<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="1804" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/1804?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T01:07:54+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="1815">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/14190d3352fdf19c67a8a6f060c33781.pdf</src>
      <authentication>ca68190406440d1ef0a46f218bc23427</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="9149">
                  <text>17

20. April 1983

INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Reagans zum Bericht über den "Heißen Draht"
- Vorschläge des US-Verteidigungsministers zur Verringerung des
Atomkriegsrisikos USA streben friedliche Lösung in Mittelamerika an
- Erklärung von Unterstaatssekretär Enders vor Senatsausschuß

HINTERGRUNDMATERIAL
Die PERSHING II-Rakete
- Von Richard Burt Unterstaatssekretär für europäische Angelegenheiten im amerikanischen
Außenministerium
Fünfzig Jahre amerikanisch-sowjetischer Dialog
- Von Arthur Hartman, Botschafter der USA in Moskau Internationale Konferenz in Atlanta befaßt sich mit Bekämpfung des
Drogenmißbrauchs

Um Übei/endung von
ßckgcKcmploren
wird gebeten

P&lt;
D 5300 Bo

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

17

20. April 1983

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT REAGANS ZUM BERICHT ÜBER DEN "HEISSEN DRAHT"
- Vorschläge des US-Verteidigungsministers
zur Verringerung des Atomkriegsrisikos -

WASHINGTON - (AD) - Anläßlich der Veröffentlichung eines Berichts des
amerikanischen Verteidigungsministeriums über Maßnahmen zur Verbesserung der
Kommunikation ziwschen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion unterstrich
Präsident Reagan in einer diesbezüglichen Erklärung am 12. April 1983, daß diese Vorschläge "in vollem Einklang mit unserem Ziel einer Verringerung der Gefahr
eines Nuklearkrieges" stehen.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich stelle mit Genugtuung die Fertigstellung des Berichts des Verteidigungsministers über direkte Kommunikationsverbindungen und andere Maßnahmen
zur Erhöhung der Stabilität fest.

Ich bin davon überzeugt, daß die Vorschläge

in diesem Bericht, der in Übereinstimmung mit dem Gesetz 97-252 erstellt wurde,
in vollem Einklang mit unserem Ziel einer Verringerung der Gefahr eines Nuklearkrieges stehen.
Der Bericht

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der Bericht des Verteidigungsministeriums empfiehlt eine Reihe von neuen
Maßnahmen.

Von besonderer Bedeutung sind jene Maßnahmen, die vorgeschlagen

wurden, um die Fernmeldeverbindungen zu verbessern und Vertrauen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zu schaffen.

Dazu gehören die zusätz-

liche Ausstattung der direkten Fernmeldeverbindung (des Heißen Drahtes) mit
einer Hochgeschwindigkeits-Teletextanlage, die es ermöglichen würde, ganze Seiten von Texten, Karten und Graphiken zu übermitteln;

Errichtung einer gemein-

samen militärischen Fernmeldeverbindung in Form einer HochgeschwindigkeitsTeletextanlage zwischen dem nationalen militärischen Kommandozentrum

der Ver-

einigten Staaten und der entsprechenden sowjetischen Stelle; und schließlich
die Verbesserung der bestehenden diplomatischen Fernmeldekanäle mit Hilfe
rascherer Datenübertragung.

Der Bericht enthält außerdem einen Vorschlag für

ein,für alle Staaten offenes Abkommen, das von den Unterzeichnerstaaten verlangt, sich im Fall eines nuklearen Vorkommnisses, bei dem eine terroristische
Grippe beteiligt ist, zu konsultieren.
Die Empfehlungen des Verteidigungsministeriums vervollständigen die
Rüstungsverminderungsvorschläge, die die Vereinigten Staaten der Sowjetunion
bereits sowohl bei den Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen
Rüstungen (START) als auch bei den Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme (INF) unterbreitet haben.
Die Initiativen vervollständigen ferner die Vertrauensbildenden Maßnahmen,
die die Vereinigten Staaten der Sowjetunion bei den START- und INF-Verhandlungen vorgeschlagen haben. Diese Maßnahmen würden die Gefahr verringern, daß
sich jemals ein Atomkrieg aus Zufall, falscher Beurteilung oder Fehlberechnung
ergeben könnte. Dazu gehören Vorschläge, wonach beide Seiten einander im voraus über alle Abschüsse von Interkontinentalraketen sowie unterseebootgestützten
und landgestützten Mittelstreckenraketen benachrichtigen sollen. Darüber hinaus
müßten alle Parteien größere militärische Manöver, bei denen Kernwaffen beteiligt sind, vorher ankündigen und Informationen in neuem Umfang und Detail über
ihre strategischen und ihre Mittelstreckenraketen austauschen. In den nächsten
Wochen werde ich den Empfehlungen des Berichts des Verteidigungsministeriums
mein ganzes Augenmerk schenken.
+ + + + +

- 2 -

�17

20. April 1983

USA STREBEN FRIEDLICHE LÖSUNG IN MITTELAMERIKA AN
Erklärung von Unterstaatssekretär Enders vor Senatsausschuß -

WASHINGTON - (AD) - Der Unterstaatssekretär für interamerikanische
Angelegenheiten im State Department, Thomas 0. Enders, hat am 12. April 1983
in einer längeren Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats betont, daß die Vereinigten Staaten ihre Bemühungen um eine friedliche Lösung
in Mittelamerika nicht aufgeben werden.

Bisher seien alle Versuche der USA,

aber auch anderer Staaten der Region, mit den Sandinisten in Nicaragua zu
einem Übereinkommen zu gelangen, fehlgeschlagen.
Die Ausführungen von Unterstaatssekretär Enders haben folgenden Wortlaut:
Seit dem Zusammenbruch des Somoza-Regimes und der Machtübernahme der
Sandinisten hat sich die amerikanische Politik gegenüber Nicaragua darauf
konzentriert, Nicaragua davon zu überzeugen:
- die Unterstützung für Aufstände in benachbarten Ländern aufzugeben;
- auf sein

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�- auf sein Streben nach einer beherrschenden Militärmacht in Mittelamerika
zu verzichten; und
- durch die Schaffung demokratischer Institutionen mit seiner eigenen Bevölkerung ins reine zu kommen.
Im Juni 1979 versprach die kurz vor der Machtübernahme stehende Junta
der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) förmlich, daß ihre Ziele demokratisch und friedlich seien.

Die Vereinigten Staaten, ja, die ganze interna-

tionale Gemeinschaft, akzeptierten dieses Versprechen und leiteten Programme
des friedlichen Wiederaufbaus ein, zu denen üblicherweise wesentliche Hilfszuwendungen außerhalb der jährlichen Haushaltszuweisungen gehören.
Im Verlauf der nächsten Monate wurde jedoch immer deutlicher, daß sich
die Sandinisten als die bewaffnete Vorhut einer mittel amerikaweiten

Bewegung

betrachteten.
Die neue Armee Nicaraguas, die Ejercito Populär Sandinista (EPS), wurde
1979 gegründet.

Bis Ende 1982 ist sie nach Auskunft ihres Befehlshabers

"viermal so groß und achtmal so stark geworden" wie die Guardia Nacional
Somozas.

Die EPS hat eine Stärke von schätzungsweise 20 000 Mann erreicht,

verstärkt durch Miliz und Reserven von rund 80 000 Mann.

In der genannten

Zeitspanne hat Nicaragua allein von der Sowjetunion militärisches Gerät und
Nachschub im Werte von schätzungsweise 125 Millionen Dollar erhalten.

Es be-

sitzt die bei weitem schwersten Panzer in ganz Mittelamerika, schwere Artillerie,Luftabwehrwaffen,Angriffshubschrauber, Raketenwerfer und Schnellboote.
Während die Piloten und Besatzungen in Bulgarien und anderen osteuropäischen
Staaten ausgebildet wurden, wurden in Nicaragua Flugplätze für moderne Düsenjäger gebaut.

Und, was noch wichtiger ist, eine große Zahl ausländischer Mi-

litär- und Sicherheitsberater kam ins Land.

Gegenwärtig dürften sich schät-

zungsweise rund 2000 Kubaner, 50 Sowjets, 35 Ostdeutsche und 50 Angehörige
der PL0 und Libyer zu Sicherheitsaufgaben in Nicaragua aufhalten.

