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                  <text>1. September 1982

34
INHALT

Ü

DOKUMENTATION
Reagan unterstreicht friedenserhaltende Rolle der US-Truppen im Libanon
- Schreiben des Präsidenten an den Kongreß Weinberger:

Ziel der USA ist die Abschreckung vor einem Atomkrieg

- Brief des amerikanischen Verteidigungsministers an die Presse INFORMATION
US-Erklärung zum Jahrestag der "Solidarität"
- Ein auf dramatische Weise hoffnungsvolles Ereignis für die ganze Welt
USICA wieder in USIA umbenannt
HINTERGRUNDMATERIAL
USA rechnen mit internationaler Hilfe für den Libanon
- AID-Direktor McPherson in Beirut AFL-CIO:

Recht auf Freiheit des Zusammenschlusses

- Aufruf zum Labor Day Die Mauer von Warschau
- Ein Kommentar der Stimme Amerikas Die Unterdrückung der Kriegsgegner in der Sowjetunion
- Chronologie WISSENSCHAFT UND TECHNIK

^ M

Satelliten-Brücke zu einer besseren Zukunft
- UN-Organisationen sollen wirksamere Anwendung der Raumfahrttechnik
fordern - ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ _ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ _

Um Übef/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

1. September 1982

34

REAGAN UNTERSTREICHT FRIEDENSERHALTENDE ROLLE DER
US-TRUPPEN IM LIBANON
- Schreiben des Präsidenten an den Kongreß -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 25. August 1982 den US-Kongreß offiziell von der Entsendung amerikanischer Marinesoldaten nach dem Libanon unterrichtet und die friedenserhaltende Rolle des amerikanischen Kontingentes unterstrichen. In einem Schreiben an den Sprecher des Repräsentantenhauses und den Präsidenten pro tempore des Senats, zu dem er aufgrund der War Powers
Resolution (Resolution hinsichtlich der Kriegsführungsvollmacht des Präsidenten)
verpflichtet ist, betonte Reagan, es sei nicht beabsichtigt und nicht zu erwarten, daß die amerikanischen Truppen in Feindseligkeiten verwickelt würden. Das
amerikanische Kontingent werde innerhalb von 30 Tagen wieder abgezogen werden.
Das Schreiben Reagans hat folgenden Wortlaut:
Am 8. August 1982 legte die Regierung des Libanon einen Plan für den Abzug der Führung, der Offiziere und der Kombattanten der Palästinensischen Be-

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�Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) aus Beirut vor. Dieser Plan
wurde von der israelischen Regierung akzeptiert. Die Palästinensische Befreiungsorganisation hat der libanesischen Regierung mitgeteilt, daß sie
diesen Plan ebenfalls akzeptiert hat. Ein entscheidender Punkt dieses Planes ist die Notwendigkeit einer multinationalen Streitmacht, die ein amerikanisches Kontingent einschließt, um die Regierung des Libanon bei der Erfüllung ihrer Verantwortungen hinsichtlich des Abzuges der PLO-Leute unter sicheren und ordnungsgemäßen Bedingungen zu unterstützen. Dies wird die Wiederherstellung der Souveränität und der Autorität der libanesischen Regierung
über das Gebiet von Beirut erleichtern.
Als Antwort auf das formelle Ersuchen der Regierung des Libanon und angesichts des Erfordernisses einer solchen Streitmacht, um die Annahme des Abzugsplanes seitens der betroffenen Parteien zu gewährleisten, habe ich die
Streitkräfte der Vereinigten Staaten zu einer Beteiligung auf begrenzter und
temporärer Basis ermächtigt. In Obereinstimmung mit meinem Wunsch, daß der
Kongreß über diese Angelegenheit voll und ganz unterrichtet wird, und entsprechend der War Powers Resolution unterbreite ich hiermit einen Bericht über
die Dislozierung und Aufgaben dieser Angehörigen der Streitkräfte der Vereinigten Staaten.
Am 21. August wurden in Obereinstimmung mit dem Abzugsplan etwa 350 französische Soldaten - die Vorauseinheiten der multinationalen Streitmacht - zusammen mit Einheiten der libanesischen Streitkräfte nach Beirut entsandt, und
der Abzug der PLO-Leute begann. Bis heute hat das palästinensische Personal
gemäß den Bestimmungen des Planes den Libanon verlassen.
Am 25. August trafen rund 800 Marinesoldaten der Vereinigten Staaten
in Beirut ein. Diese Truppen sind mit Waffen ausgerüstet, die ihrer nichtkombattanten Mission entsprechen, einschließlich normaler Infanteriewaffen.
Im Rahmen unseres Abkommens mit der Regierung des Libanon wird dieses
amerikanische Militärpersonal die libanesische Regierung bei der Durchfüh-

- 2 -

�der Durchführung ihrer Verantwortlichkeiten hinsichtlich des Abzugs der PLOLeute unter sicheren und ordnungsgemäßen Bedingungen unterstützen. Die Präsenz unserer Truppen wird somit die Wiederherstellung der Souveränität und
der Autorität der libanesischen Regierung im Raum Beirut erleichtern. Unsere
Truppen werden in enger Zusammenarbeit mit den libanesischen Streitkräften
operieren, die für diese Aufgabe 2500 bis 3500 Mann abgestellt haben, sowie
mit insgesamt 800 französischen und 400 italienischen Soldaten der multinationalen Streitmacht. Der Transport des abziehenden Personals wird über kommerzielle Luft- und Seetransportmittel sowie auf dem Landwege durchgeführt. Entsprechend unserem Abkommen mit der Regierung des Libanon wird das amerikanische Militärpersonal innerhalb von 30 Tagen aus dem Libanon abgezogen.
Ich möchte unterstreichen, daß nicht beabsichtigt ist oder erwartet wird,
daß die amerikanischen Streitkräfte in Feindseligkeiten verwickelt werden. Sie
befinden sich im Libanon auf formelles Ersuchen der Regierung des Libanon.
Unser Abkommen mit der libanesischen Regierung schließt jeden Kampfeinsatz
der amerikanischen Truppen aus. Alle bewaffneten Elemente in diesem Raum haben zugesichert, daß sie keine Maßnahmen ergreifen werden, die die Verwirklichung des Abzugsplanes oder die Aktivitäten der multinationalen Streitmacht
stören würden. (Der Abzug läuft nun schon seit einigen Tagen, und bisher wurden diese Zusicherungen eingehalten). Und schließlich stellt der Abzugsplan
klar, daß im Falle des Zusammenbruchs seiner Durchführung die multinationale
Streitmacht abgezogen wird. Obwohl wir vereinzelte Gewaltakte nicht ausschließen können, sind sonst alle angemessenen Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden,
um die Sicherheit des amerikanischen Militärpersonals während des kurzen Einsatzes im Libanon zu gewährleisten.
Die Entsendung der amerikanischen Truppen in den Libanon erfolgt aufgrund der verfassungsmäßigen Vollmacht des Präsidenten hinsichtlich der Gestaltung der außenpolitischen Beziehungen und als Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Vereinigten Staaten.
Diese Maßnahme

