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und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

7. Juli 1982

26
INHALT
DOKUMENTATION

Amerikas Hauptziel bei den START-Verhandlungen in Genf: Weniger Kernwaffen
- Interviews mit Botschafter Rowny Schreiben Reagans an den Chefdelegierten der START-Verhandlungen
- Ziel:

Beseitigung der Bedrohung durch Kernwaffen -

HINTERGRUNDMATERIAL
Reagan: Embargo für ölgerät prinzipieller Schritt
- Sowjetunion hat Unterdrückung in Polen nicht gelockert
Wieder neue Abschußanlagen für SS-20-Raketen
- Von unserer Korrespondentin Marie Koenig WIRTSCHAFT
USA begrüßen EG-Entscheidung über Exportkredite
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Der Routineeinsatz kann beginnen
- Harte Belastungsproben für COLUMBIA beim vierten Testflug
NASA plädiert für bemannte Raumstation
- Nächster Schritt im US-Raumfahrtprogramm -

Um Ubcr/endung von
ßclcgcxemplorcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26

7. Juli 1982

AMERIKAS HAUPTZIEL BEI DEN START-VERHANDLUNGEN IN GENF: WENIGER KERNWAFFEN
- Interviews mit Botschafter Rowny -

GENF - (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte bei den START-Verhandlungen
- den amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über die Verminderung der strategischen Waffen (Strategie Arms Reduction Talks) - in Genf, Botschafter Edward
Rowny, erklärte nach Beendigung der Eröffnungssitzung am 29. Juni 1982 vor
Journalisten:
- Alle Elemente der amerikanischen strategischen Nuklearrüstung werden in
den START-Verhandlungen zur Diskussion stehen, einschließlich der MX- und der
TRIDENT II-Systeme;
- die START- und die INF-Verhandlungen (Verhandlungen über die Mittel Streckensysteme in Europa) seien "ParallelVerhandlungen" und es bestünde eine sehr enge
Koordination zwischen den jeweils in ihnen verfolgten Zielsetzungen; und
- die von den Kernwaffengegnetn rund um die Erde zum Ausdruck gebrachten
Besorgnisse seien auch die Besorgnisse des amerikanischen Volkes. "Es besteht

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�"Es besteht kein Widerspruch zwischen ihnen und uns" so sagte Rowny.
Auf die Frage eines Reporters, was er sich von den START-Verhandlungen
erhoffe, was nicht schon mit SALT II erreicht worden war, antwortete Botschafter
Rowny wörtlich: "... ein Rüstungsbeschränkungsabkommen. Ich habe erlebt, wie
gegen Ende der SALT-Verhandlungen das Ergebnis verwässert wurde. In seiner Endfassung war dies kein Rüstungsbeschränkungsvertrag; er begrenzt die Rüstungen
lediglich auf einem extrem hohen Stand, und das auf eine Weise, die beide Seiten
daran hindert, je davon abzugehen. Ich befasse mich schon seit langem mit der
Frage der Rüstungsbeschränkung sehr ernsthaft und befürworte die Rüstungsbeschränkung schon seit 30 Jahren. Deshalb möchte ich hierfür alles tun, was in
meinen Kräften steht. Zu meinem Glück habe ich in Präsident Reagan einen
Förderer gefunden, der hierin voll und ganz mit mir übereinstimmt. So erhoffe
ich mir eine gleichgewichtige und verifzierbare Vereinbarung, die den Rüstungsstand erheblich senkt und uns der Lösung der Aufgabe näherbringt,

die strate-

gischen Waffen zu verringern."
Auf die Frage, wie der Weiterbau des MX-Systems und anderer Systeme das
Ergebnis der START-Verhandlungen beeinflussen könnte, erwiderte Rowny "... in
positiver Weise, weil die Vereinigten Staaten, wie der Präsident erklärt hat,
die 15-jährige Vernachlässigung ihrer Streitkräfte wettmachen, diese modernisieren und für ihre eigene Sicherheit sorgen müssen. Vorsorge für die eigene Sicherheit zu treffen wird es uns gestatten, zu einem Rüstungsbeschränkungsabkommen
zu gelangen."
Nach der Stimmung auf der Eröffnungssitzung gefragt, entgegnete der amerikanische Chefdelegierte: "Sie war herzlich, sachlich, offen, ernst."
Auf die Rückwirkung der Friedensbewegungen in Europa und den Vereinigten
Staaten angesprochen, führte Rowny u.a. aus: "Sie (die Sowjets) verstehen nicht
ganz, warum wir diese Friedensbewegungen haben und dulden. Sie haben keine
Friedensbewegung, und die jüngste Elfergruppe kam in Moskau nicht sehr weit.
Ich hege die Erwartung und Hoffnung, daß dann, wenn das Volk verstehen lernt,

- 2 -

�verstehen lernt, daß wir uns - indem wir die Rüstungen vermindern und uns auf
die am stärksten destabilisierend wirkenden Waffen konzentrieren - in Richtung
auf eine Verminderung der Gefahr eines Krieges mit Kernwaffen hin bewegen, eine
vernünftigere Haltung an die Stelle von Emotionen treten wird, die gut gemeint
sind und die ich nicht verunglimpfen möchte: die Menschen fürchten das Unbekannte,
sie fürchten diese Waffen. Ich glaube aber, wenn Sie (die anwesenden Journalisten)
und andere dies erst einmal klar genug aussprechen, und wenn die anderen (die
Friedensfreunde) begreifen, worum es uns geht, dann werden sich diese Bewegungen
zerstreuen. Zwischen ihren Zielen und unseren Zielen besteht ja gar kein Gegensatz. Wir wollen die Gefahr eines Atomkrieges verringern, indem wir die Nuklearwaffen abbauen."
Was die Ziele der Amerikaner bei den am 29. Juni in Genf aufgenommenen Verhandlungen angeht, so hat Chefdelegierter Rowny diese in einem Interview, das er
in Washington vor seiner Abreise nach Genf unserem Korrespondenten William H.
Durham gegeben hat, ausführlich dargelegt. Dieses Interview hat folgenden Wortlaut:
Frage: Wie kamen die START-Vorschläge zustande? Welche Instruktionen haben
Sie erhalten, und wie stehen Sie zu diesen?
Antwort: Die Positionen für die START-Verhandlungen wurden über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr hinweg entwickelt. Am Angang haben wir - nicht nur
ich, sondern auch die in den zuständigen Behörden in Washington damit befaßten
Fachkräfte - eine Reihe von Zielsetzungen aufgestellt, die wir zu erreichen
suchen. Das höchste Ziel ist die Verringerung der Gefahr eines Krieges mit
Kernwaffen. Es soll erreicht werden durch wesentliche - nicht nur symbolische
- Verringerungen der Kernwaffen auf eine Art und Weise, daß sich auf einem
niedrigeren Niveau die Abschreckung

verstärkt, die ein hohes Ziel darstellt.

Wir wollen von einem Krieg mit Kernwaffen abschrecken und die Stabilität in
Kriegszeiten erhöhen.
Mit anderen Worten: Wenn es zu einer Krise kommen sollte, in der sich ein
Krieg mit konventionellen Waffen zu einem Atomkrieg ausweiten könnte, wollen wir
das verhindern, wollen wir jede Anwendung von Kernwaffen verhindern. Somit ist
- 3 -

�Somit ist Stabilität in Krisenzeiten ein sehr wichtiges Kriterium.
Das nächste Kriterium bei alledem ist die Gleichheit. Das war die Losung:
Jede Vereinbarung muß von vorne bis hinten und in allem was sie bestimmt, gleichgewichtig sein. Und dann mußten unsere Vorschläge einfach gehalten sein. Das
läßt sich schwer verwirklichen, weil es hier um ein sehr vielschichtiges Thema
geht. Schließlich muß der Vertrag in Verhandlungen erreichbar sein: er muß uns
etwas einbringen, und er muß den Sowjets etwas einbringen.
Angesichts dieser Kriterien war der START-Vorschlag zu entwickeln. Wir
haben diesen Kriterien Rechnung getragen. Es sollen wesentliche Verringerungen
vorgenommen werden. Ein Beispiel: die nuklearen Gefechtsköpfe.für ballistische
Raketen sollen um mindestens ein Drittel vermindert werden.
Frage: Wird es zu wesentlichen Verringerungen kommen?
Antwort: Zu wesentlichen (substantial) Verringerungen, ganz richtig.
"Signifikante Verringerungen" war der Schwellenbegriff in SALT II, und bedeutete
Verringerungen um 10 bis 15 Prozent. Wir sprechen nun von wesentlichen Verringerungen, weil diese weit darüber hinausgehen - ein Drittel.
Frage: Würden Sie von einschneidenden Verringerungen sprechen?
Antwort: Nein, ich würde das Wort einschneidend nicht benutzen, denn wenn
Präsident Carter von einschneidenden Kürzungen sprach, wollte er nur einige
hundert Waffen übriglassen. Und das halten wir auch nicht für realistisch.
"Wesentliche Verringerungen" aber halten wir für einen guten Begriff. Für uns
bedeutet er, da wir heute beide etwa die gleiche Zahl von rund 7 500 Nukleargefechtsköpfen für ballistische Raketen besitzen, daß wir diese Zahl beide auf
ein gleiches niedrigeres Niveau von etwa 5 000 reduzieren.
Um jedoch sicherzustellen, daß sowohl die Abschreckung als auch die Krisenstabilität gestärkt wird, erklärten wir, daß nicht mehr als die Hälfte der verbleibenden Gefechtsköpfe für Interkontinentalraketen (Intercontinental Ballistic

�(Intercontinental Ballistic Missiles - ICBM) oder landgestützte ballistische
Raketen (Land-Based Ballistic Missiles - LBBMs) sein dürfen, weil die Gefechtsköpfe von ICBMs eine viel größere Zielgenauigkeit und eine größere Sprengkraft
aufweisen und weil diese - als starre Systeme - leichter verletzlich sind. Und
gerade das ist es, was die Stabilität mehrt.
Frage:

