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                  <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26. Januar 1983
I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan:

Jede Möglichkeit für gerechte Abrüstungsabkommen wird geprüft

- Erklärung zur Wiederaufnahme der Genfer Verhandlungen Präsident Reagan proklamiert deutsch-amerikanisches Gedenkjahr
- 300 Jahre deutsche Siedlungstätigkeit in Amerika Freier Informationsaustausch - ein Grundelement der US-Politik
- Internationale Konferenz über Fernmeldewesen in Honolulu HINTERGRUNDMATERIAL
Weinberger zeigt Rüstungsanstrengungen der UdSSR auf
- USIA-Interview mit dem US-Verteidigungsminister Vereinigte Staaten erstreben keine nukleare Überlegenheit
- Pressekonferenz mit den Delegationschefs Rowny und Nitze Private und öffentliche Hilfsaktionen für die Arbeitslosen in Detroit
- Von unserem Korrespondenten Neal Shine WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Startprogramm der NASA für 1983
- Nachrichtensatelliten stellen Hauptanteil -

Um Übcr/cndung von
BcIcgcKcmplorcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

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lk

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26. Januar 1983

REAGAN:

JEDE MÖGLICHKEIT FÜR GERECHTE ABRÜSTUNGSABKOMMEN WIRD GEPRÜFT

- Erklärung zur Wiederaufnahme der Genfer Verhandlungen -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat seine Entschlossenheit
bekräftigt, jede Möglichkeit für gerechte Abkommen über einen Abbau der strategischen Waffen und der nuklearen Mittelstreckenraketen mit der Sowjetunion
zu sondieren.

In einer am 21. Januar 1983 veröffentlichten Erklärung heißt

es, die amerikanischen Vorschläge böten einen starken Anreiz für das Erreichen
von Abkommen in Genf.
handlungsführern

Zuvor war Präsident Reagan mit den amerikanischen Ver-

Rowny und Nitze

zusammengetroffen.

Die Erklärung Reagans hat folgenden Wortlaut:
Heute vormittag bin ich mit unseren Delegationschefs bei den Verhandlungen über eine Kontrolle der strategischen Nuklearwaffen (START) und der
nuklearen Mittel Streckensystemen (INF), die wir mit der Sowjetunion führen,
- den Botschaftern Ed Rowny und Paul Nitze - zusammengetroffen.

Vizepräsident

Bush, Außenminister Shultz und Verteidigungsminister Weinberger, der designierte Direktor des Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), Ken
Adelman, sowie mein Berater für Fragen der nationalen Sicherheit, Bill Clark,
nahmen ebenfalls an den Erörterungen teil .
Da unsere

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�»

Da unsere VerhandlungsfUhrer in Kürze zur nächsten Verhandlungsrunde
nach Genf zurückkehren werden und da der Vizepräsident nach Europa reisen
wird, um diese sowie andere Fragen der Rüstungskontrolle und der Sicherheit
mit unseren Verbündeten zu erörtern, gab uns die heutige Besprechung die Möglichkeit, den Stand der Verhandlungen zu überprüfen und unsere ernsthafte
Zielsetzung für die kommende Runde zu bekräftigen.
Unsere Vorschläge für einen erheblichen Abbau der strategischen Arsenale
sowie für die Beseitigung einer ganzen Kategorie von Nuklearraketen im Mittelstreckenbereich verdienen die Unterstützung aller, die sich um eine echte
Rüstungsverminderung bemühen. Die kommende Verhandlungsrunde ist besonders
wichtig, weil unsere weitreichenden Vorschläge zusammen mit unseren Modernisierungsprogrammen auf dem Gebiete der Verteidigung einen starken Anreiz bieten für das Erreichen von Abkommen auf niedrigeren Streitkräfteebenen und
auf einer gerechten und verifizierbaren Basis.
Ich bin entschlossen, jede Möglichkeit für gerechte Abkommen zur Verminderung der Arsenale und der Kriegsrisiken sowie zur Stärkung der Grundlagen für den Frieden zu prüfen. Und entsprechend habe ich unsere Verhandlungsführer angewiesen. Unser gesamtes Verhandlungsteam unterstützt dieses
lebenswichtige Ziel. Es gibt keine höhere Priorität, und wir werden keine
Anstrengung scheuen, wo es um den Frieden und die Sicherheit unseres Landes
und der Welt geht.

+ + + + +

�26. Januar 1983

PRÄSIDENT REAGAN PROKLAMIERT DEUTSCH-AMERIKANISCHES GEDENKJAHR
- 300 Jahre deutsche Siedlungstätigkeit in Amerika -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 20. Januar das Jahr 1983
offiziell zum 300. Gedenkjahr deutscher Besiedlung in den Vereinigten Staaten
proklamiert.

In seiner vom Weißen Haus veröffentlichten Proklamation weist

der amerikanische Präsident darauf hin, daß seit 1683 mehr als sieben Millionen deutscher Einwanderer nach den USA gekommen seien und außerordentliche
Beiträge zum Wachstum und zu den Erfolgen des Landes geleistet hätten.
Die Proklamation hat folgenden Wortlaut:
Am 6. Oktober 1683 gründete eine Gruppe von 13 Mennonitenfamilien, die
aus Krefeld - in der heutigen Bundesrepublik Deutschland gelegen - kamen,
Germantown in Pennsylvania, das jetzt ein Vorort von Philadelphia ist.

Seit-

her sind mehr als sieben Millionen deutscher Einwanderer nach den Vereinigten
Staaten gekommen und haben außerordentliche menschliche, wirtschaftliche,
politische, soziale und kulturelle Beiträge zum Wachstum und zu den Erfolgen
unseres großen Landes geleistet.
Heute gibt

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�Heute gibt es mehr als 60 Millionen Amerikaner deutscher Abstammung eine Zahl, die etwa der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik Deutschland
gleichkommt.

Mehr Amerikaner berufen sich auf eine deutsche Abstammung als

auf irgendeine andere.
In meiner Ansprache vor dem Deutschen Bundestag in Bonn im Juni vorigen Jahres sprach ich von der Bedeutung, die die Vereinigten Staaten diesem
Jahr des 300jä'hrigen Jubiläums beimessen, in dem der deutschen Besiedlung
Amerikas feierlich gedacht wird.

Trotz des Erbes zweier Weltkriege, in

denen wir uns als Gegner gegenüberstanden, haben die Bundesrepublik Deutschland und die Vereinigten Staaten während der letzten 30 Jahre ein überaus enges Verhältnis zueinander geschaffen.

Der Erfolg des Marshall-Planes, die

Berliner Luftbrücke und die darauf folgende Partnerschaft in der NATO haben
zu einer Erkenntnis unserer gemeinsamen demokratischen Ideale und unserer
gemeinsamen Interessen an der wirtschaftlichen und politischen Stärke des
Westens geführt.
Im ganzen Jahr 1983 wird es zahlreiche Aktivitäten und Veranstaltungen
geben, um die Drei hundertjahrfeiern zu begehen. Bundespräsident Karl Carstens
hat die Einladung zur Teilnahme an einer Veranstaltung in Philadelphia im
kommenden Oktober angenommen, die den Höhepunkt der Feierlichkeiten bilden
wird.
Der Kongreß hat durch die vom Senat eingebrachte gemeinsame Resolution
260 das Jahr 1983 zum "300. Gedenkjahr der deutschen Siedlung in Amerika"
bestimmt und den Präsidenten ersucht, eine entsprechende Proklamation zu erlassen. Gleichzeitig hat der Kongreß kraft dieser Resolution eine Kommission
des Präsidenten für die deutsch-amerikanischen Dreihundertjahrfeiern eingesetzt, um die Veranstaltungen anläßlich dieses historischen Ereignisses zu
planen, zu fördern, zu entwickeln und zu koordinieren.
Deshalb proklamiere ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, heute das Jahr, das am 1. Januar 1983 begann, zum 300. Gedenk-

- 2 -

�300. Gedenkjahr der deutschen Siedlungstätigkeit in Amerika und rufe alle
Amerikaner auf, dieses Jahr mit entsprechenden Feierlichkeiten und Veranstaltungen zu begehen.
Zum Zeugnis dessen habe ich dieses Dokument am 20. Januar im Jahr des
Herrn

1983 und im 207. Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von

Amerika unterzeichnet.

gez.:

- 3 -

Ronald Reagan

�26. Januar 1983

FREIER INFORMATIONSAUSTAUSCH - EIN GRUNDELEMENT DER US-POLITIK
- Internationale Konferenz über Fernmeldewesen in Honolulu -

HONOLULU - (AD) - Die Vereinigten Staaten sehen sich "nicht nur der Bewahrung des freien Informationsaustausches verpflichtet, sondern auch der weiteren Förderung dieses Prinzips als einer elementaren Komponente jeder demokratischen Institution".
neter

Dies erklärte Dr. W. Scott Thompson, Beigeord-

Direktor des US-Informationsamtes (USIA), in seiner Rede am 16. Ja-

nuar 1983 auf der "Pazifischen Konferenz für Fernmeldewesen" in Honolulu,
wo 400 Delegierte aus Ländern des pazifischen Raumes sechs Tage lang die Zukunft des Fernmeldewesens in dieser Region erörterten.
Freier Informationsaustausch ist laut Thompson ein ganz wesentlicher
Faktor der amerikanischen Lebensweise.

"Wir können es uns nicht leisten, ge-

genüber Mißbräuchen dieser Freiheit jenseits unserer Grenzen gleichgültig zu
bleiben", so meinte er.

In einem Schreiben an die Konferenz betonte Vizeprä-

sident George Bush, daß er ebenso wie Präsident Reagan Kommunikation als "eine
der in allernächster Zukunft uns am meisten fordernden und erregenden Fragen"
betrachte.

Für die Vereinigten Staaten proklamierte Präsident Reagan das Jahr

1983 zum "Weltjahr der Kommunikation".

"Es ist Kommunikation, durch die wir

jene (in der amerikanischen Verfassung festgelegten) Freiheiten und die Ideale

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�die Ideale bewahren, denen sie entsprungen sind", so schreibt Vizepräsident
Bush.
Die Ansprache von Dr. W. Scott Thompson in Honolulu hat folgenden Wortlaut:
Das ganze letzte Jahrzehnt hindurch haben Beobachter der Entwicklung
den Anbruch einer neuen Ära angekündigt - einer Ära, die sie "Informationszeitalter11 nannten.
angebrochen.

Heute sagt man uns, das Informationszeitalter sei nun

Ich sah kürzlich eine Anzeige, die mit den Worten begann:

formationssysteme formen unsere Welt um."

"In-

In einer anderen Anzeige hieß es:

"Information ist zum Treibstoff geworden, der die amerikanische Wirtschaft
voranbringt."

Und eine weitere verkündet:

"Das Informationszeitalter ruft!"

In den Vereinigten Staaten geben die Produzenten von Erzeugnissen und
Dienstleistungen auf dem Informationssektor hohe Reklamesummen dafür aus, um
einen Punkt klar zu machen, der vielleicht am besten in der folgenden Anzeige
zusammengefaßt war: "Eine ganze Welt von Informationen wartet auf Sie!"
Um aber diese Informationen zu nutzen - sich ihrer zu erfreuen, von
ihnen zu profitieren, von ihnen zu lernen -, muß man Zugang zu ihnen haben.
Der Zugang zur Information und der Zugang zu den Technologien, mit denen Information vermittelt wird, sind jedoch in vielen Teilen der Welt kaum gewährleistete Rechte.
.