- 3 -

�Diese Maßnahme als solche wird die Situation im Libanon nicht lösen,
geschweige denn die Probleme, die diese Region seit mehr als 30 Jahren heimgesucht haben. Aber ich bin der Ansicht, daß sie die Aussichten auf eine Verwirklichung unserer Ziele im Libanon verbessern wird, nämlich:
-

eine dauerhafte Einstellung der Feindseligkeiten;
die Schaffung einer starken, repräsentativen Zentralregierung;
den Abzug aller ausländischen Truppen;
die Wiederherstellung der Kontrolle der libanesischen Regierung in
allen Teilen des Landes; und
- die Schaffung von Verhältnissen, unter denen der Libanon nicht mehr als
Ausgangspunkt für Angriffe gegen Israel benutzt werden kann.
Ich bin fernerder Oberzeugung, daß Fortschritte in bezug auf das LibanonProblem zu einer Atmosphäre in diesem Gebiet bei tragen werden,die notwendig ist
für Fortschritte in Richtung auf die Schaffung eines umfassenden Friedens in
dieser Region unter dem Abkommen von Camp David, fest gestützt auf die Resolutionen 242 und 338 des Weltsicherheitsrates.

+ + + + +

k

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

1. September 1982

34

WEINBERGER: ZIEL DER USA IST DIE ABSCHRECKUNG VOR
EINEM ATOMKRIEG
Brief des amerikanischen Verteidigungsministers an die Presse -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar
Weinberger erklärte am 24. August 1982 in einem offenen Brief, den das USVerteidigungsministerium aieine Reihe wichtiger Zeitungen in Westeuropa, Japan und Australien verschicken ließ, es sei das Ziel der Reagan-Administration "vor allen Arten eines Krieges abzuschrecken, insbesondere aber vor
einem Atomkrieg." Mit dem Hinweis darauf, daß die Sowjetunion eine immer
größere Anzahl von Kernwaffen herstelle, die "weit über den zur Abschrekkung notwendigen Umfang hinausgeht", warnte er gleichzeitig davor, die Sowjets zeigten, daß sie "glauben, einen Atomkrieg beginnen und gewinnen zu
können."
Das Schreiben Weinbergers hat folgenden Wortlaut:
Ich bin in zunehmendem Maß besorgt über Berichte in der Presse, die
diese Administration so darstellen, als plane sie, einen längeren Atomkrieg

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�längeren Atomkrieg zu führen oder sich eine Kapazität zur nuklearen "Kriegsführung" zu beschaffen. Dies ist vollkommen unrichtig, und solche Berichte
stellen die Politik der Administration der amerikanischen Öffentlichkeit sowie unseren Verbündeten und Gegnern im Ausland gegenüber falsch dar.
Es ist das erste und oberste Ziel dieser Administration, alle Schritte
zu unternehmen, um sicherzustellen, daß nie wieder Kernwaffen zum Einsatz gelangen, denn wir glauben nicht daran, daß es in einem Atomkrieg irgendwelche
"Gewinner" geben könnte.
Unsere gesamte Strategie zielt darauf ab, vor allen Arten eines Krieges
abzuschrecken, insbesondere aber vor einem Atomkrieg. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen unsere Streitkräfte in der Lage sein, in maßvoller und kluger
Weise auf die Bedrohung zu reagieren, die von der Sowjetunion ausgeht.
Dies macht die Verbesserungen unserer strategischen Streitkräfte notwendig, wie sie der Präsident vorgeschlagen hat. Aber es bedeutet nicht, daß wir
für das Konzept eines längeren Atomkriegs oder der nuklearen "Kriegsführung"
seien. Es ist die Sowjetunion, die den Eindruck vermittelt, Streitkräfte für
einen "längeren" Konflikt aufzubauen.
Die Politik der Abschreckung ist für manche nur schwer einsichtig, weil
sie sich auf ein Paradox gründet. Dies aber ist ziemlich einfach: nämlich,
die Kosten für einen Atomkrieg viel größer als jeden möglichen Vorteil zu
machen. Wenn die Sowjets im vorhinein wissen, daß ein atomarer Angriff auf
die Vereinigten Staaten eine rasche nukleare Vergeltung mit sich bringen wird,
werden sie von „vornherein nicht angreifen. Sie wären davor "abgeschreckt",
jemals einen Atomkrieg zu beginnen.
An dieser unserer Politik ist nichts neu. Seit Beginn dieses schrecklichen Zeitalters der Atomwaffen waren die Vereinigten Staaten bestrebt, einen
Atomkrieg durch eine Politik der Abschreckung zu verhindern. Diese Politik
fand durch die politischen Prozesse der demokratischen Staaten, die sie

- 2 -

�die sie beschützt, seit mindestens 1950 Zustimmung. Und was noch wichtiger
ist: Sie funktioniert. Sie funktioniert angesichts großer internationaler
Spannungen, die auch die Großmächte miteinbeziehen, und sie funktioniert sogar angesichts des Krieges selbst.
Damit aber die Aschreckung auch in Zukunft erfolgreich bleiben kann,
müssen wir Maßnahmen ergreifen, um die sowjetische Aufrüstung auszugleichen.
Wenn wir nicht jetzt unser Arsenal modernisieren, so wie es die Sowjets seit
nunmehr schon über 20 Jahren getan haben, werden wir innerhalb weniger Jahre
nicht mehr die Möglichkeit zur Vergeltung haben. Die Sowjetunion wäre dann in
einer Position, uns zu bedrohen, ja, sogar uns anzugreifen - in dem Wissen,
daß wir nicht mehr zu einer entsprechenden Reaktion fähig wären.
Wir haben in Polen, in Afghanistan, in Osteuropa und andernorts gesehen,
daß die Sowjetunion nicht zögert, den Vorteil der Tatsache eines schwächeren
Gegners auszunützen. Wir dürfen der Sowjetunion nicht erlauben, zu dem Eindruck zu gelangen, sie könnte einen Atomkrieg gegen uns beginnen - und gewinnen.
Dies ist nicht lediglich müßige Spekulation. Die Sowjetunion ist in einer
rasenden militärischen Aufrüstung begriffen - trotz ihrer wirtschaftlichen
Schwierigkeiten. Sie fährt damit fort, eine immer größere Anzahl von Kernwaffen herzustellen, die weit über den zur Abschreckung notwendigen Umfang hinausgeht. Sie hat jetzt mehr als 5000 nukleare Gefechtsköpfe auf ballistischen
Interkontinentalraketen - im Vergleich zu etwa 2000 vor nur fünf Jahren.
Sie hat die Konstruktionsmerkmale dieser Waffen und ihrer Startanlagen
modifiziert, so daß viele ihrer landgestützten Raketen jetzt zielgenauer,
überlebensfähiger und schlagkräftiger sind als unsere eigenen. Sie hat außerdem eine Nachladekapazität entwickelt, die es ermöglicht, die Abschußsysteme
mehrere Male nachzuladen. Sie verfügt über detaillierte Pläne für den Zivilschutz und für die Luftabwehr gegen jegliche Vergeltung, die wir versuchen
könnten. Und schließlich legen ihre schriftlichen Äußerungen und ihre militärische Doktrin Betonung auf ein Szenario, in dem ein Atomkrieg ausgetragen

