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                  <text>Information
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17/A

28. April 1982
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan: Nicht Einfrieren, sondern vermindern der Kernwaffen
- Fernsehansprache des US-Präsidenten Burt:

Ein Atomkrieg wäre eine unvorstellbare Katastrophe

- Ansprache des Direktors des Büros für politisch-militärische
Angelegenheiten General Smith: Amerikanische Truppen sollten in Europa bleiben
- Erklärung vor einem Senatsunterausschuß US-Unterstaatssekretär:

USA halten an NATO-Verpflichtung fest

- Erklärung vor einem Senatsunterausschuß Weinberger: Sowjets sind heute die einzigen Imperialisten
- Rede des US-Verteidigungsministers in New York HINTERGRUNDMATERIAL
Vor dem Beginn der START-Verhandlungen
- Kommentar der Stimme Amerikas WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumtransporter - ein Vielzweckgerät
- Vorläufiges Flugprogramm bis 1987 -

Um Über/endung von
Delegexemptafen
wird gebeten

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. April 1982

17

REAGAN: NICHT EINFRIEREN, SONDERN VERMINDERN DER KERNWAFFEN
- Fernsehansprache des US-Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat sich in einer Fernsehansprache für eine wesentliche Verminderung der Kernwaffen statt eines Einfrierens auf dem gegenwärtigen ungleichen Stand ausgesprochen.

Reagan äußerte

am 17. April 1982 vollstes Verständnis für alle, die Angst vor einem Atomkrieg
haben, wies jedoch darauf hin, daß nur ein militärisches Gleichgewicht den
Frieden sichern könne.
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Meine amerikanischen Mitbürger, während unserer ganzen Geschichte, und
vor allem in den letzten Jahren, haben Amerikaner eine ständig wachsende Rolle
als Friedensstifter gespielt - und immer wieder die Initiative ergriffen, um
anderen Ländern bei der friedlichen Beilegung ihrer Streitigkeiten zu helfen.
Ich brauche die Liste diplomatischer Bemühungen nicht aufzuzählen, die sich
auf alle Administrationen erstreckt, durch die wir mitgeholfen haben, Krieg
zu beenden und Frieden wiederherzustellen.
Und doch

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�I
I

Und doch gibt es noch immer Menschen, die fragen, welches Land der
wahre Friedensstifter sei - die Vereinigten Staaten oder die Sowjetunion.
Vielleicht sollten wir sie fragen, welches Land fast 100 000 Soldaten als
Besatzung in dem einst blockfreien Afghanistan stehen hat? Welches Land
eine spontane Arbeiterbewegung in Polen zu unterdrücken sucht?
Land die massivste Aufrüstung in der Geschichte betreibt?

Und welches

Oder stellen wir

die Frage einmal anders herum. Welches Land hat seinen Gegnern aus dem
Zweiten Weltkrieg wieder auf die Füße geholfen?

Welches Land nutzt wirtschaft-

liche und technologische Hilfe, um den Entwicklungsländern der Welt zu helfen
und strebt aktiv nach Frieden im Nahen Osten, im Südatlantik und im südlichen
Afrika?
Die Antwort liegt auf der Hand und sollte uns in Amerika Stolz und
Hoffnung vermitteln.

Es gibt

heute viele Menschen, das weiß ich, die auf

den unvorstellbaren Schrecken eines Atomkrieges verweisen.
ses

Ich begrüße die-

Anliegen. Jene, die Amerika im Atomzeitalter regiert haben, jene,die

es heute regieren, haben erkannt, daß ein Atomkrieg nicht gewonnen werden
kann und niemals geführt werden darf.
Ich kann also all jenen, die gegen einen Atomkrieg protestieren, nur
sagen:

"Ich bin auf eurer Seite". Wie bei meinen Vorgängern ist es jetzt

meine oberste Pflicht, alles nur Mögliche zu tun, um einen solchen Krieg zu
verhindern.

Niemand spürt so sehr wie ich, wie notwendig der Frieden ist.

Während der ersten Hälfte meines Lebens lag die ganze Welt im Krieg
oder erholte sich gerade von einem Krieg oder bereitete gerade einen Krieg
vor. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges hat es keinen Weltkonflikt mehr
gegeben. Aber in verschiedenen Teilen der Erde haben sich Kriege abgespielt
und spielen sich noch ab.
Dieser Zeitraum von 37 Jahren seit dem Zweiten Weltkrieg ist das Ergebnis
unserer Bemühungen, ein Kräftegleichgewicht zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion aufrechtzuerhalten - und zwischen den strategischen Nuklearkapazitäten beider Seiten.

Solange dieses Gleichgewicht aufrechterhalten

wird, haben beide Seiten einen überwältigenden Anreiz zum Frieden.
„
In den

�In den siebziger Jahren haben die Vereinigten Staaten dieses Gleichgewicht
verändert, indem sie praktisch bei ihrer eigenen militärischen Verteidigung
Zurückhaltung übten, während die Sowjetunion sich in eine beispiellose Aufrüstung ihrer konventionellen und nuklearen Streitkräfte stürzte.
Als Ergebnis ist das militärische Gleichgewicht, das es uns ermöglichte,
den Frieden aufrechtzuerhalten, heute gefährdet.

Wenn keine Schritte unter-

nommen werden, unsere Verteidigung zu modernisieren, dann werden die Vereinigten Staaten schrittweise die Fähigkeit verlieren, die Sowjetunion davor abzuschrecken, Gewalt oder Androhung von Gewalt gegen uns und unsere Verbündeten
anzuwenden.
Es wäre zu schön, wenn wir unser Gleichgewicht mit der Sowjetunion ohne
eine Erhöhung unserer militärischen Macht vornehmen könnten.

Und idealer-

weise wäre es ein großer Schritt zum Frieden, wenn wir auf beiden Seiten wesentliche und verifizierbare Verringerungen der Waffen hätten.
wir uns nichts vor.
schenken kommen.
sionen machen.

Aber machen

Die Sowjetunion wird zu keinem Verhandlungstisch mit Ge-

Sowjetische Unterhändler werden keine einseitigen KonzesUm die Parität zu erreichen, dürfen wir keine Zweifel daran

lassen, daß wir gewillt sind, die Parität durch unsere eigene Anstrengung zu
erreichen.
Viele Leute lassen sich durch die Idee eines Einfrierens der Kernwaffen
verlocken.

Das wäre eine schöne Sache, wenn wir in der strategischen Kapa-

zität gleich wären.

Das sind wir nicht. Wir können kein

übereinkommen ak-

zeptieren, das die derzeitige Ungleichheit festschreibt.
Der gegenwärtige Stand der Nuklearstreitkräfte ist auf beiden Seiten zu
hoch.

Es muß das Ziel aller Verhandlungen über Rüstungskontrolle sein, die

Zahl der Kernwaffen zu verringern.
Seit dem Zweiten Weltkrieg haben die Vereinigten Staaten bei zahllosen
Gelegenheiten versucht, die Zustimmung der Sowjets zu solchen Verringerungen
zu erhalten.

Wir begannen schon zu der Zeit, als wir noch allein über solche
- 3 -

�über solche Waffen verfügten.

Es ist uns niemals gelungen, die Sowjetunion

zu überzeugen, sich uns in einem solchen Einvernehmen anzuschließen - selbst
als wir vorschlugen, alles nukleare Material und alle Informationen einer
internationalen Körperschaft zu übergeben und als wir als einziges Land Kernwaffen besaßen.
Wir bereiten eine neue Abrüstungsanstrengung hinsichtlich der strategischen Nuklearstreitkräfte vor und stehen in Genf bereits in Verhandlungen
über nukleare Mittel Streckensysteme, die Europa bedrohen.

Unser Ziel bei

diesen Verhandlungen ist die Beseitigung solcher Raketen.

Was die strate-

gischen Nuklearstreitkräfte anbetrifft, so werden wir auf wesentliche Verringerungen auf beiden Seiten abzielen, die zu gleichen und verifizierbaren Begrenzungen führen.

Wir werden alles in unseren Kräften Stehende tun, um zu

einem Abkommen zu gelangen, das die Möglichkeit eines Atomkrieges verringert.
Wenn uns das gelingt, dann werden wir eines Tages vielleicht ein Verhältnis zur Sowjetunion erreichen, das nicht von der nuklearen Abschreckung
abhängt, um sowjetische Zurückhaltung zu sichern.
Ich lade die Sowjetunion ein, einen solchen Schritt mit uns zu tun.
Und ich bitte Sie, das amerikanische Volk, unsere Bemühungen zu unterstützen,
auf dem Verhandlungswege ein Ende dieser Drohung eines Jüngsten Tages herbeizuführen, die über der Welt hängt.
Ich danke Ihnen und Gott segne Sie.

+ + + + +

- 4 -

�28. April 1982

BURT: EIN ATOMKRIEG WARE EINE UNVORSTELLBARE KATASTROPHE
Ansprache des Direktors des Büros für politisch-militärische
Angelegenheiten -

WASHINGTON - (AD) - In einer Rede vor dem "Advertising Council" am 23.
April 1982 in Washington erklärte Richard Burt, Direktor des Büros für politisch-militärische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, daß
"ein Atomkrieg eine unvorstellbare Katastrophe wäre. Ein solcher Krieg kann
nie gewonnen werden und darf nie ausgetragen werden." Präsident Reagan hatte
bereits am 17. April in einer Rundfunk- und Fernseherklärung seine Unterstützung für jene zum Ausdruck gebracht, "die gegen einen Atomkrieg protestieren".
Reagan erklärte: "Ich bin auf eurer Seite." Auch Burt hob wie Reagan hervor, daß es darauf ankomme, durch Verhandlungen mit der Sowjetunion einen
wesentlichen Abbau der Kernwaffen zu erreichen.
Die Ansprache von Richard Burt unter der Überschrift "Amerikas Verpflichtung zum Frieden" hat folgenden Wortlaut:
In der vorigen Woche haben Amerikaner ausdrucksvoll ihre Besorgnis über
die Kernwaffen und über die Aussichten eines atomaren Wettrüstens zwischen
der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten zum Ausdruck gebracht. Diese Be-

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�Diese Bedenken haben zu einigen Vorschlägen geführt, die die Administration
für unklug hält.

Aber jene, die da gegen den Atomkrieg protestieren, stehen

nun wirklich nicht allein. Wie Präsident Reagan, Außenminister Haig und andere deutlich gemacht haben, teilt die Administration jene Besorgnisse und
viele der Zielsetzungen derjenigen, die für den Frieden marschieren.
- Wir sind alle einer Meinung, daß ein Atomkrieg eine unvorstellbare
Katastrophe wäre.

Ein solcher Krieg kann nie gewonnen werden und darf nie

ausgetragen werden.
- Wir sind alle einer Meinung, daß ein ungezügelter Wettstreit zwischen
den Vereinigten Staaten und der UdSSR bei der Beschaffung von Kernwaffen verschwenderisch und gefährlich ist.
- Wir sind alle einer Meinung, daß die derzeitigen Kernwaffenarsenale
zu groß sind.
- Wir sind alle einer Meinung, daß die Rüstungskontrolle die größte und
einzig reale Hoffnung auf eine Beschränkung des nuklearen Wettstreits und
auf eine Verringerung der Kernwaffen ist.
Angesichts des großen prinzipiellen Einverständnisses in diesem Lande
darüber, wie das Problem der Kernwaffen anzugehen sei, lohnt sich eine Untersuchung darüber, warum das Ausmaß der öffentlichen Aufmerksamkeit gegenüber
diesen Fragen in den letzten Monaten so dramatisch zugenommen hat.
Meiner Ansicht nach erleben wir eine Rückkehr zu einer gesunden öffentlichen Besorgnis über Kernwaffen und öffentliche Unterstützung für Fortschritte
bei der Rüstungskontrolle nach einer Periode, in der solche Besorgnisse nicht
zum Ausdruck gebracht wurden und eine solche Unterstützung sich nicht manifestierte.

Dieses Fehlen einer öffentlichen Besorgnis und Unterstützung für

die Rüstungskontrolle hat, wie ich meine, mehrere Ursachen:
Erstens machten
- 2 -

»

�Erstens machten die Amerikaner bei der Rüstungskontrolle die Erfahrung
weitverbreiteter Ernüchterung.

Anfang bis Mitte der siebziger Jahre führten

die Vereinigten Staaten, ein noch nie dagewesenes Programm der Rüstungskontrolle
durch, zu dem Anstrengungen

wie die Kontrolle der nuklearen, chemischen und

konventionellen Waffen, der strategischen Streitkräfte, der Streitkräfte in
Europa und sogar der Streitkräfte im Indischen Ozean gehörten.