Sind die Interkontinentalraketen eines der Gebiete, auf dem das

SALT-II-Abkommen enttäuscht?
Antwort: Es bestand nur die Illusion der Gleichheit. Aber 2 400 Startgeräte
auf beiden Seiten hätten die Ungleichheit verborgen, die hinter oder in diesen
Startgeräten bestanden hätte. Wir sind für START zu neuen Maßeinheiten gelangt Startanlagen sind Gewehren mit einem oder solchen mit mehreren Geschossen vergleichbar. Ob man ein Geschoß für ein Gewehr oder drei oder vier für es hat,
macht einen großen Unterschied.
Unter SALT II wäre es den Sowjets gestattet, dreimal soviele ICBM-Gefechtsköpfe zu besitzen wie wir - und das wäre ein destabilisierender Faktor. Die
Sowjets besitzen gegenwärtig etwa 5 900, wir aber nur 2 100 Gefechtsköpfe für
Interkontinentalraketen. Wir versuchen, das Arsenal an ICBM-Gefechtsköpfen im
START-Vertrag durch Verminderung der Gesamtzahl der ICBM-Gefechtsköpfe von
5 900, die SALT-II gestattet hätte, auf 2 500 abzubauen.
Frage: Wie kommen Sie mit der Tatsache zurecht, daß die landgestützten
sowjetischen ICBMs größer, dicker und schwerer sind als unsere?
Antwort: Man kann - da haben Sie recht - mit Zahlen von Gefechtsköpfen allein
nichts anfangen. Wir bedienen uns einer anderen Maßeinheit. Man muß das Wurfgewicht mit in Betracht ziehen. Was zählt, ist die Nutzlast (Wurfgewicht) - Zahl
und Gewicht der Gefechtsköpfe -, die eine Rakete auf ein Tausende von Kilometern
entfernt liegendes Ziel zum Einsatz bringen kann. Wir werden in einer zweiten
Phase der Verhandlungen vor der Notwendigkeit stehen, daß beide Seiten niedrigere
Wurfgewichte anstreben: Ein Niveau, das unterhalb unserer Millionen von Kilogramm
Wurfgewicht liegt.
Frage: Kommen

�Frage: Kommen wir auf den Terminus Wurfgewicht zurück. Bedeutet es die
Sprengkraft in Megatonnen (MEGATONNAGE)? Entspricht das Wurfgewicht also der
Megatonnage?
Antwort: Nicht genau. Das Wurfgewicht entspricht dem Zerstörungspotential,
das eine bestimmte Rakete befördern kann.
Frage: Zerstörungspotential oder Zerstörungskapazität?
Antwort: Ja, es zählen tatsächlich die Gefechtsköpfe, das Gewicht der
Gefechtsköpfe,und das läßt sich gewöhnlich ziemlich exakt mit der Sprengkraft
in Beziehung setzen.
Hinzu kommt, daß wir Verminderungen auf nicht mehr als die Hälfte der derzeitigen Zahl der dislozierten ballistischen Raketen wünschen. Wir haben zur
Zeit rund 1 600 Raketen disloziert, die Sowjets etwa 2 350. Wir sagen, daß in
praxi beide Seiten ihre ballistischen Raketen auf 850 dislozierte Einheiten abbauen sollen. Wir werden uns auf diese Art Dinge konzentrieren: die ballistischen
Raketen, und insbesondere die Interkontinentalraketen, weil sie destabilisierend
wirken. Unser Ziel ist es, Krisenstabilität zu erreichen.
.

Frage: Und was verstehen Sie unter Krisenstabilität?
Antwort: Die Tatsache, daß die Sowjets dreimal so viele ICBM-Gefechtsköpfe
haben wie wir, bedeutet, daß die Lage angespannt ist. Sie besitzen die Option,
einen Erstschlag gegen uns zu führen und 90 Prozent unserer ICBMs zu zerstören und sie hätten noch immer sehr viele davon, selbst wenn wir einen Vergeltungsschlag mit all dem führen, was uns noch - unzerstört - übriggeblieben ist. Das
wirkt destabilisierend. Das macht unser ICBM-System verletzlich und destabilisiert
die Lage.
Frage: Das würde den Sowjets gestatten, einen zweiten Schlag gegen uns zu
führen, nachdem wir unseren Gegenschlag geführt haben?
Antwort: Richtig.
- 6 -

�Antwort: Richtig. Und eben das versuchen wir zu vermeiden oder zu verhindern
und sie von einem Schlag gegen uns abzuschrecken.
Frage: Wird es in der ersten Phase de facto eine Begrenzung der Macht geben?
Antwort: Ja, de facto in der ersten Phase, weil die Sowjets, wenn sie auf
gleich hohe Obergrenzen von 5 000, 2 500 und 850 Einheiten verringern, de facto
einen wesentlichen Teil ihrer Macht aufgeben müßten, um auf jene Ziffern zu
kommen. Man bedenke, daß sie weit mehr gebaut haben als wir - über jeden Schein
der Gleichheit hinaus. Wir und die Sowjets müssen beide an Zahl und Zerstörungskraft gleich sein. Sie werden aber in stärkerem Maße vermindern müssen, um in
der zweiten Phase zur Gleichheit zu gelangen.
In der zweiten Phase wird sich die Frage der Macht stellen, wenn wir die
Gleichheit auf oder unter dem derzeitigen jeweiligen Niveau anstreben. Wir werden
dann auch Diskussionen und Verhandlungen über weitere Begrenzungen bei den
Bombern und Marschflugkörpern führen. Wie der Präsident sagte, in diesem Stadium
ist alles auf dem Tisch.
Frage: Entspricht es den Anweisungen Präsident Reagans, daß alles auf dem
Tisch ist?
Antwort: Ich erwarte die Anweisungen in den nächsten Tagen. Demzufolge was
der Präsident bisher gesagt hat, steht bis zum Abschluß alles zur Verhandlung.
Frage: Welche Rolle spielen die Unterseeboote?
Antwort: Von den je 7 500 Gefechtsköpfen, die wir beide besitzen, haben
die Vereinigten Staaten etwa 5 050 für U-Boote und etwa 2 150 für Interkontinentalraketen vorbereitet. Bei den Sowjets ist es fast gerade umgekehrt: Bei ihnen entfallen etwa 5 900 auf ICBMs und etwa um die 1 600 auf U-Boote. Wenn wir beide
auf 5 000 verringern, so geben wir, schon per definitionem, eine Menge von U-BootsGefechtsköpfen auf, weil wir bei dieser Art der Zählung ohnehin einige Gefechtsköpfe

- 7 -

�einige Gefechtsköpfe für ICBMs behalten wollen. Wir werden mindestens 2 500
Gefechtsköpfe für U-Boote aufgeben - allein per definitionem. Die Sowjets werden etwa 3 400 Gefechtsköpfe für ICBMs aufgeben müssen, um unter die Obergrenze
von 5 000 zu kommen. Somit würden sie die destabilisierend wirkenden Systeme
vermindern, was wir um der Gleichheit willen für notwendig erachten: Stabilität
zur Verringerung der Gefahr eines Krieges. Dem sowjetischen Argument, es wäre
einseitig, von ihnen zu verlangen, ihr überhöhtes Wurfgewicht aufzugeben - sie
verfügen über 5 Millionen Kilogramm, wir nur über zwei Millionen -, halten wir
entgegen: "Ja, aber warum sollten wir Sie dafür belohnen, daß Sie vorangeprescht
sind und dieses destabilisierende System gebaut haben." Und darüber hinaus:
Während wir die Sowjets auffordern, eine Menge von ICBM-Gefechtsköpfen aufzugeben, bis herab zu 2 500, möge man doch darauf achten, was wir tun. Wir geben
Gefechtsköpfe für U-Boot-gestützte ballistische Raketen (Submarine-Launched
Ballistic Missile - SLBM) auf - sogar einige Gefechtsköpfe für Raketen-U-Boote,
die unter der Bezeichnung D-5 oder TRIDENT II bekannt wurden und frühestens
Ende dieses Jahrzehnts auf See stationiert werden können. Somit würden die
Sowjets die Zahl dieser neuen U-Boot-Gefechtsköpfe mitbestimmen oder begrenzen
können. Das wäre ein großer Vorteil für sie, weil diese Gefechtsköpfe zielgenauer
sind als die der derzeitigen U-Boot-Raketen. Sie haben zudem eine größere
Sprengkraft und ein höheres Wurfgewicht pro Rakete; und sie sind auch weniger
verletzlich. Sie werden dank ihrer größeren Reichweite nicht nur im Atlantik,
sondern auch im Pazifik patrouillieren. Es wäre für die Sowjets deshalb ein
großer Vorteil, in diesem Falle wie auch bezüglich unserer MX-Raketen eine
Handhabe zu bekommen.
So verlangen wir, auf kurze Sicht, von den Sowjets, eine Menge aufzugeben,
um damit zu beginnen, auf den Gleichstand herabzukommen; längerfristig geben
aber auch wir eine Menge auf. Das erst macht es möglich, hierüber zu verhandeln.
I

Frage: Die MX-Rakete trägt zehn MIRVs (Multiple Independently-Targetable
Re-entry Vehicles) oder zehn Gefechtsköpfe; wieviele trägt die SS-18?
Antwort: Sie trägt zehn, hat aber ein so großes Wurfgewichtspotential, daß
sie 25 oder 30 tragen könnte. Die MX aber hat nur die Hälfte des Wurfgewichts
- 8 -

�des Wurfgewichts der SS-18, einer großen, schweren Rakete. Somit haben die
Sowjets ein großes Wurfgewichtsplus, das sie für die Mitnahme von mehr Gefechtsköpfen nutzen könnten. Wenn wir somit zu gleichen Ziffern und gleichen Wurfgewichten gelangen, begrenzen wir damit nicht nur die Zahl der Gefechtsköpfe,
sondern schaffen gleichzeitig auch die Gewähr, daß die Sowjets kein, wie wir
es nennen, Ausreißerpotential erlangen, daß sie ihr Wurfgewichtsplus nicht
später in mehr Gefechtsköpfe ummünzen können.
Frage: Was geschieht, wenn wir in Verhandlungen über gleiche Zahlen, gleiche
Obergrenzen und gleiche Wurfgewichte eintreten und die Sowjets erklären, sie
würden nicht mitmachen?
Antwort: Dann haben wir es immerhin versucht, und Hoffnung keimt ja immer
wieder neu auf. Wir glauben andas Prinzip der Gleichheit, und es gibt keinen
Grund, warum wir beide uns nicht auf eine Gleichheit auf weit niedrigerem Niveau
sollten einigen können - warum sollten wir das" befürchten? Nach unserem Dafürhalten gibt es genug Feedback von Leuten, die dieser Frage in der Sowjetunion
nachgegangen sind. Sie ist wirklich daran interessiert, ebenfalls zur Stabilität zu gelangen.
Frage:
Antwort:

Ist sie das?
Ja.