Regeln für den Gebrauch von Information
So hatten beispielsweise bis vor kurzem Sowjetbürger durch TelefonDirektwahl Zugang zum Westen.
fung dieses Verfahrens,

Aber der Kreml entschied sich für die Abschaf-

weil es zu leistungsfähig war; der Kreml hatte zu

viel ar^Informationskontrolle über die eigene Bevölkerung verloren.
Diese sowjetische

�Diese sowjetische Entscheidung muß bedauert werden, ebenso wie wir die
sowjetische Störung von Rundfunksenkdungen aus dem Westen bedauern.

Regie-

rungsentscheidungen wie diese erinnern uns daran, daß die Vorteile des Informationszeitalters nicht voll realisierbar sind und andere nicht teilhaben
können, wenn die Regierungspolitik etwas anderes diktiert.

Die politische

Öffentlichkeitsarbeit wird unser Dasein in diesem neuen Zeitalter von Grund
auf gestalten, und diese Art Politik hat ihre Wurzeln in fundamentalen philosophischen Vorstellungen über die politischen Freiheiten der Verbreitung und
Entgegennahme von Informationen.

Es gibt im wesentlichen nur die Wahl zwi-

schen Bemühungen, den Informationsfluß zu kontrollieren

oder ihn zu fördern.

In einer freien Gesellschaft sind jedenfalls die Voraussetzungen für einen
ungehinderten Informationsfluß gegeben.
Und da die Welt nun in dieses neue Informationszeitalter eintritt - ein
Zeitalter, in dem die Anwendung von Technologie immer mehr Kanäle öffnet,
durch die Information vermittelt werden kann - erhält jetzt die Wahl zwischen
Freiheit und Kontrolle neue Bedeutung. Die Regierungen machen heute die Erfahrung, daß sie nur dann wirksam arbeiten können, wenn dies in einem Umfeld
geschieht, das sich durch vielfältige Kommunikationskanäle auszeichnet. Dies
ist selbst für freie Gesellschaften nicht immer leicht, aber absolut notwendig.
In den Vereinigten Staaten beispielsweise hätte das Gesetz über die Informationsfreiheit ohne die Technologie, die die Verarbeitung einer enormen
Fülle von Anforderungen ermöglicht, nicht derart uneingeschränkt durchgesetzt
werden können. Jedoch erwies die neue Technologie der Legislative so gute
Dienste, daß heute viele fragen, ob denn der Gesetzgeber überhaupt im Sinn
hatte, sie so ausgiebig zu nutzen. In Verbindung mit einer Revolution in der
Nachrichtentechnik bereitet es immer mehr Schwierigkeiten, ein Recht des einzelnen auf Schutz seiner Privatsphäre mit der Nowtendigkeit für die Regierung,
Daten zu sammeln, sowie dem Recht der Öffentlichkeit, zu wissen, was in behördlichen Datenbanken gespeichert ist, im Gleichgewicht zu halten.
Beispiele wie

- 3 -

�Beispiele wie diese lehren uns den Wert sachlicher Denkweise bei der
Suche nach Lösungen für schwierige Probleme in der politischen Öffentlichkeitsarbeit.

Im Ausland wie im Inland beabsichtigen die Vereinigten Staaten in

Verhandlungen über die Regeln, nach denen wir in diesem neuen Informattonszeitalter leben werden, in gewisser Weise pragmatisch vorzugehen.

Verhandlungen und die amerikanische Position
In den achtziger Jahren wird es eine bemerkenswerte Serie von internationalen Verhandlungen sowohl über fernmeldetechnische Fragen als auch über
andere Aspekte der Kommunikation geben.

In den nächsten Jahren hat allein

schon die Internationale Fernmeldeunion (ITU) wichtige Konferenzen über Themen
angesetzt, die den Satelliten-Direktempfang, den internationalen Kurzweilenfunk und Nachrichtenverbindungen über Satelliten im Weltraum betreffen.
Wenn diese und andere Verhandlungen erfolgreich sein sollen, müssen
alle Beteiligten von dem Wunsch nach Zusammenarbeit motiviert sein. Die
Reagan-Administration hat sich verpflichtet, Abkommen über Zusammenarbeit anzustreben, die geeignet sind, inmitten des dynamischen Geschehens einer Revolution von Information und Kommunikation eine stabile Ordnung unter den Nationen
herbeizuführen.
Folglich beabsichtigen wir weder eine starre Haltung am Konferenztisch,
noch beabsichtigen wir unrealistisch zu sein. Fortschritt, so meinen wir,
ist nicht nur möglich, sondern auch notwendig, und wir werden uns entsprechend
verhalten.

Die Bedeutung von Grundsätzen
Ich föchte jedoch gleich hinzufügen, daß Fortschritt nicht ausschließlich auf Kosten von Grundsätzen erzielt werden darf. Das Risiko eines uneingeschränkten Pragmatismus liegt natürlich darin, daß grundlegende Dinge zu
- 4 -

�Dinge zu leicht vergessen werden.
Für die Reagan-Administration gibt es drei Grundsätze, die die Regierung
leiten, wenn wir Außenpolitik in bezug auf Kommunikation und Information formulieren und uns dann bemühen, sie zu realisieren.
Der erste Grundsatz ist das elementare Menschenrecht jedes einzelnen,
Information frei zu empfangen und abzugeben. Der zweite ergibt sich aus den
unternehmerischen Grundsätzen des freien Marktes. Es ist die Notwendigkeit
für den ungehinderten internationalen Fluß geschäftlicher Informationen.
Schließlich ist der dritte Grundsatz - auch er ergibt sich aus den Prinzipien
der freien Marktwirtschaft - unsere Vorliebe für offene und wettbewerbsgünstige
Märkte auf dem Gebiet von Kommunikation und Information.
Die Regierung weiß sehr wohl, daß unsere Grundsätze nicht weltweit Allgemeingut sind und nicht jeder souveränen Nation etwas bedeuten. Es gibt nun
einmal Unterschiede und wird sie immer geben. Aber die Vereinigten Staaten
sind überzeugt, daß in einer Ära derart rascher technologischer Veränderungen
das Festhalten an Grundprinzipien eine kluge und produktive Haltung bedeutet,
weil damit ein Rahmen geschaffen wird, der Verhandlungen ermöglicht. Natürlich empfehlen wir auch anderen, sich mit diesen Grundsätzen selbst gründlich
und angemessen auseinanderzusetzen.
Für uns sind mehrere Gründe für diese Prinzipientreue maßgebend:

Erstens:

Das Prinzip der Kommunikationsfreiheit des einzelnen

Diese Nation - und diese Administration im besonderen - ist nicht nur
der Bewahrung des freien Informationsaustausches verpflichtet, sondern auch
der Förderung dieses Prinzips als einer elementaren Komponente jeder demokratischen Institution.

Dieses Prinzip verkörpert und manifestiert einen un-

beugsamen Glauben an die Vorstellungen von Pluralismus und Freiheit, die in

- 5 -

�die in der amerikanischen Geschichte tief verwurzelt sind.

Seinen konkreten

und bedeutsamsten Ausdruck findet das in der amerikanischen Verfassung als dem
wichtigsten und richtungweisenden Dokument für unsere Innenpolitik.
Weil die Idee der Freiheit im allgemeinen und die Kommunikationsfreiheit im besonderen für die amerikanische Lebensweise lebenswichtig ist, können
wir es uns nicht leisten, gegenüber Mißbräuchen dieser Freiheit jenseits unserer Grenzen gleichgültig zu bleiben.

Das ist in unserer Sicht weder anmaßend

noch ungerechtfertigt, sondern liegt vielmehr im gemeinsamen Interesse aller
Völker.
Die Welt ist heute von vielen großen Problemen geplagt.

Aber keines ist

weiter verbreitet als jenes, dem einzelnen das Recht auf Mitsprache bei der
Regierung seines Landes zu versagen.

Wenn Einzelpersonen das Recht abgesprochen

wird, sich mitzuteilen, ist ihnen letztlich auch das Recht versagt, freie Gemeinschaften zu bilden, Ideen mit anderen zu teilen und, unabhängig von ihrer
Regierung, freien Zugang zu Informationsquellen zu haben.
Wenn Regierungen Informationen unterdrücken, schränken sie die Beteiligung am politischen Leben ein und zementieren ihr Machtmonopol. Solche Unterdrückung von Informationen, selbst mit der Begründung, daß irgendein bereits
festgesetztes wirtschaftliches oder gesellschaftliches Ziel erreicht werden
müsse, behindert die dynamische Beteiligung am politischen Leben und schafft
so eine von Grund auf instabile Gesellschaft. Ich brauche hier nicht auf die
Konsequenzen einer politischen Instabilität für den Weltfrieden zu verweisen.
Jene Regierungen,
tizieren, haben für die
die kritischen Elemente
fehlen. Beides ist für
läßlich.

die eine solche Unterdrückung von Informationen prakEntscheidungsfindung fehlerhafte Mechanismen, denen
aus einer Beteiligung des Volkes und die Datenvielfalt
einen wirksamen Prozeß der Gestaltung der Politik uner-

In einer solchen Situation besteht die sehr reale Gefahr, daß die führenden Personen nur hören, was sie hören wollen und von den tatsächlichen poli- 6 -

�tatsächlichen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen in
ihren Gesellschaften gar keine Ahnung haben.

Gleichzeitig werden im Volk,

dem man infolge mangelnder Mitsprache an seinem politischen Schicksal Freiheiten vorenthält, Frustration und Groll aufgebaut.
Wir sind fest überzeugt, daß mit der uneingeschränkten Beteiligung am
Prozeß der Entscheidungsfindung durch die Regierung den Interessen des Friedens am besten gedient wird.

Wenn dieser Prozeß funktionieren soll, muß je-

der Bürger das Recht haben, sich frei mitzuteilen.

Politische Entscheidungen

aufgrund guter Informationen, die unter Mitarbeit und mit Zustimmung der Regierten getroffen werden, sind unabdingbare Voraussetzungen für wahren Frieden in der Welt.
Unsere Besorgnis um den Schutz des Prinzips des freien Informationsflusses erstreckt sich sowohl auf die neuen Informationstechnologien als auch
auf die herkömmliche Technologie. Im Amerika der Kolonial zeit entsprach die
Druckerpresse der üblichen Technik. Sie war für die politische Entwicklung
der jungen Nation so wichtig, daß Thomas Jefferson ohne jede Einschränkung
erklärte: "Unsere Freiheit beruht auf der Pressefreiheit."
Zwei Jahrhunderte später hängt die Zukunft der menschlichen Freiheit
- und aller mit ihr verbundenen Gebote - von Informationstechnologien ab,
die seit kurzem in solcher Fülle in Erscheinung treten, daß sie unseren Lebensstil im öffentlichen und privaten Bereich revolutionieren. Ebenso wie
die Gründerväter der Vereinigten Staaten die Notwendigkeit erkannten, ein einklagbares politisches Recht zu schaffen, das freien Zugang zu der bahnbrechenden Erfindung Gutenbergs garantierte, besteht heute eine Notwendigkeit, wachsam zu sein, um das Kommunikations recht im Zusammenhang mit dem Gebrauch moderner Mittel zur Weitergabe von Informationen wie Satelliten und Datenbanken
zu schützen.

