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mIERlIK

Information
und
Dokumentation

1

Dl ElN!ST

^

United States Information Service
Embassy of the United States of America
2. März 1983

10
INHALT

DOKUMENTATION
Rede von Präsident Reagan vor der "American Legion"
- Wortlaut Weinberger:

Einfrieren der Kernwaffen würde Stillstand der

Rüstungskontroi 1verhandlungen bedeuten
- Rede des US-Verteidigungsministers vor dem amerikanischen
Kriegsteilnehmerverband "American Legion" -

HINTERGRUNDMATERIAL
Initiativen Präsident Reagans zur Rüstungsverminderung
- Eine Chronologie Admiral Howe zu den Abrüstungsverhandlungen
- Erklärung des Direktors des Büros für politisch-militärische
Angelegenheiten im US-Außenministerium WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Verstärkung der Strahlenempfindlichkeit von Tumoren
- FDA genehmigt klinische Erprobung eines neuen Medikaments Schwefelsäurewolken in der Stratosphäre
- Vulkanausbruch beeinflußt vermutlich jahrelang Sonneneinstrahlung

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

2. März 1983

10

REDE VON PRÄSIDENT REAGAN VOR DER "AMERICAN LEGION"
Wortlaut

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 22. Februar 1983 vor
dem amerikanischen Kriegsteilnehmerverband "American Legion" in einer vielbeachteten Rede einen Oberblick über die Politik der Vereinigten Staaten während der ersten zwei Jahre seiner Amtszeit gegeben.

Amerika, so betonte der

Präsident, gehe mit einem "neuen Gefühl des Vertrauens" in die Zukunft.
Die Rede von Präsident Reagan hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte Ihnen heute über den Fortschritt berichten, den wir in den
letzten zwei Jahren in unserem Streben nach Frieden und Freiheit in einer unsicheren Welt gemacht haben.
In den letzten Tagen habe ich Berichte von vier leitenden Mitgliedern
dieser Administration erhalten, die von einer weltweiten Mission zurückgekehrt
sind.

Vizepräsident Bush fand eine herzliche Aufnahme in Europa, wo er dazu

beitrug, viele falsche Vorstellungen bezüglich der amerikanischen Politik auszuräumen.

Außenminister Shultz unternahm eine lange Reise durch den Fernen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�den Fernen Osten.

Unsere Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Jeane

Kirkpatrick, kehrte von einer Mission in Süd- und Mittelamerika zurück. Und
mein Berater für nationale Sicherheit, Bill Clark, berichtete von Konferenzen mit unseren Rüstungskontroll Unterhändlern Paul Nitze und Ed Rowny.

Das Erbe der Vergangenheit
Die Berichte all dieser fähigen Regierungsvertreter haben uns einen
Überblick über den aktuellen Stand der internationalen Szene gegeben.

Es

ist ein ermutigender Überblick, der einen wesentlichen Fortschritt seit
jenem Tag im August 1980 erkennen läßt, als ich Sie um Unterstützung bat
und diese erhielt.

Die internationale Lage war damals wirklich besorgnis-

erregend für all jene, die sich Sorgen machten um Amerika und die Sache
des Friedens und der Freiheit.
Unser Land war das Ziel zahlloser politischer und terroristischer Angriffe auf der ganzen Welt.

In den Augen vieler unserer Freunde waren wir

ein unsicherer Verbündeter geworden.

In den Augen potentieller Gegner wa-

ren wir zu einer fragwürdigen Abschreckung vor einer Aggression geworden.
Unsere Position in den Vereinigten Staaten war bis auf einen unerträglichen
Stand gesunken, und unsere Stärke als Weltmacht war, an allen Maßstäben moralisch, politisch, militärisch, wirtschaftlich - gemessen,in einem solchen Maße zurückgegangen, daß die Feinde der Demokratie und der internationalen Ordnung glaubten, sie könnten diese Schwäche ausnützen.

Die Sowjets

haben ihre kubanischen Söldner nach Angola und Äthiopien entsandt; chemische
Waffen gegen unschuldige Laoten und Kambodschaner eingesetzt und sind in
Afghanistan einmarschiert - das alles ungestraft.

Das erniedrigendste Symbol

dieser traurigen Situation war das Schauspiel iranischer Terroristen, die
amerikanische Geiseln nahmen und sie und unser Land über ein Jahr lang demütigten.
Wie konnte

�Wie konnte all das geschehen?

Die Antwort ist:

aufgehört, ein Führer der Welt zu sein.

Amerika hatte einfach

Das war nicht die ausschließliche

Schuld eines Politikers oder einer Partei - und es wird einer wirklich überparteilichen Anstrengung bedürfen, das alles wieder in Ordnung zu bringen.
Zu lange bestand unsere Außenpolitik aus Reaktionen auf Krisen, Reaktionen auf politische Programme anderer und aus Reaktionen auf feindselige Handlungen der Gegner von Freiheit und Demokratie.

Wir standen immer im Wettbe-

werb auf dem Felde, das unsere Gegner wählten, mit Themen und Zeitpunkten
ihrer Wahl.

Und niemand weiß besser als Kriegsteilnehmer, daß man, wenn man

in der Defensive ist, nicht vorrücken kann.

Die einzige Bewegung, die einem

bleibt, ist der Rückzug.
Manche unserer Meinungsmacher hatten aufgehört, daran zu glauben, daß
wir eine Macht für das Gute in der Welt sind. Sie schämten sich, weil Amerika
reich war in einer Welt mit so viel Armut. Sie erklärten viel zu selten,
wenn überhaupt, daß Amerikas Reichtum nicht aus Ausbeutung oder vom bloßen
Glück stammt, sondern aus der harten Arbeit des amerikanischen Volkes, aus
der Risikofreudigkeit amerikanischer Investoren, aus dem schöpferischen Geist
amerikanischer Erfinder und Unternehmer und aus einem freien System der Anreize.
Zu viele unserer führenden Persönlichkeiten sahen die Sowjets als ein
Spiegelbild ihrer selbst. Wenn wir nur abrüsteten, dann würden die Sowjets
ein Gleiches tun. Sie verbrachten all ihre Zeit damit, die Welt so zu sehen,
wie sie sehen wollten, nicht, wie sie wirklich war und ist. Und so kann man
den Frieden nicht sichern.
Ihre Einstellung ließ den zentralen Bezugspunkt der Politik außer acht
- das Denken, die Herzen, die Sympathien, die Hoffnungen und Wünsche nicht
der Regierungen, sondern der Völker. Das 20. Jahrhundert hat die wachsende
Beteiligung aller Völker an der internationalen Politik gebracht - und Amerika war auf dem Weg dahin führend. Und doch haben selbst in diesem Zeitalter

- 3 -

�diesem Zeitalter der Massenkommunikation zu viele unserer Führer diese entscheidende Dimension außer acht gelassen.
Zu viele unserer verantwortlichen Politiker hatten den Bezug zu den
sich verändernden Realitäten der Welt verloren.

Ihnen fehlte die Einsicht,

daß Amerika, wenn es heute eine wirksame Macht des Friedens sein sill, erfolgreich um die Sympathien der Weltbevölkerung - der weltweiten Wählerschaft werben muß.

Wir können nicht einfach nur gegen dies und gegen das sein.

Wir

können nicht einfach nur defensiv auf die politischen Vorschläge anderer reagieren, sie manchmal kritisieren, uns manchmal mit ihnen abfinden, ohne positive Alternativlösungen für Grundprobleme des Menschen anzubieten.
Kurz gesagt, sie ließen unsere Pflicht außer acht, für den konstruktiven
Wandel zu arbeiten, nicht einfach nur den Status quo zu erhalten.

Ein Konsens für erneute amerikanische Führung
Glücklicherweise spürte das amerikanische Volk, wohin diese gefährliche
Reise ging. Und 1980 setzte ein nationales Wiedererwachen ein - ein Wiedererwachen, das zu einem neuen Pflichtgefühl führte, einem neuen Gefühl des
Vertrauens in Amerika und die universalen Prinzipien und Ideale, auf denen
unser freies System ruht. Es handelt sich hier nicht um eine arrogante Forderung, daß sich andere unserer Lebensweise anpassen sollen; es handelt sich
um die realistische Überzeugung, daß das amerikanische Experiment relativ und
erwiesenermaßen Erfolg gehabt hat. Was wir in Amerika heute erleben - trotz
der vielen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen wir zu kämpfen haben ist die erneute Überzeugung, daß unser System richtig ist. Das System hat
uns nie im Stich gelassen. Wir haben das System im Stich gelassen, jedesmal
wenn wir die fundamentalen Prinzipien vergaßen, auf denen es beruht.
Wenn Amerika die ihm zustehende Rolle in der Welt spielen sollte, dann
mußten wir erst unser eigenes Haus in Ordnung bringen.

- 4 -

1

Ersten

und höchsten

�und höchsten Vorrang hatte die Wiederherstellung einer gesunden wirtschaftlichen Basis hier in unserem eigenen Lande.

Wir mußten der Inflationsspirale

Einhalt gebieten, die unser Land jahrelang heimgesucht hat, Not unter jenen
verbreitend, die von festen Einkommen leben müssen; die Märkte für langfristiges Kapital zerstörend; und die Zukunft unserer Kinder und Enkel verpfändend.
Dann mußten wir die Grundlage für einen Wiederaufschwung schaffen, der auf anhaltendem Wachstum beruht, ohne das Gespenst der Inflation wieder gegen uns
und die Welt loszulassen.
Wir haben unser erstes wirtschaftliches Ziel erreicht, und wir sind
der Erreichung des zweiten ein gutes Stück näher gekommen.

Die Inflation,

die 1979 und 1980 noch zweistellig war, betrug 1982 nur 3,9 Prozent und war
im letzten Quartal auf eine auf Jahresbasis umgerechnete Rate von nur 1,1 Prozent gesunken.
Die andere wesentliche Vorbedingung einer gestärkten und zielstrebigen
Außenpolitik war der Wiederaufbau der Grundlage unserer militärischen Stärke.
"Für den Krieg vorbereitet zu sein", so sagte George Washington, "ist... das
wirksamste Mittel, um den Frieden zu erhalten."

Gerade weil wir dem Frieden

verpflichtet sind, haben wir die moralische Pflicht, die Glaubwürdigkeit der
Verteidigung Amerikas zu gewährleisten.
Ich bin mir durchaus im klaren, daß viele wohlmeinende Menschen die
Ausgabe gewaltiger Summen Geldes für militärische Zwecke in einer Zeit wirtschaftlicher Schwierigkeiten bedauern.

