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Infoimatio
und
Dokumente! io
United States Information Service
Embassy of the United States of America

3. November 1982

43

h

INHALT

DOKUMENTATION
Weinberger:

Nukleares Einfrieren würde Abschreckung schwächen

- Auszüge aus der Pressekonferenz vom 28. Oktober 1982 US-Sicherheitsberater umreißt außenpolitische Ziele der
Reagan-Admi ni strati on

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Ernährung und Krebs
- Ein Faktor von vielen, der die Gesundheit beeinflußt -

/

Wachstumsfaktor für Knochenzellen
- Protein-Wirkstoff aus menschlichem Knochengewebe isoliert
Von G. Weiss

Um Über/cndung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�43

3. November 1982

WEINBERGER: NUKLEARES EINFRIEREN WÜRDE ABSCHRECKUNG SCHWÄCHEN
- Auszüge aus der Pressekonferenz vom 28. Oktober 1982 -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar
Weinberger hat am 28. Oktober 1982 i'iterstrichen, daß ein Einfrieren der
Nuklearwaffen

das Risiko eines Krieges nicht vermindern, sondern eher

Verhandlungen über einen Rüstungsabbau verhindern könnte. Weinberger
traf diese Feststellung auf einer Pressekonferenz in Washington. Er
äußerte sich ferner zur Situation im Libanon, wobei er darauf hinwies,
daß die Vereinigten Staaten sich zur Unterstützung des Wiederaufbaus
der wirtschaftlichen und militärischen Stärke des Libanon verpflichtet
hätten; allerdings müsse die genaue Rolle der USA noch festgelegt werden.
Im folgenden Auszüge aus der Pressekonferenz:
Frage: Sie haben erklärt, daß die Sowjets eine überlebensfähige
Streitmacht hätten. Die meisten ihrer Gefechtsköpfe befinden sich auf
landgestützten Raketen. Wollen Sie damit sagen, daß wir heute in unserem
Arsenal über keine Waffen verfügen, die die sowjetischen Interkontinentalraketen (ICBM) in ihren Silos angreifen können?
Antwort: Nicht

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�Antwort: Nicht in einem hohen Maß an Zuversicht hinsichtlich der verbunkerten Silos, über die die Sowjets verfügen. Sie haben ihre Silos verbunkert, wie sie auch die meisten ihrer Ziele verbunkert haben. Bei uns
ist das nicht der Fall. Mit der Durchschlagskraft und der Genauigkeit,
über die wir verfügen, könnten wir keine große Zuversicht haben, jene Art
von Schaden zuzufügen, wie er für die Aufrechterhaltung einer Abschreckung
wichtig ist. Es geht hier nicht darum, das zum Einsatz bringen zu können.
Es geht vielmehr darum, daß wir die Fähigkeit besitzen, reagieren zu können, sollten die Sowjets einen Erstschlag führen - und zwar in einer Weise, die sie davon überzeugen würde, daß der Schaden, den sie hinnehmen
müßten, so groß wäre, daß sie dies an einem Erstschlag hindert. Deshalb
sind wir so besorgt über eine Aushöhlung und Unterminierung (unserer Position), und deshalb sind wir der Überzeugung, daß wir das strategische
Rüstungsprogramm des Präsidenten durchführen müssen.

Frage: Was haben Sie zu den Behauptungen des sowjetischen Staats- und
Parteichefs Leonid Breschnew zu sagen, daß die Vereinigten Staaten verantwortlich seien für den Krieg im Libanon und für die Probleme, die es
jetzt in Afrika, Asien und Mittelamerika aufgrund der aggressiven Politik
der US/1 gäbe; er hat erklärt, daß "die Vereinigten Staaten die Welt in die
Flammen eines Atomkrieges zu stürzen drohen".
Antwort: Ganz offensichtlich haben wir zu jeder dieser Erklärungen
eine ganz andere Meinung als die Sowjetunion. Nehmen wir doch nur den
Libanon. Ich meine, diese (sowjetische) Erklärung wird durch ihre eigene
Absurdität beantwortet. Wir tun doch alles, was in unseren Kräften steht,
um diese Angelegenheit zu einem Ende zu bringen und im gesamten Nahen
Osten den Frieden wiederherzustellen. Die sowjetischen Bemühungen zielen
nicht in diese Richtung.
Frage: Glauben Sie, daß die auf ein nukleares Einfrieren gerichteten
Bewegungen von Leuten ausgenutzt werden, die Amerika schächen würden?
Antwort: Ich

�Antwort: Ich meine, in erster Linie sollte man sich im Hinblick auf
die Bewegungen für ein nukleares Einfrieren darüber Sorgen machen, daß
einige Leute hier in den USA und im Ausland den Eindruck gewinnen könnten,

daß Amerika nicht mehr den Willen und die Entschlossenheit oder die

Fähigkeit hätte, eine ausreichende Abschreckungsstärke zu bewahren.
Die Probleme hinsichtlich eines Einfrierens betreffen all die Fragen,
die ich gerade dargelegt habe. Es gibt allgemein die falsche Vorstellung, daß beide Seiten einander zerstören könnten, daß jeder Über die
gleich

Anzahl von Gefechtsköpfen verfügte, und was damit noch zusammen-

hängen mag. Bei all dem wird völlig die Wirksamkeit der Abschreckung
übersehen - die einzige Möglichkeit, wie man wirklich diese Fragen beurteilen kann.
Die Wirksamkeit unserer Abschreckung ist aufgrund der Modernisierung
unterhöhlt worden, mit der die Sowjets ihre Systeme ausgestattet haben,
während bei uns dies nicht der Fall war. Wir verfügen heute über Systeme,
die allzu verwundbar sind gegenüber einem Erstschlag der Sowjets, und es
ist von entscheidender Bedeutung, daß wir sie so schnell wie möglich wieder aufbauen. Deshalb wäre ein Einfrieren so gefährlich. Ich spreche hier
überhaupt nicht über Motive. Es sind die Ergebnisse, die mir Sorge bereiten.
Frage: Ganz abgesehen von der technischen Frage der Veralterung dieser
Waffensysteme oder von politischen Fragen: Die katholischen Bischöfe dieses Landes haben einen Hirtenbrief verfaßt, in dem erklärt wird, daß
Kernwaffen schon von Grund aus sowie der Besitz dieser Waffen durch und
durch unmoralisch seien. Wenn auch die Bischöfe sagen, daß ein gewisses
Maß an Abschreckung gegenwärtig toleriert werden müsse, so erklären sie
doch auch, daß neue strategische Systeme eine Sünde darstellten, Stimmen
Sie dem zu?
Antwort: Die

