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                  <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

49

15. Dezember 1982
I N H A L T

INFORMATION
Reagan sieht sowjetische Verhandlungsbereitschaft
- Pressekonferenz des US-Prä'sidenten DOKUMENTATION
Proklamation zum Tag der Menschenrechte und der Verfassungsrechte
Reagan proklamiert Tag der Solidarität mit Polen
Die wirtschaftliche Gesundheit des Bündnisses
- Rede des US-Botschafters vor der Deutschen Atlantischen Gesellschaft HINTERGRUND
US-Journalist warnt vor Gleichsetzung der USA mit der UdSSR
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Kontrolle von Chemikalien
- Strenge Bestimmungen des US-Amtes für Umweltschutz Giften auf der Spur
- Leckstellen in Sondermüll-Deponien mit Elektroverfahren auffindbar

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. Dezember 1982

49

REAGAN SIEHT SOWJETISCHE VERHANDLUNGSBEREITSCHAFT
- Pressekonferenz des US-Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat erklärt, die Sowjetunion
habe "ernsthafte" Anzeichen gemacht, daß sie bereit sei, über eine Verringerung
der nuklearen Rüstung zu verhandeln.

Auf einer kurzfristig am 14. Dezember

1982 einberufenen Pressekonferenz teilte Reagan weiter mit, daß er bezüglich
der Bewilligung der Mittel für die MX-Rakete einen Kompromiß mit führenden
Vertretern der demokratischen und republikanischen Partei im Senat erreicht
habe.
Der Präsident kündigte an, daß er auf andere Raketen verzichten werde,
wenn die Verhandlungen mit Moskau über eine Reduzierung der strategischen
Waffen Erfolg hätten, daß er jedoch an der Dislozierung der geplanten
100 Raketen vom Typ Friedenswahrer (Peacekeeper) festhalten wolle.

Diese

MX-Raketen seien notwendig, um die landgestützte Abschreckungsmacht der
Vereinigten Staaten zu modernisieren und um ein Gegengewicht gegen die
SS-18-Interkontinentalrakete der Sowjets zu bilden.

Die Vereinigten Staaten,

so betonte Reagan nachdrücklich, hätten während der letzten 15 Jahre nichts
getan und keinerlei Verbesserungen ihrer Raketenstreitmacht vorgenommen.
Als ermutigendes

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Als ermutigendes Zeichen wertete Reagan die Tatsache, daß die Sowjets
"freiwillig" einen Plan für die Verringerung der nuklearen Mittel Streckensysteme vorgelegt hätten.

Allerdings sei dieser Plan nicht ausreichend, da

die westlichen Verbündeten dabei beträchtlich im Nachteil bleiben.
Nachfolgend die wesentlichen Fragen und Antworten der Pressekonferenz
vom 14. Dezember:
Frage: Die Sowjets haben deutlich gemacht, daß sie, wenn wir die
MX-Rakete bauen noch mehr Raketen bauen werden.

Kann das nach Ihrer Meinung

überhaupt zu einer Rüstungskontrolle führen?
Antwort: Ja, das kann, denn an unseren Zusammenkünften hat General Rowney...
teilgenommen und er hat von der Wirkung gesprochen, die das gehabt hat und
von der Ernsthaftigkeit der Verhandlungen; daß die Sowjetunion verhandlungsbereit ist.
Und die Sache ist, daß es hier nicht um eine Verhandlungsposition geht
und jemand sagen könnte, "ihr baut das nur, um es wieder abzubauen". Nein,
wir brauchen eine Modernisierung. Selbst wenn wir die Verringerung der
Waffen bekommen, die wir anstreben und hinsichtlich derer es einige Anzeichen
gibt, daß sie von den Sowjets ernsthaft erwogen wird, dann wäre das nicht
die Waffe, die wir abschaffen würden.
Wir müssen modernisieren, um gegen die fünf Generationen von Raketen
aufzuholen, die die Sowjets entwickelt haben, während wir auf der Stelle
traten und in den letzten 15 Jahren nicht eine unserer Raketen modernisiert
haben. Wir kommen ihnen in Treffsicherheit nicht gleich. Wir kommen ihnen
in Megatonnage nicht gleich.

Das ist eine Rakete, die mit ihrer großen Rakete,

ihrer SS-18, vergleichbar ist.
Frage: Liegt

�Frage: Liegt in dem berichteten sowjetischen Angebot, ihre jetzt auf
Europa und Asien gerichteten Mittelstreckenraketen auf die Hälfte zu
reduzieren, eine vielversprechende Aussicht?

Bietet das eine Aussicht, daß

sie in Bewegung geraten?
Antwort:

Ich glaube, allein die Tatsache, daß sie einen Vorschlag

unterbreitet haben, die Zahl zu verringern, läßt erkennen, daß auch sie
sich Sorgen machen.

Und sie wurden besorgt, als die NATO beantragte und

wir zustimmten, vergleichbare Mittelstreckenraketen zu beschaffen, von denen
es heute in Europa keine als Abschreckung vor einem sowjetischen Einsatz der
SS-20-Raketen gibt.
Aber obwohl sie freiwillig einen Vorschlag gemacht haben, ist er nicht
ausreichend und würde uns in einem beträchtlichen Nachteil lassen

+ + +

- 3 -

�Dokumentation

1

United States Information Service
Embassy of the United States of America

1$.Dezember 1 9 8 2

49

PROKLAMATION ZUM TAG DER MENSCHENRECHTE UND DER VERFASSUNGSRECHTE

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat den 10. Dezember 1982
zum Tag der Menschenrechte

und den 15. Dezember 1982 zum Tag der Verfassungs-

rechte (Bill of Rights) proklamiert.

Die Proklamation hat folgenden Wortlaut:

Am 15. Dezember 1791 haben unsere Gründerväter die Ratifizierung der
ersten zehn Zusätze zur Verfassung der Vereinigten Staaten - der Bill of
Rights - gefeiert, Verfassungsrechte, die von diesem Augenblick an dazu
beitrugen, eine in den Annalen der Geschichte einzigartige Nation zu gestalten.
Die Bill of Rights wurde der formelle und rechtliche Ausdruck unserer persönlichen Freiheiten und der in der Unabhängigkeitserklärung niedergelegten
Prinzipien.
Die Gründerväter schöpften ihre Prinzipien der begrenzten Regierung aus
einem Glauben an das Naturrecht,

d.h. aus dem Konzept, daß unser Schöpfer

für die Gesellschaft einen Rahmen gesetzt hat, in dem der Freiheit, der
Meinung und der Verantwortung des einzelnen große Bedeutung zugemessen wird.
Sie waren überzeugt, daß jede Person bestimmte, ihr von Gott verliehene
Rechte hat; wie Jefferson es formulierte: " Der Gott, der uns Leben gab, gab
uns Freiheit".
Mit frohem Herzen und dankbarem Sinn erkennen wir am Tag der Verfassungsrechte dieses große Geschenk der Freiheit an,das die Gründerväter der Nachwelt
vermachten, und ehren es.
10. Dezember

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Am 10. Dezember 1948, 157 Jahre später, verabschiedeten die Vereinten
Nationen die universale Erklärung der Menschenrechte.

Indem wir diesen Jahres-

tag gemeinsam mit dem Tag der Verfassungsrechte feiern, erkennen wir die
notwendige Verbindung von Menschenrechten und verfassungsmäßiger Demokratie an.
Wie es in der universalen Menschenrechtserklärung heißt, müssen wir unerschütterlich an unserer Überzeugung festhalten, daß Freiheit nicht Vorrecht
einiger weniger Glücklicher ist, sondern das unveräußerliche und universale
Recht aller Menschen.

In der ganzen Geschichte und in allen Teilen der Erde

ist immer wieder der instinktive Wunsch des Menschen nach Freiheit und echter
Selbstbestimmung ans Tageslicht gekommen.

Die Demokratie hat sich als der

beste und dauerhafteste Ausdruck der Suche des Menschen nach individueller
Freiheit erwiesen.
Wir können auf die vielen Länder der Welt hinweisen, in denen es echten
Fortschritt in der Entwicklung demokratischer Institutionen gibt. Die Völker
einiger dieser Länder haben ihre Hingabe an die demokratischen Prinzipien
voll gezeigt, indem sie unter schwierigen, ja lebensbedrohenden Umständen an
Wahlen teilgenommen haben. Solche Beispiele des Mutes können das Vertrauen
in die Zukunft der Demokratie für alle Menschen nur stärken.
Aber im Dezember 1982 wird unsere Befriedigung über den Fortschritt bei
den Menschenrechten durch unsere Erkenntnis verdunkelt, daß vor einem Jahr,
am 10. Dezember 1981 die polnische Militärregierung Schritte unternahm, um
die von der Solidarität entzündeten Flammen der Freiheit auszulöschen.
Als dieses totalitäre Regime die Solidarität unterdrückte, hat sie den
Belagerungszustand über die Träume und Hoffnungen eines ganzen Volkes verhängt,
das nach Freiheit, Unabhängigkeit und einem Mindestmaß an Menschenwürde strebt.
Die Tragödie

- 2 -

�Die Tragödie der eisernen Unterdrückung des polnischen Volkes überschreitet
die Grenzen jenes Landes und berührt unser aller Herzen, die wir uns um die
Rechte und das Wohlergehen der Menschen überall sorgen.
An diesen wichtigen Jahrestagen wollen wir uns der großen und bleibenden
Freiheitsliebe erinnern, die ewig in den Herzen der Menschheit wächst ; und
wollen wir auch hoffen und beten, daß eines Tages alle Menschen der Segnungen
der Freiheit teilhaftig werden.
Deshalb proklamiere ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, den 10. Dezember 1982 zum Tag der Menschenrechte und den
15. Dezember 1982 zum Tag der Verfassungsrechte und rufe alle Amerikaner auf,
die am 10. Dezember 1982 beginnende Woche als Woche der Menschenrechte zu
begehen.
Zum Zeugnis dessen habe ich an diesem zehnten Tag des Dezember im Jahre
unseres Herrn 1982 und des 107. Jahres der Unabhängigkeit der Vereinigten
Staaten von Amerika meine Unterschrift geleistet.

gezeichnet:

+ + +

- 3 -

Ronald Reagan

�15c D e z e m b e r 1 9 8 2
REAGAN PROKLAMIERT TAG DER SOLIDARITÄT MIT POLEN

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat den 12. Dezember 1982
zum Tag des Gebetes für Polen und der Solidarität mit dem polnischen Volk
proklamiert.

