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                  <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
12. Januar 1983
INHALT
DOKUMENTATION
Reagan:

Vizepräsident Bush kommt zu Konsultationen nach Europa

- Rundfunkansprache des amerikanischen Präsidenten Reagan:

Nichtangriffspakt-Vorschlag sollte erwogen werden

- Erste Pressekonferenz des US-Präsidenten im neuen Jahr US-Gesandter wlirdigt deutschen Beitrag zum Aufbau Amerikas
- Festrede von William M. Woessner in Krefeld USA unterstreichen deutsch-amerikanische Freundschaft
- Grußbotschaften zum 300. Jahrestag deutscher Einwanderung INFORMATION
Elizabeth Dole zun neuen Verkeh "sminister der USA nomini ert
WIRTSCHAFT
Die Strategie der US-Bundesbank für den wirtschaftl ichen Aufschwung
- Interview mit Vizepräsident Preston Martin WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Langer Weg zur gesteuerten Kernfusion
- Neuer amerikanischer Testreaktor in Betrieb genommen

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�12. Januar 1983

REAGAN: VIZEPRÄSIDENT BUSH KOMMT ZU KONSULTATIONEN NACH EUROPA
- Rundfunkansprache des amerikanischen Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 8. Januar 1983 in
seiner wöchentlichen Rundfunkansprache an das amerikanische Volk mitgeteilt,
daß Vizepräsident George Bush Ende dieses Monats zu Konsultationen mit den
Verbündeten Amerikas nach Europa reisen werde.
Die Ansprache Reagans befaßte sich ausschließlich mit den Beziehungen
der USA zur Sowjetunion.

Er forderte Moskau erneut zur Mäßigung auf und

unterstrich, daß Amerika immer bereit sei, sich mit den Sowjets an einen
Tisch zu setzen, um praktische Maßnahmen zur Lösung der anstehenden Probleme
und einer echten Verbesserung der Ost-West-Beziehungen zu erörtern.
Die Ansprache hat folgenden Wortlaut:
Meine amerikanischen Mitbürger.

Ich möchte Ihnen heute einige Gedan-

ken über die wichtigsten Aspekte der Rolle Amerikas in der Welt - über die Beziehungen zur Sowjetunion - vortragen.

Die Wahrung des Friedens für beide

Länder und damit für die gesamte Menschheit hängt von unserer klugen und beständigen Gestaltung dieser Beziehungen ab.
Wie Sie

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�wie Sie wissen, ist in Moskau ein neuer Führer an die Macht gelangt.
Es hat viele Spekulationen darüber gegeben, ob dieser Wechsel auch eine Änderung im Hinblick auf den Abbau von Spannungen und der Lösung einiger der
zwischen uns stehenden Probleme bedeuten könne.

Niemand hofft mehr als ich,

daß die Zukunft eine Verbesserung unserer Beziehungen zur Sowjetunion und
eine Ära der echten Stabilität bringen wird.
Was könnte wohl wichtiger sein als die Verminderung der Gefahr einer
Konfrontation, die Stärkung der Aussichten für einen dauerhaften Frieden,
den Abbau der nuklearen Arsenale, die Erleichterung des menschlichen Leidens
in Afghanistan, Kampuchea und anderswo auf der Welt?

Mit Ihrer Unterstützung

hat meine Administration Anstrengungen zur Wiederherstellung unserer Stärke,
unserer Glaubwürdigkeit und der Klarlegung unserer Zielsetzungen in der Welt
eingeleitet.

Unser Ziel war und ist es, sicherzustellen, daß Amerika den

Willen und die Mittel hat, um vor einem Konflikt abzuschrecken und die Interessen der Freiheit zu verteidigen.

Wir haben dies aus dem einen Grunde - und

nur aus dem einen Grunde - getan, weil ein starkes, geachtetes Amerika die
sicherste Möglichkeit bietet, den Frieden zu bewahren und den Konflikt zu
verhindern.
Bei diesem Vorhaben müssen wir aus der Geschichte lernen. Wir alle
haben die großen Hoffnungen und die tiefen Enttäuschungen der siebziger Jahre
erlebt, als dann nämlich die sowjetische Antwort auf unsere einseitige Zurückhaltung darin bestand, daß Moskau seine Aufrüstung beschleunigte, in der Entwicklungswelt Gewalt schürte, in das benachbarte Afghanistan einmarschierte
und die Unterdrückung Polens unterstützte.
Diesen Lehren können wir uns einfach nicht entziehen.

Wenn es bessere

beiderseitige Beziehungen geben soll, dann müssen sie aus der Mäßigung des
sowjetischen Verhaltens resultieren - und nicht nur aus unseren eigenen guten
Absichten.
In der

�In der jüngsten Zeit kamen einige ermutigende Worte aus Moskau.

Die

Sowjets wünschen offensichtlich, entgegenkommender und vernünftiger zu erscheinen.

Aber gemäßigte Worte sind nur dann überzeugend, wenn sie auch

einem gemäßigten Verhalten entsprechen.
Wir müssen also herausfinden, ob die Sowjets wirklich an einer Verminderung der bestehenden Spannungen interessiert sind.

Wir und unsere de-

mokratischen Partner sind wirklich bereit, mit ihnen ernsthafte Vorschläge
zu erörtern, die die Sache des Friedens in echter Weise fördern können.

Wir

verlangen nicht, daß die Sowjetunion ihre Stellung als Supermacht oder ihre
legitimen nationalen Interessen aufgibt.
Wir hoffen vielmehr, daß die neue Führung in Moskau erkennen wird,
daß es den sowjetischen Interessen förderlich wäre, wenn das Blutvergießen
in Afghanistan aufhören und im Nahen Osten Zurückhaltung geübt würde, wenn
Reformen und damit eine Stärkung der Stabilittät in Polen zugelassen, die
unvergleichliche sowjetische Aufrüstung - wie wir vorgeschlagen haben - beendet und die überaus gefährlichen Kernwaffen auf ein weitaus geringeres und
gleiches Niveau vermindert würden.
Wir sind bereit, auf Regelungen aller ungelösten Probleme hinzuarbeiten.
Das bedeutet jedoch nicht, daß wir unsere eigene Verteidigung vernachlässigen sollten.

Das würde unsere Fähigkeit unterminieren, den Frieden zu wahren,

und jede Chance gefährden, die wir vielleicht haben, um das sowjetische Verhalten zu ändern.

Aber es bedeutet, daß wir immer bereit sind, uns mit den

Sowjets an einen Tisch zu setzen, um praktische Maßnahmen zu erörtern, die
Probleme lösen und zu einer dauerhafteren und echten Verbesserung der OstWest-Beziehungen führen könnten.
Im kommenden Monat werden sowjetische und amerikanische Unterhändler
in Genf die Gespräche über strategische Kernwaffen und nukleare Mittel Streckensysteme wieder aufnehmen.

In beiden Verhandlungsrunden haben die Sowjets mit

eigenen Vorschlägen reagiert.

Damit ist eine ernsthafte Grundlage für einen

- 3 -

�für einen Fortschritt gelegt worden. Amerika wird energisch und mit gutem
Willen verhandeln, um baldige Abkommen zu erreichen, die verminderte und
gleichwertige Streitkräfteebenen vorsehen.

Die sowjetische Führung muß ver-

stehen, daß der Weg zur Verminderung der nuklearen Gefahr darin besteht,
daß in dem gleichen aufrichtigen Geist verhandelt wird, und nicht darin, daß
man versucht, Zwietracht zwischen dem amerikanischen Volk und unseren NATOVerbündeten zu sä'en. Eine solch negative Taktik muß einfach fehlschlagen
und kann wirkliche Fortschritte nur verzögern.
Ein Eckpfeiler im Hinblick auf die Beziehungen zur Sowjetunion sind
enge Konsultationen mit unseren Verbündeten über gemeinsame politische und
sicherheitspolitische Fragen.
gebeten, nach Europa zu reisen.

In diesem Sinne habe ich Vizepräsident Bush
Ende dieses Monats wird er die Bundesrepublik

Deutschland, die Niederlande, Belgien, die Schweiz, Italien, Frankreich und
Großbritannien besuchen, und im Vatikan wird er mit Papst Johannes Paul II
zusammentreffen.

