<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="1750" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/1750?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T01:24:16+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="1761">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/d142569da9849c5cd022282fb249ff02.pdf</src>
      <authentication>942132e64a0909d1c57be5d636a277b5</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="8924">
                  <text>1mER
I Dl En

Information
und
Dokumentation

1 1 % k^

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
12. Mai 1982

19
INHALT

INFORMATION
Haig:

Sowjetische Führung wird START-Verhandlungen begrüßen

DOKUMENTATION
Reagan schlägt drastische Abrüstung der Atomwaffen vor
- Rede des US-Präsidenten vor dem Eureka-College Stoessel:

Gewaltiger Gegensatz zwischen Worten und Taten der

Sowjetunion
- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers vor dem World
Affairs Council HINTERGRUNDMATERIAL
Reagans Abrüstungsplan:

Ein neuer Appell zur Verbesserung des Ost-

West-Verhältnisses
WIRTSCHAFT
Weidenbaum:

Doppelziel der Bekämpfung von Inflation und Arbeits-

losigkeit erreichbar
- Ein Interview mit dem Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates des USPräsidenten WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Masern sollen ausgerottet werden
- Aktionen der USA - Beispiel für weltweites Kinderimpfprogramm der
Weltgesundheitsorganisation
Ultraschall verstärkt katalytische Reaktionen

Um Übcr/cn Jung von
Belegexemplaren
wird gebeten

03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19

12. Mai 1982

HAIG: SOWJETISCHE FÜHRUNG WIRD START-VERHANDLUNGEN BEGRÜSSEN

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Alexander Haig erklärte am 11. Mai 1982 vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats, daß die
sowjetische Führung nach seiner Überzeugung die Wiederaufnahme der Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen Rüstungen begrüßen werde.
Noch sei es zu früh, so fügte Haig hinzu, die amtliche Reaktion auf den Abrüstungsvorschlag Präsident Reagans vorauszusagen, und die erste Reaktion der
sowjetischen Nachrichtenagentur TASS sei negativ. Die von Präsident Reagan
vorgeschlagenen Abrüstungsmaßnahmen seien jedoch mit den früheren Bemühungen
im Rahmen von SALT durchaus vereinbar und müßten daher von der Sowjetunion
generell akzeptiert werden. Haig erinnerte daran, daß seit Monaten mit der
Sowjetunion ein Dialog über dieses Thema geführt werde, und er, Haig, hoffe,
daß bald ein Datum für den Beginn der Verhandlungen in Genf festgelegt werden
könne.
Die Senatoren konzentrierten einen Großteil ihrer Fragen auf das Problem
der Verifizierung. "Wir wollen absolut sicher sein", so sagte der amerikanische
Außenminister, "daß auf beiden Seiten Zutrauen besteht, daß die bei den Verhandlungen eingegangenen Verpflichtungen vertrauensvoll verifiziert werden

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�verifiziert werden können". Diese Verifizierung werde wahrscheinlich über
die rein nationalen technischen Mittel hinausgehen müssen.

Es sei jedoch

noch zu früh, sich auf Einzelheiten festzulegen.
Haig teilte mit, er hoffe, daß die Verhandlungen in Genf Ende Juni beginnen können, wie der Präsident dies vorgeschlagen habe, aber das könne sich
auch um ein oder zwei Wochen verschieben. Auch bezüglich eines Zeitraums,

j

innerhalb dessen Ergebnisse der Verhandlungen zu erwarten seien, wollte sich
Haig nicht festlegen. Solche tiefgreifenden Abrüstungsanstrengungen könnten Jahre in Anspruch nehmen, so meinte Haig.
als sich selbst theoretische Termine zu setzen.

Es gebe nichts Schlimmeres,
Der amerikanische Außen-

minister räumte ein, daß man auf den Erfahrungen der bisherigen Rüstungskontroi 1verhandlungen aufbauen könne, daß hier jedoch wesentliche Verringerungen gefordert würden und das etwas anderes sei als bei SALT II. Das Ziel rechtfertige sicher, daß mehr Zeit für die Verhandlungen aufgewandt werde.
In seiner Eingangserklärung hatte Haig betont, daß die Vereinigten
Staaten in gutem Glauben in die Verhandlungen gingen und deren Erfolg wesentlich von der sowjetischen Bereitschaft abhängen werde, ernsthaft und in gutem
Glauben zu verhandeln.

Die sowjetische Verhandlungsbereitschaft werde sicher-

lich dadurch bedingt werden, wie sich die Sowjets die militärische und politische Umwelt ohne Abkommen vorstellten.
Haig lehnte erneut den Vorschlag für ein Einfrieren der Kernwaffen auf
dem gegenwärtigen Stand ab, da dies die sowjetische Überlegenheit festschreiben und den Sowjets jeden Anreiz zu Verhandlungen über Verringerungen nehmen
würde.

"Wir wollen über ein Einfrieren hinausgehen", so betonte Haig, "wir

sind der Überzeugung, daß wir echte Verringerungen und damit eine Minderung
des Kriegsrisikos erreichen können".
Der amerikanische Außenminister unterstrich die Notwendigkeit, den Dialog
mit der Sowjetunion aufrechtzuerhalten.

"Wir müssen versuchen, unsere Diffe-

renzen durch Verhandlungen beizulegen, nicht weil das den grundsätzlich
konkurrierenden Charakter unseres Verhältnisses ändern würde, sondern weil
- 2 -

�sondern weil es klar ist, daß auch sie, die Sowjets, lebenswichtige Interessen haben müssen, denen durch einen fairen Kompromiß Rechnung getragen
werden kann."

+ + + + +

�12. Mai 1982

REAGAN SCHLÄGT DRASTISCHE ABRÜSTUNG DER ATOMWAFFEN VOR
- Rede des US-Präsidenten vor dem Eureka-College -

EUREKA, ILLINOIS - (HD) - Präsident Ronald Reagan hat am 9. Mai 1982 in
einer Rede vor der Abschlußklasse des Eureka-College im Staate Illinois eine
drastische Abrüstung der nuklearen Arsenale der Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion vorgeschlagen. Er hoffe, so sagte Reagan vor Studenten des College,
das er selbst besucht hatte, daß im Juni dieses Jahres Verhandlungen mit der
Sowjetunion beginnen können, um die schrecklichen Interkontinentalraketen beider
Supermächte zahlenmäßig zu verringern oder gar abzuschaffen und damit das Kriegsrisiko wesentlich zu verringern. Dieser Prozeß soll nach Vorstellung des amerikanischen Präsidenten in zwei Phasen ablaufen, und am Ende der ersten Phase sollten
die nuklearen Gefechtsköpfe auf einen gleichen Stand gebracht worden sein, der
um ein Drittel unter dem gegenwärtigen läge.
Amerikanische Regierungskreise bestätigten in diesem Zusammenhang, daß die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion gegenwärtig über je 7 500 land- und seegestützte Gefechtsköpfe verfügen; die USA besitzen etwa 1 700 strategische
nukleare Trägerwaffen und die Sowjetunion rund 2 400.
In diesen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�In diesen Regierungskreisen verlautete, daß die amerikanischen Vorstellungen
am 7. Mai in einem Schreiben des Präsidenten an Breschnew und von Außenminister
Haig in einem persönlichen Zusammentreffen mit dem sowjetischen Außenminister
Gromyko sowie über andere diplomatische Kontakte übermittelt wurde. In Washington
rechnet man nicht mit einer glatten Ablehnung dieser Vorschläge, ähnlich wie
1977, durch die Sowjets, die an einer Sondierung solcher Möglichkeiten interessiert
seien.
In amerikanischen Regierungskreisen wird ferner darauf hingewiesen, daß die
Vereinigten Staaten in dieser Angelegenheit in engem Kontakt mit ihren Verbündeten
in der NATO stehen und Präsident Reagan seine Vorschläge anderen Staats- und Regierungschefs kurz erläutert habe; Außenminister Haig stehe in Kontakt mit anderen
NATO-Außenministern, und die NATO-Vertreter in Brüssel seien am 8. Mai unterrichtet
worden. Die Verbündeten hätten die Initiative Reagans begrüßt.
Der Präsident hat, wie in Washington verlautet, einer interministeriellen
Arbeitsgruppe persönliche Anweisungen gegeben, die amerikanische Verhandlungsposition auszuarbeiten. Dabei habe der Präsident bestimmte Kriterien aufgestellt,
deren Nachdruck auf einer Beendigung der Instabilität liege, die durch die Streitkräfte gegeben sei, die in der Lage wären, einen erfolgreichen "Erstschlag" zu
führen, d.h. die landgestützte Raketenkomponente der anderen Seite auszuschalten.
Es gehe vor allem um die Interkontinentalraketen, die Reagan als den stärksten
destabilisierenden Faktor ansehe. Angestrebt werde eine Gleichheit der Kräfte,
ein verifizierbares Abkommen, eine Förderung der Stabilität und die Gewährleistung
einer ausreichenden Abschreckungsmacht.
Reagan habe, so verlautet weiter, die Arbeitsgruppe angewiesen, eine Verhandlungsposition zu entwickeln, die selbst bei einer zu erwartenden ersten
Kritik seitens der Sowjets vor der amerikanischen Öffentlichkeit vertreten werden
kann.
Nach Washingtoner Vorstellungen sollen in der Phase I beide Seiten übereinkommen, eine gleiche Zahl von Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen zu dislozieren, die um ein Drittel unter der derzeitigen Zahl von rund 7 500 liegt, was

�liegt, was eine Verringerung um rund 2 500 Tand- und seegestützte Raketen bedeuten würde. Innerhalb dieser Höchstgrenze soll nicht mehr als die Hälfte dieser
Gefechtsköpfe auf landgestützten Trägerwaffen disloziert werden.
In der Phase II sollten sich beide Seiten auf "gleiche Begrenzungen" der
anderen Aspekte der strategischen Nuklearwaffen, wie etwa die Nutzlast von
Raketen einigen, d.h. über das Gewicht von Gefechtsköpfen, Trägern von Mehrfachgefechtsköpfen, Durchdringungshilfe usw.
In Washington ist man sich darüber im klaren, daß eine solche wesentliche Veränderung der strategischen Streitkräfte Jahre dauern könne.
Amerikanische Regierungskreise weisen ferner darauf hin, daß die Vereinigten
Staaten auch jederzeit während der Verhandlungen bereit seien, über Bomber und
luftgestützte Raketen zu sprechen. In Washington wird hervorgehoben, daß zum
erstenmal in der Geschichte von Verhandlungen über Kernwaffen sowohl über taktische
als auch über strategische Nuklearwaffen gesprochen werde.
Man rechnet in Washington damit, daß die sogenannten START-Verhandlungen
(Strategie Arms Reduction Talks = Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen) in den ersten Stadien nicht leicht sein werden. Wenn die
sowjetischen Experten sich jedoch mit den Details vertraut gemacht hätten, hoffe
man darauf, rascher zu einem Ergebnis zu kommen als bei den Verhandlungen über
SALT I und SALT II.
Nach kurzen persönlichen Einleitungsworten an die Absolventen seines früheren
College machte Präsident Reagan folgende Ausführungen:
In etwa einem Monat werde ich in Europa mit den Staats- und Regierungschefs
von Ländern zusammentreffen, die unsere engsten Freunde und Verbündeten sind. In
Versailles werden die Führer der Industriestaaten der Welt nach besseren Mitteln
und Wegen suchen, um mit den wirtschaftlichen Herausforderungen der heutigen Zeit
fertig zu werden. In Bonn werde ich mit meinen Kollegen aus den Ländern des
Atlantischen Bündnisses zusammenkommen, um jene Bindungen zu erneuern, die

- 3 -

�erneuern, die 37 Jahre lang die Grundlage der Verteidigung der westlichen, der
freien Welt gewesen sind. Ferner werden Treffen in Rom und London stattfinden.
Diese Zusammenkünfte sind bedeutsam.aus einem einfachen aber wichtigen
Grunde. Das Schicksal unserer Nation ist eng mit dem Schicksal unserer Schwesterdemokratien in Westeuropa verknüpft. Die Werte, für die Amerika und alle demokratischen Nationen einstehen, stellen den Gipfel der westlichen Kultur dar.
Andreij Sacharow, der hervorragende Nobelpreisträger und mutige Verfechter der
Menschenrechte in der Sowjetunion, hat in einer in die Freiheit geschmuggelten
Botschaft geschrieben: "... Ich glaube an den westlichen Menschen,ich vertraue
seinem Geist, der praktisch und effizient ist.und gleichzeitig große Ziele anstrebt. Ich habe Vertrauen in seine guten Absichten und in seine Entschlossenheit."
Diese glorreiche Tradition erfordert eine Partnerschaft, um sie zu erhalten
und zu schützen. Nur als Partner können wir hoffen, das Ziel einer friedlichen Gemeinschaft von Nationen zu erreichen. Nur als Partner können wir die Werte der
Demokratie und die Menschenwürde verteidigen, die uns so teuer sind.
Es gibt ein einziges großes Thema in unserer Partnerschaft, das den Gesprächen zugrundeliegen wird, die ich mit europäischen Staatsmännern führen werde:
die Zukunft der Beziehungen des Westens zur Sowjetunion. Wie sollen wir uns in den
kommenden Jahren der Sowjetunion gegenüber verhalten? Welcher Rahmen sollte unser
Verhalten und unsere Politik gegenüber der Sowjetunion bestimmen? Was können wir
realistischerweise von einer Weltmacht von.so tiefer Angst, Feindseligkeit und
Ambitionen in der Welt erwarten?
Ich glaube, die Einigkeit des Westens ist die Grundlage für jedes erfolgreiche Verhältnis zum Osten. Ohne die Einigkeit des Westens werden wir unsere
Kräfte in Streit und Hader verschwenden, während die Sowjets weiterhin nach Belieben handeln. Wenn wir einig sind, dann haben wir die Stärke, das sowjetische
Verhalten zu mäßigen. Wir haben das in der Vergangenheit getan, und wir werden
es wieder tun können.
Unsere Aufgabe