Die Proklamation vom 10. Dezember hat folgenden Wortlaut:

Am 13. Dezember ist ein Jahr vergangen, seit die polnischen Militärbehörden unter massivem sowjetischem Druck dem Experiment des friedlichen
Wandels in Polen ein Ende gesetzt haben.

Im Laufe dieses Jahres haben die

Militärbehörden die freien Gewerkschaften, mit denen die polnische Regierung
erst kurz zuvor feierliche Verträge unterzeichnet hatte, eingeschüchtert und
schließlich aufgelöst.
Damit wurde eine echte Arbeiterbewegung von einer Regierung von Generalen
unterdrückt, die von sich behaupten, sie verträten die Arbeiterklasse. Ihr
Sieg kann, so wie es aussieht, nur ein scheinbarer Sieg sein. Das tapfere
polnische Volk hat in anderthalb Jahrhunderten fremder Besetzung gelernt,
seinen Nationalgeist zu bewahren und sich der Unterwerfung zu widersetzen.
Wir lassen uns keinen Augenblick täuschen, daß das Schweigen, das sich
auf die Entfaltung der freien Meinung in Polen herabgesenkt hat, ein Ausdruck
des wirklichen Denkens des polnischen Volkes sei. Die zensierte Presse und
die zensierten Medien sprechen nicht im Namen des Volkes. Die Gewerkschaft
Solidarität mag technisch verboten sein, aber ihre Ideale der freien Gewerkschaftsbewegung und des gewaltlosen Wandels werden niemals zerstört werden.
Dieses Wochenende

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Telex: 8-85432

�Dieses Wochenende bietet Amerikanern eine besondere Gelegenheit, das
polnische Volk zu ehren und unsere Unterstützung für seinen Kampf um das Recht,
sein Schicksal selbst und ohne Einmischung von außen unterstützte und angestachelte Diktaturen zu bestimmen.
Deshalb bestimme ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, den 12. Dezember 1982 zu einem Tag des Gebets für Polen und der
Solidarität mit dem polnischen Volk.
Ich lade das Volk der Vereinigten Staaten ein, diesen Tag durch Gebete
für das Volk Polens zu begehen und durch Teilnahme an geeigneten Zeremonien
und Veranstaltungen unsere anhaltende Unterstützung seiner Hoffnungen und
Wünsche auf größere Freiheit zu demonstrieren.
Zum Zeugnis dessen habe ich an diesem zehnten Tag des Dezember im Jahre
unseres Herrn 1982 und des 207. Jahres der Unabhängigkeit der Vereinigten
Staaten von Amerika meine Unterschrift geleistet.

gezeichnet:

+ + +

Ronald Reagan

�15. Dezember 1982

49

DIE WIRTSCHAFTLICHE GESUNDHEIT DES WESTLICHEN BÜNDNISSES
o

- Rede des US-Botschafters vor der Deutschen Atlantischen Gesellschaft -

BONN - (AD) - Der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Arthur F. Burns, hat in einer Rede vor der Deutschen Atlantischen Gesellschaft am 9. Dezember 1982 über die wirtschaftlichen Probleme des Bündnisses
gesprochen.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte der Deutschen Atlantischen Gesellschaft für die Gelegenheit danken, heute abend zu Ihren Mitgliedern und Freunden sprechen zu dürfen.

Seit ihrer Gründung vor einem Viertel Jahrhundert hat Ihre Gesellschaft

die grundlegenden Ziele des nordatlantischen Bündnisses getreulich unterstützt.

Sie sind in Ihrer Hingabe an den Frieden oder in Ihren Anstrengungen

zur Förderung der Grundsätze der persönlichen Freiheit und der Demokratie,
die die moralische Grundlage der NATO bilden, niemals wankend geworden. Damit haben Sie den Dank aller aufgeklärten Bürger in Ihrem und in meinem Lande verdient.
über meine Anerkennung Ihres Beitrages zur Erhaltung des internationalen
Friedens und der internationalen Freiheit hinaus möchte ich heute abend zu
Ihnen über einige der wirtschaftlichen Probleme sprechen, die in jüngerer Zeit
das westliche Bündnis beunruhigt haben.
Wirtschaftliche Faktoren

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Wirtschaftliche Faktoren haben unausweichlich eine wesentliche Wirkung
auf die politischen Haltungen, die in unseren jeweiligen Ländern vorherrschen
und die ihrerseits entscheidend für die militärische Leistungsfähigkeit des
Bündnisses sein können.

Angesichts der immensen Rolle der Vereinigten Staaten

in der Weltpolitik möchte ich mich auf die Wirtschaftsbeziehungen zwischen
den Vereinigten Staaten und ihren europäischen Verbündeten konzentrieren.
Diese Beziehungen sind, wie allgemein bekannt, in letzter Zeit einigen Belastungen ausgesetzt.

Das allein schon ist Grund genug, daß wir versuchen,

das amerikanisch-europäische Verhältnis in einer vernünftigen Perspektive zu
betrachten.

Darüber hinaus ist es für unser Bündnis von lebenswichtiger Be-

deutung, daß wir uns darüber Gedanken machen, wie gut seine wirtschaftlichen
Fundamente erhalten und geschützt werden.
Seit Ende 1979 haben die Vereinigten Staaten und Westeuropa eine beträchtliche wirtschaftliche Stagnation oder sogar Rezession erlebt.

Die Volkswirt-

schaften des Westens sind bei weitem stärker als die Volkswirtschaften des
Sowjetblocks, und dies ist sicherlich ein bedeutsames Faktum, aber es kann
kaum Anlaß zur Selbstgefälligkeit unsererseits sein.

Was uns Sorgen machen

muß, ist der Zustand unserer eigenen wirtschaftlichen Gesundheit - wie wir
sie am besten erhalten und verbessern können.

Ich möchte es daher heute abend

als meine erste Aufgabe betrachten, kurz auf die Ursachen der jüngsten Schwierigkeiten im Westen einzugehen.
Die ölpreisschocks von 1973 und 1978 haben sicherlich zu unseren wirtschaftlichen Problemen beigetragen. Andere Entwicklungen auf den internationalen Märkten haben auch das ihrige getan. Das gilt besonders für die wachsende Herausforderung einiger unserer Schlüsselindustrien durch Japan wie auch
•für die neue Konkurrenz bei einer Vielzahl westlicher Industrieprodukte durch
die fortgeschritteneren der Entwicklungsländer. Diese Einflüsse von außen
sind jedoch für die Volkswirtschaften des Westens weniger bedeutsam als unsere hausgemachten Schwierigkeiten.
In den

�In den ersten Jahrzehnten der Nachkriegszeit war die Haushalts- und
Währungspolitik der westlichen Demokratien äußerst erfolgreich bei der Aufrechterhai tung einer ausreichenden Vollbeschäftigung und der Verbesserung
der sozialen Verhältnisse.

Aber gerade diese Erfolge führten Regierungen

in den siebziger Jahren in die Versuchung, auf die niemals endenden Forderungen der Bürger nach Regierungswohltaten dadurch zu reagieren, daß sie
hohe Haushaltsdefizite und eine Politik des leichten Geldes riskierten - in
der Hoffnung, soziale Wohlfahrtsprogramme noch weiter auszubauen und auch
neue Umweltanliegen in Angriff nehmen zu können.

Aber indem wir versuchten,

mehr und mehr Güter und Dienstleistungen aus unseren Volkswirtschaften herauszuziehen, ohne unsere Bereitschaft zum Arbeiten und Sparen entsprechend
zu erhöhen, haben wir im Westen unausweichlich die zerstörerischen Kräfte
der Inflation freigesetzt.
Unter diesen Umständen sollte es nicht überraschend sein, daß Spannungen wegen wirtschaftlicher Fragen gelegentlich ernsthaft die Harmonie auf
die Probe gestellt haben, die im allgemeinen die politischen Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und ihren europäischen Verbündeten gekennzeichnet hat. Wenn die Volkswirtschaften unserer Länder blühen, gibt es
seitens der Geschäftswelt oder der Landwirtschaft wenig Druck auf die Regierungen, gegen die in anderen Ländern unternommenen Schritte zu protestieren
oder Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Solcher Druck hat aber die Tendenz, in
Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten zuzunehmen. Schwierigkeiten, die in
der Prosperität leicht beiseite geschoben würden, gewinnen dann an Bedeutung
- gelegentlich sogar große Bedeutung. Die freundlich gedämpften Stimmen der
Sprecher wirtschaftlicher Interessengruppen werden dann leicht laut und hart
und selbst die üblicherweise vornehme Haltung von Akademikern und hohen Regierungsvertretern gerät ins Schwanken. Die Natur des Menschen ist so, wie
sie ist, und so sind es die üblichen Erfahrungen der Menschheit, die wir
auch jetzt machen müssen.

Da ist zunächst einmal die Frage der amerikanischen Zinssätze.

Niemand

kann die Tatsache bestreiten, daß diese Zinssätze in den letzten Jahren außerordentlich hoch waren.

Und man kann auch nicht bestreiten, daß sie dazu
- 3 -

�sie dazu beitrugen, Gelder aus anderen Teilen der Welt nach den Vereinigten
Staaten zu ziehen; daß diese Kapitel ströme zur Steigerung der Zinssätze in
einigen europäischen Ländern beigetragen haben und daß als Folge Unternehmensinvestitionen in einem gewissen Grade darunter gelitten haben.

Wenn die

europäischen Beschwerden an diesem Punkt haltgemacht hätten, dann könnte vernünftigerweise niemand etwas dagegen einwenden.

Aber viele Europäer ein-

schließlich prominenter Regierungsvertreter gingen gelegentlich weiter und
erklärten direkt oder indirekt, daß die amerikanischen Zinssätze für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in ihren Ländern verantwortlich seien.

Bei einer

solchen Denkweise wurde die Tatsache außer acht gelassen, daß die hohen amerikanischen Zinssätze nicht gleichzeitig für die noch höheren Zinssätze in Frankreich und die drastisch niedrigeren in Japan verantwortlich sein konnten.