In der Schweiz wird der Vizepräsident mit der Verhandlungs-

delegation für die strategischen Rüstungsverminderungsgespräche, die wir
START nennen, zusammenkommen, sowie mit unserer Delegation für die nuklearen
Mittelstreckenkontrollgespräche, die wir als INF bezeichnen, und er wird
auch an einer Sitzung des Genfer Abrüstungsausschusses teilnehmen.
Der Besuch des Vizepräsidenten bei diesen engen Freunden und Verbündeten sowie seine Gespräche im Vatikan und in Genf unterstreichen unsere grundlegende Verpflichtung für den Frieden und die Sicherheit in Europa und für
echte Rüstungsverminderungen.
Das neue Jahr beginnt also mit der Hoffnung für uns alle, daß bei entschlossenem und klugem Handeln 1983 ein Jahr des friedlichen Fortschrittes
für Amerika, für unsere Verbündeten, für die Bevölkerung der UdSSR und für
die gesamte Welt werden kann.

+ + + + +

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

12. Januar 1983

REAGAN: NICHTANGRIFFSPAKT-VORSCHLAG SOLLTE ERWOGEN WERDEN
- Erste Pressekonferenz des US-Präsidenten im neuen Jahr •

WASHINGTON - (AD) - Nach Ansicht Präsident Reagans ist ein Nichtangriffspakt zwischen den Staaten des Warschauer Paktes und der NATO "etwas, das gewiß
erwogen werden sollte."

Auf seiner ersten Pressekonferenz in diesem Jahr,

die vom Fernsehen landesweit übertragen wurde, sagte der amerikanische Präsident am 5. Januar, über diesen Vorschlag der Warschauer-Pakt-Staaten müsse
mit allen NATO-Verbündeten beraten werden.

Zur Frage eines Gipfeltreffens mit

dem sowjetischen Parteichef Andropow erklärte Reagan, er würde "im Prinzip"
ein solches Treffen begrüßen; allerdings müsse es sorgfältig vorbereitet werden.
Zu Beginn seiner Pressekonferenz, die sich überwiegend mit innenpolitischen Fragen wie dem Haushaltsdefizit, der Arbeitslosigkeit und den Sozialleistungen befaßte, teilte der Präsident mit, daß er Elisabeth Dole, die bisher
mit Aufgaben der Öffentlichkeitsarbeit im Weißen Haus betraut war, zum neuen
Verkehrsminister der USA nominiert habe.

Sie soll die Nachfolge von Andrew

L. Lewis antreten, der im Februar in die Privatwirtschaft zurückkehren will.
Die wesentlichen

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Telex: 8-85432

�Die wesentlichen Fragen und Antworten zur Außenpolitik haben folgenden
Wortlaut:

Nichtangriffspakt und Gipfeltreffen
FRAGE: Es hat in der letzten Zeit eine Reihe von Vorstößen seitens
der Sowjetunion gegenüber dem Westen gegeben. Heute hat der Warschauer Pakt
einen Nichtangriffspakt mit der NATO vorgeschlagen. Und, wie Sie wissen, hat
der sowjetische Parteichef Andropow vor zwei Wochen den Gedanken eines Gipfeltreffens mit Ihnen vorgebracht. Wie ist Ihre Reaktion auf diese neuen Entwicklungen?
ANTWORT: Dies ist etwas, das meiner Ansicht nach gewiß erwogen werden
sollte, wenn sein Vorschlag wirklich ein Nichtangriffspakt ist. Was nun ein
Gipfeltreffen anbelangt, so bin ich im Prinzip dafür. Ich habe ein solches
Treffen mit Staats- und Parteichef Breschnew anläßlich der Abrüstungskonferenz
der Vereinten Nationen in New York vorgeschlagen - in der Annahme, daß er dort
sein würde. Und jetzt wissen wir, warum er diese Reise nicht antreten konnte.
So kam es also nicht dazu.
Meiner Meinung nach erfordert ein Gipfeltreffen eine gewisse Vorbereitung. Ich glaube nicht, daß man nur sagen kann: Wollen wir doch zusammenkommen und uns an einen Tisch setzen, und dann fragen, worüber sprechen wir
denn eigentlich? Ich meine, so etwas muß geplant werden. Und man muß wissen
und glauben, daß man etwas erreichen kann. Und wenn wir dessen sicher sein
können, dann würde ich eine Gipfelkonferenz begrüßen, wie ich auch seinen Vorschlag über die Fortsetzung der Rüstungsreduzierungsgespräche befürwortet habe.
FRAGE: Was haben Sie zu dem heutigen Vorschlag für einen Nichtangriffspakt zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt zu sagen?
ANTWORT: Dies ist ja etwas, was nun gerade passiert ist. Und dies erfordert Konsultationen mit allen unseren Verbündeten in der NATO.
Naher Osten

�Naher Osten
FRAGE:

Ich kann mir nicht vorstellen, daß Sie mit dem Fortschritt der

Nahost-Initiative zufrieden sind, die Sie im Sommer letzten Jahres verkündet
haben.

Die Israelis sind immer noch im Libanon.die Syrer sind es auch,und

die Kampfhandlungen in Tripoli dauern an.

Ich möchte gerne wissen, was Sie

zu tun gedenken, um die Dinge schneller voranzubringen, insbesondere im State
Department?
ANTWORT:

Wir rufen Sonderbotschafter Habib aus dem Urlaub zurück.

Er

wird zu Botschafter Draper stoßen und müßte jetzt eigentlich schon dort sein.
Dies alles kommt nicht unerwartet für uns.

Natürlich hätten wir es lieber

gesehen, wenn sich alles schneller entwickelt hätte, aber angesichts der ganzen Situation - nicht nur im Libanon, sondern im ganzen Nahen Osten -haben wir
uns niemals irgendwelche Illusionen gemacht, daß irgendetwas sozusagen über
Nacht geschehen könnte.

Die Verhandlungen, die zu einem Abzug der ausländischen

Truppen führen werden, laufen jetzt.
Sie sagten, daß die Kampfhandlungen in Tripoli immer noch andauern.
Nun, dies ist erst seit kurzem der Fall, und es ist eine Tragödie, daß so etwas
geschieht.

Aber gerade darum drängen wir darauf, daß die fremden Truppen ab-

gezogen werden, so daß die neue libanesische Regierung Ordnung halten und für
ihre Souveränität sorgen kann.

Verschuldung der Dritten Welt
FRAGE:

Wie Sie wissen, sind in der Finanzwelt Besorgnisse über die große

Verschuldung einiger Entwicklungsländer - ich glaube, 300 Milliarden Dollar
allein in Lateinamerika - geäußert worden.

Sehen Sie angesichts dieser großen

Verschuldung irgendwelche Gefahren für das Bankensystem, und welche Schritte
unternimmt Ihre Administration, um mit diesem Problem fertigzuwerden?
ANTWORT:

Selbstverständlich

�ANTWORT: Selbstverständlich stellt dies ein Risiko dar. Dadurch entsteht meiner Meinung nach weltweit eine heikle Finanzsituation, wie ja auch
die Rezession die ganze Welt betrifft. Wir haben hinsichtlich des Weltwährungsfonds eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, auf die man als Hilfsmittel
zurückgreifen kann, und wir haben die Beiträge erhöht. Wir haben auch, wie
Sie alle wissen, einseitige Schritte gegenüber einigen unserer Nachbarn eingeleitet, um sie über Wasser zu halten und ihnen zu helfen. Und als Ergebnis
dieser Maßnahmen hat eine Anzahl von Ländern Sparprogramme in Angriff genommen.
Ich neige zu der Ansicht, daß wir dies gut durchstehen werden. Wenn es
natürlich weitgehend ein Fehl verhalten und Versäumnisse geben sollte, dann
würde dies zu einigen sehr ernsten Problemen führen.

