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                  <text>30. März 1983

14

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan fordert Verteidigungsprogramm für die Zukunft
- Rede des US-Präsidenten vom 23. März 1983 Das Atlantische Bündnis:

Die Tatsachen und Lehren der Geschichte

- Berlin-Rede des Stellvertretenden US-Außenministers -

INFORMATION
William Ruckeishaus Direktor der Umweltschutzbehörde

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
CHALLENGER-Start für 4. April vorgesehen

Um Uber/endurtQ von
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14

30. März 1983

REAGAN FORDERT VERTEIDIGUNGSPROGRAMM FÜR DIE ZUKUNFT
- Rede des US-Präsidenten vom 23. März 1983 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan forderte in einer vielbeachteten Fernsehrede an das amerikanische Volk am 23. März 1983 ein intensives Forschungsprogramm auf dem Gebiete der Verteidigung, das eines Tages
offensive Atomraketen unwirksam und überflüssig machen soll.

Diese neue Ver-

teidigungstechnik werde jedoch erst im kommenden Jahrhundert wirksam werden,
und deshalb müsse sich der Westen für die nächste Zukunft weiterhin auf eine
wirksame Abschreckung verlassen.

Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Ich danke Ihnen, daß Sie sich heute abend Zeit für mich nehmen.

Das

Thema, das ich mit Ihnen besprechen möchte, Frieden und Sicherheit, ist sowohl aktuell als auch wichtig - aktuell, weil ich eine Entscheidung getroffen habe, die für unsere Kinder im 21. Jahrhundert neue Hoffnung bietet eine Entscheidung, auf die ich gleich eingehen werde - und wichtig, weil
es um eine sehr große Entscheidung geht, die Sie für sich selbst treffen
müssen.

Dabei geht es um die grundsätzliche Pflicht, die jeder Präsident

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�jeder Präsident und jeder Mensch hat - die Pflicht, den Frieden zu schlitzen und zu stärken.
Anfang dieses Jahres habe ich dem Kongreß einen Verteidigungshaushalt
vorgelegt, der meinem besten Urteil und dem bestem Wissen der Experten
und Spezialisten, die mich beraten, bezüglich dessen entspricht, was wir und
unsere Verbündeten tun müssen, um unsere Völker in den kommenden Jahren zu
schützen.
Dieser Haushalt ist mehr als nur eine lange Liste von Zahlen, denn
hinter all diesen Zahlen steht die Fähigkeit Amerikas, die größte aller
menschlichen Tragödien zu verhindern und unsere freie Lebensform in einer
manchmal gefährlichen Welt zu bewahren. Er ist Teil eines sorgfältigen
langfristigen Planes, Amerika nach zu vielen Jahren der Nachlässigkeit und
der Fehler wieder stark zu machen. Unsere Anstrengungen, die Verteidigung
Amerikas wieder aufzubauen und den Frieden zu stärken, begannen vor zwei
Jahren, als wir eine wesentliche Erhöhung des Verteidigungsprogramms forderten. Seither sind die Beträge für diese zunächst geforderten Erhöhungen
durch Verbesserungen im Management und in der Beschaffung sowie durch andere
Einsparungen um die Hälfte verringert worden. Der Haushaltsvoranschlag,
der jetzt dem Kongreß vorliegt, ist bis an die Grenzen der Sicherheit gestrafft worden. Weitere tiefe Einschnitte können nicht gemacht werden, ohne
die Sicherheit der Nation ernsthaft zu gefährden. Die Entscheidung liegt
bei den Männern und Frauen, die Sie in den Kongreß gewählt haben - und das
heißt, die Entscheidung liegt bei Ihnen.
Ich möchte Ihnen heute abend darlegen, um was es bei dieser Verteidigungsdebatte geht
vorliegende

und warum ich überzeugt bin, daß der jetzt dem Kongreß

Haushaltsantrag notwendig und verantwortungsbewußt ist und Ihre

Unterstützung verdient.

Und ich möchte Ihnen für die Zukunft Hoffnung

machen.
Aber lassen

�Aber lassen Sie mich zuerst erklären, um was es bei der Verteidigungsdebatte nicht geht.

Es geht nicht um ein Ausgabenzahlenspiel.

Ich weiß,

daß Sie in den letzten Wochen mit Zahlen und Prozentzahlen überschüttet
worden sind.

Manche Leute sagen, wir brauchten nur eine fünfprozentige Er-

höhung unserer Verteidigungsausgaben.

Der sogenannte "Alternativhaushalt",

der von Liberalen im Repräsentantenhaus unterstützt wird, würde die Zahl sogar auf zwei bis drei Prozent senken und unsere Verteidigungsausgaben in
den nächsten fünf Jahren um 163 Milliarden Dollar kürzen.

Das Problem mit

all diesen Zahlen ist, daß sie uns wenig genug über die Art von Verteidigungsprogramm sagen, das Amerika braucht, oder über Vorzüge im Sinne der
Sicherheit und Freiheit, die unsere Verteidigungsanstrengung für uns erkauft.
Was bei dieser ganzen Debatte offensichtlich außer acht gelassen wird,
ist die einfache Tatsache, wie ein Verteidigungshaushalt zustande kommt.
Er wird nicht dadurch aufgestellt, daß man entscheidet, eine bestimmte Menge
Dollar auszugeben. Die großen Töne, die gelegentlich zu vernehmen sind
und mit denen behauptet wird, die Regierung versuche ein Sicherheitsproblem
einfach durch Geldausgeben zu lösen, bedeuten nichts anderes als Lärm aus
Unwissenheit heraus.
Wir beginnen damit, uns zu überlegen, was getan werden muß, um den
Frieden zu sichern, und prüfen alle möglichen Bedrohungen unserer Sicherheit.

Dann müssen wir uns auf eine Strategie zur Stärkung des Friedens und

der Verteidigung gegen all diese Bedrohungen einigen.

Und schließlich müs-

sen unsere Verteidigungseinrichtungen dahingehend überprüft werden, festzustellen, was notwendig ist, um uns gegen irgendeine oder alle dieser potentiellen Bedrohungen zu schützen.

Am Schluß wird ausgerechnet, was es kostet,

all diese Ziele zu erreichen, und das Ergebnis ist der nationale Verteidigungshaushalt.
Es ist logisch nicht möglich, einfach zu sagen, wir wollen soundsoviel x Milliarden Dollar weniger ausgeben.

Man kann höchstens sagen, auf

welchen Teil unserer Verteidigungsmaßnahmen wir nach unserer Meinung ver-

- 3 -

�Meinung verzichten könnten und noch immer gegen alle Ernstfälle gesichert
wären.

Jeder, der im Kongreß für eine Kürzung der Verteidigungsausgaben

um einen bestimmten Prozentsatz oder um eine bestimmte Dollarsumme eintritt,
sollte sagen müssen, welchen Teil unserer Verteidigung er streichen möchte;
und er sollte freimütig genug sein, zuzugeben, daß diese Kürzungen eine Kürzung

unserer Verpflichtung gegenüber unseren Verbündeten oder ein größeres

Risiko oder beides zusammen bedeuten würden.

Die Verteidigungspolitik der Vereinigten Staaten basiert auf einer
einfachen Prämisse:

Die Vereinigten Staaten beginnen keinen Krieg. Wir

werden niemals ein Aggressor sein.

Wir halten unsere Stärke aufrecht, um

vor einer Aggression abzuschrecken und uns gegen sie zu verteidigen - um
die Freiheit und den Frieden zu erhalten.

Seit dem Anbruch des Atomzeitalters haben wir danach gestrebt, das Risiko eines Krieges zu verringern, indem wir eine starke Abschreckung aufrechterhalten und indem wir eine echte Rüstungskontrolle anstreben. "Abschreckung" bedeutet einfach:

Sicherstellen, daß jeder Gegner, der an einen

Anqriff auf die Vereinigten Staaten oder unsere Verbündeten oder unsere lebenswichtigen Interessen denkt, zu dem Schluß kommt, daß die Risiken für ihn
alle möglichen Gewinne überwiegen.
angreifen.

Wenn er das begreift, dann wird er nicht

Wir erhalten den Frieden durch unsere Stärke; Schwäche lädt nur

zur Aggression ein.

Diese Strategie der Abschreckung hat sich nicht geändert.
niert weiterhin.

Sie funktio-

Aber was es braucht, um die Abschreckung aufrechtzuerhal-

ten, hat sich geändert.

Es bedurfte einer ganz anderen Art von Streitkräften,

um vor einem Angriff abzuschrecken, als wir noch sehr viel mehr Kernwaffen
besaßen als irgendeine andere Atommacht.

Es bedarf einer ganz anderen Streit-

macht heute, da die Sowjets beispielsweise über genügend treffsichere und
mächtige Kernwaffen verfügen, um praktisch alle unsere landgestützten Raketen
zu vernichten.

Damit soll nicht gesagt werden, daß die Sowjetunion einen

Krieg gegen uns plant.

Und ich glaube auch nicht, daß ein Krieg unausweich-

- 4 -

�Krieg unausweichlich ist - ganz im Gegenteil.

Aber was wir einsehen müssen,

ist die Tatsache, daß unsere Sicherheit darauf basiert, daß wir vorbereitet
sind, allen Bedrohungen zu begegnen.

Es gab eine Zeit, da wir uns auf Küsten-

befestigungen und Geschützbatterien verließen, weil beim damaligen Stand der
Bewaffnung jeder Angriff von See gekommen wäre.

Wir leben heute in einer

anderen Zeit, und unsere Verteidigung muß auf der Erkenntnis und dem Bewußtsein beruhen, wie im Atomzeitalter der Stand der Rüstungen anderer Länder
ist.

Wir können uns den Glauben nicht leisten, niemals bedroht zu werden.
Allein in meinem Leben hat es zwei Weltkriege gegeben.

Wir haben sie nicht

angefangen, ja, wir taten alles, was wir nur konnten, um nicht in sie hineingezogen zu werden.

Aber wir waren für beide schlecht vorbereitet - wären

wir besser vorbereitet gewesen, hätte der Frieden vielleicht bewahrt werden
können.

Seit 20 Jahren häuft die Sowjetunion eine gewaltige militärische Macht
an.

Und sie hörte damit auch dann nicht auf, als ihre Streitkräfte alle An-

forderungen einer legitimen Verteidigungskapazität überstiegen.

