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                  <text>nrormouon
JiX«

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

50

22.

Dezember 1982

INHALT

-

DOKUMENTATION
USA wollen t o t a l e Beseitigung der nuklearen Mittelstreckenraketen
- Erklärung des Weißen Hauses und des US-Außenministeriums Amerikanisch-sowjetisches Kommunique zur Überprüfung des ABM-Vertrages
Kampelman f o r d e r t Moskau erneut zur Einhaltung des Helsinki-Prozesses
auf

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Menschenrechte und die Methode der Gewalt
- Von Jeane Kirkpatrick, Botschafterin der USA bei den UN Volkstribunal verurteilt sowjetische Massaker in Afghanistan

WIR WÜNSCHEN UNSEREN BEZIEHERN EIN
FROHES UND GESEGNETES WEIHNACHTSFEST
UND EIN
FRIEDLICHES UND ERFOLGREICHES NEUES JAHR

Belegexemplaren

D 5300 Bonn 2

Telex:

8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

22. Dezember 1982

50

USA WOLLEN TOTALE BESEITIGUNG DER NUKLEAREN MITTELSTRECKENRAKETEN
- Erklärung des Weißen Hauses und des US-Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Regierung hat am 16. Dezember 1982
bekräftigt, daß sie eine "völlige Beseitigung" der landgestützten nuklearen
Mittel Streckensysteme (INF) anstrebt.

In einer an diesem Tag vom Weißen Haus

und vom amerikanischen Außenministerium herausgegebenen Erklärung wird betont,
daß die Vereinigten Staaten trotü des unzureichenden sowjetischen Vorschlages,
der der UdSSR das Monopol an modernen Mittelstreckenraketen ließe, ernsthaft
mit Moskau weiterverhandeln werden.
Die Presseerklärung hat folgenden Wortlaut:
Wie Sie wissen, haben die Vereinigten Staaten die totale Beseitigung
der amerikanischen und sowjetischen landgestützten weiterreichenden nuklearen
Mittelstreckenraketen (INF), d.h. die Null-Null-Lösung, vorgeschlagen. Wie
Sie ferner aus öffentlichen sowjetischen Erklärungen wissen, haben die Sowjets
vorgeschlagen, daß nach fünf Jahren die UdSSR und die NATO auf eine Obergrenze
von 300 Nuklearraketen und Flugzeugen "mittlerer Reichweite" in Europa oder
"für den Einsatz in Europa vorgesehen" abbauen, wobei die britischen und französischen Streitkräfte eingeschlossen sein sollen.

Dieser altbekannte Stand-

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Tel.: 0228-339 22 40
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�altbekannte Standpunkt, der im Grunde unverändert bestehen bleibt, würde es
den Sowjets erlauben, ihr Monopol gegenüber den Vereinigten Staaten an weiterreichenden INF-Raketen, vor allem ihre mobilen SS-20-Raketen mit drei Gefechtsköpfen in Europa und im asiatischen Rußland, aufrechtzuerhalten.

Die Zahl

der derzeit dislozierten SS-20 liegt bei 333 Abschußeinrichtungen.
Eine Zwischenobergrenze bei Raketen, wie sie kürzlich in der Presse
erwähnt wurde, würde höchstens einen Abbau einiger dieser hochmobilen Systeme
in Europa oder "für den Einsatz in Europa vorgesehen" erfordern, während wir
völlig auf unsere, beginnend Dezember 1983, vorgesehenen Dislozierungen von
PERSHING II-Raketen und landgestützten Marschflugkörpern verzichten müßten.
Das würde den Sowjets ein beträchtliches Monopol an weitreichenden landgestützten INF-Systemen gegenüber dem Westen belassen, den Gesamtstand der sowjetischen Systeme nicht einschränken* die Nuklearstreitkräfte anderer Länder in
die bilateralen Verhandlungen hineinziehen und wäre völlig unzureichend als
Lösung des INF-Problems, da es die politische und militärische Bedrohung des
Bündnisses durch weiterreichende sowjetische INF-Raketen nicht beseitigen würde.
Wir werden die Verhandlungen ernsthaft weiterführen.

Im Laufe dieser

Verhandlungen haben wir und die Sowjets unsere Positionen in formellen und informellen Kontakten näher dargelegt. Wir werden den sowjetischen Standpunkt
weiter prüfen,und dieser wird zu den Dingen gehören, die wir besprechen werden,
wenn am 27. Januar die nächste Verhandlungsrunde beginnt.
Wir haben unsere Verbündeten über die laufenden Verhandlungen voll informiert. Wir und unsere Verbündeten haben auf drei NATO-Tagungen in jüngster
Zeit auf der Ebene der Außenminister oder der Verteidigungsminister bekräftigt,
daß die Null-Null-Lösung das beste Rüstungskontrollergebnis ist und bleibt,
da sie die Systeme, die für beide Seiten die größten Besorgnisse verursachen,
beseitigen würde. Der Präsident und seine Administration sind voll und ganz
überzeugt, daß dieser sorgfältig ausgearbeitete Vorschlag vernünftig ist. Kein
anderer könnte für alle Betroffenen fairer sein.