Das ist

rund ein Berater auf 1000 Nicaraguaner.
Im Jahr

�Im Jahr 1980 brachten kubanische Agenten (so wie Castro 1978 in
Havanna die drei Hauptfraktionen der Sandinisten zusammengeführt hatte)
in Managua fünf Fraktionen der Guerilla aus El Salvador zusammen, arbeiteten einen Einigkeitspakt aus, führten dann einen gemeinsamen Befehls- und
Kontrollapparat im Gebiet von Managua ein und organisierten schließlich den
Nachschub und die Ausbildung auf nicaraguanischem Boden.

Seit diesem Zeit-

punkt kam der größte Teil der Waffen und Munition der Aufständischen in El
Salvador über Nicaragua herein.
In der Zwischenzeit errangen die Sandinisten ein Machtmonopol in Nicaragua selbst. Wahlen wurden lächerlich gemacht und verschoben.
ment der Anti-Somoza-Front nach dem anderen wurde ausgeschaltet.

Ein EleDie be-

rühmte Zeitung "La Prensa" wurde zensiert, unabhängige Rundfunk- und Fernsehstationen wurden eingeschränkt, die Gewerkschaften eingeschüchtert, der Privatsektor neutralisiert, die katholische Kirche wiederholten Provokationen und
Spaltungsversuchen unterworfen und die Miskitos und andere indianische Minderheiten in Nicaragua verfolgt.
Heute liegt die Südgrenze Nicaraguas 300 Meilen vom Panamakanal - getrennt nur durch Costa Rica, das seit fast 35 Jahren keine Armee mehr besitzt.
Seine Nordgrenze liegt 300 Meilen von Mexiko.

Dazwischen befinden sich zwei

Staaten, El Salvador und Guatemala - bereits von der Gewalt der Guerilla heimgesucht - und Honduras, dessen sich erst entwickelnde Demokratie unter täglichem Druck aus Nicaragua steht.
Man braucht nicht viel Phantasie, um zu begreifen, wie sich die sandinistische "Revolution ohne Grenzen" ausbreiten oder wie sich ihre Ausbreitung auf unsere Sicherheit auswirken könnte.
fließt durch die Karibik.

Die Hälfte unseres Handels

Und wir sind von der Stabilität unserer Nachbarn

abhängig, um das zu vermeiden, was unter bestimmten Umständen ein beispielloser Strom von Flüchtlingen nach Norden zu unserem Lande werden könnte.

Vor

allem heute, da eine sich in Schwierigkeiten befindliche Weltwirtschaft zur
Unruhe einlädt, müssen wir Demokratie und Stabilität in unserer unmittelbaren
Nachbarschaft sichern helfen.
Wir alle

�i

Wir alle haben ausbeuterische Diktaturen der Rechten wie der Linken erlebt:

Deutschland unter Hitler; die Sowjetunion unter Stalin und danach. Al-

lerdings gibt es eine Schule, die den Expansionismus linker Diktaturen auf einen
Druck von außen zurückführt.

Nach dieser Auffassung ist die Aggressivität der

Sowjetunion nichts weiter als eine Reaktion auf die Schaffung eines Netzes von
Bündnissen um sie herum:

Castro wurde durch die Konfrontation der USA zum

Kommunisten gemacht, und Vietnam wurde durch fremde Armeen radikalisiert.
Was auch für oder gegen diese Argumente sprechen mag, so möchte ich darauf hinweisen, daß der Fall Nicaragua genug Beweise liefert, um die gewöhnlich
aus dieser Behauptung resultierende Politik in Frage zu stellen - daß nämlich
linke Radikalisierung und Aggressivität durch politische Unterstützung und wirtschaftliche Hilfe seitens der Demokratien verhindert werden könne.
Nicaragua ist ein Land mit rund 2,5 Millionen Einwohnern. Seit 1979 hat
es von den Demokratien und multilateralen Einrichtungen 1,6 Milliarden Dollar
- oder 640 Dollar pro Mann, Frau und Kind - an Wirtschaftshilfe erhalten. Allein die Vereinigten Staaten stellten 125 Millionen Dollar zur Verfügung. Politisch haben solche demokratischen Staaten wie Mexiko sowie die Mitglieder
der Sozialistischen Internationale ständig Unterstützung geboten.
Und doch ist diese Zeitspanne durch den starken Aufbau der EPS, durch
die direkte Unterstützung von Gewalt in El Salvador und die Konsolidierung der
inneren Unterdrückung gekennzeichnet.
Es liegt auf der Hand, daß das konstruktive Engagement in Nicaragua
nichts bewirkt hat.
Bisher haben Verhandlungen auch nicht mehr bewirkt.
mühungen gegeben.

Es hat viele Be-

Einige davon dauern heute noch an.

Ich war an einem ersten solchen Versuch beteiligt und reiste im August
1981 nach Managua, um mir die Anliegen der Sandinisten anzuhören.
- 4 -

Sie sagten

�Sie sagten mir, daß sie sich an die Besetzung durch Soldaten des amerikanischen Marinekorps in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts erinnerten;
daß sie eine amerikanische Invasion befürchteten und deshalb eine große Armee
brauchten; und daß wir verstehen müßten, daß die salvadorianischen Guerilleros
wichtig seien als ein "Schild", um Nicaragua zu schützen.
Wir sagten also:

In Ordnung, wollen wir uns euren Anliegen zuwenden.

Laßt uns ein zweiseitiges Nichtangriffsabkommen schließen.

Die Vereinigten

Staaten könnten ihren Einfluß geltend machen, um die in Amerika im Exil lebenden Nicaraguaner zu einer Mäßigung ihres Verhaltens zu bewegen.
Vereinigten Staaten könnten ihre Wirtschaftshilfe wieder aufnehmen.

Und die
Als Ge-

genleistung baten wir die Sandinisten, die Ausbildung und Versorgung der salvadorianischen Guerilla einzustellen, dem Pluralismus in ihrem eigenen Lande
eine Chance zu geben - wie sie das der OAS im Jahr 1979 versprochen hatten und ihre Aufrüstung zu begrenzen - vielleicht durch Abkommen mit anderen mittelamerikanischen Ländern.
Wir haben diese Vorschläge schriftlich unterbreitet.

Im Oktober 1981

lehnte Managua sie formell als "steril" ab. Gleichzeitig logen die Sandinisten
bezüglich der weiteren Belieferung der salvadorianischen Guerilla und erklärten, sie würden ihre Aufrüstung niemals einschränken.
Ein zweiter Vorschlag zu verhandeln fand im Frühjahr 1982 statt, dieses Mal auf Vorschlag des mexikanischen Präsidenten Lopez Portillo.
Wiederum unterbreiteten wir schriftlich konkrete Vorschläge; dieses Mal
in acht Punkten aufgegliedert und durch unseren Botschafter in Managua überreicht.

Und wieder gab es keine konkrete Antwortend man ging auf die Punkte

nicht ein.

Nicaragua antwortete lediglich, daß, bevor eine Antwort erfolgen

könne, ein Treffen auf höherer Ebene in Mexiko stattfinden müsse.

Dieses Mal

schien es uns, als ob die Sandinisten sich den Anschein geben wollten zu verhandeln, ohne aber wirklich zu verhandeln.
Wir beschlossen,

�Wir beschlossen, es ein drittes Mal zu versuchen.

Unter Führung von

Costa Rica kam im Oktober 1982 eine Gruppe demokratischer Staaten in San Jose
zusammen, um ein umfassendes Paket von Friedensvorschlägen für Mittelamerika
insgesamt auszuarbeiten.