�Wie immer auch ihre Absichtserklärungen, die Tatsache bleibt bestehen,
daß sie ihre Waffen in einer Weise und Anzahl entwirft, die uns zeigen, daß
die Sowjets glauben, einen Atomkrieg beginnen und gewinnen zu können.
Angesichts all dessen ist es meine Verantwortlichkeit und meine Pflicht
als Verteidigungsminister, alle Anstrengungen zu unternehmen, um unsere Nuklearstreitkräfte auf eine Weise.zu.modernisieren, daß die Vereinigten Staaten
die Fähigkeit behalten, die Sowjetunion davor abzuschrecken, jemals einen Atomkrieg zu beginnen. Wir müssen die notwendigen Schritte unternehmen, um der gewaltig erhöhten Nuklearkajjazität der Sowjetunion ebenbürtig zu sein.
Aus eben diesem Grund brauchen wir eine Kapazität zur überlebensfähigen
und dauerhaften Reaktion - um zu demonstrieren, daß unsere strategischen Streitkräfte die sowjetischen Schläge über einen längeren Zeitraum hinweg überleben
könnten. Wir glauben, auf diese Weise vor jedem Angriff abschrecken zu können.
Sonst würden wir sie in die Versuchung führen, ihre Kernwaffen einzusetzen oder
den Versuch zu machen, uns zu erpressen. Kurz: Wir können es uns nicht leisten,
uns in eine Position zu bringen, in der die Überlebensfähigkeit unserer Abschrekkung den Präsidenten dazu zwingen würde, zwischen dem Einsatz unserer strategischen Streitkräfte, bevor sie zerstört wären, oder aber dem Aufgeben zu wählen.
Diejenigen also, die sich gegen eine Politik stellen, die unsere Abschrekkung stärken würde, würden uns in eine gefährlichere, provozierende Lage zwingen. Waffen, die im ersten Augenblick eines feindlichen Angriffes eingesetzt
werden müssen, sind nicht das Werkzeug für eine kluge Strategie.
Eine Haltung, die zu nuklearem Abenteurertum der Sowjets ermuntert, ist
nicht die Grundlage für eine wirksame Abschreckung. Unser gesamtes strategisches Programm, einschließlich der Entwicklung einer Reaktions-Kapazität, die
in jüngster Zeit in der Presse so verleumdet worden ist, wurde mit der ausdrücklichen Absicht entworfen, sicherzustellen, daß es nie zur Austragung
eines Atomkriegs kommen wird
T „ u „ .„

- 4 -

�Ich weiß, daß diese Doktrin der Abschreckung ein Paradox ist, das schwer
zu verstehen ist. Es ist dies ein unerfreulicher Weg, den Frieden zu bewahren.
Wir verstehen das Wesen der Abschreckung und akzeptieren die Tatsache, daß wir
viel mehr tun müssen, um den Frieden auch weiterhin zu erhalten. Es ist meine
inbrünstige Hoffnung, daß dies alle verstehen und akzeptieren können, damit
wir jene Art der sensationslüsternen Verwendung des einmal gebrauchten Wortes
"nuklear" vermeiden können, die nur dazu dient, unsere Politik zu verzerren und
die Menschen in der ganzen Welt zu ängstigen. Unsere Politik ist der Frieden,
und wir sind der tiefen Oberzeugung, daß der beste und sicherste Weg zum Frieden die Sicherung und Aufrechterhaltung einer wirksamen und glaubwürdigen Abschreckung ist.
Es bleibt Ziel und Zweck der amerikanischen Politik, durch eine wirkungsvolle Politik der Abschreckung eine Aggression zu verhindern, wie dies gerade
das Ziel war, das die Gründung des Nordatlantischen Bündnisses mit sich brachte
- eines Bündnisses, das heute noch genauso vital ist wie an dem Tag, da es geschaffen wurde.

+ + + + +

- 5 -

�1. September 1982

34

US-ERKLÄRUNG ZUM JAHRESTAG DER SOLIDARITÄT
- Ein auf dramatische Weise hoffnungsvolles Ereignis
für die ganze Welt -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium unterstrich in
einer Erklärung zum zweiten Jahrestag der Gründung der polnischen Gewerkschaft
"Solidarität", daß diese Gründung ein "auf dramatische Weise hoffnungsvolles
Ereignis für die ganze Welt" sei. Der Sprecher des Außenministeriums, John
Hughes, erklärte am 31. August 1982, "die Demonstrationen in den polnischen
Städten heute zeigen erneut, daß Unterdrückung die Probleme Polens nicht lösen
wird und daß eine Versöhnung zwischen den staatlichen Autoritäten, der Kirche
und der 'Solidarität' dringend notwendig ist".
Die Erklärung des Sprechers, mit dem Titel "Solidarität: im Jahre zwei",
hat folgenden Wortlaut:
Dies ist heute der zweite Jahrestag der Unterzeichnung der Danziger Abkommen, des formellen Gründungstages der Gewerkschaftsbewegung "Solidarität"
in Polen.
Das Auftreten

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�Das Auftreten der "Solidarität" war ein auf dramatische Weise hoffnungsvolles Ereignis für die ganze Welt.