+ + + + +

�I7TT37

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

22. Dezember 1982

50

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES KOMMUNIQUE ZUR ÜBERPRÜFUNG
DES ABM-VERTRAGES

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben
den Abschluß ihrer Überprüfung des Vertrages über Raketenabwehr-Raketen (ABMVertrag) von 1972 bekanntgegeben. Die Überprüfung fand vom 9. November bis
15. Dezember 1982 in der Ständigen amerikanisch-sowjetischen Konsultativkommission in Genf statt.
Das dazu am 15. Dezember in Genf veröffentlichte gemeinsame amerikanischsowjetische Kommunique hat folgenden Wortlaut:
Gemäß den Bestimmungen von Artikel XIV des Vertrages zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
über die Begrenzung von Raketenabwehr-Raketen-Systemen (ABM) vom 26. Mai 1972,
der am 3. Oktober 1972 in Kraft trat und durch das Zusatzprotokoll vom 3. Juli
1974 ergänzt wurde, haben die Vertragspartner nach der zweiten Fünfjahresperiode
seines Bestehens zusammen eine Überprüfung des Vertrages vorgenommen.

Durch

Übereinkommen zwischen den Vertragspartnern wurde die Überprüfung vom 9. November 1982 bis 15. Dezember 1982 in einer Sitzung der zu diesem Zweck besonders einberufenen Ständigen Konsultativkommission vorgenommen.
Im Zuge

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�Im Zuge der Überprüfung haben die Vertragspartner die Präambel und
die Artikel des Vertrages und des Protokolls sorgfältig untersucht und ihre
Verwirklichung in dem von der Überprüfung erfaßten Zeitraum bewertet.
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben jeder ihre Verpflichtung auf die Ziele und Zwecke des Vertrages sowie auf den Konsultationsprozeß im Rahmen der Ständigen Konsultativkommission bekräftigt, um die Verwirklichung der Ziele und Bestimmungen des Vertrages und des Zusatzprotokolls
vom 3. Juli 1974 zu fördern.

+ + + + +

- 2 -

�22. Dezember 1982

50

KAMPELMAN FORDERT MOSKAU ERNEUT ZUR EINHALTUNG DES HELSINKI-PROZESSES AUF

MADRID - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation auf der KSZENachfolgekonferenz in Madrid, Botschafter Max Kampelman, hat die Sowjetunion
erneut aufgefordert, sich ohne Vorbehalt für die Einhaltung des Prozesses von
Helsinki und für eine dritte Nachfolgekonferenz einzusetzen.

Kampelman sprach

am 15. Dezember 1982 auf einem informellen Treffen der KSZE-Delegationschefs
in der spanischen Hauptstadt.

Eine solche Verpflichtung Moskaus, so sagte er,

würde dazu beitragen, die Luft zu reinigen und das Vertrauen in die gegenwärtige Nachfolgekonferenz wiederherzustellen.

Die Konferenz hat sich inzwi-

schen bis zum 8. Februar 1983 vertagt.
Die Rede Kampelmans hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, es kann möglich sein, daß ich auf der Plenarsitzung
der Konferenz, die für diesen Freitag angesetzt ist, nicht anwesend bin. Daher möchte ich diese Gelegenheit benutzen, um die Ansicht der amerikanischen
Delegation kurz darzulegen, wo diese Phase unseres Treffens zum Abschluß
kommt.
Obwohl wir

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�Obwohl wir darüber enttäuscht sind, daß wir noch keine Einigung erzielt
haben, war dies doch in mancher Hinsicht eine positive sechswöchige Periode,
wenn sie allerdings auch bedeutsame negative Aspekte aufzuweisen hatte.

Eine

Gruppe von Staaten, der wir uns angeschlossen haben, hat eine Reihe von Änderungen für das Papier RM-39 vorgeschlagen, die unsere Ansichten darüber wiedergeben, was denn zu einem ausgewogenen und wesentlichen Abschlußdokument beitragen könnte.
Viele dieser Änderungen sind inzwischen ernsthaft erörtert worden.
ist schon an sich ein positives Zeichen.

Das

Unsere Erörterungen haben es ferner

deutlich werden lassen, daß die hier vertretenen Delegationen das Dokument
RM-39 in verä'ndeter Form als eine vereinbarte Basis für die Fortsetzung unserer
Arbeit ansehen.

Auch das ist ein positives Zeichen.

Darüber hinaus haben wir in ernsthaften, wenn auch mehr informellen
Diskussionen eingehend sondiert, wie ein Mandat erreicht werden kann, das zu
einer Konferenz über Sicherheit und Vertrauensbildende Maßnahmen führen würde.
Hinsichtlich dieses Mandats gibt es noch einen wesentlichen Punkt, der uns immer noch trennt:

nämlich eine Entscheidung über eine klare und genaue Defini-

tion der Anwendungszone dieser Maßnahmen.