�Antwort: Die Bischöfe haben mir und sicherlich auch vielen anderen
Leuten eine Kopie dieses Entwurfes zugesandt - es ist ein Entwurf. Sie haben
um Stellungnahme ersucht, und wir begrüßen das - die Gelegenheit, dazu
etwas zu sagen. Und wir werden auf viele der Punkte verweisen, die ich
hier heute dargelegt habe, daß nämlich ein Einfrieren zu diesem Zeitpunkt unserer Meinung nach die Gefahr eines Krieges erhöhen würde. Wir
denken dabei natürlich auch daran, daß seine Heiligkeit, der Papst, in
einer Botschaft an die Vereinten Nationen zu verstehen gegeben hat, daß
die Abschreckung eine moralische Politik darstellt.
Frage: Wollen Sie sagen, die Sowjetunion könnte uns bei einem Erstschlag einen so großen Schaden zufügen, daß wir nicht mehr zurückschlagen könnten?
Antwort: Was ich gesagt habe: Das Wesen der Abschreckung besteht
darin, der anderen Seite unsere Fähigkeit zu verdeutlichen, daß nach
einem Erstschlag der Schaden, der ihr zugefügt würde, so unannehmbar
hoch wäre, daß sie auf einen solchen Erstschlag verzichtet. Ich habe
keine mathematische Formel oder Regel, die mir die hierfür notwendigen,
genauen Zahlen sagt. Aber die Sicht der Sowjetunion ist von höchster Bedeutung - genau wie unsere eigene Perspektive, unsere eigene Fähigkeit,
einen Erstschlag dieser Art mit unserem zwanzig Jahre alten Raketensystem
in ungehärteten Silos und unseren zwanzig Jahre alten Bombern zu überstehen, die gegen eine sehr starke Luftverteidigung anzugehen hätten. All
dies sind für mich eindeutige Hinweise darauf, daß wir alles tun müssen,
um unsere Stärke wiederzugewinnen und sicherzustellen, daß wir über eine
angemessene, wirksame Abschreckung verfügen. Und das ist genau das, was
wir versuchen.
Frage: Gibt es Ihrer Meinung nach bei der sowjetischen Einstellung
Aspekte, die Ihnen den Eindruck vermitteln, die Sowjets seien der Meinung, sie könnten mit einem Erstschlag Erfolg haben?
Antwort: Ich
- 4

�Antwort: Ich sehe bei dem, was sie schreiben und was sie tun, Hinweise
darauf, daß sie in zunehmendem Maße zu glauben beginnen, ein Atomkrieg
sei zu gewinnen. Sie tun eine ganze Menge für den Zivilschutz, und man kann
darüber streiten, ob er wirkungsvoll ist oder nicht; aber dennoch bleibt
die Tatsache bestehen, daß sie es tun, und das ist in sich selbst ein wichtiger Punkt.
Frage: Es wird jetzt größerer Wert darauf gelegt, die konventionellen
Streitkräfte der Vereinigten Staaten und der NATO in Europa auszubauen,
um damit die Abhängigkeit von den taktischen Kernwaffen zu verringern.
Welche Auswirkung würde dies auf Überlegungen hinsichtlich der Dislozierung von Gefechtsköpfen mit erhöhter Strahlung (Neutronenwaffe) haben?
Antwort: Alles, was wir im konventionellen und im strategischen Bereich innerhalb der NATO oder andernorts tun, hat zum Ziel, vor einem Angriff, einem Krieg, abzuschrecken, zeigt sich doch im konventionellen
Bereich ein Ungleichgewicht, das schwer zugunsten der Sowjets wiegt. Zur
Abschreckung braucht man genug Streitkräfte, damit die andere Seite weiß,
im Falle eines Angriffes wäre sie einem Vergeltungsschlag ausgesetzt, den
sie nicht erleiden möchte und den sie als zu schwer erachtet. Deshalb ist
es notwendig, die konventionellen Streitkräfte ebenso wie die strategischen
auszubauen. Ein anderer Aspekt kommt hinzu: Viele glauben, wenn man die
konventionellen Streitkräfte auf ein relatives Niveau der Gleichheit bzw.
ein Niveau relativer Abschreckungsfähigkeit anhebe, vermindere sich dadurch die Notwendigkeit oder die Möglichkeit jeder Art von Eskalation zu
Kernwaffen. Daher ist es aus beiden Gründen wichtig, die konventionellen Streitkräfte in der NATO und in anderen Weltgegenden auszubauen, wo
eine Disparität besteht. Die Neutronenwaffe ist lediglich eine Waffe, die
beträchtliche Kapazitäten gegen Panzer hat und über die in diesem Zusammenhang in allen NATO-Ländern Überlegungen angestellt werden.
Frage: Der

�Frage: Der Präsident hat einen Verfassungszusatz über einen ausgewogenen Haushalt vorgeschlagen. Er hat auch deutlich gemacht, daß er die
Steuern nicht weiter erhöhen will. Ist es angesichts dieser Ziele möglich, den Ausbau der Verteidigung in dem Maße beizubehalten, wie Sie
es gern hätten? Es scheint, daß irgendjemand hier etwas geben muß.
Antwort: Erinnern Sie sich daran, daß der Kongreß dem Präsidenten
zu keiner Zeit die Verringerungen bei den Ausgaben, die nicht mit der
Verteidigung zusammenhängen,gewährte, die er angestrebt hatte. Dies war
von Anfang an eines der Probleme, die mehr oder weniger Libersehen wurden.
Das Programm des Präsidenten war ein Programm, bei dem es um beträchtliche
Verringerungen bei den Zuwachsraten der Ausgaben ging - und nicht sehr
viele davon wurden vom Kongreß auch tatsächlich akzeptiert. Die Antwort
auf den anderen Teil Ihrer Frage ergibt sich schon ganz einfach aus der
Tatsache, daß man etwas tun muß, um Sicherheit, Freiheit und Frieden des
Landes zu gewährleisten. Wir sind völlig davon überzeugt, daß w v
Frieden und Freiheit underes Landes in Gefahr bringen, wenn wir nicht
wieder genügend Stärke gewinnen, damit unsere Abschreckung wirksam ist
und auch als wirksam erachtet wird. Es ist von entscheidender Bedeutung,
daß wir nur nicht so angesehen werden, als würden wir nichts tun, sondern
daß wir auch tatsächlich und rechtzeitig wieder genügend Stärke erlangen.
Das andere Problem ist, daß all diese Dinge Zeit brauchen und solche Ausgaben in einer freien, offenen, demokratischen Gesellschaft nie populär
sind. Dennoch ist es von entscheidender Bedeutung, daß man sie nicht nur
ein oder zwei Jahre lang, sondern fünf, sechs oder sieben Jahre lang vornimmt. Das ist der Preis, den wir dafür bezahlen, daß wir unsere Streitkräfte in den siebziger Jahren vernachlässigt haben. Erinnern wir uns
doch daran, daß in jener Zeit die Verteidigungsausgaben um real 19 Prozent zurückgingen, während die anderen Ausgaben um 112 Prozent in die Höhe
gingen. Dabei gab es in der Sowjetunion keinerlei Rückgang, dort gingen
die Verteidigungsausgaben weiter in die Höhe.
Meine knappe Antwort auf Ihre Frage wäre also, daß ich der Meinung

- 6 -

�der Meinung bin, wir haben das zu tun, was der Präsident in seinem Rüstungsnachholprogramm dargelegt hat. Ich glaube, es ist aufzubringen,und die
Wirtschaft kann es ohne Schwierigkeiten tragen. Erinnern Sie sich daran,
welch trübe Voraussagungen von manchen Leuten gemacht wurden, was alles
bei höheren Verteidigungsausgaben geschehen würde: Einmal hieß es, daß dies
die Inflation nur noch verstärken würde - und wir haben trotz zwei Jahren
höherer Verteidigungsausgaben eine niedrigere Inflation. Zum anderen hieß
es, daß dann die Zinsen nie sinken würden - und trotz höherer Verteidigungsausgaben sinken sie. Die Menschen machen sich zurecht über die Arbeitslosigkeit Sorgen. Aber die Verteidigungsausgaben verursachen keine Arbeitslosigkeit. Ich glaube also, die Volkswirtschaft kann sie tragen, die Erfordernisse des Landes, ja, die Ansprüche der Freien Welt erfordern sie.
Eines noch: Ich hoffe, Sie haben nicht den Eindruck, wir ignorierten die
Stimmen für ein Einfrieren der Kernwaffen oder lachten darüber. Das wäre
völlig falsch. Wir machen uns darüber sehr viele Gedanken. Wir glauben
jedoch, daß diesp Haltung falsch ist, weil sie unserer Meinung nach die
Gefahr eines Krieges erhöht. Wir werden auch weiterhin versuchen, klarzustellen, daß wir der Meinung sind, die Verabschiedung eines Vorschlages
zum Einfrieren würde das Risiko und die Gefahr eines Krieges erhöhen und
würde die Sowjets dazu ermutigen, dem Verhandlungstisch fernzubleiben
und all das zu tun, was Herr Breschnew gestern gesagt hat.