Für diejenigen von uns, die in Freiheit

leben, vergrößerte die Gründung der "Solidarität" und ihre Programm für Reformen unsere Hoffnung, daß vielleicht doch ein friedlicher Wandel und der Genuß der grundlegenden Menschenrechte in eine geschlossene, kommunistische Gesellschaft gelangen könnten. Und bei jenen, die heute in geschlossenen Gesellschaften leben, die aber nach einem größeren Maß an Freiheit verlangen,
um ihr eigenes Geschick zu bestimmen, weckte die "Solidarität" die Hoffnung,
daß eine freie und geeinte Organisation arbeitender Männer und Frauen den
Schlüssel bilden könnte für einen gerechteren Anteil an den Früchten ihrer
Arbeit und für eine bessere Zukunft.
Die "Solidarität" entstand in einem Umfeld des wirtschaftlichen Versagens,
und des Niedergangs - und war nicht, wie oft behauptet worden ist, deren Ursache. Ihre Verleumder, die dies unterstellen, versuchen, die Geschichte
umzuschreiben. Lange Jahre des wachsenden wirtschaftlichen Chaos, der Korruption amtlicher Stellen, der Machtausweitung der Bürokratie der kommunistischen
Partei auf Kosten der Gesellschaft, Nahrungs- und Brennstoffmangel - kurz,
eine soziale und wirtschaftliche Krise von gewaltigen Ausmaßen: All dies
spielte eine Rolle für das Auftreten der Streikbewegungen im Juli 1980 und
für die Geburt der "Solidarität".
Im Verlauf des Herbstes 1980 und des Frühjahrs 1981 wuchs die "Solidarität
in Polen an und gab dem polnischen Volk ein Mittel an die Hand, den Ablauf
des nationalen Lebens zu beeinflussen. Es gab keine Tumulte, keine Anarchie,
keinen Bürgerkrieg und keine blutigen Konfrontationen. Es gab nur die entschlossenen Arbeiter, die bestrebt waren, in Ernst und in gutem Glauben mit
der zögernden Regierung und ihren Behörden zu verhandeln. Die Leistungen der
"Solidarität" in den ersten 16 Monaten ihrer Existenz waren bemerkenswert.
- Eine noch nie dagewesene Mitgliedschaft (10 Millionen registrierter
Mitglieder in einer Gesamtbevölkerung von 36 Millionen und einer Gesamtbeschäftigtenzahl von 20 Millionen);
- innovative

�- innovative Verhandlungen, die durch formelle Abkommen mit der Regierung
zu verbesserten Arbeitsbedingungen, -stunden und-löhnen beitrugen;
- eine noch nie zuvor erlebte Einigkeit unter den Arbeitern, die es bis
zum heutigen Tag gibt.
Aber unter der Führung von Lech Walesa bestand die wichtigste Errungenschaft der "Solidarität" darin, dem polnischen Arbeiter seine Würde als wertvolles und produktives Mitglied seiner eigenen Gesellschaft zurückzugeben und nicht mehr länger nur als Teil einer arbeitenden "Masse" oder als ein
"Produktionsfaktor" entwertet zu sein.
Im vergangenen Dezember versuchte das polnische Militärregime auf Betreiben der Sowjets, die Hoffnungen, die die "Solidarität" geweckt hatte, zu
unterdrücken. Aber die Ideen, die ihren Ausdruck in der "Solidarität" fanden,
werden nie sterben. Einfache Forderungen - wie ein sicherer Arbeitsplatz,
gerechte Löhne, gerechte Aufteilung zwischen der in der Fabrik und bei der
Familie verbrachten Zeit - wie auch tieferes Verlangen - etwa nach der Würde
des arbeitenden Menschen, auf friedliche Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit, dem Recht auf Meinungs- und Informationsfreiheit, dem Recht, Mißstände
vorzubringen und darüber zu verhandeln - können nicht für immer durch Gewalt
erstickt oder hinter Gefängnistoren zum Schweigen gebracht werden.
Die Demonstrationen in den polnischen Städten heute zeigen erneut, daß
Unterdrückung die Probleme Polens nicht lösen wird und daß eine Versöhnung
zwischen den staatlichen Behörden, der Kirche und der "Solidarität" dringend
notwendig ist.
Die Welt bewundert noch immer die "Solidarität", da diepolnischen Arbeiter
ihren zweiten Gründungstag begehen und wünscht ihr ein langes, fruchtbares und
erfolgreiches Leben.
Was uns

�Was uns angeht, so werden wir zum Beweis unserer Achtung vor den freiheitlichen Zielen, die die "Solidarität" vertritt, die Politik des Präsidenten
fortsetzen, die darauf abzielt, die Versöhnung in Polen durch die Freilassung
der Gefangenen, durch eine Aufhebung des Kriegsrechts und durch die Wiederherstellung des Dialogs zwischen der "Solidarität" , der Kirche und der Regierung zu fördern.

+ + + + +

�1. September 1982

34

USICA WIEDER IN USIA UMBENANNT

WASHINGTON - (AD) - Das US-Amt für Internationale Kommunikation (USICA),
das diesen Namen von 1978 bis 1982 trug, ist durch eine Maßnahme des amerikanischen Kongresses wieder offiziell in US-Informationsamt (USIA) umbenannt worden. Präsident Reagan unterzeichnete am 24. August 1982 ein Gesetz, in dessen
Rahmen die Mittel für dieses Amt bereitgestellt werden und die Namensänderung
vorgesehen war. Die Auslandstätigkeiten dieses im Jahre 1953 ins Leben gerufenen Amtes werden wieder unter der Bezeichnung US-Informatior.sdienst (USIS) firmieren.
Das US-Informationsamt ist ein unabhängiger Teil der Exekutive und für
die Informations- und Kulturprogramme der amerikanischen Regierung im Ausland
verantwortlich. Dazu gehören auch die "Stimme Amerikas" sowie das FulbrightStipendienprogramm. USIA, das 202 Außenstellen in insgesamt 124 Ländern unterhält, gibt weitgefächerte Mediendienste heraus, unterstützt Austauschprogramme,
veranstaltet Ausstellungen und betreibt ein weltweites System amerikanischer
Bibliotheken und Kulturzentren.
n „ ..«, T r
Das US-Informationsamt

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�Das US-Informationsamt wurde im April 1978 in US-Amt für Internationale
Kommunikation umbenannt, als die Informations- und Rundfunktätigkeiten mit
den Funktionen des Büros für Erziehungs- und Kulturfragen des amerikanischen
Außenministeriums zusammengelegt wurden. Der neue Name wurde jedoch weder in
den USA noch im Ausland so recht akzeptiert. USIA-Vertreter sind der Ansicht,
daß die Umbenennung das Prestige von USIS im Ausland fördern, gewisse Verwirrung beseitigen und den Angesprochenen die Zielsetzungen des Amtes verdeutlichen wird: ein besseres Verständnis für die Vereinigten Staaten und ihre Politik zu schaffen.

