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Information

HM

BTTT3T

•i iL

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. April 1983

18

INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung des US-Präsidenten zur MX-Entscheidung
- Reagan möchte 100 "Friedenswahrer"-Raketen Shultz:

USA wollen Demokratie, Reform und Menschenrechte

in Mittelamerika

HINTERGRUNDMATERIAL
Die sowjetische Strategie in Europa
- Von Fritz W. Ermarth -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Simulatorprogramme für TDRS-Bahnkorrektur
- Rettungsaktion schwieriger als zunächst angenommen Neuartiges Antriebsaggregat für Raumtransporter-Nutzlasten

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�18

27. April 1983

ERKLÄRUNG DES US-PRÄSIDENTEN ZUR MX-ENTSCHEIDUNG
- Reagan möchte 100 "Friedenswahrer"-Raketen -

WASHINGTON - (AD) - In einer Erklärung vom 19. April 1983 stellte sich
Präsident Ronald Reagan hinter die Empfehlungen der überparteilichen
Kommission, die sich mit der Problematik der strategischen Streitkräfte auseinandergesetzt und ihm ihren Bericht vergangene Woche vorgelegt hatte.
Reagan erklärte, die Vorschläge der Kommission würden eine "stabile Abschreckung" bewahren und für die amerikanischen Verhandlungen über Rüstungsverminderungen mit den Sowjets "solide Anreize und Glaubwürdigkeit" bedeuten.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich werde noch heute dem Kongreß einen Bericht zusenden, der die
Empfehlungen der überparteilichen Kommission für die strategischen Streitkräfte unterstützt und der auf rasche Reaktion des Kongresses und auf Unterstützung durch ihn drängt.
Die Empfehlungen dieser hervorragenden Gruppe sind aus zweierlei Gründen
wichtig.

Die von ihr vorgeschlagenen Maßnahmen werden eine stabile Abschreckung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�stabile Abschreckung bewahren und dadurch den Frieden sichern.

Und sie

werden unseren Anstrengungen zur Aushandlung von Rüstungsverminderungen, die
den Weg zu einer sichereren und friedlicheren Zukunft ebnen sollen, weitere
solide Anreize und Glaubwürdigkeit bringen.
Am 23. März habe ich zum amerikanischen Volk über unser Programm zur
Stärkung der Sicherheit dieses Landes und der unserer Verbündeten gesprochen
und eine langfristige Forschungsanstrengung angekündigt, damit eines Tages
die Bedrohung verringert wird, die die Atomraketen darstellen.
Eine Woche später habe ich in Los Angeles unsere Anstrengungen zur
Begrenzung und Verringerung dieser Gefahr mittels verläßlicher, verifizierbarer
und stabilisierender Rüstungskontroi labkommen dargelegt.
Beide Wege führen auf ein gemeinsames Ziel zu: Die Verhinderung eines
Konfliktes, Verringerung des Kriegsrisikos und Bewahrung des Friedens.
Alle amerikanischen Präsidenten haben die Erreichung dieses entscheidenden
Zieles als ihre oberste Pflicht akzeptiert. Aber die Bewahrung des Friedens
erfordert mehr als Wunschdenken und vage gute Absichten. Es bedarf der
konkreten,positiven Schritte, um die Welt von dem Gespenst eines Atomkrieges
zu befreien. Und eben darum werden wir auch weiterhin unermüdlich daran
arbeiten, eine nukleare Stabilität auf dem niedrigst möglichen Niveau zu
erreichen. Unsere Worte, unsere Politik und unser Handeln zeigen der Welt
deutlich die tiefempfundene Überzeugung unseres Landes, daß ein Atomkrieg
jedweden Umfangs eine Tragödie von noch nie dagewesenem Ausmaß wäre.
Immer wieder hat Amerika einseitig Zurückhaltung, guten Willen und eine
ernsthafte Verpflichtung zu wirksamer Rüstungskontrolle an den Tag gelegt.
Leider haben uns diese Maßnahmen allein noch nicht wirklich sicherer gemacht,
und sie haben auch die Gefahr eines Atomkrieges nicht verringert. So haben
zum Beispiel die Sowjets im vorigen Jahr mehr als 1200 Gefechtsköpfe für

- 2 -

�1200 Gefechtsköpfe für Interkontinentalraketen disloziert - mehr als das
gesamte "Friedenswahrer"-Programm vorsieht.
Die Geschichte der amerikanischen Beteiligung an der Rüstungskontrolle
zeigt uns, was möglich ist und was nicht. Tatsache ist, daß in der Vergangenheit unsere einseitige Zurückhaltung und unser einseitiger guter Wi le es
nicht vermochten, ähnliche Zurückhaltung und ähnlichen guten Willen bei der
Sowjetunion zu fördern. Und beide erbrachten auch keine sinnvolle Rüstungskontrolle. Aber die Geschichte lehrt uns zugleich, daß es zu einer stabilisierenden Rüstungskontrolle kommt, wenn die Vereinigten Staaten Entschlossenheit zeigen und stark bleiben.
Ende der sechziger Jahre unternahmen wir eine große Anstrengung, mit der
Sowjetunion einen Raketenabwehr-Raketenvertrag (ABM-Vertrag) auszuhandeln.
Nachdem die sowjetische Führung deutlich ihr mangelndes Interesse demonstriert
hatte, stimmte der Kongreß der Finanzierung eines Programms zum Bau von
Raketenabwehr-Raketen zu. Das Ergebnis war vorauszusehen. Als die Sowjets
erst einmal erkannten, daß wir damit beginnen würden, kamen sie an den Verhandlungstisch,und wir handelten eigenen "ertrag aus. Er wurde ratifiziert und
ist noch heute in Kraft.
Offensichtlich ist der beste Weg zu nuklearer Stabilität und zu einem
dauerhaften Frieden der Verhandlungsweg. Und dies ist auch der Kurs, den wir
abgesteckt haben. Und wenn wir unsere Entschlossenheit zeigen, kann er zum
Erfolg führen.
Vor diesem Hintergrund setzte ich im vergangenen Jahr eine überparteiliche
Kommission für die strategischen Streitkräfte ein und wies sie an, das
strategische Programm für die Streitkräfte der Vereinigten Staaten mit besonderer Betonung auf die Interkontinentalraketen und ihre Stationierung zu
überprüfen.
Eine hervorragende

- 3 -

�Eine hervorragende, Überpartei liehe Gruppe von Amerikanern, die entweder
in der Kommission selbst arbeiteten oder ihr als Berater dienten, hat dem
Land einen großen Dienst erwiesen,und wir alle schulden ihr große Dankbarkeit.
Brent Scowcroft, der Vorsitzende der Kommission, weitere Mitglieder der
Kommission sowie Harold Brown und die Berater sind heute hier.

Ich möchte

ihnen allen meine Anerkennung für eine schwere Aufgabe zum Ausdruck bringen,
die außerordentlich gut bewältigt wurde.
Im besten Geist der Überparteilichkeit ist die Kommission einstimmig zu
klaren und wichtigen Empfehlungen hinsichtlich einiger der schwierigsten
Fragen unserer Zeit gelangt. Während der vergangenen drei Monate kam die
Kommission zu Dutzenden von Sitzungen und in zahlreichen kleinen Konferenzen
zusammen.

Mit über 200 technischen Experten wurden Gespräche geführt,

der

Kongreß wurde eng konsultiert.
Die Mitglieder der Kommission hatten ein gemeinsames Ziel - nämlich ein
höheres Maß an nationaler Obereinstimmung hinsichtlich unserer Haltung gegenüber der Modernisierung der strategischen Streitkräfte und der Rüstungskontrolle, wobei der Bericht der Kommission dies so umschreibt: "Wenn es uns
gelingt, uns selbst bei der Behandlung dieser Fragen nicht als politische
Parteigänger oder als Kreuzzügler für eine bestimmte Lösung eines Teils dieses
zu
komplexen Problemkreises/sehen, sondern vielmehr als Bürger einer großen
Nation mit einer zur Bescheidenheit gemahnenden Verpflichtung, in der langwierigen Aufgabe fortzufahren, Frieden und Freiheit für die Welt zu sichern,
so dürfte schließlich eine gemeinsame Perspektive gefunden werden."
Diese Worte waren für die Arbeit der Kommission richtungsweisend. Es
ist meine glühende Hoffnung, daß sie uns alle leiten werden, wenn wir auf
eine Lösung einer schwierigen und langwierigen Frage hinarbeiten.
Die Kommission hat ihre Arbeit beendet und mir vorige Woche ihren Bericht

�ihren Bericht vorgelegt.

Er wurde, wie Sie wissen, sofort der Öffentlichkeit

zugänglich gemacht. Nach Durchsicht des Berichtes traf ich mit dem Nationalen
Sicherheitsrat zusammen.

Er unterstützte die Empfehlungen der Kommission

genau so wie alle Mitglieder des Gemeinsamen Stabes. Auch ich tue dies.
Als erstes drängt uns die Kommission, mit dem strategischen Modernisierungsprogramm fortzufahren, das ich Oktober 1981 angekündigt hatte.

