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                  <text>20. Oktober 1982

41

INHALT

DOKUMENTATION
Gedanken über das NATO-Bündnis
- Ansprache von US-Botschafter Burns vor der Kommandeurtagung
in Hagen US-Botschafter Bennett:

Zur Lage des NATO-Bündnisses

- Rede vor dem Weltpolitischen Rat von Cincinnati USA lehnen UN-Ausschluß Israels ab
- Erklärung des US-Außenministers -

HINTERGRUNDMATERIAL
Jugendaustausch-Programm findet begeisterte Unterstützung
- Von unserer Korrespondentin Dian J. McDonald -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Weltraum-Service
- US-Raumtransporter COLUMBIA nimmt Routinebetrieb auf
BERICHTIGUNG

Um Uber/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�41

20. Oktober 1982

GEDANKEN ÜBER DAS NATO-BÜNDNIS
- Ansprache von US-Botschafter Burns vor der Kommandeurtagung in Hagen

HAGEN - (AD) - Der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik
Deutschland, Arthur F. Burns, hat vor der Kommandeurtagung der Bundeswehr in
Hagen am 20. Oktober 1982 zu "Gedanken über das NATO-Bündnis" gesprochen. Die
Rede hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich sehr über Ihre Einladung, vor einer so illustren Zuhörerschaft zu sprechen.

Und ich bin besonders dankbar, wenn Sie meine An-

wesenheit hier als einen Ausdruck der hohen Achtung betrachten, die mein Land
der Bundeswehr entgegenbringt.
Im vergangenen Jahr haben schrille Stimmen in Ihrem und in meinem Lande
übertriebene Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Lassen Sie mich daher gleich
zu Beginn sagen, welch hohe Wertschätzung meine Regierung dem deutschen Beitrag zu unserer gemeinsamen Verteidigung beimißt.
Als amerikanischer Botschafter hatte ich reichlich Gelegenheit, die hervorragende Leistungsfähigkeit Ihrer Streitkräfte, den hohen Stand der Einsatzbereitschaft Ihrer Reserven und die Vielzahl von Einrichtungen kennenzulernen, die die Bundesrepublik verbündeten Truppen zur Verfügung stellt. Ich

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Ich bin mir ferner der anderen Opfer bewußt, die von deutscher Seite gebracht
werden, um amerikanische Soldaten und Flieger zu unterstützen - nicht zuletzt Ihrer jüngsten Entscheidung, im Fall

eines Kriegsausbruchs 90 000

Reservisten zur Unterstützung amerikanischer Kampfeinheiten abzustellen.
Und ich brauche wohl kaum hinzuzufügen, daß meine Regierung die Tatsache
zu würdigen weiß, daß im Falle eines Krieges in Europa der überwiegende
Teil der Land-, Luft- und Seestreitkräfte der NATO - zumindest zu Anfang europäische Kräfte wären.
Aber bedauerlicherweise muß ich hinzufügen, daß viele.viefleicht die meisten Amerikaner sich des eindrucksvollen Ausmaßes der europäischen - vor
allem deutschen - Zusagen für die NATO nicht bewußt sind, genauso, wie nur
zu viele Europäer über die amerikanischen Anstrengungen in ihrem Sinne
außerhalb des NATO-Gebietes recht wenig wissen. Hauptsächlich wegen solcher
Unkenntnis auf beiden Seiten haben wir tendenziöse Debatten über Verteilung der Verteidigungslasten, militärische Strategie, Rüstungskontrolle,
Ostpolitik, Entspannung und eine Vielzahl anderer politischer und wirtschaftlicher Fragen erlebt.
Ein besonders lästiger Aspekt der transatlantischen Mißverständnisse
ist der, daß zahlreiche Regierungsvertreter wie auch ein Großteil der Öffentlichkeit nicht der unterschiedlichen Betrachtungsweise genügend Gewicht beimessen, mit der die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Verbündeten an die
Weltprobleme herangehen.
Ich denke jetzt nicht an die Ursachen flüchtiger Reibungen, die immer
wieder auftreten, für ein paar Wochen oder Monate die Schlagzeilen beherrschen und dann zu jedermanns Erleichterung wieder verschwinden. Solche
vorübergehenden Meinungsverschiedenheiten - so lästig sie sein mögen bringen unseren Ländern oft gegenseitig heilsame Lehren, so wie ein reinigendes Gewitter unter Eheleuten oft den Zusammenhalt der Familie stärkt.
Im Falle

�Im Falle der Verbündeten im Nordatlantikvertrag würde ich unter der
Kategorie "vorübergehende Meinungsverschiedenheiten" einreihen: die Debatte
über die Wiederbewaffnung Deutschlands in den fünfziger Jahren; die Debatte
über die Multilaterale Streitmacht in den sechziger Jahren; die Kontroverse
über das "Jahr Europas" in den siebziger Jahren; und ich hoffe, daß wir in
nicht allzu ferner Zukunft als Beispiel für die achtziger Jahre die gegenwärtige Kontroverse über die sibirische Gasleitung anführen können.
Beispiele, wie ich sie erwähnt habe, sind leichter in den Griff zu bekommen als die Unterschiede in der Betrachtungsweise»von der ich gerade gesprochen habe. Statt kostbares politisches Kapital auf Irritationen zu verschwenden, die, wie man annehmen darf, vorübergehender Natur sind, sollten
wir uns auf die grundlegenden Unterschiede der amerikanischen und der europäischen Betrachtungsweise konzentrieren. Denn unsere vorrangige Zielsetzung
muß immer sein, auf eine konstruktive Anpassung unserer grundlegenden nationalen Interessen hinzuarbeiten.
Es gibt zumindest zwei solcher grundlegenden Unterschiede: Erstens,
die Vereinigten Staaten gehen mit einer globalen Betrachtungsweise an Weltprobleme heran - im Gegensatz zu der weitverbreiteten regionalen Sicht unserer europäischen Partner. Zweitens, die Ost-West-Beziehungen werden auf
beiden Seiten des Atlantik unterschiedlich betrachtet.
Aufgrund dieser Unterschiede in der Betrachtungsweise geraten wir hier
und da in wichtigen politischen Fragen in Gegensatz: Wie etwa bezüglich der
Art und Schwere der sowjetischen Bedrohung; der richtigen Antwort auf sowjetische Aggression, wie in Afghanistan oder Polen; der Grundsätze für den
Handel mit dem Osten; der besten Mittel und Wege, um Ländern der Dritten
Welt wirtschaftliche und politische Unterstützung zu gewähren; sowie der richtigen Antwort des Bündnisses auf Bedrohungen seiner Sicherheit außerhalb des
NATO-Gebietes, wie etwa im Persischen Golf.
Es mag

- 3 -

�Es mag unseren beiden Nationen helfen, die großen Unterschiede in der
Betrachtungsweise, von denen ich gesprochen habe, zu überwinden, wenn wir
ihre Ursprünge besser erkennen. Wollen wir daher ein wenig

innehalten und

diese Unterschiede näher untersuchen.
Da ist zunächst die Frage einer globalen gegenüber einer regionalen Betrachtungsweise internationaler Angelegenheiten. Wir Amerikaner haben keine
Schwierigkeiten, die Tendenz der Europäer zu verstehen, sich in erster Linie
um die Ereignisse in ihrem eigenen Umfeld zu kümmern. Trotzdem sind wir oft
beunruhigt über ein - wie wir es sehen - Zögern der Europäer, sich den
Auswirkungen von Ereignissen zu stellen, die außerhalb Europas geschehen.
Auf die eine oder andere Weise werden die Amerikaner immer wieder gedrängt,
"ja das Boot nicht umzukippen", wenn wir auf gefährliche Abenteuer aufmerksam machen, die die Sowjetunion oder ihre Stellvertreter in anderen Teilen
der Welt unternehmen - wie in Afghanistan, Südostasien, Polen, Teilen Afrikas
und Mittelamerika.
Tatsächlich

haben uns unsere europäischen Verbündeten immer

wieder davon in Kenntnis gesetzt, daß sie außerhalb Europas keine aktive
militärische Rolle spielen können, und daß die weltweite Krisenbeherrschung
deshalb das Aufgabengebiet der Vereinigten Staaten bleiben müsse. Aber wenn
wir dann im Einklang mit dieser großen

Verantwortung etwas tun, um der

sowjetischen Aggression zu begegnen, dann werden wir gerne für das kritisiert, was wir tun, oder dafür, wie wir das tun, oder beides.
Wenn wir beispielsweise an den Fall Afghanistan denken. Die Entscheidung
Amerikas, als Antwort auf die sowjetische Invasion Afghanistans die Sommerolympiade 1980 zu boykottieren, wurde von Europäern weitgehend als sinnloser
Symbolismus kritisiert - obwohl in aller Fairness hinzugefügt werden muß, daß
die Bundesrepublik Deutschland eines der wenigen Länder war, die sich unserem
Boykott anschlössen.
In der Folge

�In der Folge unternahmen die Vereinigten Staaten Schritte, um der
generell instabilen Lage in Südwestasien zu begegnen,

den lebenswichti-

gen Zugang Amerikas und Europas zu den Ölquellen zu schützen. Wir erhöhten unsere Flottenpräsenz im Indischen Ozean und stellten eine schnelle
Einsatzstreitmacht auf, deren Aufgabe darin besteht, sofort auf solche
Bedrohungen zu reagieren, sollten sie in dieser Region auftreten. Aber
während die Vereinigten Staaten zunächst kritisiert wurden, sie würden
auf Afghanistan symbolisch reagieren, - obwohl doch eine direkte militärische Antwort unsererseits

unmöglich war - fanden wir uns dann

der Kritik ausgesetzt, weil wir militärische Vorsichtsmaßnahmen trafen, um
vor einer weiteren Aggression abzuschrecken. Unsere militärischen Initiativen wurden von einigen Leuten als Provokation gegenüber Moskau bezeichnet, und von anderen wurden sie kritisiert, weil wir bereit seien,
der NATO zugesagte amerikanische Streitkräfte außerhalb des NATO-Gebietes
einzusetzen - und damit die Bedrohung Europas selbst zu erhöhen.
Wenn Amerikaner kritisiert werden, weil sie sich für fundamentale
westliche Interessen außerhalb Europas einsetzen, wie etwa im Persischen
Golf und dann feststellen, daß die Europäer, wenn es ihnen paßt, aus ihrem
kontinentalen Schneckenhaus herauskommen, wie im Falle El Salvador, dann
ist es nicht verwunderlich, daß sich viele Amerikaner fragen, was eigentlich die Europäer nun wirklich von ihnen erwarten.
Die Hauptursache dieser amerikanisch-europäischen Dissonanz läßt sich
meiner Meinung nach in unserer jeweiligen nationalen Geschichte finden.
Die Vereinigten Staaten von Amerika traten in das Zwanzigste Jahrhundert
als eine zwar immer mächtiger werdende, aber doch regionale Macht ein,
und die Warnung George Washingtons vor "verstrickenden Bündnissen" war
noch immer die Maxime unserer Außenpolitik.
Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges betrachteten die Amerikaner
Großbritannien, Frankreich und Deutschland als die führenden Militärmächte
der Welt. Die meisten meiner Landsleute hätten die Möglichkeit, daß die