- 4 -

�12. Januar 1983

US-GESANDTER WÜRDIGT DEUTSCHEN BEITRAG ZUM AUFBAU AMERIKAS
- Festrede von William M. Woessner in Krefeld -

KREFELD - (AD) - Der Gesandte an der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland,
William M. Woessner, hat am 9. Januar 1983 in Krefeld anläßlich
des 300. Jahrestages der Einwanderung der ersten deutschen Siedler
den Beitrag dieser Einwanderer zum Aufbau Amerikas gewürdigt und
die deutsch-amerikanische Freundschaft bekräftigt. Die Festrede
des amerikanischen Gesandten hat folgenden Wortlaut:
Herr Oberbürgermeister,
Herr OberStadtdirektor,
Liebe Ehrengäste,
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
Es ist mir eine ganz besondere Freude und Ehre, als persönlicher Vertreter von Botschafter Arthur B u m s , Ihnen allen die
Grüße und Glückwünsche der Angehörigen der amerikanischen Botschaft
in Bonn zu überbringen.
Wir haben

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�Wir haben uns hier versammelt, um den 300. Jahrestag der Einwanderung der ersten Deutschen in das Gebiet der heutigen Vereinigten Staaten zu feiern. Ich halte es für vollkommen angebracht,
diese Feier nicht nur zur Bekräftigung der deutsch-amerikanischen
Freundschaft, sondern auch dazu zu benutzen, dieses Ereignis in
die dringend angezeigte historische Perspektive zu rücken: Unsere
Beziehungen haben schließlich nicht erst nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen.
•

Die beherzten Mennoniten aus dem Raum Krefeld, derer wir heute
gedenken, gehörten zu den ersten Deutschen überhaupt, die in die
Neue Welt zogen, um dort einen neuen Anfang zu versuchen. Aus
einem Rinnsal von Einwanderern wurde bald schon ein Fluß und gegen
Ende des 19. Jahrhunderts gar ein Strom. Die Namen mancher Auswanderer aus Deutschland zieren heute die amerikanische Geschichte:
Johann Peter Zenger, der der Pressefreiheit in den amerikanischen
Kolonien einen bahnbrechenden Sieg erkämpfte; Friedrich Wilhelm
von Steuben, der George Washingtons Revolutionsheer im Soldatenhandwerk unterwies und es befähigte, Amerikas Unabhängigkeit zu
erstreiten; Carl Schurz, ein überzeugter Demokrat, der gemeinsam
mit Präsident Abraham Lincoln für die Abschaffung der Sklaverei
kämpfte, unter Präsident Rutherford Hayes als Innenminister diente
und den amerikanischen Staatsdienst reformierte; Johann Roebling
und dessen Sohn Augustus; Leopold Damrosch und seine Söhne Walter
und Frank; Bruno Walter; Albert Einstein; Henry Kissinger und
Wernher von Braun - eine Liste, die sich beliebig erweitern ließe.
Zusammen mit diesen berühmten Persönlichkeiten kamen Millionen von
Bauern, Arbeitern, Handwerkern, Künstlern und Intellektuellen,
die alle mithalfen, auf amerikanischem Boden eine starke und
dynamische demokratische Gesellschaft zu errichten. Sie alle
weihten der neuen Heimat ihr Hirn und Herz, ihr Talent,

- 2 -

�ihr Talent, ihre Tatkraft und ihre Loyalität und hielten dennoch
an der Liebe zu dem Land fest, das sie hinter sich gelassen hatten.
Bis tief in das 20. Jahrhundert hinein blühten und gediehen in
Amerika deutsche Musikkapellen, deutsche Gesang- und Turnvereine
und andere gesellige Vereinigungen. Die verwandtschaftlichen Bande
und kulturellen Bindungen zu Deutschland bereicherten das Leben in
Amerika bis in die Tage hinein, als sie durch die Feindseligkeiten
des Ersten Weltkrieges schwer zerrüttet und durch die Schrecken des
Zweiten Weltkrieges nahezu gänzlich zunichte gemacht wurden. Es
wirkt wie eine Ironie der Geschichte, daß es ein Nachfahre deutscher
mennonitischer Auswanderer namens Eisenhower war, der auf diesen
Kontinent zurückkehrte an der Spitze der Alliierten Truppen, die
der Nazi-Diktatur auf alle Zeiten ein Ende setzten.
Heute haben über die Hälfte der Bewohner Deutschlands keine
persönlichen Erinnerungen mehr an die ersten schrecklichen Monate
unmittelbar nach dem Ende der langen Nacht der Barbarei. Das Land
verstümmelt und geteilt, Trümmerhaufen dort, wo einst große Städte
standen, eine darniederliegende Wirtschaft, Millionen von Flüchtlingen, Hunger, Hoffnungslosigkeit und die Bitternis eigener Schuld
das war Deutschland 1945. Dann aber geschah etwas Ungewöhnliches:
Der Sieger streckte dem Verlierer die Hand der Versöhnung entgegen.
In einer richtungweisenden Rede öffnete der damalige amerikanische
Außenminister Byrnes ein Jahr nach Kriegsende in Stuttgart Deutschland das Tor zur Rückkehr in die Völkerfamilie. Mit dem MarshallPlan erhielt Deutschland Hilfe zur Selbsthilfe. Und in den heroischen Tagen der Berliner Luftbrücke gelangten die einstigen Gegner
zu der Erkenntnis, daß sie sich in die Liebe zur Freiheit und in
den Willen zu deren Verteidigung teilen.
Aus diesen

�Aus diesen Anfängen heraus begannen die Bewohner des westlichen
Teils Deutschlands mit dem Aufbau eines neuen deutschen Staates.
Gestützt auf Traditionen des Humanismus, der Aufklärung und des
Liberalismus, die alle Phasen der deutschen Geschichte überdauert
hatten, begründeten sie eine festgefügte parlamentarische Demokratie
mit einer unabhängigen Justiz und Vorkehrungen zum Schutz der
Bürgerrechte. Die Deutschen zogen einen Schlußstrich unter Jahrhunderte der Feindschaft mit ihren Nachbarn im Westen und halfen
mit, die Grundlagen für Zusammenarbeit und Wohlstand in Europa zu
schaffen. Eingebettet in die Gemeinschaft des Westens suchten sie
die Aussöhnung mit ihren Nachbarn im Osten. Sie boten, soweit dies
menschenmöglich ist, Wiedergutmachung für die Verbrechen der Vergangenheit. In den Ratsversammlungen der Welt wurden die Deutschen
bald zu einer Kraft, die sich unablässig für die Unterstützung der
Hilfsbedürftigen und die friedliche Regelung von Streitfragen verwendet. Sie gaben jenen Deutschen, die ausgewandert waren, den
Stolz auf ihr Vaterland zurück, und setzten Zeichen der Hoffnung
für alle jene Deutschen, die noch immer unter einer Tyrannei zu
leben gezwungen waren. Das sind gewaltige Leistungen, auf die die
Bürger der Bundesrepublik Deutschland mit vollem Recht stolz sein
können.
Seit über dreißg Jahren haben die Bundesrepublik, die Vereinigten Staaten und andere Demokratien in der Nordatlantischen Gemeinschaft als souveräne und gleichberechtigte Bündnispartner den Frieden bewahrt. Wir sind miteinander verbunden, nicht nur durch gemeinsame Sicherheitsinteressen, sondern vor allem durch gemeinsame Wertvorstellungen. Sie bringen Sinn und Inhalt in unser tägliches
Leben. Denken wir einen Augenblick nach. Wir haben die Freiheit

- 4-

�die Freiheit der Wahl, wo wir leben, wo wir arbeiten und was wir mit
unserer Freizeit tun wollen. Unser Heim, unser Eigentum und unsere
Person sind sicher gegenüber staatlicher Willkür. Wir haben ein
Recht auf unser Privatleben. Wir können zu Gott beten, wie wir
wollen - oder auch überhaupt nicht. Wir können uns am politischen
Leben beteiligen, um friedlichen Wandel anzustreben - oder wir
können für uns bleiben. Wir haben die Freiheit zu lesen, zu schreiben, zu sprechen und zu demonstrieren - ohne Furcht. Man braucht
sich nur in der Welt unzusehen, um festzustellen, wie selten diese
Freiheiten sind. Man braucht nur einen Blick in die Geschichte zu
werfen, um zu sehen, wie schwer es war, sie zu erlangen, und wie
leicht man sie verlieren kann. Sie sind es wert, bewahrt zu werdeiit
Sie sind es wert, verteidigt zu werden.
In diesem Jahr werden unser Mut, unser politischer Wille und
unsere Einigkeit auf eine ernste Probe gestellt werden. Selbstvertrauen und Vertrauen des einen auf den anderen werden notwendig
sein. Bleiben wir standhaft, gelassen und vor allem einig, dann
wird uns keine Macht der Erde einschüchtern, uns erpressen oder
unserer Freiheiten berauben können; dann werden wir die Gewähr
schaffen, daß die Generationen nach uns in Frieden und Freiheit
leben können, und dann werden sich eines Tages - so Gott will Deutsche und Amerikaner abermals in Krefeld versammeln, um den
400. Jahrestag des Bestehens der deutsch-amerikanischen Freundschaft zu feiern.
+ + +

