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13. April 1983

INHALT

DOKUMENTATION
Botschafter Bennett:

Die NATO ist die echte Friedensbewegung

- Vortrag im Amerika Haus Stuttgart -

HINTERGRUNDMATERIAL
Erläuterungen zum INF-Vorschlag Präsident Reagans
Verteidigungssysteme auf der Basis von Strahlungsenergie
- Erläuterungen zu dem neuen Verteidigungskonzept
Präsident Reagans -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Schwertransport in den Weltraum
- US-Raumfähre CHALLENGER vom ersten Einsatz zurück
Roboter mit vielen Augen
- Fernerkundung aus dem Weltraum erleichtert
Entwicklungsprojekte -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�16

13. April 1983

BOTSCHAFTER BENNETT:

DIE NATO IST DIE ECHTE FRIEDENSBEWEGUNG

- Vortrag im Amerika Haus Stuttgart -

STUTTGART - (AD) - Der ständige Vertreter der Vereinigten Staaten im
Nordatlantikrat, Botschafter W. Tapley Bennett, Jr., hat am 12. April 1983
auf die Bedeutung einer engen Verbindung zwischen Amerika und Westeuropa hingewiesen, die vor einer Aggression aus dem Osten abgeschreckt und den Frieden
in der Nordatlantischen Gemeinschaft seit über einer Generation gesichert hat.
Die NATO, so sagte er in einem Vortrag im Amerika Haus Stuttgart, "ist die
echte Friedensbewegung unserer Zeit".
Die Ausführungen Bennetts haben folgenden Wortlaut:
Seit mehr als 35 Jahren - eine lange Zeit in diesem 20. Jahrhundert leben die Länder Westeuropas in Frieden und in Freiheit. Was immer es an
großen und kleinen Unruhen und Kriegen in anderen Erdteilen (seit 1945 waren
es ungefähr 150) sowie an Unterdrückung und Verletzung der Menschenrechte jenseits der Elbe gab, so erlebte man hier, im Herzen Westeuropas, eine Periode
von Freiheit und friedlicher Entwicklung ohnegleichen.
Ein junger

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Ein junger Journalist - er war etwas über 30 - fragte mich unlängst in
einem Interview:

"Was soll eigentlich all das Gerede über die NATO?

gab es schon immer.

Was ist denn so Besonderes an der NATO?"

seine Generation stimmt das:

Die NATO gab es schon immer.

ration haben immer in Frieden gelebt, weil es die NATO gibt.

Die NATO

Und für ihn und

Er und seine GeneWir hören in die-

sen Tagen viel von Friedensbewegungen; aber ich möchte Ihnen sagen, daß sich
die NATO als die echte Friedensbewegung unserer Zeit erwiesen hat.
Im Westen befinden wir uns heutzutage wieder einmal an einem Zeitpunkt
der Entscheidung.

In den Mitgliedsstaaten des Atlantischen Bündnisses geht

die Debatte darüber hin und her, was wir tun müssen, um den Frieden in Freiheit, den die NATO bis jetzt gesichert hat, weiterhin zu wahren.
Debatte ist in der NATO nichts Neues.

Eine solche

Seit ihrer Gründung ist die Strategie

des Bündnisses immer wieder ein Thema von Analysen und Argumenten gewesen.
Und so soll es auch sein.
Heute erfaßt diese Diskussion mehr Schichten unserer Gesellschaften,
mehr Menschen als je zuvor. Man kann leicht verstehen, warum dies so ist.
Angesichts der heutigen Herausforderung sind die Abschreckung vor einem Krieg
und der Schutz des Friedens dringender als je zuvor. Und es ist richtig und
gut, daß die Öffentlichkeit darauf hingewiesen wird. In unseren Demokratien
kann sich der Bürger nur durch Kenntnis der derzeitigen Weltlage, des Kräfteverhältnisses und der strategischen Erfordernisse ein vernünftiges, verantwortungsvolles Urteil bilden. Und der Bürger hat das Recht, von der politischen
Führung eine ständige, offene und ernsthafte Prüfung der Frage der Sicherheit
zu erwarten, die schließlich die Grundlage für alle anderen Aspekte unseres
Lebens bildet. Ohne grundlegende nationale Sicherheit kann kein anderer Bereich des nationalen Lebens wachsen und gedeihen. Eine Nation ohne Sicherheit
ist eine Nation ohne Stabilität - eine Nation ohne Zukunft unter eigener
Kontrolle. Verliert eine Nation ihre Sicherheit, dann verliert sie zugleich
alle anderen Aspekte ihres Lebens als Nation.
Die notwendige

- 2 -

�Die notwendige Diskussion von Sicherheitsfragen in der Öffentlichkeit
kann nur produktiv sein, wenn die Fragen genau definiert und objektiv angesprochen werden. Eine Debatte, die sich nur auf eine oder einige wenige Aspekte des Problems konzentriert und alle anderen Aspekte außer acht läßt,
wird nicht zur Einsicht der Öffentlichkeit führen, und ebenso wenig wird das
einer Diskussion gelingen, bei der es um Schlagworte und Emotionen statt um
Fakten geht - wie wir das heute oft bei der sogenannten Friedensbewegung erleben.

Die Abschreckungsstrategie der NATO
Es wird oft gesagt, daß die NATO ein Verteidigungsbündnis ist, und das
stimmt selbstverständlich. Die NATO häuft keine überflüssigen Waffen für Angriffskriege an; sie marschiert nicht in Nachbarländer ein, wie die Sowjetunion das in Afghanistan getan hat, und benutzt nicht die Androhung von Waffengewalt für politische Zwecke, wie die Sowjetunion es regelmäßig in der andauernden polnischen Krise getan hat. Die NATO hat immer wieder klar gemacht zum Beispiel in der Bonner Erklärung vom letzten Juni, beim Treffen der führenden Staatsmänner der NATO - daß sie ihre Streitkräfte nur zur Selbstverteidigung als Antwort auf einen Angriff einsetzen würde. Der Nordatlantikvertrag
verweist ausdrücklich auf Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen, der
die Selbstverteidigung gestattet.

Der Zweck des Zusammenschlusses im Bündnis bestand jedoch nicht lediglich darin,für den Fall eines Krieges eine stärkere Verteidigung zu sichern,
sondern in erster Linie den Ausbruch eines Krieges zu verhindern.
ist also im Grunde ein Abschreckungsbündnis.

Die NATO

Indem sie eine mächtige verein-

te Front bildet, hat die NATO wirksam vor einer Aggression gegen irgendeines
ihrer Mitglieder abgeschreckt, weil sie keinen Zweifel daran ließ, daß ein
Aggressor es mit der ganzen kollektiven Streitmacht des Bündnisses aufnehmen
muß und nicht ein Land nach dem anderen einzeln bedrohen kann.
Niemand, der

�r

Niemand, der mit der europäischen Geschichte, mit Geopolitik oder mit
der Koalitionstheorie vertraut war, hätte den außerordentlichen Erfolg der Abschreckungsstrategie der NATO in der Erhaltung des Friedens über mehr als drei
Jahrzehnte voraussagen können.
Ein Kontinent, der fast ständig Kriege erlebte, die in dem barbarischen
Blutbad zweier Weltkriege in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts gipfelten,
wurde zu einem der friedlichsten und stabilsten Gebiete der Erde.
Westeuropa, dem relativ engen und strategisch schwierigen, vom Meer umgebenen Anhängsel der eurasischen Landmasse - überschattet von der massiven
Größe und Stärke des neuen sowjetischen Imperiums -, ist es dennoch gelungen,
sich militärischer Sicherheit, politischer Freiheit und beispiellosen sozialen
und wirtschaftlichen Fortschritts zu erfreuen.
Die Verbindung zwischen Europa und Nordamerika, zunächst als Vereinbarung
in Kriegszeiten gegen Hitler und Mussolini gedacht, hat wiederholt Krisen und
Streitigkeiten überlebt und hat sich zum dauerhaftesten Bündnis souveräner Staaten in Friedenszeiten in der Geschichte entwickelt.
Das Grundziel der Abschreckungspolitik der NATO hat sich seit 1949 nicht
geändert. Es sind jedoch starke Änderungen in der Zusammensetzung der Streitkräfte und der militärischen Doktrin eingetreten, um den Veränderungen der Bedrohung des Bündnisses gerecht zu werden. Als das Bündnis gegründet wurde,
hatten beispielsweise die Vereinigten Staaten eine überwältigende Führungsstelle
bei Atomwaffen und Trägersystemen inne. Die Androhung einer atomaren Vergeltung wurde deshalb als eine wirksame Abschreckung an sich angesehen. Später,
als die Sowjets ihre Atomwaffen und Trägersysteme entwickelten, erkannte die
NATO, daß eine glaubwürdige Abschreckung nicht einzig und allein auf die Androhung atomarer Vergeltung gegründet werden könne. Es war jetzt vielmehr eine
Fähigkeit notwendig, auf einer Vielfalt von Ebenen antworten zu können, um die
Sowjets vor die Ungewißheit zu stellen, wie der Westen genau antworten würde
- aber vor die Gewißheit, daß die NATO auf eine Weise antworten könnte und würde,
die die Sowjets viel mehr kosten würde, als sie hoffen könnten, aus einer
- 4 -

�aus einer Aggression zu gewinnen.

