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29. September 1982

38

0_H_A_L_T

DOKUMENTATION
Bush: Araber müssen Existenzrecht Israels anerkennen
- Rede des US-Vizepräsidenten vor dem Nationalen Presseklub

HINTERGRUND
USA fordern Untersuchung von Berichten über Einsatz von
Zwangsarbeitern in der UdSSR
- Erklärung des State Department USA sparen immer mehr Energie ein
- Benzinpreise sanken gegenüber Vorjahr um 12 Prozent •
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Mit Spacelab in den Weltraum
- Ulf Merbold, Nutzlastspezialist für 9. Raumtransporter-Flug

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

P
D53C

�29. September 1982

38

BUSH: ARABER MÜSSEN EXISTENZRECHT ISRAELS ANERKENNEN
Rede des US-Vizepräsidenten vor dem Nationalen Presseklub

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush hat am
23. September 1982 in einer Rede vor dem Nationalen Presseklub in Washington
mit allem Nachdruck betont, daß alle arabischen Staaten das Existenzrecht
Israels anerkennen müssen, da durch Beteiligte, "die sich weigern, die Realität
zu sehen", keine friedliche Lösung erreicht werden könne.
Die Rede des amerikanischen Vizepräsidenten hat folgenden Wortlaut:
Die Ereignisse im Libanon, die in dem grauenhaften Massaker gipfelten,
zeigen nur zu deutlich die leichtentzündliche Natur der Krise im Nahen Osten einer Krise, die schon zu lange andauert.
Vor fast 40 Jahren begrüßten die Vereinigten Staaten die Gründung Israels
als einen hoffnungsvollen Versuch, aus der Asche des Holocaust in dem gleichzeitig alten und neuen Heimatland des jüdischen Volkes einen neuen Staat aufzubauen. Die Legitimität Israels wurde proklamiert durch die Geschichte seines

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Geschichte seines eigenen Volkes, durch die Weltgemeinschaft und durch das
Blut, das Israelis in der Verteidigung ihrer neugewonnenen Heimat vergossen.
Aber diese Legitimität wurde durch die arabischen Nachbarn Israels nicht anerkannt. Tragischerweise sind die Erinnerungen an die letzten vierzig Jahre
durch fünf aufeinanderfolgende Kriege getrübt.
Die sich ständig steigernde Gewalttätigkeit im Nahen Osten muß aufhören.
Wir werden unserer ständigen Verpflichtung für die Sicherheit Israels
treu bleiben. Wir sind mit Israel durch moralische wie auch strategische
Interessen verbunden. Und was genau so wichtig ist, Israel ist die einzige
Demokratie im Nahen Osten, die sich in ihrem tagtäglichen Leben den demokratischen Prozessen und Prinzipien verschrieben hat, auf denen die Republik
Amerika beruht. Aber gerade diese Werte, die die Grundlage unseres Bündnisses
mit Israel bilden, zwingen uns, Sorgen und Bedauern über die anhaltende syrische
und israelische Besatzung eines schwachen und gespaltenen Libanon zum Ausdruck
zu bringen. Wir müssen unseren ehrlichen Abscheu und unseren ehrlichen Widerstand
zum Ausdruck bringen, wenn die Hauptstadt des Libanon selbst besetzt wird. Wir
müssen unser tiefes Entsetzen und unsere tiefe Entrüstung zum Ausdruck bringen,
wenn hilflose Frauen, Kinder und Männer in der libanesischen Hauptstadt hingemordet werden. Wir glauben, daß das Volk des Libanon eine Chance haben wird,
seine Freiheit und Identität wiederherzustellen. Aber zuerst müssen Blutvergießen und Besatzung ein Ende haben. Wir müssen mit aller Macht, die wir aufbringen können, versuchen, diesem schwer geprüften Land Frieden zu bringen.
Die Grenzen Israels müssen geschützt werden. Die Grenzen des Libanon
müssen geschützt werden. Unschuldige Israelis müssen vor Bomben, den Raketen
und dem Terror geschützt werden, unter dem sie seit der Gründung des Staates
Israel gelitten haben. Aber eine libanesische Mutter oder ein palästinensisches
Kind verdienen kein bißchen weniger Schutz. Die von Präsident Reagan vorgeschlagenen Schritte zum Frieden sind bedeutsame Wegweiser an der Straße, die zu
einem Punkt führt, an dem ein solcher Schutz nicht nur zugesagt, sondern von
allen im Nahen Osten lebenden Völkern als selbstverständlich angesehen wird.
Wir dürfen