+ + + + +

- 2 -

�1. September 1982

34

USA RECHNEN MIT INTERNATIONALER HILFE FÜR DEN LIBANON
- AID-Direktor McPherson in Beirut -

BEIRUT - (AD) - Der Direktor des US-Amtes für internationale Entwicklung
(AID), M. Peter McPherson, teilte am 31. August 1982 mit, daß die Vereinigten
Staaten dem Libanon Geldmittel für den Wiederaufbau des vom Krieg zerstörten
Landes zur Verfügung stellen werden. Gleichzeitig sprach er die Erwartung
aus, daß auch "die anderen Freunde" des Libanon Unterstützung gewähren und
die Hilfeleistungen somit zu einem internationalen Bemühen würden.
Nach einem zweitägigen Besuch des Libanon gab McPherson folgende Erklärung ab:
Dies ist mein zweiter Besuch des Libanon während der letzten zwei Monate.
Im Verlauf meines gegenwärtigen Aufenthaltes bin ich mit hohen Vertretern
der libanesischen Regierung zusammengetroffen, darunter mit dem Präsidenten,
dem neugewählten Präsidenten, Vertretern freiwilliger Hilfsorganisationen und
internationaler Institutionen sowie mit Angehörigen der amerikanischen Botschaft.
Die Gespräche

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�Die Gespräche ließen erkennen, daß die unmittelbaren Erfordernisse hinsichtlich der Katastrophenhilfe im Libanon weitgehend gedeckt sind.

Obwohl

weiterhin eine anhaltende Erfassung und Oberprüfung erforderlich ist und Unterkünfte für etwa 60 000 Menschen gestellt werden müssen, bevor die Herbstregenfälle beginnen, ist die Frage des Wiederaufbaus in Westbeirut und im
Süden des Landes doch eine andere Sache.
beirut ist überaus groß.

Das Ausmaß der Zerstörung in West-

Es müssen jedoch genaue Erfassungen an Ort und Stel-

le vorgenommen werden, bevor wir uns ein präzises Bild über die Schäden und
die erforderliche Reaktion darauf machen können.
Die libanesische Regierung wird beim Wiederaufbau die Führung übernehmen.
Wir erwarten, daß auch die anderen Freunde des Libanon Unterstützung gewähren
werden.

Dies muß ein internationales Bemühen werden.

Was unsere eigene Rolle anbetrifft, so hat der Präsident 65 Millionen
Dollar für Hilfs- und Wiederaufbauvorhaben im Libanon angefordert. Ober 50
Millionen dieser Mittel muß der Kongreß befinden. Die höchste Priorität hierbei hat die direkte Hilfe, und etwa 13,5 Millionen Dollar sind bereits weitgehend für diese Zwecke ausgegeben worden.
Ich habe über die weiteren Erfordernisse mit Außenminister Shultz im
Weißen Haus gesprochen, bevor ich Washington verließ, und habe dann hier weitere Gespräche darüber geführt. Als Folge dieser Diskussionen stellen wir
nunmehr zusätzliche 30 Millionen an Regierungsgarantien für die Wiederherstellung oder den Wiederaufbau von Elektrizitäts- und Abwässeranlagen sowie für
Wasserwerke zur Verfügung, die durch die kürzlichen Feindseligkeiten beschädigt wurden. Diese Garantien stammen aus Vollmachten, über die der Kongreß
bereits abgestimmt hat. Einzelheiten müssen noch ausgearbeitet werden.
Ich werde dem Präsidenten und dem Außenminister unmittelbar nach meiner
Rückkehr über meine Feststellungen hier berichten.

+ + + + +

- 2 -

�34

1. September 1982

AFL-CIO: RECHT AUF FREIHEIT DES ZUSAMMENSCHLUSSES
- Aufruf zum Labor Day -

- (AD) - Die amerikanische Dachgewerkschaft AFL-CIO hat in einem Aufruf zum amerikanischen Labor Day (Tag der Arbeit), der in diesem Jahr am
6. September begangen wird, die Freiheit des Zusammenschlusses als ein "fundamentales Menschenrecht" bezeichnet und darauf hingewiesen, daß gerade auch
die Gewerkschaft "Solidarität" in Polen in ihren ersten Forderungen auf dieses Recht gepocht habe.
Der Aufruf wurde am 30. August in der "New York Times" veröffentlicht.
Er hat folgenden Wortlaut:
Wenn jetzt der Labor Day näherrückt, sollten alle Amerikaner - nicht nur
Gewerkschaftsmitglieder - über ein fundamentales Menschenrecht nachdenken, in
dem ein weltweiter Impuls zum Ausdruck kommt:

die Freiheit des Zusammen-

schlusses.
In wenigen Worten gesagt:

Es ist das Recht einfacher Bürger, die gemein-

same Interessen haben, ihre eigenen Institutionen zu schaffen und zu kontrollieren - unabhängig von der Regierung - und zwar als Instrumente zur Förderung

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�zur Förderung und zum Schutz ihrer Interessen.

Ohne die Abschirmung durch

solche Institutionen wäre der einfache Mensch der willkürlichen Macht des
Staates, des Unternehmers oder anderer potentiell feindlicher Kräfte ausgesetzt.
Ja, gäbe es eine Freiheit des Zusammenschlusses nicht, währen alle anderen Menschenrechte, derer wir uns erfreuen, in gleicher Weise willkürlicher
Macht preisgegeben.

Die Freiheit der Rede wäre auf das Recht des einsamen

Rufers in der Wüste beschränkt; die Freiheit des Gebets wäre auf die private
Meditation reduziert, und die Versammlungsfreiheit hätte praktisch keinen
Sinn.

Eine effektive politische Opposition - und damit die Demokratie - wäre

unmöglich.

Wenn also die Freiheit des Zusammenschlusses das tragende Prinzip

der Gewerkschaftsbewegung ist, so ist sie aber auch der Schutz und das Gerüst
für den gesamten Bereich der Menschenrechte, die eine demokratische Gesellschaft ausmachen.
Diese Zusammenhänge werden sehr viel deutlicher, wenn wir daran denken,
daß heute der zweite Jahrestag des Danziger Abkommens ist, das die "Solidarität"
zur ersten offiziell anerkannten freien Gewerkschaft in der kommunistischen
Welt machte. Die Freiheit des Zusammenschlusses, wie sie in der Konvention 87
der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) proklamiert wird, war eine der
ersten Forderungen der "Solidarität", und mit ihrem Sieg begann die polnische
Gesellschaft, sich zu öffnen. Mit der Unterdrückung der "Solidarität" - und
damit des Rechtes des freien Zusammenschlusses - wurden auch alle anderen
Rechte des polnischen Volkes unterdrückt.
Aber sein Kampf hält an - mit der Unterstützung der freien Gewerkschaftsbewegung der Welt.
Ein ähnlicher Kampf ist heute in Südafrika im Gange, wo schwäre Arbeiter
bemüht sind, freie und unabhängige Gewerkschaften ins Leben zu rufen. Wir glauben, daß ihr Erfolg der Schlüssel zur Abschaffung der Apartheid und zur demokratischen Umformung Südafrikas sein wird. Die Alternative ist Gewalt und
Unterdrückung.
Im vergangenen
- 2 -

�Im vergangenen Jahr verlieh der Dachverband AFL-CIO seine erste George
Meany-Medaille an Lech Walesa, der seit dem 13. Dezember vom polnischen Militä'rregime gefangengehalten wird.

