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und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17. März 1982

11/B

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan:

Breschnew-Plan geht nicht weit genug

- Erklärung des US-Präsidenten zum sowjetischen Vorschlag Erklärung des Weißen Hauses zum Moratoriums-Vorschlag Breschnews
- Wortlaut Ost-West-Spannungen gefährden KSZE-Prozeß
- Rede des US-Delegierten vor der Vertagung der Madrider Konferenz

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�I

Dokumentation
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Embassy of the United States of America

11

17. März 1982

REAGAN: BRESCHNEW-PLAN GEHT NICHT WEIT GENUG
Erklärung des US-Präsidenten zum sowjetischen Vorschlag

OKLAHOMA CITY - (AD) - Präsident Reagan erklärte am 16. März 1982 zu
dem jüngsten Moratoriums-Vorschlag des sowjetischen Staats- und Parteichefs
Breschnew, dieser Plan sei einfach nicht gut genug, weil er nicht weit genug
gehe. Der amerikanische Präsident stellte diese erste Reaktion auf die Erklärung Breschnews an den Anfang einer Rede, die er vor dem Staatsparlament
von Oklahoma hielt.
Die Ausführungen Reagans haben folgenden Wortlaut:
Bevor ich heute morgen meine geplante Rede halte, möchte ich erneut zur
Frage der nuklearen Rüstungskontrolle Stellung nehmen - zu einem Thema, das al
len Amerikanern, unseren Verbündeten, den Menschen in aller Welt ein großes
Anliegen ist.

Die Hoffnung aller Menschen in allen Teilen der Welt ist der

Friede - Frieden nicht nur für diese Generation, sondern auch für alle kommenden Generationen.

Um den Frieden zu bewahren, um ihn für die Zukunft zu

sichern, dürfen wir nicht nur die Produktion nuklearer Waffen einfrieren, wir
müssen vielmehr das ungeheure Ausmaß reduzieren, das bereits besteht.
Jene, denen

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�Jene, denen der Friede ernst ist, jene, die wirklich das Potential für
die nukleare Zerstörung verabscheuen, müssen einen Anfang zu einem tatsächlichen Rüstungsabbau machen.

Präsident Breschnew hat ein einseitiges Mora-

torium für eine weitere Dislozierung von SS-20-Raketen gegen Westeuropa vorgeschlagen.

Ich sage heute, wie ich es schon gestern gesagt und es (in meiner

Rede) am 18. November klargemacht habe, daß ein Einfrieren einfach nicht gut
genug ist, weil dies nicht weit genug geht. Wir müssen über ein Einfrieren
hinausgehen.
Wollen wir doch einmal einige Tatsachen hinsichtlich des militärischen
Gleichgewichts in Europa betrachten. Die Sowjetunion verfügt derzeit über
300 brandneue SS-20-Raketen mit 900 dislozierten Gefechtsköpfen.

Sie kann

jedes Ziel in Europa treffen. Die NATO hat keine landgestützten Raketen, die
die UdSSR treffen könnten.
Wenn Präsident Breschnew nun anbietet, die Dislozierungen der auf Westeuropa gerichteten Raketen zu stoppen, so vergißt er zu erwähnen, daß es sich
um mobile Raketen handelt.

Es spielt keine Rolle, wo man sie aufstellt, denn

man kann sie überall hinbewegen, auch wieder zurück auf Westeuropa gerichtet.
Und selbst von Gebieten östlich des Ural

aus könnten sie immer noch Ziele

im größten Teil Westeuropas erreichen.
Unser Vorschlag, der gegenwärtig auf dem Verhandlungstisch in Genf liegt,
sieht vor, daß wir keine Mittelstreckenraketen in Europa dislozieren, wenn die
Sowjets ihrerseits zustimmen, das, was sie jetzt dort haben, voll und ganz abzubauen. Das ist nur fair. Das bedeutet Null auf beiden Seiten. Und wenn
es Präsident Breschnew ernst ist mit einer wirklichen Rüstungskontrolle - und
ich hoffe, es ist ihm ernst - dann wird er sich einer tatsächlichen Rüstungsreduzierung anschließen.