Dies

bekräftigt, daß die Notwendigkeit für Verbesserungen bei Kommando, Kontrolle
und Kommunikation unserer strategischen Streitkräfte sowie für eine Fortführung unserer Bomber-,Unterseeboot- und Marschflugkörperprogramme fortbesteht.
Als zweites dringt die Kommission auf eine Modernisierung unserer Interkontinentalraketen-Streitmacht. Wir sollten sofort mit der Entwicklung und
der Produktion der "Friedenswahrer"-Rakete fortfahren und 100 davon in bestehenden MINUTEMAN-Silos in der Nähe des Luftwaffenstützpunktes Warren in
Wyoming dislozieren.
Gleichzeitig empfiehlt uns die Kommission, mit der Entwicklung einer
kleinen Rakete mit einem Gefechtskopf zu beginnen.

Wenn es die strategischen

und technischen Überlegungen ermöglichen, könnte diese Rakete Anfang der
neunziger Jahre einsatzbereit sein.
Nebenbei gesagt wird dieses Modernisierungsprogramm 1984 zu Einsparungen
von ungefähr 1,5 Milliarden Dollar führen - und noch mehr in den beider darauffolgenden Jahren.
Drittens empfiehlt die Kommission umfassende Forschungsanstrengungen bei
der strategischen Verteidigung und ein sorgfältiges Forschungsprogramm bei der
Silohärtung, wodurch unsere landgestützten Raketensysteme sicherer werden
sollen.
Diese Modernisierungsanstrengung ist die letzte Komponente unseres umfassenden strategischen Programms.

Es wird ein geschützteres und sichereres

- 5 -

�und sichereres Amerika bedeuten.

Und es wird für die Sowjetunion ein klarer

Beweis dafür sein, daß es in ihrem eigenen besten Interesse ist, in gutem
Glauben und mit ernsthafter Zielsetzung mit uns zu verhandeln.
All dies summiert sich zu einem wichtigen Anstoß bei Rüstungskontrolle
und Abschreckung, bei Frieden und Sicherheit jetzt und bis weit hinein in die
Zukunft.
Schließlich unterstreicht die Kommission die Notwendigkeit ehrgeiziger
Rüstungskontroll Verhandlungen - Verhandlungen, die zu Abkommen führen würden,
die ausgewogen sind, die Stabilität in Krisenzeiten fördern und sinnvolle,
verifizierbare Verringerungen zur Folge haben.
Genau dies aber sind die Ziele unserer Rüstungskontrollvorschläge, die
derzeit in Genf auf dem Tisch liegen.

Ich möchte hier noch einmal betonen,

daß wir in Genf ausgewogene, verläßliche Abkommen anstreben, die echte Verringerungen bringen.
Daher besteht die vor uns liegende Aufgabe darin, unsere Entschlossenheit,
unseren nationalen Willen und unseren guten Glauben zu demonstrieren. Dies
ist sowohl für die Aufrechterhaltung einer wirksamen Abschreckung als auch
für die Erzielung erfolgreicher Rüstungsverringerungen von entscheidender
Bedeutung. Daß wir uns hier nicht täuschen: Solange wir nicht unsere landgestützten RaketenSysteme modernisieren, hat die Sowjetunion keinen echten
Grund, sinnvolle Verringerungen auszuhandeln. Wenn wir jetzt nicht handeln,
können wir vernünftigerweise nicht erwarten, daß es bei unseren Rüstungskontroll Verhandlungen zu einem annehmbaren Resultat kommt, und wir werden
außerdem die Abschreckungssituation schwächen, die den Frieden über eine
Generation lang bewahrt hat.
Daher appelliere ich an den Kongreß, sich mir jetzt bei der Unterstützung
dieses überparteilichen Programms zur Verfolgung von Rüstungskontrollabkommen
anzuschließen, die die Stabilität fördern, um heute den Erfordernissen unserer
Interkontinentalraketen(ICBM)-Streitmacht gerecht zu werden und in Zukunft
- 6 -

�in Zukunft auf eine stabilere ICBM-Struktur hinzuarbeiten.

Um den Empfehlungen

der Kommission nachzugehen, habe ich Brent Scowcroft in seiner Eigenschaft als
Vorsitzenden gebeten, mich genauestens auf dem laufenden zu halten, während
diese Frage ihrer Lösung zugeführt wird - insbesondere in Beziehung auf die
Rüstungskontrolle.
Über ein Jahrzehnt lang haben vier Administrationen Vorschläge zur Rüstungskontrolle und -modernisierung unterbreitet. Unglücklicherweise wurde jede in
die politische Kontroverse hineingezogen. Die Kommissionsmitglieder, der Verteidigungsminister, die Chefs des Gemeinsamen Stabes und ich - alle mußten
unsere früheren Positionen aus neuer Sicht betrachten. Aber trotz der unterschiedlichen Betrachtungsweisen, die diese Gruppen in der Vergangenheit hatten,
haben wir jetzt ein Programm, das unsere einhellige Unterstützung findet.
Unterstützung durch den Kongreß und das amerikanische Volk für diese übereinstimmende Meinung wird uns in unserer gemeinsamen Suche nach Wegen einen,
unsere nationale Sicherheit zu stärken, das Kriegsrisiko zu verringern und
schließlich den Umgang der Kernwaffen zu verringern. Wir können uns keine
weiteren Verzögerungen mehr leisten. Jetzt ist die Zeit zum Handeln gekommen.
Ich danke Ihnen alle für Ihre Anwesenheit und danke der Kommission noch
einmal für ihre gute Arbeit.

+ + + + +

- 7 -

�18

27. April 1983

SHULTZ: USA WOLLEN DEMOKRATIE, REFORM UND MENSCHENRECHTE
IN MITTELAMERIKA

DALLAS, TEXAS - (AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz
bezeichnete es als das Hauptziel der Vereinigten Staaten, in Mittelamerika
Demokratie, Reform und den Schutz der Menschenrechte zu unterstützen. In
einer Rede vor dem privaten Rat für weltpolitische Angelegenheiten und der
Handelskammer in Dallas, Texas, am 15. April gab Außenminister Shultz einen
umfassenden überblick über die Mittelamerikapolitik der Vereinigten Staaten.
Die Rede des Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Wenn man über Mittelamerika spricht, dann muß man sich drei Fragen zuwenden:
Warum kümmern wir uns eigentlich um Mittelamerika?
Was geht dort vor?
Was sollten wir dazu tun?
Diese Fragen

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Telex: 8-85432

�Diese Fragen sind wichtig, und ich werde versuchen, sie klar und deutlich zu beantworten.
Ich meine zunächst einmal, daß niemand die Bedeutung Mittelamerikas für
die Vereinigten Staaten bestreiten kann.
Mittelamerika liegt so nahe, daß seine Schwierigkeiten automatisch auf
uns übergreifen; so nahe, daß die strategische Position seiner Länder die unsrige berührt; so eng, daß die Leiden der dortigen Völker auch uns Schmerzen
bereiten.
Ich brauche Texaner

nicht daran zu erinnern, daß nur die Stabilität

unserer Nachbarn einen beispiellosen Strom von Flüchtlingen nordwärts in

unser

Land verhindern kann. Vor allem heute, da eine in Schwierigkeiten befindliche
Weltwirtschaft die Unruhe förmlich herausfordert, müssen wir in unserer unmittelbaren Nachbarschaft Demokratie und Stabilität gewährleisten,
Ich habe das Wort "strategisch" nicht leichtfertig benutzt. Trotz der
Raketenkrise in Kuba von 1962 und trotz des Krieges zwischen Argentinien und
Großbritannien im vorigen Jahr glauben die meisten Amerikaner, daß Lateinamerika im strategischen Gleichgewicht der Welt keine Rolle spiele. Die Leute
wissen natürlich, daß Kuba in Afrika militärisch interveniert hat, aber sie
wissen wahrscheinlich nicht, daß die kubanischen Armee heute dreimal so groß
ist wie 1962 oder daß heute 40 000 kubanische Soldaten in Afrika stationiert
sind oder daß sich 2000 kubanische Militär- und Sicherheitsberater in Nicaragua
aufhalten.
Manche von Ihnen mögen auch gehört haben, daß der Verteidigungsminister
Nicaraguas am 9. April erklärte, Nicaragua würde die Annahme sowjetischer Raketen in Erwägung ziehen, wenn es darum ersucht würde.
In der großen Debatte, wie unsere Interessen am Panamakanal am besten
geschützt werden könnten, war der einzige Punkt, auf den sich alle Seiten einigen konnten, der, daß der Kanal von entscheidender Bedeutung ist und offen- 2 -

�ist und offengehalten und verteidigt werden muß. Die Sicherheit des Panamakanals wird jedoch durch die Stabilität und Sicherheit Mittelamerikas unmittelbar berührt.
Der Kanal selbst ist nur eine Strecke von 50 Meilen von Tausenden von
Meilen Seewege durch die Karibik.

