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                  <text>21. J u l i 1982
INHALT
DOKUMENTATION
Anhörungen für die Bestätigung von US-Außenminister Shultz
- Erklärung am 13. Juli 1982 MBFR, Europa und die Sicherheit des Bündnisses:

Die Perspektiven

der USA
- Rede von US-Botschafter Staar in München Rostow fordert Osten zu Flexibilität bei MBFR-Verhandlungen auf
- Erklärung des US-Abrüstungschefs in Wien USA wollen vollständiges Verbot von chemischen Waffen
- Erklärung von Admiral Howe HINTERGRUNDMATERIAL
US-Landwirtschaftsminister hält Getreideabkommen mit Moskau für möglich
Zweite UN-Konferenz über friedliche Nutzung des Weltraums
- USA erwarten umfangreichere internationale Zusammenarbeit WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Mehr Details von der Erdoberfläche
- Erderkundungssatellit LANDSAT D mit neuem Abtastgerät -

Um Uber/enduna von
Belegexemplaren
wird gebeten

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�28

21. Juli 1982

ANHÖRUNGEN FÜR DIE BESTÄTIGUNG VON US-AUSSENMINISTER SHULTZ
- Erklärung am 13. Juli 1982 -

WASHINGTON - (AD) - Während der verfassungsmäßig vorgeschriebenen Anhörungen vor dem Außenpolitischen Ausschuß des amerikanischen Senats hat der
designierte Außenminister der Vereinigten Staaten, George Shultz, zu aktuellen und grundlegenden Fragen der Außenpolitik Stellung genommen. In Beantwortung einer Frage über die künftigen amerikanisch-sowjetischen Beziehungen sagte Shultz wörtlich: "Die Sowjetunion kann die Dinge sehr leicht ändern, indem sie ihr Verhalten in Afghanistan ändert, indem sie ihr Verhalten in Polen ändert, indem sie ihr Verhalten gegenüber den Dissidenten in
der Sowjetunion ändert usw. Was zähltest das Verhalten. Bis dahin müssen
wir jedoch stark sein, und ich glaube, es ist wichtig, daß sie (die Sowjets)
begreifen, daß wir nicht nur stark sein wollen, sondern auch die Fähigkeit
und die Willenskraft haben und dabei sind, die Stärke der Nation aufzubauen."
Zu den amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über die Verringerung der
strategischen Kernwaffen (START) sagte Shultz unter anderem, bei der Dringlichkeit des Problems müßte es eigentlich bald zu einem Ergebnis kommen. Er warnte jedoch davor, sich unter Zeitdruck setzen zu lassen und schließlich einem
Abkommen zuzustimmen, "das weniger bringt,als wir wirklich für wünschenswert
halten."
Wenn er

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Wenn er bestätigt werde, so betonte Shultz weiter, dann werde er alles
in seiner Kraft Stehende tun, um im Nahen Osten eine Friedensregelung herbeizuführen, die sowohl für die Israelis als auch für die Araber annehmbar sei.
Schließlich unterstrich Shultz auch die Bedeutung der Bündnisse für die
Vereinigten Staaten, bei denen die USA als zuverlässiger Partner einstehen,
aber auch von den Verbündeten eine echte Partnerschaft erwarten würden.
Nachfolgend wesentliche Auszüge aus der Erklärung des designierten
Außenministers vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats:
Präsident Reagan hat mir die Ehre erwiesen, mich zum Außenminister der
Vereinigten Staaaten von Amerika zu nominieren.

Ich erachte einen Dienst in

dieser Funktion als hohes Privileg und schwere Pflicht.

Wenn ich vom Senat

bestätigt werde und die Gelegenheit zu diesem Dienst erhalte, werde ich alle
mir zur Verfügung stehende

Energie, Intelligenz und Hingabe aufbieten und in

die Erfüllung dieser Aufgabe einbringen.
Ich bin mir der Verantwortung bewußt, die ich auf mich zu nehmen habe und
akzeptiere sie. Aber ich sage auch dies: Ich brauche und erwarte Hilfe und
Mitarbeit von allen Seiten. Den vielen Zusicherungen nach zu urteilen, die
mir bereits freiwillig gemacht wurden, werde ich diese auch erhalten. Dabei
denke ich insbesondere an die Mitglieder dieses Ausschusses sowie an Ihre
Kollegen im Repräsentantenhaus. Aber mein Appell geht noch viel weiter, in
alle Ecken unseres Landes und an unsere Freunde in der ganzen Welt.
Durch diese Nominierung hat Präsident Reagan sein Vertrauen in mich zum
Ausdruck gebracht; ich werde alles in meinen Kräften Stehende tun, um mich
dieses Vertrauens würdig zu erweisen.

Dies werde ich im vollen Bewußtsein

dessen tun, daß die Durchführung unserer Außenpolitik - gemäß unserer Verfassung - eine Pflicht des Präsidenten ist, die in Zusammenarbeit mit dem Kongreß
erfüllt wird.

Meine Aufgabe ist es, dem Präsidenten bei der Formulierung und

Durchführung seiner Politik zu helfen.

Ich werde diesem Vertrauen stets ge-

recht werden.
Diejenigen unter
- 2 -

�Diejenigen unter Ihnen, die während des größeren Teils ihres Lebens
Zeuge von Amerikas wachsender Verflechtung in das Weltgeschehen um uns geworden sind, könnten leicht vergessen, daß die Vereinigten Staaten während
des Großteils ihrer Geschichte nur episodenhaft mit auswärtigen Angelegenheiten beschäftigt waren.

Die Welt vor 40 Jahren scheint auf fast nostal-

gische Weise einfach im Vergleich zu den Verwicklungen, vor denen wir heute
stehen.

In den Jahrzehnten, die seither vergangen sind, hat eine Vielzahl

neuer Nationen ihre Unabhängigkeit erlangt - viele davon solche, deren Trachten und Streben enttäuscht wurde.
Die Weltwirtschaft wird nicht länger von ein paar wenigen Zentren dieser Welt aus gelenkt, sondern hat sich zu einem globalen Netz gegenseitig
abhängiger Partner entwickelt. Umfangreicher Handel mit Gütern und Dienstleistungen, der internationale Handelsfluß wichtigster Rohstoffe, das Erscheinen neuer Technologien sowie die Revolution im Kommunikationswesen haben eine Welt hervorgebracht, in der kein Staat gegenüber den Einflüssen der
internationalen Wirtschaft immun ist.
Vor 40 Jahren konnten wir die gewaltigen Gefahren der Kernwaffen oder
die Verstrickungen noch nicht einmal erahnen, vor denen wir heute bei unseren
Anstrengungen zu ihrer Kontrolle stehen. Und vor 40 Jahren konnten nur wenige vorhersehen, daß der Zusammenbruch der alten Ordnung eine Ausbreitung
von immer komplizierteren Waffen in neuen und miteinander im Wettstreit liegenden Nationen mit sich bringen würde, so daß heutzutage auch regionale
Konflikte die ständige Drohung einer Eskalation in sich bergen. General
Douglas MacArthur erkannte diese umfassenden Verstrickungen und brachte sie
1951 kurz und bündig zum Ausdruck: "Die Probleme sind globaler Natur und
greifen so sehr ineinander über, daß die Beschäftigung mit den Fragen eines
einzelnen Bereichs unter Nichtbeachtung der Probleme anderer nur bedeutet,
eine Katastrophe für das Ganze herauszufordern."
Heute sind sich die meisten Amerikaner der Tatsache bewußt, daß die Natur
und die Stärke unserer Diplomatie und unserer strategischen Position mit unserer Leistung im eigenen Land zusammen- und in großem Maß davon abhängen.
- 3 -

�davon abhängen. Unsere Wirtschaft ist in ihrem Fundament stark und wird
zunehmend in dem Maß stärker, wie die nunmehr betriebene Wirtschaftspolitik
sich weiter auswirkt. Ein kraftvolles und produktives Amerika macht uns zu
einem starken Handelspartner und einem an Hilfsquellen reichen Verbündeten,
der unseren Freunden eine Zuversicht gibt, die wiederum ihren Willen dabei
stärkt, denjenigen zu widerstehen, die uns unserer Freiheiten berauben würden.
Heute fühlen sich die meisten Amerikaner unwohl angesichts der Tatsache,
daß wir so viel von unserer Substanz für die Verteidigung ausgeben - und dies
zurecht. Aber die meisten Amerikaner erkennen auch, daß wir uns mit der Realität auseinandersetzen müssen, wie wir sie vorfinden. Und diese Realität
ist - auf die einfachsten Tatsachen reduziert - eine unsichere Welt, in der
Frieden und Sicherheit nur gewährleistet werden können, wenn wir die Stärke
und den Willen haben, sie zu bewahren.
Wir haben ein Jahrzehnt hinter uns, in dem die Sowjetunion ihre militärischen Kapazitäten in stetigem und raschem Schritt ausgeweitet hat, während es bei uns einen Stillstand gab. Präsident Reagan hat uns die Führung
gegeben, um diese Situation zu ändern. Und dies gerade noch rechtzeitig.
Das vergangene Jahrzehnt hat uns erneut eine wichtige Lektion über das
amerikanisch-sowjetische Verhältnis gelehrt. Sie besteht, kurz gesagt, darin,
daß verminderte amerikanische Stärke und Entschlossenheit eine offene Einladung an die sowjetische Expansion in Bereiche von für den Westen entscheidenden Interessen, aber kein Anreiz für Mäßigung bei der sowjetischen Aufrüstung
sind. Daher ist es für den Gesamterfolg unserer Außenpolitik von entscheidender Bedeutung, mit der Wiederherstellung unserer Stärke fortzufahren. Wahr
ist aber zugleich, daß die Bereitschaft zu Verhandlungen aus dieser Stärke
heraus ebenfalls ein grundlegendes Element der Stärke an sich ist.
Der Präsident hat Rüstungskontrollvorschlage in den Bereichen der strategischen Waffen, der nuklearen Mittel Streckensysteme und der konventionellen
Rüstung vorgelegt, die wirklich mutig sind und die - würden sie angenommen -,
- 4 -

�sie angenommen -, die Lasten und Gefahren der Rüstungen vermindern würden.
Möge keiner an der Ernsthaftigkeit unserer Zielsetzung zweifeln!

Möge aber

auch keiner glauben, daß wir ein Abkommen um seiner selbst und ohne ein ausgewogenes und konstruktives Ergebnis anstreben!
Wir sehen, daß eine Politik gegenüber der Sowjetunion, die sich auf die
militärische Dimension allein beschränken würde, das amerikanische Volk
nicht zufriedenstellt.

Unsere Anstrengungen im Bereich der Rüstungsvermin-

derung sind unausweichlich verbunden mit Zurückhaltung des sowjetischen Verhaltens in vielen Bereichen.

Beim Eintritt in eine potentiell kritische Pe-

riode des Übergangs innerhalb der sowjetischen Führung müssen wir ebenfalls
deutlich werden lassen, daß wir bereit sind, auf der Grundlage der Gegenseitigkeit ein beiderseits vorteilhaftes und sichereres Verhältnis zu schaffen.
Bei unseren internationalen Unternehmungen werden wir gestärkt durch
Bündnisstrukturen, die von zentraler Bedeutung sind.

Wir leben nicht in

einer hegemonistischen Welt, sondern in einer der Vielfalt und der Pluralität,
die die Komplexität der freien, unabhängigen und demokratischen Gesellschaften
widerspiegelt, mit denen wir verbunden sind.

Genauso wie wir von anderen er-

warten, partnerschaftlich mit uns zu handeln, so müssen auch wir uns als verantwortungsvolle Partner benehmen.
Reibungen und Differenzen sind zwischen Verbündeten unvermeidlich,und
wir können nie selbstgefällig annehmen, sie würden automatisch verschwinden.
Toleranz gegenüber den Ansprüchen und den Perspektiven anderer ist von wesentlicher Bedeutung.

Genauso ist es mit offener Anerkennung unserer Schwie-

rigkeiten und Herausforderungen,

über allem muß eine Verpflichtung zu den

gemeinsamen Werten und Interessen stehen, auf denen die wirklich einzigartigen multilaterale Institution der letzten dreieinhalb Jahrzehnte gegründet
ist.

Unsere Verpflichtung steht - dies machte Präsident Reagan während seines

jüngsten Europabesuchs deutlich.

