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                  <text>27. Oktober 1982

MITTELAMERIKA: DER WEG ZUM FRIEDEN
- Von Thomas 0. Enders

Rede des Unterstaatssekretärs für
Interameri kanisehe Angelegenheiten
vor dem Commonwealth Club, San Franzisko,
am 20. August 1982

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�SAN FRANZISKO (AD) - Mit jeder neuen Krise zeigen sich die Hindernisse,
die einem Frieden in Mittelamerika entgegenstehen, mit verschärfter Deutlichkeit. In Mittelamerika gibt es - sowohl zwischen den einzelnen Staaten als
auch innerhalb dieser Staaten - tiefe politische Gräben. Gewaltige wirtschaftliche Schwierigkeiten erschüttern zusammen mit der weltweiten Rezession die
Volkswirtschaften, die schon durch die hohen ölpreise und durch interne Ineffizienz geschäwcht sind. Und zu Bruchstellen führen auch die sozialen Spannungen, wobei das Bevölkerungswachstum die öffentlichen Einrichtungen aufs
Höchste belastet und die Erwartungen der Öffentlichkeit weit über das hinausschießen, was aufgrund der historischen Gegebenheiten möglich ist.
Aber die gewaltsamen Verstrickungen, die schon so viele Menschenleben
gefordert haben, verweisen direkt auf zwei extreme Methoden zur Lösung dieser
Probleme.

Die eine ist die der gewaltsamen Rechten, nämlich die sozioökono-

mischem Probleme zu ignorieren und - sollte dies unmöglich sein - diejenigen
niederzuschießen, die die Botschaft der Verzweiflung überbringen.

Die andere

ist die der gewaltsamen Linken, nämlich die Ungerechtigkeiten übergroß darzustellen und Konfrontationen zu provozieren, damit ihr Vorgehen, sich den Weg
an die Macht frei zuschießen, den Anstrich des Vernünftigen erhält.
Die Hartnäckigkeit, mit der die extremistischen Minderheiten versuchen,
die Probleme der Region unter Einsatz von Gewalt zu lösen, beherrscht das Bild,
das die Welt draußen von Mittelamerika hat. Aber die Wirklichkeit Mittelamerikas in den vergangenen drei Jahren ist vielmehr die, daß erst die Rechte
und jetzt auch die Linke ständig an Boden bei jenen verlieren, die der Überzeugung sind, daß Demokratie und Herrschaft des Rechts - und nicht Gewalt - der
einzig mögliche Weg zum Fortschritt sind.
Ein Überblick

�Ein Überblick
Ich möchte in aller Kürze diesen Weg aufzeigen.

Er bietet eine Mög-

lichkeit für echte Chancen, die sich jetzt abzeichnen, um ein Ende der Gewalt
zu erreichen und Frieden zu schaffen.

Wir waren es gewohnt, Mittelamerika als

eine Häufung von verachtenswerten Diktaturen anzusehen.

Und nimmt man Costa

Ricas stabile Demokratie aus und akzeptiert das etwas grobe Stereotyp, dann
stimmte das ja auch.

Das bedeutet nicht, daß es kein wirtschaftliches Wachstum

oder sozialen Wandel gegeben hätte.

Ja, oft genug kam es zum Zusammenprall

zwischen kräftigem Wirtschaftswachstum und sozialem Wandel einerseits und starren, unbeweglichen und manchmal repressiven politischen Institutionen andererseits.
Die alte Ordnung zerbrach mit der Flucht Somozas im Juli 1979.
Jahre lang hatten die Somozas Nicaragua beherrscht.

über 40

Aber Schritt für Schritt

verlor das Regime an Unterstützung - durch die Kirche, die Presse, die Geschäftswelt, die freien Berufe.

Und viele der Söhne und Töchter dieser Schichten gin-

gen in die Berge oder auf die Straße, so daß das Regime zuletzt Krieg gegen
sein eigenes Volk führte.
Nur ein paar Monate später wurde das repressive Regime des General Romero
in El Salvador, das das Land seit den dreißiger Jahren beherrscht hatte und
letztes Glied in einer Reihe von Militärregierungen war, von einer Gruppe junger
Offiziere gestürzt, die sich zur Schaffung demokratischer Institutionen und
zur Reform des furchtbar ungerechten Systems des Landbesitzes verpflichtet
hatten.
Es ist eine der bedauerlichen Regeln der Geschichte, daß Extremismus
neuen Extremismus ausbrütet.

