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                  <text>19. Januar 1983
INHALT
DOKUMENTATION
Reagan: Echter Fortschritt bei den Abrüstungsverhandlungen möglich
- Pressekonferenz des Präsidenten - (Auszüge)
Erklärung Reagans zum 300. Gedenkjahr deutscher Einwanderung
US-Gesandter gedenkt der Ursprünge der deutsch-amerikanischen Freundschaft
- 300 Jahre deutsche Einwanderung in die Vereinigten Staaten INFORMATION
Präsident Reagan ernennt neue Abrüstungsexperten
- Erklärung des US-Präsidenten Margaret Heckler soll neue Gesundheitsministerin der USA werden
HINTERGRUNDMATERIAL
US-Chefdelegierter Rowny nimmt zu den START-Verhandlungen Stellung
- Interview mit unserer Korrespondentin Marie Koenig Sowjetischer Reaktor-Satellit auf Absturzbahn
- Amerikanische Suchtrupps für radioaktive Trümmer einsatzbereit WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erdgas und Erdöl vom äußeren Kontinental socke!
- Vereinfachte Pachtbedingungen für die Wirtschaft Neue Vorschläge zur Produktion synthetischer Brennstoffe

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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III M

Dokumentation

•TTT3T

United States Information Service
Embassy of the United States of America

19. Januar 1983

REAGAN: ECHTER FORTSCHRITT BEI DEN ABRÜSTUNGSVERHANDLUNGEN MÖGLICH
- Pressekonferenz des Präsidenten (Auszüge)

WASHINGTON - (AD) - Auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz
unterstrich Präsident Ronald Reagan am 14. Januar 1983 im Weißen Haus die Bereitschaft der Vereinigten Staaten, so lange am Verhandlungstisch zu bleiben,
wie es überhaupt noch irgendeine Chance auf ein Abkommen über Kernwaffen mit
der Sowjetunion gebe.
Die wesentlichen Auszüge aus der Pressekonferenz haben folgenden Wortlaut:
DER PRÄSIDENT:

Meine Damen und Herren, bevor ich auf Ihre Fragen ant-

worten möchte, würde ich gern ein paar Gedanken zum Thema Rüstungskontrolle
zum Ausdruck bringen, die für mich von größter Bedeutung sind.

Es handelt

sich einmal darum, was wir tun müssen, bevor wir überhaupt einen Erfolg erzielen können, und zum anderen darum, welche Prinzipien uns bei unserer Verhandlungsstrategie leiten sollten.
Zwei Faktoren

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Telex: 8-85432

�Zwei Faktoren scheinen mir für einen Erfolg bei den Rüstungskontroi 1verhandlungen entscheidend zu sein:

Einfluß und Entschlossenheit.

Was den

Einfluß anbelangt, so ist ja deutlich, daß bei meinem Amtsantritt praktisch
keine Hoffnung darauf bestand, daß die Sowjets ernsthaft um echte Verringerungen bemüht sein würden.
Schließlich hatten sie ja alle Trümpfe in der Hand.
lang keine neue Rakete entwickelt.

Wir hatten 15 Jahre

Im gleichen Zeitraum haben wir auch kein

neues Unterseeboot gebaut,obwohl sie ihrerseits mehr als 60 gebaut hatten.
Unsere Bomber waren älter als die Piloten, die sie flogen.
Das ist heute nicht mehr der Fall.

In Zusammenarbeit mit dem Kongreß

ist es uns in den vergangenen zwei Jahren gelungen, die Bewilligung für eine
umfassende Modernisierung der Triade unserer strategischen Streitkräfte zu
erreichen - mit Ausnahme der MX, die in diesem Frühjahr noch entsprechender
Schritte des Kongresses bedarf.
•

Meiner Meinung nach befinden wir uns nunmehr in einer Lage, die uns
konkret etwas bringen wird - und ich bin entschlossen, daß dem so sein wird.
Der andere Punkt ist Entschlossenheit.

Ich habe kürzlich einige personelle

Veränderungen vorgenommen, durch die wir nunmehr eine eingespielte Mannschaft
bekommen haben, die uns rasche Entscheidungen und bei den Genfer Gesprächen
entsprechende Ergebnisse bringen wird.
Noch etwas zu meiner Strategie hinsichtlich Rüstungskontrolle.

Wenn

man auf die letzten 15 Jahre Verhandlungen zurückblickt, so ergeben sich meiner Meinung nach bestimmte Tatsachen.
anderes wieder nicht.

Genauer:

Kurz:

Manches hat funktioniert und

Manche Leute haben vorgeschlagen, wir soll-

ten es mit einseitiger Abrüstung versuchen, sollten unsere eigenen Systeme beschneiden, ohne dafür von der anderen Seite etwas zu bekommen - in der Hoffnung, daß unser Beispiel die Sowjets zu gleichen Schritten bewegen würde.
Dieser Weg wurde mehrmals beschritten.

So beschloß etwa Präsident Carter,

auf den B-1-Bomber zu verzichten - vielleicht in der Erwartung, daß die
Sowjets auch

ihre Bomber-Porgramme beschneiden würden.

Es funktionierte

�Es funktionierte nicht.

Anstatt zurückzuschrauben, machten die Sowjets

ständig mit dem Backfire und anderen modernsten Bombern weiter.
Andererseits klappte auch manches.

Die meisten von Ihnen werden sich

daran erinnern, daß Präsident Johnson Ende der sechziger Jahre sich intensiv
darum bemühte, die Sowjets zu Gesprächen über Raketen-Raketenabwehr-Systeme
(ABM) zu bewegen.

Damals hatten wir keine Pläne über eine Dislozierung,

kurz, keine Einflußmöglichkeiten.

Die Sowjets lehnten Verhandlungen ab.

Dann aber beschlossen die Vereinigten Staaten, ihre ABM-Pläne voranzutreiben - und Sie kennen den Rest der Geschichte. Als deutlich wurde, daß
wir mit der Dislozierung beginnen würden, kamen die Sowjets an den Verhandlungstisch,und wir erhielten einen Vertrag, der auch heute noch gültig ist.
Die Lehre daraus ist, daß sie verhandeln werden, wenn es einen Anreiz
gibt, und heute gibt es einen solchen Anreiz - und ich bin überzeugt, daß
wir echte Fortschritte erzielen können.
Dessen eingedenk hatte ich gestern ein intensives Gespräch über die
Rüstungskontrolle mit einigen meiner Berater für diesen Bereich. Nächste
Woche werde ich die Botschafter Ed Rowny und Paul Nitze treffen. Ich bin
überzeugt, daß wir mit Entschlossenheit zu einem Erfolg kommen können. Angesichts unserer Verpflichtung zur Sicherheit Europas und zum Frieden und zum
Zweck der engstmöglichen Koordinierung mit unseren europäischen Verbündeten
auf dem Gebiet der Rüstungsverminderung und der Abschreckung habe ich Vizepräsident Bush gebeten, zu Gesprächen mit unseren europäischen Partnern nach
Europa zu fliegen.
Er wird dort den Papst, Premierministerin Thatcher, Bundeskanzler Kohl,
Präsident Mitterrand, Ministerpräsident Fanfani, Ministerpräsident Martens
und Ministerpräsident Lubbers treffen - desgleichen unsere Verhandlungsteams
in Genf.
Möge es

�Möge es keinen Zweifel darüber geben: Wir sind bereit.

Wir werden je-

den ernsthaften Vorschlag in Erwägung ziehen,und wir haben die Entschlossenheit, bei diesem bedeutsamsten Unternehmen unserer Generation zu einem Erfolg
zu kommen.
Nun zu Ihren Fragen.
FRAGE:

Sind Sie der Ansicht, es wäre gut, zunächst einmal ein Gipfel-

treffen mit Andropow zu haben, um das zu klären, was sie jetzt wirklich vorschlagen und was all diese neuen Vorschläge bedeuten?

Sind Sie für ein solches

Gipfeltreffen bereit?
ANTWORT:

Nein, ich glaube, da die Gespräche Anfang Februar beginnen

sollen und Rowny und Nitze sich

hierauf vorbereitet haben, so sollten diese

Gespräche zunächst auch stattfinden.