Und sie hat

damit immer noch nicht aufgehört, auch jetzt noch nicht.

Während der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte haben die Sowjets ein umfangreiches Arsenal neuer strategischer Kernwaffen aufgebaut - Waffen, die
die Vereinigten Staaten direkt treffen können.

Um ein Beispiel zu nennen:

Die Vereinigten Staaten führten ihre letzte

neue Interkontinentalrakete (ICBM),die MINUTEMAN III, im Jahr 1969 ein, und
derzeit bauen wir unsere sogar noch älteren TITAN-Raketen ab.
die Sowjetunion in eben diesen Jahren getan?

Was aber hat

Nun, seit 1969 hat die Sowjet-

union fünf neue Klassen von ICBM gebaut und diese achtmal verbessert. Als
Ergebnis dessen sind ihre Raketen viel schlagkräftiger und treffsicherer, als
sie es noch vor einigen Jahren waren - und sie fährt damit fort, noch weitere
zu entwickeln,

während unsere in immer größerem Maß veraltet sind.
Gleiches hat
- 5-

�Gleiches hat sich in anderen Bereichen zugetragen.

Im gleichen Zeit-

raum hat die Sowjetunion vier neue Klassen von unterseebootgestützten
ballistischen Raketen und über 60 neue Raketen-Unterseeboote gebaut.

Wir

bauten zwei neue Typen unterseebootgestützter Raketen und zogen dabei zehn
Unterseeboote von ihrer strategischen Mission ab. Die Sowjetunion hat über
200 neue BACKFIRE-Bomber gebaut, und ihr brandneuer BLACKJACK-Bomber ist
derzeit in der Entwicklung.

Wir haben keine neuen Langstreckenbomber mehr

gebaut, seit unsere B-52 vor etwa einem Viertel Jahrhundert disloziert wurden, und wir haben bereits mehrere 100 davon aufgrund ihres Alters aus dem
Dienst gezogen.

Trotz all

dem, was viele Leute glauben, kosten unsere stra-

tegischen Streitkräfte lediglich etwa 15 Prozent des Verteidigungshaushaltes.
Ein weiteres Beispiel dafür, was sich derzeit zuträgt: 1978 hatten die
Sowjets 600 landgestützte nukleare Mittelstreckenraketen und fingen damit an,
die SS-20 hinzuzufügen - eine neue, überaus treffsichere, mobile Rakete mit
drei Gefechtsköpfen. Wir hatten überhaupt keine. Seither haben die Sowjets
ihre Führung ausgebaut. Ende 1979, als Generalsekretär Breschnew erklärte,
"es existiert jetzt ein Gleichgewicht", verfügten die Sowjets über mehr als
800 Gefechtsköpfe. Wir hatten noch immer keine. Diesen Monat vor einem Jahr
schlug Herr Breschnew ein Moratorium, ein Einfrieren, bei der Dislozierung
der SS-20 vor. Aber vergangenen August waren aus ihren 800 Gefechtsköpfen
über 1200 geworden. Wir hatten noch immer keine. Das ist schon ein "Einfrieren". Zu diesem Zeitpunkt kündigte der sowjetische Verteidigungsminister
Ustinow an, daß "auch weiterhin eine annähernde Gleichheit der Streitkräfte
existiert". Doch noch immer fügen ihnen die Sowjets durchschnittlich drei
neue Gefechtsköpfe pro Woche hinzu; sie haben jetzt 1300. Diese Gefechtsköpfe können ihre Ziele innerhalb von wenigen Minuten erreichen. Und wir
haben noch immer keine. Bislang sieht es so aus, als sei die sowjetische
Definition von Parität mit Glück irgendwo zwischen 1300 und Null zu finden zu ihren Gunsten.
Zusammen mit unseren NATO-Verbündeten beschlossen wir daher 1979, beginnend in diesem Jahr, als Abschreckung gegenüber ihren SS-20 und als An-

�als Anreiz für die Sowjetunion, uns in ernsthaften RlistungskontrollVerhandlungen entgegenzukommen, neue Waffen zu dislozieren. Wir werden mit dieser
Dislozierung gegen Ende dieses Jahres beginnen.

Gleichzeitig sind wir jedoch

bereit, unser Programm zu streichen, wenn die Sowjets ihre Waffen abbauen.
Das ist es, was wir die Null-Lösung genannt haben. Jetzt sitzen die Sowjets
am Verhandlungstisch - und ich glaube, man kann zurecht sagen, daß sie ohne
unsere geplanten Dislozierungen nicht dort säßen.
Wenden wir uns jetzt den konventionellen Streitkräften zu. Seit 1974
haben die Vereinigten Staaten 3050 taktische Kampfflugzeuge gebaut.
satz hierzu hat die Sowjetunion doppelt so viele hergestellt.

Im Gegen-

Bei den An-

griffs-Unterseebooten haben die Vereinigten Staaten 27 von Stapel gelassen,
die Sowjetunion 61. Bei den gepanzerten Fahrzeugen haben wir, einschließlich
der Panzer, 11 200 gebaut, die Sowjetunion 54 000 - ein Verhältnis also von
5 : 1 zu ihren Gunsten.

Die Artillerie schließlich:

Hier haben wir 950

Artillerie- und Raketenabschußgeräte gebaut, während die Sowjets mehr als
13 000 herstellten - ein erschreckendes Verhältnis von 14 : 1.
Es gab eine Zeit, da wir in der Lage waren, die größeren sowjetischen
Zahlen durch höhere Oualität auszugleichen. Aber heute bauen sie Waffen,
die genau so technisch ausgeklügelt und modern sind wie die unsrigen.
Mit der Zunahme ihrer militärischen Stärke wurden die Sowjets dazu ermutigt, sie auch auszuweiten. Sie dehnen ihren militärischen Einfluß auf eine
Weise aus, die eine unmittelbare Herausforderung unserer vitalsten Interessen
und der unserer Verbündeten bedeutet. Die folgenden Luftaufnahmen, die meisten
davon bis heute geheim, verdeutlichen diese Tatsache in bezug auf ein Gebiet,
das von entscheidender Bedeutung - und unserem Land sehr nahe - ist: Mittelamerika und das Karibische Becken. Es sind keine dramatischen Aufnahmen,
aber ich glaube, sie können dazu beitragen, Ihnen ein besseres Verständnis
von dem zu vermitteln, worüber ich spreche.
Diese Einrichtung des sowjetischen Nachrichtendienstes für das Sammeln
von Informationen

weniger als 100 Meilen von unserer Küste entfernt ist die
- 7 -

�ist die größte ihrer Art auf der ganzen Welt. Hektar um Hektar von Antennenfeldemund Monitorstationen sind auf amerikanische Militäreinrichtungen und
Vorgänge von hohem Geheimhaltungswert ausgerichtet.

In dieser Anlage in

Lourdes auf Kuba sind 1500 sowjetische Techniker beschäftigt, und die Satelliten-Bodenstation ermöglicht die direkte Kommunikation mit Moskau.

Die Anlage

- m i t einer Größe von 28 Quadratmeilen - wurde im vergangenen Jahrzehnt hinsichtlich ihrer Größe und Leistungsfähigkeit um mehr als 60 Prozent ausgeweitet.
Im Westen Kubas sehen wir hier diesen Militärflugplatz mit seinen modernen, in der Sowjetunion gebauten MIG-23 Flugzeugen.

Die Sowjetunion be-

nutzt diesen kubanischen Flugplatz für ihre eigenen Langstrecken-Spionagemissionen, und zu Beginn dieses Monats begannen zwei moderne sowjetische
Flugzeuge zur Bekämpfung von Unterseebooten von dort aus zu operieren.

Die

sowjetischen Waffenexporte nach Kuba in den vergangenen zwei Jahren lassen
sich in ihrem Ausmaß lediglich mit der Zeit der kubanischen Raketenkrise von
vor 20 Jahren vergleichen.
Das dritte Foto, das als einziges aus dieser Serie bereits veröffentlicht wurde, zeigt sowjetische Militärmaterial, das nach Mittelamerika gebracht wurde. Dieser Flugplatz mit seinen MIG-8-Hubschraubern, seinen Flugabwehrgeschützen und seinen Flugzeugschutzbunkern ist nur eine aus einer Reihe
von militärischen Anlagen in Nicaragua, die sowjetisches Material erhalten
haben, das über Kuba dorthin gelangt ist, und zeigt die massive militärische
Aufrüstung, die in diesem Land betrieben wird.
Auf der kleinen Insel Grenada am südlichen Ende der Karibischen Kette
sind die Kubaner mit sowjetischer Finanzierung und Unterstützung dabei, einen
Flugplatz mit einer Landebahn von 10 000 Fuß Länge zu bauen. Grenada hat
noch nicht einmal eine Luftwaffe. Wozu dient er also? Die Karibik ist eine
sehr wichtige Durchgangsstraße für unseren internationalen Handel und für militärische Kommunikationslinien, über die Hälfte aller amerikanischen öleinfuhren geht durch die Karibik. Der rasche Ausbau des militärischen Potentials
Grenadas steht in keinem Verhältnis zu welcher Bedrohung auch immer, der sich
- 8 -

�der sich dieser Inselstaat mit seinen weniger als 110 000 Einwohnern konfrontiert sehen könnte, und steht in völligem Widerspruch zu den Verhaltensmustern anderer Staaten der östlichen Karibik, von denen die meisten völlig
unbewaffnet sind.

Die sowjetisch-kubanische Militarisierung Grenadas kann,

kurz gesagt, also nur als Machtprojektion in diese Region angesehen werden.
Und es ist die wirtschaftliche und strategische Bedeutung dieses Gebiets, die
uns den Versuch unternehmen läßt, den Regierungen in El Salvador, Costa Rica,
Honduras und anderen Staaten bei ihrem Kampf um Demokratie gegen die Guerilla
zu helfen, die von Kuba und Nicaragua unterstützt wird.
Diese Aufnahmen geben nur einen kleinen Teil der Geschichte wieder.
Ich wünschte, ich könnte Ihnen mehr zeigen, ohne unsere sensitivsten Nachrichtenquellen und -methoden zu kompromittieren.

