<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="1738" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/1738?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T00:50:23+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="1749">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/72d523f919e95c034ebf934dcd5e5df7.pdf</src>
      <authentication>e6d3e1a594593c7c59f93ff0262aa2df</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="8872">
                  <text>17. März 1982

11/A
I N H A L T

INFORMATION
Hang nennt fünf Punkte für den Spannungsabbau in Mittelamerika
DOKUMENTATION
Reagan proklamiert 21. März zum Afghanistan-Tag
WIRTSCHAFT
Grundzlige der amerikanischen Agrarpolitik
- Ausführungen von Hormats, Brock und Block vor dem US-Kongreß HINTERGRUNDMATERIAL
Stoessel äußert sich zum Problem der sowjetischen Erdgasleitung
Botschafter Fields: Verifizierbarkeit und Einhaltung von Abkommen
über Kernwaffenteststopps entscheidend
- Erklärung des amerikanischen Vertreters beim Abrüstungsausschuß •
Unterstaatssekretär Enders:

Bedeutsame Reformen in El Salvador

US-Experten:

Guerilla in El Salvador wird von außen unterstützt

US-Experten:

Hoffnungsvolle Zeichen für Wahlen in El Salvador

Beweise für militärische Rüstung in Nicaragua
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Dritter Einsatz der Raumfähre "COLUMBIA"
- Start voraussichtlich am 22. März zu siebentägigem Testflug -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�11

17. März 1982

HAIG NENNT FÜNF PUNKTE FÜR DEN SPANNUNGSABBAU IN MITTELAMERIKA
- Von unserer Sonderkorrespondentin Judy Aita -

NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister Alexander Haig hat
fünf Punkte genannt, die zu einem Abbau der Spannungen und einer Lösung der
Probleme in Mittelamerika beitragen würden: bilaterale Nichtangriffspakte,
Anwendung der amerikanischen Neutralitä'tsakte, regionale Verpflichtung zur
Einstellung der Einfuhr schwerer Waffen, verstärkte amerikanische Hilfe und
Beendigung des Engagements Nicaraguas in El Salvador.
Diese Punkte wurden in jüngerer Zeit zwischen amerikanischen, mexikanischen, kubanischen und nicaraguanischen Regierungsvertretern erörtert und
auch am vergangenen Wochenende zwischen Haig und seinem mexikanischen Kollegen
Jorge Castaneda besprochen.
Außenminister Haig gab am 15. März 1982 in New York eine Pressekonferenz,
auf der er die Ergebnisse der Besprechungen der fünf Außenminister darlegte,
deren Länder an der Initiative Präsident Reagans für das Karibische Becken
beteiligt sind, und widersprüchliche Pressemeldungen über amerikanisch-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�über amerikanisch-mexikanische Friedensgespräche klarstellte.
Haig bezeichnete die eingangs erwähnten fünf Punkte als die Grundlage
für die amerikanischen Gespräche mit Mexiko und Nicaragua. Er könne zwar nicht
für Castaneda sprechen, so betonte Haig, aber er bezweifle, ob dem mexikanischen Außenminister wirklich feste Zusagen seitens Nicaraguas vorlägen. Zumindest halte er den Optimismus Castanedas für "subjektiv". Haig wies in diesem
Zusammenhang darauf hin, daß Mexiko nicht das einzige Land sei, über das die
USA mit Nicaragua Kontakt hätten; nicht zuletzt sei die Botschaft der Vereinigten Staaten in Managua noch da.
Der amerikanische Außenminister betonte ferner, die jüngsten Gespräche
mit Mexiko hätten nichts mit den kommenden Wahlen in El Salvador zu tun. Die
Wahlen seien eine Sache der Bevölkerung von El Salvador, aber sie seien ein
wichtiger Markstein auf dem Wege zum Pluralismus. Die USA, so unterstrich
Haig, dürften in ihrer Politik nichts unternehmen, "was diesen sehr wichtigen
Prozeß gefährden könnte".
Der amerikanische Außenminister erinnerte erneut, wie schon auf früheren
Pressekonferenzen, an das Engagement der Sowjetunion und Kubas in der Region,
die Waffen liefern und Aufständische ausbilden. Trotzdem würden die Vereinigten
Staaten die Sowjetunion nicht in Verhandlungen über Angelegenheiten der westlichen Hemisphäre einbeziehen, sondern diese Probleme würden auf bilateraler
Basis behandelt. Die Administration werde der Öffentlichkeit und dem Kongreß
weiterhin Beweise für die Einmischung Kubas und Nicaraguas in die Probleme
der Region unterbreiten. Haig räumte ein, daß der Vorfall mit einem Zeugen,
der vor der Presse seine Aussagen änderte, "peinlich" gewesen sei. Aber niemand könne es verdenken, wenn die Administration versuche, "die Fakten so auf
den Tisch zu legen, wie sie ihr bekannt sind ..., und was der Zeuge während
des Interviews sagte, ist weniger relevant als die Tatsache, daß es sich um
einen Nicaraguaner handelte, der in El Salvador kämpfte".
Schließlich erklärte