Lassen Sie mich kurz auf diese Vorschläge eingehen,

weil sie weiterhin das Wesentliche dessen sind, was wir und die demokratischen
Nachbarn Nicaraguas zu erreichen versuchen.
Erstens, die San Jose-Gruppe kam überein, daß das Gebiet aus der Konkurrenz zwischen Ost und West herausgenommen werden sollte. Der Weg, um das
zu erreichen, bestand nach Auffassung der Demokratien darin, daß alle ausländischen Militärberater und Ausbilder aus Mittelamerika abgezogen werden - die
Kubas,die der Sowjetunion, die Bulgariens, die Ostdeutschlands,die der PLO
und die unsrigen.
Zweitens, die mittelamerikanischen Staaten müßten einen Weg finden, ohne
Furcht miteinander zusammenzuleben. Zu diesem Zweck schlug die San Jose-Gruppe
gegenseitige und verifizierbare Abkommen über ein Verbot der Einfuhr schwerer
Offensivwaffen, den Verzicht auf die Unterstützung von Aufständischen auf Nachbarterritorium und die Einrichtung einer internationalen Überwachung der Grenzen vor.
Drittens, jeder mittelamerikanische Staat müsse einen Weg finden, um
demokratische Institutionen zu schaffen, die oppositionellen Elementen offen
sind. Mittel amerikanische Demokratien, an der Spitze Costa Rica, sprachen
sich ganz besonders klar über die Notwendigkeit der Demokratisierung aus.
Nur so könnten sie darauf vertrauen, daß sie sich nicht irgendwann in der Zukunft einem aggressiven Nachbarn gegenübersähen, der nicht von den Grenzen
gezügelt würde, die die Demokratie auferlegt.
Als Vertreter der
Nicaragua zu treten, um
sätze eintreten würde.
Vorschläge ab - mit dem

San Jose-Gruppe versuchte Costa Rica, in Kontakt zu
es zu fragen, ob es in einen Dialog über diese GrundDie Sandinisten lehnten schon die Entgegennahme der
Argument, sie hätten an ihrer Formulierung nicht mitge-

- 6 -

�nicht mitgewirkt und sähen sich daher nicht verpflichtet, sich mit ihnen zu
befassen.
Daher wird jetzt ein vierter Versuch unternommen, um zu Verhandlungen
zu kommen.

Im Januar 1983 kamen Mexiko, Kolumbien, Venezuela und Panama auf

der Insel Contadora zusammen, um eine Bemühung um Vermittlung in dem Konflikt
Mittelamerikas zu unternehmen.

Honduras, Costa Rica und El Salvador antworte-

ten, indem sie vorschlugen, daß die fünf mittelamerikanischen Staaten - einschließlich Nicaraguas - in Anwesenheit der Contadora-Gruppe zusammenkommen
sollten.

Dies würde Nicaragua

in die Lage versetzen, an der Ausarbeitung

der Vorschläge teilzunehmen - was es in San Jose nicht konnte.

Und um die

Chancen, daß Nicaragua teilnehmen würde, so groß wie möglich zu gestalten,
schlugen sie vor, daß die Vereinigten Staaten nicht anwesend sein sollten.
Das würde auch allen Behauptungen die Spitze nehmen, daß die Konferenz von
den Vereinigten Staaten beherrscht wäre.
Aber Nicaragua ging auch darauf nicht ein. Stattdessen ging es vor
den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und behauptete, es wolle mit den
Vereinigten Staaten und mit Honduras bilateral zusammenkommen, nicht regional.
Praktisch sagt Nicaragua, daß es die Beschuldigungen Nicaraguas gegen Honduras
und die Vereinigten Staaten erörtern will - aber nicht die Besorgnisse seiner
Nachbarn über die Militarisierung, Diktatur und Intervention Nicaraguas in
El Salvador.
Ich habe diese Geschichte einigermaßen ausführlich dargestellt, um
Ihnen einen Eindruck von den außergewöhnlichen Schwierigkeiten zu geben, die
damit verbunden sind, sich mit der Sandinisten-Führung auseinanderzusetzen.
Die Sandinisten haben ihre Geringschätzung gegenüber einem echten Dialog
- und echten Verhandlungen - ziemlich deutlich werden lassen.

Vor einem Monat

konnten wir sehen, wie sie den Papst in dem durchdachten Versuch der Einschüchterung unterbrachen; dem folgte ein Verbot der Ausstrahlung von Ostergottesdiensten durch die Sandinisten.

In der vergangenen Woche nannte Innen-

minister Tomas Borge in einem Interview mit dem kubanischen Fernsehen die
- 7 -

�Fernsehen die Themen, über die sein Land nicht verhandeln würde:

Er sagte,

Nicaragua werde nicht über die Prinzipien der sandinistischen Revolution diskutieren; es werde nicht in einen Dialog über die allgemeine Lage Mittelamerikas
eintreten; und es werde nicht über "Konterrevolutionäre" sprechen.

Man könnte

hinzufügen, daß die Sandinisten davor zurückscheuen, diese Fragen überhaupt offen anzugehen - weder mit dem eigenen Volk noch mit den Nachbarn Nicaraguas,
die in zunehmendem Maße besorgt sind.

Daher ist es eher traurig als überraschend,

daß Borge seinen kubanischen Fernsehzuschauern erklärt, das vorgeschlagene Treffen
der Außenminister Mittelamerikas sei "diplomatische Demagogie".
Trotz all dem werden wir nicht aufgeben.
kundig

Die Sandinisten sind offen-

noch nicht zu der Einsicht gelangt, daß sie entweder mit ihren Nach-

barn oder mit ihren inneren Kritikern zur Sache verhandeln müssen.

Vielleicht

glauben sie immer noch, daß sich etwas ändern wird, wenn sie nur geschickt genug
manövrieren, daß die Vereinigten Staaten dann ihre Unterstützung für die demokratischen Regierungen in Costa Rica, El Salvador und Honduras verringern oder
gar einstellen

und daß dann der Weg wieder offen sein wird für die "Revolution

ohne Grenzen". Wir müssen sie davon überzeugen, daß dies nicht der Fall ist,
daß die Vereinigten Staaten ihre Freunde in Mittelamerika nicht im Stich lassen
werden.

Gleichzeitig müssen wir auch weiterhin nach Wegen suchen und Möglich-

keiten vorschlagen, wie wir die alten Gegensätze überwinden können, bis die
Sandinisten uns ihre Bereitschaft anzeigen, zu einem fairen und ausgewogenen
Dialog zu kommen.
Inzwischen haben die Nicaraguaner die Sache in die eigene Hand genommen.
Die Unnachgiebigkeit der Sandinisten hat zu einem Aufruhr geführt, den die
Sandinisten selbst eine Bedrohung nennen.
Derzeit sind in Nicaragua mehrere tausend Guerillakämpfer aktiv. Enttäuschte Miskito-Indianer operieren in einem Großteil ihres Stammesgebietes
in den atlantischen Ebenen. In den östlichen und nördlichen Grenzgebieten
von Jinotega, Nueva Segovia, Madriz, Esteli und Zelaya greifen Streitkräfte
der Aufständischen Regierungsposten an und überfallen Militärkonvois. Auch
aus der Provinz Matagalpa, einem zentralen Kaffeeanbaugebiet, wird von
- 8 -

�wird von Guerillaaktivitäten berichtet.

In diesem Monat gab es zum ersten-

mal auch Berichte über bewaffnete Dissidentenbewegungen im Süden.

Wo immer

diese oppositionellen Gruppen auftauchen, scheinen sie lokale Unterstützung
zu erhalten und scheint ihre Zahl zuzunehmen.
Angesichts jüngster Beschuldigungen in den Medien werden Sie mich sofort fragen, ob diese Aufstände durch die Vereinigten Staaten bewirkt
unterstützt werden.

oder

Noch nie hat eine amerikanische Administration diese Art

von Behauptungen diskutiert - außer in den eigens zu diesem Zweck eingesetzten
Ausschüssen des Senats und des Repräsentantenhauses -, und auch diese wird es
nicht anders tun. Aber ich werde die nicaraguanischen Oppositionsbewegungen
beschreiben; dadurch sollte Ihnen deutlich werden, daß sie entstehen und zunehmen in Reaktion auf ernsteste Gründe zur Klage gegenüber den Sandinisten.
Wer sind diese Menschen, die es wagen, Managuas Ideologen herauszufordern?

Was wollen sie?

des gesagt werden:
und Seele.

Gestützt auf das, was wir wissen, kann hierzu folgen-

Es sind, dies ist das Wichtigste, Nicaraguaner mit Leib

Es gibt zwei Hauptgruppen.

Democratico Nacional (FDN).

Die eine, die größere, ist die Frente

Obgleich ihre Hauptstärke innerhalb Nicaraguas

liegt, hat die Unterdrückung durch die Sandinisten doch die meisten ihrer Führer
nach Honduras und Costa Rica vertrieben.