Aber die Sowjets unter-

stützen auch die kubanischen Mil itärstreitkrä'fte in Angola und Äthiopien.
Sie haben Basen in Äthiopien und im Südjemen, nahe den ölfeldern des Persischen Golfs. Sie haben den von uns in Cam Ranh Bay in Vietnam gebauten
Hafen übernommen, und nunmehr ist die sowjetische Marine - zum erstenmal
in der Geschichte - eine Kraft, mit der im Südpazifik zu rechnen ist.
Manche mögen noch immer fragen, ob die Sowjets wohl jemals ihre gewaltige Militärmacht einsetzen würden? Nun, auch hier: Können wir uns den
Glauben leisten, sie würden es nicht? Da ist Afghanistan, und auch in Polen
verwehren die Sowjets dem Volk, seinen freien Willen zu äußern, und zeigen dadurch der ganzen Welt, wie ihre militärische Macht auch dazu verwendet werden
könnte, andere einzuschüchtern.
Die letzte Tatsache ist, daß die Sowjetunion etwas aufbaut, was man nur
als offensive Militärmacht ansehen kann.

Sie baut auch weiterhin weit mehr

Interkontinentalraketen, als sie überhaupt zur Abschreckung eines Angriffs
benötigt.

Ihre konventionellen Streitkräfte sind nicht so sehr zur Abwehr

eines Angriffes ausgebildet und ausgerüstet, als vielmehr dafür, plötzliche
Überraschungsangriffe zu ermöglichen.
Unsere NATO-

�Unsere NATO-Verbündeten haben eine große Verteidigungslast auf sich
genommen - einschließlich der Wehrpflicht in den meisten Ländern.

Wir ar-

beiten mit ihnen und anderen Freunden überall auf der Welt dabei zusammen,
noch mehr zu tun.

Unsere Verteidigungsstrategie bedeutet, daß wir Streit-

kräfte brauchen, die sehr beweglich sind - Streitkräfte, die über die Ausbildung und die Einsatzbereitschaft verfügen, auf jeden Krisenfall zu reagieren.
Jedes einzelne Objekt unseres Verteidigungsprogramms - unsere Schiffe,
unsere Panzer, unsere Flugzeuge, unsere Mittel für Ausbildung und für Ersatzteile - ist für den einen wichtigen Zweck gedacht: den Frieden zu bewahren.
Unglücklicherweise hat ein Jahrzehnt der Vernachlässigung unserer Streitkräfte unsere Fähigkeit, dies auch zu tun, in Frage gestellt.
Als ich im Januar 1981 mein Amt antrat, war ich entsetzt über das, was
ich vorfand: Amerikanische Flugzeuge, die wegen fehlender Ersatzteile, wegen Mangel an ausgebildetem Personal, wenen fehlendem Treibstoff und Munition
für wichtige Übungen nicht fliegen,und Schiffe, die desv/egen nicht in See
stechen konnten. Unvermeidliches Ergebnis all dessen war eine schlechte
Moral unserer Streitkräfte, Schwierigkeiten bei der Pekrutierung vielversprechender junger Amerikaner für den Dienst in Uniform und Schwierigkeiten
dabei, unser Militärpersonal mit der größten Erfahrung davon zu überzeugen,
seinen Dienst fortzusetzen.
Es erhob sich somit die konkrete Frage, wie gut wir eine Krise überstehen könnten. Und es war offenkundig, daß wir mit einem umfassenden Modernisierungsprogramm beginnen mußten, um sicherzustellen, daß wir vor einer
Aggression abschrecken und den Frieden in den kommenden Jahren bewahren könnten.
Es mußten sofort Schritte unternommen werden, um die grundsätzliche Einsatzbereitschaft und das Standvermögen unserer konventionellen Streitkräfte
zu verbessern, damit sie mit einer Krise fertig werden v/ürden - und dadurch
zu deren Verhütung beitragen könnten. Wir mußten verlorene Investitionsjahre
aufholen, indem wir einen langfristigen Plan zur Vorbereitung unserer Streit- 10 -

�unserer Streitkräfte darauf

verwirklichten, den militärischen Fähigkeiten

unserer Gegner entgegenzuwirken, die diese für die Zukunft entwickelten.
Ich weiß, daß Sie alle den Frieden wollen - und das will auch ich.
Ich weiß auch, daß viele von ihnen ernstlich daran glauben, daß ein Einfrieren der Kernwaffen der Sache des Friedens dienlich wäre. Aber ein solches
Einfrieren zu diesem Zeitpunkt würde uns weniger sicher - und nicht sicherer machen und würde die Gefahr eines Krieges erhöhen, aber nicht vermindern. Es
wäre zu einem großen Teil unverifizierbar und würde unsere Verhandlungen über
eine Rüstungsverringerung ernsthaft untergraben. Es würde die Sowjets für
ihre massive militärische Aufrüstung belohnen und uns gleichzeitig daran hindern, unsere veralteten und immer verwundbareren Streitkräfte zu modernisieren. Warum sollten sie mit ihrer derzeitigen Überlegenheitsmarge Rüstungsverringerungen zustimmen - wissend, daß wir daran gehindert wären, gleichzuziehen?
Glauben Sie mir, es war nicht angenehm für jemanden, der nach Washington
mit dem Entschluß kam, die öffentlichen Ausgaben zu senken, aber wir mußten
mit der Aufgabe vorangehen, unsere Verteidigung zu reparieren, oder wir hätten
unsere Fähigkeit verloren, jetzt und in Zukunft vor Konflikten abzuschrecken.
Wir mußten jedwedem Gegner demonstrieren, daß eine Aggression keinen Erfolg
haben kann und daß die einzig wirkliche Lösung in einer konkreten, ausgewogenen und wirksam verifizierbaren Rüstungsverringerung besteht • der Art, wie
wir sie derzeit in Genf erarbeiten.
Dank Ihrer starken Unterstützung und dank der überparteilichen Unterstützung durch den Kongreß

haben wir damit begonnen, einen Umschwung herbei-

zuführen-. Schon lassen sich einige sehr ermutigende Ergebnisse erkennen.

Die

Rekrutierung von qualifizierten Bewerbern und der Verbleib bei den Streitkräften nehmen gewaltig zu - immer mehr Schul- und Hochschulabgänger wählen die
militärische Karriere, und immer mehr erfahrenes Militärpersonal entscheidet
sich dafür, zu bleiben.

Unsere Männer und Frauen in Uniform bekommen endlich

die Werkzeuge und die Ausbildung, die sie brauchen, um ihre Arbeit zu tun.
Fragen Sie
- 11 -

�Fragen Sie nach im Lande, vor allem unter den jungen Menschen, und ich
glaube, Sie werden eine völlig neue Haltung gegenüber dem Dienst für ihr Land
finden.

Dies spiegelt mehr wider als nur bessere Bezahlung, bessere Aus-

rüstung und bessere Führung.

Sie haben, das amerikanische Volk hat diesen

jungen Menschen ein Zeichen gegeben, daß es wieder eine Ehre ist, die Uniform
zu tragen.

Das ist nicht etwas, was man mit Haushaltszahlen messen kann, aber

es ist ein sehr realer Teil der Stärke unserer Nation.
Es wird noch länger dauern, die Art von Ausrüstung zu schaffen, die
wir brauchen, um den Frieden auch in der Zukunft zu bewahren, aber wir haben
einen guten Anfang gemacht.
Wir haben 21 Jahre lang keinen neuen Langstreckenbomber mehr gebaut.
Jetzt bauen wir die B-l. Wir haben seit 17 Jahren kein neues strategisches
Unterseeboot mehr vom Stapel gelassen. Jetzt bauen wir pro Jahr ein TRIDENTUnterseeboot. Unsere landgestützten Raketen sind in zunehmendem Maß von den
vielen, riesigen, neuen sowjetischen Interkontinentalraketen gefährdet. Wir
sind dabei, herauszufinden, wie wir dieses Problem lösen. Gleichzeitig führen wir die START- und INF-Verhandlungen mit dem Ziel, umfangreiche Verringerungen bei den strategischen Arsenalen und den nuklearen Mittel Streckensystemen auf beiden Seiten zu erreichen.
Wir .laben ebenfalls mit der seit langem erforderlichen Modernisierung
unserer konventionellen Streitkräfte begonnen. Die Armee erhält ihren ersten
neuen Panzer seit 20 Jahren. Auch die Luftstreitkräfte werden modernisiert.
Wir bauen ferner unsere Flotte wieder auf, die von 1000 Schiffen Ende der sechziger Jahre auf 453 Schiffe im Laufe der siebziger Jahre geschrumpft war.
Unser Land benötigt eine überlegene Marine, um unsere Streitkräfte und unsere lebenswichtigen Interessen in Übersee unterstützen zu können. Wir sind
jetzt dabei, eine Flotte von 600 Schiffen zu schaffen und die amphibische
Kapazität unserer Marineinfanteristen zu verstärken, die im Augenblick für
die Sache des Friedens im Libanon Dienst tun. Und wir bauen eine reale Kapazi
tat zur Unterstützung unserer Freunde in dem überaus wichtigen Bereich des
Indischen Ozeans und des Persischen Golfs auf.
Dies alles
- 12 -

�, Dies alles ist eine größere Anstrengung, und sie ist nicht billig.
Sie kommt zu einer Zeit, da unser Haushalt unter manch anderem Druck steht
und das amerikanische Volk während der Rezession bereits große Opfer bringen
mußte.

Aber wir dürfen uns nicht durch jene in die Irre führen lassen, die

die Verteidigung wieder einmal zum Sündenbock des Bundeshaushaltes machen
möchten.
Tatsache ist, daß wir in den letzten Jahrzehnten eine dramatische
Verlagerung in den Ausgaben der amerikanischen Steuerzahler erlebt haben.
Noch 1955 betrugen die Personal kosten etwa 20 Prozent des Bundeshaushaltes.
Im Verlaufe von nahezu drei Jahrzehnten stiegen diese Ausgaben ständig, und
in diesem Jahr werden sie sich auf 49 Prozent des Haushaltes belaufen.

Dem-

gegenüber nahm die Verteidigung im Jahr 1955 mehr als die Hälfte des Bundeshaushaltes ein.

1980 waren diese Ausgaben auf 23 Prozent gesunken.

Selbst

mit der Erhöhung, um den ich in diesem Jahr ersuche, wird die Verteidigung
nur 28 Prozent des Haushaltes ausmachen.
Die Forderungen nach einer Verminderung des Verteidigungshaushaltes
sehen rein zahlenmäßig ganz gut aus. Solche schönen Reden haben die Demokraten
in den dreißiger Jahren veranlaßt, die Verteidigung zu vernachlässigen, und
haben den Weg für die Tragödie des Zweiten Weltkrieges geebnet.

