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                  <text>^V^r^l

nrofmcicion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
22. September 1982

37 A

I
I N H A L T

DOKUMENTATION
Der Weg Amerikas zu den START-Verhandlungen
- Von Richard Burt Designierter Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten
im amerikanischen Außenministerium
KSZE-Delegierter der USA: Amerika verabscheut sowjetische Aggression
und Menschenrechtsverletzungen
- Rede Kampelmans vor der Universität von TromsjJ Sacharow: Sowjetische Expansion muß gestoppt werden
- Offener Brief an die Pugwash-Konferenz -

A

Um Übef/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

37

22. September 1982

DER WEG AMERIKAS ZU DEN START-VERHANDLUNGEN
- Von Richard Burt Designierter Unterstaatssekretär für Europäische
Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium

Der nachfolgende Artikel wird in der
Nr. 4/1982 der Zeitschrift "NATO
REVIEW" erscheinen.

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion begannen ihre ersten Verhandlungen über, eine Begrenzung der strategischen Kernwaffen im November
1969,und diese Verhandlungen liefen unter der Bezeichnung Strategie Arms
Limitation Talks - SALT - d.h. Verhandlungen über eine Begrenzung der
strategischen Rüstungen. Dieser Dialog zeitigte zwar einige bescheidene
Erfolge, aber die großen Hoffnungen und Erwartungen Anfang der siebziger Jahre wurden nie erfüllt. Aus der Sicht der Verringerung des Standes
der nuklearen Rüstungen und der Gewährleistung eines stabilen nuklearen
Gleichgewichts erwies sich der SALT-Prozeß als eine Enttäuschung. Trotz

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Enttäuschung. Trotz der Bemühungen von drei amerikanischen Administrationen fand während der siebziger Jahre eine beispiellose Aufrüstung
der strategischen Streitkräfte &lt;der Sowjets statt.
Als im Januar 1981 die Reagan-Administration die Regierung übernahm, war sie entschlossen, es besser zu machen: Sie wollte über ausgewogene und verifizierbare Rüstungskontrollabkommen verhandeln, die tatsächlich zu einer Senkung des Standes der Kernwaffen auf beiden Seiten
führen und einen echten Beitrag zur Sicherung eines stabilen nuklearen
Gleichgewichts leisten würden. Präsident Reagan ordnete sofort eine
gründliche Oberprüfung der Rüstungskontrollpolitik an, um die Lehren
aus dem SALT-Prozeß zu ziehen und alternative Lösungen des Problems
der Verringerung der strategischen Nuklearstreitkräfte zu finden. Nach
Abschluß dieser Oberprüfung beschloß der Präsident, von dem bisherigen
Kurs der amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen wesentlich abzuweichen.
In seiner Rede vom 9. Mai 1982 vor dem Eureka-College kündigte er einen
neuen Weg der Vereinigten Staaten an. Statt nach einem Abkommen zu
streben, das nichts weiter bedeuten würde als eine Kodifizierung der
strategischen Nuklearstreitkräfte und einen minimalen Einfluß auf deren
Wachstum, wollten die USA einen Vorschlag für wesentliche, gerechte und
verifizierbare Verringerungen vorlegen.
Am 29. Juni 1982 begannen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in Genf die Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen
Rüstungen - Strategie Arms Reduction Talks = START. Die amerikanische
Delegation unter Leitung von Botschafter Edward Rowny brachte die neuen
Vorschläge des Präsidenten mit. Dieser neue Weg ist kühn und doch realistisch. Zugrunde liegen die Ziele der Stärkung der Abschreckung und
der Gewährleistung eines stabilen amerikanisch-sowjetischen nuklearen
Gleichgewichts auf wesentlich niedrigerer Ebene.
Die Rolle der strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten
besteht darin, vor einem Angriff auf die USA oder ihre Verbündeten ab-

�Verbündeten abzuschrecken und dadurch den Frieden zu erhalten. Um erfolgreich abschrecken zu können, ist es notwendig, einen potentiellen Aggressor davon zu überzeugen, daß die Risiken und potentiellen Kosten
seiner Aggression weit schwerer wiegen würden als alle Gewinne, die er
zu erreichen hoffen könnte. Das strategische Gleichgewicht ist daher
ein entscheidendes Element in der Kalkulation möglicher Gewinne oder
Verluste durch einen potentiellen Aggressor.
Das strategische Gleichgewicht basiert nicht lediglich auf einer
Feststellung der Zahlen, sondern auch auf den Fähigkeiten von Systemen,
der Befehls- und Leitstruktur wie auch auf den Trends in den Streitkräften. Bei der Berechnung des Gleichgewichts ist es auch wichtig, qualitative Faktoren, wie etwa die besondere Überlebensfähigkeit eines Systems
- oder umgekehrt seine Verwundbarkeit bei einem Angriff der anderen
Seite - sowie seine Fähigkeit zu prüfen, sein Ziel trotz gegnerischer
Verteidigungsmaßnahmen zu erreichen. Strategische Streitkräfte, die
einen Erstschlag überleben und erfolgreich gegen einen weiten Bereich von
Zielen zurückschlagen können, sind notwendig, um Abschreckung und Stabilität aufrechtzuerhalten.
Das Thema ist vielfältig,und selbst Spezialisten haben unterschiedliche Meinungen und Interpretationen bezüglich des gegenwärtigen Standes des strategischen nuklearen Gleichgewichts und der Bedeutung spezifischer Maßnahmen auf strategischem Gebiet. Alle können sich jedoch über
eine wesentliche Tatsache einigen: Die Auswirkungen der Verlagerungen
des strategischen Gleichgewichts während der letzten 15 Jahre haben in
ihrer Summe die Sowjetunion begünstigt und haben sich zum Nachteil der
Vereinigten Staaten ausgewirkt. Vor allem die zunehmende Verwundbarkeit
der landgestützten Interkontinentalraketen der USA bieten der Sowjetunion einen Vorsprung auf diesem Gebiet.
Mitte der sechziger Jahre - bevor der SALT-Dialog begann - besaßen
die Vereinigten Staaten ohne Frage eine Überlegenheit auf dem Gebiet

- 3 -

�dem Gebiet der strategischen Nuklearstreitkräfte. Sie hatten die Dislozierung von über 1 000 Interkontinentalraketen (ICBM) abgeschlossen,
und 41 Atom-Unterseeboote führten 656 unterseebootgestützte ballistische
Raketen (SLBM) mit. Die Sowjetunion dislozierte ebenfalls eine beträchtliche Streitmacht an Interkontinentalraketen, lag jedoch zahlenmäßig
zurück. Die sowjetische Marine stand noch in den Anfängen der Dislozierung moderner Unterseeboote mit ballistischen Raketen. Was die schweren
Bomber anbetraf, so war die amerikanische Streitmacht an B-52 Bombern
der. sowjetischen Bär- und Bison-Bomberverbänden zahlenmäßig mehrfach
überlegen und auch was die Leistungsfähigkeit betraf.
Bis Mitte der siebziger Jahre, als die SALT-I-Verträge (der Vertrag
zur Begrenzung der Raketenabwehrsysteme und das Interimsabkommen über
strategische Angriffswaffen) unterzeichnet wurden, hatte aber die Sowjetunion auf mehreren Sektoren des strategischen Potentials mit den Vereinigten Staaten gleichgezogen und war zahlenmäßig bei den ballistischen
Raketen in Führung gegangen, denn sie hatte rund 2 000 disloziert, im
Vergleich zu den 1 700 der USA. Diese lagen bei den schweren Bombern
nach wie vor klar voraus, obwohl infolge der Außerdienststellung veralteter Flugzeuge ihr Vorsprung ziemlich geschrumpft war. Die Kombination
des zahlenmäßigen sowjetischen Vorsprungs bei den ballistischen Raketen
und des Vorteils der USA bei den schweren Bombern führte zu einem ungefähren Gleichgewicht zwischen den beiden Staaten hinsichtlich der strategischen Trägersysteme. Dank ihres MIRV-Programms (Multiple Independently
Targetabie Re-Entry Vehicles, d.h. Raketen, deren Gefechtsköpfe unabhängig voneinander gleichzeitig gegen verschiedene Ziele eingesetzt werden können) hatten die USA noch immer einen beträchtlichen Vorsprung im
Hinblick auf die Zahl der Raketengefechtsköpfe und zwar im Größenverhältnis von zwei zu eins, sowie bei den strategischen Waffen in ihrer Gesamtheit (Raketengefechtsköpfe plus Bombenflugzeuge).
Leider gaben sich aber die Sowjets mit diesem ungefähren Gleichgewicht nicht zufrieden, sondern setzten massiv ihre Aufrüstung fort.