- 5 -

�Dokumentation

I

United States Information Service
Embassy of the United States of America

12. Januar 1983

USA UNTERSTREICHEN DEUTSCH-AMERIKANISCHE FREUNDSCHAFT
Grußbotschaften zum 300. Jahrestag deutscher Einwanderung -

KREFELD - (AD) - Die amerikanische Regierung hat in Grußbotschaften
anläßlich der Feierlichkeiten zum 300. Jahrestages der ersten deutschen Einwanderung in Amerika auf die tiefe und langjährige deutsch-amerikanische
Freundschaft und Partnerschaft hingewiesen.
Zur Eröffnung der deutsch-amerikanischen Dreihundertjahrfeiern gab
der Präsident der "Heritage Foundation", Dr. Edwin J. Feulner, als Vertreter der von Präsident Reagan hierzu eigens eingesetzten Kommission am 9. Januar 1983 in Krefeld eine Erklärung ab, die folgenden Wortlaut hat:
Im Namen des amerikanischen Volkes grüße ich alle, die sich hier in
Krefeld zur Eröffnung der Feierlichkeiten eines Gedenkjahres eingefunden haben, in dem wir in beiden Ländern den 300. Jahrestag der Ankunft der Siedler
von Germantown begehen werden.

Die Familien, die Krefeld im Jahre 1683 auf

dem Weg zu einer neuen Heimat verließen, die ihnen religiöse und politische
Freiheit verhieß, waren die Vorhut von mehr als sieben Millionen Einwanderern
aus deutschen Landen nach den Vereinigten Staaten.
Heute hat

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�Heute hat mehr als ein Viertel der Bevölkerung der Vereinigten Staaten
- rund 60 Millionen unserer Bürger - deutsche Einwanderer als Vorfahren.

Seit

Ende des Zweiten Weltkrieges haben Deutsche und Amerikaner eine Partnerschaft
entwickelt, die von entscheidender Bedeutung ist für die Förderung und den
Schutz der Ideale, für die unsere beiden Länder eintreten. Wir verteidigen
diese Ideale der Demokratie, der Würde des Einzelmenschen und der Herrschaft
des Rechts im NATO-Bündnis.

Unsere Handelsbeziehungen sowie die gegenseiti-

gen Investitionen in die Volkswirtschaft
tigen Stärke und zum Fortschritt bei.

unserer Länder tragen zur beidersei-

Der gemeinsame Charakter unserer Anstren-

gungen kommt vielleicht am besten in unseren gemeinsamen Beiträgen zu einem in
die Zukunft weisenden Bereich der heutigen Technologie zum Ausdruck:
biet der Raumfahrt.

dem Ge-

Im Verlauf dieses Jahres wird die amerikanische Raum-

fähre mit einem europäischen Laboratorium an Bord in den Weltraum vorstoßen.
Und der erste nichtamerikanische Astronaut, der sich von Kap Kennedy aus in
eine Umlaufbahn begeben wird, ist Pin Deutscher.
Im letzten Jahr hat Präsident Reagan Bonn und Berlin besucht und Bundeskanzler Kohl in Washington willkommen geheißen. In diesem Jahr erwarten wir
den Besuch von Bundespräsident Carstens im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten
zum 300. Jahrestag der ersten deutschen Einwanderer. Präsident Reagan hat eine
Kommission zur Förderung und Koordinierung der Aktivitäten und Veranstaltungen
im Rahmen der Dreihundertjahrfeiern überall in den Vereinigten Staaten eingesetzt. Wir erwarten in diesem Jubiläumsjahr ein stärkeres Bewußtsein des
deutsch-amerikanischen Erbes in den Vereinigten Staaten und eine Vertiefung
des Verständnisses unserer Völker füreinander, insbesondere unter den jungen
Menschen, für die der Marshallplan und die Berliner Blockade nur noch historische
Ereignisse sind. Es ist von äußerster Wichtigkeit für die Stärke unserer Partnerschaft, daß wir immer wieder die Bindungen der Freundschaft und des Respekts
erneuern, die jene von uns füreinander empfinden, die sich am Wiederaufbau
Deutschlands und Westeuropas beteiligt haben. Deshalb hat Präsident Reagan
gefordert, daß ein erneuter Nachdruck auf die Austauschprogramme zwischen
Deutschland und den Vereinigten Staaten gelegt wird. Wir Deutsche und Amerikaner müssen, als Einzelmenschen und als Nation, unser Eigenleben führen, aber
wir müssen auch gemeinsam die Zeit aufbringen, um jenes Verständnis und jene
- 2 -

�und jene Sympathie zu fördern, die zwischen Freunden immer wieder erneuert
werden müssen.
Ich entbiete der Bevölkerung von Krefeld und der Bundesrepublik
Deutschland meine besten Grüße, wo man jetzt mit den Feierlichkeiten zum
Gedenken an die mutigen Siedler beginnt, die vor 300 Jahren Deutschland verließen und den Prozeß der Bereicherung unserer Gesellschaft einleiteten einen Prozeß, der von deutschen Einwanderern bis auf den heutigen Tag fortgesetzt worden ist.

Sowohl Deutsche als auch Amerikaner dürfen einem beson-

deren Jahr der Vertiefung der deutsch-amerikanischen Freundschaft und Verständigung entgegensehen.
Der Vorsitzende der von Präsident Reagan eingesetzten Kommission für
die deutsch-amerikanischen Drei hundertjahrfeiern, Richard V. Allen, übermittelte folgende Grußbotschaft:
Als Vorsitzender der von Präsident Reagan benannten Kommission für die
deutsch-amerikanischen Dreihundertjahrfeiern ist es mir eine besondere Freude,
heute die Einwohner Krefelds zu grüßen.

Während dieses Jubiläumsjahres werden

überall in den Vereinigten Staaten Hunderte von Feierlichkeiten stattfinden,
um

das Vermächtnis des deutsch-amerikanischen Beitrages zu unserer Geschichte

zu würdigen.

Besonders sind wir uns der Bindungen bewußt, die heute die Bun-

desrepublik und die Vereinigten Staaten verbinden.
Es ist dies eine Zeit des erneuten Eintretens für den Geist und die
Ideale jener Deutsch-Amerikaner, die dazu beigetragen haben, daß unser Land
zur wirtschaftlichen, politischen und sozialen Führungsnation wurde, die es
heute ist, sowie all jener, die die Bindungen zwischen einer starken und
vertrauenswürdigen Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten von
Amerika geschaffen haben.
In der Bundesrepublik werden anläßlich dieses Jubiläumsjahres ebenfalls zahlreiche Veranstaltungen stattfinden, und wir in Amerika sehen diesem

- 3 -

�sehen diesem Jahr als einem Zeitabschnitt entgegen, in dem wir sowohl die
großen historischen Leistungen der Deutschen in Amerika als auch die gegenwärtige Stärke unserer gemeinsamen Bindungen würdigen werden.