Diese Strategie hängt von der Verbindung

der konventionellen, taktisch-nuklearen und strategisch-nuklearen Streitkräfte
der NATO untereinander ab. Sie erfordert als wesentlichsten Punkt die unlösbare Verkuppelung der Vereinigten Staaten und Europas, damit die Sowjetunion
nie die Hoffnung hegen könnte, einen Angriff gegen Europa allein richten zu
können.

Die Kritik an der NATO-Strategie
Die NATO-Strategie der flexiblen Antwort ist aus verschiedenen Richtungen angegriffen worden. Keiner dieser Angriffe hat jedoch je eine ernsthafte Alternative geboten, die die Sicherheit und die Freiheit des Westens bewahren würde.
Die Strategie wurde einmal von Leuten angegriffen, die die scheinbare
Klarheit und Automatik der Doktrin der massiven Vergeltung der fünfziger Jahre
vorzogen - und heute noch angeblich vorziehen -, nämlich die Doktrin: "Wenn
du diese Linie überschreitest, wirst du in Flammen aufgehen."

Diese Kritiker

argumentieren, daß es als ein Zeichen der Schwäche angesehen würde, wenn man
konventionelle oder Mittel Streckenoptionen überhaupt nur in Erwägung zöge.

Es

liegt jedoch heute für die meisten Beobachter auf der Hand, daß eine solche
vereinfachte Bedrohung nicht glaubwürdig ist. Die Abschreckung hängt vielmehr
von einer ununterbrochenen Kette von Kapazitäten ab, bei der die Stärke und
Wirksamkeit eines jeden Gliedes die ganze Kette stärkt und ihr Glaubwürdigkeit
verleiht.

Die Vereinigten Staaten spielen auf allen drei Ebenen ihre Rolle

mit über 300 000 Soldaten in Europa; mit der Unterstützung des Doppelbeschlusses
zur Modernisierung und Rüstungskontrolle der nuklearen Mittel Streckensysteme
sowie mit den Anstrengungen, die Überlebensfähigkeit und Wirksamkeit unserer
strategischen Vergeltungsstreitkräfte zu gewährleisten.

Alle anderen Mitglie-

der des Bündnisses haben ebenfalls ihre Rolle zu spielen.
Eine zweite

�Eine zweite Art von Kritik an der NATO-Strategie konzentriert sich auf
die physischen und moralischen Folgerungen des Einsatzes von Kernwaffen.

Diese

Kritiker stellen zurecht fest, daß die Gewalt der Kernwaffen ungeheuer ist und
ihr Einsatz zu massiven Verlusten führen könnte. Das Argument springt dann von
dieser unbestrittenen Tatsache zu der völlig unlogischen Schlußfolgerung, daß
eine Abschreckungsstrategie, zu deren Repertoire diese Waffen gehören, unmoralisch und unannehmbar sei. Dieses Argument läuft praktisch auf die Beschuldigung hinaus, daß unsere führenden Politiker gerne einen Atomkrieg hätten, was
natürlich einfach nicht stimmt. Wie Präsident Reagan schon oft unterstrichen
hat:

Niemand will den nuklearen Konflikt.

flikt muß verhütet werden.

Er muß verhütet werden. Jeder Kon-

Die Frage ist, ob es, wenn wir uns der Kernwaffen

entledigen, dazu beitragen würden,einen gewaltsamen Konflikt zu verhindern, oder
ob es ihn wahrscheinlicher machen würde. Angesichts des großen Übergewichts
der konventionellen Streitkräfte zugunsten der Sowjetunion, und angesichts des
Potentials der Sowjetunion auf der nuklearen Seite ist es offenkundig, daß Kernwaffen im Westen nötig sind, um eine wesentliche, stabilisierende Rolle zu spielen.

Die Entdeckung des Atoms kann nicht wieder rückgängig gemacht werden.

Wir müssen die Macht des Atoms weiterhin beherrschen und durch unsere Abschrekkungspolitik sie zwingen, dem Frieden zu dienen.
Eine dritte Art der Kritik arbeitet mit einem auf den ersten Blick mehr
ausgewogenen Argument. Statt auf Kernwaffen überhaupt zu verzichten, wollen
diese Kritiker einfach auf die Option der NATO verzichten, sie gegen einen
sowjetischen Angriff einzusetzen, wenn die Sowjets nicht selbst als erste Kernwaffen eingesetzt haben: Die "no first use"-Doktrin (Verzicht auf Ersteinsatz).
Nach dieser Auffassung sollte sich die NATO ausschließlich auf ihre konventionellen Streitkräfte verlassen, um vor einem konventionellen sowjetischen Angriff abzuschrecken und, wenn notwendig, ihn niederzuschlagen. Und sie sollte die notwendigen zusätzlichen Mittel aufbringen, um ihre konventionellen
Streitkräfte so weit aufzubauen, daß sie dazu in der Lage sind.
Es stimmt, daß man mehr tun kann und mehr tun sollte, um die konventionellen Streitkräfte der Allianz zu verbessern.

Im Westen entwickeln sich neue

Technologien, die neue konventionelle Waffensysteme in Aussicht stellen - 6 -

�Aussicht stellen - Systeme die, falls von der NATO eingeführt, die Strategie
der Vorneverteidigung viel glaubwürdiger machen würden.

Und wie General Rogers,

der Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte in Europa, erklärt hat, haben
die westlichen Verbündeten bestimmt die finanziellen Mittel, um solche Technologien zu vollenden und die daraufhin hergestellten konventionellen Waffen zu
kaufen.

Daraus folgt jedoch nicht, daß wir auf eine mögliche nukleare Option

verzichten können, denn ein solcher Verzicht würde in einem potentiellen Konflikt die Wahl der Strategie den Sowjets überlassen.

Er würde ihnen erlauben,

die Risiken einzuengen, die sie bei jeder Art von Aktion eingehen werden - sei
es eine ausgewachsene Invasion oder ein Schritt zur Erreichung eines begrenzten Zieles, wie etwa die türkischen Meerengen oder Berlin.

Und durch eine Sen-

kung der Risiken könnte eine solche Politik eine Entscheidung der Sowjets zu
militärischem Handeln begünstigen.
tärischen Handelns senken.

Sie würde dadurch die Schwelle des mili-

Wie wir in Afghanistan und anderswo erlebt haben,

hat die sowjetische Bereitschaft, militärisch einzugreifen, wenn die Risiken
gering zu sein scheinen, in den letzten Jahren zugenommen.

Die NATO darf sich

keine sich selbst einschränkenden Politik zulegen, die diese sowjetische Tendenz weiter stärken würde.
Alle Kritiker der Abschreckungsstrategie der NATO sind letztlich an dem
fundamentalen Erfordernis jeder ernsthaften geistigen Anstrengung gescheitert:
Sie haben keine wirksame und glaubwürdige Alternative geboten.

Ein hoher mo-

ralischer Anspruch und persönliche Aufrichtigkeit genügen allein nicht als
Grundlage für eine Sicherheitsstrategie.

Und ebensowenig

können das verein-

fachte Formeln, die mehr die Öffentlichkeit ansprechen als die Wirklichkeit
spiegeln.

Eine Strategie kann nur auf der Basis einer ernsthaften und ständig

auf dem neuesten Stand gehaltenen Prüfung der Lage beruhen.
Maginot-Linie

mußten diese schmerzliche Erfahrung machen.

Die Erbauer der
Und so ging es den

jungen Männern in England, die in den dreißiger Jahren beschlossen, nie mehr
für Gott und das Vaterland zu kämpfen - nur um sich ein Jahr später völlig unvorbereitet im Krieg zu befinden.

Im Atomzeitalter können wir uns solche Irr-

tümer und Illusionen nicht erlauben.
Trotz intellektueller

�Trotz intellektueller und praktischer Unzulänglichkeiten ist die öffentliche Kritik an Doktrin und Position der NATO leider oft in oberflächliche Rezepte für die Rüstungskontrolle umgesetzt worden, die, wenn sie tatsächlich
verwirklicht würden, außerordentlich gefährlich wären.

So gibt es beispiels-

weise Leute, die sich um die Aufrechterhaltung der nuklearen Abschreckung
nicht kümmern oder dagegen sind und die bei verschiedenen Gelegenheiten während der Diskussion über Mittel Streckensysteme darauf drängen, der Westen solle
den wiederholten sowjetischen Vorschlag eines Moratoriums hinsichtlich der
Dislozierung neuer nuklearer Mittel Streckensysteme annehmen - wobei sie schlicht
vergessen, daß dadurch die Sowjets über ein Monopol von Waffen dieser Art verfügen würden - die meisten davon in Richtung Westeuropa aufgestellt.

