Regime des Ayatollah Khomeini
setzt inzwischen seine Bemühungen fort, die irakische Regierung zu stürzen
und droht damit, den benachbarten arabischen Staaten, die immer noch einen
Großteil des Öls für Westeuropa liefern,Khomeinis Version des Islam aufzudrängen.
Es liegt also auf der Hand, daß die Verbündeten auf mögliche zukünftige Krisen
in diesem überaus unruhigen Teil der Welt vorbereitet sein müssen.
Dieser kurze Überblick

�Dieser kurze überblick kann natürlich kaum auch nur einige der immer
stärker werdenden politischen Herausforderungen erfassen, denen sich das Bündnis
gegenübersieht.

Der Westen wird auch weiterhin auf unbegrenzte Zeit in einem sich

hinziehenden politischen und militärischen Wettstreit mit dem sowjetischen Imperium
leben.

Anstrengungen und Zurückhaltung auf beiden Seiten sind notwendig, um eine

Entspannung zu erreichen, die die Interessen beider respektiert.

Die bittere

Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, daß wir im Westen den Worten des Staatsund Parteichefs Breschnew nicht genug Aufmerksamkeit zollten, der im Jahre 1967
erklärte: "Entspannung bedeutet nicht im geringsten, daß die Gesetze des Klassenkampfes abgeschafft werden".

Trotz der unnachgiebigen militärischen Aufrüstung

der Sowjets - weit über die Erfordernisse einer Verteidigungsposition hinaus bin ich zuversichtlich, daß die NATO über die Fähigkeit und über den politischen
Willen verfügt, sich weiterhin wirksam für das übergreifende Ziel einzusetzen:
Die Wahrung des Friedens in Freiheit.
Es sollte mit größtem Nachdruck unterstrichen werden, daß das Bündnis nicht
nur besteht, um den Frieden zu sichern, sondern um auch unsere Freiheiten zu
bewahren. Irgendwie gibt es auch Frieden in Osteuropa, aber das ist ein Friede
unter schwerster Repression. Dies ist das Faktum, das die NATO am meisten
vom Warschauer Pakt unterscheidet, wo die fundamentalen Freiheiten unter sowjetischer Vorherrschaft systematisch unterdrückt werden. Das gegenwärtige Drama
in Polen ist nur das jüngste, augenfälligste Beispiel für den unauslöschlichen
menschlichen Wunsch nach Freiheit in Osteuropa. Es sind nun 15 Jahre ins Land
gegangen seit dem kurzen Prager Frühling, als Dubcek versuchte, ein größeres
Maß an Freiheit für das tschechoslowakische Volk zu erlangen, und wegen seiner
Bemühungen ausgeschaltet wurde. In dem davorliegenden Jahrzehnt kämpfte Ungarn
für die Freiheit. Die Freiheitskämpfer wurden auch dort in brutaler Weise
unterdrückt -- und man sollte sich daran erinnern, daß Andropow damals der
sowjetische Botschafter in Budapest war. Ja, Anstrengungen, auch nur ein
bißchen an fundamentaler Freiheit zu erlangen, werden in allen Staaten des
Warschauer Paktes deutlich, auch in der Sowjetunion des Dr. Sacharow. Diese
anhaltenden Auseinandersetzungen sind ein Beweis für die endemische politische

- 7 -

�endemische politische Schwäche im sowjetischen System.

Die Unterdrückung und

die politische Stagnation in den Ländern jenseits der Elbe stehen in krassem
Gegensatz zur Vitalität unseres Bündnisses demokratischer Nationen.
Zusammenfassend möchte ich - da ich mich jetzt darauf vorbereite, meine
Mission bei der NATO nach über sechs Jahren zu beenden - sagen, daß ich optimistisch bin hinsichtlich der Zukunft des westlichen Bündnisses.

Unsere Mitglied-

staaten, deren Bevölkerung und industrielle Stärke zusammengenommen

die mensch-

lichen und materiellen Ressourcen des Warschauer Paktes weit übertreffen, müssen
nur den Willen aufbringen, der sowjetischen Herausforderung zu begegnen.