Dann können wir sehen, wohin sie uns

führen - oder ob die Notwendigkeit für solch ein Treffen besteht.
FRAGE:

Es besteht der Eindruck, hier im Weißen Haus herrsche Verwir-

rung, daß Sie von Ihrem Stab und von Freunden auf dem Kapitol gedrängt werden
mußten, realistische Entscheidungen beim Haushalt zu treffen.

Es gab sogar

einen Zeitungsartikel, der von einem Fehlschlag Ihrer Präsidentschaft sprach.
Möchten Sie zu diesem Vorwurf etwas sagen?
ANTWORT:

Ja.

Das war auch der Grund, warum wir hier sind - um Ihnen

nämlich genau zu sagen, wo die Verwirrung liegt.

Sie liegt in solchen Ge-

schichten, die die Runde machen, denn sie gründen sich nicht auf Tatsachen.
Vielleicht sollten Sie, wenn Sie Informationen aus ungenannter Quelle erhalten,
sich an uns hier im Weißen Haus wenden - wir wären gern bereit, Ihnen zu sagen, ob diese Informationen korrekt sind oder nicht.
FRAGE: Konkret zur Arbeit Ihres Stabes, zu den Informationen, wonach
Ihre Freunde, wie etwa Senator Laxalt, Sie gewissermaßen davor zurückhalten
mußten, wirtschaftliche Planspiele zu betreiben: War es Ihre Entscheidung,
solche Kehrtwendungen zu machen, wie wir sie hören - in Richtung auf neue
- 4 -

�auf neue Steuern, auf eine veränderte Haltung hinsichtlich der Beschneidung
des Haushaltes und hinsichtlich Verteidigungsfragen?
ANTWORT:

Vielleicht liegt das Problem darin, daß das, was wir tun,

für Washington etwas neu ist.

Ich sagte von Anfang an, daß wir eine Regie-

rung des Kabinett-Typs haben werden - wie ich dies auch in Sacramento hatte -,
daß wir ein Kabinett haben würden, das aufgrund seiner Fähigkeit und seines
Wissens ausgesucht wurde - und nicht, weil seine Mitglieder Delegierte einer
Wahlversammlung repräsentierten oder ähnliches.

Und ich sage, daß ich für

meine Entscheidungen Rat und Ansichten aller Art leinbeziehen würde.
Das haben wir getan.

Und es hat sehr gut funktioniert.

Und es stimmt,

daß ich zu allen Themen unterschiedliche Ansichten hören möchte.

Dann aber

treffe ich die Entscheidungen.
FRAGE:
ANTWORT:

Hat Paul Nitze Ihr Vertrauen?
Ja, sicherlich.

FRAGE: Glauben Sie, daß nach Ablauf Ihrer Amtszeit - ich weiß natürlich, daß Sie es hoffen - aber glauben Sie wirklich, daß wir nach Ablauf Ihrer
Amtszeit einen Rüstungsverminderungsvertrag mit der Sowjetunion haben werden?
ANTWORT: Ich glaube, für jeden, der die rund 19 Versuche der Vereinigten
Staaten, eine Rüstungsreduzierung und -kontrolle mit der Sowjetunion zustandezubringen, kennt, wäre es unklug, Voraussagen zu machen oder in diesem Zusammenhang zeitliche Begrenzungen vorzunehmen. Ich möchte aber folgendes sagen:
Wir werden am Verhandlungstisch bleiben, solange es überhaupt eine Chance gibt,
zu einer Rüstungsverminderung zu gelangen, weil dies das wichtigste Problem
Ist, vor dem die heutige Generation steht.
FRAGE:

Würden Sie zu Berichten Stellung nehmen, die seit einigen Tagen

1m Umlauf sind, daß Sie zu irgendeiner Zeit nach den Wahlen in der Bundesrepublik Deutschland vielleicht Alternativen zu Ihrer Null-Lösung und zu den
- 5 -

�zu den START-Verhandlungen sondieren könnten?
ANTWORT: Hier geraten Sie aber in gefährlicher Weise auf ein Gebiet,
das man öffenltich nicht erörtern kann , nämlich: Was ist die Verhandlungstaktik und die Verhandlungsstrategie? Wenn man das öffentlich diskutiert,
dann gibt es keine Strategie mehr, und dann sind einem die Hände gebunden,
um überhaupt etwas zu erreichen.

- 6 -

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Kl

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

19. Januar 1983

ERKLÄRUNG REAGANS ZUM 300. GEDENKJAHR DEUTSCHER EINWANDERUNG

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 14. Januar 1983
eine gemeinsame Erklärung des amerikanischen Kongresses unterzeichnet, in
der der Zeitraum vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 1983 zum Gedenkjahr des
Beginns deutscher Siedlung in Amerika vor 300 Jahren proklamiert und die
Beiträge deutscher Einwanderer zum Aufbau der Vereinigten Staaten gewürdigt
werden. Gleichzeitig unterstrich der Präsident die Bedeutung eines intensivierten Jugendaustauschprogramms zwischen beiden Ländern.
In der vom Weißen Haus veröffentlichten Erklärung Reagans heißt es:
Ich habe heute die vom Senat initiierte gemeinsame Resolution 260 unterzeichnet. Diese Resolution bestimmt den Zeitraum vom 1. Januar 1983 bis zum
31. Dezember 1983 zum 300. Gedenkjahr deutscher Siedlung in Amerika. Diese
begrüßenswerte Initiative des Kongresses lenkt die Aufmerksamkeit in geziemender Weise auf die zahllosen wertvollen Beiträge von Millionen deutscher
Einwanderer während der letzten drei Jahrhunderte, indem des 300. Jahrestages
der ersten deutschen Siedlung in Amerika am 6. Oktober 1683 in Germantown,
Pennsylvania, gedacht wird.
Die Resolution

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�Die Resolution bringt auch die energische Unterstützung des Kongresses
für ein wichtiges Programm zum Ausdruck, das vom US-Informationsamt (USIA)
durchgeführt wird, nämlich die Jugendaustauschinitiative des Präsidenten.
Ich unterstütze diese Bemühungen mit allem Nachdruck und danke dem Kongreß
für seine Rolle bei der Förderung des deutsch-amerikanischen Jugendaustausches
zusammen mit dem Deutschen Bundestag.
Ich danke dem Kongreß ferner dafür, daß er in die Resolution Bestimmungen für die Einsetzung einer Kommission des Präsidenten für die deutschamerikanischen Drei hundertjahrfeiern aufgenommen hat. In diesem einzigartigen
Gremium finden sich Vertreter aller drei Zweige der Bundesregierung sowie
des privaten Sektors zusammen, um die Feierlichkeiten anläßlich dieses historischen Ereignisses zu planen, zu fördern, zu entwickeln und zu koordinieren
und die Bedeutung der Beziehungen der Vereinigten Staaten zur Bundesrepublik
Deutschland herauszustellen. Ich freue mich, an diesen Aktivitäten teilnehmen
zu können.
Daß der Kongreß den Justizminister für diese Kommission benannt hat,
ist besonders begrüßenswert, insbesondere angesichts seiner deutschen Abstammung, und ich finde es überaus löblich, daß er bereit ist, in beratender
Funktion daran teilzunehmen.

+ + + + +

�19. Januar 1983

US-GESANDTER GEDENKT DER URSPRÜNGE DER DEUTSCH-AMERIKANISCHEN
FREUNDSCHAFT
- 300 Jahre deutsche Einwanderung in die Vereinigten Staaten •

BONN - (AD) - Der Ursprünge der deutsch-amerikanischen Freundschaft
sowie des hohen Wertes und der Verteidigungswürdigkeit der Demokratie und
der Menschenrechte gedachte der Botschaftsrat für öffentliche Angelegenheiten an der amerikanischen Botschaft in Bonn, der Gesandte Hans N. Tuch, bei
der Eröffnung der Ausstellung "Germans to America - 300 Years of Immigration
1683 - 1983" in der IFA-Galerie am 13. Januar 1983 in Bonn.

