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United States Information Service

16. März 1983

12

I N H A L T

DOKUMENTATION

Die menschliche Seite der deutsch-amerikanischen Beziehungen
- Rede des US-Botschafters in Hamburg Reagan:

Sieg der Demokratie in El Salvador oberstes Ziel

- Rede des US-Präsidenten vom 10. März 1983 -

HINTERGRUNDMATERIAL
US-Präsident proklamiert "exklusive Wirtschaftszone"
- Ressourcen im 200-Seemeilen-Bereich unter amerikanischer
Zuständigkeit -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Haarriß mit Kettenreaktion
- CHALLENGER-Startverschiebung schafft Probleme für andere
Weltraumprogramme - Von G. Weiss -

i Uber/c

00 Tel.: 0228-339 22 40

�12

16. März 1983

DIE MENSCHLICHE SEITE DER DEUTSCH-AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN
- Rede des US-Botschafters in Hamburg -

HAMBURG - (AD) - Der amerikanische Botschafter in der
Bundesrepublik Deutschland, Arthur F. Burns, ging in einer
Rede vor dem Übersee-Club in Hamburg am 14. März 1983 auf
die menschliche Seite der deutsch-amerikanischen Beziehungen ein und verwies auf die wesentlichen Beiträge der deutschen Einwanderer zur Entwicklung der Vereinigten Staaten.
Die Rede von Botschafter Burns hat folgenden Wortlaut:
Als Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in
der Bundesrepublik Deutschland habe ich oft über die politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern gesprochen. Heute
abend möchte ich mich einem noch grundsätzlicheren Thema zuwenden - den menschlichen Beziehungen zwischen Ihrem Lande
und dem meinigen.
Wir begehen in diesem Jahr den 300. Jahrestag der
Ankunft der ersten Siedler aus Deutschland in Nordamerika. Die 13 Mennoniten- und Quäkerfamilien, die
sich im Jahr 1683 in Germantown niederließen, das heute

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�das heute ein Teil von Philadelphia ist, kamen auf der
Suche nach Freiheit - der Freiheit, nach ihrem religiösen
Glauben zu leben, und der Freiheit, ein wirtschaftlich
besseres Los für sich und ihre Kinder zu finden. Beides
haben sie gefunden. Ich darf sagen, daß eine große
Mehrheit der Vorfahren der schätzungsweise 60 Millionen
Amerikaner, die sich heute auf eine deutsche Herkunft
berufen, auf der Suche nach den gleichen Zielen kam persönliche Freiheit und wirtschaftliche Chancen.
Amerika ist im Laufe der Jahrhunderte mit diesen
grundlegenden menschlichen Bestrebungen identifiziert
worden. Unsere Unabhängigkeitserklärung und unsere
Verfassung bringen diese Ideale beredt zum Ausdruck und
haben in allen Teilen der Welt als eine Richtschnur für
Menschen gedient, die für sich selbst ein neues Leben
erstreben - ein Leben, das ihnen ermöglicht, frei zu reden
oder zu schreiben, Gott auf ihre Weise zu dienen und
wirtschaftliche Chancen zu nutzen, ohne durch starre
Gepflogenheiten oder autoritäre Herrschaft eingeschränkt
zu werden.
Die menschliche Bedeutung dieses jahrhundertealten
Stromes von Einwanderern nach Amerika - zuerst aus
Westeuropa, später aus Ost- und Südeuropa und noch später
aus Lateinamerika, Asien und anderen Teilen der Welt kann kaum überschäzt werden. Amerikaner können zu Recht
mit Stolz feststellen, daß ihr Land ein Land der Hoffnung
und des Willkommens für entwurzelte Menschen geblieben ist
- daß es selbst heute noch viel mehr Einwanderer aufnimmt
als die übrige Welt. Noch immer kommen die meisten dieser
Menschen auf der Suche nach persönlicher Freiheit und
wirtschaftlichen Chancen für sich selbst und ihre Kinder.
Umgekehrt haben

-2-

�Umgekehrt haben auch die Vereinigten Staaten ständig
Nutzen aus dem unaufhörlichen Strom der Einwanderer
gezogen. Selbst wenn sie gelegentlich soziale Probleme
verursachten, so haben sie doch letztlich unser
industrielles, politisches und kulturelles Leben
bereichert. Mein Land hätte sich nicht in der Weise
entwickeln können, wie es dies getan hat, noch hätte sich
dort die Gesellschaft so entfalten können, wie sie sich
heute darbietet, wenn nicht der moralische Mut und die
geistigen und technischen Fähigkeiten gewesen wären, die
unaufhörlich aus der Alten Welt, und vor allem aus Ihrem
Lande, zu uns gebracht wurden.
Die Namen vieler deutscher Einwanderer nach Amerika
sind auf beiden Seiten des Atlantik wohlbekannt, und wenn
ich heute einige erwähne, dann sollen sie nur als Beispiel
für all jene dienen, die das Leben und die Kultur Amerikas
bereichert haben. Da ist - um ihn als ersten zu nennen Franz Daniel Pastorius, der Gründer von Germantown, eine
prophetische Gestalt, die eine klare Vision von dem
aufgezeigt hat, was die Vereinigten Staaten als Land
werden sollten. Durch sein Eintreten für die Trennung von
Kirche und Staat, für Toleranz der religiösen und
ethnischen Vielfalt und für die Abschaffung der Sklaverei
war er seiner Zeit weit voraus. Ein anderer war William
Rittenhouse, Geistlicher und zugleich Papierhersteller,
aus Mühlheim an der Ruhr, dessen Urenkel, David
Rittenhouse, der erste Direktor der amerikanischen Münze
war und bleibenden Ruhm als Mathematiker, Astronom und
Erfinder erwarb. Thomas Jefferson war von ihm so angetan,
daß er sagte: "Er hat zwar keine Welt geschaffen, aber er
ist ihrem Schöpfer sehr viel näher gekommen als irgendein

-3-

�als irgendein Mensch, der je gelebt hat." Dann war da der
Drucker, Journalist und Verleger Christopher Säur, der als
erster die Bibel in einer europäischen Sprache in Amerika
gedruckt hat. Ein noch berühmterer Einwanderer war John
Peter Zenger, der heute noch in den Vereinigten Staaten
als der "Schutzheilige" der Pressefreiheit bekannt ist.
Und dann gab es Hans Nikolaus Eisenhauer, einen
Einwanderer aus Eiterbach im heutigen Südhessen, der Mitte
des 18. Jahrhunderts in Amerika eintraf und weder Reichtum
noch Ruhm erwarb, aber der Vorfahre von Dwight David
Eisenhower wurde - dem 34. Präsidenten der Vereinigten
Staaten.
Und es gab auch noch - wenn ich fortfahren darf - die
Helden des Revolutionskrieges Johann de Kalb und Friedrich
Wilhelm von Steuben; die politischen Denker und Reformer
Friedrich Hecker, Carl Schurz, John Altgeld und Robert
Wagner; den Brückenbauer John Augustus Roebling; den
Orgelbauer Henry Steinway; die Unternehmer John Jacob
Astor und Levi Strauss; die Künstler Emanuel Leutze und
Albert Bierstadt; den politischen Zeichner Thomas Nast;
die Musiker und Komponisten Leopold Damrosch, Arnold
Schoenberg, Bruno Walter, Kurt Weill; den
Sprachwissenschaftler Maximilian Berlitz; den Bankier und
Philanthropen Paul Moritz Warburg; den Theologen Paul
Tillich; die Architekten Ludwig Mies van der Rohe und
Walter Gropius; den Wissenschaftler Albert Einstein; die
Schrifsteller Thomas Mann und Hannah Arendt; und - um
diese eindrucksvolle Liste abzurunden - Ihren und meinen
Freund, Henry Kissinger. Wo stünde Amerika heute, ja, man
darf sicher sagen, wo stünde die Welt heute ohne die
gewaltigen Beiträge dieser deutschen Einwanderer?
Diese Männer

�Diese Männer und Frauen, ihre Kinder und Kindeskinder die 60 Millionen Amerikaner, die sich heute auf ihre
deutsche Herkunft berufen - schmiedeten die Kette, die
unsere beiden Gesellschaften verbindet. Diese Bande
hatten nichts zu tun mit politischen Verträgen,
Sicherheitsabkommen oder Handelsvereinbarungen. Sie haben
sogar schwere Belastungen in den politischen Beziehungen
unserer beiden Länder überlebt - ja selbst zwei
schreckliche Kriege. Das vielleicht beste Beispiel der
Stärke und Dauerhaftigkeit dieser menschlichen Bindungen
zeigte sich darin, wie rasch und engagiert die Bevölkerung
meines Landes nach dem Zweiten Weltkrieg das deutsche Volk
unterstützte.
Es war in erster Linie die Wechselwirkung zwischen
unseren beiden Völkern, die der Bundesrepublik Demokratie
und physischen Wiederaufbau gebracht und die Partnerschaft
zwischen unseren beiden Gesellschaften geschaffen hat, die
heute besteht. Der Marshall-Plan war ohne Frage ein
entscheidend wichtiges Instrument für den Wiederaufbau der
zerrütteten Wirtschaft Westdeutschlands. Der
Nordatlantik-Vertrag bot die entscheidende Sicherheitsgarantie vor einer Aggression. Andere Maßnahmen - wie
etwa die Berliner Luftbrücke - waren weitere Zeichen der
Entschlossenheit der Vereinigten Staaten, sich am Schutz
der jungen Demokratie zu beteiligen, die aus der Asche des
Zweiten Weltkrieges erstanden war. Aber die treibende
Kraft hinter all diesen begrüßenswerten politischen
Entwicklungen war das Netz menschlicher Beziehungen, das
durch die Millionen Amerikaner deutscher Herkunft und die
zahlreichen deutschen Flüchtlinge geschaffen wurde, die
unsere Küsten in den dreißiger Jahren erreichten, durch

-5-

�erreichten, durch die Hunderttausende von deutschen
Kriegsgefangenen, die jahrelang in den Vereinigten Staaten
lebten, durch die Zehntausende von Amerikanern und
Deutschen, die beim Wiederaufbau der demokratischen
Gesellschaft zusammengearbeitet haben, wie sie heute in
der Bundesrepublik Deutschland besteht, und durch die
Legion von Fulbright-Stipendiaten und Austauschstudenten.
Es war ihr gemeinsames Wirken, das die Grundlagen für die
Partnerschaft zwischen unseren beiden Ländern schuf - eine
Partnerschaft, die sich als stark genug erwies, um alle
möglichen temporären wirtschaftlichen Irritationen und
politischen Meinungsverschiedenheiten zu überstehen.
Diese Amerikaner und Deutschen, die zusammengelebt und
-gearbeitet haben, fanden Verständnis und Wertschätzung
füreinander. Sie wußten oder erkannten bald, daß sie
durch gemeinsame Werte und Überzeugungen miteinander
verbunden waren - durch die Achtung vor den
Menschenrechten, durch den Glauben an die Demokratie,
durch die Hingabe an die Herrschaft des Rechts. Und sie
gaben diese Erkenntnisse an jene ihrer Landsleute weiter,
die keine direkten Kontakte mit dem jeweils anderen Volk
hatten. Aber Ende der sechziger und Anfang der siebziger
Jahre schied diese schöpferische Generation von Deutschen
und Amerikanern mehr und mehr aus Führungspositionen und
einflußreichen Stellungen aus. Das Netz menschlicher
Beziehungen, das unsere Gesellschaften so eng verband,
wurde damit lockerer. Die an ihre Stelle tretende
Generation war nicht durch ähnliche Erfahrungen geformt
worden und zeigte daher weniger persönliches Engagement
für das»deutsch-amerikanische Verhältnis.
In den