�Unsere Aufgabe besteht darin, einen Rahmen zu schaffen, innerhalb dessen
gesunde Ost-West-Beziehungen bestehen können. Ich bin optimistisch, daß wir ein
konstruktiveres Verhältnis zur Sowjetunion schaffen können. Wenn wir das jedoch
wollen, müssen wir die Natur des sowjetischen Systems und die Lehren der Vergangenheit erkennen.
Die Sowjetunion ist ein riesiges Imperium, das von einer Elite regiert wird,
die alle Macht und alle Privilegien besitzt. Sie hält daran fest, weil sie wie wir es in Polen erlebt haben -, fürchtet, was passieren könnte, wenn auch nur
ein kleinstes Stück der Kontrolle ihrem Griff entgleitet. Sie fürchtet die Ansteckungsgefahr von auch nur einem bißchen Freiheit - und genau darum hat ihr
System in vieler Weise versagt. Das sowjetische Imperium schwankt, weil starre,
zentralisierte Kontrolle die Anreize zu Innovation, Leistung und persönlicher
Tüchtigkeit zerstört hat. Geistig herrscht ein Klima der Malaise und der Verstimmung
Aber inmitten sozialer und wirtschaftlicher Probleme hat die sowjetische
Diktatur die größten Streitkräfte der Welt geschmiedet. Sie hat das getan, indem
sie die menschlichen Ansprüche der Bevölkerung hintangestellt hat, und dieser Kurs
wird am Ende die Grundlagen des sowjetischen Systems erschüttern. Harry Truman
hatte recht, als er über die Sowjets sagte, daß man, "wenn man versucht, andere
Völker zu erobern oder sich über die gewaltigen Gebiete hinweg auszudehnen, auf
lange Sicht nicht gewinnen kann ...".
Aber mit der militärischen Macht der Sowjets ist die sowjetische Aggressivität gewachsen. Um das zu kompensieren, müssen wir aus den Lehren der Vergangenheit
lernen. Wenn der Westen fest und einig war, hat die Sowjetunion achtgegeben.
Seit 35 Jahren lebt Europa frei - trotz des Schattens der sowjetischen Militärmacht. Durch Einigkeit hat der Westen - wie Sie aus Ihren Studien der modernen
Geschichte wissen werden - den Abzug der Besatzungsstreitkräfte aus Oesterreich
und die Anerkennung seiner Rechte in Berlin gesichert.
Andere politische Kurse des Westens waren nicht so erfolgreich. Der Ost-WestHandel wurde ausgeweitet in der Hoffnung, Anreize für sowjetische Zurückhaltung
zu bieten, aber die Sowjets haben die Vorteile des Handels ausgenutzt, ohne ihr

-

5 -

�ohne ihr Verhalten zu mäßigen. Trotz eines Jahrzehnts ehrgeiziger Rüstungskontroi 1anstrengungen dauert die sowjetische Aufrüstung an. Und trotz der Unterzeichnung
der Vereinbarungen von Helsinki über die.Menschenrechte hat die Sowjetunion ihren
Griff im eigenen Lande und in Osteuropa nicht gelockert.
In den siebziger Jahren vergaßen einige von uns die Warnung von Präsident
Kennedy, der sagte, die Sowjets "haben uns einen Apfel für einen Obstgarten angeboten. Solche Geschäfte machen wir bei uns nicht." Wir sind einem solchen Geschäft
gefährlich nahe gekommen.
Wenn es in den Ost-West-Beziehungen in der Ära der Entspannung zu Enttäuschungen gekommen ist, so hat die Entspannung außerhalb Europas bei jenen, die eine
Mäßigung des sowjetischen Verhaltens erwarteten, zu echter Desillusionierung geführt. Die Sowjetunion unterstützt weiterhin Vietnam in dessen Besetzung von
Kampuchea und seiner massiven militärischen Präsenz in Laos. Sie führt einen
Aggressionskrieg gegen Afghanistan. Sowjetische Stell Vertreterstreitkräfte haben
Instabilität und Konflikt nach Afrika und Mittelamerika gebracht.
Wir nähern uns heute einer extrem wichtigen Phase der Ost-West-Beziehungen,
da die gegenwärtige sowjetische Führung durch eine neue Generation abgelöst wird.
Die derzeitige und die neue sowjetische Führung sollten wissen, daß aggressive
Politik auf eine feste Antwort des Westens stoßen wird. Auf der anderen Seite wird
eine sowjetische Führung, die sich der Verbesserung des Lebens ihrer Menschen
widmet, statt ihre bewaffneten Eroberungen auszuweiten, im Westen einen sympathischen Partner finden. Der Westen wird mit mehr Handel und anderen Formen der
Kooperation antworten. Aber all das hängt vom Handeln der Sowjets ab. Auf dem
Marktplatz von Athen sagte Demosthenes vor 2 000 Jahren: Welcher vernünftige Mann
würde die Worte eines anderen statt seiner Taten als Beweis nehmen, ob er im
Frieden oder im Krieg mit ihm lebt?
Frieden ist nicht das Nichtvorhandensein von Konflikt, sondern die Fähigkeit,
einen Konflikt mit friedlichen Mitteln beizulegen. Ich glaube, daß wir das können.
Ich glaube, daß der Westen eine realistische, dauerhafte Politik entwickeln kann,

- 6 -

�entwickeln kann, die unsere Interessen schützt und den Frieden erhält - nicht nur
für diese Generation, sondern für unsere Kinder und Enkel.
Eine solche Politik muß nach meiner Oberzeugung aus fünf Punkten bestehen:
Militärisches Gleichgewicht, wirtschaftliche Sicherheit, regionale Stabilität,
Abrüstung und Dialog. Das sind die Mittel und Wege, mit denen wir in den kommenden
Jahren Frieden mit der Sowjetunion anstreben können. Ich möchte heute dieses Fünfpunkte-Programm aufstellen, das als Richtschnur für die Zukunft der Ost-West-Beziehungen dienen soll.
Erstens ist ein solides militärisches Gleichgewicht zwischen Ost und West
von entscheidender Bedeutung. In der vergangenen Woche veröffentlichte die NATO
einen umfassenden Vergleich zwischen ihren Streitkräften und denen des Warschauer
Paktes. Die Botschaft ist eindeutig: Während des vergangenen Jahrzehnts hat die
Sowjetunion ihre Streitkräfte in allen Bereichen aufgerüstet. Während desselben
Zeitraums gingen die amerikanischen Verteidigungsausgaben real zurück. Die Vereinigten Staaten haben bereits erste Maßnahmen ergriffen, um dieses Jahrzehnt
der Vernachlässigung zu beenden. Und ich sollte auch hinzufügen, daß die Ausgaben
unserer europäischen Verbündeten ebenfalls langsam, aber stetig stiegen - eine
Tatsache, die wir oft hier bei uns nicht richtig erkennen.
Der zweite Punkt, bei dem wir zu einem Konsens mit unseren Verbündeten kommen
müssen, betrifft die wirtschaftliche Sicherheit. Zwischen den westlichen Staaten
gibt es derzeit Konsultationen über den Transfer militärisch bedeutsamer Technologie und über den Umfang von Krediten an den Osten sowie über die Frage der Energieabhängigkeit vom Osten. Wir begreifen, daß die wirtschaftlichen Erfordernisse
mancher unserer Verbündeten sich von den unsrigen unterscheiden. Aber die Sowjets
dürfen keinen Zugang zu westlicher Technologie erhalten, die militärische Anwendungsmöglichkeiten bietet, und wir dürfen nicht die sowjetische Volkswirtschaft
subventionieren. Die Sowjetunion muß sich der schwierigen Wahl stellen, vor der
sie durch ihre Militärhaushalte und ihre wirtschaftlichen Mängel steht.
Das dritte

�Das dritte Element ist regionale Stabilität mit friedlichem Wandel. Im vergangenen Jahr habe ich in einer Rede in Philadelphia und auf dem Gipfeltreffen in
Cancun den grundlegenden amerikanischen Plan zur Unterstützung der Entwicklungswelt umrissen. Diese Prinzipien für die wirtschaftliche Entwicklung bleiben auch
weiterhin die Grundlage unserer Haltung. Sie bilden keine Bedrohung der Sowjetunion.
Und doch sehen wir, daß die sowjetischen Waffen und von der Sowjetunion unterstützte Truppen in der Entwicklungswelt versuchen, Gesellschaften zu destabilisieren und Moskaus Einfluß auszuweiten.
Ganz oben auf unserer Liste muß Fortschritt in Richtung auf einen Frieden in
Afghanistan stehen. Die Vereinigten Staaten sind bereit, sich einer ernsthaften
Anstrengung zur Aushandlung einer Beendigung dieses Konfliktes anzuschließen, der
durch den sowjetischen Einfall in dieses Land hervorgerufen wurde. Wir sind bereit,
bei einer*internationalen Anstrengung mitzuwirken, um dieses Problem zu lösen, um
einen umfassenden sowjetischen Rückzug aus Afghanistan sicherzustellen und um die
Selbstbestimmung für das afghanische Volk zu gewährleisten.
Im südlichen Afrika haben wir in enger Zusammenarbeit mit unseren westlichen
Verbündeten und. den afrikanischen Staaten echten Fortschritt in Richtung auf eine
Unabhängigkeit Namibias erzielt. Diese Verhandlungen werden im Erfolgsfall zu
friedlichen und sicheren Bedingungen im gesamten südlichen Afrika führen. Der
gleichzeitige Abzug kubanischer Soldaten aus Angola ist für das Erreichen der
Unabhängigkeit Namibias von entscheidender Bedeutung - genau wie für die Schaffung
langfristiger Friedensaussichten in dieser Region.
Auch Mittelamerika ist zu einem gefährlichen Spannungsgebiet der Ost-WestBeziehungen geworden. Die Sowjetunion kann nicht der Verantwortung für die Gewalt
und das Leiden in dieser Region entgehen, die durch ihre Unterstützung für die
kubanischen Aktivitäten in Mittelamerika sowie durch ihren beschleunigten Tranfer
von modernster militärischer Ausrüstung an Kuba geschaffen wurden.
Doch war es in Osteuropa, wo die Hoffnungen der siebziger Jahre am größten
waren und wo sie am bittersten enttäuscht wurden. Es bestand die Hoffnung, daß
das polnische Volk sich eine freiere Gesellschaft schaffen könnte. Aber die
-8 -

�Aber die Sowjetunion erlaubte es dem polnischen Volk nicht, sein eigenes Schicksal
zu entscheiden - ebenso wenig wie es dies dem ungarischen Volk im Jahr 1956 und
dem tschechoslowakischen Volk im Jahr 1968 erlaubt wurde.
Wenn das Kriegsrecht in Polen aufgehoben wird, wenn alle politischen Gefangenen entlassen werden und wenn der Dialog mit der Gewerkschaft Solidarität wiederaufgenommen wird, werden die Vereinigten Staaten bereit sein, sich einem Programm
der wirtschaftlichen Unterstützung anzuschließen. Wasserwerfer und Schlagstöcke
gegen das polnische Volk sind kaum jene Art von Dialog, der uns zu Hoffnungen
Anlaß gibt. Es ist an der Sowjetunion und den von ihr abhängigen Regimen,

durch

konkrete Schritte guten Willen zu zeigen.
Der vierte Punkt ist die Abrüstung. Ich weiß, daß dies schwer auf vielen
von Ihnen lastet. Bei unserer Abschlußfeier im Jahr 1931 zitierten wir Carl
Sandburg, der in seinen Zeilen die Mutter Erde so schön sagen läßt:
Seht ihr, wie sich die rotglühende Sonne auf mein Kornfeld senkt?
Seht ihr das Gestade der Gestirne, auf dem Weizen die Wogen der Dämmerung?
Welch eine idyllische Szene ersteht da vor unserem Auge - und welch alptraumhafte Aussicht, daß ein gewaltiger Atompilz eines Tages diese Schönheit zerstören
könnte! Es ist meine Pflicht als Präsident, sicherzustellen, daß dieser schrecklichste aller Alpträume niemals Wirklichkeit wird, daß die Wiesen und die Städte
und die Menschen, die darin wohnen, frei und unberührt bleiben von einem nuklearen
Konflikt.
Ich wünsche über alles, es gäbe eine einfache Politik, die die atomare Gefahr
beseitigen könnte. Aber es gibt nur eine Politik der schweren Wahl, durch die wir
ein stabiles Nukleargleichgewicht auf dem niedrigstmöglichen Niveau erreichen
können.
Ich habe keinen Zweifel daran, daß das sowjetische Volk, ja, auch die
sowjetische Führung,ein primäres Interesse daran hat, den Einsatz von Kernwaffen
zu verhindern. Die Sowjetunion kennt aus der Erinnerung ihrer Führung die Ver-