Sie erleben einen Präsidenten, der an seine Oberzeugungen

glaubt und willens ist, Versäumnisse hinsichtlich unserer Verteidigung nachzuholen.

Präsident Reagan ist überzeugt, daß wir unsere Sicherheit auf zwei Wegen

bessern können: durch Rüstungsbeschränkungen und durch Verteidigungsvorkehrungen.
Frage: Machen sich die Sowjets Sorgen wegen unserer neuen Raketen - der
MX und der TRIDENT?
Antwort:

Ja, sie machen sich deretwegen Sorgen.

Frage: Ich leite dies davon ab, daß Sie sagten, wir wären in praxi bereit,
die Zahl dieser neuen Raketen, die wir zu dislozieren gedenken, zu verringern,
sofern sie ihrerseits vermindern.
Antwort:

�Antwort:
Wir sagen ihnen, wenn wir derzeit jeder 7 500 Gefechtsköpfe haben und uns
beide darauf einigen, künftig nur noch 5 000 zu haben, geraten die Dinge doch
in Bewegung. Man kann ja doch nur so und soviele MX-, Minuteman-, Trident IIund POSEIDON II-Raketen im Gesamtarsenal haben. Es entsteht eine Art Gedränge.
Man kann einfach nicht soviele Raketen haben, wie man gerne haben möchte.
Frage: Und wie steht es mit den Bombern des Typs B-I und der Radar-Unsicht- •
barkeit? Machen sich die Sowjets wegen der B-l Sorgen?
Antwort: Ja, sogar sehr viele.
Frage: Auch wegen des Radar-unsichtbaren Bombers, dem Bomber mit der hochtechnischen Ausrüstung?
Antwort: Sehr viele. Sicherlich sehr viele. Sie wissen, daß der Bomber
vom Typ B-52 durch die B-l ersetzt werden wird, und die B-l wiederum wird so
schnell wie möglich durch das Radar-unsichtbare Flugzeug STEALTH ersetzt werden,
worüber sie sehr besorgt sind. Somit haben auch sie hier etwas zu gewinnen.
Deshalb werden wir uns die ganzen Verhandlungen hindurch ihre Vorschläge zur
Beschränkung der Bomber auf beiden Seiten auf die gleiche Zahl sorgfältig anhören.
Frage: Und wie steht es um die derzeitigen Zahlen?
Antwort: Wir haben gegenwärtig etwa 350 B-52, sie etwa 415 schwere Bomber.
Frage: Sind das die Bomber vom Typ Backfire?
Antwort: Die Backfires nebst der Bären und den Bisons. Sie haben 150 Bären
und Bisons. Der Rest sind Backfires.
Frage: Somit haben sie etwa 300 Backfires?
Antwort: Weniger, sie werden aber bis zu dem Zeitpunkt, bis zu dem wir mit
einem Vertrag rechnen können, so viele haben.
Frage: In
- 10 -

�Frage: In welchen Zeitbegriffen denken Sie? Wie meinen Sie, daß diese Gespräche in Gang kommen werden? Wird es zu einer längeren Periode des sich gegenseitigen Abtastens kommen?
Antwort: Nein, wir haben einander schon Maß genommen. Viktor Pawlowitsch
Karpow und ich kennen uns nun schon sechseinhalb Jahre lang, waren wir doch
beide von Anfang an an den SALT-II-Verhandlungen beteiligt.
Frage: Ist er der sowjetische ChefUnterhändler?
Antwort: Ja, wir können uns eine Menge Zeit sparen. Er garantiert eine gewisse Kontinuität. Er bringt General Starodubow mit, der etwa die Hälfte der
Verhandlungsdauer an SALT I teilgenommen hatte. Und ich bringe eine ganze Reihe
von Leuten mit, die über Vorerfahrungen mit SALT und im Umgang mit den Sowjets
verfügen. So werden wir in der ersten Runde nicht allzuviel Zeit aufwenden müssen,
um unsere Vorschläge zu unterbreiten und deren Sinn zu erläutern. Wir werden
sehen, wie sie darauf reagieren. Wir werden ihnen sorgfältig zuhören. Wir brauchen
das Rad nicht ein zweites Mal zu erfinden. Wir wollen uns darauf konzentrieren,
einen Vertrag der Gleichheit zu erlangen.
Frage: An welche Art von Zeitplanung denken Sie angesichts der Basis, der
Grundlage oder des Fundaments, von dem Sie ausgehen müssen?
Antwort: Das vorherzusagen, ist mir fast unmöglich.
Frage: Beabsichtigen Sie, an einem gewissen Punkt zu versuchen, die INFGespräche - die Gespräche über die nuklearen Mittelstreckenraketen (Intermediate
Range Nuclear Force Talks) oder was man in einigen Kreisen die Europäischen
Raketengespräche nennt - in die START-Gespräche einzubringen?
Antwort: Im gegenwärtigen Augenblick sind dies getrennte Gespräche. Wir
verhandeln auf der Basis des Kommuniques von Rom, in dem es heißt, daß das, was
man als nukleare Gefechtsfeldwaffen (Theater Nuclear Force - TNF) zu bezeichnen
pflegte, im SALT-Rahmen zur Verhandlung gestellt werden solle. INF aber, wie
- 11 -

�aber, wie die Bezeichnung für TNF lautet, wird im Zusammenhang mit START ausgehandelt werden. Beide Verhandlungen sind sehr eng miteinander verknüpft: durch
unsere Politik, die in Washington festgelegt wird, und durch die enge Koordination
zwischen Botschafter Nitze und mir. Wir werden in derselben Stadt arbeiten, im
selben Gebäude sogar, und beide Gesprächsrunden gleichzeitig führen. Wir schlagen
eine Null-Lösung vor. Er verhandelt über die SS-4-, die SS-5- und die SS-20-Raketen sowie die landgestützten Marschflugkörper (GLCMs) und die PERSHING IIRaketen. Es mag sich an irgend einem Punkt durchaus als sinnvoll erweisen, beide
Verhandlungen ineinander einmünden zu lassen. Dieser Punkt ist aber nicht erreicht und dürfte noch in weiter Ferne liegen. Wir werden, beginnend im Dezember
1983, unsere GLCMs und PERSHING II dislozieren - es sei denn, die Sowjets zeigen
Entgegenkommen. Damit meine ich, daß wir bereit sind, unsere Dislozierungen auf
Null zu belassen, wenn sie ihre bereits dislozierten SS-20-, SS-4- und SS-5-Raketen abwracken.
Frage: Die Null-Option?
Antwort: Wir nennen dies die Null-Lösung, weil es dann auf beiden Seiten
"null" dieser Raketen geben wird. Wenn sich die Sowjets selbst treu bleiben,
werden sie in dem Versuch fortfahren, Keile zwischen die Verbündeten zu treiben,
die Vereinigten Staaten von ihren Verbündeten zu trennen, wie Breschnew in
seiner Rede vor dem Komsomol ausdrückte. Sie werden bis zur letzten Minute warten,
weil die Europäer diese Raketen nicht aufzunehmen wünschen - das heißt, daß wir
mit Herbst nächsten Jahres rechnen müssen.
Frage: In diesem Falle würden wir mithin, was die für Dezember 1983 angesetzte Dislozierung angeht, in der Tat sofort beginnen, trifft das zu?
Antwort: Wir machen damit direkt voran, richtig - Vorbereitung von Abschußplätzen und dergleichen. Und wir machen mit der Produktion und der Erprobung
unserer GLCMs und PERSHING IIs voran.
Frage: Welche

�Frage: Welche sehen Sie als die leichteren Verhandlungen an, die INF- oder
die START-Gespräche?
Antwort: Das kann ich nicht sagen. Diese Frage gleicht der Frage: welches
Kind lieben Sie am meisten. START ist umfassender, erheblich weiter gespannt.
Trotzdem meine ich damit nicht, daß die INF-Gesprä'che einfach sind. Die Phase
eins von INF ist einfach, aber selbst wenn wir die Null-Lösung erzielen, bleibt
ein Ungleichgewicht von sechs zu eins zu ihren Gunsten hinsichtlich der verbleibenden Flugzeuge bestehen.
Frage: Wenn sich die Sowjets aber nicht zur Null-Lösung bereitfinden, verlieren sie damit die Propaganda-Initiative in Europa und rund um die Erde, nicht
wahr?
Antwort: Das scheint mir auch, aber wer weiß, wie sie das dann hindrehen
oder darstellen werden.
Frage: Welche Art von Vertrag wird Ihrer Auffassung nach der Senat bereit
sein zu akzeptieren?
Antwort: Einen, der Gleichheit bringt, einen, der verifizierbar ist.
Frage: Wird er verifizierbar sein?
Antwort: Er muß es sein. Wir werden keinen Vertrag mit nach Hause nehmen,
der nicht verifizierbar ist; wir bestehen auf die Verifizierbarkeit. Das ist
eines der Kriterien, das ich eingangs schon hätte anführen sollen, neben der Abschreckung, der Stabilität, der Einfachheit und dem Verhandlungsspielraum. Bedenken Sie: 70 Prozent des amerikanischen Volkes wünschen, einer Meinungsumfrage
zufolge, die etwa ein halbes Jahr zurückliegt, einen Vertrag. Die gleiche
Meinungsumfrage ergab aber auch, daß 70 Prozent der Amerikaner den Russen mißtrauen. Und vor wenigen Wochen zeigte eine weitere Meinungsumfrage: Noch immer
wünschen 70 Prozent der Bevölkerung einen Vertrag; aber nunmehr mißtrauten

