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Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. Oktober 1982

39
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I N H A L T
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DOKUMENTATION
Shultz: Nahostregelung lebenswichtig für den Weltfrieden
- Rede des US-Außenministers vor der UN-Vollversammlung Die amerikanische Außenpolitik auf neuem Kurs
- Von John Kornblum Direktor für mitteleuropäische Angelegenheiten im amerikanischen
Außenministerium

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Erdgasleitung:

Weißer Elefant oder Trojanisches Pferd?

- Von Wilfried Prewo Wick:

USIA um Freiheit im ideologischen Wettbewerb bemüht

Von unserer Korrespondentin Valerie Kreutzer

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Satel1i ten-Di rektempfang
- US-Bundesbehörde erteilt Privatfirma erste Genehmigung

Um Über/endung von
ßelegeKemploren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. Oktober 1982

39

SHULTZ: NAHOSTREGELUNG LEBENSWICHTIG FÜR DEN WELTFRIEDEN
- Rede des US-Außenministers vor der UN-Vollversammlung •

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister
George Shultz hat in einer Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York am 30. September 1982 nachdrücklich darauf hingewiesen, daß
es in der Welt keinen Frieden und keine Sicherheit geben könne, wenn es im
Nahen Osten nicht zu einer ausgehandelten Lösung komme.

In seiner ersten Re-

de vor den Vereinten Nationen seit seinem Amtsantritt betonte Shultz, daß
die amerikanische Außenpolitik realistisch sei. Ein wichtiges Gebot für die
ganze Welt sei die Abrüstung.
Die grundlegenden Ausführungen des amerikanischen Außenministers haben
folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, sehr geehrte Delegierte, meine
Damen und Herren!
Ich möchte zunächst unserem neuen Generalsekretär, der bereits in seiner
kurzen Amtszeit diesem Amt so viel Würde gebracht hat, meine Anerkennung zollen.

Dag Hammarskjoeld hat einmal vor der Vollversammlung erklärt, daß all

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�daß all die Worte "Unabhängigkeit, Unparteilichkeit, Objektivität" - welches
man auch wählen mag -die wesentlichen Aspekte dessen beschreiben, was ohne
Ausnahme die Haltung des Generalsekretärs kennzeichnen muß. Javier Perez de
Cuellar, ein Mann der Dritten Welt, und, wie ich voller Stolz feststellen
darf, ein Mann der Neuen Welt, hat bereits die strikte Einhaltung dieses hohen Maßstabes bewiesen.

Damit hat er die höchste Wertschätzung meiner Regie-

rung und die Dankbarkeit aller verdient, die an die Zielsetzungen der Charta
der Vereinten Nationen glauben.
Ich möchte auch Herrn Hollai aus Ungarn zu seiner Wahl als Präsident
der 37. Vollversammlung gratulieren.
Wenn ich heute vor Ihnen stehe, dann muß ich unwillkürlich an meine Beziehung zu dieser Stadt und diesem Gebäude denken.
von hier geboren.

Ich wurde vier Meilen

Ich wuchs nicht weit von hier, auf der anderen Seite des

Hudson, auf und ging dort zur Schule.

Und ich machte hier eine Besucherfüh-

rung mit - kurz nachdem dieses Gebäude im Jahr 1952 eröffnet wurde als realer Ausdruck der Hoffnung, daß man zumindest den Krieg abschaffen könne.
Als ich Anfang der fünfziger Jahre durch dieses Gebäude schritt, galt
ein großes Interesse der Öffentlichkeit dem sogenannten "Meditationsraum".
Wie ich höre, gibt es diesen Raum noch. Aber in den Jahren seither ist diese Einrichtung - die Vereinten Nationen - berühmter geworden durch Reden als
durch Meditation. In diesem Saal wurden große Ideen mit großer Beredsamkeit
vorgetragen. Es wurden ebenso Hinterhältigkeiten, Platitüden und hohle Beteuerungen der Unschuld vorgetragen - nur zu oft, um ungeheuerliche und inhumane Akte zu tarnen.
Aber wir dürfen Worte nicht lächerlich machen.

Ich bin der Überzeugung,

daß der größte Fortschritt in der Menschheitsgeschichte nicht die Erfindung
des Rades, der Elektrizität oder der Verbrennungsmaschine war.

So unerläß-

lich sie für den Fortschritt gewesen sein mögen, so war doch unsere bemerkenswerteste Leistung die langsame, mühsame aber doch triumphierende Schaffung

- 2 -

�triumphierende Schaffung der Sprache.

Es waren die Worte, die unsere Vor-

fahren aus den Fesseln der Einsamkeit erlösten.

Worte gaben uns die Mittel

an die Hand, unseren Kindern und der Zukunft das krönende Juwel der menschlichen Existenz weiterzugeben:

Wissen.

Der Kodex des Hammurabi, die Bibel,

die Lehren des Konfuzius, die Lehren des Buddha, der Koran, die Einsichten
Shakespeares ,die Überzeugungen von Mahatma Gandhi oder Martin Luther King all das wurde in Worten ausgedrückt.
Es ist zutiefst enthüllend, daß die ersten Opfer von Tyrannen Worte sind.
Niemand kennt die Bedeutung der Freiheit besser als diejenigen, die wegen dessen, was sie gesagt haben, gefangengenommen oder geschlagen, eingesperrt oder
ins Exil geschickt wurden.

Ein einziger Mensch, der seine Stimme erhebt - ein

Lech Walesa zum Beispiel - ist gefährlicher als eine Panzerdivision.
Wir alle hier - gleich, ob sie, wie ich, in einem kurzen, einstündigen
Flug hierher kamen oder von der anderen Seite des Globus, wie viele von Ihnen,
betreten dieses Auditorium wegen eines ganz bestimmten Zweckes:

Nämlich über

das zu sprechen, was für unsere Regierungen die vor uns liegenden Probleme sin
und wie wir sie lösen sollten.

Zumindest in einem Punkt können wir alle über-

einstimmen - die Probleme sind vielzähl ig und schwierig.

Ich werde nicht den

Versuch machen, in den auf mich entfallenden Minuten im einzelnen alle diese
Fragen oder auch nur die meisten von ihnen anzugehen.
Stattdessen möchte ich Ihnen eine Vorstellung von den Grundsätzen und
der generellen Linie geben, auf der sich die Vereinigten Staaten bei unseren
gemeinsamen Problemen bewegen.
Amerikaner sind aus ihrer Geschichte und aus ihrer Neigung heraus ein
praktisches und ein pragmatisches Volk - aber auch ein Volk mit einer Vision.
Es ist die Vision - normalerweise schlicht und manchmal naiv -, die uns so
oft zu Abenteuer und Leistung geführt hat.

Die Haltung von Präsident Reagan

in der Außenpolitik gründet sich voll und ganz auf den Maßstäben, die sich
aus der pragmatischen Erfahrung der Amerikaner ergeben.
schon gesagt hat:

Wie de Tocqueville

Zur Erreichung seiner Ziele verläßt sich Amerika auf die
- 3 -

�auf die Interessen des einzelnen und läßt die Stärke und die Vernunft des
Individuums uneingeschränkt herrschen. Dies gilt heute noch ebenso wie vor
150 Jahren, als es geschrieben wurde. Unser wichtigstes Instrument ist heute
wie damals die Freiheit. Unsere Gegner sind die Unterdrücker, die Totalitaristen und die Taktiker der Furcht und des Druckes.
Auf dieser Grundlage sind die Gedanken Präsident Reagans und die
seiner Außenpolitik so frei und offen, daß diejenigen von uns, die im
Kleinkram verstrickt sind, sie leicht aus den Augen verlieren können.
tut der Präsident nie; er bringt uns immer wieder zum Grundsätzlichen
Ich will heute über diese Grundsätze sprechen. Sie bestehen aus vier
die unsere Handlungen lenken:

Struktur
täglichen
Dies
zurück.
Gedanken,

- Unser Ausgangspunkt ist die Realität;
- unsere Handlungen kommen aus der Stärke - sowohl hinsichtlich der Macht
als auch der Zielsetzung;
- unsere Betonung liegt auf dem unerläßlichen Bedürfnis, den Konsens zu
fördern, zu Vereinbarungen zu gelangen und über zentrale Fragen zu verhandeln; und
- wir handeln in dem Glauben, daß Fortschritt möglich ist, auch wenn der
Weg dorthin lang und beschwerlich ist.

I. Die Realität
Wenn wir die Welt verändern wollen, müssen wir sie zunächst verstehen.
Wir müssen uns der Realität stellen - mit all ihrer Qual und all ihren Möglichkeiten. Unser Zeitalter braucht diejenigen, die, wie Perikles einst sagte,
die deutlichste Vorstellung von dem haben, was vor ihnen liegt - Ruhm genau
wie Gefahr - und die dennoch darauf zugehen.
Die Realität

�Die Realität ist weder eine Illusion noch ein Taschenspielertrick, auch
wenn viele möchten, daß wir dies anders sähen.

Die gewaltige, zermalmende

Maschinerie der sowjetischen Propaganda versucht Tag für Tag, die Realität
zu verzerren und die Wahrheit für ihre eigenen Zwecke zu verbiegen. In unserer
Welt gibt es viel zu viele Regierungen, die versuchen, die Wahrheit vor ihrem
eigenen Volk zu verhüllen.

Sie möchten die Realität einsperren, indem sie das

kontrollieren, was man lesen oder sprechen oder hören kann.

Sie möchten uns

in dem Glauben belassen, daß schwarz weiß ist und oben unten.
Ein großer Teil der heutigen Realität ist unschön.

Die Bedingungen so

zu beschreiben, wie wir sie sehen - wie ich dies heute tue, und wie es Präsident Reagan im Lauf seiner Präsidentschaft immer getan hat -, bedeutet nicht,
die Konfrontation zu suchen.

Weit davon entfernt!

Unser Ziel ist es, Mißver-

ständnisse zu vermeiden und die notwendigen Vorbedingungen für einen Wandel
zu schaffen.
Und deshalb werden wir eine Aggression, wenn wir sie sehen, auch Aggression nennen.
nen.

Wenn wir eine Subversion sehen, werden wir sie Subversion nen-

Und wenn wir eine Repression sehen, werden wir sie Repression nennen.
- Die Ereignisse in Polen zum Beispiel können nicht ignoriert oder hin-

wegerklärt werden.

Das polnische Volk möchte sein eigener Herr sein.

der systematischen Tyrannei konnten diesen Wunsch nicht unterdrücken.
auch das Kriegsrecht wird es nicht tun.

Jahre
Und

Aber im heutigen Polen muß sich die

Wahrheit im stillen Winkel verstecken.
- Wir können uns auch nicht einfach abwenden und wegschauen, während
sowjetische Divisionen in Afghanistan die gesamte Bevölkerung brutal unterdrücken.

Der Widerstand des afghanischen Volkes ist eine heldenhafte Saga un-

serer Zeiten.