Wir dürfen

es nicht zulassen, daß sich durch Apathie oder Vernachlässigung dieses schreckliche Kapitel der Geschichte wiederholt.
Deswegen spreche ich heute abend zu Ihnen - um Sie mit allem Nachdruck
aufzufordern, Ihren Senatoren oder Kongreßabgeordneten zu sagen, daß Sie wissen, daß wir mit dem Wiederaufbau unserer militärischen Stärke fortfahren
müssen.
Wenn wir mittendrin aufhören, dann geben wir damit Freunden und Gegnern
gleichermaßen ein Signal des Nachlassens, des verminderten Willens.

Freie

Menschen müssen sich freiwillig, durch die offene Debatte und mit demokratischen Mitteln den Herausforderungen entgegenstellen, die durch die totalitären Mächte aufgrund von Zwang entstehen.
Es liegt
- 13 -

�Es liegt an uns - an unserer Zeit -,eine Entscheidung zu treffen zwischen der schweren, aber notwendigen Aufgabe, den Frieden und die Freiheit
zu bewahren, und der Versuchung, unsere

Pflicht einfach zu verleugnen und

das Beste zu hoffen, während die Feinde der Freiheit Tag für Tag stärker
werden.
Die Lösung liegt durchaus in unserer Reichweite.

Um sie jedoch zu er-

reichen, gibt es einfach keine Alternative, als weiterhin in diesem Jahr,
mit diesem Haushalt, die Mittel zur Verfügung zu stellen, die wir zur Wahrung des Friedens und zur Sicherung unserer Freiheit benötigen.
Bisher habe ich Ihnen heute abend meine Gedanken über die Probleme der
nationalen Sicherheit dargelegt, denen wir uns gemeinsam stellen müssen. Meine
Vorgänger im Weißen Haus sind bei anderen Gelegenheiten vor Ihnen erschienen,
um Ihnen die von der sowjetischen Macht ausgehende Bedrohung aufzuzeigen, und
haben Maßnahmen vorgeschlagen, um dieser Bedrohung zu begegnen. Aber seit
der Existenz von Kernwaffen richteten sich diese Maßnahmen in immer stärkerem
Maße auf die Abschreckung vor einer Aggression durch die Ankündigung der
Vergeltung. Diese Methode, Stabilität durch Offensivandrohung zu erreichen,
hat funktioniert. Uns und unseren Verbündeten ist es gelungen, über drei
Jahrzehnte hinweg einen Atomkrieg zu verhindern. In den letzten Monaten jedoch haben meine Berater, insbesondere auch die Chefs des gemeinsamen Stabes,
die Notwendigkeit unterstrichen, aus einer Zukunft auszubrechen, die sich im
Hinblick auf unsere Sicherheit ausschließlich auf offensive Vergeltung stützt.
Im Verlauf dieser Diskussionen wurde ich immer fester davon überzeugt,
daß der menschliche Geist in der Lage sein müsse, sich darüber zu erheben,
mit anderen Nationen und Menschen dadurch umzugehen, daß man ihre Existenz
bedroht. Aus diesem Gefühl heraus bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß
wir jede Möglichkeit zum Abbau der Spannungen und zur Einführung einer größeren
Stabilität im strategischen Kalkül beider Seiten gründlich prüfen müssen.
Einer der wichtigsten Beiträge, die wir leisten können, ist natürlich eine
Senkung des Standes aller Rüstungen, vor allem der Nuklearrüstungen. Wir
führen derzeit eine Reihe von Verhandlungen mit der Sowjetunion, um eine
- 14 -

�um eine beiderseitige Verringerung der Waffen zu erreichen.

Ich werde Ihnen

morgen in einer Woche über meine Überlegungen in dieser Hinsicht berichten.
Wenn sich die Sowjetunion unseren Bemühungen anschließen wird, große
Rüstungsverringerungen herbeizuführen, dann wird es uns gelungen sein, das
nukleare Gleichgewicht zu stabilisieren.

Trotzdem wird es weiterhin notwen-

dig sein, sich auf das Schreckgespenst der Abschreckung zu verlassen - auf
die gegenseitige Bedrohung, und das ist ein schlimmer Kommentar zum Zustand
des Menschen.
Wäre es nicht besser, Menschenleben zu retten, als sie zu rächen? Sind
wir nicht in der Lage, unsere friedlichen Absichten zu demonstrieren, indem
wir all unsere Fähigkeiten und unseren 'Einfallsreichtum einsetzen, um eine
wirklich dauerhafte Stabilität zu erreichen? Ich glaube, wir können es,
ja wir müssen es!
Nach sorgfältiger Konsultation mit meinen Beratern, einschließlich der
Chefs des gemeinsamen Stabes, bin ich zu der Überzeugung gekommen, daß es
einen Weg gibt. Teilen Sie mit mir eine Vision der Zukunft, die Hoffnung
bietet.

Sie besteht darin, daß wir ein Programm in die Wege leiten, um der

schrecklichen sowjetischen Raketenbedrohung mit Maßnahmen zu begegnen, die
defensiv sind.

Wollen wir uns auf eben die Stärken unserer Technologie be-

sinnen, die unsere große industrielle Basis hervorgebracht und uns die Lebensqualität geschenkt hat,

der

wir uns heute erfreuen.

Wie wäre es, wenn freie Menschen sicher leben könnten in dem Wissen,
daß ihre Sicherheit nicht auf der amerikanischen Drohung einer sofortigen
Vergeltung beruht, um vor einem sowjetischen Angriff abzuschrecken; daß wir
strategische Raketen abfangen und vernichten könnten, bevor sie unseren Boden oder den unserer Verbündeten erreichen?
Ich weiß, daß das eine gewaltige technische Aufgabe ist - eine Aufgabe,
die nicht vor Ende dieses Jahrhunderts bewältigt sein dürfte.

Und doch hat

die derzeitige Technologie einen Stand der Verfeinerung erreicht, daß es
- 15 -

�daß es durchaus vernünftig ist, wenn wir uns an diese Aufgabe machen.

Es

wird jahrelanger, vielleicht jahrzehntelanger Anstrengungen auf vielen Gebieten bedürfen.

Es wird Fehlschlage und Rückschläge geben, aber es wird

auch Erfolgs und Durchbrüche geben.

Und während wir an diesen Dingen arbei-

ten, müssen wir in der Erhaltung der nuklearen Abschreckung und der Aufrechterhai tung einer soliden Fähigkeit für die flexible Antwort konstant
bleiben.

Aber ist das nicht alle die Investitionen wert, die die freie Welt

wegen der Drohung eines Atomkrieges machen muß?

Wir wissen, daß es das wert

ist.
In der Zwischenzeit werden wir weiterhin wirkliche Verringerungen der
Kernwaffen anstreben, indem wir aus einer Position der Stärke heraus verhandeln, die nur durch eine Modernisierung unserer strategischen Streitkräfte
gehalten werden kann. Gleichzeitig müssen wir Schritte unternehmen, um das
Risiko eines konventionellen militärischen Konflikts zu verringern, der zu
einem Nuklearkrieg eskalieren könnte, indem wir unsere nichtnuklearen Kapazitäten stärken. Amerika besitzt - heute - die Technologien, um ganz bedeutsame Verbesserungen der Wirksamkeit unserer konventionellen, nichtnuklearen
Streitkräfte zu erreichen. Wenn wir diese neuen Technologien kühn nutzen,
können wir einen etwaigen Anreiz, den die Sowjetunion haben könnte, mit einem
Angriff auf die Vereinigten Staaten oder ihre Verbündeten zu drohen, wesentlich verringern.
Wenn wir unser Ziel der Defensivtechnologien verfolgen, dann sind wir
uns darüber im klaren, daß unsere Verbündeten sich auf unsere strategische
Offensivmacht stützen, um vor einem Angriff gegen sie abzuschrecken. Ihre
lebenswichtigen Interessen und die unsrigen sind unauflöslich miteinander
verbunden - ihre Sicherheit und die unsrige sind eins. Und kein Wandel in
der Technologie wird diese Tatsache ändern. Wir müssen und werden unsere Ver
pflichtungen weiterhin erfüllen.
Ich bin mir völlig darüber im klaren, daß Verteidigungssysteme Grenzen
haben und bestimmte Probleme und Unsicherheiten aufwerfen. Wenn sie mit
Offensivsystemen gepaart werden, dann könnten sie als Nährboden einer aggres- 16 -

�einer aggressiven Politik betrachtet werden, und das will niemand.
Aber unter genauer Berücksichtigung all dieser Überlegungen rufe ich
die Gemeinschaft der Wissenschaftler, die uns die Kernwaffen gegeben haben,
auf, ihre großen Talente der Sache der Menschheit und des Weltfriedens zu
widmen; uns die Mittel an die Hand zu geben, um diese Kernwaffen unwirksam
und übet flüssig zu machen.
Heute abend unternehme ich - in Übereinstimmung mit unseren Verpflichtungen des ABM-Vertrages (Vertrag über Raketen-Abwehrraketen) und eingedenk
der Notwendigkeit enger Konsultationen mit unseren Verbündeten - einen ersten
wichtigen Schritt. Ich gebe die Anweisung zu einer umfassenden und intensiven Anstrengung, ein langfristiges Forschungs- und Entwicklungsprogramm auszuarbeiten, um unserem Endziel näher zu kommen, die Bedrohung durch strategische
Nuklearraketen zu beseitigen. Das würde den Weg für Rüstungskontrollmaßnahmen
zur Beseitigung der Waffen selbst ebnen. Wir erstreben weder militärische
Überlegenheit noch politische Vorteile. Unser einziges Ziel - das alle Menschen
teilen - ist das Streben nach Mitteln und Wegen, um die Gefahr eines Atomkrieges
zu verringern.
Meine amerikanischen Landsleute, wir nehmen heute eine Sache in Angriff,
die die Verheißung in sich trägt, den Kurs der menschlichen Geschichte zu verändern.

Es wird Risiken geben, und Ergebnisse brauchen ihre Zeit.

bin sicher, mit Ihrer Unterstützung werden wir es schaffen.