- 13 -

�nunmehr mißtrauten 82 Prozent den Russen. Mit anderen Worten: sie blicken
nach Swerdlovsk, denken an den gelben Regen - und an Afghanistan und Polen.
Und deshalb muß der Vertrag verifizierbar sein. Das ist ein sehr wichtiger
Aspekt.
Frage: Nun, wenn es uns gelingt, die Verifizierbarkeit eines START-Vertrages
festzuschreiben, wie läßt sich diese aber über die "Nationalen Technischen
Mittel der Verifizierung" (National Technical Means of Verification - NTM) hinausgreifend bewerkstelligen?
Antwort: Sie läßt sich mit dem bewerkstelligen, was wir als "über die
Nationalen Technischen Mittel der Verifizierung hinausgehend" ansehen: kooperative Maßnahmen einer gewißen Art. Mit anderen Worten: Die Sowjets und wir sind
uns darin einig, daß wir gewisse Methoden oder Geräte benutzen werden müssen,
die die Verifizierung erleichtern werden. Man könnte zum Beispiel einen Radius
um jeder Raketenabschußbasis festlegen und erklären, daß innerhalb dieses Radius
keine zusätzlichen Raketen oder Gefechtsköpfe gelagert werden dürfen. Und dieser
Radius mußte groß genug sein, daß deren Anlieferung nicht innerhalb einer Nacht
zu schaffen ist.
Die Entfernung zum nächsten Lagerort muß größer sein als die Strecke, die
in einer Nacht zu bewältigen ist. Man müßte auch die Möglichkeit der Inspektion
auf Abruf haben. Inspektionen an Ort und Stelle dürften nicht ausgeschlossen
sein. Wir sind, ebenso wie die Sowjets, sicher, daß wir über die Nationalen
Technischen Mittel der Verifizierung hinausgehen müssen. Und wir haben ihnen
das hinter verschlossenen Türen und auch inoffiziell gesagt. .
Frage: Wie wichtig ist es für diese Gespräche, daß wir unsere Verteidigung
hier in diesem Lande weiter verstärken.
Antwort: Sehr wichtig, kann man doch schon an der relativen Größe ihrer
und unserer Raketen ablesen, daß wir die schwächeren Waffen besitzen, eine
geringere Zahl an stärkeren Waffen. Und wenn wir unser Modernisierungsprogramm

�unser Modernisierungsprogramm nicht fortsetzen, besteht für die Sowjets kein
Anreiz zu Verhandlungen. Wir werden zuerst für unsere eigene Sicherheit sorgen
müssen. Und wenn wir für unsere eigene Sicherheit sorgen, wird das auch der
Rüstungsbegrenzung dienlich sein, weil die Sowjets sich andernfalls nur hinsetzen
und abwarten und versuchen würden, unsere Schwäche in den Verhandlungen auszunutzen. Wir müssen von Stärke ausgehend verhandeln.
Das einzige, was ich vermutlich hierüber sagen kann, ist, daß ich eben
eine Runde von Blitzbesuchen in europäischen Hauptstädten hinter mich gebracht
habe und dabei in jeder der sechs besuchten Hauptstädte mit dem Außenminister
und anderen Regierungsbeamten gesprochen habe, und bei ihnen auf einhellige
Billigung und Zustimmung dieses START-Vorschlags als eines guten Vorschlags gestoßen bin. Man fand ihn realistisch und recht und billig, sobald man ihn erst
einmal verstanden hatte. Manche Leute haben ihn aber nicht verstanden, weshalb
wir mit unseren Verbündeten im Nordatlantikrat in Brüssel informelle und
formelle Konsultationen geführt haben.
Der Höhepunkt meiner Reise war für mich persönlich eine Audienz beim Papst.
Ich hatte Gelegenheit, mit ihm über unsere neuen Vorschläge zur Rüstungsbegrenzung
zu sprechen und ich hatte ferner Gelegenheit, ihm dafür zu danken, daß er in
seiner von Kardinal Casseroli vorgetragenen UN-Adresse erklärte, die Abschreckung
sei moralisch akzeptabel.
Es findet hier unter Theologen eine große Debatte statt, derzufolge eine
Abschreckung, die auch Atomwaffen einschließt, moralisch unakzeptabel sei.
Kardinal Casseroli erklärte im Namen des Papstes, die Abschreckung sei moralisch
akzeptabel, und das ist ein Plus.
Frage: Wie weit wird dieses Wort getragen? Wie weit werden die Gespräche
gehen, um die europäische und die amerikanische Friedensbewegung zu befriedigen?
Antwort: Ich würde sagen, direkt proportional dazu, wie es uns gelingt,
dieses Wort zu verbreiten. Einfrierung auf dem derzeitigen Stand ist ein so

- 15 -

�ein so populäres Schlagwort, weil sich das so gut anhört. Man sehe aber einmal,
was es bedeutet - man kann noch nicht einmal über die Verifizierung einer
Einfrierung verhandeln, und Einfrierung bedeutet, daß die Sowjets beibehalten,
was sie in Europa bereits stehen haben, und daß wir unsere Systeme in Europa
nicht dislozieren. Das wiederum bedeutet, daß die Dinge ziemlich unausgewogen
sind.
Deshalb ist eine Einfrierung vom sowjetischen Standpunkt betrachtet sicherlich gut - gut auch für Menschen, deren Blick die Oberfläche nicht durchdringt.
Wir haben erklärt, daß wir SALT II nicht unterlaufen werden, daß wir die dort
genannten hohen Obergrenzen nicht überschreiten werden. Eine Einfrierung aber
wäre sinnlos. Wir wollen zu einem niedrigeren Niveau gelangen. Einfrierung bedeutet ein Festhalten an einem hohen Niveau, statt ein Zurückgehen auf ein
niedrigeres Niveau - warum also sollten wir die Dinge einfrieren?
Eine weitere Angelegenheit, die manche Europäer verwirrt, ist, daß ihrer
Meinung nach in unserem Land viel Sympathie für die Doktrin besteht, keinen
Erstschlag mit Kernwaffen in Europa zu führen. Sie hören das nicht gerne, weil
die Ungewissheit darüber, wie und wann wir unsere Streitkräfte einschließlich
unserer Atomstreitmacht zum Einsatz bringen würden, der Abschreckung dient.
Frage: ... und die Europäer vor sowjetischen Angriffen schützt?
Antwort: Ja. Die Sowjets besitzen die Überlegenheit in der konventionellen
Bewaffnung, die Überlegenheit im europäischen Bereich, und nun auch die strategische Überlegenheit. Wir müssen in der Lage sein, dieser konventionellen
Überlegenheit etwas entgegenzusetzen, und wir verfolgen eine Politik der
flexiblen Antwort (flexible response). Das besagt, daß wir nukleare Waffen zum
Zwecke der Abschreckung in Europa stehen haben - nicht um einen Krieg mit
Kernwaffen zu führen, sondern um zu verhindern, daß je ein nuklearer Krieg
stattfindet.

Die eigentliche

- 16 -

�Die eigentliche Basis unseres Vorschlags ist die Gleichheit. Gleichheit
zwischen uns und den Sowjets aber trägt zur Stabilität.und zur Abschreckung
bei und vermindert auf diese Weise die Gefahr eines Krieges mit Kernwaffen
ganz erheblich. (Ende des Interviews)
+++++

- 17 -

�26

7. Juli 1982

SCHREIBEN REAGANS AN DEN CHEFDELEGIERTEN DER START-VERHANDLUNGEN
- Ziel: Beseitigung der Bedrohung durch Kernwaffen -

WASHINGTON/GENF - (AD) - In einem Schreiben an Botschafter Edward B.
Rowny, den Leiter der amerikanischen Delegation bei den Genfer Verhandlungen
über eine Verringerung der strategischen Rüstungen (START) brachte der amerikanische Präsident am 29. Juni 1982, dem Tag des Verhandlungsbeginns, die
Hoffnung zum Ausdruck, beide Seiten würden "die historische Gelegenheit ergreifen..., die vor uns liegt" und "die Bedrohung durch die nuklearen Arsenale beenden". Bei den START-Verhandlungen,die laut Aussage von Rowny "in
enger Koordination" mit den Verhandlungen über die nuklearen Mittel Streckensysteme (INF-Verhandlungen) geführt werden, geht es um mehr als nur eine Begrenzung der strategischen Kernwaffen. "Unser Vorschlag ist eine Verminderung der Waffen." Zu diesem Zweck hat Präsident Reagan vorgeschlagen, daß
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion die Gefechtsköpfe ihrer ballistischen Raketen um etwa ein Drittel der derzeitigen Anzahl auf ein gleiches
Niveau von etwa 5000 für jede Seite vermindern. Als zweite Phase sollen dann
auch bei anderen Elementen der amerikanischen und sowjetischen strategischen
Nuklearwaffen gleiche Begrenzungen erreicht werden, wobei der Hauptakzent au"f
einer Begrenzung des Wurfgewichts der ballistischen Raketen liegt, die unter
dem derzeitigen amerikanischen Niveau zu finden wäre. Die veränderte Ausgangs-

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�veränderte Ausgangslage wurde von Rowny beschrieben, als er nach seiner Reaktion auf die Ankunftserklärung seines Gesprächspartners, des sowjetischen
Delegationsleiters Karpow gefragt wurde.

Er sagte:

"Ich habe mich über seine

Erklärung gefreut, daß wir wegen ernsthafter Verhandlungen hier seien und
daß wir eng zusammenarbeiten werden.

Ich freue mich auch, daß er die Ansicht

vertrat, er könne gut mit mir zusammenarbeiten, was ich umgekehrt ebenfalls
hoffe und erwarte... Wie Sie wissen, haben wir (für die Verhandlungen) den
Namen 'Verhandlungen über eine Verminderung der strategischen Rüstungen START' gefunden, um zu unterstreichen, daß es sich hier um etwas anderes
handelt.
begrenzen.