Er erinnerte in

einer kurzen Ansprache daran, daß die 13 Mennoniten-Familien aus Krefeld, die
vor 300 Jahren als erste Deutsche in das Gebiet der heutigen Vereinigten
Staaten einwanderten auf der Suche nach der Freiheit und einer neuen Existenz
waren, während heute jene, die immer in Freiheit leben können,oft nicht zu
wissen scheinen, was diese eigentlich bedeutet.

Die Erinnerung an die ersten

Einwanderer sollte ein Ansporn sein, noch mehr zur Vertiefung des Verständnisses zwischen dem deutschen und amerikanischen Volk zu tun.

Aus diesem

Grunde wollen beide Länder den Jugendaustausch erheblich intensivieren.
Die Ansprache des Gesandten Tuch hat folgenden Wortlaut:
Meine sehr

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Meine sehr verehrten Damen und Herren,
ich freue mich, daß Sie mich eingeladen haben, an der Eröffnung dieser
Ausstellung teilzunehmen.

Es ist für mich eine große Ehre - nicht nur, weil

ich hier als Vertreter von Botschafter Burns und der Vereinigten Staaten stehe,
sondern auch deshalb, weil ich mich selbst als Nachfolger jener frühen Einwanderer fühle.

Ich bin geborener Berliner und kam als Kind in den dreißger

Jahren nach den Vereinigten Staaten, wo man mich herzlich aufgenommen hat.
Heute schätze ich mich glücklich, mein Aufnahmeland in meinem Geburtsland,
inzwischen insgesamt 12 Jahre lang, vertreten zu haben.
Im Oktober 1683 warf ein vom Sturm geschütteltes kleines Schiff, die
CONCORD, mit einer Handvoll neuer Siedler an Bord, vor Philadelphia Anker:
13 Mennoniten-Familien, die in der Neuen Welt Religionsfreiheit und einen
neuen Anfang suchten.

Sie fühlten sich angezogen von dem, was Thomas Paine

in seinem Werk "Common Sense" Amerikas einmalige Bestimmung genannt hat:
"Die Flüchtlinge dieser Welt aufzunehmen, und der Menschheit rechtzeitig ein
Asyl zu bereiten".

Die Vereinigten Staaten sind heute wie in der Vergangen-

heit ein sicherer Hort für alle, die unter der Verfolgung eines totalitären
Regimes leiden.

So wie die ersten Krefelder, die sich durch die extrem schwie-

rige Fahrt mit dem Segelschiff nicht entmutigen ließen, so streben auch die
"Boat People", die Flüchtlinge aus Haiti, Kuba und Vietnam, trotz der Gefahren des Meeres nach Freiheit und einer gesicherten wirtschaftlichen Existenz.
Die entschlossenen Siedler aus Krefeld setzten Wirkungskräfte in Bewegung, die Geschichte und Leben Amerikas verändern sollten. Das Rinnsal
der Einwanderer wurde zum Fluß und schwoll gegen Ende des 19. Jahrhunderts
zu einem mächtigen Strom an. Heute kann mindestens etwa jeder vierte Amerikaner
seine Herkunft auf deutschsprachige Einwanderer zurückführen. Der Einfluß
deutschen Denkens und deutscher Kultur auf den "American Way of Life", den
amerikanischen Lebensstil, ist weit größer noch als solche Statistiken für
sich allein vermuten lassen.
Zwei Abkömmlinge
- 2 -

�Zwei Abkömmlinge deutscher Einwanderer aus der Kolonial zeit - Hoover
und Eisenhower - zogen in das Weiße Haus ein.

Unsere Geschichtsbücher in

allen nur möglichen Bereichen sind voll mit Namen von Amerikanern deutscher
Herkunft:

Johann Peter Zenger, der als Vater der Pressefreiheit gilt; der

Kriegsheld Friedrich Wilhelm von Steuben; der Politiker Carl Schurz; Albert
Einstein; Wernher von Braun; Henry Kissinger; John Steinbeck; Edgar Allan
Poe; Walter Damrosch; Bruno Walter; Marlene Dietrich; John Jacob Astor;
Walter Chrysler; Walter Reuther und John D. Rockefeller.

(Interessanter-

und auch angemessenerweise ist der erste nicht-amerikanische Astronaut, der
von Kap Kennedy aus auf eine Erdumlaufbahn gebracht werden soll, ebenfalls
ein Deutscher).
Die Liste ließe sich beliebig erweitern, denn mit den eben angeführten
Persönlichkeiten kamen Millionen von Bauern, Arbeitern, Handwerkern und
Künstlern,die alle mithalfen, auf amerikanischem Boden eine starke und dynamische demokratische Gesellschaft zu gründen. Sie alle weihten der neuen
Heimat ihr Hirn und Herz, ihre Talente und ihre Tatkraft und vor allem ihre
Loyalität, hielten aber dennoch an der Liebe zu dem Land fest, das sie hinter
sich gelassen hatten.
Die verwandtschaftlichen und freundschaftlichen Bande zwischen Amerika
und Deutschland wurden im Ersten Weltkrieg schweren Belastungsproben ausgesetzt und im Zweiten Weltkrieg nahezu gänzlich ausgelöscht. Aber bald schon
blühte wieder "neues Leben aus den Ruinen", auch in den Beziehungen zwischen
Deutschen und Amerikanern. Nur ein Jahr, nach dem der Alptraum zu Ende gegangen war, wurde dieser schwergeprüften Nation der Weg zur Rückkehr in die
Völkerfamilie geöffnet. Der Marshall-Plan brachte die materielle und geistige
Hilfe, die Deutschland brauchte, um sich selbst helfen zu können. Und in
den heroischen Tagen der Berliner Luftbrücke, da gelangten die einstigen Gegner zu der Erkenntnis, daß sie die Liebe zur Freiheit - und den Willen zu deren Verteidigung - teilen.
Heute sind unsere beiden Völker als souveräne und gleichberechtigte
Mitglieder des atlantischen Bündnisses miteinander in einer engen und geachteten
- 3 -

�und geachteten Partnerschaft verbunden, die sich auf unsere gemeinsamen
Wertvorstellungen stützt:

die Verpflichtung auf die Demokratie und den Glau-

ben an sie; die Achtung vor der Freiheit des einzelnen; die Anerkennung der
Menschenrechte und das Eintreten für die Herrschaft des Rechts. Man braucht
sich nur in der Welt umzusehen, um festzustellen, wie selten die Freiheiten
sind, derer sich unsere beiden Völker erfreuen.

Es berührt mich, der ich

selbst in der Sowjetunion und in anderen osteuropäischen Staaten mehrere
Jahre gelebt habe, immer wieder seltsam, daß jene, die Freihe4t am
meisten schätzen, die ihrer ermangeln; während die, die niemals ohne Freiheit leben mußten, nicht zu wissen scheinen, was sie eigentlich bedeutet.
Man braucht sich nur etwas mit der Geschichte zu befassen, um zu begreifen,
wie schwer diese Wertvorstellungen zu verwirklichen und wie leicht sie zu
verlieren sind.

Sie sind es wert, gewahrt zu werden, und sie sind es wert,

verteidigt zu werden.
Ein erheblicher Prozentsatz des Volkes - besonders der jüngeren Bevölkerung - in unseren beiden Ländern hat keine Erinnerung an die Schrecken
und das fürchterliche Erbe des Zweiten Weltkrieges.

Sie haben nur ein unzu-

reichendes Bewußtsein von zeitgenössischer Geschichte.

Die Kultur, die

geistigen Impulse und die Geschichte des anderen Landes sind ihnen weitgehend unbekannt.