- 5 -

�daß die Vereinigten Staaten die europäischen Mächte in dieser Rolle ablösen oder ihr Schicksal durch "verstrickende Bündnisse" mit dem Schicksal
Europas verbinden könnten, mit großem Mißtrauen betrachtet. Die Eile, mit
der wir nach dem Ersten Weltkrieg und erneut nach dem Zweiten Weltkrieg unsere Streitkräfte demobilisiert haben, ist in diesem Zusammenhang bezeichnend. Zwischen 1145 und 1948 ging die Zahl der Amerikaner in Uniform von
fast 12 Millionen auf bloße 1,3 Millionen zurück.
Vor diesem Hintergrund dürfte auf der Hand liegen, daß die derzeit
recht weitverbreitete Kritik der Europäer an den Vereinigten Staaten als
aggressive Supermacht der Harmonie im Bündnis auf zweierlei Weise schaden
muß: Erstens, diese Kritik beunruhigt viele Amerikaner, die sich verwundert
fragen, warum die Europäer den Supermachtstatus gerade der Nation schmälern
wollen, die zweimal herbeieilte, um die Freiheit in Europa wiederherzustellen. Zweitens, diese ablehnende Haltung gegenüber der Supermacht dient dazu,
die Enttäuschung vieler Amerikaner angesichts der mühsamen Rolle in der Welt
zu nähren, die augenscheinlich oft nur widerwillig von unseren Verbündeten
unterstützt wird.
Ich neige zu dem Schluß, daß die Ursachen hinter dieser Debatte global
kontra regional besser verständlich werden, wenn wir uns vor Augen halten,
daß genau in dem Zeitraum, da sich die Amerikaner ohne Begeisterung einer
Weltrolle anpaßten und gerne ruhigere Zeiten gehabt hätten, sich die Westeuropäer mit dem Verlust einer Weltrolle abfinden mußten, der sie mit Nostalgie nachtrauerten. Man kann sich nur schwer ein reicheres Feld von
gelegentlichen Mißverständnissen und gekränkten Gefühlen selbst unter Nationen vorstellen, die fest in einem Bündnis zussammengeschlossen sind.
Die drastische Veränderung der Weltmachtverhältnisse, von denen ich
gerade gesprochen habe, hatten eine direkte Auswirkung auf das zweite Gebiet des großen Mißverstehens: die Ost-West-Beziehungen.
Die Vereinigten

�Die Vereinigten Staaten haben erst seit dem Zweiten Weltkrieg Rußland
größere Bedeutung als militärische Bedrohung beigemessen. Selbst in den Tagen der "roten Gefahr" in den zwanziger Jahren wurde die

Bedrohung durch

Sowjetrußland, über die amerikanische Führer nachzudenken begannen, politisch
und nicht militärisch gesehen.
Die gewaltige politische, militärische und wirtschaftliche Macht, die
die Länder Westeuropas in den Augen Amerikas darstellten, zusammen mit der
Tatsache, daß wir und die Russen durch den halben Erdball getrennt waren,
ließ den Gedanken einer militärischen Bedrohung der Vereinigten Staaten
durch die Sowjets weit hergeholt erscheinen. Wir gingen damals davon aus,
daß Westeuropa willens sein werde, einem sowjetischen Expansionismus zu begegnen - und zwar weitgehend in der gleichen Weise, wie die Westeuropäer
heute von den Vereinigten Staaten erwarten, daß sie diese Rolle erfüllen.
So sah man fast bis Mitte der vierziger Jahre die Hauptgefahr für
Amerika aus Übersee aus Westeuropa selbst kommen und nicht aus Osteuropa.
Bis zu unserem Sezessionskrieg wurden die Briten als Hauptbedrohung angesehen, und später wurde diese Rolle dann den Deutschen, nicht den Russen,
zugeschrieben.
Es ist eine unausweichliche Tatsache, daß die Länder Westeuropas, bis
sie durch Fehleinschätzung und Selbsttäuschung Europa in den Zweiten Weltkrieg stürzten, durchaus in der Lage waren, ein Gegengewicht gegen die politische und militärische Rolle der Sowjetunion zu bilden. Am Ende dieses Krieges fanden sich jedoch die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in Mitteleuropa unmittelbar von Angesicht zu Angesicht gegenüber, während die meisten
anderen Länder auf dem Kontinent machtlos waren. Dann entwickelte sich ein
zweites Element, das eine entscheidende Auswirkung auf das Ost-West-Verhältnis hatte - die Kernwaffen.
Ich brauche vor dieser Zuhörerschaft nicht näher auf die Rolle der Kernwaffen für die Gestaltung der politischen wie auch der militärischen Aspekte

- 7 -

�militärischen Aspekte Nachkriegseuropas einzugehen. Vor 1940 hätten wahrscheinlich die meisten Amerikaner - und ich vermute auch die meisten Europäer - unter

dem Begriff "Ost-West-Beziehungen" die Beziehungen zwischen

den westlichen Nationen und etwa China und Japan verstanden. Der Gedanke,
daß eine Bruchlinie durch das Herz Europas verlaufen könnte, wäre absurd
erschienen.
Als jedoch der Krieg zu Ende war, erhielt der Begriff "Ost-West-Beziehungen" rasch eine neue Bedeutung. Mit den heraufkommenden Kernwaffen
und dem Obergewicht der Macht in den Händen der Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion nahm die neugeborene Ost-West-Konfrontation eine weltweite Dimension an - die sie noch heute besitzt« Und genau hier finden wir
das Bindeglied zwischen der Ost-West-Konfrontation auf der einen und der
Debatte global kontra regional im Bündnis auf der anderen Seite.
Mehr als alle anderen Verbündeten neigen wir Amerikaner dazu, die
sowjetische Macht auf einen weltweiten Maßstab übertragen zu sehen und zu
fürchten. Sowjetische Truppen und ihre Stellvertreter tragen heute eine
militante Außenpolitik in der ganzen Welt vor. Aber nicht nur das: Sowjetische Flotten patroullieren in den Gewässern vor den amerikanischen Küsten
im Osten, Westen und in der Karibik und sowjetische Flugzeuge testen unsere
Luftverteidigung.
Ob man mag oder nicht - und wir Amerikaner mögen es nicht besonders nur die Vereinigten Staaten können in einem vergleichbaren Maße antworten.
Wir sind und bleiben das Gegengewicht.
Das ist also der Punkt, an dem die beiden grundlegenden Unterschiede
in der Betrachtungsweise der Europäer und der Amerikaner - nämlich Ost-WestBeziehungen und globale kontra regionale Strategie - zusammenkommen. Amerikaner können Ost-West-Beziehungen nicht regional sehen; sie sind notwendigerweise global. Wir sind durch kulturelle und politische Bindungen mit
Europa verbunden. Wir stellen uns nicht gerne vor, uns in eine Festung
-- 8 -

�eine Festung Amerika zu verwandeln. Und wir befürchten, daß Westeuropa,
wenn sich die Vereinigten Staaten in ein regionales Schneckenhaus zurückziehen und sich auf den amerikanischen Kontinent beschränken würden, keine
andere Wahl hätte, als seine eigene Weltanschauung an die der benachbarten
Supermacht - der Sowjetunion - anzupassen.
Ich möchte als nächstes auf einen damit zusammenhängenden Unterschied
in der Betrachtungsweise eingehen, der gegenwärtig die Länder des Bündnisses beunruhigt, nämlich unsere unterschiedlichen Auffassungen von Entspannung.
Angesichts des europäischen Unbehagens über eine mögliche Preisgabe
der Entspannung im Rahmen der amerikanischen Außenpolitik scheint es mir
nützlich, darauf hinzuweisen, daß vor einem Jahrzehnt viele Europäer in
gleicher Weise besorgt waren, daß die Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion zu eng würden.
Wie Christoph Bertram, der angesehene frühere Direktor des Internationalen Instituts für Strategische Studien in London, kürzlich bemerkte, "sind
die Europäer besorgt, wenn die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen reibungslos verlaufen, weil dies eine'Verständigung über unsere Köpfe hinweg'
bedeuten könnte... Aber sie sind noch mehr besorgt, wenn die sowjetischamerikanischen Beziehungen in Schwierigkeiten sind, und das ist durchaus
verständlich: Die Auswirkungen sind in Europa am direktesten spürbar."
Die Neigung in Europa, so fährt Bertram fort, "besteht oft darin, sich
nicht der westlichen gegen die östliche Supermacht anzuschließen, sondern
sich über beide (Supermächte) als Störenfriede der Entspannung in Europa
zu ärgern."
Niemand kann bestreiten, daß die Bundesrepublik Deutschland ein größeres Interesse am Erhalt der Entspannung hat als die Vereinigten Staaten.
Wenn man einen typischen Bundesbürger bitten würde, die Vorzüge der Ostpolitik