�Wir dürfen nicht zulassen, daß die alten Leidenschaften, die durch die
drei großen Religionen im Heiligen Land geweckt wurden, den Fortbestand der
Menschheit gefährden. Die Freundschaft Amerikas zu den Völkern des Nahen Ostens
ist unverbrüchlich und stark. Vor allem unser Verhältnis zur Bevölkerung Israels
ist tief verwurzelt in den Ursprüngen, die unsere Völker im Laufe der Geschichte
geprägt haben. Uns verbindet ein gemeinsames Band der Leidenschaft zur Demokratie
und Gerechtigkeit.
Die Palästinenser sind heute in der ganzen Region verstreut. Das libanesische
Volk ist durch den Krieg entwurzelt. Das israelische Volk wird noch immer durch
militärische Aggression bedroht und lebt in der Angst vor dem Terrorismus. Vor
diesem Hintergrund der Realität in der Region erleben wir, daß die wenigen, die
die Kühnheit und den Mut besitzen, für den Frieden einzutreten, nur zu oft dasselbe
Geschick erleiden

wie diejenigen, die mit dem Schwert leben. Trotz dieser Be-

drohung braucht der Nahe Osten mehr mutige Staatsmänner, die das große Risiko
wagen, den Millionen Menschen Frieden und Würde zu bringen. Präsident Sadat mag
von Terroristen ermordet worden sein, aber der Ölzweig, den er von Jerusalem
nach Hause mitgebracht hat, hat jetzt am Nil tiefe Wurzeln geschlagen.
In einem Versuch, die Leidenschaften und Spannungen abzukühlen, und hoffentlich der Demokratie eine Chance zu geben, sind heute erneut amerikanische Schiffe
nach dem Libanon unterwegs, um Soldaten des amerikanischen Marinekorps dort
hinzubringen. Diese jungen Männer kehren in ein Land zurück, das sie erst vor
drei Wochen verlassen haben. Sie kommen nicht als Polizisten nach Beirut, sondern
in der Absicht, durch ihre Anwesenheit der libanesischen Regierung zu helfen,
ihre souveräne Macht über das Gebiet von Beirut wiederherzustellen. In diesem
Sinne werden unsere Marinesoldaten - zusammen mit ihren Partnern aus Frankreich
und Italien - die Bemühungen der Libanesen unterstützen, die Sicherheit der Bevölkerung von Beirut zu gewährleisten und der Gewalttätigkeit ein Ende zu setzen.
Ihr Aufenthalt in Beirut wird begrenzt sein. Aber ich bin überzeugt, daß sie
einen unerläßlichen Beitrag zu dem Prozeß der Wiederherstellung eines freien,
vereinten und sicheren Libanon in Frieden mit all seinen Nachbarn leisten werden.
Heute wurde