Statt in der Schwächung der traditionellen Dik-

taturen eine Möglichkeit zur Errichtung einer Demokratie zu sehen, steigerten
der Fall Somozas und die Probleme anderer etablierter Regierungen nur den
Appetit der Radikalen - mit Motivationen, die von der Utopie bis zum Zynismus
reichten.

In Nicaragua begann eine entschlossene Gruppe marxistisch-leni-

nistischer Ideologen,

mit kubanischer Hilfe ihr Machtmonopol zu konsolidie- 2 -

�zu konsolidieren und das größte militärische Machtinstrument in der Geschichte
Mittelamerikas aufzubauen.
In der Überzeugung, daß ihre eigene Macht nur durch die Installierung
ähnlicher Regierungen in Mittelamerika gesichert würde, verbanden sich Nicaraguas neue caudillos mit Kuba, um die gewaltsame Linke in El Salvador auszubilden und mit Material zu versorgen, unternahm diese doch den Versuch, die
Macht durch Ausnutzung jener Wirren zu ergreifen, die durch den Zusammenbruch
der traditionellen Ordnung und die Reformanstrengungen der neuen Regierung freigesetzt worden waren.
Die gewaltsame Linke Mittelamerikas stürmte die Bühne mit dem Anspruch,
die Geschichte selbst sei auf ihrer Seite.
tische Vorteile.

Diese Behauptung hatte zwei prak-

Der eine war psychologischer Natur.

Die Kombination von

Uninformiertheit und Abscheu, mit der die Welt draußen Mittelamerika betrachtete, ermöglichte es den hauptsächlich in den Künsten des Terrors ausgebildeten Männern und Frauen, sich selbst als Befreier darzustellen.
militärischer Natur.

Der andere war

Die Streitkräfte der Regierung waren sicherlich autori-

tär, aber sie waren zugleich auch schwach, an die Kasernen gebunden und auf
internationaler Ebene isoliert.

Von 1979 an wurden die Armeen Nicaraguas,

El Salvadors und Guatemalas von der amerikanischen Ausbildung und von amerikanischen Lieferungen abgeschnitten.
Rica über keine Armee.

Damals, genau wie heute, verfügte Costa

Im Gegensatz hierzu konnten sich die Guerillastreit-

kräfte auf örtliche Entfremdung, starke Unterstützung durch Kuba - bei Ausbildung, Waffen und Propaganda - sowie auf die Hilfe von Terroristen aus Südamerika und sogar aus dem Nahen Osten verlassen.
Die Ironie des Schicksals wollte es, daß diese Vorteile sich ins Gegenteil verkehrten.

Zu sehr davon überzeugt, daß ihre Sache bei der Öffentlichkeit

Anklang fände, und zu großes Vertrauen auf Waffenlieferungen von außen brachte
die Guerilla von El Salvador dazu, bei ihrer Strategie den militärischen Weg
einzuschlagen.

Im Frühjahr 1981 startete sie eine "Schlußoffensive", die

kläglich scheiterte.

Im März 1982 versuchte sie, Wahlen zu verhindern und pro-

vozierte stattdessen eine massive Wahlbeteiligung, durch die all das zurückge- 3 -

�das zurückgewiesen wurde, wofür die Guerilla stand.

Und wenn auch noch

immer ein großer Prozentsatz ihrer Mitglieder weiterkämpft, so hat sie sich
doch als eine destruktive Minderheit enthüllt, die von der salvadorianischen
Gesellschaft abgelehnt wird.
Ähnliche Fehleinschätzungen haben auch die Herrschaft der Sandinisten
in Nicaragua moralisch in Mißkredit gebracht.

Mit der Zeit stießen die San-

dinisten all diejenigen zur Seite, deren Opfer dazu beigetragen hatten,
Somoza zu Fall zu bringen - die freie Presse, die Kirche, die politischen
Parteien, die Gewerkschaften und den Privatsektor.

Rund 2000 Militär- und

Sicherheitsberater aus Kuba und aus dem Ostblock sind zur Führung des Regimes
gestoßen.

Die Enttäuschung macht sich inzwischen auch unter den Helden der

Sandinista - wie etwa bei Eden Pastora, dem "Commandante Cero" - breit, kommt
es doch nun sogar zu offener Unterdrückung der religiösen Führung und der
ethnischen Minderheiten - ausgerechnet jener Gruppen, deren Schutz das Wesen
des Pluralismus ausmacht.
holen.

Die Geschichte

fängt an, sich selbst zu wieder-

Wahlen wurden verschoben, immer häufiger kommt es zu Demonstrationen,

und einige Gruppen greifen sogar schon zu den Waffen.