Ich bin zuversichtlich, daß dies auch für

unsere Verbündeten gilt.
Wenn wir
- 5 -

�Wenn wir stark sind, stärken wir unsere Verbündeten und Freunde und
lassen unsere Gegner hinsichtlich der Folgen einer Aggression in keinem
Zweifel.

Wenn wir anderen dabei Hilfe bieten, stark zu sein, kann mit un-

serer eigenen Stärke haushälterisch umgegangen und diese wirkungsvoller
zum Tragen gebracht werden.

Wenn wir zuversichtlich sind, werden wir jenen

Zuversicht geben, die Streitigkeiten auf friedliche Weise lösen wollen.
Wenn wir uns verpflichten, geben wir jenen Hoffnung, die ansonsten keine
Hoffnung hätten.

Wenn wir unseren Idealen gemäß leben, können wir deren

Vorzüge anderen mit Zuversicht und Überzeugung näherbringen.
Während meiner Einzelgespräche mit Mitgliedern dieses Ausschusses
brachten viele ihr starkes Interesse an meiner Sicht der Probleme und Möglichkeiten im Nahen Osten zum Ausdruck, insbesondere in bezug auf den Konflikt zwischen Israel und den Arabern.

In Reaktion auf dieses Interesse,

mehr noch aber auf die Bedeutsamkeit der Entwicklungen in diesem Gebiet möchte ich meine Erklärung heute mit einer kurzen Darlegung meiner Ansichten
abschließen.
Ich beginne mit der furchtbaren menschlichen Tragödie, die sich gegenwärtig im Libanon abspielt.

Gewaltanwendung großen Ausmaßes ist erneut über

ein Gebiet hereingebrochen, dessen strategische Bedeutung unvermeidlich dazu
führt, daß jeder lokale Konflikt weltweite Aufmerksamkeit erhält - mit all
den Gefahren für den Weltfrieden, die das mit sich bringt.
Ich habe Ende 1974 Beirut besucht - damals eine schöne und pulsierende
Stadt, aber auch damals schon gekennzeichnet durch die Anwesenheit palästinensicher Flüchtlinge.

Aber seither ist der Libanon von Zerstörung

befallen worden und muß die Anwesenheit bewaffneter und selbstbewußter PLOKämpfer und anderer Streitkräfte ertragen.
Unter diesen Bedingungen sind ein normales Leben und eine funktionierende Regierung unmöglich, und unvermeidlicherweise wurde der Libanon zu einem
Staat des Verfalls. Die Libanesen verdienen die Chance, sich selbst zu regieren - frei von der Anwesenheit der Streitkräfte irgendeines anderen Landes
- 6 -

�anderen Landes oder einer Gruppe.

Die Autorität der Regierung des Libanon

muß sich auf das gesamte Territorium erstrecken.
Der qualvolle Kampf des Libanon beschäftigt uns alle zutiefst.

Aber in

einem weiteren Sinn ist der Libanon nur das letzte Kapitel in einer Geschichte des wachsenden Kummers und des Leids, die sich über die letzten zehn Jahre
des Konfliktes erstrecken.

Wir sprechen hier über einen Teil des Globus, der

seit Generationen nur sehr wenig an echtem Frieden erlebt hat.
Tausenden von Opfern - Arabern, Israelis und

Ein Gebiet mit

anderen Familien, die als Folge

von Krieg und Terror auseinandergerissen wurden.

Was jetzt im Libanon vor

sich geht, muß das Ende dieses Teufelskreises von Terror sein, statt nur der
jüngste Akt in einer Reihe von sinnlosen und gewalttätigen Schritten.
Wir können den Verlust an Leben nicht akzeptieren, den wir jeden Tag sehen
- wenn auch nur aus großer Entfernung auf unseren Fernsehschirmen. Aber gleichzeitig können wir als Amerikaner stolz sein, daß es wieder einmal die Vereinigten Staaten sind, die durch den Sonderbeauftragten Präsident Reagans, Botschafter Philip Habib, an erster Stelle an dem Versuch arbeiten, die Kanonen
zum Schweigen zu bringen, ein gerechtes Ergebnis zu erreichen und das Leid
zu mildern.
Die Krise im Libanon macht in schmerzvoller Weise und absolut eine
zentrale Realität

im Nahen Osten deutlich:

Die legitimen Ansprüche und

Probleme des palästinensichen Volkes müssen angesprochen und gelöst werden und zwar dringend und in all ihren Dimensionen,

über das Leiden des palästi-

nensischen Volkes hinweg gibt es einen Komplex an politischen Problemen, der
angepackt werden muß, wenn der Nahe Osten Frieden haben soll.
Das Rahmenwerk von Camp David fordert als einen ersten Schritt temporäre
Vereinbarungen, die den Palästinensern im Westjordanland und im Gaza-Streifen volle Autonomie gewähren.

Dieses gleiche Rahmenwerk spricht dann in sehr

beredter und bedeutsamer Weise von einer Lösung, die "auch die legitimen
Rechte des palästinensischen Volkes anerkennen muß".
Die große
- 7 -

�Die große Aufgabe der Verhandlungen, an denen die Vereinigten Staaten
gegenwärtig als voller Partner beteiligt sind - und dies während meiner Amtszeit auch bleiben werden - ist, diese Hoffnung in Realität umzuwandeln.

Da-

mit diese Gespräche Erfolg haben können, müssen Vertreter der Palästinenser
selbst am Verhandlungsprozeß teilhaben.

Es muß auch die Grundlage dafür ge-

funden werden, daß auch andere Länder in dieser Region - zusätzlich zu Israel
und Ägypten - sich diesem Friedensprozeß anschließen.
Unsere entschlossene Anstrengung, dem Töten im Libanon Einhalt zu gebieten, den Konflikt zu lösen und die Regierung des Libanon wieder souverän
zu machen, unterstreicht das Ausmaß, in dem unser Land entscheidend wichtige
Interessen in der arabischen Welt hat.

Unsere freundschaftlichen Beziehungen

zur großen Mehrheit der arabischen Staaten haben diesen Interessen gedient
und - so glaube ich - unsere Anstrengungen unterstützt, mit der gegenwärtigen
Krise im Libanon fertigzuwerden.
Aber über die gegenwärtigen Fragen hinaus ist die Bedeutung weitgespannter und stärker werdender Bindungen mit den Arabern für unsere eigene Sicherheit offenkundig.

Von ihnen erhält der Westen den Großteil seines Öls, mit

ihnen haben wir ein Interesse daran - und müssen mit ihnen zusammenarbeiten,
dem sowjetischen Imperialismus Widerstand entgegenzusetzen, und mit ihnen wie
mit Israel können wir dem Nahen Osten Frieden bringen.

Das großartige Erbe

an Wissenschaft, Kultur und Gedankengut hat eine neue Dynamik erhalten.
Durch Zusammenarbeit mit uns können unsere arabischen Freunde nicht nur
zu unseren bilateralen Interessen und denen der Region beitragen, sondern
auch zur Zukunft der Welt und zur Weltwirtschaft. Ich werde alles in meiner
Kraft Stehende tun, um diese Beziehungen zu erhalten und zu fördern.
Schließlich - und das ist am wichtigsten - ist die Situation im Libanon
eng verbunden mit der entscheidend wichtigen Frage der Sicherheit Israels.
Israel, unser engster Freund im Nahen Osten, hat immer noch ein starkes Gefühl der Unsicherheit.

In einem Gebiet, wo die Feindseligkeit zu Hause und

wo so viel davon gegen Israel gerichtet ist, braucht darüber nicht gesprochen
- 8 -

�nicht gesprochen zu werden, wie berechtigt es ist, daß Israel sich so sehr
mit Fragen seiner Sicherheit befaßt.

Es sollte auch niemand die Ernsthaf-

tigkeit und Dauerhaftigkeit der Verpflichtung Amerikas für die Sicherheit
Israels oder unsere Bereitschaft in Zweifel ziehen, sicherzustellen, daß
Israel über die erforderlichen Möglichkeiten verfügt, sich zu verteidigen.
Ich teile diese tiefgehende und dauerhafte Verpflichtung.

Und mehr noch:

Ich bin mir darüber im klaren, daß das demokratische Israel mit uns eine tiefe Verpflichtung für die Sicherheit des Westens teilt.
Darüber hinaus jedoch schulden wir Israel aufgrund unseres besonderen
Verhältnisses, daß wir mit ihm zusammenarbeiten, um einen umfassenden Frieden
zustandezubringen, der für alle betroffenen Parteien annehmbar ist und der
die einzige Garantie für eine echte und dauerhafte Sicherheit darstellt.
Amerika hat viele, häufig miteinander konkurrierende Anliegen und Interessen im Nahen Osten.

Es ist kein Geheimnis, daß uns dies vor Zwangslagen

und schwierige Entscheidungen stellt.

Wir müssen all unseren Verstand und

unser ganzes Einfühlungsvermögen zum Tragen bringen, um diese Interessen auszugleichen und die Widersprüchlichkeiten zu beseitigen, denn es ist letztlich
der Friede, den wir zu schaffen und zu fördern versuchen.
Die Gewaltanwendung, die wir heute erleben, sollte uns nicht vergessen
lassen, daß der Nahe Osten ein Land tiefer geistiger Kräfte und Eigenschaften
ist, wo drei große Religionen unserer Zeit ihren Ursprung haben und auch heute
noch zusammenkommen. Manche haben gesagt, daß es in einem Land von so großen,
rauhen und offen liegenden Räumen nur natürlich sei, wenn die Menschen sich
himmelwärts und zu einem umfassenderen Sinne der Lebensbedeutung gezogen fühlen. Was immer die Gründe sein mögen: Die Kraft der Religion in diesem Gebiet
ist heute noch so mächtig wie früher, und unsere Pläne für den Frieden wären
völlig unvollkommen, ignorierten sie diese Realität.
Lassen Sie mich schließen, indem ich Ihnen ins Gedächtnis zurückrufe,
was Präsident Reagan über die Pflichten Amerikas gegenüber dieser Region gesagt hat:

"Unsere Diplomatie", so erklärte er, "muß sensitiv gegenüber den
- 9 -

�gegenüber den legitimen Anliegen aller in diesem Gebiet sein. Bevor ein auf
dem Verhandlungsweg erreichter Frieden hoffen kann, die Loyalität dieses ganzen Gebietes zu erlangen, muß er gleichermaßen akzeptabel sein für die
Israelis wie für die Araber."
Ich versichere Ihnen, daß ich - falls ich als Außenminister bestätigt
werde - mein Bestes tun werde, um dem Präsidenten bei der Durchführung dieser in seiner Erklärung so klar definierten Aufgabe zu helfen.
Wir müssen uns getrauen zu hoffen, daß wir mit Anstrengung und Erfindungskraft zu einem Abkommen gelangen, das die lebenswichtigen Sicherheitsinteressen Israels und die politischen Bestrebungen der Palästinenser zufriedenstellt, den Anliegen der anderen Parteien entgegenkommt und die Unterstützung
der internationalen Gemeinschaft findet.

�28

21. Juli 1982

MBFR, EUROPA UND DIE SICHERHEIT DES BÜNDNISSES: DIE PERSPEKTIVEN DER USA
- Rede von US-Botschafter Staar in München -

MÜNCHEN - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation bei den Wiener
Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen in Mittel•
europa (MBFR), Botschafter Dr. Richard F. Staar, hat am 10. Juli 1982 in einer
Rede auf einer Informationstagung der Deutschen Atlantischen Gesellschaft in
München ausführlich die neuen MBFR-Initiativen des Westens erläutert. Die wesentlichen Auszüge aus dieser Rede haben folgenden Wortlaut:
...Vermutlich zum ersten Mal in der Geschichte haben die Vertreter einander gegenüberstehender Bündnisse im Frieden sich an den Verhandlungstisch
gesetzt. Darüber hinaus ist zu unterscheiden, daß als Folge der Struktur dieser Verhandlungen eine direkte und ständige Einflußnahme der europäischen
NATO-Mitglieder gegeben ist; dies unterscheidet MBFR von RüstungskontrollVerhandlungen wie INF und START, die bilaterale Verhandlungen darstellen, wenn
sie auch, selbstverständlich, in Konsultation der NATO-Verbündeten stattfinden.
Ich beabsichtige

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Ich beabsichtige heute,die folgenden Aspekte der MBFR Verhandlungen darzustellen:
- Die Verhandlungsziele der Allianz in Mitteleuropa;
- Die Auffassung von Präsident Reagan zur Rüstungskontrolle, insbesondere
auf dem Gebiet der konventionellen Streitkräfte;
- Die neue Initiative des Westens, wie sie am 8, Juli 1982 in Wien eingebracht wurde;

. . . . . .