Wir würdigen diese Tapferkeit herab, wenn wir nicht ihren Ur-

sprung erkennen.
- Und sowjetische Stellvertreter intervenieren in vielen Ländern, wobei
sie ein neues Zeitalter des Kolonialismus zu einem Zeitpunkt der Geschichte
- 5 -

�der Geschichte schaffen, da die Völker auf der ganzen Welt diese Last abgeschüttelt hatten.
- Wir werden auch nicht davor zurückscheuen, andere Probleme anzusprechen,
die die freie Welt und die Entwicklungswelt angehen.
- In weiten Teilen der Entwicklungswelt gibt es die Bedrohung durch eine
Vertrauenskrise in die Finanzinstitutionen und durch die beengenden Wirkungen
der vom Staat kontrollierten Volkswirtschaften.
- Die normalerweise pulsierenden Volkswirtschaften vieler westlicher
Staaten genau

wie der Handel zwischen den Haupthandelspartnern der Welt wer-

den durch Rezession und steigenden Protektionismus bedroht.
- Und die wichtigsten Bündnisse, die die Stabilität und das Wachstum
der Welt beschirmen -, die Partnerschaft auf unserer Hemisphäre, die NATO sowie die westlichen Industriedemokratien und Japan -, sind sowohl durch neue
als auch alte Belastungen herausgefordert.
Schließlich verdunkelt der Schatten des Krieges noch immer unser aller
Zukunft.
- Es gibt bei einem ständig in Frage gestellten nuklearen Gleichgewicht
des Schreckens keine letztliche Sicherheit. Zu einer Zeit, da immer mehr
Staaten den Eindruck machen, zu einem Einsatz ihrer Armeen in Schlachten bereit zu sein, deren Gründe lokaler Natur zu sein scheinen, die aber Auswirkungen auf die regionale und sogar globale Harmonie haben, herrscht auch ein
geistiger Unruhezustand.
Die Liste der Unruhen ist lang, die Gefahr der Verzweiflung groß.

Aber

es gibt auch noch eine andere Seite der derzeitigen Realität; es ist eine Realität der Hoffnung.

Wir leben in einer phantastischen Zeit der Möglichkeiten.
Die Historiker

�Die Historiker zukünftiger Zeiten werden sicherlich Großes über die
Leistungen schreiben, die von der Menschheit in der zweiten Hälfte dieses
Jahrhunderts erreicht wurden.

Wir haben die Grenzen des Denkens ausgedehnt

- in den Naturwissenschaften, in der Biologie, in der Technik, in der bildenden Kunst, der Musik und Mathematik, bei Technologie und Architektur - weit
über den Punkt hinaus, den vorauszusagen man gewagt oder auch nur gehofft
hätte.

Heute wissen wir viel über Ozeane und Wälder und geologische Schich-

ten, die die Geschichte unserer Vergangenheit in sich tragen.

Wir wissen

mehr über ein Kleinkind oder über das Gehirn, als in den Jahrtausenden vor
uns zusammengetragen wurde.

Wir sind dabei zu lernen, Nahrungsmittel für uns

alle zu produzieren; wir stehen nicht mehr hilflos vor den Gefahren von Krankheiten; und wir erforschen wie selbstverständlich unser Universum.
schäftigen uns mit der Natur der Natur selbst.
tig.

Wir be-

Die Möglichkeiten sind gewal-

Auch dies ist eine eindeutige Realität.
So zeigt uns der Realismus eine Welt in großer Unruhe, aber zugleich auch

Gründe für Hoffnung.

Aber es gibt eine notwendige Vorbedingung:

Der einzige

Weg, auf dem wir das menschliche Potential erhöhen und erweitern können, geht
über die Bewahrung, die Verteidigung und die Ausweitung der kostbarsten Vorbedingungen - Freiheit und Friede.

II. Stärke
Amerikas Verlangen nach Frieden führt uns jedoch nicht dazu, beim Aufbau
unserer Stärke zu zögern oder sie, falls notwendig, auch einzusetzen.

Ja, Klar-

heit über die Größe der vor uns liegenden Probleme führt unvermeidlicherweise
zu einer realistischen Einschätzung der Bedeutung amerikanischer Stärke.

Die

Stärke der freien Welt zwingt zu Zurückhaltung, lädt zu Entgegenkommen ein
und bietet denjenigen Sicherheit, die sich an der kreativen Arbeit beteiligen
wollen, die kostbarer Ausfluß der Freiheit ist.
Stärke bedeutet, daß die militärischen Streitkräfte sicherstellen, daß
kein anderes Land uns, unsere Interessen oder unsere Freunde bedrohen kann.
- 7 -

�bedrohen kann.

Aber wenn ich von Stärke spreche, so meine ich nicht allein

militärische Macht.

Für uns Amerikaner kommt Stärke zugleich auch aus einer

soliden wirtschaftlichen Grundlage und sozialer Vitalität sowohl zu Hause
als auch mit unseren Partnern; und, was am wichtigsten ist:

Die echte Quelle

der Stärke liegt in der moralischen Verpflichtung Amerikas.
Das Bollwerk der Stärke Amerikas ist die militärische Macht für den Frieden.
Das amerikanische Volk hat niemals Schwäche, Zögern oder Verzicht akzeptiert.

Wir werden unser Geschick nicht in die Hände von Unbarmherzigen legen.

Heute sind die Amerikaner mit Nachdruck geeint in der Notwendigkeit einer
starken Verteidigung.

Der Verteidigungshaushalt dieses Jahres wird sicherstel-

len, daß die Vereinigten Staaten ihren Freunden und Verbündeten dabei helfen,
sich selbst zu verteidigen; er wird sicherstellen, daß der Frieden von allen
deutlich als der einzig einschlagbare Kurs der Weltpolitik angesehen wird.
Hand in Hand mit militärischer Bereitschaft und militärischer Kapazität
muß die Bereitschaft gehen, diese auch für die Sache des Friedens, der Gerechtigkeit und der Sicherheit einzusetzen.

Heute helfen in Beirut die ame-

rikanische Marinesoldaten - zusammen mit unseren Verbündeten Italien und
Frankreich - der libanesischen Regierung und ihren Streitkräften, die Sicherheit der Einwohner dieser gequälten Hauptstadt sicherzustellen.

Ich sage es

mit Bedauern, daß ich gerade von dem Tod eines Angehörigen des Marinekorps und
der Verwundung mehrerer anderer durch eine Minenexplosion auf dem Beiruter
Flughafen

gehört habe.

Aber unsere Marinesoldaten stellen eine Ausweitung

amerikanischer Macht nicht zum Zweck des Krieges, sondern zur Sicherung des
Friedens dar.

Sie sind dort, um so schnell wie möglich den Augenblick herbei-

zuführen, an dem alle ausländischen Streitkräfte den Libanon verlassen.

Es muß

bald zu einer Übereinkunft über einen Zeitplan für die umfassende Anerkennung
der Unabhängigkeit, Souveränität und territorialen Integrität kommen.

Der

Libanon verdient die Hilfe der ganzen Welt - um den Frieden zu sichern und
um wieder eine gedeihliche Gesellschaft aufzubauen.
Amerika wird

-

BJ

�Amerika wird auch weiterhin seine Stärke mit Klugheit, Beständigkeit
und Ausgewogenheit einsetzen.

Unsere Absicht ist es, den Respekt unserer

Gegner zu erlangen und uns das Vertrauen von Verbündeten und Partnern zu verdienen.
Der Motor der amerikanischen Stärke ist eine gesunde Wirtschaft.
In einer Zeit der Rezession werden die Industrienationen genau wie die
weniger entwickelten Länder von exzessiver Inflation, begrenzten Märkten, unausgelasteten Kapazitäten, stagnierendem Handel, wachsendem Drang nach Protektionismus und dem mächtigsten Feind der Expansion, einer durchdringenden
Unsicherheit,heimgesucht.
Die Vereinigten Staaten mit ihren gewaltigen Human- und Wissenschaftsressourcen können eine Zeit des wirtschaftlichen Haders und der wirtschaftlichen Rückschläge überstehen. Aber unsere moralische Verpflichtung und
unser Eigeninteresse erfordern von uns, unsere technologischen und produktiven Fähigkeiten einzusetzen, um im Inland dauerhaften Wohlstand zu schaffen
und im Ausland zu einer soliden Wirtschaftslage beizutragen.
Präsident Reagan hat ein mutiges Programm aufgestellt, um wieder Schwung
in die amerikanische Wirtschaft zu bringen.

Unsere Inflationsrate ist deut-

lich gesunken, und wir werden sie niedrig halten.

Dies wird dem Dollarkurs

zusätzliche Stabilität verleihen und den internationalen Finanzmärkten größere
Zuversicht geben.
Der kürzliche Fall der amerikanischen Zinsen wird sowohl im Inland wie
im Ausland zu neuen Investitionen anregen.

Einsparungen im Energiebereich

durch marktwirtschaftliche Preisgestaltung hat die Nachfrage der Vereinigten
Staaten nach Energie auf den Weltmärkten verringert.
Rezession hinter uns zu bringen.

Wir sind dabei, die

Eine wachsende und offene amerikanische Wirt-

schaft wird den andernorts produzierten Gütern und Dienstleistungen neue
Märkte bieten und neue Möglichkeiten für Auslandsinvestitionen.

Genau wie wir

von der weltweiten Erholung profitieren, werden andere durch unsere weitere
- 9 -

�unsere weitere Genesung begünstigt.
Damit dieser günstige Trend anhält, müssen wir gemeinsam die folgenden
internationalen Fragen angehen:
- Es gilt, sich den Gefahren einer protektionistischen Handelspolitik zu
widersetzen - ganz gleich, ob in Form offener Importrestriktionen oder Exportsubventionen oder durch subtilere inländische Programme. All dies kann
nur den Welthandel verzerren und das Wachstum überall schädigen. Machen wir
mit Entschlossenheit das GATT-Ministertreffen im November zu einer Gelegenheit,
bei der diesem protektionistischen Druck entgegengewirkt wird und die positiven Anstrengungen für ein offeneres Handelssystem erneut gekräftigt werden!
- Die Auswirkungen der Schulden vieler Staaten im Ausland gilt es zu
analysieren. Die drängendsten Schuldprobleme sind in den Griff zu bekommen,
wenn wir den gesunden Menschenverstand einsetzen und destabilisierende Maßnahmen vermeiden. Aber die Höhe der Auslandsschulden wird nahezu unvermeidlicherweise die verfügbaren Mittel vermindern, die in Zukunft zu Entwicklungszwecken zur Vergabe vorhanden sein werden. Wirtschaftliche Anpassungsmaßnahmen
sind notwendig. Der Internationale Währungsfonds kann bei den Anstrengungen
aller Länder entscheidende Hilfe und Führung geben, den Anpassungsprozeß so
reibungslos wie möglich zu vollziehen.
- Schließlich gilt es, die Notwendigkeit einer Verminderung staatlicher
Eingriffe in den freien Markt zu sehen. Jeder Staat hat das Recht, seine Gesellschaft in der Weise zu organisieren, wie es die Bevölkerung will; aber
zugleich dürfen ökonomische Tatbestände auch nicht ignoriert werden. Und diese Tatbestände zeigen, daß die Zwangswirtschaften dieser Erde zutiefst dabei
versagt haben, den Bedürfnissen der dort lebenden Menschen zu entsprechen.
Die in Wohlstand lebenden Industrienationen sind zugleich auch diejenigen mit
den freiesten und offensten Märkten.
Das Fundament unserer Stärke ist unser moralischer und geistiger Charakterzustand.
Die Quellen
- 10 -

�Die Quellen echter Stärke liegen tiefer als in der wirtschaftlichen
oder militärischen Macht - sie liegen in der Entschlossenheit freier Menschen,
die sich ihrer Verantwortung bewußt sind.

Die Institutionen Amerikas sind

offen, zugänglich für jedermann; die Regierung ist Diener des Volkes, diesem
verantwortlich.

Chancengleichheit, Gleichheit vor dem Gesetz, öffentliche

Geschworenengerichtsbarkeit, Glaubens-, Redens- und Versammlungsfreiheit unsere Bill of Rights, unsere Garantien für Freiheit und begrenzte Staatsvollmachten wurden in Jahrhunderten der Prüfung geschmiedet.

Und weil wir um un-

serer selbst willen für diese Werte Sorge tragen, müssen wir uns legitimerweise auch mit der Mißachtung von Freiheit, Gerechtigkeit und humanitären Grundsätzen jenseits unserer Grenzen auseinandersetzen.

Deshalb werden wir uns mit

Wort und Tat für jene einsetzen, die ihrer Überzeugung wegen eingesperrt sind,
werden gegen den Terrorismus und gegen die brutale Art und Weise auftreten,
in der die sowjetischen Überwachungsgruppen der Helsinki-Schlußakte zum Schweigen gebracht wurden.