Es

braucht nicht gesagt zu werden, daß interne Faktoren in einzelnen Ländern darunter die allgemeine Sparneigung und die Lage der Regierungshaushalte - immer einen gewissen Einfluß auf die Zinssätze ausüben.
Ein Großteil der europäischen Kritik an den amerikanischen Zinssätzen
entsprang auch einem Mißverständnis bezüglich der Ziele der amerikanischen Politik. In dem Bestreben, dem von der Inflation ausgehenden Unheil ein Ende
zu setzen, gingen unsere Behörden von einem Prinzip aus, das in Jahrhunderten
erprobt worden ist - daß man nämlich, will man der Inflation Einhalt gebieten, das Geldmengenwachstum einschränken muß. Es ist natürlich richtig, daß
die hohen Zinssätze zu einem Großteil das Ergebnis unserer restriktiven Geldpolitik waren. Das bedeutet jedoch nicht, daß wir hohe Zinssätze angestrebt
hätten.
Im Gegenteil, die unmittelbaren Auswirkungen der restriktiven Geldpolitik
auf Zinssätze und Wirtschaftstätigkeit waren keineswegs willkommen, aber diese
Politik hat ihr fundamentales Ziel, der Inflation in den Vereinigten Staaten
Einhalt zu gebieten, erreicht. Seit 1979, als das Niveau der Verbraucherpreise um über 13 Prozent anstieg, ist die Inflationsrate stetig gefallen.
Nachdem sie in diesem Jahr auf weniger als fünf Prozent gesunken ist, ist die
Inflationsrate in den Vereinigten Staaten heute eine der niedrigsten der Welt.

-4 -

Der Erfolg
*

�Der Erfolg der Geldpolitik, die Inflation herabzudrücken, ermöglichte
es schließlich, daß die amerikanischen Zinssätze auf ein niedrigeres Niveau
zurückgingen - zum Teil durch das innere Funktionieren des Marktes und zum
Teil durch Anpassungen der Politik.

Die Verlangsamung der Inflation ermu-

tigte die zuständigen Stellen, monetäre Restriktionen zu lockern,und die
Verschärfung der Rezession zwang sie auch dazu.

Natürlich waren in erster

Linie die wirtschaftlichen Verhältnisse in den Vereinigten Staaten für den
darauf folgenden Rückgang der Zinssätze verantwortlich, aber unsere Währungsbehörden dachten auch ebenso an den Nutzenden niedrigere Zinssätze für Europa bringen konnten.

Seit dem vorigen Jahr, als der Zins, den Geschäftsbanken

ihren besten Kunden berechnen, 21,5 Prozent erreichte, ist dieser Satz jetzt
auf 11,5 Prozent zurückgegangen.

Die kurzfristigen Zinsen auf dem freien

Markt sind um die Hälfte gesunken.

Die langfristigen Zinssätze für Industrie-

anleihen und Hypotheken sind weniger zurückgegangen, aber auch sie sind beträchtlich gefallen.

Der größte Teil dieser Anpassungen der Zinssätze ist

seit Juni dieses Jahres eingetreten, und die europäischen Zinssätze sind den
amerikanischen nach unten gefolgt - wenn auch nicht im gleichen Ausmaß. Als
diese finanziellen Entwicklungen eintraten, schlössen sich die Europäer den
Amerikanern in dem Wunsch an, daß die Zinssätze noch weiter heruntergehen
sollten, aber was bis dahin eine wesentliche Ursache der Reibungen im Bündnis
gewesen war, hat so gut wie aufgehört, Störungen zu erzeugen.
Ein weiterer Punkt der Irritation für einige Mitglieder des Bündnisses
war in jüngerer Zeit die Haltung der amerikanischen Regierung bezüglich der
Intervention an den Devisenmärkten.

Die Wirksamkeit solcher Eingriffe für

die Stabilisierung ausländischer Währungen ist seit langem unter Finanzexperten, einschließlich der Mitglieder der Zentralbanken, ernsthaft umstritten.
Trotzdem haben Regierungen führender Länder während der siebziger Jahre des
öfteren interveniert - in der Hoffnung, einige der kurzfristigen Fluktuationen
auf dem Devisenmarkt glätten zu können.

Die Reagan-Administration, die die-

ser Politik gegenüber eine kritische Haltung einnahm, kündigte schon bald
nach ihrem Amtsantritt an, daß der Außenwert von Währungen nach ihrem Urteil
am besten dem freien Markt überlassen werden sollte und daß sie sich daher
von Interventionen zurückhalten werde - es sei denn in absolut außergewöhn- 5 -

�absolut außergewöhnlichen Umständen.

Nicht wenige Finanziers und Regierungs-

vertreter begrüßten diese Entscheidung, und selbst einige, die sie in Frage
stellten, waren mehr besorgt über die politischen Folgen der Nicht-Intervention als über ihren eigentlichen wirtschaftlichen Wert oder Unwert.

Es gab

jedoch trotzdem einige entschiedene Kritiker der neuen amerikanischen Politik,
und sie machten ihren Einfluß geltend -am deutlichsten auf dem Wirtschaftsgipfel in Versailles im Juni dieses Jahres.
Die Amerikaner hielten auf diesem Treffen an ihrer Grundposition fest,
schlugen aber vor, einen Ausschuß internationaler Experten einzusetzen, um
die Ergebnisse früherer Erfahrungen mit Interventionen zu prüfen.
solch

Indem sie

eine Studie unternehmen, räumten alle Teilnehmer stillschweigend die

Möglichkeit ein, daß einige ihrer Meinungen über Interventionen revisionsbedürftig sein könnten.

Seither sind die Vereinigten Staaten in der von ihren

Kritikern bevorzugten Richtung weitergegangen, indem sie tatsächlich - wenn
auch in einem bescheidenen Umfang - mehrmals auf dem Markt interveniert haben.

Es besteht Grund zu der Hoffnung, daß die jetzt in Arbeit befindliche

Devisenmarktstudie dazu beitragen könnte, die Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten und einigen ihrer Verbündeten weiter einzuengen.

Und wenn

zum guten Willen noch etwas Glück kommt, so daß sowohl die Zinssätze als auch
die Inflationsraten in unseren jeweiligen Ländern weiter absinken, dann werden die Fluktuationen der Wechselkurse von allein geringer - und damit auch
der Anreiz zur Intervention sowie die Neigung zum Streit über diese Frage.
Ein sehr viel ernsterer Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und
ihren Verbündeten wurde durch die Entscheidung mehrerer europäischer Länder
ausgelöst, den Bau einer sibirischen Erdgasleitung zu unterstützen. Dieser
Konflikt erreichte einen Höhepunkt, als die amerikanische Regierung in ihrer
moralischen Entrüstung über die Rolle der Sowjetunion bei der Unterdrückung
der neugewonnenen Freiheiten des polnischen Volkes sich entschloß, Lieferungen von Material und Gerät zum Bau der Rohrleitung durch amerikanische Firmen
zu verbieten. Dieses Verbot wurde später auf europäische Tochtergesellschaften und Lizenznehmer amerikanischer Firmen ausgeweitet. Diese Maßnahmen führten zu bitteren Beschuldigungen und Debatten, und einige politische Beobach- 6 -

�politische Beobachter auf beiden Seiten des Atlantik waren der Meinung, daß
die amerikanische Reaktion auf die Krise in Polen Anlaß zu einer Krise 1m
Bündnis gegeben haben könnte.
Diese Gefahr wurde glücklicherweise überwunden.

Nicht nur, daß der

Schaden für das Bündnis gering gehalten wurde, sondern die Kontroverse über
die Rohrleitung trug sogar tatsächlich dazu bei, das westliche Denken über
Außenpolitik in gesundere Bahnen zu lenken.
Im Zuge der Abwägung der Sanktionen gegen die Sowjetunion nahm die
amerikanische Regierung eine Überprüfung der wirtschaftlichen Beziehungen
des Westens zur Sowjetunion vor, in der Hoffnung, eine Politik ausarbeiten
zu können, die sich im Gegensatz zu den Sanktionen gegen die Rohrleitung als
von dauerhaftem Nutzen für das Bündnis erweisen könnte. Es wurde bald klar,
daß dies einen resoluteren Umgang mit Elementen der westlichen Außenpolitik
erfordern würde, die in sich widersprüchlich sind. Die Begründung, die zu
diesem Schluß führte, war klar und eindeutig. Auf der einen Seite setzen die
NATO-Länder Jahr für Jahr gewaltige Mittel für unsere gemeinsame Verteidigung
gegen die sowjetische Bedrohung ein. Gleichzeitig jedoch haben wir im Westen
zum Teil durch Privatbanken, zum Teil durch Regierungsstellen der Sowjetunion
und ihren Satelliten während des letzten Jahrzehnts gewaltige Summen Geldes
geliehen. Gelegentlich wurde dies sogar zu subventionierten Zinssätzen getan. Angesichts der hohen Priorität, die die Sowjetunion ihren Streitkräften
einräumt, haben die Finanzmittel, die der Westen der Sowjetunion so freigiebig
zur Verfügung gestellt hat, indirekt dazu beigetragen, deren ohnehin gewaltiges Militärpotential noch weiter zu stärken. Und was die Sache noch verschlimmert hat, die Sowjetunion hat weiterhin von den Schwächen unserer
Kontrollen für den Export militärisch bezogener Produkte und Technologien
profitiert.
Diese Überlegungen wurden während des vergangenen Jahres von der amerikanischen Regierung ihren Verbündeten immer wieder mit Nachdruck vorgetragen.
Eine Zeit lang wurden sie von europäischen Regierungen abgelehnt, zum Teil

- 7 -

�zum Teil wegen des Mißfallens gegenüber den Sanktionen gegen die Erdgasleitung, zum Teil aus der Besorgnis heraus, daß die amerikanische Initiative zu
einem Handelskrieg zwischen Ost und West führen könnte. Aber als die amerikanische Regierung deutlich machte, daß ihr Grundziel einfach darin bestand,
die Politik des Westens auf einen Weg zu lenken, der in größerer Übereinstimmung mit den Sicherheitsinteressen des Bündnisses stand, gaben Kontroversen
und gegenseitige Beschuldigungen immer mehr den ruhigen Stimmen der Vernunft
statt.
Am 13. November konnte Präsident Reagan bekanntgeben, daß Übereinstimmung über die Notwendigkeit erzielt worden war, bei Handelsabmachungen mit
der Sowjetunion Sicherheitsfragen des Bündnisses in Rechnung zu stellen.