- Zweck und Vorzüge des neuen Verhandlungsansatzes sowie
- Hauptschwierigkeiten und Verhandlungsaussichten bei MBFR.
U6 bi u

QqritQi

Als einleitende Bemerkung möchte ich die Tatsache betonen, daß wir uns in
Wien ausschließlich mit konventionellen Streitkräften befassen. Es ist wichtig
festzuhalten, daß die gegenwärtige Debatte über die Abschreckungs-Strategie
und über den neuen westlichen Vorschlag in Wien dazu geführt hat, die Bedeutung
der konventionellen Streitkräfte für die Sicherheit der Allianz wesentlich
deutlicher als bisher herauszuarbeiten.
•

•

-0+-,
"

Unser Ziel in Wien besteht darin, die Mannschaftsstärken der konventionellen
Streitkräfte in Ost und West im Gebiet von Mitteleuropa auf ein niedrigeres,
aber gleiches Niveau zu reduzieren.

; n,9r

^äbr

- Dies würde schon an sich dadurch stabilisierend wirken, daß es die
gegenwärtige große Überlegenheit der östlichen Streitkräfte in Mitteleuropa beseitigt.
- Es würde die Möglichkeit für einen Angriff aus dem Stand verringern, indem
es den Einsatz dieser konventionellen Streitkräfte einschränkt.
- Und dieses
- 2-

�- Und dieses würde dazu beitragen, die Gefahr der Eskalation in einen
Nuklearkrieg zu bannen, da sich diese Eskalation höchstwahrscheinlich aus
einem konventionellen Konflikt heraus entwickeln würde. ...
RüstungskontrollVerhandlungen sind kein Ersatz für eine starke Verteidigungsfähigkeit.
Allerdings haben die westlichen Regierungschefs gleichzeitig ihre Absicht
bekräftigt, ein übereinkommen zwischen West und Ost zu suchen, das dazu beitragen könnte, die Sicherheit durch militärisch bedeutsame und nachprüfbare
Reduzierungen der Streitkräfte zu erhöhen, womit die militärpolitische Lage
in Mitteleuropa wie auch in Europa insgesamt stabilisiert würde. Darüber hinaus
könnte ein solches Abkommen dazu beitragen, die Kostenspirale der Verteidigungsausgaben abzuflachen. ...
Verhandlungsgegenstand sind die einander gegenüberstehenden Streitkräfte
zusammengenommen etwa 990 000 Mann der NATO und mehr als 1,2 Millionen Mann
des Warschauer Paktes, die heute beiderseits einer Nord-Süd-Linie stehen, die
von der Ostsee bis zum Oberlauf der Donau reicht.
- Dies ist die größte militärische Konfrontation ihrer Art in der Welt;
- sie ist zweifellos die größte in Friedenszeiten;
- es handelt sich höchstwahrscheinlich um die kostspieligsten stehenden
Streitkräfte aller Zeiten, wenn man die Größe der direkten und indirekten
Kostenfaktoren in Betracht zieht. Der Westen hat mit seinen konventionellen
Streitkräften, gedeckt durch eine glaubwürdige nukleare Abschreckung, die
Sicherheit der Allianz in den vergangenen 33 Jahren gesichert. ...
Parallel dazu war es ein weiteres Hauptziel der westlichen Allianz, die
Risiken einer solchen Konfrontation durch Verhandlungen über gegenseitige Verminderung der Streitkräfte in Mitteleuropa auf gleiche Höchststärken aufzufangen
und dies mit einem wirksamen Verbund begleitender Maßnahmen zu

ergänzen.
Diese begleitenden

- 3 -

�Diese begleitenden Maßnahmen sollen sicherstellen, daß ein Reduzierungsabkommen auch eingehalten wird,und sie sollen beide Seiten ein Mindestmaß an
Aufschluß über die militärischen Aktivitäten der Gegenseite geben.
Die Alliierten waren stets überzeugt, daß ein Abkommen mit Reduzierungen
und begleitenden Maßnahmen einen Beitrag zur Stabilität liefern könnte, das
gegenseitige Vertrauen stärken und die Spannung in Europa verringern würde.
Dies waren die Ziele der NATO-Minister, als sie sich 1968 in Reykjavik trafen
und dort erstmals den Warschauer Pakt zur Teilnahme an solchen Verhandlungen
einluden. Und dies bleiben auch heute die Ziele der Allianz.
Das Hauptziel des Westens, damals wie heute, ist also die Beseitigung des
bestehenden Ungleichgewichts zwischen den Personal stärken der Landstreitkräfte
in Mitteleuropa, und zwar durch
- Herstellung der Parität,
- auf einem niedrigeren Streitkräfte-Niveau,
- in der Form von Höchstgrenzen für die Mannschaftsstärken der Landstreitkräfte jeder Seite.
Dies würde von beiden Parteien bedeutende Reduzierungen verlangen. Die
Warschauer-Pakt-Staaten haben beispielsweise nach westlichen Erkenntnissen
in Mitteleuropa 57 Divisionen stationiert, die etwa 960 000 Mann Gesamtpersonal umfang haben.
Die Staaten der NATO unterhalten demgegenüber etwa 25 Divisionen in diesem
Raum, bestehend aus etwa 790 000 Soldaten.
Diese beträchtliche Disparität von Landstreitkräften bei einer Überlegenheit
des Warschauer Paktes von mehr als 170 000 Mann bedeutet einen Hauptfaktor für
das militärische Ungleichgewicht, dessen Beseitigung das Risiko eines bewaffneten Konflikts einschließlich eines Nuklearkrieges in Europa vermindern würde.
Die westlichen

�Die westlichen Verhandlungsvorschläge mußten über das Problem dieser
Disparität hinaus auch den geographischen Faktor berücksichtigen, der darin
besteht, daß die USA ihre Reduzierungsanteile über mehr als 5 000 km hinweg
aus Mitteleuropa abziehen müßten, wohingegen die Sowjetunion ihre Reduzierungsanteile unmittelbar an den Ostgrenzen des Reduzierungsgebietes weiter verfügbar
halten könnte. ...
Auch der Osten brachte Vorschläge ein. Aus der Sicht der NATO jedoch hätten
diese lediglich die numerische Überlegenheit des Warschauer Paktes an Mannschaftsstärken und Kriegsgerät im Reduzierungsgebiet völkerrechtlich festgeschrieben. Mit anderen Worten: Die östlichen Vorschläge hätten eben weder zu
substantiellen Warschauer Pakt Reduzierungen noch zur Parität bei den Streitkräftestärken geführt. ...
Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit besonders darauf lenken, daß Präsident
Reagan in erster Linie Rüstungskontrollvertrage anstrebt, die zu tatsächlichen
Verminderungen und nicht bloß zu Begrenzungen der Streitkräfte beider Seiten
führen. • •
Nach Abschluß einer umfassenden politischen Bestandsaufnahme auf dem Gebiet
der Rüstungskontrolle und insbesondere bei MBFR, schlug Präsident Reagan den
westeuropäischen Verbündeten und Kanada einen neuen MBFR-Ansatz vor. Nach dessen
intensiver Beratung in der NATO war das Ergebnis ein umfassender, kühner Vorschlag des Westens, den Präsident Reagan bei seiner Rede vor dem Bundestage am
9. Juni 1982 ankündigte und den das Kommunique des NATO-Gipfeltreffens widerspiegelt. Der Westen hat diesen Vorschlag am 8. Juli 1982 in Wien eingebracht
und erwartet nun die Antwort des Ostens.
Dieser neue Ansatz reflektiert die Beurteilung der Allianz bezüglich des
Verhandlungsstandes sowie die westliche Haltung. Diese Lagebeurteilung kam zu
folgendem Schluß:
- Die anhaltende und sogar zunehmende Rolle der Rüstungskontrolle auf
konventionellem Gebiet in Mitteleuropa erfordert, die MBFR-Verhandlungen neu
- 5 -

�MBFR-Verhandlungen neu zu beleben, und
- das bisherige westliche Verhandlungsziel, nämlich Parität bei den Personalstärken der Streitkräfte für Ost und West in Mitteleuropa, bleibt nicht
nur weiterhin gültig, sondern muß energischer als bisher verfolgt werden. ...
Der Vorschlag sieht einen umfassenden Vertrag vor,in dem alle direkten Teilnehmer sich völkerrechtlich verpflichten, übereinstimmende gemeinsame Höchststärken von etwa 900 000 Mann für ihre Land- und Luftstreitkräfte herzustellen,
wobei für die Landstreitkräfte eine Obergrenze von etwa 700 000 Mann gilt.
Der Westen schlägt eine stufenweise Ausführung der Reduzierungen vor. Jede
Stufe bedarf einer vollen Verifikation. Das westliche Paket der begleitenden
Maßnahmen zur Verifikation und zur Vertrauensbildung bleibt so, wie es im
Dezember 1979 unterbreitet wurde, integraler Bestandteil des Vertragsentwurfs.
Diese Maßnahmen sehen unter anderem vor:
- Inspektionen vor Ort;
- ständig besetzte Durchlaufpunkte für die Überwachung von Truppenverschiebungen an den Grenzen;
- einen Datenaustausch; und
- die Nicht-Behinderung nationaler technischer Aufklärungsmittel.
Die erste Reduzierungsstufe soll nur amerikanische und sowjetische Personalverminderungen von 13 000 beziehungsweise 30 000 Mann betreffen. Die Ausgangsdaten des Gesamtpersonals für beide Seiten sollen im Vertrag fixiert werden.
Daraus soll der Gesamtumfang für die erforderlichen Reduzierungen in Ost und
West errechnet und bei Vertragsunterzeichnung spezifiziert werden.
Der neue Verhandlungsansatz besteht aus einem einzigen Abkommen. Dies berücksichtigt die östlichen Forderungen nach einer Kopplung, indem beide Vertragsparteien rechtswirksame Verpflichtungen eingehen, die alle Teilnehmer mit

�Teilnehmer mit der Unterzeichnung des Vertrages festlegen, und zwar für alle
Reduzierungsstufen im dafür vorgesehenen Zeitraum von sieben Jahren.
Zweck und Vorzüge des neuen Verhandlungsansatzes
Indem der Westen seinen Vorschlag in Form eines Vertragsentwurfes vorlegt,
unterstreicht er seine Seriosität bei den Wiener Verhandlungen und seine Entschlossenheit zu militärisch bedeutsamen Reduzierungen in Mitteleuropa. Diese
neue Initiative zielt ebenso darauf ab, den Verhandlungen einen neuen und erfolgversprechenden Impuls zu geben. Es war immer ein Kernelement in den östlichen Vorstellungen, daß sich alle direkten Teilnehmer von Beginn an zu Reduzierungen rechtlich verpflichten sollten. In seinem neuen Ansatz würde der
Westen sich diesbezüglich intensiver verpflichten als in all seinen früheren
Vorschlägen. Damit müßten nun die östlichen Besorgnisse bezüglich einer zu losen
Kopplung eliminiert sein.
Der neue westliche Vorschlag räumt die östlichen Argumente gegen eine
Dateneinigung zu Beginn der Verhandlungen aus dem Wege. Im Laufe der Verhandlungen hatte der Osten schließlich anerkannt, daß man sich über die Datenfrage
verständigen müsse, um die jeweiligen Reduzierungsumfänge zur Erreichung der
übereinstimmenden Höchststärken erreichen zu können. Der Osten hatte jedoch
bestritten, daß diese Dateneinigung schon für die amerikanischen und sowjetischen
Reduzierungen in einer ersten Phase erforderlich seien, denn diese Reduzierungsumfänge seien ja bereits fixiert (nämlich mit 13 000 Amerikanern und 30 000
Sowjetrussen). Da nun der neue westliche Vertragsentwurf alle Reduzierungen in
einem einzigen Abkommen festlegen will, muß der Osten anerkennen, daß man sich
von Anfang an über die Streitkräftezahlen einigen muß.
Der neue westliche Vorschlag räumt ebenso die östlichen Argumente gegen
eine Einigung über das gesamte Paket der begleitenden Maßnahmen für Verifikation
und Vertrauensbildung aus dem Wege. Der Osten hatte bisher behauptet, daß begleitende Maßnahmen in ihrer Intensität und Anzahl den jeweiligen Reduzierungsumfängen entsprechen müßten. Angesichts der 1979 vom Westen vorgeschlagenen,