Zweitens:

- 7 -

Uneingeschränkter

�Zweitens:

Uneingeschränkter Fluß geschäftlicher Informationen

Unser zweiter Grundsatz, der den uneingeschränkten Strom geschäftlicher
Informationen begünstigt, wurzelt in unserem Vertrauen in den freien Handel.
Wir glauben, daß Bestrebungen, den Datenfluß über Grenzen hinweg zu begrenzen,
Widerstand geleistet werden muß, wenn wir wirksam und eindrucksvoll unsere
miteinander verflochtenen Volkswirtschaften handhaben wollen.
Das ist die große wirtschaftliche Herausforderung, mit der wir uns gemeinsam auseinandersetzen müssen, wenn wir alle gedeihlich leben wollen.

Die

Gefahren politischer Machenschaften mit dem Ziel, den anderen zu übervorteilen,
sind bestens bekannt.

Dennoch beobachten wir, daß in der heutigen Welt pro-

tektionistische Bestrebungen an Boden gewinnen, zu denen auch Forderungen nach
Errichtung ungerechtfertigter Schranken gegen die Weitergabe geschäftlicher
Daten von einem Land ins andere gehören.
Ohne Datenaustausch aber wären Fluggesellschaften, Mineralölindustrie,
Banken - um nur einige zu nennen - nicht in der Lage, ihren internationalen
Tätigkeiten nutzbringend nachzukommen. So ist also hervorzuheben, daß pVotektionistische Datenschranken, ebenso wie protektionistische Handelsschranken,
unserem gemeinsamen Ziel schaden, ein gutes Klima für eine kraftvolle und dynamische Weltwirtschaft zu schaffen.

Drittens: Wettbewerbsfreudige und offene Märkte für Technologie, Ausrüstungen
und Dienstleistungen
Die Vereinigten Staaten sind nicht nur überzeugt, daß es Freiheit für
die internationale Weitergabe von Geschäftsinformationen geben muß, sondern
wir sind auch vom Grundsatz wettbewerbsfreudiger und offener Märkte überzeugt.
In den Vereinigten Staaten ist die Bundeskommission für das Fernmeldewesen dabei, den einschlägigen inneramerikanischen Markt zu erschließen. Wir haben
nicht die Absicht, unsere Vorstellungen von Telekommunikation anderen Nationen
aufzuzwingen. Jedoch haben uns unsere Erfahrungen gezeigt, daß Wettbewerb das
- 8 -

�Wettbewerb das beste Stimulanz ist für neue Techniken und hochwertige Produkte und Dienstleistungen zum niedrigsten Preis.
Die lange Geschichte der Monopole, vor allem im Fernmeldewesen, hat
industrielle Strukturen und Regierungspraktiken geschaffen, die nicht über
Nacht hinweggewischt werden können.

Gleichzeitig plädieren wir jedoch für

mehr Verständnis für die dramatischen Veränderungen, die zur Zeit im Gange
sind, und für einsichtsvollere Standpunkte in bezug auf die Art und Weise,
wie Geschäftsregeln am besten angepaßt werden können, um diese Veränderungen
zu berücksichtigen.

Wir glauben, daß das Prinzip der offenen und wettbewerbs-

freundlichen Märkte für Waren und Dienstleistungen auf dem Gebiet Kommunikation und Information zum mindestens eine gründliche und verständige Prüfung verdient.
In der letzten Runde der multilateralen Handelsverhandlungen - der
Tokio-Runde - versuchte unsere Regierung,die Möglichkeiten für den Absatz
von Telekommunikations-Ausrüstungen im Ausland auszuweiten.

Auf der jüngst

stattgefundenen Ministerkonferenz des GATT unternahmen die Vereinigten Staaten einen weiteren Schritt vorwärts, indem sie ein Programm zur Untersuchung
von Mitteln und Wegen vorschlugen, um Handelsschranken für Dienstleistungen,
von denen die meisten auf dem Informationsgebiet liegen, abzubauen.
In beiden Fällen haben die Vereinigten Staaten die Initiative ergriffen - nicht nur, weil Dienstleistungen auf dem Informationssektor und die
Produktion von fernmeldetechnischen Ausrüstungen Quellen der wirtschaftlichen
Stärke Amerikas sind, sondern weil wir glauben, daß aktiver und gewinnbringender Außenhandel und Investitionen im Ausland dazu führen, daß alle an den
Vorteilen teilhaben.

Wenn man wählen könnte, sich für die Weitergabe von

Innovation und Sachkenntnissen über den Markt und die Blockierung solcher
Weitergabe durch die Unbeweglichkeit regierungsamtlicher Vorschriften zu entscheiden, würden wir uns für ersteres einsetzen.
Schlußfolgerungen

- 9 -

�Schlußfolgerungen
Ich habe heute von jenen philosophischen Grundsätzen gesprochen, an
denen sich die Reagan-Administration bei der Formulierung ihrer Außenpolitik
auf dem Gebiet internationaler Kommunikations- und Informationsfragen orientiert.

Es sind Grundsätze, denen sich die Administration fest verpflichtet

fühlt, auf die wir unsere Energie und unsere schöpferische Kraft verwenden,
die wir mit unseren Hoffnungen auf eine Welt gegenseitigen Nutzens im neuen
Informationszeitalter anstreben.
In diesem Zeitalter gibt es wahrlich viel zu gewinnen.

Angesichts der

potentiellen Möglichkeiten, die die Kommunikationstechnologie für die Förderung
sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung bietet, unterstützt das amerikanische
Bundesamt für Internationale Entwicklung (AID) hier im Pazifikbecken mehrere
Projekte auf dem fernmeldetechnischen Sektor.
In Indonesien plant man ein Satellitenprojekt für Ausbildungszwecke,
während auf den Philippinen an einer Studie als Entscheidungshilfe dafür gearbeitet wird, wie einer der abgelegensten Landesteile von fernmeldetechnischen
Dienstleistungen über einen Satelliten profitieren könnte.
In einer Zeit, in der es nur allzu wenig Aussichten auf spektakuläre
Durchbrüche gibt, trägt der Anbruch des Informationszeitalters neue Hoffnung
auf ein besseres Leben für jeden Bürger eines jeden Landes in die Welt.
Diese Hoffnung zu realisieren ist unser gemeinsames Ziel. Es ist unser gemeinsames Ziel hier im Pazifischen Becken, und es muß auch in der übrigen Welt
unser gemeinsames Ziel sein.

+ + + + +

- 10 -

�26. Januar 1983

WEINBERGER ZEIGT RÜSTUNGSANSTRENGUNGEN DER UDSSR AUF
- USIA-Interview mit dem US-Verteidigungsminister -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar
Weinberger hat in einem Interview mit dem Militärkorrespondenten des US-Informationsamtes (USIA), William H. Durham, auf die anhaltenden Rüstungsanstrengungen der Sowjetunion hingewiesen und zu einer Reihe von Fachfragen Stellung
genommen.
Das Interview mit Verteidigungsminister Weinberger hat folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Vor einem Jahr hat das amerikanische Verteidigungsministerium

eine große Studie über die "Sowjetische Militärmacht" herausgegeben.

Welche

Hinweise haben wir bezüglich der militärischen Aufrüstung der Sowjets seither?
ANTWORT:

Wir werden in den nächsten Monaten eine zweite, auf den neuesten

Stand gebrachte Auflage dieser Broschüre herausbringen.

Ich möchte jedoch schon

jetzt auf die wichtigeren Punkte dieser Dokumentation hinweisen, die die anhaltenden Anstrengungen der Sowjets erkennen lassen, alle Aspekte ihrer Streit-

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�ihrer Streitkräfte zu modernisieren.

Die Sowjets haben mehrere neue Panzer-

schützen-Divisionen aufgestellt, die die Zahl der Kampfdivisionen auf insgesamt 185 bringen.

Im Jahr 1982 haben sie 2700 neue Panzer für ihre Streit-

kräfte hergestellt.

Sie produzieren und dislozieren weiterhin Flugzeuge der

Typen Fencer, Flogger und Fitter zur Unterstützung im Bodenkampf.

Sie haben

den dritten Flugzeugträger vom Typ Kiew in Dienst gestellt; ein vierter wird
gegenwärtig ausgerüstet.

Ihr neues großes nuklear angetriebenes Raketen-

Unterseeboot vom Typ Typhoon befindet sich gegenwärtig in der See-Erprobung.
Ihr neuer großer strategischer Bomber vom Typ Blackjack A befindet sich gerade
in der Flugerprobung.

Trotz des von Breschnew verkündeten Moratoriums für die

SS-20-Rakete haben sie die Dislozierung dieses Systems fortgesetzt und verfügen heute über rund 340 einsatzbereite Raketen dieses Typs.

Und schließlich

haben sie kürzlich eine neue Interkontinentalrakete (ICBM) mit Feststoffantrieb erprobt, was ihr Interesse erkennen läßt, Nachfolgegenerationen für ihre
bereits große und treffsichere ICBM-Streitmacht zu produzieren.

Die über-

arbeitete Ausgabe der genannten Broschüre enthält mehr Einzelheiten, aber die
von mir jetzt erwähnten Beispiele lassen den anhaltenden Zuwachs der militärischen Macht der Sowjets erkennen.
FRAGE: In der europäischen und amerikanischen Presse konnte man Berichte lesen, die andeuten, daß die Erprobung sowohl der PERSHING II-Rakete
als auch der landgestützten Marschflugkörper zeitlich im Verzug sei. Ist das
wahr und wird das die für 1983 geplante Dislozierung dieser Waffen in Europa
berühren?
ANTWORT: Die Erprobung der PERSHING II und der landgestützten Marschflugkörper verläuft termingerecht. Beim Marschflugkörper verliefen sechs der
sieben Probeflüge erfolgreich. Was das PERSHING II-System angeht, so wurde
zwar die erste Flugerprobung nach 17 Sekunden Flug abgebrochen und die zweite
Flugerprobung verschoben, aber die aufgetretenen Probleme waren nicht wesentlicher Natur. Es wurde eine entsprechende Behebung der Fehler vorgenommen,
und die Flugerprobung vom 19. November (vorigen Jahres) verlief hinsichtlich
unserer Hauptziele erfolgreich: Erprobung des Antriebs und Ablauf der Stufen.
Man kann im wesentlichen sagen, daß Entwicklungsprogramme der PERSHING II

�PERSHING II und der landgestützten Marschflugkörper termingerecht verlaufen,
und wir rechnen ohne weiteres damit, technisch einwandfreie Systeme termingerecht in Europa stationieren zu können.
FRAGE:

Es hat in unserem Lande einige Diskussionen über die relative

Wirksamkeit land- und unterseebootgestutzter Elemente der nuklearen Abschrekkungs-Triade gegeben.

