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Dokumentation

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United States Information Service
Embassy of the United States of America

15. September 1982

36

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Reagan: USA die "größte Hoffnung" für den Weltfrieden

HINTERGRUNDMATERIAL
USA hoffen auf östliche Zugeständnisse bei den MBFR-Verhandlungen
- Exklusivinterview mit dem amerikanischen Chefdelegierten Die Friedenssuche im Nahen Osten
- Reagan weist Weg aus dem Teufelskreis des Krieges Das Einfrieren der Kernwaffen:

Ein Gang auf d'ünnem Eis

- Von Richard Perle USA bedauern Auflösung der Moskauer Helsinki-Gruppe
- Kampagne gegen die Menschenrechte in der UdSSR Zusammenarbeit:

i

Mangelhaft

- Forschung und Industrie sind in der UdSSR getrennte Welten Von David Brand
USA wollen große Vorsicht bei Nuklearlieferungen Üben
- Ziel ist Verhinderung der Weiterverbreitung von Atomwaffen -

Um Über/cndung von
ßclcocxcmplorcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. September 1982

36

PRÄSIDENT REAGAN: USA DIE "GRÜSSTE HOFFNUNG" FÜR DEN WELTFRIEDEN

MANHATTAN, KANSAS - (AD) - In einer Rede zu Ehren des 95jährigen
früheren Gouverneurs von Kansas, Alfred Landon, erklärte Präsident
Reagan am 9. September 1982 vor der Staatsuniversität in Kansas, daß
"in einer Welt, die von Haß, von Wirtschaftskrisen und von politischer
Spannung erschüttert wird, Amerika die größte Hoffnung der Menschheit
bleibt. Die Menschheit blickt auf uns, die Menschheit zählt auf uns, um
den Frieden zu schützen, neuen Wohlstand zu fördern und ihr eine bessere
Welt zu bieten."
Die wichtigsten Auszüge aus der Rede des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:
... Ich möchte heute mit Ihnen über unsere Herausforderung sprechen,
für die Freiheit einen nächsten Schritt zu tun und die Menschheit auf
der Leiter des menschlichen Fortschritts eine Stufe höher zu bringen.
Sollten Sie in diesen Worten einen Anklang von Optimismus finden, so
verstehen Sie mich durchaus richtig.
Ich verdränge dabei nicht die Gefahren der gewaltigen Defizite, des
nuklearen Konflikts oder des internationalen Terrorismus. Eine jede
davon könnte uns zerstören, wenn wir es nicht schaffen, uns entschieden

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�uns entschieden damit auseinanderzusetzen. Aber wir können und werden die
Oberhand behalten, wenn wir den Glauben und den Mut haben, an uns selbst
und an unsere Fähigkeit zu glauben, große Taten zu verrichten - wie wir
dies immer wieder in unserer Geschichte getan haben. Laßt uns den Unsinn
zurückweisen, daß Amerika zum Niedergang verurteilt sei

und die Welt

in das Verderben schlittert - gleichgültig, was wir tun.
... Lassen Sie mich einen Moment Ihr Gedächtnis auffrischen: Es ist
gar nicht so lange her, daß die Verkünder eines Niedergangs uns erzählten, Nahrungsmittel und Brennstoffe gingen zur Neige. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis Hungersnöte und Unglück Amerika und die Welt verschlingen würden.
Der Preisanstieg in Amerika, so ihre Aussage, würde für den Rest dieses Jahrzehnts in zweistelligen Raten nach oben jagen. Der Preis für das
Rohöl würde auf 100 Dollar pro Barrel emporschnellen. Die Zinsen würden
alle Rekorde brechen und auf 25 - 30 oder gar noch mehr Prozent steigen.
Die galoppierende Inflation und die Zinsen würden dem System des freien
Unternehmertums das Genick brechen, den Wert unserer Währung, die Ersparnisse unseres Volkes und die Fähigkeit unseres Landes zerstören, seine
Macht darzustellen, die Freiheit zu fördern und den Frieden zu verteidigen.
Schon jetzt beweisen die Amerikaner, daß jede dieser Voraussagen
falsch ist. Vielen der sogenannten Experten mangelt es am Glauben an das
amerikanische Volk. Sie scheinen einfach nicht zu begreifen, daß es
keine Grenzen für das gibt, was ein stolzes, freies Volk erreichen kann.
Wir sehen das gerade hier, wo der-^Pflug den Boden der Prärie in ein
fruchtbares Wunder dieser Welt verwandelte. Man sagt mir, daß 1820 ein
- 2 -

�1820 ein Bauer genug Nahrungsmittel für sich und drei andere Leute produzierte. Heute ernährt er 77.
Wir sind deshalb nicht ohne Nahrungsmittel und ohne Brennstoffe,
weil bei uns die Ideen nicht zur Neige gehen. Wir werden die Welt ernähren. Wir werden neue Energien entwickeln. Im vorigen Jahr haben wir
mehr Rohöl gefördert als je zuvor in den letzten 12 Jahren. Wir haben
den hohen Zinsen und der Inflation den Krieg erklärt, und wir werden diesen Krieg gewinnen.
Der amerikanische Dollar ist keine verachtete Währung mehr; er ist
wieder gefragt als ein Fels der Stärke und der Stabilität. In den vergangenen zwei Jahren ist er um etwa 25 Prozent im Wert gegen andere
wichtige Währungen gestiegen...
Weltweit bringen Amerikaner Licht, wo Dunkel war, Wärme, wo es einst
nur Kälte gab, Medizin, wo Krankheit, Nahrungsmittel, wo Hunger herrschte, und Wohlstand, wo die Menschen in Not lebten, und Frieden, wo es nur
Tod und Blutvergießen gab.
So viele gefallen sich darin, alles abzuwerten, was amerikanisch ist,
wo es doch so viel in unserem Lande gibt, worauf wir stolz sein können.
Wir besetzen keine Länder, wir bauen keine Mauern, um unser Volk einzusperren. Aber wir leisten mehr Nahrungsmittelhilfe auf der ganzen Welt
als alle anderen Staaten zusammengenommen. Und kein anderes Land arbeitet
härter daran - oder, wie ich hinzufügen möchte, wirkungsvoller - als
die Vereinigten Staaten, Blutvergießen und Leiden zu beenden und in unruhigen Gebieten - wie den Nahen Osten - einen dauerhaften Frieden herbeizuführen.
Sicher, wir stehen vor schwierigen Problemen. Aber seien wir stolz
auf unsere Nationalfarben rot, weiß und blau; wir glauben an unsere
Mission. In einer Welt, die von Haß, von Wirtschaftskriser und von
- 3 -

�und von politischer Spannung erschüttert wird, bleibt Amerika die größte
Hoffnung der Menschheit. Die Menschheit blickt auf uns, die Menschheit
zählt auf uns, um den Frieden zu schützen, neuen Wohlstand zu fördern
und ihr eine bessere Welt zu bieten. All dies können wir tun, wenn wir
uns an die großen Gaben unserer Revolution erinnern: Daß wir eine Nation
unter Gott sind, die an Freiheit und Gerechtigkeit für alle glaubt.
Einer der tapfersten und höchstdekorierten Soldaten Amerikas, Omar
Bradley, sagte einmal von der Freiheit: "Nie gab es ein anderes Wort,
das größere Hoffnung verkündete, größere Opfer forderte, mehr Pflege
brauchte, den Gebenden mehr segnete, seinen Zerstörer stärker verurteilte oder näher an das kam, was Gottes Wille auf Erden ist - möge Amerika
stets sein Schützer sein."
Lassen Sie dies unsere Losung sein. Aber um die Freiheit zu schützen,
um eine Kraft des Guten zu sein, müssen wir vor allem stark sein. Um
stark zu sein, müssen wir Führungsqualität auf allen staatlichen Ebenen
bieten, in unseren Gemeinden und in unseren Familien. Wir müssen in einem
Kreuzzug der nationalen Erneuerung alle Mittel mobilisieren, die wir haben - die geistigen, die moralischen, die erzieherischen, die wirtschaftlichen und die militärischen.
Wir müssen den grundlegenden Werten, die über die Generationen weitervermittelt wurden, wieder ihren Ehrenplatz geben, damit sie der Gesellschaft als Kompaß dienen können. Unsere Werte,.von den Zeitläuften
erprobt, haber uns nie im Stich gelassen, wenn wir den Mut hatten, ihrer
gerecht zu werden..
Als ich hier vor 15 Jahren sprach, wufde ich gefragt, ob die jungen
Leute jener Zeit sich nicht von den traditionellen Werten abwenden würden. Ich erwiderte: Vielleicht hatten diese jungen Leute nicht den Eindruck, daß wir diesen Werten entsprechend lebten. Es gab damals einen
Aufschrei der Zustimmung der anwesenden Studenten. Sie hatten sich nicht

�sich nicht von jenen Werten abgewendet. Sie hatten einfach nicht das
Gefühl, daß die ältere Generation sich noch darum sorgte.
Stecken wir heute auch eine neue Generation mit solch verneinender
Haltung an? Wenn die harten, aber notwendigen Entscheidungen getroffen
werden, die Ausgaben zu beschneiden, so wird dies in negativen Worten
besprochen - um wieviel weniger die Regierung ausgeben wird, wieviel
weniger Wohltaten es geben wird, wieviel weniger Programme überleben
werden. Aber das überquellen der Staatsmacht zurückzuschneiden kann ein
zutiefst positiver Schritt sein, wie ein notwendiger chirurgischer Eingriff bei einem Patienten, um sein Leben zu retten.
Diese unsere Bundesregierung hat durch den Versuch, zu viel zu tun,
die Fähigkeit des einzelnen, der Gemeinden, der Kirchen und der Geschäftswelt untergraben, die echten Ansprüche unserer Gesellschaft zu
erfüllen, wie es die Amerikaner in der Vergangenheit immer wieder getan haben...
Fast 50 Jahre lang haben jene, die steh Liberale nennen, argumentiert,
die Regierung habe eine Pflicht, den Leuten bei der Lösung ihrer Probleme zu helfen (was sie tut); die Konservativen argumentieren, daß eine
solche Hilfe eine Bedrohung der Freiheit des einzelnen sein kann (was sie
sein kann); beide Seiten schienen darin einig zu sein, daß die beiden
Hauptkategorien der amerikanischen Gesellschaft die

Regierung und der

einzelne sind - und nie werden die beiden zueinander finden.
Aber es hat schon immer auch andere entscheidende Dimensionen unserer Gesellschaft gegeben, die über diese enge Beschreibung hinauswiesen. Schauen wir uns doch um: Amerika ist so vielesimehr als auf der
einen Seite Regierung und auf der anderen der einzelne, der sich an niemanden sonst wegen Hilfe wenden könnte. Zwischen Staat und Einzelmensch gibt es noch eine Vielzahl anderer natürlicher, freiwilliger Organisationen, von jenen Menschen für sich selbst geschaffen - wie die
- 5 -