- 7 -

�Westen vorgeschlagenen, eher bescheidenen Reduzierungen sei das westliche Paket
begleitender Maßnahmen überproportional groß und dringe viel zu tief in die
östlichen Sicherheitsstrukturen ein. Nachdem nunmehr der neue Vertragsentwurf
des Westens substantielle Reduzierungen aller direkten Teilnehmer vorsieht,
muß der Osten anerkennen, daß das Paket begleitender Maßnahmen nach Art und
Umfang den Reduzierungen voll und ganz entspricht. Lassen Sie mich nun die Vorzüge eines solchen MBFR-Vertrages erläutern:
1. Die Herstellung der Parität bei den Mannschaftsstärken auf beiden Seiten
in Mitteleuropa würde das Niveau der konventionellen Streitkräfte, die einander gegenüberstehen, stabilisieren. Es würde dabei gleichzeitig eine Obergrenze für die sowjetischen und die osteuropäischen Streitkräfte im Reduzierungsgebiet hergestellt. Zur Herstellung dieser Parität müßte der Warschauer Pakt
nach westlichen Erkenntnissen cirka 260 000 Mann seiner Landstreitkräfte abziehen,
was schon für sich genommen ein beträchtlicher Beitrag zur Stabilität und zur
Vertrauensbildung wäre. Darüber hinaus würde die Parität auf niedrigerer Höhe
die konventionelle Verteidigungsfähigkeit des Westens verbessern, indem sie die
gegenwärtige Überlegenheit von über 170 000 Mann bei den Truppen des Warschauer
Paktes beseitigt. Die Parität würde außerdem die Wahrscheinlichkeit verringern,
daß konventionelle Streitkräfte in Krisenperioden in Europa eingesetzt würden,
und eine verstärkte konventionelle Abschreckung würde ihrerseits die Eskalation
in eine nukleare Auseinandersetzung weniger wahrscheinlich machen.
2. Ein Abkommen, wie es der Westen vorschlägt, das ein Paket kooperativer,
und ich unterstreiche kooperativer, begleitender Maßnahmen einschließt (z.B.
Inspektionen vor Ort, Notifizierung, Beobachtung, Datenaustausch, usw.), würde
einen eigenen Beitrag zur Sicherheit in Europa liefern, vornehmlich durch
Verifikation, aber auch dadurch, daß es einen gewissen Schutz vor Fehlinterpretationen der militärischen Aktivitäten der Gegenseite im Herzen des europäischen Kontinents bietet.
3. Der NATO-Vorschlag wurde von einer einseitigen Erklärung des Westens begleitet, die besagt, daß die Alliierten ein allianzinternes Arrangement anstreben, demzufolge keiner von ihnen seine nationalen Verpflichtungen zur gemein- 8 -

�zur gemeinsamen Verteidigung vernachlässigen würde und zwar auch bezüglich
der Aufrechterhaltung ihrer Personal bei träge für die Land- und Luftstreitkräfte in Mitteleuropa.
Damit bekräftigen also die Verbündeten, daß sie ihre nationalen Beiträge
zur gemeinsamen Verteidigung weiterhin leisten werden, was den Zusammenhalt
und das gegenseitige Vertrauen innerhalb der NATO nur stärken kann. Im Rahmen
der verminderten Streitkräfte-Stärke ist diese einseitige Erklärung eine
beschlossene Grundlage für starke und dauerhafte Beiträge der Alliierten im
Reduzierungsgebiet für eine gemeinsame Verteidigung. Alle Alliierten sind aufgerufen, die notwendigen Verteidigungsbeiträge für eine wirkungsvolle Verteidigung des Bündnisses zu leisten.
über eine verbesserte Verteidigungs- und Finanzplanung des Bündnisses hinaus
soll der neue Vorschlag auch bewirken, die Spirale der Rüstungskosten abzuflachen.
Offen gesagt: die vorgeschlagenen Truppenverminderungen sind anfänglich relativ
bescheiden. Am Ende des siebenjährigen Reduzierungsprozesses jedoch wird der
Osten nach westlicher Rechnung 260 000 Mann seiner Landstreitkräfte abgezogen
haben, und der Westen etwa 90 000. Folglich würde das wesentliche Resultat des
Abkommens nicht in seinem Anfangsstadium, sondern in seiner Langzeitwirkung
liegen, indem es auf Dauer die Kosten der konventionellen Abschreckung verringert.
Ein Vertrag auf der Basis unseres Vorschlages würde die große militärische
Überlegenheit des Ostens im Reduzierungsgebiet beseitigen und damit die militärische Lage in Mitteleuropa stabilisieren. Dies wiederum würde auch zu einer
Stabilisierung der Verteidigungsausgaben in diesem Gebiet führen.
Es ist überflüssig zu betonen, daß vereinbarte Ost/West-Reduzierungen bei
weitem vorteilhafter für die Sicherheit der USA und der Allianz sind

als ein-

seitige amerikanische Truppenabzüge. Ein Vertrag, der den eben beschriebenen
Rahmen absteckt, sollte der öffentlichen Meinung in den USA für lange Zeit klar
machen, daß die amerikanische Garantie für und die US-Präsenz in Europa tatsächlich
Teil eines Eintretens für die gemeinsame Verteidigung sind.
Probleme und
- 9 -

�Probleme und Aussichten bei den Verhandlungen
Wie vorhin bereits erwähnt, gibt es zwei Hauptprobleme bei den Wiener Verhandlungen, die seit Jahren einem Fortschritt im Wege stehen. Es handelt sich
dabei um die Frage der Datenklärung und die der begleitenden Maßnahmen. Um diese
Schlüssel fragen zu lösen, bedarf es einer geschäftsmäßigen und konstruktiven
Mitarbeit des Ostens.
Die große Diskrepanz beziehungsweise Differenz zwischen den Zahlenangaben
für die Mannschaftsstärken des Ostens im Reduzierungsgebiet ist das Hauptproblem
bei den Wiener Verhandlungen. Insgesamt beläuft sich diese Diskrepanz auf cirka
170 000 Mann.
Dies ist keineswegs eine rein technische Frage. Ohne Einigung darüber,
welche Mannschaftsstärken reduziert bzw. begrenzt werden müssen, wäre ein Verminderungsabkommen weder verifizierbar, noch durchsetzbar, also politisch unakzeptabel. Wir haben dem Osten wieder und wieder erklärt, daß wir kein Reduzierungs- und Begrenzungsabkommen ohne vorherige Dateneinigung abschließen
können, da diese Daten ein unzweideutiges objektives Kriterium der Vertragseinhaltung darstellen. Ohne Dateneinigung wäre es unmöglich, genaue Obergrenzen
für die Personal stärken festzulegen, die nach Reduzierungen erlaubt sind.
Wir haben also den Osten wiederholt zu einer konstruktiven Diskussion
dieses Problems aufgefordert. Der Osten hat beharrlich darauf bestanden, daß
seine Zahlenangaben korrekt sind und daß folglich alle Diskrepanzen auf falschen
Erkenntnissen des Westens beruhen.
Wir sind unsererseits durchaus von der Richtigkeit unserer Erkenntnisse
über die Truppenstärken des Ostens überzeugt,und wir werden weiterhin darauf
bestehen, daß ein Vertrag auf einer Dateneinigung beruhen muß.
Die östliche Haltung zum Problem der begleitenden Maßnahmen hat das zweite
große Hindernis in den Wiener Verhandlungen geschaffen, ungeachtet der Tatsache,
daß der Osten bei Beginn der Verhandlungen 1973 dem Gedanken zustimmte, daß

�zustimmte, daß solche Maßnahmen ein integraler Bestandteil der Verhandlungsmaterie sein würden.
Nach westlicher Ansicht haben begleitende Maßnahmen eine Doppelfunktion:
sie unterstützen die Verifikation eines Reduzierungsabkommens und wirken vertrauensstärkend, indem sie bei den Parteien Gewißheit über die harmlose Natur
von militärischen Routinetätigkeiten der Gegenseite geben. Aus diesen Gründen
hat der Westen in seinem Vorschlag als integralen Bestandteil ein sorgfältig
ausgewogenes Paket von Maßnahmen aufgenommen, die dem Zweck dienen, einen wesentlichen direkten Beitrag zu den oben erwähnten Verhandlungszielen zu liefern
Die Vorstellungen des Ostens haben sich denen des Westens in einigen
Fällen angenähert. Dazu gehören:
- Das Konzept der Vorausinformation über bestimmte militärische Aktivitäten;
- Die Errichtung von Check-points für Truppenabzüge (allerdings nur für
die Abzugsbewegungen selbst und weder permanent bemannt,noch für die Kontrolle
eventueller Zuführungen vorgesehen);
- Informationsaustausch;
- Anwendung nationaler technischer Aufklärungsmittel (aber nicht Verbot
ihrer Störung); und
- Einrichtung einer Konsultativ-Kommission.
Grundlegender Dissens jedoch herrscht bei einigen Aspekten der begleitenden
Maßnahmen. Dazu gehören:
- die geographische Ausdehnung des Anwendungsbereiches für die beiden
ersten Maßnahmen über den Reduzierungsraum hinaus in den europäischen Teil der
Sowjetunion; und
- Inspektionen.

Nach w e s t l i c n e r

- 11 -

�Nach westlicher Vorstellung ist es keineswegs unvernünftig, von der
Sowjetunion zu erwarten, daß sie dem Prinzip der geographischen Ausdehnung
für diese beiden Maßnahmen zustimmt, denn schließlich hat sie ein ähnliches
Prinzip bei der Madrider Folgekonferenz (der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, KSZE) anerkannt. Es ist ebensowenig eine unsittliche
Forderung des Westens, wenn er vom Osten die Annahme von Beobachtern und
Inspektionsteams erwartet, da diese schließlich zu jedem RListungskontrollvertrag
gehören müssen, in den die Vertragsparteien Vertrauen setzen sollen.
Es ist einfach unmöglich, die Vertragsbestimmungen eines Rüstungskontrollabkommens zu verifizieren, bei dem es sich um Reduzierungen und Begrenzungen
von Personal stärken handelt, ohne eine direkte Beobachtung und Inspektionen
dafür vorzusehen. Ein derartiges Abkommen ohne zuverlässige Verifikationsmaßnahmen hätte keinerlei Erfolgsaussichten vor westlichen Parlamenten und der
öffentlichen Meinung. Wir haben die Sowjetunion wiederholt und auf höchster
Ebene auf das Erfordernis der sogenannten "kooperativen Verifikation" hingewiesen. In seinem "Spiegel"-Interview vom 2. November letzten Jahres hat Präsident
Breshnew von der Bereitschaft seines Landes gesprochen, die nationalen Aufklärungsmittel durch kooperative Maßnahmen zu ersetzen, wo immer dies im Sinne
gegenseitigen Vertrauens erforderlich sei, also beispielsweise durch Maßnahmen
wie Ortsinspektionen und Austausch von Beobachtern. Wir haben allerdings bis
heute noch keinerlei konkrete Bestätigung für einen sowjetischen Sinneswandel
erkennen können. In der Welt von heute ist eine derartige Kooperation nicht nur
ein pragmatisches Erfordernis, sondern sie ist politisch unumgänglich.