�Aufrüstung fort. Infolgedessen ist die Sowjetunion heute den Vereinigten Staaten hinsichtlich der meisten Quantitäten des strategischen
Potentials ebenbürtig oder sogar überlegen. Die Gesamtzahl der sowjetischen ballistischen Raketen ist auf rund 2 350 gestiegen, hingegen ist
die der amerikanischen auf cirka 1 600 zurückgegangen, da veraltete
seegestützte Raketen vom Typ "Polaris" aus dem Dienst gezogen wurden.
Die Sowjets haben die Lücke bei den ballistischen Raketengefechtsköpfen
geschlossen, so daß jede der beiden Seiten jetzt etwa 7 500 hat (wobei
aber zu bedenken ist, daß im Durchschnitt die sowjetischen Gefechtsköpfe über eine größere Zerstörungskraft verfügen). Während die amerikanische Luftflotte an Bombern vom Typ B-52 weiter alterte und zahlenmäßig zurückging, führten die Sowjets den hochmodernen Bomber vom Typ
"Backfire" ein. Rein zahlenmäßig sind die beiden Seiten jetzt bei den
strategischen Bombenflugzeugen ungefähr gleich stark.
über die sowjetische Aufrüstung und die Erosion der strategischen
Überlegenheit der USA haben wir bereits gesprochen. In den späten sechziger und frühen siebziger Jahren hatten die Vereinigten Staaten bewußt
beschlossen, die Sowjetunion auf dem Gebiet der strategischen Rüstung
gleichziehen zu lassen. Bei den strategischen Überlegungen war man in
Amerika zu dem Schluß gekommen, daß die Aufrechterhaltung der Überlegenheit nicht leicht zu bewerkstelligen und kostspielig sejn würde und
überdies im Falle eines Falles nicht unbedingt notwendig. Man ging ferner von der Annahme aus,.daß die strategische Gleichheit'die Grundlage
für stabile Beziehungen irischen Ost und West abgeben könnte. Stillschweigend akzeptierten die Vereinigten Staaten die Gleichheit der Sowjetunion.
Wenn wir objektive Maßstäbe anlegen, kommen wir nicht um die Feststellung herum, daß die Sowjetunion bereits im Zeitabschnitt zwischen
den frühen und mittleren siebziger Jahren in der strategischen Rüstung
ungefähr gleichzog. Beunruhigend ist dabei die Tatsache, daß es während
des ganzen vergangenen Jahrzehnts keine Anzeichen eines Nachlassens

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�eines Nachlassens der sowjetischen Aufrüstung gab. Sie wurde im Gegenteil mit voller Kraft fortgesetzt. Während der ganzen siebziger Jahre
und bis zum heutigen Tag hat das sowjetische strategische Rüstungsprogramm einen gewaltigen Schwung entwickelt. Seit 1972 haben die Sowjets
drei neue Typen von Interkontinentalraketen in Dienst gestellt (die
SS-17, die SS-18 und die SS-19, die alle mit Mehrfachgefechtsköpfen
ausgestattet werden können), sowie vier neue seegestützte Raketen (die
SS-N-8, die SS-N-17, die SS-N-18 und die SS-N-20, wobei die beiden letzteren mit Mehrfachgefechtsköpfen bestückt werden können). Dazu kommen
noch drei Arten von Raketenunterseebooten der "Delta"-Klasse, die neuen
U-Boote vom Typ "Taifun" und die "Backfire"-Bombenflugzeuge.
Im gleichen Zeitabschnitt zeigten die Vereinigten Staaten ein hohes
Maß an einseitiger Zurückhaltung. Nach Abschluß (in der ersten Hälfte
der siebziger Jahre) der MIRV-Programme für die seegestützte Rakete vom
Typ "Poseidon" und für die Interkontinentalrakete vom Typ "Minuteman-III"
wurde eine ganze Reihe von Programmen zur strategischen Rüstung der
USA verzögert oder ganz und gar gestrichen. Beim Programm für Marschflugkörper ("Cruise Missiles") kam es zu Verzögerungen ebenso wie beim
Bau des U-Bootes der Klasse "Ohio" für die seegestützte Raketen vom Typ
"Trident". Die Entwicklung der Interkontinentalraketen vom Typ "MX"
wurde auf Sparflamme gedreht, und die Regierung Carter entschloß sich
zur Streichung des Programms für das Bombenflugzeug vom Typ "B-l".
Dabei zeigten die Sowjets nicht den geringsten guten Willen, sich ebenso zurückzuhalten. Ihr Tempo bei der Durchführung ihrer strategischen
Programme ließ klar erkennen, daß sie dazu nicht bereit waren.
Die sowjetische Aufrüstung mit ihren negativen Folgen für das strategische Gleichgewicht ging in der gleichen Periode vor sich, in der die
USA und die UdSSR über die strategischen Rüstungen verhandelten. Damit
soll nicht gesagt sein, daß bei SALT nichts Positives herauskam. Nach den
hochgeschraubten Erwartungen, die durch SALT-I hinsichtlich von Maßnahmen zur Rüstungskontrolle erweckt worden waren, erwies sich aber dann

�aber dann SALT-II als glatte Enttäuschung. Gerade während der Verhandlungen über den zweiten SALT-Vertrag erreichte die sowjetische Aufrüstung
neue Höhepunkte. Es war dies eine Zeit nicht nur der Veränderungen des
strategischen Gleichgewichts zuungunsten

der Vereinigten Staaten, son-

dern auch eine Zeit, in der die Stabilität des Gleichgewichts erstmals
durch die Einführung von sowjetischen Rüstungssystemen bedroht wurde,
die fähig sind, die amerikanischen Vergeltungssysteme zu vernichten.
Es handelt sich dabei um die Bedrohung durch sowjetische Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen, die groß unc treffsicher genug
sind, um die amerikanischen Interkontinentalraketen in ihren verbunkerten Silos zu zerstören.
Die Politik der Regierung Reagan
Bei ihrer Amtsübernahme im Januar 1981 verfügte die Regierung Reagan
eine großangelegte und sehr gründliche Überprüfung der Politik der USA
auf dem Gebiet der Sicherheit und Rüstungskontrolle. Für die Rüstungskontrolle setzten sich die USA vier Hauptziele:
1. Sicherheit: Rüstungskontrolle ist kein Selbstzweck. Sie soll
vielmehr die Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten
erhöhen, bei gleichzeitiger Verminderung der Kriegsgefahr.
2. Militärisch ins Gewicht fallende Abbaumaßnahmen: Ziel der Bemühungen um Rüstungskontrolle sollte es sein, die Zahl und das Vernichtungspotential von Kernwaffensystemen und Streitkräften zu vermindern,
statt sie bloß auf einem hohen Stand sozusagen mit einem Verschluß zu
versehen, wie das bei den früheren Abkommen der Fall war.
3. Gleichheit: Abkommen zur Rüstungskontrolle müssen zu beiderseitigen Kürzungen hinunter auf gleiche Obergrenzen für ähnliche Rüstungsgattungen führen. Das Gleichgewicht ist unerläßlich für die ausgewogene Rüstungskontrolle, für die Abschreckung und Stabilität sowie für

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�sowie für amerikanisch-sowjetische Beziehungen auf der Grundlage der
beiderseitigen Zurückhaltung und Reziprozität.
4. Oberprüfbarkeit: Abkommen zur Rüstungskontrolle müssen wirksame
Überprüfungsbestimmungen enthalten, damit gewährleistet ist, daß beide
Seiten die Vertragsbestimmungen auch wirklich erfüllen. Andernfalls
wird weder die eine noch die andere Seite das Vertrauen haben, das eine
Voraussetzung für ihre Annahme eines Vertrages ist, der einschneidende
Kürzungen ihrer für die nationale Sicherheit wesentlichen Streitkräfte
vorsehen würde. Eine gründliche Überprüfung der Vertragseinhaltung ist
besonders für die westliche Sicherheit wichtig, denn wir haben es ja
mit der geschlossenen Natur des sowjetischen politischen Systems zu tun.
Während die Gesamtüberprüfung in ihren einzelnen Aspekten nach und
nach beendet wurde, unternahmen die USA bereits eine ganze Reihe von
großen Initiativen zur Rüstungskontrolle. Im November 1981 schlug Präsident Reagan die "Nulloption" als Ziel der

amerikanisch-sowjetischen

Verhandlungen über die nuklearen Mittel Streckensysteme in Europa (INF)
vor. Er bot dabei die Streichung des "Pershing-II"-Programms und der
landgestützten Marschflugkärper unter der Bedingung an, daß die Sowjets
auf ihre Raketen der Typen SS-20, SS-4 und SS-5 verzichten. Anfang 1982
gingen die USA im Rahmen der NATO neu an die Ost-West-Verhandlungen
über beiderseitige ausgewogene Truppenabbaumaßnahmen (MBFR) heran. Dies
diente dann im Juli als Grundlage für die neue westliche Initiative
bei den Wiener Verhandlungen. Und im Mai erläuterte Präsident Reagan
den für die START-Verhandlungen festgelegten Kurs der USA.
Im Zuge ihrer Oberprüfungen der Politik auf dem Gebiet der strategischen Rüstungskontrolle nahmen die USA die Entwicklung des SALT-Prozesses sehr genau unter die Lupe und analysierten die neuen Richtlinien
für tatsächliche Verminderungen des Standes der Kernwaffenrüstungen.
Das zweite SALT-Abkommen wurde als langfristiger Rahmen zur Verringe-