Es

ist eine entschlossene Herausforderung - daran besteht kein Zweifel - aber wir
können und müssen Moskau unmißverständlich klarmachen, daß ein Angriff auf die
NATO, auf welcher Ebene auch immer, einen unannehmbaren Preis für die Sowjetunion mit sich bringen würde.

Es ist die Abschreckung, die den Frieden wahrt.

Ich habe überhaupt keinen Zweifel hinsichtlich des Endergebnisses eines friedlichen Wettstreits zwischen Ost und West.
Wenn wir uns der Zukunft mit Realismus stellen und unsere Ressourcen klug
einsetzen, haben wir allen Grund, zuversichtlich zu sein, daß die NATO - bereits
jetzt das erfolgreichste Bündnis in der Weltgeschichte - auch weiterhin die
Vorteile der Freiheit und der Demokratie für die Generationen bewahren kann,
die nach uns kommen. Der Freiheit gehört die Zukunft - vorausgesetzt wir halten
uns immer vor Augen, daß der Preis der Freiheit stete Wachsamkeit ist.

+ + + + +

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United States Information Service
Embassy of the United States of America

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20

11. Mai 1983

US-AUSSENMINISTER UMREISST FRAGEN DES OST-WEST-HANDELS
- Shultz bei der OECD in Paris -

PARIS - AD - Der amerikanische Außenminister George Shultz hat am
9. Mai 1983 auf der Ministertagung der Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris dazu aufgerufen, den Handel
mit dem Osten auf kommerzieller Basis zu betreiben. Es gehe nicht um einen
- sinnlosen - Wirtschaftskrieg gegen die Sowjetunion, sondern um die Erhaltung der Gesundheit der internationalen Wirtschaft und der Sicherheit
und Prosperität der demokratischen Nationen. Aus amerikanischen Regierungskreisen verlautet in diesem Zusammenhang, daß die Vereinigten Staaten
einen "Dialog" in Fragen des internationalen Handels und keine spezifischen
Verpflichtungen anstrebten. Wo kein Konsens existiere, könne man kein Übereinkommen aufzwingen.
An der Ministertagung der OECD nahmen auf amerikanischer Seite neben
Außenminister Shultz Finanzminister Donald Regan, Handelsminister Mal com
Baldrige, der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten, Martin
Feldstein, sowie der Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen, William
Brock, teil.Brock warnte vor einem neuen Protektionismus, denn der Wiederaufschwung der Weltwirtschaft sei mit einer Liberalisierung des Handels
verknüpft.
Die Ausführungen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Ausführungen des amerikanischen Außenministers haben folgenden
Wortlaut:
Ich freue mich, nach zehn Jahren wieder einmal bei der Organisation
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zu sein. Ich begrüße diese Gelegenheit, Ihnen die Auffassung meiner Regierung bezüglich
der heutigen Zusammenkunft mitzuteilen.
Wir kommen in einer Zeit der Hoffnung für die Weltwirtschaft zusammen.
Wie Finanzminister Regan dargelegt hat, ist der wirtschaftliche Wiederaufschwung im Gange. Nach einigen sehr schwierigen Jahren der Rezession und
der Schwierigkeiten in all unseren Ländern stehen die Vereinigten Staaten
im Jahre 1983 vor einem eindeutigen und wesentlichen Wachstum. Wir wissen,
daß der Aufschwung in Amerika - wie in der Vergangenheit - ein wichtiger
Faktor für den Anreiz des Wiederaufschwungs im ganzen OECD-Gebiet und in
der Entwicklungswelt sein wird. Nachdem wir die Inflation aus unserem System herausgepreßt haben - und wenn wir alle die notwendige Disziplin in unserer nationalen Politik üben - könnte die Welt vor einer langen Periode anhaltender, nichtinflationä'rer Expansion stehen.
Dieser Trend des Aufschwungs hat eine symbolische wie auch eine wirtschaftliche Bedeutung: Er erinnert uns an die außerordentliche Elastizität
der freien politischen und wirtschaftlichen Institutionen, über die wir alle
verfugen. Trotz aller zeitweiligen Rückschläge haben die freien Wirtschaften seit 1945 eine Generation des Wachstums und der Prosperität hervorgebracht, die in der Geschichte beispiellor ist. Auf der anderen Seite dieses
so grausam geteilten (europäischen) Kontinents sind die wirtschaftlichen
Probleme struktureller und systematischer Natur. Die mangelnde Leistung
liegt in der Sache; die Innovation wird gehemmt; die Stagnation ist allgemein verbreitet; und jede wirksame wirtschaftliche Reform würde den Griff
der starren zentralen politischen Kontrolle lockern und kommt daher nicht
in Frage. Unsere wirtschaftlichen Probleme sind hauptsächlich Probleme der