�Heute wurde im Libanon ein neuer Präsident, Amin Gemayel, in sein Amt
eingeführt. Das amerikanische Volk übermittelt ihm seine Glückwünsche und volle
Unterstützung. Wir hoffen, daß den neuen Führern die Zeit und die Unterstützung
aller Fraktionen gewährt werden, um den Wiederaufbau Beiruts und des Libanon
zu beginnen, wie auch die Chance, eine Regierung zu bilden, die für das ganze
libanesische Volk repräsentativ ist.
Frieden und Sicherheit können nicht durch militärische Macht allein gewährleistet werden. Die feige Tat der Mörder und Terroristen brütet nur mehr
Gewalt aus und verstärkt den bereits bestehenden Haß. Frieden und Sicherheit
können nur erreicht werden durch Verhandlung, durch Gespräch, durch mühselige
Tage, Wochen und Monate, in denen man sich am Konferenztisch gegenübersitzt.
Nach den Ereignissen in Beirut gibt es Leute, die glauben, daß die Spannungen zum Kriege führen werden. Wir sind vielmehr der Überzeugung, daß es an der
Zeit ist, für den Frieden zu arbeiten. Alle Parteien müssen bestimmten grundlegenden Zielen zustimmen, wenn wir dem Libanon Stabilität bringen wollen:
1. Ständige Einstellung der Feindseligkeiten,
2. Errichtung einer starken repräsentativen Zentralregierung,
3. Abzug aller ausländischen Streitkräfte: der PLO und jetzt vor allem
der syrischen und israelischen Streitkräfte,
4. Wiederherstellung der Kontrolle des ganzen Landes durch die libanesische
Regierung,
5. Herstellung von Bedingungen, unter denen der Libanon nicht länger als
ein Ausgangspunkt für Angriffe gegen Israel benutzt werden kann.
Der Libanon muß von dem Druck und der Gewalt der Kräfte von außen frei sein,
wenn er eine Chance haben soll, die demokratische Regierungsform wiederherzustellen, deren er sich in nicht so ferner Vergangenheit erfreute.
Was die

�Was die umfassendere Aufgabe angeht, der Region dauerhaften Frieden und
dauerhafte Stabilität zu bringen, so müssen alle Nationen und Parteien sich
völlig darüber im klaren sein, daß Israel dort bleiben wird. Die Vereinigten
Staaten sind der Sicherheit Israels und seinem Anspruch auf Frieden verpflichtet.
Und die Palästinenser und die arabischen Nationen müssen die Realität dieser
Situation akzeptieren.
Umgekehrt müssen Israel und die arabischen Staaten anerkennen, daß das
palästinensische Volk legitime Rechte hat, die nicht erfüllt sind. Palästinenser
können nicht länger in armseligen Lagern in der ganzen Region verstreut gehalten
werden. Dort werden nur Verhältnisse ausgebrütet, die zu tieferem Haß führen
und Enttäuschungen nähren, die junge Menschen zu Fanatikern machen.
Ironischerweise ist es vielleicht gerade Israel, das mehr als jede andere
Nation die Geschichte der ewigen Ungerechtigkeiten gegenüber einem umherziehenden und heimatlosen Volke erlebt hat. In dieser Hinsicht müssen wir auch Israel
ermutigen, zur Lösung der palästinensischen Tragödie beizutragen. Aber es kann
keine Einbahnstraße sein. Die Palästinenser müssen die Realität und die Rechtmäßigkeit Israels akzeptieren. Die Palästinenser müssen begreifen, daß die Befriedigung ihrer legitimen Rechte direkt mit ihrer Anerkennung des Existenzrechts
Israels verbunden ist.
Die jüngsten Vorschläge der arabischen Staaten in Fez stellen eine indirekte
Anerkennung Israels dar, indem der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen aufgefordert wird, den Frieden unter allen Staaten der Region zu garantieren. Aber das
ist nicht genug. Vorsichtige Hinweise, Andeutungen und verschlüsselte Aussagen
können nicht genügen, solange der Konflikt weiterschwelt. Alle arabischen Nationen
müssen mit der gleichen Klarheit wie Ägypten erklären, daß Israel ein Recht auf
Existenz hat. Der Frieden kann nicht durch Parteien erreicht werden, die wie
der Vogel Strauß sich weigern, die Realität zu sehen.
Der Vorschlag Präsident Reagans will ein Katalysator sein. Wir wollen ihn
sicherlich niemandem aufzwingen. Unsere Hoffnung besteht darin, eine breitere

