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und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20

19. Mai 1982

I N H A L T

INFORMATION
USA begrüßen Gesprä'chsbereitschaft Breschnews
- Von unserem Korrespondenten Alexander Sullivan -

DOKUMENTATION
Reagan unterstreicht Willen der USA zum Abbau der Kernwaffen
- Auszüge aus der Pressekonferenz des Präsidenten vom 13. Mai 1982
Die Wurzeln der deutsch-amerikanischen, Freundschaft
- Von Botschafter Arthur F. Burns -

HINTERGRUNDMATERIAL
Kampelman betont Notwendigkeit einer starken US-Verteidigungsposition
Gelber Regen:

Erdrückende Beweise

- Leitartikel der "Washington Post'

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

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&lt;

20

Infoimolion
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. Mai 1982

USA BEGRÜSSEN GESPRÄCHSBEREITSCHAFT BRESCHNEWS
Von unserem Korrespondenten Alexander Sullivan -

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus hat die angekündigte Bereitschaft
des sowjetischen Staats- und Parteichefs Breschnew begrüßt, in Verhandlungen
über eine Verringerung der strategischen Rüstungen einzutreten. Der derzeitige Sprecher des Weißen Hauses, Larry Speakes, erklärte jedoch am 18. Mai,
daß die Vereinigten Staaten die"Forderung Breschnews nach einem Einfrieren
der strategischen Waffen ablehnten, da dies lediglich eine Festschreibung
des bestehenden militärischen Vorteils der Sowjets bedeuten würde.
In einer Erklärung vor der Presse, die die Auffassungen Präsident Reagans
wiedergab, wies Speakes darauf hin, daß der Breschnew-Vorschlag für ein Einfrieren Moskau jeden Anreiz nehmen würde, einer wesentlichen Verminderung
zuzustimmen, die von Reagan als das Hauptziel der START-Verhandlungen genannt wurde.

Den Vorschlag Breschnews, die Dislozierung taktischer Nuklear-

waffen oder nuklearer Mittel Streckensysteme zu begrenzen, bezeichnete Speakes
als eine Wiederholung früherer Einfrierungsvorschläge des Kreml.

"Dieser Vor-

schlag reicht bei weitem nicht an den Vorschlag Präsident Reagans für eine
totale Beseitigung solcher Raketen heran", so betonte der Sprecher des Weißen
Hauses.
Im amerikanischen

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�Im amerikanischen Außenministerium wurde erklärt, daß eine genaue Prüfung der Rede Breschnews noch nicht abgeschlossen sei, daß jedoch die meisten
der aufgeworfenen Fragen bei den Verhandlungen angesprochen werden dürften.
Auch der Stellvertretende Sprecher des Außenministeriums, Alan Romberg, betonte, daß der Vorschlag Breschnews, die weitere Dislozierung von nuklearen
Mittel Streckensysteme zu begrenzen, praktisch eine Wiederholung früherer
sowjetischer Vorschläge für ein Einfrieren des derzeitigen nuklearen Ungleichgewichts in Europa darstelle und damit hinter dem Vorschlag Präsident Reagans
für eine totale Beseitigung der landgestützten nuklearen Mittelstreckensysteme
beider Seiten zurückbleibe.
Romberg bekräftigte, daß sich der amerikanische Standpunkt nicht geändert habe und die USA keine neuen Waffensysteme dislozieren würden, wenn entsprechende Verminderungen ausgehandelt würden.
Präsident Reagan hatte in einer Rede vor dem Eureka-College am 9. Mai
wesentliche Verminderungen der gefährlichsten Nuklearwaffen, der land- oder
unterseebootgest'ützten Interkontinentalraketen, gefordert. Reagan hatte sich
hauptsächlich auf landgestützte Raketen konzentriert, weil sie psychologisch
am bedrohlichsten seien und nach ihrem Abschuß praktisch in Minuten ihre Ziele erreichten. Unterseeboote und Flugzeuge brauchten sehr viel länger, um
ihre Abschußposition zu erreichen, und könnten vor dem Abschuß der Raketen
zurückgerufen werden. Der Präsident hatte in Eureka betont, daß er im nächsten
Monat Verhandlungen in zwei Phasen über eine Verringerung und Neugestaltung
der strategischen Streitkräfte der USA anstrebe, um die Stabilität zu fördern.
Schon vorher hatte der Präsident den Verzicht auf die Dislozierung neuer
PERSHING II-Raketen und landgestützter Marschflugkörper in Europa angeboten,
wenn die Sowjetunion dem Abbau ihrer bereits dislozierten Nuklearraketen vom
Typ SS-20, SS-4 und SS-5 zustimme.
Der amerikanische Präsident hat erkennen lassen, daß jenseits der Abrüstungsverhandlungen eine sowjetische Führung, die sich der Verbesserung
des Lebens ihrer Bevölkerung widme, im Westen eine Führung vorfinden würde,
- 2 -

�vorfinden würde, die zu verbesserten Beziehungen bereit sei. Der Westen kann
nach Auffassung Reagans eine realistische dauerhafte Politik verfolgen, die
die westlichen Interessen schützt und den Frieden erhält, und zwar nicht nur
für diese Generation, sondern für "unsere Kinder und' Kindeskinder", wie Reagan
sagte.
Während eines kurzen Fototermins am 18. Mai sagte Präsident Reagan, daß
er die Ausführungen Breschnews so interpretiere, daß dieser zustimme, daß
"wir zusammenkommen", um Verhandlungen zu beginnen. Der Sprecher des Weißen
Hauses wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß der Präsident damit nicht
sagen wollte, daß ein persönliches Treffen mit Breschnew arangiert worden sei.
Die Auffassung Reagans bezüglich eines solchen Treffens habe sich nicht geändert, so erklärte Speakes. Der Präsident würde noch immer gerne mit Breschnew
im nächsten Monat zusammenkommen, falls dieser auf der Abrüstungssondersitzung
der Vereinten Nationen in New York spricht. Es gebe gegenwärtig keine Planungen oder Vorbereitungen für ein formelles Gipfeltreffen im Herbst, wie es
Breschnew früher vorgeschlagen habe, so betonte Speakes.