9 -

�Führung die Verwüstungen eines totalen konventionellen Krieges und weiß, daß
ein Atomkrieg nur noch schrecklicher wäre. Und doch hat die Sowjetunion bisher
die RüstungskontrollVerhandlungen hauptsächlich als ein Instrument zur Behinderung
amerikanischer Verteidigungsprogramme sowie - in Verbindung mit ihrer eigenen
Aufrüstung - als Mittel zur Vermehrung sowjetischer Macht und sowjetischen
Prestiges eingesetzt.
Leider verstärkt sich seit einiger Zeit der Verdacht, daß die Sowjetunion
ihren Verpflichtungen aus bestehenden Rüstungskontrollvertragen nicht gerecht wird.
Es gibt schlüssige Beweise dafür, daß die Sowjetunion den Laoten und den Vietnamesen Giftstoffe zum Einsatz gegen wehrlose Dorfbewohner in Südostasien zur Verfügung gestellt hat. Und die Sowjets selbst verwenden chemische Waffen gegen die
Freiheitskämpfer in Afghanistan.
Wir müssen für die Rüstungskontrolle in den achtziger Jahren klare Kriterien
erarbeiten. Wenn wir durch Rüstungskontrolle echte und dauerhafte Zurückhaltung bei
den sowjetischen Militärprogrammen erreichen wollen, müssen wir Abkommen anstreben,
die verifizierbar, ausgewogen und militärisch bedeutsam sind. Abkommen, die nur
den Anschein von Rüstungskontrolle bieten, schaffen gefährliche Illusionen.
Im vergangenen November verpflichtete ich die Vereinigten Staaten zur Suche
nach bedeutsamen Verminderungen der nuklearen und konventionellen Streitkräfte.
In Genf haben wir seither Begrenzungen bei den amerikanischen und sowjetischen
Raketen mittlerer Reichweite vorgeschlagen, einschließlich der vollständigen Beseitigung der bedrohlichsten Systeme auf beiden Seiten.
In Wien verhandeln wir zusammen mit unseren Verbündeten über eine Verringerung
t
der konventionellen Streitkräfte in Europa.
Im Abrüstungsausschuß, dem vierzig Staaten angehören, erstreben die Vereinigten
Staaten ein umfassendes Verbot aller chemischen Waffen.
Seit den

j

r

�Seit den ersten Tagen meiner Administration arbeiten wir an unserer Haltung
hinsichtlich der entscheidenden Fragen der Verhandlungen mit der Sowjetunion über
Rüstungskontrolle bei den strategischen Waffen. Die erforderliche Analyse war
komplex und schwierig. Sie hatte mit Bedacht, mit Sorgfalt und mit Präzision zu
geschehen. Wir haben für diese Verhandlungen eine solide Grundlage geschaffen,
wir konsultieren uns mit der Führung des Kongresses und mit unseren Verbündeten,
und wir sind jetzt bereit, voranzugehen.
Die größte Bedrohung des Friedens durch die Kernwaffen kommt heute von der
zunehmenden Instabilität des nuklearen Gleichgewichts. Dies rührt von dem immer
zerstörerischeren Potential der massiven sowjetischen Aufrüstung bei der
ballistischen Raketenstreitmacht her.
Es ist daher unser Ziel, die Abschreckung zu verstärken und durch bedeutsame
Verringerungen bei den destabilisierendsten Nuklearsystemen, den ballistischen
Raketen - und insbesondere den ballistischen Interkontinentalraketen -, Stabilität
zu erlangen, während gleichzeitig eine nukleare Kapazität beibehalten wird, die
ausreicht, um vor einem Konflikt abzuschrecken, unsere nationale Sicherheit zu
gewährleisten und unseren Verpflichtungen gegenüber unseren Verbündeten und Freunden nachzukommen.
Was die nächste Zukunft anbelangt, so werde ich unsere Vertreter bei den
START-Verhandlungen anweisen, ihren sowjetischen Verhandlungspartnern einen
praktischen, schrittweisen Verminderungsplan vorzuschlagen. Unsere Anstrengungen
werden sich darauf konzentrieren, die destabilisierendsten Systeme - die ballistischen Raketen -, die Anzahl der Gefechtsköpfe, die sie tragen, sowie ihr Gesamtzerstörungspotential beträchtlich zu verringern.
Ich hoffe, daß am Ende der ersten Phase der START-Verhandlungen die Gefechtsköpfe der ballistischen Raketen - der schwerwiegendsten Bedrohung, vor der wir
stehen - auf einen gleichen Stand - mindestens auf ein Drittel unter dem derzeitigen Stand - vermindert werden. Um die Stabilität zu steigern, wäre mein
Vorschlag, daß nicht mehr als die Hälfte dieser Gefechtsköpfe landgestützt ist.

- 11 -

�landgestützt ist. Ich hoffe, daß diese Verminderung der Gefechtsköpfe sowie
beträchtliche Verminderungen bei den Raketen selbst so rasch wie möglich erreicht
werden können.
In einer zweiten Phase streben wir eine gleiche Obergrenze auch bei anderen
Elementen unserer strategischen Kernwaffen an, einschließlich einer Begrenzung
der Nutzlast der ballistischen Raketen auf weniger als das derzeitige amerikanische Niveau. In beiden Phasen werden wir auf Verifizierungsverfahren bestehen,
um sicherzustellen, daß das Abkommen eingehalten wird.
Die gewaltige Aufgabe des Abbaus und der Umgestaltung unserer strategischen
Streitkräfte zur Erhöhung der Sicherheit wird viele Jahre konzentrierter Anstrengung erfordern. Aber ich bin der Überzeugung, daß es möglich sein wird, das
Kriegsrisiko durch die Beseitigung der Instabilitäten, die derzeit existieren,
und durch den Abbau der nuklearen Bedrohung zu vermindern.
Ich habe an Präsident Breschnew geschrieben und Außenminister Haig ersucht,
sich hinsichtlich der Einladung zu formellen Verhandlungen über den Abbau der
strategischen Waffen - der START-Verhandlungen - zum frühestmöglichen Zeitpunkt
mit der sowjetischen Regierung in Verbindung zu setzen. Wir hoffen, daß die
Verhandlungen Ende Juni beginnen werden.
Wir werden ernsthaft und in gutem Glauben verhandeln und alle Vorschläge der
Sowjetunion sorgfältig abwägen. Wenn sie im gleichen Geist in diese Verhandlungen
eintritt, so bin ich zuversichtlich, daß wir gemeinsam zu einem Abkommen von
dauerndem Wert gelangen werden, das die Anzahl der Kernwaffen vermindern, das
Anwachsen der strategischen Streitkräfte zum Stillstand bringen und den Weg für
noch weitreichendere Schritte in der Zukunft öffnen wird.
Ich hoffe, daß der heutige Beginn für Sie auch den Beginn einer neuen Ära
kennzeichnet - im doppelten Sinn des Wortes einen neuen Start - in Richtung auf
eine friedlichere und sicherere Welt.
Schließlich schlage
- 12 -

�Schließlich schlage ich als letzten und als zuverlässigsten Punkt für die
Ost-West-Beziehungen den Dialog vor. Ich habe stets daran geglaubt, daß Probleme
dann gelöst werden können, wenn Menschen miteinander reden anstatt übereinander.
Ich habe bereits meinen eigenen Wunsch zum Ausdruck gebracht, mich nächsten Monat
in New York mit Präsident

Breschnew zu treffen. Wenn dies nicht möglich ist, so

hoffe ich, daß ein anderes Treffen vereinbart werden kann, von dem positive Ergebnisse zu erwarten sind. Und wenn wir uns zusammensetzen, werde ich Präsident
Breschnew sagen, daß die Vereinigten Staaten bereit sind, ein neues gegenseitiges
Verständnis zu schaffen, das sich auf den Prinzipien gründet, die ich heute dargelegt habe. Ich werde ihm sagen, daß seine Regierung und sein Volk von den Vereinigten Staaten nichts zu fürchten haben. Die freien Nationen, die friedlich in
der Völkergemeinschaft.leben, können die Tatsache bestätigen, daß wir nur Harmonie
suchen. Und ich werde Präsident

Breschnew fragen, warum unsere beiden Nationen

nicht beiderseitige Zurückhaltung üben können. Warum können unsere Völker sich
nicht der Vorteile erfreuen, die sich aus echter Zusammenarbeit ergeben würden?
Warum können wir nicht die Anzahl dieser schrecklichen Waffen vermindern?
Vielleicht sollte ich mit ihm auch über diese Schule und die jungen Graduierten
sprechen, die sie heute verlassen - über Ihre Hoffnungen für die Zukunft, Ihre
tiefe Sehnsucht nach Frieden und doch Ihre entschlossene Verpflichtung zur Verteidigung Ihrer Werte, sollten sie bedroht sein. Vielleicht würde er Amerika
besser verstehen, wenn er eines Tages einer Feier wie dieser hier beiwohnen
könnte. In dem einzigen System, das er kennt, wären Sie hier aufgrund einer Entscheidung der Regierung, und an diesem Tag wäre die Regierung hier vertreten, um
vielen von Ihnen zu sagen, wo Sie nach Ihrem Abschluß zu arbeiten hätten.
Aber wenn wir zu den Gesprächen nach Europa gehen und uns den bedeutenden
Herausforderungen stellen, vor denen dieses Land steht, dann sollen Sie wissen,
daß ich an Sie denke, an Eureka und daran, was Sie repräsentieren. Ich erinnere
mich, in einem meiner Jahrbücher gelesen zu haben, daß "es die Aufgabe der Prärie
ist, Boden für das Wachsen einer starken westlichen Kultur zu sein." Ich glaube,
daß Eureka diese Arbeit tut. Sie, die Angehörigen der Abschlußklasse von 1982,
sind die Ernte dieses Jahres.
Eureka ist
- 13 -

�Eureka ist eine Institution, und Sie als einzelne halten das Beste der
Ideale des westlichen Menschen hoch. Als Fellow Graduate und als Träger meines
Amtes werde ich alles tun, um dieselben Ideale hochzuhalten.
+++++

- 14 -

�A IYIIC DlIKh
n in ic Kl
\

DIEl

v

"1

Dokumentation

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. Mai 1982

19

STOESSEL: GEWALTIGER GEGENSATZ ZWISCHEN WORTEN UND TATEN DER SOWJETUNION
- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers vor dem
World Affairs Council -

ASILOMAR, KALIFORNIEN - (AD) - Der Stellvertretende amerikanische Außenminister Walter Stoessel erklärte am 2. Mai 1982 in Asilomar in Kalifornien
in einer Rede vor dem "World Affairs Council", der "gewaltige Gegensatz" zwischen den friedlichen Absichtserklärungen der Sowjetunion und der Liste ihrer
Taten dürfe nicht außer acht gelassen werden.

Manche seien der Meinung, Frie-

den und Abrüstung könnten durch einseitige Akte der Zurückhaltung erreicht und
"das unverantwortliche Verhalten der Sowjetunion in instabilen Weltgegenden
könne im Verfolg der Entspannung ohne Schaden ignoriert werden".

Dieses Re-

zept für eine Politik zu übernehmen sei jedoch in höchstem Maß gefährlich,
"gründet es sich doch auf ein fundamentales Mißverständnis hinsichtlich der
Motive und des tieferen Sinnes der sowjetischen Handlungsweise."
Die Rede Stoessels hat folgenden Wortlaut:
Im Jahr 1982 begehen wir und unsere europäischen Verbündeten den Jahrestag zweier erinnerungswürdiger Ereignisse:

den 35. Jahrestag des Marshai 1-

Planes, der den Weg für die wirtschaftliche Gesundung Europas nach dem Zwei-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�dem Zweiten Weltkrieg ebnete; und den 25. Jahrestag der Römischen Verträge,
durch die die Europäische Gemeinschaft ins Leben gerufen wurde.
Diese Ereignisse bilden zusammen mit der Unterzeichnung des Nordatlantikvertrags im Jahr 1949 handgreifliche Beweise für zwei historische Entwicklungen in diesem Jahrhundert:

die von den Vereinigten Staaten und Europa ge-

troffene Entscheidung, eine kraftvolle und dauerhafte Partnerschaft einzugehen, um Frieden und Wohlergehen zu sichern; und die von den Westeuropäern getroffene Entscheidung, das Trennende der Vergangenheit zu überwinden und sich
gemeinsam der Zukunft zu stellen.
Wenn wir diese Entscheidungen und die daraus folgenden Ereignisse überdenken, so fragen wir uns, wie es um die amerikanisch-europäischen Beziehungen
bestellt ist. Verließe man sich hierbei lediglich auf die Presse, könnte man
den Eindruck gewinnen, daß die Grundlagen der Atlantischen Gemeinschaft zerbröckeln und daß die amerikanisch-westeuropäischen Beziehungen sich im schlechtesten Zustand seit Ende des Zweiten Weltkrieges befinden.
An einem Tag konzentrieren sich die Schlagzeilen auf die Zinsen und auf
die Frage, welcher Weg am ehesten aus der Rezession und der Inflation herausführen könnte, die die Volkswirtschaften aller westlichen Länder erschüttern.
Am nächsten Tag werden auf der ersten Seite die Meinungsverschiedenheiten zwischen Washington und den Westeuropäern hinsichtlich Mittelamerikas und hinsichtlich der Strategie in den Mittelpunkt gerückt, mit der dem sowjetischen
und kubanischen Einfluß dort begegnet werden sollte. Dann wieder konzentrieren sich die Medien auf die europäische Friedensbewegung und deren Ablehnung
einer Dislozierung amerikanischer Nuklearsysteme mittlerer Reichweite in Europa oder auf angebliche amerikanisch-europäische Spannungen bei der Frage, wie
auf die Unterdrückung in Polen zu reagieren sei.
Diese und andere Probleme gibt es natürlich, und ich habe die Absicht,
heute einige davon anzusprechen.