Sie stellen deshalb die engen Bande zwischen unseren bei-

den Völkern in Frage und unterwerfen sie mancher Belastungsprobe.
Wir müssen fähig sein, Antwort auf solche Fragen zu geben. Wir müssen
unser gegenseitiges Bewußtsein voneinander stärken und auf diese Weise unser
gegenseitiges Vertrauen vertiefen. Die Dreihundert-Jahrfeier der ersten
deutschen Einwanderung in das Gebiet der heutigen Vereinigten Staaten gibt
uns einen Anstoß, die gegenseitigen Begegnungen - die Kontakte - zwischen unseren beiden Gesellschaften zu erweitern und zu verstärken, um auf diese
Weise das Verständnis zwischen unseren Völkern zu vertiefen.. Wir wollen das
Jugendaustauschprogramm zwischen unseren beiden Ländern intensivieren. Ich
bin davon angetan, daß sich unsere beiden Parlamente - der Bundestag und der
Kongreß - zur Bedeutung des Jugendaustausches bekannt haben und dessen Verstärkung befürworten. Wir hoffen, damit noch in diesem Jahr beginnen zu können,
- 4 -

�zu können, insbesondere mit dem Austausch von Jugendlichen, die mehrere Monate in Familien des Partnerlandes verbringen und dort zur Schule gehen oder
einen Beruf erlernen sollen.

Die Zeit im Partnerland wird diesen jungen Men-

schen Erfahrungen vermitteln, die sie durch ihr ganzes Leben begleiten werden;
das Wissen um und das Verständnis für das Gastgeberland.
In diesem Jahr, meine Damen und Herren, wird unser Mut, unser politischer Wille und unsere Einigkeit auf eine noch ernstere Probe gestellt werden.

Wir werden Selbstvertrauen notwendig haben.

Bleiben wir aber stand-

haft und einig, dann wird uns keine Macht auf Erden unserer hochgeschätzten
Freiheiten berauben können, dann werden wir sicherstellen, daß die Generationen
nach uns ebenfalls in Frieden und Freiheit leben können.

- 5 -

�19. Januar 1983

PRÄSIDENT REAGAN ERNENNT NEUE ABRÜSTUNGSEXPERTEN
- Erklärung des US-Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 12. Januar 1983 eine Umbildung seines Rüstungskontrollteams bekanntgegeben und den Posten des Direktors
des amerikanischen Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) sowie
den des Leiters der amerikanischen Delegation bei den Wiener Verhandlungen
über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Europa (MBFR) neu
besetzt.
Der amerikanische Präsident nahm den Rücktritt von Eugene Rostow als
ACDA-Chef sowie von Richard Staar als Delegationsleiter in Wien an. Nachfolger Rostows soll der bisherige stellvertretende Chefdelegierte der USA bei
den Vereinten Nationen, Kenneth Adelman, werden; zum neuen amerikanischen MBFRDelegationschef wurde der Berufsdiplomat und ehemalige US-Botschafter in Thailand, Morton Abramowitz, nominiert. Ferner gab Reagan die Ernennung des früheren Abgeordneten im amerikanischen Repräsentantenhaus, David Emery, zum
Stellvertreter Adelmans bekannt. Er soll die Position von Spurgeon Keeny
übernehmen, der von diesem Posten zurückgetreten ist. Unberührt von diesen
Veränderungen bleiben die Posten des amerikanischen Verhandlungsführers für
die strategischen Rüstungsverminderungsgespräche (START) und des Leiters der

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Leiters der US-Delegation für die Verhandlungen über nukleare Mittelstreckensysteme (INF) in Genf.

Sowohl Edward Rowny (START) als auch Paul Nitze (INF)

werden die USA weiterhin in Genf vertreten.

Alle Nominierungen müssen noch

vom amerikanischen Senat bestätigt werden.
Adelman, der am 9. Juni 1946 in Chicago geboren wurde, hat sich bei den
Vereinten Nationen vor allem mit Abrüstungsfragen befaßt.

Er vertrat die USA

im Ersten Ausschuß der UN-Vollversammlung, der für politische und sicherheitspolitische Angelegenheiten, einschließlich der Rüstungskontrolle, zuständig
ist.

Zuvor war er im amerikanischen Handelsministerium, im US-Amt für Inter-

nationale Entwicklung (AID) sowie 1976/77 unter Verteidigungsminister Rumsfeld
als Unterstaatssekretär tätig.

Er promovierte an der Georgetown-Universität

und arbeitete dann als Wissenschaftler an dem bekannten Zentrum für Strategische Studien.
Abramowitz, der am 20. Januar 1933 geboren wurde, war von 1974 bis 1978
stellvertretender Unterstaatssekretär für internationale Angelegenheiten im *"
Verteidigungsministerium, nachdem er zuvor als politischer Berater beim Oberkommandierenden der amerikanischen Streitkräfte im Pazifik tätig gewesen war.
Als Diplomat vertrat er sein Land in Hongkong, Taipeh und als Botschafter in
Thailand.

Er gehört dem auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten seit 1960

an.
Emery, der 34 Jahre alt ist, war von 1974 bis 1982 Mitglied des amerikanischen Repräsentantenhauses.

Bei den Wahlen im letzten Herbst bewarb er sich

erfolglos um die Wahl als Senator des Bundesstaates Maine.

Als Abgeordneter

arbeitete er jahrelang im Streitkräfteausschuß sowie in anderen Gremien des
Repräsentantenhauses.

Erklärung Präsident

�Erklärung Präsident Reagans
Präsident Ronald Reagan gab im Zusammenhang mit den Neuernennungen
eine Erklärung ab, die folgenden Wortlaut hat:
Als Präsident der Vereinigten Staaten gibt es für mich keine höhere
Priorität und keine größere Zielsetzung als die Verminderung des Risikos und
der Möglichkeiten eines Konflikts und das Zustandekommen eines echten Friedens
in Gerechtigkeit für die Welt, in der wir leben.

Meine Regierung hat ein weit-

gefaßtes Programm für den Frieden in Angriff genommen, darunter besondere Anstrengungen im Nahen Osten sowie ein RüstungskontrollProgramm, das umfassender
und weitreichender ist als jedes andere in der Geschichte unseres Landes.
Bei den START-Verhandlungen über strategische Waffen haben wir eine
fünfzigprozentige Kürzung der Raketen und eine Kürzung der Gefechtsköpfe der
zerstörerischsten Systeme - der interkontinentalen ballistischen Raketen - um
ein Drittel vorgeschlagen.

Botschafter Edward Rowny wird in Kürze nach Genf

zurückkehren, um die ernsthaften Verhandlungen im Rahmen von START wieder
aufzunehmen, die seit Juli vorigen Jahres im Gange sind.

Botschafter Paul

Nitze wird in einigen Wochen ebenfalls nach Genf zurückkehren, wo die INF-Verhandlungen fortgesetzt werden.

Bei den INF-Verhandlungen über nukleare Mittel-

streckensysteme haben wir die Beseitigung einer gesamten Kategorie der gefährlichsten Systeme vorgeschlagen - nämlich der weiterreichenden landgestützten
Raketen.

In beiden Verhandlungsrunden sind wir ermutigt über die sachliche

Natur der Gespräche, und wir glauben, daß eine ernsthafte Grundlage für den
Fortschritt gelegt worden ist.
Bei den MBFR-Verhandlungen haben wir und unsere Verbündeten im Hinblick
auf die Truppen der NATO und des Warschauer Paktes wesentliche Verminderungen
auf gleiche Ebenen vorgeschlagen.

Und im Abrüstungsausschuß in Genf bemühen

wir uns um Mittel und Wege, um wirksame Begrenzungen der Nuklearversuche und
der chemischen Kriegsführung zu erreichen.

Bei all diesen Anstrengungen so-

wie auch bei jeder anderen unserer Rüstungskontrollbemühungen sind wir bestrebt,

- 3 -

�wir bestrebt, die jeweiligen Systeme auf einen niedrigeren Stand und auf
gleiche Ebene zu bringen oder sie schlichtweg zu ächten - und dies alles auf
der festen Basis der Gleichheit, der Stabilität und einer wirksamen Verifizierung.

Die bevorstehende Reise von Vizepräsident Bush zu Besprechungen mit

unseren europäischen Verbündeten beweist, daß unser festes Eintreten für diese Ziele unerschütterlich ist.
Mit Bedauern nehme ich heute den Rücktritt von Eugene Rostow als ACDADirektor an.

Dr. Rostow hat dieser Administration wie auch anderen mit Hin-

gabe gedient und eine entscheidende Rolle dabei gespielt, daß unsere umfassenden RüstungsverminderungsVorschläge in Angriff genommen wurden.

Ich freue

mich, mitteilen zu können, daß ich Kenneth Adelman als Nachfolger von Eugene
Rostow nominieren werde.