+ + + + +

- 3 -

�20

19. Mai 1982

REAGAN UNTERSTREICHT WILLEN DER USA ZUM ABBAU DER KERNWAFFEN
- Auszüge aus der Pressekonferenz des Präsidenten vom 13. Mai 1982

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 13. Mai 1982 in einer vom
Fernsehen landesweit übertragenen Pressekonferenz, in der innenpolitische
Fragen einen breiten Raum einnahmen, "dem amerikanischen Volk und allen Menschen der Welt" versichert, daß die Vereinigten Staaten "alles in ihrer
Macht Stehende unternehmen werden", um ein Abkommen mit der Sowjetunion über
die Verminderung der strategischen Waffen zu erreichen.
Eine Ratifizierung des SALT II-Vertrags lehnte Reagan hingegen ab, weil
dieser lediglich ein Wettrüsten legitimiere..
Zum Thema Falkland-Konflikt sagte der Präsident, die Vereinigten Staaten
könnten im Moment lediglich bereitstehen und versuchen, zu helfen. Er äußerte
jedoch die Überzeugung, daß dieser Konflikt den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und den lateinamerikanischen Ländern keinen irreparablen
Schaden zugefügt habe.
Die wesentlichen

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Telex: 08-85432

�Die wesentlichen außenpolitischen Auszüge der Pressekonferenz, die mit
einer einleitenden Erklärung des Präsidenten begann, haben folgenden Wortlaut:
DER PRÄSIDENT: Guten Abend.

Ich möchte zunächst eine Erklärung abgeben.

Viermal in meinem Leben habe ich gesehen, wie Amerika in einen Krieg stürzte
- zweimal davon als Teil tragischer weltweiter Konflikte, die das Leben von
Millionen Menschen fordertani

Diese persönliche Erfahrung hat mich zu der

Überzeugung gebracht, daß die größte Mission Amerikas darin liegt, als Führer
unter den freien Nationen für die Sache des Friedens zu stehen.

Aus diesem

Grund tritt meine Administration - zusammen mit unseren Anstrengungen zur
Wiederherstellung einer glaubwürdigen nationalen Verteidigung - aktiv für einen Abbau der nuklearen und konventionellen Streitkräfte ein, der dazu beitragen kann, die Drohung einer Zerstörung von der Welt abzuwenden.
In Genf verhandeln die Vereinigten Staaten jetzt mit der Sowjetunion
über einen Vorschlag, den ich im vergangenen Herbst vorgelegt habe, um den
Umfang der Kernwaffen in Europa drastisch zu verringern.

In Wien verhandeln

wir und unsere NATO-Verbündeten mit dem Warschauer Pakt über Wege zur Reduzierung der konventionellen Streitkräfte in Europa.
Am vergangenen Sonntag schlug ich einen weitreichenden Weg für die
Kontrolle der Kernwaffen vor - eine phasenweise Verringerung der strategischen
Waffen, beginnend mit denjenigen, die am gefährlichsten und am destabilisierendsten sind: den Gefechtsköpfen der ballistischen Raketen und insbesondere
jenen der interkontinentalen ballistischen Raketen.
Heute haben die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion jeder etwa 7500
nukleare Gefechtsköpfe auf Raketen, die ihre Ziele in wenigen Minuten erreichen
können.

In der ersten Verhandlungsphase wollen wir uns auf eine Verminderung

dieser unmittelbarsten Bedrohung konzentrieren.

Wir streben eine Verminderung

der Anzahl der Gefechtsköpfe auf den ballistischen Raketen auf etwa 5000 an
- ein Drittel weniger als der gegenwärtige Umfang; außerdem eine Begrenzung
der Anzahl von Gefechts köpfen der landgestützten Raketen auf die Hälfte sowie
eine Verminderung der Gesamtzahl aller ballistischen Raketen auf ein gleich- 2 -

�ein gleichwertiges Niveau - auf etwa-die Hälfte des-derzeitigen amerikanischen
Niveaus.
In der zweiten Phase-streben-wir eine-Verminderung der Nutzlast' - eines
entscheidenden Indikators desGesamtzerstörungspotentials der Raketen - auf
gleiches Niveau an.

Um annehmbar zu sein, maß ein neues Rüstungsabkommen mit

den Sowjets ausgewogen, gleichwertig und verifizierbar sein.

Und was am al-

1 erwichtigsten ist: Es muß die Stabilität und die Aussichten auf Frieden vermehren.
Ich habe bereits an Präsident Breschnew geschrieben und Außenminister
Haig angewiesen, sich mit der sowjetischen Regierung in Verbindung zu setzen,
damit wir mit formellen Verhandlungen über eine Verminderung der strategischen
Kernwaffen - den START-Gesprächen - bei der frühestmöglichen Gelegenheit beginnen können.

