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                  <text>nformal
und

I

Embassy of the United States of America

3. Februar 1983

INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL
Auftakt zu den deutsch-amerikanischen Dreihundertjahrfeiern in Amerika
„

.

i

—

-

i

i

•

- Festansprache des Direktors des US-Informationsamtes Amerikas Arbeitspotential und Arbeitsmarkt
Was wird aus den Arbeitslosen?
Wie steht es mit den Aussichten auf Vollbeschäftigung?
- Von Joe! Swerdlow -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Mehr eiweißreiche Nahrung aus Fischfarmen
• Fachkonferenz empfiehlt Ausweitung in der Dritten Welt

Um Über/endung von
wird gebeten

Postfach 20 03 00

Tel.: 0228-339 22 40

�Hintergrund
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America
3. Februar 1983

AUFTAKT ZU DEN DEUTSCH-AMERIKANISCHEN DREIHUNDERTJAHRFEIERN IN AMERIKA
- Festansprache des Direktors des US-Informationsamtes -

CINCINNATI - (AD) - Der Direktor des US-Informationsamtes (USIA),
Charles Z. Wick, hat am 21. Januar 1983 der Landung der ersten deutschen Siedlungsgruppe in Amerika vor 300 Jahren gedacht und die Beiträge deutscher Einwanderer zur Stärke und zum Aufbau der Vereinigten Staaten gewürdigt.
sprach anläßlich der Semesterschlußfeier der Universität Cincinnati.

Wick
Die Rede

hat, von kleineren Kürzungen abgesehen, folgenden Wortlaut:
Ich freue mich, hier bei Ihnen sein zu dürfen.

Ich beglückwünsche die

Universität Cincinnati und das Goethe-Haus zur Arrangierung dieser Festveranstaltung aus Anlaß des 300. Jahrestages des Eintreffens der ersten deutschen
Siedler im Gebiet der heutigen Vereinigten Staaten.

Es ist eine hohe Ehre

für mich, den heutigen Abend hier mit Ihnen zu verbringen und in Ihre begeisterte
Würdigung des Beitrags von Deutsch-Amerikanern zur Stärke, zu den Wertvorstellungen und zur Lebenskraft unserer Nation einzustimmen.
Ich freue mich auch über die Gelegenheit, die Bedeutung unterstreichen
zu können, die wir der Freundschaft zwischen den Vereinigten Staaten und der
Bundesrepublik Deutschland beimessen...
Es ist Aufgabe

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Es ist Aufgabe des US-Informationsamtes (USIA), die Informations- und Kulturprogramme der amerikanischen Regierung im Ausland durchzuführen, wozu auch die
Verbesserung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten zählt.

Wahrscheinlich haben auch Sie schon von unserer Arbeit gehört -

über die Stimme Amerikas beispielsweise, den internationalen Rundfunkdienst des
US-Informationsamtes,oder auch in Zusammenhang mit dem Fulbright-Stipendienprogramm, das die USIA verwaltete

Das US-Informationsamt betreibt in 124 Län-

dern ein umfassendes Programm auf dem Gebiet dessen, was man inzwischen
"Diplomatie durch Öffentlichkeitsarbeit" zu nennen pflegt, d,h„ die Weitergabe
der Argumente, die für den amerikanischen Standpunkt sprechen.

Während das State

Department, das Außenministerium, die diplomatischen Beziehungen unseres Landes
in der traditionellen Form von Kontakten von Regierung zu Regierung pflegt,
wendet sich USIA als eine Regierungsstelle direkt an ein breites Publikum im
Ausland«

Angesichts des großen Interesses unseres Landes an der Aufrechter-

hai tung starker Freundschaftsbande zur Bundesrepublik und in Hinblick auf das
Wesen der Tätigkeit der von mir geleiteten Behörde

halte ich es für eine

besondere Auszeichnung, daß mich Außenminister Shultz gebeten hat, den Vorsitz
im Interministeriellen Lenkungsausschuß für deutsch-amerikanische Kontakte
(Inter-Agency Steering Committee on U.S.-German Contacts) zu übernehmen, und
daß mich Präsident Reagan als seinen persönlichen Vertreter in die Kommission
für die deutsch-amerikanischen Dreihundertjahrfeiern entsandt hat.

Mein Mit-

arbeiterstab und ich begrüßen es, an der Planung dieser auf ein ganzes Jahr
veranschlagten Feiern zum Gedenken dieser faszinierenden Ereignisse mitwirken
zu können, von denen die heutige Veranstaltung eine der ersten darstellt.
Im Jahre 1683 wanderten 13 Mennoniten-Familien aus Krefeld nach Amerika
aus, um dort zu siedeln.

Unter der Führung von Franz Daniel Pastorius

kamen

sie nach Pennsylvanien und gründeten unweit von Philadelphia das heutige
Germantown»

Sie waren dorthin gekommen auf der Suche nach religiöser und

politischer Frei heit.

Ihre Hingabebereitschaft an die Freiheit half mit, das

junge Amerika aufzubauen.

Die Gemeinde Germantown blühte rasch auf und zog

auch noch andere Siedler an.

Bald schon kamen weitere Deutsche - mehr und mehr.
Im Anschluß

�Im Anschluß an jene erste Einwanderer-Gruppe sollten im Laufe der Jahrhunderte über sieben Millionen Einwanderer aus Deutschland nach den Vereinigten
Staaten kommen.

Heute gibt es in den Vereinigten Staaten über 60 Millionen

Amerikaner deutscher Herkunft - das entspricht mehr als einem Viertel der Gesamtbevölkerung des Landes. Sie sind lebendige Zeugen der Beharrlichkeit und des
Fleißes ihrer Vorfahren.

Die Zahl der Deutsch-Amerikaner ist heute fast ebenso

groß wie die der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik, der wir durch die gemeinsame Hingabe an die demokratischen Ideale verbunden sind.
Was haben sie geleistet, diese Deutsch-Amerikaner?

In Handel und Gewerbe,

im Bankwesen, in den Künsten wie in den Wissenschaften haben Amerikaner deutscher
Abkunft ganz wesentlich zum Aufbau unserer Nation beigetragen und unsere Kultur
und Zivilisation unermeßlich bereichert.
Die wichtigsten Eigenschaften aber, die die deutschen Einwanderer in Amerika
verbreiten halfen, waren fachliche Tüchtigkeit und die tiefe Überzeugung, daß
harte und ehrliche Arbeit das einzige sind, einen Menschen auf seinem Weg voranzubringen.
-

Der typisch deutsch-amerikanische Gelehrte und Geschäftsmann - sie sind die
unbesungenen Helden der deutsch-amerikanischen Geschichte: Deutsche Bauern,
Handeltreibende und Fabrikanten wurden zu Stützen von Gemeinden überall im Lande,
dem unerläßlichen Bindemittel unserer Nation.
So waren es beispielsweise das Wirken und die Entschlossenheit deutscher
Einwanderer, die den Ausschlag für die erfolgreiche Besiedelung großer Teile des
Mittelwestens gaben.

Und deutsche Energie und deutscher Erfundergeist halfen mit,

die Fabriken und Geschäfte zu bauen, die den Lebensstandard so sehr nach oben
zu schrauben vermochten, daß der einzelne in Würde und Freiheit leben konnte.
Die heutige Feier weist noch eine andere, internationale Dimension auf, mit
der ich mich jetzt etwas eingehender befassen möchte.
Trotz der

- 3 -

�Trotz der Hinterlassenschaften zweier Weltkriege, in denen wir uns feindlich
gegenüberstanden, entwickelten die Bundesrepublik und die Vereinigten Staaten
in den vergangenen 30 Jahren sehr enge Beziehungen zueinander.
Die Bundesrepublik, die Vereinigten Staaten und andere parlamentarische
Demokratien sind heute innerhalb der nordatlantischen Gemeinschaft als souveräne
und gleichwertige Partner in einem Bündnis geeint, das den Frieden sichert.

Wir

sind geeint aber nicht nur durch Sicherheitsinteressen, sondern auch durch gemeinsame Wertvorstellungen.

Man braucht sich nur in der Geschichte umzutun, um

zu erfahren, wie schwer diese Werte und Freiheiten zu erringen, und wie leicht
sie zu verspielen sind.
gungswert.

Unsere Wertvorstellungen sind bewahrens- und verteidi-

Und dies müssen wir gemeinsam tun.