Wir wollen"bei diesem neuen Abkommen die Waffen nicht nur einfach
Unser Vorschlag soll eine Verringerung der Waffen bringen."

Das Schreiben, das Präsident Reagan an Botschafter Rowny zum Verhandlungsbeginn richtet, hat folgenden Wortlaut:
Sie sind dabei, eine der wichtigsten Aufgaben unseres Zeitalters zu
übernehmen - die Verhandlungen über ein wirksames und ausgewogenes Abkommen
über die Verringerung der strategischen Rüstungen.

Ihre Anstrengungen in die-

sem Unterfangen sind von lebenswichtiger Bedeutung für die Bürger der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion - ja, für die ganze Menschheit.
Trotz mehr als eines Jahrzehnts der intensiven Verhandlungen wird die
Zahl der Kernwaffen weiterhin immer größer und die strategische Beziehung
zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten wurde immer instabiler.
Ein Hauptgrund für diese Tatsache ist die massive Aufrüstung der ballistischen
Raketenstreitmacht der Sowjetunion während der vergangenen 15 Jahre.
Es bietet sich jetzt für die Vereinigten Staaten wie für die Sowjetunion
eine historische Gelegenheit, diesen Prozeß umzukehren und sowohl die Anzahl
als auch das Zerstörungspotential der Kernwaffen beträchtlich zu verringern.
Solche Verringerungen auf ein gleiches Niveau müssen sich sofort auf die am
meisten destabilisierenden Elemente des strategischen Gleichgewichts konzentrieren, wenn wir rasch zu einer Erhöhung von Abschreckung und Stabilität

- 2 -

�und Stabilität gelangen und dadurch das Risiko eines Atomkriegs verringern
wollen.

Bei Erreichung dieses Ziels würde zudem die Atomangst stark ver-

ringert werden, die in der ganzen Welt zu einem solch, augenfälligen Merkmal
der öffentlichen Besorgnis geworden ist.
Ich unterschätze nicht das gewaltige Ausmaß dieser Aufgabe einer wirksamen Waffenverminderung.

Aber wenn diese Aufgabe auch ungeheuer ist, so

wird die Bedeutung der Durchführung dieser Verhandlungen doch vom amerikanischen und, wie ich glaube, dem sowjetischen Volk voll gewürdigt.

Wir müs-

sen aus den Unzulänglichkeiten früherer Anstrengungen lernen, denn, wie Sie
wissen, wird das amerikanische Volk nur dann ein Abkommen akzeptieren, wenn
es ausgewogen und verifizierbar ist und zur Stabilität beiträgt.
Die Vorschläge, die Sie mit nach Genf nehmen, sind ein praktischer,
schrittweiser Plan, der die legitimen Sicherheitsinteressen beider Seiten
schützt. Er ist dazu gedacht, die Abschreckung zu erhöhen und Stabilität zu
bringen,indem er die Nuklearwaffen beider Seiten in verifizierbarer Weise
auf ein gleiches Niveau bringt. Seine Bestimmungen reduzieren die Streitkräfte sowohl der Sowjetunion als auch der Vereinigten Staaten erheblich und
enthalten daher Vorteile für beide Seiten - und für die übrige Welt.
Ich weiß, daß Sie und Ihre Delegation diese Vorschläge klar und überzeugend präsentieren werden - wie auch die prinzipiellen Erwägungen, die ihnen
zugrundeliegen. Und ich möchte die sowjetische Delegation wissen lassen, daß
ihre Anliegen und Vorschläge auch von uns sorgfältig abgewogen werden. Was
uns angeht, so sind die Vereinigten Staaten bereit, rasch auf ein Abkommen zuzugehen, das die strategischen Kernwaffen vermindert, und ich bin zuversichtlich, daß wir die historische Gelegenheit ergreifen können, die vor uns liegt,
wenn die Sowjetunion unseren Anstrengungen mit derselben ernsthaften Zielsetzung entgegenkommt.
Als die beiden'führenden Nuklearmächte der Welt sind die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion Treuhänder der Menschheit bei der gewaltigen Auf-

- 3 -

�gewaltigen Aufgabe, die Bedrohung durch die nuklearen Arsenale zu beenden
und sie in Instrumente der Friedensstärkung zu verwandeln. Ich bin davon
überzeugt, daß dies getan werden kann, wenn beide Nationen voll das Prinzip
anerkennen, daß die einzig legitime Funktion der Kernwaffen die Abschreckung
vor einer Aggression ist.
Ich wünsche Ihnen bei Ihren Anstrengungen Gottvertrauen und versichere
Ihnen, daß ich diesen Verhandlungen meine persönliche Aufmerksamkeit schenke,

gez.: Ronald Reagan

+ + + + +

�7. Juli 1982

26

REAGAN: EMBARGO FÜR ÖLGERÄT PRINZIPIELLER SCHRITT
Sowjetunion hat Unterdrückung in Polen nicht gelockert -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat keinen Zweifel daran gelassen,
daß das von ihm verhängte Embargo für öl- und Erdgasgerät gegen die Sowjetunion aus prinzipiellen Erwägungen beschlossen wurde, da die Unterdrückung
des polnischen Volkes durch Helfer Moskaus nicht nachgelassen habe. Auf
seiner Pressekonferenz am 30. Juni 1982 erinnerte Reagan daran, daß das
erste Embargo im Dezember vorigen Jahres nach der Verhängung des Kriegsrechts in Polen beschlossen wurde.

"Wir sind der festen Überzeugung, daß

die Sowjetunion für die schwere Lage in Polen verantwortlich und die Adresse
ist, an die man sich in dieser Angeigenheit wenden muß", sagte der Präsident.
Reagan versicherte erneut, daß die Sanktionen sofort aufgehoben würden,
wenn die Unterdrückung des polnischen Volkes aufhöre. Der Präsident erklärte
weiter, seine Administration plane keine weiteren Schritte im Sinne von Sanktionen für die Lieferung von Gerät für die sowjetische Erdgasleitung.
Er begreife, so der Präsident, daß die Sanktionen Erschwernisse für die
europäischen Verbündeten der USA mit sich brächten, aber, so fügte er hinzu,

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�er hinzu, wir versuchen, unsere Verbündeten davon zu überzeugen, daß sie aus
zwei Gründen nicht in das Erdgasgeschäft einsteigen sollten:
Es besteht ein Risiko, daß die Länder Westeuropas von der Sowjetunion
industriell abhängig werden, da alle Verschlußventile sich auf der sowjetischen
Seite der Grenze
sung ausüben".

befinden.

Dadurch kann die Sowjetunion eine Art Erpres-

Reagan wies ferner darauf hin, daß die Sowjetunion nach Fertig-

stellung der Erdgasleitung mit einer jährlichen Deviseneinnahme von zehn bis
zwölf Milliarden Dollar rechnen könne.

Bei der gegenwärtigen Politik Moskaus

werde das Geld benutzt, um weiter gegen die USA und ihre Verbündeten aufzurüsten.
In amerikanischen Regierungskreisen wird immer wieder betont, daß Präsident Reagan bei der Verhängung der Sanktionen für amerikanische Firmen am
29. Dezember 1981 - also nach Verhängung des Kriegsrechts an Polen - drei Bedingungen für die Aufhebung genannt hat: Freilassung der politischen Gefangenen, Aufhebung des Kriegsrechts und Wiederherstellung eines Dialogs zwischen
Regierung,

Gewerkschaft Solidarität und Kirche.

Am 18. Juni 1982 wurde das Embargo auf die Lieferung von öl- und Erdgasgerät
ausgedehnt, das im Ausland von amerikanischen Firmen oder von ausländischen
Firmen mit amerikanischen Lizenzen hergestellt wird. Amerikanische Regierungsvertreter bedauern zutiefst, daß dies einige europäische und japanische Hersteller auf diesem Fachgebiet betrifft, sind jedoch der Meinung, daß die Verbündeten Amerikas*bereit sein müßten, ihren Anteil an den wirtschaftlichen und
politischen Belastungen zu tragen, die erforderlich sind, um ein Ende der
sowjetisch- gestützten Unterdrückung in Polen herbeizuführen. Man ist in
Washington der Überzeugung, daß die amerikanischen Restriktionen eine weit
mäßigendere Auswirkung auf das Verhalten der Sowjets haben werden als das
unglückliche Getreideembargo, das Präsident Carter 1980 nach der sowjetischen
Invasion Afghanistans verhängte. Damals hätten die Sowjets genügend Ausweichmöglichkeiten gefunden. Mit dem öl- und Gasgerät sei ein ganz anderer Weg
eingeschlagen worden, mit dem man an den Kern der Deviseneinnahmen und an
das Energieprogramm der Sowjets herankomme.
In amerikanischen

�In amerikanischen Regierungskreisen wird eingeräumt, daß unmittelbar
vor dem Beschluß des Präsidenten, die Sanktionen gegen die Sowjetunion auszuweiten, nicht mit allen westeuropäischen Verbündeten und Japan Konsultationen gepflogen worden seien, aber der amerikanische Standpunkt in dieser
Frage sei bei zahlreichen Gelegenheiten öffentlich dargelegt worden.

Im

übrigen habe der Präsident im Dezember klar gesagt, daß die Vereinigten
Staaten sich gezwungen sehen würden, weitere wirtschaftliche und politische
Maßnahmen zu ergreifen, wenn es in Polen nicht in einem vernünftigen Zeitraum zu einer Versöhnung komme.
In amerikanischen Kreisen wird die Vermutung ausgesprochen, daß einige
westeuropäische Regierungen das Embargo für öl- und Erdgastechnologie mit
einer parallelen, aber völlig davon unabhängigen Initiative der Vereinigten
Staaten verwechselt haben, eine Zurückhaltung bei der Vergabe westlicher
Kredite an die Sowjetunion zu erreichen. Die letztere Initiative, so wird
in Washington betont, soll mit Nachdruck weiterverfolgt werden, sie habe
jedoch nichts mit den Sanktionen zu tun. Diese könnten aufgehoben werden,
wenn eine Versöhnung in Polen stattfindet.

