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                  <text>Information
und
Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24. März 1982

12
INHALT

DOKUMENTATION
Nitze warnt vor nuklearen Einfrierungs-Vorschlägen
- Wortlaut der Erklärung des amerikanischen Verhandlungschefs
in Genf -

HINTERGRUNDMATERIAL
Beweise für sowjetische Beteiligung an chemischer Kriegführung
- USA streben nach weltweiter Durchsetzung des Verbots Von unserem Korrespondenten Ed Scherr
Haig bekräftigt Ziele der amerikanischen Auslandshilfepolitik
- Ein Kommentar der Stimme Amerikas USA fordern "echte" RüstungskontrollVerhandlungen
Breschnew-Vorschlag bedeutet Einfrieren im Verhältnis Null zu
Dreihundert
über Abrüstung muß am Verhandlungstisch in Genf gesprochen werden
- Von unserer Sonderkorrespondentin Marie Koenig -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
COLUMBIA mit 4,4 Tonnen wissenschaftlicher Nutzlast

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�''11113'

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24. März 1982

12

NITZE WARNT VOR NUKLEAREN EINFRIERUNGS-VORSCHLÄGEN
- Wortlaut der Erklärung des amerikanischen Verhandlungschefs in Genf

WASHINGTON -(AD)- Der Leiter der amerikanischen Delegation bei den Genfer
Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme (INF), Botschafter Paul Nitze,
hat warnend darauf hingewiesen, daß ein "Einfrieren" der Nuklearraketen den
Sowjets jeden Anreiz für eine Reduzierung dieser in Europa dislozierten Waffen
nehmen würde. Nitze gab diese Erklärung am 18. März 1982 in Washington ab, als
er nach seiner Rückkehr aus Genf dem amtierenden amerikanischen Außenminister
Walter Stossel Bericht erstattete.
Die Verhandlungen in Genf waren am 16. März für etwa zwei Monate vertagt
worden, um der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten Gelegenheit zu geben, die
jeweiligen Positionen zu analysieren und weitere Vorbereitungen für den Wiederbeginn der Gespräche Ende Mai zu treffen.
Die Erklärung Nitzes hat folgenden Wortlaut:
Ich habe heute früh London verlassen. Gestern habe ich in Brüssel unsere

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�Brüssel unsere NATO-Partner umfassend über den Verlauf der Genfer Gespräche
über die Begrenzung der nuklearen Mittelstreckenraketen unterrichtet. Die
Gespräche wurden intensiv, ernsthaft und sachlich geführt. Wir haben ausführlich
alle wichtigen und schwierigen Fragen zwischen uns behandelt. Ich bin mit dem
sowjetischen Delegationschef, Botschafter Kwitsinsky, übereingekommen, die Vertraulichkeit unseres Meinungsaustausches zu wahren. Ich kann jedoch sagen, daß
ich die Gelegenheit hatte, voll und ganz unseren Verhandlungsvorschlag zu erläutern, den wir am 2. Februar vorgelegt haben

und der den Vorschlag des

Präsidenten für Null auf unserer und Null auf ihrer Seite verwirklichen würde,
und zwar im Hinblick auf jene Raketen, die für beide Seiten von größter Besorgnis
sind.
Ich möchte zum Abschluß noch eine Bemerkung machen. Ich hoffe, daß diejenigen
hier zu Hause, die verschiedene nukleare Einfrierungsvorschläge in Erwägung
ziehen, voll und ganz die Auswirkung bedenken, die solche Vorschläge für den
Fall ihrer Annahme auf unsere Verhandlungen haben würden. Wenn die amerikanische
Dislozierung von Mittelstreckenraketen eingefroren wird, dann wird es für die
Sowjetunion keinen Anreiz mehr geben, ihre Raketen aufzugeben. Die Sowjets
haben praktisch ihre geplante Dislozierung solcher Raketen in Europa abgeschlossen.
+++++

�12

24. März 1982

BEWEISE FÜR SOWJETISCHE BETEILIGUNG AN CHEMISCHER KRIEGFÜHRUNG
- USA streben nach weltweiter Durchsetzung des Verbots Von unserem Korrespondenten Ed Scherr

WASHINGTON - (AD) - Ein neuer Bericht des amerikanischen Außenministeriums
spricht von "unwiderleglichen" Beweisen, daß die Sowjetunion mit dem Einsatz
von chemischen Kampfstoffen in Südostasien und Afghanistan zu tun hat, durch
den Tausende von Menschen getötet wurden.

Wie in Regierungskreisen in Washington

betont wird, soll der umfassende neue Bericht über chemische Kriegführung in den
genannten Gebieten das Problem vorrangig in das Bewußtsein anderer Staaten rükken und diese veranlassen, bei den Bemühungen mitzuhelfen, die Sowjetunion und
ihre Stell Vertreterländer vom Einsatz chemischer und toxischer Waffen, der nach
internationalem Recht verboten ist, abzuhalten.
Der Bericht, der am 22. März 1982 dem Kongreß zugeleitet wurde, enthält
eine Zusammenstellung und Analyse der verfügbaren Beweise für chemische Kriegführung in Laos, Kampuchea und Afghanistan.
Anläßlich der

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�Anläßlich der Übersendung des Berichtes mit dem Titel

Chemische Krieg-

führung in Südostasien und Afghanistan" erklärte der amerikanische Außenminister Alexander Haig, "die Beweise für chemische und toxische Kriegführung
haben ein Ausmaß erreicht, daß die internationale Gemeinschaft diese Herausforderung nicht länger ignorieren kann".