Der Erfolg des Marshall-Plans, die Berliner Luftbrücke und die NATO-Partnerschaft führten zur Anerkennung unserer gemeinsamen demokratischen Ideale und
begründeten unser gemeinsames Interesse an der wirtschaftlichen und politischen
Stärke des Westens. Heute hat über die Hälfte des deutschen Volkes keine persönlichen Erinnerungen mehr an die schrecklichen endvierziger Jahre und an die
Zeit der Teilung Deutschlands, als die Wirtschaft darniederlag und es Millionen von Flüchtlingen gab. Sie erinnern sich nicht daran, daß es die Vereinigten
Staaten waren, die Deutschland den Weg zur Rückkehr in die Völkerfamilie geebnet
haben.
Wie Bundeskanzler Helmut Kohl anläßlich seines Besuches in den Vereinigten
Staaten im Herbst vergangenen Jahres sagte, haben viele junge Deutsche nicht
die geringste Vorstellung von Amerika, seiner Geschichte, seinen Ideen und
seinen Realitäten.
Heute sehen viele junge Deutsche - ohne persönliche Erfährungen .^ie denen
ihrer Eltern vergleichbar wären - ein geteiltes Deutschland und Panzer und
Raketen in großer Zahl, die direkt gegen sie gerichtet sind.
Gleichzeitig meinen

- 4 -

�Gleichzeitig meinen viele, die Vereinigten Staaten verfolgten eine auf sich
selbst zentrierte Politik, die andere Länder einschließlich der Bundesrepublik
in Probleme stürzt.

Hohe Zinssätze, Haushaltsdefizite, Verteidigungsausgaben,

und Restriktionen im Ost-West-Handel werden als Manifestationen einer selbstsüchtigen amerikanischen Haltung zur ganzen übrigen Welt angesehen.

Das Unbe-

hagen an der amerikanischen Wirtschaftspolitik bereitet den Boden für Kritik an
der amerikanischen Verteidigungs- und Sicherheitspolitik.

Um es offen auszu-

sprechen: Viele Deutsche würden lieber größere Summen für Sozialprogramme and
weniger Geld für die Rüstung ausgeben.

Wer möchte das nicht!

Die Vereinigten

Staaten und andere Länder des Westens können sich aber solche Lösungen einfach
nicht leisten.
Es ist wichtig, daß wir uns jenen jungen Deutschen verständlich machen. Wir
müssen sie an die gemeinsamen Wertvorstellungen gemahnen, die uns verbinden. Wir
müssen ihnen die immanente Unrichtigkeit der These - des Syndroms "Die Pest
über beide Häuser" - begreiflich machen, derzufolge wir und die Sowjets gleichermaßen von Übel sind. Wir müssen den jungen Deutschen überzeugende Beweise dafür
liefern, daß die amerikanische Politik nicht nur den eigenen wirtschaftlichen,
politischen und militärischen Interessen dient, sondern deckungsgleich mit der
Politik ihrer Verbündeten ist, und daß sich diese Politiken gegenseitig stützen.
Somit ist es von lebenswichtiger Bedeutung für die anhaltende Gesundheit
und Stärke unserer Partnerschaft, daß wir die Bande der Freundschaft und gegenseitigenAchtung zwischen unseren beiden Ländern immer wieder erneuern. Wir
müssen die Gewähr schaffen, daß das Bündnis fest bleibt und daß Deutsche und
Amerikaner fortfahren, die enge Freundschaft weiter zu vertiefen.
Beide Nationen sind sich hierüber klar, und beide unternehmen immer wieder
wichtige Initiativen, um die Bande der Freundschaft zwischen ihnen zu unterstreichen.
Im Mai des vergangenen Jahres kündigte Präsident Reagan beispielsweise im
Weißen Haus ein Programm zur Verstärkung des Jugendaustauschs zwischen den Vereinigten Staaten und sechs Partnerländern des Weltwirtschaftsgipfels unter Einschluß der Bundesrepublik an.
Dieses Programm
- 5 -

�Dieses Programm, das häufig als "Initiative des Präsidenten zum internationalen Jugendaustausch" bezeichnet wird, spiegelt den Glauben der Vereinigten
Staaten wider, daß der Austausch junger Menschen langfristig ein wirksames Mittel
zur Förderung enger Beziehungen und des gegenseitigen Verständnisses unter den
Angehörigen der "Nachfolgegenerationen" unserer wichtigsten Verbündeten darstellt,
Erst gestern versammelte der Präsident einige hundert Spitzenvertreter der
amerikanischen Wirtschaft im Weißen Haus, um sie um ihre Mithilfe bei der Beschaffung von privaten Geldern aus der Wirtschaft in Ergänzung der staatlichen
Mittel zu bitten, die in diese wichtige Initiative investiert werden sollen.
Als ein erstes Beispiel der Mitwirkung des privaten Sektors überreichten die
Treuhänder des Fonds für die Ausrichtung der Feierlichkeiten zur Amtseinführung
des Präsidenten im Jahre 1981 aus nicht verausgabten Mitteln dem Beirat des
Präsidenten für Fragen des Internationalen Jugendaustauschs eine großzügige
Spende in Höhe von einer Million Dollar.
Alles in allem hoffen wir, innerhalb von drei Jahren rund 10 Millionen
Dollar an privaten Mitteln aufbringen zu können, mit denen der Austausch von
schätzungsweise 30 000 jungen Menschen - d.h. von doppelt so vielen Bewerbern
wie bisher - finanziert werden soll. Ein Konsortium aus bewährten Austauschorganisationen wird dieses Programm unter der Aufsicht des US-Informationsamtes
verwalten.
Wir werden erheblich mehr Gastgeber-Familien benötigen als bisher, wollen
wir dieses erweiterte Progräftim zu einem Erfolg führen. Ich zähle darauf, daß
sich viele unter meinen Zuhörern entschließen werden, als Gasteltern für einen
jungen Ausländer zu fungieren, und mein Amt von dieser Bereitschaft
benachrichtigen werden. Auf diese Weise können die zuständigen Programm-Organisationen
die Liste aufnahmewilliger Familien erweitern, die sie gegebenenfalls um Hilfe
angehen können.
Im November vergangenen Jahres gab Präsident Reagan anläßlich der AmerikaReise von Bundeskanzler Kohl im Weißen Haus die Bildung einer deutsch-amerikanischen Kommission bekannt, die den Anstoß zu Feiern aus Anlaß des 300. Jahrestages des Eintreffens der ersten deutschen Siedler im Gebiet der heutigen
Vereinigten Staaten geben soll.
3

_ . _
Beim Besuch

�Beim Besuch von Bundeskanzler Kohl im Weißen Haus erklärte Präsident Reagan,
das Gedenkjahr sei ein Symbol des wichtigen Beitrags, den deutsche Einwanderer
zum Aufbau der Vereinigten Staaten geleistet haben, und ein sichtbares Zeichen
für die deutsch-amerikanische Freundschaft und die Stärke unserer Partnerschaft.
Bei der gleichen Gelegenheit bemerkte Bundeskanzler Kohl im Zusammenhang mit
den Dreihundertjahrfeiern, daß sich Deutsche und Amerikaner ihrer gemeinsamen
Herkunft erinnern und hieraus Stärke, Mut und Vertrauen in die Zukunft schöpfen
könnten.
Ich selbst hatte die Ehre, bei einem Lunch und einem Abendessen im Weißen
Haus persönlich mit dem Bundeskanzler sowohl über die Dreihundertjahrfeiern als
auch über den Jugendaustausch sprechen zu können.

Seine Einstellung zu beiden

Themen ist von echter Begeisterung gekennzeichnet.
Präsident Reagan gab auf der gleichen Veranstaltung die Ernennung von
Richard V. Allen, einem geachteten Mitarbeiter der Heritage Foundation und früheren Sicherheitsberater des Präsidenten, zum Vorsitzenden der Kommission für
die Dreihundertjahrfeiern bekannt. Ihr gehören so hochangesehene und verdiente
Persönlichkeiten an, wie:
- Warren Burger, Oberster Bundesrichter am Obersten Bundesgerichtshof der
Vereinigten Staaten;
- Arthur F. Burns, (ex officio), der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland;
- John Heinz, Senator aus dem Staat Pennsylvanien;
- Richard Burt, designierter Unterstaatssekretär und Leiter der Europa-Abteilung im US-Außenministerium;
- John J. McCloy, ehemaliger Militärgouverneur und Hochkommissar für Deutschland;
- Kenneth Rush, ehemaliger amtierender Außenminister und Botschafter in der
Bundesrepublik Deutschland, derzeit Vorsitzender des Atlantischen Rates;
- Charles Tyson, stellvertretender Sicherheitsberater des Präsidenten der
Vereinigten Staaten;
sowie zahlreiche führende Vertreter aus Wirtschaft und Handel.
Der Präsident

�Der Präsident hat mich gebeten, in dieser Kommission als sein persönlicher
Vertreter zu fungieren; und der Kongreß hat das US-Informationsamt angewiesen,
die Arbeit der Kommission das gesamte 300. Gedenkjahr hindurch nach Kräften zu
unterstützen.