2-

�Probleme der Selbstdisziplin, des besser^

Managements der Hausnalts-

und Währungspolitik; die Probleme der anderen liegen in der

Sache und

sind grundsätzlicher Natur.
Daraus ergeben sich zwei Schlußfolgerungen: Erstens, die demokratischen Industriestaaten, die in dieser Organisation vertreten sind, dürfen
nicht vergessen, daß sie ein kostbares Erbe haben; und zweitens, daß wir
alle, wie mir scheint, eine besondere Verantwortung haben, das Problem der
Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ost und West mit einiger Vorsicht anzupacken.
Es ist kein Zufall, daß die Ministertagung im Mai vorigen Jahres und
die Staats- und Regierungschefs auf dem Wirtschaftsgipfel im vorigen Jahr
übereinkamen, daß die OECD Aie wirtschaftlichen und finanziellen Beziehungen zwischen Ost und West prüfen solle.
Ich freue mich, sagen zu können, daß seither die OECD und die Internationale Energieagentur (IEA) wertvolle Forschungsarbeit und Analysen geleistet haben, die unser Verständnis des Ost-West-Handels und seine Auswirkungen erweitern.

Wir appellieren an diese Organisationen, ihre wichtige

Arbeit fortzusetzen. Ich werde gleich auf Gebiete für künftige Untersuchungen zu sprechen kommen. Lassen Sie mich zunächst die Auffassungen meiner
Regierung zu den Hauptpunkten darlegen, um die es geht.

Das Problem des Ost-West-Handels
Wenn das Verhältnis zwischen Ost und West ein normales Verhältnis zwischen Staaten wäre, dann säßen wir nicht hier, um über dieses Thema zu
sprechen. Solange die gegenwärtigen Verhältnisse bestehen, sind diese Beziehungen nicht normal und können nicht als normal behandelt werden - aus
vielen wirtschaftlichen und politischen Gründen. Es geht nicht darum,
einen "Wirtschaftskrieg" gegen die Sowjetunion zu führen, was sinnlos wäre,

- 3 -

�sinnlos wäre, sondern unter den einzigartigen Bedingungen des Ost-WestVerhältnisses die Gesundheit der internationalen Wirtschaft zu bewahren,
die wesentlich ist.
Natürlich gibt es Sicherheitsbedenken. Wir haben aus der Erfahrung
gelernt, daß manche wirtschaftlichen Transaktionen mit der Sowjetunion und
Osteuropa strategische Vorteile weitergeben, Engpässe in der Verfügbarkeit
von Ressourcen beheben oder gar Abhängigkeiten schaffen können. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten prüfen einige dieser Fragen in anderen
Gremien.
Aber die Anliegen, die wir in der OECD vorbringen wollen, sind ganz
richtige wirtschaftliche Anliegen. Die Bemerkung des Generalsekretärs zu "
diesem Thema, die ich begrüße, bietet eine ausgezeichnete Analyse der Komplikationen, die der Ost-West-Handel im Weltwirtschaftssystem verursacht.
Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß die wirtschaftlichen Beziehungen zum Osten zumindest nach gesunden wirtschaftlichen Prinzipien abgewickelt werden müssen, damit sie nicht die Sicherheit oder die Prosperität demokratischer Nationen gefährden. Die OECD muß eine legitime und wesentliche Rolle bei der Schaffung und Aufrechterhaltung solcher Prinzipien spielen. Es ist recht und billig, hier der sehr guten Studie über die
Sicherung der Energieversorgung Hochachtung zu zollen, die gerade von der
OECD und der IEA gemeinsam fertiggestellt wurde. Ich hoffe, daß wir auf dieser Sitzung diese Studie billigen werden.
Jede Problemanalyse muß mit der Einsicht beginnen, daß ein fundamentaler Unterschied zwischen dem Weltmarkt auf der einen und den gelenkten
Planwirtschaften und den Staatshandelssystemen des Ostens auf der anderen
Seite besteht, lit einigen Ausnahmen ging es bei dem Ost-West-Handel
traditionell erweise um den Austausch von relativ fortschrittlicher Technologie gegen Rohstoffe und Halbfertigfabrikate aus dem Osten. Die Maschinen und Ausrüstungen, die wir ihnen verkaufen, bringen ihnen mehr als nur
eine einfache Aufstockung ihrer Kapitalgüter. Diese höchst modernen Erzeug-