Seit sieben Jahren würden chemische

und toxische Waffen in immer größerem Umfang zur Ausrottung wehrloser Menschen
eingesetzt.

Die für den Bericht genutzten Quellen, so heißt es darin, "bieten

überzeugende Beweise, daß Zehntausende von einfachen und wehrlosen Menschen...
einem Feldzug mit chemischen Waffen ausgeliefert wurden."
Die Unterlagen für den Bericht stammen von Opfern und Augenzeugen von
Angriffen mit chemischen Waffen sowie von Ärzten, Flüchtlingshelfern und Journalisten, die unmittelbar betroffene Personen befragt haben, und schließlich
von Überläufern, die an Tätigkeiten der chemischen Kriegführung beteiligt waren.

Der Bericht stützt sich ferner auf wissenschaftliche Beweise durch Ana-

lysen von Proben, die in den Angriffsgebieten entnommen wurden, sowie auf
amerikanischen Geheimdienstinformationen.
Alle Unterlagen zusammengenommen haben, so der Bericht, die amerikanische
Regierung zu der Überzeugung gebracht, daß:
" - laotische und vietnamesische Streitkräfte unter sowjetischem Oberbefehl seit 1975 in Laos tödliche chemische und toxische Waffen eingesetzt
haben;
- vietnamesische Streitkräfte seit 1978 tödliche chemische und toxische
Waffen in Kampuchea (Kambodscha) eingesetzt haben; und
- sowjetische Streitkräfte eine Vielzahl von chemischen Kampfstoffen,
einschließlich Nervengas, seit der Invasion im Jahr 1979 in Afghanistan eingesetzt haben."
In Laos haben nach den Erkenntnissen der amerikanischen Regierung ausgesuchte Einheiten der laotischen und vietnamesischen Streitkräfte "unter direk-

�"unter direktem sowjetischem Oberbefehl" tödliche Trichothecen-Toxine und andere Kombinationen chemischer Kampfstoffe gegen Angehörige des H'Mong-Stammes
angewandt, die sich gegen die kommunistische Regierungskontrolle wehrten.

Wie

das amerikanische Außenministerium schon wiederholt berichtete, wurden in Proben aus dem Kampfgebiet einwandfrei Giftstoffe der Trichothecen-Gruppe identifiziert.

Die Symptome der Opfer lassen erkennen, daß auch Kampfmittel zur Un-

schädlichmachung des Gegners sowie Nervengas eingesetzt wurden.
Nach den vorliegenden Berichten fanden allein in Laos mindestens 261 getrennte Angriffe mit chemischen Kampfmitteln statt, die mindestens 6504 Tote
kosteten.

Die Gesamtverluste dürften jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach noch

wesentlich höher gewesen sein. Tausende der Stammesangehörigen wurden durch
die chemische Kriegführung aus ihrer Heimat vertrieben.
Proben aus Kampuchea zeigen, daß die vietnamesischen Streitkräfte bei Angriffen gegen die Demokratische Armee von Kampuchea Giftstoffe der TrichothecenGruppe angewandt haben. Medizinische Untersuchungen lassen ferner erkennen,
daß auch Kampfmittel zur Unschädlichmachung des Gegners sowie Nervengas zum
Einsatz kamen. Nach den amerikanischen Untersuchungen kam es in Kampuchea
zwischen 1978 und Herbst 1981 zu 124 getrennten Angriffen mit tödlichen chemischen Kampfstoffen, die mindestens 981 Todesfälle zur Folge hatten.
Zunächst, so heißt esin dem Bericht weiter, sei man davon ausgegangen,
daß die Rolle der Sowjets in Südostasien mehr eine "beratende" gewesen sei.
In Vietnam und Laos arbeiteten seit vielen Jahren sowjetische Berater und Techniker und seit 1979 auch in Kampuchea. Anfang 1979 "wurden Beweise für ein direktes Engagement der Sowjets in der chemischen Kriegführung entdeckt", so
heißt es in dem Bericht wörtlich.

Wiederholt besuchten sowjetische Militär-

inspektionsgruppen Depots chemischer Waffen in Laos, und sowjetische Soldaten
hätten bei der Vorbereitung von Angriffen auf Dörfer des H'Mong-Stammes mitgeholfen.

Mehrere Überläufer aus Laos berichteten, sie hätten mit

eigenen Augen

gesehen, daß sowjetische Berater anwesend waren, als Flugzeuge mit Raketen mit
chemischen Kampfstoffen beladen wurden.
Der Bericht
- 3 -

�Der Bericht stellt ferner fest, daß in Afghanistan seit der sowjetischen
Invasion im Dezember 1979 eine Vielzahl von tödlichen und nicht tödlichen chemischen Kampfstoffen gegen Widerstandskämpfer

und Dörfer eingesetzt wurden.

Darüber hinaus gibt es Berichte über Angriffe mit chemischen Waffen schon seit
sechs Monaten vor der sowjetischen Invasion.
Überläufer aus der afghanischen Armee haben berichtet, daß die Sowjetunion afghanische Soldaten in chemischer Kriegführung ausgebildet und Bestände
an tödlichen und lähmenden Kampfstoffen geliefert hat.
Den Vereinigten Staaten liegen Berichte vor, daß in Afghanistan von Mitte
1979 bis Mitte 1981

47 Angriffe mit chemischen Waffen stattgefunden haben,

die über 3000 Todesopfer forderten.

Wie aus den Angaben von Opfern, Augen-

zeugen und Überläufern hervorgeht, wurden tödliche Kampfstoffe - darunter Nervengas, Phosgene und möglicherweise Toxine und Senfgas - eingesetzt. Aus dem
jetz-t an den Kongreß übersandten Bericht geht weiter hervor, daß chemische
Entseuchungstrupps der sowjetischen Armee im Einsatz beobachtet wurden, woraus
hervorgeht, daß Spezialeinheiten für chemische Kriegführung im offensiven Einsatz waren.