�zur Verringerung der strategischen Rüstungen für nicht akzeptabel angesehen, denn dieses Vertraoswerk enthält eine ganze Reihe wesentlicher
Unzulänglichkeiten und Asymmetrien.Der Hauptfehler von SALT-II liegt in
der Tatsache, daß dieser Vertrag ein beträchtliches Wachstum der strategischen Rüstungen beider Seiten erlauben würde, anstatt sie zu Kürzungen zu zwingen. Ein anderer großer Nachteil von SALT-II erwuchs aus dem
Umstand, daß das Startgerät die Zähleinheit war. Es wurden keine unmittelbaren Begrenzungen der Anzahl der jedem der beiden Seiten zugestandenen
Gefechtsköpfe vorgesehen, obwohl man anhand der Gefechtsköpfe das Potential besser messen kann als anhand der Startgeräte. Die Bestimmungen
des Vertrages hätten es daher der Sowjetunion ermöglicht, ihr Arsenal
an Gefechtsköpfen für ballistische Raketen wesentlich zu vergrößern.
Eine stark ausgeprägte Asymmetrie war die Kodifizierung eines einseitigen Rechtes der Sowjetunion, rund 300 schwere Interkontinentalraketen
zu besitzen. Eine weitere Asymmetrie: Der sowjetische Bomber vom Typ
"Backfire" wurde in der Gesamtzahl der Trägerwaffen für strategische
Kernwaffen nicht berücksichtigt, obwohl seine Reichweite interkontinental ist. Und schließlich schuf das dem Vertrag beigefügte Protokoll, das
jetzt allerdings schon ausgelaufen wäre, einen nicht wünschenswerten
Präzedenzfall, indem die amerikanischen Mittel Streckensysteme (z.B. d.ie
landgestützten Marschflugkörper) begrenzt wurden, ohne daß zugleich
den vergleichbaren Systemen der Sowjetunion (wie zum Beispiel den Raketen vom Typ SS-20) irgendwelche Beschränkungen auferlegt wurden.
In Anbetracht dieser Mängel entschied sich die Regierung Reagan
gegen eine Ratifizierung des SALT-II-Vertrages. Neuverhandlungen wurden
in Erwägung gezogen, aber die Vereinigten Staaten beschlossen dann,
die Zeit lieber dazu zu verwenden, an das Problem des Abbaus der strategischen Rüstungen neu heranzugehen, anstatt über SALT-II noch einmal
zu verhandeln, um die Fehler dieses Vertrages auszubessern und ihn
akzeptabel zu machen. Dennoch baut Präsident Reagans START-Vorschlag
auf dem SALT-Prozeß auf. Der Präsident hat sogar erklärt, daß zwecks
Schaffung einer positiven Atmosphäre für die START-Verhandlungen es die

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�es die Politik de: USA sein werde, nichts zu unternehmen, was gegen
getroffene Vereinbarungen verstoßen würde, vorausgesetzt, daß die Sowjets die gleiche Zurückhaltung an den Tag legen.
Die USA haben über Mittel und Wege nachgedacht, durch Verminderungen
der Rüstungen die Stabilität des strategischen Gleichgewichts zu festigen. Bestimmte Systeme können wegen ihrer Fähigkeiten und Eigenschaften
diese Stabilität untergraben. Ebenso können andere Systeme mit anderen
Fähigkeiten und Eigenschaften einen Beitrag zur Sicherung des Gleichgewichts leisten. Destabilisierend sind Systeme, welche die Rüstung der
anderen Seite mit einem schnelle Vernichtung bringenden Erstschlag bedrohen, denn sie erschüttern das Vertrauen der anderen Seite in ihre
eigene Abschreckungskapazität. In einer kritischen Lage könnte dies zur
Versuchung führen, diese Rüstungssysteme zuerst einzusetzen, aus Furcht,
sie sonst zu verlieren.
Ballistische Raketen sind daher destabilisierender als langsam
fliegende Bomber. Das ergibt sich aus der Tatsache, daß die Flugzeiten
ballistischer Raketen kurz sind (ungefähr 30 Minuten für Interkontinentalraketen, noch weniger für seegestützte Raketen). Außerdem sind sie
mit Mehrfachgefechtsköpfen bestückt und werden punkto Treffsicherheit
immer mehr vervollkommnet, wodurch sie sich immer besser für einen Erstschlag gegen die Nuklearrüstung der anderen Seite eignen. Bomber und
Marschflugkörper fliegen hingegen sehr lange(zwischen sieben und zehn
Stunden), so daß sie für einen Erstschlag denkbar ungeeignete Waffen
sind. Im selben Sinne sind Interkontinentalraketen auch destabilisierender als seegestützte Raketen, denn sie sind größer und treffen genauer.
Außerdem sind alle Interkontinentalraketen in festen Silos untergebracht,
so daß sie bei einem Angriff verwundbar wären, ja sie könnten in einer
Krise dazu geradezu einladen. Mit Raketen bestückte Unterseeboote,
deren Ortung große Schwierigkeiten bereitet, sind faktisch unverwundbar. Seegestützte Raketen laufen auch nicht Gefahr, außer Gefecht gesetzt zu werden, falls sie in einer kritischen Lage nicht prompt verwendet werden.
Die große
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�Die große Anzahl der mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgestatteten Interkontinentalraketen im sowjetischen strategischen Arsenal beunruhigt
daher die Vereinigten Staaten besonders. In den letzten zehn Jahren
haben die Sowjets rund 150 SS-17, 300 SS-18 und rund 300 SS-19 disloziert. Diese Raketen können mit mindestens vier, beziehungsweise zehn
und sechs Sprengköpfen bestückt werden. Die SS-18 und die SS-19 sind
groß und treffsicher genug, um die amerikanischen Interkontinentalraketen in den verbunkerten Silos zu gefährden. Tatsächlich ist es so,
daß die Sowjetunion jetzt bereits die Fähigkeit besitzt, mit einem Erstschlag den Großteil des Arsenals der USA an Interkontinentalraketen
auszuschalten, ohne dabei mehr als einen Teil der eigenen Interkontinentalraketen einzusetzen, Diese sowjetische Fähigkeit ist dazu angetan,
das strategische Gleichgewicht zu destabilisieren, das Vertrauen in die
Abschreckungspolitik der USA zu untergraben und in Krisenzeiten die
Lage noch unstabiler zu machen.
Der START-Vorschlag der USA
Der Vorschlag des amerikanischen Präsidenten sieht vor, daß man in
zwei Phasen an Verminderungen der strategischen Rüstungen herangeht.
In der ersten Phase werden die Vereinigten Staaten bestrebt sein, die
Zahl der Gefechtsköpfe ballistischer Raketen um mindestens ein Drittel
zu kürzen und zwar "auf rund 5 000 Gefechtsköpfe auf jeder Seite, von
denen höchstens die Hälfte (2 500) für ballistische Interkontinentalraketen verwendet werden könnten. Gleichzeitig werden sich die USA bemühen, die Zahl der dislozierten ballistischen Raketen auf jeweils 850
zu verringern. In Phase 2 würden die Vereinigten Staaten dann weitere
Abbaumaßnahmen in diesen Sektoren vorsehen, bei gleichzeitiger Verminderung des gesamten Vernichtungspotentials der beiden Seiten auf gleichen Stand. Dazugehören würde eine beiderseitige Obergrenze für das
Wurfgewicht (d.h. die Nutzlast) der ballistischen Raketen unterhalb des
gegenwärtigen Niveaus der amerikanischen Rüstung.
Einige Elemente dieser von den USA abgesteckten Politik verdienen