Und deshalb sind wir auch ängstlich um eine regelmäßige

Überprüfung bemüht, wie die Menschenrechte bei uns und bei den anderen verwirklicht werden. Wir begrüßen eine Untersuchung unseres eigenen Systems.
Wir sind nicht vollkommen und wissen das, aber wir haben auch nichts zu verbergen.
Unser Glaube an die Freiheit leitet unsere Politik hier in den Vereinten
Nationen genau wie andernorts.

Deshalb werden die Vereinigten Staaten vor

diesem Forum auch weiterhin auf Fairness, Ausgewogenheit und Ehrlichkeit bestehen. Wir nehmen die Debatte über die Menschenrechte ernst. Wir bestehen
auf Ehrlichkeit im Umgang mit der Sprache; wir werden auf Widersprüche, auf
verschiedene Maßstäbe und auf Lügen hinweisen.

Und wir werden uns nicht bei

unserer Verpflichtung zur Wahrheit kompromittieren lassen.

III. Bereitschaft zur Problemlösung
In dieser Welt gibt es genug Arbeit zu tun für Realisten, Pragmatiker
und Freie. Mit einem klaren Verständnis für die schwierige Lage dieser Zeit
und mit gestärkter Fähigkeit zum Handeln bedürfen wir noch der Vision, über die
- 11 -

�über die unmittelbare Gegenwart hinauszublicken.
Wir alle hier vertreten Staaten, die die Notwendigkeit zu fairem Engagement
für die vor uns liegenden Fragestellungen und darüber hinaus der gemeinsamen
Anstrengung in Richtung auf gemeinsame Ziele hin einsehen und akzeptieren müssen. Gleich, ob wir den Versuch unternehmen, in einem regionalen Konflikt
Frieden zu schaffen oder eine Resolution über Handelsdifferenzen zu verabschieden:

Die Zeit der zwangsweise auferlegten Lösungen ist vorüber.

Eroberung,

Druck, Anpassung durch Nötigung waren in Jahrzehnten üblich, die noch nicht
lange der Vergangenheit angehören - aber nicht mehr heute. Nicht jedermann,
der möchte, daß seine Besorgnisse behandelt werden sollten, wird uns hierfür
automatisch empfänglich finden.

Aber wenn es um ordentliche Verhandlungen geht,

wird Amerika bereit sein, an der globalen Tagesordnung mitzuarbeiten - und dies
in einer Weise, daß alle am Ende besser und sicherer dastehen als zuvor.
Wir werden unsere Probleme vernünftiger und mit größerem gegenseitigem
Verständnis in den Griff bekommen, wenn wir zu der Erkenntnis gelangen, daß
sie Ausdruck des grundlegenden Dilemmas der Menschheit sind. Wir stehen nur
selten vorder schlichten Frage nach falsch oder richtig, nach gut oder böse.
Nur diejenigen, die nicht die unmittelbare Last der Verantwortung für eine Entscheidung und für eine Maßnahme tragen, können sich in den Details einer solchen
Realität ergehen. Aufgabe des Staatsmannes ist es, zwischen zwei - und mehreren - Anliegen zu vermitteln, bei denen oft genug jede ihre legitimen Ansprüche hat.
Und gerade auf dieser Grundlage sind die Vereinigten Staaten bereit, bei
der Lösung der Probleme unserer Zeit einen Versuch zu machen - das Chaos, die
Entbehrungen und die vermehrte Gefahren einer Ära zu überwinden, in der Ideologien und Kulturen zu oft aufeinanderzustoßen scheinen und die Technologien die
Gefahr mit sich bringen, unsere Kontrollinstanzen hinter sich zu lassen.
Wir unternehmen Verhandlungen und Anstrengungen, Antworten auf Fragen zu
finden, die jeden Teil dieser Erde berühren und jeden Aspekt des Lebens auf
ihr. Lassen Sie mich zusammen mit Ihnen nur zwei davon berühren.
Die Agonie

�Die Agonie des Nahen Ostens übersteigt derzeit die Fähigkeit, sie in Nachrichten-Bulletins oder Reden zum Ausdruck zu bringen; sie ist eine brennende
Wunde unseres Gewissens.
Gärung.
Hader.

Die Region befindet sich in einem Dauerzustand der

Unruhe entzündet sich zu Gewalt, Terror, Aufruhr und öffentlichem
Krieg folgt auf Krieg.

Für jedermann in diesem Raum hier ist klar,

daß es nicht wirklich zu Weltfrieden, Sicherheit und Zusammenarbeit kommen
kann, solange dieser schreckliche regionale Konflikt nicht gelöst ist.
Wir alle sind in den vergangenen Monaten Zeuge einer deutlichen Erinnerung
an die Notwendigkeit praktischer Friedensverhandlungen im Nahen Osten geworden.
Unter den Staaten dieser Welt, die Frieden brauchen und verdienen, steht Israel
sicherlich mit an vorderster Stelle.

Unter den Völkern dieser Welt, die einen

Platz brauchen und verdienen, mit dem sie sich wirklich identifizieren können,
ist der palästinensische Anspruch unleugbar.
Aber Israel kann einen dauerhaften Frieden nur in einem Kontext haben,
in dem das palästinensische Volk auch seine legitimen Rechte wiederfindet.
Desgleichen wird das palästinensische Volk nur in einem Kontext seine legitimen
Rechte erhalten können, der Israel das gibt, was zu verlangen es so offenkundig ein Recht hat - nämlich zu existieren, und zwar in Frieden und in Sicherheit
zu existieren.
Dieser komplizierteste aller internationalen Konflikte kann nicht durch
Gewalt gelöst werden; weder der Macht von Armeen noch der Gewalt von Terroristen
kann es gelingen, den Schwachen den Willen der Starken aufzuzwingen.

Der

Konflikt kann auch nicht nur einfach durch die Rhetorik selbst der sorgfältigst formulierten Dokumente geregelt werden.

Er kann nur gelöst werden

durch das Geben und Nehmen direkter Verhandlungen, die zur Schaffung praktischer Vorkehrungen an Ort und Stelle führen.
Mit anderen Worten:

Er kann nur durch harte Arbeit gelöst werden.

Für

diejenigen, die daran glauben, daß kein Widerspruch besteht zwischen Frieden
für Israel und den legitimen Rechten des palästinensischen Volkes und für diejenigen, die glauben, daß beides von entscheidender Bedeutung für den Frieden
- 13 -

�den Frieden ist und daB das eine nicht ohne das andere zu erreichen ist,
kann diese Aufgabe wahrhaft zu einer Arbeit werden, die gern getan wird.
Am 1. September hat Präsident Reagan die am arabisch-israelischen Konflikt beteiligten Parteien aufgefordert, einen Neubeginn auf dem Wege zum
Frieden im Nahen Osten zu machen.

Die Abkommen von Camp David, die fest auf

der Resolution 242 des Weltsicherheitsrates mit der Formel Frieden und Territorium ruhen, stehen auch weiterhin denen offen, die diesem Appell zustimmen,
den Weg mit uns zu gehen.

Dieser Weg wird nicht leicht sein, aber in seiner

Erklärung unterbreitete Präsident Reagan eine Reihe von Vorschlägen, die für
diejenigen, die bereit sind, sich diesem Bemühen anzuschließen, den Weg
sicherer und leichter machen.
Ich appelliere an alle Betroffenen, diesem Aufruf Präsident Reagans zuzustimmen und die Verwirklichung eines echten Friedens im Nahen Osten zu beschleunigen.
Zusätzlich zu dieser dringenden Notwendigkeit, regionale Probleme zu
lösen, gibt es ein gleichermaßen wichtiges, globales Gebot: Der weltweiten
Aufrüstung Einhalt zu gebieten und sie ins Gegenteil umzukehren. Als Amerikaner bin ich mir über die Tatsache im klaren, daß den beiden mächtgsten Nationen, den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, eine besondere Verantwortung für die Rüstungskontrolle und die Abrüstung zukommt. Und als Amerikaner
kann ich berichten, daß wir unserer Verantwortung nachkommen, eine Begrenzung
und Reduzierung konventioneller und nuklearer Waffen auf den geringstmöglichen
Stand anzustreben.
Mit diesem Ziel vor Augen hat Präsident Reagan ein umfassendes Programm
für ausgehandelte Rüstungsreduzierungen eingeleitet. In Mitteleuropa, dem
am schwersten bewaffneten Gebiet auf diesem Planeten, bemühen sich die westlichen Verbündeten um wesentliche Verringerungen der Truppen der NATO und des
Warschauer Paktes auf ein gleiches Niveau. Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir kürzlich einen neuen Vorschlag unterbreitet, der darauf abzielt, die
Wiener Gespräche über beiderseitige und ausgewogene Reduzierungen der Truppen- 14 -

�der Truppenstärken wiederzubeleben.
Auf dem Gebiet der strategischen Waffen haben die Vereinigten Staaten
ebenfalls die Initiative ergriffen, indem sie die Verringerung der Anzahl
der nuklearen Gefechtsköpfe um ein Drittel forderten, die amerikanische und
sowjetische ballistische Raketen ins Ziel tragen können.

Und bei den Genfer

Gesprächen über nukleare Mittel Streckensysteme sind die Vereinigten Staaten
sogar noch weiter gegangen, indem sie die Sowjetunion aufgefordert haben, einem kühnen Vorschlag für die Beseitigung einer gesamten Waffenkategorie aus
den Arsenalen der beiden Seiten zuzustimmen.
Aber so wichtig diese Verhandlungen auch sind, das Problem der Rüstungskontrolle kann nicht den beiden Supermächten überlassen bleiben.

Die Gefahr

der nuklearen Proliferation erstreckt sich praktisch auf die ganze Welt und
erfordert die Aufmerksamkeit und die Energie aller Regierungen.

Dies ist

nicht allein, nicht einmal in erster Linie ein Anliegen der Supermächte.
Die Nicht-Atomstaaten werden nicht sicherer sein, wenn die nukleare Einschüchterung noch zu den bereits tödlichen regionalen Konflikten hinzukommt.
Die Entwicklungsländer werden keineswegs eine größere Priorität erlangen,
wenn knappe Ressourcen und wissenschaftliches Können für Atomwaffen und Trägersysteme abgezweigt werden.
Leider wird die Aufgabe, je wichtiger sie wird, auch umso schwieriger.
Es werden immer größere Mengen gefährlichen Materials produziert, und es treten neue Lieferanten auf, die keine klare Verpflichtung zur Nichtweiterverbreitung an den Tag legen.

Aber die Technologie, die zur Schaffung dieser

Probleme beitrug, kann auch die Antworten dazu liefern.

Tatkräftige Schritte

zur Stärkung der einer Aggression entgegenstehenden Hindernisse und Schranken
sowie Maßnahmen zur friedlichen Lösung von Streitfällen können die Unsicherheiten beseitigen, die die Wurzel des Problems sind.

Die Vereinigten Staaten

werden ihrerseits darauf hinwirken, die Exportkontrollen zu verstärken, eine
größere Zustimmung zu den Sicherheitsvorkehrungen zu fördern, sinnvolle Maßnahmen zu fördern, wenn Abkommen verletzt werden, und die Internationale Atomenergiebehörde zu stärken.

(Wie unsere Aktion in Wien in der vergangenen Woche
- 15 -

�vergangenen Woche verdeutlichte, werden wir keine Versuche zur Politisierung
- und damit zur Schwächung solcher lebenswichtiger Institutionen akzeptieren.)

IV. Fortschritt
Der vielleicht allgemeingültigste Satz ,der in über zwei Jahrhunderten
des nationalen Lebens von Amerikanern geprägt wurde, lautet:
kann man nicht aufhalten."

"Den Fortschritt

Unser Volk war stets von der Überzeugung

erfüllt,

daß die Zukunft eines freien Volkes gut sein müsse.
Auch weiterhin bietet Amerika der Welt diese Vision an.