Die Tatsache, daß wir unsere ent-

sprechenden Positionen geklärt haben und dadurch möglicherweise einer Einigung
nähergekommen sind, ist eine positive Entwicklung.
Diese Phase unserer Konferenz hat uns ferner die Möglichkeit geboten,
die Dimensionen der anderen Schwierigkeiten, denen wir uns hier gegenübersehen,
näher zu definieren und vielleicht besser zu verstehen. Auch in diesem Zusammenhang waren informalle Gespräche nützlich. Unsere unterschiedlichen Vorstellungen hinsichtlich der Menschenrechte haben eine große Kluft zwischen uns
aufgezeigt. Ein großer Teil unseres Meinungsaustausches über humanitäre Anliegen waren konstruktiv und nützlich und werden, wie wir hoffen, zu einer Einengung einiger unserer textlichen Differenzen führen. So hat beispielsweise
meine Delegation das Gefühl, daß unsere Position und unsere Forderungen von
anderen hier anwesenden Delegationen voll verstanden werden, ob es nun schon
eine Übereinstimmung zwischen uns gibt oder nicht. Auch das halten wir für
- 2 -

�wir für ein positives Zeichen, wie auch die gestrige Erklärung des Leiters
der sowjetischen Delegation, daß unsere "Meinungsunterschiede nicht unüberwindbar sind."
Unsere Beurteilung wäre natürlich weitaus positiver, wenn wir überzeugt
sein könnten, daß sich andere Delegationen konstruktiv mit unseren Besorgnissen
auseinandersetzen würden; aber wir haben gelernt, bei der Behandlung grundlegender Fragen der Art, wie wir uns ihnen hier in Madrid gegenübersehen, nicht
ungeduldig zu sein.
Es gab aber auch auf unseren Sitzungen während der vergangenen sechs
Wochen negative Aspekte. Wir mußten einige nicht angebrachte scharfe Auseinandersetzungen erleben. Manchmal ist so etwas ja nützlich, aber eben nicht
immer. Ich kann verstehen, daß die Mißtöne eines solchen Meinungsaustausches
nicht unbedingt angenehm für die Ohren aller klingen. Wir alle würden es vorziehen, wenn es für Unstimmigkeiten hier keinen Anlaß gäbe. Ich glaube jedoch,
daß alle von uns zu würdigen wissen, daß die von uns erörterten Fragen ernsthafte und tiefgreifende Themen sind, die direkt mit der Schlußakte von Helsinki
in Verbindung stehen. Die Unterschiede zwischen den in diesem Gremium vertretenen Auffassungen sind profunde, und wir und andere nehmen sie ernst. Mit
den auf diese Weise ausgelösten Spannungen mußte also gerechnet werden, selbst
wenn sie zuweilen übertrieben erscheinen. Glücklicherweise besteht meiner Meinung nach der beiderseitige Wunsch, die Emotionen des Augenblicks zu überwinden mit Rücksicht auf die größere Notwendigkeit, unsere Gespräche im ernsthaften Dienst des Friedens fortzusetzen. Lassen Sie mich hinzufügen, daß die
Größe eines Staates nicht unbedingt ein Maßstab ist für seine Verpflichtung
für den Frieden.

Wir bedauern ferner, daß es uns nicht möglich war, diesen Sechswochenzeitraum erfolgreicher zu nutzen, um unsere Meinungsverschiedenheiten substantieller einzuengen, als dies der Fall war.

Es hätte der Arbeit gedient,

der wir uns nach dem Wiederzusammentreten dieser Konferenz gegenübersehen werden, wenn wir dieses Ziel hätten erreichen können.
Noch bedeutsamer
- 3 -

�Noch bedeutsamer ist, daß unsere Delegation überaus bestürzt war über
die wachsenden und verstärkten Menschenrechtsverletzungen seit dem Beginn der
Konferenz in Madrid.

Dies steht nach unserer Ansicht in völligem Gegensatz

zum Geist und Buchstaben der Vereinbarungen, die wir im Jahre 1975 getroffen
hatten. Wir haben diese Einzelheiten sehr ausführlich erörtert.

Die Verhaf-

tungen und Bestrafungen dauern an.
Es ist unserer Meinung nach von trauriger Bedeutsamkeit, daß erst
am letzten Freitag, am Tag der Menschenrechte, Presseberichten zufolge etwa
60 Menschen auf dem Puschkin-Platz in Moskau verhaftet wurden, als sie diesen
Tag in stillem Protest begingen.

Diese Verhaftungen sowie die unverantwort-

lichen Ausfälle der sowjetischen Delegation auf unsere Erklärung zum Tag der
Menschenrechte stehen in scharfem und negativen Kontrast zu der Erklärung, die
die sowjetische Delegation auf unserer Plenarsitzung anläßlich des Tages der
Menschenrechte

am 11. Dezember vorigen Jahres abgegeben hat.

Diese Ereignisse werfen ohne Zweifel einen starken Schatten auf unsere
Konferenz - auch wenn die sowjetische Delegation sie als innere Angelegenheiten
hinstellen möchte.
Herr Vorsitzender, ich möchte mit der Bekräftigung schließen, daß die
amerikanische Delegation geduldig ihre Suche nach einer Verständigung und Übereinkunft unter allen hier anwesenden Staaten fortsetzen wird. Wir werden unsere Werte bekräftigen und unsere Vorstellungen hinsichtlich dessen unterstreichen,
was für einen Abbau der Spannungen zwischen uns erforderlich ist. Es ist sowohl unser Recht als auch unsere Pflicht, dies auf unseren Zusammenkünften zu
tun. Es wäre uns viel lieber, wenn wir nicht kritisch sein müßten; und wir
hoffen auf den Tag, da unsere Meinungsverschiedenheiten immer geringer sein
werden bei unserer gemeinsamen Arbeit für Frieden, Zusammenarbeit und gegenseitige Sicherheit.
Ein Schritt, den wir alle während dieser Woche vor unserer Vertagung tun
könnten und der die Atmosphäre dieses Treffens wesentlich verbessern würde,
wäre, ohne Vorbehalte darin übereinzustimmen, daß wir uns alle für eine dritte
- 4 -

�eine dritte Folgekonferenz nach Madrid einsetzen.