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�Politik verdienen besondere Aufmerksamkeit. Wir haben uns erstens für die
Gefechtsköpfe der ballistischen Raketen und für die dislozierten Raketen
als Rechnungseinheiten entschieden, denn diese sind beim Messen des
strategischen Potentials viel sinnvoller als bloße Startgeräte, die
Rechungseinheit, von der man sich bei SALT-I und SALT-II leiten ließ.
Das erst ist logisch. Würde man nur die Trägerraketen zählen, so wäre
eine mit zehn Gefechtsköpfen bestückte sowjetische SS-18 einer amerikanischen Rakete vom Typ "Minuteman-II" gleichzusetzen, die nur einen
einzigen Gefechtskopf trägt. Die im ersten SALT-Vertrag enthaltenen
Begrenzungen der Startgeräte hat keineswegs die beiden Seiten bei ihren
Anstrengungen behindert, die Zahl der Sprengköpfe der ballistischen
Raketen zu erhöhen. Es ist eine Tatsache, daß sich die Gesamtzahl der
beförderbaren sowjetischen Sprengköpfe zwischen 1972, als SALT-I unterzeichnet wurde, und 1982, als die START-Verhandlungen begannen, fast
vervierfacht hat. Was SALT-II betrifft, so wurden zwar Obergrenzen für
die Zahl der Sprengköpfe an jeder einzelnen land- oder seegestützten
Rakete festgelegt, aber der weiteren Erhöhung der Gesamtzahl von Sprengköpfen hätte nichtsdestoweniger nichts im Wege gestanden.
In der zweiten Phase werden die USA weitere Beschränkungen zu erzielen versuchen, unter anderem gleiche Begrenzungen des Wurfgewichts. Das
Wurfgewicht ist ein wichtiger Faktor der strategischen Rechnung. Es ist
das gewaltige Wurfgewicht der ballistischen Raketen der Sowjetunion,
die ihnen das Potential verleiht, Gefechtsköpfe mit einer starken Zerstörungskraft zu befördern und damit unsere landgestützte Rüstung zu
gefährden. Beschränkungen, die beide Seiten zu weniger zerstörerischen
Systemen (d.h. mit einem geringeren Wurfgewicht) zwingen würden, sind
daher im Interesse der Stabilität.
Mit gutem Grund konzentriert sich die Politik der USA auf ballistische Raketen. Bloße Verringerungen in irgendeiner Kategorie der
strategischen Rüstung müssen nicht unbedingt zu mehr Stabilität führen;

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�Stabilität führen; in manchen Fällen könnte es dann sogar weniger Stabilität geben. Die Vernunft spricht dafür, daß man Abbaumaßnahmen vor
allem bei jenen Elementen der strategischen Rüstung vornimmt, die eine
besondere Gefahr für die Stabilität darstellen. Ballistische Raketen,
in erster Linie Interkontinentalraketen, verdienen demnach unsere besondere Aufmerksamkeit. Da sie ortsfest untergebracht sind, wären Interkontinentalraketen bei einem Erstschlag verwundbar. Gleichzeitig liefern
ihre Treffsicherheit und die großen Sprengköpfe genau die Mittel, die man
zur Durchführung eines derartigen Angriffs braucht.
Gegen diese Politik der USA sind verschiedene kritische Einwände
vorgebracht worden, auf die ich jetzt näher eingehen möchte. Es wird,
erstens, behauptet, daß der amerikanische Vorschlag einseitig sei und
durch sein Hauptaugenmerk auf ballistische Raketen die Sowjetunion
benachteiligen würde. Das ist einfach nicht wahr. Da es derzeit ein
ungefähres zahlenmäßiges Gleichgewicht bei den Gefechtsköpfen ballistischer Raketen gibt, würde der amerikanische Vorschlag beide Seiten zu
den gleichen Verringerungen zwingen. Zugegebenermaßen müßte die Sowjetunion ihre Rüstung auf dem Sektor der Interkontinentalraketen mehr kürzen als die USA ihre. Das ist aber nur eine Folge der Tatsache, daß
sich die Sowjets relativ mehr auf Interkontinentalraketen verlassen.
Jedenfalls wäre es gefährlich, die massive sowjetische Aufrüstung
auf dem Gebiet dieser destabilisierenden Systeme formell anzuerkennen.
Die USA wiederum sähen sich gezwungen, ihr Programm seegestützter ballistischer Raketen stärker zu kürzen, dies in Anbetracht ihrer relativ
größeren Abhängigkeit von diesen Systemen.

Zweitens wird Beschwerde geführt, daß der amerikanische Vorschlag
die Sowjetunion zu einer Umstrukturierung ihrer strategischen Rüstung
zwingen würde und zwar so, daß sie sich entgegen ihrer Tradition nicht
mehr vor allem auf Interkontinentalraketen verlassen könnte. Das stimmt.
Ist es aber wirklich für die Sowjetunion so schlecht? Heute befinden

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�Heute befinden sich nur die USA in einer Lage, in der ihre landgestützten Raketen einem Erstschlag gegenüber verwundbar sind. Das wird aber
nicht immer so bleiben. Die Technik macht Fortschritte, Die Gefechtsköpfe werden treffsicherer. Das sowjetische Arsenal an Interkontinentalraketen wird nicht in alle Ewigkeit unverwundbar bleiben. Die Verwundbarkeit landgestützter Raketen ist daher eine Angelegenheit, die beiden
Seiten Sorgen bereiten sollte. Schon beginnen manche sowjetische Experten, dieses potentielle Problem zu erkennen. Eines der wesentlichen
Merkmale des amerikanischen Vorschlags ist darin zu sehen, daß er eine
relative Abkehr von den Interkontinentalraketen bewirken würde, so daß
die Struktur der Rüstung auf beiden Seiten weniger destabilisierend als
jetzt wäre. Das ist ebenso im sowjetischen wie auch in unserem eigenen
Interesse.
Drittens wird von den Kritikern vorgebracht, daß der amerikanische
Vorschlag die schweren Bomber und die Marschflugkörper von den Begrenzungen ausnehmen würde. Dieser Einwand entbehrt jeder Grundlage. Präsident Reagan hat klipp und klar gesagt, daß überhaupt nicht:/ bei den Verhandlungen außer Betracht gelassen werden wird und daß die Vereinigten
Staaten ehrlich an die Verhandlungen herangehen und alle ernstgemeinten
sowjetischen Vorschläge in Erwägung ziehen werden. Im Rahmen unserer in
Phasen eingeteilten Politik zur Rüstungskontrolle werden wir durchaus
bereit sein, auch Bomber und andere strategische Systeme zu erörtern.
Allerdings ist es so, daß ballistische Raketen die Stabilität mehr bedrohen als diese langsam fliegenden, ganz offensichtlich nur für einen
Zweitschlag geeigneten Systeme. Daher müssen die ersterei, bei den Verhandlungen vorrangig behandelt werden. Auch die Weigerung der USA,
sich auf ein Einfrieren der strategischen Kernwaffen einzulassen, ist
auf Kritik gestoßen. Wir sind gegen ein Einfrieren, und zwar aus mehreren Gründen. Erstens könnten die USA dann nicht Maßnahmen mit dem
Ziel ergreifen, gewissen Mängeln bei ihren strategischen Streitkräften
abzuhelfen, Unzulänglichkeiten, die das strategische Gleichgewicht

�gefährden. In Anbetracht der einseitigen - und nicht erwiderten - Zurückhaltung, die sich die USA in der zweiten Hälfte des vergangenen
Jahrzehnts auferlegten, sind diese Maßnahmen jetzt unbedingt notwendig.
Bedenken muß man auch, daß das strategische Modernisierungsprogramm der
USA die Sowjets mit Sorge erfüllt. Wird es durchgezogen, werden die
Sowjets einen starken Anreiz haben, im Rahmen von START ernstlich zu
verhandeln. Erklärten sich die USA zu einem Einfrieren

auf dem derzei-

tigen ungleichen Niveau bereit, was für eine Motivation würde dann die
UdSSR noch haben, wesentliche Kürzungen auf gleiche Obergrenzen zu akzeptieren?
Es gibt aber noch einen Grund für unsere Ablehuung eines Einfrierens:
Das ist einfach nicht gut genug. Wir möchten nicht den gegenwärtigen
Stand der strategischen Rüstungen festschreiben, sondern einschneidende Kürzungen dieser Streitkräfte zustandebringen. Abgesehen davon wäre
es kein leichtes Unterfangen, mit der Sowjetunion ein tatsächliches und
überprüfbares beiderseitiges Einfrieren zu erreichen. Lange und schwierige Verhandlungen müßten geführt werden. Die Zeit und die Tatkraft beider Seiten sollten lieber auf die Arbeit an einem Vertragswerk verwendet
werden, das uns wesentliche, faire und überprüfbare Kürzungen bringen
würde.
Zusammenfassung

-

.,

Der durch Präsident Reagan im Mai abgesteckte amerikanische Kurs
für die START-Verhandlungen hält sich an die Kriterien gut fundierter
Maßnahmen auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle und steht voll im Einklang mit dem Ziel der Regierung, Verminderungen auf gleichem Niveau
der Rüstungen" .der—USA und der UdSSR anzustreben. Indem die Gefahr eines
* Krieges verringert und ein stabiles strategisches Gleichgewicht gewährleistet wird, kann diese Politik mehr Sicherheit für die USA und ihre
Verbündeten, aber auch für die Sowjetunion schaffen. Darüber hinaus
werden die Vereinigten Staaten Überprüfungsmaßnahmen vorschlagen, so daß