Zum Teil weil

unsere Tatkraft sich auf so viele Bereiche erstreckte und so viele Ziele
gleichzeitig verfolgte, wurde letztlich wenig erreicht. Als Ergebnis zeigte
sich weitverbreitete Enttäuschung in der Öffentlichkeit und Apathie hinsichtlich der Möglichkeiten der Rüstungskontrolle.
Der zweite Hauptgrund für den fehlenden Fortschritt bei der Rüstungskontrolle und für die Ernüchterung der Öffentlichkeit gegenüber diesem Prozeß
war das sowjetische Verhalten. Seit Beginn ihrer Intervention in Angola im
Jahr 1975 mittels kubanischer Stellvertreter über eine ähnliche Intervention
in Äthiopien im Jahr 1977 bis hin zur Invasion Afghanistans 1979 hat die
Sowjetunion wiederholt die politische Basis für einen Fortschritt bei der
Rüstungskontrolle untergraben.
Trotz unserer Enttäuschungen und Frustrationen:
ist von Natur aus optimistisch.

Das amerikanische Volk

Es geht gegen seine Natur, sich über Kern-

waffen keine Sorgen zu machen oder den Anstrengungen zur Verminderung eines
Kriegsrisikos und der Rüstungslasten keine Unterstützung zu gewähren.

Für

unsere nationale Einstellung ist die Überzeugung charakteristisch, daß diese
Probleme durch Verhandlungen und übereinkommen gelöst werden können und gelöst werden müssen.

Wir sehen also heute ein erneutes Auftreten unserer na-

tionalen Verpflichtung gegenüber dem Prozeß der Friedenssuche durch Verhandlungen - eine Verpflichtung, die durch mehrere Jahre der verringerten öffentlichen Aufmerksamkeit gegenüber diesen Fragen noch verstärkt wird.
Die Administration teilt diese Verpflichtung.

Sie ist jedoch entschlossen,

aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und sie in Zukunft zu vermeiden.
Eine Lektion,

�Eine Lektion, die wir gelernt haben, besteht darin, daß wir uns bei unseren Anstrengungen nicht verzetteln dürfen.

Wir müssen uns auf die Verhand-

lungen methodisch, sorgfältig und umfassend vorbereiten.

Wir müssen uns über

unsere Hauptziele bei der Rüstungskontrolle klar werden und sie dann mit Ausdauer und Konzentration verfolgen.

Wir müssen sicherstellen, daß die von uns

vorgeschlagenen Abkommen die beiderseitige Sicherheit auch wirklich erhöhen
und, einmal ausgehandelt, auch die Bekräftigung durch unsere Verbündeten, die
Unterstützung durch unser Volk und das Einverständnis des Kongresses erhalten.
Eine andere Lektion des letzten Jahrzehnts ist die, daß die Rüstungskontrolle nicht in einem Vakuum vor sich gehen kann.

Vernünftiger Fortschritt

und bedeutsame Abkommen hängen von unserer Fähigkeit ab, die Sowjetunion zur
Zurückhaltung in ihrem Auftreten in der Welt zu ermutigen und diese Zurückhaltung sicherzustellen.

Dabei ist die Rüstungskontrolle ein Mittel, dies zu er-

reichen, aber sie kann dies nur dann erfolgreich bewirken, wenn sie von anderen Mitteln politischer, wirtschaftlicher und diplomatischer Natur unterstützt wird, die uns zur Verfügung stehen.
Eine Schwierigkeit besteht hinsichtlich der sowjetischen Zurückhaltung
darin, daß der Druck auf die sowjetische Führung zur Aushandlung ausgewogener
Rüstungskontroll Vereinbarungen in ihrem eigenen Land fehlt.

Wir müssen davon

ausgehen, daß die Völker der Sowjetunion und Osteuropas sich genauso um den
Frieden sorgen und genauso gegen einen Atomkrieg sind wie wir.

Unglücklicher-

weise haben sie keine Möglichkeiten, diese ihre Sorgen zum Ausdruck zu bringen.

Sie haben auch keine Möglichkeit, ihre Regierungen unter Druck zu set-

zen, um diese ihre Sorgen ernstzunehmen.

Ja, wir stehen vor der unnatürlichen

Situation, daß Moskau und die osteuropäischen Regierungen aktiv die Friedensbewegungen im Westen ermutigen, während sie eben diese im Osten aktiv unterdrücken.

Es ist klar, daß die Menschen im Westen nicht auf ihr eigenes Vor-

recht und ihre moralische Verpflichtung verzichten können, ihrer Überzeugung
und ihren Sorgen Ausdruck zu verleihen, nur weil die Völker im Osten nicht
den gleichen Druck auf ihre eigenen Regierungen ausüben können.

Wir sollten

allerdings nicht vergessen, daß das Ziel der Rüstungskontrolle vereinbarte
Zurückhaltung auf beiden Seiten ist und daß unser Verhandlungspartner in diesem
- 4 -

�in diesem Prozeß nicht unter dem selben Druck steht wie wir selbst.
Wie ich bereits gesagt habe, gibt es in diesem Land große Übereinstimmung hinsichtlich der Unterstützung der Anstrengungen zur Kontrolle und zur
Verminderung der nuklearen Arsenale.

Es gibt jedoch Meinungsverschiedenhei-

ten darüber, um welche Art von Rüstungskontrollvereinbarungen wir uns bemühen
sollten.

Manche haben zum Beispiel vorgeschlagen, wir sollten der Sowjetunion

ein beiderseitiges Einfrieren der Entwicklung, Produktion und Dislozierung von
Kernwaffen anbieten.

Präsident Reagan hat jedoch auf die Schwachstellen eines

jeden Einfrierens auf derzeitigem Niveau hingewiesen:
- Ein solches Einfrieren würde ein Jahrzehnt der ungezügelten Aufrüstung belohnen.
- Ein solches Einfrieren würde die Vereinigten Staaten für ein Jahrzehnt
der einseitigen Zurückhaltung bestrafen.
- Ein Solches Einfrieren würde der Sowjetunion jeglichen Anreiz zur Verminderung durch Verhandlungen nehmen.
Die Administration hat deutlich gemacht, daß sie eine andere Methode
vorzieht, von der wir glauben, daß sie ausgewogener und wirkungsvoller ist.
Aufgrund der Erfahrung aus den siebziger Jahren sind wir für die Aushandlung
von Verminderungen des Niveaus der Kernwaffen auf beiden Seiten, was zu vereinbarten, verifizierbaren und gleichen Begrenzungen führen würde.
In Genf haben wir der Sowjetunion bereits Vorschläge über beträchtliche
Verminderungen des geplanten Niveaus bei den nuklearen Mittel Streckensystemen
unterbreitet, und wir haben uns für eine völlige Beseitigung jener Systeme
auf beiden Seiten eingesetzt, die am wirkungsvollsten und am bedrohlichsten sind.
In den nächsten Wochen werden wir unsere Vorbereitungen für die Verhandlungen mit der Sowjetunion über die strategischen Kernwaffen abgeschlossen
haben.

Auch hier werden wir bald in der Lage sein, konkrete Vorschläge zu

unterbreiten.

Diese Vorschläge werden fair sein.

in gutem Glauben verhandeln.

Wir werden ernsthaft und

Wenn die Sowjetunion das gleiche tut, werden

die Erfolgsaussichten gut sein.
Amerika hat

�Amerika hat ein schwieriges Jahrzehnt hinter sich.
Vietnam und Watergate liegen hinter uns.

Die Traumata von

Erneut wendet sich unser Volk den

wirklich entscheidenden Fragen unserer nationalen Zielsetzung und nationalen
Sicherheit zu - den Fragen nach Krieg und Frieden, nach Kernwaffen und
Rüstungskontrolle, nach unserem Verhältnis zu unseren Verbündeten und zur
Sowjetunion.

Als Nation und als Administration sind wir dem Frieden ver-

pflichtet und sind optimistisch genug zu glauben, daß er durch geduldige und
feste Diplomatie gesichert werden kann.

Im Südatlantik, im Nahen Osten, bei

unseren Kontakten zur Sowjetunion und bei der Entwicklung unserer Rüstungskontroi lpolitik verfolgen wir dieses Ziel.

Wir begrüßen die lebhafte natio-

nale Debatte über diese Fragen und die Gelegenheit, die sie bietet, unsere
Politik zu erklären und die Unterstützung der Öffentlichkeit dafür zu sichern,

+ + + + +

- 6-

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
28. April 1982

GENERAL SMITH: AMERIKANISCHE TRUPPEN SOLLTEN IN EUROPA BLEIBEN
- Erklärung vor einem Senatsunterausschuß -

WASHINGTON - (AD) - Der Stellvertretende Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte in Europa, General W. Y. Smith, hat am 22. April 1982 erklärt, daß jetzt nicht der Zeitpunkt für einen Abzug amerikanischer Truppen
aus Europa sei. Vor dem Verteidigungsunterausschuß des Bewilligungsausschusses
des Senats sagte der General, nach dem Urteil hoher amerikanischer Befehlshaber
würde ein Abzug wesentlicher Teile der US-Streitkräfte den Nuklearstreitkräften
vermehrte Erfordernisse aufbürden - zu einem Zeitpunkt, da es das Ziel der Vereinigten Staaten sei, sich in größerem Maße auf konventionelle Truppen zu
stützen.
Die Ausführungen von General Smith haben in ihren wesentlichen Teilen
folgenden Wortlaut:
Die amerikanischen Streitkräfte befinden sich in Europa, um lebenswichtige
Interessen der Vereinigten Staaten in Europa zu schützen - nicht nur die
Sicherheit der Westeuropäer. Die wirtschaftliche, industrielle und technische

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D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�und technische Kapazität Westeuropas und sein Potential für ein weiteres
Wachstum sind von entscheidender Bedeutung für eine Welt, von der die USA

ein

Teil sind und für deren Erhaltung sie in ihrer Geschichte Blut und Gut hingegeben haben:
1. Für eine Welt, in der die Traditionen der westlichen Demokratien
blühen und gedeihen können;
2. für eine Welt des freien Handels und
3. für eine Welt, in der Konflikte mit friedlichen Mitteln beigelegt
werden. ...
Unsere Verbündeten in der NATO sind sich über die entscheidende Bedeutung
der anhaltenden amerikanischen Militärpräsenz im klaren. Sie haben Maßnahmen
ergriffen - und tun dies auch weiterhin -, um die Lasten der USA für die Aufrechterhai tung der vorne dislozierten Streitkräfte zu erleichtern.
Ein wichtiges Beispiel ist das Abkommen über Unterstützung durch den Aufnahmestaat in Krise oder Krieg (Wartime Host Nation Support Agreement), das
gerade zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland unterzeichnet worden ist. ... Ein weiteres Beispiel ist die deutsche Bereitschaft,
über den Leitplan der amerikanischen Armee für eine Umverlegung (MRP) zu
sprechen, durch den die an Ort und Stelle stationierten Truppen der amerikanischen Armee näher an ihre Verteidigungspositionen in Kriegszeiten verlegt werden
sollen. Diese Erörterungen werden komplex und schwierig sein, nicht etwa wegen
deutsch-amerikanischer Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Notwendigkeit
dieses Planes, sondern wegen der Notwendigkeit, schwierige Entscheidungen darüber
zu treffen, wie die knappen Mittel verwendet werden sollen.
Die USA ziehen auch weiterhin erheblichen Nutzen aus dem Infrastrukturprogramm der NATO. Eine kürzliche Studie, die für den Bewilligungsausschuß des
Repräsentantenhauses erstellt wurde, kommt zu dem Ergebnis, daß sich in den
Jahren 1972 bis 1978 die Projekte, die die USA nutzen konnten, auf 41,36 Prozent
aller Projekte beliefen, die für die Nutzung seitens nationaler Streitkräfte

�nationaler Streitkräfte vorgesehen waren. Zu dieser Kategorie gehören keine
Einrichtungen, die gemeinsam von allen NATO-Ländern benutzt werden - als Einrichtungen, die auf jeden Fall eine gemeinsame Finanzierung erforderlich gemacht hätten. Während dieses gleichen Zeitraums hielt sich der finanzielle
Beitrag der Vereinigten Staaten zum Infrastrukturprogramm bei 27,4 Prozent
des gesamten Programms. Angesichts der neuen "VerstärkungsunterstützungsKategorie" in bezug auf solche Projekte könnte der amerikanische Nutzungsanteil bis 1984 sogar auf etwa 50 Prozent der gesamten nationalen Projekte anwachsen.