- 5 -

�eine breitere Beteiligung und einen größeren Fortschritt zum Frieden im Rahmenwerk
von Camp David herbeizuführen, das durch Ministerpräsident Begin, Präsident
Sadat und Präsident Carter geschaffen wurde. Wir sind der festen Überzeugung, daß
wir einen kühnen Vorschlag unterbreitet haben - einen Vorschlag, der sowohl als
Ausgangspunkt für einen Abbau unmittelbarer Spannungen wie auch als ein Verhandlungsvorschlag benutzt werden kann, der Millionen von Menschen, die nur zu lange
Opfer des Krieges waren, Stabilität und friedliche Chancen bringen wird. Er macht
mehr als alles andere unsere Vision von einer künftigen Lösung deutlich - einer
Lösung, die die legitimen Ansprüche Israels auf sichere und verteidigungsfähige
Grenzen und die legitimen Rechte der palästinensischen Araber anerkennt und auf
sie eingeht. Es liegt nicht im Interesse Israels, über 1,3 Millionen Araber
im Westjordanland und im Gazastreifen zu herrschen.
Es ist allerhöchste Zeit, daß Israelis und Araber sich von Angesicht zu
Angesicht am Verhandlungstisch gegenübersitzen, wie sie es im Camp David taten.
Wir haben aus der jüngsten Geschichte nur zu oft schmerzlich lernen müssen,
daß das letztliche Ergebnis der Weigerung von Israelis und Arabern, sich gegenüberzusetzen, die Wiederaufnahme des Krieges war. Nach jedem der letzten fünf
Kriege haben Führer der Welt die Parteien aufgefordert, den Frieden zu bereiten.
Zuviel Blut ist vergossen worden. Zuviele Menschen haben ihr Leben verloren.
Aber schon wieder stehen wir vor der gleichen häßlichen Situation, die wir nur
zu oft in der Vergangenheit erlebt haben. Israelis, Palästinenser, Syrer, Libanesen, Jordanier - alle müssen einsehen, daß die Fortsetzung des Hasses, der
Eifersucht und der Bigotterie noch mehr Männer, Frauen und Kinder an die Schwelle
des Todes führen wird. Und nur Verhandlungen von Angesicht zu Angesicht können
diese tödlichen Mächte bezwingen.
Seit dem vorigen Wochenende habe ich mit dem Präsidenten, mit Außenminister
Shultz und anderen bei der Überprüfung des Massakers, der Situation im Libanon und
der Lage in der ganzen Region eng zusammengearbeitet. Ich kann Ihnen sagen, daß
der Präsident während dieser Zusammenkünfte mehrere große Besorgnisse äußerte.
Der Präsident

�Der Präsident ist mehr denn je entschlossen, dieser Region Frieden zu bringen.
Er ist der Überzeugung, daß die Stabilität in Beirut ein erster wesentlicher
Schritt ist; aber er ist auch der Überzeugung, daß es jetzt an der Zeit ist,
darauf hinzuwirken, daß alle ausländischen Truppen friedlich aus dem Libanon abgezogen werden. Darüber hinaus ist der Präsident besorgt über anonyme Berichte,
daß er oder irgend jemand an der Spitze dieser Administration sich in die innere
Politik Israels einmischen möchte. Ich kann nur mit allem Nachdruck unterstreichen,
daß dies nicht stimmt. Der Präsident respektiert Israel und seine demokratischen
-

Prozesse nachhaltig. Wir unsererseits werden noch härter für den Frieden arbeiten,
der die Grenzen Israels schützen wird. Und es ist jetzt an der Zeit, daß Israel
ebenfalls seine Absichten signalisiert, das Streben nach Frieden zu beschleunigen.
Der Vorschlag des Präsidenten hat zumindest vielen Menschen in der Region
neue Hoffnung gegeben. Die Eröffnungszüge Israels und der Araber waren hart.
Aber Frieden und Vernunft können die Oberhand behalten. Die Führer der Region
müssen die Tapferkeit und den Weitblick an den Tag legen, die Präsident Sadats
Reise nach Jerusalem und die Rückgabe des Sinai durch Ministerpräsident Begin
gekennzeichnet haben. Wenn sie das nicht tun, so fürchte ich, werden wir alle
erneut den Terror von Sabra und Shatilla, von Ma'alot, von München und die
wahllose Beschießung von Menschen im nördlichen Galiläa erleben. Diese schlimmen
Erinnerungen müssen in das Bewußtsein der Führer des Nahen Ostens eingebrannt
sein, wenn sie an ihre Zukunft und an den Friedensappell Präsident Reagans
denken.