- 15 -

�so daß jede der beiden Seiten sichergehen kann, daß die andere Seite
den Vertrag erfüllt.
Eingedenk der Notwendigkeit der Aufrechterhaltung der Einheit des
Nordatlantischen Bündnisses haben die Vereinigten Staaten ihre Verbündeten über die Entwicklung der Grundsätze unserer Politik der Rüstungskontrolle und die Merkmale unseres START-Kurses auf dem laufenden gehalten. Der amerikanische Vorschlag wurde von den Außenministern bei ihrer
Luxemburger Konferenz im Mai und sodann von den Regierungschefs bei ihrem Bonner Gipfeltreffen im Juni voll und ganz gutgeheißen. Die bei diesen beiden Gelegenheiten veröffentlichten gemeinsamen Erklärungen appellierten an die Sowjetunion, sich zusammen mit den Vereinigten Staaten
um einschneidende Kürzungen der strategischen Rüstungen zu bemühen, wobei den am meisten destabilisierend wirkenden Systemen besondere Aufmerksamkeit zu schenken sei.
Die Vereinigten Staaten werden ihre Verbündeten auch in Zukunft
über alle START-Entwicklungen eingehend informieren. Diese Konsultationen
begannen bereits am 18. Juni, als Botschafter Rowny die NATO-Botschafter
vor seiner Abreise zu der Genfer START-Eröffnung informierte. Solche
Konsultationen wird es im Verlauf der Verhandlungen regelmäßig geben.
- aflie START-Verhandlungen werden schwierig sein. Sie gelten Streitkräften und Problemen, die von lebenswichtigem Interesse für die nationale Sicherheit sind. Dennoch beurteile ich die Erfolgsaussichten durchaus optimistisch. Zwar haben die Sowjets unsere Politik öffentlich
kritisiert, aber es ist nichts Ungewöhnliches, daß sie sich in der Öffentlichkeit ablehnend verhalten. Jedenfalls haben sie die Idee wesentlicher Verminderungen nicht zurückgewiesen. Wenn sie mehr über unsere
Haltung in Genf erfahren, werden sie hoffentlich erkennen, daß unser
Vorschlag auch der UdSSR viel Gutes bringt.
Der START-Prozeß

- 16 -

�Der START-Prozeß ist im Gange. Die Vereinigten Staaten haben sich
auf faire und ausgewogene Maßnahmen zur Rüstungskontrolle festgelegt
und der Sowjetunion einen ehrlichen Vorschlag gemacht. Wenn die Sowjets
die gleiche Einstellung zeigen, werden wir in der Lage sein, dem Wettrüsten Einhalt zu gebieten und es sogar ins Gegenteil zu verkehren j
auf dem Weg zu wirklichen Verminderungen der Kernwaffenarsenale.

+ + + + +

17 -

�22. September 1982

37

KSZE-DELEGIERTER DER USA: AMERIKA VERABSCHEUT SOWJETISCHE AGGRESSION
UND MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN
- Rede Kampelmans vor der Universität von Tromstf -

TROMS0 - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation bei der
Folgekonferenz der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE), Botschafter Max Kampe!man, hat betont, daß die Vereinigten Staaten weiterhin die sowjetische Aggression und die Menschenrechtsverletzungen verabscheuen werden. Kampelman sprach neben dem
Leiter des sowjetischen Instituts für Studien über die Vereinigten
Staaten und Kanada, Georgi Arbatow, am 10. September auf einem Pressesymposium vor der Universität von TromsizS in Norwegen.
Die vorbereitete Erklärung von Botschafter Kampelman hat folgenden
Wortlaut:
Die Sehnsucht nach Frieden war eine hervorstechende Eigenschaft
der Menschen seit Beginn der bekannten Geschichte. Und doch bleiben
die Spuren der anderen Seite der menschlichen Natur, Konflikt und
•

•

•

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Konflikt und Kampf, deutlich sichtbar.
Die Wissenschaft hat uns mit profunden Kenntnissen bereichert, und
wir stehen an der Schwelle zu noch viel größeren Entdeckungen über
uns selbst und wie wir unsere Umwelt kontrollieren und anpassen können.
Aber wir haben noch immer nicht die Weisheit, dieses Wissen für den
Frieden einzusetzen. Wir haben sehr viel über das Leben gelernt, aber
bedauerlich wenig darüber, wie wir miteinander leben können.
Wir hassen einander weiterhin, wir fürchten einander weiterhin, und
wir führen weiterhin miteinander Krieg. Wenn wir also an der Schwelle
einer tapferen neuen Welt für die Menschheit stehen, dann stehen wir
auch ebenso am Abgrund einer endgültigen Katastrophe für die Menschheit.
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben vieles gemeinsam.
Die Werte, die von so vielen als westliche Werte beschrieben werden,
sind in der ganzen Geschichte durch russische Denker gestärkt worden.
Unsere beiden Länder sind Kontinentalstaaten, die sich über eine
gewaltige Landmasse erstrecken. Wir sind von der Tradition her beide
Entdecker, Siedler, Kosaken

und Cowboys aus vielen Nationalitäten und

vielerlei ethnischer Herkunft. Millionen von Amerikanern sind russischen Geblüts. Wir haben niemals einen Krieg gegeneinander geführt und
waren in dem größten Krieg, in den wir beide verwickelt waren, Verbündete.
Und doch starren wir uns heute gegenseitig mit einem so intensiven Argwohn an, den man erst einmal begreifen muß, wenn wir der Menschheit
in einer ernsthaften Suche nach Frieden die Hände reichen wollen.
Wenn wir das begreifen wollen, dann ist es von entscheidender Bedeutung, daß wir die fundamentalen Unterschiede zwischen der Demokratie
und dem sowjetischen Kommunismus ansprechen. Aber wir müssen das mit der
Entschlossenheit tun, daß diese Unterschiede durch die Kraft und die
wirksame Anwendung von Ideen und nicht durch Kanonen oder Soldaten

- 2 -

�oder Soldaten oder Atombomben überwunden werden sollten.
Die Demokratie mit ihren geistigen Wurzeln in den religiösen Prinzipien der menschlichen Brüderlichkeit basiert auf der Bedeutung des
Einzelmenschen.
Das sowjetische System, das von Marx und Lenin ausgeht, basiert
auf kollektiven Werten, dem "Proletariat", fe? "Partei", dem "Staat",
mit der Auffassung, daß die Geschichte es rechtfertige, daß der
einzelne sich diesem größeren, kollektiven Guten unterwerfe. Als ich
daher auf unseren Sitzungen der Madrider Konferenz Andrej Sacharow,
Anatoly Schcharansky, die Helsinki-Beobachter und andere politische
und religiöse Gefangene in Gefängnissen, psychiatrischen Kliniken,
im Exil und in Arbeitslagern erwähnte, antwortete mein Kollege aus der
Sowjetunion, daß es sich um "Kriminelle", um "Auswurf'der sowjetischen
Gesellschaft" handele.
Diese Unterschiede sind grundlegender Natur. Aber sie rechtfertigen
keinen Krieg, vor allem nicht in unserem Atomzeitalter. Wir müssen
einen befriedigenden Weg finden, um in Frieden miteinander zu leben.
Unsere Völker arbeiteten während des zweiten Weltkrieges in einem
starken Bündnis zusammen. Wir hatten einen gemeinsamen Feind, wir waren
erfolgreich. Die Amerikaner hofften, daß unsere gemeinsame Anstrengung
die harte Ideologie der frühen sowjetischen Revolutionäre mildern würde. Wir wußten, daß die Lehren Lenins von der Notwendigkeit ausgingen,
Krieg gegen uns als eine "bourgeoise" Gesellschaft zu führen, und daß
Stalin - wie das sowjetische System später zeigte,- ein brutaler Diktator war. Aber wir wa/en uns auch darüber im klaren, daß unser aller
Wohlergehen davon abhing, nach "einer Welt" zu streben. ,
Präsident Roosevelt war von Jalta beflügelt?' das d*s Recht aller

�Recht aller Völker, die Regierungsform zu wählen, unter der sie leben
wollen, bekräftigte. Im Falle Polens wurde eine ausdrückliche Zusicherung
gegeben, daß freie und unbehinderte Wahlen auf der Basis des allgemeinen
Wahlrechts und genauer Auszählung sobald wie möglich stattfinden sollten.
Aber unsere

Hoffnungen wurden bald zerstört. Stalin, der einst

schrieb, daß "schöne Worte eine Maske sind, um böse Taten zu verschleiern", setzte in Warschau sein eigenes Regime ein und benutzte seine Armeen, um ganz Osteuropa zu besetzen. Europa war gespalten. Ungarn im
Jahr 1956 und die Tschechoslowakei im Jahre 1968 demonstrierten die sowjetische Bereitschaft,ihre wachsende militärische Macht einzusetzen,
um die Kontrolle übei ihre Nachbarvölker aufrechtzuerhalten.
Als Antwort auf diese gewaltsame Teilung wurde die NATO als "Verteidigungsbündnis" ins Leben gerufen. Sie ist ein erfolgreiches Bündnis,
das über 33 Jahre lang zur Stabilität in Europa beigetragen hat - der
längsten Friedensbewegung in der europäischen Geschichte. Aber militärische Abschreckung, so unerläßlich sie ist, um Abenteurertum zu entmutigen, genügte nicht,um einen dauerhaften Frieden zu erreichen.
In meinem eigenen Lande wurde die Theorie aufgestellt, daß die
wachsenden sowjetischen Rüstungsprogramme eine Reaktion auf unsere
eigenen seien und daß die Sowjets, wenn wir ein Beispiel der Rüstungsverringerung gäben, diesem Beispiel folgen würden. Daher wurde eine
nationale Politik eingeleitet, die von der Annahme ausging, daß die
langfristigen Interessen wie die des Friedens erforderten, daß die Vereinigten Staaten freiwillig auf ihre militärische Überlegenheit verzichteten.
In diesem Zusammenhang nahmen die Vereinigten Staaten mit Interesse den Aufruf des sowjetischen Staats- und Parteichefs Breschnew zu
einer Konferenz über europäische Sicherheit zur Kenntnis. Breschnew