Der effektive Beitrag der europäischen Verbündeten ist praktisch

noch größer, als diese amtlichen Zahlen erkennen lassen, da das Gastland für
jedes Infrastrukturprojekt ohne Kosten für die NATO den Grund und Boden und
die Zufahrtsstraßen zur Verfügung stellt und für den Zugang zu den Einrichtungen sorgt. Diese Ausgangskosten werden auf etwa 13 Prozent der Gesamtkosten für

eine große, neue Einrichtung geschätzt.

Es gibt heute in Westeuropa Anzeichen der Unbehaglichkeit und der Unsicherheit, die sich in den kürzlichen "Friedens-Demonstrationen"manifestierten.

Meinungsumfragen zeigen jedoch, daß die überwältigende Mehrheit der West-

europäer gegenüber den USA immer noch sehr freundschaftlich eingestellt sind
und die NATO nachdrücklich unterstützen.

Im Herbst vergangenen Jahres stell-

ten Meinungsforscher in der Bundesrepublik Deutschland fest, daß fast 90 Prozent der dortigen Bevölkerung für gute Beziehungen zu den Vereinigten Staaten
sind und über 70 Prozent die Präsenz amerikanischer und anderer westlicher
Truppen auf deutschem Boden unterstützen.

(U.S. News and World Report,

14. Dezember 1981).
Diese umfassenden Meinungsumfragen werden bestätigt, wenn ich amerikanische Einrichtungen in Europa besuche und danach frage, wie die Beziehungen
zu der jeweiligen Gemeinde sind.

Die Antwort ist immer wieder:

"Sie waren

niemals besser", und die Behörden arbeiten auf allen Ebenen intensiv daran,
daß dies so bleibt. Statt amerikanische Streitkräfte zu diesem Zeitpunkt abzuziehen und damit die Zweifel irgendwelcher Minderheitsgruppen in Europa
an den Verpflichtungen der USA gegenüber unseren NATO-Verbündeten zu nähren,
müssen die USA auch weiterhin die Führung ergreifen, beispielsweise bei dem
- 3 -

�bei dem Bemühen des Bündnisses, mehr zu tun. Die USA sollten auch weiterhin
amerikanische Maßnahmen im Zusammenhang mit der NATO betonen und unterstreichen.
Niemand weiß, wie lange die amerikanischen Streitkräfte in Europa bleiben
müssen.

Es ist jedoch die Ansicht hoher amerikanischer Befehlshaber in Europa,

daß ein Abzug wesentliche Teile der amerikanischen Streitkräfte zum jetzigen
Zeitpunkt:
- größere Erfordernisse der Abschreckung den Nuklearstritkräften auferlegen würde - zu einer Zeit, da es unser Ziel ist, sich in vermehrtem Maße auf
konventionelle Streitkräfte zu verlassen;
- den Eindruck bei antiamerikanischen Gruppen in Europa erwecken würde,
daß sie die amerikanische Sicherheitspolitik diktieren könnten;
- zu einer Zersplitterung des NATO-Bündnisses zu einem Zeitpunkt führen
würde, da mehr - statt weniger - militärische Kapazität und politischer Zusammenhalt notwendig sind;
- die Sowjets in Richtung auf ihre Ziele hinsichtlich der Beherrschung
Westeuropas voranbringen würde ohne irgendeine Anstrengung oder ein Risiko
ihrerseits; und
- den lebenswichtigen Interessen der Vereinigten Staaten zuwiderlaufen
würde.
Einfach ausgedrückt:

Ein Abzug amerikanischer Streitkräfte zu dieser

Zeit würde die falsche Auswirkung haben, die falschen Ergebnisse zeitigen und
die falsche Botschaft an unsere Verbündeten und potentiellen Gegner gleichermaßen übermitteln.

+ + + + +

- 4-

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Embassy of the United States of America

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28. April 1982

US-UNTERSTAATSSEKRETÄR: USA HALTEN AN NATO-VERPFLICHTUNG FEST
- Erklärung vor einem Senatsunterausschuß -

WASHINGTON - (AD) - Der Unterstaatssekretä'r für internationale Sicherheitspolitik im amerikanischen Verteidigungsministerium, Richard N. Perle,
betonte am 22. Abril 1982 vor dem Verteidigungsunterausschuß des Bewilligungsausschusses des Senats, daß die Vereinigten Staaten an ihren NATO-Verpflichtungen festhalten müssen und werden.
Die Erklärung Perles vor dem Unterausschuß hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, ich freue mich, heute vor diesen Unterausschuß treten zu können und über die amerikanischen Verpflichtungen im Gebiet des Nordatlantikpaktes zu sprechen.
Zweimal in diesem Jahrhundert haben Amerikaner auf den Schlachtfeldern
Europas gekämpft und sind gestorben, um die lebenswichtigen Interessen der
Vereinigten Staaten zu schützen und den Frieden und die Unabhängigkeit von
Freunden und Verbündeten wiederherzustellen, mit denen wir gemeinsame Traditionen und Werte teilen. Dieses Interesse ist heute noch gleich stark und
reicht über alle möglichen politischen Differenzen hinaus, die von Zeit zu
Zeit unter den Mitgliedern der westlichen Gemeinschaft auftreten mögen. Die

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D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Die Bedrohung des Bündnisses ist heute nach unserer Überzeugung größer als
zu irgendeinem Punkt in der Geschichte des Bündnisses. Die militärische
Macht der Sowjetunion wachst praktisch in allen Kategorien der Waffensysteme
weiterhin an. Seit Mitte der sechziger Jahre hat die UdSSR ihre realen Verteidigungsausgaben fast verdoppelt, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung
mehr als verdoppelt und die Mannschaftsstä'rke der Streitkräfte um über 30 Prozent erhöht.

Die Sowjetunion produziert heute neue Systeme in einem Tempo,

das es ihr ermöglichen wird, diese Aufwärtsbewegung weit in die Zukunft hineinzutragen.

Es wäre gefährlich naiv, von der Sowjetunion zu erwarten, daß

sie, wenn sie erst eine klare militärische Überlegenheit erreicht hat, nicht
versuchen würde, diese Kapazität noch stärker auszunutzen als derzeit.
Der stellvertretende Verteidigungsminister Carlucci hat hier bereits
über die globalen amerikanischen Verpflichtungen ausgesagt; General Smith und
ich sind gebeten worden, über die amerikanischeirTerpfl ichtungen gegenüber der
NATO zu sprechen.

Ich möchte jedoch von vorneherein klarstellen, daß die

Verpflichtungen der Vereinigten Staaten

wohlüberlegt und bewußt im Interesse

der nationalen Verteidigung der USA eingegangen sind - nicht nur um unsere
Freunde und Verbündeten verteidigen zu helfen - und von allen bisherigen Administrationen bekräftigt worden sind.

Die heutige Administration glaubt

fest an das Konzept der kollektiven Verteidigung, ohne das die nationale
Sicherheit der Vereinigten Staaten nur unter großen Schwierigkeiten und mit
so hohen Kosten garantiert werden könnte, daß die Freiheiten und die Lebensweise, die wir zu schützen suchen, einem gefährlichen Risiko ausgesetzt wären.
Herr Vorsitzender, ich werde oft gefragt, wieviel unsere Verpflichtung
zur Verteidigung Europas die Vereinigten Staaten kostet: Sind es 80 Milliarden Dollar oder 120 Milliarden Dollar jährlich?

Ich möchte behaupten, daß

jede quantitative Antwort bestenfalls bedeutungslos und schlimmstenfalls irreführend ist. Fast keine unserer Streitkräfte, außer jenen vor Ort in Europa,
sind rein auf die Verteidigung Europas ausgerichtet. Auf der anderen Seite
würden praktisch alle unsere

stehenden Streitkräfte - und die Reserven eben-

so - in einen Krieg verwickelt, der einen Großangriff des Ostens auf irgendeinen unserer NATO-Verbündeten einschließen würde.
Was man
- 2 -

�Was man fragen muß, ist, wieviel weniger unsere gegenwärtige kollektive
Sicherheit kostet als die Alternative.es "allein zu machen". Hier müssen mehrere Faktoren in Rechnung gestellt werden.
- Im Jahr 1981 gaben unsere europäischen Verbündeten und Kanada fast
128 Milliarden Dollar für die Verteidigung aus - praktisch alles im Bereich
des Nordatlantikvertrages.
- Unsere NATO-Verbündeten unterhalten aktive Streitkräfte von rund
drei Millionen Mann, das sind 60 Prozent der gesamten Mannschaftsstärke des
Bündnisses in Friedenszeiten.

Dieser Stand würde bei einer Mobilisierung

verdoppelt.
- Unsere NATO-Verbündeten stellen 90 Prozent der Landstreitkräfte der
NATO in Friedenszeiten, 75 Prozent der Luftstreitkräfte und 80 Prozent der
Seestreitkräfte in Europa.
- Selbst 30 Tage nach einer Mobilisierung gehen wir davon aus, daß unsere europäischen Verbündeten 75 Prozent der Landstreitkräfte und 5o Prozent
der Luftstreitkräfte in Europa stellen würden.
Gäbe es nicht diesen beträchtlichen Beitrag unserer NATO-Verbündeten
zur gemeinsamen Verteidigung, dann liegt auf der Hand, daß die amerikanischen
Verteidigungskosten zum Schutz lebenswichtiger Interessen der Vereinigten
Staaten beträchtlich erhöht werden müßten, und unser Mannschaftsbedarf würde
stark ansteigen.

Koalition oder "gemeinsame" Verteidigung ist politisch

nicht immer leicht durchführbar, aber sie sind ohne Frage weniger kostspielig
für alle Verbündeten als ein "Alleingang".
So wie die Verteidigungsanstrengungen des Bündnisses unsere eigenen
ergänzen und einen höheren Stand kollektiver Verteidigung zu tragbareren
Kosten erlauben, so ermöglicht die Vornestationierung amerikanischer Landund Luftstreitkräfte in Europa eine glaubwürdigere konventionelle Verteidigung der lebenswichtigsten exponierten Gebiete in der NATO und bietet die ent- 3 -

�die entscheidend wichtige Demonstration der amerikanischen Verpflichtung zur
Verteidigung der NATO. Ein integraler Bestandteil dieser Verpflichtung sind
die nuklearen Kapazitäten dieser Streitkräfte, die zusammen mit den Nuklearstreitkräften, die unsere Verbündeten disloziert haben, die entscheidende Verbindung im Spektrum der Abschreckung zwischen konventionellen Streitkräften
auf der einen und der letzten Abschreckung, den amerikanischen zentralen
strategischen Streitkräften, auf der anderen Seite. Eine glaubwürdige Abschreckung in Europa kann jedoch nicht ausschließlich auf dem amerikanischen
Nuklearschild beruhen, so lebenswichtig dieser ist.
Das nukleare Potential des Bündnisses muß mit wirksamen konventionellen
Streitkräften gekoppelt sein. Amerikanische Land- und Luftstreitkräfte in
Europa sind eine wesentliche Komponente einer glaubwürdigen konventionellen
Verteidigung, die dazu dient, die Ebene der Konfrontation zu erhöhen, auf der
wir uns entscheiden müssen, ob wir unsere Kernwaffen einsetzen wollen.
Die sowjetischen Streitkräfte sind so zusammengesetzt und disloziert, daß
die Warnung vor einem Angriff auf Westeuropa zweideutig und die Vorwarnzeit
kurz sein könnte. Es ist daher wesentlich, daß die NATO in kurzer Zeit antworten kann. Wir haben Gerät voraus eingelagert, damit amerikanische Streitkräfte im Falle einer Krise sofort verstärkt werden können, aber es gibt einfach keinen Ersatz für die Kampftruppen, die wir in Europa aufrechterhalten.
Ein einseitiger Abzug oder eine einseitige "Ausdünnung" dieser Streitkräfte
macht weder militärisch noch politisch Sinn.
Die Struktur unserer in Europa stationierten Streitkräfte hat derzeit
einen Umfang, der uns zusammen mit unseren Verbündeten in die Lage versetzt,
einer Bedrohung durch die stehenden Streitkräfte des Warschauer Paktes bei
kürzester Vorwarnzeit so zu begegnen, daß Zeit genug für die Mobilisierung
und Dislozierung von Reserveeinheiten gewährleistet ist. Ein Abzug amerikanischer
Truppen würde unsere Fähigkeit zur Redislozierung notwendiger Streitkräfte in
einem Krisenfall aufs Ernsthafteste belasten. Es würde sich eine Vielzahl von
Problemen ergeben, die mit den derzeit vorgesehenen Luft- und Seetransport-