Mit einer sol-

chen Vision und mit der Freiheit, kreativ zu handeln, erfüllt, gibt es nichts,
was Menschen guten Willens zu fürchten hätten.
Ich will hier jedoch nicht behaupten, daß der Weg leicht ist oder schnell
zurückgelegt werden kann oder daß die Zukunft unbedingt hell und leuchtend
sein muß. Es gibt ein Gedicht von Carl Sandburg, in dem ein Reisender die
Sphinx auffordert, den Extrakt der Weisheit aller Zeitalter zu enthüllen.
Die Sphinx antwortet tatsächlich. Ihre Worte sind "Erwarte nicht zuviel."
Das ist ein guter Rat für uns alle. Dies bedeutet nicht, daß große
Leistungen außerhalb unserer Reichweite lägen. Wir können dazu beitragen,
konstruktivere internationale Beziehungen zu schaffen und unseren Kindern eine
bessere Lebenschance zu bieten. Es heißt jedoch auch, daß Wagnisse, Schmerzen, Kosten und vor allem Ausdauer nötig sind, um diese Leistungen zu vollbringen.
Wir müssen uns über den komplexen und beunruhigenden Charakter dieser
Welt im klaren sein. Wir sollten nicht in Bildern der Perfektion oder in unerfüllbaren Plänen schwelgen oder Lösungen nachgeben, die durch Druck erreicht wurden. Es ist die Verantwortung der führenden Politiker, nicht noch
den immer größer werdenden Appetit auf leichte Versprechungen oder großartige

�oder großartige Zusicherungen zu fördern. Die einfache Wahrheit ist vielmehr:

Wir

sehen uns der Aussicht gegenüber, daß es nur allzu wenige ent-

scheidende und dramatische Durchbrüche geben wird; wir sehen uns der Notwendigkeit gegenüber, unsere Energien und unsere Kreativität einem sich hinziehenden Kampf um den letztlichen Erfolg zu widmen.
Das ist die Einstellung meines Landes, weil wir nicht nur die Notwendigkeit, sondern auch die Möglichkeit sehen, auf breiter Front wichtige Fortschritte zu erzielen.

Zum Beispiel:

- Trotz tiefgehender Meinungsunterschiede zwischen uns und der Sowjetunion stehen Unterhändler beider Seiten in einem ernsthaften und sachlichen Bemühen um die Rüstungskontrolle.
- Präsident Reagan hat zu einer internationalen Konferenz über Militärausgaben aufgerufen.

Die Schaffung eines gemeinsamen Systems zur Er-

fassung und Offenlegung ist die Voraussetzung für ein Abkommen über die
Begrenzung oder Kürzung der Verteidigungshaushalte.
- Die Initiative für das Karibische Becken schafft die entscheidend wichtige Verbindung zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und wirtschaftlicher Freiheit.

Dies kann ein Modell werden für faire und produktive

Zusammenarbeit zwischen Volkswirtschaften, die nach Umfang und Natur
überaus unterschiedlich sind.
- Und der diplomatische Weg ist offen, um im südlichen Afrika Stabilität
und Fortschritt für Namibia durch Unabhängigkeit unter international
akzeptablen Bedingungen zu schaffen.
Realismus sowie die Bereitschaft, lange und hart für faire und frei vereinbarte Lösungen zu arbeiten - das ist unser Rezept für den Optimismus. Das
ist die Botschaft und auch das Angebot, das meine Regierung Ihnen heute unterbreitet.
Herr Präsident,
- 17 -

�Herr Präsident, Herr Generalsekretär, sehr geehrte Delegierte und Freunde:
Ich habe meine Ausführungen hier und heute mit einem informellen, persönlichen
Wort begonnen.

In diesem Geiste möchte ich auch meine Bemerkungen abschließen.

Wir müssen entschlossen und zuversichtlich sein. Wir müssen uns auf
Schwierigkeiten einstellen, aber immer optimistisch bleiben.

Nur auf diese

Weise kann das Großartige, das der menschliche Geist und die Vorstellungskraft
des Menschen hervorbringt, von all den Rassen und Nationen geteilt werden, die
wir hier in diesem Raum vertreten.
Einer meiner Vorgänger als amerikanischer Außenminister, dessen Bild in
meinem Büro hängt, hat der Welt das Wesen der Einstellung Amerikas zu den Gefahren und Zwangslagen unseres Planeten übermittelt.

Er sagte, wir würden

"mit festem Herzen und einem reinen Gewissen handeln und niemals verzweifeln."
Das hat John Quincy Adams vor etwa 150 Jahren gesagt. Ich darf Ihnen
heute persönlich versichern, daß wir in diesem Geist unsere Arbeit fortführen
werden, mit dieser Entschlossenheit und mit diesem Vertrauen in die Zukunft.

+ + + + +

18

�6. Oktober 1982

39

DIE AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK AUF NEUEM KURS
- Von John Kombi um Direktor für mitteleuropäische Angelegenheiten im amerikanischen
Außenministerium

Nachfolgend die Wiedergabe eines Vortrages, den John Kornblum am 4. Oktober
1982 im Haus Rissen in Hamburg gehalten
hat.

- (AD) - Die 37 Jahre seit Ende des Zweiten Weltkrieges waren eine Zeit
des dramatischen Wandels. Aber sie waren auch eine Ära der bemerkenswerten
Kontinuität in den grundlegenden Beziehungen zwischen den Völkern, vor allem
den Völkern der atlantischen Welt.
Ein Grundprinzip der amerikanischen Außenpolitik bleibt die Aufrechterhai tung der Sicherheit und Freiheit für die Vereinigten Staaten und für
ihre Verbündeten. Gleichzeitig suchen sie geduldig nach Lösungen der vielen
Probleme,die uns heute konfrontieren.
Um es

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Um es ganz direkt zu sagen:

Unsere Politik hat sich darauf konzentriert,

den Zusammenhang des Atlantischen Bündnisses als der stärksten Partnerschaft
demokratischer Staaten in der Welt aufrechtzuerhalten.

Es ist und bleibt un-

sere feste Überzeugung, daß der demokratische Pluralismus die beste Hoffnung
auf menschlichen Fortschritt und Gerechtigkeit für die ganze Menschheit bietet.
Von dieser Grundlage ausgehend versuchen wir, die Konfrontation mit Gegnern abzubauen und dazu beizutragen, den neuen und aufstrebenden Nationen der
sogenannten Dritten Welt Stabilität, Wachstum und Demokratie zu bringen.
Das ist eine schwierige Aufgabe.
einigten Staaten noch erschwert.

Sie wird für eine Nation wie die Ver-

Unsere Lebensweise, unsere Partnerschaft

mit Europa und unser Engagement in der Welt basieren nicht nur auf militärischer Macht oder Berechnungen des weltweiten Kräfteverhältnisses, sie basieren vielmehr auf einem Ideal - dem demokratischen Ideal, das es unserer Nation ermöglicht hat, zu ihrer heutigen Stärke zu gelangen.
Aber eine Weltmacht wird oft vor eine schwere Wahl gestellt. Es ist
nicht immer möglich, an einem reinen Ideal festzuhalten angesichts militärischer Bedrohungen, erdrückender Armut oder der Instabilität emporstrebender Gesellschaften. In Fällen, in denen unsere Gegner selbst sich nicht nach
den Spielregeln der Demokratie verhalten, müssen wir oft andere Ziele - wie
etwa die Vermeidung der Subversion oder des Zusammenbruchs befreundeter Länder - noch vor das Festhalten am reinen Ideal setzen.
Von besonderer Wichtigkeit ist die Aufrechterhaltung der Glaubwürdigkeit der Vereinigten Staaten und des Vertrauens in sie. Eine Nation, die
keine klaren und erreichbaren Ziele aufstellt, kann nicht erwarten, die anhaltende Unterstützung von Partnern zu erhalten, so stark ihre Ideale auch
sein mögen. Und eine Nation, die keine klaren Grenzen ihrer Toleranz setzt,
kann nicht erwarten, erfolgreich mit Gegnern umzugehen, so ehrlich sie auch
Kooperation und Frieden wünscht.
Als die

�Als die Reagan-Administration im Jahr 1981 ihr Amt antrat, wurden die
Glaubwürdigkeit und Klarheit der amerikanischen Politik in der ganzen Welt
in Zweifel gezogen.
Unsere Partner waren durch große Umschwünge in den Zielen der Vereinigten Staaten verwirrt.

Sie beklagten sich laut über den Mangel an Klarheit

und Führung seitens der Vereinigten Staaten.
Unsere Gegner hatten zu glauben begonnen, daß die Vereinigten Staaten
ihre Verantwortung für die Verteidigung der - politischen und militärischen Interessen der westlichen Welt nicht mehr ernst nehmen würden.

Einige Jahre

des Schwankens und der Vernachlässigung hatten der Sowjetunion insbesondere
den Eindruck vermittelt, wir würden auf die Steigerung der militärischen
Stärke der Sowjetunion oder auf die zunehmende Subversion in der Dritten Welt
nicht reagieren.
Und schließlich hatten ein Nachlassen der Wirtschaftstätigkeit und
fragwürdige Aussichten auf Wachstum stark an dem Vertrauen unserer eigenen
westlichen Gesellschaften gezehrt. Wir begannen uns darauf zu konzentrieren,
was an unserer westlichen Demokratie falsch sein könnte, statt darauf, was
richtig ist. Oft schienen die innere Auseinandersetzung und der innere Wettstreit

über die Kooperation vorzuherrschen.

Im Westen machte sich zunehmend

ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit breit.
Angesichts dieser Situation übernahm Präsident Reagan sein Amt in der
Entschlossenheit, die negativen Trends amerikanischer Führung umzukehren.
Er sah, daß die Lage in den achtziger Jahren sich grundsätzlich von der in
den vorangegangenen Jahrzehnten unterschied.

Wir standen vor neuen Heraus-

forderungen wie wirtschaftliche Instabilität, verstärkte militärische und politische Bedrohungen durch die Sowjets und die unsichere Situation der Dritten
Welt.

Diese neue Lage hätte Unklarheit und Uneinigkeit noch verstärkt, wenn

die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten nicht zu den ursprünglichen Prinzipien ihrer Zusammenarbeit zurückgekehrt wären.
Um diesen

�Um diesen Herausforderungen zu begegnen, erstellte der Präsident folgende Prioritäten:
- Aus der Einsicht heraus, daß eine wirtschaftliche Schwäche Amerikas
unsere Bemühungen im Ausland lähmen würde, schlug er ein umwälzendes
Programm zur Wiederherstellung eines nicht-inflationären wirtschaftlichen Wachstums vor.
- Eine wesentliche Grundlage dieses Ansatzes war die Überzeugung, daß
wirtschaftlicher Wiederaufschwung von einer sofortigen Korrektur von
Mängeln unserer militärischen Position begleitet werden mußte.

Eine

Wiederherstellung des Vertrauens in die Fähigkeit Amerikas - und des
Westens -,den Herausforderungen der achtziger Jahre zu begegnen, erforderte von uns, unsere Fähigkeit zur Aufrechterhaltung des militärischen Gleichgewichts wiederherzustellen.
- Gleichzeitig war der Präsident entschlossen, das Niveau der militärischen Konfrontation auf den niedrigstmöglichen Stand zu senken auf der Basis der Aufrechterhaltung eines Gleichgewichts zwischen Ost
und West. Er schlug vor, daß sich die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion auf echte Verringerungen der Rüstungen konzentrieren sollten, statt auf eine simple Bestätigung des Status quo.
- Aus der Erkenntnis der bleibenden wichtigen Aufgaben in der Dritten
Welt verpflichtete sich der Präsident, jenen Nationen Ermutigung und
Hilfe zukommen zu lassen, die sich wahrhaft einer nationalen Entwicklung verschrieben haben. Gleichzeitig lehnte er die These ab, daß jede sogenannten "nationale Befreiungsbewegung" als positiv betrachtet
werden müsse, einfach weil sie vorgibt, gegen Ungerechtigkeit zu
kämpfen.
- Und schließlich unterstrich der Präsident - was am wichtigsten ist -»
daß die Sicherheit unserer eigenen Gesellschaft und die der ganzen
Welt nur durch die engste Zusammenarbeit der demokratischen Industrie- 4 -

�demokratischen Industriestaaten des Westens aufrechterhalten werden
kann.

