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                  <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

24. November 1982

46/B

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan schlägt Maßnahmen zur Verringerung des Kriegsrisikos vor
- Rede des US-Präsidenten am 22. November 1982 -

Reagan gibt Stationierungsplan für MX-Raketen bekannt
- Erklärung des US-Präsidenten -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebelen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

46

24. November 1982

REAGAN SCHLÄGT MASSNAHMEN ZUR VERRINGERUNG DES KRIEGSRISIKOS VOR
- Rede des US-Präsidenten am 22. November 1982 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer Rundfunk- und
Fernsehrede an das amerikanische Volk am 22. November 1982 neue Maßnahmen zur
Verringerung des Kriegsrisikos vorgeschlagen und sich für eine Verbesserung
des amerikanisch-sowjetischen Verhältnisses eingesetzt. Er teilte mit, daß er
ein Schreiben in diesem Sinne an die sowjetische Führung gerichtet habe.
Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Die vorvorige Woche war eine besonders bewegende Woche hier in Washington.
Die Veteranen des Vietnamkrieges sind endgültig wieder im Herzen Amerikas aufgenommen worden. Sie wurden mit Tränen, mit Stolz und mit einem Denkmal für ihre
großen Opfer begrüßt. Viele ihrer Namen stehen, wie jene der größten Bürger
unserer Republik, in Stein gemeißelt hier in dieser Stadt, die uns allen gehört.
Lassen Sie mich im Namen der Nation den Vietnam-Veteranen noch einmal aus ganzem
Herzen danken für ihren tapferen Einsatz für Amerika.
Ich weiß,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Ich weiß, daß beim Anblick dieser bewegenden Szenen die Mütter einer
neuen Generation sich Sorgen wegen ihrer Kinder und wegen des Friedens gemacht
haben müssen. Und darüber möchte ich heute abend mit Ihnen sprechen - die
Zukunft unserer Kinder in einer Welt, in der der Frieden durch die Existenz
der Kernwaffen unsicher gemacht wird.
Vor einem Jahr habe ich erklärt, daß es an der Zeit sei, mit der Rüstungskontrolle voranzukommen. Ich habe mehrere Vorschläge unterbreitet und gesagt,
daß nichts eine höhere Priorität für diese Administration haben werde. Jetzt
nach einem Jahr möchte ich über diese Vorschläge und über andere Bemühungen
berichten, die wir unternehmen, um die Sicherheit der Zukunft unserer Kinder
zu gewährleisten.
Die Verhütung eines Konflikts und die Verringerung der Waffen sind die
wichtigste öffentliche Angelegenheit unserer Zeit. Und doch gibt es in keiner
anderen Frage so viele falsche Vorstellungen und Mißverständnisse. Sie, das
amerikanische Volk, verdienen eine Erklärung Ihrer Regierung, wie unsere Politik
in diesen Fragen aussieht. Nur zu oft haben sich die Experten damit zufriedengegeben, unter sich selbst grandiose Strategien zu diskutieren und die öffentliche Debatte mit technischen Einzelheiten zu vernebeln, die niemand verstehen
kann. Das Ergebnis ist, daß viele Amerikaner ängstlich geworden sind und,
lassen Sie mich das sagen, die Angst vor dem Unbekannten ist völlig verständlich.
Leider hat ein Großteil der Information, die aus dieser Debatte hervorgeht,
wenig Ähnlichkeit mit den Tatsachen.
Wollen wir uns zu Beginn zurückerinnern, wie die Welt am Ende des Zweiten
Weltkrieges aussah. Die Vereinigten Staaten waren die einzige Industriemacht
der Welt, die ohne Schaden blieb. Unsere Militärmacht war auf ihrem Höhepunkt
angelangt, und wir allein besaßen die Atomwaffe. Aber wir benutzten sie für den
Wiederaufbau. Wir richteten die vom Kriege ruinierten Volkswirtschaften wieder
auf, einschließlich der Volkswirtschaften jener, die gegen uns gekämpft hatten.
Zunächst gab es keine Bedrohung für den Frieden in der Welt, denn nur wir allein

- 2 -

�wir allein besaßen wirklich echte Macht, und wir nutzten sie zum Wohle unserer
Mitmenschen. Jeder potentielle Gegner wurde vor einer Aggression abgeschreckt,
weil die Kosten den Gewinn bei weitem überwogen hätten.
Mit dem Anwachsen der Macht der Sowjets gelang es uns noch immer, den
Frieden zu erhalten. Die Vereinigten Staaten hatten ein System von Bündnissen
mit der NATO als Mittelpunkt errichtet. Darüber hinaus wurden wir noch mehr
respektiert als führende Weltmacht mit einer starken Wirtschaft und tiefverwurzelten moralischen Werten. Mit unserer Verpflichtung, zur Gestaltung einer
besseren Welt beizutragen, haben die Vereinigten Staaten immer jeden diplomatischen Weg zum Frieden verfolgt. Und bis mindestens 30 Jahre nach dem Zweiten
Weltkrieg besaßen die Vereinigten Staaten noch immer einen großen militärischen
Vorteil gegenüber der Sowjetunion. Unsere Stärke schreckte vor einer Aggression
gegen uns ab - d.h. sie verhütete sie.
Das militärische Ziel unserer Nation ist immer gewesen, den Frieden durch
Verhütung eines Krieges zu erhalten. Das ist weder eine Politik der demokratischen
Partei noch der republikanischen Partei. Sie wird von unseren Verbündeten unterstützt und,

was am wichtigsten ist, sie hat fast 40 Jahre funktioniert.