�In den letzten Jahren hat das dichte Netz gemeinsamer
Werte zwischen unseren beiden Völkern nachgegeben - zum
Teil, weil wir uns nicht mehr so nahekommen. Gleichzeitig
begannen andere Entwicklungen die optimistische Stimmung
in unseren Ländern zu verdüstern, vor allem bei den jungen
Menschen. Dazu gehörten der verblassende Glanz des
schönen Traumes von einem vereinten Europa, der anhaltende
Hunger und die Verzweiflung in vielen der weniger
entwickelten Teilen der Welt, der Vietnam-Krieg, in den
die Vereinigten Staaten unglücklicherweise verwickelt
wurden, die Bürgerrechtsunruhen in meinem Lande, die
gewaltige militärische Aufrüstung der Sowjets in den
siebziger Jahren angesichts einer angeblichen Entspannung,
die politischen Abenteuer der Sowjets in Asien und Afrika
und ihre Invasion Afghanistans, die Unterdrückung der neu
erworbenen Rede- und Versammlungsfreiheit in Polen, die um
sich greifende Inflation und steigende Arbeitslosigkeit in
der westlichen Welt, und - nicht zuletzt - die wachsende
Erkenntnis in der Bundesrepublik Deutschland, daß ihr
"Wirtschaftswunder" vorüber war.
All diese Faktoren, die zwar nicht direkt mit dem
deutsch-amerikanischen Verhältnis zu tun haben, warfen
ihre Schatten auf diese Beziehungen. Es ist eine
unausweichliche Tatsache, daß das Verhältnis zwischen
unseren Völkern weniger eng wurde. Das Bildungssystem,
das den Verlust der direkten persönlichen Erfahrung
zwischen Deutschen und Amerikanern zum Teil hätte ersetzen
können, hat diese Aufgabe nicht erfüllt. Es war für die
junge Generation wenig dienlich, daß unsere Schulen den
Fächern Geschichte und Ethik sowie den Grundlagen unserer
westlichen Kultur nur geringe Aufmerksamkeit geschenkt
haben.
Das Verständnis

�Das Verständnis zwischen den Menschen ist immer
unvollkommen. Das ist das Los des Menschen auf Erden.
Wir wissen das aus unserem täglichen leben. Eltern
verstehen nicht immer ihre Kinder und Kinder nicht immer
ihre Eltern. So ist es auch zwischen Ehemann und Ehefrau,
zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, zwischen Vermieter
und Mieter, zwischen Bankier und Kreditnehmer, zwischen
Professor und Student. Aber wenn schon Mißverständnisse
in unseren Familien, Schulen und Betrieben bestehen, dann
entstehen sie noch sehr viel leichter und gedeihen sogar
unter Nationen, da Unterschiede in der Geschichte und
Sprache zusammen mit begrenzten direkten Kontakten
zwischen Menschen ein Nährboden des Mißverständnisses und
leider gelegentlich sogar Mißtrauens sind. Der
diplomatische Dienst ist keine ganz neue Karriere mehr für
mich. Meine Tätigkeit als Botschafter in Ihrem Lande geht
jetzt schon gut in das zweite Jahr. Aber ich muß
gestehen, daß ich noch immer erstaunt bin über die
seltsamen Meinungen, die hochgestellte Europäer
gelegentlich über die Vereinigten Staaten zum Ausdruck
bringen - und ich möchte hinzufügen, daß es auch umgekehrt
so ist. Muß man sich also wundern, daß viele junge
Menschen in Ihrem Lande und in dem meinigen so wenig
Verständnis für die Gesellschaft des jeweils anderen
Landes haben?
Ich habe viele Stunden mit jungen Menschen in Ihrem
Lande verbracht, wie auch früher mit jungen Menschen in
meinem Lande. Ich bewundere ihre Intelligenz, ihren
Idealismus, ihren Horror vor der Rüstung und ihr Mitgefühl
für die Erniedrigten. Aber ich bin auch erschrocken über
das Unwissen, das so viele sogar bezüglich der Geschichte

-8-

�der Geschichte ihres eigenen Landes an den Tag legen, von
ihrem Unwissen über die Vereinigten Staaten ganz zu
schweigen. Und ich bin vor allem beunruhigt über ihren
offensichtlichen Mangel an Wertschätzung dessen, was es
bedeutet, in einer Demokratie zu leben.
Es ist ein verwirrendes und beunruhigendes Kennzeichen
unserer Zeit, daß viele unserer jungen Menschen - in Ihrem
Lande vielleicht noch mehr als in meinem - nicht imstande
zu sein scheinen, zwischen der moralischen und politischen
Ordnung des Westens und dem unterdrückerischen
Totalitarismus des Sowjetblocks zu unterscheiden.
Schließlich sind die Werte der westlichen Demokratien
keine abstrakten oder verschwommenen Konzepte. Die
Freiheit des einzelnen, zu reden, zu schreiben, zu beten
und sich mit anderen zu versammeln; die Gleichheit aller
vor dem Gesetz; der Schutz jeden Bürgers vor Willkürakten
der Regierung; die Freiheit, zwischen wirtschaftlichen,
sozialen, kulturellen Alternativen zu wählen - diese
Grundwerte der westlichen Demokratien sind eine
praktischen Wirklichkeit, die jeder intelligente Mensch zu
erfassen in der Lage sein sollte. Sie werden ganz
sicherlich zutiefst verstanden und geschätzt von jenen,
die unter kommunistischer Herrschaft leben und sich dieser
Werte nicht erfreuen können.
Der Grund, warum so viele junge Menschen in Europa und
in Amerika die Grundwerte des Westens als
selbstverständlich betrachten, muß darin liegen, daß sie
niemals ohne sie gelebt haben. Sie scheinen nicht zu
begreifen, daß ihr Recht, für ein Einfrieren von
Kernwaffen zu demonstrieren, ihre Freiheit, öffentlich

-9-

�Freiheit, öffentlich eine einseitige Abrüstung zu fordern,
ihr Recht, gegen das auf die straße zugehen, was sie für
eine falsche amerikanische Politik in Mittelamerika halten
- daß all diese Privilegien ihnen in einem demokratischen
System zugestanden werden, das auch sie eigentlich vor
jenen schützen sollten, die ihnen diese Privilegien
wegnehmen würden, so wie sie den jungen und alten Menschen
in Polen, in der Tschechoslowakei, in Ungarn, in
Afghanistan und in vielen anderen Ländern weggenommen
wurden. Junge Menschen mit durchschnittlicher Intelligenz
sollten in der Lage sein, zwischen den Triebkräften zu
unterscheiden, die Amerika bewegen, und jenen, die die
Sowjetunion beherrschen. Sie sollten in der Lage sein, zu
erkennen, daß die erbetene Präsenz amerikanischer Truppen
in Europa Ausdruck der Bereitschaft ist, die Werte unserer
westlichen Zivilisation schützen zu helfen, während die
sowjetischen Armeen, die vor 35 Jahran willkürlich
Osteuropa besetzt haben, dort stehen, um die Unterdrückung
jener Freiheiten sicherzustellen, nach denen sich die
Bürger dort bis heute sehnen.
Die Realität und die Anziehungskraft unserer
westlichen Werte sollten, so scheint es mir, jedem
einleuchten, der das Leben der unglücklichen Menschen
unter sowjetischer Herrschaft bedauert, die, wo immer das
möglich war, mit den Füßen abgestimmt haben, weil sie
nicht auf andere Weise wählen können. Es gibt Millionen
Menschen, die aus Ostdeutschland, Polen, Vietnam,
Kambodscha, Afghanistan, Kuba und anderen kommunistischen
Ländern geflohen sind. Aber hat je irgend jemand etwas
von einem Strom - ja nur von einem Rinnsal - von
Flüchtlingen in auch nur eines dieser Länder gehört?
Die fehlgeleiteten

-10-

�Die fehlgeleiteten Auffassungen junger Menschen - und
manche sind sogar nicht einmal mehr so jung - werden oft
der Beharrlichkeit und Kraft der sowjetischen Propaganda
zugeschrieben. Ich höre das immer wieder von meinen
Freunden. Diese Erklärung ist jedoch eine Flucht vor der
Realität. Die Sowjets nutzen sicherlich jede Gelegenheit,
unsere westlichen Gesellschaften zu diffamieren und die
Wahrheit über ihre eigene zu verschleiern. Aber daß sie
dies mit Erfolg tun können, entspringt im wesentlichen der
Tatsache, daß es weder Eltern noch Lehrern in unseren
Ländern gelungen ist, den Kindern eine ausreichend gesunde
moralische und historische Bildung angedeihen zu lassen,
damit sie die demokratischen Institutionen schätzen
könnten, die zu erben sie das Glück hatten.
In den demokratischen Systemen, die in Westeuropa und
in den Vereinigten Staaten herrschen, gibt es sicherlich
Mängel und Mißbräuche. Das Bemerkenswerte an einer
Demokratie ist jedoch ihre Fähigkeit, sich zu verbessern
und zu erneuern. Offene Kritik, Weiterentwicklung von
Institutionen und geordneter Wandel nach den die
Gesellschaft regierenden Gesetzen gehören zum Wesen des
demokratischen Systems. Im Gegensatz dazu macht das
sowjetische System jeden Versuch seiner Bürger, es
wesentlich zu ändern, durch Terror und Unterdrückung
zunichte.
Die jungen Menschen in Westeuropa müssen erkennen, daß
sie sich, wenn sie ihre Freiheiten erhalten und sich der
Grundrechte einer demokratischen Gesellschaft erfreuen
wollen, als Teil dieses demokratischen Systems fühlen und
daher bereit sein müssen - wenn es je notwendig werden

-11-

�notwendig werden sollte - es zu verteidigen. Als Eltern,
Lehrer und Politiker haben wir auf beiden Seiten des
Atlantik die Pflicht, dafür zu sorgen, daß die
demokratischen Werte, die uns im Nordatlantischen Bündnis
vereinen, von jenen begriffen und geschätzt werden, die
einmal nach uns kommen.
Wie können wir das tun? Ich kann auf eine lange
Lehrtätigkeit zurückblicken und schätze natürlich die
Vorzüge einer guten Bildung. Ich bin mir darüber im
klaren, daß wir sehr viel Besseres leisten müssen, um
unsere jungen Menschen Ethik, Geschichte, Sprachen und
politische Wissenschaften zu lehren. Das erfordert unter
anderem, daß wir uns als Eltern und Erzieher sehr viel
mehr der Unzulänglichkeiten unseres formalen
Bildungsapparates bewußt werden, vor allem in dem
Gymnasien Ihres Landes und den High Schools in den
meinigen. Die Lehrbücher, die in deutschen und
amerikanischen Schulen benutzt werden, sind oft veraltet
und tragen schon allein aus diesem Grunde dazu bei,
ernsthaft falsche Informationen über unsere jeweiligen
Länder zu vermitteln. Lehrer für Geschichte und
politische Wissenschaften haben eine besondere
Verpflichtung, objektiv und auf dem neuesten Stand zu
sein. Man kann ihnen bei der Erfüllung dieser Aufgabe
durch ein Bildungssystem helfen, das jene Lehrer ermutigt
und belohnt, die fleißig an ihrer eigenen Bildung
weiterarbeiten.
Ich kann auch auf eine lange Tätigkeit im
internationalen Finanzwesen zurückblicken. Das ist für
mich vertrauter Boden einer relativen Ordnung und
Voraussagbarkeit. Internationale Politik und Diplomatie