In diesem Jahr werden der Chefminister des

Homelands Kwa Zulu, Mangosuthu Gatsha Buthelezi,und posthum Neil Aggett mit
dieser Medaille ausgezeichnet, der vor seinem Tod im Gewahrsam der südafrikanischen Polizei Regionalsekretär der afrikanischen Konservenarbeitergewerkschaft in Transvaal war.
In Polen, Südafrika und auch anderswo kämpfen Arbeiter um die Rechte der
Gewerkschaften; es geht um die Freiheit des Zusammenschlusses; es geht um die
Demokratie selbst.
Es lohnt sich, an diesem Labor Day daran zu denken!

- 3 -

�Hintergrund
materiell
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

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1. September 1982

DIE MAUER VON WARSCHAU
Ein Kommentar der Stimme Amerikas

Es gibt eine neue Mauer - letzte Woche wurde sie vom polnischen Kriegsrechtregime errichtet. Ein zwei Meter hoher Holzzaun blockiert den Siegesplatz. Er soll die Polen daran hindern, Blumen auf dem Platz als Symbol des
Protestes gegen die militärische Unterdrückung niederzulegen, die im vergangenen Dezember einsetzte.
Die Mauer von Warschau ist ein Symbol eigener Art. Sie ist ein Monument
für Gewaltherrschaft, für Regieren per Diktat, wie dies Moskau und seine
Gefolgsleute immer dann verstärkt getan haben, wenn ein Volk unter ihrer Kontrolle den Versuch machte, für die eigenen Rechte die Stimme zu erheben und
zu handeln.
1961 wurde die Berliner Mauer errichtet, um Menschen einzusperren, um die
Ostdeutschen daran zu hindern, in den Westen zu fliehen und so der Armut und
der politischen Unterdrückung zu entkommen. Der Zaun auf dem Warschauer Siegesplatz schließt Menschen aus. Hinter ihm - und offensichtlich dem Zugang ent-

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�dem Zugang entzogen - liegt die Stelle, wo der Sarg von Kardinal Stefan
Wyszynski, einem Vorkämpfer der polnischen Freiheit - stand, als dieser im
Mai 1981 beigesetzt wurde.
Jetzt ist der Platz zu einem Mittelpunkt des Widerstands des polnischen
Volkes gegen das Kriegsrecht geworden - ein Platz, auf dem auch Papst Johannes
Paul II. seine Messe hielt, als er 1979 Polen besuchte. So mauert das von der
Sowjetunion gestützte Kriegsrechtsregime die Geschichte

ein, während es gleich-

zeitig vor der Freiheit der Meinungsäußerung eine Barriere errichtet.
Das Warschauer Militärregime erklärt, der Zaun wurde errichtet, damit die
Arbeiter das Pflaster des Platzes erneuern können. Aber es ist eindeutig, daß
der zwei Meter hohe Zaun einem unheilvollen Zweck dient, da die polnischen Behörden damit fortfahren, gegen Protestdemonstrationen vorzugehen, die im Vorfeld des Jahrestages der Gründung der Gewerkschaft Solidarität abgehalten wurden.

Die Sowjets und jene, die ihrem Befehl Folge geleistet haben, können keinerlei nachweisbare Erfolge dabei vorzeigen, den grundlegenden politischen
oder wirtschaftlichen Bedürfnissen gerecht geworden zu sein, für die die Solidarität kämpft. Aber sie haben großes Geschick dabei bewiesen, Mauern zu errichten,um die Menschen davon abzuhalten, ihre grundlegenden Menschenrechte auszuüben. All jene in der Welt, die die Freiheit lieben, sind bestürzt über diesen
neuesten Beweis abstoßender Geschicklichkeit. Wir hoffen auf den Tag, da die Mauer
in Warschau zu bestehen aufhört.

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- 2 -

�1. September 1982

34

DIE UNTERDRÜCKUNG DER KRIEGSGEGNER IN DER .SOWJETUNION
- Chronologie -

- (AD) - Die Unterdrückung der offiziell nicht anerkannten Antikriegsgruppen in Osteuropa während der vergangenen fünf Monate wirft die Frage auf,
ob der Sowjetblock jemals ein ernstzunehmendes Gegenstück zu den Friedensbewegungen im Westen tolerieren wird.
Gerade in diesen Tagen wurde der Führer der ersten unabhängigen Friedensund Abrüstungsgruppe in der Sowjetunion in eine psychiatrische Klinik eingeliefert.
In einem Versuch, die Zweifel über die sowjetische Ernsthaftigkeit bei der
Friedensthematik zu zerstreuen, hat Moskau zum ersten Mal zugelassen, daß die
Teilnehmer eines Friedensmarsches aus den nordeuropäischen Ländern sozusagen
als Beweis hierfür im Juli per Zug durch sowjetisches Gebiet reisen aurften.
Doch kaum waren die dänischen, finnischen, schwedischen und norwegischen
"Frauen für den Frieden" angekommen, als sie erfahren mußten, daß Mitglieder
einer unabhängigen russischen Friedensgruppe verhaftet worden waren.
Nach einem

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�Nach einem monatelangen Feilschen über die Einzelheiten des Marsches einschließlich der Begrenzung der Anzahl der Marschierer und der Botschaften,
die auf den Plakaten der Skandinavier stehen durften oder nicht - machte die
Sowjetunion den Marsch unwirksam.
Die kleine Gruppe der skandinavischen Frauen wurde über die gesamte Strecke
hinweg zu vorbereiteten Versammlungen in einigen wenigen, hierfür vorbestimmten
Städten von Leningrad bis Minsk von Mitgliedern des von offizieller Seite kontrollierten sowjetischen Friedenskomitees "eskortiert". Außerdem wurde sie ständig von Angehörigen des sowjetischen Geheimdienstes KGB überwacht.
Entgegen Moskaus vorheriger Versicherung, daß der Marsch nicht politisiert
werden würde, wurden die Skandivanierinnen auf den von der Regierung organisierten Antiatomdemonstrationen, an denen sie teilnahmen, mit antiwestlichen Plakaten empfangen. Die sowjetische Presse zensierte alle Ansprachen ihrer Gäste, die
von der propagandistischen Standardlinie des Kreml abwichen, während andere skandinavische Erklärungen entstellt wurden, um den Eindruck zu geben, nur der Westen
sei aufgefordert, das Wettrüsten einzustellen.
Nachstehend eine Chronologie der jüngsten Maßnahmen des Sowjetblocks gegen
unabhängige Friedensgruppen:
•