Ähnliche Stimmen wurden auch in den

dreißiger Jahren laut, als die wirtschaftlichen Verhältnisse sehr viel schlimmer waren als das, was wir heute mitmachen.

Aber weil man diesen Stimmen

nachgab, entstand ein katastrophales militärisches Ungleichgewicht, das die
Kräfte der Tyrannei und des Bösen in Versuchung führte und die Welt in einen
ruinösen Krieg stürzte.

Manche von Ihnen werden sich noch daran erinnern,

wie sie mit Holzgewehren exerzierten und Manöver mit Panzern aus Pappe abhielten.

Diese Erfahrung dürfen wir nicht noch einmal machen.
Zwei Jahrzehnte

�Zwei Jahrzehnte lang hat die Sowjetunion nichts anderes getan, als die
mächtigsten Streitkräfte in der Geschichte der Menschheit aufzubauen.

In

diesem Zeitraum begrenzten die Vereinigten Staaten ihre eigenen Militärausgaben bis zu dem Punkt, an dem unsere Investitionen in die Verteidigung
real zurückgingen, während sich die militärischen Investitionen der Sowjets
während der siebziger Jahre auf fast das Doppelte unserer eigenen beliefen.
Weder unsere Selbstbeschränkung, noch der Verzicht auf wichtige Waffensysteme,
noch die Ernte eines Jahrzehnts an Rüstungskontroi labkommen und -Verhandlungen
haben dem Streben der sowjetischen Führung nach weltweiter militärischer Überlegenheit Einhalt geboten, ja es nicht einmal verlangsamt.
Vor zwei Jahren haben wir mit der langen und schweren Aufgabe begonnen,
die amerikanische Verteidigung nach diesen Jahren der Unterfinanzierung und
Vernachlässigung wieder aufzubauen.

Heute stehen wir kurz davor, ein Ver-

teidigungsprogramm einzusetzen, das unsere Sicherheitserfordernisse erfüllt.
Wenn wir die Entschlossenheit zeigen, die militärischen Ausgaben auf dem notwendigen Stand zu halten, dann können wir das Gleichgewicht und die Abschrekkung wiederherstellen und den Frieden besser schützen.

Amerikas Ziel in den achtziger Jahren
Ich möchte mich jetzt unserer außenpolitischen Strategie zuwenden. Das
erste, was diese Administration tat, war das, was das amerikanische Volk nach
unserer Meinung von uns erwartete - nämlich eine realistische Betrachtungsweise der Welt und unserer Gegner einzuführen und die unverfälschte Wahrheit
über sie zu sagen. Wenn man schlechtes Benehmen auch noch entschuldigt, dann
ermutigt man die Leute, die sich schlecht benehmen,und lädt zur Aggression ein.
Wenn wir eine Politik der Ehrlichkeit und des Realismus gegenüber den
Sowjets verfolgen, dann heißt das nicht, daß keine produktiven Beziehungen
zwischen unseren beiden Ländern möglich wären. Was für solche Beziehungen notwendig ist, sind Zurückhaltung und Gegenseitigkeit.

- 6 -

Zurückhaltung muß in

�muß in Taten und nicht nur in Worten geübt werden. Wir achten das Völkerrecht und die Unabhängigkeit anderer Völker.

Alles was wir wollen, ist, daß

sich die Sowjets genauso verhalten.

Wiederherstellung der Beziehungen zu Verbündeten
Glücklicherweise ist Amerika in seinem Streben nach einer friedlichen,
gedeihlichen und humanen internationalen Ordnung keineswegs allein. Neben
uns stehen unsere Freunde und Verbündeten, vor allem die Demokratien Europas,
Lateinamerikas, Asiens und des Pazifik. Mit uns sind im Geiste auch Millionen von Menschen in Polen und anderen sowjetisch beherrschten Ländern, wie
auch im sowjetischen Imperium selbst. Ich habe dieser Tage ein Foto gesehen,
das aus Polen herausgeschmuggelt wurde. Das Foto zeigt einen kleinen Jungen
und ein ganz kleines Mädchen, die ein Pappschild tragen, auf dem steht:
"Unser Vater ist im Gefängnis für die Solidarität".
Die Aufrechterhaltung unserer Bündnispartnerschaften ist ein Schlüssel
unserer Außenpolitik. Der Grundpfeiler der Sicherheit Europas ist und bleibt
das NATO-Bündnis. Die NATO ist mehr als nur ein Militärbündnis. Sie ist ein
freiwilliger politischer Zusammenschluß freier Männer und Frauen auf der Basis
gemeinsamer Prinzipien und einer gemeinsamen Geschichte. Die Bindungen, die
uns mit unseren europäischen Verbündeten verknüpfen, sind nicht die harten
Bindungen der reinen Nützlichkeit oder die schweren Handschellen des Zwangs.
Sie sind so etwas wie das, was Abraham Lincoln das "mystische Band der Erinnerung" nannte, das Völker verbindet, die eine gemeinsame Vision haben.
Möge niemand auf der einen wie auf der anderen Seite des Atlantik daran zweifeln: Die Freiheit und die Unabhängigkeit der Verbündeten Amerikas sind
und bleiben uns so teuer wie die unsrigen.
Das fundamentale Ziel der sowjetischen Außenpolitik ist es, die Bande
zu zerbrechen, die uns mit unseren NATO-Partnern verbinden. Die wachsende
nukleare Bedrohung Europas, vor allem seit Mitte der siebziger Jahre, hat

- 7 -

�Jahre, hat ein politisches wie auch ein militärisches Ziel - die bewußte
Steigerung eines Gefühls der Unsicherheit unter den Völkern Westeuropas und
die Forderung nach Anpassung an die sowjetische Macht.
Das letztliche Ziel der Sowjets in Europa ist es, die Länder zu zwingen,
sich den sowjetischen Interessen zu sowjetischen Bedingungen anzupassen. Wir
sollten eigentlich alle wissen, wie diese Bedingungen aussehen. Wir brauchen
nur bis zur Berliner Mauer und bis zum Eisernen Vorhang zu gehen. Die Wahrheit ist etwas, was wir und unsere NATO-Verbündeten ohne Zögern einsetzen
sollten, um den Vorwürfen und Drohungen gegen uns zu begegnen. Die Wahrheit
zu sagen, war eine der Hauptaufgaben, die Vizepräsident Bush auf seiner kürzlichen Europareise erfüllt hat. Er hat die Luft von Falschinformationen gereinigt - ja von bewußten Fälschungen.
- Er bekräftigte die fundamentale Verpflichtung Amerikas zum Frieden. Wir
betreiben keinen Imperialismus, keine Aggression oder Eroberung. Wir
bedrohen niemanden. Die sowjetischen Führer wissen nur zu gut, daß es
in den Vereinigten Staaten oder sonstwo im Westen keine politische Wählerschaft gibt, die für eine militärische Aktion wäre.
- Vizepräsident Bush bekräftigte unsere Verpflichtung zu ernsthaften,
beiderseitigen und verifizierbaren Rüstungsverringerungen. Unser Vorschlag ist ernst gemeint und brächte wirkliche Verringerungen der Waffen und nicht nur ein Festschreiben des bestehenden Standes der Bewaffnung auf beiden Seiten.
- Der Vizepräsident hat auch meine Bereitschaft übermittelt, jederzeit
und überall mit Generalsekretär Andropow zusammenzutreffen und ein Abkommen zu unterzeichnen, das eine ganze Klasse von Waffen vom Antlitz
dieser Erde verbannen würde. Dieses Angebot gilt weiterhin.
- Und schließlich hat er unsere Überzeugung vermittelt, daß ein Erfolg
in den Bemühungen, die strategischen Arsenale beider Seiten wesentlich

•;&lt;
»

I

�Seiten wesentlich zu verringern, von der anhaltenden Einigkeit im
Bündnis und von der Entschlossenheit abhängt, die Wahrheit über die
Bedrohung zu sagen, vor der wir stehen.
Ich bin eine starke persönliche Verpflichtung eingegangen, bei den Verhandlungen in Genf über nukleare Mittel Streckensysteme ein Rüstungsverminderungsabkommen zu erreichen.

Wir und unsere Verbündeten sind uns voll und

ganz einig, daß mein Vorschlag für die völlige Beseitigung einer ganzen Klasse
von weiterreichenden, landgestützten INF-Raketen die beste und moralischste
Lösung ist und bleibt.

Wir verhandeln in Genf in gutem Glauben und wir nehmen

keineswegs eine "Alles oder Nichts"-Position ein.

Unsere Verhandlungen in

Genf gehen von vernünftigen Prinzipien aus, die nach langen und eingehenden
Konsultationen von allen unseren Verbündeten unterstützt werden.

Zu diesen

Prinzipien gehören:
- Die einzige Basis, auf der ein faires Abkommen erreicht werden kann,
ist die der Gleichheit der Rechte und Begrenzungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
- Daraus folgt, daß britische und französische strategische Systeme per
definitionem nicht Bestandteil dieser bilateralen Verhandlungen sind
und daher nicht über sie verhandelt werden kann.
- Ferner können sowjetische Vorschläge, die die Bedrohung lediglich von
Europa nach Asien verlagern würden, nicht als vernünftig betrachtet
werden.
- Und schließlich wird es, wie auf allen Gebieten der Rüstungskontrolle,
entscheidend wichtig sein, daß ein INF-Abkommen durch wirksame Verifizierungsmaßnahmen garantiert wird.
Wir betrachten diese Vorschläge als ein Angebot der besten Hoffnung
auf die Gewährleistung von Frieden und Stabilität durch die Verringerung der
INF-Systeme.

Zu diesem Zweck hat Botschafter Nitze die Anweisung, in Genf

�in Genf alle vorgeschlagenen Lösungen zu sondieren, die im Einklang mit den
Prinzipien stehen, hinter denen das Bündnis steht.
Wenn wir von Bündnissen, Freunden und Anliegen der Vereinigten Staaten
sprechen, dann müssen wir Asien besondere Aufmerksamkeit schenken.

Die ame-

rikanisch-japanischen Beziehungen sind und bleiben das Kernstück unserer
Asienpolitik.

Zusammen können die Vereinigten Staaten und Japan einen gewal-

tigen Beitrag zur wirtschaftlichen Dynamik und zum technologischen Fortschritt
leisten, die wir für das wirtschaftliche Wachstum und die wirtschaftliche Entwicklung in der ganzen Welt brauchen.