- 4 -

�Kenntnis;Breschnew glaubte ursprünglich, die Vereinigten Staaten von
dieser Konferenz ausschließen zu können, aber diese Forderung war für
Europa nicht akzeptabel, und so wurde 1975 die Schlußakte von Helsinki
unterzeichnet.
Frieden ist eine komplizierte Idee. Er ist das oberste Ziel der
Staatskunst. In unserem begrenzten Sinne ist er das Nichtvorhandensein
von Krieg, und das allein schon ist ein erstrebenswertes Ziel. Aber die
Schlußakte von Helsinki ging davon aus, daß Frieden ein Netz von Beziehungen sein muß, die auf einer Ordnung und auf Kooperation beruhen,
wenn er dauerhaft sein soll. Die Verpflichtung für die Menschenrechte
ist für den Frieden ebenso notwendig, wie die Verpflichtung, Grenzen
zu achten und sich der Anwendung von Gewalt gegen jeden anderen Staat zu
enthalten. Diese Formel für den Abbau von Spannungen in der Schlußakte
von Helsinki war für uns das Wesen der "Entspannung".
Zu unserer Enttäuschung trat bald zutage, daß Entspannung, wie sie
von der sowjetischen Seite interpretiert wurde, den Sowjets weiterhin
die Anwendung von Gewalt erlaubte, um ihre Interessen zu fördern. Wir
erkannten, daß Entspannung zu einer Waffe der Propaganda und zu einer
Tarnung wurde, statt zu einem Kodex von Prinzipien, um das internationale Verhalten zu leiten und Frieden zu schaffen.
Die Prinzipien von Helsinki wurden für all unsere Völker aufgestellt ohne Rücksicht auf unsere gesellschaftlichen Systeme. Die Männer und
Frauen Europas besitzen nicht deshalb Menschenrechte, weil sie diesem
oder jenem gesellschaftlichen System angehören. Sie besitzen Menschenrechte und das Recht, in Frieden zu leben, aufgrund der angeborenen
Würde des Menschen. Die Breschnew-Doktrin, die die militärische Aggression zum Schutze oder zur Förderung der Sowjetideologie rechtfertigt,
stellt eine Gefahr für den Weltfrieden dar.
Obwohl Breschnew

�Obwohl Breschnew seine Unterschrift unter die Schlußakte von Helsinki gesetzt hat:
- stehen heute noch über 100 000 sowjetische Soldaten in Afghanistan,
wo sie nicht hingehören, und unterdrücken brutal die Menschen dieses Landes. Afghanistan wirft einen dunklen Schatten auf unser
Verhältnis und auf die Friedensaussichten. Es bedroht die Sicherheit Europas;
- werden westliche Rundfunksendungen unter Verletzung der Schlußakte von Helsinki gestört. Darf ich nur am Rande erwähnen, daß
sich sowjetische Sendungen nach den Vereinigten Staaten, wie mir
gesagt wurde, auf durchschnittlich 222 Stunden pro Woche belaufen
und noch nie gestört worden sind;
i

- ist die Rate der jüdischen und anderer Auswanderer aus der Sowjetunion in 1982 auf ein Rekordtief abgesunken; im vergangenen Monat waren es weniger als 180, und die rohe Schikanierung jener,
die sich um Ausreisegenehmigungen bemühen, dauert an. Die jüngsten
Fotos von sowjetischen Bürgern im Hungerstreik, weil ihnen die. sowjetischen
Behörden die Ausreise zu ihren Ehemännern, Ehefrauen
und Kindern in anderen Ländern verweigern, erinnern an die schamlose sowjetische Grausamkeit und die zynische Verachtung des
Helsinki-Prozesses;
- fanden allein während des Zeitraumes unserer Sitzung in Madrid
über 250 neue Verhaftungen aus politischen und religiösen Gründen
statt; seit Januar mindestens 127;
- und dann haben wir Polen, wo die sowjetische Bedrohung zur Verhängung des Kriegsrechts, zu willkürlichen Internierungen und
Mißhandlungen. , zu Eingriffen in den freien Fluß von Informationen, Ideen und Menschen , zur Unterdrückung von bürgerlichen

- 6 -

�von bürgerlichen Freiheiten und zur militärischen Kontrolle am
Arbeitsplatz , ^sowie zur Gewaltanwendung gegen polnische Arbeiter
und ihre Gewerkschaft Solidarität führten.
Trotz all dieser menschlichen Unterdrückung und militärischen Aggression benutzte die Sowjetunion die großen Worte vom Frieden. Aber
es sind nur Worte, die als Waffe eines Propagandakrieges verwandt werden. Wir warten auf die Taten, nicht auf die Worte.
Lassen Sie mich versichern, daß die Vereinigten Staaten die Welt
realistisch betrachten. Wir arbeiten nicht daran, die Sicherheit irgendeines anderen Staates zu untergraben. Wir möchten uns der Sowjetunion
als Partner in einer echten und gemeinsamen Bemühung anschließen, Sicherheit und Kooperation für uns alle zu erreichen. Aber wir dürfen
nicht zulassen, daß die Sowjetunion ihren Glauben mit dem Schwert verkündet.
Kein Staat hat Sonderrechte. Alle Staaten, vor allem die größten und
stärksten, haben besondere Verantwortungen. Die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion müssen die Lasten tragen, die die Macht mit sich bringt.
Wir verlangen von der Sowjetunion nur das, was sie selbst zu leisten
versprochen hat, was für den Frieden möglich und notwendig ist.
Wenn die Sowjetunion nur einmal nachdenken und entsprechend den Auswirkungen ihrer Aggression handeln würde; wenn in Polen der Dialog an
die Stelle des Kriegsrechtes treten würde; wenn die Wiedervereinigung
von Familien erlaubt würde; wenn Verfechter der Menschenrechte als solche respektiert und aus Gefängnissen und psychiatrischen KUniken entlassen würden; wenn Auswanderungsbeschränkungen mit Humanität gemildert
würden; wenn wir überhaupt eine echte Bemühung erleben würden, die Verpflichtung von Helsinki zu erfüllen - dann wäre der Friede näher.
Wir haben

- 7 V

*
IL

�wir haben ferner die Aufgabe, Vertrauen zu schaffen. Dazu gehören
die Verhandlungen über verifizierbare und bedeutsame Abkommen über
Rüstungsverringerungen. Wir haben erst kürzlich drei ernsthafte Abrüstungsvorschlä'ge unterbreitet, über die jetzt in Genf und Wien verhandelt wird.
Aber Abrüstungsabkommen allein schaffen noc,h keinen Frieden. Wir mußten
die bittere Erfahrung machen, daß sie den Zweiten Weltkrieg nicht verhindere konnten. Auf den SALT I-Vertrag folgte eine beispiellose nukleare Aufrüstung der Sowjets. Mein eigenes Land erinnert sich noch daran,
daß in dem.Zeitraum von 1971 bis 1978 die Sowjetunion die massivste militärische Aufrüstung in *de"r Weltgeschichte vornahm, während wir unsere
Verteidigungsausgaben real um 2,7 Prozent im Durchschnitt pro Jahr senkten. Während dieses Zeitraumes der sogenannten Entspannung erhöhten die
Sowjets ihre Verteidigungsausgaben um 40 Prozent, während wir die unsrigen um 25 Prozent senkten. Und das vergessen wir nicht.
Die grundlegende Auseinandersetzung zwischen Demokratie und sowjetischem Leninismus sollte auf dem Felde der Ideen und des Verhaltens stattfinden und nicht durch die Anwendung militärischer Gewalt. Ich möchte
sagen, daß diejenigen, die zur Gewalt Zuflucht nehmen, damit ihren Mangel an Vertrauen in die Vorzüge wie auch die historische Unausweichlichkeit ihrer Sache zum Ausdruck bringen.
Mögen doch unsere Gesellschaften als Modelle dienen, um zu erproben,
welches unserer Systeme den Ansprüchen unserer Völker am besten dient.
Diese Art von Konkurrenz kann uns allen helfen. Die Konkurrenz der
Rüstungen und die Anwendung von Zwang und Aggression tragen das Potential
unser aller Vernichtung in sich.
Wenn unsere Kritiker uns wegen unserer Arbeitslosigkeit kritisieren
wollen, dann mögen sie das tun. Das kann uns helfen, in derfjffüHung g*t
der Ansprüche unserer Menschen Besseres zu leisten.
Wenn sie