-12-

�und Diplomatie sind dagegen ein neues Fach für mich. Ich
betrachte es als ein Universum, das planlos von Klatsch,
Emotionen und sogar Argwohn erfüllt ist - eine Welt, in
der die Vorstellung von Tatsachen oft die Tatsachen selbst
verdunkelt. Dies, so gebe ich gerne zu, ist die Situation
in meinem Lande wie in dem Ihrigen, und ich bin mir
darüber im klaren, daß ein Botschafter alles in seinen
Kräften Stehende tun muß, um dieses Gestrüpp von Emotionen
und falschen Vorstellungen auszuräumen, das gelegentlich
das Verhältnis zwischen seiner Regierung und der Regierung
trübt, bei der er akkreditiert ist.
Wenn jedoch eine echte Verständigung zwischen zwei
Regierungen Zustandekommen soll, dann hangt das im Grunde
von der Art des Verhältnisses ab, das zwischen ihren
Völkern besteht - und nicht zwischen Außenministern oder
Botschaftern. Regierungen in demokratischen Ländern sind
immer in weitgehendem Maße Ausdruck des Denkens ihrer
Bürger und spiegeln dieses wider. Es ist daher äußerst
wichtig, daß Verbesserungen in unseren jeweiligen
Bildungssystemen durch ein weitaus größeres Netz
persönlicher Kontakte zwischen den Völkern unserer beiden
Länder ergänzt werden. Unser gemeinsames Ziel sollte es
sein, ein besseres gegenseitiges Verständnis für unsere
jeweiligen Institutionen der Arbeit und der Freizeit, für
unser Leben zu Hause und in der Gemeinde sowie für die
Hoffnungen und Ängste unserer Völker zu schaffen. Ich
kenne keinen anderen Weg, die Kameradschaft und das
Verständnis wiederherzustellen, das nach dem Zweiten
Weltkrieg zwischen Amerikanern und Deutschen existierte eine Kameradschaft, aus der die Partnerschaft unserer
Regierungen zur Förderung des Friedens und zum Schutze der
Freiheit entstand.
Was wir

-13-

�Was wir jetzt brauchen, ist eine dramatische
Ausweitung der Programme, in deren Rahmen Amerikaner für
einige Zeit in Ihrem Lande studieren, lehren oder arbeiten
können, während sich gleichzeitig Deutsche entsprechend
mit meinem Lande befassen. Um dies zu erreichen, werden
unsere Länder größere Mittel - sowohl was die aktive
Mitarbeit als auch die privaten und öffentlichen Gelder
anbelangt - für menschliche Kontakte und Austauschprogramme aufbringen müssen. Wie ich höre, gibt die
amerikanische Regierung gegenwärtig etwa 115 Millionen
Dollar pro Jahr für ihre Austauschprogramme mit anderen
Ländern aus, und nur ein kleiner Teil dieser Summe ist für
die Bundesrepublik Deutschland gedacht. Die privaten
Aufwendungen für Austauschtätigkeiten sind sehr viel
größer, aber ich bin überzeugt, daß weder die private noch
die öffentliche Finanzierung dieser lebenswichtigen
Anstrengung auch nur annähernd groß genug ist. Ich möchte
hoffen, daß in fünf Jahren der amerikanische Botschafter
in der Lage sein wird, Ihnen zu berichten, daß die Gelder,
die sein Land für Austauschprogramme mit anderen Ländern,
und vor allem mit der Bundesrepublik Deutschland,
aufbringt, sich zumindest verzehnfacht haben. Damit will
ich sagen, für wie wesentlich ich diese Austauschprogramme
für die Freiheit, Sicherheit und Prosperität der
westlichen Welt halte.
Lassen Sie mich nun speziell auf die
Austauschtätigkeiten zwischen unseren beiden Ländern
eingehen, an die ich denke. Gegenwärtig werden zahlreiche
akademische Austauschprogramme unter privaten Auspizien
durch ein gemeinsam von den Regierungen der Vereinigten
Staaten und der Bundesrepublik Deutschland durchgeführtes

-14-

�Deutschland durchgeführtes akademisches Austauschprogramm
ergänzt. Dieses Programm entstand vor vielen Jahren, als
ein weitblickender Amerikaner, Senator J. William
Fulbright aus Arkansas, sich Sorgen um eine geistige Lücke
machte und daran ging, sie dadurch zu schließen, daß er
ein Bildungsaustauschprogramm zwischen den Vereinigten
Staaten und anderen Ländern ins Leben rief. Ziel und
Zweck dieses Programms wurden von dem Senator überzeugend
zum Ausbruck gebracht, als er einige Jahre später schrieb:
"Die vielleicht größte Kraft des Bildungsaustauschs
besteht in der Fähigkeit, aus Nationen einzelne Menschen
zu machen und Ideologien in Hoffnungen und Wünsche dieser
Menschen zu verwandeln. Ich glaube nicht, daß ein
Bildungsaustausch notwendigerweise freundschaftliche
Gefühle zwischen Völkern hervorruft, und das ist auch
keine seiner wesentlichen Zielsetzungen. Es genügt
vollständig, wenn er zum Gefühl einer gemeinsamen
Humanität beiträgt, zu einem gefühlsmäßigen Bewußtsein,
daß andere Länder nicht von Doktrinen bevölkert werden,
die wir fürchten, sondern von Menschen, die wie wir Freude
und Schmerz fühlen, Grausamkeit und Freundlichkeit, ebenso
wie die Menschen, mit denen wir in unserem eigenen Lande
aufgewachsen sind."
Das Fulbright-Austauschprogramm hat seit seiner
Einführung rund 130 000 Amerikaner und Bürger anderer
Länder in die Lage versetzt, im Ausland zu studieren, zu
lehren oder zu forschen und damit das Verständnis zwischen
den Völkern zu verbessern. Das höchst erfolgreiche
deutsch-amerikanische Bildungsaustauschprogramm ist ein
gutes Beispiel. Zu Beginn wurde es gänzlich von den
Vereinigten Staaten finanziert, aber mit der Zeit
überzeugte seine Nützlichkeit die deutsche Bundesregierung

-15-

�deutsche Bundesregierung so sehr, daß sie jetzt fast
Dreiviertel der jährlichen Gesamtkosten trägt. Dieses so
sinnvolle Programm verdient auch von meiner Regierung
verstärkte Unterstützung, und ich freue mich, Ihnen
berichten zu können, daß diese Auffassung heute in
Washington weitgehend geteilt wird.
Auch für ein stark ausgeweitetes Jugendaustauschprogramm besteht eine vitale Notwendigkeit. Wenn man von
der künftigen Führung unserer Gesellschaften Qualität
erwartet, dann ist es ganz offensichtlich wichtig, in
einem frühen Stadium ihrer geistigen Entwicklung einen
vernünftigen Dialog zwischen jungen Menschen zu fördern.
Die Einstellungen in unseren beiden Gesellschaften werden
oft geformt, bevor die jungen Menschen an die
Universitäten gehen oder ins Arbeitsleben eintreten. Aus
diesem Grunde wäre es besonders nützlich, den Teenagern,
also jungen Menschen zwischen 16 und 19 Jahren etwa,
größere Möglichkeiten zu bieten, eine Zeit im Partnerland
zu verbringen. Ich denke an Aufenthalte, die lang genug
wären, um Jugendlichen zu ermöglichen, zur Schule zu
gehen, in einer Privatfamilie zu leben und am
Gemeindeleben im anderen Land teilzunehmen. Ein junger
Mensch, der vielleicht ein Jahr in der Schule des
Partnerlandes verbracht hat, hat eine echte Chance, die
Gesellschaft dieses Landes kennenzulernen und zu
verstehen. Diese Erfahrung und dieses Wissen werden ihm
oder ihr ein Leben lang bleiben. Ich erwarte nicht, daß
alle Jugendlichen von ihrem Partnerland begeistert sein
werden, aber ihre Zweifel oder Kritik werden zumindest
durch einiges Wissen aus erster Hand geformt werden.
Präsident Reagan

-16-

�Präsident Reagan hat kürzlich eine internationale
Jugendinitiative verkündet, die sich auf diese besondere
Notwendigkeit mit dem Weitblick und der Verpflichtung
konzentriert, die kennzeichnend war für den Vorschlag von
Senator Fulbright, damals im Jahr 1948. Die Parlamente
unserer beiden Länder - der Bundestag und der
amerikanische Kongreß - haben keine Zeit verloren, um das
Prinzip der Ausweitung des Jugendaustauschs zu billigen,
und unsere beiden Regierungen arbeiten bereits daran, die
parlamentarischen Beschlüsse in die Praxis umzusetzen. So
wird beispielsweise gegenwärtig ein Plan ausgearbeitet,
nach dem jedes Mitglied des Bundestages und jedes Mitglied
des amerikanischen Kongresses die Möglichkeit haben wird,
einen Teenager aus seinem oder ihrem Wahlbezirk dafür
vorzuschlagen, ein Schuljahr im Partnerland zu
verbringen. Dieses Projekt könnte im übrigen unsere
gewählten politischen Vertreter anregen, sich persönlich
um Austauschtätigkeiten zu kümmern, wodurch Verfahren
geschaffen würden, die unseren beiden Demokratien in der
nächsten Generation zum Segen gereichen dürften. Aber
nicht nur das. Es ist immer wieder festgestellt worden,
daß die Bande der Freundschaft, die von Jugendlichen,
welche an einem Austauschprogramm teilgenommen haben, mit
ihren Gastfamilien geknüpft wurden, über ihre eigenen
Eltern, Verwandte und Mitschüler noch weiter verstärkt
wurden. Es ist genau dieser Nährboden der menschlichen
Kontakte, den wir brauchen, um den herzlichen Geist der
Partnerschaft wiederherzustellen, der Ende der vierziger
und in den fünfziger Jahren zwischen unseren beiden
Völkern bestand.
Eine weitere

-17-

�Eine weitere Austauschtätigkeit, die reiche Ernte der
Verständigung bringen könnte, würde junge Deutsche und
Amerikaner betreffen, die bereits in Industrie oder
Landwirtschaft, als Journalisten oder Kleriker, als Lehrer
oder Beamte und Gewerkschafter in den Arbeitsprozeß
eingetreten sind. Auch sie werden eines Tages eine Rolle,
ja vielleicht sogar eine wichtige Rolle, in der Führung
unserer jeweiligen Gesellschaften spielen, und einige von
ihnen sollten die Möglichkeit bekommen, ihre
Lebensperspektive zu erweitern, indem sie eine Zeit lang
in einem anderen Lande arbeiten. Ich freue mich,
berichten zu können, daß wir in den Vereinigten Staaten
auf einen Vorschlag der deutschen Bundesregierung hin
damit begonnen haben, bei den Mitteln und Wegen der
Zusammenarbeit mit Ihrem Lande zu prüfen, ob nicht auch
die im Arbeitsprozeß stehenden Jugendlichen in die
erweiterte Austauschtätigkeit zwischen unseren Völkern
einbezogen werden können, wie dies jetzt ins Auge gefaßt
wird - eine Austauschtätigkeit, die unsere Familien,
Schulen, Universitäten, Kirchen und Berufe einschließen
sollte. Nur wenn wir die menschlichen Beziehungen
zwischen unseren Völkern stärken, können wir unsere
gemeinsamen Werte aufrechterhalten.
Erlauben Sie mir, daß ich zum Abschluß dieser
Darlegungen meine Botschaft an Sie noch einmal
zusammenfasse. Wirksame politische, wirtschaftliche und
sicherheitspolitische Interaktion zwischen den Vereinigten
Staaten und der Bundesrepublik Deutschland ruht auf einem
Fundament menschlicher Beziehungen zwischen den Menschen
Ihres Landes und des meinigen. Unsere Bürger haben Werte
gemeinsam, in deren Mitte die persönliche Freiheit, die

-18-

�Freiheit, die Freiheit der Wahl und die Herrschaft des
Rechts stehen - Werte, die sich über einen Zeitraum von
drei Jahrhunderten entwickelt haben. Diese Werte müssen
von unseren Bürgern begriffen und akzeptiert werden, wenn
unsere politischen, wirtschaftlichen und
sicherheitspolitischen Bindungen erhalten bleiben sollen.
Um diese Werte zu begreifen und zu schätzen, müssen unsere
Bürger einander und die Gesellschaft des jeweils anderen
begreifen. Um das zu erreichen, müssen wir unsere Schulen
verbessern und den Austausch unserer jungen Menschen
verstärken. Unsere beiden Länder sind voll und ganz in
der Lage, die Mittel für eine vielfältige Verstärkung des
Jugendaustausches bereitzustellen und damit zu vermeiden,
zu spät zu wenig zu tun. Das sind wir uns selbst schuldig,
und das sind wir all jenen gegenüber schuldig, die nach
uns kommen werden.
Der beste Weg - ja der einzige Weg - zum
internationalen Frieden führt, wie Präsident Reagan
kürzlich erklärt hat, "über die Verständigung unter
Nationen und Völkern." Ich wage zu behaupten, daß das
gleiche für die Erhaltung unserer westlichen Zivilisation
gilt.