In Friedenszeiten passieren 44 Prozent der

gesamten Außenhandelstonnage und 45 Prozent des Rohöls nach den Vereinigten
Staaten die Karibik.

Im Falle eines Krieges in Europa würden 65 Prozent un-

seres Mobilisierungsnachschubs von Häfen am Golf von Mexiko in See stechen
und durch die Straße von Florida nach Europa gehen.
Während des Zweiten Weltkrieges

- nur um Sie daran zu erinnern - war

unsere Verteidigung so schwach und unsere Lebensadern so entblößt, daß in den
ersten Monaten 1942 eine Handvoll feindlicher Unterseeboote in der Karibik
und im Golf von Mexiko Hunderte, von Schiffen versenkte - und das leichter und
schneller als Hitlers ganze Flotte im Nordatlantik.

Die Karibik war ein bes-

seres Ziel für sie. Vor fast genau 41 Jahren wurde ein mexikanischer Tanker
- mit vollen Lichtern, wie das damals bei Neutralen üblich war - vor Miami
versenkt.

Im Juni jenes Jahres hat ein einziges Unterseeboot, die U-159, in

vier Tagen acht amerikanische Schiffe versenkt, zwei davon direkt vor der Einfahrt in den Panamakanal.
Und wir dürfen nicht vergessen, Hitlerdeutschland besaß keine Stützpunkte in der Karibik, ja hatte nicht einmal Zugang zu Häfen zum Tanken und
zur Versorgung.
Die meisten Amerikaner sind davon ausgegangen, wir hätten, weil die
Sowjetunion weiß, daß wir die Stationierung von strategischen Waffen auf Kuba
nicht akzeptieren werden, nichts mehr zu befürchten.
Kuba keine Kernwaffen sind.

Es ist richtig, daß auf

Und es ist richtig, daß sich die Utopie der ku-

banischen Kommunisten als eine solche wirtschaftliche Katastrophe erwiesen hat,
daß Kuba völlig von massiver sowjetischer Hilfe abhängig ist - in einer Größenordnung von vier Milliarden Dollar jährlich.

- 3 -

Aber das hat Kuba nicht abge-

�nicht abgehalten, sich als Vorkämpfer einer besseren Zukunft darzustellen und
einen Feldzug zu führen, um in Mittelamerika neue kommunistische Diktaturen zu
errichten.
Ich weiß, es gibt Leute, die glauben, daß wir in der Regierung die Gefahr übertrieben darstellen.

Ich möchte Ihnen jedoch ein Zitat verlesen:

"Der revolutionäre Prozeß in Mittelamerika ist ein einziger
Die Triumphe des einen sind die Triumphe des anderen...
wird kommen;
erleben.

die Stunde von Honduras.

Prozeß.

Die Stunde Guatemalas

Auch Costa Rica wird seine große Stunde

Der erste Ton war in Nicaragua zu vernehmen."

Falls Sie sich fragen sollten, derjenige, der das sagte, war kein Sprecher unserer Regierung.

Die vertrauensvolle Voraussage stammt von Cajetano

Carpio, dem wichtigsten Führer der Guerilla in El Salvador.

Nachzulesen in

der Ausgabe vom 25. August 1980 der mexikanischen Zeitschrift "Proceso".
Unsere Analysen, unsere Strategie und unsere Erwartungen bezüglich der
Zukunft

Mittelamerikas gehen von zwei Vorstellungen aus. Die eine ist, daß

die Demokratie nicht gedeihen kann, wenn es extreme Ungleichheiten beim Landerwerb, bei den Lebenschancen und bei der Rechtsprechung gibt.

Die zweite

Vorstellung ist die, daß Herr Carpio und seine Verbündeten solche Ungerechtigkeiten für antidemokratische Ziele ausnützen.
Ich

habe einen Terroristenführer

zitiert, weil es gerade solche Ober-

zeugungen - gestützt auf bewaffnete Gewalt - sind, die unseren Freunden in
Mittelamerika solche Sorgen machen:

In Costa Rica, wo Demokratie und Achtung

der Menschenrechte eine alte Tradition haben; in Honduras, wo demokratische
Institutionen Fuß fassen; in El Salvador, wo die Demokratie zu funktionieren
beginnt; ja selbst in Nicaragua, wo die Enttäuschung
Fragen Sie die Menschen, die dort leben.

an der Tagesordnung

Sie werden Ihnen sagen, so

wie sie es uns gesagt haben, - durch ihre Regierungen, in den öffentlichen

- 4 -

ist.

�den öffentlichen Meinungsumfragen und in den Leitartikeln ihrer Zeitungen
und Rundfunksender - daß die Revolution, derer sich Carpio rühmt, ein erschreckendes Phänomen ist:
Wohlergehens.
machen sollten.

eine direkte Bedrohung ihrer Demokratie und ihres

Sie werden Ihnen sagen, daß auch wir Nordamerikaner uns Sorgen
Nicht, weil etwa Herr Carpio morgen ein Bataillon über den

Rio Grande (die Grenze der Vereinigten Staaten, Anm. der Redaktion) führen
wird, sondern weil die Sache der Demokratie und der Menschenrechte auch unsere
Sache ist.
Ich bin ganz dieser Meinung.

Wir können nicht guten Gewissens weg-

sehen, wenn Demokratie und Menschenrechte in Ländern in Frage gestellt werden,
die nahe bei uns liegen - in Ländern, die von uns Hilfe erwarten.
Reagan hat es im vorigen Monat treffend ausgedrückt:

Präsident

"Menschenrechte heißt,

an Problemen arbeiten, nicht vor ihnen davonlaufen."
Die entscheidende Frage ist also, was sollen wir tun?
Ein Hauptelement unserer Strategie muß die Unterstützung von Demokratie,
Reform und der Schutz der Menschenrechte sein. Man kann davon ausgehen, daß
Demokratien ihre Nachbarn weniger wahrscheinlich bedrohen - oder ihre eigenen
Bürger mißbrauchen - als Diktaturen.
Der Kräfte der Demokratie gibt es viele und vielfältige.

Manche sind

tief verwurzelt, wie in Costa Rica, das seit 35 Jahren nichts anderes als Demokratie kennt. Andere sind zerbrechlicher, aber sind ständig gewachsen in
dem Maße, in dem die wirtschaftliche Entwicklung die Mittelklasse gestärkt hat
und in dem Gewerkschaften und Bauernorganisationen den Pluralismus verwirklicht
haben.

Die katholische Kirche hat ebenfalls wichtige Beiträge zur Demokratie

und zum sozialen Fortschritt geleistet.

Und das gleiche gilt für die Vereinig-

ten Staaten beispielsweise durch Kultur und in jüngerer Zeit auch durch Diplomatie.
Die Kräfte

�Die Kräfte der Diktatur bestehen aus zwei Arten.
andere ist neu.

Die eine ist alt, die

Die alte Spielart ist die der wirtschaftlichen Oligarchie,

des politischen Despotismus und der militärischen Unterdrückung.

Außer in

Costa Rica war das die traditionelle Methode des gesellschaftlichen Aufbaus
während des größten Teils der Geschichte Mittelamerikas.

Die neue Form der

Diktatur besteht in einer gelenkten Wirtschaft, einer selbsternannten elitären FUhrungsgruppe und einem Guerilla-Krieg.

Die Basis ist Nicaragua; das

Ziel ist ganz Mittelamerika.
Ehe die Sandinisten 1979 in Nicaragua an die Macht kamen, versprachen
sie freie Wahlen, politischen Pluralismus und Blockfreiheit.
alle diese Versprechen gebrochen.

Heute haben sie

Erst machten sich die Sandinisten daran,

die Demokratien aus der Regierungsjunta zu verdrängen; dann, jede politische
Opposition, alle Pressefreiheit und die Unabhängigkeit der Kirche einzuschränken; dann, Streitkräfte aufzubauen, die heute die größten in der Geschichte
Mittelamerikas sind; schließlich, sich mit der Sowjetunion und mit Kuba zur
Unterwanderung ihrer Nachbarn zu verbünden.
Das erste Ziel wurde El Salvador. Im Jahr 1980 wurden auf Anweisung
Kubas mehrere extremistische Gruppen El Salvadors in Managua zusammengeschlossen, wo sich heute noch ihr Einsatzhauptquartier befindet. Kuba und seine
Verbündeten aus dem Sowjetblock sorgten dann für Ausbildung und Nachschub,
der heimlich durch Nicaragua nach El Salvador floß, um den bewaffneten Aufstand zu schüren. Die kommunistische Intervention brachte die Guerilla zwar
nicht an die Macht, kostete aber Tausenden von Menschen das Leben und weitete
einen bereits bitteren Konflikt aus. Heute hängt El Salvador in der Schwebe,
wobei die reformwilligen Demokraten mit den Kräften der alten und neuen Diktatur kämpfen müssen.
Der Kampf um die Demokratie wird noch weiter erschwert durch das schwere
Erbe von Jahrzehnten der sozialen und wirtschaftlichen Ungerechtigkeit.