Weiter wurden sowjetische Soldaten mit Schutzanzügen und Schutz-

gerät beobachtet.
Der amerikanische Bericht versucht die Frage zu beantworten, warum die
Sowjets chemische Waffen einsetzen. Danach kann der Einsatz chemischer Waffen aus sowjetischer Sicht als ein rasches und billiges Mittel betrachtet
werden, um den Widerstand der Kräfte zu brechen, die aus relativ schwer zugänglichen und geschützten Schlupfwinkeln den Kampf gegen die kommunistische
Regierung führen.
Die Sowjets und ihre Verbündeten, so heißt es weiter, könnten sich vorgestellt haben, daß sie Beschuldigungen in dieser Hinsicht leicht bestreiten
könnten, und daß die Beweise für den Einsatz chemischer Waffen in unzugänglichen Gebieten schwer zu erbringen seien. Und schließlich dürften die sowjetischen Militärs solche abgelegenen Gegenden als gutes Versuchsgelände für den

�für den Einsatz und die Erprobung der Wirkung chemischer Waffen betrachten.
Außenminister Haig erklärte, daß der Bericht, der auch den Vereinten Nationen und anderen Staaten vorgelegt werden wird - "andere dazu anregen soll,
selbst die Wahrheit zu erfahren und sich den Bemühungen um die Enthüllung der
Wahrheit anzuschließen", was die chemische Kriegführung in Südostasien und
Afghanistan anbetrifft.

Der Einsatz solcher Waffen - international geächtet

und verboten - bedrohe nicht Menschen in abgeschiedenen Regionen, sondern
die internationale Ordnung, auf der die Sicherheit aller beruht.
Auch der Direktor des Büros für politisch-militärische Angelegenheiten
im amerikanischen Außenministerium, Richard Burt, wies auf die Bemühungen
der Vereinigten Staaten hin, andere Länder auf den Tatbestand aufmerksam zu
machen und um Beteiligung an den Bemühungen zu bitten, dem Einsatz von chemischen und toxischen Waffen in den genannten Gegenden Einhalt zu gebieten.
Burt sagte, die detaillierten Beweise und Analysen führten zu dem "eindeutigen" Schluß, daß diese Angriffe mit chemischen und toxischen Waffen stattgefunden haben und "daß die Sowjetunion mit diesen Angriffen zu tun hat".
Bei der Zusammenstellung des Berichtes haben nach Auskunft von Burt
Großbritannien und Japan "technische" Hilfe gewährt, und Kanada hat den Experten der Vereinten Nationen, die sich mit den Fällen chemischer Kriegführung befassen, Informationen zukommen lassen. Burt kündigte an, daß amerikanische Regierungsvertreter in den nächsten Wochen mit diesen und anderen Ländern erörtern würden, was sie zu den Untersuchungen beitragen könnten.
Der Stellvertretende amerikanische Außenminister Walter Stoessel erklärte vor der Presse, die Urteile in dem Bericht seien durch einen "rigorosen
analytischen Prozeß" zustandegekommen.

Der Bericht dokumentiere, daß die

Sowjetunion und ihre Verbündeten in flagranter Weise und wiederholt das internationale Recht und internationale Abkommen über chemische, biologische und
toxische Waffen verletzt habe.
Eine wissenschaftliche

�Eine wissenschaftliche Wertung nahm Dr. Sharon Watson vom Sanitä'tsamt
der amerikanischen Armee vor. Dr. Watson wies Behauptungen zurück, daß
Toxine derTrichothecen-Gruppe keine schweren Blutungen hervorriefen. Wissenschaftliche Untersuchungen hätten ergeben, daß solche Toxine Blutungen verursachen können, wie sie für die Todesfälle durch den Einsatz in Südostasien
typisch seien. Eines der in Proben gefundenen Gifte, T 2, verhindere die Gerinnung des Blutes. Die Ärztin wies darauf hin, daß die von den Opfern in
Südostasien eingeatmeten Trichothecen-Mischungen viel tödlicher seien als die
im Labor erprobten Toxine.
Vor der Presse hoben die amerikanischen Regierungsvertreter ausdrücklich hervor, daß das Hauptanliegen darin bestehe, "dem Einsatz von chemischen
Waffen Einhalt zu gebieten."

+ + + + +

�12

24. März 1982

HAIG BEKRÄFTIGT ZIELE DER AMERIKANISCHEN AUSLANDSHILFEPOLITIK
- Ein Kommentar der Stimme Amerikas -

WASHINGTON - (AD) - In einer Erklärung vor einem Kongreßausschuß,der
sich gegenwärtig mit dem Ersuchen Präsident Reagans um die Erhöhung der
amerikanischen Auslandshilfe um 1,4 Milliarden Dollar für das Haushaltsjahr
1983 befaßt, hat Außenminister Haig dieser Tage die Ziele der USA auf diesem
Gebiet noch einmal bekräftigt.
Historisch gesehen, lief die amerikanische Auslandshilfe immer auf zwei
Schienen - der wirtschaftlichen und der militärischen.
haben sich immer ergänzt.

