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                  <text>nrormouon
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14. J u l i 1982

27
INHALT

DOKUMENTATION
MBFR-Vertragsentwurf vermindert Kriegsrisiko in Mitteleuropa
- Erklärung des US-Abrüstungschefs in Washington US-Delegierter: Amerika weiterhin dem Frieden und der Abrüstung
verpflichtet
- Erklärung zum Abschluß der UN-Abr'üstungssondersitzung Das amerikanische Nein zum UN-Seerechtsvertrag
- Erklärung des Präsidenten US-Raumfahrt im kommenden Jahrzehnt
- Erläuterungen des Weißen Hauses zum neuen Programm WIRTSCHAFT
Die amerikanischen Handelsbeziehungen mit Europa
- Rede von US-Unterstaatssekretär Waldmann vor der Amerikanischen
Handelskammer in München HINTERGRUNDMATERIAL
Die Entscheidungsbefugnis in der amerikanischen Außenpolitik
Die sowjetische Friedensbewegung
Amerikas Vertreter bei den UN-Stellen in Genf fordert die Weltorganisation zu Leistungssteigerungen auf
Für Afghanistans Freiheitskämpfer ist das Radio Brücke zur Außenwelt
- Von Edward Girardet, Sonderkorrespondent des Christian Science Monitor

Um Übcr/endung von
Belegexemplaren
w i r d gebeten

Postfach 20 03 00
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Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�14. Juli 1982

27

MBFR-VERTRAGSENTWURF VERMINDERT KRIEGSRISIKO IN MITTELEUROPA
- Erklärung des US-Abrüstungschefs in Washington -

WASHINGTON - (AD) - Der am 8. Juli 1982 vom Westen vorgelegte Vertragsentwurf für eine Höchstgrenze der Land- und Luftstreitkräfte der NATO und des
Warschauer Paktes auf 900 000 Mann ist nach amerikanischer Auffassung ein Anreiz für die Sowjetunion, in den seit neun Jahren andauernden TruppenabbauVerhandlungen zu einem Fortschritt zu gelangen.

Der Vertragsentwurf der west-

lichen Seite, der auf eine Abrüstungsinitiative von Präsident Reagan vor dem
Deutschen Bundestag zurückgeht, wurde am 8. Juli von dem Leiter der Delegation
der Bundesrepublik Deutschland, Botschafter Dr. Walter Boss, auf den Wiener
Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen in Europa (MBFR) unterbreitet.
Der Direktor des amerikanischen Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung
(ACDA), Eugene Rostow, erklärte dazu am 8. Juli 1982 in Washington, der Vertrag könne, wenn er vom Warschauer Pakt akzeptiert werde, das Risiko eines
Krieges in Mitteleuropa

verringern.

Die Erklärung Rostows hat folgenden Wortlaut:
Präsident Reagan

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Präsident Reagan hat in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag in Bonn
am 9. Juni erklärt, daß das Bündnis einem neuen Vorschlag zugestimmt hat, der
den Wiener Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen in Mitteleuropa (MBFR) neues Leben einhauchen soll.
Auf ihrem kürzlichen Gipfeltreffen gaben die Führer der NATO bekannt,
daß die westlichen Teilnehmer von MBFR in Kürze einen neuen Vertragsentwurf
vorlegen werden, der einen neuen .umfassenden Vorschlag enthält, der dazu dienen soll, diesen Verhandlungen neuen Schwung zu verleihen und das seit langem
bestehende Ziel der Förderung von Stabilität und Sicherheit in Europa zu erreichen.
Heute vormittag hat der Westen in der Wiener Hofburg, wo die MBFR-Plenarsitzungen stattfinden, seinen Vertragsentwurf formell unterbreitet.

Diese

neue Initiative ist das Ergebnis einer Anstrengung dieser Administration, einen
Weg zur Rüstungskontrolle in der Frage der konventionellen Streitkräfte in
Mitteleuropa zu erschließen, der wesentliche Verringerungen vorsieht - Verringerungen, die - wenn sie verwirklicht werden - das Risiko eines Krieges
in Mitteleuropa verringern könnten.

Die amerikanische Delegation in Wien steht

unter Leitung von Botschafter Richard Staar.
Wie der Präsident in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag unterstrichen
hat, stellt dieser neue westliche Vorschlag für Verringerungen der konventionellen Streitkräfte eine wichtige Ergänzung zu früheren amerikanischen Initiativen bei den Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme (INF) und den
Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen Rüstungen (START), dar,
die beide gegenwärtig in Genf stattfinden.
Damit hat das von Präsident Reagan in seiner Rede am 18. November vorigen
Jahres eingeleitete umfassende Rüstungskontroilprogramm jetzt seinen Höhepunkt
in drei spezifischen Vorschlägen in den drei angegebenen Kategorien gefunden.
All diese Vorschläge entsprechen den in jener Rede dargelegten Kritierien:
Es muß sich um wesentliche, militärisch bedeutsame Verringerungen der Streitkräfte handeln; es muß gleiche Höchstgrenzen für vergleichbare Arten von
- 2 -

�Arten von Streitkräften geben, und es müssen ausreichende Bestimmungen für
die Verifizierung gegeben sein.
Das Hauptziel des Westens bei den MBFR-Verhandlungen besteht weiterhin
in der Herstellung einer Parität auf wesentlich niedrigerer Ebene der Streitkräfte in Mitteleuropa.
Derzeit hat der Warschauer Pakt etwa 170 000 Mann mehr an Landstreitkräften in Mitteleuropa als der Westen.

Diese Ungleichheit ist einer der

destabilisierendsten Faktoren der militärischen Lage in Europa.

Die Besei-

tigung dieser Situation durch die Schaffung einer Parität könnte die Fähigkeit zu einer plötzlichen Aggression verringern und damit das Risiko eines
Krieges, einschließlich eines Atomkrieges, in Europa vermindern.
Die neue Initiative unterscheidet sich von früheren Vorschlägen des
Westens dahingehend, daß sie auf ein umfassendes Abkommen abzielt, in dem
alle direkt Beteiligten von Anfang an eine rechtlich bindende Verpflichtung
eingehen würden, die von jeder Seite geforderten Verringerungen vorzunehmen,
um den kollektiven Höchststand von 700 000 Mann Landstreitkräfte für jede
Seite zu erreichen.
Diese Verringerung würde in Phasen stattfinden und wäre in sieben Jahren
abgeschlossen.

Jede Phase würde voll verifiziert. Mit diesem neuen Ansatz

würde der Westen stärkere Verringerungsverpflichtungen übernehmen, als wir
bisher je vorgeschlagen haben.
Der westliche Standpunkt, daß sich die Seiten vor der Unterzeichnung
eines Vertrages auf die Zahl der Soldaten einigen müssen, die sich gegenwärtig in dem Reduktionsgebiet befinden und der Reduktion unterliegen, hat sich
nicht geändert. Ohne eine Übereinkunft über die Zahl der Truppen, die verringert und begrenzt werden sollen, wäre ein MBFR-Vertrag weder verifizierbar noch durchsetzbar. Nach dem Vertragsentwurf würde der Ausgangsstand der
Streitkräfte beider Seiten zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des Vertrages
festgelegt.
Der westliche

�Der westliche Vertragsentwurf enthält das Paket Vertrauensbildender
Maßnahmen und Verifizierungsmaßnahmen, das der Westen 1979 vorgeschlagen
hat.

Diese Maßnahmen sollen dazu dienen, die Verifizierung von Verringerun-

gen und Begrenzungen zu erleichtern und die Sicherheit und Stabilität zu fördern, indem sie die Risiken von Fehleinschätzungen und Fehlkalkulationen verringern.
Alles in allem stellt der vom Westen in Wien unterbreitete Vertragsentwurf die östlichen Argumente und Interessen in Rechnung und erfüllt gleichzeitig die Forderung dieser Administration, daß Rüstungskontroi labkommen
zu echten Reduzierungen auf gleiches Niveau führen müssen.

Er bietet die

Chance, bei den Verhandlungen zu konkreten Ergebnissen zu kommen, indem die
vereinbarten Ziele der Förderung von Stabilität und Sicherheit in Europa näher
gerückt und unsere Bemühungen in den anderen Rüstungsverminderungsverhandlungen ergänzt werden.
Es ist zum erstenmal, daß ein westlicher Vorschlag bei den MBFR-Verhandlungen in der Form eines Vertragsentwurfes vorgelegt wurde. Genau das
unterstreicht den ernsthaften Verhandlungswillen und die Bereitschaft des
Westens, zu wesentlichen Verringerungen zu gelangen.

+ + + + +

- 4 -

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27

14. Juli 1982

US-DELEGIERTER: AMERIKA WEITERHIN DEM FRIEDEN UND DER
ABRÜSTUNG VERPFLICHTET
- Erklärung zum Abschluß der UN-Abrüstungssondersitzung

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Delegierte auf
der Sondersitzung der Vereinten Nationen über Abrüstungsfragen, Edwin Feulner,
hat mit Nachdruck unterstrichen, daß die USA sich auch weiterhin der Arbeit
für den Frieden und für eine "echte internationale Abrüstungskampagne" verpflichtet fühlen.

Zum Abschluß der Konferenz sagte der amerikanische Dele-

gierte am 10. Juli 1982, Amerika werde trotz des Scheiterns der Sondersitzung
auch in Zukunft das Ziel eines dauerhaften Friedens anstreben.

Es seien zwar

Fortschritte gemacht worden, so erklärte er, aber die große Aufgabe sei unerledigt geblieben.

"Wir alle haben die Gültigkeit des Schlußdokumentes be-

kräftigt und uns zu erneuten Anstrengungen für die Abrüstung verpflichtet."
Die Erklärung Feulners hat folgenden Wortlaut:
Meine Delegation hat sich aktiv an diesen entscheidend wichtigen Diskussionen beteiligt.

Wir sind der Überzeugung, daß die auf dieser Sitzung abge-

gebenen Erklärungen nüchtern geprüft und nicht nur als weiterer rhetorischer
Austausch angesehen werden sollten.
Aufgrund unseres

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Aufgrund unseres Eintretens für diese Sitzung hat Präsident Reagan am
17. Juni hier vor diesem Gremium gesprochen, und deshalb setzte sich unsere
Delegation auch aus Senatoren und Abgeordneten beider politischer Parteien
sowie aus Vertretern anderer Bereiche unseres öffentlichen Lebens zusammen.
Weil wir einen anhaltenden Konsens über diese lebenswichtigen Fragen von
Krieg und Frieden erreichen wollten, haben wir - zusammen mit vielen anderen
Delegationen - bis lang in die Nacht hinein gearbeitet.
Leider war es uns nicht möglich, jenen vollen Konsens zu erreichen, auf
den wir alle so sehr gehofft hatten.

Aber wir werden auch weiterhin in die-

sem Forum sowie in anderen Gremien das Ziel eines dauerhaften Friedens anstreben.
Wenn wir auf die letzten Wochen zurückblicken, dann müssen wir unsere Erfolge und Fehlschläge sehen und sorgfältig die Aufgaben im Auge behalten, die
wor uns liegen. Aber zuerst müssen wir die Lehren der Vergangenheit überprüfen.
Im Jahr 1978 erstellte die erste Sonderkonferenz ein Schlußdokument, das
zahlreiche Bestrebungen der Weltgemeinschaft beinhaltete.