+ + + + +

�Dokumentation

ll

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11

17. März 1982

ERKLÄRUNG DES WEISSEN HAUSES ZUM MORATORIUMS-VORSCHLAG BRESCHNEWS
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus hat am 16. März 1982 in einer Erklärung eine erste Stellungnahme zu dem Vorschlag des sowjetischen Staats- und
Parteichefs Breschnew abgegeben, keine weiteren SS-20-Raketen mehr westlich
des Urals aufzustellen.

Dieser Vorschlag wird in Washington als ein Versuch

betrachtet, die sowjetische Überlegenheit festzuschreiben, die NATO zu spalten und der Sowjetunion eine unangefochtene Hegemonie in Europa zu gewähren.
Die Erklärung des Weißen Hauses hat folgenden Wortlaut:
Bei näherer Untersuchung ist das von Präsident Breschnew angebotene
"einseitige Moratorium" weder einseitig noch ein Moratorium.
Das Angebot, das hat Präsident Breschnew klargemacht, ist auf den europäischen Teil der Sowjetunion begrenzt

und läßt es damit der Sowjetunion frei,

ihren Aufbau von SS-20 östlich des Urals, durchaus in Reichweite Westeuropas,
fortzusetzen.

Wie wir bereits bei vielen Gelegenheiten festgestellt haben,

ist eine SS-20 bei ihrer Reichweite und Mobilität eine Bedrohung der NATO,
wo immer sie stehen mag.
Präsident

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�Präsident Breschnew verbindet sein "einseitiges" Angebot mit der Bedingung, daß die westlichen Vorbereitungen für die Dislozierung landgestützter
Marschflugkörper und PERSHING II-Raketen, die im Dezember 1979 vereinbart
wurde, nicht fortgesetzt werden.

Diese Vorbedingung plus der Tatsache, daß

die Sowjets sowohl westlich als auch östlich des Urals Standorte für neue
SS-20-Raketen vorbereitet haben, demonstriert, daß es sich um eine Propagandageste handelt und daß die Sowjets in Wirklichkeit gar nicht die Absicht haben,
ihre Rüstung mit SS-20 zu stoppen.
Die sowjetische SS-20-Streitmacht übersteigt bereits die Dimensionen der
zu erwartenden Bedrohung, als die NATO im Dezember 1979 den Beschluß faßte,
amerikanische Marschflugkörper und PERSHING II-Raketen in Europa zu dislozieren und durch Rüstungskontrolle eine Verringerung der geplanten Stärken der
weitreichenden nuklearen Mittel Streckensysteme auf beiden Seiten anzustreben.
Die Sowjets verfügen heute über 300 dislozierte SS-20-Raketen mit 900 Gefechtsköpfen.

Der Vorschlag Breschnews zur Einfrierung zielt, wie vorherige

sowjetische Erklärungen während der letzten drei Jahre, darauf ab, die Aufmerksamkeit von der gewaltigen Zunahme der sowjetischen Kapazitäten abzulenken,
die bereits stattgefunden hat, und von dem gewaltigen Übergewicht, das die
Sowjetunion damit erreicht hat.
Es ist bedauerlich, daß die Sowjets keine echte Zurückhaltung geübt haben, ehe sie mit ihrer SS-20-Aufrüstung begannen.

Die NATO ihrerseits hat be-

züglich der nuklearen Mittel Streckensysteme über ein Jahrzehnt lang Zurückhaltung geübt - die von den Sowjets ausgenutzt wurde.
Alles in allem ist der Vorschlag Präsident Breschnews weder ein Beweis
für sowjetische Zurückhaltung noch ist er geeignet, ein Rüstungskontroi labkommen zu fördern.

Wie frühere solche sowjetische Einfrierungsvorschläge

sucht auch dieser die sowjetische Überlegenheit zu legitimieren; der Sowjetunion freie Hand bei der Fortsetzung ihrer Aufrüstung zu lassen; das NAT0Bündnis zu spalten; die amerikanischen Dislozierungen zu stoppen und damit
der Sowjetunion eine unangefochtene Hegemonie über Europa zu sichern.
Die Vereinigten

�Die Vereinigten Staaten haben in Genf konkrete Vorschläge für die völlige
Beseitigung von Raketen auf beiden Seiten unterbreitet, wie von Breschnew in
seinen heutigen Ausführungen zitiert wurde. Wir bedauern, daß die Sowjetunion
offensichtlich Propagandagesten einer Konzentration auf ernsthafte Verhandlungen in Genf vorzieht.