Diese beiden Methoden

Sie haben das Ziel, den Lebensstandard der Ent-

wicklungsländer zu heben, die wirtschaftliche Stabilität anderer mit den USA
in Freundschaft verbundener Länder zu schützen und damit das Sicherheitssystem
der Welt schlechthin zu stärken. Und nach diesen Grundsätzen handelt auch
die gegenwärtige Administration.
Die jetzt von der Regierung angeforderte Auslandshilfe wird angesichts
der militärischen und wirtschaftlichen Obergriffe der Sowjets dringend benötigt. Die sowjetische Invasion vom Dezember 1979 in Afghanistan hat die
Sicherheit der benachbarten Länder gefährdet. Und das Programm der Vereinig-

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�der Vereinigten Staaten für die militärische Modernisierung und wirtschaftliche Unterstützung Pakistans soll diesem Lande helfen, der sowjetischen Bedrohung zu begegnen und eine lebensfähige Wirtschaft zu entwickeln, die für
die innere Stabilität so wesentlich ist. Die amerikanische Politik im übrigen Südwestasien zielt darauf ab, die regionale Sicherheit zu bewahren und
den Zugang zu den für die Weltwirtschaft so wichtigen ölreserven zu schützen.
Die Vereinigten Staaten sind ferner besorgt über den Einsatz kubanischer
Stell Vertretertruppen in Äthiopien, Angola und am Hörn von Afrika. Die von
der Sowjetunion und Kuba unterstützten Aktionen im karibischen Becken werden
genau beobachtet.

Die Besorgnis der USA spiegelt sich wider in der Absicht,

den größten Teil der neu angeforderten Mittel für dieses Gebiet, vor allem für
die Wiederherstellung des Friedens und der politischen Stabilität in El Salvadon
auszugeben.
Im Nahen Osten sollen die Auslandshilfemittel eingesetzt werden, um die
Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität Israels und Ägyptens als eine Maßnahme zur Stärkung der Friedensaussichten in dieser ganzen Region zu gewährleisten. Amerikanische Unterstützung kommt auch dem Sudan, Marokko und
Tunesien angesichts der Subversions- und Aggressionsdrohungen von seiten
Libyens zugute.

Die Auslandshilfe wird ferner dringend benötigt, um die süd-

liche Flanke der NATO durch Unterstützung der Volkswirtschaften und des militärischen Potentials Griechenlands und der Türkei zu stärken.
Von entscheidender Bedeutung ist die amerikanische Wirtschaftshilfe jedoch
für die am wenigsten entwickelten Gebiete der Welt.

In Übereinstimmung mit

der amerikanischen Tradition und im Geiste der auf dem Gipfeltreffen von Cancun
gemachten Empfehlungen ist der größte Teil des amerikanischen Entwicklungsund Lebensmittel hilfeprogramms für die ärmsten Nationen dieser Welt vorgesehen.
Und die Vereinigten Staaten rechnen damit, daß private ausländische Investoren
den privaten Sektor dieser Länder stärken und damit dazu beitragen, daß diese
Zugang zu gewinnbringenden und erweiterten Märkten erhalten.
+

+

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+

- 2 -

+

�12

24. März 1982

USA FORDERN "ECHTE" RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN

WASHINGTON - (AD) - "Echte Verhandlungen" über die Kontrolle der Kernwaffen
müssen am Konferenztisch in Genf und nicht durch einseitige Erklärungen geführt
werden. Diese Auffassung vertrat

der Direktor des Büros für politisch-mili-

tärische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Richard Burt, am
16. März 1982.
In einem Fernsehinterview wies Burt darauf hin, daß der Vorschlag Breschnews,
die Dislozierung von nuklearen Mittel Streckensystemen

westlich des Urals ein-

seitig einzustellen, an den amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über eine
Kontrolle und Reduzierung dieser Waffen in Genf "vorbeigegangen" sei. Diese Verhandlungen wurden am 16. März nach viermonatiger Dauer vertagt.
Burt betonte, daß die Vereinigten Staaten diese Verhandlungen in Genf "sehr,
sehr ernst" nehmen. Der Leiter der amerikanischen Delegation, Paul Nitze, habe
alles daran gesetzt, die vereinbarte Vertraulichkeit dieser Verhandlungen nicht
zu verletzen, so sagte Burt. Es sei die Sowjetunion gewesen, die sich in Artikeln

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�in Artikeln der sowjetamtlichen Nachrichtenagentur TASS und jetzt in der Rede
Breschnews öffentlich über diese Verhandlungen geäußert habe.
"Wir wollen ein Ergebnis auf dem Verhandlungswege", so führte Burt wörtlich
aus, "aber wir wollen kein Ergebnis, weder aus Genf, noch einseitig, das 300
sowjetische SS-20-Raketen mit 900 Gefechtsköpfen im Osten und null solcher Waffen
im Westen beläßt."
Der leitende Beamte im amerikanischen Außenministerium wollte sich zu der
offensichtlichen Warnung Breschnews nicht äußern, daß die Einführung von Pershing
II und Marschflugkörpern in Westeuropa durch das Atlantische Bündnis die Vereinigten Staaten in eine "analoge Lage" versetzen würde. Die Formulierungen
Breschnews seien vage, und die Sowjetunion könne sie auslegen,wie sie wolle. Die
Rede Breschnews sei auf jeden Fall eine Mischung von Friedens- und Rüstungskontrollangeboten und Androhungen eines Atomkrieges.
Die Vorschläge Breschnews enthielten nichts Neues, so betonte Burt weiter.
Der sowjetische Staats- und Parteichef habe bereits vor einem Jahr einen ähnlichen
Vorschlag gemacht, und die Vereinigten Staaten hätten eine Antwort ausgearbeitet,
da sie damit gerechnet hätten, daß Breschnew seinen Vorschlag wiederholen werde.
Daher hätten die USA so rasch auf die Rede reagieren können.
Die Rede Breschnews läßt nach Meinung Burts die Enttäuschung Moskaus erkennen, daß es bei den Genfer Verhandlungen und bei der Beeinflussung der öffentlichen Meinung und der Regierungen in Europa in der Rüstungsfrage nicht weiterkomme. Die europäischen Verbündeten der Vereinigten Staaten hätten die amerikanische Position bei den Genfer Verhandlungen "vereint und nachdrücklich unterstützt".
Burt wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß die Geschichte gelehrt
habe, daß man den Sowjets Anreize zur Abrüstung geben müsse. "Die Sowjets werden
uns bei der Rüstungskontrolle keinen Gefallen tun, sie muß in ihrem eigenen
Interesse liegen", so unterstrich er.
In den