Aber warum konnten

wir auf dieser Sondersitzung nicht zu einem Konsens hinsichtlich der Verwirklichung dieses Dokumentes gelangen?
Lassen Sie uns noch einmal eine geschichtliche Bilanz ziehen. Kurz nach
der ersten Sondersitzung verletzte eine der Großmächte die grundlegendsten
Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen und marschierte in einen bündnisfreien Nachbarstaat ein. Dieses unglückliche Land ist seitdem besetzt. In
Südostasien dauert ein Aggressionskrieg an; andere regionale Konflikte gehen
unvermindert fort; die Subversion wird nach Mittelamerika, Afrika und in andere Gebiete exportiert, und in Osteuropa wird das Streben nach Freiheit immer noch unterdrückt. Kurzum: Die Welt lebt in wachsendem Maße in Furcht.
Kein Wunder also, daß die Verwirklichung der hehren Ziele des Schlußdokumentes
ein ferner und illusorischer Traum geblieben ist.
Angesichts ihrer Verletzung der heiligsten Grundsätze der Charta seit
der ersten Sondersitzung ist es nicht überraschend, daß sich einige Länder ge- 2 -

�Länder gegen jene Passagen wandten, in denen diese Ereignisse der vergangenen
vier Jahre noch einmal aufgeführt wurde.
Aber jetzt müssen wir in die Zukunft blicken.

Das Hauptanliegen dieser

Konferenz war es - wie Präsident Reagan sagte -, "einen Kurs für realistische
und wirksame Maßnahmen bei der Suche nach Frieden abzustecken", ein umfassendes Abrüstungsprogramm zu erarbeiten.

Es wurden zwar Fortschritte erzielt,

aber die Aufgabe als Ganzes bleibt unerledigt. Wir alle haben die Gültigkeit
des Schlußdokumentes bekräftigt und uns zu erneuten Anstrengungen für den Frieden verpflichtet.

Für die Vereinigten Staaten bestätige ich diese Verpflich-

tung heute erneut.
Die Vereinigten Staaten sind stolz auf ihre Leistungen auf dem Gebiet der
Abrüstung.

Kein anderes Land hat aktiver den Fortschritt auf diesem Felde an-

gestrebt.

Präsident Reagan hat ein klares Programm unterbreitet, das sich mit

den dringendsten und gefährlichsten Problemen befaßt. Wir haben echte und
militärisch bedeutsame Rüstungsverminderungen gefordert, insbesondere auf dem
Gebiete der Kernwaffen.

Wir haben eine Eindrittel-Reduzierung der strategischen

ballistischen Gefechts köpfe, die Abschaffung aller landgestützten Mittelstrekkenraketen und neue Sicherheiten für die Beseitigung des Risikos eines Krieges
durch Zufall gefordert.
Darüber hinaus haben die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten erst
gestern einen umfassenden Vertragsentwurf bei den Verhandlungen über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung in Wien unterbreitet.

Dieser

Vorschlag fordert eine wesentliche Reduzierung der Landstreitkräfte auf beiden
Seiten sowie die Verwirklichung eines Paktes damit verbundener Vertrauensbildender und Verifizierungsmaßnahmen.

Bei all diesen Verhandlungen haben wir we-

der unverifizierbare Maßnahmen noch bedeutungslose Rhetorik geboten, sondern
konkrete Vorschläge für wesentliche Reduzierungen der Rüstungen und der Streitkräfte der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion unterbreitet.
Lassen Sie sich nicht täuschen: Wir sind mit der gegenwärtigen internationalen Situation nicht zufrieden und haben die Absicht, unseren Beitrag zum
Frieden und zur Stabilität auf diesem kleinen Planeten zu leisten.
Auf dieser
- 3 -

�Auf dieser Sondersitzung haben wir uns mit der wichtigsten Fragen befaßt,
vor die sich die Menschheit gestellt sieht:

Wie der Krieg zu verhindern ist,

oder - um es positiver auszudrücken - wie ein sicherer Friede erreicht werden
kann.

Bedauerlicherweise gibt es keine Formel und kein sofort wirksames All-

heilmittel, um den Frieden zu erreichen, den wir alle so dringend wünschen; er
kann nicht durch Ausschüsse oder durch Resolutionen herbeidiktiert werden.
So haben wir beispielsweise endlose Wiederholungen eines Landes gehört,
daß es sich verpflichtet habe, auf einen "Ersteinsatz" zu verzichten.

Unsere

Politik geht weit über diese Verpflichtung hinaus. Wie die Führer der NATO erklärt haben, "wird keine unserer Waffen jemals eingesetzt werden, außer als
Antwort auf einen Angriff".

Dies ist unsere Verpflichtung und unsere Politik.

Seit Ende des Zweiten Weltkrieges hat diese Abschreckungsmacht den Frieden erhalten.
Aber wir glauben, daß es einen besseren Weg gibt, und wir werden auch weiterhin nach diesem Weg suchen, so wie wir dies auf dieser Sitzung getan haben.
Während der vergangenen Wochen haben wir konkrete Vorschläge und Initiativen
zu einem weiten Bereich von Fragen unterbreitet.
Wir haben uns einer echten internationalen Abrüstungskampagne verpflichtet.
Wir glauben, es ist entscheidend, daß Informationen über Abrüstungsfragen offen
und weltweit verfügbar sein müssen, übermäßige Geheimhaltung kann nur Mißtrauen
und Mißverständnisse unter den Völkern dieser Welt hervorrufen. Eine solche Geheimhaltung ist ein wahrer Feind friedlicher Beziehungen unter den Völkern. Die
Vereinigten Staaten machen als offene Gesellschaft große Mengen an Information
über bedeutende Fragen von Krieg und Frieden öffentlich verfügbar.
Wir machen uns keine Illusionen über die ernsthaften Hindernisse, die in
der Vergangenheit dem Ziel eines freien Informationsflusses im Wege standen.
Wir sind uns sehr wohl der Tatsache bewußt, daß, während Hundertausende auf den
Straßen New Yorks und anderer Städte der Welt offen und friedlich für die Abrüstung demonstrierten, sieben Menschen in der Hauptstadt einer anderen Großmacht verhaftet wurden, weil sie ein Plakat entfalteten, auf dem "Brot, Leben
und Abrüstung" gefordert wurden. Es ist bedauerlich festzustellen, daß diese
- 4 -

�daß diese Worte als "staatsfeindlich" angesehen werden, wenn sie innenpolitisch benutzt werden, aber als Politik des Staates gelten, wenn sie auf internationaler Ebene verwendet werden.
Wir sind ermutigt, daß wir einen Konsens hinsichtlich des Mandates für
eine Kampagne erreicht haben, die "eine Diskussion und eine Debatte in allen
Ländern über alle Gesichtspunkte fordert, die sich auf Abrüstungsfragen beziehen".

Wir müssen nun herausfinden, wie dieses hehre Ziel in ein konkretes Ak-

tionsprogramm umgewandelt werden kann.
In diesem Geist hat Präsident Reagan Präsident Breschnew und sowjetischen
Journalisten die Möglichkeit angeboten, sich in unserem Fernsehen hinsichtlich
der lebenswichtigen Fragen von Frieden und Abrüstung an das amerikanische Volk
zu wenden, wenn umgekehrt die Möglichkeit besteht, sich an das sowjetische Volk
zu wenden. Auf dieser Sitzung haben wir konkrete Vorschläge für ähnliche multilaterale Diskussionen und regionale Seminare überall auf der Welt unterbreitet.

Wir glauben, daß eine informierte Weltöffentlichkeit der beste Garant

für Frieden und Verständnis unter den Völkern ist.
Zusätzlich zu unseren Vorschlägen hinsichtlich der internationalen Abrüstungskampagne haben wir weitere konkrete Initiativen auf dieser Sitzung unterbreitet.
In den letzten Jahren erfährt die Welt immer wieder von beunruhigenden Berichten
über Konflikte, in denen gegen Menschen in entfernten Teilen der Erde Toxine
sowie andere tödliche chemische Waffen eingesetzt werden.
Unglücklicherweise blieben die Grenzen dieser Länder der Weltöffentlichkeit verschlossen. Wir haben daher dringend darum ersucht, daß die Vollversammlung die sowjetische Regierung sowie die Regierungen von Laos und Vietnam auffordert, vollen und freien Zugang zu Gebieten zu gewähren, aus denen chemische
Angriffe gemeldet worden sind, so daß die Expertengruppe der Vereinten Nationen
eine unparteiische Untersuchung durchführen kann.
Wir haben auch die Einberufung einer internationalen Konferenz über Militürausgaben gefordert.

Eine solche Konferenz könnte sich auf frühere Bemühun-

gen der UN stützen, die auf ein weltweites Berichts- und Bewertungssystem in
bezug auf die Militärausgaben ausgerichtet waren.
Während meine
- 5 -

�Während meine Regierung in der Vergangenheit volle Rechenschaft über unsere Militärausgaben abgelegt hat und dies auch in Zukunft tun wird, haben andere bedauerlicherweise alle Bemühungen der Vereinten Nationen auf diesem Gebiet abgelehnt. Wenn viele von uns dies auch gerne tun würden, so können wir
doch nicht die traurige Litanei von Statistiken über militärische Ausgaben
während der vergangenen zehn Jahre ignorieren.
Die erschreckende Realität stark angewachsener Militärhaushalte ist von
anerkannten Zentren für Abrüstung in aller Welt dokumentiert worden. Und doch
hat während der vergangenen zehn Jahre eine Supermacht der Weltgemeinschaft
eine offenkundig lächerliche Zahl für ihre Militärhaushalte genannt. Diese
von aller Welt in Zweifel gezogene Zahl unterstreicht die Notwendigkeit für
eine internationale Konferenz über Militärausgaben.
Lassen Sie
bringen für die
vorstanden, und
diese Konferenz
geleitet hat.

mich zum Schluß die Bewunderung meiner Delegation zum Ausdruck
Art und Weise, wie Sie Botschafter Adeniji dieser Konferenz
unseren aufrichtigen und tiefempfundenen Dank Ihnen sagen, der
mit Einfühlungsvermögen, Hingabe und vor allem mit Klugheit

Wenn wir nun die Arbeit dieser zweiten Sondersitzung über Abrüstung beenden, dann beeindruckt mich erneut die riesige Aufgabe, der wir uns gegenübersehen. Niemals waren so wenige verantwortlich für das Schicksal so vieler.
Diese Verantwortung dürfen wir niemals vergessen und ihr dürfen wir nicht ausweichen bei unserer Suche nach einem wahren und dauerhaften Frieden.