Und wir hoffen, daß diese Verhandlungen Ende Juni beginnen

können und wir demnächst von Präsident Breschnew hören.
Es wird keine rasche und leichte Aufgabe sein, zu einem Abkommen mit den
Sowjets zu gelangen.

Das wissen wir aus der Vergangenheit.

Aber ich glaube,

das sowjetische Volk und seine Führung wissen um die Bedeutung der Verhinderung
eines Krieges.

Und ich glaube, daß eine feste, gerade Haltung der Vereinigten

Staaten beim Rüstungsabbau uns einer Einigung näherbringen kann.
Heute abend möchte ich vor dem amerikanischen Volk und allen Menschen der
Welt mein Versprechen erneuern, daß die Vereinigten Staaten alles in ihrer
Macht Stehende unternehmen werden, um zu einem solchen Abkommen zu gelangen.
Und nun glaube ich, daß es an der Zeit ist, wieder einmal zu dem traditionellen Scharmützel, den Fragen, zu kommen.
FRAGE:

Wenn die Beseitigung der nuklearen Bedrohung für die Welt so wich-

tig ist, warum ignorieren Sie dann sieben lange Jahre der Verhandlungen, an
denen zwei republikanische Präsidenten Anteil hatten?

Ich spreche von SALT II:

Wir halten uns an den Wortlaut, die Sowjetunion tut dies.
- 3 -

Warum drängt man

�drängt man nicht auf eine Ratifizierung dieses Vertrags als einen ersten
Schritt und geht dann auf START über? Das wäre immerhin ein Spatz in der
Hand!
ANTWORT:

Weil dieser Spatz kein sehr freundlicher Spatz ist.

Ich er-

innere Sie daran, daß ein von den Demokraten kontrollierter Senat seine Ratifizierung ablehnte.

Und der Grund für die Ablehnung seiner Ratifizierung

ist etwas, das wir nicht ignorieren können.

Der Grund dafür war die Tatsache,

daß SALT für die Begrenzung der strategischen Waffen steht.

Und die Begren-

zung in diesem Abkommen würde es der Sowjetunion während der Laufzeit des
Vertrags erlauben, ihre derzeitige Nuklearkapazität praktisch zu verdoppeln.
Es würde erlauben - und es erlaubt -, daß auch wir unsere erhöhen.
deren Worten:

Mit an-

Es legitimiert lediglich ein Wettrüsten.

Zu den Teilen davon, die wir einhalten, gehört die Überwachung der Arsenale der anderen Seite - und dies tun beide. Was wir wollen, ist eine Verminderung der Schlagkraft, der Anzahl und insbesondere der Anzahl jener destabilisierenden Raketen, die auf einen Knopfdruck hin losgehen können.

Und

dies steht in keinem Verhältnis zu dem, was SALT zu erreichen versuchte.

Ich

meine, mit SALT wurde der falsche Kurs verfolgt.
FRAGE:

Herr Präsiddent, Sie wissen sicher, daß der ehemalige Außenmi-

nister Henry Kissinger gestern gesagt hat, bei Ihrer Methode könnte es noch
weit länger dauern als die sieben Jahre, die man für die Aushandlung von SALT II
benötigte.

An welchen zeitlichen Rahmen denken Sie, den es braucht, um diese

Begrenzungen bei den Gefechtsköpfen auszuhandeln?
ANTWORT:

Wenn Sie einen Blick zurück in die Geschichte werfen, auf die

Verhandlungen mit der Sowjetunion seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, dann
glaube ich nicht, daß man sich hier einen zeitlichen Rahmen abstecken kann.
Aber ich meine, es gibt einen Punkt, den es bislang noch nicht gab - und das
ist die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten, ihre Verteidigung wieder
aufzubauen.

Und die Tatsache allein, daß wir den Willen hierzu gezeigt haben

und mit dem Wiederaufbauprogramm vorangehen, ist etwas, das meiner Meinung
- 4 -

�meiner Meinung nach einen Anreiz für die Sowjetunion bedeutet, sich an den
Tisch zu setzen und ehrlich mit uns zu verhandeln.
In den vergangenen Jahren fanden diese Verhandlungen doch in einer Lage
statt, da sie uns überlegen waren und wir praktisch einseitig abrüsteten.
Wann immer jemand ein wenig Geld für irgendein Programm brauchte, so nahm
man es der Verteidigung weg.
FRAGE:

Das gilt heute nicht mehr.

In den letzten Tagen sind Stimmen laut geworden, die Vereinigten

Staaten sollten den bestehenden NATO-Vertrag aufkündigen, demzufolge wir als
Vergeltungsmaßnahme den Sowjets'gegenüber Kernwaffen einsetzen würden, wenn
sie Westeuropa mit konventionellen Waffen angriffen.