Heute haben

die Sowjets ungefähr 1300 nukleare Gefechtsköpfe auf landgestützten Mittelstrekkenraketen disloziert, von denen 1053 auf den modernen und mobilen SS-20-Raketen montiert sind,

(Jede SS-20-Rakete hat drei Gefechtsköpfe; bisher haben

die Sowjets 351 dieser Raketen disloziert, mit also insgesamt 1053 Gefechtsköpfen.) Weitere 248 Gefechtsköpfe auf den alten SS-4- und SS-5-Raketen der Sowjets
sind gegen Europa disloziert»
Als der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt im Herbst 1977 in seiner
Londoner Rede den Westen zum erstenmal vor den SS-20-Raketen warnte, vor dieser gefährlichen und destabilisierenden neuen sowjetischen Waffe, hatten die
Sowjets in dieser Zeit 27 Gefechtsköpfe disloziert. Im Dezember 1979 war die
Zahl der Gefechtsköpfe - jeder davon mit zwanzigmal der zerstörenden Kraft der
Hiroshima-Bombe - auf 450 gestiegen. Heute, im April 1983, sind es 1053. Die
NATO hat keine vergleichbaren Waffen.
Kein Wunder, daß sie den Vorschlag eines Moratoriums befürworten. Eine
so nachlässige Haltung unsererseits gegenüber den Realitäten würde jedoch die
Aussichten für Rüstungskontrolle untergraben, da die Sowjets keinerlei Anreiz
hätten, über eine Begrenzung oder einen Abbau ihrer Systeme zu verhandeln. Und
was am wichtigsten ist: Sie schwächt ernsthaft die Abschreckung vor einem Krieg,
weil dadurch eine stabile ausgewogene Lösung unmöglich wird.
Die gegenwärtige
- 8 -

�»

Die gegenwärtige Anstrengung der NATO
Im Mai 1982 wurde eine umfassende Studie über die Streitkräfte der NATO
und des Warschauer Paktes für die Öffentlichkeit freigegeben,

Es war das

erste Mal, daß die NATO einen so detaillierten Vergleich veröffentlicht hat.
Die Studie vergleicht die Mannschaftsstärke, die Kampfeinheiten, die Ausrüstung
der Landstreitkräfte, die Flugzeuge, die Flotten und die nuklearen Trägersysteme
beider Bündnisse.
ernüchternd.

Die Lehren, die wir aus diesem Dokument ziehen können, sind

Jeder hat schon immer vage Vorstellungen gehabt, daß die Sowjet-

union in Europa über größere Streitkräfte verfüge als die NATO. Aber wieviele
Leute wissen, daß das Verhältnis an konventionellem Großgerät

sich während der

letzten zehn Jahre, also während der Periode eben der Entspannung und RüstungskontrollVerhandlungen, wesentlich verschlechtert hat, daß das Verhältnis an
Panzern des Warschauer Paktes und an Panzern der NATO sich von 3:1 auf 4:1 zu
Ungunsten der NATO verschoben hat oder daß sich das Verhältnis bei der Artillerie von 2:1 auf 3:1 verschoben hat?

Diese Zahlen sind entmutigend.

Aber die NATO hat gezeigt, daß sie über Mittel und den politischen Willen
verfügt, das Nötige zu tun, um ein Gleichgewicht der Abschreckung aufrechtzuerhalten.

Auf der nuklearen Seite wird der NATO-Doppelbeschluß vom Dezember

1979 ein wichtiges Element des militärischen und politischen Vorteils der
Sowjets beseitigen, indem er entweder zum Abbau der vorhandenen sowjetischen
SS-20-, SS-4- und SS-5-Raketen durch Verhandlungen über eine Null-Option führt
- was wir ganz sicher vorziehen würden - oder zur Dislozierung eines militärischen Gegengewichts. Am liebsten würden wir diese ganze Gattung nuklearer
Waffen beseitigen, wenn die Sowjets schließlich ihre Zustimmung geben.
Bisher haben wir bei westlichen Vorschlägen für echte und praktische
Schritte zur Abrüstung schon so oft erlebt, daß die Sowjets nicht mitmachen.
Bis jetzt haben sie die Null-Lösung abgelehnt.
Wir haben nun, nach engen Beratungen und mit voller Unterstützung unserer
Verbündeten in der NATO, den sowjetischen Verhandlungsführern in Genf einen

- 9 -

�Genf einen neuen Vorschlag unterbreitet.

Wir sagten ihnen, daß wir bereit sind,

über ein Zwischenabkommen zu verhandeln und die Zahl unserer geplanten Dislozierungen zu verringern, wenn die Sowjets ihre entsprechenden Gefechtsköpfe auf
einen gleichen Stand reduzieren.

Unser Vorschlag für Null auf beiden Seiten

besteht natürlich weiter als unser Endziel. Gleichzeitig bleiben wir - wie
schon seit Beginn der Verhandlungen - für jeden ernsthaften Gegenvorschlag offen.
In einer Stellungnahme zu den Verhandlungen erklärte Präsident Reagan
in seiner Rede vom 31. März:

"Ich bedaure daß die Sowjetunion bisher nicht be-

reit war, die völlige Beseitigung dieser Systeme auf beiden Seiten zu akzeptieren.

Die Frage, die ich jetzt der sowjetischen Regierung stelle, ist, auf

welchen gleichen Stand sie zu verringern bereit ist, wenn sie nicht zur Beseitigung bereit ist."
Die sogenannten Friedensmarschierer - und ich benutze das Wort "sogenannte", weil ich keineswegs überzeugt bin, daß diese Gruppen wirklich dazu
beitragen, die Welt dem Frieden in Freiheit näherzubringen, ja,ich befürchte
sogar das Gegenteil - und die Grünen erklären uns laut, daß sie gegen alle
Atomwaffen seien. Warum demonstrieren sie dann nicht für die Null-Lösung?
Warum unterstützen sie nicht diese Friedensbemühung der NATO - die Beseitigung
einer ganzen Kategorie gefährlicher Kernwaffen - einen einfachen, direkten,
moralischen Vorschlag für echte Abrüstung? Warum unterstützen sie nicht wenigstens eine Zwischenlösung der Verringerung?
Diese Leute scheinen mehr besorgt zu sein wegen der Pläne für 572 NATOWaffen, die den Krieg verhindern und den Frieden für diese Generation bewahren sollen - Waffen, die noch nicht einmal produziert sind - als wegen der
doppelten Zahl von sowjetischen Waffen - weit über 1000 - nämlich der tödlichen
nuklearen Gefechtsköpfe auf den SS-20-Raketen, die bereits disloziert und genau auf die Straßen und Plätze gerichtet sind, auf denen sie demonstrieren gegen das Bemühen der NATO, den Frieden zu bewahren. Vergleichen wir doch
ihr Recht zu demonstrieren mit der Lage jenseits der Elbe. Das ist eben die
Freiheit - und der Frieden -, die wir verteidigen.
Die sehr
- 10 -

�Die sehr komplizierte Diskussion über die Strategie der Abschreckung
ist oft gekennzeichnet durch übermäßige Vereinfachung der Tatsachen und durch
Wunschdenken bezüglich der möglichen Ergebnisse von RüstungskontrollVerhandlungen.

Es ist daher angebracht, hier zwei Punkte klarzustellen, die in der

öffentlichen Debatte und in der Behandlung dieser Frage in den Medien offensichtlich sehr durcheinander gebracht werden.
Der erste ist jener Aspekt des NATO-Doppelbeschlusses vom Dezember 1979,
bei dem es um die Modernisierung der nuklearen Mittel Streckensysteme der NATO
geht. Ich möchte mit allem Nachdruck darauf hinweisen, daß es sich bei dieser
Entscheidung für eine Modernisierung um den Ersatz bestehender Verteidigungswaffen durch modernisierte und wirksamere PERSHING-Raketen und Marschflugkörper
handelt, für den Fall, daß ein Fehlschlag der Rüstungskontrollverhandlungen in
Genf dies notwendig macht. Es besteht kein Plan, auch nur eine einzige zusätzliche Waffe hinzuzufügen. Es handelt sich um Ersatz, nicht um zusätzliche
Waffen.
Zum Doppelbeschluß der NATO vom Dezember 1979 gehörte sogar die Verpflichtung, 1000 nukleare Gefechtsköpfe aus Europa abzuziehen.

Dieser Abzug ist be-

endet, aber auf den Plakaten der Friedensmarschierer sieht man leider keine
Anerkennung dieses Abbaus von Kernwaffen durch die NATO.

Müßte man das Moder-

nisierungsprogramm durchführen, dann hätte die NATO am Ende des Programms weniger Kernwaffen in Europa, als sie im Jahr 1976 hatte. Wir arbeiten an einem
Abbau der Kenrwaffen in Europa, keinem Aufbau.
Einen zweiten Punkt will ich klarstellen;
plan eventuell notwendiger Dislozierungen.

er bezieht sich auf den Zeit-

Durch die Debatte in der Öffent-

lichkeit und in den Medien könnte man leicht zu dem Schluß kommen, alle 572
modernisierten PERSHING-Raketen und Marschflugkörper würden plötzlich irgendwie herbeigezaubert, um dann zu Ende dieses Jahres fertig an Ort und Stelle zu
stehen.

Das stimmt einfach nicht, und es war auch nie so gedacht.

Der Ersatz

vollzieht sich - sollte er durch einen Fehlschlag in Genf notwendig werden im Rahmen eines FünfJahresprogramms.
sich um nur wenige Waffen.

Bei der ersten Dislozierung handelt es

Sollte dann später in Genf ein Abkommen erreicht
- 11 -

�Abkommen erreicht werden, würden weitere Dislozierungen der NATO in Übereinstimmung mit dem Abkommen gestoppt.