Werden die Vereinigten Staaten weiterhin ein landge-

stütztes Element in ihrer strategischen Abschreckungsstreitmacht haben, oder
werden die Vereinigten Staaten mehr zu seegestützten Systemen übergehen?
Wird die MX-Rakete bewilligt werden?
ANTWORT: Die Triade von landgestützten Interkontinentalraketen, bemannten Bombern und unterseebootgestützten Raketen, die wir während der letzten
20 Jahre aufrechterhalten haben, hat sich als ein wirksames Mittel erwiesen,
eine stabile Abschreckung über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten. Die
einzigartigen Eigenschaften der strategischen Komponenten, die die Triade
ausmachen, stärken die Abschreckung, indem sie im Zusammenklang wirken, um
jede sowjetische Angriffsplanung höchst kompliziert zu machen. Auf der einen
Seite wird die Planung und Durchführung eines Angriffs auf alle diese Komponenten immer schwieriger. Auf der anderen Seite ist es schwieriger, sich
gegen ihre kombinierten und sich ergänzenden Vergeltungswirkungen zu verteidigen. Die Triade wirkt auch als ein Schutzwall gegen einen eventuellen technologischen Durchbruch, der die Lebensfähigkeit eines einzelnen strategischen
Systems bedrohen könnte. Die Bedeutung der Triade für die Abschreckung liegt
heute deutlich auf der Hand, da jede Säule der Triade der Modernisierung bedarf; und wir haben die Absicht, sie aufrechtzuerhalten.

Der Friedenswahrer (MX-Rakete) wird einen wesentlichen Beitrag zur Aufrechterhai tung einer starken und überlebensfähigen strategischen Triade
leisten.

Wollten wir die Wirksamkeit unserer Interkontinentalraketen-Streit-

macht ohne die MX-Rakete stärken, dann würde das Angriffsproblem der Sowjets
erleichtert, und wir würden es ihnen erlauben, die ohnehin großen Mittel noch
zu erhöhen, die sie für Gegenmaßnahmen gegen unsere Unterseeboot- und Bomberstreitkräfte ausgeben.

Ich bin der festen Überzeugung, daß der Kongreß, wenn
- 3 -

�Kongreß, wenn er erst einmal den Bericht im einzelnen geprüft hat, den der
Präsident im Frühjahr vorlegen wird, die Produktion und Dislozierung der MXRakete bewilligen wird.
FRAGE:

Die Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen

Waffen (START) und über nukleare Mittel Streckensysteme (INF) in Genf sowie
über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen in Europa (MBFR)
in Wien haben gegenwärtig Pause.

Welche Entwicklungen erhoffen sich die Ver-

einigten Staaten nach Wiederaufnahme der Verhandlungen?
ANTWORT:

Die Pausen in den amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen

werden regelmäßig geplant, um jeder Seite die Möglichkeit zu geben, die Position der jeweils anderen Seite eingehender zu prüfen und die eigenen Standpunkte zu wichtigen politischen Fragen formulieren zu können.

Wir können

zwar nicht auf die Details der sowjetischen Verhandlungspositionen bei diesen Verhandlungen in Genf eingehen, wir hoffen jedoch, daß die Sowjets ihre
Standpunkte im Lichte der amerikanischen Vorschläge überdenken und bei Beginn
der nächsten Verhandlungsrunde bereit sein werden, Schritte zu tun, die näher
an ausgewogene, wesentliche und verifizierbare Abrüstungsvertrage heranführen.
Viel wird davon abhängen, zu welchen Schlüssen die Sowjets hinsichtlich der
Entschlossenheit und Kontinuität kommen werden, mit der die strategischen Modernisierungsprogramme der Vereinigten Staaten und die INF-Modernisierungsprogramme der NATO verfolgt werden.
Wie Sie wissen, hat der sowjetische Parteichef Andropow in seiner Rede
vom 21. Dezember über die derzeitigen Standpunkte der Sowjets bei den STARTund INF-Verhandlungen gesprochen. Der Standpunkt bezüglich START ist der bei
den Verhandlungen eingenommene. Der INF-Vorschlag insbesondere widerspricht
klar dem Grundsatz der Gleichwertigkeit bei Rüstungskontroi labkommen. Diese
sowjetischen Vorschläge sind - genau wie die sowjetische Haltung bei den MBFR-Gesprächert - für die Themenbereiche START, INF und MBFR unangemessene Lösungen.
Was uns angeht, so beabsichtigen wir, die Verhandlungen ernsthaft fortzusetzen.
FRAGE:

Kürzlich

�FRAGE:

Kürzlich stimmte der Verteidigungsausschuß des Bewilligungs-

ausschusses des Senats dafür, die amerikanische Truppenstärke in Europa auf
dem Niveau von 1980 einzufrieren.
zu bedeuten?
ANTWORT:

Was hat diese Abstimmung aus Ihrer Sicht

Wird es Verminderungen der amerikanischen Truppenstärke geben?
Die ursprünglichen Bedingungen des Bewilligungsausschusses

des Senats hatten beträchtliche Verringerungen vorgesehen und hätten daher
einen negativen Effekt auf wichtige, innerhalb des NATO-Rahmens entworfene
Programme gehabt.
Aufgrund der Überlegungen des Plenums des Senats zu der vorliegenden
Resolution und der Maßnahmen des Vermittlungsausschusses wurde in der Folge
dann der Text abgeändert. Die Bedingungen, die jetzt Gesetz werden, legen
eine Obergrenze für die in Europa stationierten Truppen von 315 600 Mann
zum Ende des Haushaltsjahres 1983 fest. Dies könnte einige geringfügen Beschneidungen der geplanten Erhöhung unseres Streitkräfteniveaus bei Ende
dieses Haushaltsjahres erforderlich machen.
Wir werden jedoch Änderungen nur dort vornehmen, wo der Schaden so
gering wie nur irgend möglich gehalten werden kann, und werden nicht die
Programme der Streitkräftemodernisierung beschneiden, die oberste Priorität
haben. So sieht die jetzige Resolution insbesondere ein Einspruchsrecht
des Präsidenten hinsichtlich der Truppenobergrenze bei "ausschlaggebenden"
Gründen der nationalen Sicherheit vor.
FRAGE: Welches ist das amerikanische Ziel für die im Libanon als Teil
der multinationalen Streitmacht stationierten Einheiten des Marinekorps?
Wie soll es unserer Meinung nach dort weitergehen? Ist es unsere Absicht,
diese Streitmacht zu verstärken, oder sollten wir uns zu einem bestimmten
Zeitpunkt zurückziehen?
ANTWORT:

Das Ziel unserer Einheiten dort ist noch immer das gleiche

wie zu dem Zeitpunkt, als Präsident Reagan das Angebot machte, einen Beitrag
zu der multinationalen Streitmacht zu leisten.
- 5 -

Wir wollen dazu beitragen,

�dazu beitragen, die Lage in und um Beirut zu stabilisieren, damit die libanesische Regierung, ihre Armee und ihre Politik Zeit finden, sich zu organisieren und schließlich die Stabilität des Libanon selbst zu garantieren.
Der Präsident erstrebt auch weiterhin einen raschen und vollständigen Abzug
der Streitkräfte Syriens, der PLO und Israels aus dem Libanon; und wir sind
der Meinung, daß dies nach einer ausgehandelten Vereinbarung über einen solchen Abzug rasch geschehen könnte.

Die amerikanischen Streitkräfte im Libanon

sind an kein Datum und an keine andere Vorbedingung hinsichtlich der Beendigung ihrer Mission gebunden.

Allerdings hegen wir Optimismus dahingehend,

daß die Verhandlungsanstrengungen der Botschafter Habib und Draper es der
libanesischen Armee bald ermöglichen werden, ihre Aufgabe zu übernehmen, die
Sicherheit in ganz Libanon zu garantieren.

Es gibt derzeit keinerlei Pläne,

die jetzt im Libanon stationierte US-Streitmacht zu vergrößern.
FRAGE: Im vergangenen Jahr wurde der sowjetischen Aufrüstung in Europa
eine Menge Aufmerksamkeit gewidmet. Wie sieht es mit der sowjetischen Position in Asien aus? Können die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
der sowjetischen Herausforderung in diesem Bereich begegnen?
ANTWORT: Während der letzten anderthalb Jahrzehnte haben die Sowjets
beunruhigende Schritte zur Verbesserung ihrer militärischen Kapazitäten unternommen und ihren Einfluß überall in dieser Region ausgeweitet. Diese Anstrengungen halten unvermindert an. Die sowjetischen Landstreitkräfte östlich
des Ural - einschließlich jener an der chinesisch-sowjetischen Grenze - haben
seit 1965 von damals 150 000 auf heute fast eine halbe Million Mann zugenommen. Die Zahl der Divisionen ist von 20 auf mehr als 50 angewachsen. Erst
in jüngster Zeit zur Auslieferung gelangte moderne Ausrüstung ermöglicht
diesen Streitkräften erhöhte Mobilität und Feuerkraft und verbessert ihre
Befehls- und Nachrichtenverbindungssysteme.
Die sowjetischen Luftstreitkräfte in den vier östlichen Militärbezirken
verfügen über mehr als 3000 Kampfflugzeuge, darunter Verteidigungs- und Angriffsflugzeuge, Bomber und Flugzeuge zur KampfUnterstützung.
Die Sowjets
- 6 -

�Die Sowjets haben annähernd 100 SS-20-Raketen - ein Drittel ihrer dislozierten Streitmacht - in Asien stationiert, von wo aus sie amerikanische Installationen und solche unserer Verbündeten in fast der gesamten Region angreifen können.

Besonders besorgt sind wir über den bedeutsamen Zuwachs und die Modernisierung der sowjetischen Pazifikflotte. Sie ist die größte Flotte der Sowjetunion und besteht aus rund einem Drittel aller sowjetischen U-Boote, einem
Viertel aller größeren Oberwasser-Kriegsschiffe und einem Drittel aller
Marineflugzeuge. Die mehr als 80 größeren Oberwasser-Kriegsschiffe, die etwa 120 U-Boote der verschiedensten Typen sowie die hierfür zur Verfügung stehenden landgestützten Flugzeuge - einschließlich der nuklearfähigen BackfireBomber - geben den Sowjets eine beträchtliche Seekapazität. Die Benutzung
von Häfen und Flugplätzen in Vietnam durch die Sowjets dient ihrer Dislozierung
im Indischen Ozean und erhöht ihre Oberwachungskapazitäten im Pazifik.
Die sowjetische Besatzungsmacht kämpft auch weiterhin mit dem afghanischen Widerstand, der nach drei Jahren des Kampfes noch immer nicht zur
Aufgabe bereit ist. Die über 100 000 Mann dieser sowjetischen Besatzungsmacht bilden eine einsatzbereite Kraft zur Machtprojektion auch nach Westen
und Süden. Immer wieder vorkommende Angriffe gegen Flüchtlinge und angebliche Widerstandskämpfer über die Grenze nach Pakistan hinein zeigen, daß
die Sowjets zumindest begrenzten Operationen über die Grenze hinweg nicht
abgeneigt sind.