+ + + + +

- 6 -

�27

14. Juli 1982

DAS AMERIKANISCHE NEIN ZUM UN-SEERECHTSVERTRAG
- Erklärung des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD)- In einer Erklärung vom 9. Juli 1982 machte Präsident
Reagan deutlich, daß die Vereinigten Staaten den von der 3. UN-Seerechtskonferenz am 30. April 1982 verabschiedeten Vertrag nicht unterzeichnen werden.
Sie folgte einer umfassenden Oberprüfung des Vertrags durch die amerikanische
Regierung, wobei auf folgende Schwachstellen des Vertrags hingewiesen wurde:
Zum einen werden jene Vertragsteile, die sich mit dem Tiefseebergbau
beschäftigen, den amerikanischen Zielvorstellungen nicht gerecht, wie sie im
vergangenen Januar von der US-Regierung formuliert wurden; außerdem würden
Bestimmungen das Inkrafttreten von Gesetzeszusätzen ermöglichen, die die
Vereinigten Staaten ohne deren Zustimmung betreffen würden; schließlich könnten auch nationale Befreiungsbewegungen bestimmter Vorteile teilhaftig werden.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Die Vereinigten Staaten sind sich seit langem der entscheidenden Bedeutung der Weltmeere für die Menschheit sowie internationaler Abkommen über die

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�über die Behandlung dieser Meere bewußt,

über ein Jahrzehnt lang haben die

Vereinigten Staaten mit über 150 Staaten auf der 3. UN-Seerechtskonferenz zusammengearbeitet, um einen umfassenden Vertrag zu erstellen.
Am 29. Januar-dieses Jahres habe ich erneut die Verpflichtung der Vereinigten Staaten zu einem multilateralen Verfahren bekräftigt, um zu einem
solchen Vertrag zu kommen, und habe angekündigt, daß wir mit dem Ziel in
die Verhandlungen gingen, jenen Teil des Vertragsentwurfs zu korrigieren,
der für uns unannehmbare Elemente des Tiefseebergbaus enthält.

Ich erklärte

zugleich, daß meine Administration die Ratifizierung eines Vertrags unterstützen würde, der sechs grundlegenden Zielsetzungen entsprechen würde.
Am 30. April nahm die Konferenz einen Vertrag an, der die von den Vereinigten Staaten angestrebten Zielsetzungen nicht nennt. Er wurde mit 130
Stimmen angenommen, wobei vier dagegen waren (einschließlich der Vereinigten
Staaten) und 17 sich der Stimme enthielten. Diejenigen, die mit "Nein" stimmten oder sich der Stimme enthielten, scheinen nur wenige zu sein, aber es handelt sich um Länder, die über 60 Prozent des Bruttosozialproduktes dieser Erde erstellen und deren Beiträge zu den Vereinten Nationen mehr als 60 Prozent
ausmachen.
Wir haben inzwischen eine Überprüfung des Vertrags durchgeführt und
stellen fest, daß er viel positive und sehr bedeutsame Aspekte enthält. Die
umfangreichen Teile, die sich mit dem Schiffsverkehr und überflugproblemen
beschäftigen, sind - genau wie die meisten anderen Bestimmungen des Vertrages - in Einklang mit den Interessen der Vereinigten Staaten und dienen aus
unserer Sicht den Interessen aller Nationen. Dies ist eine bedeutende
Leistung und ist Beweis für den Vorteil von Zusammenarbeit und wirkungsvollem Interessenausgleich. Die Vereinigten Staaten würdigen auch die Anstrengungen vieler Staaten, die mit uns auf ein annehmbares Abkommen hingearbeitet
haben - einschließlich der Anstrengungen von Freunden und Verbündeten während der Sitzungsperiode, die am 30. April zu Ende ging.
Unsere Überprüfung
- 2 -

�Unsere Überprüfung hat jedoch ergeben, daß der Vertragsteil über Tiefseebergbau den amerikanischen Zielvorstellungen nicht gerecht wird.

Aus

diesem Grund kündige ich heute an, daß die Vereinigten Staaten den Vertrag,
wie er von der Konferenz angenommen wurde, nicht unterzeichnen werden, und daß
unsere Teilnahme an dem verbleibenden Konferenzteil sich auf das technische
Niveau beschränken und nur jene Bestimmungen betreffen wird, die den Interessen der Vereinigten Staaten entsprechen.
Diese Entscheidungen spiegeln die tiefe Überzeugung wider, daß die Vereinigten Staaten keine Regelung des Tiefseebergbaus unterstützen können,
der solch große Probleme innewohnen. Aus unserer Sicht umfassen diese Probleme
- Bestimmungen, die eine künftige Erschließung der mineralischen
Ressourcen der Tiefsee behindern würden, obgleich eine solche Entwicklung
den Interessen aller Staaten dienen würde;
- einen Entscheidungsfindungsprozeß, der den Vereinigten Staaten und auch
anderen Ländern nicht die Rolle zugestehen würde, durch die ihre Interessen
fair widergespiegelt und geschützt würden;
- Bestimmungen, die das Inkrafttreten von Gesetzeszusätzen ermöglichen
würden, die die Vereinigten Staaten ohne deren Zustimmung betreffen würden.
Dies ist eindeutig gegen die Haltung der Vereinigten Staaten in bezug auf Verträge dieser Art;
- Klauseln, die sich auf einen erzwingbaren Übergang von privater Technologie sowie auf die Möglichkeit beziehen, daß nationale Befreiungsbewegungen bestimmter Vorteile teilhaftig werden;
- das Fehlen des garantierten Zugangsqualifizierter Tiefseebergleute
zur Förderung der Entwicklung dieser Ressourcen auch in Zukunft.
Wir sehen,

�Wir sehen, daß Weltnachfrage und Weltmärkte derzeit nicht die kommerziel
le Entwicklung der mineralischen Ressourcen der Tiefsee rechtfertigen und daß
nicht klar ist, wann eine solche Entwicklung gerechtfertigt ist. Sollte es
hierzu jedoch kommen, so würde die Tiefsee eine potentiell wichtige Quelle
für strategische und andere Minerale werden. Es ist das Ziel der Vereinigten
Staaten in dieser Hinsicht, gemeinsam mit anderen Nationen eine Ordnung zu
entwerfen, die Exploration und Entwicklung unter vernünftigen Bedingungen ermöglicht.

+ + + + +

�27

14. Juli 1982

US-RAUMFAHRT IM KOMMENDEN JAHRZEHNT
Erläuterungen des Weißen Hauses zum neuen Programm

- (AD) - Präsident Ronald Reagan kündigte ein neues raumfahrtpolitisches
Programm der Vereinigten Staaten an, in dem der Raumtransporter ("Space Shuttle")
eine Schlüssel rolle spielen wird.

In den jetzt vom Weißen Haus veröffentlich-

ten Erläuterungen zu dieser Politik, die auf den Ergebnissen einer zehnmonatigen Überprüfung der bei allen zuständigen Behörden und Organisationen laufenden
Programme basiert, sind die wichtigsten Punkte dargelegt:

Stärkung der Sicher-

heit der Vereinigten Staaten, Wahrung der amerikanischen Führungsrolle in der
Raumfahrt, Nutzbarmachung des Weltraums zugunsten von Wirtschaft und Wissenschaft sowie Förderung der Zusammenarbeit mit anderen Nationen in der Raumfahrt.
Es sind zwei getrennte, aber "stark ineinandergreifende" Programme vorgesehen - das eine auf dem Gebiet der nationalen Sicherheit, das andere auf dem
nicht-militärischen Sektor.

Der Raumtransporter STS wird wichtigstes Träger-

gerät zur Durchführung von Projekten aus beiden Gebieten sein.

Seine Weiter-

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�Seine Weiterentwicklung ist Aufgabe des US-Bundesamtes für Luft- und Raumfahrt (NASA) in Zusammenarbeit mit dem US-Verteidigungsministerium.

In das

System samt seinen Startanlagen sind auch Feststoffraketen als STS-Oberstufen
einbezogen, mit denen z.B. Nutzlasten wie unbemannte Satelliten aus dem
niedrigen Orbit des Raumtransporters auf die wesentlich höher liegende Bahn
katapultiert werden können, auf der die meisten Nachrichtensatelliten die
Erde umkreisen.
Die Vereinigten Staaten sehen sich der Erforschung und Nutzbarmachung
des Weltraums für friedliche Zwecke durch alle Nationen verpflichtet und
lehnen jedwede Souveränitätsansprüche eines Staates auf den Weltraum ab.
Das STS-System voll arbeitsfähig und wirtschaftlich für den RoutineZugang zum Weltraum zu machen,

sei jetzt eine vorrangige Aufgabe des Space

Shuttle-Programms, heißt es in den Erläuterungen.

STS werde jener Grad an

Existenzfähigkeit und Sicherheitsschutz zuerkannt, der für wichtige nationale
Ressourcen im Weltraum erforderlich sei. Missionen im Interesse der nationalen Sicherheit haben bei den Starts Priorität.
Das zivile Raumfahrtprogramm soll dazu dienen, die Erkenntnisse über die
Erde und ihre Umwelt, das Sonnensystem und Universum zu erweitern und auf einzelnen Gebieten Anwendungsmöglichkeiten der Raumfahrttechnik für zivile Zwecke
zu entwickeln. Die Erfordernisse und Technologien für den Aufbau permanenter
Raumstationen werden auch künftig untersucht. Die Einsatzmöglichkeiten von
Trägersystemen stehen allen amerikanischen, ausländischen, kommerziellen oder
regierungsamtlichen Benutzern zur Verfügung, die geeignete wissenschaftliche
oder technologische Nutzlasten in den Weltraum entsenden wollen.
Die Vereinigten Staaten sondieren weiterhin Maßnahmen zur Kontrolle von
Weltraumwaffen, um ein Verbot oder die Begrenzung der Erprobung und der Stationierung spezieller Waffensysteme zu erreichen. Sie werden ein SatellitenAbwehrsystem entwickeln, damit der Bedrohung eigener Raumfahrtsysteme und
der ihrer Verbündeten begegnet werden kann.
Es folgen
- 2 -

�Es folgen Auszüge aus den vom Weißen Haus veröffentlichten Erläuterungen:
Der Präsident kündigte eine nationale Raumfahrtpolitik an, die die Richtung der Bestrebungen der Vereinigten Staaten im Weltraum im kommenden Jahrzehnt festlegt.

Die Politik ist das Ergebnis einer interbehördlichen Über-

prüfung, um die der Präsident im August 1981 ersuchte.

Die zehnmonatige Über-

prüfung umfaßte eine gründliche Analyse aller Teile des nationalen Raumfahrtprogramms.

Ihr Hauptziel war es, einen brauchbaren politischen Rahmen für ein

aggressives, weitsichtiges Weltraumprogramm zu schaffen, das mit den nationalen
Zielen der Administration vereinbar ist.
Ergebnis: Die Direktive des Präsidenten bekräftigt die nationale Verpflichtung zur Erforschung und Nutzung des Weltraums zum Wohle der Nation und
setzt für die Weltraumpolitik der Vereinigten Staaten die Grundziele unter
folgenden Aspekten fest:
- Stärkung der Sicherheit der Vereinigten Staaten;
- Wahrung der Führungsrolle der Vereinigten Staaten im Weltraum;
- Erlangung von wirtschaftlichem und wissenschaftlichem Fortschritt aus
der Nutzung des Weltraums;
- Ausweitung der Investitionen und der Beteiligung von privater Seite in
den Vereinigten Staaten an der zivilen Raumfahrt und an damit verwandten Aktivitäten;
- Förderung internationaler Gemeinschaftsaktivitäten im nationalen Interesse; und
- Zusammenarbeit mit anderen Nationen bei der Erhaltung der Freiheit von
Aktivitäten im Weltraum, die die Sicherheit und das Wohl aller Menschen fördern.
Die der Abwicklung des Raumfahrtprogramms der Vereinigten Staaten zugrundeliegenden Prinzipien sind, wie in der Direktive ausgeführt, folgende:
- Die Vereinigten Staaten sind der Erforschung und Nutzung des Weltraums
durch alle Nationen für friedliche Zwecke und zum Wohle der Menschheit verpflichtet.