Zukunftsaussichten
Ungeachtet der gegenwärtigen ungelösten Streitfragen zwischen beiden Seiten
in den Schlüsselproblemen von Dateneinigung und begleitenden Maßnahmen hat sich
die Wiener Konferenz doch als eine wichtige und einzigartige Verhandlung von
Allianz zu Allianz erwiesen, in der es um sensitive und komplizierte multilaterale
Sicherheitsfragen geht.
Mehr noch:

- 12 -

�Mehr noch: Diese Verhandlungen sind gegenwärtig die einzigen, die RüstungskontrollVereinbarungen für konventionelle Streitkräfte erwarten lassen. Es ist
daher nicht unvernünftig anzunehmen, daß die Wiener Konferenz auf der Basis
ihrer bisher gewonnenen Erfahrung ihre Arbeit fortsetzen wird. Es kommt hinzu,
daß der Osten einige grundlegende westliche Vorstellungen akzeptiert und sie mit
einigen Modifikationen in seine eigenen Vorschläge aufgenommen hat.
Erstens, wie ich schon sagte, hat der Osten das Paritätsprinzip für die
Mannschaftsstärken im Reduzierungsraum in der Form übereinstimmender kollektiver
Höchststärken akzeptiert. Damit ist der Osten von seiner früheren Forderung
nach prozentual gleichen Reduzierungen beider Seiten abgerückt. Allerdings ist
der Wert dieses östlichen Schrittes dadurch wieder verringert worden, daß der
Osten auf seinen Zahlenangaben besteht, denen zufolge eine ungefähre Parität
bei den Mannschaftsstärken in Mitteleuropa bereits existiert.
Zweitens hat der Osten das Prinzip der Kollektivität für die Reduzierungen
wie auch für die verbleibenden Höchststärken als solches akzeptiert, mit anderen
Worten: das westliche Bündnis kann theoretisch autonom die Reduzierungsanteile
wie auch die verbleibenden Höchststärken der direkten westlichen Teilnehmer
festlegen, ohne daß der Osten ein Mitspracherecht bezüglich der individuellen
Quotenaufteilung innerhalb der NATO erhielte. Andererseits jedoch verlangt der
Osten, daß die Reduzierungsanteile der westlichen Staaten ihren derzeitigen
Personal stärken "annähernd proportional" sein müssen, womit der Osten sozusagen
durch die Hintertür die individuellen westlichen Reduzierungsanteile doch festzulegen sucht. Der Osten hat darüber hinaus eine Bestimmung vorgeschlagen, wonach
kein Teilnehmer mehr als 50 Prozent der Gesamtstärke seines Bündnisses haben
darf. Dieser Vorschlag träfe im Westen allein die Bundeswehr und würde damit die
Bundesrepublik Deutschland innerhalb der NATO in eine Sonderrolle abdrängen.
Wir haben daher diese östlichen Vorschläge abgelehnt.
Man braucht nicht ausdrücklich zu betonen, daß ein Vertragsabschluß in Wien
letzten Endes wesentlich vom Osten abhängt. Der neue westliche Vorschlag macht
klar, daß der Warschauer Pakt seine Streitkräfte einschneidend vermindern muß,
wenn das Hauptziel der Parität erreicht werden soll. Insbesondere muß die
- 13 -

�muß die Sowjetunion, nachdem sie sich in Wien zum Ziel der Parität bei den
Mannschaftsstärken von ungefähr 900 000 Mann bei Land- und Luftstreitkräften
bekannt hat, nunmehr die erforderliche politische Entscheidung fällen, diejenigen substantiellen und verifizierbaren Reduzierungen vorzunehmen, um tatsächlich Parität auf diesem Streitkräfteniveau herbeizuführen.
Die Staaten des Warschauer Paktes können ihre Bereitschaft zu einschneidenden Reduzierungen dadurch deutlich machen, daß die in einem Abkommen ihre
tatsächliche Streitkräftestärken angeben, so daß eine Berechnung ihrer Reduzierungsumfänge möglich wird. Der Osten muß außerdem seriös an der Ausarbeitung
wirksamer Verifikationsmaßnahmen mitwirken.
Die westlichen Verhandlungsteilnehmer erwarten, daß der Osten die volle
Bedeutung des neuen westlichen Vertragsentwurfes erkennt. Wenn der Osten ein
wirkliches Interesse an der Reduzierung konventioneller Streitkräfte in Mitteleuropa hat, dann soll er uns in Wien eine positive, konstruktive und substantielle
Antwort geben.
Die westlichen Verhandlungsziele haben sich nicht geändert. Es war und
bleibt unsere Absicht, einen Vertrag auszuhandeln, der zu niedrigeren Streitkräftestärken in Mitteleuropa führt, der zur Stabilität beiträgt, das Vertrauen
stärkt und Spannungen abbaut, und zwar durch überprüfbare Parität bei den
Mannschaftsstärken nach TruppenVerminderungen auf übereinstimmende Höchstgrenzen.
Die Ziele der USA und der Europäer sind dabei identisch. Es wird nicht leicht
sein, sie zu erreichen, aber der Westen ist entschlossen, sein Bestes zu geben.
+++++

- 14 -

�28

21. Juli 1982

ROSTOW FORDERT OSTEN ZU FLEXIBILITÄT BEI MBFR-VERHANDLUNGEN AUF
- Erklärung des US-Abrüstungschefs in Wien -

WIEN - (AD) - Der Direktor des amerikanischen Amtes für Rüstungskontrolle
und Abrüstung (ACDA), Eugene Rostow, hat die östlichen Delegationen bei den
Wiener Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen
(MBFR) am 15. Juli 1982 aufgefordert, sich in der Frage der Daten und der Vertrauensbildenden Maßnahmen entgegenkommender zu zeigen. Die MBFR-Verhandlungen
wurden an diesem Tag bis September vertagt.
Die Erklärung von Rostow hat folgenden Wortlaut:
Am Donnerstag voriger Woche hat der Westen formell einen Vertragsentwurf
vorgelegt, der einen neuen, umfassenden Vorschlag enthält, der den MBFR-Verhandlungen hoffentlich neuen Auftrieb geben wird. Wie ich vorige Woche in
Washington erklärt habe, hat Präsident Reagan unterstrichen, daß dieser neue
Vorschlag des Westens über Verringerungen der konventionellen Streitkräfte
eine wichtige Ergänzung früherer amerikanischer Initiativen bei den Verhandlungen
über nukleare Mittel Streckensysteme (INF) und den Verhandlungen über eine

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�über eine Verringerung der strategischen Rüstungen (START) - die beide gegenwärtig in Genf geführt werden - darstellt.
Dieser neue Vorschlag macht das Hauptziel des Westens bei diesen Verhandlungen deutlich, nämlich Abbau der Spannungen in Mitteleuropa durch eine Verringerung der zahlenmäßigen Stärke der Landstreitkräfte und die Herstellung
einer Parität auf niedrigerer Ebene in Form einer gemeinsamen kollektiven
Höchstgrenze der Streitkräfte auf beiden Seiten.
In den neun Jahren, seit diese Verhandlungen andauern, haben sich drei
fundamentale Probleme als die Haupthindernisse für ein Abkommen herausgestellt:
1. Das Fehlen vereinbarter Daten über die östlichen Streitkräfte im
Reduktionsgebiet;
2. der Mangel an Übereinkunft zwischen den Seiten über kooperative begleitende Maßnahmen zur Verifizierung eines Abkommens über eine Verringerung und
Begrenzung; und
3. das Problem der Verknüpfung, d.h. die östliche Vorbedingung seit Beginn
der Wiener Verhandlungen, daß alle direkt Beteiligten von Beginn eines Abkommens
an rechtlich bindende vertragliche Verpflichtungen eingehen, sich an den Verringerungen zu beteiligen, die notwendig sind, um die gemeinsame Höchstgrenze
zu erreichen.
Der neue Vorschlag des Westens trägt der östlichen Vorbedingung der Verknüpfung Rechnung.
Alle direkt Beteiligten würden in einem einzigen, umfassenden Abkommen
den Umfang der Verringerungen spezifizieren, die jede Seite in vier vorher
festgelegten Stadien innerhalb eines zeitlichen Rahmens von sieben Jahren vornehmen muß, um die gemeinsamen Höchstgrenzen zu erreichen.
In unserem

�In unserem neuen Ansatz würde der Westen eine festere Verpflichtung eingehen, die alle direkt Beteiligten bindet, Verringerungen auf eine gemeinsame
Höchstgrenze vorzunehmen, als wir dies je zuvor vorgeschlagen haben.
Daß der Westen diese Initiative in Form eines Vertragsentwurfs vorgetragen hat, unterstreicht die westliche Ernsthaftigkeit und Bereitschaft,
militärisch bedeutsame Verringerungen in Mitteleuropa zustandezubringen.
Wir erwarten vom Osten, daß er sich der Bedeutung des Vertragsentwurfs
des Westens bewußt ist. Wenn der Osten ernsthaft an Verringerungen der konventionellen Streitkräfte in Europa interessiert ist, dann sollten die östlichen Beteiligten eine positive, konstruktive und sachliche Antwort auf den
westlichen Vertragsentwurf geben; nämlich durch einen vergleichbaren Schritt
auf dem Gebiet der Daten und der begleitenden Maßnahmen.
+++++

- 3 -

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassv of the United States of Amerika

21. Juli 1982

28

USA WOLLEN VOLLSTÄNDIGES VERBOT VON CHEMISCHEN WAFFEN
- Erklärung von Admiral Howe -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten streben ein vollständiges
und verifizierbares Verbot chemischer

Waffen an.

Dies erklärte der Direktor

des Büros für politisch-militärische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Admiral Jonathan Howe, am 13. Juli 1982 vor dem Unterausschuß
für internationale Sicherheit und Wissenschaft des Außenpolitischen Ausschusses des Repräsentantenhauses.

Wenn die Sowjets echte Bemühungen um die Ein-

haltung bestehender internationaler Verpflichtungen auf dem Gebiet chemischer,
biologischer und toxischer Waffen unternehmen würden, so sagte der Admiral,
dann könne es zu echten bilateralen Fortschritten kommen.
Die Ausführungen von Admiral Howe vor dem Unterausschuß haben folgenden
Wortlaut:
Ich freue mich, heute vormittag mit Ihnen über außenpolitische und
rüstungskontrollpolitische Aspekte chemischer Waffen sprechen zu können.
Die Politik der Vereinigten Staaten auf diesem Gebiet ist klar.

Unser

Ziel ist und bleibt, dem derzeitigen Einsatz chemischer Waffen in Afghanistan
und in Südostasien Einhalt zu gebieten und ein vollständiges und verifizierbares Verbot der Entwicklung, Herstellung und Lagerung solcher Waffen zu

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Telex: 8-85432

�Waffen zu erreichen.
Das Genfer Protokoll von 1925, dem die Vereinigten Staaten beigetreten
sind, verbietet im Krieg die Anwendung von erstickenden, giftigen und anderen
Gasen und von Methoden der biologischen Kriegführung.

Leider verbietet die

Konvention nur die Anwendung chemischer Waffen, nicht aber ihren Besitz.
Darüber hinaus handelt es sich im Grunde nur um ein Verbot des Ersteinsatzes,
da sich die meisten wichtigen Militärmächte, einschließlich der Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion, das Recht vorbehalten haben, auf den Einsatz
chemischer Waffen durch einen Gegner mit chemischen Waffen zu reagieren.
Unser letztliches Ziel ist der Abschluß eines neuen multilateralen Vertrages,
der chemische Waffen überhaupt verbietet und eine wirksame Verifizierung und
Einhaltung vorsieht.
Der Abschluß eines solchen Vertrages wäre ein wichtiger Meilenstein für
die Menschheit. Aber es wird nicht leicht sein. Das entscheidende Hindernis
auf dem Wege zu einem Fortschritt ist die sowjetische Unzugänglichkeit in
Fragen der Verifizierung und Einhaltung. Jedes wirksame Abkommen über ein
Verbot chemischer Waffen muß die Vernichtung bestehender Lager sicherstellen
und ausreichende Überwachungsbestimmungen enthalten, damit kein Vertragspartner heimlich chemische Waffen behält oder produziert. Kürzliche sowjetische Verletzungen haben die absolute Notwendigkeit wirksamer Verifizierung
und Beobachtung eines Vertrages über das Verbot chemischer Waffen unterstrichen.
Um den Prozeß voranzutreiben, haben wir unsere Bemühungen von den bilateralen amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen in den Abrüstungsausschuß
(der Vereinten Nationen) verlegt. Die im Jahr 1977 begonnenen bilateralen
Verhandlungen blieben Mitte 1980 auf einem toten Punkt stecken. Die Sowjetunion war nicht bereit, vernünftige Bestimmungen für die Verifizierung der
Vernichtung bestehender Lager an chemischen Waffen und der Beseitigung ihrer
Produktionsstätten zu akzeptieren. Und die Sowjets waren ebenso wenig bereit, wirksamen Verfahren zur Sicherstellung der weiteren Einhaltung des Vertrages zuzustimmen.
Aus diesen

�Aus diesen Gründen konzentrieren wir unsere gegenwärtigen Bemühungen auf
Genf.