Ich ersuche ferner David Emery, den Posten eines

stellvertretenden ACDA-Direktors zu übernehmen.

Ich möchte ferner mitteilen,

daß ich mit Bedauern den Rücktritt von Botschafter Richard Staar annehme.
Als unser Vertreter bei den Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene
Truppenreduzierungen in Wien hat er ausgezeichnete Arbeit geleistet.

Ich er-

suche Botschafter Morton Abramowitz, seine Nachfolge anzutreten.
Dr. Rostow und Botschafter Staar sind gebeten worden, auch weiterhin
ihren Rat auf anderen Positionen in der Administration zur Verfügung zu
stellen.
Wie in der Vergangenheit wird das US-Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung dem Außenminister und durch ihn Bericht erstatten, und deshalb freue
ich mich besonders, daß Außenminister Shultz mein großes Vertrauen in die hervorragenden Persönlichkeiten teilt, die sich heute dem Rüstungskontroilteam
meiner Regierung anschließen. Es sind Männer mit großem Engagement und großer
Hingabe, und ich bin überzeugt, daß sie schon bald wesentliche Beiträge zu unseren Bemühungen um die Erreichung echter Rüstungsverminderungen leisten werden.
Es ist von entscheidender Bedeutung, daß wir weiterhin die Suche nach einer
Rüstungsreduzierung vorantreiben; wir werden in unseren Bemühungen niemals nachlassen.

+ + + + +
- 4 -

�19. Januar 1983

MARGARET HECKLER SOLL NEUE GESUNDHEITSMINISTERIN DER USA WERDEN

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 12. Januar 1983 die ehemalige Abgeordnete im amerikanischen Repräsentantenhaus, Margaret Heckler, zur
neuen Ministerin für Gesundheit und Sozialwesen nominiert. Sie soll die Nachfolge von Richard Schweiker antreten, der von diesem Amt zurückgetreten ist,
um einen hohen Posten im amerikanischen Versicherungswesen zu übernehmen.
Die Nominierung muß noch vom amerikanischen Senat bestätigt werden.
Margaret Heckler ist neben der amerikanischen Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Jeane Kirkpatrick, und der vor kurzem zur neuen Verkehrsministerin nominierten Elizabeth Dole die dritte Frau, die im Kabinett Präsident Reagans sitzen wird.
Die ehemalige 51jährige Abgeordnete gehörte dem amerikanischen Repräsentantenhaus 16 Jahre lang an und befaßte sich dort vor allem mit Fragen
der Gleichberechtigung der Frauen sowie mit anderen die Stellung der Frau
in der Gesellschaft betreffenden Problemen.

Während des ersten AmtsJahres

Präsident Reagans unterstützte sie dessen Haushaltskürzungen und dessen Steuerprogramm, wandte sich jedoch im zweiten Jahr dagegen.

Sie sprach sich ferner

für ein nukleares "Einfrieren" aus und stimmte gegen die MX-Rakete.

Margaret

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Margaret Heckler gehörte mehreren einflußreichen Ausschüssen des Repräsentantenhauses als führende Vertreterin der Republikanischen Partei an.
Nach dem Jurastudium am Boston College war Frau Heckler von 1956 bis
1966 als Anwä'ltin und zeitweise auch als Beraterin des Gouverneurs von
Massachusetts tätig.
Mit einem Budget von 276 Milliarden Dollar ist das Ministerium für Gesundheit und Soziales das größte der amerikanischen Regierung. Es beschäftigt
145 000 Mitarbeiter und ist für die Leistungen der Sozialversicherung ebenso
zuständig wie für den Gesundheitsdienst und die medizinische Forschung.
Margaret Heckler ist verheiratet und hat drei Kinder.

+ + + + +

�19. Januar 1983

US-CHEFDELEGIERTER ROWNY NIMMT ZU DEN START-VERHANDLUNGEN STELLUNG
- Interview mit unserer Korrespondentin Marie Koenig -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte bei den Genfer Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen Rüstungen (START), Botschafter Edward L. Rowny, hat am 10. Januar 1983 einen Überblick über den
Stand und die Aussichten dieser Verhandlungen gegeben.

Das Interview mit

der Korrespondentin des US-Informationsamtes (USIA), Marie Koenig, das Botschafter Rowny in seinem Washingtoner Büro gab, hat folgenden Wortlaut:
FRAGE: Während der derzeitigen Verhandlungspause der START-Gespräche
haben wir einige recht positive Erklärungen des neuen Kreml-Führers Juri
Andropow über die Möglichkeiten des Zustandekommens eines START-Abkommens gehört, aber auf seine Äußerungen folgte am 1. Januar rasch ein langer Leitartikel in der "Prawda", in dem die amerikanische Verhandlungsposition kritisiert wird. Künden diese offensichtlich widersprüchlichen Erklärungen eine
Wende zum Schlechteren in der sowjetischen Verhandlungsposition an oder doch
zumindest eine kühlere Atmosphäre in den Verhandlungen, wenn sie wieder beginnen?
ANTWORT: Ich

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ANTWORT:
wissen.

Ich glaube, die ehrliche Antwort ist, daß wir es nicht genau

Was wir von Andropow und anderen sowjetischen Führern wissen, ist,

daß sie sehr geschickt sind, die öffentliche Meinung im Westen zu ihren Gunsten
zu beeinflussen.

Es ist wahrscheinlich kein Zufall, daß am einen Tag Andropow

positive Dinge sagt und recht optimistisch tut, und daß dann eine Zeitung, die
er kontrolliert, mit einer Reihe negativer Erklärungen herauskommt.

Wenn man

will, gibt ihm das die Möglichkeit, so oder so zitiert zu werden.
FRAGE:

Die "Washington Post" hat am 7. Januar einen Bericht veröffent-

licht, in dem es heißt, daß Präsident Reagan am 4. Januar dem Abgeordneten
Jack Kemp einen Brief geschrieben habe, in dem erklärt wurde, daß eine Neubewertung der amerikanischen START-Vorschläge vorgenommen werden müsse, wenn
der Kongreß nicht die Mittel für die MX-Rakete bewillige.

Können Sie dazu et-

was sagen?
ANTWORT: Ja, ich kann zu diesem Bericht etwas sagen. Präsident Reagan
und ich haben über die MX-Rakete gesprochen, und der Präsident ist genauso wie
ich zutiefst überzeugt, daß die MX-Rakete für unsere Sicherheit notwendig ist.
Gleichzeitig habe ich den Präsidenten daran erinnert, daß unser START-Vorschlag
von der Annahme ausgeht, daß jene Dinge, die wir behalten, wenn wir diese tiefen Einschnitte vornehmen, modern sein müssen. Wir haben unsere Raketen seit
1960 nicht mehr modernisiert. Die Sowjets haben dagegen in diesem Zeitraum
zwei neue Generationen von Raketen eingeführt. Wir müßten unseren STARTVorschlag also schon überprüfen, wenn die Mittel für die MX nicht bewilligt
werden.
•

•

Zusammenfassend kann man also sagen, daß die MX für unsere Sicherheit
notwendig ist, weil wir in unserem Arsenal ein modernes System brauchen und kein
veraltetes System. Wenn man es mit einem Bild beschreiben sollte, dann könnte
man sagen, wir sind im Stadium einer Boeing 707 angekommen, während die Sowjets
bereits das Zeitalter der Raumfähre erreicht haben. So groß ist der Unterschied in der Technologie der Systeme.
FRAGE:

Was

�FRAGE:

Was halten Sie von den Abrüstungsvorschlagen der Gipfelkonferenz

des Warschauer Paktes - vor allem von der Erklärung, daß zu geeigneten Verifizierungsmaßnahmen, "wenn notwendig, internationale Verfahren" gehören sollten.