�Schließlich erklärte Haig, daß die Vereinigten Staaten der Regierung
von Nicaragua deutlich zu verstehen gegeben haben, daß sie die Einführung
von sowjetischen MIG-Jägern als "ernste Entwicklung" betrachten würden. Die
Behauptung des nicaraguanisehen Außenministers Miguel d'Escoto, es bestünden
keine solchen Pläne, widersprächen den Erkenntnissen der amerikanischen Geheimdienste. Immerhin würden nicaraguanische Piloten für Hochleistungsflugzeuge in Osteuropa ausgebildet.
Haig bezeichnete ferner die Situation in El Salvador als ein globales
Problem, nicht nur ein regionales oder lokales.
+++++

- 3 -

�i mIERl

1Dl El V)

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

11

U.März 1982

REAGAN PROKLAMIERT 21. MÄRZ ZUM AFGHANISTAN-TAG
- Wortlaut der Proklamation -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer am 10. März
1982 veröffentlichten Proklamation den 21.März zum Afghanistan-Tag bestimmt.
An diesem Tag soll in allen Teilen der Vereinigten Staaten der Tapferkeit
des afghanischen Volkes gedacht und die anhaltende sowjetische Invasion in
Afghanistan verurteilt werden.
Die Proklamation des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Im Dezember 1979 marschierte die Sowjetunion ohne Provokation und mit
überwältigender Macht in Afghanistan ein. Seither hat die Sowjetunion mit
jedem nur erdenklichen Mittel versucht, ihre Kontrolle über Afghanistan zu
behaupten.
Das afghanische Volk hat der Sowjetunion getrotzt und ihr mit einer
Tapferkeit Widerstand geleistet, die in der modernen Geschichte nur wenige
Parallelen hat. Das afghanische Volk hat einen schrecklichen Preis für seinen
Kampf um die Freiheit bezahlt. Seine Dörfer und Heime sind zerstört worden,
die Menschen wurden durch Kugeln, Bomben und chemische Waffen ermordet. Ein

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Ein Fünftel des afghanischen Volkes ist ins Exil getrieben worden.

Und doch

geht der Kampf weiter.
Die internationale Gemeinschaft - unter Einschluß der Vereinigten Staaten
und anderer Regierungen in aller Welt - hat die Invasion Afghanistans als eine
Verletzung aller Verhaltensregeln und des Völkerrechts gebrandmarkt und einen
Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan gefordert.

Jedem Land und je-

dem Volk ist der afghanische Widerstand zu einem Anliegen geworden, denn die
afghanischen Freiheitskämpfer verteidigen die Prinzipien der Unabhängigkeit
und der Freiheit, die die Grundlage der weltweiten Sicherheit und Stabilität
bilden.
Es ist daher angebracht, daß das Europaparlament, der Kongreß der Vereinigten Staaten und Parlamente in aller Welt den 21. März 1982 zum AfghanistanTag bestimmt haben, um der Tapferkeit des afghanischen Volkes zu gedenken und
die anhaltende sowjetische Invasion in diesem Land zu verurteilen.
Der Afghanistan-Tag bietet Gelegenheit, sich nicht nur diese Ereignisse
vor Augen zu halten, sondern auch die Prinzipien, um die es geht, wenn ein
Volk um die Freiheit kämpft, seine eigene Zukunft zu bestimmen; um sein Recht,
frei von ausländischer Einmischung zu sein; und um das Recht, seine Religion
gemäß dem Gebot des Gewissens auszuüben.
Deshalb proklamiere ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, hiermit den 21.März 1982 zum Afghanistan-Tag.
Zum Zeugnis dessen habe ich am 10. März im Jahre des Herrn 1982 und im
206. Jahre der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika diese Proklamation unterzeichnet.
(gezeichnet)
Ronald Reagan

�ä
•

111IEI

gj

Er

Ulift/chcifl
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

11

17. März 1982

GRUNDZÜGE DER AMERIKANISCHEN AGRARPOLITIK
Ausführungen von Hormats, Brock und Block vor dem US-Kongress

