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                  <text>28. A p r i l 1982

17/B

INHALT

DOKUMENTATION
Macht und Zielsetzung Amerikas
- Rede des US-Außenministers vor der amerikanischen
Handelskammer -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

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DIElriSU

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17

28. April 1982

MACHT UND ZIELSETZUNG AMERIKAS
Rede des US-Außenministers vor der amerikanischen Handelskammer

WASHINGTON - (AD) - US-Außenminister Alexander Haig hat am 27. April
1982 in einer Rede vor der amerikanischen Handelskammer in Washington die
Führungsrolle der Vereinigten Staaten als unerläßlich bezeichnet, wenn
"wir in einer Welt leben wollen, in der unsere Gesellschaft und unsere
Werte gedeihen können". Haig ging in seiner Rede auf das Verhältnis der
Vereinigten Staaten zu ihren Verbündeten, zu den Entwicklungsländern und
zur Sowjetunion ein und forderte "eine neue Ausgewogenheit im Stil unserer
Außenpolitik".
Die Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Ein französischer Philosoph hat die Erfahrung des 20. Jahrhunderts
zusammengefaßt, als er schrieb, daß "ein moderner Mensch - und das macht
ihn zum modernen Menschen - mit vielen Widersprüchen lebt." Die moderne
Wissenschaft hat uns über uns selbst und über das Universum aufgeklärt wie
nie zuvor.

Aber sie hat uns auch eine bisher nie dagewesene Fähigkeit zur

Selbstvernichtung gegeben.

Die moderne Technologie hat der Menschheit ein

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Menschheit ein Leben der Bequemlichkeit und des Wohlstandes geboten, wie
es frühere Generationen nicht gekannt haben. Aber die gleichen industriellen Prozesse sind, im Dienste der Aggression, zweimal benutzt worden, um
die Welt in den Abgrund des Krieges zu stürzen.
Das amerikanische Volk war an diesen Veränderungen voll beteiligt.
Wir haben Depression und Wohlstand erlebt, das Leiden des Krieges und die
Ruhe des Friedens. Schon vor langer Zeit schrieb Alexis de Tocqueville,
daß in unserer Gesellschaft ein "ewiger Aufruhr" herrsche.

Vielleicht wa-

ren wir als Amerikaner besonders geeignet, in einem Jahrhundert der "Widersprüche" voranzukommen, denn unsere Erfahrungen haben weder unsere Begeisterung noch unseren Wunsch nach raschen Ergebnissen gedämpft.
Beobachter haben jedoch bezweifelt, ob dieser "ewige Aufruhr" für gesunde internationale Beziehungen tauge. Amerikaner glauben nicht gerne,
daß Probleme nicht in den Griff zu bekommen seien oder daß Ergebnisse trotz
aller Anstrengungen nur sehr bescheiden sein können.

Es ist behauptet wor-

den, daß die daraus resultierende nationale Ungeduld die amerikanische
Außenpolitik in eine Reihe von Zyklen verwandelt habe, in denen auf unbändigen Einsatz ein enttäuschtes Zurückziehen folge.
In diesem Jahrhundert haben wir zwei große solcher Perioden der Ungeduld in außenpolitischen Angelegenheiten erlebt. Nach dem Ersten Weltkrieg
haben wir 20 Jahre lang so getan, als ob wir gegenüber dem Leiden einer
interdependenten Welt immun wären. Andere Länder und wir selbst mußten
gewaltig dafür bezahlen. Entschlossen, diesen Fehler nicht noch einmal zu
machen, haben wir uns nach dem Zweiten Weltkrieg eifrig daran gemacht, eine
neue internationale Ordnung zu schaffen. Nach den Worten des damaligen
Außenministers Dean Acheson bestand die Aufgabe darin "eine halbe Welt, eine
freie Welt zu schaffen..., ohne die ganze Welt dabei in Stücke zu sprengen."
Die erfolgreiche Anwendung amerikanischer Macht zu diesem Zwecke schuf
einen grundlegenden Sicherheitsrahmen, innerhalb dessen wir und unsere Ver-

- 2 -

�unsere Verbündeten gediehen. Westeuropa und Japan haben ihre wirtschaftliche Gesundheit und politische Stabilität wiedergewonnen.

Eine Vielzahl

unabhängiger Länder, denen es freisteht, ihre eigene Entwicklung zu verfolgen, sind aus den westlichen Kolonialreichen entstanden.

Und die amerika-

nisch-sowjetische Rivalität hat weder zu einem Krieg, noch zur Aufgabe wesentlicher Interessen des Westens geführt.
Amerikanische Mittel, amerikanische Beharrlichkeit und amerikanische
Klugheit waren die tragenden Säulen dieser internationalen Ordnung.
unser

Aber

Engagement in Südostasien und der Verfall der Regierungsautorität

im Watergate-Skandal stellten unseren Willen und unsere Führung in Frage.
Die amerikanische Außenpolitik schien von Ungewißheit, Zweifel und Spaltung heimgesucht zu sein.
Als Folge fanden es die Vereinigten Staaten schwierig, sich mit der
komplexen internationalen Situation zu befassen, die sich im vergangenen
Jahrzehnt entwickelt hat.