Was meinen wir, wenn wir von nuklearer Abschreckung sprechen? Sicherlich
wollen wir solche Waffen nicht um ihrer selbst willen. Wir wollen keine übertriebenen Streitkräfte oder das, was manche Leute als "Overkill" bezeichnen.
Im Grunde geht es darum, daß andere wissen, daß sie, wenn sie einen Konflikt
anfangen würden, mehr dafür bezahlen müßten, als sie hoffen können, je zu gewinnen. Und es ist wirklich eine bittere Ironie, daß es in diesen modernen
Zeiten noch immer der Waffen bedarf, um den Krieg zu verhüten. Ich wollte, es
wäre anders.
Wir wollen Frieden, aber Friede ist ein Ziel, keine Politik. Dauerhafter
Friede ist das, was wir uns am Ende unserer Reise erhoffen. Er beschreibt uns
weder die Schritte, die wir gehen müssen, noch die Wege, denen wir folgen sollten,
um dieses Ziel zu erreichen. Ich habe die Absicht, den Frieden auf zwei

- 3 -

�auf zwei parallelen Wegen zu suchen - Abschreckung und Rüstungsverringerung.
Ich glaube, daß dies die einzigen Wege sind, die eine Hoffnung auf einen
dauerhaften Frieden bieten.
Und lassen Sie mich sagen, daß ich der Überzeugung bin, daß das Risiko
eines nuklearen Konflikts geringer sein wird, wenn wir eine kluge Politik verfolgen. Die Vereinigten Staaten werden ihre Streitkräfte ganz sicherlich
niemals einsetzen, außer zur Abwehr eines Angriffs. Im Laufe der Jahre haben auch
die sowjetischen Führer eine nüchterne Auffassung vom Nuklearkrieg zum Ausdruck
gebracht. Und wenn wir eine starke Abschreckung aufrechterhalten, dann wird es
in zunehmendem Maße unwahrscheinlich, daß sie einen Angriff beginnen.
Die Politik der Abschreckung hat zwar ihre Bewährungsprobe bestanden,
aber die Dinge, die wir tun müssen, um die Abschreckung aufrechtzuerhalten,
haben sich verändert.
Sie hören oft, daß sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in
einem Rüstungswettlauf befänden. Die Wahrheit ist, daß die Sowjetunion einen
Wettlauf veranstaltet hat, wir aber nicht. Sie können (an dieser blauen Linie)
erkennen, daß unsere Verteidigungsausgaben in konstanten Dollar in den sechziger
Jahren wegen Vietnam gestiegen sind und dann fast während der ganzen siebziger
Jahre nach unten gingen. Verfolgen Sie demgegenüber (an der roten Linie) die
sowjetischen Ausgaben. Sie sind gestiegen und immer wieder gestiegen. Trotz
einer Stagnation der sowjetischen Wirtschaft investieren die sowjetischen
Führer 12 bis 14 Prozent des Bruttosozialprodukts ihres Landes in militärische
Ausgaben - zwei- bis dreimal so viel, wie wir investieren.
Ich möchte hinzufügen, daß der Anteil der Verteidigungsausgaben am Haushalt
der Vereinigten Staaten ebenfalls zurückgegangen ist (was Sie an der blauen
Linie erkennen können). Im Jahr 1962, als John F. Kennedy Präsident war, gingen
46 Prozent, also fast die Hälfte, des Bundeshaushaltes in unsere nationale Verteidigung. In den letzten Jahren ist etwa ein Viertel unseres Haushalts in die

- 4 -

�in die Verteidigung geflossen, während sich der Anteil für Sozialprogramme fast
verdoppelt hat. Und im übrigen wird der größte Teil unseres Verteidigungshaushalts für Menschen und nicht für Waffen aufgewandt.
Die Kombination, daß die Sowjets mehr und die Vereinigten Staaten anteilmäßig weniger ausgaben, veränderte das militärische Kräfteverhältnis und
schwächte unsere Abschreckung. Heute erfreut sich die Sowjetunion in fast allen
Bereichen der militärischen Macht eines deutlichen Vorteils.
Eine Tabelle zeigt die Veränderung in der Gesamtzahl der Interkontinentalraketen und Bomber. Sie werden erkennen, daß in den Jahren 1962 und 1972 die
Streitkräfte der Vereinigten Staaten fast die gleichen blieben und 1982 sogar
etwas zurückgingen. Aber betrachten Sie demgegenüber die sowjetische Seite.
Im Jahr 1962, zur Zeit der Kuba-Raketenkrise, konnten sich die Sowjets in
ihrer Stärke mit uns nicht vergleichen. Im Jahr 1972, als wir den SALT I-Vertrag
unterzeichneten, waren wir fast gleich. Aber im Jahr 1982 zeigt die rote
sowjetische Linie über der blauen amerikanischen Linie, wie es aussieht.
Ich könnte Ihnen Tabelle um Tabelle zeigen, auf denen die rote sowjetische
Linie höher liegt als die sehr viel niedrigere blaue amerikanische Linie. So
hat die Sowjetunion beispielsweise ein Drittel mehr landgestützte Interkontinentalraketen disloziert als wir. Ob Sie es glauben oder nicht, wir haben unsere Zahl
im Jahr 1965 eingefroren und haben seither nicht eine einzige weitere Rakete
disloziert.
Die Sowjetunion hat in den letzten 15 Jahren 60 neue Raketenunterseeboote
in Dienst gestellt. Bis zum vorigen Jahr hatten wir im gleichen Zeitraum nicht
ein einziges Boot in Dienst gestellt.
Die Sowjetunion hat über 200 moderne Backfire-Bomber gebaut - und sie baut
pro Jahr 30 weitere. Die Vereinigten Staaten haben 20 Jahre lang keinen neuen
strategischen Bomber disloziert. Viele unserer B-52-Bomber sind heute älter als
die Piloten, die sie fliegen.
Die Sowjetunion
- 5 -