Washington - 0\D) - Der Unterstaatssekretä'r für Wirtschafts- und Handelsfragen im amerikanischen Außenministerium, Robert D. Hormats, der amerikanische Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen, William E. Brock, und der
amerikanische Landwirtschaftsminister, John R. Block, haben am 9. März 1982
vor dem Landwirtschaftsausschuß des Repräsentantenhauses Grundzüge der
Handelspolitik der Vereinigten Staaten, vor allem auf dem Agrarsektor, dargelegt. Sie gingen dabei vor allem auf das Verhältnis zur Europäischen Gemeinschaft und zu Japan ein.
Nachfolgend die Ausführungen im Hinblick auf die Politik gegenüber der
Europäischen Gemeinschaft:
Unterstaatssekretär Hormats:
Diese Administration hat sich dem Aufbau eines liberalisierten Welthandelssystems verpflichtet, das den landwirtschaftlichen Exporten erhöhte Chancen
einräumt. Bei großen Vorräten und einer zögernden Nachfrage in der ganzen Welt
brauchen unsere Farmer mehr denn je Exportchancen. Aber die gegenwärtige

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�die gegenwärtige internationale Rezession verschärft den Wettbewerb auf Märkten
in Drittländern und den Druck auf andere Regierungen, protektionistische Maßnahmen einzuführen oder aufrechtzuerhalten.
Während des vergangenen Jahres haben wir unsere Anstrengungen darauf
konzentriert, anderen Ländern besser begreiflich zu machen, welchen Wert die
Vereinigten Staaten Fragen des Agrarhandels beimessen. Die Tage sind längst
vorbei, da wir Maßnahmen einfach ignorieren könnten, die unsere Märkte bedrohen,
oder da wir Agrarhandelsprobleme als geringfügige Elemente unserer Beziehungen
behandeln könnten. Unter kraftvoller Federführung durch das Landwirtschaftsministerium haben amerikanische Regierungsvertreter diesen Punkt gegenüber
anderen Regierungen auf zahlreichen bilateralen und multilateralen Treffen
aktiv und nachdrücklich zum Ausdruck gebracht. Ein wichtiges Beispiel ist das
beispiellose Treffen von Außenminister Haig, Landwirtschaftsminister Block
und Botschafter Brock am 11. Dezember 1981 in Brüssel mit EG-Präsident Thorn
und Landwirtschaftskommissar Dal sager. Bei diesen Gesprächen ging es in der
Hauptsache um die Landwirtschaft.
Unsere bilateralen Bemühungen, das Handelsklima für Agrarexporte zu
verbessern, konzentrieren sich auf einen verbesserten Marktzugang für unsere
Erzeugnisse und die nachhaltige Verteidigung unserer Position auf den Weltmärkten. Multilateral machen wir in steigendem Maße vom Rahmen des GATT (Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen) Gebrauch, um Maßnahmen anzugreifen, die
unsere Handelsrechte schmälern. So stellen wir beispielsweise Handelspraktiken
der EG auf den Gebieten Weizenmehl, Geflügel, Zucker, Teigwaren, Zitrusfrüchte
und Dosenfrüchte sowie Rosinen in Frage. ...
Ich möchte mich jetzt unseren Agrarhandelsbeziehungen zur Europäischen
Gemeinschaft zuwenden. Unsere Agrarexporte in die EG beliefen sich im Haushaltsjahr 1981 auf 8,9 Milliarden Dollar, d.h. 20 Prozent der gesamten amerikanischen Agrarexporte. Die EG ist ein Hauptabnehmer von landwirtschaftlichen Erzeugnissen der Vereinigten Staaten, und uns ist sehr viel daran gelegen,
unseren Zugang zum EG-Markt aufrechtzuerhalten. Trotzdem zeigt der langfristige
Trend bei den Importen vieler Erzeugnisse nach unten. So haben die EG-Länder
beispielsweise in den sechziger Jahren jährlich netto rund 20 Millionen Tonnen