Das neue Regime

Nicaraguas verwandelt sich in eine neue Diktatur, wiederum gestützt auf eine
privilegierte und bewaffnete Kaste.

Wie schon das Regime Somozas fängt auch

die jetzige Regierung Nicaraguas an, einen Krieg gegen ihr eigenes Volk zu beginnen.

Alternativen zur Gewalt
Dort, wo die gewalttätige Linke über den Isthmus hinwegstürmt, zieht
auch ihr

traditioneller Rivale, die gewalttätige Rechte, ihren Vorteil daraus.

Als vor fast drei Jahren die Militärregierung von El Salvador gestürzt wurde,
kam es zu Herausforderungen der neuen reformerischen Junta nicht nur durch
die Guerilla der extremen Linken, sondern auch durch die extreme Rechte mit
ihren Todesschwadronen und einigen Elementen der Sicherheitskräfte.
gebnis war eine Explosion der Gewalt.

Das Er-

Vor 18 Monaten verloren zwischen 600

und 2000 Zivilisten pro Monat ihr Leben - je nachdem, welche Zahlen welcher
- 4 -

�Zahlen welcher Seite man für richtig hält.

Das Land lag in der Agonie poli-

tischer Gewalt.
Diese Krankheit ist noch immer nicht geheilt.
Ansteckungsgefahr in den Griff bekommen.

Aber man hat ihre tödliche

In den vergangenen Monaten beliefen

sich die Todesfälle in der Zivilbevölkerung auf etwa 300 bis 500 im Monat wiederum hängen diese Zahlen davon ab, wem man Glauben schenken soll - und
scheinen ständig weiter zurückzugehen.

Sicherlich, noch immer ist dies ein

furchtbarer Blutzoll in einem Land, das nur fünf Millionen Einwohner hat, aber
300 bis 1500 Tote im Monat weniger sind ein Schritt in die richtige Richtung,
das ist nicht zu bestreiten.
Warum geht die politisch motivierte Gewalt in El Salvador zurück? Teilweise ist dies wohl auf die Tatsache zurückzuführen, daß die neue Reformregierung sich konsolidiert, allmählich die Gewalttätigkeit der Guerilla eingedämmt und ihre Autorität über die Sicherheitskräfte erhöht hat, wobei schrittweise ein Klima geschaffen wurde, in dem die Gewalt immer weniger nützt, auch
wenn sie noch nicht in ausreichendem Maß abgeschreckt, kontrolliert und bestraft wird.
Aber vielleicht kommt noch etwas viel Wichtigeres hinzu.

Die sich lang-

sam entwickelnden demokratischen Institutionen bieten - als Mittel des politischen Ausdrucksvermögens - eine Alternative zur Gewalt.

In den Märzwahlen

stellten sich sechs Parteien, von der extremen Rechten bis Mitte links, in
einem Wahlkampf, der zwar nicht gänzlich gewaltfrei war, aber doch auch nicht
entscheidend von Gewaltanwendung geprägt war.

Die neue Demokratie in El

Salvador tut, was ihr zu tun aufgegeben wurde - ein funktionierendes politisches System zu schaffen, in dem sich ein breites Spektrum von Kräften und
Fraktionen betätigen kann.
Gleichzeitig bot eine breitangelegte Bodenreform zum erstenmal den
campesinos eine echte Beteiligung am gesellschaftlichen Leben an.

Rund 20

Prozent des nutzbaren Bodens ging von etwa 2000 bisherigen Besitzern, viele
von ihnen lebten nicht einmal auf ihrem Eigentum, auf 60 000 arme Landarbeiter
- 5 -

�arme Landarbeiter und deren Familien über.
Die vielleicht einschneidendste Maßnahme in Richtung auf einen Fortschritt ist die Umwandlung des Militärs: Aus einer Institution, die dem
Status quo verschrieben war, wird eine, die an der Spitze der Bodenreform
steht und die konstitutionelle Demokratie unterstützt.
Dieser Wandel hin zur Demokratie beschränkt sich nicht auf El Salvador.
Im November 1981 brachte eine gewaltige Wahlbeteiligung in Honduras nach vielen
Jahren der Militärherrschaft eine neue demokratische Regierung an die Macht.
Im Februar dieses Jahres bestätigte ein ähnlicher Wahlausgang die Demokratie
in Costa Rica und brachte die sozialdemokratische Opposition an die Regierung.
Es war kein Zufall, daß - genau wie in El Salvador - praktisch weder im demokratischen Costa Rica noch in Honduras die extreme Linke bei den Wahlen Unterstützung in der Öffentlichkeit fand.
Inzwischen verdrängte in Guatemala ein Staatsstreich eine repressive
Regierung, die von der organisierten Guerilla mit immer bedenkenloserer Gewalt bekämpft wurde. Und obgleich die neue Regierung noch immer eine Militärregierung ist, so gingen die Mißbräuche staatlicher Stellen doch stark zurück,
sind Wahlen zu einer verfassungsgebenden Versammlung im Gespräch und wurden
die alten Feindseligkeiten und das bisherige Mißtrauen gegen die Landbevölkerung
von Anstrengungen abgelöst, ihnen die Mittel bereitzustellen, ihre Gemeinschaften
zu entwickeln und zu verteidigen.
Mit einem Wort, es gibt jetzt Alternativen zu den gewalttätigen Extremen,
wie sie Mittelamerika in der Vergangenheit kannte.