Unser Eintreten für den

Prozeß von Helsinki veranlaßte uns im September und Oktober 1980 während der
Vorbereitungskonferenz zu einer solchen Verpflichtung.

Wir haben seither

wiederholt vorgeschlagen, daß sich die sowjetische Delegation uns im Hinblick
auf eine solche vorbehaltlose KSZE-Verpflichtung anschließen möge.
dies auch heute wieder.

Wir tun

Der Delegierte der Sowjetunion sprach gestern von der

Notwendigkeit, die Luft zu "reinigen".

Wir stimmen ihm zu.

Der kleine Schritt,

den wir jetzt vorschlagen, würde in diese Richtung führen und erheblich zur
Wiederherstellung des Vertrauens in diese Konferenz beitragen.

In aller Ehr-

erbietung mache ich diesen Vorschlag in demselben konstruktiven Geist, der
"Stoff zum Nachdenken" geben soll, wie wir gestern hörten.
Die Delegation der Vereinigten Staaten wird im Februar hierher zurückkehren mit der Verpflichtung, für ein ausgewogenes und wesentliches Abschlußdokument zu arbeiten, das sich auf das Dokument RM-39 und die von uns unterbreiteten Änderungen stützt. Wir hoffen aufrichtig, daß wir bei unserer Rückkehr eine Atmosphäre antreffen werden, die dem Erreichen eines solchen Ergebnisses förderlich sein wird.
In der Zwischenzeit wollen wir uns vor Augen halten, daß wir historisch
gesehen in einer umwälzenden und schnellebigen Welt leben, deren Hauptmerkmal der Griff des Menschen - geistig wie physisch - nach schier unglaublichen
Dimensionen ist. In einer sehr kurzen Zeitspanne ist unerhört viel erreicht
worden. Noch vor 500 Jahren kannte die menschliche Rasse nicht einmal das Ausmaß ganzer Kontinente auf unserem Planeten. Und doch können wir heute unseren
gesamten Planeten in 90 Minuten umkreisen und sogar andere erforschen. Unsere
nächste Aufgabe ist es gleichermaßen, unsere geistigen Kräfte zu erweitern und
zu vertiefen, sodaß wir vielleicht lernen, die menschlichen Werte zu stärken,
die integrale Teile unseres Wesens sind. Vielleicht lernen wir durch diese
Erweiterung unserer evolutionären Entwicklung, in Frieden und Würde miteinander
zu leben.
Es ist gesagt worden, daß wir wie die Fische schwimmen und wie die Vögel
fliegen können.

Unsere nächste Aufgabe muß es sein, als Menschen miteinander

auf der Erde leben zu können.
+ + + + +
- 5 -

�50

22. Dezember 1982

DIE MENSCHENRECHTE UND DIE METHODE DER GEWALT
Von Jeane Kirkpatrick, Botschafterin der USA bei den UN -

Der nachfolgende Artikel basiert auf
einer Rede, die Botschafterin Jeane
Kirkpatrick vor dem Ausschuß für soziale, humanitäre und kulturelle Angelegenheiten der Vereinten Nationen gehalten hat.

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Die Achtung vor den Menschenrechten und den Grundfreiheiten ist integraler Bestandteil aller wesentlichen politischen Werte - genau wie die Mißachtung der Menschenrechte und der Grundfreiheiten eine unmittelbare Verbindung mit allen politischen Verbrechen
großen Ausmaßes eingeht.
Es gibt grundsätzlich zwei Methoden des politischen Handelns im Innern
wie nach außen: einmal die Methode der freiwilligen Übereinstimmung, der Zustimmung, zum anderen die Methode der Gewalt.
In der

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�In der Innenpolitik bedeutet die Methode der Zustimmung:
Erlaubnis der Regierten.
zwungen werden.

Regieren mit

Zustimmung muß erteilt werden, sie kann nicht er-

Diese Zustimmung kann es nur dann geben, wenn zugleich auch

die Freiheit besteht, sie zu verweigern - Nachforschungen anzustellen, zu
diskutieren, anderer Meinung zu sein.

In ihrer institutionellen Formgebung

ist die Methode der Zustimmung Demokratie.
Auch in der Außenpolitik bedeutet die Methode der Zustimmung Respekt
vor der nationalen Unabhängigkeit und der souveränen Gleichheit aller.

Es

bedeutet, daß sich die Beziehungen zwischen den Staaten auf Oberzeugung gründen, auf Zusammenarbeit, auf Verträge - und macht erforderlich, daß Staaten
auch das Recht zur Meinungsverschiedenheit haben, zur Verweigerung der Zusammenarbeit.

Zustimmung steht im vollständigen Gegensatz zu Eroberung.