- 2 -

�20 Millionen Tonnen Getreide importiert; 1980-81 war die EG ein Nettoexporteur
an Getreide. Wir müssen ferner erkennen, daß die EG-Praktiken an Exportsubventionen unsere Verkäufe auf anderen, expandierenden Märkten für landwirtschaftliche Exporte bedrohen.
Der Handel, vor allem der Agrarhandel, findet natürlich nicht in einem
Vakuum statt. Auf beiden Seiten des Atlantik werden außenhandelspolitische
und politische Fragen durch innenpolitische Probleme und Hoffnungen und Wünsche
bestimmt. Unsere Agrarpolitik im eigenen Lande spiegelt weitgehend unser
marktorientiertes Wirtschaftsdenken wider, wobei nur bei ganz wenigen Produkten
nicht marktgerechte Preise gestützt werden. Die Gemeinsame Agrarpolitik der
Europäischen Gemeinschaft wurde in den sechziger Jahren hauptsächlich mit dem
Ziel in die Wege geleitet, einen einheitlichen Binnenmarkt zu schaffen, ein
steigendes Einkommen der Bauern zu sichern und eine größere Selbstversorgung
an Lebensmitteln zu erreichen. Politisch war die Entwicklung einer Gemeinsamen
Agrarpolitik ein wesentliches Element für die Entstehung der Gemeinschaft.
Die Verwirklichung der Gemeinsamen Agrarpolitik wurde im wesentlichen
durch hohe Stützpreise ohne echte Produktionskontrollen erreicht. Variable
Grenzabgaben für die meisten Produkte schirmen den Binnenmarkt vor der Konkurren?,
anderer, leistungsfähigerer Erzeuger ab. (Im Rahmen des GATT ist die EG verpflichtet, keine Grenzabgaben für Sojabohnen zu erheben, die heute fast die
Hälfte der amerikanischen Agrarexporte in die EG ausmachen.) Die Durchführung
der Gemeinsamen Agrarpolitik führte als erstes zu einer Selbstversorgung in
wichtigen Erzeugnissen und dann zu großen Überschüssen. So betrug beispielsweise die Selbstversorgung der EG 1978-79 an Weichweizen 118 Prozent, an Gerste
113 Prozent, an Zucker 124 Prozent, an Butter 119 Prozent. Die Kosten der
Gemeinsamen Agrarpolitik erreichten schwindelerregende Höhen - die Gesamtkosten - unter Einschluß der Aufwendungen der Mitgliedstaaten für nationale
Agrarprogramme - nähern sich 40 Milliarden Dollar. Die Kosten für die Verbraucher
in der EG, die sowohl hohe Preise für Lebensmittel bezahlen als auch den Export
der Überschußbestände durch ihre Steuern subventionieren, sind enorm.
Die Reaktion der Gemeinschaft auf die Probleme der Überschüsse besteht
in einem aggressiven und stark subventionierten Exportprogramm. Die EG ist

- 3 -

�EG ist heute der drittgrößte Exporteur an Weizen - nach den USA und Kanada
und vor Australien und Argentinien -; der größte Exporteur der Welt an Geflügel und der zweitgrößte Exporteur an Rindfleisch. Sie ist ein wichtiger
und expandierender Exporteur von Molkereierzeugnissen und Zucker sowie auch
verarbeiteter Agrarprodukte.
Unsere Reaktion auf die Zielrichtung der EG-Politik und -Praxis ist
nachhaltig: Wir verstehen zwar die Probleme der europäischen Führer bei der
Verbesserung der Gemeinsamen Agrarpolitik, aber wir haben eine Verantwortung
gegenüber unseren landwirtschaftlichen Erzeugern, daß wir unsere Besorgnisse
und Interessen deutlich und wirksam geltend machen. Wir haben seit langem
die Einigung Europas unterstützt, und das war und ist seit einer Generation
ein fundamentaler Aspekt der amerikanischen Politik. Aber wir haben auch
unterstrichen, daß es nicht fair ist, die Kosten für interne Agrarprogramme
den Handelspartnern Europas aufzubürden.
Mit dem zunehmendem Eindruck, daß die Bemühungen um eine Reform der
Gemeinsamen Agrarpolitik unzureichend sind, treten unsere Anstrengungen in
eine neue Phase. Wir haben uns öffentlich und vertraulich nachdrücklich und
eindeutig für die Notwendigkeit einer Agrarhandelspolitik der EG ausgesprochen,
die die Auswirkungen der Gemeinsamen Agrarpolitik auf andere Exportländer
nicht außer acht läßt. So haben wir auf einer Reihe von Konferenzen in diesem
und im vorigen Jahr gegenüber der EG unterstrichen, daß:
- die Vereinigten Staaten gegen ein expansives Exportprogramm der EG
sind, das auf einer übertriebenen Anwendung von Exportsubventionen und
anderen umstrittenen Maßnahmen beruht;
- wir weiterhin nachhaltige Maßnahmen ergreifen, um unseren Zugang zu
den EG-Märkten selbst zu schützen und im Einklang mit der liberalen Handelspolitik dieser Administration den Zugang zu verbessern suchen werden, wo das
möglich ist, indem wir für einen Abbau der Schranken eintreten, die gegenwärtig unsere Fähigkeit vermindern, unsere Erzeugnisse in der Gemeinschaft zu
vermarkten;
- wir weiterhin gegen unfaire Exportkonkurrenz auf Drittmärkten eintreten