- 9 -

�der Ostpolitik und der Entspannung aufzuzeigen, dann könnte er auf die
Normalisierung in und um Berlin verweisen, auf verbesserte persönliche Kontakte zwischen Bürgern beider deutscher Staaten, auf die Rückführung von
einer Viertelmillion Deutschstämmiger aus Osteuropa während der letzten
s jchs Jahre, auf stärkere wirtschaftliche Verbindungen zwischen West- und
Osteuropa - kurz auf eine ganze Reihe von Entwicklungen, die dem Aufblühen
der Entspannung in den siebziger Jahren zugeschrieben werden können.
Wenn man auf der anderen Seite den amerikanischen Durchschnittsbürger
fragen würde, irgendwie zu erklären, wie die Entspannung sein Leben berührt
habe, dann würde es ihm schwerfallen, darauf zu antworten. Von einem rein
innenpolitischen Standpunkt ist es für Amerikaner schwer, ein überzeugendes Argument für die Entspannung zu finden. Und nicht nur das: Wenn Amerikaner sich der internationalen Szene zuwenden, dann bringen sie unausweichlich Enttäuschung darüber zum Ausdruck, daß Ihre Erwartungen bezüglich der
Politik der Entspannung nicht erfüllt worden seien - daß die Unterdrückung
der Menschenrechte in der Sowjetunion und ihren Vasallenstaaten nicht
geringer geworden sei, während die sowjetische Aufrüstung und das politische
Abenteurertum der Sowjets auf der ganzen Erde praktisch zugenommen habe.
Lassen Sie uns, verehrte Zuhörer, nicht vor dem Eingeständnis zurückschrecken, daß hier ein großer Unterschied in der Auffassung besteht. Meine
Regierung hat Zweifel an den Vorteilen der Entspannung bekommen. Ihre Regierung auf der anderen Seite sieht weiterhin einen Nutzen darin.
Diese beiden Standpunkte widersprechen sich nicht notwendigerweise,
aber wenn unsere beiden Länder damit leben wollen, dann müssen wir übertrieben extreme Positionen vermeiden. Wie Präsident Reagan im Juni in Berlin
erklärte: "ein einiges, entschlossenes westliches Bündnis steht bereit, sich
wenn notwendig zu verteidigen, aber wir sind ebenso bereit, mit dem Sowjetblock friedlich zusammenzuarbeiten, wenn die Führer des Ostens bereit sind,
dasselbe zu tun."
Wir dürfen

- 10 -

�Wir dürfen nicht zulassen, daß anhaltende Unterschiede in der Betrachtungsweise unter Verbündeten, wie ich sie aufgezeigt habe, die alles überragende Tatsache verdunkeln, daß die NATO über 30 Jahre lang den Frieden,
die Sicherheit, die Freiheit und das Wohlergehen ihrer Mitglieder gewährleistet hat. Wir dürfen uns vor einer Gegenüberstellung unserer Unterschiede
nicht fürchten. Im Gegenteil,

wir müssen sie erkennen und mit ihnen fertig

werden, wenn das Bündnis überleben und stark bleiben soll.
Vielleicht können wir mit der Einsicht beginnen, daß unterschiedliche
Betrachtungsweisen keinen Unterschied der moralischen oder politischen oder
philosophischen Werte bedeuten. Die NATO wurde im Jahre 1949 als ein defensives Militärbündnis gegründet, das die Vereinigten Staaten, Kanada und die
Demokratien Westeuropas verpflichtet, der sowjetischen Aggression in Europa
entgegenzutreten. Die NATO hätte jedoch während ihrer langen Geschichte nicht
lebensfähig bleiben können, wenn ihre Zielsetzung ausschließlich militärisch
gewesen wäre.
Nein, meine Herren, der Grund für das Oberleben und die Lebenskraft
des Bündnisses entspringt einer Tatsache, die über allen anderen Tatsachen
steht, - daß sie nämlich

auf den grundlegenden moralischen und politischen

Werten beruht, die Westeuropa mit den Vereinigten Staaten und Kanada gemeinsam hat, und für diese Werte eintritt. Wenn diese gemeinsamen Werte fehlen
würden, dann könnten wir in einer bedrohlichen Katastrophe schon nach einer
Stunde feststellen, daß der politische Wille zum Widerstand gegen nackte
Aggression,fehlt. Dann wäre die NATO wirklich die leere Muschel, als die sie
von einigen unzureichend informierten Kritikern bereits dargestellt wird.
Sicherlich ist die Zeit reif für einige Anpassungen der nationalen Haltungen auf beiden Seiten des Atlantik. Wollen wir doch vor allem nicht vergessen, daß die eigentliche Aufgabe der internationalen Diplomatie darin
besteht, unterschiedliche Vorstellungen und Interessen einander anzupassen, und dieses wesentliche Ziel wird am besten ohne die Fanfare der Publizität erreicht. Das recht unpassende Spektakel verschiedener nationaler
- 11 -

�verschiedener nationaler Sprecher nach Versailles in diesem Jahr, als Erklärungen abgegeben wurden, wer auf den Gipfeltreffen "gewonnen" und wer
"verloren" hat, darf sich nicht wiederholen.
Zweitens sind im Interesse der Harmonie im Bündnis bessere Konsultationsverfahren unter den NATO-Ländern notwendig. Obwohl zwar recht häufig Treffen
von Mitgliedern der außenpolitischen und verteidigungspolitischen Institutionen der NATO-Länder stattfinden, so sind sie doch nicht gründlich oder
rechtzeitig genug gewesen - vielleicht sogar nicht häufig genug -, um gelegentliche, schwere Mißverständnisse zu vermeiden. Als Neuling im diplomatischen Beruf wundere ich mich andauernd über die exzentrischen Auffassungen,
die einige der höchsten Vertreter von NATO-Staaten gelegentlich über die Interessen oder Zielsetzungen ihrer Schwesterregierungen zum Ausdruck bringen.
Drittens müssen wir uns nachdrücklicher als bisher mit Elementen der
Außenpolitik des Westens befassen, die nicht zusammenpassen. Auf der einen
Seite haben die NATO-Länder Jahr für Jahr gewaltige Mittel für unsere gemeinsame Verteidigung gegen die sowjetische Bedrohung aufgewandt. Gleichzeitig
jedoch haben wir im Westen, zum Teil durch Privatbanken und zum Teil durch
Regierungseinrichtungen, während des letzten Jahrzehnts gewaltige Summen
Geldes an die Sowjetunion und ihre Satelliten verliehen. Gelegentlich wurde
dies sogar zu subventionierten Zinssätzen getan. Angesichts des Vorrangs,
den die Sowjetunion ihren militärischen Einrichtungen einräumt, haben die
finanziellen Mittel, die wir ihr so freigebig zur Verfügung gestellt haben,
indirekt dazu beigetragen, ihre ohnehin gewaltige militärische Position zu
stärken. Und, was die Dinge noch verschlimmert, die Sowjetunion ist in ungerechtfertigtem Maße in der Lage gewesen, von ihrem Import an Technologie
und militärisch nutzbaren Produkten aus westlichen Ländern zu profitieren.
Diese Tatsachen sind durch die amerikanische Regierung nachdrücklich hervorgehoben worden, und sie werden von unseren Verbündeten heute besser verstanden als noch vor einem Jahr. Glücklicherweise gibt es neben den jüngsten Differenzen über die sibirische Erdgasleitung einige ermutigende Anzeichen, daß sich in Bälde eine übereinstimmendere Politik des Westens

- 12 -

�des Westens gegenüber dem Osten herausbilden und daß die NATO selbst
direkter in die Abstimmung der Wirtschaftspolitiken gegenüber Osteuropa
einbezogen werden dürfte.
Viertens haben die Vereinigten Staaten seit einigen Jahren die Ausweitung der NATO-Interessen über das im Vertrag formell festgelegte Gebiet
hinaus angestrebt. Diese Bemühungen stießen gewöhnlich auf beträchtlichen
Widerstand in Europa - zumindest teilweise, weil andere NATO-Länder es unerwünscht fanden, in Aktivitäten hineingezogen zu werden, die die Aufmerksamkeit von ihren zentraleren Anliegen ablenken könnten. In jüngster Zeit
sind zumindest einige unserer Verbündeten zu der Einsicht gelangt, daß Entwicklungen außerhalb des NATO-Gebietes wirklich so große Auswirkungen für
die Sicherheit des Bündnisses haben könnten, daß die Unterstützung der Vereinigten Staaten durch sie gerechtfertigt wäre. Die Taten sind jedoch hinter den Worten zurückgeblieben. Und deshalb bleibt dies ein Thema, das die
ernsteste Aufmerksamkeit der NATO-Länder verdient.
Fünftens haben die weltweiten wirtschaftlichen Schwierigkeiten der
letzten zwei oder drei Jahre unvermeidlicherweise die Spannungen im Bündnis
verschärft. Das Gespenst des Protektionismus erhebt wieder sein häßliches
Haupt in Westeuropa und in Nordamerika. Es liegt eindeutig im dauerhaften
Interesse eines jeden Mitgliedslandes des Bündnisses, nicht nur protektionistische Mittel und Wege im eigenen Bereich zu vermeiden, sondern auch auf
wirtschaftlichem und finanziellem Gebiet enger mit seinen Verbündeten zusammenzuarbeiten. Eine starke und gesunde internationale Wirtschaft ist für
die weitere politische und militärische Lebenskraft der NATO von absolut
fundamentaler Bedeutung.
Sechstens nutzen wir, obwohl die kombinierte Stärke unserer Länder
gewaltig ist, unsere Aktivposten nicht in bestmögliche

Weise, um die Ziele

des Bündnisses zu erreichen. In einem seltenen Beispiel praktischer Einstimmigkeit hat der Senat der Vereinigten Staaten Anfang dieses Jahres eine