Und

in El Salvador hat - wie auch andernorts in der Welt - die Weltrezession mit
verheerender Wirkung zugeschlagen.
Wir müssen

�Wir müssen daher auch die wirtschaftliche Entwicklung unterstützen.
Unterentwicklung, Rezession - und der andauernde "Verlängerte Krieg" der
Guerilla gegen die Wirtschaft El Salvadors - verursachen menschliches Elend
und Leiden, die von den Feinden der Demokratie in zynischer Weise ausgebeutet
werden.

Drei Viertel der Mittel, die wir für die Unterstützung unserer Mittel-

amerikapolitik ausgeben, werden für Wirtschaftshilfe aufgewandt.
Wirtschaftsprogramm geht über die traditionelle Hilfe hinaus:

Und unser

Die Initiative

des Präsidenten für das Karibische Becken soll dazu dienen, Handel und Investitionen mächtige Anreize zu geben, um diesen Ländern zu helfen, ein sich selbst
erhaltendes wirtschaftliches Wachstum zu erreichen.
Aber wie alle Reformen für sich allein keinen Frieden bringen können,
solange die Guerilla der Überzeugung ist, sie könne einen militärischen Sieg
davontragen, so wird keine Wirtschaftshilfe ausreichen, solange Guerillaeinheiten Straßen, Brücken, Kraftwerke und Ernten immer wieder ungestraft zerstören können.
Wir müssen also auch die Sicherheit El Salvadors und der anderen bedrohten Ländern der Region unterstützen.
Und schließlich müssen wir, mit einer schweren, sich über die ganze
Region erstreckenden Krise konfrontiert, regionale Friedenslösungen anstreben.

Wir versuchen, die Sandinisten davon zu überzeugen, an den Verhandlungs-

tisch zu kommen - in der Bereitschaft, mit ihren Nachbarn und mit ihrer eigenen zunehmend beunruhigten Gesellschaft zu einem Einvernehmen zu kommen.
Werfen wir nun einen Blick darauf, wie diese Strategie in der Praxis
funktioniert. Zunächst El Salvador:
Grundtatsache hinsichtlich El Salvadors ist heute, daß sein Volk Frieden wünscht.

Und weil es dies will, hat es die wesentlichen Grundlagen für

nationale Versöhnung und Erneuerung geschaffen.
Erlauben Sie

�Erlauben Sie mir einige Details:
Erstens:
Menschenrechten.

Sogar inmitten des Guerillakrieges wächst die Achtung vor den
Zwar ist die Gewalt gegenüber Zivilisten noch immer hoch,

aber sie ist merklich zurückgegangen, seit wir vor drei Jahren mit unserer
Hilfe begonnen haben.

Das System der Strafverfolgung bleibt ein Hauptanlie-

gen und ich werde darauf gleich zurückkommen.
Zweitens:

Innerhalb von drei kurzen Jahren und trotz der entschiedenen

Ablehnung durch die Guerilla hat die Regierung von El Salvador über 20 Prozent des Ackerlandes neu verteilt.

Rund 450 000 Menschen - etwa jeder zehnte

El Salvadorianer - haben unmittelbar davon profitiert und haben einen persönlichen Anteil an einer sicheren Zukunft.
Drittens: Die allgemeine Wirtschaftslage ist schlecht. Allein um
dieses Jahr in etwa das Niveau zu halten, braucht El Salvador beträchtliche
Wirtschaftshilfe zur Einfuhr von Saatgut, Düngemittel und Schädlingsbekämpfungsmittel für die Landwirtschaft und Rohstoffe für die Fabriken.
Die Wirtschaftskrise rührt zum Teil von der internationalen Rezession
her, die einen Preisdruck auf die landwirtschaftlichen Exporte - Kaffee,
Baumwolle, Zucker • ausübt, von denen El Salvador hinsichtlich seiner Devisen abhängt. Aber das weit ernsthaftere Problem ist der Guerillakrieg gegen
die Wirtschaft. Teile des fruchtbaren Bodens können wegen der Guerillaangriffe
nicht bestellt werden. Durch sie wurden 55 der 260 Brücken des Landes zerstört und viele weitere wurden beschädigt. Die Wasserwerke müssen 112 Wasserversorgungsanlagen reparieren, die durch Guerillaangriffe beschädigt wurden.
249 Angriffe auf das Telefonsystem haben Schäden mit sich gebracht, die in
die Millionen Dollar gehen. In den 22 Monaten bis Ende November vorigen Jahres gab es durch die Guerilla über 5000 Unterbrechungen der Stromversorgung durchschnittlich acht pro Tag. Die gesamten Ostgebiete des Landes hatten sowohl 1981 als 1982 jährlich über ein Drittel Stromausfall. Allein 1982 zerstörte die Guerilla über 200 Busse. Weniger als die Hälfte der Eisenbahn- 8 -

�der Eisenbahnwaggons ist einsatzfähig.

Kurz:

Da sie nicht in der Lage ist,

die Loyalität des Volkes von El Salvador auf freiwilliger Basis zu erringen,
entzieht die Guerilla ihm absichtlich und systematisch Nahrungsmittel, Wasser,
Transport, Elektrizität, sanitäre Anlagen und Arbeit.
Das sind die Leute, die behaupten, ihr Ziel sei Hilfe für das gemeine
Volk.
Das bringt mich auf einen vierten Punkt.
Die drei

Bataillone Regierungstruppen, die wir ausgebildet haben, ver-

halten sich auf dem Schlachtfeld wie auch im Umgang mit Zivilisten soldatisch
einwandfrei.

Aber nur jeder zehnte salvadorianische Soldat hat unsere Ausbil-

dung erfahren - weniger als die vielen "Guerilleros", die von Nicaragua und
Kuba ausgebildet werden.
Worum es letztlich in El Salvador geht, ist die Sache der Demokratie.
Ich kann diesen Punkt nicht genug betonen.
trächtlich.

Und hier ist der Fortschritt be-

Die Verfassungsgebende Versammlung, vor einem Jahr gewählt, hat

eine neue Verfassung ausgearbeitet, hat eine gemäßigte Regierung der nationalen Einheit unterstützt und die Bodenreform fortgeführt.
Ich erinnere Sie an die Wahlen vor gerade einem Jahr mit ihren 80 Prozent Wahlbeteiligung - keine schlechte Beteiligung angesichts der gewaltsamen
Anstrengungen, mit Waffengewalt die Menschen davon abzuhalten, zu den Wahlurnen zu gehen.
Am wichtigsten ist vielleicht die Tatsache, daß die Politiker und die
Parteien, die an den Wahlen vom März 1982 teilnahmen und die nunmehr in der
Versammlung repräsentiert sind, damit begonnen haben, bei der Suche nach einer
politischen Lösung für die Probleme ihres Landes gemeinsame Ziele abzustecken.
Den konkretesten Hinweis auf das Selbstvertrauen und die wachsende
Stärke der neuen demokratischen Führer El Salvadors gab es im vergangenen
- 9 -

�im vergangenen Monit unter der Anwesenheit seiner Heiligkeit Papst Johannes
Paul II. Am 6. März kündigte der Präsident von El Salvador, Alvaro Magana,
an, daß es in diesem Jahr nationale Wahlen geben wird und daß sie allen politischen Parteien und Gruppierungen offenstünden.
Es bedarf aber einigen Vertrauens in den demokratischen Prozeß, um
solche Wahlen abzuhalten und zu sagen:

Gut, lassen wir den Wahlprozeß dar-

über entscheiden, wer Präsident sein soll.
Am 17. März schlug die Friedenskommission von El Salvador, bestehend
aus einem katholischen Geistlichen und zwei Laien, Gesetze für eine allgemeine Amnestie vor, die nunmehr der Verfassungsgebenden Versammlung
gen.

vorlie-

Und der Präsident der Verfassungsgebenden Versammlung hat die wich-

tigste politische Gruppierung der Guerilla - die Frente Democratico Revolucionario (FDR) - aufgefordert, sich an den Wahlen zu beteiligen.
Wie Präsident Reagan klargestellt hat, unterstützen wir Verhandlungen,
die darauf abzielen, die Beteiligung in den demokratischen Institutionen auszuweiten - alle Parteien dazu zu bringen, an freien und gewaltfreien Wahlen
teilzunehmen. Wir werden keine Verhandlungen unterstützen, die eben diesen
demokratischen Prozeß zerstören, der sich herauszubilden versucht; wir werden
keine Machtanhäufung hinter dem Rücken des Volkes zulassen, wie dies in
Nicaragua geschehen ist. Ich bin durch die Vorschläge schockiert, die ich
manchmal höre, wenn ich vor dem Kongreß aussage, wonach wir nämlich - nachdem wir gesehen haben, wie diese Leute mit Gewalt versuchen, die Abhaltung
von Wahlen zu verhindern - zulassen sollten, daß diese Leute mit Gewalt und
mit unserer Zustimmung mit Hilfe der Gewehre an die Regierung kommen. Das
kommt nicht in Frage! Wir werden solche Aktivitäten nicht unterstützen.
Wir werden El Salvador dabei helfen, die persönliche Sicherheit der
Kandidaten und ihrer Anhänger zu gewährleisten, Zwang und Einschüchterung
zu verhindern und dazu beitragen, den Zugang zu den Medien und eine ehrliche
Auszählung sowie - schließlich - die Achtung vor der Entscheidung des Volkes
sichern zu helfen.
Lassen Sie
- 10 -

�Lassen Sie mich einen Augenblick auf das zutiefst beunruhigende Problem
des ineffizienten Systems der
Hier muß vieles besser werden.