Ermutigt Sie das in der Annahme, daß Moskau jetzt bezüglich echter Veri-

fizierungsverfahren für START entgegenkommender sein könnte?
ANTWORT:

Meine allgemeine Reaktion auf ihre Abrüstungsvorschläge be-

steht in der Feststellung, daß sie im wesentlichen nichts Neues enthalten.
Das ist eine Wiederholung alter Erklärungen, die sie schon früher zu vielen
alten Vorschlägen abgegeben haben.
Ich bin jedoch ermutigt und erfreut über das Zitat, daß geeignete Verifizierungsmaßnahmen, "wenn notwendig, internationale Verfahren" einschließen
sollten, weil es mir zeigt, daß die Sowjets zu begreifen beginnen, daß die sogenannten nationalen technischen Mittel nicht ausreichen und für künftige Abkommen nicht genügen würden.
Diese nationalen technischen Mittel sind Satelliten, Aufnahmegeräte,
Fotografie und andere Mittel, die jeder Nation zur Verfügung stehen. In Zukunft wird es notwendig sein, daß wir uns auf eine Reihe von Maßnahmen einigen, die über diese nationalen technischen Mittel hinausgehen.
FRAGE:

Kooperative Maßnahmen?

ANTWORT: Ja, kooperative Maßnahmen, und wir schließen auch Inspektionen
an Ort und Stelle nicht als eine kooperative Maßnahme aus. Mit anderen Worten,
jeder Vertrag, den wir schließen, muß wirksam verifizierbar sein, und wir dürfen nicht davor zurückschrecken, uns über Dinge zu einigen - Einigung zu erzielen -, die eine wirksame Verifizierung erfordern. Wie ich gesagt habe,
wir haben die Sowjets auch öffentlich und vertraulich wissen lassen, daß wir,
wenn notwendig, nicht vor der Forderung nach Inspektionen an Ort und Stelle zurückschrecken werden.
FRAGE:

Ist

�FRAGE:

Ist es möglich, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion

in den START-Verhandlungen ein getrenntes Übereinkommen über Vertrauensbildende Maßnahmen erreichen, ehe sie einen Gesamtvertrag über die Reduzierung der
strategischen Waffen erreichen?
ANTWORT: Ja, das ist durchaus möglich, und ich hoffe, daß es eben dazu kommen wird.

Vertrauensbildende Maßnahmen sind ein wünschenswertes Ziel

für sich selbst, und allgemein gesehen sind sie etwas leichter zu erreichen
als ein umfassendes START-Abkommen mit all seinen Feinheiten.

Wir sollten

alles anstreben, was das Risiko eines Atomkrieges vermindert, und ich freue
mich darüber, daß Andropow und die Sowjets für solche Maßnahmen eintreten.
Es ist ein ermutigendes Zeichen, daß die Reden Andropows positive Aussichten dafür geschaffen haben, daß ein Abkommen über diese Vertrauensbildenden Maßnahmen zustandekommt, und ich werde sofort am Konferenztisch daran zu
arbeiten beginnen, ein solches Abkommen zu erreichen.

Wenn wir ein Oberein-

kommen erzielen können, werde ich dem Präsidenten empfehlen - und ich hoffe,
daß mein Verhandlungspartner dies auch Andropow empfehlen wird -,daß ein separates Abkommen über Vertrauensbildende Maßnahmen geschlossen wird, damit
wir das Risiko eines Atomkrieges schon verringern können, während wir noch
über ein START-Abkommen verhandeln.
FRAGE:

Wenn Sie das täten, dann könnte das für die Öffentlichkeit ein

ermutigendes Zeichen sein?
ANTWORT:

Ganz sicherlich, da es für uns alle ein ermutigendes Zeichen

wäre, daß wir in der Lage sind, über solche Dinge, an denen wir beide sehr
interessiert sind, ein Abkommen zu erreichen.

Wir haben ein beiderseitiges

Interesse daran, das Risiko eines Atomkrieges zu verringern.
FRAGE:

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht die sowjetischen Medien Ar-

tikel über START bringen.

Sind Sie der Ansicht, daß einige dieser Artikel,

vor allem der Leitartikel in der "Prawda" am 1. Januar, das Obereinkommen ver-

- 4 -

�Übereinkommen verletzen, daß keine Seite etwas über die Details der Verhandlungen verlauten lassen würde; mit anderen Worten die Vertraulichkeit verletzen?
ANTWORT:

Ich glaube wir sollten klarmachen, daß das Abkommen über

Vertraulichkeit, das ich Viktor Karpow (dem sowjetischen Verhandlungsleiter)
vorgeschlagen habe und auf das wir uns einigten, nicht die Führung unserer
Länder bindet.

Wir haben uns darauf geeinigt, daß wir nicht über Dinge sprechen

würden oder sollten, die sich am Konferenztisch in Genf abspielen.

Er hat

seine Zusage gehalten und ich die meine, wie auch die anderen Delegierten auf
beiden Seiten.

Darüber hinaus bin ich sehr froh, daß amerikanische Regierungs-

vertreter nicht über das gesprochen haben, was sich in Genf abspielt, denn
das könnte sich negativ auf das Zustandekommen eines Abkommens auswirken.
Ich halte es für unglücklich, daß sich die sowjetische Führung entschlossen
hat, über Dinge zu sprechen, die sich in Genf abgespielt haben, denn diese
Fragen sind zu verwickelt, zu detailliert und zu kompliziert, als daß man
sie in der Öffentlichkeit behandeln könnte.
So geht beispielsweise jede Seite mit einer Ausgangsposition in die
Verhandlungen, bei der sie möglicherweise zum Nachgeben bereit ist.

Aber

wenn das alles schon bekannt ist, dann wird es schwieriger sein, zu den für
ein Abkommen notwendigen Kompromissen zu gelangen.
Ich möchte viel lieber im Rahmen der Vertraulichkeit ernsthaft und
rasch verhandeln und dann unseren jeweiligen Regierungen die Beurteilung
überlassen, ob das Abkommen, das wir erreicht haben, im Gesamtinteresse beider Seiten liegt.
FRAGE:
ANTWORT:

Werden Sie darum ersuchen, daß das aufhört?
Ich werde darum ersuchen, aber es könnte sein, daß ich von

meinem Verhandlungspartner die Antwort bekomme, daß er seine Führung nicht
kontrollieren kann.

Aber ich werde ihn bitten, seiner Führung zu empfehlen

- 5 -

�zu empfehlen - wie ich das bei der amerikanischen Regierung getan habe - daß
keine Seite über das sprechen sollte, was am Konferenztisch geschieht.
Ich hoffe, daß es uns gelingt, weiter über ein Abkommen zu verhandeln,
als Fragen zu beantworten und diese Fragen sogar in der Öffentlichkeit erörtern zu müssen und dadurch von dem abgelenkt zu werden, was wir eigentlich
am Konferenztisch tun sollten.
Die Fragen sind schon kompliziert genug, und sie in aller Öffentlichkeit
zu behandeln, liegt nach meiner Auffassung nicht im Interesse der einen wie
der anderen Seite.
FRAGE:

Die jüngste Erklärung des Warschauer Paktes erwähnt wieder ein

nukleares Einfrieren.

Wie würde sich ein nukleares Einfrieren auf die Chancen

des Abschlusses eines wirksamen Rüstungsverminderungsabkommens auswirken?
ANTWORT:

Nach meiner Meinung würde ein nukleares Einfrieren den Ab-

schluß eines wirksamen Rüstungsverminderungsabkommens hemmen.
gar verhindern, daß wir ein solches Abkommen erreichen.

Es könnte so-

Der Grund dafür ist,

daß es im sowjetischen Interesse liegt, ein Einfrieren vorzuschlagen, da sie
bei den strategischen Waffen einen höheren Stand erreicht haben - und vor allem bei jenen Waffen, die verwundbarer sind und dadurch in Krisenzeiten zu
Instabilität führen.
Von was ich hier spreche, ist die Tatsache, daß die Sowjets in der Zahl
der Gefechtsköpfe von Interkontinentalraketen eine Überlegenheit von drei zu
eins haben; d.h. bei landgestützten Interkontinentalraketen. Sie könnten also mit rund 6000 Gefechtsköpfen auf unsere 1000 Abschußeinrichtungen für Interkontinentalraketen zielen und mit einem Erstschlag 90 Prozent von ihnen ausschalten.
Wir verfügen nicht über eine entsprechende Kapazität, und wir haben
auch nicht die Absicht, einen Erstschlag zu führen.