- 13 -

�Jahres eine Resolution verabschiedet, in der die Schaffung eines umfassenden Systems für eine wirksamere Zusammenfassung der gewaltigen finanziellen,
technologischen und industriellen Ressourcen der NATO gefordert wird. In
Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten für alle unsere Länder sind die
Hindernisse vor einem solchen Ziel groß, aber wir müssen es in Zukunft besser machen, wenn wir in der Lage sein wollen, uns ausreichend zu verteidigen.
Die Zeit erlaubt mit nicht, noch tiefer auf diese Überlegungen über
das NSTO-Bündnis einzugehen. Aber ich möchte diese Zuhörerschaft nicht verlassen, ohne ein Thema zu wiederholen, das ich immer wieder hervorgehoben
habe, seit ich meine Pflichten als Botschafter in Bonn übernahm - nämlich
daß wir in unseren NATO-Ländern, vor allem in Ihrem Lande und in dem meinigen, mehr tun müssen, um unseren jungen Menschen zu lehren, daß unsere gemeinsamen moralischen und politischen Werte eine große Bedeutung für ihre
eigene Zukunft und die Zukunft ihres Landes haben.
Es scheint mir, daß einige unserer jungen Bürger auf beiden Seiten des
Atlantik gelegentlich ein fast perverses Vergnügen daran finden, die Differenzen zwischen unseren Nationen zu übertreiben. Wenn sie die Werte, die
uns in der NATO miteinander verbinden,

herabwürdigen oder gänzlich ab-

lehnen, dann erfüllt mich das mit Traurigkeit. Diese Werte sind keine abstrakten Vorstellungen. Die Freiheit des einzelnen und die Herrschaft des
Rechts sind unbezahlbare Realitäten. Sie sind uns von unseren Vorfahren
unter gewaltigen Opfern an Blut und Gut weitergegeben worden. Leider
setzen viele junge Menschen in Europa und Amerika heute diese Werte als
selbstverständlich voraus - nicht nur, weil sie niemals ohne sie gelegt
haben, sondern auch, weil sie niemals wirklich herausgefordert worden sind,
zu ihrer Erhaltung beizutragen - ja, wenn notwendig, für sie zu kämpfen.
Es ist unsere gemeinsame Pflicht als Eltern, Lehrer, Politiker, und
als Bürger, dafür zu sorgen, daß die demokratischen Werte, die uns in der
nordatlantischen Partnerschaft verbinden, von jenen geschätzt werden, die in
unsere Fußstapfen treten und die einmal die Führer unserer jeweiligen Gesell -

- 14

�jeweiligen Gesellschaften sein werden. Ein gründliches Verständnis dessen,
was es bedeutet, in einer Demokratie zu leben - nicht nur ihrer Segnungen,
sondern auch ihrer Pflichten - ist wesentlich, wenn Bürger an die Werte, die
die Demokratie repräsentiert, glauben und sie erhalten sollen. Diese Werte
sind eigentlich der Mörtel, der unser Nordatlantisches Bündnis zusammenhält.
Darum ist ein Großteil meiner Energie als Botschafter daraus ausgerichtet,
die Chancen für junge Menschen in Ihrem Lande und dem meinigen zu verbessern,
dem Leben und der Kultur des jeweils anderen Landes ausgesetzt zu werden.
Ich hege die Hoffnung, daß in den kommenden Monaten und Jahren Amerikaner und Europäer - besonders die Bürger Ihres Landes und des meinigen, - die
großen Worte vermeiden werden, die auch die Leidenschaften anfachen; daß guter Wille und Vernunft vorherrschen werden, wenn es gilt, unsere Betrachtungsweisen und unsere Interessen einander anzupassen; und daß wir nie vergessen
werden, daß, solange die Nationen des Westens zusammenstehen, unsere westliche Zivilisation gesichert bleiben wird.

_ 15 _

�20. Oktober 1982

41

US-BOTSCHAFTER BENNETT: ZUR LAGE DES NATO-BONDNISSES
- Rede vor dem Weltpolitischen Rat von Cincinnati -

CINCINNATI - (AD) - Der Ständige Vertreter der Vereinigten Staaten im
Nordatlantikrat, Botschafter Tapley Bennett, hat sich am 14. Oktober 1982
mit einer Reihe kritischer Fragen befaßt, denen sich die Nordatlantikpaktorganisation gegenwärtig gegenübersieht.
von Cincinnati.

Er sprach vor dem Weltpolitischen Rat

Die wichtigsten Teile seiner Rede haben folgenden Wortlaut:

Ist das Bündnis in Unordnung?
Das atlantische Bündnis ist in diesem Jahr 33 Jahre alt geworden, und
es wird ihm gegenwärtig genauso viel Aufmerksamkeit zuteil wie zu irgendeiner anderen Zeit seines Bestehens. Besorgte Beobachter fragen, ob das
Bündnis sich überlebt, ob es seine Relevanz für die Sicherung unserer Art
zu leben verloren habe.

Bei vielen wird die Frage laut, ob die Verbündeten

nicht mehr Kraft und Anstrengung auf Familienstreitigkeiten verwenden als
auf die Abwehr der sehr realen Gefahren, denen wir uns alle gegenübersehen.
Die gegenwärtigen Kommentare bezüglich der NATO sind dergestalt, daß man sich

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�man sich sehr wohl fragen kann, wieviele Bürger der 16 Mitgliedstaaten noch
eine klare Vorstellung davon haben, warum das Bündnis ins Leben gerufen wurde,
wie es um die Allianz heute steht oder warum man bereit sein sollte, für das
Bündnis persönliche Opfer zu bringen.
Fragen und Zweifel dieser Art haben nicht immer einheitliche Konturen.
In vielen Fällen sind das grelle Scheinwerferlicht der Medien und die schrillen Schlagzeilen aus den verkehrten Gründen auf die NATO gerichtet.

Wir soll-

ten sorgfältig unterscheiden zwischen Problemen im Bereich der öffentlichen
Vorstellungskraft einerseits und andererseits der tatsächlichen Meinungsverschiedenheiten unter den Verbündeten, wie spezifische Probleme anzupacken
seien.
Wir müssen uns auch darüber im klaren sein, welches denn nun die eigentliche Arbeit der NATO ist. Seit ihrer Gründung im Jahr 1949 hat sich die
zentrale Zielsetzung der NATO niemals geändert: die Bewahrung des Friedens
in Freiheit durch Abschreckung und zwar durch die Mobilisierung einer ausreichenden Stärke, um eine expansionistische Sowjetunion abzuschrecken, die
eine imperialistische Herrschaft anstrebt und gegenwärtig ihre militärische
Macht in einem weltweiten Umfang zur Darstellung bringt, über eine Generation
lang hat unsere Abschreckungspolitik den Frieden im Kernstück Europas und des
atlantischen Gebietes bewahrt. Die NATO hat sich als die effektive Friedensbewegung unserer Zeit erwiesen.
Wir sind eine Organisation souveräner Gleicher. Die NATO ist kein
Bündnis, das im Gleichschritt nach einem einzigen Trommelschlag marschiert.
Wir haben uns aus unserem eigenen souveränen Willen heraus verbündet - nicht
unter Zwang, wie es in dem sowjetischen Imperium der Fall ist mit dem Warschauer
Pakt, der durch das eiserne Diktat Moskaus geleitet wird. Wir müssen Vielfalt
erwarten. Solange die Mitgliedstaaten der NATO der Entscheidung der Bevölkerung im eigenen Lande unterliegen und nicht dem autokratischen Machtspruch
von Herrschern, die den Ansichten ihrer Bürger gegenüber immun sind, solange
wird es Prüfung und Kontrolle und Debatten geben. Wir im Westen singen nicht

- 2 -

�singen nicht immer in der gleichen Tonlage, und trotzdem haben wir über 30
Jahre lang eine beständige Harmonie erzielt.
Sicherlich haben wir unsere Meinungsverschiedenheiten - und einige davon sind ernst:

Erdgasröhren, Stahlimporte, Getreideembargos, die richtige

Zuteilung nationaler Ressourcen für die Verteidigung beispielsweise.

Einige

der Differenzen hinsichtlich unserer Vorstellungen und Ansätze rühren aus
einfachen geographischen Fakten her.

Die Einwohner Berlins oder eines Dorfes

zehn Meilen von der Grenze der Tschechoslowakei entfernt mögen sich unmittelbarer bedroht fühlen als ein Mensch, der im Ohio-Tal lebt, obwohl in Wahrheit
alle unter der gleichen strategischen Bedrohung leben.
Was jedoch die wahre Natur der Bedrohung angeht, der sich der Westen
gegenübersieht,gibt es in den Gremien des Bündnisses keine Meinungsunterschiede.
Die Anerkennung der Notwendigkeit einer angemessenen Verteidigung des Westens
ist unser gemeinsamer Nenner...

Das ständige Bemühen um Obereinstimmung ist

das Kennzeichen unseres demokratischen Bündnisses.

Von Anfang an hat es sich

mit großen und kleinen Fragen gleichermaßen befaßt - von der politischen Handhabung der Ost-West-Beziehungen und der Aufrechterhaltung einer wirksamen Abschreckung bis hinunter zu unklaren bürokratischen Anliegen.

Die Rolle der Kernwaffen
Im Mittelpunkt der gegenwärtigen Besorgnisse und Kontroversen steht die
Rolle der Kernwaffen bei der Bewahrung des Friedens und der Freiheiten des
Westens.

Diese Frage, mit all ihren moralischen und technischen Implikationen,

bereitet den Politikern Sorgen seit der Feuerball sich im Jahr 1945 nach der
ersten Kernexplosion über Alamagordo erhob.
Die selbsternannten Friedensbefürworter

haben kein Monopol für die

nukleare Angst. Wir alle teilen die Angst vor einer ungezügelten Kernkraft,
und vielleicht keiner mehr als jene die Entscheidung treffenden Politiker, die
in der Lage sind, dieses schreckliche Potential voll zu erkennen.
- 3 -

Aber nach-

�Aber nachdem die Kernwaffen nicht mehr aus der Welt zu schaffen sind, stellt
sich die Frage: Wie kann die Nuklearwaffen-Kapazität des Ostens und des
Westens am wirksamsten ausgeglichen werden, um zur Wahrung des Friedens beizutragen?
Eine kluge und einsichtsvolle Politik der Vereinigten Staaten und der
NATO hat sich der nuklearen Kräfte bedient, um sie mehr als eine Generation
lang für die Interessen des Friedens zu nutzen. Ja, wir sind schon zu abhängig von der nuklearen Abschreckung geworden.