+ + + + +

- 4 -

�12. Januar 1983

ELIZABETH DOLE ZUM NEUEN VERKEHRSMINISTER DER USA NOMINIERT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 5. Januar 1983
Elizabeth Hanford Dole zum neuen Verkehrsminister der Vereinigten
Staaten nominiert. Sie soll die Nachfolgerin von Andrew L. Lewis
werden, der kürzlich von seinem Amt zurückgetreten ist und im
Februar wieder in die Privatwirtschaft zurückkehren will. Die
Nominierung muß noch vom amerikanischen Senat bestätigt werden.
Mrs. Dole, die während der letzten zwei Jahre im Weißen Haus
dem Stab für Öffentlichkeitsarbeit angehörte,wird in ihr neues Amt
eine beträchtliche administrative Erfahrung einbringen, die sie
während einer langjährigen Tätigkeit im öffentlichen Dienst der
Vereinigten Staaten, vor allem in dem früheren Ministerium für
Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialfragen sowie in der Kommission
für Verbraucherinteressen und in der Bundeshandelskommission,
erwerben konnte. Die Hauptaufgabe in ihrem neuen Amt wird es jetzt
sein, das Verkehrsgesetz von 19 82 durchzuführen, das unter anderem
ein umfassendes Ausbesserungs- und Bauprogramm für reparaturbedürftige Straßen und Brücken in allen Teilen des Landes beinhaltet.
Elizabeth Dole

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�Elizabeth Dole ist 46 Jahre alt und kommt aus dem Staate North
Carolina. Sie studierte an der Duke üniversity in Durham (North
Carolina) politische Wissenschaften und wechselte dann nach Harvard,
wo sie ein Jurastudium absolvierte, bevor sie nach Washington in den
Regierungsdienst ging. Mitte der sechziger Jahre war Mrs. Dole zeitweilig als Anwältin tätig, wobei sie sich insbesondere bedürftiger
Menschen annahm.
1975 heiratete sie den republikanischen Senator Robert Dole aus
dem Staat Arkansas, der gegenwärtig der Vorsitzende des einflußreichen Finanzausschusses des amerikanischen Senats ist und sich
1976 - allerdings erfolglos - um das Amt des Vizepräsidenten der
Vereinigten Staaten bewarb.
Mrs. Dole ist Inhaberin vieler AusZeichnungen,darunter der
Arthur S. Flemming-Medaille für hervorragende Arbeit im Regierungsdienst, und gehört zahlreichen Ausschüssen und politischen Gremien
an.

+ + +

�12. Januar 1983

DIE STRATEGIE DER US-BUNDESBANK FÜR DEN WIRTSCHAFTLICHEN AUFSCHWUNG
- Interview mit Vizepräsident Preston Martin -

Nachdruck nur mit ausdrücklicher Genehmigung der amerikanischen Zeitschrift "U.S.
News and World Report". Die Originalfassung des Interviews in Englisch erschien
in der Ausgabe der Zeitschrift vom 10. Januar 1983.
Copyright (c) 1983 U.S. News and World Report, Incorporated
Preston Martin, 59, wurde im März 1982
als Vizepräsident des Federal Reserve Board
(US-Bundesbank) vereidigt. Der Kalifornier
Martin hat zwei Firmen zur Finanzierung von
Immobilien gegründet. Von 1969 bis 1972
war er Aufsichtsratsvorsitzender der Federal
Home Loan Bank (staatliche Wohnungsbau- und
Hypothekenbank).

FRAGE: Mr. Martin, sind die Zinssätze jetzt niedrig genug, um den Beginn eines wirtschaftlichen Wiederaufschwungs zu ermöglichen?
ANTWORT:

Ich meine, sie sind jetzt niedrig genug für einen Beginn des

Wiederaufschwungs.
sinken.

Ich möchte hoffen, daß die Sätze im Jahr 1983 noch etwas

Die Zinssätze, vor allem für langfristige Kredite, sind noch zu hoch,

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�zu hoch.

Wenn ein Wiederaufschwung eintreten soll, der in ausreichendem Maße

aufrechterhalten werden kann, müssen die realen Zinssätze - die laufenden
Sätze abzüglich der Inflationsrate - weiter sinken.
FRAGE:
ANTWORT:

Wie tief müssen die Zinssätze sinken?
Das wissen wir nicht.

Wir müssen jene beobachten, die die Ent-

scheidungen treffen, die Leute, die neue Fabrikanlagen und Ausrüstungen bestellen und für die Läger zuständig sind.

In unserer Wirtschaft ändern sich so

viele Dinge - das ist das Zeichen dieses Jahrzehnts -, daß die alten Beziehungen nicht mehr gelten.

Wir wissen beispielsweise nicht, welcher Zinssatz im

Jahr 1983 ein reales vierprozentiges Wachstum hervorrufen würde.
FRAGE:

Die Bundesbank hat kürzlich den Diskontsatz, den sie für Kredite

an Landesbanken verlangt, gesenkt.
ANTWORT:

Warum?

Sie könnten sagen, daß wir den Markt zu Zinssenkungen ermuti-

gen, aber nur so weit, als die Marktbedingungen das ohne die Gefahr einer Wiederbelebung der Inflation erlauben.
FRAGE:
des Marktes.

Die Senkungen des Diskontsatzes 1982 folgten auf ein Nachgeben
Warum jetzt die Änderung, daß man den Markt bezüglich der Sätze

führt?
ANTWORT:

Wegen der Verzögerung des Wiederaufschwungs; wegen unserer

Erkenntnis, daß die Rezession nicht mehr auf Werkzeugmaschinen und Walzstraßen
allein beschränkt ist.

Sie ist überall festzustellen.

wirtschaften der Welt befinden sich in einer Rezession.

Auch die anderen VolksWir meinen, diese

Verhältnisse erfordern einige Ermutigung, und laden dazu ein.
FRAGE:
auslösen?

Welche Bedingungen würden eine weitere Senkung des Diskontsatzes

ANTWORT:
- 2 -

Wenn

�ANTWORT:

Wenn die jüngste Senkung des Diskontsatzes plus der anderen

Maßnahmen, die wir auf dem offenen Markt ergriffen haben, nicht zu nachfolgenden Senkungen der Zinssätze führen, dann müßten wir uns überlegen, warum
das so wäre.

Es könnte sein, daß wir nicht in der Lage wären, etwas dagegen

zu tun, ohne die Inflationseinschränkung zu verletzen.
Falle sitzen.

Die Bundesbank ist nicht allmächtig.

Wir könnten in der

Man muß in diesem Ge-

schäft auch etwas Glück haben.
FRAGE: Ist die Inflationsbekämpfung noch immer die oberste Priorität
der Bundesbank?
ANTWORT: Die Bundesbank hat vielfältige Aufgaben, denn der Kongreß
setzt uns vielfältige Aufgaben. Wenn Sie mich zwingen, in den Aufgaben Prioritäten zu setzen, dann würde ich die Inflationsbekämpfung an die erste Stelle
rücken und die Förderung des Wiederaufschwungs an die zweite. Aber ich bin
nicht der Meinung, daß sich diese Ziele gegenseitig ausschließen. Wir haben
sie sogar beide gleichzeitig verfolgt. Aber die Bekämpfung der Inflation steht
noch immer an erster Stelle.
FRAGE:

Wie tief muß die Inflationsrate gesunken sein, ehe wir sagen

können, wir haben es geschafft; wir können nach Hause gehen?
ANTWORT:

Das kann man nie sagen.

Wenn man sagt:

"Das einzige, was

uns interessiert, ist der Wiederaufschwung ", dann werden die Börsenmakler
sagen:

"Natürlich, die Bundesbank hat wieder nachgegeben.

Sie läßt die Geld-

pumpen wieder zu schnell laufen, und die Inflation kommt zurück.

Als Geld-

händler habe ich vorige Woche für eine ganz erstklassige Schuldverschreibung
einer Körperschaft 12 Prozent genommen, aber diese Woche verlange ich 13 Prozent, weil ich glaube, daß die Inflation einen weiteren Prozentpunkt steigen
wird und ich schließlich den gleichen Ertrag haben will.

Nächste Woche will

ich 14 Prozent und die übernächste will ich 15 Prozent", und dann ist es vorbei; dann ist der Wiederaufschwung dahin.
FRAGE:
- 3 -

Könnte

�FRAGE:

Könnte das Festhalten an einer Politik der Senkung der Inflation

durch ein bescheidenes Geldmengenwachstum nicht den Wiederaufschwung zunichte
machen?
ANTWORT:
würden:

Sicherlich, wenn wir es übertreiben würden.