+ + + + +

- 17 -

\ber ich

�14

30. März 1983

DAS ATLANTISCHE BÜNDNIS: DIE TATSACHEN UND LEHREN DER GESCHICHTE
- Berlin-Rede des Stellvertretenden US-Außenminisrers -

BERLIN - (AD) - Der stellvertretende US-Außenminister, Kenneth
W. Dam, der sich gegenwärtig auf einer Europareise befindet, gab
am 25. März 1983 in einer Rede vor der Atlantik-Brücke und dem
American Council on Germany in (Isrlin einen Überblick über die
Bündnispolitik der Vereinigten Staaten. Die Rede hat folgenden
Wortlaut:
Wie i le wissen, feiern wir in diesem Jahr den 300. Jahrestag
der deutschen Einwanderung in die Vereinigten Staaten, was ein
Ausdruck der Wertschätzung des gewaltigen Beitrags ist, den
Deutsche für Amerika geleistet haben.
Deutsche, die sich in meinem Lande niederließen, haben dessen Literatur, Kunst, Wissenschaft, Gelehrsamkeit, Industrie,
Handel, Religion, Philosophie, Küche und alle Dimensionen des
amerikanischen Lebens bereichert - ganz abgesehen vom amerikanischen Bier. Im 19. Jahrhundert entstanden in Amerika Universitäten
und Hochschulen nach dem Muster von Einrichtungen der höheren Bildung in Deutschland. Erfinder wie George Westinghouse und Karl
Steinmetz, Unternehmer wie John Jacob Astor, Staatsmänner wie Carl
Schurz - die Liste ließe sich beliebig fortsetzen - haben den Stempel ihres Genies aufgedrückt. Es ist besonders angebracht, vor der

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�vor der Atlantik-Brücke darauf hinzuweisen, daß ein Gebiet, auf
dem deutschstämmige Ingenieure einen besonders bemerkenswerten
Beitrag geleistet haben, der Brückenbau war.
Dieses Erbe ist nur ein Ausdruck von vielen dafür, daß
Deutschland, Europa und Amerika heute das Produkt einer
gemeinsamen Geschichte sind und vor einem gemeinsamen Schicksal
stehen.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird das

durch nichts deutlicher symbolisiert als durch die Stadt
Berlin.

Es ist eine zutiefst bewegende Erfahrung für jeden

Amerikaner, diese Stadt zu besuchen.

Für alle Menschen meiner

Generation bleibt Berlin immer die Stadt der Luftbrücke, die
Stadt, die so grausam durch eine Mauer geteilt ist, die den
moralischen und politischen Kampf unserer Zeit so augenfällig
macht; die Stadt, wo Präsident Kennedy vor 20 Jahren meine
Landsleute erneut verpflichtete, zur Erhaltung der Freiheit
ihrer tapferen Bewohner beizutragen.
Deutschland und Berlin bedeuten einen wichtigen Abschnitt
meines Lebens. Ich habe hier gelebt, und meine Erfahrungen
haben sich tief in meine Erinnerung eingegraben. Ich werde
niemals ein friedliches Wochenende vergessen, das ich 1961 nur eine Woche vor dem Mauerbau - in Berlin verbrachte. Und
ich werde auch nicht den Sommer 1976 vergessen, den ich in
Zehlendorf verbrachte, als mein fünfjähriger Sohn jeden Morgen
an der Mauer entlanggehen musste, um zu seinem Kindergarten zu
kommen.
Für einen Amerikaner bedeutet ein Aufenthalt in Berlin
nicht nur, von einigen Illusionen über die Welt Abschied nehmen
zu müssen, sondern auch neuerwachten Stolz auf den Mut und den
Glauben an die Sache der Freiheit, den unsere deutschen Freunde
bewiesen haben.

Aus all diesen -

historischen, politischen,

moralischen und persönlichen - Gründen bin ich stolz, auf

- 2 -

�stolz, auf dieser Konferenz in dieser Stadt sprechen zu dürfen.
Das Atlantische Bündnis:

Vergangenheit und Zukunft

Dieses Jahr feiern wir auch das 34. Jahr eines gemeinsamen
historischen Unterfangens - unseres Atlantischen Bündnisses.
"Es liegt auf der Hand, daß der Atlantikpakt keine
Inprovisation ist", so sagte einst Aussenminister Dean Acheson,
"er ist eine Feststellung von Tatsachen und Lehren der
Geschichte."

Acheson wusste, daß die Tatsachen und Lehren der

Geschichte nur Richtschnur zum Handeln sind; sie garantieren
noch kein Handeln.

Acheson, der an der Schaffung des

Bündnisses mitwirkte, wusste, daß es geschaffen werden musste.
Es kam nicht von allein; es bedurfte der Klugheit und einigen
Mutes, es zustande zu bringen.

Jetzt, in einer neuen Ära der

Geschichte, liegt es an uns, die gleiche Klugheit und den
gleichen Mut zu beweisen, um seinen Fortbestand zu sichern.
Ich bin heute hier, um Sie der anhaltenden Verpflichtung
meines Landes zu versichern, mit all seinen Verbündeten daran
zu arbeiten, unsere gemeinsame Sicherheit, Freiheit und das
gemeinsame Wohlergehen für die kommenden Generationen zu
gewährleisten.
Aber wir können nicht umhin, uns daran zu erinnern, daß die
Geschichte von vielen Bündnissen zu berichten weiss, die längst
vergangen sind.

Thukydides schrieb einsichtsreich über die

Probleme und die Unsicherheit von Zusammenschlüssen.

Seit den

Anfängen des europäischen Staatensystems bedeutete das
Überleben in einer Welt konkurrierender Mächte, daß das Konzept
der Souveränität sich wohl oder übel mit der Notwendigkeit von
Bündnissen abfinden musste.

Die Geschichte der europäischen

Diplomatie ist voller Beispiele von Bündnissen, die gebildet
wurden, um unterschiedlichen politischen, militärischen oder

- 3 -

�militärischen oder

sogar religiösen Zielen zu dienen.

Und

viele von ihnen hielten nicht lange.
Im Vergleich dazu stellt das Atlantische Bündnis eine
bemerkenswerte, ja einzigartige Leistung dar.

Es ist ein

freiwilliger Zusammenschluss von Demokratien, die sich
vereinigt haben nicht nur zu dem Zweck, ihr Territorium,
sondern auch ihre Grundsätze und Werte zu verteidigen, die eine
ganze Zivilisation versinnbildlichen.

Artikel 2 des

Nordatlantikvertrages nennt als gemeinsame Zielsetzungen nicht
nur die kollektive Sicherheit, sondern auch die Festigung
freier Institutionen , die Förderung der Voraussetzungen für
Stabilität und Wohlergehen, die Beseitigung von Gegensätzen in
ihrer internationalen Wirtschaftspolitik sowie die Förderung
der wirtschaftlichen Zusammenarbeit.

In der ersten Zeit nach

dem Weltkrieg sahen sich die westlichen Demokratien
Herausforderungen gegenüber, die gegen all
Zielsetzungen gerichtet waren.

diese gemeinsamen

Ihre Reaktion war schöpferisch

und mutig.
So hatte zum Beispiel der Marshall-Plan weit mehr als
lediglich ökonomische Bedeutung.

Die Führer Europas und der

Vereinigten Staaten nahmen sich eine der bitteren Lektionen zu
Herzen, die der Friede nach dem Ersten Weltkrieg gelehrt hatte,
und erinnerten sich daran, daß die wirtschaftliche
Wiedergesundung Deutschlands von entscheidender Bedeutung für
die wirtschaftliche - und politische - Wiedergesundung des
übrigen Europas war.

Sie erkannten, daß die europäische

Wirtschaft ein geographisches Ganzes war und nicht einfach nur
auf der Grundlage des nationalstaatlichen Denkens
wiederaufgebaut werden konnte.

Die amerikanische

Wirtschaftshilfe wurde unter der Bedingung zur Verfügung
gestellt, daß die europäischen Staaten bei ihrer Zuweisung
zusammenarbeiteten.

Als Antwort schufen sie die ersten

- 4 -

�die ersten Institutionen der wirtschaftlichen Integration
Europas.

Unsere Führer schufen auch die NATO unter denselben

kooperativen Vorstellungen, um so einen Schutzschild gegen
Aggression ins Leben zu rufen.

Hinter diesem Schild begann und

beschleunigte sich der wirtschaftliche Wiederaufschwung.

Diese

Nachkriegsordnung in Europa sicherte der Freien Welt eine
beispiellose Ära der Sicherheit, des Wohlstandes und des
menschlichen Fortschritts.
Aus den Tatsachen und Lehren dieses Teils der jüngeren
Geschichte ergibt sich zweierlei.

Zum einen:

Unsere

wirtschaftlichen, politischen und militärischen
Herausforderungen sind miteinander eng verwoben.
wichtigere Lehre ist die:

Eine noch

Die Demokratien können nur dann

solch gewaltige Herausforderungen bestehen, wenn sie den
Weitblick und Willen besitzen, gemeinsam zu handeln.

Trotz

dieses stolzen historischen Hintergrundes - und vielleicht auch
wegen der Selbstgefälligkeit, die ein solcher Erfolg mit sich
brachte - ist das Bündnis heute das Ziel von Kritik und von
nicht geringem Pessimismus.

Eine Generation nach seiner

Gründung fragen manche Leute, ob es noch den radikal neuen
Bedingungen angemessen sei.

Andere wiederum fragen, ob seine

Mitglieder noch immer die gemeinsamen Interessen an vielen
Fragen teilen.

Manche zweifeln daran, daß die freien Nationen

noch den Willen haben, ihre Solidarität zu bewahren.

Die

Gefahren, vor denen wir heute stehen, scheinen nicht so
dramatisch wie die wirtschaftliche Verwüstung, die politische
Instabilität und die offenen militärischen Bedrohungen, die uns
ursprünglich Ende der vierziger Jahre zusammenführten.

Und

dennoch könnten sie gerade aus diesem Grund heimtückischer und
nicht weniger bedrohlich für unsere Lebensweise und für die uns
allen gemeinsamen Werte sein.

Wir müssen uns bewußt zu neuer

Hingabe aufraffen, um diese neuen Gefahren bewältigen zu
können.