Das wirtschaftliche Wachstum Westeuropas und

Japans, der chinesisch-sowjetische Konflikt und die Verlagerung von Reichtum an die Qlproduzenten haben die scharfen Kanten der amerikanischen und
sowjetischen Vorherrschaft über die Nachkriegswelt abgeschliffen.

Das

globale militärische Kräfteverhältnis ist jedoch noch immer Sache der Supermächte.

Es ist heute für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten

von entscheidender Bedeutung, sich den neuen Realitäten zu stellen.

Drei

Trends sind es vor allem, die entscheidende Fragen hinsichtlich der Aussichten für die westliche Sicherheit - und den internationalen Frieden für den Rest des Jahrhunderts aufwerfen:
- Erstens, die nachlassende Stärke des Westens.

Die Vereinigten Staa-

ten haben mit der Zeit viele der militärischen Vorteile gegenüber der
Sowjetunion verloren, die einst für einen Spielraum der Sicherheit für den
Westen gesorgt haben - in manchen Fällen durch eigenen Entschluß, in anderen durch Nachlässigkeit und Irrtum.

In der Zwischenzeit litt das Bünd-

nis unter wachsenden politischen und wirtschaftlichen Belastungen.

- 3 -

Der ko-

�Der kooperative Impuls war zwar noch vorhanden, aber er wurde durch ein
weiteres Jahrzehnt eines relativen militärischen Niedergangs oder steriler wirtschaftlicher Rivalität schwer belastet.
- Zweitens, die wachsende Interdependenz des Westens und der Entwicklungsländer, von denen viele eine öffentliche Haltung einnehmen, die scharf
gegen westliche Interessen und Ideale gerichtet ist.

Die Pritte Welt ist

in all ihrer Vielfalt entstanden, und ihre brüchige Einigkeit wird bereits
durch regionale Konflikte und globale Rivalität zerbrochen.

Gleichzeitig

werden viele Entwicklungsländer durch die wachsende Belastung plötzlicher
sozialer, politischer und wirtschaftlicher Veränderungen bedroht.
- Drittens, das Hervortreten der Sowjetunion als globale Militärmacht,
die in wachsendem Maße wagt, ihre Macht zur Förderung von Gewalttätigkeit
einzusetzen, vor allen in Gebieten von strategischer Bedeutung für den
Westen.

Dieser Trend hat sich sogar in einer Zeit weiterentwickelt, als

der kommunistische Block, einst das Instrument sowjetischer Zielsetzungen,
durch die sino-sowjetische Spaltung und wachsende innere Probleme erschüttert wurde.

Chronische wirtschaftliche Fehlschläge haben die Anziehungs-

kraft der marxistisch-leninistischen Ideologie ausgehöhlt.
Wir müssen uns fragen, wie andere uns sicherlich fragen, ob wir diese Trends umkehren können.
- Können wir unsere Stärke erhöhen und die Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten verbessern?
- Können der Westen und die Entwicklungsländer gemeinsame Interessen
finden?
- Können wir ein konstruktiveres Verhältnis zur Sowjetunion herstellen, das durch größere sowjetische Zurückhaltung gekennzeichnet ist?
Ich bin

�Ich bin überzeugt, daß wir das können. Wir können das Erbe westlicher
Werte und Leistungen bewahren. Und wir können über die Nachkriegsvorstellung einer halben freien Welt hinausgehen und uns eine ganze Welt größerer
Freiheit, friedlichen Wandels und wachsenden wirtschaftlichen Fortschritts
vorstellen.
Das amerikanische Volk ist aus seinen jüngsten Erfahrungen mit der erneuten Überzeugung hervorgegangen, daß es keinen Ersatz für amerikanische
Führung gibt, wenn wir in einer Welt leben sollen, in der unsere Gesellschaft und unsere Werte gedeihen können. Dieser neue amerikanische Konsens hinsichtlich einer nachhaltigeren Verteidigung unserer Interessen fordert eine neue Ausgewogenheit im Stil unserer Außenpolitik. Wenn wir Ideale aufgeben, um nur Interessen zu dienen, dann wird das Gerechtigkeitsgefühl
Amerikas verletzt sein; wenn wir auf Macht verzichten, um Wohltaten zu verbreiten, dann wird der Sinn Amerikas für die Realitäten in Frage gestellt
werden.
Eine ausgewogene amerikanische Außenpolitik, getragen durch diesen
Konsens, wird Amerika in die Lage versetzen, wieder zu führen.

Aber wir

müssen erkennen, wie komplex unsere Zeit ist, wenn wir uns mit der Sicherheit und dem richtigen Gespür bewegen wollen, die unsere historischen Aufgaben verlangen.

Es gibt Möglichkeiten zu handeln; das Schiff durch das

tobende Meer in sicherere und ruhigere Gewässer zu steuern.
Zunächst unser Verhältnis zu unseren Verbündeten. Wir können nicht
vorgeben zu führen, wenn wir nicht jene Gesellschaften, die unsere Werte
teilen, auf unsere Seite bringen.

Die Grundlage der amerikanischen Außen-

politik während der ganzen Nachkriegszeit war unsere Partnerschaft mit dem
Atlantischen Bündnis und Japan.