- 4 -

�und Seetransport- sowie den Aufnahmekapazitäten nicht bewältigt werden könnten.
Zusammengenommen würden die einmaligen Kosten der Rückführung dieser Streitkräfte in die Vereinigten Staaten und die wiederkehrenden Kosten für ihren
Transport nach Europa für Training und für den Ernstfall dies verbieten.
Schließlich würde jeder einseitige Abzug amerikanischer Truppen aus
Europa sowohl von den Verbündeten als auch von potentiellen Gegnern als ein
Nachlassen amerikanischer Verpflichtungen angesehen werden. Er würde von der
Sowjetunion begrüßt und könnte die Vereinigten Staaten von Europa trennen. Ein
solches Nachlassen der Verpflichtung würde als ein Aufgeben der Führung des
Westens verstanden werden. Es würde nicht zu erhöhten Verteidigungsanstrengungen unserer Verbündeten führen, sondern wahrscheinlich eher den gegenteiligen
Effekt haben. Die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, zusammen mit den Verbündeten Einfluß auf politische, militärische und wirtschaftliche Fragen auszuüben, würde geschmälert.
Es steht außer Frage, daß militärisch gesehen von uns allen viel mehr
getan werden muß. Diese Administration hat mit einer kräftigen und seit langem
überfälligen Stärkung unserer Streitkräfte begonnen, um das wachsende Ungleichgewicht zwischen Ost und West in den entscheidenden Bereichen der Verteidigung
einzudämmen. Wir haben unsere Verbündeten gedrängt, sich uns bei diesem Unterfangen anzuschließen. Aber während eine Reihe unserer Partner hierauf positiv
reagiert hat, bleibt insgesamt ihr Verhalten unausgewogen und bedarf eindeutig
der Verbesserung.
Es ist wichtig, daß alle Partner in gleichem Maß sowohl die Vorteile der
kollektiven Sicherheit als auch die Kosten dieser gemeinsamen Verteidigung
teilen. Die NATO und ihre Mitgliedsstaaten müssen einen genauen Blick auf
diese Frage werfen, da jene Zeit wirklich vorüber ist, da sich die Verbündeten
mit gewisser Berechtigung auf ihre "Armut" berufen konnten. Im vergangenen Jahr
standen die Vereinigten Staaten hinsichtlich des Bruttoinlandsproduktes per
capita an achter Stelle unter den NATO-Ländern.
In jedem

�In jedem der vergangenen beiden Jahre hat das Verteidigungsministerium
für den Kongreß einen Bericht über die Beiträge der Verbündeten zur gemeinsamen
Verteidigung vorbereitet. Sie alle haben diesen Bericht gesehen. Darin haben
wir versucht, eine Reihe von Maßnahmen der nationalen Anstrengung auszuarbeiten
und dabei sowohl die quantifizierbaren als auch die nichtquantifizierbaren Beiträge der einzelnen Staaten voll mit in Rechnung zu stellen.
Betrachtet man die Vielzahl der nichtquantifizierbaren Faktoren, so kommt
man zu der Überzeugung, daß die europäischen Verbündeten insgesamt einen im
großen und ganzen ausgewogenen Beitrag für das Bündnis leisten. Einzelne
Unausgewogenheiten müssen ausgeglichen werden, und wir drängen mehrere Länder
darauf, ihre Beiträge zu erhöhen. Wir haben auch Bedenken, daß die jüngsten
Steigerungen bei den amerikanischen Verteidigungsausgaben, sollte es nicht
auch bei den Verbündeten dazu kommen, zu einer Umkehr des Trends der letzten
Jahre in Richtung auf wachsende Ausgewogenheit der Lastenverteilung unter den
NATO-Partnern führen könnten.
Ich möchte mit einigen Worten zur Unterstützung durch den Aufnahmestaat
schließen, einem der wichtigsten, in letzter Zeit entworfenen Konzepte zur
besseren Lastenverteilung innerhalb des Bündnisses. Hier haben wir mit
mehreren Verbündeten der wichtigen zentralen Front zusammengearbeitet, um
eine solche Unterstützung sicherzustellen.
Die amerikanischen Streitkräfte sind die wichtigste Quelle der NATO-Verstärkung, und wir bemühen uns nun schon seit mehreren Jahren darum, unsere
Fähigkeit zur Verstärkung Europas in einem Krisenfall zu verbessern. Wir haben
jedoch ernste Mängel bei der Logistik und unzureichende strategische Transportmöglichkeiten, um die Unterstützungseinheiten in einem Ernstfall zu dislozieren.
Um dieses Problem zu lösen, haben wir die Unterstützung durch den Aufnahmestaat
entwickelt.
Im Herbst vergangenen Jahres trafen wir Vereinbarungen mit Großbritannien
und den Benelux-Ländern über größere Unterstützung in Kriegszeiten. Dies

- 6 -

�Kriegszeiten. Dies betrifft Fragen wie Transport, Materialbewegung, Nachrichtenverbindungen, medizinische Versorgung, Quartier etc. All dies würde im
Krisenfall durch den zivilen Sektor mobilisiert und für die Unterstützung
der amerikanischen Streitkräfte abgestellt.
In der Bundesrepublik Deutschland ist jedoch der Einsatz von Zivilisten
in der Kampfzone keine befriedigende Lösung. Daher entwickelte die Bundesregierung den Vorschlag, deutsche Reservisten einzusetzen, um die Unterstützung
der amerikanischen Streitkräfte in diesem Fall zu gewährleisten. Wir haben
längere Zeit über die Einzelheiten dieses Abkommens verhandelt, und ich freue
mich,berichten zu können, daß diese Vereinbarung vergangene Woche mit der
Bundesregierung unterzeichnet wurde. Sie sieht 93 000 deutsche Reservisten
in Kriegszeiten vor sowie die notwendigen Ausbildungs-, Kommando- und Kontrollstrukturen in Friedenszeiten, um eine wirkungsvolle Einheit zu ermöglichen. Die
Kosten dieser Initiative sind beträchtlich, aber sie liegen lediglich bei einem
Zehntel dessen, was amerikanische Reserven hierfür kosten würden, bzw. bei
einem Zwei hundertste! dessen, was es kosten würde, wollte man eine solche Einheit per zusätzlicher Lufttransportkapazität nach Europa senden. Zudem zahlt
die Bundesregierung mehr als 50 Prozent der anfallenden Kosten.
Die Bedrohung der Bündnisinteressen von außerhalb des Bündnisgebietes sind
ein weiterer Bereich der Zusammenarbeit, in dem wir mit unseren NATO—Verbündeten tätig sind. Die meisten Streitkräfte, die im Fall einer Dislozierung nach
Südwestasien den Schnellen Eingreiftruppen zugeordnet würden, wären ansonsten
Verstärkungen für die europäischen NATO-Länder. Die NATO untersucht derzeit
die Auswirkung eines solchen anderweitigen Einsatzes amerikanischer Streitkräfte, um Wege zu finden, auf denen unsere NATO-Verbündeten Ausgleichsmaßnahmen entwickeln könnten.
Schließlich haben wir Gespräche mit der Bundesregierung über den Leitplan
für eine Umverlegung (Master Restationing Plan) aufgenommen. Beim ersten
Treffen im März kamen die Teilnehmer überein, einen gemeinsamen Expertenausschuß

- 7 -

�gemeinsamen Expertenausschuß zu bilden, um Bereiche der Obereinstimmung und
der Nichtübereinstimmung auszumachen und um potentielle Alternativen einer
Prüfung zu unterziehen. Diese Expertengruppe trifft sich in dieser Woche in
Bonn. Die deutsche Haltung gegenüber dieser Initiative ist in hohem Maß
positiv. Auch wenn wir davon ausgehen, daß der Prozeß langwierig sein wird,
so sind wir doch hinsichtlich des Erfolgs optimistisch.
Herr Vorsitzender, damit bin ich am Schluß meiner Erklärung.
+++++

- 8 -

�17

28. April 1982

WEINBERGER: SOWJETS SIND HEUTE DIE EINZIGEN IMPERIALISTEN
- Rede des US-Verteidigungsministers in New York -

NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar
Weinberger hat in einer Rede vor dem privaten Rat für Außenpolitische Beziehungen in New York am 20. April 1982 die Sowjetunion als die einzige imperialistische Macht in der heutigen Welt und ein Hindernis für Frieden und Stabilität bezeichnet.

Er nannte in diesem Zusammenhang Polen, Kuba, Vietnam,

Kongo, Korea, Afghanistan, Südjemen, Äthiopien und Angola.

Die Vereinigten

Staaten, so betonte Weinberger, wollten kein Wettrüsten mit der Sowjetunion.
Diese habe vielmehr in der Zeit amerikanischer Zurückhaltung massiv aufgerüstet.
Die Ausführungen Weinbergers zur amerikanischen Verteidigungspolitik
haben folgenden Wortlaut:
Die Reagan-Administration ist beschuldigt worden, keine klare Verteidigungspolitik oder militärische Strategie zu haben. Manche Leute beschuldigen
uns, einfach Geld für die Verteidigung hinauszuwerfen, ohne eine klare Vorstellung davon zu haben, was wir eigentlich erreichen wollen. Andere beschuldigen uns, ein Wettrüsten mit der Sowjetunion zu provozieren - ein Wett-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�ein Wettrüsten ohne Sinn und Verstand, das sich durch seine eigene Schwungkraft steigere. Wieder andere glauben, daß wir durch die Wiederherstellung
der militärischen Stärke Amerikas in Friedenszeiten dem Krieg näher kämen.
Wenn ich heute abend hier spreche, dann zu dem Zweck, diese falschen
Vorstellungen auszuräumen und die grundlegenden Punkte unserer Verteidigungspolitik darzulegen.
Diese Administration hat, wie schon andere vor ihr, die Notwendigkeit
erkannt, in Friedenszeiten Streitkräfte aufrechtzuerhalten - nicht als Vorboten des Krieges, sondern als Garant des Friedens. Wir wollen lediglich gewährleisten, daß wir und unsere Verbündeten unsere Ziele in Frieden verfolgen können; frei von Zwang, Nötigung und Aggression.

Um das zu erreichen,

müssen wir und unsere Verbündeten in der Lage sein, vor einer Aggression abzuschrecken, indem wir die Fähigkeit aufrechterhalten, auf jede Aggression
gegen uns auf der niedrigst möglichen Ebene der Gewaltanwendung zu antworten.
Aber wenn die Abschreckung wirksam sein soll, dann muß sie glaubwürdig
sein. Wenn unsere Abschreckung glaubwürdig sein soll - vor allem in Krisenzeiten - dann müssen andere wissen, daß wir sowohl die militärische Kapazität
als auch den nationalen Willen haben, einer Aggression entgegenzutreten und
sie niederzuschlagen.
Unsere grundlegenden nationalen Ziele sind während der Nachkriegsperiode
konstant geblieben.

Allgemein gesprochen streben wir danach, als Nation zu

überleben; frei zu sein, auf unsere Weise zu leben; die demokratische Gemeinschaft der Nationen zu erhalten; und in einer stabilen und friedlichen Welt
zu leben.

In der Nachkriegsperiode ging die Hauptherausforderung unseres

friedlichen Verfolgs dieser Ziele von der Sowjetunion aus. Seit 30 Jahren
stellen rasch wachsende konventionelle und nukleare Streitkräfte der Sowjetunion die Hauptbedrohung unseres eigenen Überlebens und das unserer Verbündeten dar. Die globale sowjetische Expansion ist das Haupthindernis für Frieden
und Stabilität in der Welt.
Obwohl unsere

�Obwohl unsere nationalen Zielsetzungen während der letzten 30 Jahre
konstant geblieben sind, hat sich die wahrscheinlichste Bedrohung dieser
Ziele im Laufe der Zeit erhöht. Aufeinanderfolgende Administrationen und
Kongresse haben etwas unterschiedliche Verteidigungspolitiken und militärische
Strategien erarbeitet, um mit dieser erhöhten Bedrohung fertigzuwerden.

Wenn

die meisten Präsidenten auf der Politik ihrer Vorgänger aufgebaut haben, so
hatte Präsident Reagan zwei nicht beneidenswerte, aber lebenswichtige Aufgaben vor sich. Zunächst einmal mußte er unseren Freunden versichern, daß
Amerika wirklich wieder ein starker, konstanter, zuverlässiger Verbündeter
werden wolle. Zweitens mußte er unsere Gegner in unmißverständlichen Worten
wissen lassen, daß wir die militärische Stärke wiedergewinnen würden, um vor
Angriffen gegen uns abzuschrecken.