In einer kürzlich vorgenommenen,

nüchternen Bewertung der Strategie und Ziele der NATO kam General Bernard W.
Rogers, der frühere Stabschef der US-Armee und jetzige NATO-Oberbefehlshaber
in Europa, zu folgender Feststellung:

"Die NATO hat ihre Verteidigung auf

die nukleare Antwort ausgerichtet, weil unsere Länder nicht bereit waren, die
Kosten einer glaubwürdigen konventionellen Kapazität zu zahlen...

Unsere Bür-

ger müssen die Implikationen einer niedrigen Nuklearschwelle der NATO verstehen, wenn sie die Opfer aufbringen sollen, die für eine Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen bis zu dem Punkt nötig sind, an dem wir eine vernünftige
Aussicht auf eine erfolgreiche konventionelle Verteidigung haben würden..."
Glücklicherweise werden hier in den USA und in den mit uns verbündeten
Ländern Maßnahmen getroffen, um dieses Ungleichgewicht zu korrigieren. Wir
akzeptieren nicht das Ergebnis einer sorglosen und sich irrenden Politik der
letzten 15 Jahre. Wir vernachlässigten unsere konventionelle Verteidigung, während die Sowjetunion die Periode der Entspannung dazu benutzte, ihre Streitkräfte auf eine Höhe und Kapazität zu bringen, die weit über die Erfordernisse
einer Macht hinausgehen, die sich ausschließlich zur Selbstverteidigung verpflichtet hat. Wir haben nicht sorgfältig genug zugehört, als Breschnew 1967
erklärte: "Die Entspannung beseitigt auch nicht im geringsten... die Gesetze
des Klassenkampfes." Die sowjetische Aufrüstung geht heute unbarmherzig
weiter, und wir im Westen müssen das Spiel des Aufholens spielen.
Lassen Sie mich noch ein Wort zu jenen sagen, die ihre Besorgnis über
die Kernwaffen dadurch zum Ausdruck bringen, daß sie ein Einfrieren der nuklearen Rüstung verlangen, wordurch unser Land und seine Verbündeten in eine1 Po- 4 -

�eine Position der Unterlegenheit gebracht und damit jeder Druck auf die Sowjets
beseitigt würde, über sinnvolle Rüstungsverminderungen zu verhandeln.

Es

scheint mir, daß jene besorgten Bürger es uns übrigen schuldig sind, ihre
Energie und Entschlossenheit auf die Unterstützung der Anstrengungen zu verwenden, die konventionelle Verteidigung des Bündnisses zu stärken und damit
praktische Schritte zur Beseitigung der nuklearen Lasten zu ergreifen, die
wir alle tragen.

Es genügt einfach nicht, mit frommklingenden Worten gegen

dieses oder jenes Verteidigungsprogramm zu sein.
nicht selbstverständlich.

Der Frieden ist nun einmal

Man muß arbeiten - und schwer arbeiten -, um eine

vernünftige und wirksame Verteidigung zum Schutz der Werte zu erreichen, die
wir alle hochhalten.

Jenen, die das Geld für andere Zwecke ausgeben wollen,

möchte ich sagen, daß ohne die Basis der nationalen Sicherheit kein anderer
Sektor unseres nationalen Lebens bestehen könnte.

Wenn die Sicherheit ver-

wirkt ist, dann ist auch alles andere verloren.
Unter den NATO-Verbündeten besteht heute völlige Übereinstimmung darüber, daß verstärkte konventionelle Streitkräfte und modernisierte nukleare
Mittelstrecken- und strategische Systeme notwendig sind, um die Situation auszugleichen, die durch ein jahrzehntelanges Anwachsen der sowjetischen Verteidigungsprogramme entstanden ist.

Während dieses Zeitraums unternahm der Westen

Anstrengungen, um die Ost-West-Spannungen abzubauen, aber die Sowjetunion übertraf die Vereinigten Staaten allein auf dem Gebiet der strategischen Streitkräfte um 130 Milliarden Dollar.

Bemühungen um die Abrüstung
Zur gleichen Zeit, da der Westen seine Stärke wiederaufbaut, führen die
Vereinigten Staaten ernsthafte Verhandlungen mit der Sowjetunion über eine
Rüstungsverminderung.

In Genf laufen die START-Gespräche bezüglich der stra-

tegischen Kernwaffen, und gleichzeitig finden seit November vergangenen Jahres
getrennte Verhandlungen bezüglich der sowjetischen Mittelstreckenraketen statt,
die das Territorium unserer westeuropäischen Verbündeten bedrohen.

In Wien

haben die westlichen Unterhändler einen Vertrag unterbreitet, der die Anzahl

�die Anzahl der konventionellen Streitkräfte der NATO und des Warschauer Paktes
vermindern und ausgleichen würde.
Die Vereinigten Staaten haben sich zu wirklichen Rüstungsreduzierungen
verpflichtet - nicht zu Gesprächen nur um der Gespräche willen. Präsident
Reagan hat den Sowjets ein tiefgreifendes Abkommen über die strategischen
Rüstungen vorgeschlagen und eine bisher noch nicht dagewesene Null-Lösung bei
den Mittelstreckenraketen gefordert. Gemäß dieser Null-Lösung würde die NATO
auf die Dislozierung von 572 landgestützten Marschflugkörpern und PERSHING IIRaketen in Westeuropa verzichten, wenn die Sowjetunion ihre SS 20-, SS 4- und
SS 5-Raketen abbaut, die zusammengenommen mit mehr als 1000 bereits montierten nuklearen Gefechtsköpfen bestückt sind und mit ihrer gewaltigen Nukleardrohung ganz Europa abdecken. Die amerikanischen Vorschläge sind faire, ernstgemeinte und neue Ansätze für die Erreichung eines verminderten Niveaus der
Gefahr. Sie haben die Zustimmung unserer überaus besorgten Verbündeten. Sie
verdienen die ganze Unterstützung der Öffentlichkeit, und sie sind eine ernsthafte und positive Antwort seitens der sowjetischen Unterhändler wert. Die
westlichen Verhandlungsführer in Genf und Wien müssen durch Entschlossenheit
und Einigkeit des Westens unterstützt werden.
Im Westen befinden wir uns in der paradoxen Situation, daß wir heute
rüsten müssen, damit wir morgen abrüsten können. Wenn wir bei der Erreichung
der Rüstungsverminderung, die wir alle wünschen, erfolgreich sein wollen, dann
müssen wir in den Verhandlungen ein ausgleichendes Gegengewicht militärischer
Trümpfe zum Anbieten haben. Die Sowjets sind uns in bestimmten wesentlichen
Waffenkategorien heute voraus, und sie würden überaus erfreut sein, wenn sie
diesen Vorteil "einfrieren" könnten. Niemand hat dies deutlicher zum Ausdruck
gebracht, als der sowjetische Verhandlungsführer in Genf der kürzlich sagte:
"Man muß verstehen, daß wir Sowjets weder Idealisten noch Philanthropen sind."
Es entspricht nicht der Praxis sowjetischer Unterhändler, etwas für
nichts zu geben. So ist die Sowjetunion beispielsweise erst nach der Entscheidung der NATO vom Dezember 1979, mit dem Programm für Mittelstreckenraketen
als Gegengewicht zu den sowjetischen SS 20-Raketen voranzuschreiten, schließ

�voranzuschreiten, schließlich bereit gewesen, an den Verhandlungstisch zu
kommen.

Wenn die Entscheidung vom Dezember 1979 nicht verwirklicht würde,

dann wäre dies ein entscheidend wichtiges Versagen der westlichen Entschlossenheit ;es würde dem Westen ernsthafte Nachteile einbringen und jeden Anreiz für
die Sowjets beseitigen, über eine Verminderung der uns alle bedrohenden Raketen zu verhandeln.

Die Frage des Nicht-Ersteinsatzes
In gleicher Weise ist der kürzliche Vorschlag, die Vereinigten Staaten
sollten eine Politik des Nicht-Ersteinsatzes nuklearer Waffen proklamieren,
sehr gegen die westlichen Interessen gerichtet.

Zunächst einmal muß der Aus-

gangspunkt für eine Debatte über die Strategie des Bündnisses darauf beruhen,
wie man am wirksamsten den Ausbruch eines Krieges bei gleichzeitiger Sicherung
unserer Freiheit verhindern kann.

Würde eine solche Politik dazu beitragen,

den Krieg zu verhindern, oder würde sie ihn wahrscheinlicher machen?
Die meisten erfahrenen Beobachter sind der Meinung, daß eine solche Politik des Westens angesichts des ungeheuren Übergewichts der sowjetischen Stärke
auf dem Gebiet der konventionellen Rüstung eine offene Einladung an die Sowjets
zu konventioneller Aggression darstellen würde.

Ein Verzicht auf nukleare Ab-

schreckung würde, wie ihre Befürworter erkennen, einen massiven Ausbau der
konventionellen Streitkräfte der NATO erforderlich machen - einen Ausbau von
einer Größenordnung, die vermutlich die finanziellen Ressourcen übersteigen
würde, die unsere Wähler zu unterstützen bereit sind, insbesondere in diesen
Zeiten der weitverbreiteten wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

Sollte die NATO

ihre Ziele bei der konventionellen Stärke nicht erreichen, würde dies die
Glaubwürdigkeit des Vorschlages unterminieren.
Andererseits würde - von der finanziellen Last einmal ganz abgesehen der Verzicht auf eine mögliche nukleare Option den Sowjets die Wahl der Strategie überlassen.

Er würde ihnen gestatten, ihr Risiko zu begrenzen - ob nun

im Hinblick auf einen allgemeinen Angriff auf den Westen oder hinsichtlich
- 7 -

�oder hinsichtlich eines mehr begrenzten Schrittes gegen Berlin oder die türkischen Meerengen.
Wi

Er würde die Schwelle der militärischen Aktionen senken.

wir in Afghanistan erlebt haben, hat die sowjetische Bereitschaft zu mi-

litärischen Aktionen in den letzten Jahren zugenommen, wenn die Risiken geringer erscheinen.
Wenn wir schon über die Frage des Nicht-Ersteinsatzes sprechen sollen,
warum dann nicht gleich über alle Waffen sprechen?