Strafverfolgung von El Salvador zurückkommen.
Die Gerichte müssen ihre Fälle innerhalb einer

vernünftigen Frist zu einem unparteiischen Abschluß bringen.
dies ihnen gegenüber eindeutig klarstellen.

Und wir müssen

Ich darf mitteilen, daß Justiz-

minister Bill Smith heute in El Salvador ist, und eine Gruppe von Juristen
dort war, und daß wir alles versuchen, um in dieser Hinsicht behilflich zu
sein.
Lassen Sie mich nun auf Nicaragua zu sprechen kommen.
Immer mehr Nicaraguaner kommen zu dem Schluß, daß sie in ihrem Kampf
um die Demokratie betrogen worden sind.

Der große Held der Revolution gegen

Somoza, Eden Pastora, der als "Commandante Zero" die Machtübernahme in der Nationalversammlung Somozas 1978 anführte, befindet sich heute im Exil.

Des-

gleichen Alfonso Robelo, eines der wichtigsten Mitglieder der regierenden
Junta, die Somozas Platz einnahm.

Außerdem Brooklyn Rivera, der Führer der

Miskito-Indianer; und schließlich Adolfo Calero, Geschäftsmann und SomozaGegner, der drei Jahre lang versuchte, in Nicaragua die Rolle der "loyalen
Opposition" zu spielen.

Sie und Tausende anderer innerhalb und außerhalb

Nicaraguas sind Zeuge dafür, daß das, was als eine außergewöhnliche nationale
Koalition gegen Somoza begann, unter der Manipulation einer Handvoll von Ideologen, unterstützt durch Militärberater aus Kuba und aus dem Sowjetblock, zusammengebrochen und verkümmert ist.
Aber es gibt eine Antwort auf die Probleme Nicaraguas.
El Salvador ist es eine politische Antwort.

Und wie bei

Im vergangenen Oktober forderten

acht demokratische Staaten der Region in San Jose, Costa Rica, Nicaragua auf,
den friedlichen demokratischen Gruppierungen ebenfalls

Handlungsfreiheit

zu gewähren und dadurch zu einem Ende der Guerillagewalt über die Grenzen
hinweg sowie zu einem Einfrieren des Anwachsens der militärischen Arsenale
zu gelangen.

Wie Präsident Reagan gesagt hat, unterstützen wir solche Ver-

bindungen, um die Demokratie zu stärken, der Subversion Einhalt zu gebieten,

- 11 -

�zu gebieten, den Waffenstrom zu stoppen, die Grenzen zu respektieren und
alle ausländischen Militärberater - die sowjetischen, die kubanischen,

die

ostdeutschen, die der PLO genau wie unsere eigenen - aus dieser Region entfernt zu sehen.

Die Annahme der Vorschläge von San Jose brächte eine Verrin-

gerung der Ost-West-Spannungen in Mittelamerika und würde zu einer regionalen
politischen Lösung führen.
Leider hat sich Nicaragua bislang geweigert, auch nur über diese Grundsätze zu sprechen -

genau wie es vorher unsere eigenen Anstrengungen unter-

graben hat, eine bilaterale Vereinbarung zu erreichen, durch die die beiderseitigen Besorgnisse hätten angesprochen werden können.
Unsere Verpflichtung zu Frieden und Demokratie in Mittelamerika ist
natürlich nicht nur auf El Salvador und Nicaragua begrenzt- Genau wie wir
haben auch Costa Rica und Honduras noch nicht die Hoffnung aufgegeben, daß
Nicaragua zu den Grundsätzen von Demokratie und Frieden zurückfindet, für die
sein Volk 1979 gekämpft hat. Aber als Nicaraguas unmittelbare Nachbarn erfahren sie ganz unmittelbar die Auswirkungen der Militarisierung und der zunehmenden inneren Unruhe in Nicaragua. Derzeit leben 6000 Nicaraguaner im Exil
in Costa Rica. In Honduras nimmt der Zustrom von Flüchtlingen aus Nicaragua
weiter zu. Allein im vorigen Jahr flohen etwa 15 000 Miskito-Indianer nach
Honduras, um der erzwungenen Umsiedlung durch die nicaraguanische Regierung
zu entgehen.
Bis eine friedliche Lösung gefunden ist, müssen wir Honduras und Costa
Rica auch weiterhin unterstützen. Beides sind demokratische Staaten. Beide
werden wirtschaftlich schwer durch die regionalen Unruhen und durch die weltweite Rezession getroffen. Und beide sind dem von Nicaragua aus gelenkten
Terrorismus ausgesetzt. Wir wollen diese Demokratien stärken und ihnen dabei
helfen, ihren Völkern auch inmitten der Krise dieser Region Stabilität und
Hoffnung zu bieten.
Es kann in Mittelamerika nicht über Nacht zu demokratischen Verhältnissen
kommen.

Und es kann nicht ohne anhaltende amerikanische Unterstützung zu
- 12 -

�Unterstützung zu einer Demokratie kommen. Zur Unterstützung unserer Zielsetzungen in Mittelamerika - Demokratie, Entwicklung, Gerechtigkeit und Sicherheit, um sie möglich zu machen - hat der Kongreß eine beträchtliche Wirtschaftshilfe genehmigt. Allerdings hält

die Kontroverse über militärische Hilfe für

El Salvador an - für das Land, dem im wahrsten Sinn des Wortes die Pistole auf
die Brust gesetzt wird.
Die Sicherheitshilfe, um die wir ersuchen, soll eine disziplinierte,
gutausgebildete Streitmacht erstellen helfen, die als Schild für Demokratisierung und Entwicklung dient. Wir planen keine Amerikanisierung der Kämpfe
und wir beabsichtigen nicht, moderne schwere Waffen - wie etwa Nicaraguas
sowjetische Panzer - nach El Salvador zu schicken. Wir werden den Streitkräften El Salvadors dabei helfen, ihre Mobilität zu erhöhen und im notwendigen Umfang Munition, Ersatzteile, technische Ausrüstungen und Material der
medizinischen Versorgung zu beschaffen. Aber unsere Hauptbetonung liegt auf
einer umfassenderen Ausbildung für die salvadorianischen Soldaten. Wie ich
bereits erwähnt habe, hat nur jeder zehnte Soldat unsere Ausbildung erhalten.
Diejenigen, die eine solche erhielten, erbringen eine bessere Leistung; wenn
wir also das Ausbildungsniveau verbessern, können wir auch erwarten, daß die
Leistung steigt.
Zeit ist ein wichtiger Faktor.

Um mit Senator Henry Jackson zu sprechen:

"Wenn die Wahlurnen frei und offen zugänglich sein sollen, dann muß es einen
Schutzschild geben, hinter dem das Volk an den Wahlen teilnehmen kann."
Ob wir in der Lage sein werden, diesen Schutz rechtzeitig zu stellen,
hängt vom Kongreß ab. Inmitten eines Krieges hat der Kongreß die Sicherheitshilfe auf einen Umfang beschnitten, der um zwei Drittel unter dem des vorausgegangenen Haushaltsjahres liegt. So sieht es also aus: Da steht die Armee,
sie kämpft, und plötzlich geht der Zufluß dessen, was sie zum Kämpfen braucht,
um zwei Drittel zurück. Und dann wird gesagt: "Warum ist diese Armee nicht
besser?" So etwas ist ein furchtbarer Schlag.
Die Administration
- 13 -

�Die Administration versucht, diese Mittel wieder zur Vergügung zu stellen.

Das Volk von El Salvador braucht das Vertrauen, daß wir bis zum Ende

des Kampfes zu ihm stehen, weil sonst die Hoffnung auf Demokratie nicht überleben könnte.
Lassen Sie mich zusammenfassend wiederholen, daß es für uns viele Gründe
gibt, uns darum zu sorgen, was in Mittelamerika geschieht.
Einer ist strategischer Natur.

Und wir sollten uns hieran erinnern.