Die Vereinigten Staaten ihrerseits werden mit voller

Unterstützung durch die Verbündeten weiterhin an der Durchführung beider Teile
des Doppelbeschlusses vom Dezember 1979 über die Dislozierung neuer Systeme
in Europa und echte Rüstungskontrollanstrengungen festhalten, die nach unserer
Hoffnung die Dislozierung letztlich unnötig machen werden.
Der Vorschlag Breschnews, die Operationen von Raketen-Unterseebooten zu
begrenzen, ist ebenfalls kein ernsthafter Vorschlag. Amerikanische Unterseeboote sind, da sie sich in weiten Seegebieten bewegen können, unverwundbar vor
einem sowjetischen Angriff und stellen daher eine stabile Abschreckungsmacht
dar. Ihr Operationsgebiet in den Weltmeeren zu begrenzen, würde ihre Verwundbarkeit erhöhen und das Vertrauen in ihre Abschreckungskapazität aushöhlen.
Der sowjetische Vorschlag dient daher ausschließlich dem eigenen Interesse.
Nachdem sie einen großen Prozentsatz unserer landgestützten Interkontinentalraketen durch ihre große Interkontinentalraketenrüstung verwundbar gemacht
haben, versuchen die Sowjets jetzt mit ihrem Vorschlag, das Vertrauen, das wir
in das seegestützte Segment unserer Abschreckung haben, zu vermindern.
Der Vorschlag für das Verbot der Dislozierung landgestützter weitreichender Marschflugkörper ist eine weitere durchsichtige Bemühung, den Doppelbeschluß der NATO von 1979 zu Fall zu bringen. Der Vorschlag läßt im übrigen,
indem er sich auf seegestützte wie auf landgestützte Marschflugkörper großer
Reichweite konzentriert, die Marschflugkörper kürzerer Reichweite außer acht,
die die Sowjetunion gegenwärtig auf ihren Kriegschiffen disloziert.
Und schließlich möchten wir erneut die vier Prinzipien bekräftigen, die
den Rüstungskontroilbemühungen der Reagan-Administration zugrunde liegen.
Wir streben nach Abkommen, die
- eine

�- eine wesentliche Verringerung in den Arsenalen beider Seiten herbeiführen ;
- gleich sind, denn unausgewogene Abkommen können, wie ein ungleiches
Kräfteverhältnis, Zwang oder Aggression beflügeln;
- verifizierbar sind, denn wenn es um unsere nationale Sicherheit geht,
dann können Abkommen nicht einfach nur auf Vertrauen beruhen; und
- die Sicherheit der USA und ihrer Verbündeten fördern, da Rüstungskontrolle kein Selbstzweck ist, sondern ein wichtiges Mittel zur Sicherung
von Frieden und internationaler Stabilität.
Diese vier Prinzipien hat der Präsident in seiner Rede vom 18. November
1981 hervorgehoben. Sie unterstreichen unsere Position bei den gegenwärtigen
Genfer Verhandlungen über die Beseitigung der amerikanischen und sowjetischen
nuklearen Mittel Streckensysteme großer Reichweite. Sie bilden ferner die
Grundlage für unsere Einstellung zu Verhandlungen mit der Sowjetunion über
die Verringerung der strategischen Rüstungen - die START-Verhandlungen.

+ + + + +

- 4 -

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Dokumentation
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17. Märt 1982

11

OST-WEST-SPANNUNGEN GEFÄHRDEN KSZE-PROZESS
Rede des US-Delegierten vor der Vertagung der
Madrider Konferenz -

MADRID - (AD) - Vor dem Plenum der KSZE-Folgekonferenz, die am 12.
März 1982 vertagt wurde, erklärte der Leiter der amerikanischen Delegation,
Botschafter Max Kampelman, daß "wir diese Phase unseres Treffens heute im
vollen Bewußtsein dessen beenden, daß der Helsinki-Prozeß gefährdet ist."
Allerdings unterstrich Kampelman zugleich die Bedeutsamkeit der Tatsache,
daß die 35 teilnehmenden Nationen im November nach Madrid zurückkehren werden, um den Versuch zu unternehmen, ein Abkommen über ein konkretes KSZESchlußdokument zu erzielen.
Die Rede von Botschafter Kampelman hat folgenden Wortlaut:
Unser Treffen in Madrid war schwierig. Die derzeitige Sitzungsperiode,
die nun zu Ende geht, war eine besonders traurige. Die störenden Erschütterungen, die durch die Spannungen zwischen Ost und West hervorgerufen werden,
haben sicherlich unsere Beratungen beeinflußt. Wir beenden diese Phase unseres