Friedliche Zwecke erlauben Aktivitäten zur Verfolgung von Zielen
- 3 -

�von Zielen der nationalen Sicherheit.
- Die Vereinigten Staaten weisen jedwede Souveränitätsansprliche eines
Staates auf den Weltraum oder auf Himmelskörper oder Teile davon zurück und
lehnen jegliche Begrenzung des Grundrechtes, Daten aus dem Weltraum zu erlangen, ab.
- Die Vereinigten Staaten betrachten die Raumfahrtsystemte jeder Nation
als deren nationales Eigentum, verbunden mit dem Recht auf die Fortbewegung
und den Betrieb im Weltraum ohne Beeinträchtigung.

Absichtliche Beeinträch-

tigung von Raumfahrtsystemen wird als Verletzung von Hoheitsrechten betrachtet.
- Die Vereinigten Staaten ermutigen im Inland zur kommerziellen Nutzung
von Möglichkeiten, Technologien und Systemen der Raumfahrt zum Wohle der nationalen Wirtschaft.

Diese Aktivitäten müssen mit den Erwägungen zur natio-

nalen Sicherheit, mit Verträgen und internationalen Abmachungen vereinbar
sein.
- Die Vereinigten Staaten werden internationale Gemeinschaftsunternehmen
auf dem Raumfahrtsektor durchführen, die von wissenschaftlichem, politischem,
wirtschaftlichem Ofler sicherheitspolitischem Wert für die Nation sind.
- Das Raumfahrtprogramm der Vereinigten Staaten wird aus zwei getrennten, deutlich unterscheidbaren einander stark beeinflussenden Programmen bestehen - das der nationalen Sicherheit und das des zivilen Sektors. Um unnötige Doppelgleisigkeit zu vermeiden, wird es zwischen beiden Programmen
enge Koordination, Zusammenarbeit und engen Informationsaustausch geben.
- Das Raumtransportersystem (STS) der Vereinigten Staaten ist das primäre
Trägersystem sowohl für Weltraummissionen im Interesse der nationalen Sicherheit als auch bei zivilen Regierungsprojekten.

Die Möglichkeiten und die

Leistungsfähigkeit von STS werden ausgebaut, um entsprechenden nationalen Bedürfnissen gerecht zu werden; das System soll berechtigten Benutzern aus dem
In- und Ausland, aus Wirtschaft und Regierung zur Verfügung stehen.
- Die Vereinigten

�- Die Vereinigten Staaten werden durch Aktivitäten im Weltraum ihr Recht
auf Selbstverteidigung stärken.
- Die Vereinigten Staaten werden auch künftig Möglichkeiten zur Kontrolle
von Weltraumwaffen sondieren.

Sie werden verifizierbare und angemessene Maß-

nahmen zur Rüstungskontrolle in Betracht ziehen, die die Erprobung und Stationierung spezieller Waffensysteme verbieten oder anderweitig begrenzen, sofern solche Maßnahmen mit der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten
vereinbar sind.

Raumtransportersystem
Die Direktive besagt, daß die Raumfähre einen Hauptfaktor im künftigen
Ausbau der Weltraumprogramme der Vereinigten Staaten darstellt und weitere Zusammenarbeit zwischen Programmen im Interesse der nationalen Sicherheit und
des zivilen Sektors fördert, um eine effiziente und wirksame Nutzung nationaler Ressourcen zu gewährleisten.

Das Raumtransportersystem (STS) besteht aus

der Raumfähre, ihr zugeordneten Oberstufen und dazugehörigen Anlagen und Ausrüstungen.

Der Ausbau und Betrieb des Raumtransportersystems wird, wie in

der Direktive festgelegt, von folgenden Richtlinien bestimmt:
- Das STS ist ein lebenswichtiges Element des amerikanischen Raumfahrtprogramms und das Hauptträgersystem sowohl für Missionen im Interesse der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten als auch bei Missionen für zivile
Regierungsprojekte.

Dem STS wird jener Grad an Existenzfähigkeit und Sicher-

heitsschutz zuerkannt, der für nationale Weltraumressourcen von entscheidender
Bedeutung ist.

Vordringliche Aufgabe des STS-Programms ist es, das System

voll arbeitsfähig und wirtschaftlich zu machen, indem es den routinemäßigen Zugang zum Weltraum ermöglicht.
- Die Vereinigten Staaten sind darauf festgelegt, die führende Rolle in
der Welt zum Transport in den Weltraum mit einer STS-Kapazität beizubehalten,
die angemessenen nationalen Bedürfnissen genügt. Das STS-Programm erfordert
- 5 -

�STS-Programm erfordert fortdauernde Engagements aller betroffenen Ministerien
oder Behörden.

Die Vereinigten Staaten werden die Weiterentwicklung des STS

auch künftig durch das Bundesamt für Luft- und Raumfahrt (NASA) in Zusammenarbeit mit dem US-Verteidigungsministerium (DOD) vornehmen.

Der Ausbau der

operativen Möglichkeiten des STS, der Oberstufen sowie von Verfahren zum Absetzen und Einholen von Nutzlasten sollte gemäß den nationalen Erfordernissen
vorgenommen werden.
- Bei der Konstruktion von Raumfahrtgeräten der Regierung der Vereinigten
Staaten sind die einzigartigen Möglichkeiten, die durch das STS gegeben sind,
zu berücksichtigen.

Die Phase der Abstimmung auf die Raumfähre soll so rasch

wie technisch möglich zum Abschluß gebracht werden.
- Die NASA gewährleistet den Servicecharakter der Raumfähre für zivile
Benutzer.

In Koordinierung mit der NASA gewährleistet das DOD den Service-

charakter der Raumfähre für die nationale Verteidigung und die Integration
militärischer Missionen in das Raumfährensystem.

Missionen im Interesse der

nationalen Sicherheit haben Startvorrang.
- Die Verwendung von Verlustraketen als Trägersystem wird von der USRegierung beibehalten, bis die Startmöglichkeiten mit dem STS für ihren Bedarf und ihre Verpflichtungen ausreichen. Besondere nationale Sicherheitserwägungen können die Entwicklung von Startmöglichkeiten für Sonderzwecke notwendig machen.
- In der unmittelbaren Zukunft wird STS, wie bisher, nach einem organisatorischen Modus verwaltet und betrieben, wie es den gegenwärtigen Vereinbarungen zwischen NASA und DOD entspricht. Die Verantwortung für die Kontrolle
des STS-Einsatzes bei zivilen Missionen liegt weiterhin bei der NASA, für die
Kontrolle des STS-Einsatzes bei Missionen für die nationale Sicherheit beim
DOD. Für die Durchführung der Mission ist die jeweils federführende Behörde
zuständig. Wenn der STS-Betrieb technisch ausgereift ist, wird die Flexibilität zur Oberführung in ein anderes institutionelles Organisationsschema beibehalten.
Wesentliche Änderungen
- 6 -

�- Wesentliche Änderungen für die Einsatzmöglichkeiten des STS-Programms
erfordern die Zustimmung des Präsidenten.

Das zivile Raumfahrtprogramm
Im Einklang mit den Bestimmungen des Nationalen Luft- und Raumfahrtgesetzes bezeichnet die Direktive als Aufgaben des zivilen Raumfahrtprogramms:
- Ausweitung der Erkenntnisse über die Erde, ihre Umwelt, das Sonnensystem und das Universum;
- Entwicklung und Förderung ausgewählter Anwendungen der Raumfahrttechnik für zivile Zwecke;
- Erhaltung der Führungsrolle der Vereinigten Staaten bei entscheidenden Aspekten von Weltraumforschung, Anwendungsmöglichkeiten und Technologie
der Raumfahrt; und
- Förderung von Zielen der Innen- und Außenpolitik der Vereinigten Staaten.
In der Direktive werden folgende politischen Richtlinien für das zivile
Raumfahrtprogramm genannt:
- Die Programme der US-Regierung sollen auch künftig auf die Ausgewogenheit von Forschung, Entwicklung, Betriebssystemen sowie Forschungsaufgaben
für Wissenschaft, Anwendungsmöglichkeiten und Technologie ausgerichtet sein.
Mit den Zielsetzungen dieser Programme sollen 1. die Führungsrolle der Vereinigten Staaten bei wichtigen Raumfahrtaktivitäten erhalten werden, um auch
künftig die Nutzbarmachung und Erforschung des Weltraums zu ermöglichen, und
2. Forschung und die Durchführung von Experimenten realisiert werden, um die
Erkenntnisse auf folgenden Gebieten auszuweiten:

a) Astrophysikalische Phäno-

mene sowie Ursprung und Evolution des Universums mittels langfristiger astrophysikal ischer Beobachtungen; b) Sondierung der Erde, ihrer Umwelt, der Dynamik der Einflüsse von der Sonne; c) Ursprung und Evolution des Sonnensystems
mittels der wissenschaftlichen Spezialgebiete von Sonnen-, Planeten und Mondforschung sowie der instrumentellen Erkundung; und d) kosmische Umwelt und
- 7 -

�Umwelt und Sondierungstechnologie zur Ausweitung des Wissens auf den Gebieten
der biologischen Wissenschaften; 3. weitere Untersuchung der Erfordernisse,
Betriebskonzepte und der Technologie im Zusammenhang mit permanenten Raumstationen; 4. geeignete Projekte in Forschung und experimenteller Erkundung mit
fortgeschrittenen Technologien und Systemen in Vorbereitung künftiger ziviler
Anwendungsmöglichkeiten.
- Die Regierung der Vereinigten Staaten bemüht sich um die Schaffung
eines Klimas, das umfangreichere Investitionen und ein stärkeres Engagement
des Privatsektors in Raumfahrtaktivi täten - bei angemessener Berücksichtiggung der öffentlichen wie der nationalen Sicherheit - begünstigt.

Derartige

Raumfahrtaktivitäten werden von der Regierung genehmigt und in dem Umfang
überwacht oder geregelt, der laut vertraglicher Abmachungen oder im Interesse
der nationalen Sicherheit erforderlich ist.
- Die Vereinigten Staaten werden ihre Zusammenarbeit mit anderen Nationen
bei internationalen Weltraumaktivitäten mit gemeinsamen Programmen in Wissenschaft und Forschung fortsetzen, sofern diese Programme der Politik zum Technologietransfer entsprechen und sich für die Vereinigten Staaten lohnen. Die
USA unterstützen auch künftig den öffentlichen, uneingeschränkt gehandhabten
Datenempfang von bundeseigenen zivilen Raumfahrtgeräten durch ausländische
Bodenstationen und die Bereitstellung von Daten für Benutzer im Ausland unter
spezifischen Bedingungen.
- Das US-Handelsministerium wird als federführende Behörde für die von
Bundesbehörden betriebenen Fernerkundungssysteme 1. den Gesamtbedarf der
Bundesbehörden an solchen Systemen zusammenstellen, dem entweder von privater
Seite oder vom Bund als Betreiber entsprochen werden soll; 2. den Bedarf an
Forschungs- und Entwicklungsprojekten für solche Systeme ermitteln; und 3.
in Abstimmung mit anderen Ministerien oder Ämtern Regelungen für den privaten
Betrieb solcher Systeme treffen.
Raumfahrtprogramm für

- 8 -

�Raumfahrtprogramm für die nationale Sicherheit
Die Direktive besagt, daß die Vereinigten Staaten jene Aktivitäten im
Weltraum durchführen, die sie für ihre nationale Sicherheit erforderlich halten.