�Wenn sie uns wegen der Randerscheinungen des Rassismus kritisieren
wollen, den es in unseren Gesellschaften noch geben mag, nun gut. Rassismus ist mit unseren Werten unvereinbar.
Und wir werden immer wieder unseren Abscheu vor der militärischen
Aggression der Sowjets und der Unterdrückung der Menschen wiederholen.
Wir in Amerika schrecken nicht vor dem Wettstreit der Ideen zurück.
Uns steht es ebenso frei, die Werke von Marx und Lenin zu lesen wie die
Werke von Benjamin Franklin und Thomas Jefferson. All diese Werke stehen in unseren Buchlä'den und in unseren Bibliotheken jederzeit zur Verfügung, so wie sie in den Ihrigen vorhanden sind. Es steht uns ebenso
frei, die kommunistische Partei zu wählen wie die republikanische Partei.
Es steht uns ebenso frei, Radio Moskau zu hören wie unsere eigenen Sender.
Unsere letztliche Aufgabe für den Frieden besteht darin, innerhalb
unserer Vielfalt die Einigkeit zu finden. Und das menschliche Wesen ist
uns allen gemeinsam. Wir müssen erkennen, daß genauso.wie die linke und
die rechte Seite unseres Gehirns in einem zerbrechlichen menschlichen
Geist vereint sind, die Hemisphären, die Kontinente und die Nationalstaaten links und rechts auf einem Planeten vereint sind.
Das ist eine einfache Wahrheit, aber bei weitem keine einfache Aufgabe. Wir wollen eine gemeinsame Anstrengung für Frieden und-Verständigung zustande brinoen. Aber wir sind uns nicht sicher^ ob die Sowjetunion trotz der schönen Worte mit uns dieses gleiche Ziel hat. Die Worte
Lenins tragen wesentlich dazu bei, unsere Aufgabe zu komplex zu machen.
Sein Glaube an die geschichtliche Unvereinbarkeit unserer Systeme ist
mit der harten Realität des Atomzeitalters unvereinbar. Die Vorstellung,
daß ein "gerechter Friede" erst nach "gerechten Kriegen" gewährleistet
werden kann, steht in einer Reihe mit der Breschnew-Doktrin als Herausforderung der Schlußakte von Helsinki und als Bedrohung des Weltfriedens.
E T fällt

�Es fällt uns schwer, Friedensdeklarationen als echt zu akzeptieren,
wenn sie von einem Glauben an die Doktrin begleitet werden, daß Krieg
ein Gesetz der Geschichte sei und man eine Pflicht habe, diesen Krieg
vorzubereiten, zu ermutigen und bis zum unausweichlichen Sieg zu führen.
Dieses Denken hat in einem Atomzeitalter keinen Platz mehr, aber dieses
Denken herrscht in der Sowjetunion heute noch. Dieses Denken stellt eine
Bedrohung der Sicherheit meines Landes, Ihres Landes und der Sowjetunion dar. Es muß als ein Relikt der Geschichte ausgeräumt werden.
Die Menschen streben nach Freiheit von Hunger, aber sie streben
auch nach Freiheit von Tyrannei. Es ist eine Lektion, die in ganz Osteuropa immer deutlicher zutage tritt. Die Ziele der Menschenwürde in
all unseren menschlichen Beziehungen - seien sie politischer, wirtschaftlicher oder soziologischer Art - sind für die Erreichung des Friedens
unerläßlich.
Ich möchte mit einem norwegischen Sprichwort schließen: "Heroismus
besteht darin, eine Minute länger auszuhalten."
Wollen wir geduldig und damit heroisch sein. Wollen wir unsere Ansprüche nicht senken, wollen wir das Schweigen der Ängstlichkeit nicht
fälschlicherweise für Frieden halten. Unsere menschlichen Werte und unsere Hoffnungen auf Frieden sind weltweit. Das norwegische Volk will
Frieden. Das amerikanische Volk will Frieden. Das sowjetische Volk,
das im Zweiten Weltkrieg 20 Millionen Menschen verloren hat, will Frieden. Mit Entschlossenheit, Einigkeit und Beharrlichkeit der Zielsetzung
und mit Geduld werden wir obsiegen. Das ist unsere Herausforderung.

+ + + + +

- 10 -

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37

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

22. September 1982

SACHAROW: SOWJETISCHE EXPANSION MUSS GESTOPPT WERDEN
- Offener Brief an die Pugwash-Konferenz -

- (AD) - Der sowjetische Regimekritiker und Verfechter der Menschenrechte, Andrej Sacharow, hat sich dafür eingesetzt, daß Schritte ergriffen werden müßten, um die Erweiterung der "prosowjetischen Einflußsphäre'
zu stoppen, da eine solche Expansion das Gleichgewicht der Welt gefährden könne.
In einem offenen Brief an die jährlich stattfindende Pugwash-Konferenz erklärte der Nobelpreisträger Sacharow, daß internationale Bemühungen stattfinden müßten, um die Menschenrechte zu verteidigen und
die geschlossene Natur der Sowjetunion zu überwinden.
Kopien des offenen Briefes Sacharows wurden auf der Pugwash-Konferenz in Warschau in Umlauf gebracht, die vom 26. - 31. August stattfand. Auf der Pugwash-Konferenz, die zum erstenmal vor 25 Jahren
in dem Ort Pugwash in Kanada abgehalten wurde, treffen sich in jedem
Jahr Wissenschaftler aus Ost und West, um über die Gefahr eines Atomkrieges zu diskutieren.
Der offene

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der offene Brief Sacharows hat folgenden Wortlaut:
Es ist das zweite Mal, daß ich mich an die Pugwash-Konferenz wende
(zum erstenmal im Jahre 1975).
Wissenschaftler und die internationale Gemeinschaft als Gesamtheit
können eine Menge tun, um den Frieden in der Welt zu bewahren, und um
das internationale Vertrauen sowie die Sicherheit, Abrüstung, den Fortschritt der Menschheit und die Verteidigung der Menschenrechte zu fördern. Ich habe versucht, bei vielen Gelegenheiten meine Ansichten zu
diesen Themen zum Ausdruck zu bringen (in der Ansprache anläßlich der
Nobelpreisverleihung, in Publikationen über die Verantwortung der Wissenschaftler und was die Sowjetunion und die USA zur Erhaltung des
Friedens tun sollten sowie in anderen meiner Schriften). Ich möchte
an dieser Stelle noch einmal bestimmte Thesen formulieren, die meiner
Ansicht nach von entscheidender Bedeutung sind.
Die Probleme des Friedens und der Sicherheit sollten mit äußerster
Objektivität und Unparteilichkeit erörtert werden. Diese Normen sollten
auf beiden Seiten angewendet werden, während man sich gleichzeitig
die individuellen Merkmale, das unterschiedliche Maß der Offenheit
der jeweiligen Gesellschaften, deren unterschiedliches demokratisches
Niveau sowie deren Unterschiede in der politisch-strategischen Doktrin
und Praxis vor Augen halten muß. Leider nehmen zahlreiche Persönlichkeiten und Gruppen im Westen, die s-'ch mit den Problemen des Friedens
und der Abrüstung befassen,- wegen- einer VielfaU von Gründen (ungenügende Kenntnis der Streitfragen oder Naivität, politische Neigung,
vorübergehende innenpolitische wie wirtschaftliche Faktoren) eine sehr
unterschiedliche Position ein - eine Position, die einseitig und daher unnütz, ja sogar gefährlich ist. Bis zu einem gewissen Ausmaß dürfte dies auch auf die Pugwash-Bewegung selbst zutreffen. Die Arbeit der
Pugwash-Konferenz sowie zahlreicher anderer internationaler Konferenzen
wird durch ein negatives Merkmal charakterisiert, das typisch ist für