Die Vereinigten Staaten haben harte politische Entscheidungen getroffen,
um die Mittel bereitzustellen, der wir zu unserer Verteidigung bedürfen.
Wir haben die Einsatzfähigkeit und die Widerstandsfähigkeit unserer vornedislozierten Streitkräfte in Asien verbessert und haben mit einer Anstrengung zum Ausbau der Streitkräfte und ihrer Modernisierung begonnen. Aber
die Vereinigten Staaten können nicht allein die weltweite sowjetische Expansion aufhalten. Auch sehen wir, daß unsere Interessen und die unserer Verbündeten zudem durch Maßnahmen anderer expansionistischer Nationen gefährdet
werden können - obgleich die Sowjetunion die offenkundigste Bedrohung dar-

�Bedrohung darstellt.

Unsere Verbündeten sind für die gemeinsame Verteidigung

angesichts einer wachsenden Bedrohung unserer Sicherheit und Freiheit wichtiger denn je.

Es ist von entscheidender Bedeutung, daß unsere Bündnisse weiter

gekräftigt werden und daß alle Partner mehr zur gemeinsamen Verteidigung beitragen.

Damit wir aus diesen höheren Beiträgen das Beste machen können, müs-

sen wir auch die Koordinierung unserer Anstrengungen verbessern.

In jedem

Bündnis müssen die Partner zur Konsultation bereit sein, zur gemeinsamen Beurteilung der Lage, vor der das Bündnis steht, und zur Behandlung der komplexen
Fragen einer angemessenen Arbeitsteilung, einschließlich der angemessenen Rollen und Aufgaben der Streitkräfte eines jeden Verbündeten in Krisenfällen.
Diese Überlegung gilt für Asien und den Pazifik wie überall in der Welt.
Fünf der sieben Verteidigungsabkommen, die die Vereinigten Staaten mitunterzeichnet haben, beziehen sich auf die asiatisch-pazifische Region.

Dazu ge-

hören Verträge mit Japan, Korea und den Philippinen, der Manila-Pakt, der
Thailand zu unserem Vertragspartner macht, und der Anzus-Pakt.

Aus der Sicht

der Vereinigten Staaten ist jedes einzelne dieser Abkommen heute noch wichtiger als am Tag ihrer Unterzeichnung.

Die Sicherheit der Vereinigten Staaten

steht in zunehmendem Maße in wechselseitiger Abhängigkeit von der Sicherheit
aller ihrer pazifischen Verbündeten.

Gemeinsam können wir der sowjetischen

Herausforderung in Asien begegnen.

- 8 -

�26. Januar 1983

VEREINIGTE STAATEN ERSTREBEN KEINE NUKLEARE ÜBERLEGENHEIT
Pressekonferenz mit den Delegationschefs Rowny und Nitze •

WASHINGTON - (AD) - Vor der Wiederaufnahme ihrer Verhandlungen in Genf
trafen Botschafter Edward Rowny, der Chef der amerikanischen Delegation bei
den START-Verhandlungen.und Botschafter Paul Nitze, Chef der amerikanischen
Delegation bei den INF-Verhandlungen, am 21. Januar 1983 mit Präsident Reagan
zusammen und stellten sich anschließend den Fragen von Reportern.
Die Pressekonferenz hat folgenden Wortlaut:
ROWNY:

Botschafter Nitze und ich kommen gerade von einem Treffen mit

dem Präsidenten, in dessen Verlauf die nächsten Runden unserer jeweiligen Verhandlungen besprochen wurden.

Der Präsident ist auch weiterhin davon über-

zeugt - und ich stimme dem gewiß zu -, daß wir eine gute START-Position haben,
die ich bei diesen Verhandlungen in Genf mit den Sowjets auch gerne weiterverfolge.

Wie Sie wissen, ist der START-Vorschlag der kühnste und einfalls-

reichste Vorschlag, der je auf dem Gebiet der strategischen Waffen vorgetragen wurde - eine Aufforderung, die dislozierten ballistischen Raketen um ganze
50 Prozent zu verringern.

Dieser Vorschlag hat die Aufmerksamkeit unseres

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Aufmerksamkeit unseres Volkes und vor allem auch Europas gefunden.
keine Kritik an diesem guten Vorschlag gehört.

Ich habe

Und wir sollten ihn gemein-

sam weiterverfolgen.
v
Wir hatten hier in Washington eine geschäftige und fruchtbare Zeit der
Konsultationen.

Ich glaube, nach Genf mit klaren Instruktionen zurückzukeh-

ren, die auf das oberste Ziel ausgerichtet sind, nämlich, die Abschreckung
zu erhöhen, Stabilität in Krisenzeiten zu erzielen und vor allem die Gefahr
eines Atomkrieges zu vermindern.

All diese Prinzipien werden uns dabei hel-

fen, die Verhandlungen voranzubringen.
Ich hoffe auch darauf, daß die sowjetische Delegation nach Genf zurückkehren wird, bereit, sich uns in Richtung auf diese umfassenden Verringerungen bei einer ganzen Anzahl von strategischen Kernwaffen anzuschließen.
es zu wiederholen:

Unser Vorschlag

Um

will eine Verringerung der dislozierten

ballistischen Raketen um nicht weniger als die Hälfte und die Verringerung
der Gefechtsköpfe auf diesen Raketen um ein Drittel sowie eine Verringerung
auf das jeweils gleiche Niveau - wobei das Prinzip, das wir überall verfolgen,
Gleichheit, Gleichheit und nochmals Gleichheit ist.

Wir erstreben keine Über-

legenheit, aber wir können uns auch nicht mit Unterlegenheit zufriedengeben.
Natürlich muß hiermit Hand in Hand die Verifizierbarkeit dieser Vorschläge zu jedem Zeitpunkt gehen. Daher hoffe ich, daß die sowjetische Delegation auch in der Bereitschaft zurückkehrt, das fortzusetzen, was bislang
eine recht aktive und lebhafte Verhandlungsperiode gewesen ist. Mit besonderem Interesse habe ich bemerkt, daß sie eine gewisse positive Tendenz hinsichtlich der Vertrauensbildenden Maßnahmen gezeigt haben, die das Risiko
eines Atomkrieges vermindern werden.
Ihre Erklärungen, wonach sie ebenfalls hieran interessiert seien, haben
mich ermutigt,und ich werde dies parallel zu unseren START-Verhandlungen tatkräftig weiterverfolgen.

Sollte es möglich sein, hier - sogar noch vor Ende

von START - zu einem separaten Abkommen zu gelangen, so glaube ich, daß alles,
was wir zur Verminderung der Gefahr eines Atomkrieges tun, von uns begrüßt
- 2 -

�uns begrüßt würde - und ich habe auch Grund zu der Annahme, daß die Sowjets
dies ebenso wünschen.
FRAGE: Glauben Sie noch immer, daß es eine Chance von 50 zu 50 gibt,
noch in diesem Jahr zu einem Abkommen zu gelangen?
ANTWORT: Ich sehe dies noch immer mit vorsichtigem Optimismus. Ich
würde meinen, man kann sie, die Sowjets, beim Wort nehmen. Schließlich haben
sie gesagt, es könne ein Abkommen geben, vorausgesetzt, unsere Seite zeige
guten Willen. Nun, ich weiß, daß es diesen guten Willen bei uns gibt und daß
wir es ernst meinen. Daher werden wir sicherlich unser Äußerstes tun, um zu
einem Abkommen zu gelangen.
FRAGE: Gehen Sie nach Genf mit neuen Instruktionen zurück, mit neuer
Flexibilität in Ihrer Verhandlungsposition? Und könnten Sie zu der Frage Stellung nehmen, ob Sie eine Verbindung zwischen Nitzes Überlegungen hinsichtlich
der Mittelstreckenraketen und Ihrem Thema sehen - und ob hier irgendwelche
zwingenden Beziehungen bestehen?
ANTWORT: Lassen Sie mich zunächst sagen, daß der Präsident eben zum
Schluß wieder auf die grundsätzlichen Fragestellungen hinwies und daß ich daher keine entscheidenden Verschiebungen erwarte oder etwas, das sich bis zu
unserem Abflug ergeben könnte. Wie Sie wissen, findet nächste Woche noch ein
Treffen statt, um die letzten Instruktionen einzuholen und der Sache den letzten
Schliff zu geben.
Hinsichtlich der Flexibilität lassen Sie mich sagen, daß einer der Aspekte, die die Sowjets an diesem Präsidenten bewundern - und das haben sie
mir auch so gesagt -, seine Beständigkeit ist, daß er nicht erst einen Vorschlag macht und dann wieder von ihm abrückt. Sie respektieren das und sagen:
"Wir verhandeln mit einem Mann, der weiß, was er will,und der seinen Kurs beibehalten wird."
FRAGE:

Ist dies der sowjetische Wortlaut oder Ihrer?
ANTWORT:

Es

�ANTWORT:

Es ist ihrer,

überlegen Sie sich doch nur die Tatsache, daß

sie im Juni an den Verhandlungstisch kamen, nachdem wir einen Vorschlag unterbreitet hatten, der weit drastischer, weitreichender ist als der Vorschlag
Carters.
Sie sind an den Verhandlungstisch gekommen.

Und sie haben reagiert:

Als wir sagten, "wir werden um 50 Prozent reduzieren", antworteten sie "um
25 Prozent".

Natürlich argumentieren sie wieder in Abschußeinrichtungen und

nicht in Raketen.
So wie wir verfahren, hat man eine bessere Zähleinheit.
sagt:

"Es sind doch die Gefechtsköpfe, die zählen".

wir werden die Anzahl der Gefechtsköpfe reduzieren."
nicht gesagt, um wie viele.

Wir haben ge-

Und sie sagten:

"Auch

Natürlich haben sie uns

Sie erkennen also den Wert des Ganzen - und sie

verstehen natürlich, wie die Öffentlichkeit das alles sieht.

Daher meine ich,

sie wissen, daß wir bei dem START-Vorschlag einen sehr guten Vorschlag haben.
FRAGE: Was sagen Sie zu dem Bericht, wonach die Sowjets irgendwie die
INF-Gespräche mit den START-Gesprächen verknüpfen, daß sie aus den START-Verhandlungen aussteigen würden, wenn wir Raketen in Europa aufstellen sollten?
ANTWORT: Ich habe mit meinem Verhandlungspartner Verschwiegenheit vereinbart, wonach wir Dinge vom Verhandlungstisch nicht öffentlich diskutieren
wollen. Ich möchte deshalb hierauf keine Antwort geben, denn ich glaube, sobald Sie damit anfangen, über solche Themen in der Öffentlichkeit zu verhandeln, verringern Sie die Chancen auf ein Abkommen.
FRAGE: Das hat aber nichts mit öffentlichem Verhandeln zu tun. Diese
Woche gab es jeden Tag Berichte, wonach die Sowjets sich aus den START-Verhandlungen zurückziehen würden, wenn wir die Mittelstreckenraketen dislozieren.
Das Außenministerium ging gestern darauf ein. Es ist also nicht mehr in der
vertraulichen Domäne.
ANTWORT: Lassen Sie mich lediglich sagen, daß die zwei Verhandlungsbereiche Teil eines nahtlosen Gefüges sind, das Paul und ich eng koordinieren,
und daß wir es in gewisser Hinsicht als ein einziges Kontinuum ansehen. Alles
- 4 -

�ansehen.