Raumfahrtprogramme im Interesse der nationalen Sicherheit sollen be-

stimmten Funktionen dienen wie Kommando und Leitung, Nachrichtenwesen, Navigation, Umweltbeobachtung, Warnung, Überwachung und Weltraumverteidigung.
Der Direktive zufolge ist das nationale Sicherheitsprogramm an folgenden Richtlinien zu orientieren:
- Aufbau existenzfähiger und dauerhafter Raumfahrtsysteme, einschließlich aller Systemelemente, entsprechend der vorgesehenen Verwendung in Krise
und Konflikt, entsprechend Bedrohung und der Verfügbarkeit anderer Mittel
zur Durchführung der Mission. Unzulänglichkeiten werden ermittelt und beseitigt, und es wird ein aggressives, langfristig angelegtes Programm zur
Herbeiführung einer besser gesicherten Existenzfähigkeit und Dauerhaftigkeit
in Angriff genommen.
- Die Vereinigten Staaten setzen die Entwicklung von Satelliten-Abwehrsysteme (ASAT) oder Killersatelliten mit dem Ziel der operativen Stationierung
fort.

Hauptzweck des ASAT-Aufbaus ist es, vor einer Bedrohung von Raumfahrt-

systemen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten abzuschrecken und, im
Rahmen der durch internationales Recht gesetzten Grenzen, einem Gegner die
Benutzung von im Weltraum stationierten Systemen zu verwehren, welche militärische Kräfte des Feindes unterstützen.
- Die Vereinigten Staaten werden ein

integriertes System zur Warnung,

Meldung, Verifizierung und Reaktion auf Zufallsereignisse entwickeln und unterhalten, das Bedrohungen amerikanischer Raumfahrtsysteme wirksam erfassen
und entsprechend auf sie reagieren kann.
- Die Warnung

der Sicherheit, einschließlich der Weitergabe von Daten,

soll in Übereinstimmung mit Weisungen der Exekutive und entsprechenden Direktiven zum Schutz von die nationale Sicherheit betreffendem Informationsmaterial geschehen und den durchgeführten Missionen wie den Sicherheitsmaßnahmen
- 9 -

�den Sicherheitsmaßnahmen angemessen sein, die zum Schutz der damit in Beziehung stehenden Raumfahrtaktivitäten notwendig sind.

Zuständigkeiten
Die Direktive enthält, anwendbar und bindend für das auf die nationale
Sicherheit ausgerichtete Programm und auf das zivile Raumfahrtprogramm der
Vereinigten Staaten, folgende Orientierungshilfe:
- Die Raumfahrtprogramme für die nationale Sicherheit und für zivile
Zwecke werden eng koordiniert und, innerhalb der erforderlichen Beschränkungen zum Schutz der Sicherheit, auf gemeinsame Technologie Wert legen.

Strit-

tige Fragen im Technologie-Transfer werden im Rahmen von Direktiven, Weisungen der Exekutive und von Gesetzen geregelt.
- Erdaufnahmen aus dem Weltraum durch die zivile Seite werden unter
Kontrolle zugelassen, wenn solche Anforderungen gerechtfertigt sind und diese unter den Aspekten der darauf erwachsenden Vorteile für den zivilen Sektor, der nationalen Sicherheit und der Außenpolitik bewertet wurden. Diese
Kontrollen werden periodisch überprüft, um zu ermitteln, ob die Beschränkungen zu revidieren sind...
- Die Regierung der Vereinigten Staaten wird getrennte Systeme für die
nationale Sicherheit und den operativen zivilen Einsatz unterhalten und koordinieren, wenn dies voneinander abweichende Erfordernisse der Programme
notwendig machen.

Durchführung der Politik
Die Direktive besagt, daß im größtmöglichen Umfang normale zwischenbehördliche Koordinierungsmechanismen eingesetzt werden, um die bekanntgegebene
Raumfahrtpolitik durchzuführen. Ein laut Direktive zu schaffender inter- 10 -

�schaffender interbehördl icher Rat der für Raumfahrt zuständigen Ressortchefs (SIG) soll für alle Bundesbehörden ein Forum zum Vortragen ihrer Meinungen zu politischen Fachfragen, zur Überprüfung und Beratung hinsichtlich
Änderungsvorschlägen zur nationalen Raumfahrtpolitik und, wenn nötig, zur
ordnungsgemäßen und raschen Weiterleitung von strittigen Fragen der Raumfahrtpolitik an den Präsidenten für dessen Entscheidungen sein.
Den Vorsitz im SIG (Raumfahrt) führt der Präsidialbeauftragte für nationale Sicherheitsfragen; Mitglieder des Rates sind der stellvertretende
Verteidigungsminister, der stellvertretende Außenminister, der stellvertretende Handelsminister, der Direktor des Bundesnachrichtendienstes, der Vorsitzende des gemeinsamen Generalstabs, der Direktor des Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung, und der Leiter des US-Amtes für Luft- und Raumfahrt.
Vertreter des Amtes für Verwaltung und Budget und des Amtes für Wissenschaftsund Technologiepolitik werden als Beobachter einbezogen. Je nach den behandelten Themen werden auch andere Behörden oder Ministerien Teilnehmer entsenden.. .

+ + + + +

- 11 -

�27

14. Juli 1982

DIE AMERIKANISCHEN HANDELSBEZIEHUNGEN MIT EUROPA
Rede von US-Unterstaatssekretär Waldmann vor der amerikanischen
Handelskammer in München -

MÜNCHEN - (AD) - Der Unterstaatsekretä'r für Internationale Wirtschaftspolitik im amerikanischen Handelsministerium, Raymond J. Waldmann, hat in einer
Rede vor der Amerikanischen Handelskammer in München am 9. Juli 1982 die Handelsbeziehungen der Vereinigten Staaten mit Europa erläutert. Die Rede hat folgenden
Wortlaut:
Ich freue mich immer über die Gelegenheit, mit Mitgliedern amerikanischer
Handelskammern zusammenzukommen. Und ich spreche besonders gern hier vor der
Münchner Niederlassung einer der aktivsten Amerikanischen Handelskammern der
Welt. Ihr ständiger Beitrag zur Freundschaft und zur beiderseits vorteilhaften
Handelsbeziehung zwischen unseren beiden Ländern wird in den Vereinigten Staaten
und besonders im amerikanischen Handelsministerium hoch geschätzt.
Die engen Arbeitsbeziehungen zwischen Ihrer Organisation und unserer Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland sind mir ebenfalls gut bekannt. Wenn es

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�wenn es eines weiteren Beweises unserer engen Bindungen bedurft hätte, dann
könnte ich nur noch auf eines hinweisen: Unser neuer Botschaftsrat für Handelsangelegenheiten in Bonn, der im kommenden Monat seine Arbeit aufnehmen wird,
ist kein anderer als der Präsident der Amerikanischen Handelskammer in
Deutschland, Kenneth D. Blum.
Es ist selbstverständlich angebracht, daß wir eng zusammenarbeiten, da wir
schließlich gemeinsam uns nicht nur der Förderung des Handels und der Investitionen zwischen und in unseren beiden Ländern verschrieben haben, sondern auch der
Fortsetzung einer offenen, freien und fairen Handelspolitik unter allen Ländern.
Besonders wichtig ist eine derartige Zusammenarbeit in einer Zeit, da weltweite wirtschaftliche Schwierigkeiten den Druck in der Richtung von Protektionismus und Isolationismus verstärken. Die Vereinigten Staaten fühlen sich zur
Aufrechterhaltung und Erweiterung eines freien Handelssystems verpflichtet. Die
Gesundheit dieses Systems hängt weitgehend von den amerikanisch-europäischen
Wirtschaftsbeziehungen ab - den umfangreichsten und wichtigsten derartigen
Beziehungen der Welt.
Die Bruttosozialprodukte Europas und der Vereinigten Staaten ergeben zusammen beinahe die Hälfte des Bruttosozialproduktes der Welt, während unsere
Exporte zusammengenommen mehr als die Hälfte des gesamten Welthandels ausmachen.
Wir sind auch für einander die größten Märkte: Im vergangenen Jahr gingen mehr
als 28 Prozent der amerikanischen Ausfuhren nach Westeuropa, und 20 Prozent
unserer Einfuhren kamen ebenfalls aus Westeuropa, so daß das gesamte zweiseitige
Handelsvolumen auf 117 Milliarden Dollar kam.
Langfristig gesehen ist es für die Gesundheit der Weltwirtschaft wesentlich,
daß alle Länder - insbesondere aber die Vereinigten Staaten und unsere Partner
diesseits des Atlantik - der Versuchung widerstehen, bei der Bekämpfung unserer
gegenwärtigen Schwierigkeiten zu restriktiven Handelspraktiken Zuflucht zu nehmen.
Es ist

�Es ist behauptet worden, ein globaler Handelskrieg stehe bevor. Ich bin
hier, um Ihnen zu sagen, daß es zwischen den Vereinigten Staaten und Europa
keinen Handelskrieg gibt. Die Vereinigten Staaten und Europa haben ganz gewiß
Differenzen, und ganz gewiß haben wir auch Handelsprobleme. Wir haben aber auch
die Mittel, mit unseren Differenzen innerhalb des bestehenden institutionellen
Rahmens auf ruhige und gerechte Weise fertigzuwerden.
Die Vereinigten Staaten haben die Europäische Gemeinschaft immer als

ihren

engen Verbündeten betrachtet, und wir werden das auch weiterhin tun. Eine am
17. Juni vom Europäischen Parlament verabschiedete Entschließung spricht auch
für uns, wenn sie
- das Bestehen starker kultureller, politischer und wirtschaftlicher Bande
zwischen der EG und den Vereinigten Staaten feststellt,
- die entscheidende Rolle betont, welche die EG und die USA bei der Aufrechterhaltung des Weltfriedens und Sicherung der Überlebenschancen der demokratischen Staatsform spielen, und
- die Notwendigkeit engerer Zusammenarbeit zwischen Europa und den Vereinigten
Staaten hervorhebt. Wir beabsichtigen, alle notwendigen Schritte zu unternehmen,
um zu besserem Verständnis und verbesserten transatlantischen Beziehungen zu
gelangen.
Stahl
Erlauben Sie, daß ich mich kurz dem Stahl zuwende, einer der wichtigeren
Fragen. Am 10. Juni veröffentlichte das amerikanische Handelsministerium sein
vorläufiges Untersuchungsergebnis, daß die Importe von Stahlprodukten aus neun
Ländern - darunter sieben Länder der Europäischen Gemeinschaft - von staatlichen
Subventionen profitieren. Dies ist nur ein vorläufiges Ergebnis. Wir werden
endgültige Erkenntnisse über Subventionen bis zum 24. August vorliegen haben.
Unsere vorläufigen Ergebnisse besagen, daß die Subventionen von weniger
als einem Prozent bis über vierzig Prozent des Frei-an-Bord-Wertes der Importe
reichen. Bei manchen Firmen, darunter Thyssen und Hoesch, stellten wir fest, daß