Spätere Stadien des Dislozierungsprogramms

werden vielleicht nie notwendig sein.

Es wäre zu hoffen, daß ein Abkommen so-

gar den Abzug von bereits stationierten Raketen möglich machen würde.
Wir dürfen nicht vergessen, daß es die Sowjetunion ist - und nicht der
Westen -, die darauf besteht, diese Klasse von nuklearen Mittel Streckenwaffen
beizubehalten.

Die NATO ist voll und ganz für den Abbau dieser Waffengattung.

Präsident Reagan hat angeboten, sich zu jeder Zeit und an jedem Ort mit Generalsekretär Andropow zu treffen, um ein Abkommen zu unterzeichnen, das diese Waffenklasse aus der Welt schaffen würde. Dieses Angebot von Präsident Reagan gilt
noch immer.
Ein weiteres Problem kompliziert das Verständnis der Öffentlichkeit:
Die falschen Informationen und die irreführenden Vorschläge, die die sowjetische Regierung dauernd in diesen Prozeß einbringt. Ein Beispiel dafür ist
Andropows Vorschlag vom 21. Dezember des vergangenen Jahres, der weit publiziert wurde und dessen Ziel es war, die Genfer Verhandlungen zu beeinflussen,
Er erweckte den Anschein, eine Beschränkung der sowjetischen SS-20-Raketen auf
162 - die Gesamtzahl der französischen und britischen Waffen dieses Typs - anzubieten. Zunächst einmal war das sowjetische Angebot äußerst vage; es enthielt zum Beispiel kein konkretes Versprechen, diese gefährlichen Waffen auch
tatsächlich zu zerstören. Mobile Waffen lediglich hinter den Ural zurückzuziehen bedeutet wenig: Dieselben mobilen Waffen könnte man zum Einsatz gegen
den Westen leicht wieder in ihre Stellungen zurückverlegen.
Außerdem gibt es zwei weitere, durchsichtige Fehlinformationen in
Andropows Vorschlag. Die französischen und britischen Waffensysteme sind zum
einen nicht Teil der bilateralen Genfer Verhandlungen zwischen der Sowjetunion
und den USA. Es handelt sich hier um Systeme, die sich Frankreich und Großbritannien letztlich für ihre eigene Verteidigung reservieren. Beide Länder
haben den Einschluß ihrer Systeme in die INF-Verhandlungen in Genf zurückgewiesen. Die Mitglieder der NATO sind - im Gegensatz zu den Staaten des

- 12 -

�Staaten des Warschauer Paktes - völlig souveräne Staaten.

Die Vereinig-

ten Staaten sind einfach nicht in der Lage, über das Eigentum anderer Staaten
zu verhandeln.

Die Russen wissen das genau.

Sogar wenn die Vereinigten Staaten in der Lage wären, Verhandlungen über
die französischen und britischen Waffen zu führen - was sie nicht sind -, enthält das sowjetische Angebot noch eine weitere Enttäuschung.

Wenn die Russen

nämlich vorschlagen, 162 französische und britische Raketen gegen 162 SS-20Raketen aufzuwiegen, so übersehen sie geflissentlich die Tatsache, daß die
meisten der französischen und britischen Raketen nur jeweils einen Gefechtskopf haben. Jede SS-20 aber hat drei Gefechtsköpfe. Laut Vorschlag Andropows
hätten die Sowjets durch diesen Handel also 486 Gefechtsköpfe gegen weniger als
300 britische und französische - und keinen einzigen für die NATO.

Keit schlech-

tes Geschäft für sie!
Noch ein Beispiel sowjetischer Taktik:

Vor fast genau einem Jahr, am

15. März 1982, kündigte Generalsekretär Breschnew ein Moratorium bei der weiteren Dislozierung von SS-20-Raketen an. Disloziert hatten die Russen zu jenem Zeitpunkt etwa 900 SS-20-Gefechtsköpfe.

Jetzt, am 12. April 1983, beträgt

die Anzahl der sowjetischen SS-20-Gefechtsköpfe über 1050. Soviel über das
sowjetische Versprechen, mit ihrer Dislozierung von SS-20-Raketen aufzuhören und all dies fand zur gleichen Zeit statt wie die INF-Verhandlungen in Genf.
Die Sowjets rufen ein Moratorium aus, aber fahren mit der Dislozierung der
SS-20-Raketen fort - und rufen dabei immer wieder nach Abrüstung.
Auf ihrem jüngsten Treffen in Portugal, sagten die Verteidigungsminister
der NATO am 23. März folgendes über die sowjetische Verhandlungsposition in
Genf:

"Die sowjetischen Vorschläge haben sich seit dem Verhandlungsbeginn

grundsätzlich nicht geändert. Tatsächlich hätte der jüngste Vorschlag der
Sowjetunion folgende Konsequenzen.

Er würde der Sowjetunion mehr SS-20-Raketen

lassen, als sie bei Beginn der Verhandlungen hatte; er würde der NATO das Recht
verwehren, ihr Potential zur Abschreckung dieser Bedrohung zu modernisieren;
er würde der Sowjetunion eine unbegrenzte Zahl von mobilen SS-20 ostwärts
des Ural

erlauben, die weiterhin NATO-Europa bedrohen würden; und er würde

fast alle Flugzeuge der Vereinigten Staaten vom europäischen Kontinent ver- 13 -

�Kontinent verbannen, die für die konventionelle Verteidigung der NATO unentbehrlich sind.

Das Ergebnis wäre, daß das sowjetische Monopol bei den land-

gestützten INF-Flugkörpern größerer Reichweite aufrechterhalten bliebe, die
Koppelung zwischen dem strategischen Abschreckungspotential der Vereinigten
Staaten und der Verteidigung NATO-Europas ernsthaft untergraben und das langfristige sowjetische Ziel der Spaltung des Bündnisses gefördert würde."
Die heutige Debatte enthält eine Gefahr.

Es besteht das Risiko, daß das

viele Diskutieren über technische Einzelheiten bei Rüstung und Rüstungskontrolle
- wie Abschußeinrichtungen, Raketen, Gefechtsköpfe und ähnliches - die zentrale
Frage zur Nebensache macht.
nicht geändert.

Diese Frage aber hat sich seit einer Generation

Es geht um das anhaltende sowjetische Bemühen, einen Keil

in die westliche Einheit zu treiben und Amerika von Europa zu trennen.

Die

Sowjetunion, die neue und gefährliche Raketen mit dem Ziel disloziert hat,
Westeuropa einzuschüchtern, versucht jetzt, die Verbindung zwischen den Vereinigten Staaten und ihren NATO-Verbündeten zu zerbrechen - unsere Sicherheit
abzutrennen, um dadurch unsere Freiheit umso leichter anzugreifen.
Das sowjetische Endziel in Europa ist, die Länder Westeuropas zu zwingen, sich dem sowjetischen Interesse zu sowjetischen Bedingungen zu fügen.
Wir alle wissen, wie diese Bedingungen aussehen.

Wir brauchen nur auf die Ge-

biete jenseits der Elbe zu blicken - oder auf die Mauer, die das Herz von
Berlin durchschneidet.

Sie, liebe Zuhörer, werden als Deutsche die sowje-

tischen Bedingungen besser verstehen als viele andere.
Es ist die Verbindung zwischen Amerika und Westeuropa - die Einheit
des Westens - die vor einer Aggression aus dem Osten abschreckt und den Frieden in der nordatlantischen Gemeinschaft seit über einer Generation gesichert
hat. Die NATO ist die echte Friedensbewegung unserer Zeit.
Wie wir wissen, hat der Frieden seinen Preis - keinen niedrigen Preis.
Dean Rusk, Außenminister unter den Präsidenten Kennedy und Johnson, hat darauf hingewiesen:

Die Freiheit gibt es nicht umsonst.

- 14 -

Wir im Westen sind

�Westen sind bereit, einen hohen Preis zu zahlen, um den Frieden mit Freiheit
zu sichern - damit wir uns weiterhin der großen Aufgabe widmen können, eine
bessere Welt für uns und unsere Kinder zu schaffen.

+ + + + +

15

�16

13. April 1983

ERLÄUTERUNGEN ZUM INF-VORSCHLAG PRÄSIDENT REAGANS

WASHINGTON - (AD) - Im Zusammenhang mit der Erklärung des amerikanischen
Präsidenten vom 30. März 1983 über die neue INF-Initiative der Vereinigten
Staaten veröffentlichte das amerikanische Außenministerium folgende Erläuterungen.

Der Präsident kündigte am 30. März 1983 an, daß die Vereinigten Staaten
in Genf einen neuen Vorschlag für ein Zwischenabkommen vorgelegt haben, demzufolge die Vereinigten Staaten ihre geplante Dislozierung von PERSHING II-Raketen und landgestüzten Marschflugkörpern um ein Beträchtliches reduzieren würden, vorausgesetzt, die Sowjetunion verringert die Anzahl ihrer Waffen bei den
INF-Raketen größerer Reichweite auf weltweit gleichen Umfang. Die Vereinigten
Staaten sehen in diesem Vorschlag einen ernsthaften ersten Schritt in Richtung
auf eine vollständige Beseitigung dieser Waffenklasse und hoffen, daß sich die
Sowjetunion dieser unserer Ansicht anschließt.
Im Dezember 1979 kamen die NATO-Staaten in einem Doppelbeschluß hinsichtlich der Problematik nuklearer Mittel Streckensysteme (INF) zu einer Einigung.
In Reaktion auf die zunehmende Bedrohung durch sowjetische INF-Systeme - insbesondere die Dislozierung der neuen sowjetischen SS-20-Raketen - kamen die
Verbündeten überein, 108 PERSHING II-Raketen und 464 landgestützte Marschflug-

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�landgestützte Marschflugkörper (GLCM) in Europa zu dislozieren.