- 4 -

�Drittmärkten eintreten werden. Dazu werden die volle Anwendung der GATT-Verfahren zur Regelung von Handelsstreitigkeiten sowie, soweit angemessen, Forderungen in anderen Gremien gehören. Wir werden auf diesem Wege eine Reform
der Gemeinsamen Agrarpolitik zu fördern versuchen, indem wir die Fähigkeit der
EG verringern, Exporte an die Stelle einer echten Reform zu setzen. ...
Die Ausführungen von Brock zum Handel mit der EG haben folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, Mitglieder des Ausschusses,
es ist mir eine Freude, heute mit Ihnen über Probleme der Agrarhandelspolitik zu sprechen. Ich habe mich während der letzten Monate vor mehreren
Kongreßausschüssen geäußert, um die Auffassung der Administration zu einer
Reihe von Handelsproblemen und die Art und Weise darzulegen, mit der wir sie
anpacken. Statt die Ausführungen meines Vorredners zu wiederholen, möchte ich
kurz einige der Probleme zusammenfassen und dann Ihre Fragen beantworten.
Lassen Sie mich mit der Anmerkung beginnen, daß die Administration Ihr
Interesse an der Förderung und Ausweitung des Exports amerikanischer Agrarerzeugnisse teilt. Zu diesem Zweck haben wir uns daran gemacht, die Verzerrungen des internationalen Handels zu beseitigen, die solche Exporte behindert haben.
Wie Sie wissen, haben wir sehr grundlegende Meinungsverschiedenheiten
mit der Europäischen Gemeinschaft in der Frage ihrer Exportsubventionen für
eine Reihe von Erzeugnissen. Die Leute der EG behaupten, die Regeln des GATT
und der Subventionskodex erlaubten ihnen, ihre Exporterstattungsbeträge dazu
zu benutzen, Anteile am Weltmarkt zu gewinnen. Wir sind jedoch der Auffassung,
daß sie einen ungerechtfertigt großen Anteil am Welthandel mit ihren Subventionen
gewonnen haben. Wir stehen daher im Schlichtungsprozeß bezüglich Weizenmehl,
Geflügel, Zucker und Teigwaren. Wir befinden uns ferner im Konsultationsprozeß wegen eingedösten und getrockneten Früchten, wobei es um eine Subvention
für die Verarbeitung im eigenen Lande geht.
Neben dem Problem der Subventionen besteht das Problem der Vorzugsabmachungen mit Mittelmeerländern, die für die Zitrusfrüchte aus diesen Ländern
sehr viel niedrigere Zölle vorsehen als für entsprechende Früchte aus den

- 5 -

�aus den Vereinigten Staaten. Wir haben bezüglich dieses alten Problems
Konsultationen nach Artikel XXIII Absatz 1 mit der Gemeinschaft noch in diesem
Monat beantragt.
Herr Vorsitzender, Sie und die Mitglieder des Ausschusses sind sich als
Architekten der amerikanischen Agrarpolitik darüber im klaren, daß diese im
Grunde zwar auf die Wahrung der einheimischen Interessen abzielt, daß wir
uns jedoch auch unserer internationalen Verpflichtungen durchaus bewußt sind.
Wir betrachten unsere Beziehung zur Gemeinschaft im gleichen Lichte. Wie ich
schon bei anderen Gelegenheiten gesagt habe: Solange die Gemeinsame Agrarpolitik keine Auswirkungen auf die Vereinigten Staaten hat, sollte sie als
eine rein interne Angelegenheit der EG betrachtet werden. Wenn sie sich jedoch
auf unseren Handel auszuwirken beginnt, dann haben wir ein legitimes Recht,
uns zu beschweren. Die Fälle, die wir vor das GATT gebracht haben, stellen
keine Anfechtung der Gemeinsamen Agrarpolitik dar, sondern einfach die Anerkennung der Tatsache, daß wir und die Gemeinschaft uns uneinig darüber sind,
wie weit ihre Agrarhandelspolitik in Einklang mit ihren Verpflichtungen im
Rahmen des GATT steht. Wir ersuchen unparteiische Fachleute zu entscheiden,
wessen Interpretationen richtig sind.
Am 28. Januar 1982 hat die EG-Kommission einen Vorschlag veröffentlicht,
daß sie dem Rat empfehlen wird, die Einfuhrabgabe auf Kleie zu erhöhen. Die
Abgabe auf Kleieimporte ist nicht festgelegt. Wir haben andere Exporteure von
Kleie, die größere Lieferinteressen an diesen Produkten haben als wir, unterstützt, als sie vorstellig wurden. Wir sind jedoch sehr besorgt, daß die Vorschläge zur Erhöhung der Zölle auf Kleie zu Vorschlägen führen werden, die
Zölle auch für andere Futtermittel, wie Maisgluten, zu erhöhen, bei denen wir
ein wesentliches Lieferinteresse haben. Wir benutzen jede Gelegenheit, der
EG und Vertretern der Mitgliedsländer unsere Besorgnis über die geplanten
Maßnahmen zum Ausdruck zu bringen, die unsere Exporte dieser Erzeugnisse gefährden würden. ...
Der amerikanische Landwirtschaftsminister Block verteidigte zunächst die
Entscheidung Präsident Reagans, das Getreideembargo gegen die Sowjetunion
aufzuheben, und kündigte verstärkte Exportanstrengungen der USA auf dem