�wie die Familie, die Kirche, die Nachbarschaft, der Arbeitspaltz -, wo
Menschen lernen, heranwachsen, einander helfen und sich Wohlstand schaffen.
Und dies ist das letztendliche, das überwältigend positive Ziel meiner
Administration - der Macht des Staates Grenzen zu setzen. Ja, aber so,
daß wir die Kräfte und die wahren Quellen unseres nationalen Genius befreien, der uns wieder zur Größe führen wird.
Ich habe gesagt, wir seien eine Nation unter Gott. Ich habe stets
daran geglaubt, daß dieses gesegnete Land auf eine besondere Weise bedacht wurde - daß ein göttlicher Plan diesen großartigen Kontinent hier
zwischen die Ozeane gestellt hat, damit ihn Menschen als allen Erdteilen
finden können, die eine

ganz besondere Liebe zur Freiheit haben und den

Mut, sich loszureißen, die Heimat und die Freunde zu verlassen, um in
ein fremdes Land zu kommen, wo sie etwas in der Geschichte des Menschen
völlig Neues schaffen konnten, ein Land, in dem der Mensch nicht der Regierung, sondern die Regierung dem Menschen verpflichtet ist.
Die Regierung existiert, um sicherzustellen, daß die Freiheit nicht
zu einem Freibrief dafür wird, den anderen zu berauben. Wir sind sicherlich nicht vollkommen, wenn wir diesem Ideal zustreben, aber wir sind
ein gutes Stück vorangekommen, seit jene ersten Siedler an diese Gestade
kamen und nicht anderes forderten als die Freiheit, Gott zu dienen.
Sie baten darum, daß sein Wille in unser tägliches Leben einziehen würde,
damit Amerika zu einem Land der Fairness, der Moral, der Gerechtigkeit
und des Mitleidens werde.
Es herrschte die Überzeugung, daß Maßstäbe von Gut und Böse bestehen und daß man danach leben müsse. Die Institutionen Familie, Gemeinde
und Schule sollten eine entscheidende Rolle bei der Ausbildung eines
Charakters, bei der Aneignung von Wissen und bei der Suche nach der

- 6 -

�nach der Wahrheit bilden. In den zwei Jahrhunderten als Nation haben wir
Tausende und Abertausende von Gesetzen verabschiedet. Aber wenn wir
uns nur an die zehn Gebote gehalten hätten, die Moses vom Berg herabbrachte, und an die Ermahnungen des Mannes aus Galiläa - du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst -, könnten wir eine große Menge
Probleme mit viel weniger Staat lösen.
Unser erster Präsident, George Washington, der Vater unseres Landes,
der Gestalter unserer Verfassung und sicherlich ein weiser Mann, war
davon überzeugt, daß die Religion, die Moral und die Brüderlichkeit
die entscheidenden Säulen der Gesellschaft seien. Aber heute wird uns
gesagt, daß wir zum Schutz des ersten Verfassungszusatzes Gott, die
eigentliche Quelle unseres Wissens, aus den Klassenzimmern unserer Kinder zu verdrängen hätten. Ein Gerichtshof entschied sogar, daß die Kinder an einem Ort in unserem Land im Speisesaal der Schule selbst kein
Gebet sagen dürfen.) Dies geschah, als ob es in Einklang mit der Verfassung stünde. Aber wurde der erste Verfassungszusatz geschrieben, um
das amerikanische Volk vor der Religion zu schützen oder die Religion
vor staatlicher Willkür?...
Als Nation sind wir darum bemüht, uns sicher durch stürmische Gewässer zu leiten. Wir benötigen alle Hilfe, die wir nur bekommen können.
Ich glaube, das amerikanische Volk dürstet nach einer geistigen Erneuerung. Mehr und mehr Amerikaner beginnen zu empfinden, daß wir nicht zwei
Dinge zugleich haben können. Wir können nicht erwarten, daß Gott uns in
einer Kirche schützt, wenn wir uns gleichzeitig zu oft von ihm in unserem täglichen Leben abwenden. Man muß sich fragen, ob er nicht darauf
wartet, daß wir endlich aufwachen, und ob er nicht seine Geduld zu verlieren beginnt.
Wir müssen in der Familie, in der Nachbarschaft, in den Schulen
und im geschäftlichen Leben weiterhin bemüht sein, den Geist der Freundschaft, des Lebens in der Gemeinschaft und der Sorge für die Bedürftigen
- 7 -

�die Bedürftigen zu erneuern - einen Geist, der sich wie ein tiefer und
mächtiger Strom durch die Geschichte unseres Landes zieht.
Aber auch für die Rechtsbrecher und die Drogenhändler, die unsere unschuldigen Bürger schädigen und sie zu ihrer Beute machen

und sie in

Angst versetzen, haben wir eine Botschaft: Wir werden Gerechtigkeit verlangen, und Gerechtigkeit heißt auch rasche und richtige Bestrafung der
Schuldigen...
Die Stärkung der geistigen Bindungen, der Zusammenhalt der Familien
und der Gemeinden macht Amerika wieder heil. Wir bauen wieder auf, aber
wir haben mit dem Wiederaufbau erst begonnen.
Wenn wir nun unsere geistigen Kräfte erheben, so müssen wir auch
weiterhin bemüht sein, das Joch des wirtschaftlichen Druckes abzuwerfen,
das unsere hart arbeitenden Familien bestraft, unsere Stärke geschwächt
und unsere Sicherheit gefährdet hat. In den vergangenen neunzehn Monaten
hat eine Koalition von Republikanern und Demokraten damit begonnen, eine
Regierung an die Zügel zu nehmen, die außer Kontrolle geraten war und uns
zum wirtschaftlichen Zusammenbruch und sehr wahrscheinlich auch auf das
Ende unserer Lebensweise hingeführt hätte. Das ist keine Übertreibung.
über einen Zeitraum von 22 Jahren hat die Bundesregierung nur einmal
einen ausgeglichenen Haushalt erreichen können; die Ausgaben wurden um
mehr als 600 Prozent erhöht, die Steuern stiegerv um mehr als 500 Prozent,
und unsere Zukunft wurde verpfändet, indem die nationale Verschuldung
auf über eine Billion Dollar hochgetrieben wurde.
Die Koalition, von der ich sprach, hat damit begonnen, die Dinge
zu berichtigen. Das Wachstum der Bundesausgaben wurde um fast die Hälfte der selbstmörderischen Rate von 17 Prozent gekürzt, die es noch 1980
gab. Die Inflation ging von 12,4 Prozent auf bisher 5,4 Prozent in diesem Jahr zurück, und die Leitzinsen fielen von 21,5 Prozent auf 13,5

�auf 13,5 Prozent. Die maßgeblichen wirtschaftlichen Indikatoren, die
einen Ausblick auf die künftige Wirtschaftsaktivität geben, haben seit
vier Monaten ununterbrochen eine steigende Tendenz. So etwas hat es
schon seit langem nicht mehr gegeben. Doch wenn auch damit eine

Wieder-

gesundung in Sicht ist, so sind diese Statistiken doch nur ein schwacher
Trost für diejenigen, die keine Arbeit haben. Leider ist die Arbeitslosigkeit nach einer Rezession in etwa

immer der letzte Indikator, der

positiv verändert werden kann...
Alf Landon hat uns daran erinnert, daß es in Krisenzeiten "vernünftig und nichts anderes als gerecht ist, daß die Regierung all ihre Macht
anwendet, um Leiden unter den weniger Glücklichen zu verhindern." Dies
werden wir tun. Was heißt es, wenn wir sagen, wir lieben Amerika?
Vor allein anderen heißt dies meiner Meinung nach, daß wir unsere Mitbürger lieben, daß wir eine helfende und heilende Hand hinhalten, wenn es
ihnen schlecht geht, und daß wir ihnen zurufen: "Habt keine Angst, Ihr
seid nicht allein...]"
Alles, was wir uns zu tun bemühen - von der Beseitigung verschwenderischer Ausgaben und unnützer Verordnungen über die Senkung der Steuersätze bis zu der Rückgabe der Macht und der Ressourcen an die EinzelStaaten und Gemeinden sowie der Aufwertung der Rolle der Familie, der
Kirchen und der Schulen - läuft letztlich

darauf hinaus, Sie, das ame-

rikansiche Volk, wieder zum Hüter Ihres Landes zu machen. Wir möchten,
daß Sie sich größerer Chancen und Möglichkeiten erfreuen und bei der Gestaltung der Zukunft Ameriaks größeres Sagen haben.
Lassen Sie uns diese Denkweise auf die Landwirtschaft anwenden.
Die amerikanischen Farmer wurden durch die Marktstörungen schwer geschädigt - und haben sich noch immer nicht davon erholt -, die durch das
Getreideembargo gegenüber der Sowjetunion hervorgerufen wurden.
Wir sind

�Wir sind der Ansicht, daß es die richtige Rolle der Regierung ist,
als Freund, Partier und Förderer der amerikanischen Farmer und ihrer
Produkte überall auf der Welt zu handeln. Wie versprochen, haben wir
dieses Embargo Alfgehoben. Die Sowjets haben unser Angebot akzeptiert,
das vorsieht, daß sie zumindest 68 Millionen Tonnen Getreide kaufen und wir sind bereit, ihnen noch mehr zu verkaufen. Bisher haben wir
Handelsdelegationen in 23 Länder in Europa, Afrika, Lateinamerika und
den Mittleren und Fernen Osten entsandt. Wir haben uns zur Öffnung des
Agrarmarktes in allen Ländern verpflichtet. Wir fordern andere Länder,
insbesondere unsere Freunde in Europa und in Japan auf, es uns hinsichtlich dieser Verpflichtung gleichzutun...
Wir sind ein friedliches Land; wir streben nach einer friedlichen
Welt, in der Freiheit und Unternehmertum gedeihen können und die den
Menschen größere Lebenserfüllung bringt, die jetzt entbehren müssen und
unterdrückt werden. Auf meiner kürzlichen Europareise hatte ich den
Vorzug, persönlich Seiner Heiligkeit, Papst Johannes Paul II, versichern
zu können, daß Amerika alles in seinen Kräften Stehende für den Frieden
und eine echte Rüstungsverminderung tun wird. Um aber den Frieden zu
bewahren und unsere Freiheit aufrechtzuerhalten, müssen wir stark bleiben. Ich habe in meinem Leben gesehen, wie Despoten die Welt in den
Abgrund stürzten, weil sie glaubten, daß der Funke der Freiheit in unseren Herzen erloschen sei. Söhne und Töchter des Staates Kansas, unsere tapferen Kriegshelden wie Senator Dole haben bewiesen, wie sehr
sich diese Despoten irrten.
Allen denen, die uns heute des Imperialismus und der Kriegstreiberei bezichtigen, wollen wir ins Gedächtnis zurückrufen, daß wir nach
dem Zweiten Weltkrieg Deutschland und Japan besetzten, daß wir allein
die letztliche Waffe - die Bombe - hatten. Wir hätten die Welt beherrschen können. Aber das ist nicht, wofür Amerika steht. Wir haben unsere
Macht als eine Kraft für das Gute eingesetzt - um den nächsten Schritt
der Freiheit zu ergreifen und die Menschheit auf eine höhere Stufe zu
heben.
T"+ + + +

�15. September 1982

36

USA HOFFEN AUF ÖSTLICHE ZUGESTÄNDNISSE BEI DEN MBFR-VERHANDLUNGEN
- Exklusivinterview mit dem amerikanischen Chefdelegierten -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte bei den Wiener
Verhandlungen über ausgewogene und beiderseitige Truppenverminderungen in
Europa (MBFR), Botschafter Richard Staar, hat der Hoffnung Ausdruck verliehen, daß ein rascher Fortschritt bei den seit neun Jahren dauernden Verhandlungen erzielt werden könne, wenn Moskau ebensolche Zugeständnisse mache,
wie sie der Westen in seinem neuen Vertragsentwurf eingeräumt habe. In
einem Exklusivinterview mit dem Militärkorrespondenten des amerikanischen
Informationsamtes (USIA), William H. Durham, betonte Botschafter Staar, die
Sowjets müßten bereit sein, endlich genaue Zahlen über die im Raum der Verringerungen stationierten Truppen des Warschauer Paktes als Ausgangspunkt
für Reduzierungen anzugeben.

Ferner müßten sie Verifizierungsverfahren an

Ort und Stelle zustimmen.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Hat es bezüglich des neuen MBFR-Vorschlages, den Präsident

Reagan und die NATO in diesem Sommer unterbreitet haben, irgendwelche Fortschritte gegeben, und könnten Sie uns diesen Vorschlag kurz erläutern?
ANTWORT: Wie

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ANTWORT:

Wie Sie sich erinnern, hat der Präsident am 9. Juni bekannt-

gegeben, daß die NATO in Wien eine wichtige neue Initiative ergreifen würde.
Am folgenden Tag haben die Staats- und Regierungschefs bekanntgegeben, daß
dieser neue Vorschlag in Form eines Vertragsentwurfes vorgelegt würde.