�Die Sowjetunion verfügt heute über 600 der Raketen, die auf beiden
Seiten als die bedrohlichsten betrachtet werden - die landgestützten Mittelstreckenraketen. Wir besitzen keine. Die Vereinigten Staaten haben ihre landgestützten Mittelstreckenraketen schon vor fast 20 Jahren aus Europa abgezogen.
Die Welt hat auch ein beispielloses Anwachsen auf dem Gebiet der konventionellen Streitkräfte der Sowjetunion erlebt. Die Sowjets übertreffen uns
bei weitem in der Zahl der Panzer, Geschütze, Flugzeuge und Schiffe, die sie
jedes Jahr produzieren. Und was ich, als ich dieses Amt übernahm, noch
erfahren mußte, war, daß sich in unseren eigenen Streitkräften Flugzeuge befanden, die nicht fliegen konnten, Schiffe, die nicht auslaufen konnten, vor
allem weil es an Ersatzteilen und Besatzungen mangelte.
Wir dürfen die sowjetische Aufrüstung nicht ignorieren. Wir haben das
Problem erkannt, und wir haben zusammen mit unseren Verbündeten begonnen, das
Ungleichgewicht zu korrigieren. Wenn Sie die Graphik der vorgesehenen realen
Verteidigungsausgaben für die nächsten Jahre betrachten, dann haben wir hier
die sowjetische Linie. Gehen wir einmal davon aus, daß die Ausgabenrate der
Sowjets auf der gleichen Höhe bleibt wie seit den sechziger Jahren. Die blaue
Linie ist die der Vereinigten Staaten. Wenn meine Verteidigungsvorschläge verabschiedet werden, dann wird es noch immer fünf Jahre dauern, bevor wir dem
Stand der Sowjets auch nur nahe kommen. Aber die Modernisierung unserer strategischen und konventionellen Streitkräfte wird gewährleisten, daß die Abschreckung
funktioniert und der Frieden erhalten bleibt.
Unsere dislozierten Nuklearstreitkräfte wurden noch vor dem Zeitalter der
Mikroschaltkreise gebaut. Es ist nicht recht, von unseren jungen Männern und
Frauen in Uniform zu verlangen, solche veralteten Waffen zu warten und zu bedienen. Viele mußten bereits bei Raketenexplosionen und Flugzeugunfällen, die
durch das Alter des Geräts verursacht wurden, ihr Leben lassen. Wir müssen
unsere Streitkräfte ersetzen und modernisieren, und aus diesem Grunde habe ich
beschlossen, mit der Produktion und Dislozierung der neuen Interkontinentalrakete
unter der Bezeichnung MX zu beginnen.
Drei frühere
- 6 -

�Drei frühere Präsidenten haben daran gearbeitet, diese Rakete zu entwickeln. Aufgrund der besten Ratschläge, die ich erhalten konnte, bin ich zu
dem Schluß gekommen, daß die MX die richtige Rakete zur rechten Zeit ist. Auf
der anderen Seite hatte ich bei meinem Amtsantritt das Gefühl, daß der Vorschlag, wo und wie die Rakete stationiert werden sollte, finanziell und im
Sinne der Einwirkung auf das Leben unserer Bürger einfach zu teuer sei.
Ich bin jedoch zu dem Schluß gekommen, daß es absolut wesentlich ist, daß
wir diese Rakete produzieren, und daß wir sie in einer Reihe eng nebeneinanderliegender Silos auf dem Luftstützpunkt Warren in der Nähe von Cheyenne in Wyoming
stationieren.
Dieser Plan erfordert nur halb so viele Raketen wie der ursprüngliche Plan
und wird in ein Gebiet von nur 20 Quadratmeilen passen. Er ist das Ergebnis
einer Forschung rund um die Uhr, die stattgefunden hat, seit ich die Suche nach
einer besseren und billigeren Methode angeordnet habe. Ich appelliere an die
Mitglieder des Kongresses, die diesen Plan verabschieden müssen, zuzuhören und
die Tatsachen zu prüfen, bevor sie zu ihrem eigenen Schluß kommen.
Manche mögen sich die Frage stellen, was die Modernisierung unseres Militärapparates mit dem Frieden zu tun hat. Nun, wie ich schon gesagt habe: Eine sichere
Streitmacht hält andere davon ab, uns zu bedrohen und bewahrt dadurch den Frieden.
Und was ebenso wichtig ist: Sie erhöht die Aussichten auf bedeutsame Rüstungsverminderung mit den Sowjets - genau das, was wir wirklich wollen. Die Vereinigten Staaten wünschen tiefe Einschnitte in die Waffenarsenale dieser Welt.
Aber solange wir nicht unseren Willen unter Beweis stellen, haben die
Sowjets, da sie so weit vorn liegen, wenig Anreiz, mit uns zu verhandeln. Wenn
wir nicht mit unserer Modernisierung begonnen hätten, wüßten die sowjetischen
Unterhändler genau, daß wir außer Gesprächen nichts in die Verhandlungen würden
einbringen können. Sie wüßten, daß wir ohne jede gute Karte bluffen würden denn genau wie wir ihre Karten kennen, kennen sie auch unsere.
Sie erinnern