In Asien selbst werden wir weiterhin

unsere Partnerschaft zur Unterstützung des Friedens stärken.

Ministerpräsi-

dent Nakasone und ich haben während seines kürzlichen Besuches-in Washington
unsere Verpflichtung zu dieser Partnerschaft bekräftigt - und der Besuch von
Außenminister Shultz in Tokio hat das unterstrichen.
Unser Verhältnis zur Volksrepublik China ist ein weiterer wichtiger
Punkt - nicht nur für den Frieden und die Stabilität in Asien, sondern in
der ganzen Welt.

Während seines Besuches in Peking hat Außenminister Shultz

viele Stunden lang offene und nützliche Gespräche mit chinesischen Führern
geführt.

Das wichtigste Ergebnis dieser Gespräche war die Erkenntnis, daß

trotz unserer offenkundigen Differenzen beide Seiten diese Beziehung schätzen
und sich verpflichtet fühlen, sie zu verbessern.
Wenn wir unsere Beziehungen zu China ausbauen, dann werden wir unsere
anderen Freunde in diesem Gebiet nicht vergessen. Wir sind verpflichtet,
unsere Beziehungen zur Bevölkerung Taiwans zu pflegen, mit der wir eine lange
und ehrenhafte Verbindung haben. Unsere Bindungen zur Republik Korea bleiben
fest, und Truppen unserer beiden Länder schützen gemeinsam das geteilte Land
gegen eine drohende Aggression aus dem Norden.
In Südostasien arbeitet die Vereinigung Südostasiatischer Nationen
(ASEAN) zusammen, um das wirtschaftliche, kulturelle und bildungspolitische
Wachstum der Region zu fördern. Unser Land hat enge gegenseitige Bindungen
zur ASEAN und ihren einzelnen Mitgliedern. Der ANZUS-Pakt mit Australien und
- 10 -

�Australien und Neuseeland gehört zu den wichtigsten Beziehungen, die wir in
der heutigen Welt haben.

Die Erhaltung des Friedens
In vielen wichtigen Teilen der Welt fordern aktive Konflikte das Leben
unschuldiger Menschen, hemmen das wirtschaftliche Wachstum und blockieren
den wirtschaftlichen Fortschritt.

Die Vereinigten Staaten besitzen eine

einmalige Fähigkeit und die Pflicht, in diesen Regionen für den Frieden zu
arbeiten.
Im Nahen Osten arbeiten wir daran, die Völker dieses Gebietes zu überzeugen, daß dauerhafter Frieden und dauerhafte Sicherheit nur durch direkte
Verhandlungen und nicht durch die Anwendung bewaffneter Gewalt zustande kommen können. Ein sicherer und dauerhafter Frieden für Israel und seine arabischen Nachbarn, einschließlich einer Lösung des Palästinenserproblems, die
die legitimen Rechte dieses Volkes befriedigt, ist ein grundlegendes Ziel
unserer Außenpolitik. Wir haben eine neue Initiative eingebracht, die dazu
dienen soll, den in Camp David begonnenen Verhandlungsprozeß zu beschleunigen und auszuweiten. Dieser Prozeß erfüllte das Prinzip, besetztes Territorium für den Frieden zwischen Israel und Ägypten einzutauschen. Heute
möchte ich meinen Appell an die arabische Welt wiederholen, die Existenz
Israels und die Realität anzuerkennen, daß Frieden und Gerechtigkeit nur
durch direkte Verhandlungen gewonnen werden können. König Hussein sollte
in seinen Bemühungen unterstützt werden, ein gemeinsames jordanisch-palästinensisches Team zusammenzubringen, um über die Zukunft von Westjordanland, Gaza und Jerusalem zu verhandeln.

Wir arbeiten auch weiterhin an dem totalen Abzug aller ausländischen
Streitkräfte aus dem Libanon, damit dieses Land wieder ein unabhängiger, souveräner Staat werden kann.

Wir appellieren an Syrien, die PLO und Israel,

ihre Truppen so rasch wie möglich aus dem Libanon abzuziehen.

Eine weitere

Besetzung des Libanon durch diese Streitkräfte kann nur den Interessen jener
- 11 -

�Interessen jener dienen, die die Sache des Friedens untergraben wollen.
Diese Administration ist bereit, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen,
um die Sicherheit der Nordgrenze Israels nach einem vollständigen Abzug
der israelischen Armee zu garantieren.

Wahrer Frieden kann nur aus frei

ausgehandelten Abkommen entstehen - nicht aus Lösungen, die mit Gewalt aufgezwungen werden.

Stärkung des internationalen Wirtschaftssystems
Die Welt erlebt eine Periode großer wirtschaftlicher Instabilität einer Instabilität, die sogar beträchtliche Gefahren für die Sicherheit
der Welt in sich birgt.

Wir und unsere Verbündeten müssen den politischen

Mut zeigen, bei der Durchführung der notwendigen Gegenmaßnahmen zusammenzuarbeiten, vor allem, wenn diese Gegenmaßnahmen kurzfristig Opfer fordern.
Noch nie hat es so gestimmt, daß wir alle jeder für sich hängen werden, wenn
wir nicht zusammenhängen.
Ein wesentliches Element unseres Verhältnisses zu Ländern in der ganzen
Welt ist die wirtschaftliche Verbindung, die uns mit Handelspartnern vereint.
Ich möchte heute nicht auf die Details unserer internationalen Handels- und
Wirtschaftspolitik eingehen, aber einen Punkt möchte ich doch hervorheben,
daß es unsere Politik ist und weiterhin sein wird, uns dem Protektionismus
im eigenen Land und im Ausland zu widersetzen und für die Fortführung des
freien Handels einzutreten, der der Welt so gute Dienste geleistet hat.

Fortschritt für die Entwicklungsländer
In engem Zusammenhang mit der Handels- und Wirtschaftskomponente unserer Außenpolitik steht unser Verhältnis zu den Entwicklungsländern. Ich
bin überzeugt, daß die Zeit für unser Land und für andere Länder gekommen
ist, sich den Problemen der Entwicklungsländer in einer direkteren und wenigefr

- 12 -

�und weniger "väterlichen" Weise zuzuwenden.

Tatsache ist, daß massive Zufüh-

rung von Auslandshilfe sich nicht nur als unwirksam erwiesen hat, die wirtschaftlichen Entwicklung der Dritten Welt anzuregen - in vielen Fällen war
sie sogar kontraproduktiv.

Diese Art Auslandshilfe ist nichts anderes als

Wohlfahrtszahlung in globalem Ausmaß - und genau so unwirksam und entwürdigend.

Unsere Wirtschaftshilfe muß sorgfältig gezielt sein und muß die Ener-

gien und Anstrengungen des privaten Sektors maximal nutzen.
Diese Denkweise kommt in der Initiative für das Karibische Becken zum
Ausdruck, die ich voriges Jahr verkündet habe. Ihr Ziel besteht darin, Handel, Hilfe und Investitionsanreize in einer ausgewogenen Vereinbarung zu kombinieren, die die Selbsthilfe der Menschen im Karibischen Becken anregt.
Immer wieder haben mir die Führer dieser Länder gesagt, daß sie keine Almosen
haben wollen, sondern Hilfe, um ihr eigenes Leben durch eigene Anstrengungen
zu verbessern.
Ein wichtiger Teil dieser Hilfe ist die Einführung wirksamer ManagementPraktiken und wirtschaftlichen Denkens, die so viel zur erfolgreichen Entwicklung in fortgeschrittenen Volkswirtschaften beigetragen wie der unsrigen.
Es gibt keine gefährlichere Fehleinschätzung als die Vorstellung, der Kapitalismus sei ein Wirtschaftssystem, in dem nur die Reichen profitieren. Wirtschaftliche Freiheit ist der stärkste Antrieb der Welt zu Wohlstand und sozialer Gerechtigkeit. Sie hat in unserem Lande mehr Wohlstand geschaffen und ihn
breiter unter unser Volk verteilt als irgendeine andere bekannte Gesellschaftsform der Menschheit. Die Entwicklungsländer müssen ermutigt werden, mit der
wachsenden Vielfalt von Möglichkeiten der Gewinnbeteiligung und der Ausweitung des Kapitalbesitzes zu experimentieren, die wirtschaftliche Verbesserungen für ihre Bevölkerung bringen können.
Natürlich sind die wirtschaftlichen Probleme nicht die einzigen Probleme,
mit denen sich die Entwicklungsländer auseinandersetzen müssen. Die schwankende Mischung von Armut und sozialer und politischer Instabilität macht
viele dieser Länder zum natürlichen Ziel der Subversion durch den neuen Kolonialismus der totalitären Linken. Wenn Länder ihre ohnehin knappen Mittel von
- 13 -

�Mittel von der wirtschaftlichen Entwicklung abzweigen müssen, um gegen importierten Terrorismus oder Guerillakrieg zu kämpfen, dann bleibt der wirtschaftliche Fortschritt auf der Strecke.

Daher ist die Sicherheitshilfe ein

integraler Bestandteil unserer Hilfspolitik gegenüber Lateinamerika und der
Entwicklungswelt allgemein.
In Mittelamerika stehen wir vor einer besonderen Bedrohung, die ein
Risiko für unsere nationale Sicherheit darstellt.

Mittelamerika liegt zu

nahe bei uns, und es geht bei den Seewegen in der Karibik und beim Panamakanal um zu viel, als daß wir die Realität außer acht lassen könnten.

Das

Gespenst marxistisch-leninistisch kontrollierter Regierungen in Lateinamerika
mit ihren ideologischen und politischen Abhängigkeiten von Kuba und der
Sowjetunion stellt eine direkte Herausforderung dar, auf die wir reagieren
müssen.