- 4-

�modernen Erzeugnisse unserer technologischen Entwicklung enthalten einen
Teil unseres geistigen Kapitals, der dem Osten einen bestimmten Vorteil
vermittelt - einen Vorteil, der durch die Rohstoffe und Halbfertigfabrikate, die wir dafür erhalten, nicht ausgeglichen wird. Die Unfähigkeit
des Ostens, d^'e Fähigkeiten dieses Geräts voll auszunutzen, unterstreicht
nur dieses Ungleichgewicht.
Es besteht also eine grundsätzliche Unverträglichkeit zwischen den
Wirtschaften des Ostens und des Westens. Wie der Generalsekretär ausführte,
liegen die Hauptursachen für den niedrigen Stand des Ost-West-Handels in
den strukturellen Unzulänglichkeiten der zentralen Wirtschaftsplanung der
Kommunisten. Aus diesem Grunde hat sich zwischen Ost und West nicht das
Maß an Ergänzung und Interdependenz entwickelt, wie es sich zwischen Nord
und Süd entwickelt hat - und kann sich wahrscheinlich auch nicht entwickeln.
Es ist einfach eine Tatsache, daß im Osten hergestellte Fertigwaren häufig
im Westen nicht konkurrenzfähig sind, und die Kapazität der Länder des
Ostens, zusätzliche Rohstoffe zu exportieren, ist begrenzt.
Diese Fakten legen den Schluß nahe, daß der Ost-West-Handel seinen geringen Umfang beibehalten hätte, gäbe es nicht die Subventionen und die anderen Formen politischer Intervention, die ihn auf ein künstlich überhöhtes
Niveau brachten. Den Gesetzen des verhältnismäßigen Vorteils zufolge ist eine
solche Praxis ihrer Definition nach ineffizient und verzerrt das richtige
Funktionieren der Weltwirtschaft. Daher ist das dringlichste Problem, vor
dem wir heute stehen, nicht die den Ost-West-Handel beschränkende politische Einmischung, sondern die ihn aufrechterhaltende politische Einmischung.
Sollten die in dieser Organisation vertretenen Regierungen unterschiedliche Vorstellungen von den politischen Implikationen des Ost-West-Handels
haben, so würde der gerechteste - und wirtschaftlich effizienteste - Kompromiß in der Übereinkunft bestehen, solide wirtschaftliche Prinzipien
herrschen zu lassen.
Solide wirtschaftliche
- 5 -

�Solide wirtschaftliche Prinzipien sagen uns auch etwas über das
Schuldenproblem. Die Schwierigkeiten der Ostländer bei