Die Methode der Zustimmung respektiert die Menschenrechte. Sie ermutigt
zu Initiativen, Innovation, Willensanstrengung. Gesellschaften, deren Regierungen sich auf die Methode der Zustimmung verlassen, schaffen keine Flüchtlinge.
Die Methode der Gewalt steht in scharfem Kontrast zu der Methode der
Zustimmung. Auf die innenpolitischen Verhältnisse eines Staates angewandt,
stützt die Methode der Gewalt ihre Macht auf Zwang, erzwingt sich Konformität
und achtet weder das Gesetz, noch die Gebräuche, noch die Wünsche der Regierten. In ihrer institutionellen Ausformung ist sie Autokratie.
In der Außenpolitik bedeutet die Methode der Gewalt Invasion, Okkupation,
Eroberung. Sie respektiert weder die territoriale Integrität von Staaten,
noch das Recht auf Selbstbestimmung oder Selbstregierung von Völkern. Die
Methode der Gewalt schafft in großem Maße Verletzungen der Menschenrechte
der jeweiligen Opfer. Der klarste Ausdruck der Methode der Gewalt ist Krieg.
Die Methode der Gewalt will mundtot machen, sie will nicht überzeugen.
Es geht ihr mehr um Macht als um Wahrheit, Freiheit oder Gesetz.
die Kontrolle der Zustimmung vor.

Sie zieht

Sie beraubt diejenigen, gegen die sie ange- 2 -

�sie angewandt wird, ihrer menschlichen Grundrechte - ihres Rechtes auf Leben, Freiheit, Sicherheit und Gleichheit vor dem Gesetz.

Heute beraubt die

Methode der Gewalt das polnische Volk seines Rechtes auf Versammlungsfreiheit.

Auf die Gründung unabhängiger Gewerkschaften und auf Tarifverhandlun-

gen sowie seines Rechtes auf Mitsprache bei den grundlegenden gesellschaftlichen Entscheidungen.
über die Grenzen hinweg - auch in Afghanistan etwa oder Kampuchea beraubt die Methode der Gewalt ganze Gesellschaften der Selbstbestimmung,
der Sicherheit und des Friedens.

Sie wird eingesetzt gegen diese Völker,

gegen ihre Kulturen, ihre sozialen Institutionen, ihre religiösen Praktiken,
ihre Volkswirtschaften und ihre Regierungen.
Die Gewalt ist ein Angriff auf die Menschenwürde, auf die Menschenrechte und auf die Grundfreiheiten. Sie stützt sich dabei auf Armeen, Gewehre, Bomben, Giftgas, Mykotoxine, um Unterwerfung zu erzwingen.
Sie bringt das hervor, was wir hier "Massenexodus" nennen - tragische
Menschenströme von Flüchtlingen, die ihre Heimat aus Furcht um Leben und
Freiheit verlassen.
Angesichts der Unvereinbarkeit von Gewalt einerseits und Menschenrechten
und Freiheit andererseits, könnte man vermuten, daß die Sorgen der Vereinten Nationen um die Menschenrechte die Methode der Gewalt im Innern wie nach
außen als im Gegensatz zu ihrer Charta stehend erscheinen lassen würde.
Aber man sieht in vielen Fällen mit Entrüstung, daß die Anwendung von Gewalt
und die Verletzung der Menschenrechte nicht als eine Verletzung der Charta
angesehen werden.

Die meisten Menschenrechtsfragen, mit denen sich die zu-

ständigen Stellen der Vereinten Nationen in den letzten Jahren beschäftigt
haben, gehören zu einer einzigen Gruppe: Es handelt sich um verhältnismäßig
kleine, relativ unterentwickelte, nichtkommunistische Staaten, die nicht Mitglied eines größeren Blocks sind, die Angriffsziel einer nationalen Befreiungsbewegung mit wesentlicher Bindung an den Sowjetblock sind, sowie Staaten,
die sich dadurch selbst zu schützen suchen, daß sie auf Regierungsseite Ge- 3 -

�Regierungsseite Gewalt gegen die Gewalt der Guerilla einsetzen.
Auf nur relativ wenige Regierungen treffen alle diese Kriterien zu.
Es gibt viele kleine Entwicklungsländer, aber die meisten erhalten Schutz
durch ihre Zugehörigkeit zu einem Machtblock.

Zudem sind nicht alle kleinen

Entwicklungsländer Objekt aktiver, revolutionärer Gewalt, und alle Regierungen dieser Art widerstehen auch nicht den gewaltsamen Attacken - sie geben einfach auf.
Die meisten der Menschenrechtsverletzungen, denen die Aufmerksamkeit
der Vereinten Nationen zuteil wird, beziehen sich auf Lateinamerika - und
sicher nicht, weil die größten Menschenrechtsverletzungen unseres Jahrhunderts etwa dort stattgefunden hätten.
völkerausrottendes