�In den Vereinigten Staaten bestehe nur ein Unterschied in der Taktik
zwischen Präsident Reagan und jenen Amerikanern, die jetzt ein Einfrieren der
amerikanischen und sowjetischen Kernwaffen forderten. "Es besteht kein Konflikt
darüber, daß es wünschenswert ist, dem Wettrüsten ein Ende zu setzen", so sagte
Burt. "Aber wenn wir sie jetzt einfrieren und das strategische Modernisierungsprogramm des Präsidenten aufgeben, dann werden keine Verringerungen der Kernwaffen erreichbar sein."
Der Präsident verstehe durchaus die Wünsche des amerikanischen Volkes nach
Frieden, aber "er versteht auch die Notwendigkeit einer wirklich verifizierbaren
und gerechten Rüstungskontrolle."
+++++

- 3 -

�12

24. März 1982

BRESCHNEW-VORSCHLAG BEDEUTET EINFRIEREN IM VERHÄLTNIS NULL ZU DREIHUNDERT

WASHINGTON - (AD) - Der Vorschlag des sowjetischen Staats- und Parteichefs
Breschnew, die nuklearen Mittel Streckensysteme in Europa einzufrieren, kann nach
Auffassung der amerikanischen Regierung wohl kaum der "Parität und der gleichen
Sicherheit" dienen, die er selbst als Grundlage für ein amerikanisch-sowjetisches Raketenabkommen empfiehlt. Ein Einfrieren zum gegenwärtigen Zeitpunkt
würde der Sowjetunion eine völlige Überlegenheit auf dem Gebiet der nuklearen
Mittel Streckenwaffen verleihen: Moskau verfügt über 300 und die NATO über Null.
In seiner Rede vor dem sowjetischen Gewerkschaftskongreß in Moskau erklärte
Breschnew, der Kreml wolle mit den Vereinigten Staaten ein Abkommen über den
Abbau der Nuklearrüstungen in Europa "auf der Basis der Parität und der gleichen
Sicherheit für beide Seiten" erreichen. Um ein solches Abkommen zu erleichtern,
sei die Sowjetunion zu einem einseitigen Moratorium für die Aufstellung
nuklearer Mittel Streckensysteme im europäischen Teil der UdSSR bereit. Auch
wolle die Sowjetunion keine weiteren alten SS-4- und SS-5-Raketen durch neue
SS-20-Raketen ersetzen.
Was Breschnew

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�Was Breschnew jedoch nicht sagte, war, daß damit das heutige Kräfteverhältnis eingefroren würde, das so eindeutig zugunsten der Sowjets steht: Die
Sowjetunion hat bisher 300 SS-20-Raketen mit 900 Gefechtsköpfen über die 300
SS-4- und SS-5-Raketen hinaus disloziert, während die NATO keine einzige Rakete
dieser Art disloziert hat.
Nach dem Doppelbeschluß der NATO vom Dezember 1979 wird im Jahre 1983 die
Dislozierung von amerikanischen landgestützten Marschflugkörpern und Pershing IIRaketen beginnen, während gleichzeitig die völlige Beseitigung der nuklearen
Mittel Streckensysteme durch Verhandlungen mit der Sowjetunion angestrebt wird.
Zum Zeitpunkt des NATO-Doppelbeschlusses hatte die Sowjetunion bereits 140 auf
NATO-Ziele gerichtete SS-20-Raketen in Osteuropa disloziert, während die NATO
nicht eine solche Rakete besaß und auch noch nicht besitzt. Allerdings sind die
Pläne für die Produktion und Dislozierung bisher eingehalten worden.
Die Sowjetunion setzte ihre Dislozierung uneingeschränkt fort und verfügte
im Mai 1981 über 250 SS-20-Raketen und zum Zeitpunkt des Moratoriumsangebots durch
Breschnew am 16. März 1982 über 300 solcher Raketen, wobei sich das Dislozierungstempo gesteigert hat.
+++++

�24. März 1982

12

ÜBER ABRÜSTUNG MUSS AM VERHANDLUNGSTISCH IN GENF GESPROCHEN WERDEN
- Von unserer Sonderkorrespondentin Marie Koenig

WASHINGTON - (AD) - Jahrelang haben sich die Sowjets geweigert, sich
mit den Vereinigten Staaten am Verhandlungstisch zu treffen, um über eine Begrenzung der nuklearen Mittel Streckensysteme (INF) in Europa zu sprechen,
denn Moskau hatte ein totales Monopol an solchen landgestützten Systemen. Erst
als die Sowjets die feste Entschlossenheit der NATO erkannten, im Rahmen des
Doppelbeschlusses von 1979 dieses Ungleichgewicht durch die Dislozierung von
PERSHING II-Raketen und landgestützten Marschflugkörpern von 1983 an zu beheben, bequemten sich die Sowjets zu Verhandlungen.
Am 30. November 1981 begannen diese Verhandlungen in Genf. Sie verliefen
sachlich und ruhig und ohne öffentliche Polemik.
Nur wenige Stunden, nachdem beide Seiten am 16. März 1982 eine Verhandlungspause bekanntgaben, teilte der sowjetische Staats- und Parteichef Leonid
Breschnew in einer Rede in Moskau mit, daß der Kreml einseitig die Stationierung neuer SS-20-Raketen mit Dreifachgefechtsköpfen im europäischen Teil der
UdSSR einfrieren wolle, wenn die NATO auf die Dislozierung der geplanten 572