Unter dem Schutz gemeinsamer Sicherheits-

maßnahmen und genährt durch demokratische Werte haben wir und unsere Verbündeten die blühendsten Gesellschaften geschaffen, die die Menschheit je
kannte.

Diese historischen Leistungen sind das Ergebnis gemeinsamer An-

strengungen, unseres Gefühls der Einigkeit und unserer Stärke.
Wir müssen
- 5 -

�Wir müssen jedoch erkennen, daß die Trends des letzten Jahrzehnts
zu einem wachsenden Gefühl der Frustration zwischen den Vereinigten
Staaten und ihren Partnern beigetragen haben. Vor allem die amerikanischeuropäischen Beziehungen sind durch das Zusammentreffen mehrerer Ereignisse in Not geraten:
- Der Verlust der strategischen Überlegenheit der Vereinigten Staaten und die Fragen hinsichtlich der Rolle, die die Kernwaffen bei der Strategie der NATO spielen sollen.
- Das zunehmende politische und wirtschaftliche Interesse Europas
an der Entspannung und am Ost-West-Handel trotz des aggressiven Verhaltens der Sowjetunion in Afghanistan, in Polen und andernorts.
- Das niedrige Wachstum und die hohe Inflation der letzten Zeit in
den Industriedemokratien, wodurch sich der Druck nach protektionistischen
Maßnahmen verstärkt.
Verärgert durch das, was sie als europäisches Zögern angesichts dieser
sowjetischen Herausforderung verstehen, sind manche Amerikaner versucht,
sich für einen Abzug der amerikanischen Streitkräfte einzusetzen.

Wieder

andere, beunruhigt durch die anhaltenden wirtschaftlichen Probleme, denken
daran, als Vergeltung proteJ&lt;tionistische Barrieren zu errichten.
Diejenigen, die sich für solche Maßnahmen einsetzen, vergessen
Churchills Warnung:

"Nur eines ist schlimmer, als mit seinen Verbündeten

zu kämpfen: Ohne sie zu kämpfen!".

Kein einziges Problem der atlantischen

Beziehungen - sei es diplomatischer, militärischer oder wirtschaftlicher
Natur - kann durch einseitige amerikanische Maßnahmen allein gelöst werden.
Stellen wir uns - auf beiden Seiten des Atlantik - einige grundlegende Fragen:
gert?

Stärkt unser Bündnis unsere Sicherheit oder wird sie dadurch verrinErhöhen unsere Bande unsere Prosperität oder vermindern sie sie?

Verbessern wir die Aussichten für die Demokratie und Freiheit in der Welt

- 6 -

�der Welt durch unsere Zusammenarbeit oder dadurch, daß wir unterschiedliche Wege einschlagen?
Die Antwort auf diese Fragen ist heute dieselbe wie die, die vor mehr
als drei Jahrzehnten von jener Generation gegeben wurde, deren Leben durch
den Weltkrieg erschüttert wurde. Das Atlantische Bündnis ist die Grundlage unserer Sicherheit.

Und es ist noch immer der Grundstein für eine

friedlichere und gedeihlichere Welt - und sein Zusammenbruch würde das
Verderben der Industriedemokratien unausweichlich machen.
Darum geht es in den achtziger Jahren - und hierin liegt auch die
Chance.

Entweder die Bündnispartner gehen gemeinsam weiter in Richtung

auf größere Zusammenarbeit oder die Aussichten aller Mitglieder verdüstern
sich.

Aber wenn wir weiterkommen wollen, so ist es höchste Zeit, daß unser

Dialog auf der Grundlage von Fakten geführt wird - insbesondere die Frage,
wer was tut, um die gemeinsame Verteidigung aufrechtzuerhalten.
Die Fragen nach der Verteilung der Lasten sind jedwedem größeren Bündnis souveräner Staaten zur zweiten Natur geworden. Allerdings muß man den
derzeitigen transatlantischen Meinungsaustausch in seinem historischen Zusammenhang sehen.

Wir Amerikaner sollten nicht vergessen, daß unsere NATO-

Verbündeten im vergangenen Jahrzehnt ihre Verteidigungsausgaben beträchtlich erhöhten, während die Vereinigten Staaten ihre Verteidigungsanstrengungen verminderten.

Wir sollten auch nicht übersehen, daß die europäischen

NATO-Mitglieder einen hohen Anteil an Luft-, Land- und Seestreitkräften
stellen, die den konventionellen Anteil der Abschreckung in Europa bilden.
Sogar weltweit gesehen stellen die Beiträge der NATO-Verbündeten und Japans
einen wichtigen und wachsenden Teil der Verteidigung dar.
Dies bedeutet nicht, die sehr schwerwiegenden Probleme zu unterschätzen, vor denen wir stehen. Wir alle müssen gemeinsam mehr tun.

Aber un-

ser Dialog sollte von unserer gemeinsamen Sorge um die gemeinsame Verteidigung getragen werden - und weniger dadurch, daß wir gegenseitig mit dem

- 7 -

�mit dem Finger aufeinander zeigen.
In den vor uns liegenden Tagen, wenn wir zusammen mit unseren Verbündeten die anstehenden Fragen besprechen, müssen die Vereinigten Staaten
nicht nur eine starke, sondern auch eine einheitliche und klare Führung
demonstrieren.