- 7 -

�29. September 1982

38

USA FORDERN UNTERSUCHUNG VON BERICHTEN OBER EINSATZ
VON ZWANGSARBEITERN IN DER UDSSR
- Erklärung des State Department -

WASHINGTON -(AD) - Das amerikanische Außenministerium hat in einer
Erklärung vom 22. September 1982 darauf gedrängt, daß die internationale Gemeinschaft zahlreiche Berichte über den Einsatz von Zwangsarbeitern in der UdSSR, nicht zuletzt beim Bau von Erdgasleitungen,
einer ernsthaften Untersuchung unterziehen solle. Man habe zwar keine
unmittelbaren Beweise, so heißt es in der Erklärung, jedoch lägen so
viele Berichte von Einzelpersonen und Organisationen in Europa, Asien
und den USA vor, daß die Weltöffentlichkeit sie prüfen müsse.
Die Erklärung des amerikanischen Außenministeriums hat folgenden Wortlaut:
Wir haben in zunehmendem Maße Berichte erhalten, daß die UdSSR
eine große Anzahl von Gefangenen - einschließlich Tausender politi-

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�Tausender politischer Gefangener - eingesetzt hat, um an Großprojekten
zu arbeiten. Zumindest nach einem dieser Berichte werden beispielsweise mindestens IßO 00.0 solcher Zwangsarbeiter für schwere Infrastrukturprojekte eingesetzt, wie die Trockenlegung von Sümpfen, das
Fällen von Bäumen und den Bau von Zugangsstraßen zur Yamal-Gasröhrenleitung. Zu diesen Zwangsarbeitern gehören nach den Berichten religiöse Dissidenten und andere Gefangene aus Gewissensgründen.
Diese Berichte stammen von einer großen Vielfalt von Einzelpersonen und Organisationen in Europa, Asien und den Vereinigten Staaten.
Zu den Quellen gehören Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften,
Arbeiter, denen es gelungen ist, aus der Sowjetunion auszuwandern,
nachdem sie unter solchen Bedingungen gearbeitet hatten, sowie Briefe,
die Asien und den Westen aus der UdSSR erreichen.
Wir behaupten nicht, daß wir unmittelbare Beweise besitzen. Aufgrund der geschlossenen Natur der sowjetischen Gesellschaft und der
amtlichen Kontrolle der sowjetischen Medien mag es vielleicht niemals
einen unmittelbaren Beweis geben. Aber die Information, die von diesem
weiten Bereich sachkundiger Einzelpersonen und Organisationen - einige
davon mit Erfahrungen mit diesen Arbeitsverhältnissen aus erster Hand vermittelt wird, geht bemerkenswert ins Detail und verdient ernsthafte
Prüfung.
Zuverlässige Schätzungen setzen die Gesamtzahl der Zwangsarbeiter
in der Sowjetunion auf rund 4 Millionen an. Es ist im übrigen bekannt,
daß eye Sowjetunion eine Tradition des Einsatzes von Zwangsarbeitern
in Malsen - einschließlich politischer Gefangener - für Großprojekte,
vor allem in Sibirien hat,
wo selbst in der amtlichen Presse eingeräumt wird, daß es schwierig sei, sowjetische Arbeiter dazu zu bewegen, freiwillig dorthin zu gehen.
Um nur