Alles steht zueinander in Beziehung, auch wenn er Verhandlungen

führt, die meinen gleichwertig und von diesen getrennt sind.
So viel nur, ohne an das Vertrauliche zu rühren, das am Verhandlungstisch gesprochen wurde:

Die Sowjets haben öffentlich erklärt, daß sie - für

den Fall, daß Waffen in Europa disloziert würden - gezwungen wären, ihre Verminderungsvorschläge zu überdenken.
FRAGE:

Das ist Teil der Öffentlichkeitsarbeit.

Nehmen Sie diese Drohung ernst?

ANTWORT:

Es ist keine Drohung.

Es ist eine Erklärung ihrerseits.

natürlich nehme ich alles,was sie sagen, ernst.

Ja,

Sie haben es ins Protokoll

schreiben lassen, es liegt gedruckt vor.und deshalb, ich wiederhole, enthülle
ich nichts, was am Verhandlungstisch gesprochen wurde.

Das möchte ich noch

einmal verdeutlichen.
FRAGE:

Warum sagen Sie, es sei keine Drohung?

ANTWORT: Sie haben gesagt: Wenn in Pauls Bereich irgendwelche Systeme
disloziert werden - also etwa landgestützte Marschflugkörper und PERSHING IIRaketen -, dann könnten sie nicht reduzieren. Sie charakterisieren dies als
eine Drohung - dies ist Ihre Charakterisierung -, ich teile Ihnen nur mit,
was sie gesagt haben.
FRAGE: Haben sie auch gesagt, sie würden dann keine Gespräche mehr
führen, nicht mehr verhandeln?
ANTWORT:

Nein.

FRAGE: Wenn es das ist, was der Präsident gesagt hat, dann werden Sie
weitermachen und diese Raketen planmäßig dislozieren. Macht dies Ihre Aufgabe
nicht irgendwie nutzlos?
ANTWORT:
FRAGE:

Fragen Sie doch Paul.

Diese Waffen sind nicht mein Gebiet.

Vorhin wurde doch von Vertrauensbildenden Maßnahmen gesprochen -

kann man dies so verstehen, daß Sie in diesem Bereich eher eine Erfolgsmeldung
- 5 -

�eine Erfolgsmeldung bringen können, die in Verbindung mit der Reise von Vizepräsident Bush nach Europa stehen würde?
ANTWORT:
war:

Nein, nein, das möchte ich nicht implizieren.

Was ich sagte,

Der Präsident hat einige Vertrauensbildenden Maßnahmen vorgeschlagen.

Darauf kamen Momente, da Andropow das Zuckerbrot anbot - wie etwa seine Antworten an Kingsbury Smith, als er sagte: "Und wir können bei diesen Vertrauensbildenden Maßnahmen Fortschritte machen."

Und es gab Momente, wo die Peit-

sche zum Vorschein kam - etwa in dem Prawda-Artikel einige Tage später, der uns
gegenüber sehr kritisch war.

Aber dennoch:

Er ist hinsichtlich der Vertrauens-

bildenden Maßnahmen noch immer positiv - sowohl mit Zuckerbrot
Peitsche.

als auch mit

Ich habe also Grund zu Optimismus, zu vorsichtigem Optimismus, daß

wir bei diesen Dingen zu einem Abkommen gegangen werden, denn ich glaube wirklich, daß auch die Sowjets - genau wie wir - die Gefahr eines Atomkrieges verringern wollen.
NITZE:

Wie Botschafter Rowny eben andeutete, trafen wir gerade mit dem

Präsidenten zusammen, um die letzten Vorbereitungen für die Wiederaufnahme
der Rüstungsverminderungsverhandlungen mit der Sowjetunion zu besprechen.
Ich möchte diese Gelegenheit dazu benützen, um die amerikanische Verpflichtung zu einem sinnvollen Abkommen zur Verminderung der doppelten Bedrohung durch
Krieg und Einschüchterung zu bekräftigen, die das wachsende sowjetische Arsenal
nuklearer Mittelstreckenraketen darstellt.
Der Präsident hat die völlige Beseitigung dieser gefährlichen Waffenklasse sowohl auf amerikanischer als auch auf sowjetischer Seite vorgeschlagen.
Diese Lösung, die sowohl auf ihrer als auch auf unserer Seite die Null-Lösung
vorsehen würde, stellt den stabilsten, dauerhaftesten und wirkungsvollsten Plan
für einen Frieden in Europa, in Asien und in der Welt insgesamt dar.
Präsident Reagan hat mich angewiesen, meine Anstrengungen mit Nachdruck
und Eindringlichkeit zu verfolgen, um zu einem Abkommen zu gelangen, das die
Sicherheitsbedürfnisse der Vereinigten Staaten und der NATO-Verbündeten erfüllt.
Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten haben in unermüdlicher diplomatischer
und konzertierter Aktion ihre Suche nach einer friedlichen Beziehung zur Sowjetunion fortgesetzt.

Aber solange

�Aber solange die sowjetischen Vorschläge auch weiterhin einen Wunsch
nach einem gefährlichen militärischen Vorteil verschleiern, solange die sowjetischen Friedensbeteuerungen nicht von Zusammenarbeit am Verhandlungstisch begleitet werden, sondern nur von unzureichend verschleierten Drohungen gegen
einzelne Verbündete, müssen wir im Westen an unserem doppelten politischen Ziel
festhalten:

Einmal an der Suche nach fairen Abkommen zur Verminderung der

Kriegsgefahr und zweitens daran, die Schritte zu unternehmen, die notwendig
sind, um das militärische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, das den Frieden
über 37 Jahre lang bewahrt hat.
Ich kehre jetzt in der Hoffnung nach Genf zurück, daß die Sowjets die
Sinnlosigkeit ihrer Bemühungen einsehen, unser Bündnis zu entzweien und einzuschüchtern, und ebenso in der Hoffnung, daß ein Abkommen erzielt werden kann,
das fair und wirkungsvoll ist. Präsident Reagan hat sein vollstes Vertrauen
in mich als Unterhändler und in unsere Verbündeten als Partner zum Ausdruck
gebracht. Gemeinsam werden wir mit dieser Herausforderung fertig werden. In
Zusammenarbeit mit der Sowjetunion können wir noch immer einen großen Beitrag
zu einem dauerhaften Frieden leisten.
FRAGE: Darf ich Ihnen noch einmal die Frage stellen, die ich bereits
General Rowny gestellt habe? Wenn die Vereinigten Staaten ihre Pläne zur
Dislozierung der landgestützten Marschflugkörper und der PERSHING II-Raketen
weiterführen und wenn die Sowjets sagen, sie würden die Verhandlungen abbrechen,
wenn die Vereinigten Staaten dies tun - wird dadurch nicht alles zu einer ziemlich fruchtlosen Übung?
ANTWORT: Das glaube ich nicht. Denn, zugegeben, die Sowjetunion hat
vor längerer Zeit - vor sechs Monaten etwa - gesagt, sie würde ihre Position
überprüfen, wenn ihr praktische Schritte in Richtung auf eine Dislozierung
bekannt würden.
Fragte man nach, was unter "Überprüfung ihrer Position" zu verstehen sei,
so wurde gesagt, dies könne sicherlich einen Abbruch unserer Verhandlungen,
der START-Verhandlungen, beinhalten, sowie Maßnahmen zur Reaktion auf jeden
Schritt, den wir unternehmen würden - so daß dies für die NATO-Verbündeten und für
- 7 -

�und für uns selbst nachteilig wäre.

Dies sagten sie.

Aber im Anschluß hieran

hielt Breschnew jene Rede vor den 500 Generälen in Moskau; und in dieser Rede
sagte er, daß bereits praktische Schritte unternommen worden seien - und sie
brachen die Verhandlungen dennoch nicht ab.
Daher glaube ich nicht, daß ihrerseits eine solche Absicht besteht.

Sie

erwähnen eine solche Möglichkeit, um Druck auf uns auszuüben, aber es bedeutet
nicht notwendigerweise auch, daß sie es tun werden.
FRAGE:

Wir haben in den letzten Tagen eine Menge über ein vorläufiges

Abkommen gelesen

zu dem Sie und Ihr sowjetischer Gesprächspartner im Sommer

gelangt seien, und das die Sowjets verworfen haben - anscheinend ein Obereinkommen über eine gleichhohe Anzahl von Gefechtsköpfen oder...
NITZE:

Abschußeinrichtungen.

FRAGE:

Warum glauben Sie, hat Moskau "nein" gesagt?

Was sagt Ihnen

das über die Verhandlungsbereitschaft der Sowjets?
ANTWORT: Ich kann nur schwer einschätzen, wie und warum die Sowjetunion
Entscheidungen trifft. Ich habe es sehr bedauert, daß sie zu dem Entschluß
gelangten, das Sondierungs-Paket so radikal abzulehnen, zu dem Kwisinsky und
ich gekommen waren. Es war ein Übereinkommen. Ich habe kein Angebot im Namen der Vereinigten Staaten unterbreitet. Aber Kwisinsky und ich versuchten
herauszufinden, ob es möglich sei, den Gordischen Knoten zu durchhauen und zu
etwas zu kommen, was es wert gewesen wäre, von den beiden Regierungen in Erwägung gezogen zu werden.
Ich glaube, die amerikanische Regierung fand es erwägenswert, auch wenn
sie nicht mit allen Einzelheiten übereinstimmte.
FRAGE:

Die Sowjets fanden es nicht so

Sie sehen hierin nicht notwendigerweise ein Zeichen dafür, daß

die Sowjets der Meinung sind, es sei möglich, durch die von ihnen gestartete
Kampagne zu bewirken, daß die Europäer einer Dislozierung der Raketen überhaupt nicht zustimmen?

Mit anderen Worten:

Daß sie das behalten können, was

sie haben, und wir letztlich mit nichts dastehen?
ANTWORT:
- 8 -

Ich

�ANTWORT:
lichen.

Ich glaube, sie hoffen, dies durch ihre Propaganda zu ermög-

Ich glaube aber nicht, daß sie es schaffen; daß sie dabei Erfolg

haben werden.
FRAGE:

Machen Sie sich Sorgen darüber, daß die Vereinigten Staaten den

Krieg um die öffentliche Meinung in Europa hinsichtlich der Raketen verlieren?
ANTWORT:

Ich mache mir darüber keine Sorgen und glaube nicht, daß wir

den Propagandakrieg in Europa verlieren.
FRAGE:

Warum nicht?

densbewegung zu geben.

Ich glaube, dort scheint es eine wachsende Frie-

Gromykos Bemerkungen und die Bemerkungen von Andropow,

seine Kritik der amerikanischen Position, werden in Europa ziemlich hochgespielt.
ANTWORT:

Betrachten Sie doch die Dynamik der Friedensbewegung und der

Opposition gegen die Dislozierung vor der Rede des Präsidenten vor 14 Monaten.
Beides war damals sehr groß.