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�geplanten 572 PERSHING II-Raketen und Marschflugkörper verzichte, oder bis ein
Abkommen über beiderseitige Reduzierungen erreicht sei.
Präsident Reagan bekräftigte daraufhin die amerikanische Position, daß
"ein Einfrieren einfach nicht reicht, weil es nicht weit genug geht."

Man

müsse über ein Einfrieren hinauskommen, so sagte Reagan in einer ersten Stellungnahme, denn "wenn es Breschnew wirklich ernst ist mit echter Rüstungskontrolle, was ich hoffe, dann wird er sich einer echten Rüstungsverminderung anschließen."
Bis zur Wiederaufnahme der Genfer Verhandlungen am 20. Mai mag es nützlich sein, sich noch einmal die beiderseitigen Standpunkte vor Augen zu führen.
Was schlagen beide Seiten vor?
Die Vereinigten Staaten wollen sich auf nukleare Mittel Streckensysteme
konzentrieren; die Sowjetunion möchte die Einbeziehung anderer amerikanischer
Systeme in Europa.
Was bedeutet die "Null-Lösung" oder "Null-Option"?
Der von Präsident Reagan in einer Rede am 18. November 1981 unterbreitete
und am 2. Februar 1982 als Vertragsentwurf ausgearbeitete Vorschlag sieht Begrenzungen auf globaler Basis vor. Ziel ist die Beseitigung aller sowjetischen
Raketen der Typen SS-20, SS-4 und SS-5. Im Gegenzug würden die Vereinigten
Staaten auf die Dislozierung von PERSHING II und landgestützten Marschflugkörpern in der ganzen Welt verzichten.
Dieser amerikanische Vorschlag bedeutet für beide Seiten "Null".

Wenn

Moskau wirklich an großen Verringerungen und an einer Parität interessiert ist,
dann wird der amerikanische Vorschlag diese Behauptung auf die Probe stellen.
Besteht ein

�Besteht ein Unterschied zwischen dem Moratoriumsvorschlag der Sowjets
noch vor Genf, ihrer Verhandlungsposition, wie sie am 9. Februar von der
amtlichen Nachrichtenagentur TASS verbreitet wurde und der Ankündigung
Breschnews vom 16. März?
Bei genauem Hinsehen dienen alle drei im Grunde dem gleichen Zweck:
Bevor Moskau Verhandlungen zustimmte, schlug es ein Moratorium für die
Aufstellung von nuklearen Mittel Streckensystemen in Europa vor - was die
sowjetische Überlegenheit mit 1100 Gefechts köpfen auf ihren SS-20, SS-4 und
SS-5 festgeschrieben hätte.
Das jüngste Einfrierungsangebot Breschnews wurde bei einem Stand von
1200 sowjetischen zu null (amerikanischen) Gefechtsköpfen unterbreitet.

Nach

dem Moratoriumsvorschlag der Sowjets würde die INF-Modernisierung der NATO
blockiert, während die Sowjetunion durch nichts gehindert würde, weitere SS20-Raketen östlich des Urals aufzustellen.
Nach den Veröffentlichungen von TASS vom 9. Februar 1982 sollen bis 1990
die

nuklearen Mittel Streckensysteme der NATO und der UdSSR auf 300 reduziert

werden - dazu würden amerikanische Flugzeuge des Typs F-4 in Europa und FB-111,
nicht in Europa stationiert, gerechnet werden.

Für die Sowjets würde sich die

Begrenzung auf die SS-20, SS-4 und SS-5 sowie auf die Flugzeuge der Typen
Backfire, Badger und Blinder in Europa erstrecken, d.h. die Systeme westlich
des Urals - nicht eingerechnet werden jedoch die Tausende sowjetischer Flugzeuge
der Typen SU-24, MIG 23/27 oder SU-17/20, die in Osteuropa oder im Westen der
UdSSR stationiert sind und die ähnliche Aktionsradien und Fähigkeiten besitzen
wie die F-4, wenn nicht sogar bessere.
Warum konzentrieren sich die Vereinigten Staaten auf landgestützte Systeme?
Weil dies die bedrohlichsten Waffensysteme sind und weil beide Seiten die
größten Sorgen darüber geäußert haben.

Ein erfolgreicher Abschluß von Ver-

handlungen über diese Systeme würde die Stabilität ein großes Stück näher bringen.
Reicht das
- 3 -

�Reicht das Interesse der USA über die gegenwärtigen INF-Verhandlungen
hinaus?
Sicherlich, aber Washington ist der Ansicht, daß es zu einer gesunden
Rüstungskontrollpraxis gehört, Prioritäten zu setzen, d.h. sich zunächst auf
die landgestützten Raketen zu konzentrieren.

Ein Erfolg in dieser Phase

würde einen konstruktiven Rahmen und gute Aussichten für weitere nukleare
Abrüstungsverhandlungen schaffen.
Warum sucht Washington - was die Sowjets als Komplikation bezeichnen die INF-Verhandlungen geographisch über Europa hinaus auszudehnen?
Amerika geht diesen Weg wegen der großen Reichweiten und Mobilität der
SS-20-Raketen.