+ + + + +

�3. November 1982

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US-SICHERHEITSBERATER UMREISST AUSSENPOLITISCHE ZIELr
DER REAGAN-ADMINISTRATION

SAN DIEGO, KALIFORNIEN - (AD) - Der Sicherheitsberater Präsident
Reagans, William Clark, hat in einer Rede vor Geschäftsleuten in Kalifornien erneut betont, daß Präsident Reagan von der Notwendigkeit und Möglichkeit einer Verringerung der Kernwaffen auf einen gleichen Stand zwischen den USA und der UdSSR überzeugt ist. Ein Einfrieren auf dem gegenwärtigen Niveau würde jedoch den Sowjets jeden Anreiz zur Beteiligung an
ernsthaften Abrüstungsverhandlungen nehmen.
Die Rede des Beraters für nationale Sicherheit hat folgenden Wortlaut:
Es ist mir eine besondere Ehre, heute zu Ihnen sprechen zu dürfen.
Ich will versuchen, Ihnen einen Bericht über den Stand der Bemühungen des
Präsidenten zu geben, die Führungsrolle der Vereinigten -taaten bei der
Lösung vieler schwieriger Probleme der Weltpolitik wiederherzustellen.
Um dies richtig beurteilen zu können, scheint es mir nützlich, die Tages-

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�die Tagesordnung aufzuzeigen, vor der wir standen, als der Präsident sein
Amt übernahm und an das Klima zu erinnern, in dem wir arbeiten mußten.
Wie Sie wissen, waren die siebziger Jahre kein glückliches Jahrzehnt jedenfalls gemessen an dem Glück, das Amerika in der Weltpolitik hatte. Das
war die Folge vieler Faktoren. Zu dem politischen Erbe des Vietnam-Krieges
gehörten unter anderem eine ernsthafte Infragestellung der Zuverlässigkeit
der Vereinigten Staaten als Verbündeter. Ein getrennter und damit nicht in
Zusammenhang stehender Faktor war die dramatische und ganz deutliche Expansion der militärischen Macht der Sowjets. Dieser militärische Aufstieg wurde von einer erhöhten Bereitschaft der Sowjets begeleitet, bei der Ausdehnung ihres Einflusses über ihre Grenzen hinaus Risiken einzugehen. Ihre
Förderung kubanischer Aktivitäten in Angola und ihr sichtbares Vorgehen bei
ihren subversiven Bemühungen in Äthiopien und Südjemrn waren Ausdruck immer
größerer Kühnheit der Sowjets angesichts des Fehlens eines erkennbaren amerikanischen Widerstandes. Dieser Trend des Zögerns und der Unsicherheit
unsererseits stellte unsere Zielsetzung und Entschlossenheit bei unseren
Freunden in Europa und auch andernorts in Frage.
Ein weiterer wichtiger Faktor war eine wesentliche Steigerung unserer
Abhängigkeit und die unserer Verbündeten von überseeischen Ressourcen für
den Betrieb unserer Wirtschaft. Die Auswirkungen dieser und anderer Ereignisse im eigenen Land - auf die wir keine erkennbare Antwort gaben - führten uns an den Rand der wirtschaftlichen Katastrophe.
Diese Ereignisse und Tendenzen führten dazu, daß die Vereinigten Staaten vom Ausland - von der Sowjetunion wie auch von unseren Freunden - als
eine absteigende Nation betrachtet wurden. Wir wurden als unzuverlässig
und im Grunde als unfähig angesehen, unsere eigenen oder die Probleme unserer Freunde zu lösen.
Die große Aufgabe, vor der Präsident Reagan zu Beginn seiner Administration stand, war es, die westliche Welt wieder hinter sich zu sammeln,
- 2 -

�zu sammeln, indem er zeigte, daß die Vereinigten Staaten erneut die führende
Rolle bei der Lösunn dieser Probleme und eine positive Rolle in der Weltpolitik spielen können.

Ordnung im eigenen Haus
Angesichts dieser Tagesordnung steckte der Präsident seinen Kurs in
Richtung auf grundlegende Ziele ab, die einzeln und kollektiv darau-' abzielten, wieder ein größeres Maß an Stabilität und Frieden innerhalb der internationalen Gemeinschaft herzustellen und wirtschaftliches Wachstum und
Entwicklung zu fördern. Es gab zwingende innenpolitische Gründe, das Hauptaugenmerk auf die Wiederherstellung der wirtschaftlichen Stabilität im eigenen Land zu richten. Unsere Wirtschaft und das amerikanische Volk waren mit
Zinssätzen von über 20 Prozent und einer zweistelligen Inflation am Punkt
des Zusammenbrechens angelanf+. Tatsache ist, daß keine Nation die Achtung
anderer erringen kann, wenr sie ihre eigenen Probleme nicht zu i^sen imstande ist. Und richtig ist auch, daß die Leitstellung des Dollar

und Viel-

falt und Kapazität der amerikanischen Industrie für einen anhaltenden internationalen Wiederaufschwung wesentlich sind.
Aus all diesen Gründen hat sich der Präsident daran gemacht, unser eigenes Haus in Ordnung zu bringen.

Wir können heute befriedigt feststellen,

daß wir eindeutig einen Umschwung erzielt haben. Wer hätte noch vor 20 Monaten geglaubt, daß die Zinssätze um 50 Prozent sinken und daß die Inflation
um

einen noch größeren Prozentsatz zurückgehen würde. Das ist ein Fort-

schritt, und wie der Präsident betont hat, haben wir noch mehr auf Lager,
wenn wir nur den Kurs halten.

Neubau der Grundlagen
Die zweite wesentliche Aufgabe für die EHaltung des Friedens war die
Wiederherstellung der Grundlage der Stärke, auf der das Konzept der Ab-

- 3 -

�Konzept der Abschreckung beruht. Aus einer ganzen Anzahl von Gründen hatten
es die Vereinigten Staaten zugelassen, daß ihre Investitionen in die Verteidigung

während der ganzen siebziger Jahre real ständig zurückgingen.

Wir hatten seit Ende der sechziger Jahre keine einzige neue Rakete entwickelt, unsere neuesten B 52-Bomber waren über 20 Jahre alt. Auf der anderen Seite beträgt das Durchschnittsalter sowjetischer Systeme weniger als
fünf Jahre.
Dieser Rückgang fand zu einer Zeit statt, in der die Sowjetunion die
augenfälligste Expansion militärischer Macht in der Geschichte der Menschheit noch beschleunigte. Die UdSSR zog - gemessen an den Verteidigungsausgaben - im Jahr 1971 an den Vereinigten Staaten vorbei. Im Verlauf dieser
Dekade übertrafen die militärischen Investitionen der Sowjets die unsrigen
um über 200 Milliarden Dollar.
Diese dramatische Expansion sowjetischer Macht wurde durch die ganz
augenfällige Steigerung der sowjetischen Bereitschaft, Risiken bei Abenteuern einzugehen, wie ich sie bereits erwähnt habe - in Entwicklungsländern von Afrika bis Afghanistan - in politische Wirkung umgesetzt.
Aufgrund der Initiativen des Präsidenten ist das Wiederaufbauprogramm
jetzt gut in Gang gekommen und wenn wir die Entschlossenheit zeigen, es auch
in den kommenden Jahren fortzuführen, dann bestehen alle Aussichten, daß
eine wirksame Abschreckung bestehen bleibt und daß der Frieden für unsere
eigene Generation und für künftige Generationen bewahrt werden kann.