In einem Bündnis freier und demokratischer

Staaten sind unterschiedliche Ansichten zu erwarten, ja, sie sind eine Quelle
seiner Stärke und Vitalität.

Dies ist ein großer und guter Unterschied zwischen
- 2 -

�Unterschied zwischen uns und der kommunistischen Welt. Gleichzeitig aber
bin ich der Meinung, daß das Ausmaß dieser Probleme Libertrieben wird und daß
das Atlantische Bündnis immer noch zu allererst durch seine fundamentale Einigkeit gekennzeichnet ist.
Trotz unserer Meinungsverschiedenheiten teilen wir und unsere europäischen
Verbündeten uns in der gleichen Beurteilung der widrigen Trends im globalen
Mächtegleichgewicht. Wir haben gemeinsam bedeutsame Entscheidungen getroffen,
um die konventionelle und nukleare Verteidigung der NATO zu modernisieren.
Wir arbeiten eng zusammen, um eine politische Lösung der Krise in Afghanistan
zu finden und in Slidwestasien einen neuen Sicherheitsrahmen zu erstellen, der
notwendig ist, um lebenswichtige westliche Interessen zu schützen. Und wir
haben große Fortschritte in Richtung auf eine friedliche Verhandlungslösung
für die miteinander zusammenhängenden Probleme der Freiheit Namibias und des
kubanischen Rückzugs aus Angola gemacht.
Die Beständigkeit und Dauerhaftigkeit des Atlantischen Bündnisses entstammen der Tatsache, daß sich die Grundlagen, auf denen das Bündnis ruht,
noch nicht geändert haben.
- Erstens sind wir, die atlantischen Demokratien, geeint durch gemeinsame
Geschichte, Kultur, Werte und Interessen;
- zweitens bleibt die sowjetische Bedrohung westlicher Werte und westlicher Sicherheit auch weiterhin bestehen; und
- drittens bleibt es auch weiterhin unsere Überzeugung, daß die westeuropäische und die amerikanische Sicherheit unteilbar sind.
Gesundheit und Lebenskraft unseres Bündnisses sind so groß, daß es bei
unseren Argumenten um ganz spezielle Probleme sowie darum geht, dem Bündnis
die bestmögliche Gestalt zu verleihen - und nicht um die Frage, ob es überhaupt ein Bündnis geben sollte.
Diese Grundsätze
- 3 -

�Diese Grundsätze haben in der Vergangenheit dazu gedient, uns zu einen
- und sie werden uns sicherlich auch in der Zukunft einen.

Wir können darauf

vertrauen, daß auch weiterhin unsere gemeinsamen Ideale und Wertvorstellungen
geteilt werden.

Aber wir können genauso sicher sein, daß die sowjetische Her-

ausforderung das zentrale außenpolitische Problem bleiben wird, vor dem wir
stehen.
Die europäisch-amerikanische Partnerschaft ist ein entscheidender Faktor
bei unseren Anstrengungen, vor einer sowjetischen Aggression abzuschrecken
und ein stabileres und konstruktiveres Verhältnis zu Moskau zu schaffen.

Der

Marshäll-Plan und das Nordatlantische Bündnis waren nicht als Mittel entworfen,
Europa zu teilen oder eine Ost-West-Konfrontation zu provozieren, sondern als
Instrumente zur Stärkung des Friedens auf diesem Kontinent.
Der Frieden wurde bewahrt.

Aber zu unserem Bedauern hat die Suche nach

Stabilität und größerer Zusammenarbeit zwischen Ost und West nur wenig dauerhaften Erfolg gebracht.

Ja, gerade im vergangenen Jahrzehnt waren die Ent-

täuschungen am größten.

Zum Teil sind sie Ausfluß der Hoffnungen, die wir heg-

ten.

Zum größten Teil aber sind sie Produkte sowjetischer Politik.
Trotz westlicher Zurückhaltung hat die Sowjetunion in diesem vergangenen

Jahrzehnt ihre konventionellen und nuklearen Streitkräfte in einer noch nie
dagewesenen Weise aufgerüstet - auf ein Niveau, das bei weitem die legitimen
Verteidigungserfordernisse übersteigt.

Die erschreckendste Manifestation die-

ser Aufrüstung sind die SS-20-Raketen mittlerer Reichweite.
Die Sowjets haben mehr als 300 SS-20 disloziert, wobei jede mit drei höchst
treffgenauen Gefechtsköpfen bestückt ist, obgleich die NATO schon seit langem
von einer Dislozierung gleichartiger Raketen absieht.

Durch seine Bedrohung

Westeuropas mit diesen neuen und besseren Raketen bedroht Moskau zugleich auch
das militärische Gleichgewicht auf dem Kontinent und schwächt die Glaubwürdigkeit der Abschreckung des Bündnisses vor einem sowjetischen Angriff.
In gleichem
•

�In gleichem Maße beunruhigend ist die Tatsache, daß Moskau mit zunehmender militärischer Macht der Sowjetunion auch immer mehr Bereitschaft zeigt,
Gewalt - sei es direkt, sei es durch Stellvertreter - anzuwenden, um Instabilitäten in der Entwicklungswelt auszunützen und regionale Entwicklungen in eine
Richtung zu lenken, die für die westlichen Interessen schädlich ist.
Die Liste sowjetischer und von der Sowjetunion unterstützter Interventionen ist lang und wohlbekannt: Angola, Äthiopien, Kampuchea, Afghanistan
und nunmehr Mittelamerika.

Näher an ihren eigenen Grenzen führten die Sowjets

- in Mißachtung ihrer Verpflichtungen gemäß der Schlußakte von Helsinki - die
Verhängung des Kriegsrechts in Polen herbei und bewiesen damit erneut ihre
Vorliebe für die Anwendung von Gewalt, anstatt den Völkern zu erlauben, ihre
eigene Zukunft ohne Einmischung von außen zu gestalten.
Wenn wir und die Europäer uns daher mit dem Problem beschäftigen, uns
der sowjetischen Herausforderung zu stellen, dürfen wir den gewaltigen Gegensatz zwischen Moskaus friedlichen Absichtserklärungen und der Liste der sowjetischen Taten nicht außer acht lassen. Es gibt sowohl in Westeuropa als auch
in den Vereinigten Staaten Menschen, deren Argument lautet, man brauche sich
nicht um diese sowjetischen Taten zu sorgen, Frieden und Abrüstung könnten
durch einseitige Schritte der Zurückhaltung erreicht werden, ein Gleichgewicht
militärischer Macht sei nicht länger lebenswichtig und das unverantwortliche
Verhalten der Sowjetunion in instabilen Weltgegenden könne im Verfolg der Entspannung ohne Schaden ignoriert werden.

Dieses Rezept für eine Politik zu

übernehmen wäre jedoch in höchstem Maß gefährlich, gründet es sich doch auf ein
fundamentales Mißverständnis hinsichtlich der Motive und des tieferen Sinnes
der sowjetischen Handlungsweise.
Die Regierungen im Bündnis erkennen diese Gefahr und teilen unsere Besorgnis hinsichtlich der Notwendigkeit einer Stärkung der westlichen Verteidigung.
Wir mögen unsere Meinungsverschiedenheiten bei bestimmten Aspekten der Nachrüstungsanstrengung haben. Aber im wesentlichen haben wir' unsere Fähigkeit
zur Zusammenarbeit bei der Stärkung unserer Verteidigung und bei der Erarbeitung der Grundlagen für ernsthafte RüstungskontrollVerhandlungen mit den Sowjets
- 5 -

�den Sowjets unter Beweis gestellt.
Mit Annahme des historischen Doppelbeschlusses vom Dezember 1979 über
die nuklearen Mittel Streckensysteme (INF-Systeme) haben die Mitglieder der
NATO ihre Stärke und Entschlossenheit bewiesen, mit der Dislozierung amerikanischer Marschflugkörper und PERSHING II-Raketen voranzugehen, während gleichzeitig der Versuch unternommen wird, durch Verhandlungen die Bedrohung zu beseitigen, die die vergleichbaren sowjetischen Systeme darstellen.

Der NATO-

Beschluß des Jahres 1979 spiegelt die seitens der Bündnisregierungen geteilte Ansicht wider, daß die Dislozierung der SS-20 durch die Sowjetunion das
militärische Gleichgewicht in Europa qualitativ verändert hat.
Es ist kein Geheimnis, daß die von uns geplante Raketendislozierung in
einigen europäischen Ländern ihre Kritiker hat. Die Sowjets setzen derzeit
auf die Möglichkeit, daß der NATO-Doppelbeschluß unter dem Druck des organisierten Protestes zerbrechen wird.

Aus diesem Grund haben sie sowohl in der

Öffentlichkeit als auch bei den Genfer Verhandlungen ganz offenkundig einseitige Vorschläge vorgelegt.
meinsame Zielsetzung:

Diese sowjetischen Vorschläge haben alle eine ge-

Sie sollen die Dislozierungen der NATO blockieren und

gleichzeitig den ungehinderten Fortgang des sowjetischen Modernisierungsprogramms ermöglichen.
Ich bin sicher, daß die Regierungen
pflichtung stehen

des Bündnisses fest zu ihrer Ver-

und daß die Sowjets zu der Einsicht gelangen werden, daß

bei den Genfer Gesprächen ernsthafte Verhandlungen nötig sind. Wir freuen uns,
daß die Sozialdemokratische Partei der Bundesrepublik Deutschland auf ihrem
jüngsten Parteitag in München erneut ihre Unterstützung für den NATO-Doppelbeschluß bekräftigt hat.
Die Grundlage für echte Verminderungen bei den Nuklearen Mittel Streckensystemen wurde durch Präsident Reagan geschaffen.

In seiner Rede vom 18. No-

vember machte der Präsident seine Bereitschaft deutlich, die gesamten INFDislozierungen der Vereinigten Staaten aufzuheben, wenn die Sowjets sich bereit erklären, ihre eigenen landgestützten Raketen mittlerer Reichweite abzu- 6 -

�Reichweite abzubauen.

Im Gegensatz zu den sowjetischen Vorschlägen ist die

Null-Lösung ein ernsthaftes und ausgewogenes Angebot, das jene Systeme beseitigen würde, die die beiden Seiten für am bedrohlichsten halten.

Es wurde in

enger Konsultation mit den Verbündeten entworfen und hat ihre volle Unterstützung.
Die Kontroverse über die INF-Systeme war ein Faktor für die Belebung
einer neuen Debatte sowohl hier als auch in Europa über die Rolle der Kernwaffen bei der Verteidigung der NATO.

Unter

Aufwerfung der Frage der weite-

ren Lebensfähigkeit der gültigen Doktrin der nuklearen Abschreckung und der
"flexiblen Antwort"

fordern vier hochstehende frühere amerikanische Regie-

rungsvertreter, die Vereinigten Staaten sollten eine Politik übernehmen, die
keinen Ersteinsatz von Kernwaffen in Europa vorsieht - mit dem Argument, daß
in einer Zeit der nuklearen Parität die Drohung mit einem nuklearen Ersteinsatz eine leere Drohung sei.
Wie gut auch immer gemeint, sind diese Empfehlungen ein Rezept für größere Instabilität und Unsicherheit - nichts anderes.

Der beste Grund, bei

der jetzigen Strategie der NATO zu bleiben, liegt in der Tatsache, daß sie
funktioniert.

Schrecklich wie der Einsatz von Kernwaffen auch wäre:

Die

nukleare Abschreckung und die flexible Antwort haben 37 Jahre lang erfolgreich
den Frieden bewahrt, indem sie sichergestellt haben, daß das Risiko, das mit
einem Krieg verbunden ist, die potentiellen Vorteile einer Aggression aufwiegt.
Es ist gerade die Möglichkeit, daß die Vereinigten Staaten auf einen konventionellen Angriff der Sowjetunion mit Kernwaffen reagieren könnten, wodurch sichergestellt wird, daß die Sowjets nicht angreifen und daß sie keine
politische Hebelwirkung aus ihrer massiven Überlegenheit bei den konventionellen Streitkräften erlangen können.