Die Neubelebung der atlantischen Partnerschaft nahm den ersten

Platz auf der außenpolitischen Prioritätenliste des Präsidenten ein.

Das Bündnis
Wieviel

wir erreichen können, wird von der Gesundheit und der Vitali-

tät des Nordatlantischen Bündnisses abhängen.
Aus diesem Grunde bleibt das Nordatlantische Bündnis das Kernstück der
amerikanischen Außenpolitik.

Das war in der Vergangenheit so, das ist heute

so, und das wird auch in absehbarer Zukunft so sein.
Dafür gibt es drei Gründe:
- Erstens, die Mitglieder des Bündnisses sind nicht durch Gewalt oder
durch reine Zweckdienlichkeit vereint, sondern durch eine gemeinsame
Geschichte, Kultur, Wertskala und Interessen.
- Zweitens, die Sicherheit Westeuropas und Amerikas ist unteilbar.
- Drittens, eine Kernfrage unserer gemeinsamen Interessen bleibt die Bedrohung der westeuropäischen und amerikanischen Sicherheit durch die
Sowjetunion.
Wir sind der Überzeugung, daß das Bündnis das wirksamste und am wenigsten
kostspielige Instrument ist, um den Herausforderungen unserer gemeinsamen
Sicherheit zu begegnen.
Wir sind der Überzeugung, daß die Fragen, in denen wir unterschiedlicher
Meinung sind, auch weiterhin wesentlich weniger bedeutsam sein werden als
unser anhaltendes Engagement für die transatlantische Zusammenarbeit und
Sicherheit.
Die Verteidigung

�Die Verteidigung Europas beruht heute noch immer fest auf drei Säujlen:
Kollektive Sicherheit, nukleare Abschreckung und amerikanisches Engagement.
Wenn die Ziele des Bündnisses hin und wieder in Amerika und Westeuropa
kritisiert werden, dann deshalb, weil das Bündnis im Laufe der Jahre so gut
funktioniert hat, daß seine Kritiker seinen Erfolg einfach voraussetzen.
Aber auch eine so erfolgreiche Partnerschaft muß sich auch auf neue Gegebenheiten einstellen. Die neue Lage der achtziger Jahre verlangt eine
tiefgreifende Diskussion der Prioritäten und Methoden unserer Zusammenarbeit.
Inmitten all der dunklen und düsteren Kommentare über die Zukunft dieser Beziehungen ist es wichtig, sich daran zu erinnern, daß dies nicht das
erste Mal ist, daß eine solche Debatte stattgefunden hat. Obwohl man natürlich stets Übereinstimmung bevorzugt, muß man doch auch sehen, daß diese
Debatten im Grunde dazu dienen, das Bündnis zu revitalisieren.
Die Konzeptionen, auf denen der Westen seine Sicherheit und seine Zusammenarbeit gründet, können ihre Lebensfähigkeit nicht behalten, wenn sie
nicht immer wieder von jeder neuen Generation herausgefordert und neu belebt
werden.
Das ist die Grundlage des demokratischen Prozesses - und die Quelle
der westlichen Stärke.
Die Herausforderung besteht darin, einen neuen Konsens über die Interessen des Bündnisses zu entwickeln und dann wirkungsvollere Mittel auszuarbeiten, die diese Interessen schützen und fördern.
Die Entwicklung der internationalen Lage geht neue Wege. Das veränderte Kräfteverhältnis in Europa, das Auftreten der Sowjetunion als globale
Macht,die wachsende Stärke und der zunehmende Reichtum Westeuropas und die
zunehmende strategische Bedeutung von Ereignissen in der Entwicklungswelt all dies macht es notwendig, die Strategie und die Ziele des Bündnisses mit

�Bündnisses mit neuen Augen zu betrachten.
Sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus politischen Gründen muß der
Westen zu einem neuen Verständnis der Pflichten innerhalb des Bündnisses
gelangen, wobei Europa einen größeren Teil der Last übernehmen muß - nicht
nur bei der Bereitstellung einer angemessenen Verteidigung, sondern auch
beim Schutz der umfassenderen westlichen Interessen in der Welt.

Die Ost-West-Beziehungen
Wie in der Vergangenheit, so wird auch in Zukunft das Bemühen um ein
konstruktiveres Verhältnis zum Osten von höchster Bedeutung sein. Diese Anstrengungen stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Bemühen um Rüstungskontrolle und um ein militärisches Gleichgewicht. Diese drei Zielsetzungen
verstärken sich gegenseitig und stehen keineswegs in Konkurrenz zueinander.
Westliche Bemühungen müssen sich vor allem auf die Sowjetunion konzentrieren - nicht wegen unserer ideologischen Unterschiede, sondern weil Moskau
die größte Quelle internationaler Unsicherheit darstellt.
Die Bereitschaft der Sowjetunion, Gelegenheiten zum einseitigen Vorteil
auszunützen - sogar wenn dies die Förderung und die Ausnutzung von Gewalt und
Unruhe bedeutet -, bleibt eine große Gefahr für den Weltfrieden.
Zu lange ließen uns idealistische und wohlmeinende Hoffnungen im Glauben an eine grundlegende Änderung der sowjetischen Ziele.
Zu lange glaubten wir, daß ein Nachlassen der Spannungen in Europa uns
immun gegenüber den sowjetischen Versuchen zu einer Veränderung des Machtgleichgewichts machen würde.
Zu lange hegten wir die Hoffnung, daß der Rüstungskontroilprozeß in und
durch sich selbst dieses entscheidende Gleichgewicht bewahren würde.
Die Ergebnisse
- 7 -

�Die Ergebnisse des Jahrzehnts der sogenannten Entspannung zeigen ein anderes Bild.
Entwicklungen der letzten Jahre machen jetzt deutlich, in welchem Umfang
die ursprünglichen Hoffnungen auf Entspannung enttäuscht worden sind:
- Das vergangene Jahrzehnt sah die gewaltigste sowjetische Aufrüstung
in der Geschichte.
- Sowjetische Streitkräfte oder diejenigen von sowjetischen Stellvertretern sind in Aktion - von Afghanistan bis Kampuc^ea und Mittelamerika.
Die militärische Subversion ist zu einem Hauptwerkzeug der sowjetischen
Außenpolitik geworden.
- In Europa ist die Sowjetunion direkt für die Verhängung des Kriegsrechts und für die Unterdrückung der Demokratie in Polen verantwortlich.
- Während der Westen einseitig Zurückhaltung übte und die Dislozierung
neuer Waffen aufschob, haben die Sowjets ihre nuklearen und ihre konventionellen Streitkräfte weit über ihre legitimen Verteidigungserfordernisse hinaus ausgebaut, einschließlich der Einführung von SS-20-Raketen
in Europa - ein Schritt, der die strategische Situation in Europa gewaltig destabilisiert hat.
•

- Während die Sowjets und ihre Verbündeten öffentlich ihr Eintreten für
Frieden und Abrüstungen betonen, unterdrücken sie Friedensbewegungen
zu Hause durch Verhaftung oder Ausweisung.
Offenkundig galt es, Maßnahmen zu einer Korrektur zu ergreifen. Es ist
deutlich, daß die Taten der Sowjetunion klar im Gegensatz zu dem stehen, was
sie als ihre wohlmeinenden Absichten ausgibt.
Wir haben erkannt, daß es nicht ausreicht, gute Absichten zu verkünden
und von der anderen Seite zu erwarten, schon dies allein zu honorieren. Wir

�Wir haben eingesehen, daß sich die Hoffnungen auf Fortschritt nur dann erfüllen können, wenn es auf unserer Seite eine klare Bereitschaft gibt, auf
Verletzungen solcher Vereinbarungen zu reagieren.
Unser höchstes Ziel bleibt Abbau der Spannungen und die größtmögliche
Zusammenarbeit zwischen Ost und West.

Aber wir müssen die Ost-West-Beziehun-

gen mit Deutlichkeit so definieren, daß jede Seite die legitimen Interessen
der anderen anerkennt.
Wir müssen mit der Sowjetunion einen ständigen Dialog führen, um ihr
unsere Besorgnisse zu erklären und um unsere Einwände gegen das sowjetische
Verhalten zum Ausdruck zu bringen.
Von gleicher großer Bedeutung ist es, daß wir bereit sind, klar zu demonstrieren, daß wir sowjetische Überschreitungen nicht ignorieren werden.
Hinter unseren Einwänden muß mehr stehen als bloße Worte.
Verhalten darf nicht belohnt werden.

Unangemessenes

Der Westen kann nicht so tun, als sei

trotz sowjetischer Übertretungen nichts geschehen - und als könnte er erwarten,
dabei noch seine Glaubwürdigkeit zu behalten.
Das ist das Grundprinzip hinter der Haltung der Reagan-Administration
in den Ost-West-Beziehungen.

Wir suchen keine Konfrontation oder militärische

Überlegenheit.
Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten wünschen ein konstruktives
Verhältnis zur Sowjetunion und ihren Verbündeten. Wir möchten zu einer Ausweitung der Zusammenarbeit in allen Bereichen des beiderseitigen Interesses
gelangen.
Aber ein solches Verhältnis muß sich gründen auf ein sicheres militärisches Gleichgewicht, auf Respekt vor der Unabhängigkeit anderer, auf Enthaltsamkeit der Anwendung von Gewalt und auf Gegenseitigkeit beim Abschluß
und bei der Einhaltung von Abkommen.
Als Teil
- 9 -

�Als Teil dieser Anstrengung müssen wir Jahre der Vernachlässigung revidieren und durch die Stärkung unserer eigenen konventionellen und strategischen Position auf die sowjetische Aufrüstung reagieren.
Das ist keine starre Haltung der Konfrontation gegenüber der Sowjetunion.
Es ist eine realistische Politik, gegründet auf unserer Bereitschaft, ausgewogene, verifizierbare Rüstungskontroll- und Abrüstungsmaßnahmen zu verfolgen,
um die Notwendigkeit neuer Waffen und weiterer Streitkräfte zu vermindern.