Beide Versicherungen mußten nach einem

Jahrzehnt oder mehr der Vernachlässigung unserer Streitkräfte und nach den
Jahren der Unentschiedenheit, Schwankung und Schwäche unter Carter abgegeben
werden.
Im Mittelpunkt unserer nationalen Sicherheitspolitik in der Nachkriegszeit stand die Verteidigung Westeuropas. Wegen der sowjetischen Expansion
in Osteuropa unmittelbar nach dem Kriege gründeten die Vereinigten Staaten
und ihre nordatlantischen Verbündeten eine kollektive Verteidigung.

Obwohl

wir und unsere Verbündeten in den fünfziger Jahren eine beachtliche Zahl
konventioneller Streitkräfte in Westeuropa dislozierten, überwogen die sowjetischen konventionellen Streitkräfte die der NATO in den meisten entscheidend
wichtigen Gebieten bei weitem.

Die letztliche Abschreckung der NATO vor

einem Angriff durch die überlegenen konventionellen Streitkräfte des Warschauer
Paktes war die Drohung der Vergeltung durch überlegene amerikanische Nuklearstreitkräfte.

Die konventionelle Überlegenheit der Sowjets wurde durch die

nukleare Überlegenheit Amerikas in Schach gehalten.
Diese konventionelle Macht der Sowjets wurde dadurch erreicht, daß
alles, was Männern und Frauen im Westen, ja auch anderswo, lieb und teuer
ist, unterdrückt wurde, um militärische Macht zu erwerben.
In gleicher

�In gleicher Weise begannen die Sowjets trotz einer Wirtschaft, die einen
Lebensstandard bietet, den keiner von uns akzeptieren würde, eine nur auf ein
einziges Ziel ausgerichtete intensive Anstrengung, unsere nukleare Stärke zu
erreichen und dann zu übertreffen.
Als die nukleare Macht der Sowjets in den sechziger Jahren zunahm, führte
die NATO eine Politik der flexiblen Antwort ein. Wir und unsere NATO-Verbündeten legten zunehmend Nachdruck auf zunächst konventionelle Verteidigung und der dahinter stehenden Bereitschaft, zur nuklearen Eskalation Zuflucht zu
nehmen, sollte die konventionelle Verteidigung versagen.
Ende der siebziger Jahre war die nukleare Überlegenheit Amerikas geschwunden,und der Aufschwung der Sowjets - bestehend aus unermüdlichen Anstrengungen zur Verbesserung der Treffsicherheit, Sprengwirkung, Reichweite
und Vielfalt ihrer Kernwaffen - brachte ihnen den "Spielraum der Überlegenheit", den sie, wie der Präsident richtig feststellte, heute besitzen.

In

den achtziger Jahren begannen wir, wenn auch zögernd, unsere konventionellen
NATO-Streitkräfte zu verstärken, und forderten unsere Verbündeten auf, das
gleiche zu tun. Aber zu diesem Zeitpunkt begannen viele Menschen in den Vereinigten Staaten und anderswo zu begreifen, daß irgend etwas ganz und gar
nicht mehr stimmte - nicht nur mit unserer Abschreckung in Europa, sondern mit
der Gesamtposition unserer Streitkräfte.
Aufgrund eines Jahrzehnts rückläufiger Verteidigungshaushalte - manche
getragen von der vergeblichen Hoffnung, daß die Ära der Entspannung die Sowjets
dazu bringen würde, ihre massive Aufrüstung zu verringern - und aufgrund des
Vietnam-Krieges, der uns unzählige Milliarden kostete und uns in jeder Hinsicht schwächte, statt uns zusätzliche militärische Stärke zu geben, waren unsere konventionellen Streitkräfte in Westeuropa und Nordostasien in wachsendem Maße ins Ungleichgewicht zu den sowjetischen Streitkräften geraten.

Das

strategische nukleare Kräfteverhältnis begann sich zugunsten der Sowjets zu
verschieben, wodurch der Abschreckungswert unserer strategischen Nuklearstreitkräfte ausgehöhlt wurde.

Die sowjetische Dislozierung einer neuen Ge-

neration von Mittelstreckenraketen, die auf Europa gerichtet sind, untergrub
- 4 -

�untergrub den Abschreckungswert unserer nuklearen Streitkräfte vor Ort.
Inmitten all dieser Entwicklungen gab'Präsident Carter seine Entscheidung
bekannt, zu verhüten, daß irgendwelche Streitkräfte von außen die Kontrolle
über die Region des Persischen Golfs gewinnen würden, aber er versuchte
weder die Mittel zu bekommen, noch erhielt er sie, um diese Entscheidung
voll zu verwirklichen.

Und schließlich drohte die militärische Präsenz der

Sowjets und ihrer Stellvertreter in vielen Regionen der Welt, die Verteidigung unserer Verbündeten an den Flanken zu umgehen.
Als diese Administration ihr Amt antrat, prüften wir, ob unsere militärischen Mittel ausreichten, unsere lebenswichtigen Interessen zu schützen.

Obwohl nukleare Abschreckung, kollektive Verteidigung in Europa und

Nordostasien und Verteidigung anderer lebenswichtigen Interessen, wie etwa
in Südwestasien immer noch gültige, ja lebenswichtige Ziele waren, stellten
wir fest, daß es uns an der dazu nötigen militärischen Kapazität ausreichender Abschreckung oder Verteidigung dieser Ziele mangelte.
Wir mußten und müssen die militärische Bedrohung, vor der wir stehen,
und unsere Fähigkeiten realistischer betrachten. Wir konnten nicht mit jenen
Ideologen der Entspannung übereinstimmen, die - entgegen aller Beweise - an
der Illusion festhielten, daß die Vereinigten Staaten das Wettrüsten anheizten und daß wir die Sowjets durch gutes Zureden und Kultur- oder Handelsaustausch zur Zurückhaltung bewegen könnten.
Wir änderten unsere Verteidigungspolitik, um den Realitäten von heute
gerecht zu werden und sie weniger gefährlich und flexibler zu machen, damit
wir mit einer bedrohlichen und unsicheren Zukunft fertigwerden können. So
gaben wir beispielsweise die gefährliche und törichte Vorstellung auf, daß
ein Krieg kurz sein müsse - daß jeder konventionelle Krieg notwendigerweise
kurz sein müsse, weil der Aggressor sich zurückziehen oder den Krieg rasch
auf die nukleare Ebene eskalieren würde. Wir führten auch eine sichere
Politik der Antwort auf Warnungen ein - in der Erkenntnis, daß Warnungen
wahrscheinlich zweideutig sein würden und daß wir nicht von einem Alles- oder
Nichts-Signal ausgehen könnten, das uns sagen würde, wann wir bereit sein
- 5 -

�bereit sein müßten, um vor einem unmittelbar bevorstehenden Angriff abzuschrecken.
Abgesehen von der Korrektur der Mängel in der Strategie mußten wir uns
der Tatsache stellen,daß unsere militärischen Fähigkeiten ungenügend waren.
Dafür gab es zwei Gründe.

Unsere militärische Kapazität war während der sieb-

ziger Jahre ernstlich zurückgegangen, so wie die 20jährige militärische Aufrüstung der Sowjets diesen stark verbesserte militärische Fähigkeiten verlieh.

Dieser Trend zum Schlechteren hatte jetzt zu einem Spielraum der Über-

legenheit in vielen Kategorien der strategischen nuklearen, taktisch-nuklearen und konventionellen Streitkräfte der Sowjets geführt.

Darüber hinaus

hatten die Sowjets ausreichende Reserven für einen längeren konventionellen
Krieg angesammelt.
Daher fordern wir fünf Jahre lang eine wesentliche Erhöhung der Verteidigungsausgaben, um das militärische Gleichgewicht zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion wiederherzustellen.

Gleichzeitig ermutigen wir

unsere Verbündeten, ihren Beitrag zu unserer gemeinsamen Verteidigung zu erhöhen, und wir erhöhen auch unsere Wirtschafts- und Sicherheitshilfe, damit
unsere Freunde ihre eigene Sicherheit verbessern können.

Ein Netz von Bünd-

nissen und gestärkten Freunden gehört zu den besten Mitteln und Wegen, eine
Vorneverteidigung unserer selbst und unserer Freunde zu gewährleisten.
über unsere formellen Bündnisse in Europa und Asien hinaus haben wir
eine Reihe anderer Interessen und Verpflichtungen in der ganzen Welt, zu
denen wir weiterhin stehen werden.

So hat beispielsweise die wachsende

wirtschaftliche Interdependenz der Welt während des letzten Jahrzehnts unseren Zugang zu ausländischen Märkten und lebenswichtigen Rohstoffen wichtiger gemacht denn je.

Weil die wachsende sowjetische Seemacht unsere Kontrol

le der Seewege bedrohen könnte, die uns mit unseren Verbündeten verbinden,
müssen wir unsere eigene Fähigkeit zur See stärken.

Da die sowjetische Mi-

litärmacht eine globale Reichweite gewonnen hat, brauchen wir mobile und
flexible Streitkräfte,um einer Eroberung der ülfei der und anderer wichtiger
Ziele im Nahen und Mittleren Osten durch die Sowjets zu verhindern.
- 6 -

Und wir

�Und wir dürfen auch nicht zulassen, daß unsere stärkste Dislozierung von
Streitkräften in Mitteleuropa zu einer "Maginot-Linie" wird, die der Gegner
an den Flanken umgehen könnte.
In der westlichen Hemisphäre stellt der sowjetische Versuch einer Ausweitung des Einflusses im Karibischen Becken durch direkte und indirekte
Unterstützung totalitärer Bewegungen in Mittelamerika eine weitere Bedrohung
unserer Interessen dar.

Unsere Strategie besteht darin, mit einem Programm

der Sicherheitshilfe unseren Nachbarn bei ihren Bemühungen zur Selbstverteidigung beizustehen und ihre eigene Entwicklung durch ein Wirtschaftsprogramm
für das Karibische Becken zu fördern. Verbesserte Verteidigungskapazitäten
und Wirtschaftswachstum der Staaten in Mittelamerika sind von ebenbürtiger
Bedeutung, wenn wir die interne Instabilität verhindern wollen, die die Sowjets
und ihre Stellvertreter derzeit ausnützen.

Es kann kein Wirtschaftswachstum,

keine Sozialreformen, keine demokratische Entwicklung, noch nicht einmal Bürgerrechte geben, wenn die totalitären Terroristen der extremen Rechten oder
der extremen Linken die Freihiet haben, die Zivilbevölkerung anzugreifen.
Eine weitere Bedrohung der westlichen Hemisphäre liegt in der Fähigkeit
Kubas zum Einsatz von Luft- und Seestreitkräften, die unsere Versorgung der
NATO im Fall eines Kriegsausbruchs in Europa beeinträchtigen könnten.

Da

70 Prozent unserer Verstärkungen für Europa durch die Karibik gehen, brauchen
wir auch dort eine verbesserte Flottenstärke, um eine sichere Durchfahrt zu
garantieren.

Wir müssen außerdem Wege finden, um der zunehmenden sowje-

tischen Militärpräsenz in Kuba Einhalt zu gebieten.
In der Nachkriegszeit ist die Sowjetunion zur führenden, ja, zur einzigen imperialistischen Macht der Erde geworden und ist als solche ein Haupthindernis für Weltfrieden und Stabilität.

Ihre anhaltende Besetzung Ost-

europas, ihre Einschüchterung Polens, ihre Expansion über die Jahre hinweg
in Kuba, Vietnam, dem Kongo und vielen anderen Teilen Afrikas, in Korea,
Afghanistan, im Südjemen, in Äthiopien und Angola - um nur einige zu nennen zeigt, daß die Sowjetunion ständig versucht, ihren Einfluß auszuweiten.
Ermutigt durch

�Ermutigt durch die Lähmung Amerikas in der Zeit nach Vietnam und ihre
eigenen größeren militärischen Kapazitäten, hat die Sowjetunion ihre traditionelle Politik der globalen Expansion in den letzten Jahren in neuer Dimension ausgeweitet und stellt nunmehr eine ausgewachsene Weltmacht dar. Sie
hat jetzt die Kraft und die Reichweite, unsere Interessen fast überall in
der Welt herauszufordern.

Die sowjetischen Anstrengungen in der Dritten Welt

haben an Umfang, Schnelligkeit und Aggressivität zugenommen.

Sowjetische

Kampfschiffe und militärische Aufklärungsflugzeuge großer Reichweite patroullieren rund um den Globus, von Basen aus, die strategisch entlang der wichtigsten
Handelswege und Kreuzungspunkte gelegen sind.