Tatsächlich befaßt sich ein Arbeitsstab des Informationsamtes

inzwischen schon seit Monaten mit der Vorbereitung solcher Gedenkveranstaltungen.
Ich freue mich, sagen zu können, daß diese gesamte Tätigkeit ausschließlich aus
privaten Spenden finanziert wird.
Im vergangenen Jahr haben sowohl der Amerikanische Kongreß als auch der
Deutsche Bundestag 1983 offiziell zum Jahr des Gedenkens der 300 Jahre deutscher
Siedlungsgeschichte in Amerika im Gebiet der heutigen Vereinigten Staaten erklärt.
Die entsprechende Entschließung des amerikanischen Kongresses anerkennt
"die unschätzbaren menschlichen, wirtschaftlichen, politischen, sozialen und
kulturellen Beiträge zu diesem Land von Millionen von deutschen Einwanderern im
Laufe der letzten drei Jahrhunderte" und sprach davon, wie angemessen es sei,
"dieses historische Ereignis in einer Weise zu begehen, die die deutsch-amerikanische Freundschaft würdigt und die demokratischen Werte in den Mittelpunkt
stellt, die uns verbinden."
Ein weiteres Gremium, das - wie gesagt - kürzlich gebildet wurde, um das
gesamte Jubiläumsjahr hindurch aktiv tätig zu sein, ist der "Interministerielle
Ausschuß für deutsch-amerikanische Kontakte". Dieser Ausschuß, dessen Vorsitz ich
führe, vereint Vertreter von 22 Ministerien und selbständigen Bundesbehörden,
darunter auch Vertreter des Gemeinsamen Stabes der Streitkräfte.
Die Idee zur Einsetzung eines solchen Ausschusses erwuchs aus dem persönlichen Interesse Präsident Reagans an einer Vertiefung der Beziehungen zwischen
den Völkern unserer beiden Länder.
I

Wie Außenminister Shultz im Oktober vergangenen Jahres schrieb, "ist es das
Ziel (des Ausschusses), die Aufmerksamkeit auf die uns gemeinsamen demokratischen

/

i
i

- 8 -

�gemeinsamen demokratischen Wert- und Ziel Vorstellungen zu konzentrieren."
Der Außenminister fuhr in seinem Schreiben fort: "Um eine möglichst vollzählige Mitwirkung aller interessierten amerikanischen Regierungsbehörden sicherzustellen, haben wir kürzlich den Interministeriellen Lenkungsausschuß für
deutsch-amerikanische Kontakte errichtet, dessen Aufgabe es sein soll, laufend
über die Aktivitäten privater und öffentlicher Stellen zur Förderung solcher
Kontakte zu berichten, für den diesbezüglichen Informationsaustausch unter den
Behörden zu sorgen, neue Ideen zur Vertiefung solcher Kontakte zu prüfen, die
Politik der Regierung in bezug auf derartige Programme zu koordinieren und mitzuhelfen, derartige Projekte zu verwirklichen.

Auf diese Weise hoffen wir,

unsere Anstrengungen konzentrieren und die uns zu Gebote stehenden knappen Hilfsquellen möglichst rationell nutzen zu können."
Im vergangenen Dezember führte ich über eine Rundfunk-Satellitenschaltung
ein Gespräch mit Staatssekretär Berndt von Staden von der deutschen Gegenseite,
um mit ihm die Jugendaustausch-Initiative und die Dreihundertjahrfeiern zu erörtern.

In diesem Dialog zwischen Bonn und Washington diskutierten wir Pläne

für Gedenkveranstaltungen in Deutschland und in den Vereinigten Staaten.
Auf der ersten Tagung des Interministeriellen Ausschusses am 22. November
1982 berichteten die Ausschußmitglieder über eine schier unglaubliche Zahl von
laufenden oder geplanten Austauschaktionen und Kontakten zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland. So kündigte beispielsweise die
amerikanische Raumfahrtbehörde NASA Pläne zur Teilnahme eines ersten nicht-amerikanischen Astronauten, eines Deutschen an einem amerikanischen Raumflug an.
Das scheint mir ein angemessener Tribut für all das zu sein, was unser Raumfahrtprogramm Dr. Wernher von Braun und anderen deutschen Wissenschaftlern und
Ingenieuren verdankt. Bundespräsident Carstens wird zu diesem Ereignis eingeladen werden.
Davor noch, im April, wird eine von europäischen Ländern finanzierte Raumstation gestartet werden.

Die Bundesrepublik wird 60 Prozent dieses Milliarden-

- 9 -

�dieses Milliarden-Dollar-Projekts aufbringen. Wir bemühen uns gegenwärtig darum,
daß das Enblem der Drei hundertjahrfeiern an dem Raumfahrzeug angebracht wird.
Abgesehen von dem Bericht der NASA über das gemeinsame Raumflugprojekt melden
auch andere Regierungsstellen Aktionen zum Austausch von Wissenschaft!err , Militärs, Geschäftsleuten, Gewerkschaftern, Akademikern, Sozialarbeitern, Angehörigen
der Landjugend und Studenten in beiden Richtungen.
Das Jahr der Feiern des 300. Jahrestages des Beginns deutscher Siedlungsarbeit wird gekennzeichnet sein durch eine Reihe von diesbezüglichen Ereignissen
und Veranstaltungen sowohl hier in diesem Land als auch in Deutschland.
Die Eröffnungsfeier des Jubiläumsjahres fand am 9. Januar in Krefeld statt,
von wo die erste Gruppe von beherzten Auswanderern im Jahre 1683 nach den Kolonien
in Amerika aufgebrochen ist. Dr. Edwin Feulner, Jr., Vorsitzender der amerikanischen Beratungsgruppe für Fragen der Diplomatie durch Öffentlichkeitsarbeit,
nahm als offizieller Vertreter der Vereinigten Staaten und auch des Ausschusses
für die Drei hundertjahrfeiern zusammen mit über 100 prominenten Gästen an dem
Festakt teil, der im historischen Festsaal des Krefelder Rathauses stattfand.
Gleichzeitig gedachte der Vorsitzende des amerikanischen Ausschusses für die
Dreihundertjahrfeiern in einer Rede zum Semesterabschluß der Universität des
Staates Missouri in St. Louis am 9. Januar dieses Ereignisses. Im Rahmen dieser
Abschlußfeier wurde dem Oberbürgermeister Manfred Rommel aus Stuttgart, der
Schwesterstadt von St. Louis, eine Ehrenurkunde überreicht. Die Stadt St. Louis
selbst wird des 300. Jahrestages des Beginns der deutschen Siedlungsarbeit in
Amerika im April mit einem eigenen Festakt gedenken.
Im Laufe des Jahres 1983 werden aus Anlaß der Dreihundertjahrfeiern mindestens zwei Sonderbriefmarken herauskommen.

Diese Jubiläumsmarke, die gleichzeitig

auch von der deutschen Bundespost herausgebracht wird, zeigt wie die amerikanische Ausgabe eine Abbildung des Schiffs, der "Concord", auf dem die Siedler
unweit des heutigen Germantown gelandet sind.

Eine weitere Sondermarke soll dem

hundertjährigen Jubiläum der von Deutsch-Amerikanern errichteten Brooklyn-Bridge
in New York gewidmet sein.

New York beabsichtigt
- 10 -

�New York beabsichtigt,im Mai zum 100. Jahrestages der Eröffnung der BrooklynBridge ein Riesenfest zu veranstalten, jenes gewaltigen Brückenbauwerks, das von
John und Washington Roeberling entworfen und gebaut wurde. Von Savannah im Staate
Georgia bis Baltimore im Staate Maryland und weiter bis Los Angeles und anderen
Städten an der Westküste werden die Kommunen Feiern aus Anlaß des 300. Jahrestages
abhalten.
Es wurde auch ein Lehreraustausch zwischen Krefeld und dem pennsylvanischen
Germantown vorgeschlagen. Bei der Eröffnungsfeier des Gedenkjahres im Rathaus
von Krefeld brachte der Krefelder Bürgermeister seine begeisterte Zustimmung zu
einem solchen Austausch zum Ausdruck. Ein Vertreter Krefelds wird Mitglied des
Ausschusses zur Auswahl geeigneter Lehrer sein, der im Februar 1983 zusammentreten soll.
Höhepunkt der Gedenkfeiern wird im späteren Verlauf des Jahres 1983 ein Zusammentreffen zwischen Präsident Reagan und

Bundespräsident Carstens sein.