Das Direktorium der FDN besteht aus

Lucia Salazar, der Witwe von Jorge Salazar - einem Geschäftsmann, der sich
schon gegen Somoza gewandt hatte und der 1980 von den Sandinisten ermordet
wurde; Alfonso Callejas, einem ehemaligen Vizepräsidenten von Nicaragua, der
1978 in einem Versuch, Somoza aus dem Amt zu treiben, eindeutig mit diesem
brach; Edgar Chamorro, einer bislang unpolitischen Führungspersönlichkeit des
Privatsektors; Indalecio Rodriguez, ehemals Vizerektor der Mittelamerikanischen
Universität; Enrique Bermudez, früher Oberst der Nationalgarde, den Somoza
dadurch von Nicaragua fernhielt, daß er ihn von 1975 bis 1979 als Militärattache nach Washington schickte (und dem die Sandinisten selbst zugestanden,
er habe sich nicht an der Unterdrückung durch das Somoza-Regime beteiligt);
Marco Zeledon, einer geachteten Führungspersönlichkeit des Privatsektors, der
keinerlei Beziehungen zu den Somozas unterhielt; und Adolfo Calero, zeit seines
Lebens Gegner der Somozas und von Somoza 1978 ins Gefängnis gebracht.
Sie alle haben öffentlich erklärt, daß es ihr Ziel sei, die Demokratie

�die Demokratie nach Nicaragua zu bringen, nicht aber eine Rückkehr des Somozatums.

Soziologisch gesehen repräsentieren diese Personen die Angehörigen der

freien Berufe und der Lehrer sowie der kleinen Gewerbetreibenden und der Bauern.
Zu ihrer Gefolgschaft gehören enttäuschte Bauern, ehemalige Kleinbauern, MiskitoIndianer und andere Gruppen, die von den Ideologen Managuas vertrieben oder einfach unterdrückt wurden.

Unseren Schätzungen nach stehen in den Reihen der FDN

über tausend Guerillaangehörige; ehemalige Mitglieder der Nationalgarde - zum
größten Teil Unteroffiziere - führen viele dieser Guerilla-Einheiten an, die
meisten der Mitglieder stammen jedoch aus der Landbevölkerung oder sind ehemalige Kleinbauern.
Die Erklärungen der FDN bringen ihren Abscheu vor der Somoza-Vergangenheit zum Ausdruck und bekräftigen die nationalistischen und patriotischen Prinzipien von Sandino.

Ich bin sicher, daß sich dieser Ausschuß der Tatsache be-

wußt ist, daß die FDN am 13. Januar 1983 einen Friedensplan vorlegte, in dem
eine Einstellung der Feindseligkeiten vorgeschlagen wurde, falls unter anderem
die GRN bis September 1983 international überwachte Wahlen abhält, den Ausnahmezustand in Nicaragua beendet und die öffentliche Verwaltung von den parteilichen und ideologischen Aktivitäten trennt.
Die zweite Hauptgruppe, angeführt von Eden Pastora, der sich im Kampf
gegen Somoza hervorgetan hat, ist die ARDE - die Alianza Revolucionaria
Democratica. Zum Führungskreis der ARDE gehören so bekannte Leute wie das
ehemalige Junta-Mitglied der Nach-Somoza-Zeit Alfonso Robelo, der MiskitoIndianer-Führer Brooklyn Rivera und Fernando "Negro" Chamorro, der ebenfalls
gegen Somoza gekämpft hatte. Pastora, der der erste Vizeverteidigungsminister
der Sandinisten war, hat wiederholt auf den Betrug der Revolution hingewiesen,
die seiner Meinung nach von kubanischen Agenten verursacht wurde, um einen Ausverkauf an die Sowjetunion zu erzwingen. Die meisten ARDE-Erklärungen werden
in Costa Rica veröffentlicht. Der Friedensvorschlag der ARDE vom 2. Februar
fordert bis zum Juni 1983 Wahlen für eine Verfassungsgebende Versammlung, um
das Versprechen der sandinistischen Revolution einzuhalten.
Durch die
- 10 -

�Durch die Größe der Opposition, die ihr gegenübersteht, aus dem Gleichgewicht gebracht, hat die nicaraguanische Regierung versucht, ihre Opponenten
als "Somocistas" zu diskreditieren,und will sie dadurch mit den Verbrechen der
früheren Regierung in Verbindung bringen.

Der derzeitige Propagandaplan der

Sandinisten - wir haben das Memorandum der FSLN vom 24. März gesehen - weist
ihre politischen Kader an, "den amerikanischen Imperialismus" für die Probleme
des Landes verantwortlich zu machen, Adolfo Calero - eine Führungsperson der
Demokratisch-Konservativen Partei, mit dem sie zuvor noch verhandelt hatten und Alfonso Robelo - ein ehemaliges Mitglied ihrer eigenen Junta - als "Verräter" zu schmähen und die Opposition so darzustellen, als ziele diese gegen
Nicaragua - und nicht vielmehr gegen seine derzeitigen Herrscher.
Nun haben die Commandantes zwar bislang unsere Vorschläge nicht akzeptiert, aber ich würde sie doch gern darauf drängen - bevor sie zu weit gehen
und Calero von der FDN und Robelo von der ARDE "Verräter" nennen -, sich daran
zu erinnern, daß sie es im vergangenen Jahr auch nicht geschafft haben, ihr eigenes Volk davon zu überzeugen, daß Eden Pastora, ein Mann, der sich immer
noch stolz "einen echten Sandinisten" nennt, ein Verräter am nicaraguanischen
Volk oder an den ursprünglichen Idealen der sandinistischen Revolution sei.
Die Sandinisten behaupten, daß die einzige Alternative zu dem, was sie
geschaffen haben, "Somocismo" sei. Nichts könnte vereinfachter oder falscher
sein. Der "Somocismo" war eine ungemein personengebundene Diktatur alten Stils,
die mit Somoza starb. Sie könnte nicht wieder geschaffen werden, selbst wenn
es jemanden gäbe, der dies möchte. Die Sandinisten wissen, daß die meisten
Nicaraguaner die Demokratie, den Frieden und ein Ende des kubanischen Einflusses wollen. Tatsächlich ist dies auch das Programm, das dem nicaraguanischen Volk 1979 versprochen worden war. Und es ist das Programm, das die
Sandinisten heute immer wieder unter den Teppich zu kehren suchen, den sie
"Somocismo" nennen. Das Volk von Nicaragua kennt seine Geschichte. Auch
wir sollten es.
Noch ist

- 11 •)

:t

i

�Noch ist nicht klar, wie der Verlauf des Kampfes in Nicaragua sein wird.
Sicher ist nur:

Solange Nicaragua die legitime Opposition im Innern dazu

zwingt, zu Mitteln der Gewalt zu greifen, und solange es auch weiterhin seine
Nachbarn bedroht und destabilisiert, wird weder dieses Land selbst, noch Mittelamerika stabil werden.
Es ist vorstellbar, daß Kuba oder die Sowjetunion versucht sein könnten,
den Konflikt zu eskalieren, moderne Kampfflugzeuge oder sogar kubanische Kampftruppen herbeizuholen.

Es ist offenkundig, daß sich hieraus eine gefährliche

Lage entwickeln würde - unannehmbar nicht nur für Mittelamerika, sondern für
die amerikanischen Staaten insgesamt.

Wir haben Moskau und Havanna wissen las-

sen, wie gefährlich ein solcher Schritt sein würde.

Vorstellbar ist auch, daß

die Sandinisten in einem Versuch, die Aufmerksamkeit von ihren innenpolitischen
Problemen abzulenken, auf ihre Nachbarn
angreifen.

losschlagen und Costa Rica oder Honduras

Seit über einem Jahr bereits unternimmt Managua terroristische Ope-

rationen in San Jose

und läßt Guerillakämpfer in die nördlichen Provinzen von

Costa Rica einsickern.

Auch mit Honduras ist es bereits zu einer Reihe von

Grenzzwischenfällen gekommen.

Obgleich Journalisten, die das Gebiet bereist

haben, von keiner Aktivität auf honduranischer Seite berichten, hat Nicaragua
kürzlich seine militärischen Einheiten an der Grenze verstärkt.

Noch einmal:

Ich glaube, die Sandinisten begreifen, daß sie nichts durch einen Angriff auf
ihre Nachbarn gewinnen können.

Es ist auch wichtig zu betonen, daß alle Mittel

interamerikanischer Diplomatie, einschließlich natürlich derjenigen dieses
Landes, zur Verfügung stünden, um einen solchen Ausbruch zu verhindern.
Aber es gibt einen besseren Weg.
Verhandlung.

Und es ist der Weg über Dialog und

Wir fordern die Sandinisten auf, an das nicaraguanische Volk zu denken.
Trotz aller Auslandshilfe sind die Nicaraguaner in Stadt und Land viel schlechter gestellt als vor der Revolution.
und ihre Geistlichkeit.

Sie sind gegen den Druck auf ihre Kirchen

Sie mißtrauen dem sandinistischen Machtmonopol, und

sie haben eine Abneigung dagegen, denn sie haben schon zuvor unter einem solchen System gelebt.