ihrem Schulden-

dienst dem Ausland gegenüber werden verstärkt, wenn nicht hervorgerufen,
durch ihre Unfähigkeit, auf den Weltmärkten wettbewerbsfähig zu sein. Im
Rückblick wird deutlich, daß in den siebziger Jahren bei der Kreditvergabe an bestimmte osteuropäische Länder mehr Klugheit hätte walten sollen.
Die Gesamtverschuldung der Sowjetunion und Osteuropas an harten Währungen
stieg von 8 Milliarden Dollar 1971 auf 90 Milliarden Dollar 1981 - eine
Zuwachsrate von 24 Prozent jährlich.
Heute sind wir uns der Gefahren einer solchen überzogenen Aufblähung
voll bewußt und haben eint Lektion dadurch gelernt: Wir sollten im Hinblick auf unsere Wirtschaftsbeziehungen mit dem Osten die gleichen vorsichtigen Handels- und Finanzkriterien anwenden, die wir auch bei allen
anderen gesellschaftlichen Unternehmungen anlegen. Daß diese Risiken noch
immer vorhanden sind, zeigt das Zögern des Privatsektors bei neuen Finanzierungen. Bisweilen gibt es gute Gründe für finanzielle Unterstützung
bestimmter östlicher Länder durch den Westen. Als generelle Regel gilt jedoch, daß der sicherste Weg der ist, die Tatsache anzuerkennen, daß es
seinen Preis hat, wenn dieserart wirtschaftliche Aktivität künstlich und
unter Nichtachtung der Urteilskraft des Marktes von Regierungen stimuliert
wi rd.
Ein drittes Problem der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ost und West
besteht in dem Versuch der Staatshandelsländer des Ostens, ihre monopolistische Macht dazu einzusetzen, die Lage zu ihrem Vorteil zu verändern, indem
sie westliche Lieferer gegeneinander ausspielen, um Vorzugskredite, Rückkauf svereinbarungen und andere spezielle Vorteile zu erhalten. Diese gegen
den Wettbewerb gerichteter Praktiken können unsere Länder gewaltig schädigen. Wir alle müssen Mittel und Wege finden, um mit diesem Problem fertig
zu werden - ohne natürlich selbst zu wettbewerbsverzerrenden Praktiken zu
greifen, die das Wirtschaftssystem nur noch weiter beeinträchtigen würden.

Angesichts dieser
- 6 -

�Angesichts dieser Herausforderungen, die der Handel mit dem Osten
stellt, kann die OECD viel tun, um uns dabei zu helfen, unsere Interessen
und unsere Volkswirtschaften zu schützen. Lassen Sie mich in dieser Hinsicht
einige konkrete Vorschläge machen.

Die OECD und ihr Arbeitsprogramm
Im Verlauf des vergangenen Jahres haben diese Organisation und ihre
Ausschüsse in diesem Bereich viel nützliche Arbeit geleistet. Ich habe bereits
den vorzüglichen Bericht der gemeinsam von der OECD und der IEA erarbeiteten Studie über Energiesicherheit erwähnt. Und Fortschritte wurden auch in
Richtung auf die Entwicklung eines neuen Konsens bei der Exportkreditpolitik erzielt.
Die Anmerkungen des Generalsekretärs zum Thema des Ost-West-Handels
und der entsprechenden Finanzbeziehungen sind eine wertvolle Zusammenfassung des derzeitigen Zustandes dieser Beziehungen. Seine wirtschaftliche
Analyse ist ausgewogen und objektiv, sicher verankert in den Ergebnissen
des Handelsausschusses. Die Schlußfolgerungen sind zwingend und erhellen
die Tatsache, daß die Regierungen bei ihrer Ost-West-Wirtschaftspolitik
Vorsicht walten lassen müssen.
Wir unterstützen mit Nachdruck die Schlußfolgerungen des Generalsekretärs sowie seine Vorschläge für die weitere, von dieser Organisation
zu leistende Arbeit.
Bei der Überwachung der Verhaltensmuster und der Trends bei den Handels- und Finanzbehiehungen des Westens mit dem Osten spielt die OECD
eine wesentliche Rolle. Nur wenn den Regierungen diese Art von Informationen zur Verfügung

stehen, könne

vir ,amit beginnen, die kommerziel-

len Vorteile abzuwägen und zu überlegen, welche Schritte unternommen
werden können, um die westlichen Interessen zu schützen. Zum Beispiel:

- 7 -

�Zum Beispiel:
- Die östlichen Länder versuchen angesichts ausbleibender Exporte, ihren
immer größeren Anteil an Importen mit Kompensationsgeschäften oder mit
Tauschvereinbarungen zu bezahlen. Wir alle haben ein Interesse daran»

daß diese ineffizienten Praktiken durch die OECD überwacht werden.