Stellvertreter der Sowjetunion

sind derzeit in Mittelamerika tätig, unterstützt von sowjetischer Militärhilfe.
Und wie die jüngsten Ereignisse in Polen beweisen,ist die Sowjetunion auch
bereit, die Drohung einer erdrückenden militärischen Intervention einzusetzen,
um ihre politischen Ziele zu erreichen.
Um mit diesen neuen Dimensionen der sowjetischen Bedrohung fertigzuwerden, müssen wir bereit sein, die geographische Ausweitung sowjetischer
Kontrolle und Militärpräsenz zu einem Stillstand zu bringen und umzukehren
versuchen, vor allem, wenn dadurch vitale Interessen der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten bedroht oder deren geostrategische Position weiter
unterhöhlt werden.
Die Sowjetunion erhält in zunehmendem Maße die Kraft zu globalen Operationen und muß durch flexible und mobile Streitkräfte davor abgeschreckt
werden. Ein konventioneller Konflikt, der in Südwestasien, im Fernen Osten
oder in anderen Gegenden ausbricht, könnte jetzt weltweite Folgen haben. Es
ist unsere Strategie, die Sowjetunion vor einer Aggression durch die Aussicht
auf kollektive militärische Reaktion auf welchem Konfliktniveau auch immer
abzuschrecken.
Sollte es zu einer bewaffneten Aggression kommen, so würden unsere Verteidigungsmaßnahmen natürlich darauf ausgerichtet sein, den Konflikt so rasch
wie möglich am Ort der Aggression zu beenden.

Aber sollte uns ein konventio-

neller Krieg aufgezwungen werden, so könnten die Vereinigten Staaten und die

�und die verbündeten Streitkräfte genötigt sein, andernorts eine Gegenoffensive zu beginnen, um den Frieden wiederherzustellen und unsere Freiheit zu
schützen.

Die Vereinigten Staaten könnten militärische Maßnahmen ergreifen,

die die Sowjetunion an den für die Fortsetzung des Krieges entscheidenden
Stellen bedrohen würden, falls dies sich als notwendig erweisen sollte, um
den Frieden wiederherzustellen.
Es geht nicht darum, daß wir überall kämpfen wollen. Ja, wir wollen
überhaupt nicht kämpfen.

Aber wenn wir diesen Wunsch verwirklichen wollen,

müssen wir uns in einer Lage befinden, in der wir auf eine Aggression gegenüber unseren lebenswichtigen Interessen wirksam reagieren können.

Unsere

Haushaltsforderungen betonten deshalb eine erhöhte Mobilität unserer Streitkräfte und Reparatur unserer unzureichenden Streitkräftestruktur.
Der Verlust der eindeutigen Überlegenheit bedeutet, daß wir die Strategie ernster nehmen müssen als je zuvor.

Heute müssen wir auf die Herausfor-

derungen reagieren, die uns durch die konventionellen Streitkräfte der Sowjetunion gestellt werden, die den unsrigen zahlenmäßig überlegen sind, sowie
durch ihre strategischen Streitkräfte, die im Vergleich mit den unsrigen
einen Spielraum der Überlegenheit erzielt haben.
rieren

Diese Tatsachen zu igno-

oder sich einer Diskussion darüber zu entziehen, würde bedeuten, noch

größere Gefahren hervorzurufen als die, vor denen wir jetzt stehen.
Diejenigen, die sagen, wir versuchten, zu viel zu tun, müssen wir fragen:
Was sollen wir aufgeben?
Sollten wir die Verteidigung der zentralen Front in Europa aufgeben?
Sollten wir die Karibik aufgeben?
Sollten wir alle Versuche aufgeben, die Erdölfelder zu verteidigen,
die für Europa und Japan so lebenswichtig sind?
Sollten wir unsere Verteidigung von Nordostasien aufgeben?
Sollten wir irgendwelche andere

lebenswichtigen Interessen aufgeben?

Die Geschichte, und gerade die jüngste Geschichte, sagt uns, daß ein Staat
mit gewaltiger militärischer Macht und der historisch aggressiven Politik der

�Politik der Basenausweitung und der Ausdehnung seines Einflusses in der ganzen
Welt, der bemerkt, daß er in einer bestimmten Krise auf keinen Widerstand
trifft - ein Staat also, der bemerkt, daß irgendwo ein Vakuum vorhanden ist -,
sich sogleich daran machen wird, dieses Vakuum auszufüllen und dadurch ein
weiteres wichtiges Gebiet für den Westen verloren geht.
Eine glaubwürdige Abschreckung kann nicht allein durch gute Pläne betrieben werden, sondern muß auch von greifbaren militärischen Kapazitäten
gestützt werden, über Jahre hinweg hat man uns von einer "hohlen Armee" erzählt, von Flugzeugen, die nicht fliegen, und Schiffen, die nicht schwimmen
können. Das amerikanische Volk wird nicht mehr länger eine reine Fassade der
Sicherheit akzeptieren, bei der Streitkräfte disloziert werden, die nicht
kampfbereit sind, denen die notwendige Ausrüstung und Ausbildung fehlen und
die nicht die Unterstützung eines angemessenen Mobilisierungspotentials
haben.
Eine unserer obersten Prioritäten ist die Verbesserung der Kampfbereitschaft unseres Militärs. Wir haben für den Haushalt 1981 und 1982 um mehr
Mittel für Ersatzteile, Ausbildung, Manöver und Instandhaltung ersucht und
werden dies auch weiterhin tun. Außerdem haben wir in mehreren Kategorien
Knappheit bei der Mannschaftsstärke festgestellt. Geschultes Militärpersonal
scheidet aus dem Militärdienst aus, um besser bezahlte Tätigkeiten in der
freien Wirtschaft zu übernehmen. Um diese Leute zu halten, haben wir um erhöhten Sold und Zulagen bei Wiedereintritt in den Militärdienst sowie andere
Anreize ersucht und erhalten. Nunmehr funktioniert die nur aus Freiwilligen
bestehende Streitmacht hervorragend. Wir können tatsächlich nicht alle aufnehmen, die sich bewerben. Und auch das Ausbildungsniveau ist weit höher als
noch vor zwei Jahren. Außerdem bleibt ein größerer Teil des ausgebildeten und
erfahrenen Personals beim Militär - ein überaus willkommener Wandel.
Als nächstes müssen wir Stärke und Ausdauer unserer Streitkräfte verbesseren, um die Fähigkeit der Sowjets auszugleichen, einen längeren konventionellen Konflikt durchzustehen. Unsere Haushaltsforderungen betreffen
Geld für Erneuerung der Ausrüstung, für Ersatzteile, für Munition, Treibstoff
- 10 -

�Munition, Treibstoff und andere Verbrauchsgüter sowie verbesserte Ausrüstung
für Soldaten und Reservisten. Diese Verbesserungen geben zusammen mit unseren
Anstrengungen zur Neubelebung unserer industriellen Basis der Sowjetunion ein
deutliches Signal, daß sie keinen Konflikt in der Hoffnung beginnen kann, die
Vereinigten Staaten zu überdauern.
Während unsere Mittel für Bereitschaft und Durchhaltevermögen zur
momentanen Verbesserung unserer Streitkräfte beitragen, müssen wir zugleich
auch für die Zukunft investieren. Wir müssen unsere militärische Ausrüstung
modernisieren, damit sie, wenn nötig, zur Abschreckung und Verteidigung gegenüber den neuen Generationen sowjetischer Kernwaffen mittlerer Reichweite und
konventioneller Waffen dienen kann.
Um unsere Abschreckung auf dem Gefechtsfeld zu erhöhen, werden wir in
Europa landgestützte Marschflugkörper und PERSHING II-Raketen stationieren.
Natürlich brauchten wir diese Waffen nicht zu dislozieren, würden die
Sowjets den Vorschlag von Präsident Reagan akzeptieren, über den zur Zeit in
Genf verhandelt wird.
Um den immer höheren technischen Stand der konventionellen Streitkräfte
der Sowjetunion auszugleichen, haben wir ein Programm zur Modernisierung der
Ausrüstung unserer Land- und Luftkampftruppen. Diese neuen Waffen, insbesondere der M-l Panzer, das Bradley-Infanten'ekampffahrzeug und die neue
Generation der Kampfflugzeuge bieten die optimale Kombination von Feuerkraft
und Manövrierfähigkeit, die das moderne Schlachtfeld erfordert. Angesichts der
quantitativen Vorteile und der anhaltenden qualitativen Verbesserung bei den
sowjetischen Waffen können wir nicht weniger als das tun.
Es ist wahr, daß die Panzer und die Infanteriekampffahrzeuge eine viel
zu lange Entwicklungszeit hatten und daß sie außergewöhnlich teuer sind. Die
von uns ergriffenen organisatorischen Maßnahmen und Verbesserungen der Kontraktverfahren werden jedoch weitere Verzögerungen verhindern und in Zukunft nichteingeplante Kostensteigerungen vermeiden. Zwischenzeitlich können wir jedoch

- 11 -

�wir jedoch nicht einfach 20 Jahre der Panzerentwicklung über Bord werfen und
von vorn beginnen. Dafür brauchen wir hier und heute viel zu dringend einen
modernen Panzer.
Auch die Marine wird von unseren Modernisierungsanstrengungen profitieren.
Um die Erosion der Stärke unserer konventionellen Marine aufzuhalten, haben
wir ein Programm entworfen, das die offensive Schlagkraft der Flotte erhöhen,
ihre Einsatzbereitschaft und ihr Durchhaltevermögen stärken, unsere Verteidigungsfähigkeit gegenüber U-Booten und Flugzeugen verbessern und unsere bestehenden Marinestreitkräfte modernisieren wird. Kurz: Wir erstreben eine
Stärke der Marine, die uns befähigt, dorthin zu kommen, wo es notwendig ist,
und dorthin zum richtigen Zeitpunkt zu kommen.
Mit der umfangreichen Erhöhung der Anzahl unserer Schiffe und Flugzeuge
bieten wir unserem Seehandel und den Versorgungskonvois nach Europa und Asien
Schutz und verbessern zugleich die Mobilität, die für unsere Schnelle Eingreif truppe nötig ist.
Um das Maß an Mobilität zu erhalten, das die konventionelle Flexibilität
erfordert, haben wir zusätzliche Luft- und Seetransportkapazitäten angefordert.
Der größte Einzelposten im Verteidigungshaushalt dieses Jahres betrifft den
Lufttransport. Wir planen auch, unsere Flotte an Tankflugzeugen zu vergrößern,
um den Lufttransport über größere Entfernungen hin zu gewährleisten.
Da wir die globale Expansion der Sowjetunion nicht allein eindämmen können,
ist diese Administration auch bestrebt, unsere Militärbündnisse wiederzubeleben
und unsere Verbündeten dazu zu ermutigen, mehr zu unserer kollektiven Verteidigung beizutragen. Schließlich versuchen wir, unseren Freunden und Nachbarn
Hilfe zu bieten, damit sie sich besser verteidigen können und uns wiederum
hierdurch eine Hilfe sind.
Ich habe

- 12 -

�Ich habe mit Absicht die Betonung auf unsere konventionellen Streitkräfte
gelegt, weil 85 Prozent unseres Haushaltes die nichtnuklearen Streitkräfte betrifft. Denn obgleich unsere Nuklearstreitkräfte in letzter Zeit in der
öffentlichen Diskussion große Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben, so
stellen sie doch lediglich 15 Prozent unseres Verteidigungshaushalts dar.
Im Gegensatz zu dem, was manche uns fälschlich unterstellen, haben wir nicht
die Absicht, die nukleare Überlegenheit der Vereinigten Staaten wiederherzustellen.
In Übereinstimmung mit unserer Verteidigungspolitik haben wir Maßnahmen
ergriffen, um uns weniger auf Kernwaffen verlassen zu müssen; Maßnahmen, um
uns beispielsweise nicht auf eine Position des "kurzen Krieges" festzulegen
und um die Flexibilität und Beweglichkeit unserer konventionellen Streitkräfte
zu stärken. Wir dürfen es den Sowjets nicht gestatten, zu glauben, daß sie uns
zwingen könnten, zwischen dem Beginn eines Nuklearkrieges oder der Hinnahme
des Verlustes lebenswichtiger Interessen zu wählen.
Das einzige Mittel, um einen Atomkrieg zu verhindern, ist sicherzustellen,
daß kein Agressor jemals denken könnte, er könne durch den Beginn eines nuklearen
Angriffes profitieren; kurz gesagt: sicherzustellen, daß ein nuklearer Krieg
nicht gewonnen werden kann. Wir würden einen beträchtlich niedrigeren Stand
der nuklearen Streitkräfte bevorzugen, und wir entwickeln jetzt ein Programm,
um auf eine echte und verifizierbare Rüstungsreduzierung zu drängen. Im Gegensatz zu häufig gehegten Vorstellungen haben wir im Laufe der Jahre die Zahl
unserer Kernwaffen nicht vergrößert, ja, wir verfügen heute über weniger
nukleare Gefechtsköpfe als im Jahre 1967 - und zwar nicht nur eine Handvoll
weniger, sondern Tausende weniger.
Die Sowjets haben jedoch genau das Gegenteil getan. Sie haben die Anzahl
ihrer Gefechtsköpfe beträchtlich vermehrt. Aber letztlich ist es nicht die
Zahl der Gefechtsköpfe allein, die zählt. Worauf es ankommt, ist die Abschreckungskapazität, die solche Faktoren wie Überlebensfähigkeit der Abschreckungsstreitkräfte, Nachrichtenverbindungssysteme, Zielgenauigkeit und