Ein Verzicht auf die Option eines atomaren

Ersteinsatzes würde trotz seiner oberflächlichen Attraktivität die Kriegsgef a h r in Europa erhöhen, während er gleichzeitig dazu dienen würde, den amerikanischen Nuklearschirm von der Verteidigung Europas wegzunehmen.
Dies besagt
- 7 -

�Dies besagt nicht, daß Kernwaffen die erste Verteidigungslinie der NATO
sein sollten, daß eine Entscheidung zu ihrem Einsatz irgendwie als automatisch
angesehen werden sollte oder daß wir unsere Strategie auf die zweifelhafte Annahme gründen sollten, daß ein Atomkrieg in Europa begrenzt sein könnte. Ja,
es ist eine der wichtigsten Aufgaben der NATO in den achtziger Jahren, die Kapazität des Bündnisses zu stärken, einen sowjetischen Angriff mit konventionellen Streitkräften zurückzuweisen und dadurch die Nuklearschwelle höher zu
setzen.
Unglücklicherweise sind viele von denjenigen, die sich so ungestüm gegen
eine Modernisierung der Nuklearen Mittel Streckensysteme der NATO wenden, aber
auch nicht geneigt, die notwendigen Verbesserungen bei den konventionellen Kapazitäten zu unterstützen - was ihre antinukleare Einstellung eigentlich nahelegen sollte, wenn sie es mit der Verteidigung überhaupt ernst meinen.

Die

NATO-Regierungen müssen eine konzertiertere Anstrengung unternehmen, um die
dringend benötigten Verteidigungsverbesserungen durchzuführen, die das Bündnis
aufgezeigt hat. Eine vermehrte Anstrengung - nicht aber ein Wandel bei der
erprobten Doktrin, die sich als richtig erwiesen hat - ist der Weg, um zu einer
glaubwürdigeren Abschreckung zu gelangen.
Gleichzeitig sollten wir aber auch nicht den Beitrag unterschätzen, den
unsere Verbündeten zur Verteidigung der NATO beitragen. Einige Amerikaner, die
durch das frustriert sind, was sie als ein europäisches Zögern zur Übernahme
eines größeren Anteils der konventionellen Verteidigungslasten ansehen, haben
sich sogar für einen Abzug der amerikanischen Truppen aus Europa und für eine
Haltung des Alles-oder-Nichts gegenüber den Verbündeten stark gemacht.
Wie Außenminister Haig festgestellt hat, sollten wir nicht vergessen,
daß unsere NATO-Verbündeten - wenn man das Jahrzehnt der siebziger Jahre als
Ganzes nimmt - ihre Verteidigungsausgaben wesentlich verstärkt haben, während
die amerikanischen Verteidigungsanstrengungen eingeschränkt wurden. Wir sollten auch nicht die Tatsache übersehen, daß die europäischen Mitglieder der
NATO einen höheren Prozentsatz der Luft-, Boden- und Seestreitkräfte stellen,
die die konventionelle Abschreckung der NATO bilden.
- 8 -

Es ist also unfair, mit

�unfair, mit unseren Verbündeten zu hart ins Gericht zu gehen.
Insgesamt haben wir und unsere Verbündeten ein eindrucksvolles Maß an
Einheit im Hinblick auf die Verteidigungs- und Rüstungskontrollpolitik an den
Tag gelegt.
Wenn man sich dem Gebiet der amerikanisch-westeuropäischen Wirtschaftsbeziehung zuwendet, dann ist die Situation zugegebenermaßen komplizierter.
Die Europäische Gemeinschaft, deren 25. Geburtstag wir in diesem Jahr begehen, hat einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen Fortschritt geleistet.
Dies war und bleibt für den Westen als Gesamtheit von Nutzen:

Die Ge-

meinschaft steht nur hinter Kanada als Handelspartner der Vereinigten Staaten zurück, und die Handelsbilanz war kontinuierlich zu unseren Gunsten.
Aber dies hat auch zu schwierigen Herausforderungen auf dem Gebiet der internationalen Handelspolitik geführt.

Das hervorstechendste Problem für die

Vereinigten Staaten im Hinblick auf den Handel zwischen den USA und der Europäischen Gemeinschaft liegt auf dem Gebiet der Landwirtschaft.

Als Ergebnis

der protektionistischen Politik der Gemeinschaft und der internen Subventionen wurden unsere Märkte in Europa in immer stärkerem Maße eingeengt, und
unsere internationalen Märkte sind derzeit durch die subventionierten europäischen Exporte bedroht.

Es sind immer zwei nötig, um einen Handelskonflikt

zu verhüten, und wir sind bereit, unseren Teil dazu beizutragen; zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es an den Europäern, etwas zu unternehmen.
Die Westeuropäer und wir haben ebenfalls unterschiedliche Ansichten in
bezug auf die Aspekte der Ost-West-Handelspolitik. Unsere Administration hat
den Westeuropäern unsere ernsthaften Bedenken hinsichtlich der Erdgasleitung
deutlich gemacht, die zwischen Sibirien und Westeuropa gebaut werden soll. Zu
unserem Bedauern sind die Westeuropäer weiter entschlossen, mit diesem Röhrenprojekt voranzugehen.
Im Zuge der Ereignisse in Polen sind wir stärker denn je zu der Ansicht
gelangt, daß die Praxis, steuerlich subventionierte Exportkredite an die
- 9f -

�an die Sowjetunion zu vergeben, überprüft werden muß. Während die Vereinigten Staaten den Sowjets keine subventionierten Kredite gewähren, wetteifern
gegenwärtig andere westliche Staaten miteinander, solche Kredite anzubieten
- mit dem Ergebnis, daß Moskau in der Lage ist, westliche Güter und westliche Technologie zu importieren und dafür mit westlichem Finanzkapital zu
bezahlen. Wir sind ebenfalls besorgt darüber, daß Regierungen an Moskau bei
Warenkrediten Bürgschaften gewähren. Angesichts der prekären Position des
Ostblocks im Hinblick auf harte Währungen, dienen solche Bürgschaften nur
dazu, unvorsichtige Kredite seitens privater Banken zu ermutigen.
Ein weiteres wichtiges Gebiet im Rahmen der Ost-West-Handelspolitik, bei
dem diese Administration der Ansicht ist, daß eine engere Koordination zwischen
den Verbündeten notwendig ist, ist das der Kontrollen des Technologietransfers.
Wir machen uns Sorgen darüber, daß die Expansion des Ost-West-Handels in den
siebziger Jahren zu einem Transfer moderner Technologie in die Sowjetunion
führte, der direkt die militärische Kapazität der Sowjets förderte.
Im Juni vergangenen Jkhres erreichte Präsident Reagan auf der Gipfelkonferenz in Ottawa die Zusicherung seitens der westlichen Staatsmänner, eine
Verstärkung der westlichen multilateralen Kontrollen hinsichtlich des Technologieflusses in den Sowjetblock zu erreichen. Als Folge davon wurde im Januar
in Paris eine Konferenz auf hoher Ebene abgehalten, und die Aussichten für
schärfere Exportkontrollen sind gut.
Unsere Besorgnisse bezüglich der Erdgasleitung, der offiziellen Bürgschaften und des Technologietransfers bedeuten nicht, daß wir für eine Strategie der wirtschaftlichen Kriegführung mit der Sowjetunion eintreten, sondern sie
reflektieren vielmehr die Notwendigkeit für ein umsichtiges und vorsichtiges
Unterhalten der wirtschaftlichen Beziehungen des Westens mit Moskau. Wenn wir
unterschiedliche Ansichten mit unseren Verbündeten hatten, dann bezogen sich
diese nicht auf grundlegende Ziele, sondern sie betrafen die Frage, wie unsere
gemeinsamen Ziele am besten erreicht werden könnten.
Ich werde
- 10 -

�Ich werde in der nächsten Woche nach Europa reisen, um an der Konferenz
der Länder der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD) teilzunehmen. Auf diesem Treffen werden wir diese und andere Wirtschaftsfragen zwischen Ost und West erörtern, wie auch Probleme der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Industrienationen

und den Entwicklungslän-

dern.
Im Verlaufe der Jahre war eine der Stärken des Bündnisses unsere Fähigkeit, ein gemeinsames und für alle nützliches Vorgehen im Hinblick auf die
meisten politischen wie wirtschaftlichen Fragen aufgrund von Konsultationen
zu entwickeln. Die Probleme, die wir in den achtziger Jahren im Hinblick auf
die Sicherheitspolitik, den Ost-West-Handel und die wirtschaftliche Entwicklung der Dritten Welt anpacken müssen, werden eine noch größere Herausforderung darstellen. Es ist daher also nicht überraschend, daß die Frage, wie
man die Konsultation und Koordination den westlichen Regierungen fördern kann,
jetzt im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit auf hoher Ebene steht.
Bundesaußenminister Genscher und der italienische Außenminister Colombo
haben kürzlich die Schaffung neuer Mechanismen und Methoden gefordert, um
die Politik innerhalb der NATO und der Europäischen Gemeinschaft zu koordinieren.

Die amerikanische Regierung begrüßt natürlich die Möglichkeit der

Stärkung dieser Institutionen, die uns in den Jahren nach dem Krieg so gute
Dienste geleistet haben.

Die Konsultationen mit der NATO sowie zwischen den

Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft haben für uns eine Struktur für die anhaltende Erörterung einer Vielfalt von politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Fragen geschaffen.

Die wirtschafts-poli-

tischen Gipfelkonferenzen, die 1975 begannen, boten ein zusätzliches Forum,
auf dem man die in zunehmendem Maße komplizierter werdenden Probleme der Handels- und Währungspolitik anpacken konnte. Wir begrüßen die Vorschläge für
einen noch größeren Dialog zwischen den NATO-Verbündeten und zwischen den
Industriedemokratien der Welt.
Es wird im nächsten Monat eine Anzahl wichtiger Gelegenheiten für einen
intensivierten amerikanisch-europäischen Dialog geben.
- 11 -

Im Juni wird der Prä-

�der Präsident an zwei bedeutenden Gipfeltreffen teilnehmen und sich bilateral
mit verschiedenen unserer engsten Verbündeten beraten:
- in Versailles werden die Vereinigten Staaten mit Frankreich, Großbritannien, der Bundesrepublik Deutschland, Italien, Kanada, Japan sowie
Vertretern der Europäischen Gemeinschaft zusammentreffen, um wichtige Wirtschaftsfragen zu erörtern, denen sich die Industriedemokratien gegenübersehen.

Sie werden sich um einen größeren Konsens und eine gemeinsame Beurteilung

von Fragen bemühen, die für das wirtschaftliche Wachstum und das Wohlergehen
des Westens, für den Ost-West-Handel und das internationale Handelssystem
von entscheidender Bedeutung sind.
- In Bonn werden die NATO-Verbündeten auf einem Gipfeltreffen zusammenkommen, um die westliche Partnerschaft und die Richtung zu überprüfen, in der
man in den kommenden Jahren vorangehen sollte. Hier werden wir und die anderen Verbündeten vor allem an die Gebote des Friedens und der Sicherheit denken.' » und damit an ein verantwortungsvolles Verhalten der Sowjetunion und eine
starke westliche Verteidigung, auf die sich sowohl die Sicherheit als auch
der Fortschritt in der Rüstungskontrolle stützen muß.

Ich brauche in dieser

Hinsicht wohl nicht zu unterstreichen, wie sehr Präsident Reagan sich dem
Ziel wesentlicher Reduzierungen bei den Kernwaffen verpflichtet hat.

Ich

rechne damit, daß der Präsident auf dem NATO-Gipfel mit den Verbündeten über
unsere Pläne für die Gespräche über eine Reduzierung der strategischen Rüstungen (START) sprechen wird, die wahrscheinlich in diesem Sommer beginnen werden.
Ich habe Ihnen nur einen teilweisen Überblick über unsere Beziehungen zu
Westeuropa gegeben. Aber ich hoffe, ich habe erfolgreich deutlich gemacht,
daß die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Westeuropa im Grunde
gesund sind.

Die Beziehungen zwischen souveränen Demokratien wären nicht ge-

sund, wenn sie nicht durch einen kräftigen Prozeß der Diskussion gekennzeichnet wären, einen Austausch von Meinungen, wenn es Unterschiede gibt.und einen
entscheidend wichtigen Prozeß der Schaffung eines Konsens über grundlegende
Fragen.
Darüber hinaus
- 12 -

�Darüber hinaus wird eine neue Nachkriegsgeneration die Führung der westlichen Nationen in dem vor uns liegenden Jahrzehnt übernehmen.

Es ist umso

wichtiger, daß der politische und wissenschaftliche Austausch zwischen den
Verbündeten intensiviert wird, damit das gegenseitige Verständnis, das die
Beziehungen zwischen den USA und Westeuropa charakterisiert, auch in Zukunft
aufrechterhalten oder»besser noch»vertieft werden kann.
Es gibt in der Tat zwischen den Verbündeten Spannungen hinsichtlich
einer Reihe von Problemen, die die schwierigen wirtschaftlichen Zeiten,
unterschiedliche innenpolitische Wirtschaftsprioritäten und Strategien sowie verschiedene Perspektiven in bezug auf die besten Möglichkeiten reflektieren, um dem unverantwortlichen internationalen Verhalten der Sowjets entgegenzutreten.
Aber die Welt hat sich seit der Nachkriegsperiode drastisch verändert,
als wir und die Verbündeten beschlossen, mit Hilfe des Marshall-Planes und
in der Folge durch die NATO unsere Zukunft gemeinsam zu gestalten.