Gegenseitigkeit und Zurückhaltung
Ein weiteres wichtiges Ziel war nach Auffassung des Präsidenten die
Wiedererrichtung einer festen Basis für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen. Im Laufe seines ersten Amtsjahres machte der Präsident der
sowjetischen Führung deutlich, daß er bereit sei, ernsthaft mit ihr an der

- 4 -

�an der Lösung des ganzen Bereiches internationaler Probleme auf der Grundlage der Gegenseitigkeit und der Zurückhaltung zu arbeite". Gleichzeitig
machte er jedoch genauso deutlich, daß er angesichts sowjetisch inspirierter
Repression, Subversion oder direkter Aggression nicht schweigen werde sei es, daß sich derlei in Polen, Mittelamerika oder Afghanistan zuträgt.
Dies ist das Gebiet, auf dem der Präsident für seine Maßnahmen - vor allem
für die Sanktionen, die er nach der sowjetisch inspirierten Unterdrückung
in Polen verhängte - Kritik erfuhr. Für den Präsidenten bedeuteten jene
Ereignisse vor Weihnachten letzten Jahres eine erneute Bestätigung dafür,
daß die

Sowjetunion ihren Anspruch auf die Weltrevolution nicht aufgege-

ben hat, vor allem die Revolution jenseits ihrer Grenzen. Es steht den
Sowjets sicherlich frei, diese Wahl zu treffen; aber es ist etwas anderes,
wenn sie sie verwirklichen wollen. Die Chance, sich der Vorteile eines
freien Handels und friedlichen Verkehrs innerhalb der internationalen Gemeinschaft zu erfreuen, ist eine Option, die sie ohne Frage beeinflussen
können.
Solange die Sowjetunion weiterhin von ihrer Bevölkerung Entbehrungen
verlangt und ihre Ressourcen in eine massive Aufrüstung steckt, werden
die Vereinigten Staaten - und das ist das Mindeste - nicht zu diesem Prozeß beitragen, indem s^'e* Technologie, Hardware und Kredite liefern, um den
Sowjets ihre Aufgabe zu erleichtern. Wir dürfen, wie wir meinen, bei diesen
Bemühungen vernünftigerweise die Unterstützung anderer Nationen erwarten,
die mit uns unsere Werte und unsere Grundsätze teilen.

Rüstungskontrolle
Im Nuklearzeitalter - und vor allem nach einem Jahrzehnt einer so erstaunlichen Vergrößerung der sowjetischen Arsenale - muß es die oberste
Priorität eines jeden amerikanischen Präsidenten bleiben, einen Konflikt
zu verhindern, und den Stand der nuklearen Rüstung zu verringern. Dieses

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�verringern. Dieses Anliegen wird heute von immer mehr Amerikanern zum Ausdruck gebracht, und das zunehmende öffentliche Interesse an der Kontrolle
von Kernwaffen ist ein außerordentlich gesundes und begrüßenswertes Phänomen. Es kann dazu dienen, dem amerikanischen Volk Einsicht in die Grundkonzepte und Systeme zu vermitteln, die die Stabilität oder Instabilität
des Friedens im Atomzeitalter bestimmen. Während der letzten 37 Jahre ist
das Thema der strategischen Kernwaffen mit Geheimniskrämerei, Fachausdrucken
und hochfliegenden Konzepten umgeben worden, die die meisten Menschen kaum
verstehen konnten. Das Ergebnis war jedoch, daß das amerikanische Volk in
der wichtigsten Frage der öffentlichen Politik seiner Generation uninformiert blieb. Schon allein aus diesem Grunde bedeutet die derzeitige Debatte
eine sehr nützliche Übung.
Lassen Sie mich einen Moment abschweifen, um Ihnen ein paar Beispiele
für jene Art von Fehlinformationen zu geben, die die Haltung in der Öffentlichkeit in dieser Frage fehlgeleitet haben. Wenn ich Sie fragen würde,
ob die Vereinigten Staaten heute mehr Sprengkraft (Megatonnage) besitzen
als vor 20 Jahren oder weniger, dann bin ich sicher, daß die meisten von
Ihnen antworten würden, daß wir heute mehr haben. Die Wahrheit ist jedoch,
daß der heutige Stand weniger als die Hälfte von dem beträgt, was während
der Kennedy-Administration vorhanden war. Und wenn ich Sie in ähnlicher
Weise fragen würde, ob wir heute mehr oder weniger Gefechtsköpfe besitzen
als vor zehn Jahren, dann bin ich sicher, würden die meisten antworten, daß
wir sicherlich mehr haben. In Wirklichkeit ist es aber so, Haß wir im Verlauf der letzten zehn Jahre die Zahl der Gefechtsköpfe in unserem Arsenal
um etwa ein Drittel gesenkt haben.
/
Mir geht es jedoch nicht darum, mit Statistiken zu argumentieren. Der
Präsident ist der Oberzeugung, daß das Niveau in jedem Fall noch zu hoch
ist und daß wir alles in unserer Macht Stehende tun müssen, um es herabzusehen. Diespm 7iel hat die Anweisung des Präsidenten gedient, eine wohlüberlegte, gerechte Rüstungskontrollposition auszuarbeiten, mit der wir
die Sowjetunion zu einem ernsthaften Programm der Verringerungen bewegen

- 6 -

�Verringerungen bewegen wollen. Diese Anweisung sollte zwei Zwecken dienen:
Erstens sollte sie die strategischen Waffen in den Griff bekommen und zweitens sollte sie einen Abbau der Mittel Streckenwaffen bewirken, wie etwa
der sowjetischen SS-20, die unsere Freunde in Europa und anderswo bedrohen.
Was die Mittel Streckenwaffen angeht, so hat der Präsident der Sowjetunion vorgeschlagen, daß wir auf die Dislozierung entsprechender Gegenwaffen
verzichten werden, wenn sie dem Abbau aller ihrer landgestützten Raketen zustimmt, deren Zahl sich global auf über 300 belauft. Mit anderen Worten, wir
schlagen eine Null-Lösung vor. Unsere Verhandlungsführer sitzen jetzt in
Genf mit ihren sowjetischen Kollegen zusammen und bemühen sich, diese von
den Vorteilen einer solchen Lösung nicht nur für ihre Sicherheit, sondern
für die ganze Menschheit zu überzeugen. Wir hoffen, daß sie bald die Klugheit dieses Vorschlages erkennen werden.
Bezüglich der strategischen oder interkontinentalen Waffen hat der
Präsident dramatische Verringerungen auf einen zahlenmäßigen Gleichstand
auf beiden Seiten vorgeschlagen - in etwa eine Verringerung der Zahl der
Gefechtsköpfe um ein Drittel und eine Verringerung der dislozierten RaketenAbschußeinrichtungen auf die Hälfte des gegenwärtigen Standes in den USA,
Auch hier geben sich unsere Verhandlungsführer in Genf alle Mühe, um eine
sowjetische Zustinrniuog. zu diesem Vorschlag zu erreichen.
Im Zusammenhang mit diesen Verhandlungen ist es angebracht, über einen
Vorschlag zu sprechen, der sowohl von Breschnew als auch einer großen Zahl
wohlmeinender Leute in unserem Lande vorgebracht worden ist. Sie haben gefordert, daß wir ein sofortiges Einfrieren der Produktion, Erprobung und
Dislozierung von Kernwaffen vornehmen. Dieser Vorschlag für ein Einfrieren
ist gerade durch seine Einfachheit so attraktiv geworden, vor allem für
jene, die sich von der erkannten Kompliziertheit des Problems haben abschrecken lassen. Aber es bedarf nicht mehr als des gesunden Menschenverstandes, um die Haken an der Sache zu erkennen.
Wenn Sie