Wenn wir von unseren Verbündeten erwarten, daß sie mit uns

gehen, dann müssen sie auch wissen, wohin wir gehen wollen.

Ihre Politiken,

insbesondere hinsichtlich der Sowjetunion, spiegeln nicht nur unterschiedliche Auffassungen gegenüber den sowjetischen Maßnahmen wider, sondern zugleich eine Tendenz, ihre Chancen angesichts amerikanischer Pendelschläge
zwischen Entspannung und Konfrontation zu wahren.
Die Verbündeten ihrerseits sollten in größeren Räumen denken und einen
Sinn der Verantwortung entwickeln, der in Einklang mit ihren Interessen
und ihrer Stärke steht. Sie können von den Vereinigten Staaten nicht erwarten, den gleichen Anteil der Last zu tragen, wenn unsere wechselseitigen Möglichkeiten sich gewandelt haben und auch ihr Wunsch nach Einfluß
gewachsen ist.
Unsere Tagesordnung wird beherrscht werden von der Suche nach konstruktiveren Beziehungen zum Osten. Diese Suche, Rüstungskontrolle und militärisches Gleichgewicht sind alle miteinander verbunden und sind keine von
einander unabhängigen oder einander widerstreitende Zielsetzungen. Wesentlich ist, den NATO-Doppelbeschluß des Jahres 1979 durchzuführen, also
mit der Modernisierung der nuklearen Mittel Streckensysteme voranzugehen
und gleichzeitig die RüstungskontrollVerhandlungen mit der Sowjetunion
fortzuführen, deren Ziel es ist, diese Systeme zu begrenzen.
Allzu lange haben wir so getan, als sei ein Nachlassen der Spannungen in Europa immun gegen sowjetische Versuche einer Veränderung des Kräftegleichgewichts. Al]zü lange haben wir geglaubt, der Rüstungskontroilprozeß könne an und durch sich allein dieses Gleichgewicht aufrechterhalten.
Die Abschreckung wird von jedem Mitglied des Bündnisses schmerzliche Opfer

- 8 -

�schmerzliche Opfer erfordern; aber wenn wir den Preis nicht jetzt zahlen,
werden wir weder eine dauerhafte Verbesserung der Beziehungen zum Osten
haben noch eine sinnvolle Verminderung der Rüstungen.
Auch unser gemeinsames wirtschaftliches Wohlergehen fordert Opfer von
jedem Land.

Wir können uns keine Wiederholung jener ungelösten Streitig-

keiten leisten, die das internationale Wirtschaftssystem in den dreißiger
Jahren so schwer schädigten.

Wie in anderen Bereichen, werden wir auch

hier, jeder für sich, leiden müssen, wenn wir nicht gemeinsam Fortschritte
machen.
Schließlich sollten wir uns auch unserer geschichtlichen Verantwortung
als freie Gesellschaften in einer Welt bewußt werden, in der die Freiheit
des einzelnen nurzuiöft unterdrückt wird.

Es gibt im Westen eine Tendenz,

bei unserer Beurteilung des internationalen Verhaltens mit zweierlei Maß
zu messen.

An die Befürworter der Freiheit und der Demokratie werden über-

kritische Maßstäbe angelegt, während die Vertreter des Totalitarismus im
Zweifelsfall begünstigt werden.

Wieviel Energie wird darauf verwandt, die

demokratische Revolution zu kritisieren und anzugreifen, während die Drohungen ihrer Feinde argumentativ akzeptiert und vergeben werden.
uns über die Folgen einer solchen Haltung im klaren.

Seien wir

Ein Bündnis, das in

seiner moralischen Zielsetzung aufgespalten und durch das Mißtrauen gegenüber seinen eigenen Motivationen untergraben wird, kann nicht lange überdauern.
Ein stärkeres und kooperativeres Bündnis ist ein Ziel, das sicherlich
in unserer Reichweite liegt.

Während der vergangenen 30 Jahre haben wir

uns erfolgreich mit zahlreichen politischen, wirtschaftlichen, militärischen
und moralischen Problemen auseinandergesetzt.
Zusammenarbeit bestehen fort.

Unsere Institutionen zur

Aber es ist an der Zeit, daß die Vereinig-

ten Staaten und ihre Verbündeten die Hindernisse beseitigen, die der Zukunft im Weg stehen.
Lassen Sie

- 9 -

�Lassen Sie mich nun auf ein anderes Gebiet'eingehen, wo uns eine
große Möglichkeit zum Wandet offensteht:
wicklungsländern.

Unsere Beziehungen zu den Ent-

Es ist eine der Widersprüchlichkeiten unseres Zeital-

ters, daß die Geschicke der Nationen in einem Moment, da sie immer mächtiger werden, immer mehr voneinander abhängen.

Gemeinsam haben wir und

die Führer der Entwicklungsländer die Möglichkeit, sicherzustellen, daß
diese wechselseitige Abhängigkeit zu einer Quelle des gegenseitigen Vorteils wird - gegründet auf der soliden Basis des gemeinsamen Interesses.
Die Folgen eines Scheiterns der Zusammenarbeit wären sowohl für Amerika
als auch für die Dritte Welt katastrophal.