Armut zusammen mit sozialer und politischer Instabilität stellen

eine schwankende Mischung dar, die der neue Kolonialismus der totalitären
Linken für seine eigenen zynischen Zwecke auszunutzen versucht.
Die Bestätigung der Demokratie in Costa Rica durch die dortigen Wahlen
im vorigen Jahr, der Obergang von einer Militärherrschaft zu einer gewählten Zivilregierung in Honduras und der Beginn einer Demokratie in El Salvador
mit den erfolgreichen Wahlen im März vorigen Jahres beweisen, daß wir auf
dem richtigen Wege sind.
Dank dieses Fortschritts wird die marxistische Revolution nicht mehr
als die unausweichliche Zukunft für Mittelamerika betrachtet. Die überwältigende Mehrheit der Mittelamerikaner spricht sich klar für Demokratie mit
freien Wahlen,freien Gewerkschaften, Religionsfreiheit und der Achtung der
Unantastbarkeit des Einzelmenschen aus.
Aber wirtschaftliche Reform braucht Zeit, um Fuß zu fassen, und die
Demokratie bedarf der besonderen Pflege in Ländern, in denen sie keine alte
Tradition hat. Wir müssen sicherstellen, daß die Regierungen in El Salvador
und anderen mittel amerikanischen Staaten sich selbst gegen die marxistische
Guerilla verteidigen können, die Waffen, Ausbildung und Geld über Kuba und
- 14 -

�Kuba und Nicaragua erhält.

Die Vereinigten Staaten können und werden nicht

zulassen, daß marxistischer Terror und marxistische Subversion in Mittelamerika die Oberhand gewinnen.
Gleichzeitig werden wir weiterhin durch unsere eigenen Bemühungen die
Anstrengungen anderer Demokratien unterstützen, alle Möglichkeiten der Versöhnung und des Friedens in Mittelamerika auszuschöpfen.
mand täuschen:

Aber möge sich nie-

Wir werden unsere Freunde niemals verlassen.

Und wir wer-

den niemals unsere Oberzeugung aufgeben, daß legitime politische Macht nur
aus freien, offenen und regulären Wahlen hervorgehen kann.
Botschafterin Kirkpatrick hat auf ihrer jüngsten Lateinamerikareise
eingehende Konsultationen mit Führern der Region gepflogen und ihnen versichert, daß wir an unseren gemeinsamen Anstrengungen festhalten, die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern, die Sicherheitsanliegen zu unterstützen
und die Kräfte der Freiheit zu stärken.

Weltweite Förderung demokratischer Institutionen
Als ich im Juni vorigen Jahres vor dem britischen Parlament sprach,
habe ich das allumfassende Ziel unserer Außenpolitik aufgezeigt.

Ich be-

merkte, daß Amerikaner eine positive Vorstellung von der Zukunft der Welt
haben- eine realistische und eine idealistische Vorstellung.

Wir wollen

eine Welt, die mit Zustimmung der Regierten in Frieden und Freiheit lebt.
Bisher haben wir und die anderen Demokratien jedoch unsere Aufgabe nicht
sehr gut erfüllt, den aufstrebenden Nationen Demokratie und freie Wirtschaft
zu erklären.
Manche Leute argumentieren, daß jeder Versuch, das zu tun, eine Einmischung in die Angelegenheiten anderer bedeute - einen Versuch, anderen
die eigene Lebensweise aufzuzwingen.

Das ist es überhaupt nicht.

tion hat das Recht, ihr eigenes Schicksal selbst zu bestimmen.

Jede Na-

Aber zu be-

streiten, daß demokratische Werte für die heutige Entwicklungswelt eine echte
- 15 -

�eine echte Bedeutung haben

oder für die Millionen von Menschen, die vom

Kommunismus unterdrückt werden, hieße, die universelle Bedeutung des grundlegenden zeitlosen Glaubensbekenntnisses negieren, daß alle Menschen gleich
geschaffen sind - und daß sie vom Schöpfer mit bestimmten unveräußerlichen
Rechten ausgestattet worden sind.
Menschen, die heute in Afrika, Lateinamerika oder in Zentralasien leben, besitzen die gleichen unveräußerlichen Rechte, ihre eigene Regierung zu
wählen und über ihr eigenes Schicksal selbst zu bestimmen, wie wir.
Indem sie die zeitlosen Werte und Wahrheiten miteinander verbanden,
haben Amerikaner immer die Realitäten der heutigen Welt hochgehalten und die
fange einer fundamental neuen Ausrichtung der amerikanischen Außenpolitik
geschaffen - einer Politik, die sich nicht schämt oder entschuldigt zu erklären, wie unsere kostbaren freien Institutionen funktionieren, und den
sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt zu beschreiben, den sie in so einmaliger Weise fördern.
Geschichte ist kein Weg in die Dunkelheit, der unausweichlich zur
Tyrannei führt, wie uns die Kräfte des Totalitarismus glauben machen möchten. Im Gegenteil, eines zeichnet sich im Weltgeschehen deutlich ab - und
hat sich in jedem Jahr dieses Jahrhunderts immer deutlicher abgezeichnet -,
daß der Weg in die entgegengesetzte Richtung geht. Es ist die wachsende Entschlossenheit der Männer und Frauen aller Rassen und Herkunft, ihr Schicksal
selbst in die Hand zu nehmen und sich von Willkürherrschaft zu befreien.
Mehr als jede andere menschliche Triebfeder ist dies die treibende Kraft,
die die Menschheitsfamilie heute vereint - der brennende Wunsch, unbehindert
in einer Welt zu leben, die die Rechte des einzelnen und der Nationen achtet.
Ich würde zugeben, daß wir Unrecht hätten, wenn wir Stacheldraht spannen
müßten, um unsere Bürger daran zu hindern, das Land zu verlassen.
Nichts macht mich stolzer auf das Land, dem ich diene, als die Tatsache, daß Amerika wieder an der Spitze dieser Bewegung steht.

- 16 -

Wollen wir

�Wollen wir nicht mehr auf jene Stimmen hören, die uns nur zu lange unter
dem Gewicht eines Schuldkomplexes gebeugt sehen wollten.
Es ist Amerika, das die Beseitigung einer ganzen Klasse von Kernwaffen
vom Antlitz der Erde vorgeschlagen hat - das eine fünfzigprozentige Verringerung der strategischen Interkontinentalraketen vorgeschlagen hat.
Es ist Amerika, das zur Beendigung der Belagerung von Beirut beigetragen hat und aktiv daran arbeitet, den Friedensprozeß im Nahen Osten auszuweiten.
Es ist Amerika, das eng mit den afrikanischen Frontstaaten und unseren
europäischen Verbündeten zusammengearbeitet hat, um Frieden in Afrika zu
bringen - und das unermüdlich mit Großbritannien und Argentinien daran gearbeitet hat, eine friedliche Lösung des Konflikts im Südatlantik zu erreichen.
Es ist Amerika, das in Lateinamerika und anderswo in der Welt den Trend
zur Demokratie ermutigt - und mit den moslemischen und all den anderen Ländern zusammenarbeitet, die eine Beendigung der brutalen Besetzung Afghanistans
durch die Sowjets wollen.
Es ist Amerika, das sich anderen freien Völkern in der Forderung nach
Versöhnung und Beendigung der Unterdrückung in Polen anschließt.
Und, jawohl, es ist Amerika, das führend in der Welt ist, was die Beiträge zu humanitären und Flüchtlingsprogrammen sowie die Unterstützung von
Programmen anbetrifft, um den weniger glücklichen Ländern der Welt zu helfen.
Es ist an der Zeit, daß wir wieder eine unbestreitbare Wahrheit bekräftigen - daß Amerika die größte Friedensmacht in der heutigen Welt ist und
bleibt.
Trotz all
- 17 -

�Trotz all der Belastungen und Mühen der jüngsten schweren Prüfungen
sind die Vereinigten Staaten noch immer eine junge Nation - eine Nation,
die nicht nur aus ihrem materiellen Oberfluß und ihrer wirtschaftlichen
Macht immer wieder neue Stärke schöpft, sondern auch aus freien Idealen,
die heute noch so voller Leben sind wie sie vor zwei Jahrhunderten waren,
als eine kleine, aber tapfere Schar, die wir unsere Gründervä'ter nennen,
ihr Leben, ihr Schicksal und ihre heilige Ehre in die Schanze schlugen, um
Freiheit und Unabhängigkeit zu gewinnen.
Meine Mitlegionäre, der amerikanische Traum lebt - nicht nur in den
Herzen und Hirnen unserer eigenen Landsleute, sondern auch von Millionen
von Menschen auf der Welt in freien und unterdrückten Gesellschaften, die
von uns eine Führung erwarten. Solange dieser Traum lebt, solange wir ihn
verteidigen, hat Amerika eine Zukunft - und die ganze Menschheit hat Grund
zu hoffen.

+ + + + +

- 18 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

10

2. März 1983

WEINBERGER: EINFRIEREN DER KERNWAFFEN WÜRDE STILLSTAND DER
RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN BEDEUTEN
• Rede des US-Verteidigungsministers vor dem amerikanischen
Kriegsteilnehmerverband "American Legion" -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar
Weinberger erklärte am 25. Februar 1983 im Pentagon vor Mitgliedern des
amerikanischen Kriegsteilnehmerverbandes "American Legion Auxiliary",
daß ein Einfrieren der Kernwaffen zum gegenwärtigen Zeitpunkt "alle Hoffnungen auf bedeutsame Rüstungsverringerungen mit den Sowjets zunichte
machen würde."
Die wichtigsten Teile der Rede Weinbergers haben folgenden Wortlaut:
Blicken wir auf die Sowjetunion, so erkennen wir, daß sie seit 20
Jahren ständig eine immer gewaltigere militärische Macht aufhäuft.

Diese

Aufrüstung ließ in ihrem Tempo auch dann nicht nach, als sich die Vereinigten Staaten entschlossen, ihre eigenen Militärausgaben einzuschränken dies ging so weit, daß sie praktisch fast während der gesamten siebziger
Jahre real sogar zurückging.

Die Sowjets hingegen haben das Tempo auch

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Tempo auch bis jetzt noch nicht verlangsamt.

Ergebnis ihrer Aufrüstung

und unserer Vernachlässigung ist ein gefährliches Umkippen des militärischen
Gleichgewichts, das für die Aufrechterhaltung der Abschreckung und für die
Friedenssicherung von so entscheidender Bedeutung ist.
Es ist von äußerster Wichtigkeit, daß wir die grundlegenden Fakten des
militärischen Gleichgewichtes begreifen - daß die sowjetischen Investitionen
in zukünftige militärische Kapazitäten rund doppelt so hoch sind wie die unsrigen; daß die Sowjets den Vereinigten Staaten in fast jeder Waffenkategorie
weit voraus sind.

Aber wir müssen auch über die schlichten Zahlen hinaus-

gehen und fragen, was die sowjetische Aufrüstung tatsächlich bedeutet - oder
bedeuten könnte.