Rüstungskontrolle
In Einklang mit dieser Haltung hat der Präsident eine Reihe von Vorschlägen unterbreitet, die dazu dienen sollen, das Gleichgewicht mit dem
Osten wieder herzustellen, den Frieden zu bewahren und vor Abenteuer in anderen Weltgegenden zu warnen.
Er hat den Bau eines neuen Bombers genehmigt, die Entwicklung neuer
seegestützter Raketen beschleunigt, die Verbesserung des strategischen Befehls- und Leitsystems der USA angeordnet und die Modernisierung unserer landgestützten Raketenstreitmacht durch die Dislozierung der MX-Raketen genehmigt.
Gleichzeitig hat er Schritte unternommen, um der Verpflichtung des Bündnisses zu bedeutsamer Rüstungskontrolle Substanz zu verleihen. Während des
vergangenen Jahres hat er ein umfassendes Programm zur Verminderung der
Rüstung in allen Bereichen - sowohl nuklear als auch konventionell - aufgestellt. Dieses Programm wurde vom gesamten NATO-Bündnis auf dem Bonner
Gipfel am 10. Juni 1982 gebilligt.
Diese Vorschläge basieren auf klaren Prinzipien: Sie müssen ausgewogen
und militärisch bedeutsam sein; sie müssen die Streitkräfte auf deutlich niedrigerem Niveau stabilisieren; und sie müssen verifizierbar sein.
Derzeit verhandeln

�Derzeit verhandeln wir mit der Sowjetunion über ein neues Abkommen
bei den strategischen Streitkräften (START),das dazu dienen soll, auf dem Erreichten der Vergangenheit aufzubauen, das aber zugleich deutlich darüber hinausgehen soll, um bedeutsame Verminderungen bei den strategischen Waffen beider Seiten zu erreichen.
Wir verhandeln ferner mit der Sowjetunion über ein Abkommen zur Beseitigung der sowjetischen nuklearen Mittelstreckenraketen (INF),die in der Lage
sind, Europa zu bedrohen - im Austausch für eine Einstellung der Pläne des
Bündnisses, amerikanische nukleare Mittel Streckensysteme (INF) in Westeuropa
zu dislozieren.
In Berlin verkündete der Präsident eine neue Initiative zur Verminderung
der Gefahr eines unbeabsichtigten Atomkrieges durch Verhandlungen mit den
Sowjets über eine Reihe von "vertrauensbildenden Maßnahmen im Nuklearbereich".
In Wien legten die westlichen Teilnehmer einen neuen Vorschlag für die
beiderseitigen und ausgewogenen Truppenverminderungen (MBFR) vor, der niedrigere Obergrenzen bei den Streitkräften der NATO und des Warschauer Paktes
bringen würde.
In enger Zusammenarbeit mit unseren Alliierten

diskutieren wir auf der

KSZE-Folgekonferenz in Madrid die Modalitäten einer Konferenz über Abrüstung
in Europa (KAE).

Wir sind bereit,einer solchen Konferenz zuzustimmen, voraus-

gesetzt, die Sowjetunion zeigt an, daß der Osten bereit ist, den bereits bestehenden Verpflichtungen gemäß der Schlußakte von Helsinki gerecht zu werden.
Diese Beispiele sind nicht vollständig, zeigen jedoch, daß die Vereinigten Staaten einen festen, aber realistischen und konstruktiven Standpunkt
einnehmen, um die Ost-West-Spannungen abzubauen.

Die Dritte

- 11 -

�Die Dritte Welt
Das Entstehen der Dritten Welt als ein Gebiet, an dem der Westen ein
entscheidend wichtiges Interesse hat,ist eine der bedeutsamsten Entwicklungen
der letzten Jahrzehnte.
In einer vergleichsweise kurzen Zeitspanne gelangte der größte Teil
der Bevölkerung, des Territoriums und der Ressourcen der Welt unter die
Kontrolle von Nationen, die völlig unabhängig vom Westen sind und - in einigen Fällen - ihm feindlich gegenüberstehen.

Unser Interesse an diesen Re-

gionen umfaßt das ganze Spektrum von Investitionen, Handel, Menschenrechten
sowie politischen, sicherheitspolitischen und strategischen Anliegen.
Ein erstes großes Gebiet beiderseitiger Interessen ist der wirtschaftliche Bereich.

Genauso wie wir den Zugang zu den Ressourcen der Dritten Welt

brauchen, so wollen die Entwicklungsländer erweiterte Märkte im Ausland und
technische Erfahrungen und fachmännisches Können des Westens.
Unser Ansatz bei diesen Problemen ist nicht auf eine einzelne Strategie
oder Ideologie fixiert. Wir glauben, daß - genau wie im Westen - die zukünftige wirtschaftliche und soziale Entwicklung auch in der Dritten Welt durch
eine Mischung von Methoden am besten garantiert werden kann. Häufig bieten
Investitionen des privaten Sektors die beste Hoffnung für die Entwicklung.
Beispiele wie Singapur, Taiwan und Brasilien zeigen, daß private Investitionen
eine wichtige Rolle bei der Ankurbelung der wirtschaftlichen Entwicklung
spielen können.
In anderen Fällen gibt es keinen Ersatz für staatliche Unterstützung
entweder direkt oder durch die bestehenden internationalen Organisationen.
Institutionen wie der Internationale Währungsfonds oder die Weltbank können
eine entscheidende Rolle dabei spielen, die erforderliche Unterstützung für
die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der aufstrebenden Länder zu gewähren.
Die Vereinigten
- 12 -

�Die Vereinigten Staaten sind bereit, mit ihren Partnern und den Nationen
der freien Welt in dem Bemühen zusammenzuarbeiten, die größtmögliche Unterstützung für die wirtschaftliche Entwicklung zu gewähren.

Wir hoffen auch,

daß die Sowjetunion und ihre Verbündeten sich endlich für die friedliche Entwicklung der Dritten Welt engagieren wird.

Wie so oft in der Vergangenheit

bewiesen worden ist, Waffenlieferungen sind kein Ersatz für echte wirtschaftliche und technische Hilfe.
Die Initiative des Präsidenten in bezug auf das Karibische Gebiet ist ein
Beispiel für jene Form gemischter Ansätze, die nach unserer Oberzeugung am
besten funktioniert.

Im Rahmen dieser Initiative sollen direkte Unterstützung

sowie Handelsvorteile gewährt und Hilfe angeboten werden, um produktive private Investitionen in der so wichtigen karibischen Region zu fördern.

Auch in

anderen Gebieten, wie dem südlichen Afrika und dem Nahen Osten, können wir auf
gute Fortschritte verweisen; die gemeinsame Friedenstruppe der USA, Frankreichs und Italiens, die sich gegenwärtig im Libanon aufhält, ist ein gutes
Beispiel dafür, wie wir und unsere Verbündeten außerhalb Europas zusammenarbeiten.
Ein zweiter großer Bereich beiderseitiger Interessen ist die Suche nach
Frieden und Sicherheit, insbesondere nach Freiheit vor ausländischer Intervention. Unser Ziel ist es, die Anwendung von Gewalt von außen in regionalen
Konflikten zu begrenzen und die Ausbeutung solcher Konflikte für einseitige
Zwecke zu verhindern.
Trotz allem hat der Westen bisher noch keine konzertierte Politik für
die Verteidigung und Förderung seiner Interessen in diesem Gebiet entwikkelt.

Obwohl der Westen sich allmählich in diese Richtung bewegt, hinkt

der Prozeß immer noch weit hinter den realen Veränderungen des Nord-Süd-Kräfte-Verhältnisses und seinem Zusammenhang mit den Ost-West-Problemen hinterher. Wir müssen zu einem gemeinsamen Verständnis der Auswirkungen der NordSüd-Fragen und der Ereignisse in der sich entwickelnden Welt für uns alle gelangen, insbesondere hinsichtlich der Versuche der Sowjetunion, jene Gebiete
direkt oder durch Stellvertreter zu durchdringen.
Abschließende Bemerkungen
- 13 -

�Abschließende Bemerkungen
Meine Ausführungen konnten notwendigerweise nur eine kurze Zusammenfassung des weltpolitischen Standpunktes der Vereinigten Staaten sein, wie
er sich gegen Ende des Jahres 1982 darstellt.
Zahlreiche Einzelheiten mußten ausgelassen werden, und viele komplizierte Probleme wurden stärker verkürzt,als dies gerechtfertigt ist.
Ich habe versucht, die grundlegenden Prinzipien darzulegen, die hinter
der Außenpolitik der Reagan-Administration stehen.
Es ist eine Politik, die auf der festen Überzeugung beruht, daß alle
Länder Zurückhaltung sowohl im Inland als auch im Ausland üben müssen, wenn
sich das internationale Klima verbessern soll.
Es ist eine Politik, die auf klaren Prinzipien basiert - auf dem Prinzip der Einigkeit unter demokratischen Nationen, auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit bei Gegnern

und vor allem auf der Respektierung der Interessen

aller souveränen Nationen, welchem politischen System sie auch angehören
mögen.
Und was vielleicht das Wichtigste ist, es ist eine Politik, die sich naturgemäß auf der amerikanischen Tradition begründet.

Sie basiert auf der

festen Überzeugung, daß die gerechteste und erfolgreichste Form des menschlichen Zusammenlebens eine Gesellschaft ist, die die frei estmögliche Entwicklung des Einzelmenschen zuläßt und das bestmögliche Anpacken eines Problems gestattet.
Sie werden daher nicht ein einziges amerikanisches Konzept für die Lösung aller Weltprobleme erkennen.

Es wird keine weltweiten Vorschläge oder

Anstrengungen geben, um alle Nationen zu einer Lösungsform zu zwingen.
Statt dessen
- 14 -

�Statt dessen möchten wir zur Vielfalt ermutigen - auch zu einer Vielfalt, die nicht notwendigerweise mit unseren Ansichten übereinstimmt -, solange diese Vielfalt keinen Übergriff auf die Rechte anderer darstellt.
Unserer Überzeugung nach bietet eine solche Strategie die beste Hoffnung auf Frieden und Fortschritt in der Welt von heute. Wir teilen diese
Ziele mit unseren Partnern und werden eng mit ihnen zusammenarbeiten. Wir
hoffen, daß unsere Gegner ebenfalls einsehen werden, daß es keine totale
Kontrolle der Welt oder ihres Umfeldes gibt; daß Toleranz und Zusammenarbeit
letztlich viel erfolgreicher sind als Kontrolle und Unterdrückung.
Die Herausforderungen der achtziger Jahre sind zu verschiedenartig und
zu kompliziert, als daß man eine einzige Antwort darauf wüßte. Wir sind bereit, eng mit allen zusammenzuarbeiten, die ehrlich die Probleme anpacken
wollen, vor denen wir heute stehen. Wir sind aber auch entschlossen, unsere
Sicherheit und unsere Lebensweise gegen all denjenigen zu verteidigen, die
sie gefährden.

+ + + + +

- 15 -

�6. Oktober 1982

39

DIE ERDGASLEITUNG: WEISSER ELEFANT ODER TROJANISCHES PFERD?
- Von Wilfried Prewo -

Wilfried Prewo ist Energiewissenschaftler
am Kieler Institut für Weltwirtschaft.
Nachdruck mit Erlaubnis des Wall Street
Journal,
(C) Dow Jones and Company, Inc., 1982,
alle Rechte vorbehalten
- (AD) - Die Befürworter des Erdgasgeschäftes mit der Sowjetunion - zu denen
europäische Gaslieferfirmen, Ausrüstungsfirmen und Banken gehören - brauchten
nur wenig konkrete Information einzusetzen, um die öffentliche Meinung in Europa
zu ihren Gunsten umzustimmen.
Uns Westeuropäern wurde gesagt, daß es sich bei der Gasleitung um ein
kommerziell solides Unternehmen handele, daß die Risiken (der Versorgung, der
Unterbrechung oder der Kürzung) entweder unbedeutend oder in den Griff zu
bekommen seien und daß - falls es noch immer Zweifel geben sollte - keine Alternativen vorhanden seien. Wir haben amerikanische Bitten beiseite geschoben, uns
das Gasgeschäft doch einmal genauer anzusehen und haben amerikanische Gegenvorschläge