Aber eine solche Zusammenar-

beit muß sich auf die unterschiedlichen Gegebenheiten der Gegenwart stützen und nicht auf die Schlagworte der Vergangenheit.
Die sogenannte "Dritte Welt" umfaßt die ölreichen OPEC-Staaten, die
sagenhafte Wachstumsrate Singapurs, aber auch viele Länder, die in höchster
Armut leben, und viele andere, die in keine dieser Kategorien passen.
Weder die verblassende Erinnerung an den Kampf gegen den Imperialismus
noch die antiwestliche Haltung vieler Erklärungen der Dritten Welt können die vielfältigen Unterschiede bei Interessen und Zielsetzungen unterdrücken. Unter der Oberfläche werden die neuen Möglichkeiten der wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit mit dem Westen von den einzelnen Staaten der Dritten Welt in immer praktischerer Weise ergriffen.
Eine solche Situation erfordert unsererseits Einfühlungsvermögen und
Einsicht, wenn wir unsere Bande zu den Entwicklungsländern verstärken wollen. Wir machen alle souveränen Staaten für das verantwortlich, was sie
sagen und was sie tun. Aber wir müssen auch die komplexen Gleichungen
des wirtschaftlichen und politischen Überlebens in den Entwicklungsländern
verstehen. Weder sie noch wir können uns ideologische Stereotypen in
Fällen leisten, wo sie nicht am Platze sind.
Eine weitere Dimension der Vielfalt der Dritten Welt ist der gewaltsame Konflikt.

Ethnische Rivalitäten und territoriale Teilungen, in sich

- 10 -

�in sich selbst Quelle der Unruhen, werden von den Sowjets und ihren Verbündeten ausgenützt.

Die Vereinigten Staaten können in Zusammenarbeit

mit ihren westlichen und regionalen Partnern viel tun, um bei der Lösung
solcher Konflikte behilflich zu sein. Aber wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, daß solche raschen Lösungen auch griffbereit liegen.
Die Illusion einer raschen Lösung ist besonders bei den gewaltigen
wirtschaftlichen Krisen und bei dem ungeheuren wirtschaftlichen Potential
unangebracht, die für viele der Entwicklungsländer so charakteristisch
sind.

Sowohl wir als auch die Staaten der Dritten Welt haben gelernt, daß

der Fortschritt nicht einfach importiert werden kann.

Letztlich werden

die produktiven Kräfte einer jeden Gesellschaft den Unterschied zwischen
Erfolg undVersagen bringen.
Die Führungen der Entwicklungsländer stehen daher heute vor der Herausforderung, mit der Wirtschaftskrise angesichts ihres wirtschaftlichen
Potentials mit unterschiedlichen und pragmatischeren
werden.

Methoden fertigzu-

Die Binnenwirtschaft, das Weltwirtschaftssystem und die poli-

tischen Zielsetzungen müssen in größere Harmonie miteinander gebracht werden.

Dies bedeutet zum Teil, daß viele Staatsmänner, die sich einer be-

stimmten Ideologie verschrieben haben, einsehen müssen, daß ihre Rezepte
die Chancen auf eigenständiges Wachstum auf breiter Grundlage ersticken.
Aber auch wir in der entwickelten Welt sollten erkennen, daß die wachsende wirtschaftliche Unsicherheit kaum zu politischer Stabilität beiträgt
oder die demokratischen Institutionen fördert.
Die Realitäten der Vielfalt, des Konfliktes und der großen Potentiale
führen zu einer entscheidenden Änderung der Einstellung vieler Staaten der
Dritten Welt.

Ihre Führungen stehen vor einer qualvollen Wahl.

Die mar-

xistisch-leninistische Ideologie war oft das Vehikel, das sie an die Macht
brachte; aber sie wurde nicht die treibende Kraft des Fortschritts.

Die

Herausforderungen des wirtschaftlichen und sozialen Wandels können nicht
ständig durch den Rückgriff auf überalterte Sprüche und brutalen Zwang

- 11 -

�brutalen Zwang überwunden werden.
Als Folge hiervon versuchen viele Länder mit unmittelbarer Erfahrung
der sowjetischen Umarmung in aller Stille, ihre Beziehungen auszuweiten,
zu ausländischen Investitionen zu ermutigen und die Abhängigkeit von einem
Herrn zu verringern, der ihnen wenig mehr zu bieten hat als die Werkzeuge
und die Techniken der Gewalt. Es gibt eine wachsende Bewußtwerdung unter
den ehemaligen Skeptikern in der Entwicklungswelt dahingehend, daß es der
Westen ist, bei dem die größten Hoffnungen auf friedliche Lösungen regionaler Konflikte auf dem Verhandlungsweg liegen - und der größte Anreiz zu
solchen Verhandlungen.
Eine solche Annäherung der Interessenlagen bietet eine einzigartige
Möglichkeit zur Schaffung konstruktiverer und vorteilhafterer Beziehungen
zwischen dem Westen und den Entwicklungsländern. Wenn wir diese Gelegenheit nicht ergreifen, könnten diejenigen, die heute bei der Suche nach besseren Beziehungen zum Westen vorangehen, leicht morgen die Opfer einer
vergifteteren Atmosphäre der wechselseitigen Beschuldigungen ,des wirtschaftlichen Niedergangs und des bewaffneten Konflikts werden. Vorteil würden
hieraus nur unsere Gegner ziehen.
Schließlich steht unser Land vor einer historischen Möglichkeit bei
seinem Verhältnis zur Sowjetunion. Die Notwendigkeit, die "Widersprüche"
und die Verwicklungen unseres Zeitalters in den Griff zu bekommen, während wir gleichzeitig versuchen, unsere Zielsetzungen zu verfolgen, ist
nirgendwo entscheidender als bei dem Verhältnis zwischen den beiden Supermächten. Dies ist nichts weniger als eine Herausforderung an unser nationales überleben - an die Werte, die unser Leben lebenswert machen, und an
unsere physische Existenz.
Die Politik des ausgehenden 20. Jahrhunderts wird noch immer von dem
Kampf zwischen zwei Wertvorstellungen von Gerechtigkeit und nationaler
Macht beherrscht. Im Namen eines utopischen Ideals legt der sowjetische
Totalitarismus nicht nur seinem eigenen Volk, sondern einem sich ver- 12 -