Etwa

vier Wochen später - am 8. Juli - haben wir dann einen Vertragsentwurf unterbreitet, d.h., er wurde den Vertretern der Länder des Warschauer Paktes, die
an diesen Verhandlungen teilnehmen, überreicht.
Das war ohne Frage eine große Sache, denn es war das erstemal in neun
Jahren, daß der Westen dem Osten einen Vorschlag in Form eines Vertragsentwurfes vorlegte.

Ich möchte sagen, daß dies ein großer Erfolg der amerika-

nischen Regierung ist.
Lassen Sie mich kurz zusammenfassen, um was es bei diesem Vorschlag,
diesem Vertragsentwurf, geht.
Im Grunde schlagen wir dem Osten ein einziges Abkommen vor, das Verringerungen in vier Phasen vorsieht. An der ersten Phase wären nur sowjetische und amerikanische Truppen im Raum der Reduzierungen beteiligt. Die
zweite, dritte und vierte Phase würden amerikanische und sowjetische Truppen,
aber auch Truppen der anderen direkten Teilnehmer im Raum der Reduzierungen
einschließen. Zum Raum der Reduzierungen gehören auf unserer Seite die Bundesrepublik Deutschland, Belgien, die Niederlande und Luxemburg.
Dieses Gebiet schließt natürlich neben den einheimischen Truppen auch
die amerikanischen Streitkräfte, die britische Rheinarmee und kanadische
Truppen ein - diese sind direkte Teilnehmer auf unserer Seite; sie würden alle
Reduzierungen vornehmen.
Im Osten gehören zum Raum der Reduzierungen die Deutsche Demokratische
Republik, Polen und die Tschechoslowakei - Truppen dieser Länder plus sowjetische Truppen, die in diesen Ländern in Divisionsstärke stationiert sind.
Im Gegensatz
- 2 -

�Im Gegensatz zu dem Vorschlag vom Dezember 1979, den der Westen - nicht
in Vertragsform - unterbreitete, legen wir jetzt einen einzigen Vertrag vor.
Der erstere Vorschlag enthielt zwei Abkommen:

Ein erstes Abkommen lediglich

über Verringerungen amerikanischer und sowjetischer Truppen und ein zweites
Abkommen, das ausgehandelt werden sollte, nachdem das erste vollzogen worden
war.
FRAGE:

Das zweite Abkommen hätte die anderen Parteien, die verbündeten

Streitkräfte auf beiden Seiten eingeschlossen?
ANTWORT:
FRAGE:

Ganz richtig.
Hat sich seit der Vorlage des Vertragsentwurfes ein Fortschritt

abgezeichnet?
ANTWORT:

Wie Sie wissen, haben wir drei Verhandlungsrunden im Jahr

- und die jüngste Runde ging gerade im Juli zu Ende, kurz nachdem wir den
Vertragsentwurf vorgelegt hatten.

Sie können keinen großen Fortschritt er-

warten, weil natürlich der Osten Kopien des Vertragsentwurfs mit in die jeweiligen Hauptstädte nach Hause genommen hat, wo die Außenministerien und andere
am Entscheidungsprozeß beteiligte Stellen den Entwurf prüfen müssen.

Sie hat-

ten zwei Wochen im Juli, den ganzen August und etwa zwei Wochen im September,
also etwa zwei Monate Zeit.
Wir rechnen daher damit, daß die Vertreter des Warschauer Paktes, wenn
sie Ende dieses Monats nach Wien zurückkommen, uns eine Antwort auf diesen
Vorschlag geben können.
FRAGE:
ANTWORT:
FRAGE:

Eine formelle Antwort auf den NATO-Vorschlag?
Ganz richtig.
Könnte das vielleicht in Form einer eigenen Version eines Ver-

tragsentwurfes sein?

Rechnen Sie damit, daß die Antwort mit sehr viel Forma-

�viel Formalität erfolgen wird?
ANTWORT: Nein, Anfang des Jahres hat der Osten einen eigenen Vertragsentwurf unterbreitet, den wir als Grundlage für die Ausarbeitung eines gemeinsamen Dokuments nicht akzeptabel fanden, weil er nichts Neues enthielt.
Mit anderen Worten, das Ganze ging vom Konzept zweier Verträge, der zwei
Abkommen aus - und es stellte auch weiter nichts als eine Zusammenfassung wohlbekannter östlicher Standpunkte dar. Es war in vieler Hinsicht mangelhaft,
vor allem natürlich bezüglich der Verifizierung, die eines der Haupthindernisse
für ein Abkommen in Wien darstellt.
FRAGE: Was bedeutet die Frage der Verifizierung?
nis ist sie? Und warum?

Ein wie großes Hinder-

ANTWORT: Wie Sie vielleicht wissen, hat die Sowjetunion gezögert, Begleitende Maßnahmen, die ein Eindringen in das Gebiet bedeuten, zuzulassen was heißt, daß sie es vorziehen würden, sich auf nationale technische Mittel,
d.h. Satelliten, zu verlassen. Nationale technische Mittel sind natürlich
nicht ausreichend. Damit kann man keine Soldaten zählen. Mit anderen Worten,
wenn ihre Soldaten sich in Kasernen befinden, dann kann die Fotografie nicht
die Mauern dieser Baracken durchdringen. Man kann Panzer zählen, wenn sie
nicht getarnt sind, und Flugzeuge und andere Arten von Gerät zählen, aber man
kann keine Personen zählen. Man muß eine Möglichkeit haben, diese Menschen
mit eigenen Augen zu sehen und zu zählen.
FRAGE: Was bedeutet der Begriff "Begleitende Maßnahmen"?
wie kooperative Maßnahmen oder so etwas Ähnliches?

Ist es etwas

ANTWORT: Ja, "Begleitende Maßnahmen" bedeuten kooperative Verifizierungsmaßnahmen. Nationale technische Mittel wären nicht kooperativ. Die andere
Seite müßte mitarbeiten, so wie wir mitarbeiten müßten, um der anderen Seite
zu erlauben, das zu inspizieren, was sich auf unserer Seite in dem Raum der
Reduzierungen befindet.
Darüber hinaus

�Darüber hinaus - wir sprechen nicht nur von Inspektion und Verifizierung zu Lande, sondern wir sprechen auch von der Möglichkeit der Beobachtung
aus der Luft; mit anderen Worten mit niedrig fliegenden Flugzeugen oder Hubschraubern usw.

Dies wiederum muß per definitionem aus kooperativen Maßnahmen

bestehen; die andere Seite muß mitarbeiten.
FRAGE:

Wir sprechen also nicht nur von Inspektionen am Ort, sondern

auch durch niedriges Oberfliegen oder von Schiffen, die vorbeifahren, oder
wie immer man es nennen will?
ANTWORT:

örtliche Einheiten, die auf Abruf die Erlaubnis bekämen, be-

richtete Verletzungen zu überprüfen - eine vorherige Ankündigung von Manövern
mit Beobachtern bei diesen Manövern, Beobachtungspunkte, die ständig von Beboachtungsteams besetzt wären, und ich spreche jetzt von Gebieten, durch die
Truppen abgezogen würden, und das könnten selbstverständlich auch Häfen sein,
wenn sie über See abrücken, Flugplätze, Bahnhöfe usw.

Und worauf wir natürlich

bestehen, ist, daß diese Teams nicht nur während des Zeitraums der Reduzierungen dort verbleiben, sondern daß sie für die Geltungsdauer des Vertrages
dort bleiben, um sicherzustellen, daß diese Truppen nicht durch andere ersetzt
werden.
FRAGE:

All diese Verifizierungsmaßnahmen, ob Begleitende oder kooperative

Maßnahmen wären zusätzlich zu den individuellen technischen Mitteln der Verifizierung durch Satelliten?
ANTWORT:

Das ist richtig.

Unser Standpunkt ist der, daß, wenn wir ir-

gendein verifizierbares Abkommen haben wollen, nationale technische Mittel
nicht ausreichend sind.

Diese würden nur ein Element der Begleitenden Maßnah-

men darstellen.
Ein weiteres Element wären periodische Berichte über Truppenstärke in
dem Gebiet.
FRAGE:

Haben

�FRAGE:

Haben sich die Länder des Warschauer Paktes in der Frage der

vereinbarten Zahlen, der Stärke ihrer Streitkräfte, etwas entgegenkommender
gezeigt?
ANTWORT:

Leider nicht.

Unser Standpunkt ist der, daß der Osten in

diesen drei Ländern - DDR, Polen und Tschechoslowakei, und dazu gehören selbstverständlich die sowjetischen Truppen in diesen Gebieten - 170 000 mehr Soldaten stehen hat, als er angeblich dort hat. Wir sind uns unserer Zahlen sicher vor etwa 13 oder 14 Monaten, im Juli 1981,hat der Westen dem Osten eine Methodologie über die Basis vorgeschlagen, von der aus wir in etwa feststellen könnten, wo diese Diskrepanz existiert.
Ein Teil dieser Methodologie basierte auf Vorschlägen, die der Osten
selbst in früheren Verhandlungen unterbreitet hatte - und wie ich sagte, das
liegt jetzt fast 14 Monate zurück, daß wir ihnen den Vorschlag vorgelegt haben. Sie haben darauf niemals geantwortet - mit anderen Worten, sie mauern
diese Frage völlig ein, kurz gesagt, die Antwort ist nein, es ist kein Fortschritt verzeichnet worden.
FRAGE: Stellt dieses Ungleichgewicht, das in der Zahl ihrer tatsächlich verfügbaren Truppen zum Ausdruck kommt, im Vergleich zu der Zahl, die sie
zu haben behaupten - dieses Ungleichgewicht zwischen den Truppen des Warschauer
Paktes und der NATO in Mitteleuropa - eine Überlegenheit ihrerseits dar, die
ein Ungleichgewicht in Europa verursacht?
ANTWORT:

Meiner Meinung nach ist dies die Hauptursache des Ungleichge-

wichts, denn wenn man in Mitteleuropa eine Situation hat, in der sich annähernd
zwei Millionen Mann auf beiden Seiten der Demarkationslinie gegenüberstehen,
alle mit modernen - wenn auch konventionellen - Waffen ausgerüstet, dann ist
dies ohne Frage die Ursache der Instabilität, die wir haben.
Man spricht ständig von Atomwaffen - und ich stimme zu, daß sie sicherlich weitaus zerstörerischer sind - aber wir haben Atomwaffen seit vor dem Ende
des Zweiten Weltkrieges, und doch hat es keinen Atomkrieg gegeben.
Wenn man

�Wenn man andererseits auf die beiden kürzlichen Konflikte blickt, über
die im Fernsehen und in den Zeitungen weitgehend berichtet worden ist, den
Konflikt wegen der Falkland-Inseln und noch mehr die israelische Invasion im
Libanon, dann konnte man sehen, was konventionelle Waffen anrichten können.
Und deshalb meine ich persönlich, daß es eine größere Möglichkeit des Konflikts
auf konventioneller als auf nuklearer Ebene gibt - und das ist natürlich gefährlich, weil - sollte es zu einem Atomkrieg kommen - so scheint es mir, daß
dieser mit einem konventionellen Krieg beginnen und dann eskalieren würde.
FRAGE: Was bedeutet denn der Begriff "Verknüpfung", wenn wir über MBFR
reden und über die Frage der Verknüpfung hinsichtlich einer Reduzierung auf
700 000 Mann Landstreitkräfte auf beiden Seiten und einer Gesamtzahl von Landund Luftstreitkräften von 900 000?
ANTWORT:

Nun, "Verknüpfung" ist auch einer der Begriffe, die bei die-

sen spezifischen Verhandlungen gebraucht werden.

Er ist einer der drei grund-

legenden Fragen der Meinungsverschiedenheit zwischen Ost und West.