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�Phase unseres Treffens heute im vollen Bewußtsein dessen, daß der HelsinkiProzeß gefährdet ist.
Unser Treffen begann im September 1980 unter dem Schatten der sowjetischen
Invasion Afghanistans und der fortdauernden bewaffneten Besetzung dieses Landes. Jede Woche dieser Vorkonferenz sowie der Hauptkonferenz, die im November
jenes Jahres begann, brachte neue Spannungen mit sich - in dem Maße, in dem
wir das sowjetische Verhalten erkannten und das nur als Verachtung, wenn nicht
gar als Verhöhnung der Schlußakte von Helsinki interpretiert werden konnte.
Die Unterdrückung der Menschenrechte durch die Sowjetunion hat in den vergangenen Jahren in einem unübertroffenen Maße stattgefunden. Während des Zeitraums unserer Sitzungen in Madrid gab es mindestens 248 neue politische Verhaftungen, wobei die meisten einzelne Menschen betrafen, die versuchten, ihre religiösen Rechte wahrzunehmen. Allein 52 Mitglieder der sowjetischen Helsinkiüberwachungsgruppen befinden sich im Gefängnis oder im inneren Exil, 15 davon
wurden eingesperrt, seit wir unsere Verhandlungen begonnen haben.
Während die sowjetischen Delegierten hier die Einhaltung der Bestimmungen
aus Korb 3 über menschliche Erleichterungen proklamierten, ging die Auswanderung aus der Sowjetunion drastisch zurück. So durften zum Beispiel im vergangenen Monat weniger als 300 Juden die Sowjetunion verlassen - die niedrigste
Zahl der letzten Zwölf Jahre. Die Störung von Rundfunksendungen hat sich verstärkt - eine Verhöhnung der Schlußakte, aber eine nutzlose und kostspielige
Geste, angesichts der Tatsache, daß die Unterdrückung nicht mehr länger vor
den Augen der Welt draußen verborgen werden kann.
Und dann kam Polen. Während der ersten Woche dieser Phase unserer Konferenz vor einem Monat sprachen hier fast 20 Außenminister, die größte Zusammenkunft dieser Art seit Unterzeichnung der Helsinki-Obereinkommen im Jahre 1975.
Wie unterschiedlich und eloquent sie auch ihre Worte wählten, so bleibt die
Botschaft stets dieselbe: Die Sowjetunion und die polnischen Behörden müssen
ihre Verpflichtungen gemäß der Schlußakte von Helsinki respektieren und eirf-

�und einhalten, wenn diese Konferenz ihre Zielsetzungen erreichen soll.
Es ist kein Wunder, daß wir nicht in der Lage waren, mit unserer Arbeit
für ein konkretes und ausgewogenes Schlußdokument voranzukommen. Die Bürger
meines Landes und vieler anderer Länder stellen den Sinn, die Wünschbarkeit
und die Richtigkeit in Frage, neue Versprechen wie in der Schlußakte von Helsinki von jenen zu akzeptieren, die ihren alten Versprechungen aus dem Jahr
1975 nicht gerecht werden.
Aber es sind nicht nur Konflikt, Spannung und Geringschätzung kennzeichnend für unsere Konferenz. Wir treffen heute eine Entscheidung, um diese Phase
unserer Konferenz zu einem Ende zu bringen. Aber wir treffen auch eine Entscheidung darüber, am 9. November wieder zusammenzutreten - und das ist bedeutsam.
Wir tun dies, wie ich meine, weil wir den Wert unseres Dialogs zu schätzen wissen. Unsere Erörterungen sind in sich selbst wichtig. Verständigung bringt nicht
immer Übereinkommen, aber Übereinkommen ist auch nicht ohne vorherige Verständigung möglich.
Wir sprechen hier miteinander; wir waren hier; wir kommen wieder hierher;
wir versuchen etwas, wir machen Vorschläge; wir lehnen etwas ab und wir versuchen
es erneut. Wir tun dies, weil es für uns alle um die Segnungen des Friedens geht.
Sie sind zu kostbar, als daß wir sie einfach gehen lassen könnten. Deshalb arbeiten wir daran, diesen Prozeß in Gang zu halten. Wir arbeiten trotz der Frustr
tionen, der Enttäuschung der langwierigen Treffen, des Argumentierens und sogar
der gelegentlichen persönlichen Verleumdungen, die bedauerlicherweise ein unvermeidlicher Teil des Meinungsaustausches zu sein scheinen.
Das Ziel unserer Anstrengungen ist der Frieden.
Frieden ist eine komplizierte Idee. Er ist das höchste, was staatsmännische Kunst erreichen kann. In einem begrenzten Sinne ist es die Abwesenheit
von Krieg, und dies ist in sich selbst ein lobenswertes Ziel. Aber in einem
richtigen Sinne muß es mehr als das sein. Es muß ein Netzwerk der Beziehungen