Gleichzeitig

drängten die Verbündeten auf Rüstungskontroilanstrengungen, um diese und vergleichbare sowjetische INF-Raketensysteme zu begrenzen.

Am 18. November 1981 unterbreitete Präsident Reagan nach entsprechenden
Konsultationen innerhalb des Bündnisses einen weitreichenden Vorschlag als
Grundlage der amerikanischen Position bei den INF-Verhandlungen, die am 30.
November 1981 begannen.

Dieser Vorschlag forderte die völlige Beseitigung

der gesamten Klasse amerikanischer sowie sowjetischer landgestützter, weitreichender INF-Raketen - mit anderen Worten:
auf beiden Seiten.

Keinerlei Raketen dieses Typs

Die Vereinigten Staaten sind auch weiterhin der Überzeu-

gung, daß dies das beste und moralischste Ergebnis dieser Verhandlungen wäre.
Dadurch würde sowohl die Sicherheit des Ostens als auch die des Westens erhöht
werden.

Leider unterscheidet sich die sowjetische Haltung in diesen Verhandlungen hiervon sehr.

Die Sowjets weigerten sich bislang hartnäckig, unseren

"Null-Null"-Vorschlag ernsthaft in Erwägung zu ziehen oder mit einer anderen
annehmbaren Alternative zu kommen.

Die sowjetische Position in diesen Ver-

handlungen würde das derzeitige Monopol der Sowjetunion bei diesen Waffen erhalten.

Ihrem jüngsten Vorschlag zufolge würden die Sowjets weiterhin über

486 Gefechtsköpfe auf 162 SS-20-Raketen allein in Europa verfügen, während
die Vereinigten Staaten keine einzige Rakete hätten.

Hunderte von Gefechts-

köpfen auf sowjetischen SS-20-Raketen im Fernen Osten würden keinerlei Begrenzung erfahren.

Das Urteil der NATO über die derzeitige sowjetische Position in Genf
spiegelt sich im Kommunique der Verteidigungsminister der NATO wider, das am
23. März im Anschluß an ihr jüngstes Treffen in Portugal veröffentlicht wurde:

"Im Widerspruch zu kürzlich aufgestellten Behauptungen sowjetischer
Führer haben sich die sowjetischen Vorschläge seit dem Verhandlungsbeginn grundsätzlich nicht geändert.

- 2 -

Tatsächlich hätte der jüngste

�der jüngste Vorschlag der Sowjetunion folgende Konsequenzen.

Er

würde der Sowjetunion mehr SS-20-Raketen belassen, als sie bei Beginn der Verhandlungen hatte; er würde der NATO das Recht verwehren, ihr Potential zur Abschreckung dieser Bedrohung zu modernisieren; er würde der Sowjetunion eine unbegrenzte Zahl von mobilen
SS-20 ostwärts des Ural

erlauben, die weiterhin NATO-Europa be-

drohen würden; und er würde fast alle Flugzeuge der Vereinigten
Staaten vom europäischen Kontinent verbannen, die für die konventionelle Verteidigung der NATO unentbehrlich sind.

Das Ergebnis

wäre, daß das sowjetische Monopol bei den landgestützten INF-Flugkörpern größerer Reichweite aufrechterhalten bliebe, die Koppelung
zwischen dem strategischen Abschreckungspotential der Vereinigten
Staaten und der Verteidigung NATO-Europas ernsthaft untergraben
und das langfristige sowjetische Ziel der Spaltung des Bündnisses
gefördert würde."
Der neue amerikanische Vorschlag wurde nach umfangreichen Konsultationen
mit unseren NATO-Verbündeten und nach Gesprächen mit anderen Freunden, einschließlich Japans, unterbreitet.

Er wurde am 29. März auf der Abschlußsit-

zung dieser Verhandlungsrunde überreicht.

Bei Vorlage dieses Vorschlages

forderten die Vereinigten Staaten die Sowjetunion auf, ihn während der Verhandlungspause sorgfältig in Erwägung zu ziehen,und machten den Vorschlag,
daß die Delegationen ihre Verhandlungen um einige Wochen eher als vorher geplant wieder aufnehmen sollten.

Die Sowjets haben sich zu einer Wiederauf-

nahme am 17. Mai bereiterklärt.
Der neue amerikanische Vorschlag wird den Kriterien gerecht, die der
Präsident für ein Abkommen festgelegt hat:
- Gleiche Rechte und Beschränkungen für die Vereinigten Staaten und die
UdSSR;
- keine Kompensation

�- keine Kompensation für die Waffen von Drittländern;
- weltweite Höchstgrenzen;
- keine negativen Auswirkungen auf die konventionelle Verteidigungskapazität der NATO; und
- wirksame Maßnahmen zur Verifizierung.
Bei den weiteren Diskussionen über diesen Vorschlag werden die Vereinigten Staaten wie bisher so flexibel wie möglich sein, um in Genf zu einem Abkommen zu gelangen, das den oben genannten Kriterien gerecht wird.
Die Vereinigten Staaten sehen den neuen Vorschlag als einen Zwischenschritt in Richtung auf die vollständige Beseitigung der amerikanischen wie
sowjetischen landgestützten INF-Raketensysteme größerer Reichweite an.

Soll-

te ein Zwischenabkommen erreicht werden, so sind die Vereinigten Staaten der
Meinung, daß diese Verhandlungen mit dem Ziel fortgesetzt werden sollten, die
vollständige Beseitigung dieser Systeme zu erreichen.

Mit der Unterbreitung

dieser neuen Initiative bleibt der derzeitige amerikanische Vorschlag für eine
Beseitigung der gesamten Klasse landgestützter INF-Raketen größerer Reichweite
in Genf auf dem Verhandlungstisch.

Die Vereinigten Staaten sind nach wie vor

der Überzeugung, daß keine Raketen auf beiden Seiten das beste Ergebnis dieser
Verhandlungen wären.

+ + + + +

- 4-

�13. April 1983

16

VERTEIDIGUNGSSYSTEME AUF DER BASIS VON STRAHLUNGSENERGIE
Erläuterungen zu dem neuen Verteidigungskonzept Präsident Reagans

- (AD) - Zu dem von Präsident Reagan angekündigten neuen Forschungsund Entwicklungsprogramm für Abwehrsysteme gegen ballistische Waffen gehört
u.a. die Entwicklung von Defensivwaffensystemen mit sogenannter "gerichteter
Energie".

Die beiden wichtigsten Formen gerichteter Energie sind Laser- und

Partikel strahlen hoher Energiedichte.
Bei den Laserstrahlen handelt es sich um Wellen aus dem sogenannten
optischen Bereich des von Funkwellen bis zur Gammastrahlung reichenden elektromagnetischen Spektrums, dem Frequenzen vom Infrarot bis zum Ultraviolett
zugeordnet werden. Nach heutigem Verständnis ist "Licht" sowohl als Korpuskularstrahlung wie als Strahlung mit Wellencharakter zu definieren.
Den Laserstrahl kennzeichnet eine spezielle Form der Ausbildung elektromagnetischer Wellen:

Die als Energieträger fungierenden Lichtquanten

(Photonen) schwingen in gleicher Phase.

Daraus ergeben sich Wellen gleicher

und "reiner"Frequenz, die sich nicht überlagern und somit frei sind von Interferenzen.

Das Licht ist "kohärent", in einem scharf gebündelten Strahl

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�gebündelten Strahl konzentriert und im Strahlquerschnitt außerordentlich
energiereich.
Laser ist ein Kunstwort, gebildet aus den Anfangsbuchstaben von "Light
Amplification by .Stimulated Emission of Radiation", d.h. Lichtverstärkung
durch induzierte Emission von Strahlung.

Ein Lasergerät ist ein Generator,

der Licht erzeugt, welches im Weltraum kaum gestreut wird und blitzartig
riesige Entfernungen überwindet.

Und wie sein Vorläufer, der Maser (d.h. Ver-

stärkung von - niedriger frequenten - Mikrowellen durch induzierte Emission
von Strahlung), ist er geeignet, elektromagnetische Strahlung um ein Vielfaches
zu verstärken.

Beim Laser geschieht dies durch direkte Wechselwirkungen mit

fester, flüssiger oder gasförmiger Materie.
Photonen bewegen sich im Vakuum mit fast 300 000 km pro Sekunde - der
größten in der Natur zu beobachtenden Geschwindigkeit.