- 6 -

Damit will ich nicht sa-

�nicht sagen, daß die Sowjets eine solche Absicht hätten, aber Absichten können
sich über Nacht ändern.

Es ist die Kapazität, die zählt.

Die Sowjets besitzen eine Erstschlagkapazität, und es gäbe daher für
sie bei der Überlegenheit, die sie jetzt haben, keinen Anreiz, ernsthaft zu
verhandeln, wenn wir einfach einfrieren.

Sie würden sagen:

"Es ist doch al-

les gut, laßt uns auf dem jetzigen Stand alles einfrieren."
Im übrigen müßten wir, wenn wir einem Abkommen über ein Einfrieren zustimmen würden, das definieren, was wir einfrieren würden, und das würde lange Zeit in Anspruch nehmen.

Wir müßten an Verifizierungsbestimmungen arbei-

ten, um festzustellen, wie wir verifizieren könnten, was eingefroren wird,
und auch das würde lange Zeit in Anspruch nehmen - vielleicht Monate oder
Jahre.
Ich bin der Überzeugung, daß es besser wäre, direkt über eine Senkung
auf einen niedrigeren Stand zu verhandeln, wie es Präsident Reagan vorgeschlagen hat; die Zahl der Raketen, die wir besitzen, um die Hälfte zu senken und
die Zahl der Gefechtsköpfe um ein Drittel, statt eine Menge Zeit für Verhandlungen über ein Einfrieren zu verwenden und für den Versuch, dieses Einfrieren zu verifizieren.

- 7 -

�19. Januar 1983

SOWJETISCHER REAKTOR-SATELLIT AUF ABSTURZBAHN
Amerikanische Suchtrupps für radioaktive Trümmer einsatzbereit

- (AD) - Mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent dürfte der außer
Kontrolle geratene sowjetische Aufklärungssatellit KOSMOS 1402 ins Meer stürzen. Wie Dr. Richard Wagner, Sonderreferent für Atomenergie im amerikanischen
Verteidigungsministerium, am 13. Januar 1983 gegenüber Pressevertretern erklärte, bestehe nur eine Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent, daß der Absturz
über Land erfolge, "und eine äußerst geringe Möglichkeit, daß seine Trümmer
über bewohntem Gebiet niedergehen". Obgleich nach wie vor genaue Vorhersagen
über Zeit und Ort des Absturzes nicht gemacht werden könnten, sei in den
letzten Januartagen damit zu rechnen. Allerdings könne der bereits aufgesprengte Satellit - die Sowjets hatten vergeblich versucht, die Reaktoreinheit
in eine höhere Umlaufbahn zu katapultieren - schon ein paar Tage früher, aber
ebenso auch ein paar Tage später auf die Erde stürzen. Der Kernreaktor enthält ca. 45 kg angereichertes Uran.
Für den Fall, daß die Trümmer, sofern sie nicht schon beim Eintauchen
in die Erdatmosphäre verglühen, über bewohntem Gebiet niedergehen, habe, so
Wagner, Präsident Reagan die Hilfe der Vereinigten Staaten jedem Land, das

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�Land, das darum ersuche, angeboten, um die Bruchstücke oder radioaktive Partikel zu finden und zu beseitigen.

Ein ähnlicher Fall war beim Absturz von

KOSMOS 954 am 24. Januar 1978 auf kanadischem Territorium gegeben.

Dieser

Satellit "brach hoch in der Lufthülle in den ersten Stadien des Wiedereintritts in ziemlich kleine Teile auf", und der Reaktorbrennstoff als der gefährlichste Bestandteil "verbrannte praktisch schon in der Hochatmosphäre".
Nach Ansicht Wagners gebe es nur "eine sehr geringe Chance", daß der
Reaktorbrennstoff von KOSMOS 1402 die Rückkehr zur Erde überstehe.

Ob und

inwieweit der jetzt zu erwartende Absturzvorgang mit dem von 1978 verglichen
werden könne, "hängt weitgehend davon ab, ob die Sowjets seitdem das Raumfluggerät verändert haben".

Die Vereinigten Staaten hätten entsprechende An-

fragen an die Sowjetunion gerichtet und hofften noch auf Antwort.

Vor fünf

Jahren habe man nach dem Absturz von KOSMOS 954 in der Arktis einige Trümmer
gefunden, die vermutlich vom Reaktor stammten.

Gefahr drohe vom Reaktorkern,

der "Brennzone" für die Spaltreaktion. Es sei "überaus unwahrscheinlich",
daß der Reaktorkern intakt bleibe.

Jedoch werde dringend davor gewarnt, sich

Trümmern, die möglicherweise doch in bewohnten Gebieten niedergehen, zu nähern,
oder solche Objekte aufzuheben.

+ + + + +

�mIEMKb

DlElIISTJ

Wi//en/ch&lt;ift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

19. Januar 1983

ERDGAS UND ERDÜL VOM ÄUSSEREN KONTINENTALSOCKEL
Vereinfachte Pachtbedingungen für die Wirtschaft -

- (AD) - Der Eigeninitiative der Industrie und dem wirtschaftlichen
Wettbewerb bei der Suche nach neuen Erdöl- und Erdgasvorkommen vor den Küsten
der USA kommt das neue Programm der amerikanischen Regierung zur Verpachtung
von Offshore-Gebieten in besonderer Weise entgegen. Nach Ansicht des amerikanischen Innenministers James Watt dürften sich angesichts der Verringerung
der Bearbeitungszeit von Pachtanträgen auf die Hälfte und der jetzt zugesagten
freien Wahl der Explorationsgebiete seitens der Industrie in den nächsten fünf
Jahren die Chancen für die Entdeckung neuer Vorkommen merklich verbessern.
Bis Juni 1987 ist die Vergabe von 41 neuen Pachtverträgen vorgesehen. Praktisch der gesamte äußere Kontinentalsockel (OCS - Outer Continental Shelf)
- eine Fläche von 400 Millionen Hektar - ist in das Programm einbezogen, jedoch dürfte für die Verpachtung nur ein relativ geringer Teil davon in Anspruch genommen werden. Im Rahmen der bisherigen Regierungsprogramme konnten
nur 2,5 Prozent der OCS-Gebiete erschlossen werden - und dies in einem Zeitraum von 28 Jahren.
Von den 20 000 Bohrungen, die seit 1954 vor den amerikanischen Küsten
niedergebracht wurden, befinden sich 19 000 vor den Bundesstaaten Louisiana
und Texas.

Nur 70 liegen im "Fronf'-Bereich, d.h. in weitgehend unerforschten

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D 5300 Bonn 2
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�weitgehend unerforschten Teilen des Kontinentalsockels, die mehr als die Hälfte
der amerikanischen Ölvorkommen bergen könnten.
Wie Watt erläuterte, ist es hauptsächlich auf diesen Umstand

- Kon-

zentration der Pachtlizenzen auf den Golf von Mexiko - zurückzuführen, daß
der Anteil der USA an den internationalen Aktivitäten zur Erschließung der Offshore-Vorkommen von öl und Gas von 22 Prozent im Jahr 1970 auf weniger als acht
Prozent im Jahr 1980 zurückging.

Im vergangenen Jahrzehnt wurde nur ein kom-

merziell nutzbares Feld entdeckt.

Es handelt sich um ein Gebiet vor der süd-

kalifornischen Küste, bei dem man nach Überzeugung von Experten der Mineralö'lindustrie auf die umfangreichsten Vorkommen seit der Entdeckung der öl fei der
in der Prudhoe-Bucht vor Alaska gestoßen sein dürfte.
Die kalifornischen Vorkommen vor dem Santa-Maria-Becken wurden im Mai
1981 von den Firmen Standard Oil of California und Phillips Petroleum von der
US-Regierung für eine Gebühr von 333,6 Millionen Dollar gepachtet.

Während

man im amerikanischen Innenministerium die förderbaren Rohölmengen auf 100
bis 400 Millionen Barrel (1 barrel = Faß mit 159 Litern) schätzt, rechnet die
Industrie mit Mengen bis zu einer Milliarde Barrel.