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�amerikanische Gegenvorschläge zurückgewiesen. Schließlich beschimpfen wir
Ronald Reagan für seinen unerschütterlichen Versuch, das Projekt zu blockieren.
Sicherlich, bei Stil und Ton, in dem die amerikanischen Gegenargumente dargelegt wurden, gab es eine Menge Raum für Verbesserungen. Manche amerikanische
Gegenvorschläge, wiewohl gut gemeint, waren in ihrem Entwurf schlecht

und

ausgesprochen unzureichend vorgelegt: Flüssiggas von Alaska nach Europa mit
Unterseeboot-Tankern zu transportieren, kommt hiesigen Schiffsbauern (auch wenn
sie in der U-Boot-Technologie nicht völlig unerfahren sind) wie reine Zukunftsmusik vor. Und die Aufforderung an die Norweger, diese sollten, anstatt den
Russen bei ihrer Suche nach öl und Gas in der Barentsee zu helfen, auf norwegischem
Meeresboden ein umfassendes Gasförderungsprogramm in die Wege leiten, versucht
es ihnen gegenüber ebenfalls auf falsche Weise: Deren Stolz in ihre eigenen
Möglichkeiten geht so weit, daß sie zu der Befürchtung kommen, eine solche
Förderung käme letztlich einer Preisgabe gleich.
Man muß die europäische Haltung gegenüber der sowjetischen Erdgasleitung
im Kontext der amerikanischen Außenpolitik der jüngsten Vergangenheit sehen. Die
Westeuropäer, die sich noch immer nicht von dem Auf und Ab der Außenpolitik unter
Präsident Carter erholt haben, stehen jetzt erstaunt vor der Entschlossenheit und
Vorhersagbarkeit eines Präsidenten, der wie eine Neuauflage von Gary Cooper in
"Zwölf Uhr mittags" erscheint. Die Argumente und Gegenargumente hinsichtlich der
Gasleitung werden nur allzu häufig immer wieder zitiert. Was nötig ist, ist eine
klare Bewertung der Argumente, die zugunsten der Gasleitung vorgebracht werden.
Eine bessere wirtschaftliche Lage, unbedeutende Verbraucherrisiken und~lJaT
Fehlen von Alternativen. Umfang und Preise: Die Gaslieferungen gemäß den neuen
sowjetischen Gasverträgen sollen 25 Jahre lang erfolgen - von 1984 bis 2008. Die
Sowjets hatten gehofft, jährlich bis zu 40 Milliarden cbm zu verkaufen, sobald die
für 1988 geplante Plateauphase erreicht sein würde. Die Hauptabnehmer sollten die
Bundesrepublik sein (10,5 Milliarden cbm plus 0,7 Milliarden cbm für Berlin),
sowie Frankreich (8 Milliarden cbm) und Italien (8,4 Milliarden cbm), der Rest
sollte an kleinere europäische Länder gehen. Die gesamten europäischen Gaslieferungen sollten nicht in einem einzigen Vertrag zusammengefaßt werden, sondern in
einer Reihe von nationalen Verträgen.
Seit dem

�Seit dem vergangenen Jahr wurde der Gesamtumfang wegen mangelnder Nachfrage,
geringeren sowjetischen Käufen von Ausrüstungsgütern, wie dies zunächst erwartet
worden war, und Zweifeln an den politischen Folgen des Projektes zurückgeschraubt.
Die Lieferungen werden wahrscheinlich auch in der Plateauphase nicht zwei Drittel
des ursprünglich geplanten Volumens - etwa 26 Milliarden cbm pro Jahr - übersteigen.
Der von 40 Milliarden cbm auf 26 Milliarden cbm zurückgeschraubte Umfang wird
es den Sowjets erleichtern, vertragsgemäß zu liefern; diese geringeren Mengen können
mit nur einer Leitung und mit einem geringer als geplanten Druck geliefert werden,
wodurch der Bedarf an amerikanischer Kompressorentechnologie verringert wird. Jedoch
müssen die Sowjets auf ganz beträchtliche Gewinne in harter Währung verzichten, da
die größere Menge zu niedrigen Zusatzkosten hätte geliefert werden können. In der
Plateauphase dürften diese Einnahmen wahrscheinlich eher bei 5 Milliarden Dollar
als bei 10 Milliarden Dollar liegen. Daher sind die Vereinigten Staaten - auch
wenn das Embargo viel von seinem ursprünglichen Biß verloren hat - ihrem Ziel ein
gutes Stück näher gekommen, die Deviseneinnahmen der Sowjetunion zu vermindern.
Die bislang genannten Vertragspreise variieren aufgrund der Preisstruktur der Verträge und aufgrund der Veränderungen bei den Wechselkursen. Bei dem Vertrag für
deutsche Lieferungen wurden Leitpreise festgelegt, jenem Vertrag, der als erster
unterzeichnet wurde und das größte Volumen der Lieferungen abdeckt.
Der Vertrag beinhaltet einen Basispreis und einen Minimalpreis, wobei der
letztere den Sowjets eine Mindesteinnahme für ihre Investitionen garantiert. Sowohl
Basis- wie Minimalpreis wurden in Deutscher Mark festgelegt - zu 0,34 DM und
0,39 DM pro cbm. Bei einem Wechselkurs am Tag der Unterschrift entsprechen die
Basis- und Minimalpreise

(cif bis deutsche Grenze) jeweils etwa 4,70 Dollar und

5,70 Dollar je Million britischer Wärmeeinheiten (BTU). Diese Zahlen hängen auch
von dem tatsächlichen Wärmewert ab, der bisher nicht konkret genannt wurde. Der
Basispreis (Basis: 1. Juli 1981) soll nach einem Index ansteigen, der als Maßgabe
die Preise für Heizöl enthält: Rohöl (20 Prozent), schweres Heizöl (40 Prozent)
und leichtes Heizöl (40 Prozent). Diese Aufschlüsselung spiegelt den erwarteten
zukünftigen Gasverbrauch wider.
Der Minimalpreis

- 3 -

�Der Minimal preis wird nur dann angewendet, wenn der gestiegene Basispreis
niedriger als der Minimalpreis zu dem Zeitpunkt sein wird, wenn die Lieferungen
gegen 1988 die Plateauphase erreicht haben. Sollten die Energiepreise real mit
2 bis 3 Prozent jährlich steigen, so besteht wenig Gefahr, daß der Minimalpreis
den gestiegenen Basispreis übersteigt. Bei einem Basispreis von 4,70 Dollar je
Million BTU ist das sowjetische Gas auf der Grundlage seines Verbrennungsäquivalents
wettbewerbsfähig. Aber es gibt andere Aspekte, die mit in Betracht gezogen werden
müssen. Erstens waren die sowjetischen Gaslieferungen bisher antizyklisch, da sie
ihren Höhepunkt im Sommer erreichten. In der Vergangenheit haben die Sowjets im
Winter häufig ihre Lieferungen zurückgeschraubt, wobei sie technische Gründe hierfür
angaben. Die europäischen Käufer haben wenig Flexibilität bei einer Klausel, die
bei 80 Prozent der Vertragsmenge nach dem Prinzip des "Take-or-pay" geht.
Zweitens ist der sowjetische Gaspreis nicht niedrig genug, um zusätzliche
Kosten abzudecken - wie etwa die Ausweitung des derzeitigen europäischen Gassicherungssystems, das eine wesentliche Sicherung gegen Versorgungsunterbrechungen
darstellt. Da das sowjetische Gas im Gegensatz zum inländischen, holländischen oder
norwegischen Erdgas ein politisches Risiko mit sich bringt, sollten die Kosten fUr
ein Sicherungsnetz gänzlich durch den sowjetischen Erdgaspreis getragen werden.
Risiken: Die Befürworter dieses Gasgeschäftes tendieren dazu, diese Risiken
mit dem Argument zu ignorieren, daß die gesamten sowjetischen Lieferungen (bestehende "alte" Verträge mit den Sowjets plus die neuen Verträge) nicht 30 Prozent
des gesamten Gasverbrauchs übersteigen und nicht mehr als 6 Prozent des gesamten
Verbrauchs an Primärenergie ausmachen. Bei solchen Anteilsgrößen könnten, so das
Argument, Lieferungseinschnitte leicht durch unterbrechbare Verträge mit der
Industrie sowie durch Anlagen aufgefangen werden, die auf zweierlei Weise zu befeuern sind.
Dieses Argument ist irreführend. Betrachten wir die deutsche Situation. In
Bayern, der Eintrittsstelle des sowjetischen Erdgases, beläuft sich der Anteil des
Gases aus bestehenden sowjetischen Verträgen bereits auf 95 Prozent des gesamten
Verbrauchs. Sicherlich können Versorgungsunterbrechungen nicht durch unterbrechbare

- 4 -

�durch unterbrechbare Verträge aufgefangen werden.(Im Jahr 1979 stellten Verträge
dieser Art nur 11 Prozent der deutschen Käufe dar.) Daher wird es nötig sein, die
Einlagerungen für Notfälle zu erhöhen und ein erweitertes Verteilungsnetz zu bauen.
Was die deutschen Lagerungen für Krisenfälle angeht, so können sie Lieferunterbrechungen nur für wenige Tage auffangen. Derzeit betragen diese Einlagerungen
lediglich 3 Prozent des jährlichen Gasverbrauchs; durch die geplante Ausweitung
wird sich dieser Anteil auf 6 Prozent erhöhen. Dies ist eine mehr als bescheidene
Zahl, wenn man sie mit der amerikanischen vergleicht, wo die Lagerkapazitäten 25 Prozent des Jahresverbrauches noch übersteigen. Allen Beteuerungen zum Trotz hat
Europa kein gemeinsames Netz mit Querverbindungen, das ausreichend wäre, Versorgungsunterbrechungen aufzufangen. Das gegenwärtige weiträumige Transportsystem läuft in
zwei Richtungen, bedingt durch die beiden wichtigsten Gasquellen: vom Norden nach
Süden für das Gas aus dem holländischen und dem norwegischen Teil der Nordsee und
von Osten nach Westen für das sowjetische Gas. Wäre es möglich, im Falle eines
Leerlaufs der Ost-West-Leitung durch verstärkte Lieferungen aus der Nordsee zu
kompensieren? Derzeit ja, aber nicht in Zukunft: Mitte der achtziger Jahre werden
die Nord-Süd-Leitungen angefüllt sein mit zusätzlichen, vertraglich bereits vereinbarten Nordseelieferungen.
Berlin ist ein besonderer Fall. Dort ist alles Gas Stadtgas. Aber gemäß dem
neuen Vertrag ist eine Leitung geplant, die von der Tschechoslowakei aus - nahe
dem Endpunkt der Sowjetleitung - durch Ostdeutschland laufen soll. Diese Süd-NordLeitung braucht Kompressorenstationen in Ostdeutschland. Politisch motivierte
Lieferungskürzungen nach Westberlin könnten leicht mit technischem Versagen erklärt
werden. Eine Alternative zu dieser Gasleitung hätte darin bestanden, Berlin über
eine West-Ost-Leitung aus Norddeutschland zu versorgen, wobei das Gas aus Westdeutschland gekommen wäre.
Diese Leitung wäre kürzer als die, für die man sich entschieden hat, und man
hätte keine Kompressorenstationen in Ostdeutschland gebraucht. Unterbrechungen in
der Versorgung hätten nur durch einen direkten Angriff auf die Leitung geschehen
können. Wirft es nicht ein interessantes Licht auf die Intentionen der Sowjets, daß
sie (und die Ostdeutschen) uns diesen Weg verwehrt haben?
Alternativen: Es