- 3 -

�fest, daß sie überhaupt nicht subventioniert werden. Wir fanden lediglich zwei
deutsche Firmen, die zu mehr als einem Prozent subventioniert werden,
Die Feststellungen beziehen sich auf 3,9 Milliarden Dollar. Der Tonnage
nach waren das etwa 20 Prozent der amerikanischen Stahlimporte. Obwohl die
Exporte der untersuchten Produkte nur ungefähr 3 Prozent der Stahlproduktion
der Europäischen Gemeinschaft ausmachen, übersehen wir keineswegs, daß die
europäische Stahlindustrie in den letzten fünf Jahren ernste Rückschläge hinnehmen mußte und daß der mögliche Verlust eines Großteils ihres

amerikanischen

Marktes für manche europäische Hersteller keine angenehme Nachricht ist. Wir
können aber auch die Tatsache nicht ignorieren, daß die gegenwärtige Rezession
in den Vereinigten Staaten unsere eigenen Stahl Produzenten, die Stahlarbeiter
und die von der Stahlerzeugung abhängigen Gemeinwesen unter starken Druck gesetzt
hat.
Ich möchte betonen, daß dies nur vorläufige Untersuchungsergebnisse sind,
die nur das Resultat einer sechsmonatigen Analyse darstellen. Die Untersuchungen
wurden in Übereinstimmung mit den amerikanischen Gesetzen und dem Subventions-Code
des GATT vorgenommen. Eine Vergeltung für irgendwelche auf Grund des SubventionsCodes getroffenen ausgleichenden Zollmaßnahmen wäre mit dem Code nicht vereinbar.
Wir haben jede Anstrengung unternommen, unparteiisch vorzugehen. Ich glaube,
daß die Betroffenen zugeben werden, daß die Behandlung der Angelegenheit mit sorgfältiger Fairness erfolgte, auch wenn mir klar ist, daß in Europa andere Ansichten
darüber vorherrschen, was eine Subvention darstellt. Gemäß unseren gesetzlichen
Vorschriften sind unsere vorläufigen Analysen uneingeschränkt zugänglich, ebenso
wie auch jede Gelegenheit besteht, vor Abschluß unserer Untersuchungen Argumente
in Informationsgesprächen und formalen Anhörungen vorzubringen.
Der Handelsminister ist auch weiterhin für Vorschläge ausländischer Hersteller und Regierungen, die eine Lösung durch Verhandlungen bezwecken, aufgeschlossen, wie es in unseren Gesetzen vorgesehen ist.
Es handelt

- 4 -

�Es handelt sich hier nicht um Handelsprotektion; wir haben die amerikanischen
Gesetze in Übereinstimmung mit dem GATT und anderen internationalen Vereinbarungen angewendet, so wie diese gemeint waren. Die amerikanischen Firmen haben von
den ihnen zur Verfügung stehenden gesetzlichen Möglichkeiten Gebrauch gemacht,
so wie europäische Firmen es in der Vergangenheit getan haben. Wir werden fortfahren, legal und offen vorzugehen. Unsere Verpflichtung zum offenen, freien
Handel ist nicht ins Schwanken gekommen.
Sanktionen
Lassen Sie mich jetzt zur Erweiterung der Handelssanktionen durch die Vereinigten Staaten kommen. Im vergangenen Monat erweiterte der Präsident die
Exportkontrolle über ül- und Gastechnologien für die Sowjetunion auf die Produktion amerikanischer Filialen in Übersee und auf die Produktion ausländischer Firmen
mit Lizenzen für amerikanische Technologien.
Der Präsident hat sich diese Entscheidung mit größter Sorgfalt überlegt. Er
war sich der Kosten und Schwierigkeiten bewußt, die damit für amerikanische
Firmen wie für europäische Firmen entstehen. Er war im Besitz aller erforderlichen
Fakten. Die Strenge dieser Entscheidung spiegelt den Ernst wider, mit dem wir
die Situation in Polen betrachten. Im Dezember 1981 erklärte der Präsident, daß
er weitere Sanktionen in Erwägung ziehen müsse, falls sich die Situation in
Polen nicht verbessern sollte. Er hat getan, was er damals angekündigt hat.
Wir begrüßen den vom Europarat kürzlich ergangenen Ruf nach einem Dialog
auf hoher Ebene zwischen führenden Persönlichkeiten der USA und der EG über die
in einem weiten Bereich von Handelsfragen gegenwärtig bestehenden Meinungsverschiedenheiten. Die Vereinigten Staaten sehen der Schaffung eines geeigneten
Forums für die Erörterung der verschiedenen transatlantischen Problem entgegen.
Auch wir sind daran interessiert, mit diesem Dialog voranzukommen und festzustellen, wo unsere Handelsdifferenzen vermindert und wo die amerikanischeuropäischen Beziehungen verstärkt werden können.
Es ist

- 5 -

�Es ist jedoch wichtig zu begreifen, daß dieser Schritt der Vereinigten
Staaten nicht getan wurde, um Westeuropa Schwierigkeiten zu bereiten, sondern um
die Freiheit in Europa zu sichern und zu bewahren.
Die Entschließung des Europäischen Parlaments, die ich vorhin erwähnte,
drückt Sorgen um die Sicherheit Europas aus. Das Europäische Parlament ist
"überzeugt, daß es eines der traditionellen Ziele der sowjetischen Diplomatie
ist, Europa von den Vereinigten Staaten zu trennen, um in der westlichen Welt
Uneinigkeit hervorzurufen". Wir im Westen müssen uns offensichtlich davor
schützen, daß dies je Wirklichkeit wird.
Wir erkennen die Bedeutung an, die Westeuropa seinen Wirtschaftsbeziehungen
mit dem Osten beimißt. Aber das Verhalten der Sowjets - nicht bloß in Afghanistan
und Polen, sondern auch hinsichtlich ihrer Aufrüstung - macht es erforderlich,
daß den Sicherheitsüberlegungen in bezug auf die UdSSR größeres Gewicht verliehen
wird. Unsere Fortschritte bei der Verbesserung der Wirksamkeit strategischer
Kontrollen durch die CoCom zeigen, daß diese Betrachtungsweise von vielen
Europäern geteilt wird.
Lassen Sie mich betonen, daß wir unsere Verbündeten nicht auffordern, Lasten
zu übernehmen, an denen wir uns nicht beteiligen wollen. Die Vereinigten Staaten
haben ihre Geschäftswelt aufgerufen, wenn nötig Opfer zu bringen, um die "lebenswichtigen Grundsätze internationalen Verhaltens, die für die Sicherheit des Westens
wesentlich sind7 aufrechtzuerhalten. Wir haben dafür einen beträchtlichen Preis
gezahlt - Milliarden an potentiellen Exporten in die UdSSR, die verlorengingen
oder auf die seit der Mitte der siebziger Jahre verzichtet wurde.
Auf dem Gebiet des Handels mit Agrarerzeugnissen, wo unsere Verbündeten zur
Kritik neigen, weil wir angeblich die Geschäfte wie üblich betreiben, haben die
Konsequenzen unserer Afghanistan-Sanktionen mit der Aufhebung des teilweisen Getreide-Embargos im vergangenen Jahr durchaus nicht aufgehört. In den siebziger
Jahren lieferten die Vereinigten Staaten routinemäßig zwei Drittel oder mehr der
sowjetischen Getreideimporte. Heute beträgt unser Anteil weniger als 30 Prozent.

- 6 -

�30 Prozent. Der amerikanische Anteil am landwirtschaftlichen Markt der Sowjetunion bleibt niedrig und wird sich in vorausschaubarer Zukunft wahrscheinlich
nicht erhöhen.
Gegenseitigkeit
Die letzte Frage, die ich heute aufgreifen möchte, ist eine, die - wie ich
glaube - vielen Mißverständnissen ausgesetzt gewesen ist und dadurch große Bestürzung hervorgerufen hat, vor allem in Europa. Ich weiß sogar, daß die
Amerikanische Handelskammer in Deutschland das gesamte Konzept abgelehnt hat.
Ich spreche von dem Gedanken der Gegenseitigkeit.
Manche Leute haben behauptet, Gegenseitigkeit sei lediglich ein beschönigender Name für protektionistische Handelspolitik,und die Vereinigten Staaten würden
vielleicht ihre freie Handelspolitik aufgeben, wenn sie sich der Gegenseitigkeit
zuwendeten. Eine derartige Charakterisierung ist von Grund auf falsch. Der
Gedanke der Gegenseitigkeit erwächst aus den Frustrationen der amerikanischen
Geschäftswelt, die den Zutritt zu ausländischen Märkten sucht. Der Gedanke zielt
nicht auf den Schutz unserer eigenen Märkte vor ausländischer Konkurrenz ab,
sondern auf die Schaffung gerechterer Handelsmöglichkeiten für alle Nationen.
Ich möchte unsere feste Überzeugung betonen, daß der Weg zur Herstellung
gegenseitigen Zugangs in der Liberalisierung ausländischer Märkte, nicht aber
in der Errichtung von Schranken auf dem eigenen Markt besteht. Die gegenwärtige
Regierung wird sowohl die Integrität des internationalen Handelssystems als auch
die Interessen amerikanischer Firmen verteidigen.
Die Regierung Reagan hat in unmißverständlicher Weise ihrer Verpflichtung zur
Freiheit und Offenheit des Handels auf Grund gegenseitig annehmbarer Regeln Ausdruck verliehen. Und wir sind entschlossen, daß der in Richtung auf dieses Ziel
in den letzten 35 Jahren erreichte Fortschritt weitergehen soll.
Die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten
veranschaulichen die Vorteile des freien Handels zwischen den Völkern. Unsere
- 7 -