Wenn wir so tun, als ob nichts wäre, dann könnte das

- 5 -

�könnte das fatal sein.
Wie Ende der vierziger Jahre erstrecken sich die Probleme, vor
denen wir stehen, auf weite Bereiche:
Im Bereich der Wirtschaft stehen wir vor der Gefahr eines
wachsenden Protektionismus, zunehmender Schulden, niedrigen
Wachstums und erschreckend hoher Arbeitslosigkeit.
Im Bereich der Sicherheit müssen wir auf eine beispiellose
militärische Aufrüstung der Sowjets reagieren.
Im Bereich der Politik gab es bei zu vielen Fragen
Meinungsverschiedenheiten.

Hier besteht die Notwendigkeit,

eine neue gemeinsame Strategie auszuarbeiten, um der
sowjetischen Herausforderung zu begegnen und die uns allen
gemeinsamen Werte zu sichern.
Unsere Aufgabe ist es, diese Probleme mit Nüchternheit,
Vernunft und Kreativität anzupacken.

Unsere Aufgabe ist es,

sicherzustellen, daß unsere Vielfalt unser Bündnis bereichert,
anstatt es zu schwächen.
selbst lösen.

Die Probleme werden sich nicht von

Dennoch bin ich zuversichtlich, daß wir durch

staatsmännisches Handeln und durch eine gemeinsame Anstrengung
diese Hindernisse überwinden können - genau wie wir so viele
andere überwunden haben.

Dies erinnert mich an eine Zeile aus

Lessings "Minna von Barnhelm":

"Mann spricht selten von der

Tugend, die man hat; aber desto öfter von der, die uns fehlt."
Lassen Sie mich nun auf die drei Problemkreise eingehen,
vor denen wir stehen - die wirtschaftlichen, die militärischen
und die politischen - sowie auf deren inneren Zusammenhang, um
dann einige Vorschläge zu machen, wie wir sie gemeinsam einer
Lösung zuführen können.

�zuführen können.
Die wirtschaftliche Dimension
Das tägliche Leben unserer Bürger wird durch unsere
Probleme im wirtschaftlichen Bereich auf das Unmittelbarste
berührt.

Wir kommen jetzt aus einer Rezession heraus, die 17

Monate dauerte.

Die Rezession war die längste seit Ende des

Zweiten Weltkriegs.

Die Wirtschaftstätigkeit in Nordamerika

und Europa ging zurück; Japans industrielle Produktion flachte
ab; das Wachstum in mehreren Entwicklungsländern stagnierte
unter dem Gewicht von 700 Milliarden Dollar internationaler
Schulden.

Die Arbeitslosigkeit ging steil in die Höhe - in den

24 Industrieländern der Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sind 32 Millionen
Menschen ohne Arbeit.
Wir wissen alle, daß diese wirtschaftlichen Schwierigkeiten
Not verursacht haben.

Und was ebenso bedeutsam ist:

Sie haben

in einigen Ländern das demokratische System belastet und in
anderen politische Umwälzungen hervorgerufen.
Protektionistischer Druck und Handelsstreitigkeiten haben die
politischen Bande zwischen alten Verbündeten auf die Probe
gestellt.

In einigen Ländern haben die wirtschaftlichen

Belastungen die Fähigkeit - oder zumindest die Bereitschaft geschwächt, auf die gefährliche militärische Aufrüstung der
Sowjetunion zu reagieren, und haben zu etwas geführt, was
manche unter uns als ein unglückliches Maß an Abhängigkeit vom
Handel mit Osteuropa und der Sowjetunion erachten.
In der siebziger Jahren waren die Demokratien nach dem
ersten Ö'lschock klug genug, in einem beachtlichen Maß
zusammenzuarbeiten.

Bei fallenden Wachstumsraten, bei

steigender Inflation, bei zunehmender Arbeitslosigkeit und bei

- 7 -

�und bei explodierenden Energiekosten überstanden wir die
Umwandlung des internationalen Währungssystems von festen zu
floatenden Wechselkursen.

Wir haben Vorkehrungen dafür

getroffen, wie in Krisenzeiten die Energievorräte aufgeteilt
werden.

Wir sind - wie unvollkommen auch immer - mit den

Auswirkungen der gewaltigen Verschiebungen bei der Verteilung
der Reichtümer dieser Welt fertig geworden, die aus dem Anstieg
des Ölpreises herrührten.
Heute stehen wir nach der durch den zweiten Ölschock
hervorgerufenen Wirtschaftskrise vor der Aussicht auf eine
anhaltende, langfristige Wiedergesundung.
In einigen der wichtigsten Industrieländer erkennen wir die
ersten Anzeichen eines neuen kraftvollen und nichtinflationären
Wachstum. So ging zum Beispiel in den Vereinigten Staaten die
Inflation - am Verbraucherpreisindex gemessen - von 12,4
Prozent im Jahr 1980 auf lediglich 3,8 Prozent in den diesen
Januar abgelaufenen 12 Monaten zurück. Die Primarate liegt
nunmehr bei 10,5 Prozent - bei etwa der Hälfte gegenüber ihrem
jüngsten Höchststand von 21,5 Prozent. Die Firmenaufträge
stiegen im Januar um 2,4 Prozent, während seit einem Jahr der
Überhang bei den Lagerbeständen Schritt für Schritt
zurückgeht. Schließlich hat der Aktienindex von Dow-Jones zum
erstenmal in der Geschichte die 1100-Grenze überschritten.
Der kürzliche Rückgang bei den Ölpreisen wird uns allen
dabei helfen, unsere Gewinne gegenüber der Inflation zu
konsolidieren, und dies sogar, während wir in eine
wirtschaftliche Expansionsphase eintreten. Aber unsere
Aussichten auf Wiedergesundung werden durch zwei drohend
aufragende Probleme verdunkelt, die allein durch kooperative
Maßnahmen aus der Welt geschafft werden können.

- 8 -

�werden können.
Das erste ist das Schuldenproblem.
Anfang gemacht.

Wir haben einen guten

Die Fälle Brasilien, Mexiko und Argentinien

haben gezeigt, daß die Schuldenlast in den Griff zu bekommen
ist.

Eine erfolgreiche Strategie umfaßt eine Kombination

kurzfristiger Überbrückungsfinanzierung sowie
Anpassungsprogramme, die in Verbindung mit dem Internationalen
Währungsfonds (IWF) und den Handelsbanken durchgeführt werden.
Um die für ein künftiges Wirtschaftswachstum so
lebensnotwendigen Mittel bereitzustellen, unterstützen die
Vereinigten Staaten mit Nachdruck die vorgeschlagene Erhöhung
der IWF-Quoten um 47,5 Prozent. Wir drängen darauf, daß diese
Quotenerhöhung 1983 - anstatt 1985 - in Kraft treten soll. Wir
unterstützen gleichfalls die Aufstockung der Allgemeinen
Kreditvereinbarungen (General Arrangements to borrow - GAB) von
7 Milliarden Dollar auf 19 Milliarden Dollar. Diese
aufgestockten Mittel werden all den IWF-Mitgliedern zur
Verfügung stehen, deren Liquiditätsprobleme das Finanzsystem
als Ganzes bedrohen. Wir fordern die Privatbanken auf, auch
weiterhin durch ein ausreichendes Maß an privater Kreditvergabe
ihr Teil dazu beizutragen, die Liquidität der Kreditnehmer jnd dadurch die Chancen auf eine Erholung - nicht abzuwürgen.
Das zweite - und schwerwiegendere - Problem, vor dem wir
stehen, ist die Gefahr des Protektionismus.

Das Volumen des

Welthandels stagnierte 1981 und ging 1982 um geschätzt zwei
Prozent zurück.

Wir wissen alle, daß Protektionismus den

Handel noch zusätzlich behindern, die Wiedergesundung
sabotieren und die Arbeitslosigkeit erhöhen würde.

In den

Vereinigten Staaten hängt jeder siebente Arbeitsplatz vom
Export ab.

In Europa ist das Verhältnis noch krasser.

Die Aussicht auf Erholung wird von konzertiertem Handeln
- 9 -

�konzertiertem Handeln zur Bewahrung des offenen Handelssystems
abhängen.

Die Ministertagung des Allgemeinen Zoll - und

Handelsabkommens (GATT) im November vorigen Jahres hat das
GAfT-System zusammengehalten und es in eine, wenn auch noch so
langsame, Bewegung in positive Richtung versetzt.

Die Minister

verpflichteten sich, davon Abstand zu nehmen, irgendwelche
Maßnahmen zu ergreifen oder beizubehalten, die mit dem GATT
unvereinbar sind.
Die Reagan-Administration wird mit ihren Partnern daran
arbeiten, daß bei dieser Verpflichtung zu offenem Handel aus
Worten auch Taten werden. Wir werden jedoch die
handelsverzerrenden Praktiken anderer Staaten nicht einfach
hinnehmen - besonders auf dem Sektor der Landwirtschaft und der
Dienstleistungen, wo wir uns vergleichsweise gewisser Vorteile
erfreuen. Die Vereinigten Staaten sehen keinen Unterschied
zwischen dem Handel auf diesen Sektoren und dem Handel mit
anderen Gütern. Wir betrachten den massiven Einsatz von
landwirtschaftlichen Subventionen in der Europäischen
Gemeinschaft als unfairen Wettbewerb. Während die Preise für
landwirtschaftliche Erzeugnisse in den Vereinigten Staaten seit
1973 real zurückgegangen sind, hat der Gemeinsame Markt die
Preise von einigen wesentlichen Erzeugnissen auf einen Preis
hochgetrieben, der um das Doppelte über dem in den Vereinigten
Staaten liegt. Die sich dadurch ergebenden Überschüsse werden
dann mit Hilfe von Subventionen exportiert. Die Vereinigten
Staaten haben auf diese Praxis mit ernsthaften Verhandlungen
und mit selektiven Maßnahmen geantwortet - so haben wir
kürzlich subventioniertes Weizenmehl nach Ägypten verkauft.

Es ist offensichtlich, daß es für das Problem des Handels
mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen keine einseitige Lösung
gibt.

Die Sicherung der Einkommen der Landwirte ist für

jedermann ein schwieriges Problem.

Wir müssen in unseren

Anstrengungen fortfahren, eine für alle Seiten annehmbare

- 10 -

�Seiten annehmbare Lösung zu finden.

üas Problem des

Protektionismus ist ein wirtschaftliches Problem.

Aber es ist

auch eine politische Forderung, es zu lösen, bevor es
grundlegendere gemeinsame Interessen bedroht.

Das ist der

konstruktive Geist, in dem meine Regierung an diese Probleme
herangeht.