Als Ergebnis der Rede des Präsidenten vor 14

Monaten wurde der gesamte Trend unter Kontrolle gebracht und hat sich gewandelt.
Zugegeben:

Als Ergebnis der Erklärung von Andropow gab es in den letzten Mo-

naten erneut eine Bewegung nach vorn.

Ich glaube aber, daß sie durch die Härte

der Position von Gromyko in Bonn, die absolut keine Bewegung in ihrer Einstellung anzeigte, wieder unter Kontrolle gebracht werden konnte.
FRAGE:

Wurde Ihnen gesagt, Sie könnten zurückgehen und andere Vorschläge

mit Ihren Gesprächspartnern ausloten?
ANTWORT:

Haben Sie eine solche Vollmacht erhalten?

Ich habe nicht nur die Vollmacht erhalten, sondern ich wurde

sogar angewiesen, herauszufinden, ob es in der sowjetischen Einstellung irgendeine Möglichkeit für einen größeren Wandel gibt.
FRAGE:

Dies umfaßt auch Änderungen über "Null-Null" hinaus und Änderun-

gen anderer Art?
ANTWORT:

Ich habe die Vollmacht, Sondierungen anzustellen.
FRAGE:
- 9 -

Haben

�FRAGE:

Haben Sie bei ihrer Rückkehr nach Genf den Eindruck, über die nö-

tige Flexibilität zu verfügen, um zu einem Abkommen mit den Sowjets zu gelangen?
ANTWORT:

Derer bedarf ich eigentlich gar nicht.

Es sind nur die ameri-

kanische und die sowjetische Regierung, die "überhaupt zu einem Abkommen gelangen werden.

Ich habe die notwendige Ermächtigung, mit meinem sowjetischen Ge-

sprächspartner herauszufinden, wo

die sowjetische Position noch etwas mehr ge-

ben kann.
FRAGE:
verbunden.

Wie Botschafter Rowny sagte, ist dies unentwirrbar miteinander
Ist die Lage so, daß entweder Sie Erfolg haben und Rowny ebenfalls

oder daß beide scheitern werden?
ANTWORT: Offen gesagt, ich glaube, die Zeit drängt wirklich bei meinen
Verhandlungen. Ich glaube, es ist notwendig, daß wir zunächst zu einem erfolgreichen Ende kommen.
FRAGE:
ANTWORT:
FRAGE:
ANTWORT:
FRAGE:

Wann werden Ihre Verhandlungen wieder aufgenommen?
Am 27. Januar.
Gilt das gleiche für START?
Nein, am 2. Februar.
Haben Sie die Ermächtigung, etwas weniger als "Null-Null" anzu-

bieten?
ANTWORT:

Ich bin nicht ermächtigt, etwas anzubieten.

Ich bin ermächtigt,

zu sondieren.
FRAGE:

Gibt es Überlegungen bezüglich separater Verhandlungen über die

Verringerung der Marschflugkörper?

Wie Sie wissen, sagte Rostow, wenn sie

disloziert würden, wäre der Skorpion aus der Flasche - und wir dislozieren sie
jetzt.
ANTWORT:

Ich erinnere mich nicht an eine solche Bemerkung von Rostow.
FRAGE:
- 10 -

Er

�FRAGE:

Er sagte das bei seiner Anhörung, als er bestätigt wurde.

ANTWORT:

Ach so.

Ich wußte das nicht.

Jedenfalls ist die Frage der

Marschflugkörper ein Thema, um das es sowohl bei den INF-Verhandlungen als
auch den START-Verhandlungen geht, denn die sowjetische Seite hat in beiden
Verhandlungen Vorschläge unterbreitet, um die Marschflugkörper und die unterseebootgestützten Marschflugkörper zu begrenzen.
FRAGE:

Sehen Sie bei Ihren Verhandlungen irgendwelche substantiellen

Fortschritte vor den Wahlen in der Bundesrepublik Deutschland?
ANTWORT:
FRAGE:

Ich hoffe darauf.
Sie sprechen über ein Nachgeben bei der sowjetischen Position.

Ist ein solches auch bei der amerikanischen Position vorhanden?
ANTWORT:
tun.

Das wird es geben, wenn die Sowjets einen Schritt nach vorn

Moment, lassen Sie mich das ändern.

Ich möchte lieber vorn anfangen.

Die Anweisung des Präsidenten an mich lautet, ernsthaft zu verhandeln,und er
hat dies vor 14 Monaten bei Beginn dieser Verhandlungen deutlich gemacht.

Aber

für ein ernsthaftes Verhandeln ist ein Nachgeben auf sowjetischer Seite erforderlich.

Und wenn die sowjetische Seite etwas gibt, dann bin ich sicher, daß

wir jeden ernsten Vorschlag ihrerseits auch ernsthaft abwägen werden.
FRAGE:

Wir sind also nicht völlig in dieser "Null-Null"-Position fest-

gefahren?
ANTWORT:

Ich möchte diese Frage nicht beantworten.

+ + + + +

- 11 -

�26. Januar 1983

PRIVATE UND ÖFFENTLICHE HILFSAKTIONEN FÜR DIE ARBEITSLOSEN IN DETROIT
- Von unserem Korrespondenten Neal Shine -

DETROIT - (AD) - Die Zeiten sind gegenwärtig nicht gut für die Wirtschaft des Staates Michigan und die vielen Arbeiter, die vor allem in Detroit
ihren Arbeitsplatz verloren haben.
hungriger Geist.

Die Arbeitslosigkeit geht um wie ein

In Amerikas Autometropole haben Suppenküchen ihre Tätigkeit

aufgenommen - und das hat begreiflicherweise internationale Aufmerksamkeit
erregt.

So blieb es nicht aus, daß auch ein Fernsehteam aus der Bundesrepublik

- für das AuslandsJournal im ZDF - über die bedauerliche Lage der Arbeitslosen
berichtete.

Auf eine freie Mahlzeit im Kapuzinerkloster im Osten von Detroit

wartend, machten befragte Arbeitslose kein Hehl aus ihrer Situation.

Als sie

hörten, daß Kollegen in Deutschland für sie sammeln und ihnen helfen wollten,
begrüßten sie dankbar dieses Zeichen der Solidarität, aber sie ließen auch
keinen Zweifel, daß praktische Nächstenliebe und Selbsthilfe in Amerika etwas
Selbstverständliches sind.
Die befragten Arbeitslosen in Detroit waren nur eine kleine Gruppe der
insgesamt rund 760 000 Arbeitslosen im Staate Michigan, wo die Arbeitslosenrate 17,6 Prozent erreicht hat - gegenüber einem Durchschnitt von immerhin

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
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�von immerhin auch 10,8 Prozent in ganz Amerika.

Im Jahr 1982 hatte die Auto-

mobilindustrie, das wirtschaftliche Rückgrat in Detroit und im Staate Michigan,
die schlechtesten Absätze in 21 Jahren.

Das Defizit im Staatshaushalt

Michigan nähert sich einer Milliarde Dollar.

von

Die Besitzer des bekannten

Renaissance Center - ein gewaltiger Büro- und Hotel ItompT ex im Zentrum von
Detroit - können ihre Hypothek von 200 Millionen Dollar nicht mehr bezahlen.
Solche wirtschaftlichen Schwierigkeiten bringen Armut und Hunger hervor.

Es gibt sicherlich hungrige Menschen in Detroit, aber die Reaktion der

Bevölkerung dieser Stadt und des Staates Michigan war einmalig:

"Man hilft

einander".
Schon vor Weihnachten machte sich angesichts dieser prekären wirtschaftlichen Lage und des anbrechenden Winters der Bürgermeister von Detroit,
Coleman A. Young, Sorgen und rief einen, wie er es nannte "Hunger-Notstand"
aus. Er gab bekannt, daß die Stadt eine Reihe von Verpflegungsstationen in
verschiedenen Teilen der Stadt einrichten werde. Er ersuchte das amerikanische
Landwirtschaftsministerium um größere Zuteilungen aus Oberschußbeständen und
um die Erlaubnis, die Nahrungsmittel direkt über städtische Einrichtungen an
Bedürftige zu verteilen. Er startete eine Sammelaktion für Geld und Lebensmittel, um die Verpflegungsstationen zu unterstützen. Er forderte die Bediensteten der Stadt auf, unverderbliche Lebensmittel zu spenden; er veranlaßte den Stadtrat zur Bewilligung von Notstandsmitteln zur Behebung der Krise
und zu einer Verordnung, die die Sperrung von Gas und Strom während des Winters untersagt.
"Detroit steht vor einem Krisenwinter", so sagte der Bürgermeister.
"Für viele Tausende unserer Bürger werden die nächsten 100 Tage eine Zeit
des Hungers und der bitteren Kälte werden.

Es ist die Aufgabe der Behörden

und die Verantwortung einer engagierten Bürgerschaft, dafür zu sorgen, daß
keiner verhungert und keiner erfriert."
Die Reaktion

- 2 -

�Die Reaktion auf den Appell des Bürgermeisters war spontan.

Der

Gouverneur des Staates Michigan rief einen "menschlichen Notstand" aus und
stellte eine Million Dollar an staatlichen Mitteln zur Unterstützung von
Gemeinden im Kampf gegen Hunger und Obdachlosigkeit

bereit.

Er stellte

Gebäude und Geräte der Nationalgarde für die Lagerung und Verteilung von
Lebensmitteln zur Verfügung.

Das amerikanische Landwirtschaftsministerium

lieferte mehr Lebensmittel aller Art für die Verpflegungsstationen in Detroit,
darunter allein eine Million Pfund Trockenmilch.

Ein Sprecher des Ministeriums

erklärte, die Stadt werde so viel Trockenmilch bekommen, wie man brauche und
verteilen könne.
Die Bevölkerung von Detroit schloß sich auch zur Selbsthilfe zusammen.
Wo Not am Mann war, waren auch Menschen, um diese Not zu lindern.

Der Gouver-

neur wies darauf hin, daß im Staate Michigan zwar über 700 000 Menschen arbeitslos seien, daß aber auch über 3,5 Millionen einen Arbeitsplatz hätten.
"Es ist die Verantwortung jener von uns, die einen Arbeitsplatz haben, dafür
zu sorgen, daß diejenigen, die arbeitslos sind, auch weiterhin Nahrung und
Unterkunft haben", so erklärte Gouverneur William Milliken.
Die Bevölkerung von Michigan und Detroit nahm diese Verantwortung ernst.
Die Menschen, deren Können Detroit zu der Stadt gemacht hat, die die Welt
auf Räder stellte, waren entschlossen, dafür zu sorgen, daß ein wirtschaftlicher Rückschlag das Ansehen der Stadt nicht schädigt, die sie lieben.
Der Bürgermeister richtete einen Nothilfe-Fonds ein und leistete den
ersten Beitrag von 18 000 Dollar aus seinem politischen Aktionsfonds. Drei
große öl firmen gaben bekannt, daß sie ein Konsortium gebildet hätten, um
Heizöl für jene zur Verfügung zu stellen, die sonst in diesem Winter kalt gesessen hätten. Die Bürger standen ihrem Bürgermeister nicht nach und brachten
in kleinen und großen Beträgen in Kürze weitere 18 000 Dollar für den Fonds
auf. Der Bürgermeister konnte bald nach seinem Aufruf bekanntgeben, daß
Bürger und Geschäftsleute der Stadt über 100 000 Pfund Lebensmittel gespendet hatten.
Draußen auf
- 3 -

�Draußen auf dem Lande - mit gutem Ackerboden - wurden die Farmer des
Staates Michigan aktiv, um den Menschen in einer Stadt zu helfen, die manche

von ihnen noch nie besucht hatten.