- 7 -

�Wenn Sie beispielsweise gefragt würden, ob Sie für ein einseitiges Einfrieren sind, dann würden Sie, wie ich meine, sicherlich mit Nein antworten.
Aber wenn wir die sowjetische Einhaltung eines bilateralen Abkommens über
ein Einfrieren nicht verifizieren könnten, dann würde das praktisch auf eine
Zustimmung zu einem einseitigen Einfrieren hinauslaufen. Wie könnten wir
sicher sein, daß sich die Sowjetunion an den Vorschlag für ein Einfrieren
hielte? Unsere Erfahrungen"auf diesem Gebiet sind, offen gesagt, nicht sehr
ermutigend und infolgedessen steht es uns gut an, den guten Glauben der Sowjets nicht als selbstverständlich vorauszusetzen, wenn der Spielraum für
Irrtümer nur sehr klein ist.
Abgesehen von der Frage der Verifizierung darf man auch vernünftigerweise fragen, ob es sinnvoll wäre, ein bestehendes Ungleichgewicht einzufrieren, das sich aus einem Jahrzehnt sowjetischer Aufrüstung und amerikanischen Rückgangs ergeben hat. Auch hier ist es nützlich, sich das bestehende Ungleichgewicht auf dem Gebiet der Mittel Streckenwaffen vor Augen zu halten. Ich habe bereits erwähnt, daß die Sowjetunion heute mehr als 300 SS-20Raketen besitzt, die Ziele in ganz Westeuropa und in vielen anderen Teilen
der Welt erreichen können. Weder die Vereinigten Staaten noch irgendeiner
unserer Verbündeten besitzen entsprechende landgestützte Systeme, die die
Sowjetunion erreichen könnten. Ein Ungleichgewicht von 300 zu Null, das
auf 600 zu Null anwächst, wenn andere landgestützte Mittelstreckenraketen
der Sowjets eingeschlossen werden, ist weder fair, noch stellt es einen
Beitrag zu einem stabilen Frieden dar. Aus diesem Grunde verhandeln wir in
Genf in einer Anstrengung, die Sowjets zum Abbau dieser Systeme zu bewegen.
Und dies führt mich zu meinem dritten Punkt. Wie würde sich ein Einfrieren auf unsere Hoffnungen auf Fortschritt bei diesen Rüstungskontroll Verhandlungen auswirken? Um das zu beantworten, brauche ich Sie nur in die
Position der Sowjetunion zu versetzen. Wenn Sie in einer Position sind,
in der das Kräfteverhältnis 600 zu Null zu Ihren Gunsten besteht, und die
andere Seite zustimmen würde, dieses Ungleichgewicht einzufrieren, welchen
Anreiz hätten Sie dann wirklich, die Verhandlungen fortzusetzen?
-Kurz gesagt
- 8 -

�Kurz gesagt, weil ein sofortiges Einfrieren auf dem derzeitigen Stand
außerordentlich problematische Verifizierungsfragen aufwirft, weil es ein
Einfrieren eines großen Ungleichgewichts bedeuten würde und weil es der
Sowjetunion jeden Anreiz nehmen würde, über Verringerungen zu verhandeln,
würde dies nicht zu einer wirksamen Rüstungskontrolle beitragen. Und genau
aus diesem Grund hat der Präsident vorgeschlagen, daß wir erst die Kernwaffen auf einen gleichen Stand senken, bevor wir sie einfrieren.
Präsident Reagan ist zutiefst überzeugt, daß wir mit Ausdauer unc Ernsthaftigkeit der Zielsetzung Abkommen erreichen können, die den Umfang der
nuklearen Arsenale auf beiden Seiten echt verringern werden. Er wird in
dieser seiner Überzeugung bestärkt durch den Verlauf von Verhandlunnen, die
bisher stattgefunden haben, und mit Ihrer Unterstützung wird er weiterhin
einen erfolgreichen Abschluß dieser Verhandlungen anstreben.

Beziehungen zu den Entwicklungsländern
Das fünfte Ziel dieser Administration in der Außenpolitik ist die
Schaffung einer neuen Grundlage für unsere Beziehungen zu den Entwicklungsländern der Welt. Der Ansatz des Präsidenten stützt sich stark auf die Anstrengungen des privaten Sektors. Dies wird am deutlichsten sichtbar in dem
Programm, das als Initiative für das Karibische Becken bekanntgeworden ist.
Im Rahmen dieses Programms hat der Präsident eine Kombination von Handel,
Hilfe und Investitionsanreizen in eine sorgfältig ausgewogene Bemühung
zusammengestellt, um die Anstrengungen der Bevölkerung der karibischen Region zur Selbsthilfe zu erleichtern. Wir hoffen, daß wir während der Sondersitzung des Kongresses, die im kommenden Monat beginnt, die gesetzliche
Grundlage für die Handels- und Steuerbestimmungen dieses Programms erreichen, die Anreize für amerikanische Unternehmen bieten, in der Karibik zu
investieren. Durch diesen Prozeß, zusammen mit bescheidener Hilfe und verbessertem Zugang zu überseeischen Märkten, glauben wir, der Bevölkerung
dieses Gebietes, die so lange in Verzweiflung gelebt und eine ständige

- 9 -

�eine ständige Verschlechterung der Handelsbedingungen ohne Aussicht auf
Änderung erleb

hat, neue Hoffnungen zu geben.

Friedensstiftung
Das sechste Ziel der Außenpolitik Reagans - und vielleicht ihr Kernstück - betrifft unsere Verantwortung als Friedensstifter. Seit den ersten
Tagen dieser Administration hat der Präsident ein Maximum an Anstrengungen
darauf verwandt, das Prestige und die Ressourcen Amerikas für die Beilegung
von Streitigkeiten in der ganzen Welt einzusetzen. Gerade in jüngster Zeit
haben wir außerordentliche intensive Anstrengungen darauf verwandt, den
Friedensprozeß im südlichen Afrika und im Nahen Osten zu fördern.
Länger, als sich irgendeiner von uns erinnern kann, haben die Menschen
im Nahen Osten von einem Krieg zum anderen gelebt, ohne daß es eine wirkliche Aussicht auf eine andere Zukunft gegeben hätte. Weil wir die moralische Verpflichtung und wichtige Interessen in dem Gebiet haben, hat der
Präsident seine persönliche Aufmerksamkeit auf die Geschichte dieser Auseinandersetzung und all die damit zusammenhängenden komplexen Dinge konzentriert.
Die-Ergebnisse seiner Analyse kamen in seiner Ansprache an das amerikanische
Volk am 1. September zum Ausdruck. Kurz gesagt hat der Präsident jeder der
drei in der Region vorhandenen Kräfte eine ganz einfache Frage gestellt:
Israel, das in 34 Jahren fünf Kriege erlebt hat, fragte er: Wie ist Eure
Sicherheit am besten gewährleistet? Durch Aufrechterhaltung der Kontrolle
über Gebiete mit der praktisch sicheren Erwartung eines Krieges alle paar
Jahre? Oder ist Eure Sicherheit nicht besser gewährleistet, wenn man eine
politische Abmachung mit den Nachbarn erreicht?
Die PLO, die in den letzten 12 Jahren dreimal verheerende Niederlagen
erlebt hat, fragte der Präsident: Ist die bewaffnete Auseinandersetzung
wirklich der beste Weg, um die Identität der Palästinenser herzustellen?
Und die