- 6 -

�auf dem Landwirtschaftssektor an. Zur Politik gegenüber der EG führte er aus:
Eine der Auswirkungen des Abschwungs des Wirtschaftswachstums in der Welt
war eine Verschlimmerung des Protektionismus und anderer handelsverzerrender
Tendenzen bei einigen unserer Handelspartner, was mehr denn je eine auf
Expansion der Exporte ausgerichtete Handelspolitik notwendig macht.
Diese Tendenzen sind in der Politik der Europäischen Gemeinschaft immer
deutlicher sichtbar geworden. Wir sind besonders besorgt über die übertriebene
und zunehmende Anwendung von Exportsubventionen durch die EG und die Bedrohung
des Zugangs zum EG-Markt für amerikanische Exportgüter.
Es ist keine Frage, daß die Anwendung von Subventionen der EG durch die
Gemeinsame Agrarpolitik die amerikanische Landwirtschaft geschädigt hat. Die
Subventionen beeinträchtigen den amerikanischen Handel mit anderen Ländern und
drücken auf die amerikanischen Preise. ...
Die aggressive Anwendung von Subventionen durch die EG ist nicht auf Getreide beschränkt. Die EG hat sich bei einer Reihe wichtiger Agrarerzeugnisse
von einem starken Importeur zu einem wichtigen Exporteur entwickelt - vor
allem durch die Anwendung von Subventionen; unter anderem bei Rind- und Kalbfleisch, Weizen, Zucker und Geflügel.
Die Vereinigten Staaten sind ferner besorgt über den Zugang zum EG-Markt
selbst für viele Produkte, die durch variable Importabgaben und andere Maßnahmen geschützt sind.
Die dringendsten Besorgnisse hinsichtlich der potentiellen amerikanischen
Exportverluste betreffen EG-Erörterungen über eine interne Besteuerung von
pflanzlichen ölen, die einen amerikanischen Markt im Wert von über 3 Milliarden
Dollar für Sojabohnen und Sojabohnenerzeugnisse bedrohen würden, sowie Gespräche über die Behinderung des Marktzugangs für Nichtgetreide-Futtermittel ein Markt im Werte von rund 700 Millionen Dollar jährlich.
Die Administration hat bereits vor einiger Zeit beschlossen, daß die
Vereinigten Staaten nicht länger etwas dulden würden, was wir als unfaire
Handelspraktiken der EG betrachten.
Man kam
- 7 -

�Man kam zu der Erkenntnis, daß die frühere Methode, die Dinge fragmentarisch zu betrachten, wobei die Industrieinteressen Amerikas einen Weg
und die Agrarinteressen einen anderen Weg gingen, nicht funktioniert.
Um diese Anstrengungen unter einen Hut zu bringen, hat das amerikanische
Landwirtschaftsministerium die Führung bei der Ausarbeitung einer interministeriellen Strategie für die Handelsbeziehungen zwischen den USA und der
EG übernommen. Dieser Plan wurde vom Kabinett gebilligt, und zum ersten Mal
nehmen die Vereinigten Staaten einen einheitlichen, von der ganzen Regierung
getragenen Standpunkt zu den Problemen des Agrarhandels mit der Europäischen
Gemeinschaft ein.
Seit Frühjahr vorigen Jahres ist unsere Botschaft bezüglich der Handelspolitik der Gemeinschaft durch Staatssekretär Lodwick und mir, durch die
Minister Haig und Baldridge, Botschafter Brock und andere übermittelt worden.
Die Botschaft besagt ganz einfach, daß die Vereinigten Staaten nicht
länger Handelsverzerrungen durch unfaire EG-Praktiken hinnehmen werden. Wir
sind bereit und willens, mit der EG an der Lösung von Handelsproblemen zu
arbeiten, aber wenn das nicht gelingen sollte, dann sind wir bereit, unsere
Handelsrechte zu verteidigen.
Wir waren sehr erfreut, als im Sommer vorigen Jahres die Gemeinschaft
nach sehr nachhaltigen amerikanischen Vorstellungen zumindest vorläufig ihren
Vorschlag zurückstellte, eine interne Steuer auf pflanzliche öle einzuführen.
Wir waren ferner über die Ergebnisse des ersten historischen Treffens von Außenminister Haig, Botschafter Brock und mir mit Präsident Thorn, Landwirtschaftskommissar Dalsager und anderen hohen Vertretern der Gemeinschaft in Brüssel im
Dezember vorigen Jahres erfreut.
Während dieser sehr offenen Gespräche kam man überein, daß Agrarprobleme
die schwierigsten seien und ihre Lösung oberste Priorität erfordere.
Wir kamen im Februar erneut zusammen, als, wie Sie wissen, Mitglieder
des Kongresses mitbeteiligt waren, um die Entschlossenheit der USA zum Ausdruck zu bringen, ihre Handelsrechte zu schützen. Für diesen Monat sind weitere
Gespräche vorgesehen. ...
+++++
- 8 -