Auf den Autostraßen rollten bald

Kartoffeln, Karotten, Bohnen, Zwiebeln, Kraut, Rote Rüben, Rettiche und Eier
tonnenweise nach Detroit.

"Du

mußt Deinem Mitmenschen helfen", so sagte

ein Farmer in dem kleinen Ort Breckenridge zu dem Reporter einer Detroiter
Zeitung.

Während Freiwillige die Laster mit Lebensmitteln aus dem Umland

entluden, ging der Kampf gegen den Hunger weiter.
Die General Motors Corporation und die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft gaben ein gemeinsames Achtwochen-Programm bekannt, um 8 Millionen Büchsen Lebensmittel für die Bedürftigen nicht nur in Detroit, sondern auch in 72 anderen Städten der Vereinigten Staaten aufzubringen.

General

Motors stellte zwei Millionen Dollar bereit, um Spenden der Arbeiter um den
gleichen Beitrag zu erhöhen.
Zur gleichen Zeit startete der Automobilclub von Michigan (AAA) eine
Kampagne mit dem Ziel, pro Monat fünf Millionen Pfund Nahrungsmittel für Bedürftige zu sammeln. Als Bürgermeister Young in Detroit auf einer Pressekonferenz die Sammelaktion des AAA bekanntgab, suchte er gleichzeitig freiwillige Helfer, um die Lastwagen mit Lebensmitteln zu entladen, die rascher
eintrafen, als sie entladen werden konnten.
Oberall in Detroit erfuhren Menschen die Freude des Schenkens. Die
Stellen und Organisationen, die zur Behebung des Notstandes gebildet wurden,
erlebten eine "Lawine" von Hilfsbereitschaft. Was sich in dieser Stadt, auf
den Farmen und in Fabriken und Büros abspielte, war einfach, daß die Menschen
in Detroit und im Staate Michigan, die dazu in der Lage waren, für ihre Mitmenschen sorgten, die sich nicht helfen konnten. Man steht in schlechten
Zeiten zusammen in der Gewißheit, daß sie vorbeigehen werden. Bis dahin wird
weiter gesorgt. Das ist typisch für eine Stadt wie Detroit.
+ + + + +

- 4 -

�T

Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26. Januar 1983

STARTPROGRAMM DER NASA FÜR 1983
Nachrichtensatelliten stellen Hauptanteil -

- (A) - Wie schon in den letzten paar Jahren werden auch 1983 Nachrichtensatelliten, von denen 16 auf Erdumlaufbahnen gebracht werden sollen, den größten
Anteil am Startprogramm des amerikanischen Bundesamtes für Luft- und Raumfahrt
(NASA) haben. Allerdings macht den herkömmlichen Trägerraketen vom Typ DELTA,
ATLAS-CENTAUR und ATLAS E, die nur einmal verwendet werden können, die Raumfähre zunehmend Konkurrenz.
Im Jahr 1983 sind fünf Flüge des Raumtransporters vorgesehen.

Bei drei

dieser Missionen werden allein fünf der 16 Nachrichtensatelliten in der Umlaufbahn der Raumfähre (ca. 300 km über der Erdoberfläche) abgesetzt, um von dort
aus ihren Standort auf der erdfernen 36 000-k.m-Bahn zu erreichen.

Für zwei der

Satelliten, nämlich die beim Start fast 18 Tonnen schweren TDRS-Geräte der NASA,
gibt es derzeit gar keine andere Transportmöglichkeit, um sie in den sog. geos-tationären Orbit zu bringen.
Der ursprünglich für Ende Januar vorgesehene Jungfernflug von CHALLENGER,
der zweiten Raumfähre der USA, ist wegen eines Treibstofflecks vorläufig auf
Ende Februar verschoben.

Im Motorraum hinter der Ladebucht wurde bei einem

Probelauf der drei Haupttriebwerke Wasserstoffgas festgestellt, jedoch ist die
Quelle noch nicht sicher ermittelt.

Diese Panne bedeutet vermutlich auch eine

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�auch eine geringfügige Verzögerung der für April und Ende Juni/Anfang Juli
geplanten nächsten CHALLENGER-Einsätze (STS-7 und STS-8).

Beim kommenden

Flug STS-6 wird das bereits bei der STS-5-Mission im November 1982 vorgesehene
Außenbordmanöver nachgeholt.

Story Musgrave, ein Arzt, und Donald Peterson,

ein Ingenieur für Nukleartechnik, sollen den Ausstieg unternehmen.
Die wichtigsten Nutzlasten beim Flug STS-7 sind neben zwei Nachrichtensatelliten (ANIK C für Telesat Canada und PALAPA B für Indonesien) die Gerätepalette OSTA-1 für Werkstoffversuche der NASA und SPAS-01 aus der Bundesrepublik.
SPAS, Abkürzung für "Shuttle Pallet Satellite", ist der 1700 Kg schwere Prototyp einer ganz neuen Gruppe von Satelliten.

Sie dienen als Plattform für

Apparaturen, beispielsweise Werkstoff- und prozeßtechnische Versuchsausrüstungen,
können aber ebensogut als Träger für wissenschaftliche Instrumente, etwa zur
astronomischen Forschung oder zur Fernerkundung der Erde, verwendet werden.
SPAS kann nach dem Absetzen in der Orbiter-Bahn selbständig operieren.

Nach

gewisser Zeit wird der Satellit wieder an Bord der Raumfähre geholt und zur
Erde zurückgebracht.

Beim ersten Weltraumflug von SPAS während des Unter-

nehmens STS-7 wird die amerikanische Wissenschaftsastronautin Sally K. Ride
zusammen mit ihrem Kollegen John Fabian den deutschen Satelliten betreuen.
Neben dem zweiten NASA-Satelliten vom Typ TDRS hat CHALLENGER beim
Flug STS-8 auch einen Nachrichten- und Wetterbeobachtungssatelliten für Indien
(INSAT B) an Bord. STS-9 (Starttermin 30. September mit der inzwischen umgebauten Raumfähre COLUMBIA) wird vor allem der Erprobung von SPACELAB gewidmet
sein. Dieses Vielzwecklabor für den Weltraum, eine aus Bremen kommende
Konstruktion europäischer Wissenschaftler, wird an Bord der COLUMBIA von dem
deutschen Physiker Dr. Ulf Merbold und dem amerikanischen Bioingenieur
Dr. B. Lichtenberg betreut. Ende November oder Anfang Dezember startet noch
einmal CHALLENGER zum Unternehmen STS-10 mit Nutzlasten des US-Verteidigungsministeriums.
Bei einer Anzahl

�Bei einer Anzahl von kommerziellen Nachrichtensatelliten, die 1983 mit
herkömmlichen Trägerraketen gestartet werden (z.B. INTELSAT V und SATCOM G
im März, GALAXYA und B im Juni und September, TELSTAR 3A im Juli), handelt es
sich um Geräte, die bereits in Serie gefertigt werden.

Eine Tochterfirma der

Hughes Aircraft Company (Kalifornien) wird die in der Unternehmensgruppe gebauten GALAXY-flachrichtensatelliten auch betreiben und u.a. Kanäle für Kabelfernsehen, an Zeitungen und andere Abnehmer vermieten.
Die beiden neuen Wetterbeobachtungssatelliten des US-Amtes für Meeresund Atmosphärenforschung (NOAA), die im März und August gestartet werden,
sind mit speziellen Transpondern zur Aufnahme und Weiterleitung von Notsignalen
verunglückter Flugzeuge und Schiffe ausgerüstet.

Dies ist ein Beitrag der

Vereinigten Staaten zu dem internationalen Unternehmen SARSAT (Abkürzung für
"Search-and-Rescue Satellite-Aided Tracking System" - satellitengestütztes
Such- und Rettungssystem), das die Ortung der Unglücksstelle und die Rettung
überlebender erleichtern soll.

Ein weiterer NOAA-Satellit wird im April auf

eine geostationäre Bahn gebracht.

Dieses Gerät soll sowohl großräumige Wetter-

beobachtungen als auch das Aufspüren von Veränderungen ermöglichen, die durch
Umweltbelastungen hervorgerufen werden.
Der Satellit SAN MARCO-D, ein italienisch-amerikanisches Gemeinschaftsprojekt, dient der weiteren Erforschung der Atmosphäre.

Besondere Bedeutung

für astronomische Forschungen innerhalb und außerhalb
und Milchstraßensystems dürfte jedoch IRAS erlangen.

unseres SonnenDieser von Wissenschaftlern

der USA, Großbritanniens und der Niederlanden gemeinsam entwickelte Satellit
erfaßt die Wärmestrahlung von Himmelsobjekten im infraroten Spektralbereich
zwischen 8,5 und 119 Mikron (1 Mikron = 1/1000 Millimeter).

Herzstück des mit

Sonnenenergie betriebenen Forschungssatelliten ist ein kompliziertes Teleskop,
das allein mehr als 800 kg des Gesamtgewichts von fast 1100 kg beansprucht.
Um auch die schwächsten Quellen von Infrarotstrahlung ausmachen zu können, muß
die Eigenwärme der Detektoren praktisch ausgeschaltet sein.
Sie arbeiten bei Temperaturen von nur zwei Grad über dem absoluten Nullpunkt

- 3 -

�absoluten Nullpunkt (2° Kelvin). Die Kühlung wird mit flüssigem Helium
erreicht. IRAS wird auf eine polare Umlaufbahn gebracht, die den Satelliten
immer an der Grenze zwischen der Tag- und Nachtseite der Erde entlangführt.
Niemals darf die empfindliche Optik dem direkten Sonnenlicht, ja nicht einmal
der im Sonnenlicht leuchtenden Erde oder dem Mondlicht ausgesetzt werden.
Dennoch müssen die Solarzellenplatten genügend Licht bekommen, um die Bordbatterien immer wieder aufzuladen.
Wegen seiner hohen Empfindlichkeit, die sehr viel größer ist als die
bisheriger Infrarot-Forschungssatelliten, könnte IRAS z.B. zur Entdeckung von
weiteren Kleinstplaneten (Asteroiden) in unserem Sonnensystem beitragen. Vor
allem interessieren die Wissenschaftler aber "Signale" aus fernen kosmischen
Bereichen, die Hinweise auf Vorgänge bei der Entstehung und beim Verlöschen
von Sternen geben. Bestimmte Objekte wie Quasare ("quasistellare Radioquellen"
sind z.B. sehr starke Quellen von infraroter Strahlung. Aber auch bisher in
keinem anderen Teil des Spektrums erfaßte, also "unsichtbare" Objekte, senden
eine - wenn auch minimale - Wärmestrahlung aus. IRAS könnte von ihrer Existenz
Kunde geben. Als Betriebsdauer sind sieben Monate vorgesehen.

+ + +

�</text>
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