�Um nur zwei Beispiele zu nennen: Man nimmt an, daß in den dreißiger Jahren etwa 250 000 Zwangsarbeiter beim Bau des BielomorskKanals umgekommen sind. Und in den siebziger Jahren waren nach Berichten Tausende von Zwangsarbeitern beim Bau der Baikal-Amur-Eisenbahn in Südostsibirien beteiligt.
Was ausländische Arbeiter angeht, so haben die amtlichen sowjetischen Medien selbst zugegeben, daß einige tausend Vietnamesen und
Arbeiter aus anderen südostasiatischen Ländern in die UdSSR gebracht
wurden, und es verlajtete, daß wahrscheinlich in naher Zukunft viele
weitere Tausend hereingebracht würden. Die Informationen über die
Natur des Programms sind fragmentarisch.
Wir wissen nicht, ob die vietnamesischen Arbeiter an der sibirischen Rohrleitung eingesetzt sind. Wir sind jedoch sehr besorgt über
Hinweise, daß Vietnamesen zur Arbeit in der UdSSR und in Osteuropa
gezwungen würden und daß ein Teil des an sie gezahlten Lohnes abgezogen würde, um die Schulden Vietnams gegenüber dem Gastland auszugleichen.
Darüber hinaus liegen uns Berichte vor, daß die sowjetischen Behörden die Möglichkeiten dieser Arbeiter einschränken, mit ihren Familien und Freunden außerhalb der UdSSR in Verbindung zu treten. Wir
sind der Überzeugung, daß es wichtig ist, daß sich die internationale
Aufmerksamkeit dieser Situation zuwendet wegen der offensichtlichen
Möglichkeit der Ausbeutung dieser Arbeiter.
Die sowjetishhe Regierung könnte zur Feststellung der Wahrheit
bezüglich dieser sehr ernsten Beschuldigungen beitragen, indem sie
eine objektive Untersuchung der Arbeitsbedingungen bei den verschiedenen Projekten in Sibirien und der Bedingungen zulassen würde, unter
denen politische Gefangene in der Sowjetunion leben und arbeiten. Wir

- 3 -

�arbeiten. Wir würden eine solche unabhängige internationale Untersuchung begrüßen, aber die Aussichten, daß eine solche Untersuchung zustande kommt, sind wahrscheinlich nicht günstig.
So sind beispielsweise in der Vergangenheit in der Internationalen
Arbeitsorganisation (ILO) Beschuldigungen des Einsatzes von Zwangsarbeitern gegen die UdSSR erhoben worden. Die sowjetischen Behörden haben sich jedoch stets geweigert, einer Mission der ILO einen Besuch
der Sowjetunion zu erlauben, um diese Beschuldigungen zu untersuchen.
Wegen der Schwere dieser Beschuldigungen und wegen der massiven
Menschenrechtsverletzungen, die damit verbunden sind, sind wir der
Überzeugung, daß die internationale Gemeinschaft eine Verpflichtung
hat, sie zu untersuchen. Die Vereinigten Staaten ihrerseits nehmen
eine gründliche Überprüfung der Informationen vor, die in dieser
Frage zur Kenntnis gebracht werden, und wie wir hören, haben mehrere
andere Regierungen ähnliche Absichten.geäußert.
So wie unsere Untersuchungen fortschreiten, werden wir - wo immer
dies möglich ist - unsere Ergebnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung
stellen. Wir hoffen, daß andere Regierungen und private Organisationen das gleiche tun werden.

+ + + + +

�•TTn7

Hintergrund
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

29. September 1982

38

USA SPAREN IMMER MEHR ENERGIE EIN
- Benzinpreise sanken gegenüber Vorjahr um 12 Prozent -