- 3 -

�der Beziehungen sein, auf Ordnung gegründet - auf Ordnung, auf Zusammenarbeit
und auf Recht, wenn es von Dauer sein soll.
Ich bin sicher, daß die Geschichte die Schlußakte von Helsinki einen der
bedeutsamsten Meilensteine unseres Jahrhunderts auf dem Weg zum Frieden nennen
wird. Sie ist gekennzeichnet dadurch, daß sie eine Reihe von Maßstäben gesetzt
hat, die durch die Unterschriften aller unserer Staatsoberhäupter beglaubigt
wurden und deren Erfüllung für das Erreichen von Frieden unabdingbar ist.
Unser modernes Zeitalter der Diplomatie ist charakterisiert durch das
Streben nach Rüstungskontroll Vereinbarungen. Diese sind wichtig. Auf unserer
eigenen Tagesordnung steht eine Konferenz über vertrauensbildende Maßnahmen,
um sich unserer Sorge hinsichtlich eines überraschenden militärischen Angriffes anzunehmen. Die gewissenhafte Einhaltung der Helsinki-Schlußakte

könnte

sich jedoch als von noch größerer Bedeutung bei der Suche nach dem Frieden
erweisen.
Die Abrüstungsvereinbarungen nach dem Ersten Weltkrieg verhinderten nicht
den Zweiten Weltkrieg. Das SALT-I-Abkommen und die SALT-II-Verhandlungen verhinderten nicht das schlimmste Jahrzehnt des Kalten Krieges und hielten nicht
die ungeheuere Aufrüstung beim Nukleararsenal der Welt auf. Wir müssen jede
Gelegenheit zu Verhandlungen über Rüstungskontrolle und Rüstungsverminderung
ergreifen. Aber die Erzielung des Friedens erfordert mehr.
Das einzigartige Ingredienz der Schlußakte von Helsinki besteht darin,
daß sie die integrierte Totalität unserer Beziehungen widerspiegelt. Die
Verpflichtung zu den Menschenrechten, die wir alle 1975 eingingen, ist für
den Frieden ebenso notwendig wie unsere Verpflichtung zum Respekt vor den
Grenzen des anderen und davor, sich der Anwendung von Gewalt gegen einen
anderen Staat zu enthalten.
Die Betonung der Schlußakte auf kulturellen und wissenschaftlichen Austausch, menschliche Kontakte, Handel, Emigration und Zusammenführung von