März 1982 - DDR verbietet Friedensemblem
Die DDR brandmarkte ihre, von der Kirche unterstützte

autonome Friedens-

gruppe als eine "illegale politische Vereinigung".
Das biblische Emblem der Gruppe, das die Umwandlung von Schwertern in
Pflugscharen zeigt, wurde am 22. März als "Ausdruck einer staatsfeindlichen
Mentalität" verboten.
Um die kleine, nur locker organisierte Friedensgruppe zu isolieren, führte
das Regime in Ostberlin eine intensive Kampagne in Schulen und Jugendorganisationen durch, um Kampfbereitschaft einzuimpfen.
- 2 -

April 1982 -

�April 1982 - DDR unterstellt Intoleranz der Friedensaktivisten
Trotz der öffentlichen Opposition der Konferenz der evangelischen Kirchen
gegenüber dem Verbot durch das Regime, das Friedensabzeichen "Schwerter zu
Pf1ugscharen" zu tragen, behauptete der Staatssekretär für Kirchenfragen, das
Friedenssymbol werde "mißbraucht zum Zweck der Schwächung der Verteidigungsbereitschaft des Staates"«
Die schweren Bedrohungen der zu der Gruppe gehörenden jungen Leute dauerten an.
April 1982 - Westliche Friedensdemonstraten verhaftet und aus Osteuropa
ausgewiesen
Am 19. April wurden sieben Westeuropäer auf dem Roten Platz in Moskau verhaftet, als sie versuchten, ein Plakat zu entfalten, das "Brot, Leben und Abrüstung" forderte.
Die Gruppe hatte bei ihrer Festnahme Flugblätter bei sich, auf denen die
sowjetische Regierung aufgefordert wurde, 0,7 Prozent des Bruttosozialprodukts
für Nahrungsmittel für die armen Länder der Dritten Welt bereitzustellen.
Ähnliche Proteste - koordiniert von der Radikalen Partei Italiens als Teil
ihrer Kampagne gegen Hunger und für den Frieden - traf ein ähnliches Schicksal
in den Hauptstädten Bulgariens, Ungarns und der Tschechoslowakei.
Mai 1982 - Moskau entzieht einem Vertreter der westlichen Friedensbewegung das
Wort
Wim Bartels, der internationale Sekre^r des holländischen interkirchlichen Friedensrates, verließ am 12. Mai eine vom Kreml unterstützte "Weltfriedenskonferenz" religiöser Führer, nachdem ihm verwehrt worden war, vor einer
öffentlichen Vollversammlung zu sprechen, zu der auch die Presse gekommen war.
Bartels war der

�Bartels war der einzige Vertreter der westlichen Friedensbewegung, der
an dem Treffen teilnahm. Es war bei der Moskauer Konferenz kein Geheimnis,
daß er die Absicht hatte, die Notwendigkeit beidseitiger und ausgewogener
Rüstungsverminderung in Ost und West anzusprechen und drei Gruppen beim Namen zu nennen, die im Sowjetblock verfolgt oder unterdrückt wurden: die Angehörigen der inoffiziellen protestantischen Friedensbewegung in der DDR, die
Gewerkschaft Solidarität in Polen und die Menschenrechtsgruppe "Charta 77"
in der Tschechoslowakei.
Juni 1982 - Die Sowjets schleppen das Schiff einer westlichen Friedensgruppe
aus sowjetischen Gewässern
Nachdem sie 2000 Ballons mit der Aufschrift "UdSSR: Stoppt Atomtests
jetzt" in Leningrad hatten aufsteigen lassen, wurden 28 Mitglieder der westlichen Umweltbewegung "Greenpeace" auf dem Schiff "Sirius" gegen ihren Willen
am 2. Juni aus sowjetischen Gewässern geschleppt.
Juni 1982 - Folgen inländischer Herausforderung des Kreml-Monopols für sowjetische Friedensaktivitäten
Die Mitglieder der ersten unabhängigen Friedens- und Abrüstungsgruppe der
UdSSR, deren Bildung am 4. Juni in Moskau angekündigt worden war, wurden wiederholt bedroht, eingeschüchtert und erpreßt.
Sergei Batovrin und Vladimir Fleishgakker - Gründungsmitglieder des
"Komitees für Vertrauensbildung zwischen USA und UdSSR" - wurden unter Hausarrest gestellt.
Andere Mitglieder des Komitees wurden mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes, ihrer akademischen Positionen und ihrer studentischen Stipendien
bedroht; außerdem wurde ihnen Verfolgung wegen "unbefugter Ausübung angemaßter Rechte" angedroht. Sie wurden darüber verwarnt, daß ihre Aktivitäten
"antisowjetisch" und "provokativ" seien.
Juli 1982 -

�Juli 1982 - Moskau setzt Unterdrückung der Batovrin-Gruppe fort
Am 6. Juli drohte die sowjetische Polizei damit, Sergei Batovrin krimineller Umtriebe zu beschuldigen, sollte er nicht die Mitgliedschaft in
dem Komitee aufgeben und die amerikanische Außenpolitik verurteilen.
Zwei Mitglieder der Gruppe wurden aufgefordert, das Land bis zum 10.
Juli zu verlassen, obwohl man ihnen die Erlaubnis zur Emigration verweigert
hatte, als sie darum nachsuchten. Anderen Mitgliedern wurden Ausreisevisen
versprochen unter der Bedingung, alle Kontakte zu der Friedensgruppe aufzugeben.
Kurz vor der Ankunft der nordischen Friedensmarschierer in Moskau am
14. Juli wurden Batovrin und Sergei Rosenoer für 14 Tage ins Gefängnis gebracht. Begründung: "Rowdytum" und Unterstützung der antisowjetischen Propaganda.
Die restlichen Komiteemitglieder wurden aus Moskau verwiesen oder unter Polizeiaufsicht gestellt, um zu verhindern, daß Sie Kontakte zu den
skandinavischen "Frauen für den Frieden" aufnehmen könnten.
Juli 1982 - Die Antwort der DDR an die Friedensdissidenten: Exil und militärische Überwachung
Mindestens vier der Organisatoren einer großen inoffiziellen Friedenstagung, die am 27. Juni in Ostberlin stattfand, wurden in den Westen abgeschoben. Anderen wurde befohlen, sich zum Militärdienst zu melden; dabei
wurde ihnen eine Gefängnisstrafe für den Fall der Weigerung angedroht.
August 1982 - Moskaus Antwort für unbußfertige Friedensdissidenten: die
psychiatrische Anstalt
Der Führer

�Der Führer des unabhängigen sowjetischen Friedenskomitees, Sergei
Batovrin, wurde am 6. August in eine Moskauer psychiatrische Anstalt gesperrt.
Die offizielle Verlautbarung der Klinik war, daß seine Handlungen sozial gefährlich seien und von einer Krankheit herrührten.