Im

einzelnen kamen die Vereinigten Staaten und ihre Partner überein, daß erstens
während der Zeit der Durchführung einer dringenden Studie über alternative
Energiequellen keine neuen Kontrakte für sowjetisches Erdgas geschlossen werden; daß zweitens bestehende Kontrolle für den Transfer strategischer Güter
nach der Sowjetunion verschärft werden; daß drittens rasch Verfahren zur
Überwachung finanzieller Beziehungen zu den Sowjets geschaffen werden; und
daß viertens die Verbündeten an einer Harmonisierung ihrer Exportkreditpolitik arbeiten werden.

In den Augen der amerikanischen Regierung werden diese

Maßnahmen den Interessen des Bündnisses wirksamer dienen als die Sanktionen
gegen die Rohrleitung.

Der Präsident schloß daher seine Erklärung mit der An-

kündigung der Einstellung dieser Sanktionen.

Sicherlich liegen noch lange und

schwierige Verhandlungen über Mittel und Wege zur Durchführung der vereinbarten Maßnahmen vor uns, aber die Rohrleitungskrise als solche ist glücklicherweise beendet.
Auf anderen Gebieten der Wirtschaftspolitik - vor allem der Aufteilung
der Verteidigungslasten und bei Handelsfragen - haben die Vereinigten Staaten
weiterhin wichtige Differenzen mit ihren europäischen Partnern. Schwierigkeiten dieser Art haben das Bündnis schon fast seit seinen Anfängen heimgesucht. Und sie werden auch in den kommenden Jahren in der einen oder anderen
Form wieder auftreten. Aber selbst hier ist es uns gelungen, generell mit
unseren Problemen fertigzuwerden, und wir haben während des vergangenen Jahres
- 8 -

�vergangenen Jahres einige begrenzte Erfolge aufzuweisen gehabt, die bemerkenswert sind.
Die Verteilung der Verteidigungslasten unter Verbündeten wirft unausweichlich schwierige Fragen der Gerechtigkeit auf.

Viele Amerikaner, vor

allem Mitglieder des Kongresses, sind seit langem der Auffassung, die Vereinigten Staaten würden einen übertrieben hohen Anteil an den hohen Kosten
des Bündnisses tragen.

Angesichts der Knappheit der Mittel, die in meinem

Lande aufgetreten ist, hat sich diese Kritik an Europa in jüngster Zeit verschärft.

Unsere NATO-Partner reagieren gewöhnlich darauf, indem sie uns

daran erinnern, daß ihre Verteidigungsausgaben während der siebziger Jahre
ständig gestiegen sind, während die amerikanischen Ausgaben real zurückgingen.

Das ist völlig richtig, aber es ist nur die eine Seite der Medaille.

Amtliche Statistiken lassen erkennen, daß die Verteidigungsausgaben in den
Vereinigten Staaten im Jahr 1970
reichten.

7,9 Prozent des Bruttoiniandprodukts er-

Die höchste entsprechende Zahl für jeden unserer großen Verbünde-

ten blieb in jenem Jahr knapp unter fünf Prozent.

Obwohl die Verteidigungs-

ausgaben der Vereinigten Staaten während der siebziger Jahre zurückgingen,
wurde diese Lücke niemals geschlossen.

Mit diesen Tatsachen konfrontiert,

sind europäische Regierungen geneigt, zu bemerken, daß reine Zahlenangaben
nicht alle Kosten erfassen, die auf dem Gebiet der Verteidigung auftreten,
vor allem nicht die Wehrpflicht, die in den meisten ihrer Länder besteht.
Solche Einwände werden von Amerikanern nicht immer akzeptiert, wie sich an
den lebhaften Diskussionen, die in den Hallen unseres Kongresses zu hören
sind, erkennen läßt.
Welchen Nutzen die Debatten unter Mitgliedern des Bündnisses auch haben
mögen, die Reagan-Administration ist sich darüber im klaren, daß einige der
jetzt dem Kongreß vorliegenden militärischen Vorschläge das Bündnis ernsthaft schwächen würden.

Und nicht nur das, sie würden auch die Sowjets ermu-

tigen, in den lebenswichtigen RüstungskontrollVerhandlungen, die jetzt in
Genf geführt werden, unnachgiebig zu bleiben.

Diese Gefahren sind der Auf-

merksamkeit europäischer Führer nicht verborgen geblieben.

Ja, viele Europäer

teilen seit langem die weit verbreitete amerikanische Überzeugung, daß Europa
für seine eigene oder für die gemeinsame Verteidigung nicht genug tue.

Knappe

�Knappe Mittel sind heutzutage nicht weniger ein Problem in Europa als in den
Vereinigten Staaten.

Trotzdem hat die Bundesregierung kürzlich Schritte unter-

nommen, die dazu beitragen dürften, daß die Amerikaner das Problem der Verteilung der Verteidigungslasten in einer besseren Perspektive sehen.

Vor einigen

Monaten unterzeichnete die Bundesrepublik Deutschland einen Vertrag mit den
Vereinigten Staaten, in dem sie sich verpflichtete, im Ernstfall 90 000 Reservisten zur Unterstützung amerikanischer Kampftruppen aufzubringen.

Und in

jüngster Zeit gab Verteidigungsminister Manfred worner bekannt, daß der neue
Bundeshaushalt einen beträchtlichen zusätzlichen Beitrag für den Bau lebenswichtiger militärischer Einrichtungen der NATO in Europa vorsieht.

Diese

Maßnahmen sind der Bundesregierung von den Amerikanern seit langem empfohlen
worden.

Die Tatsache, daß sie in einer schwierigen Zeit beschlossen worden

sind, dürfte sicherlich dazu beitragen, amerikanische Besorgnisse zu beruhigen.
Die Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten
wegen Fragen des internationalen Handels haben ebenfalls eine lange und bunte
Geschichte. Vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis in die siebziger Jahre lief
der allgemeine Trend der westlichen Politik darauf hinaus, die Liberalisierung
des internationalen Handels und der internationalen Investitionen zu verstärken, und es kann kaum einen Zweifel daran geben, daß dieser Trend gewaltig zur
Prosperität im Westen und in anderen Teilen der Welt beigetragen hat. Während die Vereinigten Staaten die Welt auf dem Wege zu einem offenen Handelssystem und uneingeschränkten Auslandsinvestitionen anführten, wurde diese Politik - mit Ausnahme dessen, was die Landwirtschaft anbetraf - in Europa, vor
allem in der Bundesrepublik, generell unterstützt. Leider, aber nicht überraschend, hat die tiefe Rezession der jüngsten Zeit jetzt in vielen europäischen
Ländern und auch in den Vereinigten Staaten starke protektionistische Gefühle
geweckt.
Die Reagan-Administration hat Schritten des Kongresses in Richtung Protektionismus nachdrücklich widerstanden - bisher mit beachtlichem, wenn auch
nicht vollständigem Erfolg. Während der kürzlichen Ministertagung der Mitglieder des allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) haben die Vereinigten Staaten besonders hart für eine eindeutige Verpflichtung der Handels- 10 -

�der Handelsminister der Welt gekämpft, bestehende Maßnahmen zur Einschränkung des internationalen Handels auslaufen zu lassen und sich aller neuen
restriktiven Maßnahmen zu enthalten.

Die Debatten über dieses Prinzip und

über bestimmte Handelsfragen zogen sich hin und waren gelegentlich bitter,
aber am Ende brachten die amerikanischen Initiativen nur bescheidene Ergebnisse.

In das Gewand eines Professors schlüpfend, stellte der amerikanische

Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen, Bill Brock, bezüglich der Ergebnisse fest, daß sie kaum mehr als ein "genügend" verdienten - eine Beurteilung, die nur von wenigen informierten Beobachtern in Frage gestellt wurde.
Vom amerikanischen Standpunkt war der enttäuschende Aspekt dieser Tagung, daß es nicht gelang, die Europäische Gemeinschaft dazu zu bewegen,
einige Aspekte ihrer Agrarpolitik zu modifizieren. Seit vielen Jahren hat
die Gemeinschaft Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse aufrechterhalten,
die über dem Weltmarktniveau liegen. Deshalb haben sich Überschüsse angesammelt, und um sie auf den Weltmärkten loszuwerden, subventioniert die Gemeinschaft ihre Exporte. Solange sich diese Politik darauf beschränkte, Verkäufe
landwirtschaftlicher Erzeugnisse innerhalb der Gemeinschaft zu schützen, wurde
sie von den Vereinigten Staaten akzeptiert - wenn auch nicht ohne Protest.
Aber als die Subventionierung zu großen Exporten in Drittländer führte, ergab sich für die amerikanischen Farmer und die Exporteure landwirtschaftlicher
Erzeugnisse in anderen Ländern ein ernsteres Problem. Nachdem die Einkommen der Farmer in den Vereinigten Staaten gegenwärtig auf ihrem niedrigsten
Stand seit den dreißiger Jahren angekommen sind, sind die amerikanischen
Proteste gegen die Agrarpolitik der Gemeinschaft immer nachhaltiger geworden.
Die Gemeinschaft hat sich jedoch geweigert nachzugeben, unter anderem mit der
Behauptung, daß die Frage ihrer Subventionen bereits in früheren Verhandlungen
geregelt worden sei. Diese und andere Argumente der Gemeinschaft haben die
amerikanische Haltung nicht abgeschwächt. Und wenn diese Agrarkontroverse
nicht bald beigelegt wird, dann besteht ernsthaft die Möglichkeit, daß der
Kongreß im kommenden Jahr vergeltende Gesetze verabschieden wird. Dies wäre
sowohl für die Vereinigten Staaten als auch für Europa von so großem Schaden,
daß ich immer noch glaube, daß eine gegenseitige Akkommodation erreicht werden
wird.
Ein solches
- 11 -

�Ein solches Ergebnis wurde im übrigen im Zusammenhang mit einem anderen
Handelsstreit erreicht, der sich eine Zeit lang jedem Versuch der Beilegung
widersetzte.