- 4 -

�ZusammenfUhrung von Familien stellt entscheidende Komponenten bei der Erarbeitung des Geflechtes des Friedens dar.
Die Maßstäbe der Schlußakte von Helsinki gründen sich auf dem Prinzip,
daß im Mittelpunkt von allem der Mensch steht. Unser Streben nach Frieden
geht darum, den Menschen und die Zivilisation zu bewahren, die er sich schafft.
Alexander Solschenizin sagte es so: "Es ist höchste Zeit, sich daran zu
erinnern, daß wir zu allererst der Menschheit zugehören und daß der Mensch
sich von der Welt der Tiere durch den Gedanken und die Sprache auszeichnet.
Diese sollten natürlich frei sein. Wenn wir in Ketten gelegt werden, werden
wir wieder in den tierischen Zustand zurückkehren."
Wir alle, genau wie unsere Gesellschaften, können nicht mit unseren Wünschen Schritt halten. Wir wachsen, indem wir versuchen, sie zu erreichen. Unsere eigene Delegation hat unsere Mängel beim Namen genannt. Wir haben auch
unsere Fehler nicht verborgen. Aber wir bemühen uns darum, unserer Verantwortung gegenüber unseren Idealen und der Schlußakte von Helsinki gerecht zu werden, und wir sind voller Stolz auf das von uns Erreichte.
Wir freuen uns über die Früchte unseres Wirtschaftssystems, auch wenn es
manchmal unzulänglich ist. Und wir haben Vertrauen in unsere politischen und
sozialen Systeme. Wir kennen unsere Stärken. Und wir wissen auch, daß sechs
Jahrzehnte nach einer Revolution, die Brot und Freiheit versprach, die Sowjetunion und ihr Volk weder das eine noch das andere haben. Das Streben nach einem
erfüllteren Leben für die vielen Menschen in der Sowjetuion hat zur Anhäufung
militärischer, politischer und polizeilicher Macht in den Händen weniger geführt.
Wir brauchen keine Mauern, keine strengen bürokratischen Regeln und keine
Strafandrohungen, um unsere Menschen davon abzuhalten, unser Land zu verlassen.
Millionen kommen zu uns, um amerikanische Bürger zu werden. Ich habe den Verdacht, daß jene, die Mauern aus Stein und Papier bauen, genau wissen, daß eine

- 5 -

�I

daß eine große Zahl ihrer Bürger unsere Lebensweise, die Lebensweise der Demokratie und Freiheit, wählen würde, wenn ihnen die Möglichkeit dazu gegeben wäre.
Unsere unterschiedlichen Systeme sind Realitäten, mit denen wir leben und
mit denen wir auch weiterhin zu leben lernen müssen. Die Schlußakte von Helsinki
stellt fest, daß wir miteinander in Frieden verkehren müssen. Der Wettbewerb z w i schen den Systemen muß, in dem Maße, in dem es ihn gibt, ein Wettbewerb ohne Gewalt sein, wenn unsere Zielsetzungen des Friedens und der Sicherheit erreicht
werden sollen. Es ist unsere tiefe Sorge, daß das Verhalten der Sowjetunion ihre Verpflichtung zu diesem entscheidenden Ingredienz der Friedensformel der
Schlußakte von Helsinki in Zweifel zieht. Vor wenigen Tagen hielt der Leiter
der jugoslawischen Delegation eine eindrucksvolle Rede, aus der ein Teil einen
überaus wichtigen Beitrag zu dieser Diskussion darstellt. In Anspielung auf das
Abkommen von Jalta sagte er, daß die Schlußakte von Helsinki einen Grundsatz
festschreibe, der den Begriff der "Einflußsphären" zurückweist.
Am Neujahrstag erklärte der französische Präsident Mitterand in einer ähnlichen Botschaft, daß es Zeit für Überlegungen sei, "von Jalta loszukommen".
Historiker sprechen häufig vom "Mythos" von Jalta. Sie sagen, daß die Geschichte falsch interpretiert würde, wollte man Jalta mit Einflußsphären gleichsetzen. Das Abkommen von Jalta gründete auf der Annahme, daß den Völkern Osteuropas freie Wahlen garantiert würden, damit sie ihre eigenen Regierungen wählen könnten und diese Regierungen dann frei wären, um ihre eigenen Bündnisse
zu wählen. Das fand nie statt.
Die Teilung Europas entlang vorbestimmter Linien kann und sollte nicht
bleibender Bestandteil der Geopolitik sein. Der Mythos von Jalta ist zusammen
mit der ihn begleitenden sogenannten "Breschnew-Doktrin" eine Gefahr für den
Frieden. Er steht der notwendigen friedlichen Veränderung im Wege und kann,
wenn er weiter lebendig bleibt, späteren Aufruhr bringen, der unsere Stabilität im Osten wie im Westen bedrohen wird. Veränderung wird kommen. Ihre Stürme werden uns ebenso unvermeidlich erreichen wie es die Stürme der Jahreszeiten
- 6 -