Was in Mittelamerika geschieht, könnte unsere eigene Sicherheit und die unserer Freunde überall im Karibischen Becken gefährden - von Mexiko bis zum
Panamakanal.
Ein gleichwichtiger Grund ist moralischer Natur. Wie können wir im
Namen der Menschenrechte unsere Nachbarn der brutalen militärischen Machtübernahme durch eine totalitäre Minderheit überlassen? Wenn unser Anliegen die
Freiheit ist: Wird ein kommunistischer Sieg sie bringen? Wenn unser Anliegen
eine faire Rechtsprechung ist: Wird ein kommunistisches Regime eine solche
bringen? Wenn wir uns um die Armut sorgen: Wird ein kommunistisches Wirtschaftssystem Wohlstand bringen?
Das amerikanische Volk und seine gewählten Vertreter stehen vor einer
schwierigen Wahl. Es ist leicht, den Demagogen zu spielen und es ist verlockend, harte Entscheidungen zu vermeiden. Aber wenn wir uns an dieser Herausforderung vorbeidrücken, werden wir nicht nur all jene in Mittelamerika
im Stich gelassen haben, die sich nach Demokratie sehnen, sondern wir werden
uns selbst verraten haben. Wir können nicht nur im abstrakten Sinn für Freiheit und Menschenrechte sein. Wenn unsere Ideale einen Sinn haben sollen,
dann müssen wir sie verteidigen, wenn sie bedroht sind.
Stellen wir uns unserer Verantwortung.
+ + + + +

- 14 -

�18

27. April 1983

DIE SOWJETISCHE STRATEGIE IN EUROPA
- Von Fritz W. Ermarth •

Fritz Ermarth ist Experte für Verteidigungsfragen und ehemaliger Mitarbeiter
des Nationalen Sicherheitsrates der USA.

(AD) - Warum hat die Sowjetunion die gewaltige Militärmacht aufgebaut,
die sich in Europa von der Elbe bis weit hinter Moskau und von der Arktis bis
zur Türkei und dem Kaukasus erstreckt?

Was beabsichtigt sie mit dieser Darstel

lung ihrer militärischen Macht, die so viele Male größer ist als die Armee
Hitlers, die im Jahr 1941 in Rußland einfiel?

Was auch immer die Absicht ist,

für die Männer, die in Moskau die Entscheidungen treffen, muß sie überaus wichtig sein.

Denn die Sowjetunion ist ein armes Land und könnte gut und gern die

enormen Mittel, die sie in ihrer Militärmaschinerie in Europa steckt, für andere Ziele und Zwecke verwenden.
tärische Probleme:

Darüber hinaus hat Moskau noch weitere mili-

Die Sowjetunion sieht sich einem feindlich eingestellten

China sowie ihrem hauptsächlichen strategischen Nukleargegner, den Vereinigten
Staaten, jenseits des Nordpols und der Ozeane gegenüber.

Und doch ist der An-

teil ihrer militärischen Anstrengung, der gegen den alten Kontinent Europa ge-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Europa gerichtet ist - nukleare und konventionelle Streitkräfte, Armeen, Luftstreitkräfte und Marine - bei weitem der größte.
Werden all diese Streitkräfte in erster Linie benötigt, um die Sowjetunion gegen eine Invasion aus dem Westen zu verteidigen?

Eine solche Kapazität

haben sie natürlich. Aber diese Verteidigungskapazität ist ohne Frage nebensächlich und zweitrangig gegenüber dem wahren Ziel dieser militärischen Macht.
Die sowjetischen Politiker sind pragmatische Leute.

Sie wissen, daß die NATO

militärisch zu schwach ist, um realistische Offensivoperationen gegen den
Warschauer Pakt zu führen.

Im übrigen wäre es den sowjetischen Marschällen -

hätten sie einen entsprechenden Befehl erhalten - nicht schwergefallen, eine
hauptsächlich defensive militärische Position in Europa aufzubauen, die für
den Westen weit weniger beängstigend wäre, die die sowjetische Wirtschaft weit
billiger unterhalten könnte und die gegen einen westlichen Angriff absolut wirksam wäre.
Dient die sowjetische Militärmacht in Europa in erster Linie der Kontrolle
der unruhigen Bevölkerung Osteuropas und dazu, deren unpopuläre Herrscher an
der Macht zu halten? Auch dieses Ziel ist nur zweitrangig, ist Nebenwirkung
der sowjetischen Militärmacht, nicht aber Hauptziel. Was haben SS-20-Raketen
mit Mehrfachgefechtsköpfen, gewaltige Luftflotten taktischer Jagdbomber und
große offensive Panzerdivisionen damit zu tun, Leute wie Lech Walesa in ihre
Schranken zu weisen? Nein, wäre die politische Kontrolle Osteuropas das Hauptziel, dann hätten die sowjetischen Marschälle eine ganz andere, ganz anders
dislozierte und viel billigere militärische Position in Europa aufgebaut.
Und zur weiteren Erleichterung ihrer Aufgabe hätten sie die Armeen ihrer osteuropäischen Satelliten nur mit Polizeiwaffen ausgerüstet statt mit Panzern,
Artillerie und Flugzeugen, den Hilfsmitteln einer generell offensiv ausgelegten Position.
Vielleicht wollen die Sowjets nur, daß ihre militärische Position ein
sichtbares Gegengewicht zur amerikanischen Militärmacht in Europa bildet, um
damit der Welt den Eindruck zu vermitteln, daß die UdSSR eine den Vereinigten
Staaten gleichwertige Supermacht ist. Wenn dem so wäre, warum haben die
- 2 -

�haben die Sowjets darauf bestanden, so viel mehr von jeder Art militari scher
Kapazität zu dislozieren,als die Vereinigten Staaten und die NATO zusammen in
Europa besitzen - mehr Soldaten unter Waffen, mehr Divisionen, mehr Panzer,
mehr Geschütze, mehr taktische und strategische Flugzeuge, mehr Raketen, mehr
Kernwaffen - alle von durchaus vergleichbarer technischer Qualität und ohne
Frage nicht als Aushängeschild gedacht.

In einigen Fällen, wie etwa bei Pan-

zern, die für offensive Operationen heute so wichtig sind, sind die Sowjets
und ihre Verbündeten der NATO zahlrenmäßig um ein Vielfaches überlegen.
Haben die Sowjets diese gewaltige Militärmaschinerie aufgebaut, um in
Westeuropa einzumarschieren und es zu erobern?

Vom rein militärischen Stand-

punkt aus gesehen ist die Antwort "Ja". Die Invasion und die Eroberung Westeuropas ist genau das, wofür die sowjetischen Streitkräfte aufgebaut, ausgebildet und disloziert worden sind.

Wenn man alle Fakten sorgsam militärisch

analysiert, kann man zu keinem anderen Schluß kommen.
Die Position der sowjetischen Streitkräfte in Europa ist darauf angelegt und ausgerüstet, rasche und weitreichende offensive Operationen durchzuführen. Die taktischen Luftstreitkräfte der Sowjets sind darauf ausgerichtet,
die Luftverteidigung der NATO auszuschalten und die Dislozierungen der NATO in
den ersten Stunden eines Angriffs unmöglich zu machen. Gemischt bewaffnete
Armeen von Panzerdivisionen und gepanzerten Infanteriedivisionen, unterstützt
von massiver Artillerie, um die Panzerabwehr der NATO auszuschalten, sind
darauf ausgerichtet, die Front der NATO zu durchbrechen und große Vormarschwege zu öffnen. Schnelle, bewegliche operative Eingreifgruppen in Divisionsstärke sind dafür ausgebildet, durch Lücken in der Vorneverteidigung zu brechen und tief in den rückwärtigen Raum der NATO einzudringen, um die Logistik der NATO und ihre Versuche zu stören, eine Verteidigung aus der Tiefe
aufzubauen.
Die Fähigkeit der sowjetischen Streitkräfte, allein schon mit konventionellen Waffen offensive Operationen durchzuführen, ist gewaltig.

Dazu

kommt jedoch die tiefgestaffelte Nuklearkapazität der Sowjets vom Gefechts-

- 3 -

�vom Gefechtsfeld bis in das Zentrum Rußlands, um, wenn möglich, vor einem
Versuch der NATO abzuschrecken, eine konventionelle Offensive durch den Einsatz von Kernwaffen zu stoppen und, wenn notwendig, einen solchen Versuch
der NATO durch einen massiven sowjetischen Präventivschlag mit Kernwaffen
gegen ein breites Spektrum von Zielen in Westeuropa niederzuschlagen.
Die militärische Doktrin und die Manöver der Sowjets in Europa legen
eindeutig den Nachdruck auf rasche Offensivoperationen, die auf entscheidende
Siege östlich, aber auch westlich des Rheins bis zum Atlantik abzielen.
Sowjetische Übungen sehen nach ersten Durchbrüchen einen Vormarsch der Streitkräfte in einem Tempo von bis zu 100 km pro Tag, ständigen Tag- und Nachteinsatz, zahlreiche Flußüberquerungen von Ost nach West und insgesamt ein Angriffstempo vor, das so schnell wäre, daß die Fähigkeit der NATO, eine Verteidigung

aufzubauen, zusammenbrechen würde. Nach der sowjetischen Doktrin

würde der Einsatz von chemischen Waffen und Kernwaffen auf dem Gefechtsfeld
zwar sehr zerstörerisch sein, aber doch am ehesten der offensiven Seite der
Sowjets nützen, die für einen Kampf unter solchen Bedingungen besser ausgerüstet ist.
Aber wie steht es denn mit der Verpflichtung der