Und wenn wir sie unter diesem Aspekt betrachten, entdecken

wir zwei Tatsachen der militärischen Kapazitäten der Sowjetunion, die uns
frösteln lassen und die über jeden Vergleich von Zahl gegen Zahl hinausgehen.
Die erste Tatsache ist, daß die Sowjetunion etwas entwickelt hat, was
man nur als eine offensive Militärstreitmacht interpretieren kann.
Im Bereich der Kernwaffen bauen die Sowjets z.B. auch weiterhin weit
mehr Interkontinentalraketen, als sie lediglich zur Vergeltung eines Angriffes
benötigen. Sie haben außerdem die Fähigkeit entwickelt, einige dieser Raketen
erneut zu laden und abzuschießen. Sie haben die Treffgenauigkeit ihrer Kernwaffen stark verbessert - zu einem großen Teil, wie ich hinzufügen muß, als
Folge der Technologien, die sie von uns übernommen haben - und sind nunmehr
in der Lage, die meisten unserer eigenen landgestützten Raketen durch einen
Erstschlag zu zerstören. Sie haben uns gegenüber angedeutet, daß sie glauben,
einen verlängerten Krieg austragen zu können - durch Verhärtung ihrer Raketensilos und durch den Schutz ihrer Hauptziele mit Hilfe einer großangelegten
Luftverteidigung. Schließlich weisen ihre Schriften, ihre militärische Doktri
und ihre Manöver darauf hin, daß sie die Möglichkeit der Führung eines tatsächlichen Atomkrieges in ihre Überlegungen einbeziehen.
Die gleiche

�Die gleiche offensive Entwicklung läßt sich bei ihren konventionellen
Streitkräften erkennen und bei ihrer Strategie für den Einsatz dieser Streitkräfte.

Die Streitkräfte der Sowjetunion und des Warschauer Paktes, die

einst langsam und schwerfällig waren, werden heute für plötzliche und überraschende Bewegungen weit über die eigenen Grenzen hinaus modernisiert,
disloziert und ausgebildet.

Die taktischen Luft- und Raketenstreitkräfte

der Sowjets werden rasch mit modernen Systemen ausgerüstet, die großangelegte Luftoffensiven führen können.

Die sowjetische Marine ist in Umfang und

moderner Ausrüstung in augenfälliger Weise erweitert worden und hat in zunehmendem Maße die Fähigkeit, unseren Handel zur See zu unterbrechen.
Die zweite Tatsache bezüglich der militärischen Macht der Sowjets ist
die, daß sie heute die ganze Welt umspannt. Gerade in den letzten Jahren
haben wir erlebt, daß die Sowjets zahlreiche Sicherheits- und Kooperationsabkommen in Afrika, Lateinamerika, im Nahen Osten und in Asien ausgehandelt
haben. Sie erwerben Stützpunkte in Übersee und pumpen massive Waffenlieferungen in die Dritte Welt - doppelt so viel, wie wir von 1977 bis 1981 geliefert haben. Sie setzen in Mittelamerika und in Afrika kubanische, ostdeutsche
und libysche Stellvertreter ein. Und in dem dramatischsten Fall sind sie
in Afghanistan einmarschiert und haben diesem Volk das Elend chemischer und
toxischer Waffen gebracht.
Es ist, kurz gesagt, der Sowjetunion erlaubt worden, ein einseitiges
Wettrüsten ohne jede Rücksicht auf uns durchzuführen.

Wäre diese Verlagerung

des Gleichgewichts weitergegangen, dann wären die Sowjets bald in der Lage
gewesen, uns zu bedrohen oder tatsächlich anzugreifen - aus der Gewißheit
heraus, daß wir nicht fähig wären, zu antworten.

Wir haben in Polen,

Afghanistan, in Osteuropa und anderswo erlebt, daß die Sowjetunion nicht
zögert, Schwäche auszunutzen.

Wir dürfen nicht zulassen, daß die Sowjet-

union glaubt, sie könnte mit uns einen Krieg anfangen und wir nicht die Kraft
und die Streitkräfte zur Vergeltung hätten.

Vor allem dürfen wir nicht zu-

lassen, daß die Sowjetunion glaubt, sie könnte einen Atomkrieg gegen die
Vereinigten Staaten führen und gewinnen.
Aus diesem
- 3 -

�Aus diesem Grunde ist unsere Administration der Oberzeugung, daß ein
Einfrieren der Kernwaffen zum jetzigen Zeitpunkt und unter den jetzigen Umständen gefährlich wäre.

Wir sind uns darüber im klaren, daß der Vorschlag,

die Kernwaffen auf dem jetzigen Stand einzufrieren, einer tiefen Ablehnung
des Krieges und einer tiefen Angst vor einem Atomkrieg entsprang.

Unsere

Administration teilt diese Gefühle voll und ganz. Aber wir sind überzeugt,
daß ein Einfrieren nicht nur die Möglichkeit eines Krieges nicht verringern,
sondern die Gefahren,vor denen wir alle stehen, stark erhöhen würde.
Ein Einfrieren zum jetzigen Zeitpunkt würde unseren obersten und ersten
Zielen von Frieden und Sicherheit zuwiderlaufen.

Es würde die Vereinigten

Staaten und ihre Verbündeten auf eine Position ständiger militärischer Unterlegenheit festlegen zu einer Zeit, da die Sowjetunion nicht nur ihr Arsenal
täglich vergrößert, sondern auch durch alle vorhandenen Anzeichen klar erkennen läßt, daß sie glaubt, einen Atomkrieg gegen die Vereinigten Staaten
gewinnen zu können.

Und dieser militärische Nachteil oder das Ungleichge-

wicht, wenn Sie so wollen, unterhöhlt die Abschreckung, die nach unserer Oberzeugung den Frieden bewahrt hat.
Aber ein Einfrieren der Kernwaffen würde nicht nur die Abschreckung
untergraben.

Der zweite, ebenso zwingende Grund, daß ein Einfrieren der Kern-

waffen zum gegenwärtigen Zeitpunkt unklug wäre, ist der, daß dies alle Hoffnungen auf bedeutsame Rüstungsverringerungen mit den Sowjets zunichte machen
würde.
Wenn wir echte Rüstungsverringerungen erreichen wollen, dann sind
mehrere Dinge notwendig: Beide Seiten müssen bereit sein, zu verhandeln,
und das heißt, beide Seiten müssen überzeugt sein, daß es in ihrem Interesse liegt, in Verhandlungen einzutreten. Das ist kein übler Trick. Wir
haben dies zu Anfang der Carter-Administration erlebt, als Außenminister
Vance mit dem Vorschlag nach Moskau reiste, die Kernwaffen zu verringern.
Die Sowjets weigerten sich, überhaupt darüber zu sprechen. Aber in diesem
Jahr, als Präsident Reagan viel weitergehende RüstungsVerminderungen vorschlug,

- 4 -

�Rüstungsverminderungen vorschlug, zeigten sich die Sowjets sofort bereit,
darüber zu verhandeln.
Heute sitzen die Sowjets in Genf mit uns am Verhandlungstisch und sprechen mit uns über die Beseitigung der bedrohlichsten und destabilisierendsten
nuklearen Mittel Streckensysteme in Europa - die landgestützten Raketen.

Sie

kommen in Genf mit uns zusammen, um über Verringerungen unserer Nuklearstreitkräfte zu verhandeln.
Der Grund für diesen grundlegenden Unterschied liegt nach unserer Überzeugung darin, daß die Sowjets ganz richtig begriffen haben, daß wir die lange und schwere Aufgabe begonnen haben - und fortzusetzen gedenken -, die Wirksamkeit unserer Abschreckung wiederzugewinnen.
Aber sich an den Verhandlungstisch zu setzen, ist erst der erste Schritt.
Diese Verhandlungen werden nicht zu den von uns gewünschten Ergebnissen führen, wenn die Sowjets keinen Anreiz haben, zu Abkommen zu gelangen. Darum
müssen wir unser Programm zur Wiederherstellung unserer Verteidigung fortsetzen.

+ + + + +

- 5 -

�2. März 1983

10

INITIATIVEN PRÄSIDENT REAGANS ZUR RÜSTUNGSVERMINDERUNG
- Eine Chronologie -

WASHINGTON - (AD) - 18. November 1981: In der ersten großen außenpolitischen
Rede seiner Präsidentschaft schlägt Ronald Reagan ein umfassendes Rahmenwerk für
neue Rüstungskontrollverhandlungen vor, das sich auf die Notwendigkeit umfassender
Verringerungen bei allen Waffentypen konzentriert - ein Schritt vorwärts von den
Gesprächen über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT) zu Gesprächen
über eine Verringerung der strategischen Rüstungen (START).
Als einen ersten Schritt drängt Reagan auf amerikanisch-sowjetische Gespräche
über die nuklearen Mittel Streckensysteme (INF). Er kündigt die Bereitschaft der
Vereinigten Staaten an, auf eine Dislozierung von 572 PERSHING II-Raketen und landgestützten Marschflugkörpern (GLCM) in Westeuropa zu verzichten, wenn die Sowjetunion ihre SS-20, SS-4 und SS-5-Raketen abbaut.
Reagan stellt fest, daß die Sowjets in den vergangenen sechs Jahren - während
die Vereinigten Staaten keine neuen Mittelstreckenraketen dislozierten und
1000 nukleare Gefechtsköpfe aus Europa abzogen - 750 Gefechtsköpfe auf mobilen,
treffgenauen Raketen dislozierten.
Der Präsident schlägt für Anfang 1982 die Eröffnung der START-Verhandlungen
vor. Er verpflichtet sich zu Vorschlägen über "wirklich ernsthafte Kernwaffenverit dem Ergebnis, daß es zu einem beiderseitig ausgewogenen und

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ausgewogenen und verifizierbaren Waffenniveau kommt".
Außerdem fordert der Präsident Anstrengungen, auch bei den konventionellen
Streitkräften in Europa zu Gleichheit auf niedrigerem Niveau zu gelangen.

Er

erklärt:" Die Verteidigungserfordernisse der Sowjetunion lassen kaum den Unterhalt
von heute mehr Kampfdivisionen in der DDR notwendig erscheinen, als die gesamte
Invasionsstreitmacht der Alliierten bei der Landung in der Normandie hatte".
Er unterstützt einen westlichen Vorschlag auf der Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) über eine Abrüstungskonferenz in Europa.
30. November 1981: In Genf beginnen die INF-Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.