�sich vergrößernden Imperium ein einziges Sozialmodell auf.

Im Gegensatz

hierzu versuchen die Kräfte der Demokratie, nationale und internationale
Institutionen zu errichten, die sich auf Vielfalt, auf die Wahlmöglichkeit
des einzelnen und auf friedlichen Wandel gründen.

Der Wettstreit zwischen

diesen beiden Haltungen wird andauern.
Diese Rivalität wird jedoch durch eine andere zentrale Tatsache unserer Zeit beschränkt - die Kernwaffen.

Der totale Sieg mit militärischen

Mitteln ist zur Formel für die wechselseitige Katastrophe geworden.

Sogar

der Einsatz konventioneller Streitkräfte bringt das Risiko unvorhersagbarer
Konsequenzen mit sich.
Es ist daher unsere ständige Aufgabe, ein Verhältnis zur Sowjetunion
zu entwickeln und zu unterhalten, das anerkennt, daß der Wettstreit weitergehen wird, das aber zugleich den Einsatz oder die Androhung von Gewalt
beschränkt.

Für dieses Verhältnis können wir einen dauerhaften Rahmen

schaffen, wenn wir die Extreme vermeiden, die die amerikanische Außenpolitik in der Nachkriegszeit verzerrt haben:
- daß erstens der Ausdruck des guten Willens und der Verhandlungsbereitschaft seitens der Vereinigten Staaten irgendwie ein Ersatz für die
amerikanische Stärke sein könnte und die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen vom Wettstreit weg-

und zu

Zusammenarbeit hinführen würde;

- daß zweitens eine Haltung der Konfrontation, eine Weigerung zu
verhandeln, irgendwie zur Kapitulation der anderen Supermacht führen
könnte.
Wir müssen heute mit den Folgen dieser unausgewogenen Methode leben,
insbesondere mit dem Vermächtnis eines Jahrzehnts, in dem Verhandlungen häufig

einen Ersatz für Stärke darzustellen schienen.

Beherrscht von den

psychologischen Auswirkungen Vietnams und angesichts des Widerstandes
gegen militärische Programme hier im Lande fielen wir der behaglichen über-

- 13 -

�behaglichen Oberzeugung anheim, daß Verhandlungen nicht nur eine Alternative seien zum Gleichgewicht der M^cht, sondern auch der Beweis an sich
für eine sich vergrößernde Bandbreite der Gemeinsamkeit von Interessen
mit der Sowjetunion.

Zu wenige bemerkten und begriffen, daß die Entspan-

nung an den sowjetischen Prioritäten nichts änderte.

Selbst als der Westen

um einen Abbau der Spannungen bemüht war, vergrößerten die Sowjets ihre
militärischen Streitkräfte.
Das Ergebnis des Wunschdenkens und der gründlichen nationalen Nabel schau Amerikas kam rasch und unfehlbar.

Moskau handelt mit allem Nach-

druck, um sein Herrschaftsgebiet zu erweitern.

In Vietnam, in Kampuchea,

im südlichen Afrika und in Äthiopien, in Afghanistan und nunmehr in Mittelamerika erleben wir die böse Ernte der Selbsttäuschung.
Wenn wir nun unsere Stärke wieder aufbauen, und uns erneut darum bemühen, die Sowjetunion davon zu überzeugen, daß Zurückhaltung in unserem
beiderseitigen Interesse liegt, dürfen wir uns nicht den Fehler eines anderen Extrems erlauben. Wir können nicht sagen, wir seien zu schwach, um
zu verhandeln, und gleichzeitig darauf bestehen, daß wir stark genug seien
für eine Politik der Konfrontation auf allen Gebieten. Wir gewinnen nichts
dadurch, daß wir uns den Anschein geben, wir fürchteten diplomatische Gespräche - weder' gewinnen wir dadurch an Hebel kraft gegenüber der Sowjetunion noch den Respekt und das Vertrauen unserer Verbündeten. Wir können
unsere Probleme nicht dadurch lösen, daß wir den Verhandlungstisch meiden,
und auch nicht dadurch, daß wir unsere Hoffnung auf Verhandlungen allein
stützen.
Nur ein amerikanisches Verhalten gegenüber der Sowjetunion, das Stärke und Verhandlungen gegeneinander abwiegt, bietet die beste Hoffnung auf
bedeutsame Erfolge. Wir müssen unsere Politik in den Zusammenhang wichtiger Veränderungen stellen, die in der Dritten Welt sowie im sowjetischen
Imperium stattfinden, und die Moskau vielleicht zugänglicher macht gegenüber der Tugend der Zurückhaltung. Der sowjetische Versuch, das Gleichge-

- 14 -

�das Gleichgewicht der Macht zu verändern, hat einen Spielraum zunehmendem
internationalen Widerstandes geschaffen.