Der Abrüstungsausschuß der Vereinten Nationen hat die Aufgabe, multila-

terale Rüstungskontroi labkommen zustandezubringen.

Die Vereinigten Staaten

sind an den gegenwärtigen Bemühungen dort um die Ausarbeitung eines umfassenden Abkommens über das Verbot chemischer Waffen aktiv beteiligt.
Wir haben diese Rüstungskontroilanstrengung vor dem Hintergrund einseitiger Zurückhaltung vorgenommen. Seit 1969 haben wir keine tödlichen oder
kampfunfähig machenden chemischen Waffen hergestellt. Eine amerikanische Regierung nach der anderen hat versichert, daß wir niemals mit chemischer Kriegführung beginnen würden.
Unsere Zurückhaltung fand jedoch nicht die entsprechende Reaktion seitens der Sowjetunion. Während der gleichen 13 Jahre haben die Sowjets ihre
Fähigkeit zur chemischen Kriegführung ständig weiter ausgebaut. Diese sowjetische Aufrüstung geht weit über vernünftige Abschreckungserfordernisse hinaus.
Diese Bedrohung unserer Sicherheit ist kürzlich in ein helleres Licht
gerückt worden durch den tatsächlichen Einsatz chemischer Waffen in Afghanistan
und chemischer und toxischer Waffen in Südostasien. Am 22. März und 13. Mai
dieses Jahres wurden dem Kongreß überzeugende Beweise vorgelegt. Die Zahl
der Länder wächst weiterhin. Wir analysieren Hinweise, daß diese Angriffe
trotz internationaler Bemühungen um ihre Einstellung ungebrochen weitergehen.
Solche Angriffe sind ungesetzlich.

Der Einsatz chemischer Waffen ist

eine Verletzung des Genfer Protokolls von 1925 und der damit zusammenhängenden
Regeln des Völkerrechts. Schon allein der Besitz toxischer Waffen ist eine
Verletzung der Konvention über das Verbot biologischer Waffen von 1972. Präsident Reagan hat in seiner Rede am 17. Juni vor der Zweiten Sondervollversammlung der Vereinten Nationen über Abrüstung ausdrücklich auf diese Verletzungen hingewiesen.
Leider wurden

�Leider wurden unsere zahlreichen Demarchen von den Sowjets zurückgewiesen.

Trotz überwältigender Beweise bestreiten die Sowjets weiterhin die-

se ungesetzlichen Handlungen.

Eine Gegendarstellung, die Experten der

sowjetischen Akademie der Wissenschaften, dem sowjetischen Gesundheitsministerium und anderen sowjetischen Organisationen zugeschrieben wird und am
21. Mai den Vereinten Nationen vorgelegt wurde, wird in einer der jüngsten
Ausgaben der Zeitschrift "Science" (Wissenschaft), die unabhängig ist und
nichts mit der Regierung zu tun hat, als eine Sammlung "extravaganter Mutmaßungen" bezeichnet.
Trotz dieses entmutigenden Hintergrunds bleiben wir aktiv daran interessiert, das Ziel eines weltweiten und umfassenden Verbots chemischer Waffen
zu erreichen. Wir haben die Absicht, auf der kommenden Sitzung des Abrüstungsausschusses der Vereinten Nationen im Juli alle Aspekte des sowjetischen Vorschlags zu prüfen, der kürzlich der Abrüstungs-SondervollVersammlung vorgelegt wurde. Eine erste Analyse dieses Vorschlags läßt erkennen, daß er zum
großen Teil nichts Neues enthält. Er enthält jedoch einige Elemente von potentiellem Interesse. Wie bedeutsam diese Elemente sind, ist noch nicht klar.
Es wäre jedoch verfrüht, daraus zu schließen, daß es zu einem Durchbruch
gekommen sei. Offen gesagt, wir haben die bilateralen Gespräche nicht fortgesetzt, weil unter den bestehenden Umständen wenig Aussicht auf produktive
Verhandlungen besteht. Sollten die Sowjets die Bereitschaft an den Tag legen, echt wirksame Vereinbarungen für Verifizierung und Einhaltung zu akzeptieren und sollten sie eine Bereitschaft zeigen, sich an die bestehenden
internationalen Verpflichtungen hinsichtlich chemischer, biologischer und
toxischer Waffen zu halten, dann würden die Aussichten für ernsthafte bilaterale Bemühungen steigen.

Alle mit der nationalen Sicherheit befaßten Behörden dieser Administration
wie auch frühere Kongresse sind zu dem Schluß gekommen, daß wir nicht länger
auf eine Modernisierung unseres Abschreckungspotentials auf dem Gebiet der
chemischen Kriegführung verzichten können, das im Vergleich zu den sowjetischen
Kapazitäten bescheiden ist. Unsere nationale Sicherheitspolitik muß sich an
die Realitäten der Welt halten, in der wir leben. Unsere Streitkräfte müssen
- 4 -

�Streitkräfte müssen die Fähigkeit besitzen, vor Drohungen gegen uns und unsere Verbündeten abzuschrecken.
ger.

Das erfordert ausreichende amerikanische La-

Es erfordert auch eine Verbesserung der Schutz- und Abwehrmaßnahmen ge-

gen einen Angriff mit chemischen Waffen, und darauf liegt das Hauptgewicht unseres Programms.
Der Bericht über das amerikanische Programm zur Abschreckung vor chemischer Kriegführung, den das amerikanische Verteidigungsministerium im März
dieses Jahres dem Kongreß unterbreitete, stellt unsere Situation im einzelnen
dar. Die schwere Entscheidung, unsere Kapazität an chemischen Waffen zu modernisieren, wurde nur nach langem Zögern und eingehender und genauester Prüfung unserer veralteten und verfallenden Bestände getroffen. Der Kongreß, der
der Exekutive in der Ermutigung zur Modernisierung unserer chemischen Abschreckung sogar voranging, überprüft weiterhin jeden Schritt dieses Programms sorgfältig.
Die Vereinigten Staaten haben während der letzten Jahre ihre Verbündeten
voll über ihr Programm und ihre Entscheidungen informiert, mit der Modernisierung der Kapazität für chemische Kriegführung zu beginnen.

Im März vo-

rigen Jahres haben wir unsere Verbündeten von der Entscheidung der Administration in Kenntnis gesetzt, die Bewilligung von Mitteln für die Anlage in Pine
Bluff zu beantragen.

Im Februar dieses Jahres haben wir unsere Verbündeten

über unsere Entscheidung informiert, die Bewilligung von Mitteln für die Produktion zu beantragen.

Wir halten es nicht für angebracht, Verbündete darum

zu bitten, eine Entscheidung der nationalen Sicherheit Amerikas mitzutragen,
und wir haben auch nicht darum gebeten.

Keine verbündete Regierung hat ihre

Ablehnung dieser Schritte zum Ausdruck gebracht oder sich sonstwie zur Sache
der Entscheidung geäußert, Mittel für die Produktion zu beantragen.

Seit vielen

Jahren ist es vereinbarte NATO-Doktrin, daß eine wirksame Vergeltungskapazität
auf dem Gebiet der chemischen Kriegführung
Aufrechterhaltung der Abschreckung ist.

ein wesentlicher Bestandteil der

Wir haben unsere Verbündeten eben-

so informiert, wie wir den Kongreß informiert haben, daß keine Entscheidung
über eine Vornedislozierung binärer chemischer Waffen getroffen worden ist
und auch keine solche Entscheidung gegenwärtig erwogen wird.
- 5 -

Wir haben un-

�haben unseren Verbündeten zugesichert, daß wir jedes andere Land vor einer
solchen Entscheidung voll konsultieren werden.

Da es noch Jahre dauern wird,

ehe die Produktion beginnt, und einige weitere Jahre, ehe Vorräte vorhanden
sein werden, dürfte es in der nächsten Zeit wohl kaum zu Überlegungen bezüglicht einer Dislozierung in anderen Ländern kommen.

Unsere Verbündeten wis-

sen und akzeptieren, daß wir derzeit keine Pläne haben, irgendwelche binäre
chemische Munition in einem anderen Land zu dislozieren.
Unsere Verbündeten sind ebenso wie wir darauf aus, durch Rüstungskontrolle ein völliges Verbot der Herstellung und Lagerung chemischer Waffen
anzustreben.

Gemeinsam drängen wir auf Fortschritte in Richtung auf ein Ab-

kommen im Abrüstungsausschuß in Genf.

Unsere Verbündeten wissen, daß das

Haupthindernis, das überwunden werden muß, die Verifizierung und die Garantie
der Einhaltung eines Abkommens ist.
Wir sind uns durchaus darüber im klaren, daß chemische Waffen eine emotional geladene Frage sind - in den Ländern unserer Verbündeten ebenso wie
in unserem eigenen Lande. Aber als Führungsmacht der freien Welt haben die
Vereinigten Staaten eine besondere Verpflichtung, bei der Aufrechterhaltung
des Friedens Entschlossenheit zu zeigen. Man kann darüber streiten, ob der
Besitz einer bestimmten Waffe vor der Anwendung ähnlicher Waffen durch andere
abschrecken wird, und man kann darüber streiten, welche Art welcher Waffen
in welchem Umfang notwendig seien, aber in der Debatte über chemische Kriegführung wäre noch eine Abschreckung zu finden, die keine Komponente an chemischen Waffen und keine zusätzlichen Risiken einer unerwünschten Eskalation
oder unannehmbarer Unterwerfung enthielte.
Die Geschichte des Zweiten Weltkriegs macht die Wirksamkeit chemischer Waffen als Komponente einer solchen
Abschreckung deutlich. Nach Aussagen gegnerischer Amtsträger nach dem Kriege
hat der alliierte Besitz chemischer Waffen die Achsenmächte vor der Anwendung
ihrer chemischen Waffen abgeschreckt, obwohl sie über große Arsenale verfügten.
Kurz gesagt, wir streben durch Verhandlungen nach einem verifizierbaren
Verbot aller chemischen Waffen. Bis wir damit Erfolg haben, müssen wir den
sowjetischen Anreiz für einen Einsatz chemischer Waffen gegen uns oder unsere

�oder unsere Verbündeten schmälern oder beseitigen. Das kann durch die Modernisierung und Aufrechterhaltung eines ausreichenden Abschreckungspotentials
auf dem Gebiet der chemischen Kriegführung geschehen. Unsere Maßnahmen zur
Modernisierung unserer chemischen Waffen bedeutet keine Entscheidung, einen
größeren Nachdruck auf eine chemische Kriegführung zu legen. Wir haben auch
nicht die Absicht, die sowjetischen Kapazitäten zu erreichen oder zu übertreffen. Unser Ziel ist, den sichersten und kleinsten Bestand an chemischer Munition zu besitzen, der die Abschreckung gewährleistet, die wir brauchen.