�der Jahreszeiten tun. Sie werden im Osten ebenso wehen

wie bei uns, denn

Leben braucht Veränderung. Die große Frage besteht darin, ob diese Veränderung auf friedlichem Wege kommen kann.
Die Bestimmungen der Schlußakte von Helsinki wurden von uns allen 35 hier
akzeptiert und wurden einzeln von jedem Staat unterzeichnet. Es gab keine verschiedenen Vereinbarungen, die sich darauf gegründet hätten, ob wir von Ost
oder West kamen. Es gab keine zwei Maßstäbe. Die von der Schlußakte anerkannte
Soveränität war die Soveränität von 35 Staaten, deren Unabhängigkeit nicht
durch "Einflußsphären" modifiziert war.
Diejenigen von uns, die Vertrauen in unsere Gesellschaften haben, und eine
Verpflichtung zum Frieden, müssen Wege finden, Einklang untereinander zu erzielen, während wir uns darum bemühen, unsere Systeme den Entwicklungen der Zivilisation anzupassen. Ich bin der Überzeugung, daß orthodoxe Zwänge, schwerfällige Militärmaschinerien und alptraumhafte Ängste ein schweres Gewicht bilden,
die eine Bewegung in Richtung auf Harmonisierung und Schlichtung behindern,
die für den Frieden so notwendig sind. Diejenigen, die durch ihre Unbeweglichkeit dergestalt gefangen gehalten werden, werden von der Geschichte verdammt.
Herrscher, die das Volk fürchten, das sie beherrschen, fürchten sich
schließlich selbst, fürchten ihre Alpträume, fürchten das Unbekannte, fürchten die Zukunft und fürchten um sich selbst und ihre Staaten. Dann versuchen
sie, anderen Furcht einzuflößen. Aber Furcht schafft keine Loyalität. Liebe
und Stolz gegenüber der eigenen Regierung und der eigenen Gesellschaft müssen durch Respekt und nicht durch Furcht erworben werden. In einer Atmosphäre
der Angst kann kein Frieden gedeihen. Auch dies ist eine Lektion, die uns die
Schlußakte von Helsinki lehrt.
Das Streben nach wirtschaftlicher und sozialer Freiheit steht auf der
Tagesordnung des 20. und 21. Jahrhunderts; es kommt zu dem Streben nach politischer Freiheit hinzu, daß im 18. und 19. Jahrhundert begann, und auch heute
noch beständig seinen Weg geht. Zu glauben, daß die wirtschaftlichen und sozialen Forderungen der Völker ohne politische Freiheit erreicht werden können,
- 7 -

�werden können, oder daß Brot und Spiele die Völker befriedigen und sie dazu
bringen, ihr Verlangen nach Freiheit zu vergessen, wäre ein

schwerer Irrtum.

Wer glaubt, daß politische Freiheit neben wirtschaftlichen und sozialen Mängeln überleben kann, macht sich eines gleich schweren Irrtums schuldig. Meine
eigene Regierung ist sich völlig bewußt, daß diese politischen, sozialen und
wirtschaftlichen Ziele ein Ganzes bilden. Sie als Antithesen zu betrachten,
untergräbt und gefährdet unseren sogenannten Frieden.
Ich gehe auf all das ein, weil eine echte Besorgnis zur Sprache gebracht
und erwogen werden muß. Diejenigen, die stark von den Lehren Lenins beeinflußt
sind, sehen die Interessen des Ostens und des Westens als unvereinbar an. Dieser Glaube an die historische "Unversöhnlichkeit" ist mit der Realität des Nuklearzeitalters nicht zu vereinbaren. Ich bin der Meinung, daß er der sorgfältigsten Überlegung bedarf. Wir verwerfen den Gedanken, daß der Weltfrieden nur
nach "gerechten Kriegen" erreicht werden kann.
Der Glaube, daß nur die letztendliche Niederlage des Kapitalismus, zu der
es der Gewalt bedarf, einen solchen "gerechten Frieden" mit sich bringen kann,
bedeutet in Wirklichkeit, die Schlußakte von Helsinki in Frage zu stellen
und den Weltfrieden zu bedrohen.
Was uns angeht, so können wir keine Friedenserklärungen als echt akzeptieren, wenn sie von dem Glauben an die Doktrin begleitet werden, daß der Krieg
ein Gesetz der Geschichte ist und daß es eine Pflicht ist, diesen Krieg vorzubereiten, zu ihm zu ermutigen und ihn für den unvermeidlichen Sieg über die
bestehende Ordnung zu führen. Diese Philosophie steht im Widerspruch zu den
Zielsetzungen und Grundsätzen der Schlußakte von Helsinki. Für sie gibt es in
einer Welt, wie sie die Schlußakte sieht, keinen Platz.