�Völkern. Unsere starken und beiderseitig nutzbringenden Wirtschaftsbeziehungen
beruhen zum großen Teil auf einer gemeinsamen Wirtschaftsphilosophie, einer
Philosophie, die in der Idee offener Märkte stark verwurzelt ist. v
Unsere Ziele müssen darin bestehen, Differenzen auszuräumen, ein noch stärkeres Partnerschaftsverhältnis zu schaffen und bei der Gestaltung einer noch
besser gedeihenden Weltwirtschaft mitzuhelfen. Wir können mit Stolz auf unsere
traditionelle Zusammenarbeit blicken, die sich nicht nur zweiseitigen Problemen
mit Erfolg zugewandt hat, sondern auch die Prinzipien der Offenheit und NichtDiskriminierung in der Weltwirtschaft gefördert hat.
Es ist ein fundamentaler Grundsatz dieser amerikanisch-europäischen Zusammenarbeit, daß beide Seiten Schiffbruch erleiden, wenn eine ihren Schwierigkeiten zu entfliehen sucht, indem sie die Last dem anderen Partner zuschiebt. Wir
müssen auf der Hut sein, damit dies nicht beim Stahl passiert,bei der gemeinsamen
Landwirtschaftspolitik der Europäischen Gemeinschaft, bei Kreditsubventionen für
Exporte oder bei irgendeiner anderen Frage. Jeder von uns - die Vereinigten
Staaten und Europa - muß ein Gefühl für die Auswirkungen unserer Politik auf
andere haben.
Unsere beiderseitigen Interessen sind weitgehend miteinander vereinbar,
aber die Tatsache, daß sie nicht immer identisch sind, wird.im Augenblick mit
einiger Häufigkeit und einigem Nachdruck artikuliert. Wir dürfen nicht zulassen,
daß die Art von Differenzen, wie sie zwischen Freunden unvermeidlich auftauchen,
unser schon so lange bestehendes Verhältnis unter Spannung setzen oder verzerren.
Jede wichtige und langanhaltende Beziehung wird unweigerlich Problemen begegnen.
Die Kraft einer solchen Beziehung wird aber am besten an ihrer Fähigkeit zur
Lösung dieser Probleme gemessen, und hier hat sich unser Verhältnis immer wieder
als in der Tat stark erwiesen.
Winston Churchill bemerkte einmal: "Ein Optimist sieht in jeder Gefahr eine
Chance, und der Pessimist sieht in jeder Chance eine Gefahr." Wie schwierig
auch unsere gemeinsamen Probleme sein mögen - ich glaube, daß die Vereinigten

- 8 -

�die Vereinigten Staaten und Europa jetzt die großen Zielsetzungen, denen unsere
bisherige Partnerschaft gewidmet war, aufs neue bekräftigen müssen: in
konstruktiver Weise die vor uns liegenden bilateralen Probleme zu lösen; aktiv
im Dienste unserer gemeinsamen Interessen zusammenzuarbeiten; und ein mit
neuem Leben erfülltes internationales Wirtschaftssystem auf der Grundlage
traditioneller und als erfolgreich erwiesener Prinzipien zu gestalten.
Vor uns liegen große Möglichkeiten; wir brauchen nur weiterhin Vertrauen
und Engagement, um sie wahrzunehmen.
Ich danke Ihnen.
+++++

- 9 -

�Hintergrund
materiell
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14. Juli 1982

27

DIE ENTSCHEIDUNGSBEFUGNIS IN DER AMERIKANISCHEN AUSSENPOLITIK
- Kommentar der Stimme Amerikas -

- (AD) - George Shultz übernimmt das Amt des Außenministers in einer
weltpolitisch unruhigen Zeit.

Da sind einmal die schwierigen Verhandlungen

über die Zukunft des Libanon; dann die vielen diplomatischen Probleme, die
auch nach Beendigung des bewaffneten Konflikts um die Falkland-Inseln andauern; auch der iranisch-irakische

Krieg ist noch nicht beendet; Afghanistan

ist noch immer von der Sowjetunion besetzt; Polen wird noch immer unterdrückt.
Und all dies sind nur einige wenige Aspekte dessen, womit sich ein amerikanischer
Außenminister beschäftigen muß.
Dennoch:

der Übergang verlief seit Haigs Amtsniederlegung reibungslos,

die Ernennung von George Shultz dürfte vom Senat bald bestätigt werden.
Ein Grund für diesen problemlosen Übergang ist in der von der Verfassung
gewollten Vorherrschaft des Präsidenten in der Außenpolitik zu finden. Er
ist derjenige, der Verträge abschließt, der Botschafter und Minister ernennt.
Zwar verlangt die Verfassung auch den Rat und die Zustimmung des Senats bei
diesen Angelegenheiten, doch liegt die Autorität für Verhandlungen im Ausland
sowie zur Formulierung der Außenpolitik eindeutig bei dem Mann im Weißen Haus.
Vor 30 Jahren

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�Vor 30 Jahren stand auf dem Schreibtisch von Präsident Harry S. Truman
das Schild:

"The Bück Stops Here" - ein amerikanischer Ausdruck dafür,

daß hier die Entscheidung nicht mehr weitergereicht werden kann.
Auf seiner jüngsten Pressekonferenz deutete Präsident Reagan Ähnliches
mit der Bemerkung an, daß die Außenpolitik bei ihm im "Oval Office" gemacht
werde.

Er trifft die Entscheidungen, nachdem er sich die oft gegensätzlichen

Argumente derjenigen seiner Berater angehört hat, die für die jeweiligen Problemkreise zuständig sind.

Auch den Rat des bisherigen Außenministers Haig

bedachte er mit großem Lob, stellte jedoch klar, daß es aufgrund dessen Rücktritts keinen Wandel in der Außenpolitik geben werde.

Auf Fragen erklärte

er, er hätte diesen Rücktritt nicht angenommen, wenn dies in seinen Augen die
derzeitigen amerikanisch-sowjetischen Gespräche über eine Verminderung der
Kernwaffen behindert hätte.
Schon hat der Präsident weitere außenpolitische Aufgaben für Shultz umrissen: darunter die Bemühungen,für Namibia die Unabhängigkeit zu erreichen,
die Bindungen zu den Verbündeten Amerikas zu stärken, Unabhängigkeit und Souveränität des Libanon wiederherzustellen und neue Schritte in Richtung auf
einen Frieden im Nahen Osten zu unternehmen.

- 2 -

�Hintergrund
matcriol
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27

14. Juli 1982

DIE SOWJETISCHE FRIEDENSBEWEGUNG
Ein Kommentar der Stimme Amerikas -

- (AD) - Die sowjetische Zeitung Prawda berichtet, daß Millionen sowjetischer Bürger überall in der UdSSR ihren heißen Wunsch nach Frieden zum
Ausdruck gebracht haben. Sie kamen in Fabriken und an Arbeitsplätzen zusammen, so die Prawda, um einen Teil ihres Lohnes für einen amtlichen sowjetischen Friedensfonds zu stiften. Und, so heißt es in der Prawda weiter,
das sei nichts anderes als ein heftiger, massiver Protest gegen das Wettrüsten, das, wie die Prawda meint, doch nur der Fehler der NATO und der amerikanischen Militaristen sei.
Und doch gibt es in anderen Quellen der sowjetischen Presse Mißklänge
und Widersprüche.

So zitiert beispielsweise die amtliche sowjetische Nach-

richtenagentur TASS Verteidigungsminister Ustinow, demzufolge die sowjetische
Verteidigung auf "dem richtigen Stand" gehalten werden müsse.
Hat dieser richtige Stand etwas mit dem Wettrüsten zu tun? Ustinow
ist wohl dieser Meinung. "Die technische Ausrüstung unserer Streitkräfte",
so sagte er, "wird ständig vervollkommnet. Der Stand der Kampfbereitschaft
nimmt ständig zu."
Wie die

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�Wie die Berichte westlicher Korrespondenten aus Moskau erkennen lassen, ist im übrigen nicht jeder Friedensmarschierer bei den sowjetischen
Behörden gerne gesehen. Eine kleine Gruppe von Bürgern, die sich selbst
"Gruppe für die Herstellung von Vertrauen zwischen den USA und der UdSSR"
nennt, ist offensichtlich in Schwierigkeiten.
Zwei Mitglieder dieser Gruppe stehen nach Berichten unter Hausarrest
durch den sowjetischen Geheimdienst KGB, und zwar seit längerer Zeit. Andere wurden aufgefordert, das Land innerhalb kurzer Frist zu verlassen, einem anderen wurde angedroht, er werde seinen Arbeitsplatz verlieren oder
wegen Hochverrat vor Gericht gestellt werden.
Als vor etwa einem Monat eine in Paris beheimatete Gruppe von Friedenskämpfern auf einem niederländischen Schiff nach Leningrad kam, gab es zunächst Zusammentreffen und dann Zusammenstöße mit dem amtlichen sowjetischen
Friedenskomitee.
Zum Krach kam es, als die westlichen Friedenskämpfer Ballons mit der
Aufschrift aufließen: "UdSSR: Einstellung der Kernwaffenversuche jetzt!."
Sowjetische Schlepper brachten das Friedensschiff aus dem Hafen in internationale Gewässer - weg von jeder Möglichkeit, die sowjetische Öffentlichkeit
zu "vergiften".
Die Moskauer Friedenskomitees sind jederzeit bereit, Kritik an den
westlichen Rüstungskontrollvorschlagen und natürlich an westlichen Verteidigungsanstrengungen zu unterstützen - aber nicht Kritik an den Anstrengungen des Kreml.
Diese Verhaltensweise steht in völligem Gegensatz zu der freien öffentlichen Debatte, die Teil des Entscheidungsprozesses in den Vereinigten Staaten und in den westlichen Demokratien ist.
Vor einem

�Vor einem Monat hat Präsident Reagan auf seiner Europareise die sowjetischen Führer aufgefordert, sich einmal zu überlegen, wie der Wettstreit an
Ideen und Werten auf einer friedlichen und gegenseitigen Basis durchgeführt
werden könnte. Reagan ist der festen Überzeugung, daß die freie Diskussion
in der Demokratie, verbunden mit einer weltweiten Kampagne für die Freiheit,
die Aussichten für Rüstungskontrolle und eine Welt in Frieden stärken werden.

- 3 -

�14. Juli 1982

27

AMERIKAS VERTRETER BEI DEN UN-STELLEN IN GENF
FORDERT DIE WELTORGANISATION ZU LEISTUNGSSTEIGERUNGEN AUF

GENF - (AD) - Die Vereinten Nationen würden in den Augen ihrer Mitgliedstaaten erheblich an Ansehen gewinnen, wenn sie stärker und wirksamer auf die
sozialen und wirtschaftlichen Probleme in aller Welt eingehen würden, erklärte der Ständige Vertreter der Vereinigten Staaten bei den Sonderorganisationen
der Vereinten Nationen und bei anderen internationalen Körperschaften in Genf,
Botschafter Geoffrey Swaebe, auf einer gemeinsamen Tagung des Verwaltungsausschusses für Fragen der Koordination, der sich aus dem UN-Generalsekretär und
Vertretern der Sonderorganisationen zusammensetzt, und des Programm- und Koordinationsausschusses aus Vertretern der Mitgliedstaaten am 6. Juli 1982 in
Genf.

Die Vereinten Nationen müßten ihre Mitgliedregierungen und die Welt-

öffentlichkeit davon überzeugen, daß sie leistungsfähig und wirksam zu arbeiten vermögen.
"Die Vereinigten Staaten stehen auch weiterhin entschlossen zu den Grundsätzen, auf die sich die Vereinten Nationen gründen," versicherte Botschafter
Swaebe.

Aufgabe der Tagungen sei es, zu überlegen, wie die Vereinten Nationen

und ihre Organe angemessen, wirkungsvoll und in besserer Koordination auf die

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D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme von heute reagieren könnten."

Die beiden Koordinationsausschüsse treten jedes Jahr unmittel-

bar vor Beginn der monatelang dauernden Sommersitzung des Wirtschafts- und
Sozialrates der UN (Economic and Social Council - ECOSOC) zusammen, die dieses Jahr am 7. Juli begonnen hat.
Die Hebung des Rufes der UN-betonte Swaebe, erfordert mehr als nur die
Intensivierung ihrer Öffentlichkeitsarbeit.