Der Holocaust, der GULAG, Pol Pots

Utopia, die vietnamesischen Arbeitslager, Idi Amins

Schlachthaus haben in Europa, Asien und Afrika zu Menschenrechtsverletzungen
von einem Ausmaß geführt, wie sie die westliche Hemisphäre nicht kennt.
Dennoch zeigen - wie unser Kollege von Venezuela vorige Woche in diesem
Ausschuß feststellte - die zuständigen Stellen der Vereinten Nationen "eine
besondere Vorliebe für jene kleinen Länder, denen es offenbar an den strategischen Ressourcen einer großen Zuhörerschaft fehlt".
Ein islamisches oder afrikanisches Land, das zum Ziel gewaltsamer
Guerillaangriffe wird, würde gegen Menschenrechtsforderungen der Vereinten
Nationen durch seine Teilhabe an einem Netz von Schutzallianzen gewappnet
sein - Regionalorganisationen wie die Blockfreienbewegung, die Gruppe der 77
oder andere Blockbildungen.
Obgleich ihre Unterdrückung im Innern und ihre Aggression nach außen
deutlich und nur zu bekannt sind, werden Länder, die mit der Sowjetunion
liiert sind, gegen Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen durch ihre Mitgliedschaft im sowjetischen Block geschützt, der - wie auch andere Blöcke als gegenseitige Schutzgemeinschaft fungiert. Die Tatsache, daß viele Mitglieder des Sowjetblocks zugleich Mitglieder anderer Gruppierungen sind,

- 4 -

�Gruppierungen sind, erhöht nur noch ihre Einflußmöglichkeiten.

Kubas Status

als Präsident der Blockfreienbewegung symbolisiert dieses Muster der sich
überschneidenden Mitgliedschaft und des umfassenderen Einflusses.
Aber es gibt noch einen weiteren Grund dafür, daß die Sowjetunion und
ihr Block wirksam die Aufmerksamkeit der UN-Menschenrechtsgremien von sich
ablenken.

Sie war nämlich überaus erfolgreich darin - und zwar sowohl hier

bei den Vereinten Nationen als auch bei einflußreichen Kreisen außerhalb
dieser Körperschaft -, eine perverse Doktrin der Gewalt und der Menschenrechte an den Mann zu bringen, die die traditionellen Konzeptionen auf den
Kopf stellt:

Während herkömmlicherweise die Staaten dahingehend definiert

wurden, ein Monopol bei der legitimen Anwendung von Gewalt zu haben, betrachtet man nunmehr die Befreiungsbewegungen als diejenigen, die ein Monopol auf
den legitimen Einsatz von Gewalt hätten.
Nach dieser verdrehten Vorstellung von Menschenrechten und Selbstverteidigung wird die revolutionäre Gewalt - d.h. Gewalt, die von jenen ausgeübt wird, die mit der Sowjetunion und deren Anhängern liiert sind - als
gerechter Protest gegen eine ungerechte Gesellschaft definiert. Diese Art
von Gewalt mag den Tod von Zivilisten, von Bomben zerrissene Schulkinder,
gewaltige wirtschaftliche Zerstörung zur Folge haben - aber sie wird nicht
als eine Verletzung der Menschenrechte angesehen, solange sie im Namen der
Revolution gegen irgendeine Gesellschaft verübt wird, deren Bürger sich
nicht all jener Rechte erfreuen, die in der Allgemeinen Menschenrechtserklärung aufgelistet sind - und das sind heute die meisten Gesellschaften dieser Erde.
Ganzen Völkern mögen ihre Häuser und Dörfer zerstört werden, ihre Ernten
vernichtet, ihr Vieh getötet, sie mögen gewaltsam in Lager "umgesiedelt"
werden, ohne daß dies auch nur igendwelches Interesse oder irgendwelche Aktivitäten etwa des Menschenrechtsausschusses bewirkt.

Ganze Völker mögen

überfallen werden, erobert, zusammengefercht, über Grenzen hinweggetrieben,
ihre Felder mit Giftstoffen verwüstet, ihre Luft von Gelbem Regen verpestet
werden - ohne daß man sie als Opfer von Menschenrechtsverletzungen ansieht.
Es möqen
- 5 -

�Es mögen ihre Elektrizitätswerke gesprengt, ihre Kaffee-Ernten zerstört,
ihre führenden Politiker ermordet werden, ohne daß sie als Opfer von Menschenrechtsverletzungen angesehen werden - vorausgesetzt, die Urheber dieser Gewalt, dieser schrecklichen Mißbrauche, sind "progressive" nationale Befreiungsbewegungen, bewaffnet, ausgebildet und bedient von den professionellen
Hoflieferanten der revolutionären Gewalt.

Nur Regierungen, die den Versuch

unternehmen, diese Gewalt zu unterdrücken, werden als Beispiel für Menschenrechtsverletzungen genannt.
Die Spezialisten der Gewalt wissen ganz genau, daß der Terrorismus und
die Guerilla für die organisierten Gesellschaften ein ungeheuer schwieriges
Problem darstellen.
Chaos und der Morde.

Sie verursachen eine Spirale der Unterdrückung, des
Sogar starke, bewährte Regierungen und Staaten, erfah-

ren im Umgang mit der Macht und ihrer Eindämmung, haben Schwierigkeiten bei
der Kontrolle des organisierten politischen Verbrechens.
Aber ein Menschenrechtskonzept, das den Krieg der Guerilla gegen
listen ignoriert und sich ausschließlich auf die Vergeltungsmaßnahmen
Regierung konzentriert, ist überhaupt kein Menschenrechtskonzept. Es
vielmehr eine politische Methode, die den Sieg für eine bestimmte Art
tisch geforderter "Befreiung" anstrebt.