Wir wollen den Aktivitäten im Zusammenhang mit den Dreihundertjahrfeiern
größtmögliche Publizität verschaffen.

Wir wünschen ferner, daß so viele Ameri-

kaner wie nur möglich an diesen Aktivitäten teilnehmen.
Ich möchte meinen Zuhörern klarmachen, daß die Feiern, sollen sie zu einem
Erfolg werden, der Unterstützung von lokalen Helfern, meist freiwilligen Helfern
mit großer Organisationsgabe - von Männern und Frauen wie Sie - bedürfen.
Ich habe heute abend hier nur auf einige wenige der geplanten Veranstaltungen
zur Feier der deutsch-amerikanischen Freundschaft hingewiesen. Wir werden sicherlich unser Vergnügen dabei haben; aber im Grunde hat dieses Jahr einen anderen
und zukunftweisenden Sinn: Ich erinnere mich an ein Gespräch mit unserem Botschafter in der Bundesrepublik, Arthur F. Burns, der mir im November vergangenen
Jahres in meinem Amtszimmer sagte: Worauf wir bedacht sein müssen, ist, daß nach
dem Feuerwerk, den Straßenumzügen, den Festbanketten und den Konzertveranstaltungen
ein Bestand an gutem Willen bei beiden Völkern verbleibt. Da pflichte ich Botschafter Burns bei. Dieses Jahr ist nur ein erster Schritt zur Bekräftigung der
beständigen Bande der Freundschaft und des gegenseitigen Verständnisses zwischen
- 11 -

�Verständnisses zwischen unseren beiden Völkern.
Bernhard Vogel, der Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz, stimmt mit
mir darin überein. Bei seinem Besuch im Informationsamt in Washington in der
vergangenen Woche rief der Ministerpräsident zu künftigen, über 1983 hinausreichenden Anstrengungen auf, um die Kontinuität der engen Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik zu gewährleisten.
Wir müssen sicherstellen, daß die Generationen nach uns ein Leben in Frieden
und Freiheit führen können - und dann werden sich eines fernen Tages - so Gott
will - Deutsche und Amerikaner erneut zusammenfinden, um den 400. Jahrestag des
Beginns unserer Freundschaft feierlich zu begehen.
Abschließend möchte ich Ihnen allen - der Universität von Cincinnati, dem
Goethe-Haus und allen, die sich nach Kräften eingesetzt haben, um diese Festveranstaltung zu einem Erfolg werden zu lassen - dafür danken, daß sie eine der
ersten größeren Veranstaltungen in diesem wichtigen Gedenkjahr mitorganisieren
halfen. Ich bitte Sie dringend, mitzuhelfen, daß sich dieser Geist im ganzen
Staat Ohio verbreitet. Ich bin sicher, daß die Bewohner Ohios Ihre diesbezüglichen Anstrengungen begeistert begrüßen werden.
Wir blicken hoffnungsvoll in die Zukunft - nicht nur auf dieses Jahr, sondern
darüber hinaus auf noch viele weitere Jahre, die da folgen werden, und auf das
wachsende Bewußtsein des deutsch-amerikanischen Erbes in den Vereinigten Staaten
sowie auf das wachsende gegenseitige Verständnis zwischen beiden Völkern.

+ + + + +

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MT3TT?I1

Hintere) VTiV.
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America
3. Februar 1983

AMERIKAS ARBEITSPOTENTIAL UND ARBEITSMARKT
Was wird aus den Arbeitslosen?
Wie steht es mit den Aussichten auf Vollbeschäftigung?
- Von Joe! Swerdlow -

WASHINGTON - (AD) - Im Amerika unserer Tage, das von den Medien beherrscht
wird, tritt die Arbeitslosigkeit wesentlich deutlicher ins Bewußtsein der
Öffentlichkeit als in früheren Zeiten:

Die Zeitungen schildern das Schicksal

einzelner Arbeitsloser in aller Länge und Breite, und das Fernsehen überträgt
ihre Gesichter beispielsweise bei Einvernahmen vor dem Kongreß in Großaufnahme.
Im Gegensatz zur Zeit der großen Wirtschaftskrise Anfang der dreißiger
Jahre, als niemand genau wußte, wie viele Arbeitnehmer ohne Arbeit waren
(die amerikanische Regierung führte bis zu Beginn der vierziger Jahre keine
Arbeitslosenstatistik), machen selbst noch so geringfügige Schwankungen der
Arbeitslosenraten heute Riesenschlagzeilen.
Die Arbeitslosigkeit bestimmte demzufolge auch den Ausgang der letzten
Kongreßwahlen im November 1982.

"Nach Studium der Ergebnisse," schrieb Martin

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Martin Tolchin von der "New York Times", "sind führende Kongreßmitglieder
beider Parteien offensichtlich zu dem Schluß gelangt, daß die Wähler ein
einmütiges Votum über die Notwendigkeit staatlicher Eingriffe zur Verringerung der Arbeitslosigkeit abgegeben haben."
Es überrascht deshalb nicht, wenn eine Meinungsumfrage des LouisHarris-Instituts kürzlich das Ergebnis erbrachte, daß 83 Prozent des amerikanischen Volkes der Auffassung seien, die Arbeitslosensituation sei "sehr
ernst".
Das ist eine von den Zahlen, die kein Politiker ungestraft ignorieren
kann.

So suchen Republikaner und Demokraten gegenwärtig, inmitten der De-

batte über die Wirtschaftspolitik Reagans, die Verteidigungsausgaben und
den Ausgleich des Staatshaushaltes, Antworten auf drei grundlegende Fragen
zu finden:

Erstens, was geschieht zur Unterstützung der Arbeitslosen?

Zwei-

tens, welche Veränderungen innerhalb der Erwerbsbevölkerung tragen zur Arbeitslosigkeit bei?

Drittens, was kann geschehen?

Hilfe für Arbeitslose
Jeder der 50 Einzel Staaten hat ein ausgeklügeltes System der Arbeitslosenversicherung.

Die Bundesregierung erhebt von den Arbeitnehmern eine

Steuer, um dieses Programm zu finanzieren, und der Kongreß hat mehrere Millionen an Zusatzmitteln für diese Zwecke bereitgestellt.
Man braucht nicht allzu weit in die amerikanische Geschichte zurückzublicken, um zu erkennen, welche Leistung sich dahinter verbirgt.

Noch im

Jahr 1932, drei Jahre nach dem Börsenkrach, der die große Depression in den
Vereinigten Staaten beschleunigte, besaß nur der Staat Wisconsin eine Arbeitslosenversicherung.

Die Bundesregierung hatte nichts Vergleichbares auf-

zuweisen, und der amerikanische Gewerkschaftsverband American Federation of
Labor (AFL) - damals die größte und mächtigste Arbeiterorganisation im ganzen
Lande - hatte sich gegen eine Pflicht-Arbeitslosenversicherung ausgesprochen,
- 2 -

�ausgesprochen, weil die führenden Männer der AFL in der Arbeitslosenunterstützung ein unerwünschtes "Almosen" erblickten.
Ganz anders lagen die Dinge dagegen in Europa. Frankreich, das erste
Land mit staatlich subventionierten Arbeitslosenzahlungen, hatte bereits
Anfang

des 20. Jahrhunderts (auf Gemeindeebene) mit der Einrichtung eines

Arbeitslosenversicherungsprogramms begonnen.
Das amerikanische Arbeitslosenversicherungsprogramm wurde 1935 in beiden Häusern des Kongresses mit einer Mehrheit von etwa zehn zu eins verabschiedet und von Präsident Franklin D. Roosevelt durch seine Unterschrift
zum Gesetz erhoben.

Es basierte auf wichtigen Prinzipien, die bis in die

achtziger Jahre hinein unverändert die gleichen geblieben sind.
"Die Arbeitslosenversicherung ist kein Wohlfahrtsprogramm, obwohl ein
erheblicher Teil ihrer Leistungen Armen zugute kommt", erklärte der damalige
amerikanische Arbeitsminister (und derzeitige Außenminister) George P. Shultz
im Jahr 1977.

"Die Leistungen der Arbeitslosenversicherung sind vor allem

keine Zahlungen, die auf der Grundlage einer Einkommensprüfung erbracht werden.