- Ich habe bereits die

ersuche der Staatshandelsländer erwähnt, um

spezieller Vorteile willen die West-Lieferer gegeneinander auszuspielen. Um sich gegen solche Manipulationen zu schützen, haben die Vereinigten Staaten darauf hingewiesen, daß es im allgemeinen Interesse
der westlichen Staaten liege, Informationen über größere Projekte auszutauschen, die mit dem Osten geplant sind. Dabei braucht es nicht
um eigentumsrechtliche Informationen zu gehen. Wir sind der Meinung,
daß die OECD für eine solche

Rolle die richtige S eile und hierfür

bestens geeignet ist.
.:;• hoffen, daß ^iie OECD nicht vor dieser, von mir beschriebenen aktiveren Rolle zurückschreckt. Der Stab der OECD-Experten ist eine einmalige
Hilfsquelle. Er sollte nicht auf das simple Sammeln und die einfache Analyse von Daten beschränkt sein. Wir sollten uns ständig darum bemühen, Art
und Umfang von Informationen zu erweitern, die wir gemeinsam zum Thema
Ost-West-Handel haben, um dadurch in die Lage zu gelangen, die jeweiligen
Vorteile für Ost und West zu beurteilen. Wir werden dann in der Lage sein,
Unausgewogenheiten in diesem Handel zu korrigieren und - einzeln wie kollektiv - Politiken zu formulieren, die unsere gemeinsamen Interessen schützen.
Frau Vorsitzende, wir hoffen, daß als Schritt in diese Richtung
eindeutige Schlußfolgerungen aus den heutigen Gesprächen gezogen werden
und sich in unserem Kommunique widerspiegeln. Wir sind der Meinung, daß
die vom eneralsekretär in seinem Vortrag vorgeschlagenen Schlußfolgerungen ein guter Ausgangspunkt für unsere Diskussionen sind. Wir unter-

- 8 -

�Wir unterstützen auch die Vorschläge des Generalsekretärs für die Stärkung des Arbeitsprogramms der Organisation, die auf eine Verbesserung der
Qualität unserer Urteile und unserer politischen Schlußfolgerungen abzielen.
Frau Vorsitzende, diese außergewöhnliche Organisation demokratischer
Nationen gibt Raum für eine Vielzahl unterschiedlicher Einstellungen hinsichtlich des Themas der Beziehungen mit dem Osten.
Es wird hier keine Einstimmigkeit bezüglich der sicherheitspolitischen, der politischen oder auch nur der wirtschaftlichen Dimensionen des
Problems geben. Dies ist auch nicht der Zweck dieser Organisation. Aber
für uns alle gelten dieselben wirtschaftlichen Tatsachen. Wir stehen vor
einem gemeinsamen Problem, und es gibt vieles, was wir zusammen tun können,
•,rn imsere gemeinsamen Interessenund das Wohlergehen unserer Völker zu
schützen. Dies erfordert ganz einfach die Klugheit. Wir alle kennen den
alten Ausspruch: Caveat emptor: Käufer, sei wachsam! Auch manche Verkäufer
sollten wachsam sein.
Wenn man alles zusammennimmt, so haben wir in diesem Saal weit mehr
gemein als uns trennt. Wir teilen die Hingabe an wirtschaftliche und politische Freiheit, an das Wohlergehen unserer Völker und an die Sache de.
Friedens. Wir haben inzwischen gelernt, daß in einer interdependenten Weltwirtschaft keine Nation allein mit den Herausforderungen fertig werden kann.
Und andererseits kann viel durch Zusammenarbeit erreicht werden. Die Vereinigten Staate sind bereit, hier mit Ihnen in diesem Geist zusammenzuarbeiten.
+ + + + +

- 9 -

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vnö Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