ChefUnterhändler sind Paul H. Nitze auf

amerikanischer und Yuli A. Kwisinski auf sowjetischer Seite.
9. Mai 1982: In einer Rede am Eureka-College kündigt Reagan an, daß die STARTVerhandlungen am 29. Juni in Genf beginnen werden.

Er setzt sich für eine schritt-

weise Reduzierung ein, die sich auf die destabilisierendsten Elemente der Nuklearwaffen konzentrieren soll.
In einer ersten Phase würde die Gesamtzahl der Gefechtsköpfe auf Raketen um
ein Drittel auf etwa 5000 verringert werden; außerdem würde die Anzahl der Gefechtsköpfe auf Interkontinentalraketen (ICBM) auf die Hälfte dieser Zahl begrenzt werden;
schließlich würde die Gesamtmenge der Raketen auf ein beiderseits gleiches Niveau etwa auf die Hälfte des derzeitigen amerikanischen Umfangs - gesenkt werden.
In einer zweiten Phase würden die Vereinigten Staaten weitere Verringerungen bei der
Gesamtzerstörungskraft der Arsenale beider Seiten anstreben - und dies auf einen
beiderseitig gleichen Umfang -, einschließlich einer jeweiligen Obergrenze beim
Wurfgewicht der Raketen unterhalb dem derzeitigen amerikanischen Umfang.
Die Vereinigten Staaten würden außerdem Bomber und andere strategische Systeme
auf gleiche Weise behandeln.
9. Juni 1982:

Reagan unterbreitet neue Vorschläge für die beiderseitigen und

ausgewogenen Truppenverringerungen (MBFR) in Mitteleuropa.
- 2 -

Diese Vorschläge, die

�Diese Vorschläge, die daraufhin von den westlichen Verbündeten am 8. Juli 1982 bei
den MBFR-Gesprä'chen in Wien dargelegt wurden, fordern Verringerungen bei den jeweils
entsprechenden Landstreitkräften des Nordatlantikpaktes und des Warschauer Paktes
in verifizierbaren Schritten auf insgesamt 700 000 Mann sowie auf eine Stärke von
900 000 für Land- und Luftstreitkräfte zusammengenommen.
11. Juni 1982: In seiner Berlin-Rede erklärt Reagan, daß Washington seine
Anstrengungen intensivieren wird, um Möglichkeiten für eine Verbesserung des Verständnisses und der Kommunikation zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in Friedens- und Krisenzeiten zu untersuchen. Er unterstreicht, daß die
Vereinigten Staaten an Moskau mit Vorschlägen zur Vertrauensbildung herantreten
werden. Hierzu gehören ein Austausch auf Gebieten wie der vorherigen Benachrichtigung über größere strategische Manöver, die sonst falsch interpretiert werden
könnten, Vorabinformation bei Abschüssen von Interkontinentalraketen innerhalb wie
außerhalb der nationalen Grenzen sowie ein erweiterter Austausch von Daten über
die strategischen Streitkräfte.
17. Juni 1982: Auf der Sondersitzung der Vereinten Nationen für Abrüstung
schlägt Reagan eine internationale Konferenz über Militärausgaben vor, um auf den
Arbeiten der Vereinten Nationen aufzubauen, durch die ein gemeinsames System für
Berechnung und Berichterstattung entwickelt werden soll.
14. Januar 1983: Auf einer Pressekonferenz betont Reagan die Bereitschaft
der Vereinigten Staaten "so lange am Verhandlungstisch zu bleiben, wie es auch nur
die geringste Chance gibt, Rüstungsverringerungen herbeizuführen, denn es ist dies
das wichtigste Problem, vor dem diese Generation steht." Er betont, daß Washington
"jeden ernsthaften Vorschlag in Erwägung ziehen wird", den Moskau zur Frage der
Rüstungsverringerung vorlegt.
31. Januar 1983:

Botschafter Edward Rowny, Chef der amerikanischen START-

Delegation, erklärt, daß die Sowjets "positives Interesse" an den von Reagan vorgeschlagenen vertrauensbildenden Maßnahmen gezeigt haben.

- 3 -

Ein amerikanisd-sowjetisches

�Ein amerikanisch-sowjetisches Abkommen über solche Maßnahmen würde, so Rowny,
"sehr hohe Priorität" auf seiner Tagesordnung für die Verhandlungen mit seinem
sowjetischen Gesprächspartner Viktor Karpow haben.
31. Januar 1983: Vizepräsident Bush verliest in Berlin einen "offenen Brief"
Präsident Reagans an Europa, in dem der Präsident dem sowjetischen Generalsekretär
Juri Andropow vorschlägt, daß "er und ich uns treffen, wo immer and wann immer es
ihm recht ist, um ein Abkommen zu unterzeichnen, welches gewährleistet, daß alle
amerikanischen und sowjetischen landgestützten Kernraketenwaffen mittlerer Reichweite von diesem Erdball verschwinden."
30. Januar - 10. Februar 1983: Bush besucht sieben westeuropäische Länder,
um die engstmögliche Koordination bei den Rüstungsverringerungsinitiativen zu
gewährleisten. Dabei erklärt er wiederholt, daß der amerikanische INF-Vorschlag
"kein Vorschlag des Alles-oder-Nichts ist".
Um diesen Aspekt zu unterstreichen, trifft Bush am 4. Februar in Genf mit den
sowjetischen Unterhändlern zusammen und drängt ihnen gegenüber darauf, einen ausgewogenen, gleichwertigen Vorschlag für eine einschneidende, verifizierbare Verringerung der sowjetischen und amerikanischen Kernwaffen vorzulegen.

+ + + + +

- 4 -

�2. März 1983

10

ADMIRAL HOWE ZU DEN ABRÜSTUNGSVERHANDLUNGEN
- Erklärung des Direktors des Büros für
politisch-militärische Angelegenheiten im US-Außenministerium

WASHINGTON - (AD) - Am 17. Februar 1983 gab Admiral Jonathan T. Howe,
Direktor des Büros für politisch-militärische Angelegenheiten im Außenministerium, vor dem Außenpolitischen Ausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses, folgende Erklärung ab:
Im vorigen Jahr begannen wir zwei großangelegte bilaterale Verhandlungen mit der Sowjetunion zur Begrenzung sowohl der strategischen Nuklearwaffen als auch der nuklearen Mittel Streckenwaffen.

Bei der Formulierung

unserer Vorschläge für die START- und die INF-Verhandlungen hielten wir uns
an vier wesentliche Grundsätze - Gleichheit, Stabilität, Verifizierbarkeit
und militärisch bedeutsame Verringerungen.
Wir streben Vereinbarungen an, die zu einer gleichen Stärke der Streitkräfte auf beiden Seiten führen würden.

Wir streben Abkommen an, die die

strategische Stabilität dadurch vergrößern würden,daß eine besondere Betonung auf jene Systeme gelegt wird, die die größte Bedrohung für das überleben der Abschreckungsstreitkräfte darstellen.

In unserem Streben nach mili-

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�nach militärisch bedeutsamen Verringerungen gehen wir über die bisherigen
Vereinbarungen hinaus, die den Umfang der Streitkräfte auf beiden Seiten
lediglich auf dem bestehenden, hohen Niveau festschrieben.

Durch unser Be-

harren auf wirksame Verifizierung zielen wir auf die Behebung des Problems
an, das uns schon lange bei den bestehenden Abkommen ärgert, nämlich unserer
Unfähigkeit, die Einhaltung durch die andere Seite sicherzustellen.
Wir gehen an diese Verhandlungen mit dem größten Ernst der Zielsetzung
heran.

Wie der Präsident sagte, besteht unser höchstes Ziel darin, das Ri-

siko eines Atomkrieges zu mindern.

Wir sind der Überzeugung, daß diese Ver-

handlungen sowie die Vorschläge, die die Botschafter Nitze und Rowny in Genf
vorlegen, die beste Möglichkeit zur Erlangung dieses Zieles bieten.

Natür-

lich wird unser Erfolg in großem Maß davon abhängen, ob die Sowjets mit den
gleichen ernsten Absichten verhandeln wie wir.

Lassen Sie mich nun auf den

derzeitigen Verhandlungsstand zu sprechen kommen.

START
Unsere START-Delegation unter der Führung von Botschafter Rowny ist
eben zur dritten Verhandlungsrunde nach Genf zurückgekehrt.

Während der

ersten beiden Runden haben beide Seiten ihre ursprünglichen Vorschläge dargelegt und die jeweils andere Seite um Erklärung von Einzelheiten ersucht.
Wie Botschafter Rowny Ihnen gesagt hat, war die Atmosphäre bei den Gesprächen
bislang ernsthaft und sachlich.
Unser START-Vorschlag eröffnet auf bedeutsame Weise neue Wege.

Zum

erstenmal schlagen wir direkte Begrenzungen bei den Gefechtsköpfen von ballistischen Raketen vor.

Die Gesamtzahl von Raketengefechtsköpfen ist eine

wichtige Maßeinheit der strategischen Kapazität, die bei SALT I oder SALT II
nicht begrenzt wurde.

Wir haben bei START vorgeschlagen, die Anzahl der auf

Raketen dislozierten Gefechtsköpfe auf 5000 zu reduzieren.

Würde dieser Vor-

schlag in die Tat umgesetzt, wäre eine Verminderung der Anzahl der Raketengefechtsköpfe um ein Drittel die Folge.
Die Interkontinentalraketen
- 2 -

�Die Interkontinentalraketen (ICBM) mit Mehrfachgefechtsköpfen werden
allgemein als die destabilisierendsten strategischen Offensivwaffen angesehen.

Es ist zum Beispiel die sowjetische SS-18-ICBMjmit ihren zehn

großen, unabhängig voneinander auf Ziele ausrichtbaren Gefechtsköpfen, die
am meisten dazu beigetragen hat, die amerikanischen landgestützten ICBMSysteme verwundbar zu machen, und die dadurch die strategische Stabilität
untergraben 'hat.