Diese Lichtgeschwin-

digkeit verringert sich infolge Streuung oder Brechung beim Durchgang durch
ein Medium, z.B. die irdische Atmosphäre, und Absorptionsprozesse schwächen
dabei die Intensität des Lichts. Photonen haben keine Ruhemasse - im Gegensatz zu den Energieträgern von Partikelstrahlen wie Elektronen, Protonen
oder Ionen, die außerdem elektrische Ladung besitzen.

Wenn solche Partikel-

strahlen hohe Energie gewinnen sollen, müssen sie beschleunigt werden, wie
es z.B. in Teilchenbeschleunigern mit Hilfe von Magnetfeldern geschieht. Dabei werden Werte erreicht, die der Lichtgeschwindigkeit sehr nahe kommen.
Die große Fortbewegungsgeschwindigkeit bedeutet, daß der Laser- oder
Partikel strahl einer Abwehrwaffe - im letztgenannten Fall vorzugsweise Elektronenstrahl - sein Ziel blitzartig und nahezu augenblicklich erreicht.
überwindet 1000 Meter in einer 3,7-millionstel Sekunde.

Er

Ein mit doppelter

Schallgeschwindigkeit fliegender feindlicher Bomber käme in dieser Zeit kaum
mehr als 2 Millimeter voran.

Selbst eine mit sechsfacher Schallgeschwindig-

keit sich bewegende Feindrakete hätte, bis ein in 1600 km Entfernung ausgelöster Laserblitz sie träfe, höchstens 2,7 Meter zurückgelegt.
Da die

�Da die Strahlung von Laserwaffensystemen von der Erdanziehungskraft praktisch unbeeinflußt bleibt, könnte sie mit extremer Präzsion auf Ziele gerichtet
werden und diese mit großer Genauigkeit treffen.

Wenn solche Abwehrwaffen-

systeme erst einmal voll entwickelt sind, wäre es möglich, selbst aus einer
Gruppe nicht-feindlicher Objekte einzelne, sich dazwischen bewegende Feindobjekte herauszusuchen und zu vernichten.

Auch könnte man davon ausgehen, eine

große Zahl von Ziel Objekten vernichten zu können, selbst wenn diese aus allen
Richtungen kämen.
Für jeden "Schuß" mit einem Laser- oder Partikel strahl wird verhältnismäßig wenig "Brennstoff" verbraucht, weshalb in einem Waffensystem eine Vielzahl von "Schüssen" gespeichert werden könnte. Da außerdem der Laserstrahl
durch bewegliche Spiegel gesteuert würde, wäre durch ein solches Waffensystem
die Möglichkeit gegeben, über einen weiten Sichtbereich hinweg rasch hintereinander ein Feindobjekt nach dem anderen abzuwehren.
Im Weltraum hätten Laserstrahlen nahezu unbegrenzte Reichweite. In geringeren Höhen über der Erde würden sie jedoch, wie jedes Licht, durch Wolken
und Nebel gestreut und mehr oder weniger stark absorbiert. Partikel strahlen
wiederum würden vom Erdmagnetfeld und der Gravitation beeinflußt. Jedoch soll
es bereits Forschungs- und Entwicklungsprojekte für Partikel strahl-Waffensysteme mit Wasserstoffgas geben, bei denen diese Einflüsse weniger problematisch wären.
Eine militärische Laserstation im Weltraum könnte gegnerische Raketen
großer Reichweite schon während ihres Aufstiegs ausmachen und vernichten. Sie
besäße eine wesentlich größere Effektivität als jedes bodengestützte Abwehrsystem. Ein Laserstrahl muß sein Zielobjekt mit höchster Präzision erfassen,
aber auch lange genug im Visier behalten, um sich durch die Hülle zu brennen
und wesentliche Teile wie das Leitsystem zu zerstören oder den Gefechtskopf
oder Treibstoff zur Explosion zu bringen. Ein mit hoher Geschwindigkeit auf
das Ziel auftreffender Partikel strahl würde die Metall hülle durchdringen und
dabei einen großen Teil seiner Energie auf das Zielobjekt übertragen. Zu Beginn

- 3 -

�Zu Beginn würde die Elektonik funktionsunfähig werden, dann würden - infolge
der Energieübertragung - Treib- und Explosivstoffe gezündet und Zerstörungen
am Raketenkörper verursacht.
Obgleich solche Abwehrsysteme noch nicht existieren, halten es Forscher
in privaten und regierungseigenen Instituten offenbar für möglich, daß ihre
Entwicklung in 20 bis 25 Jahren durchführbar wäre.

+ + + + +

�16

13. April 1983

SCHWERTRANSPORT IN DEN WELTRAUM
US-Raumfähre CHALLENGER vom ersten Einsatz zurück

- (AD) - Beim Einschweben über Kalifornien von den Kameras zunächst als
dunkler Schatten erfaßt, rollte wenig später eine leuchtend weiße CHALLENGER
auf der für sie vorgesehenen Betonpiste des Edward-Luftstützpunktes in der
Mojavewü'ste aus. Der erste Weltraumeinsatz der amerikanischen Raumfähre
Nummer Zwei war kurz vor Vollendung der 81. Erdumrundung am 9. April 1983
um 20.54 Uhr MEZ nach fünf Tagen, 23 Minuten und 42 Sekunden beendet.
Kommandant Paul Weitz brachte den Raumgleiter schon ca. 2 000 Meter nach
dem Aufsetzen auf der Rollbahn zum Stehen. Er und Kopilot Karo! Bobko sowie
die beiden Missionsspezialisten Story Musgrave und Donald Peterson wurden
begeistert empfangen. Am Ende des nächsten Fluges, der für Mitte Juni vorgesehen ist, soll CHALLENGER als erster Raumtransporter auf einer neu angelegten,
4,8 km langen Betonbahn nahe dem Startplatz auf dem Kennedy-Raumfahrtzentrum
in Florida landen.
Experten der NASA (US-Amt für Luft- und Raumfahrt) äußerten sich außerordentlich befriedigt über den Verlauf und die bisher zu übersehenden Ergebnisse der Mission, die sich wegen der beim Durchprüfen entdeckten technischen
Mängel um mehr als zwei Monate (vom 20. Januar bis 4. April) verzögert hatte.

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�verzögert hatte. Mit der Lösung eines Problems sind allerdings Ingenieure
in der neuen Bodenstation White Sands (New Mexico) noch beschäftigt: Es
geht um das weitere "Anheben" des von der CHALLENGER-Besatzung im Weltraum
abgesetzten TDRS-Nachrichtensatelliten auf eine Kreisbahn, die in
ca. 36 000 km Höhe über dem Äquator liegt, und schließlich um das Einsteuern
des 2,2 Tonnen schweren Roboters auf seinen vorgesehenen Standort über der
Nordostspitze von Brasilien.
Das Absetzen dieses neuartigen Nachrichtensatelliten etwa zehn Stunden
nach dem Start war eine der wichtigsten Aufgaben beim Unternehmen STS-6.
TDRS ("Tracking and Data Relay Satellite" - Satellit für Bahnbeobachtung
und Datenübermittlung) ist das erste Gerät eines Dreiersystems, das für den
Funkverkehr mit bemannten Raumschiffen eine Reihe von Bodenstationen rund um
die Erde überflüssig macht und die Kontaktmöglichkeiten mit der Besatzung
von 15 auf über 80 Prozent der für einen Erdumlauf benötigten Zeit erweitert.
Außerdem können TDRS-Satelliten die Daten von 40 unbemannten Satelliten
abfragen und Funkbefehle an sie übermitteln, wobei 26 Satelliten gleichzeitig "bedient" werden.

Der gesamte Funkverkehr läuft, wenn das mit

2,2 Milliarden Dollar entwickelte System erst einmal komplett ist, über
die Hauptstation White Sands mit ihren mehr als 400 Mitarbeitern.

Die

Projektwissenschaftler und Techniker für die in das System einbezogenen
unbemannten Satelliten erhalten so ständigen Kontakt mit "ihrem" Gerät und
brauchen nicht zu warten, bis es wieder in Sichtweite einer Bodenstation
kommt.
- Dramatische Rettungsaktion Die Aufregung war groß, als etwa sechs Stunden nach dem problemlosen
Absetzen von TDRS plötzlich der Funkkontakt mit dem Nachrichtensatelliten
abriß. Für die Funkbefehle zur Aktivierung seiner beiden Antriebsstufen
(IUS, Gewicht ca. 15 Tonnen) war eine Bodenstation der US-Luftwaffe in
Kalifornien zuständig. Die erste Stufe hatte normal gezündet. Jetzt sollte

- 2 -

�Jetzt sollte die Oberstufe zum zweiten Mal gezUndet werden, um den
Satelliten aus seiner elliptischen Aufstiegsbahn in die kreisförmige
Umlaufbahn in 36 000 km Höhe zu bringen.
Die Leute in White Sands setzten das für diesen Fall (wie für alle
erdenklichen anderen Störfälle) vorbereitete Rettungsprogramm in Gang.
Als erstes mußte festgestellt werden, ob die Oberstufe des IUS-Systems
Liberhaupt ein zweites Mal gezündet hatte und abgesprengt worden war.
Das Kontroll personal schickte "blind" Funksignale ins All, um zu versuchen,
die Verbindung mit dem Satelliten wieder aufzunehmen und seine Position zu
ermitteln.