Vereinigten Staaten,

als NATO-Mitglied und führende Nation des Bündnisses, ihre interkontinentalen
und Mittelstrecken-Kernwaffen so früh wie notwendig einzusetzen, um die UdSSR
zu zerstören, die eine Aggression gegen Europa entfesselt hat?
Diese Gefahr und ihre abschreckende Wirkung kann durch keine noch so
große Zahl von Panzern und kluge Planung der sowjetischen Seite ausgeschaltet
werden. Aber die Aufrüstung der UdSSR an eigenen interkontinentalen Nuklearstreitkräften mit Interkontinentalraketen und unterseebootgesützten Raketen
dient der Absicht der Sowjets, diese Gefahr auf immer in Schach zu halten,
oder zumindest so lange, bis die sowjetischen Armeen so weit vorgerückt sind,
daß weder eine der europäischen Regierungen, einschließlich jener mit eigenen
Nuklearstreitkräften, noch der amerikanischen Präsident einen Sinn darin sähen,
eine nukleare Katastrophe wegen eines Europa herbeizuführen, das bereits den
sowjetischen Waffen erlegen ist.
Dies zur
- 4 -

�Dies zur militärischen Seite der sowjetischen Strategie. Aber wie sieht
es mit der politischen Seite aus?

Sollen wir davon ausgehen, daß die Sowjets

planen, eines Tages einen Angriffskrieg gegen die NATO

zu entfesseln, wenn

die Computer ihres Generalstabs berechnen, die Situation sei reif?
nicht ihre Absicht ist, was wir

Wenn dies

sicherlich hoffen, warum dann diese so teure

und so destabilisierende militärische Offensivkapazitöt, deren Existenz es den
NATO-Ländern sehr schwer macht, an die Möglichkeit eines Verhältnisses echter
Entspannung und Kooperation mit dem Osten zu glauben?

Um diese Frage zu beant-

worten, bedarf es einer subtileren politischen Analyse.
Eine solche Analyse wurde uns schon oft von ernstzunehmenden Kennern
der Sowjetunion gegeben. Zu den beredtsten und überzeugendsten gehört die
eines Russen und echten Europäers, eines früheren Mitglieds des sowjetischen
Establishments, der es vorgezogen

hat, heute im Westen zu leben:

Michael S.

Voslenski, der Autor des Buches "Nomenklatura" (Die herrschende Klasse in der
Sowjetunion).

Er erinnert uns daran, daß die UdSSR von einer geschlossenen

Elitegruppe beherrscht wird, die eine herrschende Klasse in jedem Sinne des
Wortes ist, wie es Marx benutzt hat.

Diese Klasse, die Nomenklatura-Klasse,

besitzt die Produktionsmittel, beutet die Arbeiterklasse aus und kontrolliert
jeden relevanten Aspekt des sowjetischen Lebens - nicht um des wirtschaftlichen
Profits im üblichen Sinne willen, sondern um die eigene Macht und die eigenen
Privilegien auszuweiten.

In der UdSSR und im Sowjetblock strebt diese herr-

schende Klasse nach totaler Macht und betrachtet jede alternative Machtquelle
als eine tödliche Bedrohung des eigenen Fortbestandes.

Die herrschende Klasse

der politischen Bürokraten in der Sowjetunion betrachtet die Außenwelt in
gleicher Weise. Und daher strebt sie geduldig und stetig danach, ihre Macht
über die Außenwelt auszudehnen, wo immer sie das zu einem annehmbaren Risiko
tun kann.
Westeuropa stellt eine besonders schwere Herausforderung und Gefahr für
die herrschende Klasse in der Sowjetunion dar.

Kulturell, historisch und

ethnisch steht Westeuropa vielen der von Moskau beherrschten Völkern nahe.
Allein

schon durch seine Existenz demonstriert das freie Europa erfolgreich,

- 5 -

�Europa erfolgreich, daß Demokratie und Freiheit wirtschaftlichen Wohlstand
und Sicherheit hervorbringen können, und stellt damit eine Bedrohung der
Existenz der herrschenden Klasse in der Sowjetunion dar.

Wenn diese Klasse

überleben will, dann muß sie früher oder später Europa unterjochen - eine
Oberzeugung, die in Moskau seit Lenins Tagen bis heute vertreten wird.
Moskau besitzt jedoch keine wirtschaftliche,
ja nicht einmal diplomatische

ideologische,

Werkzeuge, um dieses Ziel zu erreichen, obwohl

diese Werkzeuge als Hilfsmittel angewandt werden.
zeug

kulturelle,

Das einzige wirkliche Werk-

für die Unterjochung Westeuropas zu vertretbaren Kosten ist die poli-

tische Einschüchterung, gestützt auf militärische Bedrohung.

Durch ihre ge-

waltige Aufrüstung - unterstützt durch Propaganda und Diplomatie - versuchen
die Sowjets, Verhältnisse zu schaffen, unter denen sich die Westeuropäer verpflichtet fühlen, erstens

alle Schritte zu vermeiden, die die westliche Sicher-

heit erhöhen und damit Moskau vor den Kopf stoßen würden, wie etwa die Verbesserung der nuklearen und konventionellen Streitkräfte der NATO; zweitens,
ihre Außenpolitik nach sowjetischen Wünschen auszurichten und drittens, ihre
Innenpolitik nach den Erfordernissen der herrschenden Klasse in der Sowjetunion zu gestalten.

Jenseits aller Nuancen und scharfsinnigen Analysen gibt

dies im wesentlichen die sowjetische Strategie
beschreiben, ist der Begriff "Finnlandisierung"

in Europa wieder. Um sie zu
benutzt worden.

Der Begriff

ist unzureichend, denn Finnland, das gezwungen ist, die Wünsche Moskaus bis
zu einem gewissen Grad zu erfüllen, kann noch immer seine Freiheit schützen,
weil weiterhin ein freies und mächtiges Europa, verbündet mit Amerika, existiert.
Wenn Europa in den Bann der Sowjetunion geraten sollte, dann würde sich der
Begriff Finnlandisierung wie ein anachronistischer Witz anhören.
Muß sich Westeuropa dem
Schicksal unterwerfen?

ihm

von der sowjetischen Strategie vorgesehenen

Das braucht es keineswegs.

Die Sowjets wissen, daß

neben ihrer großen militärischen Macht ihr größter Pluspunkt die öffentliche
Meinung im Westen ist, die entweder nicht genug weiß, um die Notwendigkeit des
Widerstandes gegen die sowjetische Macht zu erkennen, oder zu viel Angst hat,
die günstigen Aussichten eines solchen Widerstands zu begreifen.

Wie Voslenski,

Solschenizyn und viele andere, die die herrschende Klasse der Sowjetunion aus
- 6

�Sowjetunion aus eigener Erfahrung kennen, immer wieder sagen, wollen die
sowjetischen Machthaber den Sieg ohne Krieg.

Sie benehmen sich vorsichtig,

manchmal sogar feige, gegenüber jenen, die ihrem Druck mit ruhigem Mut und
ausreichender Stärke widerstehen.
Es ist keine Frage, daß es sich die NATO politisch und wirtschaftlich
leisten kann, militärische Verhältnisse zu schaffen, die sie gegen die
sowjetische Taktik des Crucks schützen können.

Die NATO kann ohne weiteres

modernisieren und kann damit praktisch die Nuklearstreitkräfte verringern,
die sie braucht, um der nuklearen Erpressung durch die Sowjets zu widerstehen.
Gleichzeitig kann die NATO durch den Einsatz neuer Technologien und einfallsreiche militärische Taktiken ihre konventionellen Streitkräfte stärken, um
sich gegen sowjetische Panzerarmeen und Luftflotten zu verteidigen.
für

seine militärische Sicherheit sorgt und auch eine politische

Indem er
und mora-

lische Standhaftigkeit zeigt, die die übelsten Manifestationen der sowjetischen
Macht in Osteuropa verurteilt, kann der Westen gleichzeitig die politische Entschlossenheit an den

Tag legen, die so wichtig ist, um dem sowjetischen Druck

zu widerstehen und den Weg für eine echte Entspannung bereiten.
Der Westen möchte eine Situation herbeiführen, in der das folgende Gespräch im Kreml stattfinden könnte:
Generalsekretär Andropow wendet sich seinem Verteidigungsminister Ustinow
zu und fragt:
"Können wir darauf vertrauen, die NATO in einem raschen, begrenzten
Konflikt zu besiegen?"
Ustinow antwortet:

"Leider nein".

Dann wendet sich Andropow seinem Außenminister Gromyko zu und fragt:
"Können wir

�"Können wir denn die Westeuropäer und die Amerikaner so verängstigen
oder verwirren, daß sie ihr Bündnis
Und Gromyko antwortet:

vielleicht stufenweise aufgeben?"

"Leider ist genau das

Darauf sagt Andropow abschließend:

Gegenteil der Fall."