Ich bin zuversichtlich, daß unsere Partner ein

Gleiches tun werden.
Verteidigung, Sicherheit und Frieden
Unser wirtschaftliches Wohlergehen lässt sich nicht von der
weitergefassten Frage unserer Sicherheit trennen.
Inmitten all der historischen Veränderungen, die in der
Generation seit Gründung des Bündnisses stattgefunden haben,
bleibt die Tatsache bestehen, daß der Frieden in Europa die
Aufrechterhaltung des Gleichgewichts der Kräfte erfordert. Die
anhaltende Notwendigkeit der kollektiven Sicherheit wird von
der Realität, nicht von Gefühlen diktiert. Die zentrale
Prämisse des Nordatlantikvertrages, wie sie in Artikel 5 zum
Ausdruck kommt, bleibt weiterhin gültig: Ein bewaffneter
Angriff gegen ein Mitglied des Bündnisses wird als ein Angriff
gegen alle angesehen.
Diese gegenseitige Verpflichtung hat seit über drei
Jahrzehnten den Frieden bewahrt.

Seit 38 Jahren erfreut sich

der europäische Kontinent eines Friedens in Freiheit und eines
beispiellosen Wohlstandes.

Man muss weit zurückgehen in der

Geschichte Europas, um einen so langen Zeitraum zu finden, in
dem kein einziger, noch so kleiner, Krieg auf diesem Kontinent
ausgetragen wurde.
Sie und ich wissen sowohl intuitiv als auch
verstandesmässig, daß dies kein Zufall ist.

Man kann sich

nicht ernsthaft mit den Erfahrungen der Menschheit hinsichtlich
- 11 -

�Menschheit hinsichtlich der Beziehungen unter Nationen
befassen, ohne zu erkennen, daß ein Gleichgewicht der Kräfte
eine Voraussetzung für Stabilität ist.

Wenn man jetzt, nach 38

Jahren des Friedens, sagen wollte, man könne in den
Anstrengungen zur Aufrechterhaltung des militärischen
Gleichgewichts nachlassen, dann würde man ein gefährliches
Experiment vorschlagen.

Die Beweislast müsste bei denen

liegen, die die Verhältnisse, welche den Frieden eine ganze
Generation lang bewahrt haben, aufheben oder grundlegend ändern
wollen.

Die NATO hat sich jedenfalls als die wahre

Friedensbewegung erwiesen.
Auf der anderen Seite dürfte auf der Hand liegen, daß ein
Gleichgewicht der Kräfte, so notwendig es ist, allein nicht
genügt.

Die Demokratien des Westens haben seit langem in

vielen Erklärungen des Bündnisses deutlich gemacht, daß wir zu
einem Abbau der Spannungen mit unseren Gegnern auf der Basis
echter Gegenseitigkeit bereit sind.

Wir Verbündeten haben uns

einem stabilen militärischen Gleichgewicht verschrieben, um
jede Versuchung oder jeden Anreiz zur Aggression zu
verhindern.

Aber wir sind auch zu einem konstruktiven Dialog

mit unseren Gegnern bereit, um die Ursache von Spannungen und
das Risiko der Aggression zu beseitigen.

Präsident Reagan hat

sich den anderen Staats- und Regierungschefs auf dem Bonner
NATO-Gipfel in der Erklärung angeschlossen, in der der Wunsch
des Westens zum Ausdruck kommt, "durch Dialog, Verhandlungen
und beiderseits vorteilhafte Zusammenarbeit ein konstruktives
Ost-West-Verhältnis herzustellen, soweit dies durch das
sowjetische Verhalten ermöglicht wird."
Das Schreckgespenst der thermonuklearen Waffen gibt unserem
Zeitalter eine ganz neue Qualität.

Präsident Reagan hat

bekräftigt, daß "ein Nuklearkrieg nicht gewonnen werden kann
und niemals geführt werden darf."

Zu diesem Zweck hat er das

kühnste und umfassendste Programm für die nukleare
- 12 -

�die nukleare Rüstungskontrolle angeboten, das je unterbreitet
wurde.
Im Jahre 1931 schlug Präsident Reagan die völlige
Abschaffung einer ganzen Klasse von weiterreichenden,
landgestützten INF-Raketen vor.

Dieser Vorschlag wurde in

Unterstützung des NATO-Doppelbeschlusses von 1979 vorgelegt,
eine Begrenzung der sowjetischen INF-Streitkräfte zu erreichen
und Gegenkräfte zu dislozieren, sollte es bei den Verhandlungen
nicht gelingen, die sowjetische Bedrohung zu beseitigen.

Wir

sind zutiefst überzeugt, daß die völlig Beseitigung dieser
ganzen Waffenklasse das beste und moralischste Ergebnis der
Genfer INF-Verhandlungen wäre.

Trotzdem hat Präsident Reagan

deutlich gemacht, daß unser Vorschlag kein "Alles-oder-Nichts"Vorschlag ist, und er hat unsere Verhandlungsführer angewiesen,
"in Genf jede vorgeschlagene Lösung zu prüfen", die mit den von
unseren Verbündeten unterstützten Prinzipien in Einklang
steht.
Diese Prinzipien besagen, daß ein faires Abkommen auf einem
Gleichstand der amerikanischen und sowjetischen Streitkräfte
fussen muss; daß die britischen und französischen nationalen
strategischen Systeme per definitionem nicht Teil der
Verhandlungen sind; daß Vorschläge, die die sowjetische
Bedrohung lediglich von Europa nach Asien verlagern würden,
nicht als annehmbar betrachtet werden; und daß schliesslich ein
faires Abkommen wirksame Verifizierungsmassnahmen enthalten
muss und nicht unsere Fähigkeit untergraben darf, die NATO mit
konventionellen Streitkräften zu verteidigen.
Präsident Reagan hat auch einen weitreichenden Vorschlag
für die Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen
Rüstungen (START) unterbreitet.

Er schlug vor, die

strategischen Arsenale um über die Hälfte und die Zahl der
Raketengefechtsköpfe um ein Drittel zu verringern mit gleichen

- 13 -

�mit gleichen festgelegten Höchstgrenzen der verbleibenden
Waffen auf beiden Seiten.

Diese starken Kürzungen würden sich

vor allem auf die bedrohlichsten Systeme - landgestützte
Interkontinentalraketen - konzentrieren.

Die START- Vorschläge

des Präsidenten würden die Stabilität fördern, indem für jeden
Angreifer der Anreiz verringert würde, einen Erstschlag ins
Auge zu fassen, der den Gegner entwaffnen würde.

Auf der

anderen Seite liegt, wie der Präsident gesagt hat, alles auf
dem Tisch.

Wir sind bereit, jeden vernünftigen Gegenvorschlag

zu prüfen.
Wir haben auf vielen anderen Gebieten grosse
Rüstungskontrollinitiativen vorgetragen:
Im vorigen Sommer haben die NATO-Verbündeten in Wien einen
umfassenden neuen Vorschlag für die beiderseitige und
ausgewogene Verringerung der konventionellen Streitkräfte in
Europa (MBFR) unterbreitet.
Im Juni vorigen Jahres schlug der Präsident hier in Berlin
ein Paket von Maßnahmen für die vorherige Ankündigung von
Versuchsstarts von Raketen und grosser Manöver vor.

Ferner

regte er Maßnahmen für einen verstärkten Austausch von
Informationen über strategische und INF-Streitkräfte an.
Erst kürzlich haben die Vereinigten Staaten im
40-Nationen-Abrüstungsausschuss (in Genf) einen Vorschlag für
ein totales Verbot chemischer Waffen unterbreitet.
Die Erfahrung lehrt, daß die Sowjets umsonst keine
Zugeständnisse machen.

Nur wenn sie erkennen, daß der Westen

entschlossen ist, seine eigenen Modernisierungspläne zu
verfolgen - ob auf dem Gebiet der strategischen Streitkräfte

- 14 -

�strategischen Streitkräfte oder der Mittelstreckensysteme werden die Sowjets einen Anreiz haben, ein Abkommen über einen
niedrigeren, aber gleichen Stand auszuhandeln.

Die Vereinigten

Staaten sind dabei, ihre strategischen Streitkräfte zu
modernisieren, was wesentlich ist, um den Sowjets einen Anreiz
zu bieten, bei START ernsthaft zu verhandeln.

Das Bündnis ist

verpflichtet, INF-Raketen zu dislozieren, wenn in Genf kein
Abkommen erreicht wird.

Diese Verpflichtung muss

aufrechterhalten werden.

Sie bietet die besten Aussichten für

ein wirksames INF-Abkommen.
Die politische Dimension
Es ist natürlich, daß freie Nationen, die sich freiwillig
zusammengeschlossen haben, zu manchen Problemen
unterschiedliche Ansichten haben.

Unsere Vielfalt ist eine

Quelle unserer Lebenskraft; die Freiheit, Meinungsverschieden heiten zu haben, ist eine der Freiheiten, die wir verteidigen.
Die NATO ist nicht der Warschauer Pakt.

Innerhalb einer freien

Gesellschaft werden verschiedene Ansichten vertreten.

Aber an

einem gewissen Punkt gibt es dann eine Lösung und eine
gemeinsame Politik, oder aber die Gesellschaft wird von ihren
Herausforderungen überwältigt.

Dasselbe gilt für ein Bündnis.

Einmütigkeit ex ante ist nicht zu erwarten, aber eine Einigung
auf eine gemeinsame Politik nach einer freien Debatte ist von
entscheidender Bedeutung.
Dieser Grundsatz wird in den kommenden Jahren im Hinblck
auf viele Fragen auf die Probe gestellt werden.

Der

Ost-West-Handel, der in der jüngsten Vergangenheit eine
entscheidende Frage gewesen ist, ist eines der wichtigen
Themen, die gegenwärtig geprüft werden.
wir nicht ausweichen.

Dieser Frage können

Das ist ein Thema, das an dem

- 15 -

�an dem entscheidend wichtigen Schnittpunkt der
wirtschaftlichen, militärischen und politischen Dimensionen des
Bündnisses steht.

Es ist unsinnig, das militärische Potential

eines Gegners zu stärken, dem gegenüber wir Milliarden
ausgeben, um uns zu verteidigen.