-19-

�12

16. März 1983

REAGAN: SIEG DER DEMOKRATIE IN EL SALVADOR OBERSTES ZIEL
- Rede des US-Präsidenten vom 10. März 1983 -

WASHINGTON - (AD) - In einer Rede vor dem amerikanischen Herstellerverband unterstrich Präsident Reagan am 10. März 1983 die große Bedeutung Mittelamerikas - so fließt die Hälfte des amerikanischen Außenhandels entweder
durch den Panamakanal oder über andere Seewege der Karibik - und ersuchte
den amerikanischen Kongreß um 130 Millionen Dollar an Sicherheits- sowie um
168 Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe.
Der vorbereitete Text der Rede hat folgenden Wortlaut:
Sie wissen, daß wir nicht gerade zu einem idealen Zeitpunkt nach Washington
gekommen sind und daß wir sicherlich auch unsere Probleme hatten.
Zeichen des Wiederaufschwungs machen sich liberall bemerkbar.

Aber die

Die Tatsache

läßt sich nicht bestreiten, daß Amerika doch endlich auf dem Weg der Besserung ist - und der Mut und Weitblick der Menschen und der Institutionen, die
heute hier vertreten sind, verdienen einen großen Teil der Anerkennung für
diese Wiederbelebung, die schwer erkämpft und inflationsfrei ist. Deshalb sage

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�Deshalb sage ich Ihnen Dank im Namen all Ihrer Mitbürger, die nunmehr befreit sind von den Übeln einer galoppierenden Inflation und die jetzt auf
eine bessere Zukunft und auf neue Möglichkeiten blicken können.
Amerika stellt sich ohne Frage zuhause seinen Herausforderungen.

Aber

es gibt auch noch andere Herausforderungen, die von gleicher Bedeutung sind,
und denen wir uns gleichfalls stellen müssen.

Und ich möchte zu Ihnen über

eine davon sprechen.
Ende vorigen Jahres besuchte ich Mittelamerika.

Vor ein paar Wochen

reiste Jeane Kirkpatrick, unsere Botschafterin bei den Vereinten Nationen,
ebenfalls durch dieses Gebiet.

Und in den letzten Tagen bin ich mit führenden

Mitgliedern des Kongresses zusammengetroffen, um die jüngsten Ereignisse in
Mittelamerika und unsere Politik hinsichtlich dieses leidgeprüften Teils der
Welt zu besprechen.

Ich möchte Ihnen deshalb heute über diese Konsultationen

berichten und darlegen, warum sie für uns alle so wichtig sind.
Die Staaten Mittelamerikas gehören zu unseren engsten Nachbarn.

So

liegt beispielsweise El Salvador näher an Texas als Texas an Massachusetts.
Mittelamerika ist ganz einfach zu nahe,und es geht für uns in strategischer
Hinsicht um viel zu viel, als daß wir die Gefahr ignorieren könnten, daß
dort Regierungen die Macht ergreifen, die ideologische und militärische Verbindungen zur Sowjetunion haben.
Lassen Sie mich Ihnen sagen, wie wichtig Mittelamerika ist.
An der Basis Mittelamerikas liegt der Panamakanal. Die Hälfte des Außenhandels der Vereinigten Staaten geht auf seinem Weg von oder zu unseren Häfen
entweder durch diesen Kanal oder über andere karibische Seewege.
Im Norden davon liegt Mexiko, ein Land von gewaltigem Potential an Menschen und Material, ein Land, mit dem wir 1800 Meilen gemeinsamer, friedlicher
Grenze haben.
Zwischen Mexiko
- 2 -

�Zwischen Mexiko und dem Kanal liegt Mittelamerika. Während ich heute zu
Ihnen spreche, befinden sich die dortigen Staaten inmitten der ernstesten
Krise ihrer Geschichte.

Die aufgestauten Mißstände sowie sozialer und wirt-

schaftlicher Wandel stellen eine Herausforderung des überlieferten dar.
Neue Führer mit neuen Zielen sind aufgetreten, die für ihre Völker ein neues
und besseres Leben wollen.

Das ist gut.

Das Problem besteht darin, daß eine aggressive Minderheit sich auf Gedeih und Verderb mit den Kommunisten verbündet hat und nach den Sowjets und
deren kubanischen Handlangern schaut, damit diese ihnen dabei helfen, politischen Wandel durch Gewalt zu erreichen.
worden.

Nicaragua ist zu ihrer Basis ge-

Diese Extremisten machen kein Geheimnis aus ihren Zielen.

digen die Doktrin einer "Revolution ohne Grenzen".

Sie pre-

Ihr erstes Ziel ist

El Salvador.
Warum ist El Salvador wichtig?

Nun, man muß zuerst ganz einfach die

menschliche Tragödie sehen. Tausende sind bereits umgekommen, und wenn der
Konflikt nicht auf demokratische Weise zu einem Ende kommt, könnten noch Millionen weiterer Menschen in der ganzen Hemisphäre betroffen sein.
von El Salvador hat bewiesen, daß es die Demokratie will.

Das Volk

Aber wenn die Ge-

walt der Guerilla obsiegt, wird es die Demokratie nicht bekommen.

El Salvador

wird zusammen mit Kuba und Nicaragua zu einer Basis werden, von der aus sich
neue Gewalt in Guatemala, Honduras, sogar in Costa Rica ausbreiten wird.

Das

Morden wird zunehmen - genau wie die Bedrohung Panamas, des Kanals und schließlich Mexikos.

Dabei werden viele Männer, Frauen und Kinder ihr Heim verlie-

ren, ihre Heimat und ihr Leben.

Daß wir uns nicht mißverstehen: Wir wollen

dasselbe, was die Menschen in Mittelamerika wollen - ein Ende des Tötens.
Wir wollen, daß die Freiheit dort erhalten bleibt, wo es sie jetzt gibt,
und daß sie dort ersteht, wo es sie nicht gibt.

Der kommunistische Plan da-

gegen beabsichtigt, das Leiden der Menschen in Mittelamerika auszunützen, um
das Herz der westlichen Hemisphäre zu treffen.

Durch Verhinderung von Re-

form und durch Einführung ihrer eigenen Art von Totalitarismus können sie die
Freiheit und den Frieden bedrohen und unsere nationale Sicherheit schwächen.
Ich weiß,

�Ich weiß, daß viele Leute fragen, warum wir uns Sorgen machen sollten,
ob in Nicaragua, El Salvador oder den anderen Ländern wie Costa Rica, Honduras,
Guatemala und den Inseln der Karibik kommunistische Regierungen an die Macht
kommen.

Vorige Woche argumentierte ein Kolumnist, wir sollten uns keine Sor-

ge machen, denn die dortigen Produkte seien für unsere Wirtschaft doch gar
nicht so bedeutsam.
Das ähnelt dem Argument eines anderen sogenannten Experten, wonach wir
uns keine Sorgen darüber machen sollten, daß Castro die Kontrolle über die
Insel Grenada erhält - ihr einziges wichtiges Produkt sei doch nur die Muskatnuß.
Leute mit solchen Argumenten haben in letzter Zeit nicht mehr richtig
auf die Landkarte gesehen und auch nicht die außergewöhnliche Aufrüstung der
sowjetischen und kubanischen Militärmacht in der Region verfolgt oder die
Diskussionen der Sowjets darüber gelesen, warum die Region für sie wichtig
ist und wie sie sie zu nützen beabsichtigen.
Mittelamerika nicht um Muskatnuß.

Es geht in der Karibik und in

Es geht um die nationale Sicherheit der

Vereinigten Staaten.
Die sowjetischen Militärtheoretiker wollen unsere Fähigkeit zerschlagen,
Westeuropa im Krisenfall zu versorgen. Sie wollen unsere Aufmerksamkeit und
unsere Streitkräfte an unsere eigene Südgrenze fesseln und dadurch unsere
Kapazität begrenzen, an entfernter gelegenen Schauplätzen wie Europa, dem
Persischen Golf, dem Indischen Ozean und dem Japanischen Meer zu handeln.
Jene sowjetischen Theoretiker haben bemerkt, was wir nicht bemerkt
haben - daß die Karibik und Mittelamerika die vierte Grenze unseres Landes
bilden. Wenn wir uns selbst gegen eine große, feindliche Militärpräsenz an
unserer Grenze verteidigen müssen, wird unsere Handlungsfreiheit andernorts,
unsere Fähigkeit, anderen zu helfen, sowie strategisch lebenswichtige Seewege und Ressourcen zu schützen, drastisch verringert.
Das wissen

�Das wissen sie.

Und sie haben darüber geschrieben.