"Wenn dem so ist, dann sollten wir

vielleicht eine Politik versuchen, die echte Entspannung und Rüstungskontrolle
anstrebt."
Die Bedingungen für ein solches Gespräch im Kreml sind derzeit nicht
ideal.

Aber wir haben noch Zeit und Gelegenheit, sie zu schaffen.

Freiheit und der Frieden selbst hängen davon ab, daß wir

- 8 -

Unsere

es rasch tun.

�27. April 1983

SIMULATORPROGRAMME FÜR TDRS-BAHNKORREKTUR
- Rettungsaktion schwieriger als zunächst angenommen -

- (AD) - Alle Antennen und nachrichtentechnische

Systeme des von der

Raumfähre CHALLENGER abgesetzten TDRS-Satelliten funktionieren gut.

Aber

die Möglichkeiten zum Einsteuern des Geräts auf seinen vorgesehenen Standort in 36 000 km Höhe über der Nordostspitze Brasiliens beurteilt jetzt das
US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) mit "vorsichtigem Optimismus".

Denn

bei dem gestörten Ablauf von Zünden und Absprengen der fast 15 Tonnen schweren
Haupttriebwerke des Nachrichtensatelliten scheinen,

so vermuten Ingenieure

und Techniker der NASA, einige Steuerungsdüsen an der Unterseite beschädigt
worden zu sein.
Mit Hilfe dieser Steuerungsdüsen, die normalerweise nur für Bahnkorrekturen und Standortveränderungen im Orbit während der mehrjährigen Betriebsdauer dienen, sollte TDRS, mit 2,2 Tonnen Masse der bisher schwerste und größte Nachrichtensatellit für die Parkbahn 36 000 km über der Erde, den restlichen
Teil des Aufstiegs überwinden.

Noch immer befindet er sich infolge der Fehl-

funktionen des eigenen Antriebssystems in der elliptischen Übergangsbahn zum
sogenannten geostationären Orbit, in dem die Umlaufgeschwindigkeit eines
Satelliten auf einer kreisförmigen Bahn der Rotationsgeschwindigkeit der Erde

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der Erde entspricht.

Deshalb scheint er, von der Erdoberfläche aus gesehen,

am Himmel stillzustehen.

In einer solchen Position "übersieht" er etwa ein

Drittel der gesamten Erdoberfläche und ist umgekehrt auch aus einer so großen
Region ansprechbar.
Für das bemannte wie unbemannte Raumfahrtprogramm der
Staaten haben die auf bestimmten

Vereinigten

Positionen über dem Äquator stehenden be-

sonders leistungsfähigen"Relaisstationen" aus der neuen TDRS-Serie den Vorteil,
mit dem Raumtransporter und seiner Besatzung und mit bis zu 40 unbemannten
Satelliten (davon 26 gleichzeitig) ständig Verbindung halten zu können. Die
Funkverbindung war bisher nur im "Sichtbereich" der rund um die Erde verteilten
Bodenstationen möglich.

Für die Raumtransporter-Besatzung bedeutete dies nur

einen Anteil von 15 Prozent der für eine Erdumkreisung benötigten Zeit.
Von besonderer Bedeutung ist das TDRS-System beim Einsatz der Raumfähre in Verbindung mit dem Europäischen Weltraumlabor SPACELAB ab September
1983. Die dabei anfallende Datenflut wäre nach dem "alten" System gar nicht
zu bewältigen. Deshalb soll im August TDRS-2 mit CHALLENGER (STS-8), ein paar
Monate später noch ein drittes Gerät zur Reserve gestartet werden.
Die US-Luftstreitkräfte, auf deren Initiative das Antriebssystem für den
TDRS-Satelliten entwickelt wurde, haben jetzt gemeinsam mit der NASA eine
Kommission zur Untersuchung der Panne und Ermittlung der Schäden an TDRS
gebildet. Seinen Bericht über die möglichen Funktionsstörungen bei der
"Inertial Upper Stage" (IUS) wird der sechsköpfige Expertenausschuß in etwa
einem Monat vorlegen können. Gleichzeitig arbeiten Ingenieure und Wissenschaftler bei TRW Systems, der Herstellerfirma des TDRS-Satelliten, Computerprogramme für Simulatorversuche aus, um die gegenwärtig beobachteten Bewegungen des 100 Millionen Dollar teuren TDRS-Geräts im Weltraum besser zu
verstehen und um schließlich seine Bahn doch noch korrigieren zu können.
Darüber können noch gut drei Wochen vergehen.
TDRS ist

�TDRS ist mit 24 Steuerungsdlisen versehen, als Treibstoff dient Hydrazin.
Mit acht an den Seiten des Satellitenkörpers angebrachten Düsen wird er in der
Nord-Siidrichtung gesteuert.

Die übrigen 16 Düsen regeln die Seiten-» die Höhen-

und die Richtungsstabilität. Zwei der für

die Steuerung der Seitenstabilität

wichtigen Düsen, die an der Unterseite angebracht sind, scheinen während des
Absprengens des IUS-Systems beschädigt worden zu sein. Jetzt geht es darum,
Bewegungsimpulse durch Zünden der noch funktionsfähigen Düsen genau zu ermitteln und ihre Gesamtwirkungen zu berechnen.

+ + + + +

- 3

�Wi//en/ch&lt;ift
und Technik

»

United States Information Service
Embassy of the United States of America

18

27. April 1983

NEUARTIGES

ANTRIEBSAGGREGAT FÜR RAUMTRANSPORTER-NUTZLASTEN

- (AD) - Das amerikanische Privatunternehmer) "Orbital Systems Corporation"
entwickelt ein Antriebssystem für Nutzlasten, die von der Raumfähre im Weltraum
abgesetzt werden und höhere Umlaufbahnen erreichen sollen. Die neue "Transfer
Orbit Stage" (TOS - Transferstufe für die Beförderung einer Nutzlast in die für
sie vorgesehene Umlaufbahn) soll ab 1986 einsatzfähig sein. Dies sieht das
jetzt vom US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) mit der Firma unterzeichnete
Abkommen vor. Wie dazu Generalmajor James A. Abrahamson, der Leiter des Raumtransporterprogramms der NASA, erklärte, werde damit das von der NASA aus Bundesmitteln finanzierte TOS-Programm beendet. Die Aktion sei ein Beispiel für
die Bestrebungen der US-Regierung, die Privatwirtschaft zu ermutigen, sich bei
lohnenden Raumfahrtprojekten stärker als bisher zu engagieren.
TOS bedeutet eine Erweiterung der Angebotsbreite für den Einsatz von
Nutzlasten privater Firmen oder von Regierungen im Zusammenhang mit den Raumtransporterflügen.

Gegenwärtig

lasten zur Verfügung.

stehen der NASA zwei Antriebssysteme für Nutz-

Das eine sind "Payload Assist Modules" (PAM), wie sie

für die Weiterbeförderung des kanadischen Nachrichtensatelliten ANIK
amerikanischen privaten Nachrichtensatelliten SBS in einen
Orbit im November 1982 verwendet

und des

geostationären

wurden, nachdem die Raumfähre COLUMBIA

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Raumfähre COLUMBIA die Satelliten auf ihrer Umlaufbahn abgesetzt hatte.
Das andere ist das zweistufige IUS-System, mit dem die TDRS-Satelliten ausgestattet sind.
Mit dem PAM-System läßt sich aus der Umlaufbahn der Raumfähre eine Masse
bis zu 990 kg auf eine geostationäre Bahn bringen, Kostenpunkt:

18 000 Dollar

pro Kilogramm, d.h. 17,82 Millionen Dollar für die Antriebs- und Einsteuerungsausrüstung.

Im Vergleich dazu vermag die Europa-Rekate ARIANE bis zu 945 kg

schwere Nutzlasten

bei einem Kostenaufwand von ca. 15,1 Millionen Dollar,

d.h. 16 000 Dollar pro Kilogramm Masse, zu transportieren. TOS wird in der
Lage sein, Massen bis zu 3060 kg aus dem Shuttle-Orbit auf eine geostationäre
Bahn zu bringen (Kostenpunkt: 12 000 Dollar pro Kilogramm Masse, Gesamtkosten
36,7 Millionen Dollar).

TOS ist außerdem in Verbindung mit der

neuen Version

der TITAN 34D-Trägerrakete einsetzbar, die jedoch, ebenso wie ARIANE, im Gegensatz zum Raumtransporter nicht wiederverwendbar ist, also zu den sog. Verlustgeräten zählt.

+ + + + +

- 2 -

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      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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              <text>Amerikadienst 27.04.1983</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des US-Präsidenten zur MX-Entscheidung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Reagan möchte 100 "Friedenswahrer"-Raketen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: USA wollen Demokratie, Reform und Menschenrechte in Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die sowjetische Strategie in Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Fritz W. Ermarth -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Simulatorprogramme für TDRS-Bahnkorrektur&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rettungsaktion schwieriger als zunächst angenommen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuartiges Antriebsaggregat für Raumtransporter-Nutzlasten</text>
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