Darüber

hinaus sind, wie Außenminister Haig in der letzten Woche erklärte, Argumente
die zweite Natur für jedes große Bündnis souveräner Staaten.

Das Bündnis

ist aus früheren Herausforderungen geeint hervorgegangen, und ich bin zuversichtlich, daß unsere Partnerschaft auch im kommenden Jahrzehnt gesund bleiben wird.

+ + + + +

- 13 -

�19

12. Mai 1982

REAGANS ABRÜSTUNGSPLAN: EIN NEUER APPELL ZUR VERBESSERUNG
DES OST-WEST-VERHÄLTNISSES

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat in seiner Rede vor dem EurekaCollege am 9. Mai 1982 Vorschläge für eine wesentliche Verringerung der strategischen Nuklearraketen unterbreitet.

Diese gefährlichsten Waffen der Welt

sollen so rasch wie möglich um mindestens ein Drittel reduziert werden. Und
er hofft, daß die Sowjetunion bis Ende Juni in die START-Verhandlungen
(Strategie Arms Reduction Talks = Verhandlungen über die Verringerung der
strategischen Rüstungen) eintreten wird.
Die Vorschläge Reagans sind das Ergebnis langer, eingehender Analysen
und Untersuchungen seiner Administration.

Reagan war gegen den SALT II-Ver-

trag, den die Vereinigten Staaten nicht ratifiziert haben, da er nach Auffassung weiter Kreise in den USA Moskau begünstigte. Präsident Reagan strebt Abkommen an, die verifizierbar, gerecht und militärisch bedeutsam sind. Und
damit rücken die Raketen in den Mittelpunkt.
Amerikanische Experten betrachten sie als die größte nukleare Gefahr für
den Frieden.

Vor allem stellen sie fest, daß die zahlreichen schweren land-

gestützten sowjetischen Raketen, die mit Mehrfachgefechts köpfen bestückt sind,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�bestückt sind, heute sehr viel treffsicherer sind als die früheren Waffen.
Das bedeutet, daß man sich vorstellen kann, daß diese Raketen benutzt
werden könnten, um mit einem Überraschungsangriff die landgestützten Raketen
Amerikas auszuschalten.

Diese Möglichkeit allein ist schon gefährlich:

Sie

läßt Entscheidungen über Verteidigung und Vergeltung erwarten, die in Minuten getroffen werden müßten.

Die landgestützten Raketen Amerikas stellen

nicht die gleiche Bedrohung der Sowjetunion dar, da sie kleiner sind und weniger Gefechtsköpfe tragen.

Und es ist diese Ungleichheit und die damit ver-

bundene Instabilität, die Reagan korrigieren möchte.
Sein Plan sieht in einer ersten Phase eine Verringerung der Gefechtsköpfe um mindestens ein Drittel vor', wobei beide Seiten auf die gleiche Zahl
begrenzt sein sollen und von den verbleibenden Gefechts köpfen nicht mehr als
die Hälfte landgestützt sein dürfen.

In einer zweiten Phase sollen andere

Elemente der strategischen Nuklearstreitkräfte in gleicher Weise begrenzt werden, wie etwa die Nutzlast von Raketen.
All das bedeutet eine wesentliche Änderung der Rüstungskontrollmethoden
- da die Vereinigten Staaten jetzt mehr anstreben als nur eine einfache Begrenzung der Zahl der Raketen und Bomber - wie in den bisherigen Verträgen.
Ein ganz wesentlicher Aspekt der Verhandlungen wird die Verifizierung sein.
Nach Reagans Oberzeugung haben das sowjetische Volk und die Führung der
Sowjetunion mit ihren Erinnerungen an die Zerstörungen des letzten Krieges
ein primäres Interesse an der Verhütung des Einsatzes von Kernwaffen. Die
Vereinigten Staaten werden auf jeden Fall in gutem Glauben verhandeln und
jeden sowjetischen Vorschlag sorgfältig prüfen. Wenn Moskau im gleichen Geiste
an den Verhandlungstisch kommt, dann besteht eine gute Chance, daß die Waffen
weniger werden und dem Wettrüsten auf Dauer Einhalt geboten wird. Das wird
auch den Weg für bessere Beziehungen in der Zukunft ebnen.
Die Rede

�Die Rede Reagans ist nicht nur wegen ihrer Abrüstungsaspekte wichtig,
sondern auch deshalb, weil sie einen neuen Weg zur Verbesserung der Ost-WestBeziehungen aufzeigt.
An die Adresse Moskaus wie auch der westlichen Verbündeten hat Reagan
einen Fünfpunkte-Vorschlag für die Verbesserung der Beziehungen zwischen Ost
und West gerichtet.
Es kann keine Illusionen geben, daß es nicht leicht sein wird, mit
Moskau ins reine zu kommen.

Die anhaltende Aufrüstung der Sowjets, Moskaus

fester Griff in Osteuropa, die Besetzung Afghanistans und das Abenteurertum
der Stellvertreter in Südostasien, Afrika und Mittelamerika lassen keinen
übermäßigen Optimismus zu.
Aber wenn der Westen einig und stark bleibt gegenüber dem aggressiven
Verhalten der Sowjets und auf der anderen Seite der Sowjetunion eine Erweiterung des Handels und andere Formen der Zusammenarbeit anbietet, dann könnte
sich das für alle Beteiligten als vorteilhaft erweisen.
dend ankommt, ist das sowjetische Verhalten.

Worauf es entschei-

Das wird Reagan den Staats- und

Regierungschefs in Europa sagen, wenn er im Juni mit ihnen zusammentrifft.
An der anhaltenden sowjetischen Aufrüstung kann kein Zweifel bestehen,
und man sollte der Sowjetunion auch keinen leichten Ausweg aus ihren selbst
verschuldeten wirtschaftlichen Schwierigkeiten bieten. Absolut wesentlich
ist ein militärisches Gleichgewicht zwischen Ost und West, und die Vereinigten
Staaten und ihre europäischen Verbündeten müssen weiterhin der sowjetischen
Aufrüstung eigene Verteidigungsausgaben entgegensetzen.

Die westlichen Verbün-

deten müssen sich über die Notwendigkeit der wirtschaftlichen Sicherheit einig
sein.

Moskau darf keinen Zugang zur westlichen Militärtechnologie gewinnen,

und seine Wirtschaft sollte nicht unbesehen subventioniert werden.
Das Ziel muß jetzt für alle die regionale Stabilität mit friedlichem
Wandel sein. Moskau versucht, seinen destabilisierenden Einfluß in der Dritten

�der Dritten Welt mehr und mehr geltend zu machen. Der Westen muß friedliche wirtschaftliche Entwicklungsprogramme entgegensetzen.

Die Vereinigten

Staaten sind bereit, die Selbstbestimmung Afghanistans zu unterstützen und
wirtschaftliche Hilfe für Polen zu leisten, wenn die Sowjetunion die notwendigen ersten Schritte tut - Truppenabzug aus Afghanistan und Aufhebung des
Kriegsrechts in Polen.
All diese Dinge werden näher rücken, wenn im Juni Verhandlungen über die
Verringerung der strategischen Rüstungen in gutem Glauben beginnen können.
Die Schwierigkeiten werden natürlich am besten durch den Dialog überwunden - wie Reagan es vorgeschlagen hat. Präsident Reagan ist bereit, mit
dem sowjetischen Staats- und Parteichef Breschnew zusammenzutreffen.
Die Beziehungen zwischen Ost und West sind in eine außerordentlich wichtige Phase getreten.

Ein auf Treu und Glauben und Zusammenarbeit gegründetes

Verhältnis zwischen Ost und West ist heute notwendiger denn je.

Der Ab-

rüstungsplan Reagans, der einen Weg aufzeigt, liegt auf dem Tisch.

+ + + ++

�ä

J1
1 11
IER

12

Ell

A kl

Wirt/chcift
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19

12. Mai 1982

WEIDENBAUM: DOPPELZIEL DER BEKÄMPFUNG VON INFLATION UND
ARBEITSLOSIGKEIT ERREICHBAR
Ein Interview mit dem Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates
des US-Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Die meisten Mitgliedstaaten der Organisation für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verfolgen weitgehend
die gleichen Wertvorstellungen und Zielsetzungen, erklärte Murray Weidenbaum,
der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirats des amerikanischen Präsidenten, in
einem Interview mit dem USICA-Korrespondenten Jon Schaffer. Er hob hervor,
daß er das Doppelziel der Bekämpfung der Inflation und der Stimulierung des
wirtschaftlichen Wachstums für durchaus erreichbar halte - nicht nur in den
Vereinigten Staaten, sondern auch in den OECD-Ländern.
Weidenbaum, der in diesen Tagen aus Paris zurückgekehrt ist, wo er den
Vorsitz im Wirtschaftspolitiken Ausschuß der OECD innehatte, vertrat in dem
Interview auch noch die folgenden Thesen:
- Die hohen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�- Die hohen amerikaniseben-Zi-nssätEe-sifld nicht die primäre-Ursache für
die Schwäche anderer ausländischer Währungen.
- Wechselkursinterventionen sind, außer in ganz besonders gelagerten Ausnahmefällen, ein kostspieliges und unproduktives Unterfangen.
- Die OECD kann ein nützliches Forum zur Förderung der Liberalisierung
des Handels sein.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Haben Sie im Hinblick auf die OECD-Ministertagung und den

Siebener-Gipfel von Versailles und in Erwartung der in einigen Monaten vorgeschlagenen Ministerratstagung des GATT (Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen) das Gefühl, daß die Industriestaaten der OECD im gegenwärtigen Augenblick die richtige Politik betreiben?
ANTWORT:

Es fällt mir schwer, zu verallgemeinern; nach meinem Dafür-

halten, der ich eben erst von der Tagung des wirtschaftspolitischen Ausschusses der OECD zurückgekommen bin, auf der ich den Vorsitz führte, teilen sich
aber die meisten unserer OECD-Partner in die Wertvorstellungen und Zielsett

zungen, die auch wir in den Vereinigten Staaten verfolgen:

Die schleichende

Inflation erheblich zu vermindern, die unsere Volkswirtschaften heimsucht und zwar auf eine Art und Weise zu vermindern, die ein Umfeld schaffen hilft,
das ein beträchtliches langfristiges Wirtschaftswachstum begünstigt. Es
ist, offen gesagt, schwierig, eine Politik zu betreiben, die dieses zwiefache
Ziel zu verwirklichen sucht, statt sich einfach dazu zu entschließen, entweder die Inflation oder die Arbeitslosigkeit

zu bekämpfen und das jeweils an-

dere Ziel einfach zu ignorieren.
FRAGE:

Lassen Sie mich spezifischer werden:

Es gibt Kreise, die argu-

mentieren, die Japaner sollten beispielsweise ihre Steuer- und Haushaltspolitik lockern, ihre Geldpolitik aber stärker anspannen. Was haben Sie darauf zu
erwidern?
ANTWORT:
. 2 -

Ob

�ANTWORT:

Ob es sich um die in Mißkredit geratene Lokomotiven-Theorie

oder eine Neuauflage der Anweisungen zur Feineinstimmung der Volkswirtschaften handelt - meine Reaktion darauf ist, offen gesagt, sehr negativ.
Grund

Im

genommen ist, so meine ich, der Weltwirtschaft und den an der Welt-

wirtschaft teilnehmenden Ländern besser gedient, wenn jedes von ihnen die
Art von Politik betreibt, von der ich schon gesprochen habe: Statt bewußt
einen inflationären Kurs - das schon gar nicht - oder auch einen deflationären Kurs zu steuern, sollte man eher eine langfristige Politik einleiten.
Eine gesunde Weltwirtschaft ist die Summe aus gesunden einzelnen Volkswirtschaften.
FRAGE: Was halten Sie von der Vorstellung einiger unserer europäischen
Verbündeten, jedes Land könne eine Politik betreiben, die seiner eigenen Volkswirtschaft gemäß ist,und dennoch zu weltweitem wirtschaftlichen Wachstum und
Desinflationierung beitragen?
ANTWORT: Meiner Auffassung nach werden sich die einzelnen Länder wahrscheinlich differenzierterer Methoden bedienen, schon weil sie diesen beiden
politischen Schlüsselzielrichtungen (Inflation und Arbeitslosigkeit) unterschiedliches Gewicht beimessen und auch weil sie unterschiedlichen institutionellen Zwängen unterliegen.
Bedingungen.

Sie handeln unter unterschiedlichen politischen

Ich sehe es aber nicht für besonders sinnvoll an, eine spezi-

fische differenzierende Haltung zu fordern.
FRAGE: Läßt sich eine Wirtschaftspolitik verfolgen, die kurzfristig
ein stärkeres wirtschaftliches Wachstum hervorruft, ohne der Inflation neue
Nahrung zu geben?
ANTWORT:

Wir haben sicherlich zur Kenntnis genommen, daß die Inflation

eine ernste und schwelende Sorge ist und daß der Krieg gegen die Inflation bestimmt noch nicht vorbei ist. Wir haben in manchen unserer Länder gewisse Anfangserfolge erzielt, müssen aber in unserer Anstrengung fortfahren.