Wir haben lange gebraucht, um zu begreifen, daß die Verteidigung der
Karibik und Mittelamerikas gegen eine marxistisch-leninistische Einvernahme
für unsere nationale Sicherheit auf eine Weise lebenswichtig ist, wie wir
bisher nicht zu denken gewohnt waren. Während der letzten drei Jahre haben
die Vereinigten Staaten unter zwei Präsidenten Anstrengungen unternommen,
den Vormarsch des Kommunismus in Mittelamerika dadurch aufzuhalten, daß sie
das taten, was wir am besten können - sie unterstützen die Demokratie. Drei
Jahre lang bestand unser Ziel darin, den grundlegenden Wandel in der Region
zu unterstützen - Armut durch Entwicklung zu ersetzen, Diktatur durch Demokratie.
Diese Ziele sind nicht leicht zu erreichen, aber wir sind auf dem rechten
Weg. Costa Rica gibt - selbst inmitten einer wirtschaftlichen Krise und angesichts nicaraguanischer Einschüchterung - auch weiterhin ein demokratisches
Beispiel. In Honduras wurde die Militärherrschaft durch eine freigewählte
Zivilregierung abgelöst. Trotz unglaublicher Hindernisse hält sich die demokratische Mitte in El Salvador, verwirklicht die Landreform und arbeitet
daran, eine Politik des Todes durch eine lebendige Demokratie zu ersetzen.
Die gute Nachricht ist also, daß unsere neue Politik Wirkung zeigt. Die
überwältigende Mehrheit der Mittelamerikaner hat eine eindeutige Wahl getroffen - für freie Wahlen, freie Gewerkschaften, Religionsfreiheit und Achtung
vor der Unversehrtheit des einzelnen. Tatsächlich möchte niemand außer Kuba
und seinen Anhängern eine Machtergreifung der Guerilla in El Salvador - weder
eine der Regierungen noch irgendein bedeutender Sektor der Öffentlichkeit in
dieser Hemisphäre.
Die schlechte Nachricht ist, daß der Kampf um die Demokratie noch lange
nicht vorüber ist.
Trotz der Erfolge, die es dabei gab, den politischen Einfluß der Guerilla
in den Bevölkerungszentren zu einem großen Teil auszuschalten, und trotz einiger
- 5 -

�trotz einiger Verbesserung bei der Bewaffnung und der Mobilität des Militärs,
bleibt das Volk von El Salvador auch weiterhin unter dem starken Druck der
bewaffneten Guerilla, die von Extremisten kontrolliert wird, die kubanischsowjetisch beeinflußt sind.
i

Die militärischen Kapazitäten dieser Guerilla - und ich möchte "militärische Kapazitäten" betonen, denn es handelt sich hier nicht um ländliche
Aufständische, sondern um ausgebildete Streitkräfte - haben verhindert, daß
der politische und wirtschaftliche Fortschritt in den Frieden übergeht, den
das Volk von El Salvador so offenkundig wünscht.
El Salvador ist interner Natur.

Ein Teil des Problems in

Aber ein wichtiger Teil ist externer Natur:

Die Verfügbarkeit über Ausbildung, taktische Lenkung und militärische Versorgung, die über das marxistische Nicaragua nach El Salvador gelangt.
Ich bin sicher, Sie haben in der Presse darüber gelesen, daß die Guerilla
Gewehre von Einheiten der Regierungstruppen raubt; das ist kürzlich geschehen.
Aber für Guerillaoperationen viel entscheidender sind die Versorgung und die
Munition, die über Land. Meer und Luft nach El Salvador gelangen - mittels
Lastesel, mit kleinen Booten, in kleinen Flugzeugen.

Ober diese Versorgungs-

wege wird die Offensive der Guerilla angeheizt und die Oberzeugung ihrer extremistischen Führung am Leben erhalten, daß die Macht letztlich aus ihren
Gewehrläufen käme.
All dies geschieht nun in El Salvador zu einem Zeitpunkt, da eine Verfassung geschrieben wird, offene Präsidentschaftswahlen vorbereitet werden
und eine in der vorigen Woche ernannte Friedenskommission damit beginnt, auf
Amnestie und nationale Versöhnung hinzuarbeiten, damit alle sozialen und politischen Gruppen in den demokratischen Prozeß einbezogen werden. Es sind die
Militanten der Guerilla, die sich bislang geweigert haben, zu demokratischen
Mitteln zu greifen, die die Stimme des Volkes von El Salvador ignorieren und
zu Terror, Sabotage und Kugeln greifen, anstatt an die Wahlurne zu gehen.
Während der vorigen Woche haben wir all diese Fragen und vieles mehr mit
der Führung und den Mitgliedern des Kongresses besprochen. Ihre Ansichten
haben zu unserer eigenen Bewußtseinsbildung beigetragen, und ich glaube, wir

�glaube, wir haben einen gemeinsamen Kurs entworfen, dem wir folgen können.
Hier sind einige der Fragen, die am häufigsten aufgeworfen wurden:
Erstens, wie schlecht ist die militärische Situation?
gut.

Sie ist nicht

Die salvadorianischen Soldaten haben bewiesen, daß sie das Volk vor

Guerillaangriffen schützen können, wenn sie gut ausgebildet, geführt und
ausgerüstet sind.

Aber bislang konnten amerikanische Ausbilder nur jeden

zehnten Soldaten ausbilden.

Es herrscht Mangel an erfahrenen Offizieren;

die Versorgung ist unsicher.
macht.

Die Guerilla hat sich diese Mängel zunutze ge-

Zumindest im Moment hat sie die taktische Initiative ergriffen - ge-

rade in einem Augenblick, da die eng begrenzten Mittel, die der Kongreß bislang gebilligt hat, auslaufen.
Eine zweite entscheidende Frage lautet: Werden wir amerikanische Soldaten in den Kampf schicken? Die Antwort ist ein klares Nein.
Eine dritte Frage:

Werden wir den Krieg mit vielen amerikanischen Kampf-

beratern amerikanisieren?

Wieder ist die Antwort nein.

Nur Salvadorianer

führen diesen Kampf, genau wie nur die Salvadorianer über die Zukunft El
Salvadors entscheiden können.

Was wir tun können, ist, dabei behilflich

zu sein, sie mit den Fähigkeiten und dem Material auszustatten, die sie benötigen, um die Arbeit selbst zu machen.
das zum größten Teil:

Ausbildung.

Militärisch gesprochen, bedeutet

Ohne selbst eine Rolle im Kampf zu spie-

len und ohne salvadorianische Einheiten in den Kampf zu begleiten, können
die amerikanischen Spezialisten der salvadorianischen Armee dabei helfen, deren

Operationen zu verbessern.

Während des vorigen Jahres haben wir trotz

der offenkundigen Notwendigkeit für mehr Ausbildung unsere Ausbildungsaktivitäten peinlich genau ein gutes Stück unter dem selbstauferlegten Limit,
was die Anzahl der Ausbilder anbelangt, gehalten.

Wir überprüfen derzeit,

was wir tun können, um die Ausbildung zu bieten, die so wirkungsvoll ist
wie nur möglich, um die Mindestzahl an benötigten Ausbildern festzulegen
und um herauszufinden, wo diese Ausbildung am besten erfolgen sollte.

Wir

sind der Meinung, daß es das Beste wäre, diese Ausbildung außerhalb von
El Salvador anzubieten - in den Vereinigten Staaten oder andernorts, aber das
- 7 -

�aber das bedeutet weit höhere Kosten.

Daher wird die Anzahl der amerika-

nischen Ausbilder in El Salvador von den zur Verfügung stehenden Mitteln abhängen.
Frage vier:
an?

Streben wir eine politische oder eine militärische Lösung

Trotz allem, was ich und andere gesagt haben, scheinen manche Leute noch

immer zu denken, unser Ersuchen um Sicherheitshilfe bedeute, daß wir uns lediglich um eine militärische Lösung bemühen.

Das ist Unsinn.

Geschosse sind

keine Antwort auf wirtschaftliche Ungleichheit, auf soziale Spannungen oder
politische Meinungsverschiedenheiten.

Die Demokratie ist die Antwort.

Was

wir wollen,ist, die Salvadorianer in die Lage zu versetzen, das Töten und
die Sabotage zu beenden, damit die wirtschaftlichen und politischen Reformen
Wurzeln schlagen können.

Eine wirkliche Lösung kann nur politischer Natur sein.

Diese Tatsache führt unmittelbar zu einer fünften Frage: Warum kein
Ende des Tötens und dafür ein Beginn von Gesprächen? Warum keine Verhandlungen? Nun, Verhandlungen sind bereits wesentlicher Bestandteil unserer Politik. Wir unterstützen Verhandlungen zwischen allen Staaten der Region zur
Stärkung der Demokratie, zur Beendigung der Subversion, zur Eindämmung des
Waffenzustroms, zur Achtung der Grenzen und zum Abzug aller ausländischen
Militärberater - der sowjetischen, der kubanischen, der ostdeutschen, derjenigen der PLO sowie unserer eigenen - aus der Region. Es entwickelt sich derzeit eine regionale Friedensinitiative. Wir sind in engem Kontakt mit ihren
Befürwortern,und wir wünschen ihren Erfolg. Außerdem unterstützen wir Verhandlungen zwischen den Staaten, die auf eine verstärkte Beteiligung an den
demokratischen Institutionen abzielen - den Versuch, alle Parteien zu einer
Beteiligung an freien und gewaltfreien Wahlen zu veranlassen.
Wogegen wir uns stellen, sind Verhandlungen, die lediglich als zynisches
Mittel dafür benutzt werden, die Macht hinter dem Rücken des Volkes aufzuteilen.

Wir können keine Verhandlungen unterstützen, die versuchen, die De-

mokratie zu zerstören, anstatt sie zu kräftigen - Verhandlungen, die die
Macht ohne die Zustimmung des Volkes von El Salvador unter bewaffneten Gruppierungen aufteilen würden.

Wir begingen diesen Fehler vor einigen Jahren in

Laos, als wir die laotische Regierung darauf drängten, in eine Partnerschaft
- 8 -

�eine Partnerschaft mit den Pathet Lao einzutreten - einer bewaffneten Guerilla, die damals genau das tat, was die Guerilla jetzt in El Salvador tut. Sie
ruhte nicht, bis sie die totale Kontrolle der Regierung von Laos übernommen
hatte.

Die Abertausenden von Salvadorianern, die bei der Wahl im vorigen Jahr

ihr Leben riskierten, sollten nicht erleben, wie ihre Wahlzettel dieses Jahr
in den Mülleimer wandern, indem man zuläßt, daß eine winzige Minderheit am
Rande eines weiten und vielfältigen politischen Spektrums sich ihren Weg an
die Macht freischießt. Nein, der einzig legitime Weg zur Macht, der einzige
Weg, den wir unterstützen können, ist der über die Wahlurne, damit das Volk
seine eigene Wahl treffen kann, daß es, wie Seine Heiligkeit der Papst an
diesem Sonntag sagte, wählen kann "weg vom Terror und in einem Klima demokratischer Geselligkeit".

Das ist eine grundlegende Sache, und es ist eine

moralische sowie auch eine praktische Überzeugung, die von allen freien Menschen der beiden Amerikas geteilt wird.
Lassen Sie mich nunmehr, nach Konsultation mit dem Kongreß, mitteilen,
wo wir jetzt stehen und was wir in den kommenden Tagen tun wollen.

Wir werden

einen umfassenden, vollständigen Plan für Wirtschafts- und Militärhilfe für
Mittelamerika vorlegen.
Erstens werden wir die bei der Militärhilfe bestehende Lücke schließen.
Unsere Berechnungen für den Betrag an Militärhilfe, der für El Salvador notwendig ist, sind über die letzten zwei Jahre hinweg relativ stabil geblieben.
Jedoch führt die überbrückung des (noch nicht verabschiedeten) Haushalts im
Kongreß vom Dezember vorigen Jahres dazu, daß die amerikanische Sicherheitshilfe für El Salvador für das Jahr 1983 unter dem Betrag blieb, den wir beantragt hatten, und auch unter dem, was wir 1982 zur Verfügung hatten,sowie
unter dem, was wir für 1984 angefordert haben.

Ich schlage daher vor, daß

60 Millionen Dollar der Gelder, die bereits für unsere weltweiten Militärhilfeprogramme bewilligt sind, sofort für El Salvador zur Verfügung gestellt
werden.

Um jene Art von disziplinierter, ausgebildeter Armee aufzubauen, die

die Initiative ergreifen und aufrechterhalten kann - und gleichzeitig die
Rechte des Volkes respektiert -, werde ich außerdem meine derzeit dem Kongreß
vorliegende zusätzliche Forderung dadurch abändern, daß ich noch zusätzliche
- 9 -

�noch zusätzliche 50 Millionen Dollar für El Salvador anweise.
Diese Mittel werden angefordert, ohne daß der Gesamtbetrag der dem
Kongreß bereits unterbreiteten Ergängzungsvorlage erhöht wird.