Die Rolle der Vereinigten Staaten
Die Vereinigten Staaten haben bei der Förderung solcher Alternativen eine
überaus wichtige Rolle gespielt.

Etwas verspätet vielleicht und zunächst un-

gleichmäßig, aber mit einer Beständigkeit, die angesichts der Tatsache umso
- 6 -

�Tatsache umso eindrucksvoller ist, daß wir unter zwei doch recht verschiedenen
amerikanischen Administrationen unseren grundlegenden Kurs beibehalten haben,
legten wir unser ganzes Gewicht in die Waagschale für das Wohlergehen und die
Sicherheit unserer Nachbarn.
Unsere Anstrengungen konzentrierten sich dabei zum größten Teil auf den
wirtschaftlichen und politischen Bereich.

Nicht weniger als 85 Prozent aller

vom Kongreß gebilligten oder von ihm geforderten Hilfsmittel für die Haushaltsjahre 1981 bis 1983 sind wirtschaftlicher Natur.

Um die Länder Mittelamerikas

in die Lage zu versetzen, in Zukunft auf eigenen Beinen zu stehen, schlug der
Präsident ein innovatives Programm der Zollkonzessionen und der Steueranreize
vor - die Initiative für das Karibische Becken -, die derzeit dem Kongreß zur
Begutachtung vorliegt.

Ihre Verabschiedung würde für Vertrauen und Frieden in

dieser Region einen entscheidenden Impuls bedeuten.
Von gleicher Wichtigkeit ist unser politisches Engagement. Die Agrarreform war eine Idee El Salvadors, aber sie hätte 1980 nie einen erfolgreichen
Beginn erlebt, wenn wir sie nicht unterstützt hätten. Und sie hätte sehr wohl
dieses Frühjahr sterben können, wenn wir nicht unsere Unterstützung fortgesetzt hätten. Die Wahlen in Honduras und in El Salvador entwickelten sich
gleichfalls aus lokalen Bestrebungen - aber auch sie hätten leicht in die falsche Richtung gehen können, hätten wir uns nicht so sehr dafür eingesetzt.
Und schließlich sind die Menschenrechte kein Import aus den Vereinigten Staaten:
Es ist die überwältigende Mehrheit der Mittelamerikaner selbst, die sich nach
einem Ende der Rechtlosigkeit sehnt. Aber wir sind der Überzeugung, daß unser
ständiger Einsatz eine Hilfe dabei war, daß es dort Fortschritte bei der Eindämmung der Mißbräuche im Bereich der Menschenrechte gab.
Gleichzeitig haben wir aber auch die legitimen Ansprüche im Bereich der
Sicherheitshilfe nicht übersehen.

Angesichts der Guerillaoffensive in El

Salvador und in der Erkenntnis, daß ein kommunistisches Netz Waffen und Munition zur Unterstützung dieser Offensive ins Land brachte, bewilligte Präsident
Carter Militärverkäufe an El Salvador.
weiterhin Militärhilfe.

Präsident Reagan gewährt ebenfalls

Dabei handelt es sich hier ebenfalls um weit geringere
- 7 -

�weit geringere Mittel als etwa bei der Wirtschaftshilfe und in anderen Bereichen.
Wir haben weder den Wunsch noch die Absicht, den Konflikt zu verlängern
oder auszuweiten - im Gegenteil.

Aber wir können und werden nicht untätig

beiseitestehen und - weder in El Salvador noch andernorts - zusehen, wie international anerkannte Regierungen bei ihren Reformen, die wir unterstützen, unausgebildete Rekruten mit unzureichender Ausrüstung in den Kampf gegen eine
Guerilla schicken müssen, die in Kuba ausgebildet und von außen versorgt und
koordiniert wird.
Aus dem gleichen Grund leisten wir begrenzte Militärhilfe auch an Honduras,
das zu einem neuen Ziel des Terrors und der bewaffneten Einschüchterung durch
Kuba und Nicaragua geworden ist.