Wir fordern
- 12 -

�Wir fordern die Sandinisten auf, sich Gedanken über den Aufruhr in
ihrem eigenen Land zu machen. Trotz (oder ist es wegen?) der Präsenz all
dieser bewaffneten Kubaner nimmt der Widerstand im Volk zu. Sie könnten
dann zu dem Schluß gelangen, daß der Dialog, den sie so viele Male zurückgewiesen haben, dem immer stärkeren Hader unter der Bevölkerung vorzuziehen ist.
Wir fordern die Sandinisten auf, über den Aufruhr nachzudenken, den sie
in El Salvador unterstützen. Wenn es dort legitimen Grund zur Klage gibt, so
kann dem durch demokratische Institutionen nachgegangen werden. Die internationale Gemeinschaft ist bereit und in der Lage, die Sicherheit und andere
Garantien für die Wahlen zu bieten, die auch dort die richtige Antwort wäre.
Alle Elemente der mittel amerikanischen Problematik stehen miteinander
in Beziehung. Gleich, wieviel Bodenreform, wie viele offene Wahlen oder
wieviel Verbesserung bei den Menschenrechten: Es wird kein Ende des Konflikts
in El Salvador geben, wenn Nicaragua ihn auch weiterhin schürt. Die Demokratie
wird in den Nachbarstaaten Nicaraguas nicht gedeihen, solange sie nicht auch
in Nicaragua praktiziert wird. Und Nicaragua wird nicht frei sein von der
Feindseligkeit
seines eigenen Volkes und seiner Nachbarn, solange es nicht
damit beginnt, sich um deren Sorgen hinsichtlich Demokratie und Sicherheit
zu kümmern.
Daher lautet die Antwort: Demokratisierung und Dialog zwischen den
Nachbarn. Ziel der amerikanischen Politik in diesem Gebiet ist es, Bedingungen zu schaffen, unter denen das Gebiet aus dem Ost-West-Konflikt herausgenommen werden kann, die Einfuhr von Offensivwaffen und die wechselseitige
Unterstützung für Aufruhr beendet wird und die demokratische Umwandlung der
Gesellschaften erreicht ist. Verhandlungen zwischen allen mittelamerikanischen
Staaten und Verhandlungen innerhalb der Länder könnten allen Gruppen die Möglichkeit bieten, an den Wahlurnen in einen Wettstreit einzutreten - und nicht
auf dem Schlachtfeld.
+ + + + +

- 13 -

�Hintergrundmateriell
United States Information Service
Embassy of the United States of America
20. April 1983

17

DIE PERSHING II-RAKETE
- Von Richard Burt Unterstaatssekretä'r für europäische Angelegenheiten im
amerikanischen Außenministerium

(Nachdruck mit freundlicher Genehmigung
der Washington Post)

Die Vereinigten Staaten werden, wenn es bei den Genfer Verhandlungen
zu keinem R'üstungskontrollabkommen kommt, das einen solchen Schritt unnötig
machen würde, Ende dieses Jahres mit der Dislozierung einer neuen Mittelstrekkenrakete in Europa beginnen - der PERSHING II. Wie die landgestützten Marschflugkörper, deren Dislozierung ebenfalls für dieses Jahr vorgesehen ist, hat
die PERSHING II eine Reichweite, die für Ziele in der Sowjetunion ausreicht.
Die Dislozierung der PERSHING II-Raketen würde eine amerikanische Verpflichtung gegenüber unseren NATO-Verbündeten erfüllen, um auf die massive
Aufrüstung der Sowjets mit SS-20-Raketen zu antworten.

Sie wäre natürlich

nicht nötig, wenn die Sowjets das Angebot von Präsident Reagan akzeptieren

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Reagan akzeptieren würden, diese ganze Klasse von Kernwaffen zu beseitigen.
Die Sowjetunion wünscht sich - wen wundert es - ein anderes Ergebnis:
möchte ihre Raketen behalten, und wir sollen keine dislozieren.

Sie

Die Sowjets

haben eine große politische und propagandistische Kampagne gestartet, um die
Dislozierung der PERSHING II zu verhindern.

Sie haben behauptet, diese Rakete

sei eine einmalig gefährliche Terrorwaffe; sie habe eine "Erstschlag"-Kapazität gegen die strategischen Streitkräfte der Sowjetunion; und die Sowjetunion müsse als Folge einer Dislozierung der PERSHING II eine Politik des
"Halt oder ich schieße" einführen.
Keine dieser Behauptungen hält einer ernsthaften Überprüfung stand.
Daß die Sowjetunion diese Art der

Argumentation gewählt hat, läßt je-

doch einiges davon erkennen, was sie von Westeuropa hält und in welches Verhältnis sie die Sicherheit Europas zur Sicherheit der Sowjetunion bringen
möchte.
Natürlich ist jede Nuklearrakete eine schrecklich zerstörerische Waffe, und deswegen müssen die angeblichen Besorgnisse der Sowjets über die
PERSHING II in die richtige Perspektive gerückt werden. Diese amerikanische
Rakete hat weit weniger Zerstörungskraft als die SS-20. Sie hat eine sehr
viel kürzere Reichweite: 1800 km gegenüber 5000 km. Sie ist nur mit einem
Gefechtskopf bestückt, verglichen mit den drei Gefechtsköpfen der SS-20.
Dieser eine Gefechtskopf der PERSHING II hat weniger Zerstörungskraft als
ein einziger der drei der SS-20. Die PERSHING II fliegt nicht schneller
als die SS-20. Sie könnte Ziele in der Sowjetunion nicht schneller erreichen,
als landgestützte Raketen der Sowjets heute Ziele irgendwo in Westeuropa
oder seegestützte Raketen der Sowjets heute Ziele in den Vereinigten Staaten
erreichen können. Und schließlich würde es nach Abschluß der amerikanischen
Dislozierungen nur 108 PERSHING II-Raketen mit 108 Gefechtsköpfen geben.
Heute aber gibt es schon 351 SS-20-Raketen mit 1053 Gefechtsköpfen, und die
Zahl wächst ständig weiter. Die PERSHING II hat also keinesfalls etwas einmalig Bedrohendes an sich.
Die sowjetische

�Die sowjetische Behauptung, die PERSHING II stelle eine Erstschlag-Bedrohung dar, entbehrt noch mehr der Grundlage. Rund 90 Prozent der strategischen Streitkräfte der Sowjetunion werden sich außerhalb der Reichweite der
PERSHING II befinden und ebenso die in Moskau konzentrierten Befehls- und
Kontroll Zentren. Im übrigen sind die für die Dislozierung vorgesehenen 108
PERSHING II zahlenmäßig so wenige, wenn man sie mit den gegenwärtig dislozierten 2350 strategischen Raketen der Sowjets vergleicht, daß die Vorstellung,
man könnte die PERSHING II für einen Präventivschlag gegen die strategischen
Streitkräfte der Sowjetunion benutzen, einfach lächerlich ist.
Es fällt einem daher schwer, die sowjetische Drohung, man werde aufgrund der Dislozierungen von PERSHING II zu einer Politik des "Halt oder ich
schieße" übergehen, wirklich ernstzunehmen. Wenn man die viel größere Verwundbarkeit der amerikanischen Interkontinentalraketen gegenüber den sowjetischen strategischen Raketen bedenkt, dann kann man sich kaum vorstellen, daß
Amerikaner sehr viel Mitgefühl für die verhältnismäßig kleinen Erschwernisse
aufbringen werden, die sich für die strategischen Planer der Sowjetunion aus
der PERSHING II ergeben werden.
Die sowjetischen Argumente zielen jedoch auch gar nicht darauf ab, die
Amerikaner so weit zu bringen, die Produktion der PERSHING II einzustellen.
Ihre Argumente sollen vielmehr die Europäer so weit bringen, die Dislozierung
der Rakete zu verhindern. Man hat speziell die PERSHING II für diese Bemühung
ausgesucht, weil sie im Gegensatz zu den Marschflugkörpern, deren Aufstellung
für dieses Jahr in Italien und in Großbritannien und in den folgenden Jahren in
Belgien, den Niederlanden und in der Bundesrepublik Deutschland vorgesehen ist,
nur in einem Land, nämlich in der Bundesrepublik,disloziert werden soll. Wenn
es den Sowjets gelänge, die Dislozierung von PERSHING II in der Bundesrepublik
zu verhindern, dann hätten sie ein wesentliches Element des NATO-Doppelbeschlusses vom Dezember 1979 zu Fall und sich selbst in eine viel günstigere
Position gebracht, die Dislozierung der Marschflugkörper in den anderen der
genannten Länder, einschließlich der Bundesrepublik, zu blockieren.
Die Argumente
- 3 -

�Die Argumente der Sowjets gegen die PERSHING II und gegen das ganze
Konzept der INF-Dislozierung der NATO laufen im wesentlichen darauf hinaus,
daß es für sie unannehmbar ist, vor einer Bedrohung aus Westeuropa zu stehen,
die der entspräche, die für Westeuropa von ihnen ausgeht.