�Sie erinnern sich vielleicht daran, daß die Sowjets 1969 keinen Vertrag
aushandeln wollten, der die

Raketenabwehr-Raketen verboten hätte. Erst, als

unser Senat knapp dafür stimmte, die Mittel für ein Programm fUr Raketenabwehr-Raketen bereitzustellen, stimmten die Sowjets den Verhandlungen zu. Und es
kam dann auch zu einem Abkommen»
Wir wissen zudem, daß einseitige Rüstungskontrolle nicht funktioniert. Wir
haben immer wieder versucht, ein Beispiel dadurch zu setzen, daß wir unsere
eigenen Streitkräfte in der Hoffnung reduzierten, die Sowjets würden dasselbe
tun0 Das Ergebnis war stets das gleiche: Sie rüsteten weiter auf.
Ich bin der festen Überzeugung, daß unsere Friedensstrategie Erfolg haben wird.
Niemals zuvor haben die Vereinigten Staaten ein so umfassendes Programm der
nuklearen Rüstungskontrolle vorgeschlagen, Noch keinmal in unserer Geschichte
haben wir an so vielen Verhandlungen mit den Sowjets teilgenommen, um die Kernwaffen zu reduzieren und einen stabilen Frieden zu finden. Wir sagen zu ihnen:
Wir werden unser Militär modernisieren, um das Gleichgewicht für den Frieden
aufrechtzuerhalten, aber wäre es nicht besser, wenn wir beide ganz einfach unsere
Arsenale auf ein viel niedrigeres Niveau reduzieren würden?
Lassen Sie mich mit den Verhandlungen Über die nuklearen Mittel Streckensysteme
beginnen, die derzeit in Genf stattfinden. Wie ich bereits gesagt habe, sind die
landgestützten Raketen der bedrohlichste Teil dieser Streitmacht, sind sie doch
von der Sowjetunion auf Europa, den Nahen Osten und Asien ausgerichtet,
I

Diese Tabelle hier zeigt die Anzahl der Gefechtsköpfe auf den sowjetischen
Raketeno Im Jahr 1972 waren es 600. Die Vereinigten Staaten hatten keine. Im Jahr
1977 waren es 600, Die Vereinigten Staaten hatten immer noch keine. Dann begannen
die Sowjets mit der Dislozierung starker neuer Raketen mit drei Gefechtsköpfen
und einer Reichweite von Tausenden von Kilometern - der SS-20. Seitdem wurden
alle Dimensionen gesprengt - die Sowjets stellten jede Woche eine neue Rakete
mit drei Gefechtsköpfen aufo Und noch immer sehen Sie hier auf der Tabelle
keine amerikanischen Zahlen. Und obwohl die sowjetische Führung in diesem Jahr

- 8 -

�diesem Jahr erklärte, sie habe die Dislozierung dieser gefährlichen Rakete
eingefroren, wurde dennoch mit der Dislozierung fortgefahren.
Am 18. November vergangenen Jahres schlug ich die völlige, weltweite Beseitigung all dieser Raketen vor. Zugleich schlug ich vor, daß die Vereinigten
Staaten keine vergleichbaren Raketen dislozieren würden - geplant waren sie für
Ende 1983 -, wenn die Sowjetunion ihre eigenen abbauen würde. Dem würde ein
Abkommen über die landgestützten Raketen mit Begrenzungen bei anderen Systemen
mittlerer Reichweite folgen.
Die europäischen Regierungen unterstützen nachdrücklich unsere Initiative.
Die Sowjetunion hat bisher wenig Neigung gezeigt, diesen bedeutsamen Schritt in
Richtung Null-Lösung zu gehen. Und doch glaube und hoffe ich, daß die sowjetische
Führung bei Fortdauer der Gespräche und bei der planmäßigen Aufstellung unserer
neuen Systeme in Europa die Vorteile eines solch weitreichenden Abkommens erkennen
werden.
In diesem Sommer begannen wir auch mit den Verhandlungen über die Verringerung
der strategischen Waffen - den Vorschlag, den wir START nennen. Hierbei sprechen
wir über Interkontinentalraketen - Waffen mit einer größeren Reichweite als die
Mittelstreckenraketen, von denen ich gerade gesprochen habe. Wir verhandeln auf
der Grundlage einschneidender Verringerungen. Im Mai habe ich vorgeschlagen, die
Anzahl der Gefechtsköpfe auf diesen Raketen auf einen gleichen Stand zu verringern,
auf ungefähr ein Drittel der derzeitigen Menge. Ich schlug vor, die Anzahl der
Raketen selbst auf die gleiche Menge zu reduzieren, etwa die Hälfte des gegenwärtigen amerikanischen Umfangs. Unsere Vorschläge würden rund 4 700 Gefechtsköpfe
und rund 2 250 Raketen beseitigen. Ich denke, dies würde der Menschheit einen
guten Dienst tun.
Diese Tabelle hier zeigt den derzeitigen Umfang der ballistischen Raketen
der Vereinigten Staaten, sowohl land- als auch seegestützt. Hier wiederum haben
wir die sowjetischen Zahlen. Wir beabsichtigen, die Sowjets davon zu überzeugen,
daß eine Verringerung dieser Raketen in ihrem eigenen Interesse läge. Sehen Sie,