- 13 -

�Zielgenauigkeit und Durchschlagskraft einschließt - kurz gesagt, ob wir nach
einem sowjetischen Erstschlag in effektiver Weise reagieren können.
Deshalb hat der Präsident so recht, wenn er sagt, daß ein einfaches Einfrieren derzeit den Sowjets einen Vorsprung im Hinblick auf die strategische
Kapazität geben würde. Unter diesen Umständen ginge das Wesen der Abschreckung
verloren. Sie haben ihre nuklearen Streitkräfte so angelegt, daß sie nur als
Offensiv-, nicht als Abschreckungsstreitkräfte interpretiert werden können.
Wir haben auch beunruhigende Beweise, wie die Entwicklung einer Kapazität des
erneuten Schlages und beträchtliche Ausgaben für den Bau von Bunkern für die
Zivilverteidigung, daß sie glauben, sie könnten einen Nuklearkrieg gewinnen
- und das ist eine sehr gefährliche Entwicklung.
Wir modernisieren unsere strategischen Streitkräfte, um sicherzustellen,
daß sie überleben können. Das ist das Ziel des Programms des Präsidenten für
die Nuklearstreitkräfte. Insbesondere gestalten wir unsere terrestrischen und
im Weltraum stationierten Nachrichtenverbindungs-, Warn- und Aufklärungssysteme
weniger verwundbar gegenüber den Auswirkungen und Strahlungen nuklearer
Explosionen, indem wir sie abschirmen und indem wir ausreichende Ersatzsysteme
schaffen.
Unglücklicherweise müssen wir alle drei Pfeiler der Abschreckungstriade
gleichzeitig modernisieren. Wir haben Bomber, die 25 Jahre alt sind, Raketen,
die 20 Jahre alt sind, und unterseebootgestützte Raketen, die weder so treffsicher noch stark genug sind, um die modernen, befestigten sowjetischen Ziele
zu zerstören, wie sie sein sollten. Wir möchten eine Abschreckungsstabilität
erlangen; wir streben nicht lediglich danach, mehr Zerstörungskraft anzuhäufen.
Ja, wie bereits zu einem früheren Zeitpunkt angekündigt, haben wir beschlossen,
einige große Raketen - die alten Titan-Raketen - abzuwracken, weil sie keine
verlässliche, überlebensfähige Zweitschlagwaffe mehr sind.
Nur wenn

- 14 -

�Nur wenn wir eine glaubwürdige Abschreckung schaffen, werden wir die
Stärke haben, die notwendig ist, um echte RüstungsVerringerungen zu erreichen
und die Wahrscheinlichkeit eines Konfliktes auf allen Ebenen der Gewalt zu
vermindern. Echte und verifizierbare Rüstungsreduzierungen sind aber tatsächlich der einzig sichere Weg zur Verringerung der Risiken, während gleichzeitig
der Frieden gewahrt wird. Verhandlungen, um diese Reduzierungen sicherzustellen,
können nur Erfolg haben, wenn wir aus einer Position der Stärke in sie eintreten. Die Sowjets müssen erkennen, daß sie aus solchen Verhandlungen etwas
gewinnen können.
Der Wiederaufbau und die Qualitätsverbesserung unserer Streitkräfte ist
ein kostspieliger und langwieriger Prozeß. Das ist auch bei unseren Programmen
der Wirtschaftshilfe und der Sicherheitshilfe der Fall. Sie sind besonders
schwierig bei dieser Wirtschaftslage und angesichts der Opfer, die von anderen
Programmen verlangt werden. Aber es ist von entscheidender Bedeutung, daß wir
diesem langen, schwierigen Weg mit Entschlossenheit, Bestimmtheit und Konsequenz folgen.
Wenn ich das Wesen der Verteidigungspolitik unserer Regierung in einem
einzigen Satz zusammenfassen müßte, würde er lauten:
Wir wollen vor einer sowjetischen Aggression gegen die Vereinigten
Staaten und ihre

Verbündeten abschrecken, indem wir die Kapazität erhalten,

auf der niedrigst möglichen Ebene der Gewalt wirksam zu reagieren. Das ist,
wenn Sie so wollen, ein gemeinsames Leitmotiv, aus dem sich alles andere ergibt:
- traditionelle Konzeptionen wie die flexible Antwort;
- kollektive Sicherheit, um die Solidarität des Bündnisses bei der gemeinsamen Verteidigung zu gewährleisten;
- der Nachdruck, den die Reagan-Administration auf die Verbesserung der
konventionellen Streitkräfte, der Einsatzbereitschaft und das Durchhaltevermögen legt;
2 ein Programm,

- 15 -

�- ein Programm, das die Mobilität unserer Streitkräfte wesentlich verbessert, damit sie eingesetzt werden können, wenn unsere lebenswichtigen
Interessen an weit von den USA entfernten Plätzen bedroht sind;
- und

schließlich die Modernisierung unserer strategischen Streitkräfte,

um gefährliche destabilisierende Verwundbarkeiten, die sich im Verlaufe einer
jahrelangen Vernachlässigung entwickelt haben, ins Gegenteil zu verkehren.
Die Lasten, die uns bei der Durchführung dieses obersten Grundsatzes auferlegt wurden, sind in dem Maße angewachsen, in dem die Sowjets - alles andere
diesem unterordnend - einen beunruhigenden Anteil ihres Nationalvermögens in
die Massierung der militärischen Macht fließen ließen. Nachdem die Sowjets
eine Kapazität entwickelt haben, Macht im Ausland darzustellen, ist die Zahl
unserer Freunde und Verbündeten gewachsen, die gegenüber der sowjetischen
Aggression verletzlich sind. Und aufgrund einer Notwendigkeit - nicht weil wir
dies etwa wollen -, sind unsere Erfordernisse entsprechend gestiegen. Unser
Ziel - dieser oberste Grundsatz - ist heute nicht ehrgeiziger als in den
letzten Jahren. Aber die Kosten dafür - die Kosten, der Expansion der sowjetischen Militärmacht entgegenzutreten - müssen unvermeidlicherweise ein Spiegelbild des Umfanges der sowjetischen Anstrengung sein.
Aber wir haben ohne Zweifel die Mittel und auch den größten Ansporn, denn
es geht um nichts mehr oder nichts weniger als um unseren Fortbestand als
Nation und den Fortbestand der Freiheit. Wenn wir also den nationalen Willen
und die große Stärke unserer Vergangenheit haben, dann bin ich überzeugt, daß
die Zukunft voller Hoffnung und Verheißungen ist - vorausgesetzt, daß wir den
Glauben an uns selbst bewahren. Wenn wir aus dem großen Aktivposten der freien
Welt vollen Nutzen ziehen, wenn wir die sowjetische Wirtschaft nicht durch falsch
verstandene

Subventionen und Transfers unterstützen, wenn wir umsichtig die

Schwächen des veralteten sowjetischen Imperiums ausnutzen, dann werden die
Menschen, die jetzt in der Sowjetunion leben, schließlich in Frieden mit uns in
einer Welt leben, die weitaus weniger Waffen und weitaus größere Hoffnungen
hat.
+++++
- 16 -

�Hintcigrundmcitericil
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17

28. April 1982

VOR DEM BEGINN DER START-VERHANDLUNGEN
- Kommentar der Stimme Amerikas -

- (AD) - Die Vereinigten Staaten bereiten sich nunmehr, da die Verhandlungen über die nuklearen Mittelstreckensysteme (INF) in Genf angelaufen sind,
auf den nächsten Schritt vor:

auf Gespräche mit Moskau über die strategisch-

nuklearen Interkontinentalraekten.
Eine Bürgerbewegung in Amerika stellt die ironische Frage:
Dir ein Atomkrieg?"

Die Antwort:

"Was bringt

"Offensichtlich Tod und Zerstörung".

Niemand argumentiert gegen die These, daß ein Atomkrieg das überleben
der Menschheit gefährden würde.

Präsident Reagan sagt, daß ein Atomkrieg

nicht zu gewinnen sei und daß es Aufgabe des Präsidenten ist, einen solchen
Krieg zu verhindern.

Die Streitfragen liegen dort, wo Theorien darüber an-

geboten werden, wie man einen Nuklearkonflikt am besten verhindern könne.
Die einen sagen: Schluß mit jeder weiteren Herstellung von Kernwaffen. Die
anderen sagen: Versprecht, nicht als erste Atomwaffen einzusetzen.
der andere sagen:

Und wie-

Beendet einen jeden Krieg, bevor er zu einem nuklearen

Schlagabtausch eskalieren kann.
Unnötig zu

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�Unnötig zu sagen, daß keine dieser einfachen Formeln leicht in die Praxis
umzusetzen ist. Die Einstellung der Produktion von Kernwaffen - ein Einfrieren - ist nicht hilfreich, solange dies einseitig geschieht. Und sie nützt
auch dann nicht, wenn alle Länder damit einverstanden wären, wenn die bestehenden Waffenarsenale einer Seite einen großen Vorteil belassen.

Dies ist eines

der Gegenargumente der Reagan-Administration bezüglich des Vorschlages eines
Einfrierens, wie er gegenwärtig im Kongreß vorgetragen wird.
Das Versprechen, nicht als erster Kernwaffen einzusetzen, würde der amerikanischen Verpflichtung gegenüber der NATO ihre Abschreckungswirkung nehmen
- denn diese Verpachtung bedeutet zugleich die Bereitschaft, alles Notwendige
einzusetzen, einschließlich Kernwaffen, um einem Angriff auf Westeuropa Einhalt
zu gebieten. Zudem gibt es schon jetzt eine Vielzahl feierlicher Veruffichtun- *
gen gegen den Einsatz oder die Androhung von Gewalt - wie etwa: in der Charta
der Vereinten Nationen.

Das Problem besteht darin, daß man sich nicht immer

daran hält.
Wenn es also keine einfache Antwort auf das Problem des Atomkriegs gibt,
scheint es sinnvoll, das Problem mit anderen, komplexeren Mitteln anzugehen
und sowohl Rüstungskontrolle als auch die friedliche Lösung von Streitigkeiten
anzustreben.
Präsident Reagan setzt sich in bezug auf die Rüstungskontrolle
für umfassende Verminderungen bei der Anzahl der Waffen ein - und nicht nur für
Begrenzungen oder für ein Einfrieren. Und er möchte vereinbarte, verifizierbare
und ausgewogene Begrenzungen bei den verbleibenden Waffen.
Am 18. November vergangenen Jahres schlug er für Europa die Null-Lösung
vor:

Die Beseitigung aller landgestützten Raketen mittlerer Reichweite, der

gefährlichsten Waffen auf diesem Kontinent.

Dieser Vorschlag, der derzeit

bei den Genfer Verhandlungen in Erwägung gezogen wird, bietet einen Verzicht
auf die Pläne der NATO für neue PERSHING II-Raketen und Marschflugkörper,
wenn Moskau seine SS-20-, SS-4- und SS-5-Raketen abbaut.
Was die strategischen Waffen anbelangt, so sehen amerikanische Experten
in den größten Raketen der Sowjetunion, den über 1000 SS-18, SS-19 und SS-17
das bedrohlichste und destabil isierendste Element der Moskauer Arsenale.
- 2 -

Die

�Die Vereinigten Staaten machen sich bereit", ihre neuen MX-Interkontinentalraketen zu dislozieren, um diese sowjetische Streitmacht auszugleichen.
Sollte jedoch die Rüstungskontrolle diese Gefahr verringern, so würde auch
die amerikanische Antwort anders lauten.
Die amerikanischen Vorschläge zur Verminderung dieser strategischen
Interkontinentalraketen auf beiden Seiten sind nunmehr fast vollständig.
Präsident Reagan hat erklärt, daß die Gespräche in diesem Sommer beginnen
können, wenn entsprechende positive internationale Bedingungen herrschen.
Der Reagan-Administration scheint daher diese Aussicht realistischer und daher auch erfolgversprechender zu sein als die Schlagworte und Märsche der
Antiatombewegung.