Das amerikanische Volk hat ge-

zeigt, daß es militärische Unterlegenheit nicht akzeptieren wird.

Moskau

hat sich durch seine Aggression in Afghanistan und die Unterstützung der
Unterjochung Kampucheas durch Vietnam die Befürchtungen und die Feindschaft
vieler blockfreier Staaten zugezogen.
Dieser Spielraum ergibt sich zu einem Zeitpunkt, da sich die sowjetischen
Aussichten selbst verschlechtert haben. Die Verbündeten Moskaus befinden
sich in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, und die sowjetische Wachstumsrate selbst verringert sich. Die landwirtschaftlichen Schwierigkeiten
halten an, und vor allem anderen werden das sowjetische Modell und die sowjetische Ideologie - und dies hat Polen bewiesen - von den Arbeitern selbst
in immer stärkerem Maße abgelehnt.
Die Sowjetunion dürfte sich im Verlaufe der achtziger Jahre, wenn sie
einen Wechsel in der Führung erfahren wird, größeren wirtschaftlichen Schwierigkeiten und einer wachsenden internationalen Isolation gegenübersehen eine wesentliche Veränderung gegenüber einer Zeit ungewöhnlicher Stabilität
und Expansion.

Diese Realität wird einen noch größeren Kontrast bilden als

vorher gegenüber dem von Moskau sorgfältig kultivierten Bild eines progressiven friedlichen Regimes. Das sowjetische Volk selbst kann nicht völlig unberührt bleiben von den Appellen nach Frieden und Abrüstung, die vom
Kreml so nachdrücklich an den Westen gerichtet werden.

Als Folge dürften

die sowjetischen Führer es wahrscheinlich in zunehmendem Maße schwierig finden, den Status quo im eigenen Lande aufrechtzuerhalten, und gleichzeitig
eine fehlgeschlagene Ideologie ins Ausland zu exportieren.
Während dieser heiklen und gefährlichen Periode der sich wandelnden
Beziehungen zwischen den Supermächten müssen die Vereinigten Staaten der
Sowjetunion klarmachen, daß Aggression bestraft und Zurückhaltung belohnt
wird.

Wir können angesichts des sowjetischen Abenteurertums in Afghanistan

oder der von der Sowjetunion ausgehenden Unterdrückung in Polen nicht so
tun, als wäre nichts geschehen.

Aber wir haben auch wesentliche Hilfe für

Polen in Aussicht gestellt, wenn der Reformprozeß dort erneuert wird.
- 15 -

Und

�Und wir sind bereit, der sowjetischen Führung zu zeigen, daß internationale Mäßigung ihr dabei helfen kann, schmerzhaften innenpolitischen
Zwangslagen durch breit angelegte

Beziehungen mit den Vereinigten Staa-

ten und anderen westlichen Ländern zu begegnen.
Wir müssen auch im Hinblick auf das militärische Gleichgewicht und
auf Krisengebiete neue Realitäten schaffen, um die Sowjetunion zu ermutigen, die Notwendigkeit einer Mäßigung im eigenen Interesse zu akzeptieren.

Das ist das Ziel unserer neuen Verteidigungsprogramme und unserer

diplomatischen Initiativen in den Gebieten des südlichen Afrika, den Nahen
und Mittleren Osten und der Karibik.

Inzwischen werden wir weiterhin die

sowjetische Bereitschaft sondieren, sich zu Verhandlungen bereit zu finden,
die auf Erreichung konkreter Ergebnisse abgestellt sind; wobei wir davon
ausgehen müssen, daß Fortschritte auf all diesen Gebieten und im Bereich
der Rüstungskontrolle unvermeidlicherweise durch das Verhalten der Sowjetunion und das Klima der Ost-West-Beziehungen berührt werden.
Ein wesentlicher Teil unserer Strategie ist auch weiterhin, zwischen den kommunistischen Ländern selbst zu differenzieren. Das ist
eine seit langem verfolgte Politik, die Autonomie und Vielfalt ermutigt.
Sie reagiert nicht nur auf ein natürliches Gefühl der nationalen Unabhängigkeit, sondern auch auf die Entstehung eines politischen Pluralismus.
Und schließlich müssen wir, genauso wie die Sowjetunion die marxistischleninistischen Kräfte im Westen und Süden aktiv unterstützt, den demokratischen Kräften nachdrücklich Unterstützung gewähren, wo immer sie
existieren - auch in den Ländern, die gegenwärtig kommunistisch sind.
Wir sollten nicht zögern, unsere eigenen Werte zu fördern, wohl wissend,
daß die Freiheit und die Würde des Menschen diejenigen Ideale sind, die
das Streben nach sozialer Gerechtigkeit motivieren.