Selbst von Einsatzorten jenseits des Urals kann diese Rakete

bei einer Reichweite von 5000 km Ziele in NATO-.Europa innerhalb von 20 Minuten erreichen.
Warum sollte Moskau vorhandene Raketen gegen amerikanische Raketen aufgeben, die bislang nur auf dem Papier existieren?
ft

Die NATO h$t.ihre Entschlossenheit bekundet, mit der Modernisierung der
nuklearen Abschreckung'des Bündnisses* fortzufahren, ßie Durchführung des
,; .Programms kann nur durch ein faires und wirksames Rüstungskontroi labkommen
verhindert werden. Es liegt also bei den Sowjets, ob die auf dem Papier
existierenden amerikanischen Raketen zu wirklichen Raketen werden. Sollte
sich die Sowjetunion entschließen, eine Lösung auf dem Verhandlungstisch zu
verschleppen, dann wird die NATO zur Dislozierung der PERSHING II und der landgestützten Marschflugkörper schreiten. Eine Verzögerungstaktik der Sowjets
würde also den Aussichten auf einen Abbau der Nuklearwaffen nicht dienen.
Der Kreml behauptet, daß gegenwärtig ein Gleichgewicht zwischen der NATO
und der Sowjetunion bestehe. Aber warum kann dieses heutige Kräfteverhältnis
nicht als Ausgangspunkt für Verhandlungen genommen werden?
f.
Weil die
- 4 -

�Weil die sowjetische Behauptung auf einer manipulierten und täuschenden
Auswahl von Daten beruht, nach der eine Reihe von nicht unter INF fallende
NATO-Systeme mitgezählt werden, während eine große Zahl vergleichbarer sowjetischer Systeme außer acht gelassen werden. Zu dem sowjetischen "Gleichgewicht" zählen nur die sowjetischen Systeme in Europa, nicht jedoch die östlich des Urals stationierten SS-20.

Ferner wird nur nach Abschußrampen ge-

rechnet, die nachgeladen werden können, statt nach Gefechtsköpfen, was einen
besseren Maßstab bietet.
Die Sowjets zählen britische und französische Raketen und Flugzeuge dazu
und wollen auch über diese in Genf verhandeln. Wie stehen die Vereinigten
Staaten dazu?
Die britischen und französischen Arsenale sind strategische Systeme souveräner Staaten, und die USA halten es für völlig unangemessen, wenn Washington
und Moskau über Systeme dritter Länder verhandeln wollten. Indem die Sowjets
die britischen und französischen Systeme mitzählen, versuchen sie, sich das
Recht zu geben, mehr nukleare Systeme zu besitzen als die Vereinigten Staaten.
Das würde den Verhandlungsgrundsatz der Gleichheit zwischen den USA und der
UdSSR verletzen und Moskau eine Überlegenheit zuschreiben.
Ist es wahr, daß Washington, wie der Kreml behauptet, die Ansichten
seiner Verbündeten nicht in die Verhandlungsposition einbezogen habe?
Sicherlich nicht! Die amerikanische Verhandlungsposition wurde in gründlichen Konsultationen mit den Verbündeten in der NATO in einer Sonderberatungsgruppe ausgearbeitet. Die Auffassungen der Verbündeten hatten einen wesentlichen Einfluß auf den Vorschlag Präsident Reagans für eine "Null-Lösung".

+ + + ++

- 5-

�Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24. März 1982

12

COLUMBIA MIT 4,4 TONNEN WISSENSCHAFTLICHER NUTZLAST

- (AD) - Wissenschaftliche Instrumente im Gesamtgewicht von ca. 4 400 kg
hat die Raumfähre COLUMBIA bei ihrem dritten Flug an Bord, bei dem sie die
Erde sieben Tage lang auf einer kreisförmigen Bahn in 240 km Höhe umkreist.
Mehr als 3 700 kg wiegen allein die Ausrüstungen für die von der NASA-Abteilung für Weltraumforschung (0SS) arrangierten Experimente, an denen Wissenschaftler von Universitäten sowie von staatlichen und privaten Forschungsinstituten beteiligt sind.

Die Mehrzahl der Instrumente, mit denen Studien auf

Gebieten wie Sonnen- und Plasmaphysik, Astronomie, Biologie und Raumfahrttechnik vorgenommen werden und die einen Gesamtwert von 20 Millionen Dollar haben,
ist auf einer U-förmigen Palette montiert, die von der Europäischen Organisation für Weltraumforschung ESA gebaut und zur Verfügung gestellt wurde.

Einige

Apparaturen werden während des Fluges mit Hilfe des kanadischen Greif- und Hebegeräts aus der Ladebucht gehievt und für gewisse Zeit in bestimmten Positionen
an der Außenseite der COLUMBIA und über der geöffneten Ladebucht gehalten.
Aufgrund seiner Zusammenstellung demonstriert das Arrangement 0SS-1 nach den
Worten von Werner Neupert (Goddard Space Flight Center), der für die Forschungsexperimente verantwortlich ist, das breite Spektrum der Forschungskapazitäten
der amerikanischen Raumfähre.
Besonders interessante

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Besonders interessante Resultate werden von der PDP-Ausrüstung ("Plasma
Diagnostic Package") erwartet, die der Beobachtung der im Weltraum vorhandenen
elektrisch geladenen Partikel dient. Man versucht u.a. herauszufinden, ob
und welche Art von "Wellen"-Bewegungen und Turbulenzen im ionisierten kosmischen
Gas beim Durchgang des Raumtransporters auftreten, wie stark die elektrische
Aufladung des Fluggeräts infolge der Plasma-Umwelt ist, aus welcher Richtung
die elektrisch geladenen Partikel kommen, welche Energie und welche Dichte
die Partikel ströme haben.