Viele Jahre lang hat die Weltstahlindustrie unter Überkapazität

gelitten.und unter solchen Bedingungen haben, wie so oft, verschiedene Länder
- einschließlich einiger Länder in Europa - ihren Stahlerzeugern Subventionen
zur Verfügung gestellt.

Als Konsequenz sind in den letzten Jahren große Men-

gen von Stahl, der mit Hilfe von Regierungssubventionen produziert wurde, in
den amerikanischen Markt eingedrungen.

Amerikanische Stahlhersteller, die

keine Subventionen erhalten, haben versucht, diese ärgerliche Konkurrenz einzudämmen.

Sie haben sich ein Gesetz zunutze gemacht, das einen Industrie-

zweig in die Lage versetzt, gegen bestimmte Regierungsanstrengungen zur Ausarbeitung von Handelsvereinbarungen mit anderen Ländern sein Veto einzulegen.
Trotz dieses gewaltigen Hindernisses ist es der amerikanischen Regierung
schließlich doch gelungen, ein Abkommen mit der europäischen Kommission zu
treffen, das den Exporten verschiedener Stahlerzeugnisse nach den Vereinigten
Staaten moderate Quoten auferlegt.
Mir - wie auch anderen überzeugten Anhängern des Freihandels - hat dieses Abkommen wenig Freude gebracht. Aber die praktische Wahl, vor der sowohl
Amerikaner als auch Europäer standen, war in diesem Falle nicht die zwischen
Protektionismus und Freihandel, sondern zwischen Ausmaßen und Arten des Protektionismus. Wenn die Verhandlungen über Stahlquoten fehlgeschlagen wären,
dann hätte das bestehende amerikanische Recht die sofortige Einführung von
Strafzöllen für Stahlimporte verlangt. Und noch schlimmer: Es schien wahrscheinlich, daß in diesem Falle der Kongreß noch drastischere protektionistische Maßnahmen beschließen würde. Die ausgehandelte Regelung hat eindeutig die hohen Prinzipien des Freihandels verletzt, aber sie hat auch ernstere Folgen abgewandt. In diesem Sinne ist es nicht nur ein Abkommen, das man
tolerieren kann, sondern auch ein Abkommen, das dazu gedient hat, politische
Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten abzubauen.
Die Schlußfolgerung, die man nach meiner Auffassung zu Recht aus meinem
überblick über den kürzlichen Stahlstreit und andere wirtschaftliche Streitigkeiten im Bündnis ziehen kann, ist beruhigend. Sicherlich hat es Exzesse der
- 12 -

�Exzesse der politischen Rhetorik

auf beiden Seiten des Atlantik gegeben

und gelegentlich auch fehlgeleitete Aktionen.

Trotzdem ist es den Vereinig-

ten Staaten und ihren europäischen Verbündeten gelungen, die meisten ihrer
störenden Differenzen über wirtschaftliche Fragen beizulegen - oder zumindest abzuschwächen.

Unsere Fähigkeit, diese gegenseitige Anpassung unter

schwierigen Verhältnissen zustande zu bringen, zeigt, daß die uns vereinenden moralischen, politischen und sicherheitspolitischen Interessen stark genug sind, selbst kontroverse wirtschaftliche Fragen zu überwinden.

Das hat

sich auf jeden Fall bisher gezeigt,und daraus können wir sicherlich Ermutigung für die Zukunft gewinnen.
Wir müssen jedoch jedes Gefühl des Optimismus dämpfen, daß sich die
internationalen Wirtschaftsbedingungen in naher Zukunft so verbessern werden, daß sie kaum noch politische Belastungen innerhalb des Bündnisses hervorrufen oder verschärfen werden.

Es ist heute weitgehend anerkannt, daß

die Schwäche der internationalen Wirtschaft während der letzten drei Jahre
die Nachwirkung des inflationären Druckes ist, der während der siebziger
Jahre freigesetzt wurde.

Man ist sich jedoch nicht ganz so darüber im kla-

ren, daß unsere wirtschaftlichen Schwierigkeiten in jüngster Zeit mehr sind
als nur die normalen Schwankungen des Wirtschaftszyklus.

Sie sind auch Aus-

druck eines gewissen Verlustes an wirtschaftlicher Dynamik - das heißt, einer
schrittweisen Schwächung der Kräfte, die dem wirtschaftlichen Wachstum in
der

westlichen Welt zugrunde liegen.
Liberale Haushalts- und Währungspolitiken haben uns über eine Generation

lang gut gedient, die Vollbeschäftigung zu fördern und die soziale Umwelt
zu verbessern.

Sie hätten vielleicht weiterhin nützlich wirken können, wä-

ren sie nicht zum Exzess getrieben worden.

Aber leider wurden die traditio-

nellen Regeln der finanziellen Besonnenheit in den Wind geschlagen.

Als Er-

gebnis sind unsere westlichen Volkswirtschaften gegenüber den Gefahren der
Inflation so stark sensibilisiert worden, daß man nicht länger damit rechnen
kann, daß liberale Finanzpolitiken ihre frühere konstruktive Funktion weiterhin erfüllen können.
Jetzt hat
- 13 -

�Jetzt hat sich das Denken der Regierungen und der Unternehmen im Westen
auf die Schaffung einer Umwelt konzentriert, die mehr Anreiz für Innovation
und Privatinvestitionen bietet als in den letzten Jahren.

Verantwortliche

Führer in unseren jeweiligen Ländern unterstreichen oft nicht nur die Notwendigkeit, auf dem monetären Gebiet Zurückhaltung zu üben, sondern auch die
Notwendigkeit, eine gewisse Senkung des hohen Standes zu erreichen, den sowohl Regierungsausgaben als auch Steuern im Verhältnis zur Höhe unseres jeweiligen Volkseinkommens erreicht haben.

Selbst Frankreich, das eine Zeit lang

in eine andere Richtung ging, hat jüngst eine ziemlich restriktive Geldpolitik eingeführt und dazu die Absicht bekanntgegeben, die Ausweitung der Haushaltsdefizite weiter einzuschränken.

Da die frühere Wirtschaftspolitik heute

im Westen in allgemeinen Mißkredit geraten ist

und die neue Politik ihre

Bewährungsprobe noch nicht voll bestanden hat, hat sich während der vergangenen ein bis zwei Jahre in den Vereinigten Staaten wie auch in ganz Westeuropa tiefe Sorge über die wirtschaftliche Zukunft ausgebreitet.
Man kann solch einen Pessimismus übertreiben. In den Vereinigten Staaten
zumindest ist die Gesamtleistung der Wirtschaft während der vergangenen sechs
Monate praktisch unverändert geblieben,und es gibt jetzt zahlreiche Hinweise,
daß die Grundlage für einen Wiederaufschwung gelegt worden ist. Wie bereits
festgestellt, sind die Inflationsraten und Zinssätze stark zurückgegangen.
Die Kurse für Aktien und Schuldverschreibungen sind dramatisch gestiegen und
haben so dem Nettovermögen von Einzelpersonen und Unternehmen Hunderte von
Milliarden von Dollar hinzugefügt. In jüngster Zeit sind die Verbraucherausgaben für Güter und Dienstleistungen etwas gestiegen. Der Wohnungsbau hat
dieses Jahr erneut zugenommen, der Verkauf von Häusern hat sich in jüngster
Zeit belebt,und die finanziellen Bedingungen für Hypothekeninstitute haben
sich verbessert. Die Aufwärtsbewegung der Löhne hat sich wesentlich verlangsamt, die Produktivität der Industrie hat sich in jüngster Zeit verbessert,
und die Unternehmergewinne haben zu steigen begonnen. Diese Verbesserungen
sind bisher durch einen starken Rückgang der Warenexporte und der Investitionen
in neuen Anlagen und Ausrüstungen aufgewogen worden. Trotzdem ist es wahrscheinlich, daß innerhalb der nächsten Monate in den Vereinigten Staaten ein
schrittweiser Wideraufschwung in der Gesamtproduktion und Beschäftigung in
- 14 -

�Beschäftigung in Gang kommen wird.

Mit der möglichen Ausnahme Großbritanniens ist der unmittelbare Ausblick für Europa weniger günstig, zu einem großen Teil wegen der größeren
Starrheit seiner Arbeitsmä'rkte.

Aber man kann vernünftigerweise annehmen,

daß jede Besserung in der amerikanischen Wirtschaft auch in Westeuropa spürbar werden wird, ehe noch zu viele Monate vergangen sind.

Trotzdem wird die Arbeitslosigkeit im Westen noch für eine unbequem
lange Zeit hoch bleiben, da das Tempo des Wiederaufschwungs wahrscheinlich
im gegenwärtigen Fall langsam sein dürfte.
es zwingende Gründe.
daß

Für dieses geringe Tempo gibt

Erstens gibt es noch kaum irgendwelche Anzeichen,

in den Vereinigten Staaten oder in Westeuropa Aufträge für Geschä'fts-

bauten oder Geschäftsausrüstungen zu wachsen begonnen hätten.

Zweitens müs-

sen die meisten der größeren Banken überall im Westen heute erkannt haben,
daß ihre Kreditpolitik im eigenen Lande und im Ausland während der siebziger
Jahre übertrieben liberal war.
stehenden Jahren vorsichtige
vorsichtige

Sie werden deshalb in den unmittelbar bevorKreditgeber - vielleicht sogar übertrieben

Kreditneber • sein.

Drittens, viele der weniger entwickelten

Länder - nicht nur Mexiko, Brasilien und Argentinien, die in jüngster Zeit
sehr häufig in der Presse genannt werden - sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt
nicht in der Lage, fristgerecht Zinsen zu zahlen oder Tilgungen zu leisten,
die für ihre übergroße Verschuldung fällig sind.

Diese finanziellen Schwie-

rigkeiten stellen eine schwere, meiner Meinung nach jedoch noch in den Griff
zu bekommende Gefahr für das internationale Bankensystem dar.

Aber selbst

unter den günstigsten Umständen wird in vielen der weniger entwickelten Länder eine große Sparsamkeit praktiziert werden müssen, und ihre verringerten
Importe werden unausweichlich das Tempo des wirtschaftlichen Wiederau^schwungs
des Westens während der nächsten zwei oder drei Jahre, wenn nicht sogar länger
bremsen.