- 7 -

�T

Hintergrund
materiell
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28

21. Juli 1982

US-LANDWIRTSCHAFTSMINISTER HÄLT GETREIDEABKOMMEN MIT MOSKAU FÜR MÖGLICH

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Landwirtschaftsminister John Block
traf am 13. Juli 1982 mit hohen Vertretern der Administration zusammen, um
Fragen des Agrarhandels sowie amerikanische Handelsinitiativen zu erörtern. An
der Konferenz nahmen Finanzminister Donald Regan, Handelsminister Malcolm
Baldrige, der Sonderbeauftragte Präsident Reagans für Handelsverhandlungen,
William Brock, sowie Norman Bailey vom Nationalen Sicherheitsrat teil. Fragen
des Handels mit der Sowjetunion sowie das Getreideabkommen mit Moskau, das
am 30. September 1982 ausläuft, waren die Hauptthemen der Konferenz.
Nach dem Treffen gab Landwirtschaftsminister Block folgende Erklärung ab:
Die Konferenz, zu der ich heute vormittag mit mehreren hohen Regierungsvertretern zusammenkam, hatte den Zweck, die kürzlichen Entwicklungen auf dem Gebiet der Landwirtschaft und des Handels zu überprüfen sowie amerikanische
Initiativen auf dem Sektor des Agrarhandels zu erörtern.
Dies ist

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�Dies ist Teil der koordinierten Teamarbeit der Regierung, um die amerikanische Position im Hinblick auf internationale Handelsfragen sowohl im Handel
mit landwirtschaftlichen wie auch mit industriellen Gütern zu stärken.
Heute vormittag erörterten wir die Neubewertung der sowjetischen Getreideernte für 1982, die nach Schätzungen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums vom 12. Juli nur 170 Millionen metrische Tonnen erreichen wird, gegenüber
einer früheren Schätzung von 185 Millionen Tonnen. Daraus folgert, daß die
Sowjetunion im kommenden Jahr in starkem Maße Agrarerzeugnisse importieren muß,
wenn sie ihre Viehbestände halten und den Ernährungsstand der sowjetischen
Bürger aufrechterhalten will.
Wir erörterten mögliche Handelsvereinbarungen der USA mit der Sowjetunion
nach dem Auslaufen des gegenwärtigen Abkommens am 30. September. Eine Möglichkeit
ist ein gegliedertes Getreideabkommen.
Wir nahmen heute vormittag auch die gestrigen Ernteschätzungen für die Vereinigten Staaten zur Kenntnis, die eine Rekordernte an Winterweizen in Höhe
von 2,12 Milliarden Bushel und eine Rekordernte an Gerste in Höhe von 479
Millionen Bushel voraussagen. Die Produktion an Hafer wird auf 580 Millionen
Bushel geschätzt, 18 Prozent höher als im vorigen Jahr und 27 Prozent höher als
im Jahre 1980. Diese großen Ernten sind das Ergebnis einer ausgezeichneten
Bodenfeuchtigkeit der Brot- und Futtergetreidegebiete überall in den Vereinigten
Staaten.
Die gestrige Voraussage der erwarteten großen Getreidevorräte in den Vereinigten Staaten lenkt die Aufmerksamkeit sowohl auf die Fähigkeit der Nation,
landwirtschaftliche Produkte zu exportieren, um wertvolle positive Handelsbilanzen zu erreichen, als auch auf die Notwendigkeit starker Agrarexportverkäufe, um die Basis für eine kraftvolle Agrarwirtschaft der USA zu legen.
In diesem Zusammenhang haben wir heute vormittag die Rolle der Bundesregierung auf dem Gebiet der landwirtschaftlichen Exportverkäufe untersucht sowie

- 2 -

�untersucht sowie einige der verschiedenen Möglichkeiten, durch die die Regierung
dem privaten Sektor dabei behilflich sein kann, zusätzliche Mengen an Getreide
nach Übersee zu liefern.
Staatssekretär Seeley G. Lodwick gab eine Bewertung des gegenwärtigen
internationalen Handelsklimas, wie es sich ihm aufgrund des Zusammentreffens
mit der Konsultativgruppe aus 18 Ländern in der vergangenen Woche in Europa
darstellte, die die Tagesordnung für die GATT-Ministerkonferenz im November
erörterte. Die Vereinigten Staaten werden sich an diesen Treffen im Herbst mit
der denkbar stärksten Verpflichtung beteiligen, zusammen mit anderen Ländern
an der Liberalisierung der Regeln für den Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu arbeiten.
Inzwischen sind wir uns voll der anhaltenden Probleme bewußt, die auf den
traditionellen Exportmärkten der USA durch Exportsubventionen in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft hervorgerufen werden. Auch diese Fragen wurden
heute vormittag erörtert, und wir werden unsere Initiativen verstärken, um uns
mit dieser Situation auseinanderzusetzen.
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�28

21. Juli 1982

ZWEITE UN-KONFERENZ ÜBER FRIEDLICHE NUTZUNG DES WELTRAUMS
- USA erwarten umfangreichere internationale Zusammenarbeit

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten werden gemeinsam mit 139 anderen
Staaten den Stand der Weltraumwissenschaften und der Raumfahrttechnik auf der
zweiten Konferenz der Vereinten Nationen über die Erforschung und friedliche
Nutzung des Weltraums (UNISPACE '82) erörtern, die vom 9. bis 21. August 1982
in Wien stattfindet. Nach der ersten UN-Tagung zu diesem Themenkreis

im Jahr

1968, die die verheißungsvollen Möglichkeiten von Raumfahrt und Raumfahrttechnik der Welt aufzeigte, steht nun die internationale Zusammenarbeit im
Weltraum im Vordergrund. Vor allem wird man sich, wie aus einer vom US-Außenministerium veröffentlichten Übersicht hervorgeht, mit der Frage befassen, wie
die Raumfahrttechnik zur wirtschaftlichen Entwicklung der ärmeren Länder der
Welt beitragen kann.
Die Vereinigten Staaten erwarten von UNISPACE '82 der Verlautbarung zufolge
mehr Verständnis bei Regierungen und bei der Öffentlichkeit sowohl für die
Probleme als auch die Fähigkeiten, die sich aus Raumfahrtentwicklungen ergeben
können. Die USA rechnen ferner damit, daß Kontakte zwischen einflußreichen

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�zwischen einflußreichen Politikern und dem privaten Sektor gefördert werden und
umfangreichere Programme zur internationalen Zusammenarbeit zustande kommen,
welche sich durch gemeinsame Unterstützung von Regierungen und internationalen
Organisationen auszeichnen. Auch sei es wichtig, mehr Sinn für die Priorität
der verschiedenen Raumfahrtprojekte zu entwickeln, um bessere Zeitpläne aufstellen und verwirklichen zu können.
Im folgenden bringen wir die vom US-Außenministerium veröffentlichte
Übersicht im Wortlaut:
Hintergrund
Die zweite UN-Konferenz über die Erforschung und friedliche Nutzung des
Weltraums (UNISPACE '82) wird vom 9. bis 21. August in Wien (Österreich) abgehalten. Die erste UNISPACE-Konferenz, die dort im Jahr 1968 stattfand, brachte
zum Bewußtsein, wie ungemein verheißungsvoll Raumfahrt und Raumfahrttechnologie
sind, und führte zu verstärkter internationaler Zusammenarbeit in der Anwendung
dieser Technologie. Die Welt wurde inzwischen Zeuge der Landung von Menschen
und automatischen Geräten auf dem Mond, von automatischen Geräten auf Mars und
Venus, von Missionen zur Sondierung von Jupiter und Saturn, von den Einsätzen
des bemannten Weltraumlaboratoriums SKYLAB und des ersten wiederverwendbaren
Raumfluggeräts. Wir betreiben routinemäßig internationale und nationale Weltraumkommunikationssysteme, ein koordiniertes System zur meteorologischen Beobachtung, Satelliten, die weltweite Daten liefern, operative Navigationssatelliten und Kommunikationssysteme für die Schiffahrt sowie quasi-operative Erderkundungssysteme. Etwa 140 Länder benutzen Nachrichtensatelliten (130 Länder
sind dem INTELSAT-System angeschlossen), und über 220 Bodenstationen rund um
die Erde empfangen direkt Bilder von meteorologischen Satelliten. Mehr als
100 Länder dürften Daten der amerikanischen Erderkundungssatelliten LANDSAT benutzen, und annähernd 40 Länder sind bereits der kürzlich gebildeten internationalen maritimen Satellitenorganisation (INMARSAT) beigetreten. Die Entwicklung
weltraumgestützter Technologien hat sich in den letzten 25 Jahren dramatisch
beschleunigt. Im Jahr 1957 wurden zwei Satelliten gestartet. Jetzt sind es im
Durchschnitt 120 pro Jahr. Dieser Aktivitätsumfang sollte beibehalten werden.
Beitrag der
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�Beitrag der Vereinigten Staaten
Seit langem sind die Vereinigten Staaten führend bei gemeinsamen Raumfahrtprogrammen mit anderen Ländern - Entwicklungsländern wie Industrieländern. Mit
etwa 140 Nationen beteiligen wir uns an UNISPACE '82. Unsere Delegation führt
James Beggs, der Leiter des US-Amtes für Luft- und Raumfahrt (NASA). Seit ihrer
Gründung im Jahr 1958 schloß diese Behörde über 1 000 Abkommen mit mehr als
100 Ländern zur Durchführung gemeinsamer Raumfahrtprogramme ab. Mit 105 Nationen
arbeiteten wir in der INTELSAT-Organisation zusammen. Mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA gibt es Zusammenarbeit bei zahlreichen Projekten - das
größte davon ist SPACELAB, ein in Europa (Bremen) gebautes bemanntes Weltraumlaboratorium. Mit der NATO arbeiten wir auf dem Gebiet von Nachrichtensatelliten
zusammen, mit China, Indien, Japan, Kanada und der UdSSR bei verschiedenen
Aspekten der Raumfahrttechnologie. Durch A.I.D. (Bundesamt für internationale
Entwicklung) helfen die Vereinigten Staaten den Entwicklungsländern, Fernerkundungsverfahren für die Bewirtschaftung von Ressourcen, für die Kartographie, Vorhersage von Ernteerträgen und zur Exploration von Erz- und Grundwasservorkommen
einzusetzen. Außerdem hat A.I.D. ein Satellitenprogramm für ländliche Gebiete
eingerichtet. Es gibt weniger entwickelten Ländern die Möglichkeit, mit Hilfe
kleiner Bodenstationen moderne Nachrichtensatelliten und bereits existierende
Satellitensysteme für elementare Aufgaben des Nachrichtenwesens, Informationen
zum Gesundheitswesen, Beratung der Bauern und die Ausweitung von Schul Programmen
über Funk und Fernsehen zu benutzen.
Im Jahr 1978 starteten die Vereinigten Staaten vier wichtige Satelliten
zur Umweltüberwachung: (1) Gerät zur Messung der Temperaturunterschiede bei Tag
und Nacht auf der Erdoberfläche; (2) Gerät zur Sondierung der Weltmeere; (3)
das erste Gerät der dritten Generation von Wettersatelliten; (4) den ersten
Satelliten zur Beobachtung von Umweltverschmutzung. Am 16. Juli 1982 begann mit
dem Start von LANDSAT-D eine neue Ära des Fernerkundungsprogramms LANDSAT. Die
Raumfähre COLUMBIA beendete mit ihrem vierten Flug (27. Juni bis 4. Juli 1982)
die Erprobungsphase für den Raumtransporter. Drei weitere Weltraumflugzeuge werden derzeit gebaut oder ausgerüstet. An Bord der COLUMBIA wurde bereits die

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�bereits die Vielseitigkeit des in Kanada gebauten, ferngesteuerten Roboter"Arms"
für Transport und Positionierung von Nutzlasten im Weltraum demonstriert; eine
Anzahl von Nationen haben Plätze in der Raumfähre für ihre Nutzlasten reservieren lassen. Die interplanetare Sonde VOYAGER 2 ist jetzt auf dem Weg zum
Planeten Uranus. Die Jupitersonde GALLILEO wird 1986 gestartet. Alles in allem
wurden im Verlauf der letzten zehn Jahre enorme Fortschritte erzielt.
Themen und Programm
Auf der Konferenz UNISPACE '82 wird man internationale Gemeinschaftsunternehmen im Weltraum prüfen und sich besonders aufmerksam mit der Frage befassen,
wie mit Hilfe der Raumfahrttechnologie die wirtschaftliche Entwicklung der
ärmeren Länder der Welt gefördert werden könnte. Mehr als 20 Länder - u.a. die
USA, die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Indien, Japan, Kanada und die
UdSSR - zeigen Ausstellungen. Die amerikanische Ausstellung veranschaulicht,
daß die Führungsrolle der USA in der Raumfahrttechnik den Beiträgen sowohl der
Regierung als auch des privaten Sektors zu verdanken ist. Sie steht unter dem
Motto "Zusammenarbeiten zum Wohl des Raumschiffs Erde".
Drei Hauptthemen stehen auf dem Programm von UNISPACE '82 - der Stand von
Weltraumwissenschaft und Weltraum-Technologie, deren Anwendung, dazu internationale Zusammenarbeit und die Rolle der Vereinten Nationen. Für die Erörterung
dieser Themen werden auf der Konferenz drei Komitees ernannt:
- Komitee I prüft und bewertet wichtige Entwicklungen in der Weltraumwissenschaft und stellt Pläne für künftige Forschungsprojekte auf.
- Komitee II bewertet gegenwärtige und mögliche künftige Anwendungsmöglichkeiten für die Raumfahrttechnologie in nationalen und internationalen Programmen,
wobei Erderkundung und Satelliten-Nachrichtenwesen im Vordergrund stehen. Es
untersucht Mechanismen, mit deren Hilfe alle Staaten - unter Beachtung ihres
unterschiedlichen Entwicklungsstandes, unterschiedlicher Aufnahmefähigkeit für
neue Technologien und besonderer Bedürfnisse und Prioritäten - von der Raumfahrttechnologie profitieren können. Auch der Einsatz der Raumfahrttechnologie für

- 4 -

�Raumfahrttechnologie für Bildungszwecke wird geprüft. Der Ausschuß wird sich
ferner damit befassen, inwieweit verschiedenartige Satellitensysteme, einschließlich solcher zur Erderkundung und Wetterbeobachtung, miteinander vereinbar sind und einander ergänzen können. Er wird erörtern, welche Auswirkungen
die Benutzung des geostationären Orbits (erdsynchrone Satelliten in ca.
36 000 km Höhe) hat. Schließlich wird er sich mit der erdnahen Umwelt und
Maßnahmen zu ihrem Schutz befassen.
- Komitee III befaßt sich mit Berichten über Art und Umfang bilateraler
und multilateraler Zusammenarbeit im Weltraum, prüft Aktivitäten der Vereinten
Nationen einschließlich der Frage, welche Rolle diese spielen, um zu gewährleisten, daß Raumfahrttechnologie allen Ländern zugutekommt, sowie die Rolle
anderer internationaler Organisationen, die Weltraumfragen behandeln. Außerdem
bewertet sie die Rolle aller Beteiligten am Raumfahrtprogramm, um internationale
Zusammenarbeit auf breiter Basis zu gewährleisten.