- 2 -

�ist für die Position, die von den Vertretern der Sowjetunion eingenommen wird. Bei allen Diskussionen über kritische Probleme verhalten sie
sich praktisch immer wie gut disziplinierte Funktionäre einer gigantischen bürokratischen Maschinerie. Und dies vermindert in einem beträchtlichen Ausmaß die Bedeutung solcher Kontakte für d^ie Lösung schwieriger
Fragen, insbesondere dann, wenn man dieses Merkmal nicht genügend in
Rechnung stellt.
Vor etwa 10 bis 13 Jahren, als das ins Leben gerufen wurde, was man
heute Entspannung nennt, gab es ein annäherndes Gleichgewicht in der
Welt (obwohl der Westen gegenüber der UdSSR und ihren Verbündeten auf
dem Gebiet der konventionellen Waffen nachgegeben hatte). Damals konnte
man hoffen, daß günstige Verhältnisse geschaffen worden waren für die
Abrüstung, den internationalen Handel, für die friedliche Lösung von
Konflikten sowie für gemeinsame Anstrengungen bei der Lösung solch globaler Probleme wie die Beseitigung der Rückständigkeit der Entwicklungsländer, für die Erhaltung der Umwelt und für den Kurs des Fortschritts
allgemein, für die Überwindung der geschlossenen Natur der sozialistischen Länder und die Verletzung der Menschenrechte. Leider haben sich
die Befürchtungen derjenigen als gerechtfertigt erwiesen, die darauf
hinwiesen, daß die UdSSR die Entspannung dazu benützen könnte, das
Gleichgewicht zu ihrem Vorteil zu verändern.
Im letzten Jahrzehnt haben wir ein gewaltiges Anwachsen der sowjetischen Armee, der Flotte, des Raketenarsenals und der Luftstreitkräfte
erlebt, während die Länder des Westens (Europa insbesondere) ihre Verteidigungsbemühungen geschwächt haben. Die SS-20-Raketen haben das
strategische Gleichgewicht in Europa verändert, obwohl jene, die an pazifistischen Demonstrationen teilnehmen, diese Tatsache nicht zur Kenntnis zu nehmen scheinen. Den Pariser Abkommen folgten das Vordringen
Nordvietnams nach Süden und die Völkermordmethoden der Anhänger Pol
Pots. Tortz der überaus wichtigen Vereinbarungen von Camp David ist
die Situation im Nahen Osten weiterhin äußerst kompliziert und tragisch

- 3 -

�und tragisch für beide Seiten. Die Sowjetunion erweiterte auch weiterhin
ihre Einflußzonen überall in derzeit - in_Afrika, Asien T Lateinamerikä.
Alle diese Ereignisse fanden ihren Höhepunkt in der Intervention in
Afghanistan, die schließlich in eine Sackgasse, in einen brutalen Krieg
führte. An die Stelle des Versuch Polens, zu einer pluralistischen
Entwicklung zu gelangen, trat die Militärherrschaft.
Die sowjetische Gesellschaft ist wie eh und je geschlossen. Die
wichtigsten Entscheidungen werden in antidemokratischer Weise gefaßt.
Die Freiheit des Informationsaustausches, die Freiheit des Gewissens,
die Freiheit, übe; sein eigenes Aufenthaltsland zu bestimmen, wird
verletzt. Möglichkeiten für die Überwachung der sowjetischen Einhaltung
internationaler Abkommen, die Moskau unterzeichnet hat, gibt es praktisch
nicht. Die Verfolgung von Dissidenten hat zugenommen.
Alles, was hier aufgeführt worden ist, bedeutet natürlich nicht,
daß das Prinzip, Konflikte friedlich und durch Kompromisse zu lösen,
in sich selbst nicht haltbar sei. Dieses Prinzip ist auch weiterhin
die einzige Alternative zur weltweiten Zerstörung. Die Probleme des
Friedens, der internationalen Sicherheit und der Abrüstung haben absolute Priorität vor anderen Problemen, einschließlich solcher, die
äußerst wichtig sind. Abrüstungsverhandlungen müssen beständig und mit
Ausdauer geführt werden - trotz all der Schwierigkeiten, die sie mit
sich bringen. Aber es besteht kein Zweifel, daß diese Grundsätze durch
eine Anzahl anderer Elemente ergänzt werden sollten. Ich erachte es
als besonders notwendig, die Öffentlichkeit über die wahre Weltsituation zu informieren, einschließlich dessen, was ich bereits erklärt
habe, und eine praktische Politik zu verfolgen, die diesen Realitäten
entspricht.
Es ist notwendig, eine strategische Parität auf dem Gebiet der konventionellen Waffen wiederherzustellen. Beide Seiten müssen auf ihre
Sicherheit vertrauen können, ohne sich auf atomare und thermonukleare

�und thermonukleare Waffen sowie auf andere Massenvernichtungswaffen
verlassen zu müssen, die die Existenz der Menschheit und der Zivilisation gefährden. Gemäß einer weit verbreiteten Meinung wäre der
Westen heute nicht in der Lage, den Streitkräften aus der UdSSR und ihres
Lagers zu widerstehen, wenn solche Waffen aus dem Gleichgewicht ausgeschlossen würden. Aus diesem Grunde ist ein Gleichgewicht auf dem Gebiet der konventionellen Waffen eine notwendige Bedingung für eine allgemeine Ablehnung des atomaren und nuklearen Waffenarsenals sowie anderer Mittel der Msssenvernichtung. Eine solche Ablehnung ist eine zwingende historische Notwendigkeit, aber Schritte in dieser Richtung müssen
sorgfältig und allmählich vorgenommen werden.
Es müssen auch Schritte ergriffen werden, die dazu beitragen, die
Erweiterung der prosowjetischen Einflußsphäre zu stoppen, denn sonst
wird diese Expansion das Gleichgewicht der gesamten Welt gefährden.
Es müssen Schritte ergriffen werden, um die Rückständigkeit der Entwicklungsländer zu überwinden, und die UdSSR muß sich an diesem Prozeß
beteiligen. Die Welt, die in unserem Zeitalter eine Einheit darstellt,
kann nicht weiterhin mit der großen Entwicklungsdisparität existieren,
die so typisch für die Gegenwart ist. Bisher haben die UdSSR und die
sozialistischen Länder eine Beteiligung an den gemeinsamen AnsfFengungen zur Gewährung von Wirtschaftshilfe an die Entwicklungsländer verweigert* und haben es vorgezogen, politische Gewinne aus der Militärhilfe und bis zu einem gewissen Grade auch aus der Wirtschaftshilfe zu
ziehen, die nur jenen Ländern gewährt wird, die in ihrer Einflußsphäre
liegen.
Es muß ferner internationale Anstrengungen geben - von allen ehrlichen Menschen -, um die Menschenrechte zu verteidigen, um die geschlossene Natur der UdSSR und der anderen sozialistischen Länder zu
überwinden. Solche Anstrengungen reflektieren den Geist der Vereinbarungen von Helsinki sowie anderer internationaler Abkommen, die von
der UdSSR unterzeichnet wurden. Die sowjetische Propaganda behauptet

- 5 -

�Propaganda behauptet immer wieder, daß die internationale Verteidigung
der Menschenrechte in der UdSSR und den sozialisteschen Ländern eine
Einmischung in die inneren Angelegenheiten dieser Länder darstelle;
aber dies ist reine Heuchelei.
Eine Entspannung, in der einer der Partner sein Gesicht hinter einer
Maske verbirgt, ist gefährlich. Ich habe davon bereits 1973 gesprochen.
Ich appelliere an die Teilnehmer der Pugwash-Konferenz, diesen Brief
und die darin zum Ausdruck gekommenen Gedanken zu erörtern, und gleichzeitig appelliere ich an die Gesamtheit der Wissenschaftler sowie an
alle Menschen guten Willens.
Ich möchte diese Gelegenheit ergreifen, um die Teilnehmer an diesem
wichtigen internationalen Treffen zu ersuchen, sich für diejenigen einzusetzen, die wegen ihres Gewissens verfolgt werden. Dazu gehören der
Ornithologe Mart Niklus, die Philologen Wasil Stus und Victoras Petkus,
die Anwälte Iwan Kandyba unr1 Lewko Lukyanenko, die Lehrerin Oleska
Tikhyi, die Schriftsteller Anatoly Marchenko und Balis Gayauskas,
der zu 10 Jahren Haft und 5 Jahren Verbannung verurteilt worden ist,
der Computerwissenschaftler Schcharansky, der zu 13 Jahren Haft verurteilt worden ist, das korrespondierende Mitglied der amerikanischen
Akademie der Wissenschaften Yuri Orlow, der Priester GTefep-Täkynin, der
Psychiater Anatoly Kariagin, der Apotheker Victor Nekipelow, die Familie
Kowalyow, die Rudenkos

und die Matusewiches (in beiden Fällen Mann und

Frau), die Gebrüder Podrabinek, der kürzlich verurteilte Musikwissenschaftler Merab Kostawa sowie viele andere. Die Verteidigung dieser
Ihrer Kollegen, sowie aller,wdie wegen ihrer Überzeugung und ihrer gewaltlosen Aktivität verurteilt wurden, hat eine überaus direkte Auswirkung
auf den freien Informationsaustausch, auf das internationale Vertrauen
und auf die internationale Zusammenarbeit.

+ + + + +

- 6 -

.

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              <text>Digitalisat</text>
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          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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          <name>Title</name>
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              <text>Amerikadienst 22.09.1982</text>
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          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Weg Amerikas zu den START-Verhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Richard Burt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Designierter Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;KSZE-Delegierter der USA: Amerika verabscheut sowjetische Aggression und Menschenrechtsverletzungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede Kampelmans vor der Universität von Tromso -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sacharow: Sowjetische Expansion muss gestoppt werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Offener Brief an die Pugwash-Konferenz -&lt;/em&gt;</text>
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