Wir haben

bereits die Frage der Zahlen und der Begleitenden Maßnahmen angesprochen - und
nun Verknüpfung:

Es ist keine Frage mehr, weil unser Vertragsentwurf dies

ausgeschaltet, gelöst hat.
Lassen Sie mich etwas ausholen und erklären, was Verknüpfung bedeutet.
Im Jahr 1973 - oder seit Oktober 1973, als diese Gespräche begannen - hat der
Osten immer wieder eine Verknüpfung dieser beiden Abkommen, von denen ich vorhin sprach, gefordert.

Mit anderen Worten:

Er bestand darauf, daß alle direkt

Beteiligten sich in einer vertragsmäßigen, rechtlich bindenden Weise verpflichteten, im zweiten Abkommen spezifische Reduzierungen vorzunehmen.

Sie erinnern

sich, daß ich sagte, das erste Abkommen betraf nur die Vereinigten Staaten und
die UdSSR.

Das andere würde dann also auf östlicher Seite die Ostdeutschen,

die Tschechoslowaken und die Polen einbeziehen; auf unserer Seite wären, zusätzlich zu den Vereinigten Staaten, natürlich die Kanadier, die Briten, die
Westdeutschen, die Niederländer, die Belgier und die Luxemburger gemeint.

Das

ist nun keine Streitfrage mehr, weil wir in unserem neuen Vertragsentwurf nur
von einem einzigen Abkommen sprechen, und zum Zeitpunkt der Unterzeichnung
- 7 -

�der Unterzeichnung werden dann die Zahlen der Reduzierungen,die jeder Signatarstaat vornehmen soll, eingesetzt werden.
Auf unserer Seite - das liegt auf der Hand - wird dies natürlich durch
die NATO laufen, und die NATO wird dem zustimmen.
diktieren, wer welche Reduzierungen vornehmen wird.

Die andere Seite kann nicht
Wir haben zu erkennen

gegeben, daß sie proportional zur Größenordnung sein werden - mit anderen Worten, auf die Deutschen würde mehr entfallen als auf die anderen, weil sie
mehr Truppen haben.

Und die gemeinsame Höchstgrenze von 700 000 Mann ist die

Ebene, auf die die Reduzierungen gehen werden - in unserem Fall sprechen wir
von etwa 900 000 Mann, NATO-Truppen im Reduzierungsgebiet.
wird es sich natürlich um etwa 260 000 Mann handeln müssen.

Auf ihrer Seite
Es besteht hier

also eine Asymmetrie, und diese Asymmetrie spiegelt die Disparität, die Diskrepanz, das

Zahlenproblem wider.

Diese Verknüpfung ist also kein Problem mehr; diese Streitfrage ist
gelöst. Wir haben meiner Meinung nach das gezeigt, was der Osten "politischen
Willen" nennt. Wir meinen es ernst damit, wir haben diese Streitfrage gelöst,
und nun bleiben noch die beiden anderen übrig: Das Zahlenproblem und die Begleitenden Maßnahmen, wo der Osten reagieren und ähnliche Konzessionen machen
muß.
FRAGE: Ist das Ziel der Verbündeten, Reduzierungen vorzunehmen und eine
Parität zwischen den Land- und Luftstreitkräften der NATO und des Warschauer
Paktes auf niedrigeren Ebenen in Mitteleuropa herzustellen, denn praktisch
erreichbar?
ANTWORT: Von unserem Standpunkt aus gesehen, ist es natürlich erreichbar. Wir sind bereit, dieselbe Art von Inspektion zu akzeptieren, die wir
dem Osten vorschlagen. Alle unsere Verbündeten haben diesen Vertragsentwurf
gebilligt; wir bilden hier also eine gemeinsame Front. Diese Sache hat den
NATO-Prozeß in Brüssel durchlaufen, und meiner Meinung nach ist dies ein Anzeichen für unsere sachliche, ernsthafte Einstellung zu diesen Gesprächen.
Nun die

�Nun die Frage:
Osten abhängt.

Ist dies erreichbar?

Es liegt auf der Hand, daß dies vom

Wenn der Osten einen Vertrag wünscht, wenn er den politischen

Willen zeigt, den er von uns in der Vergangenheit verlangt hat und den wir meiner Auffassung nach jetzt bewiesen haben, wenn der Osten aus dieser Verhandlungspause zurückkehrt und zur Frage der Zahlen und der Begleitenden Maßnahmen
Entgegenkommen an den Tag legt, dann, so glaube ich, können wir schon sehr
schnell ein Abkommen haben.
sagen.

Aber so etwas läßt sich natürlich nicht voraus-

Wir wissen nicht, an was sie denken, unter welchen Zwängen sie arbei-

ten, ob dies nach ihrer Ansicht vorteilhaft für sie ist.
unmöglich,zu diesem Zeitpunkt etwas dazu zu sagen.

Ich meine, es ist

Ich glaube, im Herbst wer-

den wir eine bessere Vorstellung haben, weil wir dann ihre Reaktion auf unseren Vorschlag kennen werden.
FRAGE: An welchem Datum Ende September werden die Gespräche wieder aufgenommen werden; an welchem Tag?
ANTWORT: Die Gespräche werden am 20. September wieder beginnen. Und
wie das in solchen Fällen ist - der Grund, warum ich vor Wiederaufnahme der
Verhandlungen nach Wien zurückkehre - wir werden mit unseren Verbündeten in
der sogenannten ad hoc-Gruppe zusammentreffen, um unsere Taktik in der kommenden Verhandlungsrunde zu koordinieren, um uns ein Bild darüber zu machen, wie
die östliche Antwort aussehen mag, und um - ganz allgemein - wieder Tritt zu
fassen.
FRAGE:
ANTWORT:

Wie lange wird die kommende Verhandlungsrunde dauern?
Sie wird bis Weihnachten dauern, und dann werden wir wieder

im Januar zusammentreffen bis Ostern.
FRAGE:

Dann kommt die Frühlingspause.

Wenn nun irgendwann in den kommenden Verhandlungsrunden ein

Abkommen erreicht würde, welche Zeit wäre dann vonnöten, um die vorgeschlagenen Reduzierungen herbeizuführen?
ANTWORT:

In

�ANTWORT: In unserem Vorschlag sind sieben Jahre dafür vorgesehen.
Der Grund dafür ist, daß nach unserer Ansicht jede Phase, der Reduzierungsprozeß
in jeder Phase,in jedem Stadium, ein Jahr brauchen würde. Ferner gehen wir
davon aus, daß ein Jahr benötigt wird, um festzustellen, ob die Verifizierungsmaßnahmen zufriedenstellend funktionieren, und wenn man das alles zusammennimmt, dann kommt man auf sieben Jahre.
FRAGE: Kurz gesagt: Hat Ihrer Meinung nach die Zusammenfassung des
Reagan-Vorschlags in einem NATO-Vertragsentwurf für die MBFR-Verhandlungen
die Schwungkraft in Richtung auf ein Abkommen zwischen Ost und West verstärkt?
ANTWORT: Meiner Meinung nach ja, denn wir haben jetzt - wenn Sie so wollen - festen Boden unter den Füßen, wir haben die Initiative ergriffen. Der
Osten muß darauf eingehen, weil dies ein ernsthafter Vorschlag ist.
Wir haben diese wichtige Konzession gemacht; wir haben eine der drei
Streitfragen gelöst, und ich meine, das Pendel schlägt jetzt zu unseren Gunsten
aus, weil es am Osten ist, jetzt eine Antwort zu geben. Und dann werden wir in
der Lage sein, zu beurteilen, ob die andere Seite es ernst mit diesen Gesprächen
meint oder nicht. Und das wiederum ist etwas, das wir nicht vorhersagen können.
Aber persönlich blicke ich - und wohl auch alle meine Mitarbeiter und die
Mitglieder der anderen Delegationen in Wien - dem mit Spannung entgegen, denn
- wie ich schon anfangs gesagt habe - es ist das erstemal in neun Jahren, daß
der Westen einen bedeutsamen Vorschlag gemacht und ihn in Form eines Vertragsentwurfs auf den Tisch gelegt hat. Der Vorschlag könnte also zu einem Abkommen führen - all dies hängt natürlich davon ab, ob die andere Seite ein Abkommen überhaupt wünscht.

+ + + + +

- 10 -

�15. September 1982

DIE FRIEDENSSUCHE IM NAHEN OSTEN
- Reagan weist Weg aus dem Teufelskreis des Krieges -

WASHINGTON - (AD) - Krieg, Feuereinstellung, Waffenstillstand, Forderungen, erneute Aufrüstung, Kriegsschrecken, Vergeltung - und wieder Krieg.

Mehr

als drei Jahrzehnte lang war dies der Teufelskreis, der im Nahen Osten seine
blutigen Spuren hinterließ.
Mit Beendigung des jüngsten Konfliktes im Libanon erging an die arabischen
Staaten und an Israel die Aufforderung, "einen Neubeginn" in Richtung auf den
Frieden zu machen, auf einen dauerhaften Frieden. Präsident Ronald Reagan
brachte diese Anregung in einer Rede an das amerikanische Volk am 1. September vor.
Damit brachte der amerikanische Präsident Washington einen Schritt über
seine traditionelle Rolle als Vermittler hinaus. Es sei Zeit, so der Präsident, im Interesse einer breiteren Unterstützung des Friedensprozesses eine
"klarere Darstellung der Haltung Amerikas zu den entscheidenden Fragen" zu
vermitteln.
Reagan betonte,

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Telex: 8-85432

�Reagan betonte, daß seine Verhandlungsvorschläge keinen brandneuen Friedensplan "Made in America" darstellten, der lediglich von den betroffenen
Parteien zu bestätigen sei. Zwei Dokumente bleiben auch weiterhin von grundlegender Bedeutung:

die Resolution 242 des UN-Sicherheitsrates von 1967 und

die Camp-David-Abkommen des Jahres 1978 sowie der daraus entstandene ägyptisch-israelische Friedensvertrag.

Der Präsident erklärte:

"Wir gründen unsere Haltung voll und ganz auf dem Prinzip, daß der arabisch-israelische Konflikt durch Verhandlungen gelöst werden sollte, die den
Austausch von Territorium gegen Frieden beinhalten.

Dieser Austausch ist in

der Resolution 242 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen enthalten, die
wiederum in allen ihren Bestandteilen Eingang in die Camp-David-Vereinbarungen
gefunden hat.

Die UN-Resolution 242 behält als Grundstein der amerikanischen

Friedensbemühungen im Nahen Osten ihre volle Gültigkeit."
Ein entscheidender Punkt der 15 Jahre alten Resolution war die Forderung nach einem Abzug aus den im Krieg des Jahres 1967 "besetzten Gebieten".
Die Beendigung jenes Konfliktes brachte damals Israel die ägyptische Sinai halbinsel und den Gazastreifen, das zu Jordanien gehörende Westjordanland,
die syrischen Golanhöhen und das ganze Jerusalem ein.
Die Camp-David-Vereinbarungen erreichten zumindest teilweise ein Ziel
der Resolution von 1967, nänlich den Rückzug aus einem Teil der von Israel
besetzten Gebiete. Erstes Ziel von Camp David war die Rückgabe des Sinai an
Ägypten - und diese wurde auch schrittweise bis 1982 abgeschlossen. Aber
Camp David hatte noch ein weiteres Ziel, bot es doch auch einen Rahmen für
Verhandlungen über den endgültigen Status des Westjordanlandes und des Gazastreifens sowie der Palästinenser selbst.
Wie Präsident Reagan am 1. September erklärte, verloren die Vereinigten
Staaten "niemals den nächsten Schritt von Camp David aus dem Auge - Autonomiegespräche, um den Weg zu ebenen, dem palästinensischen Volk die Ausübung seiner legitimen Rechte zu erlauben."