Wie Verteidigungsminister

Weinberger ausgeführt und wie auch der norwegische Außenminister kürzlich in
einer Rede in Oslo unterstrichen hat, in der er sich gegen den gegenwärtigen
Nicht-Ersteinsatz-Vorschlag wandte, hat die NATO mit Nachdruck erklärt, daß
sie nicht als erste Gewalt irgendwelcher Art anwenden werde.

In der Erklärung

von Bonn, die die Chefs der verbündeten Regierungen am 10. Juni dieses Jahres
abgaben, wird unmißverständlich dargelegt, daß die NATO ihre Waffen - nuklear
wie konventionell - nicht zum Einsatz bringen wird, es sei denn
auf einen Angriff.

als Reaktion

Und um Verteidigungsminister Weinberger zu zitieren:

"Die

nukleare Abschreckung mag eine unpopuläre Vorstellung sein, aber man kann doch
nicht die Tatsache übersehen, daß sie funktioniert hat."

Die Natur der Bedrohung
Ob die sowjetische Politik ihren Ursprung hat in einem Gesamtplan, der
darauf abzielt, ihr System weltweit auch Andersdenkenden aufzuerlegen, ob sie
einem opportunistischen Angriff auf Ziele entspringt, die sich gerade günstig
ergeben, oder ob sie letztlich herrührt aus dem historischen paranoischen Argwohn der Russen hinsichtlich aller Dinge jenseits ihrer Grenzen, braucht uns
hier nicht im einzelnen zu beschäftigen. Aber selbst wenn die wohlwollendste
Auslegung der jüngsten sowjetischen Maßnahmen angewendet würde, müßte man doch
nach der Gefahr fragen, die davon für Afghanistan ausgeht - jenem unglücklichen
Land, das von etwa 100 000 sowjetischen Soldaten mit Blut durchtränkt wird...
Und man könnte auch nach der Gefahr für die polnischen Gewerkschaftler fragen,
die nach einer lebenswerteren Gesellschaftsform streben, während sie gleichzeitig den imperialistischen Forderungen der Sowjetunion an ihre Gesellschaft
- 8 -

�ihre Gesellschaft entgegentreten.
Wir müssen uns mit den sowjetischen Kapazitäten befassen.

In dem Jahr-

zehnt nach Vietnam haben die Vereinigten Staaten die Wehrpflicht aufgegeben
und die Höhe ihrer Verteidigungsausgaben sowie den ganzen Umfang der Verteidigungseinrichtungen verkleinert.

In einer Zeit, die durch die Bemühungen

des Westens um eine Verminderung der Spannungen gekennzeichnet war, hat die
Sowjetunion allein im Hinblick auf die strategischen Streitkräfte 130 Milliarden Dollar mehr aufgewandt als die USA.

In diesem Zeitraum hat die Sowjet-

union allein zehn Versionen von drei neuen ballistischen Interkontinentalraketen disloziert, während die Vereinigten Staaten keine neuen Nuklearsysteme
disloziert haben und dies auch nicht tun werden, bis die MX-Rakete später in
diesem Jahrzehnt zur Verfügung steht. Während die Vereinigten Staaten kein
neues mit ballistischen Raketen bestücktes Unterseeboot gebaut haben, hat die
Sowjetunion 60 neue oder verbesserte strategische U-Boote in Dienst gestellt.
Und im Rahmen eines Raketenprogramms, das trotz der Erklärung Breschnews vom
vergangenen Frühjahr bezüglich eines einseitigen Moratoriums fortgesetzt wird,
verfügen die Sowjets jetzt über mehr als 1000 nukleare Gefechtsköpfe für Mittelstreckenraketen, womit sie Ziele in ganz Europa treffen können.
hat demgegenüber

Der Westen

keine vergleichbare Kapazität und wird sie auch nicht haben

- es sei denn, es kommt bei einem Mißerfolg in Genf zu der geplanten Dislozierung von PERSHING

II und landgestützten Marschflugkörpern Mitte der achtziger

Jahre.
Im Zuge des Anwachsens der sowjetischen Streitkräfte um ein Drittel auf
4,8 Millionen Soldaten - mehr als das Doppelte der unsrigen - und der Erhöhung
der Militärausgaben der Sowjetunion um mehr als 50 Prozent sowie der Entsendung
einer modernen Kriegsmarine in Gewässer, in denen sich bisher die sowjetische
Flotte nicht befand, zeigte Moskau eine immer stärker werdende Neigung, seine
neue militärische Stärke für politische Ziele einzusetzen, entweder direkt
oder durch Stellvertreter, von Mittelamerika bis nach Polen und weiter bis nach
Südostasien, von Afghanistan bis nach Äthiopien und Angola.
Aber so

�Aber so breitangelegt die sowjetische Bedrohung ist, sie ist im wesentlichen eindimensional.

Wir müssen uns über eines im klaren sein:

Der kom-

munistische Staat zeigt sich als ein gewaltiger Fehlschlag außer auf einem
Gebiet

- einem wichtigen Gebiet:

dem Gebiet der militärischen Macht.

Auf

diesem Felde hat sich die Sowjetunion zu einer Supermacht entwickelt - und zu
einer gefährlichen, die gekennzeichnet ist durch das Fehlen einer jeden wirklichen Zurückhaltung in bezug auf ihre totalitäre Macht, sofort und unvermittelt zuzuschlagen, wenn sie sich aufgrund ihrer gewaltigen inneren Belastungen dazu gezwungen fühlt.

Wir sehen uns einem System mit einer im Sterben lie-

genden Ideologie gegenüber, einem riesigen Land, das nicht in der Lage ist,
sich selbst zu ernähren, einer Regierung, die niemals legitime Mittel zur Nachfolge entwickelt hat, die an die Stelle der Abhängigkeit von mörderischen Intrigen in düsteren Kremlkorridoren treten könnten, um die Staatsmacht weiterzugeben, der Führung eines Bündnisses unterdrückter und unzuverlässiger Satelliten.

Sechseinhalb Jahrzehnte nach einer Revolution, die Brot und Freiheit

versprach, hat das sowjetische Volk weder das eine noch das andere.

Das

sowjetische System produziert Panzer (leider mit Hilfe westlicher Technologie),
aber keine Lebensmittel.
heit.

Es produziert Mauern und Flüchtlinge, aber keine Frei-

Ja, wer kann an dem Ausgang wirklich freier Wahlen auch nur zweifeln,

sollten sie in Staaten abgehalten werden können, die unter der Herrschaft des
Kreml stehen?

Hoffnungen für die Zukunft
Ich habe keine Zweifel daran, daß die Völker der Sowjetunion und ihrer
Satelliten sich nicht weniger nach Frieden sehnen, als wir es hier im Westen tun.
Wir können die Sowjets nicht dazu zwingen, entweder Idealisten oder Philanthropen
zu sein, aber wir können fordern, daß sie Realisten sind. Wir können dies tun
- und dies geschieht ja auch seitens unserer Verbündeten und der USA -, indem
wir die notwendige Verteidigung aufbauen, während wir gleichzeitig verhandlungsfähige und echte Vorschläge für eine Rüstungsverminderung auf den Tisch legen.
+ + + + +
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United States Information Service
Embassy of the United States of America

20. Oktober 1982

41

USA LEHNEN UN-AUSSCHLUSS ISRAELS AB
- Erklärung des US-Außenministers -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben unterstrichen, daß
sie sich aus der Vollversammlung der Vereinten Nationen zurückziehen und
ihre Zahlungen an die Vereinten Nationen einstellen würden, sollte ein Vorschlag über einen Ausschluß Israels aus dieser Organisation zur Verabschiedung
gelangen.
In einer am 16. Oktober 1982 vom amerikanischen Außenministerium veröffentlichten Erklärung stellte Außenminister Shultz zudem fest, die amerikanische Reaktion würde auch gegenüber der Internationalen Fernmeldeunion (ITU),
einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen, dieselbe sein, da auf deren
Vollversammlung in Nairobi derzeit ein ähnlicher Schritt in Erwägung gezogen
wird.
Der Ausschluß Israels aus diesen Organisationen, so erklärte Shultz,
"stünde im Gegensatz zu den Prinzipien der Vereinten Nationen", und die Vereinigten Staaten betrachteten diese Drohungen "mit großer Besorgnis".
Der Text

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�Der Text der Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Es gab in jüngster Zeit in der Vollversammlung der Vereinten Nationen
in New York und auf der Generalkonferenz der Internationalen Fernmeldeunion
in Nairobi Vorschläge gegen die weitere Beteiligung Israels an diesen Organisationen.

Die Vereinigten Staaten betrachten diese Drohungen mit großer

Besorgnis.
Der Ausschluß Israels aus der Vollversammlung oder der Internationalen
Fernmeldeunion würde unter diesen Umständen im Gegensatz zu den Prinzipien
der Vereinten Nationen stehen.

Im Fall der Vollversammlung wäre dies eine

eindeutige Verletzung der Charta der Vereinten Nationen.

Ein solcher Schritt

zerstörte die eigentliche Zielsetzung der Vereinten Nationen - die Beilegung
von Streitigkeiten zwischen Staaten -, indem weiterer Konflikt und weitere Uneinigkeit geschaffen würden.

Dies würde dem gesamten System der Vereinten

Nationen einen schweren Schaden zufügen und uns allen schaden.
Der Ausschluß Israels aus den Organen der Vereinten Nationen wäre zugleich ein schwerer Rückschlag für den Fortschritt in Richtung auf einen Frieden im Nahen Osten, dem sich die Vereinigten Staaten und praktisch alle Mitglieder der Vereinten Nationen verpflichtet haben.