Eine freie Presse,

freie Gewerkschaften, freie politische Parteien, die Freiheit des Reisens
und die Freiheit des Schaffens sind die Bestandteile der demokratischen
Revolution der Zukunft, nicht der Status quo einer verfehlten Vergangenheit.

Wir wollen, daß der Wettstreit zwischen Demokratie und Kommunismus
- 16 -

�und Kommunismus mit friedlichen und politischen Mitteln geführt wird, aber
uns stehen auch andere Mittel zur Verfügung, falls die Sowjetunion auf
Methoden der gewaltsamen Auseinandersetzung besteht. Es muß einen einheitlichen Maßstab geben.
Kurzum:

Die Tatsachen sprechen gegen die Auffassung, daß es eine

baldige, plötzliche oder dramatische Aussöhnung sowjetischer und amerikanischer

Interessen geben wird.

Dieser Wettstreit wird andauern.

können durch unser Handeln die Sowjets zu mehr Vorsicht bewegen.

Aber wir
Und wenn

jetzt eine neue Generation sowjetischer Führer an die Macht kommt, dann
können wir signalisieren, wie vorteilhaft eine größere Zurückhaltung sein
wird.

Eine ausgewogene und beharrliche Politik Amerikas, die sich sowohl

der sowjetischen Stärken als auch Schwächen bewußt ist, kann Schritt für
Schritt die Gefahren verringern, die dem Ringen der beiden Supermächte
innewohnen.
Wenn wir uns dem Ende des 20. Jahrhunderts nähern, dann müssen wir
uns fragen, welche Richtung die Ereignisse nehmen werden.

Sind wir wäh-

rend des letzten Jahrzehnts dem Ziel einer freieren und friedlicheren
Welt näher gekommen?

Leider würden viele Menschen mit "Nein" antworten.

Besitzen wir die Mittel, den Willen und die Fähigkeit eine solche Welt zu
gestalten?

Die Antwort ist sicherlich "Ja".

Unser Ziel zu erreichen, ist nicht nur eine Sache der Waffen, obwohl
wir sie brauchen.

Es ist nicht nur eine Sache der Verteidigung von Inter-

essen, obwohl wir sie verteidigen müssen.

Und es kann nicht nur eine Sache

des einen oder anderen äußeren Rahmens sein, obwohl unsere Macht eingefügt werden muß.

Das ausgezeichnetste

Konzept nützt wenig ohne die Be-

harrlichkeit, es zu verfolgen.
Letztlich ist die. Außenpolitik die Bewährungsprobe für den Charakter einer Nation. Die Bewährungsprobe unseres Charakters besteht heute
darin, ob wir uns genügend um die Werte sorgen, die das Leben lebenswert
machen; um die inneren Überzeugungen, die die westliche Zivilisation ge- 17 -

�Zivilisation getragen haben.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich in un-

seren Gesellschaften eine bestimmte*Vorstellung vom Menschen festgesetzt.
Das Recht des einzelnen, die Verantwortung'der Regierung gegenüber den
Regierten und die Herrschaft des Rechts haben unsere Lebensweise ausgezeichnet.

Diese Ideale sind die wahre Quelle unserer Stärke und die wahre

Quelle der Schwäche unserer Gegner.
i

Eine Gesellschaft, in der Menschen nicht frei sind, nach ihrem Gewissen zu sprechen, in der Arbeitern die Würde verwehrt wird, in der die
Arbeit der Gemeinschaft in Kriegswaffen fließt, ist unnatürlich und widerlich. Im Gegensatz dazu hält die freie Meinungsäußerung des einzelnen oder
vieler unsere Regierung flexibel und wachsam. Und die Grundlagen der Übereinstimmung sind Worte, Gedanken und Stimmzettel und nicht die Polizeigewalt des Staates. Und die Mittel, die unter Zögern für die Verteidigung
bereit gestellt werden, sind zu Recht der striktesten Prüfung-und Rechtfertigung unterworfen.
Diese Ideale gehören keineswegs uns allein. Sie haben eine weltweite
Anziehungskraft. Unsere materiellen Leistungen werden bewundert und nachgeahmt. Aber die Kraft westlicher Wissenschaft und Technologie entspringt
der Kraft der Ideen. Die Völker der Welt hungern nach unseren Ideen, selbst
wenn sie zunächst die Vorteile unserer Maschinen haben wollen. Aber wenn
wir uns nicht um unsere eigenen Werte kümmern, dann können wir nicht erwarten, daß andere sie respektieren oder uns respektieren.
Die Geschichte lehrt uns, daß Fortschritt nicht unausweichlich kommt.
Freiheit und Demokratie sind oft verwehrt worden, und Völker sind mit Gewalt dem Diktat falscher Lehren unterworfen worden.

Aber wenn wir etwas

aus diesem unruhigen Jahrhundert gelernt haben, dann ist es, wie Churchill
einmal erklärte, daß nur die rasche Sammlung der Kräfte, um militärischer
und moralischer Aggression zu begegnen, den Frieden erhalten kann.

Eine sol-

che rasche Sammlung der Kräfte wird uns in die Lage versetzen, eine ganze
Welt zu schaffen, eine freie Welt, ohne sie dabei in Stücke zu sprengen.
Die Macht Amerikas muß diesem Zweck dienen.

+ + + ++
- 18 -

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