Die Sache der Palästinenser ist mehr als

- 2 -

�mehr als eine Flüchtlingsfrage.

"Das Camp-David-Abkommen war sich dieser Tat-

sache bewußt, als es von den legitimen Rechten des palästinensischen Volkes
und seinen rechtmäßigen Forderungen sprach."
&lt;

Der jüngste Konflikt im Libanon unterstrich die Notwendigkeit einer neuen Anstrengung, um Fortschritte bei den Autonomieverhandlungen zu erzielen.
Nunmehr geht es um die Frage, wie Israels legitime Sicherheitsbedürfnisse mit
den Rechten der Palästinenser ausgesöhnt werden können. "Und die Antwort
hierauf kann nur am Verhandlungstisch gefunden werden."
Der Präsident erklärte, die Position seiner Administration hinsichtlich
neuer Verhandlungen sei die, daß Israel das Westjordanland und den Gazastreifen weder permanent kontrollieren noch annektieren sollte; es sollte aber auch
kein unabhängiger palästinensischer Staat dort errichtet werden. Die Selbstverwaltung der Palästinenser in diesen beiden Gebieten in "Assoziation" mit
Jordanien ist der von ihm vorgezogene Weg. Inzwischen sollte es ein Einfrieren weiterer Besiedlungstätigkeit durch die Israelis geben, und Israels Sicherheit muß garantiert werden.
"Dies ist der Augenblick für all jene, die unmittelbar betroffen sind,
sich an einer funktionierenden Grundlage für den Frieden zu beteiligen - oder
ihr Unterstützung zu gewähren.
unserer Politik.

Das Camp-David-Abkommen bleibt die Grundlage

Sein Text bietet allen Parteien die Bewegungsfreiheit, die

sie für erfolgreiche Verhandlungen brauchen", sagte Reagan.
Der "Neubeginn" des amerikanischen Präsidenten wurde begrüßt - und kritisiert. Die Kritiker, vor allem Israel, griffen ihn an, weil er von Camp
David abgehe. Aber der Architekt von Camp David, der ehemalige Präsident Jimmy
Carter, der die Abkommen mit Ministerpräsident Begin und Präsident Sadat ausgehandelt hatte, war anderer Meinung als die Kritiker: "Es gibt absolut nichts
in der Rede des Präsidenten, was in Widerspruch zu Buchstabe oder Geist des
Camp-David-Abkommen stünde. Sie ist absolut angemessen."
Zusammenfassend gesagt,
- 3 -

�Zusammenfassend gesagt ist Präsident Reagan der Ansicht, daß der anscheinend endlose Zyklus arabisch-israelischer Feindseligkeiten auf dem Verhandlungsweg durchbrochen werden kann - durch Verhandlungen, die unmittelbar
die Rückgabe von Territorium, den Status der Palästinenser und die Sicherheit für alle Staaten des Nahen Ostens betreffen. Läßt man legalistische
Schlupflöcher und Konstruktionen beiseite, so ist es genau das, worum es bei
der Resolution 242 des UN-Sicherheitsrates und den Camp-David-Vereinbarungen
geht.

+ + + + +

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United States Information Service
Embassy of the United States of America

36

15. September 1982

DAS EINFRIEREN DER KERNWAFFEN: EIN GANG AUF DÜNNEM EIS
- Von Richard Perle -

Richard Perle ist Unterstaatssekretär für
internationale Sicherheitspolitik im amerikanischen Verteidigungsministerium.

- (AD) - Obgleich das amerikanische Repräsentantenhaus gegen ein Einfrieren der Kernwaffen gestimmt hat, werden bei den Wahlen in diesem Herbst
in mehr als einem halben Dutzend Bundesstaaten, die nahezu ein Viertel der
amerikanischen Bevölkerung repräsentieren, Resolutionen auftauchen, die sich
für ein solches Einfrieren einsetzen.

Das Ergebnis dieser Wahlen wird für

Freund und Feind zugleich ein wichtiges Signal sein.
Die Befürworter eines Einfrierens behaupten, daß es das Risiko eines
Atomkrieges vermindern und eine raschere Verringerung der nuklearen Arsenale
mit sich bringen würde, als dies von den Rüstungskontrollvorschlägen Präsident Reagans zu erwarten sei.

Ihr Argument geht dahin, daß das Einfrieren

dem "Wettrüsten" Einhalt gebieten und Anreize für die Sowjetunion schaffen

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Telex: 8-85432

�Sowjetunion schaffen könnte, Verringerungen bei den Kernwaffen zuzustimmen.
Sie haben unrecht.
Die verschiedenen Resolutionen für das Einfrieren würden die Herstellung,
die Erprobung und die weitere Dislozierung nuklearer Gefechtsköpfe, Raketen
und anderer Trägersysteme betreffen.

Dadurch würden alle laufenden Programme

beendet werden, die dazu dienen, die Probleme der strategischen Position Amerikas zu korrigieren, die sich als ein Ergebnis der umfassenden Aufrüstung der
Sowjetunion in den vergangenen Jahren ergeben haben.

Das Einfrieren würde in-

dessen keine Wirkung auf eine Anzahl von sowjetischen Programmen haben, die
für eine Störung des strategischen Gleichgewichts allergrößtes Potential haben.

Das Einfrieren würde unsere Entwicklung einer überlebensfähigen ballisti-

schen Interkontinentalrakete blockieren, jedoch nicht die Bedrohung beseitigen,
die eben diese Anstrengung erforderlich macht«

Das Einfrieren würde sowohl

die Entwicklung eines modernen Bombers, der die veraltete B-52 ersetzen soll,
als auch die Dislozierung von Marschflugkörpern auf der B-52 blockieren, jedoch die Sowjetunion nicht davon abhalten, ihr umfangreiches konventionelles
Netz der Luftabwehr zu verstärken, das eine ernsthafte Bedrohung unserer strategischen Bomberflotte darstellt.

Das Einfrieren würde unser

TRIDENT-U-Boot-

programm zum Stillstand bringen und unsere Programme für unterseebootgestützte
Marschflugkörper auf Eis legen, nicht jedoch jene sowjetischen Programme von
höchster Priorität stoppen, die auf eine Neutralisierung unserer alternden
U-Bootflotte abzielt.

In Europa würde das Einfrieren es den Russen erlauben,

die Nordatlantikpaktorganisation auch weiterhin mit Hunderten von Gefechtsköpfen mittlerer Reichweite zu bedrohen, während die Pläne der NATO zur Dislozierung eines teilweisen Gegengewichts abgewürgt würden.
Das Einfrieren würde uns dazu zwingen, Programme zur größeren Sicherheit
unserer Kernwaffen aufzugeben - z.B. jene, durch die derzeit die Waffen noch
unempfindlicher gegen eine Detonation durch falsche Handhabung oder durch Zufall gemacht werden sollen.
Um unsere strategische Abschreckung wirkungsvoll zu erhalten, bedarf es
der ständigen Anpassung, Reparatur und Modernisierung. Das Einfrieren würde
- 2 -

�Einfrieren würde all dies zum Stillstand bringen - und all die aufgehäuften
Probleme und Verletzbarkeiten würden mit "eingefroren", die entscheidenden
Korrekturprogramme jedoch "ausgefroren".

Dieses Problem würde das Arsenal

des Kreml nicht so wie das Arsenal Amerikas beeinflussen. Unsere Kernwaffensysteme sind im allgemeinen älter als die sowjetischen System, und viele
davon werden bald veraltet sein, während die Systeme der Russen noch für
Jahre einsatzfähig bleiben.

Etwa 85 Prozent der sowjetischen Gefechtsköpfe

für Atomraketen befinden sich auf Systemen, die in den letzten zehn Jahren
disloziert wurden; nur 45 Prozent der unsrigen hingegen befinden sich auf
Systemen aus diesem Zeitraum.
Das Konzept des Einfrierens geht am zentralen Punkt vorbei, um den es
bei den Kernwaffen geht: Sie sind an sich weder gut noch schlecht. Sie
sind gut, wenn sie die Stabilität fördern und zur Abschreckung vor einem Krieg
beitragen; sie sind schlecht, wenn sie die Stabilität verringern und die Abschreckung schwächen.

Der Vorschlag des Einfrierens würde mit dem "Wett-

rüsten" auf eine Weise fertig, daß der Gute auf der Bank bleiben muß, während der Böse rennen darf.

Er würde die Überlebensfähigkeit unserer strate-

gischen Streitkräfte untergraben und dadurch die Politik der Abschreckung
aushöhlen, auf die sich alle Administrationen seit Harry S. Truman gestützt
haben, um den Frieden zwischen den Supermächten zu wahren.

Diese Politik

hat es der Welt ermöglicht, mit den Kernwaffen zu leben, ohne ihren Einsatz
zu erleben. Als Schädigung der Abschreckung würde das Einfrieren die Stabilität des strategischen Gleichgewichts stören und damit die Möglichkeit eines
Krieges erhöhen.
"Wettrüsten" - ich verwende Anführungszeichen, weil das Wort irreführend ist.

Es ist nicht wahr, daß die jeweilige Anzahl der von den Vereinig-

ten Staaten und von der Sowjetunion dislozierten Atomwaffen in einer Spirale
nach oben führt. Amerika hat während der vergangenen 15 Jahre bestimmte Kernwaffensysteme repariert, ersetzt und verbessert, aber wir haben den Umfang
eines nuklearen Arsenals nicht vergrößert. Ja, es ist um einige tausend
nukelare Gefechtsköpfe kleiner als 1967. Das sowjetische Arsenal hingegen
hat seit 1967 um etwa 6000 nukleare Gefechtsköpfe zugenommen.
Warum ignorieren

�Warum ignorieren die amerikanischen Verfechter eines Einfrierens seine
Auswirkung auf die Stabilität des strategischen Gleichgewichts? Weil sie
eine einfache Antwort auf ein komplexes Problem suchen, weil es ein Rezept
ist, das bei einer verständlicherweise verängstigten, aber unvollkommen informierten Wählerschaft gut ankommt.
In dem Maß, in dem sich seine Anhänger wirklich um die Rüstungskontrolle sorgen, hoffen sie darauf, daß ein Einfrieren die Verhandlungen über eine
Verringerung der Atomwaffen beschleunigt. Amerikanische und sowjetische
Repräsentanten aber führen bereits Verhandlungen über die von Präsident Reagan
vorgeschlagenen Verminderungen bei den strategischen Rüstungen und bei den
nuklearen Mittel Streckensystemen. Washington und Moskau würden die STARTund INF-Gespräche nicht gleichzeitig mit Gesprächen über die Durchführung
eines solchen Einfrierens führen, so daß der Vorschlag eines Einfrierens,
der langwierige und strittige Verhandlungen umfassen würde, letztlich eher
einen größeren Umweg als eine Abkürzung bedeuten und den Weg des Präsidenten
in Richtung auf eine Verminderung der Rüstungen in eine Sackgasse verwandeln
würde.
Die Befürworter eines Einfrierens fordern ein "verifizierbares" Einfrieren, aber das umfassende Verbot von Erprobung und Produktion, das die Resolutionen fordern, wäre nicht verifizierbar. Selbst wenn für ein Einfrieren abgestimmt würde, könnte es nicht durchgeführt werden. Die Administration hat
bei der Ausarbeitung ihrer Rüstungskontrollpolitik sorgfältig die Verifizierbarkeit umfassend in Rechnung gestellt, die Resolutionen für ein Einfrieren
tun dies nicht.
Aber selbst wenn ein Einfrieren rasch ausgehandelt und ausgeführt würde,
würde es umfassende Rüstungsverminderungen eher ausschließen als diese erleichtern. Während der letzten 15 Jahre haben die Russen ihre Nuklearstreitkräfte unnachgiebig ausgebaut. Welche Anreize können wir ihnen denn nun bieten, sie etwa zur Verringerung der Anzahl ihrer schweren, landgestützten Raketen oder ihrer großen Raketen mittlerer Reichweite zu bringen?