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'

- 6 -

�T

Wis/en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

1. September 1982

34

SATELLITEN-BRÜCKE ZU EINER BESSEREN ZUKUNFT
UN-Organisationen sollen wirksamere Anwendung der Raumfahrttechnik fördern -

- (AD) - In der dritten Welt gibt es abseits

der von der Technik un-

serer Zeit erschlossenen Gebiete noch viele Dörfer und Siedlungen ohne Elektrizität und ohne moderne Nachrichtenverbindungen nach draußen.

Dennoch

machen es Nachrichtensatelliten und mit Sonnenenergie gespeiste Generatoren
möglich, zu geringen Kosten und in kurzer Zeit Telefonleitungen einzurichten,
um Kontakt zur Außenwelt zu bekommen und in Notfällen Hilfe herbeizurufen.
Auf ähnliche Weise helfen Wettersatelliten, den Beginn der Monsun-Zeit auf
mindestens drei Tage genau vorherzusagen.
Solche

auf wissenschaftlicher Grundlage erarbeiteten Angaben können,

wie der Inder Rashmir Mayur auf der UN-Weltraumkonferenz UNISPACE '82 kürzlich
in Wien erklärte, den Bauern auf der ganzen Welt die Möglichkeit geben, jährlich Nahrungsmittel im Wert von 3,5 Milliarden Dollar mehr als bisher zu produzieren.

Die Bauern müssen die Wettermeldungen rasch bekommen, um ihre

Äcker zum richtigen Zeitpunkt zu bestellen.

Für die Satelliten-Kommunikation

ergäbe sich daraus eine ganz wichtige weitere Aufgabe - eine der zahllosen
Möglichkeiten, Technologien aus der Raumfahrt auf der Erde für sehr praktische

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�sehr praktische und wichtige Dinge zu nutzen und auch die Länder der Dritten
Welt in den Genuß der Vorteile dieser Technik zu bringen.
NASA-Chef James M. Beggs, der Leiter der US-Delegation, hatte den Konferenzteilnehmern aus weit über 100 Nationen den Vorschlag unterbreitet, aus dem Weltraum spezielle Untersuchungen unserer Erde vorzunehmen, die helfen können, unseren Planeten bewohnbar zu erhalten.

Diese Studie müßte sich allerdings min-

destens über ein Jahrzehnt oder einen noch längeren Zeitraum erstrecken und in
enger internationaler Zusammenarbeit durchgeführt werden.

Unsere Kenntnis der

Erde sei ohnehin noch überaus lückenhaft und somit auch das Verständnis für
Zusammenhänge und ökologische Wechselwirkungen, die großen Einfluß auf das Leben und die Lebensmöglichkeiten auf dieser Erde haben. Die NASA werde, wie
der Leiter des US-Amtes für Luft- und Raumfahrt (NASA) sagte, in den nächsten
sechs Monaten entsprechende Vorschläge für einzelne Fachgebiete ausarbeiten,
damit im kommenden Jahr Details auf breiter Basis erörtert werden können.
"Die praktischen Ergebnisse dieser Konferenz werden sich darin zeigen, ob wir
in den nächsten paar Jahren zu mehr internationaler Zusammenarbeit kommen oder
nicht", erklärte Beggs.

"Unsere Initiativen und die einer Reihe anderer Län-

der zielen alle auf mehr internationale Zusammenarbeit in Wissenschaft und
Technik in der Zukunft ab."
Die Empfehlungen der UNISPACE "82-Konferenz wurden in einem Bericht zusammengefaßt, der der 37. UN-Vollversammlung in New York im Herbst 1982 zur
Annahme vorgelegt wird. Wichtige Punkte darin sind:
- Schaffung eines UN-Informationssystems über Raumfahrttechnik und Weltraumfragen, so daß interessierte Länder direkten Zugang zu entsprechenden
Datenbanken bekommen.
- Das UN-Programm zur Anwendung der Raumfahrttechnologien sollte mehr
dafür eingesetzt werden, Entwicklungsländern zu helfen, die für sie geeigneten Anwendungsmöglichkeiten herauszufinden und in die Praxis umzusetzen.
Zu diesem Zweck sollten z.B. Schulungsprogramme für technisches Personal und

- 2 -

'

�Personal und

Seminare für Wissenschaftler eingerichtet und die Zusammenar-

beit auf den Gebieten Wissenschaft und Technik zwischen Industrie- und Entwicklungsländern gefördert werden.
- Die Vereinten Nationen sollten gemeinsam mit Sonderorganisationen
von Zeit zu Zeit Untersuchungen über globale Auswirkungen neuer Raumfahrtentwicklungen (in technischer, sozialer, wirtschaftlicher und rechtlicher
Hinsicht sowie in bezug auf Umweltfragen) durchführen lassen.
- Hinsichtlich der optimalen Nutzung des geostationären Orbits (Umlaufbahn für Kommunikationssatelliten in ca. 36 000 km Höhe über dem Äquator)
gibt es Befürchtungen, daß die Auslastung der Frequenzen in einigen Abschnitten bald ausgeschöpft sein werde. Deshalb seien weitere Forschungen notwendig, um die wirksamste Nutzung dieser Bahn im Interesse aller Länder zu gewährleisten.
- Die Fernerkundung für die Rohstoffsuche durch Satelliten soll durch
Leitlinien geregelt werden, denen der Rechtsausschuß des UN-Komitees für die
friedliche Nutzung des Weltraums zustimmt. Damit will man die Verfügbarkeit
der Beobachtungsdaten sicherstellen und den Bedenken jener Länder Rechnung
tragen, deren Territorium beobachtet wird, ohne daß sie dem zugestimmt haben.
Ferner wird empfohlen, daß beispielsweise die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO), für Erziehung, Wissenschaft und Kultur
(UNESCO), das UN-Entwicklungsprogramm und das UN-Umweltprogramm interessierten Ländern helfen, die für sie erforderlichen und am besten geeigneten Fernerkundungssysteme zu ermitteln und einzusetzen.
- Die Länder sollten sich endlich über den Satelliten-Direktempfang
einigen, der in einigen Staaten für Bildungsprogramme bereits versuchsweise
eingeführt ist.

Außerdem sollten Entwicklungsländer im einzelnen prüfen,

welche Bedeutung Kommunikationssatelliten insbesondere für die Verbindung
mit ländlichen Regionen bei der Durchführung von Entwicklungsaufgaben haben.
- Satellitensysteme
- 3 -

�I
- Satellitensysteme sollten im Rahmen internationaler Regelungen aufgebaut werden, damit die Anwendung bestimmter Systeme nicht die Anwendung anderer beeinträchtigt.
- NicH mehr verwendungsfähige Satelliten sollten aus ihrem Orbit (insbesondere dem geostationären Orbit) entfernt werden; gewisse Umlaufbahnen
sollten für die Deponie von "Raumfahrtmüll" reserviert bleiben. Die Umweltauswirkungei von Raketenstarts sollten weiterhin untersucht und überwacht
werden.

+ + + + +

4 -

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