Wenn wir sagen

"Wir wollen die Inflation in 12 Monaten auf Null bringen", dann wür-

den wir natürlich den Wiederaufschwung zunichte raaeben. Wenn wir genau das
richtige Wachstum der Geldmenge haben, dann wird das alles funktionieren.
FRAGE:

Wann wird ein Wiederaufschwung sichtbar werden?

ANTWORT:

Die Anzeichen sind bisher noch so schwach, daß ich diese Frage

nicht beantworten kann.
1983.

Die

Propheten sprechen von später und später im Jahr

Der Wiederaufschwung wird schwach sein und daher nicht von einem neuen

Ausbruch der Inflation oder einer anhaltenden Steigerung der Zinssätze begleitet werden.

Das hat Vorteile und Nachteile:

wenig Inflationsneigung aber zu-

viel Arbeitslosigkeit.
FRAGE:

Wie lange wird der Wiederaufschwung dauern?

ANTWORT: Dieser Aufschwung dürfte anhalten. Er wird nicht nach sechs
Monaten wieder aufhören und uns erneut in die Misere bringen. Er wird allerdings so bescheiden sein, daß er nicht über normal lange Zeit anhalten wird.
Aber wer weiß das? Die Produktivität nimmt wieder zu. Das Fernbleiben vom
Arbeitsplatz geht zurück. Die Arbeitsbedingungen werden in Tarifverträgen mit
den Gewerkschaften angepaßt.
FRAGE:

Wie groß ist die Möglichkeit, daß wir keinen Wiederaufschwung

erleben werden?
ANTWORT:
FRAGE:

Die ist sehr gering; ich möchte sagen fünf bis zehn Prozent.
Sind Befürchtungen, wir würden in eine Depression treiben, ge-

rechtfertigt?
ANTWORT: Nein;
_ 4 _

�ANTWORT:

Nein; was wir haben, ist eine strukturelle Anpassung.

Wir

werden im oberen Mittelwesten nicht so viele Walzwerke oder so viele Fabriken
der Schwerindustrie haben.

Unsere Grundindustrien, wie Stahl und Automobile,

werden etwas kleiner sein als früher.

Wir sind in der Computer-Industrie,

Videospielen, Kabel fernsehen, in der Informationsindustrie usw.

Gleichzeitig

werden wir in so vielen Industriezweigen von einer wirksameren ausländischen
Konkurrenz betroffen.

Wir erleben einen desinflationären Prozeß, bei dem die

Menschen mehr sparen und weniger ausgeben.
zeitig.

All diese Dinge geschehen gleich-

Es ist falsch, nur auf die Rezession zu starren.

1983, nicht im Jahr 1957.
eines Raumschiffs.
nicht aufgemacht.

Wir leben im Jahr

Wir~*ind in der hermetisch geschlossenen Luftschleuse

Wir haben die eine Tür geschlossen und die andere noch
Es handelt sich nicht um eine Depression, sondern um einen

mehrfachen Anpassungsprozeß.
FRAGE:

Wie sind die Aussichten für Preise und Arbeitslosigkeit im Jahr

1983?
ANTWORT:

Die Inflation wird noch etwas heruntergehen.

Die Arbeitslo-

sigkeit steigt noch, aber ich glaube, wir werden bald den Höchststand erreicht
haben.

Wegen der Schwäche des Wiederaufschwungs und wegen der Anpassungen in

der Wirtschaft, werden wir wahrscheinlich eine Kernrate der Arbeitslosigkeit
von 6,5 Prozent haben, und wir werden noch eine Zeitlang eine höhere Arbeitslosigkeit haben.
FRAGE:

Wie wirkt sich das Defizit im Bundeshaushalt auf diese Erwar-

tungen aus?
ANTWORT:

Der Finanzbedarf der Einzel Staaten und Kommunen - zusätzlich

zu dem des Bundesfinanzministeriums - verdrängt die Kreditnehmer vom Anleihenmarkt.

Das ist auf lange Sicht wichtiger, denn es nimmt dem Land produktive

Mittel.

Wenn wir weiterhin Defizite im Bundeshaushalt in der Nähe von 200

Milliarden Dollar haben, dann wird das bedeuten, daß wir die Erfordernisse des
Wiederaufbaus unserer Wirtschaft nicht erfüllen.

- 5 -

Wir müssen unsere industriellen

�unsere industriellen Anlagen wieder aufbauen.

Wir müssen unsere Infrastruktur

- Straßen, Dämme, Kanalisation - wieder aufbauen, und dazu brauchen wir viel
Kapital.
FRAGE:
ANTWORT:

Wie sollte dieses Defizit abgebaut werden?
Für die Geldseite ist die Bundesbank zuständig.

unsere Art, zum Kongreß zu laufen und zu sagen:
kürzen, nicht die Verteidigung".
achten den Kongreß sehr hoch.

Es ist nicht

"Sie sollten die Ansprüche

Wir geben keine solche Empfehlungen.

Wir

Wir haben über 500 Chefs (Abgeordnete und Se-

natoren); wir werden ganz sicher einem Chef nicht sagen, was er zu tun hat.
FRAGE:

Sollte der Kongreß die Ausgaben senken oder die Steuern er-

höhen?
ANTWORT: Wenn es darum geht, Anreize für die Produktion zu geben, dann
Ist es vorteilhafter, die Ausgaben zu senken statt die Steuern zu erhöhen.
Die Steuern sind als Prozentsatz des Bruttosozialprodukts ziemlich hoch. Wir
sind uns im klaren, daß verschiedene Industriezweige und Finanzinstitutionen
eine schwierige Zeit durchmachen. Ich würde es lieber sehen, wenn der Kongreß
seinen Griff auf die Mittel etwas lockern statt die Steuern erhöhen würde.
FRAGE:

Wie groß sollten die Ausgabenkürzungen sein?

ANTWORT: Ich meine, der Umfang der Kürzungen wird begrenzt sein, weil
ich nicht sicher bin, ob es im Land eine Obereinstimmung geben wird, wo gekürzt
werden sollte. Zumindest sollte die Rate der Ausgabenerhöhungen stark gesenkt
werden. Wenn die Leute von "Kürzungen" sprechen, dann meinen sie im allgemeinen, daß das Programm nicht 15 Prozent pro Jahr wachsen sollte, sondern nur
12 Prozent.
FRAGE:

Sollten die Verteidigungsausgaben in die Kürzungen einbezogen

werden?
ANTWORT:

Die

�ANTWORT:

Die Bundesbank ist kein Experte in Verteidigungsfragen, aber

ich möchte meinen, daß kein Gebiet der Ausgaben sakrosankt wäre.

Bei jedem

großen Programm gibt es Verschwendung und Unzulänglichkeiten, die gefunden
und beseitigt werden müssen.
FRAGE:

Welche Ziele hat die Bundesbank 1983 bezüglich des Geldmengen-

wachstums?
ANTWORT:

Die endgültigen Ziele stehen noch nicht fest. Wir werden bis

zum Februar eine gründliche Überprüfung vornehmen, um dann dem Kongreß zu berichten.

Wir warten noch die Reaktion auf die neuen Geldmarktkonten und So-

fortverfügungskonten (eine Art verzinster Giro-Konten) ab, die jetzt gerade
eingerichtet werden können.

Das Geld auf den bestehenden Bankeinlagen wird

sich verlagern, d.h. die Bundesbank wird ihre Ziele zu einem Zeitpunkt großer
Unsicherheit festlegen müssen.
FRAGE:

Hat die Bundesbank ihre Hauptaufmerksamkeit von M-l, der Grund-

geldmenge, auf M-2, eine breiter verfügbare Geldmenge, verlagert?
ANTWORT:

Wir sind bereits zu M-2 übergegangen, was die Spareinlagen

wie auch das Bargeld und Girogeld von M-l einschließt.

Wir haben niemals nur

M-l im Auge gehabt. Wir haben Ziele für M-l und M-2 gesetzt und haben auch erklärt, daß wir die Zinssätze als einen Wertmesser für unsere Ziele beobachten
würden.
FRAGE:

Wie gut ist die Kontrolle der Bundesbank über die Geldmenge

wirklich?
ANTWORT:
zu senken.

Wir haben wirklich sehr viel dazu beigetragen, die Inflation

Wir haben das Geldmengenwachstum gegenüber den letzten Jahren recht

beachtlich eingeschränkt.