Es wäre eine tragische

Ironie, wenn Schritte dieser Art gegen Israel gerade zu einem Zeitpunkt Erfolg hätten, da es neue Hoffnung auf Fortschritt im Nahen Osten gibt.
Die Vereinigten Staaten haben stets deutlich gemacht, daß jeder Angriff
auf Israels Recht zur Beteiligung in welcher Organisation der Vereinten Nationen
auch immer im Erfolgsfall ernste Konsequenzen für unsere eigene weitere Beteiligung und unsere Unterstützung haben würde. Als Beweis für unsere Entschlossenheit zur Begegnung solcher Schritte zogen wir unsere Delegation aus der Konferenz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) nach einer ungerechtfertigten Zurückweisung der israelischen Akkreditierung am 24. September ab, kündigten eine Überprüfung unserer Beteiligung an der IAEA an und suspendierten
unsere Beteiligung an einer ganzen Reihe von Aktivitäten der Behörde.
Bis ein

�Bis ein Ergebnis unserer Überprüfung vorliegt, werden wir keine weiteren
Zahlungen an die IAEA vornehmen.
Sollte es zu ähnlichen Schritten auch bei anderen Organisationen der
Vereinten Nationen kommen, werden wir dieselben Maßnahmen auch dort ergreifen.
Sollte Israel von der Vollversammlung ausgeschlossen werden, würden die
Vereinigten Staaten ihre Beteiligung in der Versammlung einstellen und Zahlungen an die Vereinten Nationen zurückhalten, bis Israels Recht auf Beteiligung wiederhergestellt ist.
Wir würden auch unsere Delegation von der Generalversammlung der Internationalen Fernmeldeunion in Nairobi zurückziehen, sollte Israel ausgeschlossen werden,und würden weitere Zahlungen an diese Organisation zurückhalten.
Die ITU, die IAEA und andere technische Sonderorganisationen dürfen nicht
durch solche politische Angriffe auf die Rechte der Mitgliedstaaten untergraben oder zerstört werden.
Wir vertrauen darauf, daß die Mehrheit der Mitgliedstaaten der Vereinten
Nationen und aller ihrer Einrichtungen die ernsten Gefahren aller weiterer Angriffe auf Israels Recht auf Beteiligung an den Körperschaften der Vereinten
Nationen erkennt

und sich dafür einsetzt, daß diese Initiativen abgewendet

werden.

- 3 -

�20. Oktober 1982

41

JUGENDAUSTAUSCH-PROGRAMM FINDET BEGEISTERTE UNTERSTÜTZUNG
- Von unserer Korrespondentin Di an J. McDonald -

WASHINGTON - (AD) - Die Initiative Präsident Reagans für einen internationalen Jugendaustausch entwickelt sich zu einem "ungemein großzügigen
Programm", das schon jetzt auf eine positive, ja, begeisterte Reaktion seitens der anderen Teilnehmerstaaten blicken kann.
Charles Z. Wick, Direktor des US-Informationsamtes (USIA) und persönlicher Repräsentant des Präsidenten für Organisation und Durchführung des
neuen Austauschprogramms, kam am 13. Oktober 1982 im Verlauf eines Fernsehinterviews zu dieser Beurteilung.
Im Rahmen dieses Jugendaustausches sollen in den kommenden drei Jahren
insgesamt rund 40 000 Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren aus den auf dem
Versai11 er Gipfeltreffen vertretenen Staaten an dieser Aktion teilnehmen dies würde einen Anstieg um 25 000 junge Teilnehmer bedeuten. Dabei werden
sowohl Schüler den regelmäßigen Schulbetrieb miterleben, als auch Jugendliche, die bereits im Arbeitsleben stehen, Erfahrung in Unternehmen und land-

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�und landwirtschaftlichen Betrieben sammeln. In bestimmten Fällen kann der
Aufenthalt auch das erste Studienjahr an der Universität einschließen.
Die amerikanische Regierung hat für die nächsten drei Jahre für das
Projekt 10 Millionen Dollar bereitgestellt, und auch die Beiträge aus dem
Privatbereich sollen sich auf rund 15 Millionen Dollar belaufen.
Wick erklärte, die langfristige Zielsetzung der Initiative bestehe
darin, die Möglichkeiten zu vergrößern und zu verbessern, die ein Austauschprogramm für das gründlichere

Verständnis zwischen Staaten und Menschen

bietet.
Wie Wick ausführte, können die 15- bis 19jährigen Schüler, die in die
Vereinigten Staaten kommen, mit ihrer auf diese Weise stark verbesserten
Kenntnis

des Englischen auch später zu Studium und Forschung in die USA

zurückkehren.
Das Programm selbst besteht aus einem einjährigen Aufenthalt bei einer
amerikanischen Familie, wodurch dem Besucher die Gelegenheit geboten wird,
über Sitten und Gebräuche in den USA und über den Pluralismus der amerikanischen Gesellschaft mehr zu erfahren.
Wick verwies darauf, daß das Austauschprogramm hauptsächlich von Privatorganisationen durchgeführt wird, die bereits ihre Fähigkeit unter Beweis
gestellt haben, Gastfamilien für ausländische Besucher und junge Bewerber
für Auslandsprogramme auszuwählen. Hierzu gehören die Programme des
"American Field Service", "Experiment in International Living", "Friendship
Force", sowie "People-to-People International".
Die Initiative des Präsidenten strebt des weiteren an, die Unterstützung
in den amerikanischen Gemeinden für den internationalen Austausch zu fördern,
mehr amerikanische Familien dazu zu bringen, ausländische Studenten aufzunehmen und zu freiwilligen Anstrengungen von Gesellschaften und Privatorganisationen anzuregen.

F,-n

�Ein aus Führungskräften amerikanischer Unternehmen bestehender Präsidialrat wurde ins Leben gerufen, um die Unterstützung durch den Privatsektor noch weiter zu beleben.
Beim US-Informationsamt wurde ein Büro für Jugendaustausch mit dem notwenigen Personal ausgestattet, das über Mittel verfügen wird, die im Rahmen
der Initiative gemeinnützigen Organisationen zukommen sollen.
Für den Erfolg der Initiative des Präsidenten ist es notwendig, daß die
Gemeinden in den Vereinigten Staaten bereit sind, mehr Austauschschüler aufzunehmen. Um dieses Ziel zu erreichen, führt die Charles F. Kettering-Stiftung ein Projekt mit 19 amerikanischen Städten durch, um herauszufinden, wie
die Gemeinden am besten auf diese internationalen Austauschprogramme reagieren können. Die Kettering-Stiftung beabsichtigt die Veröffentlichung eines
Handbuchs - gestützt auf die Erfahrungen mit den Gemeinden des Projektes -,
durch das sich all jene Gemeinden informieren können, die sich an der
Initiative des Präsidenten beteiligen wollen.

- 3 -

�41

20. Oktober 1982

WELTRAUM-SERVICE
US-Raumtransporter COLUMBIA nimmt Routinebetrieb auf
Von G. Weiss

(AD) — Mit dem fünften Flug der COLUMBIA, der für den 11.-16. November 1982 vorgesehen ist, beginnt der Routineeinsatz des ersten wiederverwendbaren Raumtransporters der Welt. Das neuartige amerikanische Fluggerät steht
für Dienstleistungen besonderer Art zur Verfügung - etwa als Transportmittel
für Satelliten, die bisher zum Start eigene, nicht wiederverwendbare Trägerraketen benötigten, oder als Forschungs- und Experimentierstation für Untersuchungen außerhalb des Einflußbereichs der an der Erdoberfläche herrschenden Schwerkraft. Es dient als Observatorium für die Fernerkundung der Erde,
für die Beobachtung der Gestirne und des kosmischen Raums (unbeeinträchtigt
von möglichen Störungen durch die Erdatmosphäre), und es wird fliegender Inspektions- und Wartungsbetrieb für Satelliten sein, die die Erde umkreisen.
Zivile und militärische Stellen, Unternehmen der Wirtschaft und Forschungsinstitute innerhalb wie außerhalb der Vereinigten Staaten geben ihre Aufträge zur Mitnahme von Nutzlasten, die dann während des Fluges von besonders ausgebildeten Wissenschaftlern und "Missionsspezialisten" betreut werden. Viele Versuchsanordnungen arbeiten jedoch vollautomatisch, so daß sich

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�daß sich eine Wartung erübrigt. Entsprechend geringer sind die Gebühren,
die der Auftraggeber für den Weltraumservice zu bezahlen hat.
Hauptaufgabe beim Flug STS-5 wird es sein, zwei kommerzielle Nachrichtensatelliten in den Weltraum mitzunehmen und in der Umlaufbahn der
COLUMBIA in knapp 300 km Höhe abzusetzen. Von dort aus steigen die unbemannten Geräte, die je 3,5 Tonnen Masse haben, mit der Schubkraft eigener
Bordtriebwerke zum vorgesehenen Standort auf. Er liegt im sogenannten geostationären Orbit, 36 000 km über der Erde. Außerdem hat die COLUMBIA u.a.
drei Experimente amerikanischer Oberschüler, sowie einen Spezialbehälter
mit der deutschen Versuchsausrüstung MAUS an Bord. Auftraggeber ist das
Bundesministerium für Forschung und Technologie. Bei dem Experiment, einer
Entwicklung von Dr. Günter Otto von der Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR) in Porz b. Köln, handelt es sich um
ein Spezialgebiet der Materialforschung (MAUS ist die Abkürzung für "materialwissenschaftliches autonomes Experiment unter Schwerelosigkeit"). Man will
herausfinden, wie sich die beiden unterschiedlichen Metalle Gallium und
Quecksilber beim Aufheizen bis auf 220 Grad Celsius und anschließender Abkühlung verhalten - d.h. wie sie sich unter "Mikrogravitation" (hundertprozentig ist die Schwerkraft auch im Weltraum nicht ausgeschaltet) miteinander vermischen und beim Abkühlen entmischen. Der Ablauf des Experiments
wird auf einem Röntgenfilm festgehalten. Seine Auswertung nach der Rückkehr
ermöglicht die Rekonstruktion der Verteilung der Metallpartikel in den verschiedenen Mischungsphasen an Hand von Schwarz und Weiß sowie der Graustufen auf dem Film.
Die Testflüge des Raumtransporters sind seit Juli 1982 abgeschlossen.
Dennoch wird das bevorstehende Unternehmen wiederum völlig neuartige Erfahrungen bringen: Zum ersten Mal befinden sich vier Mann an Bord, während die
Besatzung bisher aus jeweils nur zwei Mann bestand. Chefpilot Vance D. Brand
und Kopilot Robert F. Overmyer sind für den flugtechnischen Teil, die Wissenschaftsastronauten Joseph Allen und William Lenoir für die Nutzlasten
verantwortlich. Die beiden letztgenannten "Mission Specialists" werden die