- 9 -

�Sehen Sie, hier sind die niedrigeren Zahlen, die beide Seiten gemäß unserem
Vorschlag hätten - eine ziemlich dramatische Änderung, Außerdem streben wir an,
die Gesamtzerstörungskraft dieser Raketen und anderer Elemente der amerikanischen
und sowjetischen strategischen Streitkräfte zu verringern.
Als im Jahr 1977 die damalige Administration weitere begrenzte Verminderungen
vorschlug, weigerte sich die Sowjetunion sogar, darüber zu sprechen. Diesmal war
ihre Reaktion anders. Ihre Ausgangsposition ist ernstzunehmen. Und wenn sie auch
nicht unserem Ziel großer Verringerungen entspricht, steht außer Frage, daß wir
uns in die richtige Richtung bewegen. Ein Grund für diesen Wandel ist klar: Die
Sowjetunion weiß, daß wir es jetzt mit unseren eigenen strategischen Programmen
ernstmeinen und daß sie bereit sein muß, ernsthaft zu verhandeln.
Wir unternehmen zudem noch andere wichtige Rüstungskontrollanstrengungen.
Bei den Wiener Gesprächen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen
haben wir Reduzierungen bei den Streitkräften auf ein weit niedrigeres und ausgewogenes Niveau vorgeschlagen. Und bei dem 40-Nationen-Abrüstungsausschuß in Genf
arbeiten wir an wirksamen Begrenzungen bei Atomtests und bei den chemischen
Waffen, Die ganze Welt ist auch weiterhin entrüstet über den Einsatz biologischer
und chemischer Waffen der Sowjetunion und ihrer Verbündeten gegen die wehrlosen
Menschen in Afghanistan, Kampuchea und Laos. Diese Erfahrung macht eine hieb- und
stichfeste Verifikation bei der Rüstungskontrolle nur noch um so wichtiger.
Natürlich muß noch viel mehr getan werden. In einem Zeitalter, da die Interkontinentalraketen in weniger als einer halben Stunde um die halbe Welt fliegen
können, ist es von entscheidender Bedeutung, daß die sowjetische und die amerikanische Führung ein klares Verständnis von den Kapazitäten und den Intentionen der
jeweils anderen Seite haben.
Im vergangenen Juni in Berlin und erneut bei der UN-Sondersitzung für
Abrüstung bekräftigte ich, daß die Vereinigten Staaten alle Anstrengungen unternehmen werden, um die Risiken von Zufall und Mißverständnis zu verringern und
dadurch das gegenseitige Vertrauen zwischen den Vereinigten Staaten und der

- 10 /

�und der Sowjetunion zu stärken. Seither haben wir uns aktiv mit detaillierten
Maßnahmen zur Verwirklichung dieser Berlin-Initiative beschäftigt.
Heute möchte ich einige der Maßnahmen ankündigen, die ich in einem, eben der
sowjetischen Führung zugesandten speziellen Schreiben vorgeschlagen habe und die,
mit ihren sowjetischen Gesprächspartnern in Genf zu diskutieren, ich unsere
Botschafter dort angewiesen habe. Sie enthalten einige der Vorschläge, die ich
in Berlin gemacht habe, gehen aber zugleich darüber hinaus.
Die erste dieser Maßnahmen umfaßt die vorherige Benachrichtigung über alle
amerikanischen und sowjetischen Testabschüsse von ballistischen Interkontinentalraketen. Wir werden außerdem versuchen, die sowjetische Zustimmung zur Benachrichtigung über alle Teststarts seegestützter ballistischer Raketen sowie aller
landgestützter ballistischer Raketen mittlerer Reichweite des Typs zu erhalten,
über den wir gegenwärtig verhandeln. Dies würde die Überraschung und die Unsicherheit beseitigen, die das plötzliche Erscheinen solcher Raketen auf den Kontrollschirmen der beiden Länder hervorruft.
In einem weiteren Bereich potentieller Mißverständnisse schlagen wir den
Sowjets vor, der jeweils anderen Seite von unseren wichtigsten militärischen
Manövern im voraus Nachricht zu geben. Auch hier ist unser Ziel, Überraschung
und Ungewißheit zu vermindern, mit denen sonst plötzliche Schritte der anderen
Seite umgeben wären.
Diese Art von Maßnahmen beabsichtigt, die unmittelbaren Probleme der Fehlkalkulation in Krisenzeiten in den Griff zu bekommen. Aber es gibt noch tiefere,
längerfristige Probleme. Um einen Teil der gegenseitigen Unkenntnis und des
gegenseitigen Verdachts zwischen unseren beiden Ländern zu beseitigen, werde ich
vorschlagen, daß wir in einem umfassenden Austausch grundlegender Daten über
unsere Nuklearstreitkräfte eintreten. Ich weise unsere Botschafter bei den Verhandlungen über die strategischen Streitkräfte und die Mittel Streckensysteme an,
das sowjetische Einverständnis über einen verstärkten Informationsaustausch
anzustreben. Je mehr die eine Seite von dem weiß, was die andere Seite tut, um