20

11. Mai 1983

PHYSIK IM DIENST DER MEDIZIN
"SQUID"-Apparatur mißt Eisenspiegel -

- (AD) - Ausrüstungen zur Erzeugung starker Magnetfelder und die Analyse
natürlicher Magnetfelder, im menschlichen Körper sind für die moderne Medizin
Hilfsmittel, um Funktionen und Fehlfunktionen von Leber, Herz, Gehirn und von
Nervenzellen besser zu verstehen. Auf der Tagung der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft (American Institute of Physics) in Baltimore (Maryland)
vom 18. - 21. April 1983 berichtete Dr. David E. Farrell von der Case Western
University (Cleveland, Ohio), daß man im "Memorial General Hospital" in
Cleveland durch Magnetfeldmessungen mit der "SQUID"-Apparatur bei Patienten
mit Lebererkrankungen das in der Leber gespeicherte Eisen exakt bestimme.
("SQUID" ist die Abkürzung für "Superconducting Quantum Interference Device";
die hochempfindliche Apparatur zur Erfassung von Feldstärken selbst schwächster
Magnetfelder wurde in den siebziger Jahren für Präzisionsmessungen in der experimentellen Physik entwickelt.)
Der gesunde menschliche Körper enthält ca. vier Gramm Eisen.

Etwa 120

bis 300 Milligramm davon sind in der Leber gespeichert, während der Rest als
Bestandteil des Hämoglobins (Farbstoff der roten Blutzellen) und des Myoglobins

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�des Myoglobins (roter Farbstoff der Muskulatur) den Organismus mit Sauerstoff
versorgt.

Ein zu niedriger Eisenspiegel ist häufig das Anzeichen für innere

Blutungen, falsche Ernährung, unzureichende Verwertung der Nahrung oder Erkrankungen wie z.B. Krebs. Eine zu hohe Konzentration dieses lebenswichtigen
Elements kann auf gewisse, meist genetisch bedingte Krankheiten hindeuten.
Zu diesen zählt z.B. Hämochromatose; es kommt dabei zu pathologischen Eisenablagerungen im Körper infolge einer Fehlregulation der Eisenaufnahme in der
Form einer zu starken Resorption dieses Spurenelements.
Bisher war die Leberbiopsie (Entnahme einer Gewebeprobe aus der Leber)
die einzige Möglichkeit, für diagnostische Zwecke den Eisengehalt dieses Organs zu ermitteln. Jedoch gibt die Untersuchung der Probe nur Auskunft über
die lokale Konzentration im Entnahmebereich. Farrell und seine Kollegen in
Cleveland haben inzwischen bei 130 Patienten, insbesondere in Fällen zu hoher
Resorption, die SQUID-Messung durchgeführt. Die neue Methode habe, wie
Farrell betonte, den großen Vorteil, daß man damit die gesamte Leber abrasten
könne und der Vorgang nur 30 Minuten dauere. Auf den operativen Eingriff
zur Vornahme einer Biopsie könne ganz verzichtet werden.
Bei weiterer Verbesserung der Meßempfindlichkeit könnte das Verfahren
nach Meinung Farrells auch zur Erkennung und Diagnose von Anämien eingesetzt
werden. Bei Patinenten, die wegen Blutverlust, Anämien und anderen, mit
dem Eisenspiegel in Zusammenhang stehenden Problemen im Krankenhaus behandelt werden müssen, könnte künftig innerhalb weniger Minuten schon unmittelbar nach der Aufnahme die exakte Eisenbestimmung durchgeführt werden.

Zellen werden magnetisch markiert
Dr. Joseph Brain von der Akademie für öffentliches Gesundheitswesen
an der Harvard-Universität in Cambridge (Massachusetts) schloß kürzlich eine
Studie ab, bei der mit Hilfe von mikroskopisch kleinen Eisenpartikeln herausgefunden werden sollte, über welche Wege die Lungen sich selbst reinigen.

- 2 -

�selbst reinigen.

Zunächst in Tierversuchen, dann auch am Menschen wurde

eine pulverisierte Eisenverbindung, insgesamt etwa ein Milligramm, zum Inhalieren gegeben.

Die winzigen Staubpartikel sickern in die fein verästel-

ten Lungenwege des Bronchiensystems ein.

Durch ein relativ schwaches Magnet-

feld, das man am Probanden vorbei führt, werden die Eisenoxidteilchen in der
Lunge magnetisiert.

Die magnetischen Eigenschaften, die sie dann zeigen,

vermag ein SQUID-Gerät zu "lesen".