Und wie ich

bereits gesagt habe, bleibt der Kernpunkt der Unterstützung weiterhin die
Ausbildung von Salvadorianern, damit sie sich selbst verteidigen können.
Weil die Sicherheitsprobleme El Salvadors in dieser Region nicht allein
dastehen, werde ich ferner um zusätzliche 20 Millionen Dollar an regionaler
Sicherheitshilfe ersuchen.

Diese Mittel sollen verwendet werden, um Staaten

in der Nachbarschaft bei der Wahrung ihrer nationalen Sicherheit zu unterstützen, und sie unterliegen natürlich einer umfassenden Überprüfung durch
den Kongreß.
Zweitens werden wir uns mit allem Nachdruck für die Unterstützung von
Reformen, der Menschenrechte und der Demokratie in El Salvador einsetzen.
Am vergangenen Donnerstag hat die Regierung von El Salvador das Landreformprogramm erweitert, in dessen Rahmen bereits 20 Prozent des bebaubaren Landes
verteilt worden und über 65 000 Landarbeiter zu Landbesitzern geworden sind.
Man bittet uns um unsere anhaltende wirtschaftliche Unterstützung, während
das Programm abgeschlossen wird. Wir werden diese Unterstützung gewähren.
Wir erwarten, daß mit unserer Hilfe der ständige Fortschritt in Richtung auf
eine gerechte Verteilung des Wohlstandes und der Macht in El Salvador andauern wird.
Drittens werden wir uns - ich wiederhole das - für die Menschenrechte
einsetzen. Der Fortschritt auf diesem Gebiet war bisher langsam und manchmal enttäuschend. Menschenrechte bedeuten aber, daß man die Probleme anpackt,
nicht ihnen ausweicht. Um größere Fortschritte zu erzielen, müssen wir weiterhin unsere Unterstützung und unseren Rat für die Bevölkerung und die demokratischen Führer El Salvadors gewähren. Gesetzesbrecher müssen zur Verantwortung gezogen werden, und die Herrschaft des Rechts muß bei der Lösung von
Streitfällen an die Stelle der Gewalt treten. Der Schlüssel zur Beendigung
von Menschenrechtsverletzungen ist die Schaffung einer stabilen und arbeitsfähigen Demokratie. Demokratien sind ihren Bürgern verantwortlich. Und wenn
- 10 -

�Und wenn in einer Demokratie Mißbräuche vorkommen, dann können sie nicht
verschleiert werden.

Wir erwarten, daß die Regierung mit unserer Unter-

stützung in der Lage sein wird, Fortschritte bei der Belangung von Schuldigen sowie beim Aufbau eines Strafrechtssystems zu erzielen, das auf alle angewendet wird und letztlich den gewählten Vertretern des Volkes verantwortlich ist.
Viertens schlägt die Regierung von El Salvador vor, ihre Probleme auf
die einzige Weise zu lösen, auf die sie gerecht gelöst werden können, nämlich dadurch, daß das Volk entscheidet.

Präsident Magana hat gerade landes-

weite Wahlen für dieses Jahr angekündigt und alle - Gegner wie Freunde - aufgefordert, sich daran zu beteiligen.

Um politischen Gegnern bei der Betei-

ligung an diesen Wahlen zu helfen, hat er eine Friedenskommission eingesetzt,
der auch ein römisch katholischer Bischof sowie zwei Unabhängige angehören.
Und er hat die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) sowie die internationale Gemeinschaft aufgerufen, zu helfen.

Wir waren sehr erfreut, daß

wir zusammen mit anderen demokratischen Ländern als Beobachter an den Wahlen
für eine Verfassungsgebende Versammlung im März vorigen Jahres teilnehmen
konnten.

Wir wären in gleicher Weise erfreut, wenn wir erneut zu jedem inter-

nationalen Bemühen - vielleicht in Verbindung mit der OAS - beitragen könnten, der Regierung bei der Sicherstellung einer möglichst breiten Beteiligung an den bevorstehenden Wahlen zu helfen - mit Garantien dafür, daß alle
Beteiligten, auch Kritiker und Gegner, vollen Schutz genießen.
Lassen Sie mich ein paar Worte zu den Wahlen vom März vorigen Jahres
sagen.

Mit Hilfe einer weltweiten Propagandakampagne wurde die Guerilla

über ein Jahr lang als irgendwie repräsentativ für die Menschen in El Salvador
dargestellt.

Immer und immer wieder sagte man uns, daß die Regierung das Volk

unterdrücke.
Dann kamen die Wahlen, und plötzlich war es die Guerilla, die jeden mit
dem Tode bedrohte, der wählen wollte,

über 200 Busse und Lastkraftwagen

wurden angegriffen, um die Wähler vom Gang an die Urnen abzuhalten.

Aber

sie gingen trotzdem, sie legten oft große Entfernungen zurück und warteten
- 11 -

�und warteten stundenlang vor den Wahllokalen; mehr als 80 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab.

Ich glaube nicht, daß wir hier in den

Vereinigten Staaten, wo eine Abstimmung so leicht ist, im letzten halben
Jahrhundert jemals eine solche Wahlbeteiligung erlebt haben.

Sie wählten

die gegenwärtige Regierung , und sie gaben ihre Stimme für Ordnung, Frieden
und die Herrschaft der Demokratie ab.
Und schließlich müssen wir weiterhin dem Volk von El Salvador und dem
übrigen Mittelamerika sowie der Karibik bei der Erreichung wirtschaftlichen
Fortschritts helfen,

über 75 Prozent unserer Hilfe für diese Region erfolgt

auf dem wirtschaftlichen Sektor.

Weil die wirtschaftliche Entwicklung für

dieses Gebiet so wichtig ist, werde ich den Kongreß um 65 Millionen Dollar
an neuen Mitteln sowie um die Umprogrammierung von 103 Millionen Dollar an
bereits bewilligten Geldern als verstärkte Wirtschaftshilfe für Mittelamerika
ersuchen.

Und um sicherzustellen, daß diese Hilfe so produktiv wie möglich

ist, werde ich weiterhin mit dem Kongreß dafür arbeiten, daß die langfristigen
Möglichkeiten für Handel und freie Maßnahmen schnellstens verwirklicht werden,
die die Initiative für das Karibische Becken beinhaltet.

In El Salvador und

im übrigen Lateinamerika gibt es heute Tausende von kleinen Geschäftsleuten,
Bauern und Arbeitern, die ihre Produktivität und ihre geistigen Kräfte aufrechterhalten haben angesichts persönlicher Gefahr, der Sabotage durch die
Guerilla und ungünstiger wirtschaftlicher Bedingungen.

An ihrer Seite stehen

unzählige nationale und örtliche Repräsentanten, militärische und zivile Persönlichkeiten und Priester, die sich weigern, auf die Demokratie zu verzichten.

Ihr Kampf um eine bessere Zukunft verdient unsere Unterstützung.

Wir

sollten stolz sein, dies anbieten zu können, denn letztlich kämpfen wir auch
für uns.
Wenn wir verantwortungsbewußt handeln und kurzsichtige Maßnahmen vermeiden, können wir sowohl loyal sein gegenüber unseren Freunden als auch ehrlich gegenüber unseren demokratischen Prinzipien. Der Charakter einer Nation
wird an ihren Beziehungen zu ihren Nachbarn gemessen. Wir brauchen starke
und stabile Nachbarn, mit denen wir zusammenarbeiten können. Und wir werden
sie nicht im Stich lassen.
Unsere Nachbarn
- 12 -

�Unsere Nachbarn riskieren Kopf und Kragen, um ihr Leben zu verbessern,
ihren Boden ertragsfähiger zu machen und die Demokratie aufzubauen.

Alles,

um das sie uns bitten, ist unsere Unterstützung und unser Verständnis angesichts gefährlicher und bewaffneter Feinde der Demokratie.

Und sie bitten

uns darum, daß unsere Hilfe so beharrlich ist wie ihre eigene Verpflichtung
und ihr eigener Einsatz. All dies wird nicht funktionieren, wenn wir ermüden
oder in unserer Unterstützung nachlassen.

Ich glaube nicht, daß das amerika-

nische Volk dies will, und dies ist auch nicht, was unsere Traditionen oder
unser Glaube erfordern.

Der Kampf unserer Nachbarn um eine bessere Zukunft

verdient unsere Unterstützung, und wir sollten wirklich stolz sein, dies anbieten zu können.
Wir würden tatsächlich eine Zweibahnstraße eröffnen.

Wir sind uns nie-

mals völlig über das große Potential dieser westlichen Hemisphäre im klaren
gewesen.

Ja, ich weiß, daß wir in der Vergangenheit über Pläne gesprochen

haben, die unsere Nachbarn im Süden betrafen, aber dies war unser Plan, den
wir ihnen auferlegen würden - der große Koloß aus dem Norden.
Auf meiner Reise nach Mittel- und Südamerika habe ich um Ideen und Vorstellungen der dortigen Menschen gebeten.
Erbe hingewiesen.

Ich habe auf unser gemeinsames

Wir seien alle als Pioniere zu diesen beiden großen

Kontinenten gekommen.

Wir beteten zu demselben Gott, und wir hätten länger

miteinander in Frieden gelebt als die meisten Menschen in anderen Teilen der
Welt.
Es gibt über 600 Millionen Menschen, die sich Amerikaner nennen - Nord-,
Mittel- und Südamerikaner. Wir haben noch nicht einmal begonnen, die riesigen Ressourcen dieser beiden Kontinente zu erschließen.
Ohne unsere Souveränität, unsere Kultur und unseren Stolz zu opfern,
könnten wir als Nachbarn diese westliche Hemisphäre - unsere Hemisphäre zu einer Kraft des Guten machen, wie sie die Alte Welt niemals gesehen hat.
Aber alles
- 13 -

�Aber alles beginnt mit dem Wort: Nachbar.
Am vorigen Sonntag hat Papst Johannes Paul II dafür gebetet, daß die von
Präsident Magana angekündigten Maßnahmen zu einem "ordnungsgemäßen und friedlichen Fortschritt" in El Salvador beitragen würden - zu einem Fortschritt,
"der sich auf die Achtung der Rechte aller gründet, und daß alle die Möglichkeit haben, in einem Klima echter Demokratie zur Förderung des gemeinsamen
Guten zusammenzuarbeiten."
Meine amerikanischen Mitbürger, wir in den Vereinigten Staaten schließen
uns diesem Gebet für Demokratie und Frieden in El Salvador an, und wir bringen
unsere moralische und materielle Unterstützung ein, um dem salvadorianischen
Volk bei der Verwirklichung einer gerechteren und friedlicheren Zukunft zu
helfen. Und indem wir das tun, stehen wir sowohl für die höchsten Werte unserer freien Gesellschaft als auch für unsere eigenen lebenswichtigen Interessen ein.

+ + + + +

- 14 -

�12

16. März 1983

US-PRÄSIDENT PROKLAMIERT "EXKLUSIVE WIRTSCHAFTSZONE"
Ressourcen im 200-Seemeilen-Bereich unter amerikanischer Zuständigkeit

- (AD) - Eine "exklusive Wirtschaftszone (EEZ)" von 200 Seemeilen Ausdehnung vor den Küsten der Vereinigten Staaten - das Commonwealth von Puerto
Rico, das Commonwealth der nördlichen Marianen gemäß der von den USA übernommenen UN-Treuhandschaft, die überseeischen Territorien und Besitzungen
eingeschlossen - proklamierte Präsident Ronald Reagan am 10. März 1983.
Die Gesamtfläche umfaßt ca. 8,6 Millionen qkm.