�11

17. März 1982

STOESSEL ÄUSSERT SICH ZUM PROBLEM DER SOWJETISCHEN ERDGASLEITUNG

WASHINGTON - (AD) - Der Stellvertretende Außenminister der Vereinigten
Staaten, Walter Stoessel, hat darauf hingewiesen, daß es wahrscheinlich für die
Vereinigten Staaten aussichtslos sei, das Erdgasgeschäft zu blockieren, durch
das westeuropäische Länder sowjetisches Erdgas beziehen werden. "Weiterhin
darauf zu drängen, die Erdgasleitung zu stoppen, wäre wahrscheinlich aussichtslos, und würde zudem zu großer Spannung im Atlantischen Bündnis führen", sagte
Stoessel am 10. März 1982 im Verlauf eines Gespräches mit einer Gruppe von
Amerikanern osteuropäischer Abstammung.
Die Vereinigten Staaten haben wiederholt gegenüber westeuropäischen Regierungen ihre Besorgnis zum Ausdruck gebracht, daß eine Abhängigkeit bei der
Energieversorgung von der UdSSR sie potentiell in eine Lage der Verwundbr^keit
gegenüber strategischer Erpressung durch die Sowjetunion versetzen würde. Zudem ist Washington der Meinung, daß die harte Währung, die Moskau an dem Erdgasgeschäft verdient, die industrielle Entwicklung der Sowjetunion zum Nachteil des Westens beschleunigt.
"Es ist deutlich geworden, daß die Leitung gebaut werden kann - gleich,
welche Haltung wir einnehmen, und egal, was wir tun. Die Sowjets könnten es

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�könnten es auch alleine machen. Es wäre dann teurer, und es käme zu Verzögerungen, aber es würde gehen", sagte Stoessel.
In Washington ging es um die Frage, ob man versuchen sollte, den Bau der
10 Milliarden Dollar teuren Leitung zu verhindern, indem europäischen Tochterfirmen amerikanischer Gesellschaften verboten würde, Ausrüstung an die Sowjetunion zu verkaufen, die für den Bau notwendig ist. Die Reagan-Administration
hat bisher zu dieser Frage noch keine formelle Entscheidung bekanntgegeben.
Stoessel sprach auch über die Reise, die Staatssekretär Buckley vom
13.-19. März nach Europa führt, um die Regierungen dort dazu zu drängen, bei
Finanzkrediten für Moskau restriktiver zu sein. "Wir sind der Überzeugung,
daß es nötig ist, daß wir zusammen mit unseren Verbündeten die Lage analysieren
und zu einer konzertierten Haltung gelangen, bei der wir nicht mehr länger die
Entwicklung der sowjetischen Industrie subventionieren."
Stoessel bezeichnete es als Ziel der Mission Buckleys, "diese Frage der
Kredite zu prüfen und Vereinbarungen auszuarbeiten, damit wir in Zukunft in
diesem Bereich rationaler und zurückhaltender handeln können."
Buckley wird von hohen Beamten des Verteidigungs-, des Finanz- und des
Handelsministeriums sowie des Nationalen Sicherheitsrats begleitet. Besucht
werden Bonn, London, Paris, Rom und Brüssel.
+++++

�11

17. März 1982

BOTSCHAFTER FIELDS: VERIFIZIERBARKEIT UND EINHALTUNG VON
ABKOMMEN OBER KERNWAFFENTESTSTOPPS ENTSCHEIDEND
Erklärung des amerikanischen Vertreters beim Abrüstungsausschuß -

GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten unterstützen die Bemühungen des UNAbrüstungsausschusses um eine wirksame Verifizierung eines Abkommens über die
Einstellung von Atomversuchen und dessen Einhaltung.
Botschafter Louis Fields, der amerikanische Vertreter beim Abrüstungsausschuß - die bedeutendste multilaterale Stelle für Abrüstungsverhandlungen erklärte am 11. März 1982, daß wirksame Verifizierung und Einhaltung zu den
Hauptsorgen im Zusammenhang mit der Frage eines

umfassenden Testverbots ge-

hörten.
"Meine Delegation ist der Ansicht, daß der Ausschuß in dieser Hinsicht einen
nützlichen Beitrag leisten kann. Sollte es zu einem Konsens über die Einsetzung
eines Unterausschusses kommen, der jene Themen festlegt und diskutiert, die
mit Verifizierbarkeit und Einhaltung zusammenhängen und mit denen man sich bei
jeder Art von umfassendem Teststöppabkommen auseinanderzusetzen hätte, so würde
sich meine Delegation einem solchen Konsens anschließen."
Fields verwies