Wenn meine Beurteilung der wirtschaftlichen Aussichten auch nur annähernd
richtig ist, dann werden politische Spannungen, die auf wirtschaftlichen
Schwierigkeiten beruhen, wahrscheinlich das Bündnis auch weiterhin beunru- 15 -

�weiterhin beunruhigen.

Wenn wir in den unmittelbar bevorstehenden Jahren

Fortschritte in Wirtschaftsfragen erzielen wollen, dann ist es besonders
wichtig, daß jedes Land eine Politik "der Bereicherung auf Kosten des Nachbarn" vermeidet.

Wir können es uns nicht leisten, in Begriffen von Gewin-

nern und Verlierern zu denken, wenn es darum geht, unsere gemeinsamen Probleme zu lösen.

Es ist daher ganz wesentlich, daß die Mitgliedstaaten des

Bündnisses die gewaltige wirtschaftliche und politische Staatskunst mobilisieren, die ihnen zur Verfügung steht.

Die Zusammenarbeit zwischen Wirt-

schaftsministerien, Finanzministerien, Zentralbanken, Geschäftsbanken und
internationalen Finanzinstituten, die nicht immer eng war, muß dies jetzt
in noch sehr viel größerem Maße werden.

Die Staats- und Regierungschefs

des Westens, die bisher bei der Kontrolle der Krankheit des Protektionismus einigermaßen erfolgreich waren, müssen noch ernsthafter an der Erreichung
dieses lebenswichtigen Zieles arbeiten.

Treffen der Mitglieder der außenpo-

litischen und verteidigungspolitischen Einrichtungen des Bündnisses müssen
noch häufiger stattfinden und noch gründlicher und rechtzeitiger durchgeführt werden, damit die Mißverständnisse zwischen ihren Regierungen auf einem
Minimum gehalten werden.

Dies, meine Damen und Herren, sind die Wege zum

Vertrauen in die Sicherheit und Prosperität der demokratischen Industriestaaten, die sich in der Bruderschaft des atlantischen Bündnisses zusammengeschlossen haben.

- 16 -

�15. Dezember 1982

49

US-JOURNALIST WARNT VOR GLEICHSETZUNG DER USA MIT DER UDSSR

WASHINGTON -(AD)- Der amerikanische Journalist David Satter hat davor gewarnt,
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion einfach gleichzusetzen.

Vor dem

Europa-Unterausschuß des Außenpolitischen Ausschusses des Repräsentantenhauses
sprach der frühere Moskau-Korrespondent der Londoner "Financial Times" und
Sonderkorrespondent für sowjetische Angelegenheiten des "Wall Street Journal"
über seine sechsjährigen Erfahrungen in der Sowjetunion.
Nachfolgend die wesentlichen Auszüge aus diesen Darlegungen:
Als ich im März nach sechs Jahren in der Sowjetunion in die Vereinigten
Staaten zurückkehrte, gehörte zu den Überraschungen, die mich erwarteten, die
weitverbreitete Auffassung in den USA, die Russen seien Menschen "genau wie wir".
Logische Folgerung dieser Ansicht war die Vorstellung, daß die Sowjets,
wenn wir nur unsere militärische Stärke abbauen, ihre ebenfalls abbauen werden;
wenn wir unseren Einfluß in der Welt nicht aufrechterhalten, dann werden sie
ihren Einfluß nicht weiter ausdehnen; und wenn wir den Fluß von Getreide und
Technologie nach der Sowjetunion verstärken, dann werden die Sowjets dem Handel
die oberste Priorität einräumen.
Wenn man sowohl in der Sowjetunion als auch in den Vereinigten Staaten
Staaten gelebt hat, dann hat man das Leben in zwei v ö l l i g verschiedenen Welten
e r l e b t , die von zwei v ö l l i g unterschiedlichen Mentalitäten getragen werden.
Die Auffassung, die Sowjets seien Menschen "genau wie w i r " , entspringt sicherlich
dem besten Willen, aber wir werden die Sicherheit der Vereinigten Staaten
jgfäjTrclejT^ejTnjjjyfn^ej^|o^^

der Vergangenheit,

acn zu VÖ uu i ei.: u^ö-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der Vergangenheit, auf diese falsche Vorstellung gründen.
Nur allzu selten wird die Tatsache berücksichtigt, daß sich die Sowjetunion von den Vereinigten Staaten dahingehend unterscheidet, daß sie sich
auf eine Ideologie gründet, die, wie eine Religion, von sich behauptet, die
ganze Welt erklären zu können.

Der innere Aufbau des sowjetischen Staates

und seine Außenpolitik gehen davon aus, daß die sowjetische Führung niemals
Unrecht haben kann.
Diese Struktur wiederum findet ihre grundlegende Unterstützung in der
ideologischen Mentalität des sowjetischen Volkes.

Eine Regierung, die sich

selbst als unfehlbar erklärt hat, wird von einem Volk unterstützt, das ein
williges Werkzeug der imperialistischen Pläne seiner Führer ist.
Ich möchte kurz auf die Unterschiede in der Psychologie der sowjetischen
Bürger und der Bevölkerung in den Vereinigten Staaten eingehen, weil aiese
Unterschiede, wie ich glaube, deutlich die Gefahren aufzeigen, die darin liegen,
die sowjetische Regierung oder die sowjetischen Bürger nach unserem Bilde zu
sehen und diese falschen Vorstellungen dann zur Grundlage unserer Politik zu
machen.
Kurz bevor ich Moskau verließ, traf ich mit Leonid Borodin, einem Schriftsteller und russischen Nationalisten, zusammen, der seither wegen politischer
Beschuldigungen vom Geheimdienst KGB verhaftet worden ist.
Er sagte mir, daß nach seiner Meinung der Hauptunterschied zwischen Sowjetbürgern und Amerikanern darin bestehe, daß die Amerikaner von Dingen träumten,
die erreichbar sind: einem großen Haus im Vorort, einem Sportwagen, teuren
Kleidern oder einer Privatjacht, während der Sowjetbürger, für den diese Dinge
unerreichbar sind, vom Sieg des Weltkommunismus und vom Ende der Ausbeutung des
Menschen durch den Menschen träume.
Der Sowjetbürger

- 2 -

�Der Sowjetbürger mag gar keine Vorstellung davon haben, was Weltkommunismus
bedeutet oder auch nur, was kapitalistische Ausbeutung wirklich bedeutet, aber
allein die Idee, an einer großen historischen Bewegung beteiligt zu sein, gibt
seinem Leben einen Sinn, das sonst unglaublich trostlos und schwierig wäre.
Die Bereitschaft der Sowjetbürger, sich einer Idee zu unterwerfen, so wenig
sie diese Idee auch wirklich verstehen mögen, bedeutet, daß die sowjetischen
Führer in ihrem Handeln nicht durch eine demokratische öffentliche Meinung
begrenzt werden.
Im Gegensatz zu Amerikanern zollen die Sowjetbürger der Obrigkeit instinktiv
Ehrerbietung.

Fast alle Sowjetbürger sind sich darüber im klaren, daß ihnen

die volle Kenntnis der übrigen Welt fehlt, aber sie akzeptieren diesen
Informationsmangel als etwas, was man nicht ändern kann, wie etwa das Wetter.
Wenn ein Sowjetbürger im privaten Gespräch etwas gegen die sowjetische
Politik einwendet, dann erhält er die typische Antwort: "Du kennst doch nicht
alle Fakten. Nur die Regierung kennt alle Fakten, Du bringst nur eine
subjektive Meinung zum Ausdruck".
Mit der Ehrerbietung geht die Geduld einher. Der Sowjetbürger betrachtet
die Probleme seiner Gesellschaft wie seine eigenen. Wenn der Lebensstandard
sinkt und die Regierung erklärt, man brauche Geld, um ein neues Flugzeug zu
bauen, dann gibt es keinen Widerspruch gegen das Motto der Regierung: Kanonen
statt Butter. Gutes Essen ist ein Luxus. Ein neues Flugzeug wird von jedermann
als etwas Notwendiges betrachtet.
Wenn sich ein Käufer in einem Laden auf dem Lande beschwert, weil zu dem
seit langem bestehenden Mangel an Fleisch auch noch ein Mangel an Milch, Butter
und Gemüse gekommen ist, dann wird der Verkäufer wahrscheinlich antworten: "Wir
werden es überstehen, wir haben schon Schlimmeres überstanden".
Die ideologische

- 3 -

�Die ideologische Mentalität des Sowjetbürgers und seine Bereitschaft, alle
Aspekte des Lebens dem Diktat einer Idee zu unterwerfen, die er nicht einmal
begreift, ist der Grund für die einem Amerikaner so unvorstellbare Tatsache,
daß, je schlechter die Sowjetbürger leben und je mehr sie unterdrückt werden,
sie desto hingebungsvoller an die sowjetische Macht sind.
Nachdem ich sechs Jahre in der Sowjetunion gelebt habe, scheint es mir
heute, daß die Vereinigten Staaten die Natur des Kommunismus niemals begriffen
haben - weder, als wir ihn in Vietnam in Stücke zu sprengen versuchten, noch,
als wir versuchten, in der Ära der Entspannung diese mit Getreide und Technologie
zu kaufen.
Wir haben einfach nie richtig begriffen, daß die Macht der Sowjetunion und
ihre Expansionsfähigkeit nicht den militärischen und politischen Instrumenten zu
verdanken sind, die in der Vergangenheit Imperien aufgebaut haben, sondern dem
Erfolg einer Idee und dem Wunsch der Menschen in der ganzen Welt, ein Bezugssystem zu finden, das ihrem Leben Sinn und Bedeutung verleiht.
\

Viele Menschen in den Vereinigten Staaten sind geneigt, die Anziehungskraft
des Kommunismus und die Ansprüche des sowjetischen Regimes ins Lächerliche zu
ziehen. Und entsprechend der geringen Meinung, die sie von der sowjetischen
Ideologie haben, sind augenscheinlich auch manche amerikanische Regierungsvertreter zu dem Schluß gekommen, die militärische Macht sei die einzige Quelle
der Kraft der Sowjetunion. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein.
Wie absurd die Ideologie des Kommunismus aus der Distanz betrachtet auch
sein mag, so vermittelt sie ihren Anhängern doch das Gefühl des Sinnvollen und
gibt scheinbar selbst dem einfachsten Menschen den Eindruck, sein Leben habe
eine besondere Bedeutung - und erfüllt, obgleich auf trügerische Weise,dadurch
ein grundlegendes geistiges Bedürfnis.
Unser Fehler

- 4 -

�Unser Fehler besteht darin, die Bedeutung der Ideologie der Sowjetunion
nicht zu erkennen - und zwar sowohl für die Aufrechterhaltung der kommunistischen
Macht in der Sowjetunion, als auch für die Verbreitung des Kommunismus im
Ausland.