Unter welchen Bedingungen

würden wir uns verpflichten, niemals als erste Kernwaffen in einem Konflikt
in Westeuropa einzusetzen?
ANTWORT: Hinsichtlich dieses Vorschlags über einen Verzicht auf den
Ersteinsatz solcher Waffen, der gemacht worden ist, - sicher, niemand von uns
möchte sie -, so glaube ich einfach nicht, daß es einen Sinn hat, solche Erklärungen abzugeben. Unsere strategischen Kernwaffen sind leider cjas einzig
ausgleichende Gewicht, die einzige Abschreckung, die wir gegenüber der massiven
Aufrüstung bei den konventionellen Waffen der Russen an der westlichen Front,
der NATO-Front haben. Das ist ja der Grund, warum wir in Wien versuchen, mit
ihnen eine Verminderung auch der konventionellen Streitkräfte auszuhandeln,
weil sie dort so überwältigend stark sind.
FRAGE:

Herr Präsident, was können Sie uns hinsichtlich eines Fortschrittes

bzw. des Fehlens eines solchen bei einer Verhandlungslösung der Fälkland-Frage
sagen?
len?

Könnten Sie etwas zu der Rolle sagen, die die Vereinigten Staaten spieUnd etwas zu unserer Lage hinsichtl ich anderer Verbündeter in Latein-

amerika und Südamerika, nachdem wir uns nun so deutlich auf die Seite der
Briten gestellt haben?
ANTWORT: In vielen Ländern Südamerikas herrscht wohl tendentiell der
Glaube, mit ihren Sympathien den Argentiniern näher zu sein als wir. Ich glaube

�Ich glaube nicht, daß ein Schaden entstanden ist, der nicht wiedergutzumachen
wäre.

Die Verhandlungen dauern an, nunmehr im Rahmen der Vereinten Nationen,

wo deren Generalsekretär jetzt intensiv tätig ist. Gestern zeigte auch der
brasilianische Präsident Figueiredo in einem Gespräch mit mir sein Interesse
und hat seine guten Dienste zur Hilfe angeboten. Alles, was wir als ehrliche
Makler für eine friedliche Lösung derzeit tun können, ist, uns bereitzuhalten
für eine Hilfestellung.
Es gibt Berichte, denen zufolge es bei einigen der zwischen beiden Seiten
anstehenden Fragen zu einer Einigung gekommen ist. Grundsätzlich geht es um
die Frage des Abzugs, um eine Interimsverwaltung der Insel selbst und um die
Dauer der Verhandlungen sowie darum, wie die endgültige Regelung sein soll.
Bisher gab es Intransigenz auf einer Seite hinsichtlich einer Souveränitätsgprantie vor Verhandlungen.

Das ist nicht sehr sinnvoll. Wie ich höre,

gibt es nunmehr eine gewisse Übereinstimmung über Verhandlungen zu dieser Frage.

Wir werden weiter hoffen und beten
FRAGE:

Herr Präsident, in Ihren Abrüstungsvorschlägen konzentrieren

Sie sich auf ein zentrales interkontinentales Raketensystem für beide Seiten.
Wenn die Sowjets nun kämen und sagten, sie möchten auch über Bomber sprechen,
über die Marschflugkörper und über andere Waffensysteme: Würden Sie bereit
sein, diese Themen einzubezieben,oder sind sie von den Gesprächen ausgeschlossen?
ANTWORT: Nein, nichts ist davon ausgeschlossen. Aber einer der Gründe,
warum man sich auf die ballistischen Raketen konzentrieren sollte, ist, daß
diese die destabilisierendsten Waffen sind. Diese Waffe erschreckt die Leute
am meisten. Lassen Sie mich meine eigenen Überlegungen dazu kurz darlegen.
Bei diesen Waffen, die da im Silo stationiert sind, könnte es die Möglichkeit einer Fehleinschätzung geben. Die Leute wissen, daß es bei dieser
Waffe - wenn der Knopf erst einmal gedrückt ist - kein Zurück mehr gibt. In
wenigen Minuten erreicht diese Waffe das andere Land. Bei den Raketen, die
von Bombern getragen werden, von Schiffen der einen oder der anderen Art,
- 6 -

�anderen Art, auch von getauchten, hat man es mit konventionellen Waffen oder
Instrumenten zu tun, und diese können abgefangen werden.

Sie haben also

meiner Meinung nach nicht dieselbe psychologische Wirkung wie die anderen
Waffen, die - einmal abgefeuert - auf ihrem Weg sind und nicht mehr aufgehalten, nicht mehr gebremst werden können.
FRAGE:

Herr Präsident, es gibt jedoch viele Waffenspezialisten, die

behaupten, daß die Multiplikation von Marschflugkörpern - auf dem Lande, auf
Schiffen, auf Unterseebooten usw. - dieselbe Wirkung haben. Man kann sie
nicht zurückrufen, wenn sie einmal abgeschossen sind.

Sie benötigen nur

eine kurze Flugzeit, und es gibt Tausende von ihnen.
ANTWORT: Sie haben eine viel längere Flugzeit, praktisch geht es um
Stunden. Sie haben auch nicht die Geschwindigkeit der ballistischen Raketen,
die in den Weltraum geschossen werden und dann herunterstürzen. Aber dies
alles heißt nicht, daß wir irgendetwas ignorierten. Wie- ich schon sagte, verhandeln wir ja schon über konventionelle Waffen.
Aber ich meine, wir sollten mit den nächstliegenden Dingen zuerst anfangen.

Man kann nicht alles mit einem Bissen zu sich nehmen.

Und daher rührt

unsere Entscheidung, mit den destabil isierendsten Waffen " den Waffen mit der
größten Zerstörungskraft - anzufangen.