- 10 -

�Und die arabischen Staaten des Gebietes fragte er: Hat die Konfrontation mit Israel während der letzten Generation wirklich Euren Interessen
gedient?
&lt;
Der Präsident ist zutiefst überzeugt, daß wir vor einer historischen
Chance stehen, die wir nicht verpassen dürfen. In dem Meinungsaustausch,
den er seit dem 1. September geführt hat, haben wir von vielen Seiten ermutigende Zeichen bekommen. Er hofft, daß es uns in den nächsten Wochen gelingen wird, die Wiedereröffnung der Gespräche für die Schaffung von Übergangsvereinbarungen für das Westjordanland und den Gaza-Streifen durch
einen Prozeß, an dem andere arabische Länder beteiligt sein müssen, zu erreichen. Die Völker dieses Gebietes können dieses dunkle Kapitel ihrer Geschichte zu einem Ende bringen und eine neue Ära der Entwicklung und der
Prosperität erwarten. Der Präsident hat seine größten Bemühungen zugesagt,
um diesen Traum verwirklichen zu helfen.
In einigen anderen Teilen der Welt kann man leichthin vom Weltfrieden
sprechen, denn der Frieden in den Teilen ist eine Realität - eine Realität,
die mehr oder weniger als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt wird. Im
Nahen Ost ist der Weltfrieden ein schwergewichtiges Wort, denn die Realität
scheint außer Reichweite. Wir in den Vereinigten Staaten müssen uns immer
wieder daran erinnern, wie wichtig es ist, einen perfekten Frieden zu gestalten, der nur ein Ziel sein mag, wenn wir bei der Verfolgung dieses Zieles in der Lage sind, den Frieden, den wir besitzen, zu erhalten oder zu
verbessern.
Ich möchte noch kurz auf en"ne damit zusammenhängende Sache kommen. In
einer Rede vor zwei Tagen hat Leonid Breschnew die obersten s wjetisehen
Militärs angesprochen. Er sprach von Hingabe der Sowjetunion an -inen Frieden, der durch amerikanisches "Abenteurertum" bedroht werde. Wir sehen den
Zweck seiner Rede darin, die sowjetischen Militärs zu bestärken, daß sie
weiterhin ihren begünstigten Platz in der sowjetischen Gesellschaft behalten

- 11 -

�Gesellschaft behalten werden. Seine Bemerkungen über verbesserte sowjetischchinesische Beziehungen sollten den Eindruck verbesserter internationaler
Beziehungen erwecken. Mit all dem mußte man rechnen.
*
&lt;; Abe£.die Sowjetunion als den Anwalt eines wahren Friedens darzustellen,
der durch die Vereinigten Staaten bedroht wird, ist kaum überzeugend. Wenn
die Sowjetunion ständig Jahr für Jahr rund 15 Prozent ihr 's Bruttosozialprodukts, das das zweieinhalbfache unseres eigenen beträgt, in die Rüstung
steckt, dann geschieht dies nicht darum, weil sie vor eirier Bedrohung von
außen steht, sondern weil sie diese Art von Streitkräften braucht, um ihre
eigene Bevölkerung unter Kontrolle zu halten, ihre Nachbarn einzuschüchtern
und imperialistische Abenteuer im weit entfernten Afrika, Mittelamerika und
Südostasien zu unterstützen.
Auch wenn Breschnew nicht für ein Amt kandidiert, so ist er doch ein
Politiker, und sein Appell an den Nationalismus und Militarismus muß in diesem Sinne interpretiert werden. Aber wie können wir völlig unbegründete
Beschuldigungen ernstnehmen, die eindeutig nichts anderes sind als ein Vorwand für die weitere Intensivierung der bereits gewaltigen Aufrüstungsanstrengungen der Sowjetunion?
Die Vereinigten Staaten können sich hier sehen lassen. Sie haben ihre
nukleare Macht nicht benutzt, als sie sich eines nuklearen Monopols erfreuten. Sie haben immer wieder echte Vorschläge für Rüstungsbegrenzungen und
Verringerungen angeboten. Sie haben sich genau an die Bestimmungen von Verträgen und Obereinkommen gehalten. Sie haben - ohne Gegenleistung von Moskau - jahrelang ihren Militärhaushalt gesenkt. Das entscheidende Ziel unserer gegenwärtigen militärischen Anstrengung ist die Gewährleistung einer
glaubwürdigen Abschreckung angesichts des überall sichtbaren militärischen
w

Vordringens der Sowjetunion während der Jahre amerikanischer Zurückhaltung.
Wir brauchen uns wegen unserer Rolle im Dienste des Friedens nicht zu
entschuldigen, die wir weiterhin spielen.
+ + + + +

�Wi//en/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

3. November 1982

43

ERNÄHRUNG UND KREBS
Ein Faktor von vielen, der die Gesundheit beeinflußt

- (AD) - Obgleich wenig darüber bekannt ist, wie und weshalb bestimmte
Organe bzw. Gewebe des menschlichen Körpers von Krebs befallen werden, ist
die Wissenschaft heute "überzeugt, daß durch Veränderungen von Ernährung
und Umweltbedingungen zumindest das Auftreten einiger spezifischer Krebserkrankungen verringert würde. Faktoren, die möglicherweise Krebs erzeugen
(Cancerogene), kann der einzelne täglich ausgesetzt sein. Zu diesen gehören
z.B. bestimmte chemische Verbindungen in Insektiziden, Reinigungsmitteln
und in Substanzen, die die Haltbarkeit der Lebensmittel verlängern. Speisen,
Getränke, bestimmte Genußmittel wie Zigaretten sowie die Art der Ernährung
können ebenso eine Rolle spielen wie der Arbeitsplatz - etwa im Bergbau,
in einer Textilfabrik oder in einem photographischen Betrieb.
Auf dem im September 1982 in Seattle (US-Bundesstaat Washington) abgehaltenen 13. Internationalen Krebskongreß wurde unter vielen anderen Fragen
im Zusammenhang mit Krebs auch das Problem der richtigen Ernährung behandelt,

zu dem zahlreiche neue Studien vorliegen. "Schon binnen kurzem wäre

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
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Telex: 8-85432

�kurzem wäre es in Amerika möglich, die Gesamtzahl der Krebserkrankungen um
ein Drittel zu verringern, wenn die Ernährungsgewohnheiten geändert würden",
meinte der international bekannte Krebsforscher Dennis Burkitt. Für ein
weiteres Drittel sei Zigarettenrauchen verantwortlich - deshalb sei die
Einschränkung des Zigarettenkonsums dringendes Gebot.