Amerika hat

derzeit weder Raketen des einen, noch des anderen Typs,und solange wir uns

�wir uns nicht zur Dislozierung der MX im Inland sowie der PERSHING II und
der landgestützten Marschflugkörper in Europa verpflichteten, weigerte sich
Moskau, solche Verringerungen ernsthaft zu diskutieren. Jetzt,.da die Russen
endlich am Verhandlungstisch sitzen, um unsere Gedanken über Verringerungen
anzuhören, wollen die Befürworter eines Einfrierens die Programme verbieten,
die den einzigen Grund für Moskau darstellen, unsere Verringerungsvorschiä'ge
zumindest einmal zu erwägen.
Mit einem Einfrieren, einmal in Kraft getreten, befände sich die Sowjetunion in einer beherrschenden strategischen Position. Zwei der drei Komponenten unserer strategischen Abschreckung wären verletzbar - unsere ballistischen Interkontinentalraketen und unsere Bomber - und die sowjetischen Machtmittel könnten darauf konzentriert werden, unsere U-Boote einer ähnlichen Gefahr auszusetzen. Das sind die Gründe, warum Moskau die Resolutionen zum
Einfrieren verabschiedet wissen möchte - und warum wir nicht.

- 5 -

�15. September 1982

36

USA BEDAUERN AUFLÖSUNG DER MOSKAUER HELSINKI-GRUPPE
- Kampagne gegen die Menschenrechte in der UdSSR -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben die Auflösung der
Moskauer Helsinki-Gruppe, die sich die Überwachung der Einhaltung der Vereinbarungen von Helsinki, vor allem im Bereich der Menschenrechte, zur Aufgabe
gemacht hat, außerordentlich bedauert.

Das amerikanische Außenministerium

und die amerikanische Kommission für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(Helsinki-Gruppe) haben dazu Erklärungen abgegeben, in denen die Verfolgung
der Mitglieder der Moskauer Helsinki-Gruppe, die zu deren Auflösung führte,
scharf verurteilt wird.
In einem Kommentar der "Stimme Amerikas" wird darauf hingewiesen, daß
von den 20 Gründungsmitgliedern heute nur noch drei auf freiem Fuße sind,
während sich die anderen in Haft, Verbannung oder erzwungenem Asyl im Ausland befinden, oder gar tot sind.
dem Kommentar, ist eine bittere

Das Schicksal der Gruppe, so heißt es in
Ironie.

"Eine sowjetische Regierung, die

niemals in der Lage war, ihre Bürger ausreichend zu ernähren und zu kleiden,
hat immer Mittel und Wege gefunden, um jene Bürger daran zu hindern, sich
frei zu äußern.

Die Helsinki-Gruppe wurde zu dem Zweck gegründet, genau jene

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�genau jene Übereinkommen zu überwachen, die die Sowjets mißachtet haben, als
sie die Gruppe zur Aufgabe zwangen.
Diese niederschmetternden Tatsachen können nur dazu dienen, den Zynismus zu unterstreichen, mit dem - wie jetzt deutlich wird - die Sowjetunion
1975 die Schlußakte von Helsinki unterzeichnet hat."
Die Erklärung des amerikanischen Außenministeriums zur Auflösung der
Moskauer Helsinki-Gruppe hat folgenden Wortlaut:
"Gestern teilte Elena Bonner den Entschluß der Moskauer Helsinki-Gruppe
mit, ihre Arbeit einzustellen. In ihrer Erklärung unterstrich Frau Bonner,
daß diese Entscheidung aufgrund der grausamen Verfolgung getroffen worden
sei, unter der die Gruppe seit ihrer Gründung im Jahr 1976 litt, sowie aufgrund der Drohung weiterer Schritte gegen eines der drei Mitglieder der Gruppe, das bislang in Moskau noch Freizügigkeit genoß.
Erst in jüngster Zeit hatten die sowjetischen Behörden der 75 Jahre
alten Sofia Kalistratowa, ebenfalls Mitglied der Gruppe, mitgeteilt, daß ihr
der Prozeß gemacht werde, weil sie antisowjetische Agitation und Propaganda
(Artikel 190-1) des sowjetischen Strafgesetzes) betrieben habe - eine Gesetzesübertretung, die bis zu drei Jahren Gefängnis oder Arbeitslager zur Folge
haben könnte.
Die sowjetische Entscheidung, gegen eines der ältesten und am wenigsten
aktiven Mitglieder der Gruppe vorzugehen, war offensichtlich ein letzter Versuch, der dann auch die Ankündigung der eigenen Auflösung mit sich brachte.
Das Ende der Moskauer Helsinki-Gruppe kam als Ergebnis einer verwerflichen Kampagne des KGB gegen die Menschenrechte. Es ist und bleibt Ziel
dieser Kampagne, alle Organisationen innerhalb der UdSSR zu unterdrücken, die
den Versuch machen, ihre Unterstützung für die grundlegenden Menschenrechte
und Grundwerte zum Ausdruck zu bringen, die im Westen als selbstverständlich
gelten, den sowjetischen Bürgern jedoch ständig vorenthalten werden.
Bei der

�Bei der Verfolgung dieser und anderer Gruppen haben die sowjetischen
Behörden eine schreiende Geringschätzung gegenüber den Obereinkommen zur Schau
gestellt, die in der Schiißakte von Helsinki festgelegt sind und die die sowjetische Regierung mit unterzeichnet hat.

Ihre Versuche, die Freiheit in ihrem

eigenen Land zu unterdrücken, verdienen Kritik und Mißbilligung aller, die
die Freiheit und die Unverletzlichkeit von internationalen Abkommen lieben.
Das Ende der formellen Aktivitäten der Moskauer Helsinki-Gruppe markiert zugleich das Ende eines Kapitels in der Geschichte des Kampfes um die
Freiheit und die Menschenrechte in der Sowjetunion.
nichtgeschlossen.

Aber das Buch ist noch

Wir bleiben zuversichtlich, daß die sowjetischen Behörden

auch weiterhin zu ihrem Leidwesen erkennen müssen, daß der Wunsch eines unterdrückten Volkes nach Freiheit nicht zum Schweigen gebracht werden kann."
In der Erklärung der amerikanischen Helsinki-Gruppe heißt es, der Vorsitzende, der demokratische Kongreßabgeordnete Dante B. Fascell aus Florida,
habe bei der Nachricht über die Auflösung der Moskauer Gruppe erklärt, daß
diese durch ihre 200 Dokumente über sowjetische Menschenrechtsverletzungen
weiterleben werde. Fascell wies darauf hin, daß die gegenwärtig in der
Sowjetunion inhaftierten 38 Mitglieder solcher Gruppen zu insgesamt 355 Jahren Gefängnis verurteilt wurden.
Der Ko-Vorsitzende der amerikanischen Kommission für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, der republikanische Senator Robert J. Dole aus Kansas,
wies in der Erklärung darauf hin, daß seit Januar 1982 die sowjetische Polizei mindestens 127 Menschen verhaftet habe, weil sie sich auf Menschenrechte berufen hätten."Statt sich mit der sich ständig verschlechternden wirtschaftlichen Lage in der UdSSR zu befassen", so heißt es in der Erklärung wörtlich,
"einschließlich der ständigen Lebensmittelknappheit oder der ständig wachsenden Kosten der außenpolitischen Abenteuer in Afghanistan und Polen, haben sich
die sowjetischen Behörden entschlossen, sich auf die Unterdrückung von Dissidenten im eigenen Lande zu konzentrieren. Daß die Verpflichtungen von Helsinki
so mit Füßen getreten werden, kann nichts nützen, denn die gesellschaftlichen
Ursachen des Dissens in der UdSSR bleiben bestehen."
+ + + + +
- 3 -

�15. September 1982

36

ZUSAMMENARBEIT: MANGELHAFT
Forschung und Industrie sind in der UdSSR getrennte Welten

- Von David Brand -

Der Autor ist Mitarbeiter des "Wall
Street Journal", in dem der folgende
Artikel zuerst erschien; Nachdruck nur
im vollen Wortlaut und dem Vermerk gestattet: Copyright (C) Dow Jones and
Company, Inc., 1982

NOVOSIBIRSK, UdSSR - (AD) - Vor ein paar Jahren entdeckte Yurij Yermakoff, ein führender Chemiker in Novosibirsk, ein neues Verfahren für
die Polymerisierung von Ethylen. Aber die sowjetische Industrie war

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�Industrie war nicht daran interessiert, so daß sehr rasch Firmen im
Westen Lizenzrechte für das Verfahren erwarben. Jetzt müssen die Sowjets
die Technologie vom Westen kaufen.
In jüngerer Zeit entdeckte Rudolf Sagalnik, ein hervorragender sowjetischer Genetiker,daß ein bestimmtes Enzym Pflanzen und Tiere gegen
einige Viren schützt. Aber die Industriemanager nannten ihr^J'einen Abenteurer", als er sie beschwor, diese Erkenntnis zu nutzen. So war er gezwungen, die Massenproduktion des Enzyms selbst in die Hand zu nehmen.
Heute ist es ein Impfstoff, der vielfältig angewandt wird.
Dies sind nur zwei der vielen Geschichten, die man sich in Forschungslaboratorien von Novosibirsk über den sturen Widerstand der sowjetischen
Industrie gegen neue Ideen erzählt. Es sind Geschichten, die der Meinung vieler Spezialisten im Westen Nahrung geben, daß es äußerster Anstrengungen der Sowjetindustrie bedarf, angesichts des Embargos für amerikanische Technologie die Erdgasleitung von Sibirien nach Europa fristgerecht fertigzustellen. Der Grund, weshalb die Sowjets die großen Turbinen - die vom Embargo am meisten betroffenen Ausrüstungen - nicht bereits selbst bauen, "steht in sehr engem Zusammenhang mit dem Zustand
ihrer Forschung und Entwicklung", sagt Jonathan Stern, Berater in London
für Sowjetenergie.
Einige der Facetten des Nfcchhinkens sowjetischer Technologie erkennt
man hier in Zentral Sibirien, wo 1957 in den unberührten Wäldern eine
Stadt der Wissenschaft aus dem Boden gestampft wurde. Die Planer in Moskau hatten die Idee, wissenschaftliche Entdeckungen mit industriellen
Innovationen zu vereinen und so zu versuchen, die amerikanischen Methoden
zu kopieren, mit denen neue Generationen von IBM-Computern oder BoeingFlugzeugen hervorgebracht werden.
Nach einem ViertelJahrhundert sind westliche Experten heute der Oberzeugung, daß das riesige sowjetische Industrieforschungsbudget die Indu- 2 -

�die Industrie weder leistungsfähiger gemacht noch ihre Produkte verbessert hat. Die Schuld daran geben selbst sowjetische Wissenschaftler der
Bürokratie, schlechter Organisation und purer Trägheit. Es überrascht
nicht, daß die Sowjets

für die sibirische Erdgasleitung so sehr auf ame-

rikanische Technologie bauten. "Die Sowjetunion war stets ein Schüler
westlicher Technologie, hatte niemals die technische Führung", sagt
Ronald Amann von der englischen Universität Birmingham, ein Kenner sowjetischer Technologie.
Im Vergleich zum Gang der Forschung in Amerika erscheint dieser Prozeß in der Sowjetunion verworren und chaotisch. Statt einer Produktentwicklung über ein ineinandergreifendes Forschungs- und Entwicklungsprogramm müssen Ideen ein Labyrinth von Bürokratie passieren, ehe sie den
Betrieb erreichen. Und es kommt selten vor, daß eine Behörde die Gesamtkontrolle über ein Projekt hat. Vor zwei Jahren wurde in einem Bericht
der "National Science Foundation" (Nationale Forschungsstiftung der USA,
Washington) festgestellt, daß Wissenschaft und Industrie in der UdSSR
stets zwei weit auseinanderliegende Welten gewesen sind, die eher getrennt koexistieren als Hand in Hand zu arbeiten".
Die sowjetische Industrieforschung untersteht größtenteils Instituten, die von den verschiedenen Ministerien betrieben werden, welche von der chemischen Industrie bis zur Computertechnik - alle Wirtschaftsbereiche beaufsichtigen. Kontrolliert werden diese Institute aber von
Werken und Betrieben, die von der Forschung profitieren sollen. In zunehmendem Umfang wird Industrieforschung - zwar ebenfalls ziemlich abseits der Industrie - auch von der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften betrieben, einer hochangesehenen Organisation mit Instituten
im ganzen Land, zu denen auch das große Forschungszentrum in Novosibirsk
gehört. Außerdem gibt es an Universitäten und Technikschulen einige
Forschungsaktivitäten. Alles in allem arbeiten 1,5 Millionen Wissenschaftler, etwa ein Viertel aller Wissenschaftler auf der Welt, für
die Wissenschaft in der Sowjetunion.
Die Sowjets
- 3 -