Darüber verging nur kurze Zeit - "aber es war, als hätte es

Stunden gedauert", meinte George Harris, Flugdirektor für TDRS in White
Sands.

Ergebnis der Sondierung: Der Satellit war ins Taumeln geraten.

Auch dafür war eine über Funkbefehle zu bewerkstelligende "Kur" vorbereitet.

Es gelang den Satelliten zu stabilisieren, seine Sonnenenergie-

Kollektoren (Leistung: 1700 Watt) auszufahren, die Tests mit den drei verschiedenen Antennen durchzuführen, ihn auf Herz und Nieren durchzuprüfen,
und schließlich seine Position zur Sonne

zu fixieren.

Bei diesen

Operationen wurde das Team in White Sands von Kollegen im Goddard Space
Flight Center in der Nähe von Washington unterstützt.

Ein Rätsel ist nach

wie vor die Ursache der Störung im IUS-System, die dafür verantwortlich ist,
daß dem bisher größten Nachrichtensatelliten der Welt, der im geostationären
Orbit in 36 000 km Höhe ca. 10 Jahre lang arbeiten soll, etwa 640 km an
Höhe fehlen.
Gegenwärtig wird mit Hilfe seiner Steuerungsdüsen, die eigentlich nur
für Positionskorrekturen im Orbit gedacht sind, versucht, ihn allmählich
doch noch in die vorgesehene Bahn zu bringen.

Harris schätzt, daß darüber

Tage, vielleicht sogar ein paar Wochen vergehen und von den 585 kg flüssigen
Hydrazintreibstoff an Bord etwa 405 kg verbraucht werden.

- 3 -

Der verbleibende

�Der verbleibende Treibstoff dürfte dennoch ausreichen, um die auf zehn
Jahre angesetzten normalen Operationen durchzuführen.

Bei ihrem über-

nächsten Flug (STS-8) soll CHALLENGER den zweiten Schwertransport vornehmen.

Das Gesamtgewicht der 11 m langen Kombination TDRS-IUS beträgt

immerhin 18 Tonnen.

Für TDRS-2 ist ein Standort über Hawaii vorgesehen.

- Astronauten an der Leine Am vierten Flugtag (7. April) unternahmen Musgrave und Peterson eine
Exkursion. Mit den neuentwickelten Schutzanzügen hielten sie sich drei
Stunden und vierzig Minuten außerhalb der Druckkabine auf - verrichteten
Arbeiten mit und ohne Werkzeug, inspizierten die 18 m lange offene Ladebucht, wo der TDRS-Satellit verstaut war, und einen Teil der Außenwände
ihres Raumtransporters, über Rollen laufende 15 m lange Sicherungsleinen
am Rand der Ladebucht, an denen sie angehakt waren, bewahrten sie vor dem
Abdriften in der Schwerelosigkeit.
Vier Fernsehkameras an der CHALLENGER, dazu je eine am Schutzhelm
montierte Minikamera, übertrugen den Verlauf der Exkursion, zeigten gestochen scharf die Bewegungen der Astronauten. Aus der Druckkabine filmte
und fotografierte Kopilot Bobko den Ausflug der beiden. Er diente der
gründlichen Erprobung der (im Vergleich zu den zuletzt vor neun Jahren im
APOLLO- und SKYLAB-Programm benutzten) leichteren und sehr viel mehr
Bewegungsfreiheit gebenden Schutzanzüge. Sie sollen eine Lebensdauer von
mindestens 15 Jahren haben. Jeder hat im Tornister Vorräte an Sauerstoff,
Batteriestrom und Kühlmittel für einen Außenaufenthalt von sieben Stunden.
Der 112 kg schwere, 2,15 Millionen Dollar teure Anzug mit gut beweglichen
Hand-, Finger-, Ellbogen, Knie- und Fußgelenken besteht aus mehreren, teilweise auch aluminisierten Schichten von Teflon, Nylon, Polyurethan und
anderen Kunstfasern. Der Innendruck beträgt nur knapp ein Viertel des in
der Raumtransporterkabine herrschenden Normaldrucks. Und während dort die

- 4 -

�dort die Astronauten Luft einer an der Erdoberfläche üblichen Zusammensetzung
atmen, gibt es im Schutzanzug nur reinen Sauerstoff.

Dies erforder vor allem

vor der Exkursion ein Umstellen des Organismus auf Sauerstoffatmung, wobei
im mehrstündigen Aufenthalt in einer Luftschleuse das Blut von Stickstoff
frei gemacht werden muß.
Im Schutzhelm gibt es einen kleinen Beutel mit Trinkwasser, dazu mit
dem Mund leicht zu erreichende Happen mit Trockenfrüchten.

Jeder Raumanzug,

von dem aus auch ständiger Funksprechverkehr mit der Pilotenkabine geführt
wird, hat seinen eigenen Mikroprezessor-Computer, der alle lebenswichtigen
Funktionen überwacht. Stimmt etwas nicht, alarmiert er sofort den Träger
und kann auch Anweisungen zur Korrektur eines Problems geben.

Der erste

"Großeinsatz" für die neuen Raumanzüge ist beim Flug STS-13 im April 1984
vorgesehen, wenn ein 1980 gestarteter, nicht mehr voll funktionsfähiger
Satellit zur Sonnenbeobachtung repariert werden soll.
- Wichtige Neuerungen Die Raumfähre CHALLENGER ist um mehr als 1,1 Tonnen leichter als das
Schwesterschiff COLUMBIA!

Die Schleudersitze für den Notfall in der Start-

phase wurden samt Schienen entfernt, ebenso eine Anzahl von Testinstrumenten.
Außerdem hat der große Außentank 4,5 Tonnen weniger Gewicht, ebenso wurden
die beiden großen Feststoffraketen um 1,8 Tonnen "erleichtert". Gleichzeitig ist die Motorleistung der Haupttriebwerke vier Prozent größer als
bei der COLUMBIA.

Dadurch wurde die Aufnahmekapazität der COLUMBIA für

Nutzlasten erheblich vergrößert.
- Wissenschaftliches Programm Das schon seit einigen Raumfährenflügen laufende Elektrophorese-Projekt
zur Erprobung von Verfahren für die Gewinnung hochreiner Medikamente und
Impfstoffe in Schwerelosigkeit wurde fortgesetzt.

- 5 -

Dabei handelt es sich um

�sich um ein Gemeinschaftsunternehmen der Firmen McDonnell Douglas Aeronautics
Company und Ortho Pharmaceutical Corporation.

Drei biologische Substanzen -

Albumin, Blut und eine Blutzellenkultur - werden im elektrischen Feld bei
sogenannter Mikrogravitation getrennt. Der erzielte Reinheitsgrad ist um
ein Vierfaches höher, als er unter den an der Erdoberfläche herrschenden
Bedingungen erreicht werden kann. Außerdem ist nach bisherigen Erfahrungen
die Mengenkapazität für eine Verarbeitung im Weltraum 5000 Mal größer.
Auch die Experimente zur Herstellung einheitlich winziger Latex-Kügelchen
als Träger für bestimmte Substanzen in Medikamenten liefen beim Flug STS-6
weiter - ein Gemeinschaftsversuch von Wissenschaftlern der NASA und der
Lehigh-Universität.
Die Astronauten machten Fotos von Blitzen und Gewittern als Beitrag
zur Verbesserung von Wettersensoren in Satelliten und zur Verbesserung der
Wettervorhersage. Bei einem der drei "Getaway-Specials" (genormte Kanister
mit Experimenten von NASA-Kunden) ging es um uas Sammeln von Erfahrungen
über die Einwirkung von Schwerelosigkeit, Temperaturveränderungen und
kosmischen Strahlung auf 46 verschiedene Arten von pflanzlichen Samen ein Experiment der Fa. George W. Park Seed Company, das für die Gebühr
von 3 000 Dollar mitgenommen wurde. Am 19. April, wenn CHALLENGER nach
Florida zurücktransportiert wird, ist auch der Kanister an Bord, um von
der Fa. Park in Empfang genommen zu werden. Die Samen sollen sofort eingesetzt, ihr Keimen und das Wachsen der Pflänzchen vor allem unter dem
Gesichtspunkt von möglichen Mutationen,beschleunigtem oder verzögertem
Wachstum beobachtet werden.

+ + + + +

�16

13. April 1983

ROBOTER MIT VIELEN AUGEN
Fernerkundung aus dem Weltraum erleichtert Entwicklungsprojekte

- (AD) - Mindestens 45 Entwicklungsländer machen von der Beobachtung
und Fernerkundung ihres Gebietes durch amerikanische LANDSAT-Satelliten Gebrauch.

Dem ersten im Jahr 1972 gestarteten Gerät dieses Typs folgten in-

zwischen drei weitere, zuletzt LANDSAT 4 im Juli 1982 mit einem hochempfindlichen neuartigen Sensor an Bord.

Der sogenannte "Thematic Mapper" arbeitet

auf sieben Spektralbändern (im Gegensatz zum Multispektral-Scanner, bei dem
die aufgefangenen Lichtbündel auf vier Sensoren aufgeteilt werden) und liefert erstmals Erdaufnahmen in natürlichen Farben.

Demgegenüber sind zur Her-

stellung von Farbbildern aus den Meßdaten seiner Vorläufer Farbfilter für die
Umsetzung der Original-Schwarz-Weiß-Aufnahmen und spezielle Kopiertechniken
erforderlich.