Wir haben daher vorgeschlagen, daß nicht mehr als die

Hälfte der erlaubten Anzahl von Raketengefechtsköpfen (d.h. 2500) auf Interkontinentalraketen disloziert werden sollten.
Außerdem haben wir vorgeschlagen, daß die Vereinigten Staaten und die
UdSSR die Anzahl ihrer dislozierten Raketen auf rund die Hälfte des gegenwärtigen amerikanischen Umfangs reduzieren sollten. Eine solche Verringerung
würde weit über die Begrenzungen hinausgehen, die in SALT II abgesprochen
worden waren.
Der amerikanische Vorschlag hält sich voll und ganz an das Prinzip
der Gleichheit. Er ist nicht getrieben von dem Wunsch nach strategischer
Überlegenheit; er fordert vielmehr ein gleiches Niveau bei Raketen und bei
Gefechtsköpfen auf beiden Seiten. Aufgrund der Asymmetrie der amerikanischen
und der sowjetischen Streitkräfte - letztere verfügen über eine größere Zahl
von ICBM - wird es notwendig sein, daß sie bei ihrer ICBM-Streitmacht größere
Reduktionen vornehmen, damit sie auf das beiderseitige gleiche Niveau an Gefechtsköpfen kommen. Ihrerseits werden die Vereinigten Staaten eine größere
Anzahl von Gefechtsköpfen beseitigen, die auf unterseebootgestützten Raketen
disloziert sind.
Der amerikanische START-Vorschlag würde die Abschreckung beträchtlich
erhöhen, und jeden Anreiz zum Beginn eines Atomkrieges vermindern.

Auch wenn

die Gefahr eines durch Zufall oder Fehleinschätzung ausbrechenden Atomkrieges
äußerst gering ist, müssen wir doch mit unseren Anstrengungen fortfahren,
eine solche Möglichkeit noch weiter zu verringern.

Aus diesem Grund haben

wir bei START eine Reihe Vertrauensbildender Maßnahmen vorgeschlagen.

Dazu

gehört die Vorankündigung von Abschüssen von Raketen, die vorherige Benach-

�vorherige Benachrichtigung über größere Manöver und ein Datenaustausch über
die strategischen Nuklearstreitkräfte.

Auch die Sowjets sind an Vertrauens-

bildenden Maßnahmen interessiert und wir hoffen, daß es in diesem Bereich zu
Fortschritten kommt.
Natürlich haben die Sowjets ihren eigenen START-Vorschlag auf den Tisch
gelegt, einen Vorschlag, dessen Elemente sie in einem Prawda-Artikel im Dezember veröffentlicht haben.

Ihr START-Vorschlag umfaßt die folgenden Ele-

mente :
- Verringerung der Anzahl schwerer Bomber und Raketenabschußeinrichtungen
auf 1800;
- Gesamtbegrenzung von Kernwaffen oder Gefechtsköpfen (die sie nicht im
einzelnen dargelegt haben);
- Verbot von Marschflugkörpern großer Reichweite; und
- Vertrauensbildende Maßnahmen nach eigenem Vorschlag.
Ich finde es ermutigend, daß die Sowjets Verringerungen bei Raketenabschußeinrichtungen und Bombern vorgeschlagen haben, die unter dem hohen Niveau von SALT II liegen. Auch könnte ihre erklärte Bereitschaft zur Begrenzung von Kernwaffen indirekt die Tatsache anerkennen, daß Begrenzungen bei
Raketenabschußeinrichtungen allein (wie bei SALT I und SALT II) nicht genügen.
Allerdings gibt es bei unseren Vorschlägen beträchtliche Unterschiede.
Die sowjetische Begrenzung auf 1800 bleibt erheblich hinter den Verringerungen
des amerikanischen Vorschlages zurück; außerdem haben die Sowjets bislang noch
nicht ihre vorzuschlagenden Begrenzungen der Gefechtsköpfe enthüllt. Ein Verbot von Marschflugkörpern ist für die Vereinigten Staaten unannehmbar. Generell haben die Sowjets sich geweigert, unser Grundprinzip zu akzeptieren,
demzufolge manche Waffen, wie etwa ICBM, eine ernsthaftere Bedrohung der Ab-

- 4 -

�der Abschreckung und der Stabilität darstellen als andere.
Wir hegen jedoch die Hoffnung, daß wir mit Geduld, in gutem Glauben
und mit der Unterstützung des Kongresses, der amerikanischen Öffentlichkeit
und unseren Verbündeten zu einem Abkommen gelangen können, das einen großen
Beitrag zur Verringerung eines Atomkriegsrisikos leisten wird.

Sollten die

Sowjets an diese Verhandlungen mit einer gleich positiven Haltung herangehen,
so sind wir zuversichtlich, daß echte Fortschritte erzielt werden können.

INF
Neben den vier grundlegenden Verhandlungsprinzipien der Gleichheit,
der Stabilität, der Verifizierbarkeit und der wesentlichen Verringerung, wie
sie oben erwähnt wurden, haben die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Verbündeten für ein INF-Abkommen einige spezifische Kriterien festgelegt, die sich
aus den ganz besonderen Umständen dieser Verhandlungen herleiten lassen.
Wir haben klargestellt, daß ein solches Abkommen nicht die Systeme von Drittstaaten einbeziehen oder kompensieren kann, die nicht Verhandlungspartei
sind; daß es nicht europäische Sicherheitsprobleme nach Asien exportieren
darf; und daß es zu allererst und vor allen Dingen die Systeme begrenzen
soll, die beiden Seiten die größte Sorge bereiten, nämlich die landgestützten
INF-Raketen größerer Reichweite.
Wie Sie wissen, ergab sich die INF-Problematik als Ergebnis eines einseitigen, sowjetischen Ausbaus der Kernwaffen mittlerer Reichweite im Verlauf
der vergangenen sechs Jahre - insbesondere bei der neuen, mobilen, überaus
treffsicheren, mit drei Gefechtsköpfen bestückten SS-20-Rakete. Seit 1977
haben die Sowjets 333 dieser Raketen mit insgesamt rund 1000 Gefechtsköpfen
disloziert, einschließlich 99 Raketen mit 297 Gefechtsköpfen im Osten der
Sowjetunion. Zudem vervollständigen noch immer große Mengen an älteren SS-4und SS-5-Raketen vergleichbarer Reichweite diese SS-20-Streitmacht.
Diese INF-Dislozierungen
- 5 -

�Diese INF-Dislozierungen der Sowjetunion drohten, eine regionale Militärhegemonie der Sowjets zu schaffen.

Die Reaktion hierauf war der NATO-

Doppelbeschluß von 1979, wobei sich das Bündnis verpflichtete, 572 amerikanische PERSHING II und landgestützte Marschflugkörper (GLCM) zu dislozieren,
während gleichzeitig mit der Sowjetunion ein Abkommen angestrebt werden sollte, die INF-Systeme auf beiden Seiten zu begrenzen.

Die ersten NATO-Dislo-

zierungen sollen dem Plan zufolge gegen Ende dieses Jahres einsetzen, sollte
es bis dahin nicht zu einer INF-Vereinbarung kommen, die diese Dislozierungen
überflüssig machen würde.
Die Vereinigten Staaten haben ein INF-Abkommen vorgeschlagen, das die
Notwendigkeit von NATO-Dislozierungen beseitigen und die nukleare Bedrohung
für beide Seiten gewaltig verringern würde, indem alle landgestützten INFRaketen größerer Reichweite, woimmer aufgestellt, verboten würden.

Unsere

NATO-Verbündeten haben mit uns bei der Entwicklung dieser Position zusammengearbeitet und sie von Anfang an unterstützt.

Wir sind mit ihnen darin einig,

daß diese Lösung das wünschenswerteste INF-Ergebnis darstellt und daß wir unsere Anstrengungen fortsetzen sollten, es zu erreichen.
Gleichzeitig sind wir bereit, jedweden ernsthaften sowjetischen Vorschlag
in Erwägung zu ziehen. Der Präsident wiederholte diesen wichtigen Punkt in
seinem Bericht zur Lage der Nation, und Vizepräsident Bush bekräftigte ihn
durch die Unterstützung, die er während seines jüngsten Europabesuchs von
unseren Verbündeten erhielt.
Bislang werden die sowjetischen Vorschläge den grundlegenden Kriterien
für ein annehmbares Abkommen nicht gerecht - insbesondere dem Kriterium der
Gleichheit. Die sowjetische Taktik zielt - am Verhandlungstisch wie bei ihrer
machtvollen Propagandakampagne - darauf ab, die massiven sowjetischen Raketendislozierungen beizubehalten, die trotz eines sogenannten "einseitigen Moratoriums" andauern, das die Sowjets im März 1982 verkündet hatten, während
sie gleichzeitig die NATO von deren Dislozierungen abhalten will, die dieser
Bedrohung begegnen sollen. So besteht der von Andropow am 21. Dezember unter-

- 6 -

�21. Dezember unterbreitete Vorschlag auch weiterhin auf dem sowjetischen
Recht auf ein Monopol bei den INF-Raketen, einschließlich der uneingeschränkten Dislozierung östlich des Urals.
Am 27. Januar begann die vierte Runde der INF-Gespräche. Seit Beginn
der Runde hat unsere Delegation daran gearbeitet, mit den Sowjets die legitimen NATO-Sicherheitsbedenken zu untersuchen, die die sowjetischen Vorschläge unbeantwortet gelassen haben, und nach Zeichen echter Flexibilität
Ausschau zu halten, um auf diese NATO-Besorgnisse zu reagieren.
Es ist noch zu früh zu sagen, ob die Sowjets daran interessiert sind,
in dieser Runde einen ernsthaften Vorschlag zu unterbreiten oder ob sie lediglich politisch motivierte Erklärungen abgeben - in einer Anstrengung, das
Bündnis zu spalten und die NATO-Dislozierungen zu verhindern. Es bleibt unsere große Hoffnung, daß die Anstrengungen von Botschafter Nitze auf eine
positive sowjetische Reaktion treffen - rechtzeitig für ein Abkommen, bevor
die NATO-Dislozierungen Ende dieses Jahres beginnen. Sollten die Sowjets
jedoch noch nicht zu ernsthaften Verhandlungen bereit sein, dann sollte es
keinen Zweifel daran geben, daß wir und unsere Verbündeten entschlossen sind
- wie dies während der jüngsten Reise des Vizepräsidenten demonstriert wurde -,
mit unseren geplanten Dislozierungen fristgerecht zu beginnen.

+ + + + +

- 7 -

�2. März 1983

10

VERSTÄRKUNG DER STRAHLENEMPFINDLICHKEIT VON TUMOREN
FDA genehmigt klinische Erprobung eines neuen Medikaments

- (AD) - Ein als Verstärker für die Strahlenempfindlichkeit von Tumoren
wirkendes neues Präparat hat jetzt die amerikanische Aufsichtsbehörde für
Nahrungs- und Arzneimittel (FDA) für die erste Phase einer klinischen Erprobung am Menschen freigegeben.