- 11 -

�tut, um so weniger Raum gibt es für Überraschung und Fehleinschätzung.
Wahrscheinlich hat jeder von dem sogenannten heißen Draht gehört, der es mir
ermöglicht, im Falle einer Krise direkt mit der sowjetischen Führung Verbindung
aufzunehmen. Der bestehende heiße Draht ist verläßlich und schnell - mit Verbindungen
auf der Erde und über Satellit. Aber gerade weil er so wichtig ist, habe ich
Anweisung gegeben, mögliche Verbesserungen des bestehenden Systems sorgfältig zu
untersuchen.
Da wir nun mit den Verhandlungen über diese vielen Vorschläge begonnen haben,
bedeutet dies nicht, daß wir alle Initiativen erschöpft hätten, die dazu beitragen
könnten, das Risiko eines Konfliktes durch Zufall zu verringern. Wir werden keine
Gelegenheit ungeprüft lassen und werden uns eng mit den Senatoren Nunn, Jackson
und Warner sowie anderen Kongreßmitgliedern konsultieren, die in diesem Bereich
wichtige Vorschläge gemacht haben.
Wir unternehmen außerdem gewaltige Anstrengungen, um die Ausbreitung von Kernwaffen in noch weitere Länder zu verhindern. Es wäre tragisch, wenn wir bei der
Verringerung der bestehenden Arsenale erfolgreich wären und sich zugleich neue
Drohungen in anderen Weltgegenden auftun würden.
Ich habe vorhin von dem Beitrag Amerikas für den Frieden nach dem Zweiten
Weltkrieg gesprochen, von all dem, was wir zur Förderung des Friedens und der
Wohlfahrt unserer Mitmenschen taten. Nun, wir sind noch immer dasselbe Volk. Wir
erstreben noch immer und vor allem den Frieden.
Ich möchte unsere eigenen Bürger und die in der ganzen Welt an diese Tradition
des guten Willens Amerikas erinnern, denn ich sorge mich um die Auswirkungen, die
die Atomangst auf unser Volk hat. Die erschütterndsten Briefe, die ich bekomme,
stammen von Schülern, die als ganze Klasse zu mir schreiben. Dabei wird deutlich,
daß sie im Klassenzimmer über die alptraumhaften Aspekte eines nuklearen Holocaust
gesprochen haben. Ihre Briefe sind oft genug voller Schrecken. Das sollte nicht so
sein.
Der Philosoph
- 12 -

�Der Philosoph Spinoza hat gesagt: "Frieden ... ist eine Tugend, ein
Geisteszustand, eine offene Haltung gegenüber Wohltätigkeit, Vertrauen,
Gerechtigkeit." Dies sind die Qualitäten, die unsere Kinder erben sollen,
nicht die Furcht. Sie müssen in Zuversicht aufwachsen, wenn sie mit den Herausforderungen von morgen fertig werden wollen, wie wir uns den Herausforderungen von heute stellen.
Ich habe zu Beginn von unseren Kindern gesprochen, und ich möchte mit demselben Thema schließen. Unsere Kinder sollten nicht in Furcht aufwachsen. Sie
sollten keine Angst vor der Zukunft haben. Wir arbeiten daran, diese Zukunft
friedlich und frei zu machen. Ich bin der Überzeugung, daß ihre Zukunft die
leuchtendste und aufregendste seit vielen Generationen sein kann. Wir müssen
ihnen versichern und sie wissen lassen, daß ihre Eltern und die Führer
dieser Welt vor allem anderen darum bemüht sind, Sicherheit und Frieden zu wahren.
Ich halte dies für eine heilige Aufgabe.
Liebe Mitbürger, an diesem Tag des "Thanksgiving" haben wir soviel, für das
wir dankbar sein können. Sagen wir deshalb besonderen Dank für unseren Frieden,
unsere Freiheit und für unser gutes Volk. Ich war stets der Überzeugung, daß
dieses Land auf eine ganz ungewöhnliche Weise herausgehoben wurde, daß ein göttlicher Plan diesen großen Kontinent zwischen die Ozeane gesetzt hat, damit er von
Menschen aus aller Welt gefunden würde, die den Glauben, die Freiheit und den
Frieden ganz besonders liebten. Denken wir doch wieder einmal daran, daß Amerika
zu Güte und gutem Willen bestimmt ist. Arbeiten wir für den Frieden und erinnern
wir uns dabei an die Zeilen des bekannten amerikanischen Kirchenliedes:"Oh Fürst
des Friedens, Herr der Liebe, gib, daß der Welt der Frieden bliebe."
Vielen Dank, guten Abend, Gott segne Sie.
+ + +

- 13 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

46

24. November 1982

REAGAN GIBT STATIONIERUNGSPLAN FOR MX-RAKETEN BEKANNT
- Erklärung des US-Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 22. November 1982
den Stationierungsplan für die neuen MX-Interkontinentalraketen bekanntgegeben und diesen Plan dem amerikanischen Kongreß unterbreitet.