Für die Sowjets

sind der Bau und die Dislozierung neuer Raketen mit der Aufgabe, Ziele in ganz
Westeuropa von sowjetischem Boden aus zu treffen, aus ihrer Sicht eigentlich
mehr oder weniger eine Selbstverständlichkeit, mit der sich Westeuropa abfinden muß. Wenn die NATO darauf reagiert, indem sie Raketen vergleichbarer Kapazität in Westeuropa stationiert, dann ist das irgendwie eine "Provokation",
die die Sowjetunion nicht akzeptieren kann.

Westeuropa müsse einsehen, darauf

besteht die Sowjetunion, daß seine Sicherheit weniger wichtig ist als die der
Sowjetunion.

Im sowjetischen Denken ist die Sicherheit F.uropas der Sicherheit

der Sowjetunion ausdrücklich untergeordnet.
Die sowjetische Auffassung von europäischer Sicherheit macht die Reaktion
der Sowjets auf den NATO-Beschluß von 1979, amerikanische Mittelstreckenraketen in Europa zu dislozieren, eher verständlich. Das gegenwärtige Ziel der
sowjetischen Politik besteht darin, den geopolitischen Vorteil der UdSSR und
ihre regionale nukleare Überlegenheit zu nutzen, um Westeuropa einzuschüchtern und die Westeuropäer zu zwingen, sich sowjetischen Interessen unterzuordnen. Die Dislozierung von insgesamt 572 neuen amerikanischen Flugkörpern, die
in der Lage sind, begrenzte Teile der Sowjetunion zu erreichen, hat auf das
amerikanisch-sowjetische Kräfteverhältnis nur wenig Auswirkung, wenn man bedenkt, daß beide Seiten über 10 000 Gefechtsköpfe besitzen, die kurzfristig
auf jeden Ort des anderen Landes abgefeuert werden können. Wenn jedoch die
Macht Amerikas mit der Sicherheit Europas fest verknüpft wird, dann wird diese
Dislozierung die Sowjetunion daran hindern, Westeuropa als nukleare Geisel zu
benutzen und ihr Ziel zu erreichen, die Unterordnung der Sicherheit Europas
unter die Sicherheit der Sowjetunion zu erzwingen.
Das ist der Grund, warum die Sowjetunion so nachhaltig auf den NATOBeschluß von 1979 reagiert hat. Das ist der Grund, warum die Sowjetunipn
sich so sehr gegen die Dislozierung von 108 PERSHING II-Raketen gewandt hat,

- 4 -

�gewandt hat, was nicht einleuchtend ist und sonst unerklärlich wäre.

Das

ist der Grund, warum Führer des Westens aus der Erkenntnis der wirklichen
sowjetischen Beweggründe heraus so viel von ihrem eigenen politischen Kapital eingesetzt haben, um die 1979 vereinbarte Entscheidung aufrechtzuerhalten.
Die Sowjetunion versucht, ihre Auffassung von der Sicherheit Europas Europa
aufzuzwingen.

Die Führer Europas sind jedoch entschlossen, endweder durch

Rüstungskontrolle oder durch Dislozierung dafür zu sorgen, daß der Sicherheit Europas keine geringere Priorität eingeräumt wird als der Sicherheit
der einen oder anderen Supermacht.

+ + + + +

- 5 -

�17

20. April 1983

FÜNFZIG JAHRE AMERIKANISCH-SOWJETISCHER DIALOG
Von Arthur Hartman, Botschafter der USA in Moskau

Der folgende Artikel wurde am 11. April 1983
amerikanischen und westeuropäischen Korrespondenten in Moskau zur Verfügung gestellt;
vorher war er der sowjetischen Parteizeitung
"Prawda" als Leserbrief angeboten worden,
die ihn jedoch nicht veröffentlichte.

- (AD) - Der November dieses Jahres bringt für die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion einen bedeutsamen Meilenstein: den 50. Jahrestag der
Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern.
Dieses Jubiläum hat natürlich für die beiden Länder eine unterschiedliche
Bedeutung. Aber wenn dieser Jahrestag eines bedeutet, dann dies: fünfzig Jahre
Dialog. Seit einem halben Jahrhundert haben meine Regierung und die Regierung
der Sowjetunion die Bedeutung der Kommunikation zwischen unseren Völkern anerkannt.
In der jüngsten Vergangenheit ist mir klar geworden, welchen Wert die
Sowjetunion - oder doch zumindest ihre einflußreichsten Sprecher - darauf legt,
dem amerikanischen Volk ihre Ansichten zu unterbreiten.

In der Presse der

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Presse der Vereinigten Staaten, über unseren Rundfunk und über unser Fernsehen
hat eine veritable Reihe der bekanntesten sowjetischen Kommentatoren, Akademiker
und anderer Persönlichkeiten bewundernswerte Arbeit dabei geleistet, die
sowjetischen Standpunkte zu wichtigen bilateralen und internationalen Fragen
darzulegen.
Wir in den Vereinigten Staaten sind schon seit langem der Ansicht, daß
eine gut informierte Öffentlichkeit Voraussetzung für eine effektive Demokratie
und eine kluge Außenpolitik ist. Die Tatsache, daß sowjetische Repräsentanten
einen solchen freien Zugang zu den amerikanischen Medien haben, ist ein Beweis
für das Festhalten Amerikas am Ideal eines freien Gedankenaustausches.
In einem echten Dialog müssen natürlich beide Seiten - nicht nur eine zu Wort kommen.

Ich hoffe daher, daß ich durch Ihre Zeitung Gelegenheit

haben werde, einige der wichtigen Fragen anzusprechen, vor denen unsere beiden
Länder stehen, und den sowjetischen Lesern die amerikanischen Ansichten darzulegen - wie auch unsere Medien die Darlegung sowjetischer Ansichten für die
amerikanische Öffentlichkeit begrüßt haben.
Was erfahren wir Amerikaner, wenn wir sowjetischen Sprechern zuhören?
Vieles und manch Kritisches zu einem Bereich von Fragen, der zu weitgehend
ist, als daß man sich in einem einzigen Artikel damit befassen könnte. Ich
möchte mich daher mit drei wesentlichen Dingen befassen, die die sowjetische
Seite immer wieder zum Ausdruck bringt:
- Erstens, daß die Vereinigten Staaten nicht nur ihr Eintreten für den
Frieden aufgegeben hätten, sondern daß sie sich vielmehr aktiv auf den Krieg
vorbereiteten;
- Zweitens, daß die Vereinigten Staaten, um ihre militärischen Vorbereitungen zu rechtfertigen, die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen künstlich
verschlechterten, indem sie nichtrelevante Fragen ins Spiel brächten;
- Drittens, daß die amerikanischen Rüstungskontrollvorschlage nicht nur

�nicht nur nicht seriös, sondern auch darauf abgestellt seien, die Sowjetunion
zu einer einseitigen Abrüstung zu veranlassen.
Wenn man solche Ansichten hört, dann - das muß ich gestehen - ist es
überaus schwer, nicht zu dem Schluß zu gelangen, daß diejenigen, die so
etwas aussprechen, uns überhaupt nicht zuhören.

Lassen Sie uns doch einmal

die Tatsachen untersuchen.
Erstens, unsere Verpflichtung, den Frieden zu wahren.

So unangenehm

dies für einige auch sein mag: Die historischen Fakten zeigen, daß die
Vereinigten Staaten bei den Bemühungen, die Gefahr eines Krieges über dreißig
Jahre hinweg zu vermindern, immer an vorderster Front standen.
Schon 1946, als die USA zwar nicht über die gewaltige militärische
Überlegenheit verfugten, die erlangen zu wollen man uns heute beschuldigt, aber
doch über das absolute Monopol an Kernwaffen und Technologie, schlugen wir
im Rahmen des Baruch-Planes vor, daß alle Aspekte der nuklearen Entwicklung
unter internationale Aufsicht gestellt werden sollten.