Was die USA erwarten
UNISPACE '82 kann das Verständnis auf Seiten der Regierungen und der
öffentlichkeit für die Fähigkeiten und die Probleme im Zusammenhang mit Weltraumentwicklungen verbessern. Die Konferenz kann Kontakte zwischen Personen,
die auf Regierungsebene Entscheidungen treffen, und Vertretern des privaten
Sektors ausweiten. Dies könnte sehr wohl zu umfangreicherer internationaler
Zusammenarbeit und zu neuen Programmen führen, bei denen die sie fördernden
Regierungen auf die Unterstützung anderer Regierungen und internationaler Behörden vertrauen dürfen. Sie kann helfen, mehr Gespür für Prioritäten unter den
verschiedenen Raumfahrtprojekten zu entwickeln und auf diese Weise den Zeitplan
für Raumfahrtaktivitäten aufzustellen. Durch UNISPACE '82 könnte in der ganzen
Welt das Wissen der Öffentlichkeit um bisherige Errungenschaften und künftige
Aussichten der Raumfahrttechnologie und deren Anwendung zur Verbesserung der
Lebensumstände auf dieser Erde einschneidend ausgeweitet werden.
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�•

Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

21. Juli 1982

28

MEHR DETAILS VON DER ERDOBERFLÄCHE
Erderkundungssatellit LANDSAT D mit neuem Abtastgerät

- (AD) - LANDSAT D, das erste Gerät einer neuen Generation von Erderkundungssatelliten, wurde am 16. Juli 1982 von der amerikanischen Westküste aus
in eine polnahe

Erdumlaufbahn in 705 km Höhe gebracht. Neben dem "Multispectral

Scanner", einem Abtastgerät zum Erfassen von Bündeln reflektierten Lichtes von
der Erdoberfläche aus vier Spektralbereichen, der das "Auge" der drei ersten
LANDSAT-Satelliten darstellte, enthält es einen zweiten, noch wesentlich
empfindlicheren Sensor. Es ist der sog. "Thematic Mapper" (TM) als Prototyp
eines Instrumentes zur "thematischen Kartierung" des überflogenen Gebietes. Die
Frequenzbereiche seiner sieben Spektralbänder sind enger als die des "Multispectral Scanner" und ermöglichen eine viel genauere Analyse des sondierten
Gebietes.
Aufgrund der Daten, die der neue Sensor liefert, kann man z.B. Weizen und
Gerste oder Mais und Sojabohnen voneinander unterscheiden, was auf den Bildern
der bisher eingesetzten LANDSAT-Geräte praktisch unmöglich ist. Die optische
Auflösung des TM-Systems in dem jeweils 185 km breiten, aus mehreren Längs-

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�mehreren Längssegmenten bestehenden Streifen entlang der Flugbahn liegt bei
30 m (bisherige Bildauflösung: 80 m ) , so daß viel mehr Einzelheiten erkennbar
werden. Außerdem ist das Instrument in der Lage, Lichtveränderungen infolge
Wolkenbedeckung auszugleichen, zwischen Wolken und schneebedeckter Erdoberfläche zu unterscheiden, größere Meerestiefen zu erreichen und Unterschiede in
der Beschaffenheit von Böden und Gestein besser zu erfassen.
LANDSAT D liefert als erster Erderkundungssatellit Bilder in natürlicher
Farbe, während bisher eine farbige Darstellung nur aufgrund der Projektion
der ursprünglichen Schwarz-Weiß-Bilder durch Falschfarb-FiHer, den VierbandSpektralbereichen entsprechend, und durch Oberlagerung der vier farbigen Bilder
zu einem einzigen Farbbild möglich war.
Allerdings müssen sich die Wissenschaftler noch gedulden, bis die Sensoren
mit voller Leistung arbeiten. Beim Multispektral-Scanner ist dies sechs Monate
nach dem Start, beim TM-Gerät.erst 1985 zu erwarten. Denn wie Jerold Hahn, der
Leiter der Datenverarbeitung im Goddard Space Flight Center (Greenbelt, Maryland),
erklärte, sollen zunächst einmal einzelne Komponenten des TM-Systems auf ihre
"Weltraumtüchtigkeit" erprobt, die Qualität der zur Erde gefunkten Daten analysiert
und das empfangene Material von der NASA ausgewertet werden, ehe man mit dem
Sammeln von Daten für die kommerzielle Verwendung beginnt. Während der Multispektral -Scanner in etwa einem halben Jahr Daten für bis zu 133 Bilder pro Tag
liefert, dürfte vom TM-System etwa ein Jahr nach dem Start erst eine begrenzte
Tagesmenge an Bildern zu erwarten sein. Es befindet sich noch im Experimentierstadium.
Mit Ausnahme der Polregionen können LANDSAT-Satelliten die gesamte Erdober- '
fläche abtasten. Nach jeweils 16 Tagen erfassen sie wieder den gleichen (185 km
breiten) Streifen, so daß sich für die Auswertung gute Vergleichsmöglichkeiten
ergeben. Das Sammeln von Informationen beginnt, sobald von der Erdoberfläche in
dem beobachteten Streifen reflektiertes Licht von Spiegeln an Bord des Satelliten
erfaßt wird. Diese Lichtenergie wird in elektrische Signale und dann in Zahlenwerte umgesetzt und schließlich zum Goddard Space Flight Center für die erste

- 2 -

�die erste Datenverarbeitung übermittelt. Anschließend werden sie im Datenzentrum
Soioux Falls (Süddakota) vollends aufbereitet und, wenn nötig, korrigiert. In
der Form von Schwarz-Weiß-Bildern oder Farbbildern werden sie dann dem Kunden
zugeleitet.
Zu den Benutzern der LANDSAT-Informationen zählen u.a. amerikanische Regierungsbehörden, Privatunternehmen, Universitäten und Einzelpersonen. Außerdem
machen mehr als 100 Länder Gebrauch von LANDSAT-Daten, um Bodenschätze und andere
Ressourcen ausfindig zu machen. Bisher wurden die Meßwerte und Fotos z.B. für
Ernteschätzungen, Erfassung von Waldbestand, Überwachung von Schädlingsbefall
bei Wäldern und Feldern, zur Kontrolle von Staudämmen und zur Planung geologischer Exploration benutzt. Die im Juli 1972 und Januar 1975 gestarteten ersten
beiden LANDSAT-Geräte wurden inzwischen abgeschaltet. LANDSAT 3, gestartet im
März 1978, wird bis März 1983 "im Dienst" bleiben und dann nur noch als Reservegerät eingesetzt, falls bei LANDSAT D Betriebsschwierigkeiten auftreten. Sollte
letzterer ganz ausfallen, kann innerhalb eines Jahres ein gleichgeartetes
zweites Gerät starten. Die "Lebensdauer" ist mit drei Jahren angesetzt, jedoch
erwiesen sich die Geräte in der Praxis länger funktionsfähig. Das LANDSAT-Programm gilt als eines der erfolgreichsten der NASA, insbesondere in bezug auf
seine internationale Bedeutung und die Nützlichkeit der damit erzielten
Informationen.

Direktempfang von Satellitendaten
In einigen Ländern - Australien, Argentinien, Brasilien, China, Indien,
Indonesien, Italien, Japan, Kanada, Südafrika, Schweden und Thailand - können
LANDSAT-Daten direkt empfangen werden. Die Bodenstationen werden unabhängig
von der NASA gebaut und betrieben. Jedoch geschieht dies im Rahmen eines
offiziellen Abkommens der NASA mit dem betreffenden Land. Auch gibt es bestimmte
Vorschriften für Benutzer, die beispielsweise der NASA in bestimmten Situationen
Priorität bei den Dienstleistungen der Empfangsstation einräumen. Die Benutzungsgebühr für LANDSAT-Geräte wird jedes Jahr neu festgesetzt; gegenwärtig
beträgt sie 200 000 Dollar. In zweimal jährlich abgehaltenen Konferenzen werden
die Aktivitäten der zuständigen Stellen aufeinander abgestimmt, die Gebühren
- 3 -

�die Gebühren

und Dienstleistungen besprochen. In den Vereinigten Staaten

wurden in Fairbanks (Alaska) und Goldstone (Kalifornien) Bodenstationen eingerichtet. Jedoch ist Sioux Falls Hauptempfänger und Verteiler der LANDSAT-Daten.
Diese Daten werden nicht nur in Form von Bildern, sondern auch auf Magnetband gespeichert (zur Verwendung in Computern) an die Abonnenten und Kunden
weitergegeben. Im Jahr 1981 kamen, wie Gary Metz, Leiter der Abteilung Systementwicklung des Datenzentrums Sioux Falls, berichtet, die meisten Anfragen aus
dem Ausland. Von allen Fotos und Bändern wurden 37 Prozent an ausländische Benutzer verkauft. Dies machte 33 Prozent der Einkünfte im vergangenen Jahr aus.
Etwa 31 Prozent der Einkünfte entfielen auf Bestellungen der Industrie, 19 Prozent auf Bestellungen von amerikanischen Regierungsbehörden (z.B. US-Innenministerium und US-Landwirtschaftsministerium), acht Prozent auf Universitäten,
fünf Prozent auf Bestellungen von Einzelpersonen und vier Prozent auf Benutzer
in Behörden amerikanischer Bundesstaaten und kommunaler Stellen.
Im Jahr 1983 geht der Betrieb des Datenzentrums von der NASA an die
Nationale Behörde für Meere und die Atmosphäre (NOAA) über, die dann auch für
sämtliche Betriebskosten aufkommen muß. Da die gegenwärtigen Einkünfte nicht
kostendeckend sind, müssen ab Oktober 1982 sowohl die LANDSAT-Benutzungsgebühren
für die ausländischen Stationen als auch die Gebühren für Dienstleistungen angehoben werden. So kostet dann ein Schwarz-Weiß-Foto nicht mehr zehn, sondern
30 Dollar, ein Magnetband für Computerauswertung 650 anstatt 300 Dollar. Aus
einem Katalog sind die aufgenommenen Gebiete und die Art der dafür vorliegenden
Daten ersichtlich. Der Benutzer gibt an, welches Gebiet und welche Art von
Daten oder anderen Informationen er wünscht, beispielsweise unter welchem
Lichteinfallswinkel die Aufnahmen erstellt sein sollen. Die Anforderungen gehen .
an das Goddard Space Flight Center als Flugleitzentrale für das LANDSAT-Programm,
die auch die Ausrichtung des Geräts in der Umlaufbahn kontrolliert und die
Scanner den Wünschen entsprechend einstellen kann. Etwa 14 Tage nach Aufnahme
der angeforderten Gebiete werden die Fotos oder Magnetbänder dem Besteller zugesandt.
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�</text>
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