In der Statistik

sind nicht die Erkrankungen, sondern nur die Todesfälle durch Krebs erfaßt.
Die Anzahl betrug 1979 fast 404 000 - d.h. 183,5 auf 100 000 Einwohner.
Genaue Angaben für die letzten Jahre liegen noch nicht vor.
Burkitt befaßt sich derzeit mit der Frage, inwieweit sich eine an Ballaststoffen reiche Nahrung günstig auswirken könne. Er halte zwar nicht
viel davon, daß die Ernährungsweise bei bereits manifest gewordenem Krebs
noch hilfreich sein könne, erklärte er. Jedoch sei erwiesenermaßen die
Häufigkeit von Krebs im Verdauungstrakt bei Bevölkerungsgruppen mit einer
Ernährung, die viel Faserstoffe und Stärke, dagegen wenig Fette enthält,
ganz allgemein geringer. Fett sei ein krebsauslösender, dazu das Immunsystem
schwächender Faktor, während Ballaststoffe eine Schutzwirkung hätten.
Magen- und Darmkrebs, Brust- und Prostatakrebs sowie Diabetes sind Krankheiten, die häufig mit der "westlichen Zivilisation" in Zusammenhang gebracht werden. Viele Wissenschaftler sind überzeugt, daß eine übermäßig
kalorienreiche Ernährung die Menschen krebsanfälliger macht.
Ernest Wynder, der Präsident der "American Health Foundation" in New
York, verwies darauf, daß die zunehmende Krebshäufigkeit bei Japanern, die
auswandern oder Ernährungsweise und Lebensstil ändern, ein Beispiel für
die potentiell schädlichen Einflüsse der westlichen Zivilisation sei.
Mundhöhlen-, Kehlkopf- und Speiseröhrenkrebs könnten mit Alkoholkonsum,
Brustkrebs mit zu großen Mengen von gesättigten und ungesättigten Fettsäuren aus der Nahrung und Darmkrebs mit dem Säurespiegel im Kot in Zusammenhang gebracht werden (ballaststoffreiche Kost neutralisiert diese Säuren).
Gleichzeitig kritisierte

- 2 -

�Gleichzeitig kritisierte Wynder aber die große Zahl von Untersuchungen,
die Krebs zu ganz bestimmten Nahrungsmitteln in Beziehung setzen. "Wir dürfen nur solche Stoffe nennen, deren krebsverursachende Wirkunq beim Menschen nachgewiesen ist", meinte er. Beispielsweise stünden Saccharin, Haarfärbemittel und Kaffee, denen cancerogene Wirkungen zugeschreiben worden
waren, in einer sehr schwachen oder überhaupt keiner direkten Beziehung zu
Krebs.
Andererseits gibt es ganz eindeutige Hinweise auf krebserreqende Nahrungs- und Genußmittel, wie eine umfassende Studie aus Japa» zeigt: die
Gefahr, an Speiseröhrenkrebs zu erkranken, nimmt mit höherem Konsum von
Reiswein und Zigaretten zu. Diese Krebsart ist in einigen Gebieten Japans
auffallend häufig. Auch ein haferschleimähnliches Gericht aus Reis mit Tee
im Raun. Wakayama und der Genuß von speziell zubereitetem Schweinefleisch
im Gebiet von Nagoya

erhöhe laut Prof. Kunio Aoki von der Univertität

Nagoya das Risiko, Speiseröhrenkrebs zu bekommen.
- Kochmethoden Die Methoden der Speisenzubereitung scheinen eine wichtige Rolle zu
spielen, wie Wissenschaftler der Universität Kalifornien in Berkeley, insbesondere die Professoren Bruce Arnes und Leonard Bjeldanes, berichten.
Die Wirkungen gekochter Speisen auf die chemischen Vorgänge im Organismus
seien zwar überaus komplex und schwer zu erfassen. Jedoch gebe eine Reihe
von Studien deut'iche Hinweise, daß z.B. hohe Temperaturen und lange Kochzeiten bei Nahrungsmitteln wie Rindfleisch und Eiern Substanzen hervorbringen, die bei bakteriellen Testzeller. zu ausgedehnten Mutationen (Veränderungen der Erbsubstanz) führen. In oft wiederkehrender und entsprechend
hoher Dosierung könnten solche Substanzen ein Faktor sein, der zur Erkrankung an Krebs führt oder genetische Krankheiten auslöst.
Braten im Herd und auf dem Rost sowie grillen entwickeln die stärkste
Aktivität, gefolgt von backen und rösten. Andererseits entwickeln sich

- 3 -

�entwickeln sich nur sehr wenig Mutagene bei Zubereitungsverfahren, die
dem Nahrungsmittel die eigenen Säfte erhalten - z.B. nur leicht garen,
dämpfen, sieden oder kochen im Mikrowellenherd. Gewisse Nahrungsmittel,
etwa Gemüse wie Broccoli oder Rosenkohl, scheinen den Organismus sogar
mit Substanzen zu versorgen, die mutagene Stoffe abzuwehren vermögen.
Zu der oft geäußerten Vermutung, daß Vitamin A (von Vitamin C einmal abgesehen) die Krebsgefahr deutlich verringern könne - eine Reihe
von Forschergruppen präsentierten vorläufige Ergebnisse von Studien mit
bestimmter obst- und gemüsereicher Kost - gibt es noch keine gesicherten
Erkenntnisse. Allerdings scheint das Pro-Vitamin Beta-Karotin, die wichtigste Verbindung zur Bildung von Vitamin A, eine Rolle zu spielen, um den
Körper gegen Krebs (Mutation von Körperzellen mit Bildung bösartiger Tumoren) zu schützen. Nach den bisherigen Beobachtungen von Bruce Arnes,
der vor einigen Jahren den Bakterientest zur Mutagenitätsprüfung ("ArnesTest") entwickelt hat, könnten neben Beta-Karotin auch die Vitamine "E"
und "C" eine gewisse Schutzwirkung für die Körperzellen haben. Entsprechende Langzeituntersuchungen am Menschen durchzuführen sei jedoch kaum
möglich, weil kontrollierte Bedingungen für das Experiment nicht eingehalten werden könnten. Der Einfluß nicht ausschaltbarer anderer Faktoren wie
etwa der von Viren, von anderen krebserzeugende' Substanzen oder von Faktoren, an die der Forscher gar nicht denkt oder die er nicht kennt, verfälsche das Ergebnis.
In seinen jüngsten Studien befaßte sich Arnes mit dem Fettstoffwechsel
im Körper. Es zeigte sich, daß die Aufspaltung (Oxydation) der Fette zur
Bildung endogener (körpereigener) Substanzen führt, die mutagene und cancerogene Wirkungen haben. Wenn Fett im Körper "ranzig wird", also aufgespalten wird, werden Kombinationen von SauerstoffVerbindungen freigesetzt,
die gefährlich sein können. Arnes entwickelte, wie er berichtet, einen
neuen Stamm von Testbakterien, die auf solche Sauerstoffmoleküle reagieren,
welche im menschlichen Urin festgestellt werden. Im menschlichen Organismus
gibt es laut Arnes Substanzen, die vor diesen Sauerstoffmolekülen schützen