WASHINGTON - (AD) - Der Rückgang des Energieverbrauchs in
den Vereinigten Staaten setzte sich 1982 fort. Er lag Anfang Juni
ein Prozent unter dem Verbrauch im vorjährigen Vergleichszeitraum.
Innerhalb der letzten drei Jahre sank der Gesamtenergieverbrauch
um 7,6 Prozent, während das Bruttosozialprodukt real um 1,1 Prozent
anstieg. Wie das "Oil and Gas Journal", eine führende Zeitschrift
der amerikanischen Mineralölindustrie, kürzlich berichtete, war
im ersten Halbjahr 1982 der ölbedarf um 5,2 Prozent geringer als
im ersten Halbjahr 1981; der Verbrauch an Erdgas ging im gleichen
Zeitraum um 1,5 Prozent zurück. Bis Ende 1982 könnte in den USA
nach Schätzung der Zeitschrift der Bedarf an öl um 18,7 Prozent
seit dem Spitzenverbrauch im Jahr 1978 fallen. Damals lag der
Tagesverbrauch bei 18,8 Millionen Barrel (1 Barrel entspricht
159 Liter).
Die Inlandsproduktion

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Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Die Inlandsproduktion von Rohöl im ersten Halbjahr 1982
erreichte nach Angaben der Behörde für Energie-Informationen
(U.S. Energie-Ministerium) 8,66 Millionen Barrel pro Tag, d.h.
ca. 80 000 Barrel täglich mehr als im Vergleichszeitraum des
Vorjahres. Die Freigabe der Preise für amerikanisches Rohöl im
Januar 1981 und deren Angleichung an die Preise auf dem Weltmarkt
hatte eine wesentliche Intensivierung von Exploration und Förderung von Erdöl in den USA zur Folge. Dennoch dürften nach
Schätzungen des "Oil and Gas Journal" angesichts der noch immer
hohen Zinsen und der z.Zt. verhältnismäßig niedrigen ölpreise
in diesem Jahr 3,6 Prozent weniger neue Quellen in Betrieb genommen
werden als im Vorjahr, obgleich die Mineralölindustrie im ersten
Halbjahr 1982 mit 43 592 neuen Quellen 28 Prozent mehr Bohrungen
niederbrachte als während der ersten sechs Monate 1981.
Geringere Nachfrage führte trotz Abflachung der einheimischen
ölproduktion zu einem weiteren Rückgang der ölimporte, erklärte
ein Sprecher des US-Energieministeriums. Der Gesamtimport an Rohöl
und Mineralölprodukten lag im Monat August 1982 bei 4,3 Millionen
Barrel pro Tag - das waren 17 Prozent weniger als im August 1981.
Rohölimporte allein sanken im ersten Halbjahr 1982 auf täglich
3 Millionen Barrel - 29 Prozent weniger als 1981.
Wirtschaftliche Rezession und kostenbedingte Energieeinsparungen drückten auch den Verbrauch an Mineralölprodukten. Wie
das "American Petroleum Institute" berichtet, lag im Jahr 1979 der
Benzinverbrauch in den Vereinigten Staaten während der ersten
vier Monate bei durchschnittlich 7,4 Millionen Barrel pro Tag,
in den ersten vier Monaten 1982 dagegen nur noch bei 6,3 Millionen
Barrel, d.h. um 14 Prozent niedriger. Für die Raffinerien erhöhten
sich die Kosten beim Ankauf von Rohöl zwischen 1976 und 1981 um
jährlich 26,8 Prozent, während im gleichen Zeitraum der Benzinpreis
um durchschnittlich 17,9 Prozent im Jahr anstieg. Ein rapides

- 2 -

�Ein rapides Absinken der Nachfrage nach Mineralölprodukten erzwang
jedoch in Verbindung mit einem weltweiten Überangebot an öl einen
erheblichen Preisrückgang während der ersten vier Monate dieses
Jahres. Zwar stiegen die Benzinpreise in den Monaten Mai bis Ende
Juli erneut um 8,4 Prozent an, lagen aber dennoch um 7,7 Prozent
unter den Spitzenpreisen vom März 1981. Im August 1982 fielen sie
wiederum zurück. Der reale Benzinpreis liegt derzeit, inflationsbereinigt, etwa 12 Prozent unter dem des Vorjahres.
Die Vorräte an Benzin wurden im Verlauf dieses Jahres stark
vermindert. Wie von der Behörde für Energie-Informationen verlautet, sank der Bestand von 253 Millionen Barrel Ende 1981 auf
221,8 Millionen Barrel (Ende August 1982), d.h. um 12,3 Prozent.
Heizöl (Destillate) wird gegenwärtig um 22 Prozent, Schweröl um
34 Prozent weniger bevorratet als im vergangenen Jahr. Demgegenüber hielt man verhältnismäßig große Rohölvorräte. Sie lagen in
den ersten acht Monaten dieses Jahres bei 358,6 Millionen Barrel
und somit nur um 5 Millionen Barrel niedriger als im Vorjahr.
+ + +