Sogar Costa Rica, ein Land ohne jede Armee,

ist an uns herangetreten, um über Sicherheitshilfe zu sprechen.

Auch das Volk

dort fürchtet die Bedrohung durch ein aggressives Nicaragua, dessen militärische
Macht rasch zunimmt und das dazu entschlossen ist, die gewalttätige Revolution
zu exportieren.

Was zu tun bleibt
Wenngleich schon viel erreicht wurde, so bleibt doch noch viel zu tun.

In

El Salvador muß die demokratische Umwandlung zu einem erfolreichen Ende kommen,
Präsidialwahlen müssen abgehalten, das Rechtssystem muß wieder erneuert, die
Bodenreform verteidigt werden, Gewalt und Zerstörung müssen ein Ende haben und
die noch immer gefährliche Guerilla gilt es davon zu überzeugen, daß sie nicht
mit Waffengewalt an die Macht kommen kann, sondern daß sie um diese Macht an
den Wahlurnen ringen muß.
In Guatemala muß mit der demokratischen Umwandlung begonnen werden, müssen die Übergriffe gegen Indianer und andere Landbewohner aufhören und müssen
die campesinos in die Lage versetzt werden, sich in Frieden zu entfalten.
In Honduras

�In Honduras und Costa Rica, in El Salvador und Guatemala müssen schwache,
bankrotte oder fast bankrotte Volkswirtschaften wieder in Schwung gebracht
werden; man muß ihnen dabei helfen, wieder für neue Investitionen und Handel
attraktiv zu werden.
In Nicaragua gilt es, einen Weg zu finden zurück von einer immer größeren
Macht- und Militärkonzentration - und weg von der immer stärkeren Unterdrückung
der eigenen Bürger und der immer höheren Gefahr für die Nachbarländer.
Von all diesen Problemen ist Nicaragua das quälendste.

Es war die neue

Regierung der Sandinisten, die den Konflikt in Mittelamerika dadurch ausweitete,
daß sie die Gewalt in El Salvador unterstützte.

Daniel Ortega, einer der Füh-

rer der Sandinista, hat einmal zu mir gesagt, daß die FMLN (die Farabundo
Marti National Liberation Front), die Guerilla-Koalition in El Salvador,
"nuestro escudo",

Nicaraguas Schild

sei.

Und so hat die Unterstützung für

die Sandinisten bisher auch nicht nachgelassen.

Das Hauptquartier der FMLN

befindet sich in Nicaragua; sie erhält logistische Unterstützung von Nicaragua,
vor allem durch Lieferungen per Flugzeug und per Schiff, aber auch auf dem Landweg.

Und auch ihre Ausbildungslager befinden sich in Nicaragua.
Und jetzt überzieht Nicaragua auch Costa Rica und Honduras mit Gewalt.

Während immer mehr Bürger Nicaraguas mit ihren Füßen abstimmen - 13 000
Miskito- und Sumo-Indianer und Tausende von ehemaligen Sandinisten sind jenen
in den Schutz der Nachbarländer gefolgt, die ebenfalls gegen die Sandinisten
stehen -, fängt Managua an, seine Nachbarn zu bedrohen und Druck auf sie auszuüben.

Im Stadtzentrum von San Jose organisierten Angehörige des nicaragua-

nischen Geheimdienstes, die von der Botschaft ihres Landes aus tätig sind, den
Terrorismus, einschließlich der Sprengung des Büros einer Luftlinie, während
die Truppen Nicaraguas das Territorium Costa Ricas unsicher machen und Kleinbauern bedrohen, und nicaraguanische Flugzeuge den Luftraum des Landes verletzen.

In Tegucigalpa legte die von den Sandinisten unterstützte salvadoria-

nische FMLN das Elektrizitätssystem der Hauptstadt durch eine Sprengung lahm,
während Nicaragua Honduras offen bedroht, indem es seine Armee und Miliz mobilisiert und Truppen entlang der Grenze zu Honduras verlegt.
Was kann
- 9 -

�Was kann getan werden, um Alternativen zu dieser unverantwortlichen
Ausbreitung der Gewalt zu entwickeln und zu fördern?

Es ist offensichtlich,

daß es keine Alternative zu militärischer Bereitschaft und zur Aufrechterhaltung der Sicherheit gibt, solange gewalttätige Minderheiten von innen - oder
feindliche Nachbarn von außen - sich das Recht zur Anwendung von Gewalt anmaßen.