Zum Vergleich: Das ölfeld

Prudhoe-Bucht, dessen Umfang auf 9,6 Milliarden Barrel geschätzt wird, liefert
z. Zt. täglich eine Million Barrel Rohöl.

Das entspricht etwa 15 Prozent des

Gesamtverbrauchs in den Vereinigten Staaten.
Im März 1983 werden zum ersten Mal Pachtlizenzen für von der Industrie
ausgewählte Gebiete vergeben, u. a. für einen Bereich vor der Westküste von
Alaska.

Bisher wurden den Mineral öl firmen die Pachtgebiete zugewiesen.

Die

größte Aktion dieser Art war die Verpachtung des 720 000 Hektar großen DiapirFeldes im Beaufort-Meer nahe den reichen Prudhoe-Bucht-Vorkommen im Oktober
1982.

Die von Regierungsstellen erwarteten Angebote in Höhe von 1,6 Milliarden

Dollar wurden um mehr als 400 Millionen überschritten.

Falls das Feld förder-

bare ölmengen von 2,3 Milliarden Barrel enthält - dies jedenfalls schätzen Geologen des Innenministeriums -, könnte es bei einem Preis von 31 bis 33 Dollar
pro Barrel Fördererträge von 75 bis 80 Milliarden Dollar erbringen.

Die neueren

�Die neueren Funde im Norden des amerikanischen Kontinents und vor Kalifornien
lassen, wie Watt erklärte, deutlich erkennen, weshalb die USA ihre Abhängigkeit
von Importen ständig weiter verringern müssen.
Im Zuge der jüngsten Entwicklung hat das Interesse der Mineralöl firmen
an Pachtgebieten im Golf von Mexiko merklich nachgelassen.

Bei neuen Aus-

schreibungen Ende vergangenen Jahres wurden nur für 47 Prozent der von der
Regierung angebotenen Plots Lizenzen vergeben.

Der Erlös betrug 609,1 Mil-

lionen Dollar und lag damit zum ersten Mal weit unter 1 Milliarde - seit 1978
eine regelmäßig überschrittene Marke bei neuen Verpachtungen in der Golfregion.
"Unter dem alten Programm bot die Regierung kleine Bezirke an", sagte
ein Sprecher des amerikanischen Innenministeriums. "Unter dem neuen Programm
weist sie ein großes Gebiet im Ausmaß von zwei bis vier Millionen Hektar zur
Untersuchung durch Geologen der Industrie und der Bundesbehörden an". Es sei
mehr als wahrscheinlich, daß dort der Löwenanteil der öl- und gashöffigen
Felder zu finden ist, die die Industrie zu pachten wünsche. Auf diese Weise
hoffe man auch, sehr viel schneller als bisher herauszufinden, wieviel Erdöl
und Erdgas in den Meeresgebieten um die Vereinigten Staaten noch unerschlossen
liegen.
Ministerialbeamte betonen, daß der neue Verpachtungsplan unter rigorosen
Umweltkontrollen durchgeführt werde. Das Ministerium ist verpflichtet, als
Vorbedingung für eine Verpachtung und Erschließung ortsspezifische Daten für
ein Gutachten über die zu erwartende Umweltbelastung einzuholen. Dabei werden
ökologische Bedenken und solche über mögliche Umweltbelastungen der Behörden
von Bund, Einzelstaaten und zuständigen regionalen Verwaltungen berücksichtigt.
Bis zum Ende des letzten Fiskaljahres (September 1982) hatte das Innenministerium 302 Millionen Dollar für Umweltstudien im OCS-Bereich aufgewendet.
Hauptsächlich aufgrund von Bedenken möglicher Umweltschäden wurden kürzlich vom US-Kongreß Geldmittel im Zusammenhang mit der Lizenzvergabe für die
Suche nach öl- und Gasvorkommen vor der Küste von Mittel- und Nordkalifornien
- 3 -

�und Nordkalifornien bis September 1983 gesperrt. Obgleich diese Maßnahme die
Vorbereitungen zur Erschließung des im Bereich des Santa-Maria-Beckens liegenden neuen großen öl fei des nicht berührt, befürchtet man im amerikanischen Innenministerium, daß sie einen Präzedenzfall darstellen könne, wenn es um die Verfolgung ähnlicher Pläne zur Auffindung und Nutzung weiterer Offshore-Vorkommen
1m Bereich des äußeren Kontinentalsockels geht. Experten verweisen auf den
außerordentlich günstigen Verlauf der Förderaktivitäten amerikanischer Firmen
1m Offshore-Bereich: Sie waren bisher für wenig mehr als ein Prozent (d.h.
ca. 600 000 Barrel pro Jahr) der ülunfälle verantwortlich, durch die die Weltmeere verschmutzt werden.

- 4 -

�19. Januar 1983

NEUE VORSCHLÄGE ZUR PRODUKTION SYNTHETISCHER BRENNSTOFFE

- (AD) - Im Zuge der dritten Ausschreibung gingen bei der regierungseigenen
Gesellschaft für Synthesebrennstoffe (U.S. Synthetic Fuels Corporation - SFC)
46 Vorschläge, darunter 17 neue Angebote ein. Es handelt sich um elf Produkte
zur Kohleverflüssigung, neun zur Kohlevergasung, 13 Projekte zum Aufschluß von
Ölschiefer und elf von Teersanden. Ein Vorschlag galt der Verwendung von Kalziumkarbid im Verflüssigungsprozeß3 ein weiterer der Verarbeitung von Torf zu
einem festen Brennstoff. Von den 46 Vorschlägen sind 29 die Wiederaufnahme bereits vorgelegter Projekte. Sie werden nunmehr unter technologischen, wirtschaftlichen und unternehmensspezifischen Gesichtspunkten geprüft.
SFC-Vorsitzender Edward Noble zeigte sich beeindruckt von der Zahl und
Vielfalt der von der Industrie eingereichten Vorschläge, die bemerkenswerte
technische Fortschritte und ein erhebliches Maß an Investitionen erkennen ließen.
Die Gesellschaft kündigte inzwischen ihre Bereitschaft an, ein Projekt zur
Methanol gewinnung aus Torf in North Carolina finanziell zu unterstützen. Ober
die Förderung eines Projekts zur Aufbereitung von ölsänden in New Mexico und
zur Umwandlung von Schweröl in Kalifornien wird in Kürze entschieden.
In den

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�In den Vereinigten Staaten werden, wie ein Sprecher der SFC erklärte,
zur Zeit fünf kommerzielle Synthesebrennstoff-Werke gebaut, von denen bisher
allerdings nur die zwei Großbetriebe staatliche Zuschüsse erhalten (Unionölschieferprojekt in Colorado, Great Plains-Kohlevergasung in North Dakota
mit 14 Reaktoren zur Verarbeitung von 3600 Tonnen Kohle pro Tag). Zwei der
Initiatoren für die drei kleineren Projekte (Coolwater-Kohlevergasung in
Kalifornien, Allis/Chalmers-Kohlevergasung in Illinois, Eastman-Synthesebrennstoff in Tennessee mit dem Ziel, Synthesebrennstoffe in fototechnische
Chemikalien umzuwandeln) haben kürzlich bei der SFC staatliche Fördermittel
beantragt.

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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Echter Fortschritt bei den Abrüstungsverhandlungen möglich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz des Präsidenten - (Auszüge)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Reagans zum 300. Gedenkjahr deutscher Einwanderung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Gesandter gedenkt der Ursprünge der deutsch-amerikanischen Freundschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 300 Jahre deutsche Einwanderung in die Vereinigten Staaten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan ernennt neue Abrüstungsexperten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Margaret Heckler soll neue Gesundheitsministerin der USA werden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Chefdelegierter Rowny nimmt zu den START-Verhandlungen Stellung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit unserer Korrespondentin Marie Koenig -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjetischer Reaktor-Satellit auf Absturzbahn&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Amerikanische Suchtrupps für radioaktive Trümmer einsatzbereit -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erdgas und Erdöl vom äußeren Kontinentalsockel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vereinfachte Pachtbedingungen für die Wirtschaft -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Vorschläge zur Produktion synthetischer Brennstoffe</text>
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