"Unserem Dafürhalten nach soll-

ten die UN-Organe den Blick nach innen wenden, um die Ursachen für den Vertrauensschwund unter den Mitgliedstaaten herauszufinden.

Sie müssen bewußte

und gewissenhafte Anstrengungen zur Straffung sowohl der Programme als auch
der Durchführung desselben unternehmen.
Die Vereinigten Staaten werden auch in Zukunft alle Bemühungen der Vereinten Nationen und ihrer Organe unterstützen, die darauf abzielen, Management
und Verwaltung zu verbessern."
In Anspielung auf eine Feststellung in der Haushaltsbotschaft Präsident
Reagans fuhr Botschafter Swaebe fort: "Von besonderer Wichtigkeit ist, daß
die Organisationen ihre Programme regelmäßig überprüfen und weniger dringende
und veraltete Aktivitäten einstellen, mit einem möglichst kleinen Mitarbeiterstab auskommen und damit auch die sonstigen Betriebskosten senken. Die
Vereinigten Staaten sind überzeugt," so betonte Swaebe, "daß die Wirksamkeit
der meisten UN-Organisationen nach der erheblichen Ausweitung ihrer Programme
in den letzten Jahren durch Einlegung einer Periode der Auswertung, Angleichung und Rationalisierung nur gesteigert werden kann."
Der amerikanische Vertreter wies darauf hin, daß die anhaltenden weltwirtschaftlichen Probleme ernsthafte Einschränkungen in den Staatshaushalten
der Mitgliedstaaten zur Folge hatten, während sich die Haushalte der UN-Organisationen

in den letzten zehn Jahren mehr als verdreifacht haben - von 502,2

Millionen Dollar im Jahr 1973 auf 1,6 Milliarden für 1982.
"In einer

�"In einer Zeit," betonte Botschafter Swaebe, "in der die Mitgliedstaaten
erhebliche Abstriche an ihren Programmen im Inneren hinnehmen müssen, ist es
von großer Wichtigkeit, daß auch die UN-Organe den wirtschaftlichen und finanziellen Gegebenheiten Rechnung tragen.

Das Versäumnis, dies zu tun, würde

das Vertrauen untergraben, das wir in sie setzen.
Die Vereinigten Staaten sind überzeugt, daß die internationalen Organisationen darauf bedacht sein müssen, den höchstmöglichen Leistungs- und Wirkungsgrad in der Verwendung knapper finanzieller Hilfsquellen zu erreichen.
Jede UN-Dienststelle muß die ihr zur Verfügung stehenden Mittel auf jene Programme und Vorhaben verwenden, die die besten Ergebnisse bei geringstmöglichen
Kostenaufwand versprechen."
In seinen weiteren Ausführungen wies der Botschafter darauf hin,daß die
Haushaltdefizite in den Vereinigten Staaten zu drastischen Einschränkungen
der Staatsausgaben zwingen, von denen insbesondere periphäre Programme mit
relativ geringem Nutzeffekt betroffen werden. Er forderte alle UN-Organe
auf, die Privatwirtschaft als Partner für Entwicklungsvorhaben zu gewinnen.
"Die private Wirtschaft", so erklärte Swaebe wörtlich, "vermag den Erfindungsgeist zu beflügeln und die Weitergabe moderner Technologien zu beschleunigen; sie hat Millionen Arbeitskräfte zu Fachkräften ausgebildet
und die Mittel zur Hebung des Lebensstandards von unzähligen Millionen aufgebracht." Die Privatwirtschaft verfügt über einen Erfahrungsreichtum, der die
Gewißheit bietet, daß Programmrichtlinien koordiniert werden, daß die ProgrammPlanung wirklichkeitsnahe ist und daß die Programmschritte effizient ausgeführt werden."

+ + + + +

- 3 -

�HinterQfundmoterial
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14. Juli 1982

27

FÜR AFGHANISTANS FREIHEITSKÄMPFER IST DAS RADIO BRÜCKE ZUR AUSSENWELT
Von Edward Girardet, Sonderkorrespondent des Christian Science Monitor -

Nachdruck mit Genehmigung des Christian
Science Monitor (C) 1982 The Christian
Science Publishing Society
Alle Rechte vorbehalten
Irgendwo in den afghanischen Kohistan-Bergen, in einer Tschaikana, einem
Teehaus. Die dunkle, trotzdem gastliche Herberge aus Lehm und Stein wird beherrscht von einem riesigen, dampfenden Samowar und ist voller Bauern und Widerstandskämpfer, die dort auf ihrem Weg in die Kampfgebiete Nordafghanistans
Halt machen.
Während sie aus bunten chinesischen Tassen ihren grünen Tee schlürfen,
diskutieren die Männer laut über die Aussichten einer großangelegten kommunistischen Offensive gegen die Guerilla im nahegelegenen Panschir-Tal. In
einem Land, wo man sich noch immer die Zeit vorwiegend mit Plauderei vertreibt,
sind Reisende eine begehrte Informationsquelle für viele dieser abseits gelegenen Dorfgemeinschaften.
Aber gegen

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D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Aber gegen Spätnachmittag kommt Schweigen über die Gruppe und die vertrauten
Töne eines Yankee Doodle finden ihren Weg durch das Krachen und Knacken eines
japanischen Kurzwellenradios. Und dann bringt plötzlich die sonore Stimme des
Ansagers der Stimme Amerikas (VOA) auf Farsi die wichtigsten Themen der Abendnachrichten. Aufgeregtes Gemurmel begleitet den Sprecher, wenn dieser diplomatische Quellen aus Kabul zitiert, die von den jüngsten Kämpfen in Afghanistan
berichten.
Als ausländischer Beobachter ist man beeindruckt von der Leidenschaftlichkeit, mit der die Afghanen, von denen die Mehrheit weder lesen noch schreiben kann,
die internationalen Ereignisse mittels VOA, BBC, der Deutschen Welle, ja sogar
Radio Moskau, verfolgen. Von durchreisenden Journalisten und französischen
Ärzten abgesehen, waren westliche Rundfunksender lange Zeit der einzige unmittelbare Kontakt zur Außenwelt.
Doch die westlichen Kurzwellensender, die auch in Paschto, neben Farsi die
zweite Hauptsprache Afghanistans, senden, haben ihre Mängel. Nur schwer ist verläßliche Information über die Lage im Innern Afghanistans zu erhalten. Berichte
westlicher Diplomaten aus der afghanischen Hauptstadt, die sich nicht selbst auf
unmittelbare Beobachtungen stützen, sind nicht selten fragwürdig. Genau wie in
der Sowjetunion ist die Bewegungsfreiheit westlicher Diplomaten außerhalb der
Hauptstadt eingeschränkt, Informationen von anderen Regionen daher oft bruchstückhaft. Auch ist es für Diplomaten nicht ungefährlich, sich in Gegenden wie
dem Alten Basar sehen zu lassen, wo man sie leicht für Russen halten könnte.
Dennoch senden Stationen regelmäßig Berichte, die bei Afghanen verständlicherweise Verwirrung stiften, wenn darin von ihrer Vernichtung durch die Sicherheitskräfte gesprochen wird - und sie doch hiersitzen und ihren Tee trinken.
So sprachen erste diplomatische Berichte von der jüngsten Panschir-Offensive
davon, daß die sowjetischen und afghanischen Regierungstruppen einen großen Sieg
davongetragen hätten, es bei der Guerilla schwere Verluste gegeben habe und die
Truppen sich in dem Tal festgesetzt hätten. Obwohl nicht zu leugnen war, daß die
Kommunisten diese strategische Region besetzt hatten, so waren ihre Verluste doch
sehr hoch und die der Mudjahedin auf&lt;der anderen Seite nur gering.
Die Sowjets,

�Die Sowjets, die offensichtlich am 13. Juni von dort abzogen, ließen etwa
8 000 afghanische Regierungstruppen und sowjetische motorisierte Einheiten zurück.
Seither soll die Widerstandsbewegung dort eine Reihe von Gegenangriffen gestartet
haben und beträchtliche Mengen an Ausrüstung zerstört sowie mehrere militärische
Vorposten umzingelt haben.
Direkte Informationen aus dem Widerstand

von Journalisten oder von Ärzten,

die im Innern Afghanistans arbeiten, und die ein ausgewogeneres Bild vermitteln
könnten, benötigen oft Tage, wenn nicht Wochen, um nach Pakistan zu gelangen.
Aber auch hier muß man die Aussagen mit großer Vorsicht behandeln.
Mit der Zeit haben die Widerstandskämpfer jedoch erkannt, daß übertriebene
oder nichtexistierende Erfolge über die kommunistischen Streitkräfte ihrer Sache
nur wenig dienlich sind, und dies kommt auch in ihren Berichten zum Ausdruck,
die durch ein einfaches, aber höchst wirkungsvolles Informationsnetz von Boten
verbreitet werden.
Die Stimme Amerikas unternimmt ebenfalls besondere Anstrengungen, um verläßlichere und aktuellere Informationen auszustrahlen: Neben ihren englischsprachigen Reportern arbeiten auch Korrespondenten, die Farsi und Paschto sprechen.
Die BBC stützt sich bei ihren Afghanistan-Nachrichten auf einen Korrespondenten,
der in Islamabad arbeitet. Mit dem Aufbau von Radio Freies Kabul vor einem Jahr
bietet sich dem afghanischen Widerstand eine, wenn auch begrenzte Möglichkeit
zu rascher und normalerweise verläßlicher Information. Drei UKW-Geheimsender mit
einer Leistung von 20 Watt, die derzeit jede Nacht von unterschiedlichen Plätzen
im Umkreis von 50 km von der afghanischen Hauptstadt aus ihre Sendungen ausstrahlen,
haben bereits beträchtliche Unruhe im offiziellen Kabul gestiftet. Die sowjetische
Presse hat die Sender bereits mehrmals angegriffen und die afghanische Regierung
ihren Soldaten den Besitz entsprechender Empfänger verboten. "Dies beweist, daß
wir schon beträchtliche Wirkung erzielen", meinen Mitarbeiter des Senders.
Trotz wiederholter Versuche, die Sender zu bombardieren oder zu stören,
ist es bisher gelungen, die Sendungen auf Farsi und Paschto fast regelmäßig

- 3 -

�fast regelmäßig auszustrahlen. Für manche ist Radio Freies Kabul nichts als eine
Propagandaoperation der Guerilla, aber es wird zweifellos ein bewußter Versuch
unternommen, ihn für alle politischen Richtungen offenzuhalten. "Jeder, der
etwas zu sagen hat, kann kommen und reden."
Größtes Problem für die Station ist der Mangel an entsprechenden Empfängern,
auch wenn fast jedes Dorf wenigstens über einen Apparat verfügt, der das
Programm empfängt. "Da es uns derzeit wirklich nicht möglich ist, über Mittelwelle zu senden, brauchten wir mehrere tausend Empfänger, um sie über das ganze
Land zu verteilen", heißt es bei Radio Freies Kabul.
+++++

�</text>
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