�Die Sowjets scheinen unfähig zu sein, all die Forschung in verbesserte Produkte umzusetzen, meint Ronald Amann. "Erfolg in einer Industrie
ist nur zu oft das Ergebnis einer dynamischen Person - eines guten Managers, der an den richtigen Stellen Druck ausüben kann". Die Mehrzahl
der "besten Köpfe" der. sowjetischen Wissenschaft zieht es vor, für die
Akademie der Wissenschaften und nicht für die Industrie zu arbeiten,
weil dort die Bezahlung besser und das Ansehen größer ist.
Sowjetische Zeitungen und Zeitschriften sind voll von Klagen über
die schlechte Qualität von Produkten für Verbraucher und für die Industrie. Zum Teil ergebe sich die Schwierigkeit, so Amann, aus der Tatsache, daß es bei den Sowjets keine Marktwirtschaft gibt und der Konkurrenzdruck entfällt. Zum großen Teil ist das Problem aber auch auf
Betriebsmanager zurückzuführen, die einer Unterbrechung ihrer Produktionsquoten zugunsten einer möglichen Verbesserung von Produkt oder
Produktionsverfahren aus dem Wege gehen. "Sie zögern, neues Knowhow anzuwenden", sagt Andrej Trofimuk, ein erfahrener Geologe in Novosibirsk.
Versuche man, Betriebsmanagern eine neue Idee zu verkaufen, so müsse man laut Yurij Yermakoff, dem Erfinder des von der sowjetischen Industrie ignorierten Ethylen-Verfahrens, sie zunächst einmal davon überzeugen, daß "wir ihnen eine Produktivitätssteigerung bringen". Dann
"wünschen sie eine Steigerung ohne irgendwelche Kapitalinvestition", sagt
er. Ideen, die die Industrie schließlich akzeptiere, seien eher Erfindungen von 'begrenzter Bedeutung", bemängelte im vergangenen Jahr die
Zeitschrift "Sozialistische Industrie*.
Die für die Erdgasleitung zuständige Industrie ist ein gutes Beispiel dafür, was geschieht, wenn Forschung keinen Ansporn für Entwicklung bedeutet. Für die Leitung nach Westeurope sind 42 Kompressorstationen für das Weiterpumpen des Erdgases erforderlich, von denen
jede mit drei großen Turbinen (25 Megawatt Leistung) bestückt werden
muß. Die Sowjets verfügen jedoch noch über keine einzige dieser großen

�dieser großen Turbinen aus eigener Produktion und waren deshalb gezwungen, auf amerikanische Technologie zurückzugreifen.
Jonathan Stern sagt, die Erdgasleitung sei derart zu einem Symbol
nationalen Stolzes geworden, daß der Turbinenbau jetzt Priorität habe.
"Sie werden die Turbinen bauen, selbst wenn dieserhalb die Volkswirtschaft darben muß", .prophezeit er. Er ist überzeugt, daß sie in der Lage sein werden, genügend Turbinen in Betrieb zu setzen, um zum vorgesehenen Zeitpunkt - Ende 1984 oder höchstens ein paar Monate später mit den ersten Erdgaslieferungen zu beginnen. Wie leistungsfähig diese
sowjetischen Turbinen sein werden, ist jedoch eine andere Sache. Jan
Vanous

von der Fa. Wharton - Wirtschaftsprognosen in Washington erklärt,

"ich bin nicht sehr optimistisch" angesichts der "schlechten Erfahrungen mit Reparaturen" bei kleineren sowjetischen Turbinen.
Die Probleme der sowjetischen Industrie sind nicht ausschließlich
den Managern anzulasten. Die Forscher haben häufig selbst kein großes
Interesse an der Industrie, und ein großer Teil ihrer Forschungsarbeit
ist überaus theoretischer Natur. "Es liegt einfach zu wenig Betonung auf
industrieller Anwendung", meint R. Amann.
Am Institut für Genetik in der Wissenschaftlerstadt von Novosibirsk
beobachtet Rudolf Sagainik, wie er unverblümt sagt, "daß es seitens der
Regierung offensichtlich keinen Druck auf uns gibt, nach Produkten zu
suchen. Wir werden gleichbleibend finanziell gefördert, ohne gegängelt
zu werden". Der Chemiker Yermakoff erklärt, für nur 40 Prozent der in
seinem Institut'geleisteten Arbeit gebe es irgendwelche industriellen
Anwendungsmöglichkeiten. "Wir haben viel Freiheit in der Wahl unserer
Sachthemen". Der führende sowjetische Wirtschaftler Abel Aganbegyan ist
darüber verärgert. "Es gibt zu viele Leute, die eigenmächtig handeln,
zuviel komplizierte Bürokratie und nicht genug Zusammenarbeit", erklärt
er.
Diese Betonung
- 5 -

�Diese Betonung der theoretischen Seite.wissenschaftlicher Arbeit hat
ihre Wurzeln im vergangenen Jahrhundert, als die russische Industrie
etwa zur Hälfte im Besitz ausländischer Firmen war. Da so viel Technologie aus ausländischer Forschung einströmte, zogen sich russische Forscher auf Gebiete mit viel theoretischer Arbeit wie Mathematik und Physik zurück. Dies änderte sich mit der Revolution,und es wurden Dutzende
von Forschungsinstituten mit dem Ziel gegründet, die Industrie wieder
auffeubauen. Lenin selbst definierte den Kommunismus einmal als "Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes". Aber die Blütezeit
praktischer Forschung fand Ende der zwanziger Jahre ein jähes Ende,
als durch die Säuberungsaktionen Stalins viele hervorragende Wissenschaftler verhaftet und hingerichtet wurden. Wichtige Forschungsgebiete, von der Genetik bis zur Kybernetik, kamen als antimarxistisch
in Acht "nd Bann, und die Forschung der Sowjetunion fiel auf vielen Gebieten noch weiter hinter die des Westens zurück.
Mit dem Tod Stalins im Jahr 1953 kam ein mächtiger Anstoß von Seiten der Sowjets, um aufzuholen. Der sowjetische Genetiker Zhores
Medvedjev, ein Dissident, der jetzt in England arbeitet, sagt: "Chruschtschow war von der amerikanischen Forschung und Landwirtschaft ganz besonders beeindruckt und glaubte, die UdSSR könne mit der amerikanischen
Technologie gleichziehen, indem sie diese einfach nachahmt".
Das "Massachusetts Institute of Technology" und das "California
Institute of Technology" hatten bei Chruschtschow anläßlich seines
Besuchs der Vereinigten Staaten einen tiefen Eindruck hinterlassen.
Er entschied, daß ähnliche Zentren in Rußland die rückständige sowjetische Wissenschaft rasch voranbringen würden, wovon ihrerseits die
Wirtschaft profitieren werde. Die Wissenschaftlerstadt von Novosibirsk,
Akademgorodok genannt, war das größte der

Forschungszentren; klei-

nere wurden in anderen sowjetischen Städten eröffnet.
Bis zum

�Bis zum Jahr 1963 waren in Akademgorodok, heute ein hübscher Vorort
von Novosibirsk, mehr als 40 Forschungsinstitute gebaut worden. Junge
Wissenschaftler wurden mit dem Versprechen nach Sibirien gelockt, ihnen
dort schöne Wohnungen, schnelles Vorwärtskommen und gutausgestattete
Laboratorien zu bieten. Eine Bibliothek mit'fünf Millionen Bänden wurde
von Moskau antransportiert. Es wurde eine Universität gegründet und
eine mathematisch-naturwissenschaftliche Hochschule eröffnet, um die
Besten im Lande durch die Universität und in die Institute zu schleusen.
Heute werden nur wenige Wissenschaftler von außerhalb von den Verheißungen Novosibirsks angezogen,sagt Medvedjev. "Nach wie vor kommt
die beste Forschung aus Moskau"und Leningrad", ist seine Meinung. Der
Grund dafür ist der Ruf der Verwaltung

von Akademgorodok, abweichende

Meinungen, die unter Wissenschaftlern immer dicht unter der Oberfläche
vorhanden sind, zu unterdrücken. "Novosibirsk ist konservativ und steht
unter strengerer Kontrolle als Moskau und Leningrad", sagt er.
Medvedjev zufolge mußten in der Vergangenheit die Behörden auf
jüngere, liberalere Wissenschaftler zurückgreifen. Es habe auch mit der
Arbeiterschaft in Novosibirsk Probleme gegeben, die die Privilegien der
Wissenschaftler, z.B. Lebensmittel-Sonderrationen, übelnahmen.
Der Kontrast zur Stadt Novosibirsk mit ihren Menschenschlangen vor
Lebensmittelläden, mit schlecht gekleideter Bevölkerung und häßlichen
Bauten ist nur zu offensichtlich. Akademgorodok ähnelt eher einem Vorort von Washington als einer Stadt in Sibirien. Seine 60 000 Bewohner,
einschließlich der 3 000 Wissenschaftler, wohnen in baumgesäumten Straßen
nahe einem künstlichen See, Tennisplätzen und guten Restaurants. "Es
ist ein Paradies für Leute, die gerne arbeiten", meint der Physiker
Nikolai Dikansky.
Wohnen in

�Wohnen in Nowosibirsk, luxuriös nach sowjetischen Maßstäben, beschreibt ein emigrierter sowjetischer Autor, Mark Popovsky, in seinem
Buch "Wissenschaft in Ketten"^"Ein Vollmitglied der Akademie bewohnt
eine Villa, ein korrespondierendes Mitglied eine halbe Villa; ein älterer Beamter im Forschungswesen besitzt eine Wohnung mit drei Metern
Zimmerhöhe, während ein jüngerer in einer Wohnung mit zweieinhalb Metern Zimmerhöhe in einem höheren Stockwerk und mit Gemeinschaftsbad
lebt".
Trotz der enormen Kapitalinvestitionen in Akademgorodok zweifeln
westliche Experten, daß es das erfüllte, was man sich davon versprach.
Amann kann "keinerlei Beweis erkennen, daß die Sowjetunion fähig war,
ihre eigene Technologie auf breiter Front zu entwickeln".
Ein wesentlicher Nachteil ergibt sich daraus, daß die Stadt der
Sibirischen Akademie der Wissenschaften,der wichtigsten regionalen Unterabteilung der sowjetischen nationalen Akademie untersteht, welche
jedoch gegenüber der Industrie keinerlei Weisungsbefugnisse besitzt.
So gibt es z.B. für den Chemiker Yermakoff keinen Weg, die chemische
Industrie anzuweisen, mit seinem Institut einen Kontrakt über eine
Verarbeitungsanlage abzuschließen,und der Kontrakt muß an westliche
Firmen gehen. "Unser ständiges Thema bei Gesprächen mit dem Ministerium
ist es, die Leute zu überreden, keine westlichen Produkte zu kaufen,
sondern unsere eigenen zu entwickeln - aber das Ministerium will ja weiter nichts als Zeit sparen", sagt er.
Im Computer-Zentrum führt Vadim Kotov, stellvertretender Direktor
für Informatik, Klage darüber, daß erst in den neunziger Jahren rechnergesteuerte Kontrollen breite Anwendung in der Sowjetindustrie finden
werden. Sein Institut habe die richtigen Computer und Programme entwickelt, aber der Maschinenpark in vielen Betrieben sei so veraltet,
daß er nicht auf Computer umgestellt werden könne. Und zu versuchen,