- 3 -

�7. Juli 1982

26

WIEDER NEUE ABSCHUSSANLAGEN FÜR SS-20-RAKETEN
- Von unserer Korrespondentin Marie Koenig -

WASHINGTON - (AD) - Trotz der jüngsten Ankündigung von Leonid Breschnew
über ein einseitiges Einfrieren des weiteren Ausbaus der gefürchteten SS-20Raketenstreitmacht, die auf Ziele in Westeuropa gerichtet ist, gehen die Arbeiten für Abschußanlagen im westlichen Teil der UdSSR weiter. Zwar hatte
Breschnew am 16. Mai 1982 ein Moratorium für die Dislozierung der SS-20Systeme verkündet und im Mai darauf hingewiesen, daß mit diesem Moratorium
ein Ende der Dislozierungsvorbereitungen solcher Raketen ins Auge gefaßt sei.
Dennoch haben die Vereinigten" Staaten Beweise dafür, daß die Arbeiten auf SS-20Basen, die vor dem 16. Mai begonnen wurden, noch andauern.
Tatsache ist, daß seit März zwei SS-20-Basen fertiggestellt wurden und
nunmehr einsatzbereit sind - und somit insgesamt 315 SS-20-Trägerraketen mit
945 Gefechtsköpfen existieren. Auch bei anderen Anlagen geht der Bau weiter.
"Wir sind der Meinung, daß die sowjetischen Erklärungen zu diesem Thema irreführend sind und es von Bedeutung ist, die Angelegenheit ins richtige Licht
zu rücken", erklärte der designierte US-Unterstaatssekretär für europäische
Angelegenheiten, Richard Burt, am 30. Juni in Brüssel.
Die SS-20 steht

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�Die SS-20 steht im Mittelpunkt der Gespräche in Genf zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion über eine Begrenzung der nuklearen Mittel Streckensysteme (INF) in Europa.
Burt, der sich als Vorsitzender der Sonderberatungsgruppe der NATO in
Brüssel befand, unterstrich erneut die amerikanische Verpflichtung, "bei den
INF-Verhandlungen ernsthaft und in gutem Glauben zu verhandeln".
Als die INF-Verhandlungen im November 1981 begannen, war die NATO der Ansicht, daß Moskau schon zu diesem Zeitpunkt ein gefährliches übergewicht bei
den SS-20-Raketen von 250 zu Null hatte. Bei Verhandlungsbeginn boten die
Vereinigten Staaten an, NATO-Pläne über eine Ende 1983 beginnende Dislozierung
von 572 neuen PERSHING II-Raketen und landgestützten Marschflugkörpern in
Westeuropa aufzugeben, falls Moskau all seine SS-20-, SS-4- und SS-5-Raketen
abbaut.
Burt erklärte, daß die Sowjets bedauerlicherweise bei ihrem Monopol der
landgestützten INF-Raketen großer Reichweite noch keinerlei Bewegung gezeigt
und auch den amerikanischen Vorschlag noch nicht aufgegriffen hätten, auf ein
Ergebnis hinzuarbeiten, das auf beiden Seiten bei den Raketen großer Reichweite die Null-Lösung vorsieht.
In einer Presseerklärung betonte Burt, daß die sowjetischen Verlautbarungen über ein SS-20-Moratorium auch Skepsis angebracht erscheinen lassen
"hinsichtlich des Wertes der sowjetischen Erklärung über den Verzicht auf
den Einsatz von Atomwaffen."
"Es ist offensichtlich, daß eine deklamatorische Verpflichtung zum Nichtersteinsatz angesichts des Fehlens ausgehandelter Beschränkungen bei vorhandenen militärischen Kapazitäten keinerlei Garantie darüber geben kann, daß
Kernwaffen in Zeiten der Krise nicht eingesetzt werden", erklärte Burt.

Er

spielte damit auf die sowjetische Erklärung über den Verzicht auf einen Ersteinsatz von Kernwaffen an, die der sowjetische Außenminister Andrej Gromyko

- 2 -

�Andrej Gromyko am 15. Juni 1982 vor der Abrüstungssondersitzung der Vereinten Nationen in New York in~Breschnews Namen verlesen hatte. Burts Bericht über die 45 zusätzlichen SS-20-Gefechtsköpfe seit Breschnews Verpflichtung zu einem Einfrieren vom März erschien nur einen Tag nach dem Beginn
der Verhandlungen über die Verringerung der strategischen Rüstungen zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion (START), die nunmehr parallel
zu den INF-Verhandlungen in'Genf stattfinden.

+ + + + +

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7. Juli 1982

USA BEGRÜSSEN EG-ENTSCHEIDUNG ÜBER EXPORTKREDITE

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Finanzministerium hat in einer
Presseverlautbarung die Entscheidung der Europäischen Gemeinschaft begrüßt,
die internationalen Vereinbarungen über Exportkredite durch eine Verringerung
der amtlichen Kreditsubventionen zu verbessern.
Die vom Ministerium am 1. Juli 1982 herausgegebene Presseerklärung hat
folgenden Wortlaut:
Finanzminister Donald T. Regan begrüßte die Entscheidung der Europäischen
Gemeinschaft, Verbesserungen der internationalen Vereinbarungen für Exportkredite durch Verringerung der amtlichen Exportkreditsubventionen zu akzeptieren. Minister Regan erklärte, "in einer Zeit, in der viele Länder vor
wirtschaftlichen Schwierigkeiten'im eigenen Lande stehen, und ein mehr wettbewerbsorientiertes internationales Handelssystem herrscht, ist es besonders
ermutigend, daß die Hauptexportländer in der Lage sind, ihr Hauptaugenmerk
auf das langfristige Ziel"des Abbaus verschwenderischer und handelsverzerrender Exportkreditsubventionen'zu richten. Wir begrüßen die Annahme der neuen
Vereinbarungen durch die EG als einen positiven Schritt auf dem Gebiet des
internationalen Handels".
Der Minister

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�Der Minister fügte hinzu, "für die Vereinigten Staaten findet der meiste
Wettbewerb in der amtlichen Exportfinanzierung in den fortgeschrittenen Entwicklungsländern statt, wo die amerikanische Export-Import-Bank 75 Prozent
der Finanzierung vornimmt.

Für diese Länder erhöhen die gegenwärtigen Ver-

besserungen zusammen mit jenen vom vergangenen Herbst den Minimalzins für
langfristige Anleihen um 3,6 Prozentpunkte
sollen bis Ende des Jahres in Kraft treten.

gegenüber den Vorjahressätzen und
Dieser Satz wird jetzt 10,75 Pro-

zent und ab 1. Januar 11,35 Prozent betragen, was eine Erhöhung der Minimalzinssätze gegenüber dem Vorjahr um 46 Prozent bedeutet."
Der Minister erklärte, "durch eine Kombination der Neuklassifizierung
des Kreditnehmerlandes und Erhöhungen der Zinssätze im Laufe des Jahres hat
sich der von der Sowjetunion geforderte Minimalzinssatz um annähernd 4 Prozentpunkte seit vorigem Jahr auf jetzt 12,4 Prozent erhöht.

Die frühere Einord-

nung erlaubte der Sowjetunion, einem industrialisierten Land, die Vorzugssätze zu erhalten, die fortgeschrittenen Entwicklungsländern eingeräumt werden.
Diese Anomalie ist durch die neue Vereinbarung korrigiert worden."
Zu den wichtigsten Punkten der neuen Vereinbarung gehören:
- Neuklassifizierung der Kreditnehmerländer;
- Erhöhung der Minimal zinssatzregeln;
- die Zustimmung Japans, 0,30 Prozent mehr für ihre kommerzielle langfristige Primarate bei Yen-Anleihen zu fordern. Darüber hinaus haben die Japaner zugestimmt, ihre Kapitalmärkte zu öffnen, um ausländischen Exportkreditanstalten eine Yen-Finanzierung anzubieten;
- eine Verpflichtung, nicht vondiesen Bedingungen der Beachtung der Minimalzinssätze und Maximalbedingungen abzuweichen und keine gemischten Kredite
anzubieten, in denen der Zuwendungsteil weniger als 20 Prozent beträgt.
Nachdem, die Vereinbarung getroffen ist, können die Beteiligten jetzt mit
Erörterungen fortfahren, um die Kreditsubventionen in zwei getrennten Sektoren
zu verringern, die von dieser Vereinbarung nicht getroffen sind - Flugzeugindustrie und Kernkraftwerke.
+ + + + +

- 2 -

�7. Juli 1982

DER ROUTINEEINSATZ KANN BEGINNEN
Harte Belastungsproben für COLUMBIA beim vierten Testflug

(AD) - Bei strahlendem Wetter, erwartet von mehreren hunderttausend Schaulustigen, kehrte die amerikanische Raumfähre COLUMBIA von ihrem vierten und
letzten Testflug nach sieben Tagen zur Erde zurück. Auch Präsident Reagan und
Frau Nancy beobachteten zusammen mit zahlreichen Gästen auf einer Ehrentribüne
nahe dem Luftwaffenstützpunkt "Edwards Air Force Base" in Kalifornien das Einschweben des 70 Tonnen schweren Raumgleiters, dem zum ersten Mal eine Betonpiste,
4 600 m lang, als Landebahn diente. Schon nach kurzer Rolldauer kam das Raumflugzeug auf der Mitte der Bahn zum Stehen.
Damit konnte auch der letzte Punkt auf der langen Aufgabenliste im Flugprogramm abgehakt werden: Denn bei künftigen Routineflügen werden amerikanische
Raumtransporter am Kap Canaveral nicht nur starten, sondern auch landen. Die
dafür schon angelegte Betonpiste vermochten übrigens Kommandant Thomas Mattingly
und Kopilot Henry Hartsfield bei Erdbeobachtungen während ihres Raumflugs gut
auszumachen. Das neue Verfahren spart Zeit und Geld zur Vorbereitung eines
"Space Shuttle" für seinen nächsten Einsatz. Auf die bisher benutzten Hartpisten