- 2 -

�werden die ersten Astronauten sein, die an Bord der Raumfähre Arbeiten
außerhalb der schützenden Druckkabine ausführen. Sie tun dies, wie bei
Außenbordmanövern üblich5 im Weltraumanzug. Bei diesem handelt es sich
um eine Neuentwicklung, die leichter ist und mehr Bewegungsfreiheit gibt
als der Druckanzug, den die APOLLO-Astronauten auf dem Mond trugen.
In jedem Anzug ist ein Lebenserhaltungssystem eingebaut, über Funk
stehen die Wissenschaftsastronauten mit den Piloten in ständiger Verbindung. Die Dauer eines Außenaufenthalts ist auf jeweils sechs Stunden
begrenzt, weil dann wichtige Komponenten des Lebenserhaltungssystems fast
aufgebraucht sind. Allen und Lenoir werden am vierten Flugtag den Druckanzug anlegen. Ehe sie jedoch die offene Ladebucht, in der sie eine Reihe von
technisch-praktischen Versuchen ausführen, betreten, atmen sie ca. dreieinhalb Stunden lang den reinen Sauerstoff aus dem Lebenserhaltungssystem ein.
Dem Körper soll Zeit gegeben werden, sich von der Normalluft der Druckkabine
des Raumflugzeugs, die nahezu identisch ist mit der Luftzusammensetzung an
der Erdoberfläche, auf Sauerstoffatmung umzustellen.
Während ihres dreistündigen Außenaufenthalts sind sie an 15 m langen
Sicherheitsleinen mit dem Raumflugzeug verbunden, damit sie, was ja im
schwerelosen Zustand denkbar wäre, nicht abdriften können. Sie werden u.a.
Werkzeugsätze und technische Hilfen ausprobieren, wie sie bei künftigen
Einsätzen z.B. für die Wartung und Bedienung von Nutzlasten oder zur Reparatur von Satelliten gebraucht werden, die man zu diesem Zweck aus dem
Orbit an Bord holt.
Lenoir wird alles, was sein Kollege Allen in den drei Stunden tut, mit
einer auf seinem Helm befestigten Kamera filmen. Beide haben "Weltraumspaziergänge" und das Arbeiten im Druckanzug in einem riesigen Wassertank im
Raumfahrtzentrum von Houston geübt. Inwieweit Schwerelosigkeit unter Wasser
scheinbar ähnlichen Bedingungen im Weltraum entspricht, wollen sie nun
selbst beurteilen. Künftige

Astronauten sollen die Gewißheit haben, daß

beim Unterwassertraining die tatsächlichen Bedingungen im Weltraum gut
simuliert werden.

_ C0LUMBIA

als

�- COLUMBIA als Startbasis Das Verfahren wurde bisher noch nie praktiziert - nämlich ein bemanntes Raumfahrtgerät als Basis für den Start von Erdsatelliten zu benutzen.
Die beiden Nachrichtensatelliten, die vor dem COLUMBIA-Start als Fracht mit
in der Ladebucht des Raumtransporters verstaut wurden, sind Eigentum der
amerikanischen Firma "Satellite Business Systems" und des kanadischen Unternehmens "Telesat Canada". Sie tragen die Bezeichnungen SBS-3 (dritter
Satellit der Firma "Satellite Business Systems"

für geschäftliche Kommu-

nikation) und ANIK-C. ANIK-C ist der erste von drei Nachrichtensatelliten,
die für den inländischen Fernmeldedienst in Kanada bestimmt sind. Beide Firmen zahlen an die NASA j«j acht Millionen Dollar an Gebühr für den Start der
Satelliten, die bei der "Hughes Aircraft Company" in Kalifornien gebaut wurden.
Acht Stunden nach dem Start der COLUMBIA in Kap Canaveral steigt SBS-3
langsam aus der geöffneten Ladebucht, nachdem der Satellit in seinem Transportbehälter auf einem Drehtisch in Rotation versetzt und durch einen Federmechanismus gelöst wurde. Er vollführt 50 Umdrehungen pro Minute, was zur
Drallstabilisierung ausreicht und das Einsteuern des Geräts auf den vorgesehenen "Standort" im 36 OOO-km-Orbit in der richtigen Achsenposition erleichtert. Zehn Jahre soll er funktionsfähig bleiben.
Das gleiche Verfahren wird am zweiten Flugtag zum Start von ANIK-C
angewandt, In beiden Fällen muß ca. 40 Minuten zuvor Astronaut Overmyer
den Raumtransporter in eine Position manövrieren, von der aus der in den
Weltraum zu entlassende "Fluggast" nach Zünden seines eigenen Triebwerks
über eine stark elliptische Transfer-(Übergangs-) Bahn sein Standortgebiet
erreicht. Dies spielt für die Benutzung des Satelliten innerhalb des dafür
vorgesehenen Sende- und Empfangsgebietes eine sehr große Rolle. Die 36 000km-Bahn erlaubt die "Stationierung", weil ein Satellit in dieser Höhe mit
derselben Geschwindigkeit um die Erde kreist, in der sich ein darunter liegender Punkt auf, der Erdoberfläche mit der Erddrehung weiterbewegt. Der Sa-

�Der Satellit scheint deshalb für den Benutzer auf der Erde stillzustehen
und steht Tag und Nacht zur Verfügung.
Ca. 15 Minuten nach dem Absetzen eines Satelliten werden an der COLUMBIA
kleine Düsentriebwerke aktiviert, um zwischen beiden mindestens 12 bis 16 km
Sicherheitsabstand zu schaffen. Denn jeder der beiden Nachrichtensatelliten
(Höhe jeweils 6 m, Durchmesser knapp 2 m) hat etwa 2500 kg Festtreibstoff
für den Aufstieg sowie - für kleine Korrekturmanöver in der Umlaufbahn 150 kg von dem Flüssigtreibstoff Hydrazin an Bord.
- Kein Schichtdienst Die vier Astronauten haben nicht vor, Schichtdienst zu leisten. Vielmehr wollen sie zur gleichen Zeit schlafen, arbeiten, die Mahlzeiten einnehmen. In der Raumfähre gibt es keine eigenen Schlafquartiere. Aber Vance Brand
meint, "Wir werden schon ein bequemes Plätzchen finden". Allerdings werde es
bei vier Leuten an Bord "zum Gedränge am Fenster" kommen, und am Wasserhahn
werde man wohl oder übel anstehen müssen. "Aber wir sind ja nicht gezwungen,
auf dem Fußboden zu bleiben." Man könne in der Kabine umherschweben, das
schaffe Platz für die andern.
Mit einer Anzahl von Experimenten, die die NASA mit auf den Weg gibt,
werden Untersuchungen aus der Zeit der Testflüge fortgesetzt. Sie gelten vor
allem den unter verschiedenen Bedingungen innen und außen auftretenden Temperaturen, der Frage des günstigsten Heizsystems, der Aufheizung in der
Start- und Landephase, den Flugeigenschaften und dem Leistungsvermögen
des Raumtransporters sowie den Umweltbedingungen für die Nutzlasten in der
Ladebucht.
Zum ersten Mal soll die Weltraumfähre vollautomatisch landen. In 6100
Metern Höhe schalten die Flugastronauten auf Automatik um. Jedoch beobachten
Vance Brand und

Robert Overmyer sehr genau die Anzeigeinstrumente. Sollten

- 5 -

�Sollten dabei irgendwelche unerwarteten Probleme auftreten, würde Brand
sofort wieder auf manuelle Steuerung gehen und das Raumflugzeug landen.
Dem Flugplan zufolge soll die COLUMBIA am 11. November 1982 um 13:19
Uhr MEZ in Kap Canaveral starten und am 16. November 1982 um 15:32 Uhr im
Flughafenbereich Edwards Air Force Base in Kalifornien zur Erde zurückkehren. Anschließend wird sie vorübergehend aus dem Verkehr gezogen, weil für
ihren nächsten Einsatz mit dem in Bremen gebauten Weltraumlaboratorium
(SPACELAB)an Bord Umbauten notwendig sind. Dies wird dann der neunte Flug
eines amerikanischen Raumtransporters sein. Für die Flüge sechs, sieben
und acht (STS-6 im Januar 1983) ist CHALLENGER, die zweite Raumfähre der
USA, vorgesehen.

+ + + + +

�BERICHTIGUNG
In Amerika Dienst Nr. 35 vom 8. September 1982
ist

unter der Überschrift:

DOKUMENTATION
Reagan fordert Neubeginn im Nahen Osten
- Fernsehrede des US-Präsidenten vom 1. September 1982 auf Seite 7 durch einen übermittlungsfehler ein Absatz ausgelassen
worden.
Nach dem zweiten Absatz ..., "daß sie diese Tatsache anerkennen."
muß es heißen:
"Ich habe den heroischen Überlebenskampf Israels persönlich verfolgt
und unterstützt, seit der Staat Israel vor 34 Jahren gegründet wurde. In
den Grenzen vor 1967 war Israel an seiner engsten Stelle kaum zehn Meilen
breit. Der größte Teil der israelischen Bevölkerung lebte im Bereich der
Artillerie feindlicher arabischer Armeen. Ich denke nicht daran, Israel zu
bitten, wieder unter solchen Umständen zu leben."
Hier wieder aufnehmen:
"Der Krieg im Libanon..."

+ + +

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gedanken über das NATO-Bündnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache von US-Botschafter vor der Kommandeurtagung in Hagen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Botschafter Bennett: Zur Lage des NATO-Bündnisses&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vor dem Weltpolitischen Rat von Cincinnati -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA lehnen UN-Ausschluss Israel ab&lt;br /&gt;- Erklärung des US-Außenministers -&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jugendaustausch-Programm findet begeisterte Unterstützung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserer Korrespondentin Dian J. McDonald -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltraum-Service&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Raumtransporter COLUMBIA nimmt Routinebetrieb auf -&lt;/em&gt;</text>
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