Dies ist der grundlegende Fehler der amerikanischen Politik gegenüber

der Sowjetunion.
Es ist die Unfähigkeit, die Bedeutung von Ideologie in dieser Welt zu
verstehen, die der Grund dafür ist, daß wir eine Situation haben eintreten
lassen, in der die Sowjetunion geneigt ist, ihren Einfluß auf immer größere
Bereiche der entwickelten und der unterentwickelten Welt auszudehnen.
Unsere Politik scheint nicht gewillt einzusehen, daß in einer Welt ohne
Glauben die Idee des Kommunismus eine gewaltige Stärke erreicht hat.
Diese
Ideologie kann weder militärisch besiegt werden, noch können ihre Anhänger
durch Bestechung dazu gebracht werden, sie aufzugeben. Sie kann nur auf eine
einzige Weise besiegt werden - indem man sie mit einer Idee konfrontiert,
die besser ist.
Die Ironie des Schicksals will es, daß wir - trotz der seit langem
andauernden ideologischen Passivität Amerikas - herausfinden würden, daß der
sowjetische Totalitarismus äußerst verwundbar ist, wenn wir nur erst versuchen
würden, uns der Sowjetunion im ideologischen Bereich ernsthaft zu stellen.
Ein grundlegendes Charakteristikum des sowjetischen Staates - aber in
nur ungenügendem Maß im Westen erkannt - besteht in dem-fortwährenden Versuch,
einen unechten Ersatz für die Realität zu schaffen.
Die Sowjets schaffen sich ihre Tatsachen, denn wann immer die Vorhersagungen des Marxismus-Leninismus, auf den sich der sowjetische Staat ja
gründet, durch die Wirklichkeit widerlegt wurden, verschwand das
Regime, das deren überbau ja war, deswegen noch lange nicht.

Es begann

einfach Massenterror einzusetzen, um so die Realität zu verändern.
In den Jahren

�In den Jahren nach der Revolution wurde aus dem Willen, die Realität
umzuformen, in der Praxis einfach der Entschluß, überall Gewalt einzusetzen,
um so den Schein zu wahren. Unter den Augen einer ungläubigen Welt erstand
in der Sowjetunion ein ganzes Bündel scheinbar kopiegetreuer Imitationen
demokratischer Institutionen - Gewerkschaften, die das Management verteidigten,
Zeitungen, die keine Informationen enthielten, Gerichtshöfe, an die man sich
nicht wenden konnte und ein Parlament, das immer nur die Regierung unterstützte.
Der Terror trat in der Sowjetunion zurück, aber die Welt des Scheins,
die der Terror erschaffen hatte, blieb bestehen - am Leben erhalten durch
die inneren Triebkräfte der Bürokratie und durch die Furcht. Für die
Amerikaner wird dies in personifizierter Form sichtbar in dem westlichen
Auftreten und Verhalten der "Akademiker" des USA-Instituts, wo Sowjetologen,
Journalisten und Kongreßmitglieder empfangen werden, die sich dort zu einem
Besuch aufhalten.
Das ganze Netz "demokratischer" Institutionen der Sowjetunion kann bei
etwas genauerer Kenntnis der inneren Lage der Sowjetunion, als das beschrieben
werden, was es ist - als Illusion.
Dies ist potentiell von großer Bedeutung, denn - so paradox es auch
scheinen mag - angesichts der gewaltigen militärischen Aufrüstung der Sowjetunion ist unser Wettbewerb mit der Sowjetunion im Wesentlichen eine Schlacht
um Geist und Verstand der Menschen ...
Die Einleitung einer ideologischen Gegenoffensive, seit nunmehr 65 Jahren
überfällig, bietet uns die größte Hoffnung darauf, dem Kommunismus ohne Krieg
Einhalt gebieten zu können. Das einzige, was erforderlich ist, wenn die
Vereinigten Staaten wirklich ernsthaft in diesen Wettbewerb um den Geist der
Menschen in allen Ländern dieser Welt, die Sowjetunion einbezogen, eintreten
wollen, ist eine klare Vorstellung von dem, wofür wir uns einsetzen.
Was immer
- 6 -

�Was immer wir auch vom Kommunismus halten mögen, so müssen wir doch
erkennen, daß er versucht, eine Antwort auf die grundlegenden Fragen
bezüglich der Natur der Geschichte und der Quelle unserer Wertvorstellungen
zu geben, Fragen also, mit denen sich die Menschheit zumindest seit Beginn
der uns schriftlich überlieferten Geschichte auseinandergesetzt hat.
Wenn unsere Vorstellung von einer ideologischen Gegenoffensive in dem
Versuch bestehen sollte, dieselbe Begeisterung für die freie Wirtschaft
hervorzurufen, wie sie die Kommunisten für den Sozialismus entfachen können,
dann wäre unser einziger Erfolg, daß wir uns lächerlich machten.
Der Kapitalismus bedarf der Werte, die ihn in Schranken halten und ihn
lenken.

Nie kann er die Quelle solcher Werte selbst sein.

Um auf die Herausforderung des Kommunismus zu reagieren, müssen wir
tiefer gehen - zu den christlich-judäischen Morallehren, die die Grundlage
unserer Zivilisation sind, denn der fundamentale Konflikt in dieser Welt
besteht nicht zwischen Kapitalismus und Sozialismus, nicht einmal zwischen
Freiheit und Totalitarismus.
Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion ist
im wesentlichen einfach ein Konflikt zwischen zwei unterschiedlichen
Vorstellungen davon, was Recht und Unrecht ist.
Die amerikanische Antwort auf den sowjetischen Totalitarismus sollte
zweierlei beinhalten. Einmal sollte klargestellt werden, daß der
Kommunismus die von ihm versprochene gerechte Gesellschaft nicht geschaffen
hat und daß die Sowjetunion nur dadurch sich einen solchen Anschein geben
kann, daß sie ein System zwanghafter Lügen aufrechterhält. Das kann nachgewiesen werden.
Zum zweiten

�Zum zweiten - und wichtigsten - sollte gezeigt werden, daß die
amerikanische Demokratie - auch wenn die amerikanische Regierung nicht
vorgeben wird,unfehl bar zu sein - in den universellen christlichjudäischen Werten verwurzelt ist, die den "Klassen-Werten" des MarxismusLeninismus überlegen sind.
In diesen Werten ausgedrückt, kann die Aufgabe der Vereinigten Staaten
in der Welt als ihrer Natur nach so ehrenhaft gesehen werden, wie sie es
ist...

+ + +

- 8 -

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America
15. Dezember

A9

iy«z

KONTROLLE VON CHEMIKALIEN
Strenge Bestimmungen des US-Amtes für Umweltschutz -

- (AD) - Die Überwachung handelsüblicher chemischer Substanzen ist ein
wichtiger Aspekt der Umweltschutzprogramme der Vereinigten Staaten. Wie
Anne Gorsuch, die Leiterin der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA,
kürzlich auf einer Tagung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris berichtete, gibt die Regierung der
Vereinigten Staaten im laufenden Jahr 13,6 Milliarden Dollar für Umweltprogramme aus. Diese Gelder sind jedoch nur eine Art Katalysator für die
enormen Anstrengungen, die die einzelnen Bundesstaaten, die Kommunen und
die Privatwirtschaft unternehmen, um die Belastung der Umwelt mit Schadstoffen zu begrenzen und zu verringern.

Auf staatlicher und kommunaler

Ebene sind 70 000 Personen mit der Durchführung entsprechender Programme
beschäftigt.

Die Industrie wendet pro Jahr 50 Milliarden Dollar auf, um

den Auflagen der Bundesregierung zum Schutz der Umwelt nachzukommen.
Das Programm zur Überwachung der auf den Markt kommenden Chemikalien
wird durch eine Reihe von Gesetzen geregelt.

Zu diesen gehört z.B. das

RCR-Gesetz ("Resource Control and Recovery Act") zur Kontrolle fester sowie
gefährlicher Abfälle, die durch Verbrennen oder Vergraben vernichtet werden.
Dazu gehört ferner der Ende 1980 geschaffene Sonderfonds ("Superfund"), mit
dem das Auffinden und die Räumung von Deponien mit gefährlichen Abfällen
und Sofortmaßnahmen in Katastrophenfällen, bei denen derartige Materialien
frei werden, finanziert werden.

Der Fonds, der in fünf Jahren auf ca.

1,6 Milliarden Dollar anwachsen soll, wird in erster Linie durch Abgaben

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�durch Abgaben der chemischen Industrie gespeist.

Die Besteuerung ihrer

Produkte ergibt einen Anteil von 86 Prozent, die restlichen 14 Prozent
kommen aus den allgemeinen Steuereinnahmen.

Die einzelnen Bundesstaaten

übernehmen bei Räumaktionen in ihrem Bereich mindestens zehn Prozent der
Kosten.
Diese Art der Finanzierung wird jedoch nur dann angewandt, wenn der
Verursacher nicht ausfindig zu machen ist.

Bei 106 von ca. 400 Deponien,

die nach bisheriger Kenntnis vordringlich aufgelöst werden müssen, sind
entsprechende Aktionen eingeleitet, zum Teil bereits abgeschlossen.

Kommt

ein Verursacher den Weisungen zur Räumung der Deponie nicht ordnungsgemäß
nach, wird der Fall den Gerichten übergeben.
anhängig;

Z. Zt. sind 43 solcher Fälle

in 21 weiteren Fällen hatten die Verursacher 37 Millionen Dollar

zu den Räumungskosten beizusteuern.
Das Gesetz zur Reinhaltung der Gewässer verlangt, daß innerhalb bestimmter
Fristen Richtlinien für insgesamt 24 verschiedene Kategorien von Industrien
über das Einleiten von Chemikalien in Gewässer ausgearbeitet werden.