Die Vereinigten Staaten werden ihren Freunden in dieser Region dabei

helfen, sich selbst gegen diese beiden Bedrohungen zu verteidigen, solange es
notwendig ist.
Aber diese Reaktion allein ist nicht ausreichend.

Wir müssen alle Mög-

lichkeiten zur Aussöhnung und zum Frieden auszuschöpfen suchen.

Seine Heilig-

keit Papst Johannes Paul II. betonte dieses moralische Gebot kürzlich in Briefen an die Bischöfe Nicaraguas und El Salvadors.
er zu Versöhnung und Einigkeit auf.

In beiden Schreiben rief

Der Brief an Nicaragua wurde von den

Sandinisten zensiert, die zunächst offiziell seine Veröffentlichung verhinderten, dann jedoch ihre Meinung änderten. In seinem Brief an El Salvador erklärte der Papst, nachdem er die "neuen institutionellen Perspektiven, die
sich jüngst durch die Wahlen eröffnet haben", erwähnte, daß "eine unabdingbare Voraussetzung für eine Schlichtung die Einstellung aller Feindseligkeiten
und der Verzicht auf den Einsatz von Waffen" ist.
Das ist kein unmöglicher Traum. Möglichkeiten stehen zur Verfügung, um
der Vision des Papstes Substanz zu verleihen. Am deutlichsten zeigen sich die
Möglichkeiten für eine Aussöhnung in El Salvador. Aus den Qualen dieses Landes erstand eine verfassungsgebende Versammlung, eine vorläufige Koalitionsregierung und eine Verpflichtung zu weiterer Demokratisierung. Ein Teil der
Kräfte, die bisher an gewaltsamen Lösungen Gefallen gefunden hatten - vor allem die Kräfte der extremen Rechten -, fängt an, sich an das Gesetz zu halten
und am politischen Prozeß teilzunehmen. Andere - hauptsächlich von der extremen Linken - wiederum müssen noch einen Weg finden, um von ihrer Verpflichtung zur Gewalt loszukommen.
Die neue Regierung in El Salvador hat die Chance erkannt.

Am 3. Au-

gust fanden sich die Führer der politischen Parteien auf Anregung von Präsi- 10 -

�von Präsident Magana zusammen, um einen gemeinsamen Plan zu verabschieden,
der die Uneinigkeit in El Salvador zu einem Ende bringen soll.

Eins der

wichtigsten Elemente dieses Plans ist die Schaffung einer neuen Friedenskommission.

Diese Kommission soll Institutionen, Gruppen und angesehene Persön-

lichkeiten umfassen, die die Voraussetzungen für den Frieden untersuchen und
Lösungen vorschlagen sollen.

Gemeinsam mit ähnlichen neuen Kommissionen für

Menschenrechte und für den politischen Prozeß ist die Friedenskommission ein
weiterer, wichtiger Schritt in Richtung auf eine nationale Aussöhnung.
All dies sind überaus positive Zeichen. Wichtig ist, daß ernsthafte
Anstrengungen unternommen werden. Eine Amnestie muß echte Sicherheit bieten
- mit Beteiligung der Kirche und internationaler Organisationen. Und ein
Dialog muß aus Reden und Zuhören bestehen, wobei den Kritikern Gelegenheit
geboten wird, weiter zu erklären, wie sie sich an den neuen demokratischen
Institutionen beteiligen könnten. Die Vereinigten Staaten hoffen sehr, daß
die neue Regierung in diesem so überaus wichtigen Bereich rasch und einfallsreich vorangeht.

Regionalvorschläge
Den Frieden auf einer regionalen Basis zu schaffen, ist sogar noch schwieriger. Die Ordnung unter den Staaten macht Ordnung innerhalb der Staaten ebenso notwendig wie Vereinbarungen, die deren territoriale Integrität und nationale Identität respektieren. Die Regionalisierung der Spannungen kommt von
den Krisen überall in dieser Gegend.
Auch hier gibt es Grundlagen für Fortschritte. Zwar sind die Probleme
zu vielschichtig, um raschen, einfachen Lösungen zugänglich zu sein. Aber es
gibt eine Vielzahl von Einzelvorschlägen und von Möglichkeiten, um bestimmte
Aspekte des Problems in den Griff zu bekommen.
Honduras hat einen Vorschlag unterbreitet, der Frieden mit Nicaragua
bringen könnte, wobei ein Ende des Eindringens über die Grenze hinweg gefordert
- 11 -

�hinweg gefordert wird, ein Einfrieren der Importe schwerer Waffen sowie eine
umfassende Verifizierung.