- 3 -

�Wi//en/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17

28. April 1982

RAUMTRANSPORTER - EIN VIELZWECKGERÄT
Vorläufiges Flugprogramm bis 1987

-(AD)- Eine "großartige Flugmaschine" nannten John Young und Robert
Crippen nach ihrer Rückkehr vom ersten Testflug mit dem Raumtransporter
COLUMBIA (April 1981) dieses neuartige Fluggerät. Ähnlich begeistert äußerten
sich kürzlich die amerikanischen Astronauten Jack Lousma und Gordon Fullerton,
die den dritten Einsatz flogen und vom 22. bis 30. März 1982 auf einer Bahn
in 240 km Höhe die Erde umkreisten. Auf ihrer ersten Pressekonferenz (13. April)
waren sie voll des Lobes sowohl über die Leistungsfähigkeit des Raumflugzeugs
selbst samt der Ausrüstung - und hier vor allem des in Kanada gebauten

elektrö-

mechanisehen Hebe- und Transportgeräts - als auch über die Flexibilität des
Raumfährenprogramms. Dieser Flexibilität sei es zu verdanken, daß innerhalb
kürzester Frist die Landung auf einem anderen als dem ursprünglich in Kalifornien
vorgesehenen Platz vorbereitet und außerdem die Flugdauer wegen zunächst
widriger Wetterverhältnisse am neuen Landeort White Sands (Neu Mexiko) um einen
vollen Tag verlängert werden konnte. Nach Ansicht der beiden Astronauten war
der gesamte Flugverlauf eine eindrucksvolle Demonstration der Einsatzbereitschaft des Systems für kommerzielle Aufgaben.
"Wir wären

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�"Wir wären auch gerne noch ein paar Tage länger im Orbit geblieben",
meinte Lousraa. Alle Aufgaben des doch recht anspruchsvollen Flugplanes habe
man in Ruhe, ohne jegliche Hektik, in Angriff nehmen und durchführen können.
Kopilot Fullerton zeigte sich besonders beeindruckt davon, wie leicht der
15 m lange Robotarm, nach dem äußeren Eindruck geradezu ein Koloß, zu bedienen
sei. Zum ersten Mal wurde damit eine

empfindliche Meßausrüstung aus der Lade-

bucht gehievt und in verschiedenen Positionen über dem Orbiter, längsseits und
am Bug und Heck gehalten. Das Verstauen in der Ladebucht nach Beendigung des
Experiments sei wesentlich einfacher gewesen als erwartet. Statt der dafür angesetzten halben Stunde habe er die gesamte Operation nach fünf Minuten beendet gehabt. Kanada könne stolz sein auf die Ingenieure, die das Gerät erdacht
und gebaut haben. Einzigartig sei das Erlebnis von Start und Rückkehr - der
Aufstieg zum Orbit in achteinhalb Minuten mit der immensen Schubkraft der
Raketenmotoren, schließlich das Abbremsen aus 25facher Schallgeschwindigkeit
bis zum Stillstand der COLUMBIA auf der harten Wüstenpiste in White Sands
innerhalb von 30 Minuten.
- Flug nach Fahrplan Nach dem vierten und letzten Testflug, zu dem die Raumfähre wahrscheinlich schon Ende Juni startet, ist für November dieses Jahres mit vier Personen
an Bord das erste Unternehmen der operativen Phase geplant. Die US-Behörde für
Luft- und Raumfahrt (NASA) gab inzwischen Terminpläne zur Mitnahme von Nutzlasten
bis zum Jahr 1987 bekannt. Demnach sollen im Verlauf von fünf Jahren vier
Raumfähren für den Pendelverkehr zwischen Erde und Umlaufbahn bei festen
"Fahrplänen" zur Verfügung stehen. Die Anzahl der Einsätze mit den verschiedensten
Flugaufgaben und Nutzlasten von Auftraggebern wird sich von Jahr zu Jahr
steigern. Sind für 1983 noch sechs Flüge vorgesehen, werden es 11 im Jahr 1984,
15 im Jahr 1985, 16 im Jahr 1986 und nochmals 11 bis September 1987 sein.
Hauptkunde ist die Industrie, somit die amerikanische Privatwirtschaft,
gefolgt von Regierungsbehörden wie Verteidigungsministerium, NASA oder US-Amt
für Atmosphären- und Meeresforschung. Auch das Ausland hat bereits gebucht u.a. Australien, die Bundesrepublik Deutschland, Indien, Indonesien, Japan,

- 2 -

�Indonesien, Japan, Kanada, Kolumbien, Luxemburg und die Arabische Fernmeldesatel1i ten-Organi sati on.
Beim vierten Testflug Ende Juni/Anfang Juli, für den wiederum sieben
Tage angesetzt sind, wird sich zum ersten Mal eine Nutzlast des US-Verteidigungsministeriums an Bord befinden. Die Behörde, die das Raumtransporterprojekt maßgeblich mit gefördert hat,* plant u.a., bei speziellen Programmen
statt der üblichen Trägerraketen die Raumfähre als Startvehikel zu benutzen.
Außerdem wird zum ersten Mal eine wartungsfreie Experimentierausrüstung, verpackt in einen Kanister genormter Größe und von vorgeschriebenem Gewicht, mitgenommen, für die der Auftraggeber nur eine relativ geringe "Platzmiete" im
Space Shuttle bezahlt. Bisher haben 191 Kunden, unter ihnen kleine Industriefirmen, private Institute und von Forschungsorganisationen geförderte Oberschüler, die an wissenschaftlichen Experimenten besonders interessiert sind,
für insgesamt 320 Platze gebucht. Die Anmeldungen werden in der Reihenfolge
ihres Einganges bei der NASA entsprechend dem verfügbaren Raum bei den jeweiligen Einsätzen berücksichtigt.
Erneut wird die unmittelbare "Umwelt" des Raumtransporters mit empfindlichen Instrumenten sehr genau untersucht. Die Wissenschaftler wollen mehr darüber
erfahren, inwieweit die Genauigkeit von Beobachtungen und Messungen mitgeführter
Forschungsinstrumente, beispielsweise für Astronomie-Aufgaben oder zur Fernerkundung der Erde, durch Gas- oder Partikelemissionen aus dem Raumflugzeug
verändert, verfälscht oder anderweitig beeinträchtigt werden.
Beim ersten Vier-Mann-Tlug im November will man zwei kommerzielle Fernmeldesatelliten im Weltraum absetzen. Einer davon wurde von einem kanadischen
Privatunternehmen gebaut. Er wird einem ganzen Netz kanadischer Bodenstationen
zur Verfügung stehen und Dienstleistungen im Fernmeldewesen sowie die Ausstrahlung von Radio- und Fernsehprogrammen über den weiten nordamerikanischen
Kontinent erleichtern. Mit Hilfe einer rotierenden Plattform, an Bord des Raumtransporters, die mit einem Federmechanismus ausgestattet ist, werden die beiden
Satelliten zunächst einmal in einen gewissen Sicherheitsabstand von der COLUMBIA

- 3 -

�der COLUMBIA gebracht und von dort aus durch Zündung von FeststoffraketenTreibsätzen in die vorgesehene Umlaufbahn in mehr als 36 000 km Höhe katapultiert.
Die fünftägige Mission endet mit der ersten Landung auf einer Betonpiste
des Kennedy-Raumfahrtzentrums in Florida. Mit der Wahl dieses Landeplatzes statt
uer bisher benutzten Hartpisten im Wüstengebiet von Kalifornien und Neu-Mexiko
ergibt sich die Möglichkeit, die für die Inspektion, Reparatur und Vorbereitung
der Raumfähre auf den nächsten Einsatz erforderliche Zeit zu verringern - vom
Wegfall der sonst erforderlichen kostspieligen Oberführung des Raumflugzeugs
vom Lande- zum Startplatz einmal ganz abgesehen.
Bei dem im Januar 1983 geplanten sechsten Unternehmen wird erstmals der
Orbiter CHALLENGER eingesetzt, während die beiden anderen Raumflugzeuge
DISCOVERY und ATLANTIS erst 1985 in Dienst gestellt werden sollen. Die
CHALLENGER trifft bereits im Juni im Kennedy-Raumflugzentrum ein. Sie hat
Raum für sieben Personen, wird anfangs aber nur mit vier Astronauten besetzt
sein.
Beim zweiten Flug der CHALLENGER im April 1983, bei dem übrigens für den
Funkverkehr zwischen Erde und Raumtransporter spezielle Nachrichtensatelliten
der NASA anstelle der bisher dafür zuständigen Bodenstationen benutzt werden,
ist als Wissenschaftlerastronaut die 30jährige Astrophysikerin Dr. Sally Ride
mit vr I der Partie - die erste Frau, die die NASA in den Weltraum entsendet.
Das sechstägige Unternehmen wird von Robert Crippen geführt, der zusammen mit
Young den ersten COLUMBIA-Testflug unternahm. Die beiden anderen Astronauten
sind Fred Hauck und John Fabian. Eine weitere vierköpfige Gruppe wurde für
einen dreitägigen Flug der CHALLENGER im Juli 1983 nominiert: Flugkapita'n ist
Robert Truly, der als Kopilot von Joe Engle im November 1981 mit der COLUMBIA
bereits zwei Tage im Weltraum war. Außerdem wurden die Astronauten Daniel
Brandenstein, Dale Gardner und, als Nutzlastspezialist, Luftwaffenmajor
Guion Bluford ausgewählt. Bluford wird der erste schwarze Amerikaner im Weltraum sein.
- Erster Einsatz
- 4 -

�- Erster Einsatz des Weltraumlabors Im September 1983 wird zum ersten Mal das im Auftrag der Europäischen
Raumfahrtorganisation ESA bei ERNO in Bremen gebaute Weltraumlabor ("Spacelab")
mit der COLUMBIA in den Weltraum gebracht. Flugkapitä'n dieses neunten, auf sieben
Tage angesetzten Raumtransporterunternehmens ist wiederum John Young. Außerdem
sind die Astronauten Brester Shaw, Dr. Owen Garriott und Robert Parker, dazu
ein amerikanischer und ein europäischer Nutzlastspezialist für "Spacelab" vorgesehen; letztere wurden jedoch noch nicht benannt.
Wie das Raumflugzeug selbst ist auch das aus Modul-Einheiten bestehende
Weltraumlabor wiederverwendbar. Es wird im Frachtraum ("Ladebucht") des Orbiter
verstaut. Mit zwei Wissenschaftlerastronauten besetzt, könnte es jedoch, wie
für spätere Einsätze geplant, auch

eine Zeitlang außerhalb des Raumtransporters

existieren. Es ist für Missionen von sieben bis 30 Tagen Dauer geeignet. In
dem als Druckkabine angelegten Labor arbeiten die Wissenschaftler ohne Schutzkleidung. Zum Spacelab gehört jedoch auch eine offene Palette, auf der Instrumente wie Teleskope, Antennen, Sensoren aller Art und andere Meßausrüstungen
montiert sind, die nach Öffnung der Laderaumluken im Orbit für direkte wissenschaftliche Beobachtungen eingesetzt werden.
Ein erstes Außenbordmanöver von einem Raumtransporter aus hat die NASA
für Dezember 1983 vorgesehen. Dabei soll ein im Jahr 1980 gestarteter Sonnenforschungssatellit, bei dem infolge dreier durchgebrannter Sicherungen
Störungen auftreten, von einem Astronauten angeflogen und zum Einholen durch
den Robotarm postiert, an Bord repariert und anschließend wieder im Weltraum
abgesetzt werden. Um den Satelliten ansteuern zu können, aktiviert der in
neuartiger Schutzkleidung arbeitende Astronaut eine kleine Antriebseinheit.
- Observationen für die Astronomie Im Januar 1985 soll mit dem Raumflugzeug CHALLENGER ein großes Weltraumteleskop zunächst in den Raumfähren-Orbit mitgenommen und dann von dort aus
in die für die wissenschaftlichen Beobachtungen vorgesehenen Umlaufbahn gebracht
werden. Die Funktionsfähigkeit des riesigen optischen Systems ist auf 15 Jahre
- 5-

�V

auf 15 Jahre berechnet. Es gibt den Forschern die Möglichkeit, siebenmal
tiefer in den Kosmos vorzudringen, als es mit den bisher verwendeten
Instrumenten möglich ist. Die Wartung erfolgt "an Ort und Stelle" durch
Spezialisten, die jeweils mit einem Raumflugzeug herangebracht werden.
+++++

�</text>
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