- 7 -

�19. Mai 1982

20

DIE WURZELN DER DEUTSCH-AMERIKANISCHEN FREUNDSCHAFT
- Von Botschafter Arthur F. Burns

BERCHTESGADEN - (AD) - Der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Arthur F. Burns .hielt am 17. Mai 1982 in Berchtesgaden
vor amerikanischen Frauenclubs eine Rede, die folgenden Wortlaut hat:
Seit ich im Herbst vorigen Jahres als Botschafter der Vereinigten Staaten in die Bundesrepublik Deutschland kam, habe ich auf eine Gelegenheit gehofft, zu meinen Mitbürgern hier in diesem Lande sprechen zu können.

Des-

halb bereitet es mir ein besonderes Vergnügen, heute mit Ihnen, den Vertretern der Amerikanischen Frauenclubs in Deutschi and .zusammenzutreffen und
Ihnen meine Anerkennung und auch den Dank unserer Regierung für Ihre unermüdlichen Anstrengungen im Dienste der Freundschaft zwischen Amerikanern
und Deutschen auszusprechen.
Ich habe mich eingehend mit den Zielsetzungen und mit der Tätigkeit
Ihrer Organisation vertraut gemacht.

Ich bewundere die Hingabe, die Sie

auf eine Aufgabe verwenden, die Sie sich selbst gestellt haben: nämlich die
Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschen und Amerikanern

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�und Amerikanern auf örtlicher Ebene zu fördern. Wenn Sie an dieser Aufgabe
arbeiten, erweitern Sie das Verständnis unserer Mitbürger für die Geschichte
und Kultur Deutschlands - des Landes, in dem wir derzeit leben und arbeiten.
Und Sie tragen gleichzeitig zu einem besseren Verständnis Amerikas und seiner
Institutionen durch das deutsche Volk bei. Sie arbeiten somit an einer wichtigen Aufgabe, und Sie widmen sich ihr mit Nachdruck, Einfallsreichtum und
Selbstlosigkeit.

Ihre Tätigkeit ist für mich und meine Kollegen an der Ame-

rikanischen Botschaft, so darf ich hinzufügen, bei der Erfüllung unserer Aufgaben, eine große Hilfe..
•

Lassen Sie mich dies erläutern.

- . • '

-. •

•

•

'

•

•

•

•

-

•

:

•

In den letzten Monaten habe ich mich

bei einer Reihe von Gelegenheiten zum derzeitigen Stand der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik geäußert.

Ich sprach

über die Probleme, vor die wir uns gemeinsam gestellt sehen, und über deren
Ursprünge, und ich sprach über einige der Lösungen, die man ins Auge fassen,
wenn nicht gar verwirklichen sollte.
Unsere beiden Länder sind durch vielfältige gemeinsame Interessen miteinander verknüpft.

Es bestehen kulturelle, historische und familiäre Bin-

dungen; wir teilen die gleiche philosophische Grundhaltung, die den Respekt
vor der Freiheit des Individuums, der demokratischen Staatsform und dem
System der freien Marktwirtschaft einschließt; unsere Gemeinsamkeit der Interessen findet ihre Verkörperung in der Partnerschaft in einem gegenseitigen Sicherheitspakt, dem Nordatlantischen Bündnis. Wir sind Freunde; wir
sind Verbündete; und wir wissen um den Wert der Freundschaft in der gefährlichen Welt von heute.
Die Probleme, die gelegentlich die Beziehungen zwischen unseren beiden
Ländern beeinträchtigen, sind der Art, wie sie sich von selbst ergeben, wenn
gleichberechtigte Partner die einem ewigen Wandel unterliegenden politischen
und wirtschaftlichen Verhältnisse aus einigermaßen unterschiedlichen Perspektiven betrachten.

Es wäre merkwürdig, wenn wir nicht gelegentlich auch

Schwierigkeiten hätten. Die Bewährungsprobe für ein Verhältnis zwischen

�Verhältnis zwischen Ländern, die so stark und dynamisch sind wie die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik, besteht schließlich nicht darin,
daß es keine Probleme gibt, sondern in dem Geist, in dem sie sich diesen
Problemen stellen, und in dem Geschick, mit dem sie diese lösen.
Der Geist, in dem wir unsere Probleme angehen,und das Geschick, mit
dem wir sie bewältigen, beruhen auf dem Wissen des einen vom anderen und
auf der Erfahrung des einen mit dem anderen - auf dem Verständnis auch,
das der eine für die Geschichte und die Traditionen des anderen aufbringt,
und insbesondere auch auf dem Verständnis für die Entwicklungen, die während der letzten 30 bis 40 Jahre das Denken und Verhalten unserer beiden
Gesellschaften prägen halfen.

Hier aber, meine lieben Mitbürger, entdecke

ich Lücken im Wissen und Verständnis auf beiden Seiten des Atlantik.
In den Begegnungen mit meiner Zuhörerschaft bei Vorträgen in diesem
Lande stieß ich wiederholt bei jungen Deutschen auf einen Mangel an Wissen
um die jüngsten politischen Entwicklungen und insbesondere auf einen Mangel
an Wissen um die Geschichte ihres eigenen Landes in der Zeit nach Ende des
Zweiten Weltkrieges, in der die derzeitigen europäisch-amerikanischen Beziehungen geschaffen und gefestigt wurden.
Zu meinem Bedauern muß ich dem hinzufügen, daß auch,junge Amerikaner
nur unzureichend über europäische Geschichte und Kultur informiert sind
und daß sie sich deshalb als unfähig - oder nicht hinreichend fähig - erweisen, die Ideale, die Hoffnungen und die Ängste zu begreifen, die die Europäer motivieren. Das Netz aus engen und vertrauensvollen Beziehungen, das
auf beiden Seiten des Atlantik in den fünfziger und sechziger Jahren von
Mensch zu Mensch geknüpft wurde, die selbst aktiven Anteil am Zweiten Weltkrieg bzw. am wirtschaftlichen und politischen Wiederaufbau Europas nach jenem schrecklichen Konflikt oder am Erziehungs- und Kulturaustausch jener
Zeit teilgenommen haben - dieses Netz beginnt zu reißen, um es offen auszusprechen.
Umso wichtiger
- 3 -