Auf der

anderen Seite können wir die hohen Arbeitslosenraten in so vielen Teilen der
Welt nicht einfach ignorieren; und das ist genau der Grund dafür, daß wir uns
- 3 -

�wir uns in unserem Lande auf ein so ehrgeiziges Programm wie Steuersenkungen
und den Abbau regulierender Vorschriften eingelassen haben, die beide darauf
abzielen, die Hindernisse für das wirtschaftliche Wachstum und damit für die
Ausweitung der Beschäftigung zu vermindern.
Wir versuchen aus der Vergangenheit zu lernen, um eine Politik des
Bremsens und Durchstartenszu" vermeiden - worunter ich die Verlagerung des
Schwerpunktes - von Jahr zu Jahr - von der Konzentration auf die Probleme
der Inflation auf die alleinige Konzentration auf die Probleme der Arbeitslosigkeit verstehe, statt eine langfristige Politik mit dem Ziel in Gang zu
setzen, beide Probleme zu lösen.

Das halten wir für die vernünftigste Methode

des politischen Zugriffs.
FRAGE:

Viele Europäer behaupten, die hohen Zinssätze zwingen sie dazu,

ihre eigenen Zinsen auf einem Niveau zu halten, das höher ist, als sie es eigentlich wünschen, und das eine Schwächung ihrer Währungen zur Folge hat.
Wollen Sie hierzu einen Kommentar abgeben?
ANTWORT: Ja. Es bereitet mir eirjige Schwierigkeiten, das zu erklären.
Blicken wir abermals zurück auf das vergangene Jahr: Es.gab Zeiten, in denen
die Zinssätze in den Vereinigten Staaten stiegen und der Dollar an Stärke gewann - und es kam dann auch eine Reaktion in Westeuropa. Es gab aber auch
Zeiten, in denen die Zinssätze in den Vereinigten Staaten rückläufig waren
und der Dollar dennoch stärker wurde. Wichtige Ereignisse waren auf der anderen Seite des Atlantik eingetreten, die die Wechselkurse beeinflußten.
Wenn die Vereinigten Staaten nicht existierten und wenn es den Dollar
nicht gäbe, würde sich in Westeuropa noch immer eine ganze Reihe von Ländern
vor ernste wirtschaftliche Probleme gestellt sehen.
FRAGE: Wollen Sie damit unterstellen, daß einige der Politiken, die
unsere Verbündeten nach innen verfolgen, die Ursache für einige dieser Probleme sind?
ANTWORT:

Ohne

�ANTWORT:

Ohne ein Urteil darüber fällen zu vjbllen, ob die von anderen

Ländern betriebene Politik angemessen ist oder nicht - wenn diese Länder aber
Nutzen aus einigen dieser Politiken ziehen, so tragen sie doch auch mit an
den Kosten für diese.

Und die Kosten sollte man, genau wie den Nutzen gegen

diese Politiken aufrechnen.
FRAGE: Es gibt Vorschläge, denen zufolge der Yen eine größere internationale Rolle übernehmen sollte. Inwieweit würde dies helfen, die internationale Wirtschaftslage zu verbessern? Und was erhoffen Site sich davon?
ANTWORT:

Ich bringe meine Ansichten nicht in so aktivistischer oder

interventionistischer Art und Weise zum Ausdruck.

Was wir tun, ist, Japan

und andere Länder zu ermutigen, die Schranken für Handel und Investitionen
noch weiter abzubauen.

Dies hätte offenkundig korrektive Rückwirkungen auf

die Währungen, ist aber meines Erachtens auch ein erstrebenswertes Ziel an
sich.

Um ein Gegengewicht für die protektionistischen Pressionen zu schaf-

fen, die rund um die Erde zunehmen, ist es wichtig, daß die einzelnen Länder,
uns eingeschlossen, auch in Zukunft damit fortfahren, ihre Beschränkungen
für einen freieren Fluß von Waren, Dienstleistungen und Kapital weiter abzubauen.
FRAGE:

Inwieweit berührt die Stärke des Dollar

unsere Position im

Handel?
ANTWORT: So wie wir es kurzfristig erwartet haben: nachteilig. Langfristig aber entspricht dies einem Anpassungsprozeß, der funktioniert. Ein
starker Dollar verteuert unsere Ausfuhren und begünstigt die Einfuhren, was
wiederum korrektive Rückwirkungen auf die Devisenkurse zeitigt.
FRAGE:

Werden die Vereinigten Staaten von anderen Ländern irgendwelchem

Druck unterworfen, auf den Devisenmärkten einzugreifen?
ANTWORT: Ich bin mir nicht sicher, ob Druck das richtige Wort ist. Es
werden mir häufig Vorschläge gemacht. Unsere Haltung aber ist ziemlich klar:
- 5 -

�ziemlich klar:

Um zu vermeiden, daß die Märkte in Perioden großer Bean-

spruchung in Unordnung geraten, treten wir dort in Erscheinung.

Es ist aber

unsere Überzeugung - und sie wird durch erhebliche Forschungsanstrengungen erhärtet -, daß staatliche Eingriffe in die Devisenmärkte eine kostspielige
und nicht sehr effektive"Reaktion darstellen.
FRAGE:

Worlin erblicken Sie die wichtigsten Hindernisse für eine stärkere

weltweite wirtschaftliche Erholung?
ANTWORT:

Ich kann den Finger nicht auf einen dramatischen Faktor legen.

Gewiß leitete die Erholung von den öl-Schocks eine längere Anpassungsperiode
ein.

Sie bescherte uns das Erbe des niedrigen Wachstums und vielfach auch

einigermaßen hohe Inflationsraten.

Und es ist die Notwendigkeit, dieses

Zwillingproblems Herr zu werden, das die Politik hemmt.
Ganz gewiß gab es in verschiedenen Ländern Perioden mit starkem Wachstum
und starker Inflation, und es gab auch Perioden, in denen sich sowohl das
Wachstum als auch die Inflation in Grenzen hielten: Es fällt dem Wirtschaftsdoktor in solchen Perioden leichter, das richtige Rezept auszuschreiben, als
in Zeiten, in denen die Inflationsraten hoch und die Wachstumsraten niedrig
sind.
FRAGE: Wollen Sie damit andeuten, daß das Erbe der hohen Inflationsund Arbeitslosenraten bei geringem Wachstum die Wirtschaftspolitik politischen
Lösungen unterwirft?
ANTWORT:
treffen.

Es gilt sicherlich, schwierige politische Entscheidungen zu

Es wurde schon von vielen darauf hingewiesen, daß eine angemessene

Regulierung der Geldmenge eine entscheidene Facette jeder Anstrengung zur Bekämpfung der Inflation ist, und daß das, was man Jahre hindurch als Politik
des leichten Geldes angesehen hat, die Inflation beschleunigt.

Wir haben im

vergangenen Jahr gezeigt, daß eine Politik des engen Geldes dagegen die Inflation erheblich einzuschränken vermag.

Es bedarf dazu aber auch des

politischen Willens.
FRAGE:

Haben

�FRAGE:

Haben Sie eine Vorstellung, wie stark die weltweite Erholung aus-

fallen wird?
ANTWORT:

Ich glaube, niemand rechnet mit Boom-ähnlichen Verhältnissen.

Wir erwarten generell eine bescheidene Erholung - eine langsamere Erholung
als in früheren Zeiten des kräftigen Wachstums nach vorausgegangenen Rezessionen.

Einige Länder haben bessere wirtschaftliche Aussichten als andere -

weitgehend wegen der unterschiedlichen Hinterlassenschaften aus ihrer Wirtschaftspolitik in der Vergangenheit.

Jene Länder, die das Schwergewicht auf

Investitionsanreize legen, scheinen bessere Wachstumschancen zu haben als diejenigen, die dies nicht tun; und das dürfte eigentlich niemanden überraschen.
FRAGE: Seit 1978 schon fordert die OECD das, was sie "positive Anpassung" nennt. Was bedeutet das, und wie sieht die Reagan-Administration ein
solches Vorgehen?
ANTWORT:

Die Sondergruppe für Fragen der positiven Anpassung als Unter-

abteilung des wirtschaftspolitischen Ausschusses der OECD hat inzwischen ihren
Schlußbericht abgeliefert.

Darin wird das Schwergewicht - und nach meinem

Dafürhalten bietet der Ausdruck "positiv" den Schlüssel zum Verständnis dessen - auf die innerhalb der Volkswirtschaften bestehende Notwendigkeit gelegt,
die Schranken auf dem Weg zu größerer Flexibilität zu verringern.

Mit anderen

Worten, man erwartet in dynamischen Volkswirtschaften irgendwelche Verlagerungen in den Hilfsquellen:

beim Kapital, bei den Menschen und bei den Organi-

sationen, Verlagerungen auch von einer Region nach einer anderen, von einem
Wirtschaftssekitqr nach einem anderen, von einem Markt auf einen anderen.
Und aus allen Arten von wesentlichen politischen Gründen hat so gut wie
jedes Land inzwischen eine ganze Reihe von Hindernissen für den Wandel aufgebaut.

Das machte sich besonders in der Zeit der Anpassung an die öl-Schocks

bemerkbar.

Je mehr derartige Hindernisse ein Land aufgerichtet hat, je lang-

samer kommt der Anpassungsprozeß an die öl-Schocks voran.

Und deshalb hat die

OECD nach meinem Dafürhalten mit der Identifizierung des Wesens derartiger
Restriktionen und mit der Herausstellung ihrer hohen Kosten - Senkung der Pro- 7 -

�der Produktivität und des Lebensstandards - wichtige Arbeit geleistet.
FRAGE:

Wenn Sie aber den Blick rund um die Erde schweifen lassen und

Dinge wie die Erhöhung der Subventionen bei Stahl und Agrarprodukten sehen,
gewinnen Sie dann nicht den Eindruck, daß die Politik der positiven Anpassung durch den protektionistischen Druck neutralisiert wird,?
ANTWORT:

Die Methode der positiven Anpassung wirkt auf eine Verminderung,

nicht aber auf eine Erhöhung derartiger Subventionen und andere Arten staatlicher Eingriffe hin.

In einem gewissen Sinne stellt das, was wir zu tun ver-

suchen, einen Versuch dar, ein wirtschaftliches Gegengewicht zu den politischen Pressionen zu schaffen.

Es läuft daraus hinauf, die Öffentlichkeit

davon zu überzeugen, daß ein Land als Ganzes^ besser fährt, wenn es dem besonderen Drängen spezifischer Interessengruppen nicht nachgibt.
FRAGE:

Ist die derzeitige Administration willens, eine solche Politik

zu betreiben?
ANTWORT: Keine Administration betreibt, wie mir scheint, eine heiligenmäßige Politik. Mit anderen Worten, es gibt immer Ausnahmen. Aber ganz gewiß wird diese grundlegende Politik nicht darin bestehen, für Verlierer und
auch nicht für ineffizient arbeitende Betriebe in die Bresche zu springen.
Und wir haben das auch nie versucht. Soweit, so gut; aber wir müssen auf der
Hut bleiben.
FRAGE:

Wenn Sie" zusammenfassen wollten, was nach Ihrem Gefühl die kon-

kreten oder positiven Ergebnisse der bevorstehenden OECD-Ministerratstagung
sein werden, könnten Sie dann Ihren Finger auf einige wenige Dinge legen?
ANTWORT: Es gibt zwei wichtige Dinge. Jedes Land wirbt um Verständnis
für seine eigene Politik und sucht seine Freunde im Ausland über diese zu informieren. Ich verbringe viel Zeit damit, »leinen Gesprächspartnern zuzuhören,
und ich gelange auf diese Weise zu einem besseren Verständnis dessen, was sie
zu tun versuchen. Ich weiß, daß man das gewöhnlich als diplomatische Routine
- 8 -

�diplomatische Routine gering einschätzt.

Ich aber halte das doch für sehr

wichtig.
Zweitens halte ich es für wichtig, den Fortschritt im Kampf gegen die
Inflation in Gang zu halten'und gleichzeitig die Anreize für Investitionen
und für das Wirtschaftswachstum auszuweiten, denn beide müssen ständig gefördert werden.

Und warum?

langwierige Sache sind:

Weil Investitionen ihrem ganzen Wesen nach eine
Die Kosten fallen heute an, die Erträge morgen.

Aber auch auf dem Gebiet des Außenhandels halte ich die OECD für ein
nützliches Forum, wenn es darum geht, die Wichtigkeit des Abbaus von Hemmnissen darzutun - nicht nur von Hindernissen für den Handel und für die Warenströme, sondern auch für Dienstleistungen, die sich aus Investitionen ergeben.