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�benutzten Hartpisten auf ausgetrockneten Salzseen im Westen der USA wird in der
Regel nur noch dann zurückgegriffen werden, wenn aus irgendwelchen Gründen mit
Schwierigkeiten für eine Landung in Florida zu rechnen wäre.
Wie schon die Zwei-Mann-Besatzungen bei den ersten drei Flügen im April
und November 1981 sowie im März 1982 äußerten sich auch die Astronauten
Mattingly und Hartsfield begeistert über ihre "Flugmaschine". Die COLUMBIA war,
insbesondere im thermischen Bereich, harten Belastungsproben ausgesetzt worden.
Sie dürften sich, wie Flugdirektor Harold Draughon erklärte, in dieser Form
künftig kaum wiederholen.
So flog die Raumfähre bald nach ihrem Start (27. Juni 1982) gut zwanzig
Stunden lang, d.h. für mehr als 13 der insgesamt 112 Erdumkreisungen, mit dem
Bauch zur Sonne. Grund: Die Kacheln des Schutzschildes, die vor dem Start in
Kap Canaveral während eines Gewitter- und Hagelsturms zu viel Feuchtigkeit aufgenommen hatten, sollten getrocknet werden. Man wollte verhindern, daß durch
Eisbildung in der Weltraumkälte die Keramikkacheln möglicherweise durch Rißbildung beschädigt oder gelockert würden und dann nicht mehr ihre Schutzfunktion
beim Eintritt in die Erdatmosphäre erfüllen könnten. Dadurch war aber die im
Schatten liegende Oberseite mit den Toren der Ladebucht für die gleiche Zeitdauer, d.h. 20 Stunden, Temperaturen von minus 93 Grad Celsius ausgesetzt. Eines
der Tore verzog sich und rastete nicht mehr ein.
Angesichts der Tatsache, daß fest schließende Tore eine Voraussetzung für
die sichere Rückkehr der Raumfähre und ihrer Besatzung sind, mußte eine Lösung
gefunden werden. Sie bestand im Temperaturausgleich für die gesamte Außenfläche
des Orbiter durch Drehbewegungen mit Hilfe der Lagesteuerungsdüsen. Ein ähnliches
Problem war beim dritten Testflug aufgetreten; es wurde auf die gleiche Weise gelöst. Obgleich laut Draughon künftig nicht mehr mit so extremen Lagepositionen
wie beim vierten Testflug zu rechnen sei (vom 1. Juli bis zur letzten Ruhepause
der Astronauten vor ihrer Rückkehr am 4. Juli 1982 flog die COLUMBIA mit dem
Heck zur Sonne), werde das Temperaturverhalten der Bauteile noch gründlich untersucht werden. Vielleicht seien noch bessere technische Lösungen zu finden. Die

- 2 -

�finden. Die Position

Heck zur Sonne

war deshalb für so lange Zeit gehalten

worden, um den Ingenieuren zusätzliche Daten über das thermische Verhalten
einzelner Orbiter-Systeme im Hinblick auf die unterschiedlichen Aufgabenstellungen bei späteren Einsätzen an die Hand geben zu können.
Für den auf 15 m ausfahrbaren Robotarm, das in Kanada gebaute Hebe- und
Transportgerät, gab es harte Arbeit. Das vielseitige Bordgerät ist mit drei
Gelenken ausgerüstet, die Schulter-, Ellbogen- und Handgelenk vergleichbar sind
und von jeweils sechs Elektromotoren angetrieben werden. Der Robotarm hob u.a.
einen schreibtischgroßen, 363 kg schweren Monitor aus der Ladebucht, um ihn einen
ganzen Tag lang für jeweils gewisse Zeit an verschiedenen Positionen voll ausgestreckt über dem offenen Orbiter zu halten. Der Monitor enthält empfindliche
Meßinstrumente, die Emissionen wie Staub oder Gase aus der Raumfähre, aber auch
die Rückstände vom Zünden der Manövrier- und Lagesteuerungsdüsen ermitteln. Diese
Art von Untersuchungen sollen helfen, mögliche Auswirkungen solcher Art von
"Verschmutzung" auf wissenschaftliche Ausrüstungen an Bord oder auf Satelliten
aufzuklären, die bei späteren Missionen zu einem Rendezvous angeflogen werden.
Hartsfield kommentierte das Arbeiten mit dem Gerät ebenso wie die Oberwachung der Bewegungsabläufe am Datenkontrollgerät als sehr zufriedenstellend.
Obgleich das 363 kg schwere "Gepäckstück" so gut wie gewichtslos war, hatte es
dennoch "Masse". Und wenn der Robotarm diese Masse zu bewegen begann, setzte
diese die Bewegung fort, bis der Arm sie gewaltsam stoppte.
- Experimente für spätere Industrieproduktion Am zweiten Flugtag setzten die Astronauten die zwei Meter hohe, 270 kg
schwere Apparatur zur elektrophoretischen Trennung biologischer Substanzen in
Gang. Es war die erste Nutzlast, die im Auftrag der Industrie in den Weltraum
mitgenommen worden war. Erprobt werden sollte das "Elektrophoreseverfahren mit
kontinuierlichem Fluß" in der Schwerelosigkeit, wovon sich die pharmazeutische
Industrie bessere Präparate bei wesentlich höherer Produktionsausbeute verspricht.
Die Entwicklung

�Die Entwicklung der von den McDonnell Douglas-Werken und Johnson &amp; Johnson
gebauten Apparatur hatte sechs Jahre in Anspruch genommen. Sie trennt biologische
Materialien, beispielsweise menschliche Zellen, im elektrischen Feld entsprechend
ihrer elektrischen Ladung an der Oberfläche. Langjährige Erfahrungen mit dem
Verfahren haben gezeigt, daß die Zellbewegung und damit die Trennung der Zellen
voneinander unter dem Einfluß der irdischen Schwerkraft z.T. erheblich behindert
wird, somit also die Trennungsmöglichkeiten eingeschränkt und die Gewinnung
medizinisch brauchbarer Materialien ziemlich begrenzt sind. Im Weltraum dagegen
kann man die beim Trennungsprozeß benutzte Stromstärke erhöhen, ohne eine Steigerung der Arbeitstemperaturen infolge Konvektion und durch diese verursachte
Turbulenzen in den Flüssigkeiten befürchten zu müssen. Die Trennung könnte um das
300- bis 400fache effektiver, der Reinheitsgrad der Produkte bis zum Fünffachen
höher sein.
Im Verlauf der nächsten zwei Jahre wird das Elektrophorese-System bei sechs
Orbiter-Flügen weiter erprobt, damit aufgrund der damit gesammelten Erfahrungen
der Prototyp einer für kommerzielle Zwecke geeigneten Produktionseinheit gebaut
werden kann. Diese soll ab 1986 zur Verfügung stehen. Ziel ist die Massenproduktion im Weltraum von Stoffen zur Behandlung von Diabetes, Krebs, Hautverbrennungen, Emphysem, Thrombenbildung und Geschwüren.
In Fortsetzung eines schon beim dritten Testflug im März begonnenen
Experiments wurde das "Monodisperse Latex Reactor System" erneut aktiviert.
Es ist ein Versuchsgerät zur Herstellung mikroskopisch kleiner Latexkügelchen
von völlig einheitlicher Größe, welche in der Medizin, insbesondere für den
Transport von bestimmten pharmazeutischen Präparaten und Radioisotopen in Körperbereiche mit Krebsgeschwülsten, eine wichtige Rolle spielen könnten.
Die Studenten von Utah hatten Glück - ihre neun Experimente, verstaut in
einem 61 x 91 x 25 cm großen Kanister, konnten nach "Startschwierigkeiten"
infolge eines Kabelbruchs von den Astronauten doch noch

so rechtzeitig in Gang

gesetzt werden, daß die gestellten Aufgaben zu 90 Prozent erfüllt worden sein
dürften. Es handelte sich um eine Anzahl biologischer Experimente, u.a. die

- 4 -

�u.a. die Beobachtung der Entwicklung von Krabben und Fruchtfliegen, von Algen
und Entengrütze in der Schwerelosigkeit, dazu um einige technische Versuche
zur Qualitätsverbesserung von Werkstoffen. Von den Studenten waren, um den Ablauf ihrer biologischen Experimente nach der Rückkehr der COLUMBIA studieren zu
können, Kameras im Kanister eingebaut worden. Hinter dem Algenversuch stand
übrigens die Idee, später vielleicht einmal den bei der Atmung dieser Organismen
freiwerdenden Sauerstoff als Sauerstoffquelle in Raumstationen zu nutzen.
Experimente dieser Art werden von der NASA gegen Entrichtung einer relativ
niedrigen "Platzmiete" mitgenommen. Sie müssen so angelegt sein, daß sie
während des Fluges wartungsfrei ablaufen und die Arbeit an Bord nicht stören.
Der erwähnte Kabelbruch hatte jedoch die Stromzuleitung von der Schaltzentrale
zu einem Transformator blockiert, der seinerseits die Relais für den Experimentierbetrieb aktivierte. Zehntausend Dollar waren schon vor sechs Jahren von Gilbert
Moore (Utah) für die Mitnahme eines solchen Kanisters an die NASA bezahlt worden.
Daß er ihn als Teil einer 50 000 Dollar-Spende den Studenten zur Verfügung
stellte, soll Ansporn für den wissenschaftlichen Nachwuchs sein, mit neuen
Ideen zur Weiterentwicklung der Raumfahrttechnik beizutragen.
Beim Start der COLUMBIA am 27. Juni gingen die Gehäuse der beiden Feststoffraketen, die nach dem Ausbrennen abgeworfen werden und, wie bei den ersten
drei Flügen, 2urWiederverwendung geborgen werden sollten, verloren. Obgleich sie
automatisch ihre Fallschirme entfaltet hatten, versanken sie ca. 250 km vor der
Küste, ehe die Bergungsschiffe sie erreichen konnten. Die Ursache für diese
50 Millionen Dollar teure Panne wird noch untersucht.
Thomas Mattingly, Kommandant beim soeben beendeten Flug STS-4, hatte zusammen mit Henry Hartsfield ein ungewöhnlich reichhaltiges Arbeitsprogramm zu
bewältigen. Die Astronauten haben es gemeistert, und die COLUMBIA ist, wie
erste Inspektionen ergaben, in bester Verfassung zurückgekommen. Damit wurde
die "letzte Stufe" zu den routinemäßigen Arbeitsflügen, wie Mattingly sagte,
überwunden. Am 11. November 1982 soll die Raumfähre erneut starten, und zwar
mit vier Astronauten an Bord. Der Jungfernflug der CHALLENGER, des zweiten Orbitalfluggeräts aus der amerikanischen Raumtransporterserie, ist für Januar 1983 geplant.
+++++
- 5 -

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1ERIK
IEHS1

UJi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26

7. Juli 1982

NASA PLÄDIERT FÜR BEMANNTE RAUMSTATION
Nächster Schritt im US-Raumfahrtprogramm

- (AD) - Zur Sicherung der Rolle der Vereinigten Staaten als führende
Raumfahrtnation brauche das NASA-Programm eine neue Dimension: James M.
Beggs, der Leiter der US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA, sieht in der Entwicklung einer bemannten Raumstation den nächsten logischen Schritt für die
amerikanische Raumfahrttechnik.