Es ist von entscheidender

Bedeutung, in dieser strategischen Frage einen neuen Konsens
formulieren.
Zusammenfassung
Unser Bündnis hat so lange bestanden, glaube ich, weil die
Demokratien trotz aller Streitigkeiten wissen, daß sie
letztlich gemeinsame Werte haben.

Es sind die hervorragenden

moralischen und politischen Ideale, zu deren Verteidigung unser
Bündnis geschaffen wurde - Redefreiheit, Religionsfreiheit,
Versammlungsfreiheit, die Rechte des einzelnen, die Konzeption,
daß die Macht von der Zustimmung der Regierten herrührt.

Wie

Präsident Reagan vor fast einem Jahr in London erklärt hat:
"Die letzte Entscheidung in dem gegenwärtigen Ringen in der
Welt wird nicht von Bomben und Raketen herbeigeführt. Sie
läuft vielmehr auf eine Bewährungsprobe des Willens und der
Ideen hinaus, auf die Erprobung der geistigen
Entschlußkraft und der Werte, die wir schätzen, des
Glaubens, den wir hochhalten, und der Ideale, denen wir uns
weihen."
Bei einer solchen Bewährungsprobe, davon bin ich überzeugt,
wird der Westen obsiegen. Diese Konferenz hier zeigt unsere
Ideale in der Praxis - die unbehinderte offene Debatte freier
Männer und Frauen über wichtige Fragen der öffentlichen
Politik. Diejenigen, die die Mauer gebaut haben, wissen, wie
mächtig diese Ideale sind. Sie haben keinen Zweifel an der Art

- 16 -

�der Art einer Gesellschaft, in der zu leben Männer und Frauen
sich entscheiden würden, wenn man ihnen eine solche Wahl
ließe.

Der Geist der Freiheit ist stärker als jeder, der ihn

unterdrücken möchte.
Wir haben ein Recht, zuversichtlich zu sein. Aber wir
haben auch eine schwere Pflicht. Die Geschichte kennt sowohl
die Tragödie als auch die Hoffnung. Wenn Völker in ihrer
Wachsamkeit nachgelassen haben, wenn Nationen selbstgefällig
wurden, wenn Bündnisse aufgrund fehlender Entschlossenheit
geschwächt wurden, dann ist in der Geschichte stets die
Dunkelheit angebrochen.
Das Nordatlantische Bündnis wird mit wirtschaftlichen,
militärischen und politischen Problemen ringen müssen, die
manchmal zwischen uns stehen werden.

Wir müssen uns unseren

Problemen stellen und sie lösen.
Vor einer Generation haben die Menschen dieser Stadt alle
freien Völker gelehrt; was es heißt, Mut zu zeigen. Und andere
demokratische Länder - und ich sage mit Stolz, darunter auch
mein Land - haben Berlin nicht im Stich gelassen. Auch heute
ist es nicht genug, zu wissen, was unsere Pflicht ist. Es
kommt darauf an, daß wir sie erfüllen.

- 17 -

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14

Information
United States Information Service
Embassy of the United States of America

30. März 1983

WILLIAM RUCKELSHAUS DIREKTOR DER UMWELTSCHUTZBEHÖRDE

- (AD) - Mit der Berufung von William Ruckeishaus zum neuen Chef der
amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA wurde dem Nachfolger von Ann Burford,
die am 9. Mä'rz 1983 zurücktrat, dieses Amt zum zweitenmal übertragen. Er
hatte die Behörde aufgebaut und von ihrer Gründung im Jahr 1970 bis 1973
schon einmal geleitet. Seit 1975 war er Vizepräsident von Weyerhaeuser
Company, einem der größten Unternehmen der Welt für Holzprodukte mit Sitz
im US-Bundesstaat Washington. Beeindruckt von dem Engagement Präsident
Reagans für die Funktionsfähigkeit der EPA entschloß sich Ruckeishaus,wie
er am 22. März in Washington vor EPA-Mitarbeitern erklärte, kurzfristig zur
Annahme des Angebots. Ihm sei genügend freie Hand bei der Durchführung der
notwendigen Aufgaben zugesichert worden. Wichtigster Daseinszweck der Umweltschutzbehörde sei der Schutz menschlichen Lebens und der Schutz dessen,
was Leben erhalte - und das sei die natürlich Umwelt. Das könne nicht in
einem Vakuum geschehen. Vielmehr müsse "dieser Schutz mit unseren gesellschaftlichen Zielen in Einklang gebracht werden und unsere Wirtschaft sowie
die Produktion ausreichender Energie in geeigneter Form einbeziehen".

William Ruckeishaus

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�William Ruckeishaus äußerte die Überzeugung, daß die Art und Weise, wie
eine freie Gesellschaft die chronischen Probleme modernen Daseins wie Umweltverschmutzung, die Nutzung natürlicher Hilfsquellen bis zu ihrer Erschöpfung
und Übervölkerung angehe, darüber entscheide, ob sie sich ihre Freiheit bewahre.

"Diese chronischen und hartnäckigen Probleme können zu äußerst konträ-

ren Meinungen führen und eine sehr emotionale Angelegenheit werden... Was
jetzt nottut, ist, die Dinge besser in den Griff zu bekommen", erklärte
Ruckeishaus.
William Ruckeishaus (50) wurde nach dem Amtsantritt der Regierung Nixon
Anfang 1969 als Unterstaatssekretär in das US-Justizministerium berufen und
im November 1970 zum Leiter der neugeschaffenen Umweltschutzbehörde bestellt.
In der EPA sollten alle einschlägigen Aufgabenbereiche zusammengefaßt werden,
die bis dahin auf eine ganze Anzahl von Behörden verteilt waren. Mit Umweltschutz und Schadstoffkontrollen wurde Ruckeishaus Anfang der sechziger Jahre
vertraut, als er - hoher Beamter im Justizministerium des Bundesstaates
Indiana - den Entwurf für das staatliche Gesetz von 1963 zur Reinhaltung der
Luft ausarbeitete und Gerichtsverfahren gegen Firmen und Stadtverwaltungen
aufgrund von Verstößen gegen die entsprechenden Bestimmungen einzuleiten
hatte.

Im Jahr 1973 war William Ruckeishaus außerdem amtierender Direktor

des Bundeskriminalamtes (FBI) und stellvertretender Justizminister der Vereinigten Staaten.

Nach Meinungsverschiedenheiten mit dem damaligen Präsidenten

Nixon im Zusammenhang mit der Watergate-Affäre trat er im Oktober 1973 zurück.
William Ruckeishaus studierte an den Universitäten Princeton und Harvard
Rechtswissenschaften. Im. Jahr 1960 wurde er zum stellvertretenden Justizminister des Bundesstaaten Indiana ernannt und war ab 1963 Oberster Rechtsberater
des Ministeriums. Sein Einstieg in die Politik begann 1966 mit einem eindrucksvollen Votum für ihn bei der Wahl zum Repräsentantenhaus von Indiana. Schon
während seines ersten Jahres als Abgeordneter wurde er zum Fraktionsführer
der Parlamentsmehrheit gewählt - ein Novum in der parlamentarischen Praxis.
Im Jahr 1968 bewarb er sich als Konkurrent von Birch Bayh um einen Sitz im
US-Senat. Damals gewann sein Mitbewerber die Wahl.
Im Jahr

�Im Jahr 1962 heiratete William Ruckeishaus, dessen erste Frau Anfang
1961 verstorben war, Jill Elizabeth Strickland.
Töchter und zwei Söhne hervor.

+ + + ++

- 3 -

Aus dieser Ehe gingen drei

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und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

30. März 1983

14

CHALLENGER-START FÜR 4. APRIL VORGESEHEN

- (AD) - Die amerikanische Raumfähre CHALLENGER soll am 4. April 1983
zu ihrem Jungfernflug starten.

Der ursprünglich für Ende Januar vorgesehene

Termin mußte verschoben werden, nachdem zunächst technische Mängel an den
drei Haupttriebwerken des zweiten US-Raumtransporters entdeckt worden waren
und nach einem heftigen Sturm am Kap Canaveral Ende Februar Sand- und Staubpartikel an der Nutzlast festgestellt wurden.
Bei dieser Nutzlast handelt es sich um einen kostspieligen und fUr künftige bemannte wie unbemannte Raumfahrtprojekte wichtigen Nachrichtensatelliten.
Der TDRS (Tracking and Data Relay Satellite - Satellit für Bahnbeobachtungen und Datenübermittlung) ist das erste Gerät für ein neues System,
das in Verbindung mit nur einer großen Bodenstation die kontinuierliche Beobachtung der Raumfähre und ihrer Besatzung während einer Flugmission ermöglicht. Die Mängel an den Triebwerken - Haarrisse in Treibstoffleitungen für
Wasserstoff- und Sauerstoffgas sowie an einem Wärmeaustauscher - wurden durch
Austauschen bestimmter Segmente beseitigt. Der Chef des Raumtransporterprogramms der NASA (US-Bundesamt für Luft- und Raumfahrt), Generalmajor James A.
Abrahamson, ist zuversichtlich, daß CHALLENGER nunmehr am 4. April um 19.30
Uhr MEZ vom Kennedy-Raumfahrtzentrum (Florida) aus zu ihrem ersten Flug

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ersten Flug starten kann.

Die Ergebnisse der zahlreichen Tests» die in den

letzten Tagen durchgeführt wurden, seien ausgezeichnet.
Der Flug soll fünf Tage dauern.
Paul J. Weitz.

Chefpilot ist der erfahrene Astronaut

Sowohl für den Kopiloten Karol J. Bobko als auch für die

beiden Wissenschaftsastronauten Donald H. Peterson und Story Musgrave wird
das Unternehmen STS-6 der erste Raumflug sein. Musgrave, ursprünglich Herzspezialist und Chirurg, und Peterson, Ingenieurwissenschaftler mit den Fachgebieten Kerntechnik und Raumfahrtgerätekonstruktion, sollen den "Weltraumspaziergang" in der geöffneten Ladebucht nachholen, der beim Flug STS-5 im
November 1982 gestrichen werden mußte.

- 2 -

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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert Verteidigungsprogramm für die Zukunft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Präsidenten vom 23. März 1983 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Atlantische Bündnis: Die Tatsachen und Lehren der Geschichte&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Berlin-Rede des Stellvertretenden US-Außenministers -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;William Ruckelshaus Direktor der Umweltschutzbehörde&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;CHALLENGER-Start für 4. April vorgesehen</text>
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