- 4 -

�Sauerstoffmolekülen schützen und sie ausschleusen.
Gegenwärtig untersucht Bruce Arnes mögliche Zusammenhänge zwischen Krebs
und Altern auf der Basis der Zelle, um natürliche, krebserregend: sowie körpereigene Faktoren ausfindig zu machen, die gegen Krebs schützen. Dies sei
ein weiterer Weg» das Entstehen von Krebs und seine Ausbreitung im Körper
eher zu erfassen und zu verstehen.
In der Diskussion wurde immer wieder hervorgehoben, daß eine mit Überlegung zusammengestellte, wohlausgewogene Kost am wichtigsten sei. Dazu gehöre die Aufnahme von Vitaminen aus Lebensmitteln - z.B. aus grünem und
gelbem Gemüse als Quelle für Beta-Karotin -, weil viele Wissenschaftler
der Ansicht sind, daß auch andere Nährstoffe in winziger Dosi? aus natürlichen Nahrungsmitteln zusammen mit Beta-Karotin eine Schutzwirkung haben.
Umweltgifte in Luft, Wasser, Nahrung und am Arbeitsplatz spielen mit
Sicherheit eine große Rolle im Zusammenhang mit Erkrankungen an Krebs.
Die wenigsten der zahllosen neuen chemischen Stoffe, insbesondere Syntheseprodukte aus der organischen Chemie, wurden auf chronische Effekte, aber
auch nicht auf ökologische Auswirkungen getestet. Was die "petrochemische
Ära" seit den dreißiger Jahren hervorgebracht hat, versuchte kürzlich Prof.
Samuel Epstein von der Universität Illinois zu veranschaulichen: im Jahr
1940 produzierte die amerikanische Industrie 450 000 Tonnen synthetischer
organischer Stoffe. Bis zum Jahr 1975 war die Jahresproduktion um das
Drei hundertfache größer und belief sich bereits auf 135 Millionen Tonnen.
Von Mnkraut- und SchädlingsVertilgungsmitteln bis hin zu pharmazeutischen
Produkten und Materialien für unzählige andere Verwendungszwecke kommt ihnen
eine wichtige und vorteil bringende Rolle zu - aber manche Synthesestoffe
und Produkte bergen für den Konsumenten, den Arbeiter und die Umwelt Gefahren, die erkannt werden müssen und denen wir nachzugehen haben. Prof,
Takashi Sugimura vom Krebsforschungsinstitut Tokio erwähnte auch Gefahren
aus der Natur, beispielsweise durch Toxine in Pflanzen und deren-Umwandlungsprodukte bei der Speisenzubereitung sowie im Stoffwechsel. Aber -- die

- 5 -

�Aber - die vom Menschen mit der Technik, insbesondere der chemischen Industrie in die Welt gebrachten Gefahren seien zweifellos ein Belastungsfaktor für die menschliche Gesundheit, der mehr als bisher Beachtung finden müsse.
+ + + + +

�43

3. November 1982

WACHTUMSFAKTOR FÜR KNOCHENZELLEN
Protein-Wirkstoff aus menschlichem Knochengewebe isoliert
Von G. Weiss

- (AD) - Ursache der meisten Erkrankungen des Skelettsystems ist nach
ärztlichen Beobachtungen eine anomale Entwicklung der Knochenzellen. Im
ständigen Umbau der Knochensubstanz wachsen die im einen Fall zu schnell,
im anderen zu langsam. Seit langem wird nach einem "Faktor" gesucht, der
möglicherweise das Wachstum der Knochenzellen stimuliert und deren Neubildung und Aufbau im Gleichgewicht mit der Zerstörung durch die sogenannten
Osteoklasten hält.
Dr. John R. Farley und Dr. David J. Baylink von der Universität Loma
Linda in Kalifornien glauben, einen Wirkstoff gefunden zu haben, der beim
Menschen eine Schlüsselfunktion in diesem Prozeß haben könnte. Es handelt
sich um ein Protein mit dem Molekulargewicht 83 000. Die Wissenschaftler
isolierten es aus menschlichem Knochengewebe, das bei Operationen, insbesondere

bei Ersatz des Hüftkopfes durch eine Endoprothese, reseziert wor-

den war. In der amerikanischen Zeitschrift "Biochemistry" (Ausgabe vom

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�(Ausgabe vom 16. Juli 1982) berichteten sie über Versuche an tierischen
und menschlichen Knochenzellkulturen mit diesem Protein, das sie "hSGF"
("human skeletal growth factor" - Wachtumsfaktor im menschlichen Skelett)
nennen.
Farley und Baylink konnten auf mehrjährigen Studien aufbauen, die teils
von ihnen selbst, teils von Kollegen in anderen Instituten und Kliniken
an tierischen Knochen und Knochenzellen durchgeführt worden waren. Dabei
ergab sich, daß SGF schon in geringer Konzentration das Wachstum von embryonalen Hühnerknochen um fast das Dreifache gegenüber nicht behandelten Kulturen, bei menschlichen Knochenzell-Kulturen sogar um mehr als das Zehnfache
steigert. Aber erst mit den jüngsten Arbeiten und Experimenten wurde zum
ersten Mal eindeutig das Vorhandensein des Wirkstoffes im menschlichen Organismus nachgewiesen. Er scheint an die Knochenzellen gekoppelt zu sein.
Denn andere Zelltypen, beispielsweise Hautzellen, zeigten keinerlei Reaktionen.
Nach Ansicht von Farley und Baylink wird das SGF-Protein aus zerstörten
Knochenzellen freigesetzt, deren Bestandteile der Körper wieder resorbiert.
So fördert es das Wachstum der sog. Osteoblasten (an Zytoplasma reiche Knochenneubildungszellen), aus denen sich neue Osteozyten (Knochenzellen) entwickeln. Im gesunden Erwachsenen bleibt die Knochenmasse ungeachtet der
ständigen Ab- und Aufbauprozesse weitgehend konstant. Sie verringert sich
jedoch z.B. bei Knochenschwund (Osteoporose), einer im Alter häufig auftretenden Knochenerkrankung. Bei Patienten mit Paget'Krankheit dagegen nimmt
sie vor allem an den langen Röhrenknochen, am Schädelknochen und an den
Rückenwirbeln bei gleichzeitiger Knochendeformation oft erheblich zu.
Interessanterweise konnten die Wissenschaftler bei Paget'-Patienten
einen z.T. erheblich höheren hSGF-Spiegel im Blut nachweisen, als er bei
gesunden Erwachsenen üblich ist. Das sei, so Baylink, zu erwarten gewesen, weil in diesen Fällen der Knochenabbau sehr viel intensiver als beim
Gesunden vor sich gehe. Dadurch würden erhöhte Mengen des SGF-Proteins

- 2 -

�des SFG-Proteins freigesetzt, was die Knochenneubildung verstärkt stimuliere.
Im Gegensatz dazu müßte der SGF-Spiegel bei Patienten mit Osteoporose niedriger als normal sein. Seine Bestimmung könnte schließlich dem Arzt helfen,
Osteoporose schon im Frühstadium und nicht erst bei Auftreten typischer
Schmerzsymptome, nach einem spontanen Knochenbruch oder an Hand von Röntgenaufnahmen zu erkennen, was meist erst dann geschieht, wenn die Krankheit
schon weit fortgeschritten ist. Könnte aber die Behandlung schon im Frühstadium einsetzen, wäre mit weitaus besseren Ergebnissen zu rechnen, die
außerdem in kürzerer Zeit erzielt würden.
Eine ganze Reihe von Knochenerkrankungen dürfte physiologisch gesehen,
die Folge unvollständiger Aufbauprozesse, unzureichender Speicherung des
Wirkstoffes oder nicht voll funktionsfähiger Rezeptoren für

ihn sein.

Alles in allem seien jedoch, wie Baylink erklärte, noch weitere Studien
erforderlich,'um Wirkungen und Funktionen des hSGF-Proteins im Detail zu
erforschen. Noch werden die Schlußfolgerungen, die Farley und Baylink
aus ihren bisherigen Versuchsergebnissen zogen, von manchen Kollegen skeptisch beurteilt. "Hinsichtlich der Funktion des SGF-Proteins haben auch
wir Vorbehalte", räumt Baylink ein. "Zum allermindesten kommt ihm aber
eine gewisse Funktion bei der Heilung eines Knochenbruchs zu."

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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