Dank des hohen Bildauflösungsvermögens des neuen Instruments

kann man (aus 700 km Höhe) Objekte von 30'm,in Einzelfällen sogar von 12 m
Durchmesser ausmachen, während die Bildauflösung der ersten drei LANDSATSatell iten bei ca. 80 m liegt.

Auch das Unterscheidungsvermögen für Hellig-

keitsstufen ist viermal größer - allerdings befindet sich der "mapper" noch
in der Erprobung.
Für den

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�Für den regulären Bilderdienst stehen die Aufnahmen von LANDSAT
allen interessierten Ländern zur Verfügung.

1-3

Die Geräte registrieren und mes-

sen die Energie (Licht- oder Wärmestrahlung), die von der Vegetation, von Landflächen und landnahen Gewässern reflektiert oder ausgesandt wird.

Welche wich-

tigen und z. T. überraschenden Erkenntnisse Entwicklungsländer durch die Auswertung von LANDSAT-Aufnahmen erzielten, wurde kürzlich auf einer internationalen Konferenz an der Columbia-Universität in New York (4. - 5. Februar 1983)
erörtert:
- In den sechziger Jahren hatte das US-Amt für Internationale Entwicklung
(AID) ein ehrgeiziges Kartierungs-Projekt der thailändischen Regierung
mittels Luftaufnahmen unterstützt. Zehn Jahre später ergab die Auswertung der LANDSAT-Bilder, daß das Land in einem einzigen Jahrzehnt 20
Prozent seines Waldbestandes verloren hatte. Strenge Gesetze und spezielle Schutzvorkehrungen sollen nunmehr die Wälder erhalten helfen.
- Professor Klaus Itten von der Universität Zürich berichtete aus Sri
Lanka, daß zwischen 1956 und 1979 etwa 50 Prozent der Wälder durch Rodungen für Reisfelder vernichtet worden waren.

LANDSAT-Fotos (die Aus-

wertung wurde mit Unterstützung schweizer Wissenschaftler vorgenommen)
hatten die Regierung alarmiert, die sich jetzt um Maßnahmen zur Verbesserung des ökologischen Gleichgewichts

bemüht. Auch Vorhersagen für

Reisernte-Erträge seien durch Fernerkundung möglich geworden.
- Weniger als 18 Prozent der Landmassen Lateinamerikas seien zuverlässig
kartiert, erklärte Pierre Adrien von der Interamerikanischen Entwicklungs
bank. So bereite die Durchführung von Entwicklungsprojekten Schwierigkeiten, weil man die vorhandenen Ressourcen nicht kenne. Von den Landflächen Perus seien 60 Prozent, von Costa Rica 40 Prozent unzureichend
kartographisch aufgenommen. In Bolivien habe sich nach Anfertigung einer
Karte für die Bodennutzung gezeigt, daß weniger als ein Prozent des kultivierbaren Bodens regulär bebaut werde. Bodenschätze: Mit der Fernerkundungstechnik seien in diesem Land u.a. Lithium- und Kaliumvorkommen

- 2 -

�und Kaliumvorkommen ausgemacht worden.

- In Pakistan wurden LANDSAT-Daten für die Suche nach einem geeigneten
Gebiet für die Anlage eines neuen Hafens in Kasin herangezogen, um den
Hafen von Karachi zu entlasten.

In vielen (.ändern bestehe dringender Bedarf an der Nutzbarmachung von
Fernerkundungstechniken zur Auffindung von Ressourcen, jedoch gelten Erziehungs- und Gesundheitswesen noch immer als vorrangig, erklärte der Syrer Abd
Al-Wahab Kabakibo.
bereits ausgiebig

Manche Länder, z. B. Indien und Brasilien, nutzen jedoch
die technischen Möglichkeiten zur Auswertung und Nutzung

der via Satelliten erlangten Bildinformationen.

Sie haben Spezialisten aus-

bilden lassen und eigenständige Programme entwickelt, die Computer-Datenverarbeitung und Pläne für eigene Satelliten umfassen.

AID gibt seit 1973 jährlich mehr als sieben Millionen Dollar für die
Unterstützung von Fernerkundungsprojekten in der Dritten Welt aus.

Alles in

allem investierten Argentinien, Brasilien, die Bundesrepublik Deutschland,
Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Schweden und die Vereinigten Staaten in
den zehn Jahren seit Beginn des LANDSAT-Programms zwei Milliarden Dollar, um
in der ganzen Welt geeignete Projekte, u.a. unter Einschaltung von AID, Weltbank, UN-Entwicklungsprogrammen, Interamerikanischer Entwicklungsbank und FAO
(UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft), auf- und auszubauen.

Einige europäische Länder erweitern gegenwärtig eigene Programme und
bieten sie gemeinsam mit den USA Entwicklungsländern an.

So wird Frankreich

im Jahr 1984 den Fernerkundungssatelliten S.P.O.T. starten.

Mitte der acht-

ziger Jahre werden der kanadische RADARSAT, ein Fernerkundungssatellit der
europäischen Raumfahrtorganisation ESA für die Rohstoffsuche und zwei japanische Satelliten hinzukommen.

Auch Indien, Brasilien, China und die UdSSR

sind dabei, entsprechende eigene Satellitensysteme zu entwickeln.

Daß die

Radar-Sondierung aus dem Weltraum sogar für die Archäologie Bedeutung haben
kann, zeigten Resultate mit einem Gerät, das die Raumfähre COLUMBIA an Bord

�an Bord hatte:

Im Jahr 1981 wurden damit unbekannte, in einigen Tausend

Jahren unter Wüstensand verschwundene Wasserläufe in der Sahara entdeckt, im
vergangenen Jahr reiche Silber- und Molybdänvorkommen auf der mexikanischen
Halbinsel Niederkalifornien.
LANDSAT 4 gibt der Fernerkundung der Erde eine neue Dimension.

Seine

besondere Stärke ist die Fähigkeit, kontinuierlich Panorama-Aufnahmen von der
Oberfläche mit sehr hohem Auflösungsvermögen zu liefern.

Da ein bestimmtes

Gebiet jeweils alle 16 Tage unter gleichen Aufnahmebedingungen überflogen und
abgetastet wird, werden z.B. Veränderungen erkennbar, die sich - etwa bei der
Vegetation durch Trockenheit und Schädlinge oder in der Belastung der Umwelt
mit Schadstoffen - in der Zwischenzeit ergeben haben oder sich gerade anbahnen.
Vincent V. Salomonson, NASA-Projektwissenschaftler für LANDSAT 4, verweist u.a.
auf die neuen Möglichkeiten infolge der Einbeziehung des mittleren Infrarotbereichs in das "thematic mapper"-Instrument.

Dank der so gewonnenen Daten sei

man jetzt in der Lage, nicht nur zwischen Wildvegetation und bebauten Feldern,
sondern zwischen Getreide- und Feldfruchtr.rten wie Mais und Reis, Reis und
Sojabohnen zu unterscheiden und deren jeweiligen Gesundheits- und Reifezustand
zu analysieren.
Im Jet Propulsion Laboratory (Pasadena, Kalifornien) sind Wissenschaftler z. Zt. dabei, LANDSAT 4-Aufnahmen und Meßciaten mit Computern unter geologischen Gesichtspunkten aufzubereiten und auszuwerten.

Die bessere Bildauf-

lösung (z. B. lassen sich Unterschiede in der Bodenart erkennen oder Asphalt
von Beton, städtische von ländlichen Baugebieten unterscheiden) will man für
die Auffindung von tonführenden Schichten nutzen.
wichtige Mineral vorkommen leichter zu lokalisieren.
industrie wäre dies von großer Bedeutung.

Wenn dies gelingt, sind
Für die Mineral- und Öl-

Zunächst gehe es aber, wie Salomonson

erklärte, noch um die Entwicklung optimaler Programme für die Auswertung und
die Interpretation

der Bilder.

Ein zweites LANDSAT-Gerät des neuen Typs soll 1935 nestartet werden.
Der Betrieb der LANDSAT-Satelliten wurde im Januar 1933 von der NASA (US-Amt
für Luft- und Raumfahrt) an die NOAA (U; -Amt für See und Atmosphäre) abgegeben,
- 4 -

�abgegeben, die auch für die amerikanischen Wetterbeobachtungssatelliten zuständig ist. Von der US-Regierung wird derzeit erwogen, beide Programme
zu privatisieren.

Einer der Interessenten ist das Unternehmen COMSAT, das

die kommerziellen amerikanischen Nachrichtensatelliten betreibt.

+ + + + +

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�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschafter Bennett: Die NATO ist die echte Friedensbewegung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vortrag im Amerika Haus Stuttgart -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erläuterungen zum INF-Vorschlag Präsident Reagans&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Verteidigungssysteme auf der Basis von Strahlungsenergie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erläuterungen zu dem neuen Verteidigungskonzept Präsident Reagans -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schwertransport in den Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Raumfähre CHALLENGER vom ersten Einsatz zurück -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Roboter mit vielen Augen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fernerkundung aus dem Weltraum erleichtert Entwicklungsprojekte -&lt;/em&gt;</text>
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