Zivieiner
ist
sowje-

Wer moralisch seriös argumentiert, kann nicht behaupten, daß der Terror,
den revolutionäre Bewegungen gegen eine Zivilbevölkerung betreiben, Befreiung sei, während die Gewalt, die eine Regierung in Reaktion auf diese Guerilla
anwendet, Unterdrückung sei.
Wer moralisch seriös argumentiert, kann nicht behaupten, daß nationale
Befreiungsbewegungen das Recht hätten, Gewalt gegen Zivilisten, gegen die
Wirtschaft, gegen die Gesellschaft und gegen Regierungen anzuwenden, während diese Gesellschaften kein Recht hätten, sich zu verteidigen; daß die
im Namen der Revolution angewandte Gewalt legitim und die von Regierungen
und Gesellschaften zu ihrer eigenen Verteidigung gegen die Guerilla eingesetzte Gewalt hingegen nicht legitim sei.
So geht
- 6 -

�So geht das nicht!

Denn die Tatsachen sprechen eine eindeutige Sprache

- die Methode der Gewalt zeigt sich als Methode der Tyrannei in der Innenpolitik und als Aggression in den internationalen Beziehungen.

Die Tyrannen

von heute brauchen Gewalt gegen ihr eigenes Volk und Gewalt gegen ihre Nachbarn.
In unserer Zeit herrschen die Bewegungen, die die totale Herrschaft
mittels terroristischer Gewalt errungen haben, dann auch mit Gewalt.
Der fortgesetzte und weitverbreitete Mißbrauch der Menschenrechte auf
der Welt stellt eine Herausforderung für all jene Völker und Regierungen dar,
die sich der Förderung der Menschenrechte und der Grundfreiheiten verpflichtet
fühlen.

Ein ernsthafter Versuch zur Lösung dieses Problems würde alles in

Rechnung stellen, was zu einer Verwehrung von Freiheit, Gesetz und Sicherheit
durch organisierte politische Gruppierungen führt.
Ein solch ernsthafter Versuch würde die Verwendung tödlicher Gifte
und Gase gegen die Hmong mit in seine Überlegungen einbeziehen, die Zehntausende

von Vietnamesen, die unter unmenschlichen Bedingungen in Arbeitslagern

fern ihrer Heimat eingesperrt sind, ebenso wie den andauernden Aderlaß an
Menschen, den die Tatsache der Flüchtlinge aus den kommunistischen Ländern
Südostasiens hinaus auf das Chinesische Meer darstellt.
Ein solch ernsthafter Versuch würde die Unterdrückung und das Verbot
der Solidarität mit einbeziehen, die Internierung der meisten ihrer Führer
sowie die Verwehrung des Versammlungsrechts, der TarifVerhandlungen und
der freien Rede in ganz Osteuropa.
Und er würde miteinbeziehen die anhaltende, massive, flagrante Verletzung der Rechte und der Grundfreiheiten des afghanischen Volkes durch die
Sowjetunion, ihre Unterdrückung der Überwachungsgruppen der Schlußakte von
Helsinki, die brutale Verhaftung von Anatoli Schtscharanski, den Mißbrauch
psychiatrischer Behandlung, die Vorenthaltung des Rechts auf Auswanderung
und die Maßnahmen gegen Andreij Sacharow.
Ein solch
- 7 -

�Ein solch ernsthafter Versuch müßte sich auch mit der Flucht von über
30 000 Ugandern nach Ruanda auseinandersetzen genauso wie mit der Unterdrückung in anderen afrikanischen Staaten, wo die Freiheit verwehrt und das
Gesetz mißachtet wird.

Und er müßte sich mit der Apartheid in Südafrika

beschäftigen.
Schließlich müßte er an die legalen und sozialen Rechte der Frauen und
der "Unberührbaren" denken.
Und im Zusammenhang mit all diesen anderen Problemen, würde ein solch
ernsthafter Versuch sich dann auch zweifellos mit den Menschenrechtsverletzungen durch einige Gruppierungen und Regierungen in einigen der lateinamerikanischen Republiken auseinandersetzen.
Dabei ginge es dann um die von Chile ins Exil Getriebenen, um die
"Desaparecidos" in Argentinien, um Gewalt von rechts wie von links in
Guatemala und El Salvador - aber auch um die grausame Behandlung der Miskito-,
Suma- und Rama-Indianer in Nicaragua, um die dortige Unterdrückung der Pressefreiheit und um die große Anzahl politischer Gefangener in Kuba, von denen
manche in eindeutiger Verletzung von Kubas eigenem Recht und unter Mißachtung aller zivilisierten Praxis zum zweiten Mal aus gleichem Grund verurteilt
wurden.
Das Volk und die Regierung der Vereinigten Staaten glauben an die Methoden der Zustimmung, und wir verurteilen alle - ich wiederhole:

alle - Prak-

tiken der Methode der Gewalt im innen- wie im außenpolitischen Bereich.