Aber unsere Kontrolle ist begrenzt.

Die Bevölkerung

hat heute offensichtlich den Wunsch, über eine Menge Bargeld zu verfügen, und
unsere Aufgabe ist es, sie damit zu versorgen.

Wenn wir das Geldmengenwachstum

so drosseln, daß es gerade noch ausreicht, Transaktionen vorzunehmen, dann haben
- 7 -

�dann haben wir den Markt in einer Situation unterversorgt, in der die Öffentlichkeit offensichtlich große verfügungsbereite Konten haben will.

Das würde

dann zu einer Tendenz führen, daß die Zinssätze steigen und die Wirtschaftstätigkeit aufhört.

Zur Zeit haben wir also unsere Ziele in der oberen Hälfte

anvisiert und manchmal auch darüber.
FRAGE:
ANTWORT:

Warum sitzen die Leute auf mehr Geld?
Lieber Himmel, im Fernsehen kann man ständig etwas über das

Problem der Finanzierung der Sozialversicherung hören.

Viele Leute befürch-

ten, sie könnten ihre Sozialversicherungsrente nicht bekommen.

Das ist falsch,

aber die Leute haben vor fünf Jahren sicherlich nicht so gedacht.

Die Leute

fragen sich auch, ob sie ihren Arbeitsplatz behalten werden, und wir erleben
nicht die Hortungskäufe, die wir erlebten, als die Inflation nachließ.
FRAGE:
ANTWORT:

Wäre es besser, stattdessen ein Ziel für die Zinssätze zu setzen?
Wir haben die Methode der Zielsetzung für die Zinssätze bis

vor drei Jahren angewandt,und die Ergebnisse waren nicht sehr befriedigend.
Eine Zielsetzung für Zinssätze ist heute wegen der Bewegungen internationalen
Kapitals noch schwieriger.

Wenn viel Geld aus Obersee hereinkommt und die Zins-

sätze nach unten treibt, sollen wir dann den internen Geldumlauf einschränken?
Das internationale Geld könnte wieder nach Übersee abziehen.
Es sieht nicht so aus, als ob eine Zielsetzung für Zinssätze eine praktische Methode der Geldpolitik wäre.

Wir arbeiten jedoch für den Kongreß, und

im Kongreß hat es Vorschläge gegeben, uns anzuweisen, einen bestimmten Stand
der Zinssätze zu halten.
FRAGE:

Sie würden das natürlich nicht gerne sehen?

ANTWORT: Es würde die Handhabung der ganzen Maschinerie erschweren. In
einer Zeit solcher Ungewißheit brauchen wir Flexibilität. Wir legen unsere

- 8 -

�legen unsere Ziele und die wirtschaftlichen Faktoren, die wir zur Beurteilung
nehmen, offen.

Wir sind dreiundsiebzigmal vor dem 97. Kongreß gewesen, und

was wir tun, ist keinerlei Geheimnis.
FRAGE:

Sähen Sie einen Vorteil darin, den Finanzminister in das Direk-

torium der Bundesbank zu berufen, um die Koordination der Haushalts- und Währungspolitik zu verbessern?
ANTWORT:

Nein, wirklich nicht.

Die Kommunikation zwischen Vertretern

des Finanzministeriums und der Bundesbank ist übrigens sehr gut.
minister kommt mit dem Bundesbankpräsidenten zusammen.

Der Finanz-

Ich habe häufige Kon-

takte mit dem für Währungsfragen zuständigen Staatssekretär im Finanzministerium.
FRAGE:

Könnten einige der Entwicklungsländer wegen ihrer Schulden zah-

lungsunfähig werden und damit eine internationale Finanzkrise auslösen?
ANTWORT:

Nein, ihre Schuldenlast ist in den Griff zu bekommen.

Es er-

fordert ständig viel Arbeit, aber ich glaube nicht, daß eines der bekannten
Länder bankrott gehen wird.

Es liegt nicht in ihrem eigenen Interesse, sich

angesichts der Notwendigkeit zu importieren, von der ganzen Hilfe abzuschneiden, die sie aus dem Ausland bekommen.
FRAGE:

Unterstützen Sie den Vorschlag von Finanzminister Regan, daß

die westlichen Länder eine Überprüfung des Weltwährungssystems vornehmen?
ANTWORT: Ich halte es für gut, die wichtigen Finanzmächte der Welt zusammenzurufen, um die Mittel und Wege zu prüfen, mit deren Hilfe wir für Liquidität sorgen und Anleihen gewähren können, vor allem in diesen Problemfällen. Das ist eine gute Idee, aber ich denke da an eine Überprüfung und
Verbesserung der gegenwärtigen Praktiken und nicht an eine panische Suche nach
etwas ganz Neuem.

+ + + + +

- 9 -

�12. Januar 1983

2

LANGER WEG ZUR GESTEUERTEN KERNFUSION
Neuer amerikanischer Testreaktor in Betrieb genommen

- (AD) - In dem kürzlich fertiggestellten "Tokamak Fusion Test Reactor"
(TFTR) des Instituts für Plasmaphysik der Universität Princeton (US-Bundesstaat New Jersey) wurde Ende Dezember 1982 erstmals Wasserstoffgas so weit
aufgeheizt, daß sich die elektrisch negativen Elektronen von den elektrisch
positiven Atomkernen trennten und ein "Testplasma" bildeten.

Das als Plasma

bezeichnete ionisierte Gas konnte für die Dauer von fünf Hundertstel Sekunden
stabil gehalten werden.

Die aufgrund der Bewegungsenergie der Partikel er-

rechnete Temperatur im "Torus", der ringförmigen Plasmakammer, entsprach ca.
100 000 Grad Celsius.
Tausendmal

Die Temperaturwerte sollen nun gesteigert werden.

mehr, d.h. eine Temperatur von 100 Millionen Grad, ist er-

forderlich, um auf der Erde Energie mittels jener Prozesse zu erzeugen, die
sich im Innern unserer Sonne und anderer Fixsterne abspielen - dort allerdings bei Temperaturen von "nur" 12 bis 15 Millionen Grad.

Infolge der Ver-

schmelzung (Fusion) leichter Atomkerne-zü Kernen schwererer Elemente wird
nukleare Energie frei.

Sie kompensiert zu einem großen Teil Energieverluste,

die z. B. durch die Abstrahlung von Licht und Wärme entstehen.
Seit etwa

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Telex: 8-85432

�Seit etwa drei Jahrzehnten bemühen sich Wissenschaftler in internationalen Forschungsstätten darum, das Prinzip dieser thermonuklearen Fusion für
die Gewinnung von Energie nutzbar zu machen.

Würden sich selbsttätig erhal-

tende, kontrollierte Verschmelzungsreaktionen verwirklichen und in wirtschaftlicher Weise nutzen lassen, wäre die Energieversorgung der Welt gesichert.
Denn der Rohstoff - Wasserstoff sowie seine Isotope Deuterium und Tritium ist praktisch unbegrenzt vorhanden und mit relativ geringen Kosten aufzubereiten.

Im Vergleich zu anderen Energieträgern würde er nur in äußerst ge-

ringen Mengen verbraucht.

Und im Gegensatz zur Energiegewinnung mittels

Kernspaltung von Uran und anderen dafür geeigneten schweren Atomkernen oder
zur Erbrütung von Spaltmaterial wäre das Risiko, Gefahren durch radioaktive
Materialien und Abfallprodukte heraufzubeschwören, unvergleichlich geringer,
wenn auch nicht völlig ausgeschaltet.