Bei Überschneidungen mit

dem Anspruchsbereich eines anderen Staates soll das betreffende Gebiet durch
eine Mittellinie geteilt werden.
Die neuen Richtlinien für die Seerechtspolitik der USA basieren auf einer
gemeinsamen Oberprüfung des Fragenkomplexes durch alle zuständigen amerikanischen Behörden.

Die Proklamation bestätigt die Hoheits- und Kontrollrechte

der Vereinigren Staaten über die lebenden und nichtlebenden Ressourcen von
Meeresbett, Untergrund und Wasserbereichen jenseits der Hoheitszone, jedoch
innerhalb von 200 Seemeilen vor den Küsten der Vereinigten Staaten. Sie
umfaßt im besonderen neue Rechtstitel auch in bezug auf alle Mineralien
(z.B. Erzknollen und Sulfide) in der Zone, die sich nicht mehr auf dem
Kontinentalsockel, aber innerhalb der 200-Meilen-Grenze befinden.

Vorkommen

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�Vorkommen von Metall Sulfiden und Kobalt-Mangan-Krusten in diesen Gebieten
wurden erst in jüngster Zeit entdeckt, es dürfte jedoch Jahre dauern, bis
sie kommerziell abgebaut werden können. Allerdings könnten sie eine wichtige
Quelle für strategisch wichtige und andere Mineralien darstellen.
In einer gesondert zu der Proklamation abgegebenen Erklärung verweist
der Präsident u.a. darauf, daß die Vereinigten Staaten auch künftig das Gleichgewicht der Interessen bei der herkömmlichen Nutzung der Weltmeere, z.B. durch .
Schiffahrt und überfliegen der betreffenden Gebiete, akzeptieren und die
Rechte anderer Staaten in den Gewässern vor den amerikanischen Küsten, wie
in der UN-Seerechtskonvention zum Ausdruck gebracht, anerkennen, solange die
Rechte der USA und anderer Staaten, auch das auf die Freiheit der Meere, im
Rahmen des internationalen Rechts von den Küstenstaaten anerkannt werden.
Der Begriff der "exklusiven Wirtschaftszone" ist im internationalen Recht,
dem die Proklamation des Präsidenten entspricht, bereits anerkannt. Mehr als
50 Staaten haben bereits eine "EEZ" proklamiert.

In manchen Fällen geschah

dies in Übereinstimmung mit dem internationalen Recht, in anderen nicht.
Das EEZ-Konzept wurde in den kürzlich abgeschlossenen Seerechts-Verhandlungen
weiterentwickelt und fand in der Konvention ihren Niederschlag.

Die EEZ ist

nicht mit der Hoheitszone identisch und reicht über die territoriale Zuständigkeit des jeweiligen Küstenstaates hinaus.
In den langjährigen Bemühungen der Vereinigten Staaten um den Ausbau und
die Aktualisierung des Seerechts ging es den USA um eine Rechtsordnung, die
u.a. die friedliche internationale Nutzung der Weltmeere erleichtern sowie
eine gerechte und wirksame Bewirtschaftung und Erhaltung von Meeresressourcen
ermöglichen sollte.

Da aber mehrere wichtige Punkte in den Bestimmungen der

neuen UN-Seerechtskonvention zum Tiefseebergbau den Interessen und Prinzipien
von Industrienationen nicht entsprechen und die Bestrebungen von Entwicklungsländern nicht realisieren helfen, gaben die Vereinigten Staaten am 1. Juli
1982 bekannt, ihre Unterschrift zu der seit dem 10. Dezember 1982 zur Unterzeichnung aufliegenden Konvention zu verweigern.

- 2 -

Sie stehen damit nicht

�damit nicht allein, wie Präsident Reagan erklärte. Einige wichtige Verbündete
und befreundete Staaten haben ebenfalls nicht unterzeichnet.

Und selbst einige

der Signatarstaaten hätten Bedenken wegen der erwähnten Probleme.
Die Vereinigten Staaten werden künftig ihre Schiffahrts- und überflugrechte
weltweit wahrnehmen, wie es dem Interessengleichgewicht im Sinne der Konvention
entspricht.

Sie werden einseitigen Handlungen anderer Staaten nicht nachgeben,

die auf eine Begrenzung der Rechte und Freiheiten der internationalen Gemeinschaft in der Schiffahrt und beim überfliegen sowie bei anderen Nutzungsmöglichkeiten der Hochseegebiete abzielen.
Alle Nationen werden auch weiterhin die Rechte auf die Freiheit der Meere
innerhalb der amerikanischen EEZ wahrnehmen können, sofern sie nicht auf
Ressourcen bezogen sind. Für die gegenwärtige Politik der Vereinigten Staaten
in bezug auf Kontinentalsockel, Meeressäuger und Fischfang wird sich durch die
Proklamation nichts ändern. Das gilt auch für Tunfischarten, die weite Wanderzüge unternehmen. Die Vereinigten Staaten werden sich auch künftig für internationale Abkommen zur Erreichung wirksamer Maßnahmen hinsichtlich dieser Spezies
einsetzen.
- Meeresforschung und Umweltschutz Das internationale Recht sieht für Aufgaben der Meeresforschung die Zuständigkeit der Anrainerstaaten innerhalb der 200-Meilen-Zone vor.
Proklamation wird dieses Recht jedoch nicht geltend gemacht.

In der

Präsident Reagan

begründet dies mit dem besonderen Interesse, das die Vereinigten Staaten an
einer Ermutigung zu Meeresforschung und an der Vermeidung jedweder unnötigen
Belastung der internationalen Beziehungen haben. Gleichwohl erkennen die USA
das Recht anderer Küstenstaaten auf Zuständigkeit für Meeresforschung innerhalb ihrer 200-Meilen-Zone an, wenn diese Zuständigkeit vernünftig in einer
dem internationalen Recht entsprechenden Weise gehandhabt wird.
Die EEZ versetzt

- 3 -

�Die EEZ versetzt die Vereinigten Staaten auch in die Lage, zusätzliche
Schritte - wenn auch begrenzt - zum Schutz der marinen Umwelt zu unternehmen,
über die Internationale Seeschiffahrtsorganisation und andere geeignete internationale Institutionen streben die USA einheitliche internationale Maßnahmen
zum Schutz der marinen Umwelt ohne ungebührliche Belastungen für die kommerzielle
Schiffahrt an.
- Respektierung der UN-Seerechtskonvention In der Proklamation des amerikanischen Präsidenten werden die Rechte aller
Nationen auf "Freiheit der Meere" jenseits der Hoheitsgewässer der Vereinigten
Staaten innerhalb ihrer EEZ (Ressourcen ausgenommen) bestätigt.

Die bisherige,

drei Seemeilen breite Hoheitszone der USA wurde beibehalten und nicht ausgedehnt.
Die Vereinigten Staaten werden die Ansprüche

anderer Staaten auf Hoheitsge-

wässer von mehr als drei Seemeilen Breite - maximal 12 Seemeilen - anerkennen,
die in der Hoheitszone den USA ihre vollen Rechte nach internationalem Recht
zugestehen.

Ungestörte Aktivitäten von kommerziellen und militärischen See-

fahrzeugen sowie überfliegen sind für das nationale Interesse der Vereinigten
Staaten von entscheidender Bedeutung.

Die USA sind bereit, die maritimen

Ansprüche anderer, - auch auf Wirtschaftszonen -, welche mit dem in der Konvention zum Ausdruck kommenden internationalen Recht übereinstimmen, zu respektieren,
wenn die Rechte und Freiheiten der Vereinigten Staaten in solchen Gebieten nach
internationalem Recht von dem betreffenden Küstenstaat respektiert werden.
Die Proklamation und die bekanntgegebenen Richtlinien für die amerikanische «
Politik zeigen die Entschlossenheit des amerikanischen Präsidenten, die maritimen
Interessen der USA in einer Weise zu schützen und zu fördern, die mit dem inter- "
nationalen Recht in Einklang steht.

Die Anwendung der gegenwärtigen amerika-

nischen Gesetze in bezug auf die hohe See oder die Zuständigkeit amerikanischer
Regierungsbehörden wird von den neuen Entscheidungen nicht berührt.

Die Ver-

einigten Staaten werden weiterhin mit anderen Staaten zusammenarbeiten, um für
den Abbau von Tiefseemineralien außerhalb nationaler Zuständigkeiten

eine

Rechtsordnung zu entwickeln, die frei ist von unnötigen politischen und
- 4 -

�politischen und wirtschaftlichen Beschränkungen.

Der Tiefseebergbau bleibe,

so der Präsident, eine berechtigte Anwendung des Rechts auf die Freiheit der
Meere, die allen Nationen offenstehe.

Die Vereinigten Staaten werden ameri-

kanischen Firmen auch künftig erlauben, Aktivitäten zur Exploration dieser
Ressourcen und, wenn der Markt es zuläßt,

zu ihrer Ausbeutung zu unternehmen.

In der Gesetzgebung zur Realisierung der neuen politischen Vorschläge wird
die US-Regierung mit dem Kongreß eng zusammenarbeiten.
- Hintergrund James Malone, Unterstaatssekretär für Meere

sowie internationale Umwelt-

und Forschungsfragen im amerikanischen Außenministerium, umriß im Zusammenhang
mit der Proklamation der EEZ, wie gegenwärtig Hoheitsrechte über natürliche
Ressourcen außerhalb der Hoheitsgewässer, jedoch innerhalb einer 200 Seemeilen
breiten Wirtschaftszone vor den Küsten gehandhabt werden.

Die historische

Grundlage für einen solchen Rechtstitel ist die Proklamation Präsident Trumans
von 1945 bezüglich der Zuständigkeit und Kontrolle für natürliche Ressourcen
des Kontinentalsockels.

In dieser Proklamation beanspruchten die USA das Recht

auf Zuständigkeit und Kontrolle über die Ressourcen des Kontinentschelfs bei
gleichzeitiger Wahrung herkömmlicher Rechte auf "Freiheit der Meere" in dem
Gebiet.

Im Jahr 1976 erhielten die sich entwickelnden Praktiken der Staaten

hinsichtlich der 200-Meilen-Zone für Ressourcen und juristische Zuständigkeit
durch die Schaffung der amerikanischen Fischerei-Schutzzone weiteren Auftrieb.
Heute werden im internationalen Gewohnheitsrecht die Rechte und Zuständigkeiten der Küstenstaaten sowohl über das Kontinentalschelf als auch die 200Meilen-Fischereizone anerkannt.

Die EEZ gilt allgemein als rechtmäßig.

Der

Begriff der exklusiven Wirtschaftszone wurde während der Verhandlungen zur
Seerechtskonvention umfassend entwickelt.

Gegenwärtig wird die EEZ über

200 Seemeilen von 56 Staaten beansprucht; weitere 23 Staaten, u.a. die USA,
beanspruchen die 200-Seemeilen-Fischereizone.

Die Proklamation einer EEZ durch

den amerikanischen Präsidenten entspricht internationalen Gepflogenheiten.
+ + + + +
- 5 -

�16. März 1983

12

HAARRISS MIT KETTENREAKTION
CHALLENGER-Startverschiebung schafft Probleme für andere Weltraumprogramme
Von G. Weiss

- (AD) - Wie eng inzwischen verschiedene Weltraumprogramme miteinander
verflochten sind, zeigen die Schwierigkeiten, die sich als Folge der mehrfachen Verschiebung des Starts der Raumfähre CHALLENGER ergeben können.
Beim Flug STS-6 soll der Raumtransporter als wichtigste Nutzlast einen
TDR-Satelliten mitnehmen und in der Umlaufbahn absetzen - einen neuartigen
Nachrichtensatelliten, den bisher größten und leistungsstärksten dieser Art.
Im Juli, spätestens August 1983 müßte bereits das zweite TDRS-Exemplar in
den Weltraum gebracht werden, wenn der Startplan für das europäische Weltraumlabor SPACELAB mit der Raumfähre (an Bord der bis zum Herbst für die
Aufnahme von SPACELAB umgerüsteten COLUMBIA) realisiert werden soll. Die
Datenflut aus dem SPACELAB ist ohne TDRS gar nicht zu bewältigen.