�Umso wichtiger sind Maßnahmen, um die Fäden jenes Netzes wieder zu verstärken und den Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern neue Impulse zu
geben. Allem voran sollten wir meines Erachtens das Fulbright-Programm, das
akademische Austauschprogramm, das von unseren beiden Regierungen gemeinsam
durchgeführt wird, großzügig unterstützen.

Dieses Programm kommt Jahr für

Jahr Hunderten von Studenten und Lehrkräften zugute, die in das Partnerland
reisen, um dort zu studieren, zu lehren oder zu forschen.

Das Programm ver-

stärkt auf diese Weise den zwischen deutschen und amerikanischen Universitäten
von privater Seite arrangiertem Austausch sehr wirkungsvoll.
Zweitens müssen wir Mittel und Wege finden, um den Austausch von Führungskräften unserer beiden Gesellschaften zu verstärken - d.h. den Austausch
von Persönlichkeiten,die bereits, oder wahrscheinlich bald schon, Positionen
einnehmen, von denen aus sie ein breiteres Publikum in unseren respektiven
Ländern erreichen können.

Ich denke hier insbesondere an junge Politiker,

Journalisten und Oberschullehrer. Vor zwei Monaten erst führte beispielsweise unsere Botschaft zwei Dutzend junge Regionalpolitiker und Parlamentarier
aus so weit voneinander entfernten Gebieten und Orten wie Georgia, Wyoming,
Texas und New Hampshire in den Vereinigten Staaten und Flensburg, Saarlouis,
Ettlingen und Gelsenkirchen in der Bundesrepublik in Berlin zusammen.

Diese

jungen Politiker, die in engem Kontakt mit dem Volke stehen, sahen sich zum
ersten Mal und tauschten ihre Meinungen untereinander aus. Sie sprachen über
die Probleme und Vorstellungen ihrer Landsleute und klärten im Verlauf ihrer
Gespräche eine ganze Reihe von Mißverständnissen über die Verhältnisse in
ihren Herkunftsländern auf. Nach der Rückkehr in die Heimat werden sie zweifellos Gelegenheit finden, Wählern und Freunden vieles von dem mitzuteilen,
was sie selbst in diesen Begegnungen gelernt haben.
Drittens sollten wir bemüht bleiben, den Anteil der Teilnehmer an den
Austauschprogrammen unter 20 Jahren zu erhöhen. Die Eindrücke» die junge
Menschen gewinnen, wenn sie eine Zeitlang in einem anderen Lande leben - dort
zur Schule gehen, unter den Landesbewohnern leben und Freundschaften mit ihnen
schließen - prägen deren Betrachtungsweise und Haltung auf Lebenszeit. Ein

- 4 -

�Ein deutscher Teenager, der ein Jahr lang in den Vereinigten Staaten gelebt
hat und dort zur Schule gegangen ist, oder ein junger Amerikaner, der ähnliche Eindrücke in der Bundesrepublik sammeln konnte, wird gestützt auf diese Erfahrung eher verständnisvoll denken und handeln lernen, als jene, die
solches nie erleben durften.

In meinem Lande wurde ein derartiger Austausch

schon in der Vergangenheit erfolgreich betrieben - insbesondere vom American
Field Service und den Organisationen Youth for Understanding und Experiment
in International Living.

Diese Institutionen verdienen es, daß wir sie in

ihrer Arbeit unterstützen und stärken.
In diesem Zusammenhang möchte ich meinen amerikanischen Mitbürgern in
Deutschland einen praktischen Rat geben. Sie und Ihre Familien haben eine
einzigartige Gelegenheit, Deutschland und seine Bevölkerung kennenzulernen - machen Sie sich vertraut mit dem, was in diesem Lande vorgeht. Ich
sehe ein, daß Amerikaner, die im Ausland leben - wie die Mitglieder unserer
Streitkräfte und ihre Familien - ihre amerikanische Identität zu wahren
suchen und in ihrer neuen, fremden Umgebung so zu leben trachten, wie sie
es von früher her gewohnt sind. Natürlich wünschen sie, daß ihre Kinder
in den Genuß einer amerikanischen Erziehung an einer amerikanischen Schule
kommen. Das aber sollte kein Grund für Sie und Ihre Kinder sein, nicht auch
gleichzeitig Nutzen aus der Gelegenheit zu ziehen, die sich Ihnen hier bietet, die deutsche Sprache zu erlernen, sich mit deutscher Geschichte zu befassen und deutsche Kultur aufzunehmen.
Nach meinem Dafürhalten sollten deshalb alle amerikanischen Jugendlichen,
die auf amerikanische Schulen in Deutschland gehen, die deutsche Sprache mindestens zwei Jahre und europäische Geschichte mindestens ein Jahr als Pflichtfach betreiben müssen.