- 9 -

�Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
12. Mai 1982

19

MASERN SOLLEN AUSGEROTTET WERDEN
Aktionen der USA - Beispiel für weltweites Kinderimpfprogramm
der Weltgesundheitsorganisation -

- (AD) - Die amerikanischen Gesundheitsbehörden rechnen damit, daß bis
Ende 1982 in den Vereinigten Staaten die Masern praktisch ausgerottet sind.
Systematische Impfaktionen haben dazu geführt, daß Mitte des vergangenen
Jahres 90 Prozent, während der ersten vier Wochen dieses Jahres 99,4 Prozent
aller Landkreise keinen einzigen Fall von Masernerkrankung mehr melden mußten,
Dagegen gehören in

vielen anderen Teilen der Welt, vor allem in Entwick-

lungsländern, Masern zu den häufigsten Kinderkrankheiten, ja sogar zu jenen
mit schwerwiegenden Folgen.

Nach Erhebungen der Weltgesundheitsorganisation

(WHO, Sonderorganisation der Vereinten Nationen) stehen Masern als Todesursache bei Kindern unter fünf Jahren an erster Stelle. Pro Jahr sterben
schätzungsweise 1,5 Millionen Kinder an Masern oder an den durch sie verursachten Komplikationen wie Lungenentzündung, Entzündung von Gewebe im Gehirn
oder an Hirnschäden.
Masern zählen zu den sechs Kinderkrankheiten, die die WHO in ihr "erweitertes Impfprogramm" aufgenommen hat. Ziel dieses Programms ist es, bis
zum Jahr 1990 alle Kinder der Welt gegen Diphtherie, Keuchhusten, Masern,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Keuchhusten, Masern, Poliomyelitis (Kinderlähmung), Tuberkulose und Tetanusinfektionen, die sechs häufigsten Erkrankungen im Kindesalter, zu immunisieren. Mit der Durchführung des Programms und einer Analyse internationaler
Gesundheitsprobleme befaßt sich z. Zt. der Weltgesundheitsrat, das oberste
Gremium der WHO, auf seiner Jahrestagung in Genf (3. - 14. Mai 1982).
In den Industrieländern ist der Schutz gegen die häufigsten Kinderkrankheiten bereits selbstverständlich geworden.

Nach Auskunft von Dr. Ralph

Henderson, der das "erweiterte Impfprogramm " leitet, sind jedoch in den Entwicklungsländern jede Minute zehn Todesfälle sowie Erkrankungen mit bleibenden Schäden bei Kindern zu verzeichnen - einfach deshalb, weil die Impfprogramme völlig unzureichend sind.

"Diese sechs Kinderkrankheiten allein führen

dort jährlich bei fünf Millionen Kindern zum Tode und bei weiterer fünf Millionen zu schweren körperlichen Behinderungen, zu Erblindung und geistigen
Schäden", erklärt Henderson.

"In den Vereinigten Staaten sind im Durchschnitt

unter 10 000 Masern-Erkrankungen etwa zwei Todesfälle zu verzeichnen - in Entwicklungsländern kommen auf 100 Erkrankungen zwei Todesfälle, und in Hungergebieten oder in Gebieten mit unterernährter Bevölkerung sterben von 100 erkrankten Kindern sogar mehr als zehn."

Ein weiteres Beispiel seien Tetanus-

infektionen, die, wenn sie schon bei der Geburt erfolgen, für 20 bis 25 Prozent der Kindersterblichkeit verantwortlich sind.
Seit der Einführung eines bis in die Kindergärten und Schulen reichenden
Aktionsprogramms im Oktober 1978 ist es in den Vereinigten Staaten gelungen,
das Auftreten von Masern als Kinderkrankheit massiv zu reduzieren. Das engmaschige Netz eines Meldesystems, in das die Ärzte am Wohnort, die kommunalen
Behörden, die Landkreise, Bundesstaaten, Regionen und schließlich die Bundeszentren für Seuchenkontrolle in Atlanta (Georgia) einbezogen sind, gibt den
Experten die Möglichkeit, alle auftretenden Fälle von Masern im ganzen Land zu
erfassen und die Quelle der Infektion auszumachen.
Aufgrund der Ergebnisse einer Studie von 1980, derzufolge fast 75 Prozent
aller Maserninfektionen im Alter zwischen fünf und 19 Jahren auftreten, wurde
in 39 der 50 Bundesstaaten für den Kindergarten- und Schulbesuch in allen

�in allen Stufen der Impfnachweis zur Pflicht gemacht.

Die restlichen Bundes-

staaten verlangen ihn derzeit nur beim Eintritt in die unterste Stufe von
Kindergarten oder Schule.
Die amerikanischen Gesundheitsbehörden empfehlen, das Baby im Alter von
15 Monaten gegen Masern impfen zu lassen, weil dann der natürliche Schutz zur
Abwehr von Krankheiten, den das Kind von der Mutter mitbekommen hat, nicht
mehr oder nur noch unzureichend wirksam ist.

In den Entwicklungsländern ist

dieser Zeitpunkt früher, und zwar für das Alter von etwa neun Monaten, anzusetzen.

Je nach den gegebenen Ernährungs- und Lebensbedingungen wird dann

ein 92- bis 95prozentiger Impfschutz erreicht, ohne daß die noch vorhandenen
mütterlichen Antikörper die Immunisierung stören.

Dr. Stanley Foster vom

Seuchenzentrum in Atlanta hat beobachtet, daß beispielsweise in Afrika die
Hälfte aller Masernerkrankungen im Alter unter 15 Monaten auftritt.
Dr. Ciro de Quadros von der "Pan American Health Organization", einer
regionalen Behörde der WHO, schätzt, daß derzeit jährlich 80 Millionen Kinder
geboren werden, von denen jedoch weniger als zehn Prozent Impfschutz erhalten.
Und er hebt hervor, daß die Impfung eine besonders billige Maßnahme in der
Gesundheitsfürsorge sei -noch dazu eine Maßnahme, die einfach anzuwenden sei
und hohe Wirksamkeit besitze.
Transport und Lagerung der Impfstoffe verlangen jedoch die Einhaltung bestimmter Regeln, so daß diese rein technischen Dinge ein wesentliches Hindernis zur Einführung wirksamer Impfprogramme in Entwicklungsländern darstellen
können.

Der Masernimpfstoff muß auf dem Wege vom Hersteller bis zur Anwendung

konstant auf einer Temperatur von 4 bis 8° C gehalten werden.

Denn er ist aus

abgeschwächten Lebendviren hergestellt und verliert bei höheren Temperaturen
seine Wirksamkeit.

Wie Dr. Neal Halsey von der Tulane University (New Orleans)

erklärte, befaßte man sich in den letzten fünf Jahren bei einem der WHO-Forschungsprojekte mit der Sicherung der "Kühlkette" für den Impfstoff auch unter primitiven Verhältnissen - sei es z.B. durch den Einsatz von Tiefkühlbehältern, die auch bei Stromausfall noch die erforderliche Kühltemperatur für
24 bis 48 Stunden garantieren, oder durch die Verwendung von mit Solarstrom
- 3 -

�mit Solarstrom betriebenen Kühlvorrichtungen in Gebieten, wo die reguläre
Stromversorgung besonders unzuverlässig ist.
Besonders wichtig ist nach Ansicht von Dr. Foster auch die Ausbildung
und die Überwachung von medizinischem Hilfspersonal sowie die ständige
Kontrolle der "Kühlkette" für den Impfstoff in Entwicklungsländern. "Die
Probleme sind in erster Linie organisatorischer Natur", meinte Foster. Die
Kosten für den Impfstoff'belaufen sich auf 12 bis 20 Cents (0,12 - 0,20 USDollar) pro Kind; gewöhnlich entspräche dies etwa 10 Prozent der Gesamtkosten
der Schutzimpfung eines Kindes.
Das US-Amt für Internationale Entwicklung (AID) startet in nächster Zeit
ein ähnliches neues Programm zur Bekämpfung ansteckender Krankheiten im Kindesalter, das in enger Zusammenarbeit mit Ländern in Afrika und mit internationalen Gesundheitsbehörden durchgeführt wird. Es ist auf acht Jahre angelegt und soll mit 50 Millionen Dollar ausgestattet werden. In erster Linie
bietet es technische Hilfe zur Bekämpfung von Krankheiten.

+ + + + +

�12. Mai 1982

19

ULTRASCHALL VERSTÄRKT KATALYTISCHE REAKTIONEN

- (AD) - Mit Ultraschall hoher Intensität ist es möglich, ungewöhnliche chemische Reaktionen in Gang zu setzen sowie katalytische Wirkungen
zu erzielen, die auf anderem Wege nicht zu erreichen wären. Vor allem lassen sich mit Hilfe von Ultraschall, katalytische Reaktionen in Lösungsmischungen verstärken - nach Ansicht der Initiatoren des Verfahrens wäre bei entsprechender Weiterentwicklung in gewissen Fällen eine Aktivitätsverstärkung
für den Abilauf der chemischen Reaktion sogar bis zum Millionenfachen denkbar.
Die Methode entwickelte Dr. Kenneth S. Susi ick, Professor für Chemie
an der Universität Illinois (Urbana), zusammen mit einigen Mitarbeitern.
Sie sei, wie Dr. Susi ick erklärte, mit der Ultraschallreinigung zu vergleichen, die z.B. zur Säuberung kleiner Gegenstände üblich ist. Jedoch müsse
zur Erzielung katalytischer Reaktionen mit sehr viel höheren Intensitäten
gearbeitet werden.
Katalysatoren sind Substanzen, die chemische Reaktionen beschönigen,
an den Stoffumsetzungen jedoch nicht selbst beteiligt sind.

Bei den meisten

industriell angewandten Katalysatoren handelt es sich um feste Stoffe, an
denen die Mischung, die zur Reaktion gebracht werden soll, vorbei strömt.

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�vorbeiströmt.

Dies sind die sog. "heterogenen" Katalysatoren. Man arbeitet

heute jedoch auch mit "homogenen" Katalysatoren.

Das sind gelöste metal-

lische Verbindungen, die direkt in die normalerweise reaktionsträgen oder
reaktionsunfähigen Lösungsmischungen eingebracht werden. Um jedoch als homogener Katalysator überhaupt funktionsfähig sein zu können, muß häufig die
gelöste metallische Verbindung selbst durch Wärme oder Licht in der Lösung
verändert werden.

Für manche Reaktionen sind allerdings hohe Temperaturen

nicht angebracht, weil dann andere, nicht erwünschte Produkte entstünden.
Die Verwendung von Licht zur Aktivierung solcher Katalysatoren ist auf
Verbindungen beschränkt, die sich durch Licht leicht anregen lassen. Außerdem ist es vor allem bei den lichtsimulierten ("photochemischen") Prozessen
manchmal recht schwierig, sie auf einen für industrielle Prozesse erforderlichen Aktivitätsgrad zu bringen.

Hier kann nun Ultraschall eine wichtige

Starthilfe sein. Denn für die Mischung, die in Reaktion treten soll, wird
dadurch die Zuführung von Wärme weitgehend überflüssig, außerdem ist die gewünschte Reaktion in großtechnischem Ausmaß möglich.

In einem Bericht an

die Nationale Wissenschaftsstiftung der USA (NSF), die das Forschungsprojekt
finanzierte, betont Prof. Susi ick, daß das neue Verfahren thermisch oder
photochemisch geförderte Reaktionen nicht ersetze. Aber es sei geeignet,
sie zu unterstützen bzw. zu ergänzen.

"Wir sind dadurch in der Lage, den

chemischen Ablauf mittels einer recht einfachen und billigen Technik gezielt
zu beeinflussen und zu verändern.

Die Anwendung von intensivem Ultraschall

dürfte sowohl für die Forschung als auch für den Chemiker in der Industrie
zu einem wichtigen Hilfsmittel '-erden."
Für weite Bereiche der Industrie ist es von großer Bedeutung, neue Wege
zur Erzeugung katalytischer Reaktionen gehen zu können, weil solche Reaktionen bei der Herstellung chemischer und pharmazeutischer Produkte sowie
von Produkten der Mineralölindustrie in zunehmendem Maße eine Schlüssel rolle
spielen.

So erfordert beispielsweise die Gewinnung von Benzin aus Rohöl

einen massiven Einsatz von Katalysatoren.

Ganz ähnlich ist es bei der Um-

wandlung von Krrhle in Brennstoffe oder in Verbindungen, die in der Futtermittel- und Nahrungsmittelindustrie eine Rolle spielen.
+ + + + +
- 2 -

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="8921">
              <text>12.05.1982</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="8922">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="8923">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="13906">
              <text>Amerikadienst 12.05.1982</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="13907">
              <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Haig: Sowjetische Führung wird START-Verhandlungen begrüßen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan schlägt drastische Abrüstung der Atomwaffen vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Präsidenten vor dem Eureka-College -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stoessel: Gewaltiger Gegensatz zwischen Worten und Taten der Sowjetunion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers vor dem World Affairs Council -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagans Abrüstungsplan: Ein neuer Appell zur Verebsserung des Ost-West-Verhältnisses&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weidenbaum: Doppelziel der Bekämpfung von Inflation und Arbeitslosigkeit erreichbar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein Interview mit dem Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates des US-Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Masern sollen ausgerottet werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Aktionen der USA - Beispiel für weltweites Kinderimpfprogramm der Weltgesundheitsorganisation -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ultraschall verstärkt katalytische Reaktionen</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