Kein anspruchsberechtigter Arbeitnehmer wird allein deshalb von den

Leistungen ausgeschlossen, weil das Familieneinkommen beispielsweise dank
der Einkünfte einer unternehmerisch tätigen Ehefrau weiterhin relativ hoch
ist.

Die Grundthese der Arbeitslosenversicherung geht zudem dahin, daß ein

arbeitsloser Arbeitnehmer auf Zeit in der Lage sein sollte, dem Arbeitsmarkt
fernzubleiben, wenn er sich
Zeit ein

eine neue Arbeit sucht, und daß er in dieser

seinen früheren Einkünften vergleichbares Einkommen beziehen solle."

Es fällt schwer, die Veränderungen zu überschätzen, die dieses Gesetz in
Amerika bewirkte. "Von 1935 an",heißt es in einem im Februar 1980 veröffentlichten Bericht des Beratungsausschusses für interministerielle Beziehungen
(an dessen Spitze der ehemalige demokratische Oberbürgermeister von New York,
Abraham Beame, stand) ."waren die Arbeitslosen nicht mehr allein auf sich gestellt; seither wird auch nicht mehr, wie in der Vergangenheit üblich, von der
Annahme ausgegangen, daß persönliches Versagen statt der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung die Ursache

persönlicher Not bildet.
- 3 -

Aus einer vorüber-

�einer vorübergehenden Finanzhilfe wurde, statt eines Almosens oder eines Aktes des persönlichen Wohlwollens, ein 'Rechtsanspruch'."
Seit 1935 hat sich die Zahl der von der Arbeitslosenversicherung erfaßten Arbeitnehmer wie auch das Ausmaß des gewährten Versicherungsschutzes
ständig erweitert.
Im Jahr 1940 wurden die aus dem Zweiten Weltkrieg nach Hause kommenden
entlassenen Soldaten anspruchsberechtigt; in den fünfziger Jahren erfolgte
die Einbeziehung der Bundesbediensteten in das Arbeitslosenversicherungssystem; 1977 genossen 97 Prozent aller Lohn- und Gehaltsempfänger in den
Vereinigten Staaten Arbeitslosenversicherungsschutz; und heute erfaßt die
Arbeitslosenversicherung 87 Millionen Arbeitnehmer.
Darüber hinaus begannen die Gewerkschaften Anfang der fünfziger Jahre,
in der Automobil- und in der Stahlindustrie sowie in vielen anderen Industriezweiten im Zuge von TarifVerhandlungen auf die Zahlung der Prämien einer
betrieblichen Zusatz-Arbeitslosenversicherung als eine Form der Lohnnebenleistungen zu drängen.
Während Arbeitslosengeld 1935 nach dreiwöchiger Wartezeit auf die Dauer
von maximal 15 Wochen gewährt wurde, erstreckt sich die Zahlungsdauer heute
bei einer maximalen Wartezeit von sieben Tagen je nach Einzel Staat auf 34
bis 55 Wochen. Im District of Columbia mit der Bundeshauptstadt Washington
erhält ein Arbeitsloser, um ein Beispiel zu nennen, bis zu 203 Dollar die
Woche - steuerfrei und so lange, wie das Jahreseinkommen des Betreffenden
18 000 Dollar unterschreitet. Bundesweit wird Arbeitslosengeld gegenwärtig
in Höhe von jährlich rund 30 Milliarden Dollar ausbezahlt, wobei viele Arbeiter nebenher auch noch in den Genuß anderer Sozial- und Wohlfahrtsprogramme
gelangen. Das Amt für Haushaltfragen schätzt, daß jede Erhöhung der Arbeitslosenrate um ein Prozent für die Bundesregierung Mehrausgaben allein für Arbeitslosengeld in Höhe von drei bis vier Milliarden Dollar, für Nahrungsmittelmarken weitere 500 Millionen Dollar, für ärztliche Versorgung um 100 bis
200 Millionen und für Hilfeleistungen im Rahmen anderer Programme um 100 bis
- 4 -

�100 bis 300 Millionen Dollar erforderlich macht.
Das Arbeitslosenversicherungssystem, das inzwischen ein halbes Jahrhundert alt ist, steht gegenwärtig vor ernsten Problemen.

Die Beiträge wer-

den nach einem komplizierten und veralteten Schlüssel durch den Bund und die
Einzel Staaten aufgebracht.

Dabei geht man von der Annahme aus, daß die Ein-

naheüberschüsse aus Zeiten guter Konjunktur ausreichen, die Mehraufwendungen
in Zeiten schlechter Konjunktur mitzufinanzieren.

Die siebziger Jahre brach-

ten allerdings weniger gute Jahre als erwartet.
Und was die Situation noch mehr verschlimmert: Die Regierungen der
Einzel staaten und die Bundesregierung gehen nur äußerst zögernd an eine Erhöhung der Lohnsummensteuern zur Finanzierung der Arbeitslosenversicherung heran. Auf diese Weise wurde die "Nostandsfinanzierung" zur Regel. Zwischen
1975 und 1978 gingen die Arbeitslosenversicherungskassen von 25 Bundesstaaten
bankrott, so daß die Bundesregierung in die Bresche springen mußte. Die Einzelstaaten schulden Washington nahezu 13 Milliarden Dollar aus diesen Stützaktionen, und Fachleute rechnen damit, daß diese Schuld bis zum Ende des
Haushaltjahres 1984 (bis September 1984) auf 22 Milliarden Dollar anwachsen
wird.
Diese Involvenzen finden ihren Niederschlag im Ausbleiben an sich fälliger Schecks für Arbeitslosenzahlungen.

Nach Zahlenmaterial, das die

American Federation of Labor-Congres of Industrial Organizations (AFL-CIO)
erstellt hat, erhalten 5,6 Millionen Arbeitslose oder 47 Prozent aller derzeit arbeitslosen Arbeitnehmer keine Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung.

Zum Teil handelt es sich hierbei um landwirtschaftliche Arbeit-

nehmer oder Haushaltsbedienstete, Schulabgänger sowie andere Personen, die
noch keinen Anspruch auf die Gewährung von Arbeitslosengeld erwerben konnten.
Die meisten unter ihnen sind Arbeitslose, die die Höchstgewährungsdauer von
Arbeitslosengeld bereits überschritten haben.

Nach Angaben der AFL-CIO ist

die Gewährungsdauer von Arbeitslosengeld für vier Millionen Arbeitslose in
der Zeit vom Juli 1981 bis Oktober 1983 ausgelaufen.
Offensichtlich
- 5 -

�Offensichtlich bedarf das Finanzierungssystem einer Revision.

Fach-

leute treten für die Einführung einheitlicher bundesweiter Normen ein.

Das

würde, wie sie meinen, die Ungerechtigkeiten weitgehend beseitigen, die die
enormen Variationsbreiten des Arbeitslosengeldes von Einzel Staat zu Einzel Staat um bis zu 400 Prozent sowie Unausgewogenheiten in den den Arbeitgebern
abverlangten einzelstaatlichen Arbeitslosenversicherungssteuern beseitigen.
Die Gegner einer solchen einheitlichen Regelung argumentieren hingegen,
derartige Unterschiede forderten den Wettbewerb, indem sie den Firmen die
Möglichkeiten bieten, den Firmenstandort nach Bundesstaaten mit geringeren
Steuern zu verlegen.
Diese Debatte rührt an eine alte Streitfrage:

Wem obliegt die primäre

Verantwortung für die Betreuung und den Schutz der Bürger; den Einzel Staaten
oder der Bundesregierung?

Die Haltung, die die Politiker in der Frage der

Arbeitslosenversicherungsreform einnehmen, entspricht im allgemeinen ihrer
Antwort auf dje-se umfassendere Frage.

Die Konservativen sprechen den Ein-

zelstaaten die Freiheit zu, ihre Leistungen und Steuern auch im Bereich der
Arbeitslosenversicherung selbst festzusetzen; die Liberalen hingegen treten
für einheitliche bundesweite Regelungen ein.
Konservative und Liberale - so unterschiedlicher Meinung sie sonst
sein mögen - stimmen heute jedoch weitgehend darin überein, daß sich gegenwärtig ein historischer und einmaliger Wandel innerhalb der Erwerbsbevölkerung der Vereinigten Staaten vollzieht.
Nach Angaben des amerikanischen Arbeitsministeriums, nahm die amerikanische Erwerbsbevölkerung von 64 Millionen im Jahr 1950 sprunghaft auf 111
Millionen im Jahr 1981 zu; ihr Zuwachs seit 1976 war um 500 Prozent größer
als im vorangegangenen Vierteljahrhundert. Die Beschäftigungsziffer erhöhte
sich zwischen 1976 und 1981 von 71 auf 99 Millionen^ (Im Vergleich hierzu
zeigte die Gesamtbeschäftigung in der Bundesrepublik Deutschland im gleichen
Zeitraum einen Rückgang von 26 auf 25 Millionen.)
Der Hauptgrund
- 6 -

�Der Hauptgrund für diese starke Zunahme der amerikanischen Erwerbsbevölkerung ist in den geburtenstarten Jahrgängen der ersten Nachkriegsjahre
zu sehen.