Die Sowjetunion

wies diesen Vorschlag zurück, und eine große Gelegenheit, das nukleare Wettrüsten im Keime zu ersticken, war vertan.
Aber unsere Haltung hat sich auch in den folgenden Jahren nicht geändert.
In Genf und in Wien hat die Regierung Präsident Reagans eine ganze Reihe von
Initiativen ergriffen, die alle darauf abzielen, den sinnlosen nuklearen
Rüstungswettlauf zu stoppen und die Möglichkeit eines Konfliktes, nuklear
wie konventionell, entscheidend zu verringern.
Die Geschichte hat uns jedoch gelehrt, daß wir uns nicht ausschließlich
auf Verhandlungen verlassen können, um den Frieden zu bewahren.

Wir, wie

auch die Sowjetunion, mußten 1941 erfahren, daß militärische Schwäche oder was andere dafür fielten - der kürzeste Weg zum Krieg sein kann.

Daher

haben wir in der gesamten Nachkriegszeit die Maßnahmen ergriffen, die nach

- 3 -

�die nach unserer Ansicht notwendig waren, um vor Angriffen auf uns und unsere
Verbündeten abzuschrecken.

Die gegenwärtige Modernisierung unserer Streit-

kräfte, die die sowjetischen Sprecher angeblich so beunruhigt, rührt aus
dieser Auffassung her und - das darf ich hinzufügen - erfolgt nach einem
Jahrzehnt der amerikanischen Zurückhaltung hinsichtlich der Dislozierung
neuer Waffensysteme.
Abschreckung.

Unser Ziel ist - wie schon in der Vergangenheit - die

Präsident Reagan hat klargemacht, daß wir keine militärische

Überlegenheit gegenüber der Sowjetunion oder irgendeinem anderen Land anstreben.
Aber wir können es uns auch nicht erlauben, der Zweitbeste zu sein.
Zweitens, die Behauptung, die Vereinigten Staaten erhöhten künstlich
die Spannungen gegenüber der Sowjetunion.

Es kann kein Zweifel bestehen, daß

es bilaterale Spannungen gibt und daß diese in den letzten Jahren größer geworden sind.

Dies rührt zum Teil aus der Tatsache her, daß die USA und die

Sowjetunion auf internationalem Gebiet Rivalen sind und es für die absehbare
Zukunft auch bleiben werden.
Das ist keine Wahl, die wir getroffen haben, sondern es ist weitgehend
ein Abbild der unterschiedlichen Grundprinzipien, auf denen unsere beiden
Länder gegründet sind. Aber es hat doch Auswirkungen darauf, wie wir uns in
der Welt zueinander verhalten.
Wir erwarten nicht, daß die Sowjetunion in ihrer Haltung gegenüber den
Vereinigten Staaten ihre Prinzipien oder Interessen aufs Spiel setzt. Aber
genauso haben wir nicht die Absicht, die unsrigen aufs Spiel zu setzen.
Was nun die Prinzipien selbst angeht, so gibt es ein Gebiet, auf dem an
unserer Entschlossenheit kein Zweifel bestehen sollte: die Frage der Menschenrechte.

Wir hören häufig, daß unsere Menschenrechtspolitik eine Einmischung

in die inneren Angelegenheiten der Sowjetunion darstelle. Wir können eine
solche Charakterisierung nicht akzeptieren, die eine grobe Unkenntnis dessen
verrät,was die Vereinigten Staaten als Volk motiviert.
Aufgrund der
- 4 -

�Aufgrund der Bedeutung, die die Menschenrechte für uns haben - denn darauf
wurde ja unsere Republik 1776 gegründet ^sympathisieren wir natürlich in der
Sowjetunion und anderswo mit all jenen, denen ihre Rechte verweigert werden.
Wir unterstützen sie und werden es immer tun.
Aber es geht hier auch um einen gleichermaßen entscheidenden - und
vielleicht auch pragmatischeren - Punkt. Wenn ein Land seinen Bürgern
systematisch die ihnen im Rahmen internationaler Abkommen zustehenden Rechte
verweigert, dann stellt sich uns ernsthaft die Frage, was es dann mit der
Verläßlichkeit eines solchen Landes als internationaler Partner auf sich hat.
Wir drängen nur darauf, daß die Sowjetunion sich an ihre internationalen Verpflichtungen auf dem Felde der Menschenrechte hält.
Ähnlich ist die Situation im Hinblick auf die Vorstellung, die wir von
unseren Interessen haben. Es wird uns oft gesagt, wir sollten es nicht zulassen,
daß kleinere regionale Konflikte sich störend auf bilaterale Anstrengungen auf
so entscheidend wichtigen Gebieten wie der Rüstungskontrolle auswirken. Ein
solches Argument können wir ebenfalls nicht akzeptieren. Wenn wir aus der
jüngeren Geschichte etwas gelernt haben, dann dies, daß die Sicherheit die
gesamte weltpolitische Situation umfaßt.
Wenn wir sehen, daß sowjetische Truppen Afghanistan besetzen, um eine
Regierung zu unterstützen, die sich offensichtlich selbst nicht halten kann wenn wir sehen, daß die Vietnamesen in Kampuchea mit sowjetischer Unterstützung
eine ähnliche Rolle spielen - wenn wir sehen, wie den polnischen Arbeitern
die Rechte verwehrt werden, die ihnen zuvor durch die eigene Regierung zugestanden wurden - wenn eine große Demokratie in Asien (Japan) von der Sowjetunion mit nuklearer Vergeltung bedroht wird, weil dieses Land seine eigene
Sicherheit gewährleisten will, dann können wir nicht umhin, gewisse Rückschlüsse
hinsichtlich der Auswirkungen solcher Maßnahmen auf unsere eigene Sicherheit
zu ziehen, und wir müssen entsprechende Schritte ergreifen. Es ist doch nur
natürlich, daß wir bemüht sein sollten, solche Fragen in den amerikanisch-

- 5 -

�den amerikanisch-sowjetischen Dialog mit einzubeziehen.
Drittens, die Frage der Aufrichtigkeit unserer Haltung in der Rüstungskontrolle.

Wenn die amerikanische Haltung so hingestellt wird, als ziele sie

auf eine einseitige Abrüstung der Sowjetunion ab, so mag das als Technik in
der Debatte ganz wirkungsvoll sein, aber es führt einen nicht an die Wurzeln
des Problems heran.
Die Vorschläge Präsident Reagans in Genf andererseits spiegeln eine
ehrliche und vernünftige Haltung wider, mit der zwei grundlegende Ziele erreicht werder sollen: Die Wahrscheinlichkeit zu verringern, daß die eine oder
die andere Seite jemals versucht sein wird, als erste Kernwaffen einzusetzen,
und zum anderen, die nuklearen Arsenale abzubauen.
Wir möchten dies auf dreifache Weise erreichen:
Erstens haben wir vorgesch^gen, daß beide Seiten die Anzahl ihrer nuklearen Gefechtsköpfe auf Interkontinentalraketen um ein Drittel verringern.
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion verfügen beide gegenwärtig über
ungefähr 7 000 solcher Gefechtsköpfe - die Sowjetunion hat tatsächlich einige
hundert mehr davon.

Die neue Höchstgrenze würde also 5 000 betragen.

Wir

konzentrieren uns auf diese Raketen, weil ihre hohe Geschwindigkeit sie für
Überraschungsangriffe besonders geeignet macht.
Zweitens haben wir vorgeschlagen, daß nicht mehr als die Hälfte der
5 000 verbleibenden Gefechtsköpfe auf landgestützte Interkontinentalraketen
montiert wird.

Auch hier ist unser Leitsatz wiederum, die Versuchung, einen

Erstschlag zu führen, zu verringern.

Wegen ihrer festen Stationierung sind

solche Raketen, was ihre Zerstörung durch einen Überraschungsangriff angeht,
besonders verwundbar.

Die Versuchung, sie für den Fall einer Angriffswarnung

einzusetzen, wäre also sehr stark, und das Risiko eines zufälligen und unbeabsichtigten Abschusses wird vergrößert.

Gleichzeitig machen ihre Zielge-

nauigkeit und ihre große Nutzlast sie zu idealen Waffen für einen Erstschlag.

- 6 -

�einen Erstschlag.

Dadurch, daß beide Seiten sich weniger auf derartige Systeme

stützen, würde unser Vorschlag die Möglichkeit eines Kriegsausbruches wesentlich
verringern.
Drittens haben wir die Beseitigung einer gesamten Kategorie von Waffen
vorgeschlagen, nämlich der landgestützten Mittelstreckenraketen.