Ich bin mir darüber im klaren, daß von den amerika-

nischen Schülern ohnehin viel verlangt wird, daß Mathematik, englische Grammatik und amerikanische Geschichte Pflichtfächer für sie sind.
seine Richtigkeit.

Das hat auch

Wenn aber junge Amerikaner schon einige Jahre in Deutsch-

land verbringen, dann sollten sie auch der deutschen Sprache und der europäischen Geschichte ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit widmen.

- 5 -

Eine solche

�Eine solche Ausweitung des Lehrstoffs sollte nicht als eine Mühe und Last
angesehen werden, sondern als die - sich kaum je wieder bietende - Chance
für Knaben und Mädchen, Sprache und Kultur des Gastgeberlandes kennenzulernen.
Ein weiterer damit zusammenhängender Vorteil eines solchen Programms
wäre darin zu sehen, daß wir unseren deutschen Freunden auf diese Weise einen Beweis dafür liefern, wie sehr wir ihre Geschichte, ihre Traditionen
und ihre Kultur respektieren - kurz, daß wir diese sehr hoch einschätzen
und deshalb versuchen, sie zu verstehen - so wie wir hoffen, daß die Deutschen uns zu verstehen suchen. Vielleicht könnte ein solches Programm dank
der Anstrengungen Ihrerseits und des Einflusses, den Sie, meine Zuhörerinnen,
auszuüben vermögen, schon im Herbst dieses Jahres anlaufen und Teil des Lehrplans der amerikanischen Schulen in Deutschland werden. Wenn Sie hierzu meiner Hilfe oder der Hilfe meiner Kollegen in der Botschaft bedürfen, lassen
Sie uns dies bitte wissen.
Ich möchte Ihnen noch eine zweite Anregung geben:
und Ihre Familienangehörigen als Botschafter Amerikas.
den einzigen amerikanischen Botschafter.

Betrachten Sie sich
Ich sehe in mir nicht

Im Gegenteil, ich betrachte alle

Amerikaner in Deutschland - Männer und Frauen im Dienste der Streitkräfte und
Zivilisten samt ihren Familienangehörigen - als amerikanische Botschafter,
die hier tätig sind, um unserem großen Land zu dienen.

Die Aufgabe, die wir

teilen, ist nicht leicht; wir können aber ein sehr verdienstvolles und dankenswertes Unterfangen aus ihr machen - insbesondere wenn wir des Wesens der
Beziehungen unseres Landes zur Bundesrepublik Deutschland eingedenk bleiben,
einem Land, das gewiß einer unserer engsten und wichtigsten Verbündeten ist.
Ich bedarf bei der Lösung dieser lebenswichtigen Aufgabe Ihrer großen Hilfe.
Wir müssen diesen Beziehungen gemeinsam immer neuen Atem einhauchen.

Gerade

die Jugend unserer beiden Nationen muß sich der historischen Wurzeln und der
Realitäten der derzeitigen'internationalen Entwicklungen bewußt werden, wollen wir gemeinsam für uns selbst und unsere Familien eine bessere Zukunft
schmieden.
Bei der
••'

- 6-

�Bei der Lösung dieser Aufgabe kommt Ihrer Organisation eine Schlüsselrolle zu. Sie wie jene, die vor Ihnen waren, demonstrieren mit Ihren Bemühungen heute wie einst, daß Sie einer wichtigen und in vieler Hinsicht
großen Sache dienen. Als Vertreter der amerikanischen Regierung danke ich
Ihnen für Ihre hingebungsvollen Anstrengungen; ich beglückwünsche Sie zu
der Arbeit, die Sie leisten; und ich wünsche Ihnen Erfolg bei Ihrem zukünftigen Wirken zum Segen unseres eigenen und unseres Gastlandes.

- 7 -

�•

Hintergrund
matcrial
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

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19. Mai 1982

KAMPELMAN BETONT NOTWENDIGKEIT EINER STARKEN US-VERTEIDIGUNGSPOSITION

NEW YORK - (AD) - Auf die Notwendigkeit einer starken amerikanischen Verteidigungsposition hat US-Botschafter Max Kampelman hingewiesen. Dies sei von
entscheidender Bedeutung, sagte er am 16. Mai 1982 auf einer Veranstaltung des
amerikanisch-jüdischen Komitees in New York, weil "die Sowjetunion absolut
keinen Respekt vor Schwäche hat."
Kampelman leitete die amerikanische Delegation auf der Madrider Nachfolgekonferenz der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE). Es
sei von entscheidender Bedeutung, so erklärte der Botschafter weiter, "daß wir
der Sowjetunion unmißverständlich klarmachen, daß wir den Frieden wünschen allerdings nicht jene Art von Frieden, der es den Sowjets gestattet, sich
rücksichtslos zu verhalten und anderen ihre ideologischen Ziele aufzuzwingen."
Kampelman wies darauf hin, daß das Verhalten Moskaus seit 1975 - der
Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki - eine bewußte Mißachtung dieses
Dokumentes dargestellt habe. "Wir fragen die Sowjetunion in Madrid - und wir
werden dies auch weiterhin tun - wie wir denn neue Versprechungen als echt

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�als echt akzeptieren können, wenn sie in flagranter Weise alte Versprechungen
ignoriert? Die Sowjets sprechen von militärischer Entspannung und Abrüstung,
während sie sich gleichzeitig bis an die Zähne bewaffnen - und zwar in einem
Tempo, das bisher in der Geschichte der Welt einmalig ist. Sie sprechen über
Frieden, während sie gleichzeitig 100 000 Soldaten in Afghanistan stationiert
haben, die nicht dorthin gehören.