Außerdem

sind im Weltraumlaboratorium 72 Experimente zu betreuen, die wegen ihrer
Abhängigkeit vom Sonnenstand ein bestimmtes "Startfenster" benötigen. Das
wäre vom 15. Oktober 1983 an für mehrere Monate wieder geschlossen. Und
das Startfenster für CHALLENGER selbst wird derzeit immer enger: Im Januar
betrug der Spielraum für den Start noch drei Stunden am Tag - derzeit sind
es nur noch 18 Minuten. Auch für die reibungslose Datenübertragung von
fast 30 anderen, unbemannten Erdsatelliten zu bestimmten Bodenstationen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�bestimmten Bodenstationen werden die beiden TDRS-Satelliten dringend gebraucht.
Mit der Entdeckung eines 19 mm langen Haarrisses in einem Leitungsstutzen für Wasserstoffgas an einem der Haupttriebwerke begann das Dilemma.
Dann wurden noch an anderen Stellen, und dies bei allen drei Haupttriebwerken
der CHALLENGER, winzige Risse gefunden.
konnte ausdringen.

Sowohl Wasserstoff als auch Sauerstoff

Ein Spezialistenteam des Herstellerwerks arbeitet seit

Ende Januar zusammen mit NASA-Experten im Kennedy-Raumfahrtzentrum daran, die
Gefahrenquellen zu beseitigen,

übergroße Vorsicht könnte, wie jetzt die

Fachleute meinen, mit im Spiel gewesen sein: Im Hinblick auf eine Triebwerksleistung, die frühestens 1984, vielleicht erst 1985 gebraucht würde, sollten
den CHALLENGER-Motoren neun Prozent mehr Schubleistung als jenen der COLUMBIA
abverlangt werden.

Da eine höhere Vibrationsbelastung zu erwarten war,

entschlossen sich NASA-Ingenieure dazu, Leitungen für heißes Gas, die einen
relativ dünnen Querschnitt haben, von außen zu verstärken.

Das aber machte die

Rohre an einigen Stellen so unelastisch, daß bei Brenntests Haarrisse entstanden.
Der Leiter des Raumtransporterprogramms, Generalleutnant James A.
Abrahamson, erwartet nun den ersten CHALLENGER-Start für Ende März, eventuell
Anfang April. Eine weitere Verzögerung würde jedoch eine ganze Kette von
Problemen nach sich ziehen, weil z.B. für die Mitnahme und das Absetzen von
Nachrichtensatelliten anderer Länder und für den deutschen Rückkehrsatelliten
SPAS-1 für das laufende Jahr feste Buchungen vorliegen.
Auch das Projekt SPACELAB, Beitrag der Europäischen Weltraumorganisation
ESA zum amerikanischen Raumtransporterprogramm, würde hart betroffen.

Der

erste Start des in Bremen gebauten Weltraumlabors ist mit der COLUMBIA für
den 30. September oder in den ersten Oktobertagen 1983 vorgesehen.

Die

Kapazität dieses Vielzwecklabors im Weltraum kann aber nur genutzt werden,
wenn zwei der neuartigen TDRS-Satelliten funktionsbereit sind.

Ihre Akti-

vierung und Oberprüfung durch Spezialpersonal in zwei großen amerikanischen

- 2 -

�großen amerikanischen Bodenstationen erfordert allein schon vier Wochen Zeit.
- Vielzwecksystem TDRS ist die Abkürzung für "Tracking and Data Relay Satellite".

Er ist

für Aufgaben der Bahnbeobachtung und Datenübermittlung in Verbindung mit verschiedenen Satelliten-Typen der NASA und mit einigen militärischen Nachrichtensatelliten bestimmt.

In 36 000 km Höhe stationiert, vermag er zu 28 anderen

Satelliten in Erdumlaufbahnen zu "sprechen".

TDRS ist Relaisstation für deren

Funkdaten, die er an die zuständigen Bodensationen weitergibt, oder auch für
Funkbefehle und Sendungen, die über diese Satelliten an bestimmte Empfänger
weiterzuleiten sind.
Im SPACELAB allein - von seinem Transportgefährt Space Shuttle einmal
ganz abgesehen - fallen pro Sekunde 32 Millionen "bits" Informationseinheiten
an.

Hochleistungs-Datensammler an Bord nehmen sie auf, müssen sie aber auch

schnell wieder

loswerden. Andernfalls wären die Wissenschaftsastronauten

gezwungen, alle 24 Minuten die Magnetbänder zu wechseln - eine übergroße
zusätzliche Belastung bei ihrer Arbeit, die ohnehin viel Konzentration und
minutengenaue Termineinhaltung, auch im Hinblick auf den Ablauf von Experimenten samt Datenübermittlung an TDRS, erfordert.
Als Standorte der ersten beiden TDRS-Geräte ist je eine Position über
dem Atlantik und östlichen Pazifik auf erdsynchroner Bahn vorgesehen. "Erdsynchron" bedeutet, daß die Umlaufgeschwindigkeit des Satelliten der Geschwindigkeit der Erddrehung an der Oberfläche
Bahnhöhe von knapp 36 000 km der Fall.

entspricht.

Und das ist bei einer

Für einen Beobachter auf der Erde

scheint dann der Satellit seinen Standort nicht zu verändern.
über das TDRS-System kann praktisch lückenloser Funkkontakt zum Raumtransporter, der in knapp 300 km Höhe um die Erde kreist,und dem in seiner Ladebucht verstauten Weltraumlabor gehalten werden.

- 3 -

Auch der Funksprechverkehr

�der Funksprechverkehr mit den Astronauten läuft über TDRS.

Bisher waren

13 Bodenstationen, rund um die Erde verteilt, notwendig, um mit den Astronauten
Verbindung zu halten.

Dennoch war sie stets für längere Zeit unterbrochen,

sobald sich die Raumfähre aus dem "Sichtbereich" der einer, Station entfernt
und den der nächsten noch nicht erreicht hatte.

Für den Flug STS-6 mit TDRS

als Nutzlast werden in Zusammenarbeit mit mehreren Bodenstationen drei
Kontroll Zentren eingesetzt, von denen eines für den Antriebsteil des TDRS,
ein zweites für den Nachrichtensatelliten selbst zuständig ist.
befindet sich in White Sands (New Mexico).

Letzteres

Es hat 400 Mann Personal und ist

die komplizierteste Bodenstelle, die in den USA bisher errichtet wurde.
TDRS ist ein 2,2-Milliarden-Dollar-Projekt mit insgesamt sechs der neuartigen Nachrichtensatelliten. (Ober die Verwendung von vier der Geräte wurde
noch nicht entschieden). Sie übertreffen an Gewicht alle "Konkurrenten", die
bisher in der 36 000 km-Bahn stationiert worden sind. Dem Raumtransporter
beschert TDRS eine Zuladung von fast 18 Tonnen, dazu weitere 2,3 Tonnen für
seine Wärmeisolierung an Bord, so daß die Fracht beim ersten CHALLENGER-Flug
einer Masse entspricht, wie sie von den SATURN V-Raketen transportiert wurde.
Allerdings beträgt das Endgewicht des TDRS-Satelliten an seinem Standort nur
noch etwa drei Tonnen. Die Differenz entfällt auf die zwei eigenen Antriebsstufen, die ihn aus der Umlaufbahn der CHALLENGER zur Arbeitsposition befördern.
Der Nachrichten-Satellit, der keine Daten verarbeitet, sondern ausschließlich als Relaisstation dient, hat drei Meter Durchmesser, ist 5,77 Meter hoch,
wird mit Sonnenenergie versorgt und hat bei ausgefahrenen Kollektorplatten
17,3 m Spannweite.

In der Querachse zu den Solarzellenplatten sind die beiden

Hauptantennen für Übertragungen auf S- und K-Band angebracht.

Es sind Para-

bolantennen von je 4,9 m Durchmesser, die die Spannweite in dieser Achse auf
14 m bringen.

Nahe einer der beiden Kollektorplatten sitzt eine 2 m-Parabol-

antenne, über die die Funkbefehle der Bodenstation laufen.

Eine vierte,

noch kleinere Parabolantenne war ursprünglich für Übermittlungen auf dem

- 4 -

i

�auf dem kommerziellen C-Band gedacht, wird aber nach Umstellung der Pläne für
den Einsatz der ersten beiden TDRS-Geräte, die jetzt ausschließlich mit NASASatelliten sowie bestimmten militärischen Nachrichtensatelliten Verbindung
halten sollen, nur im Rahmen regierungseigener Aufgaben verwendet.
- Komplizierte Startmanöver Um TDRS aus dem CHALLENGER-Orbit erfolgreich starten zu können, sind
diffizile Manöver und die minutengenaue Einhaltung von Vorbereitungsprogrammen
erforderlich. Die letzte Absetz-Gelegenheit ergäbe sich 24 Stunden nach dem
Start der Raumfähre während ihrer 20. Erdumkreisung. Denn danach wären die
Batterien, die einige Heizgeräte für die Nutzlast mit Strom speisen, wahrscheinlich erschöpft. Wenn aber die Bodenzentralen, die die Antriebsstufen
und den Nachrichtensatelliten getrennt überprüfen, schon früher grünes Licht
geben, könnte das Absetzen im achten Erdumlauf (10 Stunden nach Start der
Raumfähre in Cape Canaveral), dann eineinhalb und drei Stunden später versucht werden. Gelingt es weder in dieser Zeit noch während des 20. Orbits,
muß TDRS zur Erde zurückgebracht werden.
Während der ersten fünfeinhalb Stunden fliegt CHALLENGER in Rückenlage,
die geöffnete Ladebucht zur Erde gerichtet, um den TDRS-Satelliten vor Sonneneinstrahlung zu schützen. Dann aber wird ein Rollmanöver erforderlich, damit
das Sternenpeilgerät an der zweiten Antriebsstufe des TDRS seine beiden Leitsterne für eine eventuell notwendige Korrektur der Steuerungskreisel finden
kann. Das Absetzmanöver wird von Astronaut Musgrave, sofern der erste Zeitpunkt eingehalten werden kann, 10 Stunden und 1 Minute nach dem CHALLENGERStart von Hand eingeleitet - im Dunkeln über dem Atlantik, außerhalb einer
Verbindung zu einer Bodenstation. Sechs Federmechanismen werden gelöst und
setzen das fast 11 m lange Ungetüm von dem auf 59 Grad Neigung eingestellten
Tisch frei. Es entfernt sich äußerst langsam, mit nur 7,3 m pro Minute, von
der Raumfähre. Chefpilot Weitz setzt diese schon eine Minute nach dem Absetzen tiefer und durch Kurskorrekturmanöver 19 Minuten später bis auf
51 km Abstand zurück. TDRS wird dabei vom Raumtransporter aus optisch verfolgt
Ca. 55 Minuten nach der Trennung zündet die erste Stufe der beiden Feststoffraketen, die TDRS auf seine geostationäre Umlaufbahn befördern.
+ + + +
- 5 -

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