In einer

Erklärung unterstrich der Präsident, daß eine Stationierung der Rakete auf
engem Raum ein "sinnvoller Weg" sei, um vor einem Angriff auf die Vereinigten Staaten abzuschrecken.

Die Sowjetunion würde kostspielige neue tech-

nische Entwicklungen benötigen, wenn sie einen Überraschungsangriff auch
nur in Erwägung ziehe.
Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Nahezu zwei Jahre lang hat sich meine Regierung mit der Frage der MXRakete befaßt, deren Entwicklung von meinen drei unmittelbaren Vorgängern
- den Präsidenten Carter, Ford und Nixon - unterstützt worden war. Wir
alle waren mit Nachdruck der Meinung, daß die Stärkung unseres landgestützten
Raketensystems absolut notwendig sei, um die Kapazität Amerikas, vor einem
Krieg abzuschrecken und unser Land zu beschützen, aufrechtzuerhalten.
Ich habe

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�Ich habe den Rat meiner Vorgänger, die Meinung von Mitgliedern des
Kongresses und den Rat der qualifiziertesten Ingenieure und Wissenschaftler
auf diesem Gebiet eingeholt.

Meine Regierung hat - wie auch die Regierungen

meiner Vorgänger - eine Vielfalt von Optionen geprüft, darunter kleinere
oder größere Raketen, die Entwicklung einer Rakete für einen gemeinsamen Landoder See-Einsatz sowie die Möglichkeit einer größeren Beweglichkeit.

Und

wie die vorhergehende Administration sind "wir zu dem Schluß gekommen, daß die
MX die richtige Rakete und jetzt der richtige Zeitpunkt ist.
Die Entscheidung, wie die Rakete zu dislozieren sei, war nicht so einfach.

Von den früheren Regierungen und von meiner wurde eine Vielzahl von

Möglichkeiten der Stationierung geprüft.

Die Konzeption der den Gegner irre-

führenden Stationierung, die bei früheren Planungen erwogen wurde, war im
Grunde eine gesunde Konzeption zur Sicherung der Stabilität landgestützter
ballistischer Interkontinentalraketen (ICBM) in Krisenzeiten.
Sie entsprach unseren strategischen Rüstungskontrollzielen. Andere
sicherheitsempfindliche Optionen wurden ebenfalls geprüft. Als an diesen
Plänen während der beiden vorhergehenden Regierungen gearbeitet wurde, stellte
sich jedoch heraus, daß sie gewaltige Kosten verschlingen würden. Nicht nur
die finanziellen Kosten waren hoch - 40 bis 50 Milliarden Dollar -, sondern
auch der Preis, den unsere Mitbürger im Westen des Landes an Verzerrungen
und Störungen der Wasser-, Boden- und Sozialstruktur sowie an Umweltschädigungen hätten zahlen müssen, schien unvernünftig.
Aus diesen Gründen zogen wir andere Möglichkeiten in Erwägung, während
die Entwicklung der MX-Rakete selbst voranschritt. Diese Arbeit ist jetzt
nahezu abgeschlossen. Der erste Testflug ist für Anfang nächsten Jahres vorgesehen. Wenn Testflüge auch nur das sind, was das Wort aussagt, nämlich
Tests, so habe ich doch keinerlei Zweifel hinsichtlich des technischen Erfolges, ja der großen Leistungsfähigkeit dieser Rakete.
Bei der erneuten Überprüfung der Frage, wie die Raketen zu stationieren
seien, kamen wir zu dem Schluß, daß wir durch eine Zusammenfassung der Ab- 2 -

�der Abschuß-Standorte auf einen engeren Raum und durch eine wesentlich stärkere Härtung dieser Anlagen bedeutsame Einsparungen erreichen könnten.

Wir

würden weniger Silos, weniger Land und praktisch auch weniger Raketen benötigen.

Wir würden ein System entwickeln, das gegenüber dem gegenwärtigen

wie auch dem projizierten sowjetischen Raketenarsenal überleben könnte.

Die

Dislozierung eines solchen Systems würde von den Sowjets neue technische Entwicklungen erfordern, wenn sie einen Überraschungsangriff auch nur in Erwägung ziehen würden.

Viele der sowjetischen Gegenmaßnahmen, von denen die Rede

ist, sind wirklich nicht mehr als technische Träume, mit denen kein sowjetischer Planer oder Politiker das Schicksal seines Landes aufs Spiel setzen
würde.

Somit ist die Stationierung auf engem Raum ein sinnvoller Weg, um

vor einem Angriff abzuschrecken - und das ist ja unser Ziel.
Ich möchte nunmehr den Gesamtplan für unsere ICBM-Streitmacht erläutern.
Erstens, wir sind uns darüber im klaren, daß das bestmögliche überleben und damit auch die beste Abschreckung in der Modernisierung der drei
Pfeiler unserer Triade besteht: Unterseeboote, Bomber und landgestützte
ballistische Raketen. Jeder dieser drei Pfeiler gewinnt größere Sicherheit,
wenn alle gegenüber einer technologischen oder operativen Überraschung weniger anfällig sind.
Zweitens, wir bauen unsere Streitmacht der großen TITAN-Raketen mit
einer Rate von einer Rakete alle ein bis zwei Monate ab. Ihre gewaltigen
Gefechtsköpfe und der veraltete Treibstoff haben keinen Platz mehr in unserem
gegenwärtigen Arsenal.
Drittens, wir werden eine angemessene MINUTEMAN-Streitmacht aufrechterhalten, aber viele dieser Raketen könnten beseitigt werden, wenn wir mit den
Sowjets ein Abkommen über eine Verringerung der strategischen Rüstungen erreichen.
Und viertens, wir planen die Herstellung der MX-Rakete, die jetzt
"Friedensbewahrer" (Peacekeeper) heißt und wollen sie in besonders stark ver- 3 -