- 8 -

�Und zu versuchen, Betriebsmanager zu Investitionen für neue Maschinen
zu überreden, sei eine gewaltige Hürde. "Wir müssen wie Missionare vorgehen, um die Leute zu überreden", erklärt er.
Manche Wissenschaftler kamen zu dem Schluß, daß sie, wenn sie ihre
Ideen verwirklicht sehen wollten, die Produkte selbst herstellen müßten.
So wurde z.B. ein Teil des Instituts für Nuklearphysik in eine Fabrik
mit 1 000 Arbeitern verwandelt, die Produkte herstellt, welche von Hochspannungskabeln bis zu komplizierten Bestrahlungsgeräten für die chemische und biologische Forschung reichen.
Anfang der sechziger Jahre begann das Institut die modernen Ausrüstungen, die es benötigte und nicht bekommen konnte, selbst zu bauen.
Seitdem hat es seine Geräte an andere Laboratorien in der Sowjetunion
und Osteuropa verkauft, und kürzlich verkaufte es einen Teilchenbeschleuniger an Japan. Institutsdirektor Alexander Skrinsky erklärt, das Institut sei ermächtigt, selbst den Preis auszuhandeln und Verkäufe mit Gewinn zu machen. "Mehr als die Hälfte unserer Forschungsfinanzierung
kommt aus der Herstellung unserer eigenen Ausrüstungen", berichtet er.
In den Werkstätten des Instituts für theoretische Forschung werden
Nebenprodukte entwickelt. Zu diesen gehört z.B. ein Elektronengenerator
für die Sterilisierung von Getreide und ein Gerät, das Laborpersonal
und medizinisches Personal vor zu hoher Exposition durch Röntgenstrahlung
schützt. Das Schwierigste sei jedoch, so Skrinsky, die Geräte an Betriebsmanager zu verkaufen. Das Institut verfügt nicht über Verkäufer und annonciert nicht. Deshalb müssen die Wissenschaftler selbst von Betrieb
zu Betrieb ziehen, um Verkaufsaufträge zu bekommen.
Für Wissenschaftler, die nur Ideen zu verkaufen haben, sind die Probleme noch viel größer. Bis vor ein paar Jahren waren für eine Idee bis
zu zehn Jahren erforderlich, um den Weg vom Labor bis in die Massenproduktion zu bewältigen. Um diesen Prozeß zu beschleunigen, schufen

- 9 -

�beschleunigen, schufen verschiedene Ministerien und die Akademie der
Wissenschaften ein System von technischen Werkstätten, Konstruktionsbüros genannt. Der Geologe Trofimuk behauptet, diese hätten die Zeitspanne bis zur industriellen Anwendung auf die Hälfte verkürzt. Er räumt
jedoch ein, daß die Ministerien die Konstruktionsbüros nicht voll
nutzen. Nach Ansicht des Wissenschaftlers Aganbegyan besteht das Problem darin, daß die Ingenieure in den Büros nicht eng genug mit der
Industrie zusammenarbeiten.
m

Dem Verfasse^ dieses Artikels wurde nicht gestattet, Konstruktionsbüros zu besuchen, die für ein Industrieunternehmen arbeiten; er konnte
t

jedoch ein Büro besuchen, das von der Akademie der Wissenschaften betrieben wird. Direktor Genady Sobstel schien sich allerdings schwer zu
tun, genau zu erklären, womit sich sein aus 400 Leuten bestehender Mitarbeiterstab neben Konstruktionen von Steuerungen für ein Teleskop noch
beschäftigte. Die Aufgabe seines Büros konnte er nur so beschreiben,
daß man dort "Ideen testet".
•

+ + + + +

�15. September 1982

36

USA WOLLEN GROSSE VORSICHT BEI NUKLEARLIEFERUNGEN OBEN
Ziel ist Verhinderung der Weiterverbreitung von Atomwaffen -

WASHINGTON - (AD) - Der Stellvertretende Energieminister der Vereinigten
Staaten, W. Kenneth Davis, hat vor dem Kongreß betont, daß Amerika weiterhin
bei der Lieferung sensitiver nuklearer Technologie, Einrichtungen oder Materealien sehr selektiv vorgehen und sicherstellen werde, daß keine Gefahr
einer Weiterverbreitung von Kernwaffen besteht.

Die von Präsident Reagan am

16. Juli 1981 festgelegte Politik auf diesem Gebiet betrachte die Nonproliferation als grundlegendes nationales Interesse.

Auf der anderen Seite müßten

andere Länder die Vereinigten Staaten als stabilen und zuverlässigen Partner
erkennen, wenn die USA eine Möglichkeit der positiven Einflußnahme auf deren
Nuklearpolitik gewinnen wollten, so erklärte Davis am 8. September 1982 vor
dem Unterausschuß des Außenpolitischen Ausschusses des amerikanischen Repräsentantenhauses.
Die wesentlichen Auszüge aus der Erklärung des Stellvertretenden Energieministers haben folgenden Wortlaut:
Präsident Reagan und seine Administration sind fest und positiv dem Ziel
verpflichtet, die Weiterverbreitung nuklearer Sprengkörper zu verhindern, wie

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�verhindern, wie das bisher alle amerikanischen Administrationen getan haben...
Wenn sich auch die Methode zur Erreichung des Ziels der Verhinderung der nuklearen Proliferation in mancher Hinsicht von der früherer Administrationen unterscheiden mag, so darf die Ernsthaftigkeit dieser Verpflichtung doch nicht
in Frage gestellt werden...
Am 16. Juli 1981 hat Präsident Reagan die Politik dieses Landes bezüglich der Nonproliferation und der nuklearen Kooperation festgelegt. Die Vereinigten Staaten werden, wie Präsident Reagan sagte:
- die Ausbreitung von nuklearen Sprengkörpern auf weitere Länder zu verhindern suchen...,
- die Motivation für den Erwerb nuklearer Sprengkörper durch Verbesserung
der regionalen und globalen Stabilität... zu verbessern suchen,
- weiterhin für den Beitritt zum Nichtweiterverbreitungsvertrag (NPT)
und zum Vertrag von Tlatelolco... durch jene Länder eintreten, die diese Vorschläge noch nicht akzeptiert haben,
- eine materielle Verletzung dieser Verträge oder eines internationalen
Abkommens über Sicherheitsbestimmungen als eine Sache ansehen, die tiefgreifende Folgen für die internationale Ordnung und die bilateralen Beziehungen
der Vereinigten Staaten hat, und auch eine nukleare Explosion durch einen
Nichtatomwaffenstaat als eine ernste Angelegenheit betrachten,
- die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) weiterhin nachdrücklich
unterstützen und mit anderen Ländern zu ihrer Stärkung zusammenarbeiten...,
- nach wirksameren Mitteln und Wegen suchen, um mit anderen Ländern ein
Abkommen über Maßnahmen zur Bekämpfung des Risikos der Proliferation zustandezubringen,
- weiterhin dem

�- weiterhin dem Transfer sensitiver nuklearen Materials, Geräts und
sensitiver nuklearer Technologie Einhalt zu gebieten suchen, vor allem wo
die Gefahr der Proliferation dies erfordert, und ein Abkommen anstreben,
das IAEA-Sicherheitsgarantien für alle nuklearen Tätigkeiten in einem Nichtatomwaffenstaat als Vorbedingung für jede bedeutsame nukleare Lieferungsverpflichtung nötig macht.
Wir sind der Überzeugung, daß die Vereinigten Staaten in ihren internationalen nuklearen Beziehungen selektiv sein und zwischen Ländern, Regionen
und Umständen unterscheiden müssen, die Proliferationsrisiken darstellen,
und solchen, die es nicht tun. Wir werden daher weiterhin davon Abstand nehmen, kritische oder sensitive Technologie, Einrichtungen oder Materialien zu
verkaufen - einige wenige Länder ausgenommen, wo eine solche Kooperation angebracht ist und kein Proliferationsrisiko mit sich bringt. Wir werden weiterhin alle möglichen Schritte unternehmen, um sicherzustellen, daß die anderen
nuklearen Länder eine ähnliche Haltung einnehmen.
Der Präsident hat in seiner Erklärung vom 16. Juli ferner darauf hingewiesen, daß er die zivile Wiederaufbereitung und die Entwicklung von Brutreaktoren in Ländern mit modernen Kernkraftprogrammen nicht hemmen oder zurückdrängen will, wenn dies kein Proliferationsrisiko mit sich bringt.
Für Japan und jene EURATOM-Länder, die moderne Kernkraftprogramme haben,
wollen wir die ernsten Spannungen abbauen, die sich in der Vergangenheit in
unseren Beziehungen zu diesen Ländern ergeben haben, weil sie die Vorstellung
hatten, wir würden ihre einheimischen Nuklearprogramme zu hemmen versuchen,
von denen ihre Anstrengungen zur Selbstversorgung mit Energie abhängen. All
diese Länder haben bezüglich der Nonproliferation einen ausgezeichneten Ruf
und haben den NPT entweder ratifiziert oder sich verpflichtet, sich an seine
Bestimmungen zu halten.
Ein weiterer Faktor, den wir in unseren nuklearen Beziehungen zu anderen
Ländern nicht außer acht lassen dürfen, ist, daß die Vereinigten Staaten nicht

- 3 -

�Staaten nicht mehr den beherrschenden Einfluß im internationalen Nuklearhandel und in der Nukleartechnologie besitzen, dessen wir uns früher erfreuten. Das bedeutet, daß wir von unilateralen Aktionen abkommen und statt
dessen die Kooperation mit unseren Nuklearpartnern unterstreichen müssen,
um unsere Nonproliferationsziele zu erreichen. Wenn uns das nicht gelingt,
dann wird das zu einer weiteren Aushöhlung des Vertrauens in die Vereinigten
Staaten und damit zu einem noch größeren Verlust an Einfluß und zu weiteren
Reibungen mit anderen Staaten führen.
Die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, die Richtung der Nuklearpolitik
und der Nonproliferationspolitik anderer Länder positiv zu beeinflussen, wird
in großem Maße von unserer Fähigkeit abhängen, das Vertrauen des Auslandes
wiederzugewinnen, sowie von der Vorstellung, daß die Vereinigten Staaten ein
stabiler und zuverlässiger Nuklearpartner sind.
Leider ist in den letzten Jahren durch einige abrupte Änderungen der ame
rikanischen Politik und Verfahren für den Nuklearexport ein Verlust an Vertrauen in die Vereinigten Staaten als nuklearer Lieferant und eine deutliche
Tendenz bei einigen Verbraucherländern eingetreten, sich für die Wiederaufbereitung und nukleares Gerät an andere Liferanten zu wenden. Obwohl man wahrscheinlich angesichts der Ausweitung der ausländischen Nuklearindustrie unausweichlich mit einer gewissen Diversifizierung rechnen mußte, bin ich überzeugt, daß einige der Abwanderungen von den Vereinigten Staaten auf die Vorstellung zurückzufahren waren, daß die amerikanische Nuklearexportpolitik instabil sei und man mit einseitigen Änderungen rechnen müsse.
Diese Vorstellung hat auf jeden Fall dazu geführt, den amerikanischen
Einfluß im Ausland zu verringern. Um dieses Image wieder zu korrigieren,
hat die Administration eine große Anstrengung unternommen, um die Vereinigten
Staaten wieder als einen vorhersagbaren und zuverlässigen Nuklearpartner darzustellen.

+ + + + +

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