Eine weitere wichtige Meßaufgabe ist die Ermittlung

des elektromagnetischen Feldes im und um den Orbiter und der Überlagerung des
äußeren Feldes durch die Sender und die elektrischen Bordanlagen der COLUMBIA.
Die PDP-Ausrüstung wird außerdem benutzt, um bei bestimmter Stellung der
COLUMBIA zu den Kraftlinien des erdmagnetischen Feldes gepulste Elektronenstrahlen zu beobachten, die von einem Gerät in der Ladebucht in rascher Folge
ausgestoßen werden.

Dieses Experiment dient der Untersuchung von Wechselwir-

kungen zwischen Elektronen und Ionosphäre - Untersuchungen, die den Wissenschaftlern auch mehr Erkenntnisse über bestimmte Vorgänge in der Natur bringen
sollen.
Die Instrumente auf der Palette in der Ladebucht werden Temperaturveränderungen zwischen plus 93 Grad Celsius und minus 66 Grad Celsius ausgesetzt.
Als Versuchsapparatur wird ein thermischer Kanister mit fünf verschiedenen
Systemen von Heizschlangen und Radiatoren mitgeführt, die möglicherweise einen
Weg aufzeigen, wie die Umgebungstemperatur von wissenschaftlichen Instrumenten
besser kontrolliert werden kann.
Auch zwei astronomische Instrumente sind Teil von OSS.
zise die von der Sonne kommende ultraviolette Strahlung.

Eines mißt prä-

Das ganze ist der Be-

ginn einer Langzeitstudie, mit der ermittelt werden soll, ob durch die überall
auf der Erde verursachte Luftverschmutzung sich u.a. die Zusammensetzung der
Hochatmosphäre verändert und der Anteil der bis zur Erdoberfläche vordringenden UV-Strahlung größer wird.

Das zweite Instrument beobachtet die Röntgen-

strahlung von Sonneneruptionen.
Infolge der

�Infolge der Temperaturunterschiede zwischen der sonnenbeschienenen und
der im Schatten befindlichen Seite des Orbiter sowie des nahezu schwerelosen
Zustandes wäre es denkbar, daß sich die COLUMBIA entlang ihrer Längsachse wie
eine Banane biegt - man rechnet mit einer Verbiegung bis zu zwei Grad.

"Aber

dieser 'Bananeneffekt' ist in der Konstruktion des Raumtransporters berücksichtigt, erklärt Jim Elliott, ein Sprecher der amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde NASA.

Schü'lerexperiment
Für den 18jährigen Oberschüler Todd Nelson aus Rose Creek in Minnesota
hat der dritte Flug der COLUMBIA besondere Bedeutung. In Zusammenarbeit mit
Fachwissenschaftlern, Ingenieuren der Industrie und seinem Biologielehrer bereitete er ein Experiment mit Insekten vor, die in einem zweigeteilten Kanister
den siebentägigen Flug mitmachen. Der Kanister ist im Mitteldeck installiert
und wird von einem Astronauten mehrmals an einer Wand aufgehängt, um durch eine
Sichtscheibe die Insekten zu beobachten und ihr Flugverhalten zu filmen. Die
Lebensbedingungen hinsichtlich Licht, Temperatur und Druck sind einheitlich.
In einem Behälter befinden sich zehn Honigbienendrohnen, im anderen zehn Falter, die aus einer größeren Raupenart geschlüpft sind. Das Verhältnis zwischen
Körpermasse und Flügelfläche ist bei beiden Arten verschieden. Da normalerweise die Gravitation ein ganz wichtiger Faktor für die Orientierung und den
stabilen freien Flug von Insekten ist, will Nelson die Wirkung der Schwerelosigkeit auf seine Versuchstiere untersuchen. Die Filmaufnahmen und die Insekten wird er nach der Rückkehr der COLUMBIA gemeinsam mit seinen Beratern
analysieren.

Neuer Landeplatz

- 3 -

�Neuer Landeplatz
Ursprünglich war, wie schon bei STS-1 und STS-2, die Landung der
COLUMBIA auf einem ausgetrockneten Salzsee in Kalifornien vorgesehen. Regenfä'lle haben die harten Salzpisten jedoch aufgeweicht. Deshalb wurde jetzt
entschieden, daß der Orbiter am Ende des Einsatzes STS-3 auf der NorthrupPiste des Versuchsgeländes der US-Armee in White Sands im Bundesstaat New
Mexico landen soll. White Sands ist sowieso einer der Reserveplätze für die
Landung der amerikanischen Raumfähre.

+ + + + +

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nitze warnt vor nuklearen Einfrierungs-Vorschlägen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung des amerikanischen Verhandlungschefs in Genf -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Beweise für sowjetische Beteiligung an chemischer Kriegsführung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USA streben nach weltweiter Durchsetzung des Verbots -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Korrespondenten Ed Scherr&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Haig bekräftigt Ziele der amerikanischen Auslandshilfepolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein Kommentar der Stimme Amerikas -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA fordern "echte" Rüstungskontrollverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Breschnew-Vorschlag bedeutet Einfrieren im Verhältnis Null zu Dreihundert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Über Abrüstung muss am Verhandlungstisch in Genf gesprochen werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserer Sonderkorrespondentin Marie Koenig -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;COLUMBIA mit 4,4 Tonnen wissenschaftlicher Nutzlast</text>
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