"Jedesmal, wenn die Nachkriegsgeneration in eine höhere Alters-

klasse überwechselte, schoß die Arbeitslosenrate weiter nach oben", stellt
der Journalist Random Y. Jones in seinem 1980 erschienen Buch "Great
Expectations:

America and the Baby Boom Generation" (Große Erwartungen:

Amerika und die Generation des Baby-Boom) fest.

In den zehn Jahren von

Mitte der sechziger bis Mitte der siebziger Jahre verdoppelte sich, wie
Jones nachweist, "der Nettozuwachs der Neuzugänge aus der Baby-Boom-Generation auf dem Arbeitsmarkt auf 1,7 Millionen im Jahr.

Die Erwerbsbevölkerung

wuchs demnach doppelt so rasch wie die Gesamtbevölkerung."
"Im Vergleich zu Japan und Westeuropa," so berichtete die Zeitung
"Christian Science Monitor" im Dezember vergangenen Jahres, "hat die amerikanische Wirtschaft, was die Schaffung von Arbeitsplätzen zur Eingliederung
der geburtenstarken Jahrgänge aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg angeht,
Erstaunliches gleistet...

Die Vereinigten Staaten weisen mit die höchste

Quote im Verhältnis der Beschäftigungs- zu den Bevölkerungsraten in der industrialisierten Welt auf."
Zu dieser demographischen Belastung kam das Auftreten einer wachsenden Zahl
weiblichen Arbeitssuchender auf dem Arbeitsmarkt hinzu.

Im Jahr 1940 bei-

spielsweise arbeiteten in Amerika nur 14 Prozent der verheirateten Frauen
außer Haus.

Heute beläuft sich ihr Anteil auf 52 Prozent, so daß von den

Frauen ein stärkerer Druck auf den Arbeitsmarkt ausgeht, auch wenn sie andererseits mithelfen, die arbeitslosigkeitsbezogenen Schwierigkeiten der Familien
zu erleichtern.

Eine Untersuchung, die das amerikanische Arbeitsministerium

kürzlich angestellt hat, zeigt z.B., daß 70 Prozent der Arbeitslosen in Familien leben, zu denen mindestens noch ein Berufstätiger zählt.
Die an der Macht befindlichen Politiker sprechen gerne vom Anstieg der
Gesamtzahl der Beschäftigten; Oppositionspolitiker dagegen verweisen vielmehr auf die Zunahme der Zahl der Arbeitslosen.

Beide können ihre Argumente

mit Zahlen belegen - eine Situation, die Wirtschaftswissenschaftler dazu ver- 7 -

�dazu veranlaßt, eine Neudefinition des Begriffs der "natürlichen" Arbeitslosigkeit vorzuschlagen, die die "New York Times" als die "Mindestarbeitslosenrate" verstanden wissen will, bei der die Wirtschaft im Gleichgewicht
verharrt und die Inflationsrate weder steigt noch fällt.
Erst im Jahr 1978 wurde im "Gesetz über die Vollbeschäftigung und ein
ausgewogenes Wirtschaftswachstum", das ein starker Verbündeter der Gewerkschaften - der verstorbene Senator Hubert H. Humphrey - gemeinsam mit anderen eingebracht hatte, eine Arbeotslosenrate von rund vier Prozent zur "natürlichen" Arbeitslosenrate erklärt.

Heute argumentiert Präsident Reagan, der

im wesentlichen nicht weiter reduzierbare Satz liege näher bei 6 bis 6,5 Prozent, und Walter W. Heller, einer der führenden Wirtschaftler in den Jahren
der Amtszeit der Präsidenten Kennedy und Johnson, behauptet, er liege bei
rund 5,6 Prozent.
In dem jüngst veröffentlichten Buch "The Coming Boom" (Der bevorstehende
Boom) prophezeit der Sozialtheoretiker Herman Kahn, daß "eine Arbeitslosenrate von 6 bis 7 Prozent voraussichtlich als akzeptabel angesehen werden
und daß es relativ leicht fallen wird, sie zu erreichen."
Die Arbeitslosigkeit, so sagt Kahn, werde in den achtziger und neunziger Jahren aufgrund des Bevölkerungsrückgangs und des Ausbleibens von
größeren Gruppen, wie den geburtenstarken Jahrgängen der ersten Nachkriegszeit auf dem Arbeitsmarkt, stark zurückgehen.
Die Überbeanspruchung des 50 Jahre alten Arbeitslosenversicherungssystems und Veränderungen in der Zusammensetzung der Erwerbsbevölkerung haben
dazu geführt, daß man heute Präsident Reagans Feststellung, es gäbe kein
"Zaubermittel" für die Beseitigung der Arbeitslosigkeit, in weiten Kreisen
beipflichtet.
Deshalb wies die "Washington Post" jüngst in einer vierteiligen Artikelserie darauf hin, daß die Erholung der Wirtschaft langsam und behutsam betrieben werden müsse, um eine Wiederholung der schädlichen Zyklen aus Boom
- 8 -

�aus Boom und Depression des abgelaufenen Jahrzehnts zu vermeiden.
Verantwortungsbewußte Regierungsvertreter räumen ein, daß derzeit ernste
Probleme bestehen.

Deshalb stellten das Weiße Haus und der Kongreß eine de-

taillierte Tagesordnung auf, die nicht notwendigerweise die Lösung des grundlegenden Arbeitslosenproblems in den Vordergrund rückt, sondern sich mehr
an der Hilfe für die Arbeitslosen orientiert.
Diese Maßnahmen schließen Notstandsarbeiten und die Schaffung von Arbeitsplätzen in Dienstleistungsbetrieben der öffentlichen Hand ebenso ein
wie Änderungen in der Arbeitslosenversicherungsgesetzgebung, um Unternehmer
von vorübergehenden saisonbedingten Entlassungen abzuhalten, Arbeitslosen
Teil zeitarbeit ohne Kürzung des Arbeitslosengeldes zu gestatten, die Errichtung von Arbeitsplätzen für langfristig Arbeitslose staatlich zu subventionieren, sowie die Senkung des Mindestlohns (der gegenwärtig 3,35 Dollar pro
Stunde beträgt), um die Neueinstellung von jungen und ungelernten Arbeitskräften zu erleichtern. Ein anderer Vorschlag - Leistungen, Kredite und anderweitige Hilfe für geschädigte Branchen - wird gleichzeitig als ein Beitrag
zur Verteidigung des Landes verstanden.
Es ist äußerst schwierig, die Wirkung solcher Vorschläge zu beurteilen.
Manche Wirtschaftswissenschaftler behaupten z.B., daß durch die neue Benzinsteuer von 5 Cents pro Gallone (4 Liter), die zum Teil zweckgebunden für die
Arbeitsplatzbeschaffung im Straßen- und Brückenbau verwendet werden soll, in
der Praxis nicht sehr viel bewirkt, weil durch sie 55 Milliarden Dollar aus
anderen Ausgabepositionen abgezogen werden.
Staatliche Stellen stimmen zudem im allgemeinen darin überein, daß wenig
getan werden kann, den Arbeitslosen zu helfen, ehe die Wirtschaft wieder richtig in Gang kommt.

Unterschiedliche Meinungen herrschen auch hinsichtlich

der Frage, wie sich ein Wirtschaftsaufschwung am ehesten erreichen läßt,
wobei die eigentlich wesentlichen Elemente und deren Relevanz für die Arbeitslosigkeit kaum zur Debatte stehen:
Bis vor
- 9 -

�Bis vor kurzem lehrten amerikanische politische Wissenschaftler ihre
Studenten, daß nur die Republikaner sich über die Inflation sorgten.
ist nicht mehr länger wahr.

Das

"Die Inflation wird heute fast überall auf der

Welt als ein wichtiges Problem von großer Bedeutung angesehen, mehr noch als
die Arbeitslosigkeit,"

bemerkt der Sozialtheoretiker Kahn hierzu.