Gegenwärtig

verfügt nur die Sowjetunion über solche Systeme, deren einziger Zweck trotz
aller gegenteiligen sowjetischen Behauptungen darin besteht, eine ganze Reihe
von Ländern an den Grenzen der Sowjetunion und darüber hinaus nuklear zu
bedrohen.

Da viele dieser Staaten Verbündete oder Freunde der USA sind, rufen

diese Systeme eine ernsthafte Gefahr der Eskalation auf eine strategische
Ebene hervor.
Die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Verbündeten haben ihre Absicht klargemacht, das Gleichgewicht im Hinblick auf diese Streitkräfte in Europa wiederherzustellen. Sollte es notwendig sein, so sind wir darauf vorbereitet,
entsprechende eigene Streitkräfte zu dislozieren. Wir würden jedoch vorziehen - und das haben wir immer wieder erklärt -,daß das Problem durch ein
bilaterales Abkommen zur völligen Beseitigung dieser Systeme vom Antlitz der
Erde gelöst wird.
Ein sowjetischer Kommentator hat in einem vor kurzem in Amerika veröffentlichten Artikel erklärt, daß er - wenn er auch das Gegenteil lieber
hätte - wenig Hoffnung habe, im gegenwärtigen Zeitpunkt mit den USA ins Geschäft zu kommen. Wie ich schon vorher gesagt habe, kann man da nur sagen,
daß er nicht auf das gehört hat, was wir immer wieder erklären.
Wir sind bereit, unverzüglich und in günstigem Sinne auf positive Maßnahmen der Sowjetunion zu reagieren.

Das heißt keineswegs, wie manchmal

behauptet wird, daß wir auf einseitige Konzessionen aus sind.

Es heißt

allerdings, daß wir Beweise dafür sehen möchten, daß die Sowjetunion bereit
ist, sich uns bei der Suche nach gerechten beiderseitig akzeptablen Lösungen

- 7 -

�akzeptablen Lösungen der uns konfrontierenden Probleme anzuschließen.
Sollte es diese Beweise geben, dann würden diejenigen, die der Meinung
sind, es gäbe keine Möglichkeit für bilaterale Fortschritte, überrascht sein,
wie rasch sich ihre Ansichten als irrig erweisen.

+ + + + +

8 -

�17

20, April 1983

INTERNATIONALE KONFERENZ IN ATLANTA BEFASST SICH MIT BEKÄMPFUNG
DES DROGENMISSBRAUCHS

- (AD) - Eine Zusammenarbeit der Eltern und Angehörigen von Jugendlichen auf breiter internationaler Basis lasse am ehesten hoffen, junge Menschen vor der Drogengefahr schützen zu können.

Dies war das Fazit einer Kon-

ferenz über "Drogen und Jugend" vom 7, - 9. April 1983 in Atlanta (Georgia),
an der mehr als 500 Vertreter von Elternverbänden, Pädagogen, Juristen, Arzte,
Biochemiker, Psychologen und Sozial heifer aus den Vereinigten Staaten und 12
anderen Ländern teilnahmen,

Sie wurde von PRIDE veranstaltet ("Parents'

Resource Institute on Drug Education" - Institut für Elternberatung zur Bekämpfung des Drogenproblems).

Die 1977 gegründete Organisation versorgt

Elternvereinigungen mit den neuen Informationen, einschließlich der Erkenntnisse medizinischer Forschung, über Rauschgiftmißbrauch,

Mittlerweile haben

sich ihr mehr als 3000 Vereinigungen in allen 50 amerikanischen Bundesstaaten
angeschlossen.

Juan Negrete von der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen
(WHO) gab in seinem Vortrag eine Zusammenfassung des WHO-Berichtes über Drogenabhängigkeit.

Er befaßt sich vor allem mit der Erforschung von Gesundheits-

schäden und Verhaltensänderungen als Folge des Marihuana-Konsums.

Robert

DuPont, Professor für Psychiatrie an der Georgetown Medical School (Washington),

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Medical School (Washington), forderte, daß der Aktivierung der Eltern und
Angehörigen von Jugendlichen rund um die Welt zur Bekämpfung des Drogenmißbrauchs "höchste Priorität" eingeräumt werde.

Prof. DuPont ist Präsident

des Amerikanischen Rates für Marihuana und andere psychoaktive Drogen.
Drogenproblem sei "eine Weltseuche", erklärte er.

Das

Die Drogenchemie kenne

keine nationalen Grenzen.
PRIDE begann im Jahr 1977 damit, Eltern über die neuesten Erkenntnisse
zu den biologischen Auswirkungen von Marihuana und anderen Drogen auf Heranwachsende zu informieren und ihnen bei der Schaffung landesweiter Verbände
zu helfen, mit denen dem Druck und dem Einfluß jugendlicher Drogenabhängiger
auf ihre Altersgenossen begegnet werden sollte.

Diese Initiativen hätten,

so DuPont, "die Einstellung in den Vereinigten Staaten zu Drogen verändert
und die Nation in die Lage versetzt, sich mit der Rauschgiftseuche gründlich auseinanderzusetzen."
Wegen ständig wachsender Anfragen aus anderen Ländern zur Vermittlung
einschlägiger Informationen und der Bitte um Unterstützung bei der Inangriffnahme von Projekten durch Elternverbände erhielt die diesjährige PRIDE-Konferenz ausgesprochen internationalen Charakter. Nach Ansicht DuPonts komme
"die größte Bedrohung im kommenden Jahrzehnt... wahrscheinlich von Entwicklungsländern". Diese seien unglaublich anfällig und besäßen nur eine sehr
begrenzte Fähigkeit, das Problem überhaupt anzupacken. In vielen Ländern der
Dritten Welt gebe es keine Regelung des Verkehrs mit Arzneimitteln und keine
Möglichkeit zur Kontrolle verschreibungspflichtiger Präparate wie Valium, von
Schlafmitteln oder von Stimulanzien. Sie werden wie jede andere Ware frei
verkauft.
Beispielhaft für Information, Erziehung und Vorbeugung gegen die Drogen-r
gefahr seien Schweden und Norwegen, erklärte Prof. DuPont. Dies sei vor allem Nils Bejeret zu verdanken. Bejeret ist Professor für Sozialmedizin am
Karolinska-Institut in Stockholm. Er habe in zahlreichen Artikeln und wissenschaftlichen Arbeiten zum Drogenmißbrauch Wege zu dessen Kontrolle und zu

- 2 -

�und zu wirksamer Vorbeugung aufgezeigt.
Nach Ansicht von Keith Manatt Schuchard, Mitbegründerin und Forschungsdirektorin von PRIDE, sei der illegale Drogenhandel als die nahezu "größte
finanzielle Operation in der Welt einzuschätzen - größer als das öl- und größer als das Autogeschäft".
ziellen

Er entwickle sich jetzt zur wichtigsten finan-

Basis für den internationalen Terrorismus, geheime Waffenlieferungen

und Gewaltakte in der ganzen Welt.

Dennoch könne die Elternbewegung gegen

diese Macht wirksam werden, erklärte Frau Schuchard, weil ihr die Kraft des
Naturinstinkts innewohne, den Nachwuchs vor Schaden zu bewahren.

Diese Kraft

sei in jeder menschlichen Gemeinschaft lebendig.
In 15 Arbeitsgruppen wurden Sonderthemen wie die Behandlung Abhängiger,
Gruppenführung, Gesetzesvollzug oder Ideenaustausch unter Elternverbänden erörtert. Neueste Literatur, Filme und anderes Informationsmaterial stand den
Teilnehmern zur Verfügung.

- 3 -

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="9146">
              <text>20.04.1983</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="9147">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="9148">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="13807">
              <text>Amerikadienst 20.04.1983</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="13808">
              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Reagans zum Bericht über den "Heißen Draht"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vorschläge des US-Verteidigungsministers zur Verringerung des Atomkriegsrisikos -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA streben friedliche Lösung in Mittelamerika an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung von Unterstaatssekretär Enders vor Senatsausschuss -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die PERSHING II-Rakete&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Richard Burt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Unterstaatssekretär für europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fünfzig Jahre amerikanisch-sowjetischer Dialog&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Arthur Hartman, Botschafter der USA in Moskau -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Internationale Konferenz in Atlanta befasst sich mit Bekämpfung des Drogenmissbrauchs&amp;nbsp;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