Diese Vorschläge wurden von den Partnern Honduras

unterstützt, die der demokratischen Gemeinschaft Mittelamerikas angehören
- Costa Rica und El Salvador.
Auch die Vereinigten Staaten haben Vorschläge vorgelegt.

Seit fast

einem Jahr und besonders intensiv seit April versuchen wir, Nicaragua in einen
Dialog einzubinden.

Wir versuchen, auf die Besorgnisse Nicaraguas zu reagie-

ren und dabei zugleich auch die seiner Nachbarn sowie unsere eigenen im Auge
zu behalten.
Die Sandinisten sagen uns, sie befürchteten eine Invasion durch die Vereinigten Staaten.

Daher haben wir ihnen vorgeschlagen, ein formelles Nicht-

angriffsabkommen zu erarbeiten.

Die Sandinisten sagen zu uns, Anhänger Somozas

würden in den Vereinigten Staaten ausgebildet, um in Nicaragua einzufallen.
Wir haben ihnen versichert, daß wir das Neutralitätsgesetz voll in Anwendung
bringen, das es zu einem Verbrechen macht, von den Vereinigten Staaten aus
einen Angriff gegen ein anderes Land vorzutragen oder zum Zweck eines solchen
Angriffs zu konspirieren.
Die Sandinisten sagen uns, wir würden den Konflikt regionalisieren und
Honduras, El Salvador und Costa Rica als Basen für solcherlei, gegen sie
gerichtete Aktionen vorbereiten. Daher haben wir den Vorschlag gemacht, daß
alle Länder in Mittelamerika übereinkommen sollten, die Anzahl ihrer jeweiligen ausländischen Militär- und Sicherheitsberater zu begrenzen und daß alle
Länder sich dazu verpflichten sollten, keine weiteren schweren Offensivwaffen
zu importieren. Beide Verpflichtungen müßten natürlich einer internationalen
Kontrolle unterliegen.
Nicaragua müßte außerdem für die Besorgnisse Verständnis aufbringen,
die seine Nachbarn und wir haben.

Wir haben darauf gedrängt, daß Nicaragua

sich nicht länger in den Konflikt in El Salvador einmischt.

Die Sandinisten

sagen, sie wüßten nichts von einer solchen Beteiligung, seien jedoch hierzu
bereit.wenn wir ihnen nur die Informationen geben würden, die wir darüber
- 12 -

�wir darüber haben.

Bei unserem jüngsten Meinungsaustausch schlugen wir vor,

daß eine Verlegung der gemeinsamen Guerillahauptquartiere aus Nicaragua ein
guter Ausgangspunkt wäre und boten den Sandinisten unsere Hilfe dabei an,
sie ausfindig zu mache.

So war zum Beispiel der Punkt, von dem aus Guerilla-

operationen in El Salvador gelenkt wurden, noch jüngst in einem Vorort von
Managua.

Wir sind sicher, daß er ausfindig gemacht werden könnte, auch wenn

er innerhalb Nicaraguas hin und herverlegt wird.

Wir warten noch immer auf

eine Antwort Nicaraguas.
Desgleichen muß Nicaragua seine Terrorakte und anderen aggressiven
Aktionen gegen Honduras und Costa Rica einstellen.
Außerdem haben wir auf eine zweite Problematik hingewiesen, die die
Nachbarn Nicaraguas ebenfalls tief beunruhigt. Es handelt sich dabei um den
Trend in der Organisation und der Anwendung der Staatsgewalt in Nicaragua.
Natürlich ist es Sache Nicaraguas, darüber zu entscheiden .welche Regierungsform das Land wünscht. Niemand bestreitet das. Wir nicht; und Nicaraguas
Nachbarn auch nicht.
Aber wir meinen, wir alle haben ein Recht zu der Frage, welche Sicherheiten man uns gibt, daß die Versprechen hinsichtlich der Nichteinmischung
auch gehalten werden, wenn die Staatsgewalt in Nicaragua weiterhin in den
Händen einer kleinen, von Kuba beratenen, marxistisch-leninistischen Elite
verbleibt, die über eine immer größere Militärmacht verfügt und allen Formen
des sozialen Lebens feindlich gegenübersteht, ausgenommen der von ihr dominierten Form? Und wir haben auch ein Recht zu der Frage, was unter diesen
Bedingungen aus den international anerkannten Menschenrechten wird? Solche
Fragen sind in keinster Weise eine Verteidigung des diskreditierten Systems
eines Somoza oder eine Rückwendung dorthin. Aber eine Antwort darauf könnte
gegeben werden durch die Erfüllung der Verpflichtungen zur Demokratie und
zum Frieden in dieser Region, wie sie von den Sandinisten ursprünglich selbst
eingegangen wurden.
Die Notwendigkeit
- 13 -

�Die Notwendigkeit zum Handeln
Dies sind einige der Vorstellungen, die wir vorgetragen haben - nicht
im Sinne einer ärztlichen Verordnung, sondern um einen Dialog einzuleiten,
der auf eine Antwort stößt und ein entsprechendes Klima schafft.