"Viele

Leute glauben noch immer, die Idee, die Arbeitslosigkeit als Preis der Verringerung der Inflation hinzunehmen, sei unmoralisch.

Dennoch meinten selbst

Arbeitslose in verschiedenen Phasen der jüngsten Rezession, die Inflation sei
das ernstere von beiden Problemen."

Wie es ein Kongreßabgeordneter faßte:

"Zehn Prozent der Bewohner meines Wahlkreises leiden unter der Arbeitslosigkeit, aber 100 Prozent unter der Inflation."
Wenn wir davon ausgehen, daß die Arbeitslosigkeit dieser Größenordnung
rein struktureller Art ist, können wir begreifen, daß uns kein noch so intensiver wirtschaftlicher Wiederaufschwung gewisse Arbeitsplätze zurückbringen
wird.

Das gilt insbesondere in der Kraftfahrzeug-, der Stahl- und der Textil-

industrie, aber auch noch in anderen Industriezweigen, die sich gezwungen sehen,
sich

arbeitssparende Maschinen zuzulegen und entsprechende technische Ver-

fahren anzueignen.

Ein Mitglied des Lehrkörpers der Wirtschaftswissenschaft-

lichen Fakultät der Harvard-Universität warnte beispielsweise kürzlich davor,
daß amerikanische Herstellerfirmen angesichts des internationalen Wettbewerbs
auf dem Automobilmarkt künftig nur mehr die Hälfte der Arbeitskräfte beschäftigen können, die sie bisher benötigt haben.
Die strukturelle Arbeitslosigkeit ist Teil eines weit umfassenderen
Phänomens:

der Anerkennung der Tatsache, daß die Vereinigten Staaten gegen-

wärtig primär eine Dienstleistungs- und nicht mehr länger eine Fertigungswirtschaft betreiben.

"Den hohen Arbeitslosenraten, dem zögernden Wachstum

der heimischen Wirtschaft und dem Scheitern ihrer Bemühungen, mit der ausländischen Konkurrenz auf den internationalen Märkten erfolgreich zu konkurrieren, liegt der industrielle Rückgang zugrunde".behaupten Barry Bluestone
und Bennett Harrison in ihrem jüngst veröffentlichten Buch "The Deindustrialization of America" (Der industrielle Rückgang Amerikas).
mente von Bluestone und Bennett sind umstritten.
- 10 -

Einige der Argu-

In den Buchläden Washingtons

�Buchläden Washingtons aber ist das Werk ausverkauft, und der Verleger ist
eifrig bemüht, eine Neuauflage auf den Markt zu bringen.
Die strukturelle Arbeitslosigkeit erfordert auch eine intensive Umschulung von Arbeitskräften, wodurch eine weitere klassische Unterscheidung
zwischen der demokratischen und republikanischen Wirtschaftspolitik verloren
gehen dürfte.
Die Demokraten treten im allgemeinen für arbeitsplatzschaffende Gesetze als dem wirksamsten Gegenmittel gegen die Arbeitslosigkeit ein; die
Republikaner aber sind für Umschulungsmaßnahmen.

Jetzt stellen sich immer

mehr Demokraten angesichts der Erkenntnis, daß neue Arbeitsplätze nur in
den hoch-technologischen Industrien zu erwarten sind, die Frage, ob die traditionellen Rezepte heute wirklich noch helfen.

Einige Untersuchungen deuten

beispielsweise darauf hin, daß verschiedene Bundesprogramme, die tatsächlich
neue Arbeitsplätze schaffen halfen, diese nur für Arbeitskräfte geschaffen
haben, die ohnehin am leichtesten zu vermitteln und auch am tüchtigsten
sind.
Es fällt nicht schwer, Beweise dafür zu finden, daß neue Technologien
neue Arbeitsplätze schaffen. Youngstown im Staat Ohio,im industriellen
Zentrum des Landes gelegen, weist eine Arbeitslosenrate von 20,9 auf;
Standord im Staat Connecticut, neubelebt durch die Elektronik-Industrie,
nur eine Arbeitslosenraten von 3,5 Prozent.
So erklärt sich, daß der von Demokraten beherrschte Haushaltausschuß
des Repräsentantenhauses die Möglichkeit der Finanzierung betrieblicher Umschulungsprogramme durch Bundesmittel prüfte - im Austausch für die Zusage
der Firmen, die Umschüler nach Abschluß der Maßnahmen weiterzubeschäftigen.
Die Regierungen vieler Einzel Staaten, die Gewerkschaften und mehrere
Großunternehmen haben sich ebenfalls für Umschulungsmaßnahmen ausgesprochen.
In Kalifornien z. B. haben die Regierung des Staates, das US-Arbeitsministerium, die Automobilarbeitergewerkschaft UAW und die Automobi1herstel1erfirma
- 11 -

�Automobi Herstellerfirma General Motors gemeinsam 10 Millionen Dollar für
ein Zentrum aufgebracht, in dem 8400 Automobilarbeiter umgeschult werden
sollen.

Die Ford Motor Company führt je Arbeiter und geleistete Arbeits-

stunde fünf Cents an einen Fonds ab, aus dem notwendig werdende Umschulungsmaßnahmen bestritten werden sollen; sie plant des weiteren.ein bundesweites
Netz von Ausbildungszentren zu errichten.
"Die Schulung für Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich und in der
Fernmelde- und Nachrichtentechnik sowie für leichtere Tätigkeiten in der Industrie ist erforderlich, um die von ihren Arbeitsplätzen verdrängten Arbeitskräfte wieder in die Produktion eingliedern zu können, erklärte Prof.
M. Harvey Brunner von der Johns Hopkins-Universität im Sommer letzten Jahres
vor einem Unterausschuß des Bankenausschusses des Repräsentantenhauses.
Auch das Schulsystem des Landes bedarf weiterer Verbesserungen. Eine
im Verlaufe von acht Monaten erstellte Studie des Zentrums für Finanzierungsmöglichkeiten der öffentlichen Hand kam kürzlich zu dem Schluß, daß den
jungen Leuten in Amerika heute weitgehend gerade jene grundlegenden Fertigkeiten abgehen, die in der Industrie gefragt sind.
Der amerikanische Staat gibt viele Millionen Dollar jährlich für das
Schulwesen aus,und die zuständigen Bildungspolitiker, so hieß es jüngst in
einem Leitartikel der "Washington Post" zu diesem Themenkreis, sollten sich
deshalb ernste Gedanken darüber machen, daß "neue Generationen von Arbeitnehmern den Arbeitsmarkt ohne jene Fähigkeiten und Fertigkeiten erreichen
werden, die auf Arbeitgeberseite gegenwärtig gefragt sind."
Der Zusammenhang zwischen wenig gebildeten und zu wenig geschulten Jugendlichen und Arbeitslosigkeit liegt auf der Hand.

"Vierzig Prozent der

Arbeitslosen in Amerika sind noch keine 25 Jahre alt; die Hälfte davon noch
keine 20," stellte D. Martin Feldmann, der Chefwirtschaftsberater Präsident
Reagans,kürzlich fest.
Nach der
- 12 -

�Nach der Auffassung von Fachleuten läßt sich das gewaltige Heer der
Schwarzarbeiter in den Vereinigten Staaten, das in die Millionen geht, nur
durch Einführung einer Bundesarbeitskarte beseitigen.

Ernste Bedenken wegen

der damit verbundenen eventuellen Beeinträchtigung der bürgerlichen Freiheiten haben sowohl die Demokraten als auch die Republikaner bisher davon
abgehalten, die diesbezüglichen Pläne ernsthaft ins Auge zu fassen.

Die Si-

tuation aber verschlimmert sich indessen mehr und mehr.
"Man braucht kein Wirtschaftswissenschaftler zu sein, um den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und illegaler Einwanderung zu erkennen," hieß
es neulich in der "New York Times".

"Ausländer ohne entsprechende Papiere

kommen auf der Arbeitssuche schwarz über die Grenze. Gewiß, viele der von
ihnen besetzten Stellen sind in so hohem Maße mit Schmutzarbeit verbunden,
daß kaum ein Amerikaner bereit wäre, sie zu übernehmen; oder man könnte sie
wegautomatisieren, falls sich keine illegalen Arbeitskräfte mehr finden
lassen, die sie für einen geringen Lohn übernehmen wollen.

Das US-Arbeits-

ministerium geht immerhin davon aus, daß für jeweils fünf Stellen, die von
illegalen Einwanderern besetzt werden, ein amerikanischer Arbeitsloser ohne
Stellung bleibt.

Kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges, als die Vereinigten

Staaten erkennbar Gefahr einer abermaligen Depression und hoher Arbeitslosigkeit liefen, erließ der Kongreß das Beschäftigungsgesetz von 1946, das den
Grundsatz zum Gesetz des Landes erhob, daß es Politik und Aufgabe der Bundesregierung seien, ein Höchstmaß an Beschäftigungsmöglichkeiten zu gewährleisten..."
In unseren Tagen, in einer Zeit, in der sich das Land um das Verständnis
der derzeitigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten bemüht, finden lebhafte und manchmal auch erbitterte und

emotional aufgeladene - Debatten über die

Frage statt, wie man am besten verfahren sollte und wessen Schwierigkeiten
die größte Aufmerksamkeit verdienen.

Zu keinem Zeitpunkt der Debatte aber

hat sich je ein Spitzenvertreter des Staates, kein Parlamentarier und auch
kein führender Politiker

für einen Bruch der Verpflichtung ausgesprochen,

für die Vollbeschäftigung einzutreten.
+ + + + +

- 13 -

�Wi//en/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America
3 Februar 1983

MEHR EIWEISSREICHE NAHRUNG AUS FISCHFARMEN
Fachkonferenz empfiehlt Ausweitung in der Dritten Welt

WASHINGTON - (AD) - Etwa 70 Millionen Tonnen Seefische werden jährlich in
aller Welt von den Fangschiffen an Land gebracht. Die Produktivität der Weltmeere an tierischem Eiweiß ist jedoch begrenzt, so daß für die Ernährung der
rapide wachsenden Weltbevölkerung, vor allem in der Dritten Welt, Fischfarmen
immer mehr Bedeutung erlangen. Auf einer im Januar 1983 in Washington abgehaltenen internationalen Konferenz über "Aquakultur" (Veranstalter war die
"World Mariculture Society") berichtete der amerikanische Landwirtschaftsminister John Block, daß in den Jahren zwischen 1975 und 1981 die Produktion
amerikanischer Fischfarmen verdoppelt worden sei und man in den achtziger
Jahren eine erhebliche Ausweitung dieses jungen Industriezweiges erwarte.
Im Jahre 1980 kamen 135 000 Tonnen Fische, Krusten- und Schalentiere aus solchen "Farmen". Die amerikanische Akademie der Wissenschaften schätzt, daß
bis 1985 die Produktion of 225 000, bis zur Jahrhundertwende auf 450 000 Tonnen
gesteigert wird.
Der Ernährungswissenschaftler

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der Ernährungswissenschaftler Jean Mayer (Präsident der Tufts-Universität in Medford, Massachusetts) verwies darauf, daß, statistisch gesehen, "in
den Vereinigten Staaten kein zusätzliches tierisches Eiweiß gebraucht wird.
Wo wir aber eindeutig mehr brauchen, das sind die ärmeren Länder".

Zwar

erfolgten Zunahme der Bevölkerungszahl und Wachstum der Nahrungsmittel Produktion nach Kaloriengehalt in einem einigermaßen vergleichbaren Umfang,
jedoch sei der Eiweißgehalt der Nahrung vieler Millionen Menschen in der Welt
viel zu niedrig.
menden

"Ich habe nicht den geringsten Zweifel, daß wir in den kom-

15 bis 20 Jahren in bezug auf die Eiweißversorgung sehr auf Fischfarmen

angewiesen sein werden", erklärte Mayer.
Im Jahr 1980 war vom US-Kongreß ein "Nationales Gesetz über Aquakultur"
verabschiedet worden, demzufolge im Rahmen eines Nationalplans Forschung, Ausbildung, Weitergabe von technischen Informationen und Erkenntnisse zur Rentabilität des Betriebs von Fischfarmen gefördert werden sollen.
liegt jedoch erst im Entwurf vor.

Dieser Plan

Nach Ansicht von Donovan Moss, des stellver-

tretenden Direktors des Internationalen Zentrums für Aquakultur an der AuburnUniversität in Alabama, dürften in den Vereinigten Staaten in erster Linie
Restaurants und Großverteiler für den Ausbau von Fischfarmen eintreten.

Der

Pro-Kopf-Verbrauch an Fisch und Krustentieren nahm zwischen 1960 und 1980 um
33 Prozent zu.

Fachleute verlangen allerdings eine verstärkte Förderung des

Absatzes und Verbrauchs von Aalen und Seewolf (Katfisch).
In den nächsten 20 Jahren könnten, wie Moss erklärte, als Familienbetrieb
bewirtschaftete Kleinfarmen zwischen zwei und vier Hektar Größe nichts Ungewöhnliches mehr sein.

Der Ertrag könnte bei jeweils 135 bis 180 kg Fisch liegen

und wöchentlich verkauft werden.

Der große Vorteil dieses Zweiges der Nahrungs-

produktion ist der, daß Fische überaus günstig Futter in Fleisch umsetzen.
So seien bei Katfisch nur 540 bis 580 Gramm Trockenfutter erforderlich, um
450 Gramm Fleisch zu erzeugen.

Schweine und Rinder dagegen benötigen an Futter-

- 2 -

�an Futtermengen allgemein das Dreifache, Geflügel das Zweifache des Körpergewichts.

Der hohe Nutzeffekt im Umsetzten von Futter in Fleisch beim Fisch ist

zum Teil auf den sehr viel niedrigeren Energieverbrauch der Fische in ihrem
Lebensmedium Wasser zurückzuführen.
Aquakulturen sind schon auf relativ kleinen Flächen möglich.

So können

Katfisch-Farmer auf einer Fläche von 0,4 Hektar 2250 bis 3600 kg Fisch pro Jahr
erzeugen.

Das entspricht der Weidefläche, die ein junges Rind von 450 kg Gewicht

benötigt.

In den Vereinigten Staaten, wo man Monokultur bevorzugt, werden derzeit

in Fischfarmen 28 000 Hektar für die Produktion von Katfisch und eine etwa gleich
große Fläche für die Aufzucht von Fluß- und Bachkrebsen genutzt.
In Mehrfachkulturen werden Fische gehalten, die ungefähr gleiche Wassertemperaturen sowie Lebensbedingungen brauchen, die den Mitbewohnern nicht abträglich sind. Beispielsweise können Garnelen und "Milchfische", eine im Pazifik
heimische, dem Hering verwandte Fischart, gut miteinander auskommen. Jedoch
werden in den USA - im Gegensatz zu asiatischen Ländern, wo Fischfarmen schon
länger üblich sind - Monokulturen wegen des einfacheren Fischfangs und der
besseren Kontrolle über das Wachstum bevorzugt.
An einer Reihe amerikanischer Universitäten laufen Forschungsprogramme über
die Einrichtung und den Betrieb von "Farmen" für Meer- und Süßwasserfische. Die
Ergebnisse der Untersuchungen werden umgehend den Interessenten in jenen Teilen
der Welt übermittelt, wo eiweißhaltige Nahrungsquellen am dringendsten benötigt
werden. Das US-Amt für Internationale Entwicklung (AID) unterstützt beispielsweise in Indonesien sechs "Teilprojekte" für kleine Fischfarmer, zu denen u.a.
die Käfighaltung von Katfisch, die Aufzucht spezieller Fischarten in Brackwasser
und die Kombination von Reisfeld und Fischfarm gehören. In Ägypten wurden von
AID 27 Millionen Dollar für die Einrichtung von Süßwasserteichen und einer
Forschungsstation mitten in der Wüste zur Verfügung gestellt. Wie ein Sprecher
der AID-Abteilung für Wissenschaft und Technik erklärte, ist jedes Aquakulturprojekt auf die jeweiligen klimatischen, geographischen, biologischen, ja auch

- 3 -

�ja auch soziologischen Gegebenheiten in den einzelnen Ländern zugeschnitten,
so daß man nicht von allgemeingültigen Regeln oder Verfahren sprechen könne.
Ein von AID gefördertes Forschungsprojekt am Institut für Meeresforschung
in Hawaii leistete einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung künstlicher Laichablage- und Befruchtungsverfahren für Milchfisch, was die Kosten für die Aufzucht
dieser Fischart ganz erheblich senkte. In den USA sind außerdem gentechnische
Experimente im Gang mit dem Ziel, fleischigere und für die Ernährung ergiebigere
Fischarten zu züchten, chemische Verbindungen und Vakzine zum Schutz gegen
Krankheiten zu entwickeln und auf hormonaler Grundlage Wachstum und Fortpflanzung zu unterstützen.

+ + + + +

- 4 -

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