Wir

drängen darauf, ja, wir fordern, daß selbst angegriffene Gesellschaften bei
ihrer Verteidigung die Disziplin der Freiheit und des Gesetzes praktizieren.
Die Vereinigten Staaten sind willens und bereit, sich anderen Staaten
dabei anzuschließen, sich ernsthaft mit diesen schwerwiegenden Problemen
auseinanderzusetzen. Menschenrechte und Grundfreiheiten sollten unser Ziel
und unser Maßstab sein - sie sollten nicht eine politische Waffe darstellen,

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�Waffe darstellen, die selektiv von den Starken gegen die Schwachen, von
den Organisierten gegen die Nichtorganisierten angewandt wird.
Wir werden uns nicht an der weiteren Perversion und der selektiven Verwendung dieser Werte beteiligen. Wir werden unsere Stimme nicht zur Stärkung jener abgeben, die politische Vorteile mittels der Methode der Gewalt
zu erlangen suchen.

- 9 -

�50

22. Dezember 1982

VOLKSTRIBUNAL VERURTEILT SOWJETISCHE MASSAKER IN AFGHANISTAN

PARIS - (AD) - Das "Ständige Volkstribunal" (Permanent Tribunal of
Peoples), das sich auf einer fünftägigen Tagung vom 16. bis 20. Dezember 1982
in Paris mit den Vorgängen in Afghanistan befaßte, hat die eindeutig erwiesenen sowjetischen Massaker in diesem Lande nachdrücklich verurteilt. Das
Ständige Volkstribunal entstand aus dem bekannten Russell-Tribunal, das sich
1967 mit Menschenrechtsverletzungen in Vietnam und von 1973 bis 1975 mit solchen Verletzungen in Lateinamerika befaßt hat. Im Jahre 1979 in Bologna ins
Leben gerufen, hat das Ständige Volkstribunal bisher Sitzungen über die Westsahara, Argentinien, Eritrea, die Philippinen, El Salvador, Timor und Zaire
abgehalten. Die unabhängige, private Organisation, der bedeutende Vertreter
des öffentlichen Lebens, vor allem Wissenschaftler angehören, steht unter der
Leitung des französischen Mathematikers Laurent Schwartz von der Universität
Paris II.
Nachdem das Tribunal auf seiner ersten Tagung zu Afghanistan im Mai
1981 die sowjetische Invasion bereits scharf verurteilt hatte, befaßte es sich
auf seiner Sitzung in Paris vor allem mit den Waffen und Methoden der Kriegführung, den Kriegsgefangenen und dem Schicksal der Zivilbevölkerung in

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Zivilbevölkerung in Afghanistan.
Wie der französische Wissenschaftler Ricardo Fraile am 17. Dezember berichtete, steht es fest, daß die Sowjets am 13. September 1982 in der Nähe
des Dorfes Chak - etwa 60 km südlich von Kabul - in einer Höhle die männliche
Bevölkerung des Dorfes einschlössen und verbrannten.

Was für eine Flüssigkeit

in die Höhle gepumpt und wie sie entzündet wurde, konnte vom französischen
Verteidigungsministerium - das Bodenproben aus der Höhle erhielt -, noch nicht
einwandfrei geklärt werden.

Fraile, der sich vom 16. November bis 2. Dezember

dieses Jahres an der afghanisch-pakistanischen Grenze aufhielt, versicherte,
daß nach allen vorliegenden Berichten bei dem Massaker in dem Dorf Chak 105
Menschen, darunter auch Kinder, umkamen.
Die vom Tribunal gehörten Zeugen sprachen übereinstimmend von getarnten
Sprengsätzen, die in Form von Kinderspielzeug oder Kugelschreibern schwere
Verletzungen bei Zivilisten, vor allem Kindern, verursachen. Es sei allerdings schwer, "eindeutige Beweise" für eine chemische Kriegführung zu finden;
jedoch lägen zahlreiche Berichte von Flüchtlingen und verwundeten Afghanen
vor.
Dr. B. A. Zikria von der Columbia-Universität erklärte vor dem Tribunal,
daß er als Arzt Afghanen behandelt habe, die "an Erkrankungen litten, die natürlicherweise nicht vorkommen, in der Medizin nicht beobachtet wurden und
nur mit der Geschichte der Einwirkung von Gas in Zusammenhang gebracht werden
können." Dr. Zikria führte dem Tribunal einen Film über die Behandlung eines
solchen Patienten vor. Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, daß die Anhörungen
des Tribunals "sofort dem künftigen Einsatz chemischer Waffen und dem Schrecken
in Afghanistan Einhalt gebieten werden."
Zwei Afghanen berichteten über die trostlosen Verhältnisse, unter denen
die afghanische Bevölkerung unter der sowjetischen Besatzung lebt.

Ferner

sprachen sie von der Ermordung von Zivilisten, der Vergewaltigung von Frauen
und Mädchen, der Vernichtung von Lebensmitteln und der Verwüstung von Feldern.
Ebenso wurde von Folterungen in afghanischen Gefängnissen berichtet.
Bernard Dupaigne,

�Bernard Dupaigne, Kurator am Museum für Menschheitsgeschichte in Paris,
teilte mit, daß durch Vermittlung des Internationalen Roten Kreuzes fünf von
den afghanischen Freiheitskämpfern gefangengenommene sowjetische Soldaten nach
der Schweiz geflogen worden seien, während die Sowjets nicht einen einzigen
afghanischen Gefangenen zum Austausch gebracht hätten.
Wie Sprecher des Tribunals betonten, wurden auch sowjetische und afghanische Regierungsvertreter eingeladen, Stellung zu nehmen, es sei jedoch keine
Antwort erfolgt.

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