Bei

Amtsübernahme der Regierung Reagan lagen diese erst für eine Branche vor.
In den letzten sechs Monaten sind die Richtlinien für elf weitere Branchen
erlassen worden, die restlichen folgen in den kommenden zwei Jahren.
Das "Bundesgesetz für Insektizide, Fungizide und Gifte zur Beseitigung
von Kleinnagetteren" gilt sowohl für neue als auch bereits eingesetzte
Präparate. Seit der Amtsübernahme der Regierung Reagan wurden Rückstände
bei der Registrierung von Pestiziden aufgeholt, einheitliche Prüfnormen für
neue Pestizide vorgeschlagen und die eingeführten Pestizide zur Neuregistrierung überprüft. Ab 1985 wird es für 75 Prozent der in den Vereinigten
Staaten angewandten Pestizide einheitliche Verfahren zur Registrierung geben.
Die Kontrollen zählen zu den strengsten Überwachungsmethoden in der Welt.
Das wichtigste

- 2 -

�Das wichtigste Instrument für die Kontrolle von Herstellung, Verarbeitung
und Anwendung kommerzieller Chemikalien ist jedoch das "Gesetz zur Kontrolle
toxischer Substanzen" (TSCA - Toxic Substances Control Act). Zusammen mit dem
RCR-Gesetz bildet es, weltweit gesehen, das wohl umfassendste System zur
Regelung des Umgangs mit chemischen Stoffen.

Hauptziel des TSC-Gesetzes

seit seiner Verabschiedung im Jahr 1976 ist es, sicherzustellen, daß handelsübliche Chemikalien - so vorteilhaft sie in vieler Hinsicht sein mögen nicht auf Kosten der menschlichen Gesundheit oder der Umwelt eingesetzt werden.
Inzwischen wurden komplette Listen "neuer" und "existierender" HandelsChemikalien aufgestellt, die auch als eine Richtschnur für die "chemische
Inventurliste" der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft gelten. Für die
Prüfung neuer Chemikalien wurden verwaltungstechnische Verfahren ausgearbeitet,
wissenschaftliche Fachkräfte gewonnen und Methoden entwickelt, um mögliche
Risiken im voraus zu erkennen. In knapp zwei Jahren gingen Meldungen über die
geplante Herstellung von 1700 neuen Chemikalien bei der EPA ein. Auf Grund
der daraufhin eingeleiteten Untersuchungen zu bisher 800 Präparaten wird in
einigen Fällen über freiwillig durchzuführende Tests verhandelt. In einer
Anzahl anderer Fälle erklärten sich die Hersteller mit Fabrikationskontrollen
einverstanden. In vier Fällen wurden Tests zur Auflage gemacht, drei
Meldungen wurden von der Industrie zurückgezogen. Auf Grund gegenwärtig
gültiger Vereinbarungen sind außerdem in den kommenden zwei Jahren die
Ergebnisse von mehr als 400 Testreihen der Industrie zu erwarten.
In Bezug auf die "existierenden" Chemikalien wurden kürzlich neue
Anstrengungen unternommen, um systematisch 1) mögliche Risiken ausfindig zu
machen und zu bewerten; 2) zu entscheiden, ob bestimmte Chemikalien auf
Wirkungen in Bezug auf Gesundheit und Umwelt getestet werden müssen;
3) zu entscheiden, ob zur Verringerung von Risiken Maßnahmen ergriffen werden
müssen, und falls dies zutrifft, welcher Art sie sein sollen und wie sie zu
realisieren sind.
Informationsblätter

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�Informationsblätter über Gefahrenmerkmale von mehr als 35 spezifischen
Chemikalien wurden inzwischen ausgearbeitet. Außerdem liegen die Ergebnisse
von vier ausgewählten, vorrangig überprüften Chemikalien vor, die die Basis
für bevorstehende Kontrollmaßnahmen abgeben sollen. In Verbindung mit einem
flexiblen, an den Hauptproblemen orientierten und rasch reagierendem System
erlangten die Vereinigten Staaten auf diese Weise einen Erfahrungsschatz, der in
in der Welt seinesgleichen sucht. Die unterschiedlichen Merkmale der verschiedenen Kategorien von Chemikalien bestimmen die Art der Überprüfung und der Tests.
Generell hat sich gezeigt, daß Einheitsvorschriften ein Hindernis sind,
um die vom Gesetz gesteckten Ziele zu erreichen. Die Umweltschutzbehörde
machte z.B. die Erfahrung, daß gleichförmige, starre Meldevorschriften für neue
Chemikalien (die Meldung hat nur einmal zu erfolgen) bei unbedenklichen
Präparaten eine unnötige Belastung, in anderen Fällen dagegen eine Gelegenheit
darstellen, Chemikalien ohne gebührende Prüfung in den Handel zu bringen. Aus
diesem Grund wird die Meldepflicht für praktisch unbedenkliche neue Chemikalien
erleichtert, für Chemikalien mit anderen Inhaltssubstanzen dagegen verschärft.
Auf jeden Fall soll sichergestellt werden, daß der Gebrauch von Chemikalien
mit dem Gesundheitsschutz Hand in Hand geht.
Dieser Grundsatz bestimmt auch die Haltung der USA bei internationalen
Anstrengungen zum Schutz der Umwelt, insbesondere im Rahmen der OECD. Die
von der OECD ausgearbeiteten Initiativen und Programme, z.B. Testrichtlinien,
Laborpraktiken, Schaffung einer Kommission für die Datenaktualisierung und die
gemeinsame Anerkennung von Daten werden von den Vereinigten Staaten übernommen
bzw. eingeführt. Dies erwarten die USA auch von den anderen OECD-Ländern.
Sie sind überzeugt, daß alle Mitgliedstaaten von einer intensiven Oberprüfung
profitieren und Erfahrungsaustausch allen die Möglichkeit gibt, gemeinsame
Zielsetzungen zum Schutz der Öffentlichkeit von jeder Art von Gesundheitsrisiken besser zu realisieren.
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�ainIERlIKt\

1Dl El11!513

Wi/sen/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America
15. Dezember 1982

49
GIFTEN AUF DER SPUR

- Leckstellen in Sondermüll-Deponien mit Elektroverfahren auffindbar

- (AD) - Ein seit Jahren im Bergbau übliches Elektroverfahren zum
Auffinden seltener Erze, bei dem man die unterschiedliche elektrische Leitfähigkeit von Mineralien gegenüber dem Muttergestein nutzt, scheint auch
geeignet zu sein, Sickerstellen in Deponien für toxische Abfälle ausfindig
zu machen.

Dr. Donald Stierman, Geophysiker an der Universität Kalifornien

in Riverside, entdeckte und lokalisierte auf diese Weise das Leck einer schon
seit längerer Zeit umstrittenen Sondermülldeponie in Südkalifornien, die von
Geologen für absolut undurchlässig gehalten wurde.

Siebzehn Jahre lang waren

dort stark säurehaltige toxische Chemikalien abgelagert worden.

Niemand wollte

zunächst von Befürchtungen etwas wissen, daß von dort aus das Grundwasser verseucht werden könnte, bis Stierman aufgrund von Leitfähigkeitsmessungen durchlässige Stellen im Gestein fand.

Daraufhin vorgenommene Ausschachtungsarbeiten

bestätigten seine Meßergebnisse:

Die "Stringfellow-Säuregruben" in der Nähe von

Riverside hatten ein riesiges Leck.

Man versuchte, das bräunliche Wasser von

der Deponiesohle abzupumpen, ehe es Grundwasser in größerem Umfang verderben
konnte.

Die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA schätzt, daß es in den

Vereinigten Staaten etwa 50 000 Deponien mit gefährlichen Abfallstoffen gibt.
Annahmen zur unterirdischen geologischen Beschaffenheit basierten bisher
in erster Linie auf der Bestimmung von Oberflächenstrukturen und auf der
Analyse von Bohrproben, die stichprobenartig verschiedenen Stellen entnommen
wurden.

Die Klärung eines Verseuchungsproblems war deshalb oft recht schwierig

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�recht schwierig und in vielen Fällen eher von Intuition und Glück als von
gezielter Suche abhängig.

"Die elektrischen Leitfähigkeitstests erlauben uns

jedoch, in die Tiefe zu sehen, ohne daß wir bohren müssen", erklärt Stierman.
"Bohren ist teuer und im Ergebnis sehr begrenzt. Es kostet mindestens
1 000 Dollar pro Tag".
Dies entspricht etwa dem Preis für die gesamte Ausrüstung, die für die
Leitfähigkeitsmessungen erforderlich ist.

Bei dem Verfahren macht man sich

die Tatsache zunutze, daß Gesteine sehr schlechte, verseuchtes Wasser und Erze
dagegen sehr gute elektrische Leiter sind.

Mit jeweils zwei in den Boden

eingelassenen Elektrodensätzen wird die elektrische Leitfähigkeit an verschiedenen Stellen gemessen. Der elektrische Strom folgt dem Weg mit dem geringsten
elektrischen Widerstand, beispielsweise mit Schadstoffen belastetem Wasser.
Auf diese Weise lassen sich unterirdische Wasserläufe regelrecht kartieren.
"Verseuchungsprobleme bei Deponien stehen zu 98 Prozent mit Wasser in Verbindung", meint Stierman.

Es sei das Wasser, das Schadstoffe weitertransportiere.

Mit dem Leitfähigkeits-Meßverfahren lasse sich rasch und unter geringem Kostenaufwand das Gebiet eingrenzen, das genauer untersucht werden müsse.

Zwei

Leute könnten in drei Tagen ein mehrere Hektar großes Gebiet untersuchen.
Die von Stierman in der Zwischenzeit durchgeführten Tests konzentrieren
sich darauf, festzustellen, wo die Empfindlichkeitsgrenzen des erwähnten
Verfahrens und anderer elektrischer Methoden liegen. Er möchte außerdem
herausfinden, ob das Verfahren dazu benutzt werden kann, bestimmte Schadstoffe
bis zu ihrer Quelle zurückzuverfolgen. Ergebnisse dazu wurden noch nicht
bekannt.

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