Die Invasion Afghanistans, die militä- .

rischen Drohungen gegen die polnische Regierung, der wachsende virulente, von
der Regierung ausgelöste und geförderte Anti-Semitismus in der Sowjetunion,
die Verfolgung orthodoxer Christen, die Festnahme und Inhaftierung der Beobachter
der Helsinki-Absprachen, die zunehmenden Störungen westlicher Rundfunksendungen,
die dramatische Einschränkung der Auswanderung von Juden und anderen, die
grausame Benutzung psychiatrischer Kliniken als Form der politischen Bestrafung
- all diese Grausamkeiten stellen einen Verrat der Versprechungen dar, die
die Sowjetunion gemacht hat, als sie 1975 die Schlußakte von Helsinki unterzeichnete", sagte Kampelman und fragte: "Wenn dies Entspannung ist, ist sie
dann einen Deut besser als der Kalte Krieg?"
Die USA seien im Februar trotz der anhaltenden sowjetischen Aktionen in
Afghanistan und trotz der Verhängung des Kriegsrechts in Polen nach Madrid
zurückgekehrt, weil man miteinander sprechen und das Bemühen um Verständigung
und auch den Wettstreit in den öffentlichen Foren fortsetzen müsse. Die Vereinigten Staaten hätten die Gelegenheit in Madrid benutzt, um die Aufmerksamkeit der Welt auf die Verletzungen der Schlußakte von Helsinki durch Moskau zu
lenken.
"Unser Bestehen auf den Werten der Gerechtigkeit, auf den Menschenrechten
und der Menschenwürde", so sagte Kampelman weiter, "bringt die Sowjetunion in
Verlegenheit und drängt sie in die Defensive; aber das Bestehen auf diesen
Werten ist unsere Stärke."
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�19. Mai 1982

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GELBER REGEN: ERDRÜCKENDE BEWEISE
Leitartikel der "Washington Post" -

Dieser Leitartikel der "Washington Post"
vom 17. Mai 1982 kommentiert den Bericht
des amerikanischen Außenministeriums vom
13. Mai 1982 über neue Beweise für chemische Kriegführung in Kampuchea.

- (AD) - Die Regierung hat endlich handfeste Beweise zur Unterstützung
ihrer Behauptung vorgelegt, daß gegen wehrlose Menschen in Südostasien chemische und biologische Waffen eingesetzt werden. Mit größter Wahrscheinlichkeit hat hieran die Sowjetunion maßgeblich Anteil - eine Tatsache, die eine
flagrante Verletzung ihrer Vertragsverpflichtungen bedeutet. Blut- und Urinproben von zwei Opfern eines chemischen Angriffs in Kampuchea beweisen das
Vorhandensein eines jener Pilzgifte, aus denen amerikanischer Meinung nach
der "Gelbe Regen" besteht.
Diese neuen Funde, die ärgerliche Lücken der bisherigen Beweisführung
schließen, zeigen, daß sich in den Körpern der Opfer genügende Mengen eines
nunmehr identifizierten Giftes befanden, um für die schweren Symptome verant-

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Telex: 08-85432

�Symptome verantwortlich zu sein, über die berichtet wurde. Kontrollmengen,
die anderen Personen gleichen-Alters'und gleichen Hintergrundes entnommen
wurden - wobei diese Personen' keinem solchen'-Angriff ausgesetzt gewesen waren - brachten keinen Nachweis des Mykotoxins. Auch Nahrungsmittel-, Bodenund Wasserproben enthielten nichts davon - womit praktisch ausgeschlossen
ist, daß das Gift einer natürlichen Quelle entstammen könnte.
Die neuen Beweise werden von der amerikanischen Regierung jener UN-Gruppe
zugestellt, die die Anschuldigungen hinsichtlich'chemischer und "biologischer
Kriegführung untersucht. " Bisher hat diese Gruppe praktisch so gut'wie nichts
erreicht.

Im Januar erklärte sie, sie sei "nicht in der Lage, zu einer ab-

schließenden Entscheidung" hinsichtlich der'Richtigkeit der Anklagen zu gelangen.

Dies war jedoch kaum überraschend, hatte es die Gruppe doch nicht ein-

mal fertiggebracht, salbst nach Laos oder Kampuchea, ja, selbst in ein afghanisches Flüchtlingslager in Pakistan'zu gelangen.
Trotzdem:

Ihr Mandat wurde- verlängert, und die Gruppe arbeitet weiter.

Der Ball liegt jetzt'bei den Vereinten Nationen. Worum'es nunmehr geht,
ist nichts wenigerjalsdie Herrschaft des Rechtes und der Wert von Rüstungskontroi lverträgen. Denn wenn sie ohne jede Bestrafung'umgangen werden können:
Sind sie dann die Anstrengung wert, überhaupt ausgehandelt zu werden? Hierbei handelt es sich schließlich nicht um einen Propagandawettstreit zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, sondern um eine Frage, die unmittelbar die Sicherheit aller Staaten, insbesondere der Entwicklungsländer,
angeht. Sie wären am wahrscheinlichsten die Opfer der Entwicklung und des
Einsatzes dieser billigen, unschwer beschaffbaren, leisen - und tödlichen - Waffen.

+ + + + +

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