Es wurde von Dr. Martin Brown, Professor für

Radiologie an der Stanford-Universität in Palo Alto

(Kalifornien), gemein-

sam mit William Lee vom Internationalen SRI (Stanford Research Institute) in
Menlo Park (Kalifornien) im Jahr 1978 entwickelt und inzwischen in zahlreichen
Tierversuchen getestet.

Vorläufig trägt es noch die bei Experimentierprä-

paraten übliche Nummernbezeichnung, und zwar "SR-2508".
Sein Verstärkungseffekt zur Zerstörung von Tumorzellen durch ionisierende
Strahlung beruht auf dem Umstand, daß es, wie Brown erklärt, "Sauerstoff in
der Zelle vortäuscht".
selrolle.

Sauerstoff spiele in der Strahlentherapie eine Schlüs-

Bei der herkömmlichen Therapie schlägt die das Krebsgewebe durch-

dringende Röntgenstrahlung "Löcher" in den Molekül verband der DNS (Desoxyribonucleinsäure), d.h. in das genetische Material, das es der Zelle ermöglicht,
zu leben und sich zu vermehren.

Wenn sich Sauerstoff an die DNS-Bruchstellen

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�DNS-Bruchstellen anhänge

- und Sauerstoff ist in den meisten Zellen reich-

lich vorhanden -, sei eine bleibende Schädigung gewährleistet, so daß die
Tumorzelle abstirbt.

Aber schon vor etwa 25 Jahren erkannte man auch, daß

es in vielen, vielleicht sogar in allen Tumoren Zellen gibt, die keinen
Sauerstoff enthalten.

Und diesen Zellen kann Strahlung nichts anhaben, sie

erweisen sich gegen Radiotherapie resistent.

Aus ihnen kann der Tumor wie-

der zu wachsen beginnen, es kommt zu einem Rezidiv.

"Wenn man es mit Krebs

zu tun hat", so Brown, "genügt es nicht, den Tumor zu 99 Prozent zu zerstören.

Er muß in seiner Gesamtheit erreicht werden."
Man versuchte dieses Problem z. B. zu lösen, indem die Bestrahlung in

Kammern mit reiner Sauerstoffatmosphäre bei dreifachem Normaldruck vorgenommen wurde in der Hoffnung, auf diese Weise mehr Sauerstoff in die kritischen Zellen einzuschleusen.

Auch die Verwendung anderer Strahlenarten,

etwa von Pi-Mesonen oder von Neutronen, bei denen die Zerstörung von Krebszellen nicht vom Sauerstoff abhängig ist, sollte die Effektivität erhöhen.
Zwar verbessern solche Verfahren die Erfolgsrate, sind aber überaus kostspielig und in manchen Fällen auch gefährlich.
Im Jahr 1974 entwickelten britische Wissenschaftler eine Verbindung
(Misonidazole), die den Durchbruch zu bringen schien.

Sie imitiert die Wir-

kungen von Sauerstoff in den Tumorzellen und macht sie gegen Strahlen
empfindlich, ohne gleichzeitig normales Gewebe zu beeinträchtigen.

Aber Un-

tersuchungen in der Folgezeit zunächst an Versuchstieren, dann auch am Menschen, zeigten, daß es bei der erforderlichen hohen Dosierung zu toxischen
Schädigungen an Gehirn- und Nervenzellen kommt.

Schmerzhaftes Prickeln und

Stechen in Händen und Füßen, Hörverlust und Desorientierung waren Nebenwirkungen, die die Anwendung des Präparats verbieten.
Brown und Lee vermochten die toxischen Nebenwirkungen ganz erheblich
zu vermindern.

Dies gelang ihnen durch eine Modifizierung der chemischen

Struktur von Misonidazole in der Weise, daß die Verbindung jetzt in Fett
so gut wie unlöslich ist.

Das bedeutet, daß sie auch die sog. Blut-Hirn-

Schranke nicht passieren kann.

Dies ist jenes System im Organismus, das den
- 2 -

�das den Stoffaustausch zwischen dem Blut und dem zentralen nervösen Organ
ermöglicht und aufgrund bestimmter Gegebenheiten reguliert.

Studien an tie-

rischem und menschlichem Gewebe zeigten inzwischen, daß das neue Präparat
SR-2508 ebenso wirksam wie Mesonidazole als "Sensibilisator" für die Zerstörung von Tumorzellen mittels Bestrahlung, aber fünf- bis zehnmal weniger
toxisch für Nervengewebe ist.
Norman Coleman, Assistenzprofessor für Radiologie, leitet die jetzt beginnende klinische Studie an der Stanford-Universität. Ob und inwieweit die
bei den Tierversuchen beobachteten sehr günstigen Ergebnisse auch beim Menschen möglich sind, bleibe abzuwarten. Voraussagen hierzu seien jedenfalls
nicht möglich. In die erste Phase der klinischen Erprobung sind insgesamt
150 Patienten aus allen Teilen der USA einbezogen, die sich nach Beratung
mit ihrem Arzt zur Verfügung gestellt haben. Als Beobachtungszentren für die
Studie wurden neben dem Klinikum der Stanford-Universität die Washington-Universität in St. Louis (Missouri), die Universität Kalifornien in San Francisco,
das Nationale Krebsinstitut in Bethesda (Maryland) und das Cross-Krebsinstitut in Edmonton (in der kanadischen Provinz Alberta) ausgewählt.

+ + + + +

- 3 -

�2. März 1983

10

SCHWEFELSÄUREWOLKEN IN DER STRATOSPHÄRE
• Vulkanausbruch beeinflußt vermutlich jahrelang Sonneneinstrahlung

- (AD) - Eine ausgedehnte neue Schicht aus winzigen Schwefelsäuretröpfchen, die in Höhen zwischen 29 000 und 35 000 m um die Erde zieht, entdeckten Wissenschaftler der Universität Wyoming in Laramie Ende Januar 1983 mit
Hilfe einer Ballonsonde. Wie die Nationale Forschungsstiftung der USA (NSF)
mitteilte, wurde mit einem am 1. Februar 1983 aufgelassenen zweiten Ballon
die vier Tage zuvor gemachte Entdeckung bestätigt. Der erste, mit 8400 cbm
Helium gefüllte Ballon erfaßte mit seinen Meßinstrumenten u.a. Partikel zwischen einem Millionstel und zwei Zehntausendstel Millimetern Größe, mit der
zweiten Ballonsonde wurden Partikel bis zu zwei Millionstel Millimetern
Durchmesser ermittelt. Die Dichte der Wolke, die eine Ausdehnung von mindestens 9000 km hat, ist mit ca. 500 Tröpfchen pro Kubikzentimeter anzunehmen. Normalerweise werden in diesem Höhenbereich Konzentrationen von nur
ein bis zwei Tröpfchen pro Kubikzentimeter gemessen.
Wie Dr. David J. Hofmann und Dr. James M. Rosen, beide Professoren
für Physik und Astronomie an der Universität Wyoming, im Zusammenhang mit
ihrer Entdeckung berichten, sei die Schicht deshalb erst jetzt registriert

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�jetzt registriert worden, weil zum einen die Tröpfchen noch zu klein seien,
um Laser-Licht, mit dem von der Erde aus die Atmosphäre zur Feststellung von
Aerosolen sondiert wird, zurückzustreuen.

Zum anderen hätten sich die Wolken

erst in all erjüngster Zeit gebildet.
"Ausgangsstoff" war Schwefeldioxid, das beim Ausbruch des Vulkans
El Chichon in Südostmexiko im April 1982 in riesigen Mengen bis in die Strato
Sphäre getragen wurde.

Die Schwefeldioxidmassen aus der explosionsartigen

Eruption zogen zunächst in Richtung der nördlichen Polarregion, wo sie, wie
die Wissenschaftler vermuten, im September oder Oktober ankamen.

In der

Stratosphäre wird das Schwefeldioxid in Schwefelsäuredampf umgewandelt.

Aus

dem Dampf entstehen winzige Tröpfchen von Schwefelsäure - ein Prozeß, der
durch die niedrigen Temperaturen im Winter intensiviert wird.

Nach Meinung

Prof. Hofmanns wurden dann die über der nördlichen Polarregion gebildeten
Partikel mit den Luftmassen um die Erde transportiert.. Die Auswirkungen der
El Chichon-Eruption auf die Stratosphäre hinsichtlich des Ausstoßes von
Schwefeldioxid seien ungefähr vierzigmal größer gewesen als die vom Ausbruch
des Vulkans Mount St. Helens im US-Bundesstaat Washington im Jahr zuvor.
Partikel wölken in der Stratosphäre als Folge des Vulkanausbruchs in
Mexiko hatte man bisher nur in knapp 26 000 m Höhe ermittelt. "Diese neuen
Tropfchenschwaden, die mit ca. 90 km pro Stunde dahintreiben, wurden vermutlich erst jetzt gebildet", meint Dr. Hofmann. "Sie werden sich zu größeren
Partikeln zusammenballen, so daß die Dichte auf etwa 100 Tröpfchen pro Kubikzentimeter zurückgeht. Allerdings bleibt die Konzentration groß genug, um
die Schwaden auch künftig orten zu können. Angesichts der geringen Partikelgröße werde es Jahre dauern, bis das Material in tiefere Luftschichten und
schließlich zur Erdoberfläche absinke.
Vorläufig seien, wie Dr. Hofmann erklärte, von den Schwefel Säureschwaden
in der Stratosphäre keine klimatischen Auswirkungen zu erwarten.

Wenn die

Tröpfchen aber verklumpen und z.B. um das Zehnfache größere Partikel bilden,
könnten sie "optisch aktiv" werden - d.h., sie könnten das Sonnenlicht streuen und bewirken, daß sich die Sonneneinstrahlung an der Erdoberfläche ver- 2 -

�Erdoberfläche verringert. Gegenwärtig sei noch nicht abzuschätzen, wann
damit zu rechnen sei und ob sie überhaupt größere Partikel bilden. Jedoch
bestehe die Möglichkeit, daß die Schwaden vorübergehend die Temperaturen
absinken lassen. Sie werden zu überaus farbenprächtigen Sonnenuntergängen
beitragen, weil sie auf Grund ihrer großen Höhe noch lange Zeit nach dem
Versinken der Sonne hinter dem Horizont ihr Licht reflektieren.

+ + + + +

- 3 -

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