Immerhin ist Tritium ein radioaktives

Wasserstoffisotop, allerdings mit der kurzen Halbwertszeit von 12 Jahren.
Das nichtradioaktive Deuterium allein kommt im gegenwärtigen Stadium der Technologie noch kaum als Fusionsbrennstoff in Frage, weil es eine wesentlich
niedrigere Reaktionsrate besitzt.
Von der "Zähmung der Wasserstoffbombe" ist im Zusammenhang mit der
kontrollierten thermonuklearen Fusion d^e Rede, weil die - in einzelnen Experimenten für sehr kurze Zeit und in geringem Umfang auch schon erzielten Verschmelzungsreaktionen nicht explosionsartig ablaufen. Sie kommen zustande,
wenn die Abstoßungsenergie von Atomkernen mit gleicher elektrischer Ladung
durch die bei extrem hohen Temperaturen gegebene große Bewegungsenergie überwunden wird. So können Deuterium- und Tritiumkerne verschmelzen und Kerne
des schwereren Elements Helium bilden, wobei überaus energiereiche Kernneutronen
frei werden. Diese würden gezwungen, ihre Energie zur Erzeugung von Wärme als
Zwischenstufe für die Stromproduktion abzugeben.
Voraussetzungen dafür sind u.a. ausreichend hohe Plasmatemperaturen
und ein stabiles Plasma in der Reaktionskammer.

Magnetische Kräfte sollen

bewirken, daß es nicht "ausbrechen" kann und mit der Kammerwandung kollidiert,
sondern eingeschlossen und damit reaktionsfähig bleibt.

- 2 -

Allerdings ist das

�ist das Verfahren der kontrollierten Kernfusion nur sinnvoll, wenn letztlich
sehr viel mehr Energie herausgeholt wird, als für das Ingangsetzen, die Unterhaltung und Steuerung des Fusionsprozesses aufgewendet werden muß.
Seit Beginn der Experimente Anfang der fünfziger Jahre sahen sich die
Wissenschaftler immer wieder außerordentlichen technischen Schwierigkeiten
gegenüber.

Plasmaphysiker und Ingenieure in amerikanischen, sowjetischen,

europäischen und japanischen Instituten bemühten sich intensiv darum, sie
durch die Entwicklung verschiedener Methoden zum Aufheizen, Einschließen, Verdichten und schließlich "Zünden" des Plasmas zu überwinden.

Denn sobald es

nicht mehr stabil gehalten werden kann und ausbricht, erlischt die Fusionsreaktion.

Aber nicht nur bei den einzelnen Systemen bzw. jeweiligen Anord-

nungen samt ihrer Komponenten, sondern auch im Zusammenhang mit den verwendeten Werkstoffen ergaben sich immer wieder neue Probleme.

Der Zeitpunkt,

zu dem die Errichtung eines Fusionsreaktors als Demonstrationsanlage für
wirtschaftliche Energiegewinnung hätte erwartet werden können, rückte immer
weiter in die Zukunft.

Heute wird erst nach dem Jahr 2000 damit gerechnet.

"Tokamak" (aus den ersten Silben der russischen Worte für "torusförmige
magnetische Kammer" gebildet) zählt zu den erfolgversprechendsten Experimentiersystemen.

Der neue TFTR, in siebenjähriger Entwicklungs- und Bauzeit

unter 314 Millionen Dollar Kostenaufwand errichtet, ist doppelt so groß
wie sein Vorläufer, der "Princeton Large Torus" (PLT), mit dem im Jahr 1978
schließlich Temperaturen von 60 Millionen Grad bei stabiler Plasmadichte für
die Dauer von zwei Hundertstel Sekunden und meßbaren Fusionsreaktionen erzielt wurden.

Ein Schlüssel zu diesem Erfolg war nach Ansicht der beteiligten

Wissenschaftler die "neutrale Strahlinjektion" mit vorbeschleunigten Deuteriumatomen aus mehreren Einschußsystemen.
Dr. Harold Fürth, der Direktor des Instituts für Plasmaphysik der Universität Princeton, erklärte anläßlich der Inbetriebnahme der TFTR-Anlage,
daß man bis 1986 so weit zu kommen hoffe, um mit dem Versuchsreaktor zumindest so viel Fusionsenergie zu erzeugen, wie für die Aufheizung, Verdichtung
und Zündung des Plasmas sowie die Steuerung des Reaktionsablaufs zugeführt
- 3 -

�Reaktionsablaufs zugeführt werden muß. Dann wäre der schon so lange angestrebte "break-even-point" endlich erreicht. Von den auch in England, in
der Sowjetunion und Japan in Bau befindlichen ähnlichen Versuchsreaktoren
sei TFTR als erster einsatzbereit. Die erste Maschine vom Typ Tokamak, die
etwa die Größe eines Autoreifens hatte, wurde Ende der sechziger Jahre am
Kurchatcw-Institut in Moskau gebaut.
Laut Dr. Fürth ist allerdings zur Zündung eines sich selbst erhaltenden "Fusionsfeuers" ein noch größerer und technisch weiter verbesserter
Testreaktor erforderlich. Er könnte etwa um 1994 in Betrieb genommen werden. Der Prototyp eines kommerziellen Fusionsreaktors schließlich müsse
Temperaturen von einem Mehrfachen der Temperaturen der Sonne, schwersten
Bombardements von Neutronen und Strahlung sowie enormen mechanischen Beanspruchungen von superleitfähigen Magneten standhalten können. Auch sei zu
klären, wie die Aufheizung der Gase, die Injektion "frischen" Brennstoffes
und das Abnehmen der erzeugten Energie für die Umwandlung in Strom am wirksamsten zu bewerkstelligen sind.
Im US-Energieministerium hält man irgendwelche Aussagen dazu, ob Fusionsreaktoren mit anderen Anlagen zur Energiegewinnung kostenmäßig konkurrieren könnten, für verfrüht. Vermutlich sei erst nach etwa 20 Jahren
weiterer Forschung und Entwicklung der praktische Nutzen kontrollierter Kernfusion wirklich demonstrationsreif. Bis dahin müßten ca. 15 Milliarden Dollar
aufgewendet werden.
Das im Oktober 1980 gesetzlich festgelegte Förderprogramm der US-Regierung für Fusionsenergie wurde in den letzten Jahren gekürzt. Für 1983
forderte die Reagan-Administration 444 Millionen Dollar für magnetische Fusionsprogramme an, geringfügig weniger als im Vorjahr, aber 25 Prozent weniger
als im Finanzjahr 1977.
Neben dem als besonders aussichtsreich betrachteten Tokamak-Reaktor
werden noch einige andere Entwicklungslinien verfolgt. So hat man in den
letzten zwei Jahren mit dem "SpiegelSystem" für Magnetfelder zur Einschließung
- 4 -

�zur Einschließung des Plasmas beachtliche Fortschritte erzielt.

Leistungsver-

gleiche mit Tokamak dürften Mitte der achtziger Jahre möglich sein.

Die

Spiegelmaschine ist eine zylinderförmige Konstruktion, bei der supraleitende
Magnete an beiden Enden das Plasma eingeschlossen halten. Im Gegensatz zu
Tokamak (Pulsbetrieb) kann sie kontinuierlich arbeiten.

Eine technisch nach

neuesten Gesichtspunkten angelegte Versuchsmaschine dieser Art wird derzeit
im Lawrence-Livermore-Nationallaboratorium in Kalifornien gebaut.

Nach An-

sicht mancher Fachleute könnte dieses System, das einfacher aufgebaut ist,
wirtschaftlicher arbeiten als das Tokamak-System.
Die Fusionsforschung hat auch auf zahlreichen anderen Gebieten zu
wichtigen technischen Fortschritten geführt.

Besonders profitierten davon

die Entwicklung von Anlagen mit supraleitenden Magneten und von hitze- und
strahlenbeständigen Werkstoffen sowie methodisches Vorgehen mit Hilfe der
Mathematik und Informatik.

+ + + + +

- 5-

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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Vizepräsident Bush kommt zu Konsultationen nach Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rundfunkansprache des amerikanischen Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Nichtangriffspakt-Vorschlag sollte erwogen werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erste Pressekonferenz des US-Präsidenten im neuen Jahr -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Gesandter würdigt deutschen Beitrag zum Aufbau Amerikas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Festrede von William M. Woessner in Krefeld -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA unterstreichen deutsch-amerikanische Freundschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Grußbotschaften zum 300. Jahrestag deutscher Einwanderung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Elizabeth Dole zum neuen Verkehrsminister der USA nominiert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Strategie der US-Bundesbank für den wirtschaftlichen Aufschwung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit Vizepräsident Preston Martin -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Langer Weg zur gesteuerten Kernfusion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neuer amerikanischer Testreaktor in Betrieb genommen -&lt;/em&gt;</text>
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