�stark verbunkerten Silos auf dem Francis E. Warren-Luftstützpunkt in der Nähe
von Cheyenne im Staate Wyoming dislozieren.
Dies scheint der kostengünstigste Standort zu sein, aber ich bin dankbar für die enthusiastischen Angebote der Bürger von Nevada, die Rakete in
ihrem Staat zu stationieren.
Wir werden 100 dieser Raketen (gegenüber 200 in früheren Planungen) in
Startkanistern stationieren, die - falls notwendig - zwischen überaus stark
verbunkerten Silos auf engem Raum bewegt werden können.

Wir planen, nur 100

solcher Silos zu bauen, aber wir entwerfen das System so, daß wir weitere
Silos später hinzufügen können, wiederum innerhalb der Grenzen eines kleinen
Landgebietes, sollten die Sowjets einer Verringerung der strategischen Rüstungen nicht zustimmen oder auf der Entwicklung und Produktion noch gewaltigerer
und tödlicherer Waffen bestehen.

Wir würden es vorziehen, wenn die Sowjets ihre

SS-18-Raketen abbauen, statt daß wir weitere Silos bauen müßten.

Aber wir

können uns so oder so anpassen und die Stabilität bewahren.
So weit es eine aktive Verteidigung anbetrifft, wollen wir keinerlei
Aktionskurs einschlagen, der den gegenwärtigen Raketenabwehrvertrag (ABM)
gefährden könnte, solange dieser von der Sowjetunion eingehalten wird. In
gleicher Weise wollen wir nicht einmal das Minimal-ABM-System ausbauen, was
uns aufgrund des Vertrages zusteht, obwohl die Sowjets dies bereits getan
haben.
Wir wollen unsere Forschungen hinsichtlich der ballistischen Verteidigungstechnologie fortsetzen - jener Art von modernen, überaus treffsicheren
und - wie wir hoffen - Nichtnuklearwaffen, die sich die mikroelektronische
und andere fortgeschrittenen Technologien zunutze machen, in denen wir andere
übertreffen. Das Ziel dieses Programms ist die Stabilität für unsere ICBMStreitmacht in den neunziger Jahren, ein Schutz gegen ein sowjetisches Ausbrechen aus dem ABM-Vertrag und die technische Kompetenz, sowjetische ABMEntwicklungen zu analysieren. Wir haben gegenwärtig keine Pläne, irgendein
ballistisches Raketenverteidigungssystem zu dislozieren.
Das gesamte
- 4 -

�Das gesamte Raketen- und Stationierungsprogramm wird etwa 26 Milliarden
Dollar - in Dollar dieses Jahres gerechnet - kosten, wobei mit diesem Finanzjahr begonnen wird.

Dies ist gegenüber anderen Plänen, die ich bei meinem

Amtsantritt vorfand, eine Reduzierung um die Hälfte - sowohl was die Kosten,
als auch die Zahl der dislozierten Raketen anbetrifft.

Das gegenwärtige

ballistische Forschungs- und Entwicklungsprogramm der Raketenverteidigung
wird etwa 2,5 Milliarden Dollar kosten.

Beide Programme finden bereits ihren

Niederschlag in den Haushaltansätzen für 1983, aber die spezifischen Entscheidungen, die ich heute bekanntgegeben habe, gestatten es uns, mit den Reduzierungen meiner Haushaltsanforderung vom Februar dieses Jahr um eine Milliarde
Dollar voranzugehen, was wir ja so sorgfältig mit dem Kongreß ausgearbeitet
haben.
Die Kontinuität der Anstrengungen bei den nationalen Sicherheitsangelegenheiten ist von entscheidender Bedeutung.
Verschwendung bedeuten.

Störungen würden eine maßlose

Diese Programme zur Stärkung der Stabilität und

Sicherheit unserer strategischen Nuklearstreitkräfte sind dringend geboten.
Die Planungen meiner Amtsvorgänger machten sie möglich, aber ich treffe diese
Entscheidungen heute für meinen Nachfolger.

Bei allen Anstrengungen wird die

Friedensbewahrer-Rakete erst Ende der achtziger Jahre voll disloziert sein,
zu einer Zeit also, da ein anderer Präsident diese Lasten tragen muß.
Ich fordere den Kongreß und alle anderen Amerikaner dringend auf, dieses
unter verschiedenen Präsidenten entwickelte Programm zu unterstützen:

Jene

in der Vergangenheit, die die Dislozierung der MX-Rakete erdacht und sich dafür eingesetzt haben, und der gegenwärtige Präsident, der diese schwierige
Entscheidung getroffen hat.

Nur wenn wir in unserer Zielsetzung standhaft

bleiben, können wir den Frieden bewahren, den jedes Land braucht, um die Hoffnungen und Träume seiner Menschen zu verwirklichen.

+ + + + +

- 5 -

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