�Alternativen: Es ist trivial festzustellen, daß es derzeit nicht möglich ist,
eine alternative Gasquelle ins Spiel zu bringen, die Gasfelder zu erschließen und
das Gas bis 1984 auf den europäischen Markt zu bringen, dem zweifelhaften Startdatum für die neuen sowjetischen Lieferungen. Aber darum geht es gar nicht. Die
Frage ist,ob, wann und zu welchem Preis Gas aus anderen Quellen zur Verfügung gestellt werden kann, um unsere erhöhte Abhängigkeit vom Sowjetgas zu verringern.
Bei dem Preisniveau des sowjetischen Gases ist es sicher wirtschaftlich, Gas
aus einer ganzen Reihe anderer Länder zu beziehen.
Auf der einen Seite wären hier die Nordsee und die neuen Gaslager vor
Nordnorwegen zu nennen, wobei dieses Gas entweder über Gasleitungen oder als
Flüssiggas nach Mitteleuropa transportiert würde. Auf der anderen Seite sind der
Südatlantik (vor den Küsten Südargentiniens oder Südchiles),die kanadische Arktik
und das Golfgebiet (Katar). In der Mitte liegt Westafrika (Kamerun, Nigeria).
überlegen wir uns zur Illustration die Wirtschaftlichkeit der Ausbeutung
von Gaslagern vor den Küsten der beiden extremen Fälle, nämlich Nordnorwegen oder
SUdatlantik. In beiden Fällen könnte das Gas vor der Küste über Leitungen an Land
gebracht werden, könnte dort verflüssigt, dann nach Westeuropa verschifft und
schließlich am zentralen Terminal wieder in Gas umgewandelt werden. Legt man einen
cif-Preis zugrunde, der dem sowjetischen Preis entspricht, und zieht die Kosten
(einschließlich eines 15prozentigen Realertrages der Investitionen) für die Wiedervergasung, den Transport, die Verflüssigung und die Gasproduktion ab, so würde im
Fall von Nordnorwegen der Nettowert im ersten Produktionsjahr auf 2,60 Dollar je
Million BTU kommen.
Für ein einziges Projekt von 5 Milliarden cbm Flüssiggas würde dies einen
Jahresertrag von 700 Millionen Dollar bedeuten, die Norwegen in Form von Gewinnanteilen und anderen Steuereinnahmen erzielen würde. Fünf Projekte dieser Größe
(insgesamt 25 Milliarden cbm) würden 3,5 Milliarden Dollar erbringen, eine Zahl,
die sich wahrscheinlich mit den Einnahmen vergleichen läßt, die die Sowjets schließlich aus der Gasleitung erzielen werden.
Was den

�Was den Fall Südatlantik mit seinen höheren Transportkosten und einer Gasförderung in einer Umgebung angeht, die genauso unfreundlich ist wie die Nordsee,
läge der Nettoertrag zunächst bei 1,20 Dollar je Million BTU (in Dollar des Jahres
1982 ausgedrückt). Für Länder wie Argentinien und Chile mit, wenn überhaupt, nur
wenigen Alternativen für die Verwendung ihres Gases, ist dies immer noch interessant.
Fünf solcher Projekte gebündelt wären notwendig, damit sich ein Gesamtvolumen
ergäbe, das den neuen sowjetischen Verträgen entspricht. Dies wäre indessen kein
Nachteil, sondern würde große Vorteile beinhalten.
Erstens vermindert eine Diversifikation der Lieferquellen das Risiko einer
Unterbrechung der Versorgung. Zweitens könnten diese Projekte schrittweise vorangetrieben werden und dadurch eine reibungslose Anpassung an die neue Versorgungslage ermöglichen. Drittens käme es dadurch zu einem echten innereuropäischen
Leitungsnetz: Das Gas aus den Golfstaaten würde in Italien angelandet und dann
nordwärts transportiert werden; das Gas aus Westafrika und Südamerika käme in
Frankreich an und ginge von dort nach Norden, Osten und Süden; und das Gas aus
Nordnorwegen käme nach Norddeutschland und von dort nach Süden und Westen.
Es ist überflüssig zu sagen, daß das neue Gasnetz weit weniger verletzlich
und dabei weit flexibler als das derzeitige System wäre. Zudem beseitigt die
geographische Diversifikation für jedes einzelne Land die Notwendigkeit, seine
Exploration zu erhöhen.
So würden zum Beispiel im Falle Norwegen zwei oder drei Projekte dieser Größe
noch immer gut innerhalb der konservativen Produktionspolitik liegen und dabei
noch auf einem neuen Technologiesektor Beschäftigungsauswirkungen hervorrufen, die
für die norwegische Regierung höchste Priorität haben. Dieser Vorschlag kommt auch
Norwegens Wunsch entgegen, neue Aktivitäten im Energiebereich in seine nördliche
Gebiete zu verlagern.
Diese Projekte sind keine Phantome. Die notwendigen Gasreserven und die
Technologie stehen zur Verfügung. Die Zeit für die Verwirklichung dieser Projekte
würde etwa acht Jahre betragen, das Minimum wären fünf Jahre. Deshalb
- 7 -

können

�Deshalb können sie nicht von Anfang an das neue Sowjetgas ersetzen.
Dies sind jedoch Überlegungen im kurzfristigen Rahmen,und wie die Sowjets
sollten auch wir uns stattdessen eine langfristige Sicht zu eigen machen: In
einigen Jahren wird es darum gehen, die Verträge für das Gas der neunziger Jahre
und später auszuhandeln. Mit ihrem dann vorhandenen vergrößerten Leitungssystem
wird die Sowjetunion um eine weitere Erhöhung ihres Marktanteiles wetteifern. Die
Sowjets hoffen darauf, daß unser Blickwinkel eng und verschwommen bleibt. Wenn die
Westeuropäer aber tief Luft holen und aktiv die Alternativen verfolgen, haben wir
eine gute Chance, daß die sowjetische Gasleitung in den neunziger Jahren eher zu
einem kostspieligen Luxus - einem Weißen Elefanten - wird als zu einem trojanischen
Pferd.
+ + +

�39

6. Oktober 1982

WICK: USIA UM FREIHEIT IM IDEOLOGISCHEN WETTBEWERB BEMÜHT
Von unserer Korrespondentin Valerie Kreutzer

CHICAGO - (AD) - Nach den Worten des Direktors des US-Informationsamtes
(USIA), Charles Z. Wick, stehen die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten
in einem Wettbewerb um "die Vorstellung vom Menschen."

In einem Gespräch mit

Zeitungsverlegern anläßlich des Abschlußbanketts des 40. Jahrestreffens des
Interamerikanischen Presseverbandes (IAPA) sagte Wick am 1. Oktober 1982:
"Der Krieg mit Raketen und der Krieg mit Waffen ist nicht der richtige
Weg, um die Unterschiede zwischen unseren beiden Gesellschaften aufzuheben.
Wenn dies je nötig wäre, würden alle Verlierer sein:
legene und die ganze Menschheit.

Der Sieger, der Unter-

Aus diesem Grund muß es zu einem Wettstreit

der Gedanken kommen, und unsere Waffen, unsere Munition sind Informationen
und Ideen."
Durch die "Stimme Amerikas" (VOA), die Teil des US-Informationsamtes
ist, würden zur Unterstützung der freien Presse und der Demokratie den Menschen Informationen zur Verfügung gestellt.

Die VOA hat 7700 Mitarbeiter und

strahlt ihre Programme über 106 Sender in 42 Sprachen aus, wobei sie pro
Woche 957,5 Stunden sendet.
Im Gegensatz

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Im Gegensatz hierzu, so sagte Wick weiter, beschäftige die Sowjetunion
für ihre Sendungen 70 000 Mitarbeiter und gebe dafür 3,4 Milliarden Dollar
aus - im Gegensatz zur VOA, die ein Jahresbudget von lediglich 100 Millionen
hat.
Die Sendungen der "Stimme Amerikas" haben sich an einer Charta des
amerikanischen Kongresses zu orientieren, die Genauigkeit, Fairness und Ausgewogenheit fordert.
"Unser Land glaubt daran, daß die beste Waffe, über die wir in dem Wettstreit der Gedanken verfügen, die Waffe der Wahrheit ist.
die VOA, stets beide Seiten eines Problems aufzuzeigen.

Demzufolge versucht

Wir sehen ein, daß

unsere Gesellschaft nicht vollkommen ist, und wir lassen dies auch andere Völker sehen, denn nur eine freie Information fördert die Demokratie", betonte
Wick.
Neben der "Stimme Amerikas" gibt USIA noch 10 Zeitschriften in 18
Sprachen heraus, unterhält 136 Bibliotheken in 192 Ländern und verwaltet das
Fulbright-Austauschprogramm. Mit Hilfe eines internationalen Besucherprogramms
erreicht das US-Informationsamt Tausende von ausländischen Besuchern. Zudem
sind nahezu 400 Politiker in 100 Ländern und 35 derzeitige Staatschefs ehemalige Teilnehmer von Programmen, die von USIA gefördert wurden.
In jüngster Zeit hat USIA nach den Worten seines Direktors auch Satelliten
eingesetzt, um seine Botschaft in die Welt hinauszutragen. Das Fernsehprogramm
"Laßt Polen Polen sein", das zur Unterstützung der polnischen Gewerkschaftsbewegung "Solidarität" in diesem Jahr ausgestrahlt wurde, hatte zum Ziel, "die
übrige Welt dazu anzuspornen, die Sowjetunion von unserer Entrüstung über die
Unterdrückung in Polen wissen zu lassen", erklärte Wick. 15 Führungspersönlichkeiten der freien Welt nahmen an dem Programm teil.
Auch die Rede von Präsident Reagan vom November letzten Jahres, in der
er die Sowjetunion dazu aufforderte, ihre Atomraketen in Europa abzubauen,
und anbot, die amerikanischen Raketen in einem zweiten Schritt ebenfalls abzu- 2 -

�ebenfalls abzubauen, wurde per Satellit übertragen.
"Meine Aufgabe besteht darin, den Menschen die Wahrheit zu sagen. Und
Wahrheit ist, daß sich die sowjetische Raketenkapazitat in Europa in einer
Position des Erstschlags und außerhalb amerikanischer Reichweite befindet",
sagte Wick.

+ + + + +

�Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

6. Oktober 1982

39

SATELLITEN-DIREKTEMPFANG
- US-Bundesbehörde erteilt Privatfirma erste Genehmigung -

- (AD) - Die erste Genehmigung für den Bau eines Systems zum SatellitenDirektempfang wurde jetzt von der zuständigen amerikanischen Bundesbehörde an die
"Satellite Television Corporation" erteilt, eine Tochterfirma von COMSAT
(Communications Satellite Corporation). Systeme für den Satelliten-Direktempfang
(DBS - Direct Broadcast Satellite) unterscheiden sich von den gegenwärtigen
Systemen von Nachrichtensatelliten und Bodenstationen insofern, als Satelliten
mit extrem hoher Sendeenergie die Verwendung relativ kleiner Empfangsantennen am
Boden zulassen. Die dafür erforderlichen Parabolantennen haben nur etwa 70 cm
Durchmesser, können an Wohnhäusern montiert und vom Hausbesitzer gemietet oder
käuflich erworben werden. Sie ermöglichen den direkten Empfang von speziellen
Fernsehprogrammen, die über Satelliten gesendet werden.
Die Satellite Television Corporation will ab 1986 im östlichen Teil der
Vereinigten Staaten Fernsehprogramme über drei Kanäle anbieten. Vom Jahr 1990 an
hofft das Unternehmen,das ganze Land mit Fernseh-Direktempfang via Satellit

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�via Satellit bedienen zu können. Das neue Verfahren kommt vor allem jenen Fernseh
teilnehmern in abgelegenen Gebieten zugute, die schlechten Fernsehempfang haben
und deshalb gegenwärtig auf die Kabel Verbindung zu einer großen Erdestation angewiesen sind. Die für den Direktempfang erforderlichen Frequenzbereiche sowie der
DBS-Orbit der Hochleistungssatelliten werden den Vereinigten Staaten auf einer
Regionaltagung der Internationalen Fernmeldeunion im Juni 1983 zugeteilt.
Als Gebühren für die Dienstleistungen der Satellite Television Corporation
dürften nach Schätzungen des Unternehmens etwa 25 Dollar pro Monat anfallen, was
die Programmgebühren und die Leihgebühr für die elektronischen Anlagen in und am
Haus einschließt. Die Einrichtungsgebühr dürfte 100 Dollar betragen.
Bei der US-Bundeskommission für das Fernmeldewesen sind inzwischen Anträge
auf Genehmigung von DBS-Systemen von acht weiteren amerikanischen Firmen eingegangen. Ähnliche Systeme werden derzeit in der Bundesrepublik Deutschland, in
Frankreich, Luxemburg und England entwickelt. Kanada und Japan haben bereits
umfangreiche Versuche mit Ausrüstungen für den Satelliten-Direktempfang durchgeführt.
+ + +

�</text>
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