Sie hat ganz gewiß

keinen Platz in einem Nuklearzeitalter. Sie ist eine Bedrohung unserer Sicherheit und des Friedens.
Ich schließe mit einigen freimütigen Beobachtungen über die Zukunft unserer Konferenz und die Aussichten auf ein Abkommen, wenn wir im November wieder

�November wieder zusammentreten.
Die Besorgnisse von vielen von uns kamen uneingeschränkt zur Sprache.
Die Verletzungen der Helsinki-Schlußakte, die zu der jetzigen Sackgasse geführt haben, wurden umfassend dokumentiert. Die einzige Reaktion war ein Versuch, diese Konferenz mit leeren Ermahnungen zu ertränken. Aber das einzige
Ziel dieses Drängens bestand darin, uns die niederdrückende Realität vergessen zu machen, die uns von der Sowjetunion auferlegt wurde.
Wir vergessen nicht, daß unsere Verpflichtung zu echter Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa es uns nicht erlaubt, uns von Angeboten auf leichte,
doch leere Abkommen verleiten zu lassen - Abkommen, die schon im Augenblick
ihrer Unterzeichnung entehrt wären.
Es ist das Ziel der amerikanischen Delegation, ein Abkommen zu erzielen,
wenn wir dadurch unsere beiderseitige Sicherheit und unser Ziel des Friedens
und der Zusammenarbeit in Europa fördern können. Wir warten voller Geduld auf
Entwicklungen, wir warten auf konkrete Schritte. Nur dies wird unsere erneuerten Energien für ein Abkommen rechtfertigen, wenn wir wieder zusammentreffen.
Das Angebot betäubender Worte bei fortdauernder Verletzung der Bestimmungen
der Schlußakte von Helsinki kann nicht das Abkommen bringen, das wir suchen.
Sollte es zu der bedauerlichen Situation kommen, daß wir kein Abkommen
zustandebringen können, wenn wir im Herbst wieder zusammentreffen, so wird es
für unsere Unfähigkeit nur eine Erklärung geben. Es wäre die Tatsache anhaltender und schwerer Verletzungen der Schlußakte von Helsinki.
Und Schuld wäre der anhaltende Einsatz der Militärmacht der Sowjetunion
zur Unterdrückung ihrer Nachbarn - direkt, wie in Afghanistan und durch den
offenkundigen Druck, der andere dazu zwingt, die Unterdrückung anstatt Kompromiß und Versöhnung zu wählen, wie dies die Methode war, als man die Wünsche des polnischen Volkes nach größerer Freiheit und mehr Würde unterdrückte.
Wir streben

�Wir streben nach dem echten Schlußdokument,für das hier so viele so lange
gearbeitet haben. Wir sind der Überzeugung, daß das Dokument, das uns von den
acht neutralen und blockfreien Staaten nach großen und gewissenhaften Anstrengungen vorgeschlagen wurde, bestimmt die Grundlage für ein solches Abkommen bieten kann, vervollständigt, wenn nötig, durch Vorschläge, die bereits dargelegt
wurden und ergänzt, wenn möglich, durch eine Reflektion dessen, was sich seit
der Vorbereitung dieses Papiers ereignet hat.
Unsere Delegation wird auch im November bereit sein, mit ihren Anstrengungen für echte Sicherheit, Zusammenarbeit und Frieden zwischen allen unseren Völkern fortzufahren. Wir drängen diejenigen darauf, die die Arbeit dieser Konferenz
gefährt haben, die notwendigen Schritte außerhalb dieses Treffens zu unternehmen, die eine aktive und ernsthafte Behandlung in Richtung auf eine konstruktive
Beendigung unserer Arbeit in Madrid möglich machen würden.
Was wir hier fordern, ist nicht mehr und nicht weniger als eine echte Anstrengung, die Schlußakte von Helsinki einzuhalten. Wir suchen keinen Streit.
Was wir suchen, ist eine gemeinsame und eine echte Anstrengung für den Frieden.

+ + + + +

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      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Breschnew-Plan geht nicht weit genug&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Präsidenten zum sowjetischen Vorschlag -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des Weißen Hauses zum Moratoriums-Vorschlag Breschnews&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ost-West-Spannungen gefährden KSZE-Prozess&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Delegierten vor der Vertagung der Madrider Konferenz -&lt;/em&gt;</text>
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