Ein solches Programm baue auf den Erfahrungen

des Raumtransporterprojekts auf.

Die Raumstation, die die Erde in niedriger

Umlaufbahn umkreisen soll, sei sowohl für Aufgaben der Weltraumforschung,
der Erderkundung, für bestimmte technologische Entwicklungen, die Nutzanwendung der Raumfahrttechnik und zur Wahrung der'nationalen Sicherheit zweckmäßig.

Ihre Existenz zeuge davon, daß die Vereinigten Staaten einen festen

Platz im Weltraum haben.
Vor dem Wirtschaftsclub von Detroit (Michigan) wies Beggs in einem Vortrag am 23. Juni 1982 darauf hin, daß das Raumfährenprojekt ursprünglich als
Teil eines Programms für den Bau von-bemannten Weltraumstationen in Angriff
genommen worden sei.

"Vor mehr als einem Jahrzehnt sah das Gesamtkonzept vor,

daß die Raumfähre ("Space Shuttle") mit Nutzlasten zwischen Erde und Raumstation pendelt. Jetzt erkennen wir, daß die bemannte Raumstation viele

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Raumstation viele Rollen übernehmen könnte:

Sie würde als wissenschaftliches

Labor dienen, als technische Zentrale für den Zusammenbau, die Nachschubversorgung und die Wartung von Satelliten, als Startplatz für den Aufstieg von
unbemannten Satelliten in einen höheren Orbit oder ihren Einschuß in interplanetare Bahnen.

Selbstverständlich hätte sie auch in der nationalen Ver-

teidigung eine Rolle zu spielen."
Je mehr Erkenntnisse die Forschung z.B. über die Chemie an der Oberfläche des Planeten Mars, über die Geologie der Venus, die Entwicklung und
die Zusammensetzung anderer Planeten in unserem Sonnensystem gewinne, desto
genauere Prognosen könne sie'zur Frage des Fortgangs der Entwicklung unserer
Erde geben.

Auch der internationalen Zusammenarbeit der freien Welt im All

eröffneten sich mit der bemannten Raumstation neue Chancen.

Sie könne zum

Mittelpunkt vieler Bereiche wissenschaftlich-technischer Interessen und Fähigkeiten der Verbündeten und Freunde Amerikas in aller Welt werden.
Gegenwärtig sind über 1000 Vereinbarungen der NASA mit mehr als 100 Nationen über Programme zur Zusammenarbeit im Weltraum in Kraft. Zu ihnen gehört beispielsweise die Entwicklung des Manipulatorsystems für den Geräteund Lastentransport an Bord des Space Shuttle durch Kanada sowie das von europäischen Ländern unter maßgeblicher Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland mit einem Kostenaufwand von einer Milliarde Dollar gebaute "Weltraumlabor"
(Spacelab). Die erste flugfähige Einheit wird 1983 mit dem Raumtransporter
gestartet.
In der amerikanischen Öffentlichkeit findet das Raumfahrtprogramm heute
mehr Unterstützung denn je zuvor seit Gründung der NASA im Jahr 1958, erklärte Beggs. Dies habe eine Meinungsumfrage der Nachrichtenagentur Associated
Press und der Rundfunkanstalten der National Broadcasting Company gezeigt,
bei der sich 60 Prozent für den Raumtransporter als gute Investition aussprachen. Er ist u.a. in der Lage, neue technisch wesentlich verbesserte
und sehr viel schwerere Satelliten, als es die bisher üblichen Trägerraketen
vermögen, zu einem Bruchteil der heute erforderlichen Startkosten in den

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�in den Weltraum zu befördern.

Gegenwärtig sind komplizierte und teure Boden-

stationen notwendig, um Fernseh-, Funk- und Nachrichtenverbindungen über
Satelliten zu bekommen.

Die neuen, schweren Satelliten von morgen aber wer-

den mit Antennen auf dem Hausdach zu empfangen sein.

Dies dürfte, so schrieb

die englische Zeitschrift "The Economist" anläßlich des ersten Space ShuttleStarts im vergangenen Jahr, den Beginn des echten internationalen Funk- und
Fernmeldezeitalters bedeuten.

Verstärkung der Raumtransporterflotte empfohlen
Entwicklung und Bau von Raumtransportern kosteten die Vereinigten Staaten seit der Bewilligung der ersten Mittel im Jahr 1972 bisher ca. 10 Milliarden Dollar. Das zweite einsatzfähige Raumflugzeug nach der COLUMBIA, die
CHALLENGER, wird der NASA in wenigen Wochen Libergeben. Zwei weitere Raumfähren sind noch in Bau und sollen 1983 bzw. 1984 geliefert werden. Diese
Flotte von wiederverwendbaren Raumtransportern müßte jedoch nach Meinung von
Philip Culbertson, eines Stellvertreters von James M. Beggs, um mindestens
ein Fluggerät verstärkt werden. Denn die vier Raumflugzeuge reichten nicht
aus, um dem erwarteten Bedarf an Einsätzen Ende der achtziger Jahre gerecht
zu werden.
Vor einem Unterausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses erklärte
Culbertson am 15. Juni 1982, mit den vier Raumfähren könnten von 1988 an möglicherweise 24 Flüge pro Jahr unternommen werden. Auch 30 Einsätze jährlich
seien dann denkbar, falls dies erforderlich würde, wobei dem Transportbedarf
an zivilen und militärischen Nutzlasten noch voll Rechnung getragen werden
könne. Nach diesem Zeitpunkt jedoch bedeuteten die weiter steigenden Anforderungen für die Flotte von vier Raumflugzeugen eine zu hohe Belastung, so daß
eine fünfte Raumfähre notwendig werde. Auch könne der Verlust eines Raumtransporters durch einen Unfall oder die Notwendigkeit einer längeren Reparatur
"Kosten- und Terminauswirkungen für alle Benutzer haben - jene mit der höchsten
Dringlichkeitsstufe vielleicht ausgenommen".
Fiele beispielsweise
- 3 -

�Fiele beispielsweise im Jahr 1986 eines der vier Fluggeräte aus, würde
nach Schätzungen der NASA die Einsatzfrequenz um acht Flüge jährlich, d.h.
ein Drittel der geplanten Kapazität, verringert.

Das Verteidigungsministerium

habe bei Startterminen Vorrang, so daß möglicherweise die Reservierungen für
vorgesehene private Missionen von einer reduzierten Startfrequenz betroffen
würden.

Da die Raumtransporterflüge für die nächsten paar Jahre weitgehend

ausgebucht seien, beginnen sich bereits viele kommerzielle

Benutzer für Flug-

missionen zu interessieren, die mit dem europäischen Trägergerät ARIANE durchgeführt werden.
In einer ganzen Reihe von Betrieben, die am Bau der Raumfähren beteiligt
sind, laufen die Arbeitsprogramme für dieses Projekt demnächst aus. Deshalb
müsse die Entscheidung über ein fünftes Fluggerät bald fallen, weil bei späterer Auftragsvergabe mit'20 bis 25 Prozent höheren Kosten zu rechnen sei.
Ähnliche Hinweise gibt ein Bericht des vom US-Kongreß eingerichteten
"Amtes für Technologiebewertung" (OTA). Ausländische Konkurrenz beginne,
wie es in dem Bericht heißt, die führende Rolle der USA auf dem Gebiet "kommerziell einträglicher und politisch bedeutsamer Raumfahrttechnologien" zu
gefährden.
Inzwischen gab die NASA bekannt, daß die Kosten für jeden Raumtransporterstart zwischen 1985 und 1988 etwa 71 Millionen Dollar (inflationsbereinigt,
den Dollarwert von 1982 zugrundegelegt) betragen dürften. Man halte sie dennoch für konkurrenzfähig mit jenen, die sich bei Verlustgeräten wie z.B. der
amerikanischen DELTA ATLAS CENTAUR oder der europäischen ARIANE ergeben.
Inzwischen hat die "Space Transportation Company" in Princeton (New
Jersey) dem Unterausschuß für Weltraumwissenschaft und angewandte Raumfahrttechnik den Vorschlag unterbreitet, ein fünftes Raumflugzeug privat zu kaufen
und als Gegenleistung die Alleinrechte auf den Transport aller kommerziellen
und ausländischen Nutzlasten zu bekommen.

Ein privat finanzierter Raumtrans-

porter biete, wie das Unternehmen erklärte, die Gewähr, daß die Vereinigten

- 4 -

�die Vereinigten Staaten mit kommerziell in Startsystemen des Auslandes wirksam konkurrieren und die amerikanischen Möglichkeiten in der Raumfahrt auf
den Weltmärkten ausweiten könnten.

4

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