Es gibt

nicht den einen Weg, der den Frieden in Mittelamerika garantiert.

Aber un-

sere gemeinsame Erfahrung zeigt, daß an vier Fronten gehandelt werden muß:
- In allen Staaten ist ein Prozeß der Versöhnung notwendig, bei dem die
Gegner an Stelle des bewaffneten Wettstreits den politischen Wettstreit
suchen.

Dazu gehört, wie seine Heiligkeit der Papst angedeutet hat,

ein Verzicht auf Gewalt und eine Beteiligung am staatsbürgerlichen
Entscheidungsprozeß.

Angesichts der tiefen Gräben in allen Ländern

erfordert dies den Respekt vor oder die Gründung demokratischer oder
zumindest pluralistischer Institutionen und die Ermutigung zu intensiver Mitarbeit in ihnen.
- Der Export von Subversion unter den Staaten sollte aufhören.

Dies

bedeutet die Beseitigung der Hauptquartiere, der logistischen Unterstützung und der Ausbildungslager von Guerillabewegungen, die außerhalb ihres Heimatlandes eingerichtet sind - sowie ein umfassende Verifizierung solcher Schritte.
- Es sollte Schluß sein mit der umfangreichen Aufrüstung, die eine Bedrohung des jeweiligen Nachbarn darstellt und das bisherige militärische
Gleichgewicht der Region durcheinanderbringt.

Es scheint, daß der ein-

fachste Weg hierzu eine Verpflichtung aller Länder in diesem Gebiet wäre,
keine weiteren Waffen wie Panzer oder Kampfflugzeuge zu beschaffen auch dies natürlich unter entsprechender Kontrolle.
- Schließlich sollte die Beteiligung des Auslands begrenzt werden - insbesondere im Bereich der Sicherheitsfragen -, damit die Region zu ihrem
eigenen, friedlichen Gleichgewicht findet.

Jedes Land sollte eine Ober-

grenze für die Anzahl fremder Militär- und Sicherheitsberater und aus- 14 -

�und ausländischer Truppen festlegen, die der Gegenseitigkeit und der
umfassenden Verifizierung unterliegen müßte.

Warum wäre hier nicht

Null die richtige Obergrenze?
Eine ganze Reihe demokratischer Länder - die Vereinigten Staaten,
Honduras, Costa Rica und andere - haben im vergangenen Jahr den Versuch gemacht, in einen Dialog mit Nicaragua einzutreten; bisher mit wenig Erfolg.
Aber wir sollten diesen Gedanken nicht aufgeben. Vielmehr sollten die demokratischen Länder zusammenfinden und sehen, ob sie nicht eine gemeinsame
Haltung erarbeiten können. Die Bausteine für einen Frieden sind vorhanden.
Die Frage ist, wie man sie zusammensetzen sollte.
In der Vergangenheit haben die Vereinigten Staaten im allgemeinen Mittelamerika vernachlässigt - und nur Truppen geschickt, wenn die Lage prekär
wurde. Heute sind die amerikanischen Truppen keine Lösung mehr. Nützen kann
nur noch eine anhaltende amerikanische Verpflichtung - nicht nur dabei, wenn
es um Hilfe geht, die Gewalt zu besiegen oder die Volkswirtschaften wieder in
Ordnung zu bringen und zu entwickeln, sondern wenn es darum geht, die demokratischen Institutionen zu fördern. Denn unsere Erkenntnisse des 20. Jahrhunderts sagen uns, daß Regierungen, die sich in Wahlen dem Volk stellen müssen, nicht lange dessen Menschenrechte mit Füßen treten können. Und sie bedrohen auch nicht oft ihre Nachbarn.
Ich gestehe Ihnen zu, daß dies eine gewaltige Aufgabe ist. Aber in
einer Region, die für uns wegen ihrer strategischen Lage, ihrer Nähe und wegen unserer menschlichen Bindungen zu ihr so wichtig ist, gibt es keinen anderen Weg. Wir können nicht einfach vor den Problemen davonlaufen.

- 15 -

�</text>
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