Mit Hilfe dieses Verfahrens läßt sich

der Weg dieser Partikel verfolgen - wie sie von den Makrophagen (Zellen, die
leicht fremde Körperchen, Erreger und andere Zellen aufnehmen) aufgesaugt,
die Lungenwege nach außen bis zum hinteren Rachen transportiert und dann hinunter

geschluckt werden,

über Magen und Darm verlassen sie schließlich den

Körper mit den Ausscheidungen.

Die Methode demonstrierte eindrucksvoll die

Aktivität der Makrophagen bei dem Reinigungsprozeß, erklärte Brain.

Sie

könne der Medizin helfen, Lungenerkrankungen als Folge von Zigarettenrauchen
oder Einatmen von kieselsäurehaltigem Staub und Asbeststaub, das bestimmte
Berufskrankheiten verursacht, besser zu verstehen.

Auch vermittle sie mehr

Erkenntnisse über Krankheiten, die zu anomaler Funktion von Makrophagen in
der Lunge und in anderen Organen, wie z.B. der Leber, führen.

Die magnetische Markierung sei, wie Brain berichtete, in mancherlei
Hinsicht oft günstiger als die radioaktive Markierung (Verwendung von Radioisotopen ) , weil die magnetisierten Partikel über einen längeren Zeitraum
verfolgt werden könnten.

Radioisotope mit sehr kurzer Halbwertszeit dagegen

(bei manchen beträgt diese z.B. nur eine Minute) seien dann für diagnostische
Zwecke bald wertlos, so daß bei langwierigen Beobachtungen der Patient stets
von Neuem einer, wenn auch schwachen, Radioaktivität ausgesetzt werden müsse.

Dr. John Wikswo von der Vanderbilt-Universität in Nashville (Tennessee)
entwickelte Verfahren zur Messung natürlicher Magnetfelder in verschiedenen
Teilen des Körpers, wobei die Tatsache genutzt wird, daß Elektrizität und
Magnetismus verwandte Phänomene sind.

Wikswos Methode zufolge werden die Er-

gebnisse der Messung elektrischer Felder im Körper (Bioelektrizität) unter
Verwendung eines SQUID-Geräts mit Magnetismus verglichen.

Der Chirurg kann

auf diese Weise beispielsweise den Schädigungsgrad und das Sprossen neuer
- 3 -

�Sprossen neuer Fasern von verletzten Nerven besser erkennen, ohne das empfindliche Gewebe direkt sondieren oder freilegen zu müssen.

Indem man eine

magnetische Meßvorrichtung nahe dem Bereich stationiert, in dem die Verletzung liegt, läßt sich der elektrische Impuls und somit die Funktion des Nerven an Hand des resultierenden Magnetfeldes messen.
Wikswo verwies darauf, daß es in den Vereinigten Staaten bei schätzungsweise 30 Prozent aller Industrieunfälle zu Schäden an Gliedmaßen komme und
bei etwa der Hälfte dieser Fälle wichtige Nervenleitungen zerstört oder beeinträchtigt seien.

Er hoffe, das Magnetmeßverfahren eines Tages auch beim

Herzen, der "elektrischen Batterie" des Körpers, anwenden zu können.
Versuche an der Universität New York demonstrierten, daß das menschliche
Gehirn nach Magnetfeldern "kartiert" werden könne. Wie Dr. Lloyd Kaufman
berichtete, führte man z.B. Magnetfeldmessungen mit SQUID in der Zeit durch,
in der die Versuchsperson optischen oder akustischen Reizen ausgesetzt wurde.
Dabei konnten die Zonen im Gehirn exakt ermittelt werden, in denen die Reaktionen auf solche Reize entstehen.
Das Gehirn ist ja ein ungemein komplexes System, von dem aus Denken,
Wahrnehmungen, Empfindungen und Bewegung bestimmt werden. Therapien für Erkrankungen können nur dann wirksam sein, wenn der Arzt genau die Region im
Gehirn kennt, von der die Erkrankung oder Fehlfunktionen ihren Ausgang nehmen. Nach Ansicht Kaufmans ergebe sich z.B. die Möglichkeit, aufgrund seiner
Untersuchungen die Quelle und die Ursache von Sensibilitätsstörungen, wie
sie bei älteren Menschen häufig auftreten, herauszufinden, oder die Epilipsiebehandlung zu verbessern.

+ + + + +

- 4-

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