- 3 -

�Wi//en/chaft
und Technik

•

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29. September 1982

38

MIT SPACELAB IN DEN WELTRAUM
- Ulf Merbold, Nutzlastspezialist für 9. Raumtransporter-Flug

- (AD) - Als erster Ausländer wird Ulf Merbold (41), Physiker und Fachmann für Werkstoffwissenschaften am Max-Planck-Institut für Metallforschung
in Stuttgart, im September 1983 beim neunten Einsatz des amerikanischen Raumtransporters mit von der Partie sein. Das bei der Fa. ERNO in Bremen im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation ESA gebaute Weltraumlabor SPACELAB
befindet sich bei diesem Sieben-Tage-Flug zum ersten Mal an Bord. Zu seiner
"Nutzlast" gehören die Ausrüstungen für 38 wissenschaftliche Experimente.
Sie werden von Merbold und dem Amerikaner Byron K. Lichtenberg betreut,
einem Spezialisten für biomedizinische Technik. Chefpilot ist, wie schon beim
ersten Raumtransporter-Flug im April 1981, John Young, sein Kopilot wird der
amerikanische Astronaut Brewster Shaw sein. Als "Mission Specialists" wählte
das US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) die Amerikaner Owen Garriott und
Robert Parker aus. Der Physiker Garriott konnte als Wissenschaftsastronaut
beim zweiten Unternehmen SKYLAB (28. Juli bis 25. September 1973) bereits

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�bereits umfangreiche Erfahrungen in der Sonnen- und Erdbeobachtung für eine
Vielzahl spezieller Forschungsprogramme sammeln.
Das sieben Meter lange Weltraumlabor verbleibt während des Fluges in
der sog. Nutzlastbucht des Raumtransporters. Seine Druckkabine, in der die
Nutzlastspezialisten ohne Raumanzug arbeiten können, ist über einen Tunnel
vom Cockpit des Raumflugzeugs aus zugänglich. Ein weiteres Element des
SPACELAB sind offene, dem Vakuum des Weltraums ausgesetzte Plattformen,
auf denen für die Dauer des Fluges Meß- und Experimentierausrüstungen für
Direktbeobachtungen montiert sind. Das Forschungsprogramm für die erste
SPACELAB-Mission sieht Untersuchungen zur Physik der Hochatmosphäre, zur
Plasma- (d.h. Hochenergie-)Physik, zur Biologie, Medizin und Astronomie
sowie die Durchführung von Sonnen- und Erdbeobachtungen vor.
Die wissenschaftlichen Projektleiter für die einzelnen Experimente aus
Laboratorien in der ganzen Welt haben Merbold und Lichtenberg gründlich auf
ihre Aufgaben vorbereitet. Das Astronautentraining erfolgte in Einrichtungen
der NASA in Texas und Alabama.

t- + + + +

�</text>
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          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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          <name>Title</name>
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              <text>Amerikadienst 29.09.1982</text>
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          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Araber müssen Existenzrecht Israels anerkennen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Vizepräsidenten vor dem Nationalen Presseklub -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA fordern Untersuchung von Berichten über Einsatz von Zwangsarbeitern in der UdSSR&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des State Department -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA sparen immer mehr Energie ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Benzinpreise sanken gegenüber Vorjahr um 12 Prozent -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mit Spacelab in den Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ulf Merbold, Nutzlastspezialist für 9. Raumtransporter-Flug -&lt;/em&gt;</text>
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