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Fields verwies jedoch darauf, daß die Haltung der amerikanischen Regierung
hinsichtlich des Gesamtproblems eines umfassenden Teststopps unverändert sei.
"Das Ziel einer völligen Einstellung von Atomexplosionen bleibt Element innerhalb des gesamten Spektrums der langfristigen Rüstungskontrollziele der Vereinigten Staaten. Wir glauben jedoch nicht, daß unter den derzeitigen Umständen
ein solcher Bann dabei hilfreich sein könnte, die Bedrohung durch die Kernwaffen zu vermindern oder die Stabilität des nuklearen Gleichgewichts aufrechtzuerhalten."
Auch wenn die Vereinigten Staaten für eine Arbeitsgruppe sind, die sich
mit der Verifizierbarkeit und der Einhaltung eines umfassenden Teststoppabkommens auseinandersetzt, so sind sie jedoch, nach Fields Worten, der Ansicht, daß die Errichtung eines Unterausschusses für das Thema eines Banns
von Atomtests "nicht der wirkungsvollste Weg zu sein scheint, dem man derzeit
folgen sollte."
Fields erklärte darüber hinaus, daß die Einsetzung eines solchen Unterausschusses im Rahmen des Abrüstungsausschusses zwecks Verhandlungen über die
nukleare Abrüstung "derzeit kein produktiver Schritt wäre, besonders angesichts der Tatsache, daß solche Verhandlungen bereits zwischen einigen der
Kernwaffenstaaten begonnen haben." "Ich erinnere zudem an die zahlreichen Gelegenheiten, bei denen die Atomwaffenstaaten daran erinnert wurden, daß sie
die Hauptverantwortung für die Aufnahme solcher Verhandlungen haben", fügte
Fields hinzu und verwies noch einmal darauf, daß die Vereinigten Staaten
Präsident Reagans Programm zur Verminderung der Atomwaffen "aktiv verfolgen".
"Die Elemente der amerikanischen Kernwaffenkontrollpolitik - einschließlich der derzeitigen Verhandlungen über die nuklearen Mittel Streckensysteme
und der Vorbereitungen zum Beginn von Verhandlungen über die Verminderung der
strategischen Rüstung - sind zwingender Beweis für den Ernst, den die Vereinigten
Staaten der Kernwaffenkontrolle und der Abrüstung beimessen", sagte Fields.
Seine Delegation beteilige sich aktiv an den Anstrengungen des Abrüstungsausschusses, ein Abkommen über ein multilaterales Verbot von radiologischen
Waffen zu erreichen. Zudem arbeiteten die Vereinigten Staaten "hart daran,

�"hart daran, das Fundament für ein umfassendes und verifizierbares Verbot der
chemischen Waffen zu legen. Präsident Reagan hat erklärt, daß ein solches Verbot - wirksam und verifizierbar - Ziel der Vereinigten Staaten ist und daß er
beabsichtigt, dieses Ziel innerhalb dieses Forums tatkräftig zu verfolgen".

+++++

- 3 -

�11

17. März 1982

UNTERSTAATSSEKRETÄR ENDERS: BEDEUTSAME REFORMEN IN EL SALVADOR

BUENOS AIRES - (AD) - Der Unterstaatssekretär für interamerikanische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Thomas Enders, ist der Ansicht, daß sich in El Salvador ein "Mittelweg" zwischen den beiden Extremen
von rechts und links entwickelt. Die derzeitige reformbereite Regierung unter
Jose Napoleon Duarte sowie die bevorstehenden Wahlen am 28. März in diesem
mittel amerikanischen Land, so sagte er am 9. März 1982 auf einer Pressekonferenz in Buenos Aires, böten die Hoffnung, daß El Salvador "sich die erste
legitime Regierung geben wird, die es jemals hatte".
Obgleich offensichtlich sei, daß "es noch einen langen Kampf geben wird",
erkannte Enders in der Regierung Duarte einen Initiator sozialer wie politischer
Reformen: "Sie hat eine der bedeutsamsten Landreformen durchgesetzt, die jemals
in dieser Hemisphäre versucht wurden". Bereits jetzt seien die größten Landgüter aufgeteilt, und es gebe nunmehr 32 000 Landbesitzer anstelle der bisherigen 242, denen Güter in Größenordnungen von über 500 Hektar gehörten.
Außerdem werde das Kleineigentum, das bisher von Tagelöhnern und Kleinpächtern
bewirtschaftet wurde, noch in diesem Jahr zugeteilt.
Enders unterstrich,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Enders unterstrich, daß der erste Schritt bei den politischen Reformen
die Wahlen seien. "Dem müssen jedoch die Schaffung einer Verfassung sowie
Präsidentschafts- und Parlamentswahlen folgen."
Außerdem verwies Enders darauf, daß Costa Rica, Honduras und El Salvador
eine mittel amerikanische, demokratische Gemeinschaft geformt haben, "um wirtschaftliche und politische Unterstützung anderer Demokratien zu erbitten.
Kolumbien, Venezuela und die Vereinigten Staaten haben auf dieses Ersuchen
reagiert. Es gibt also eine kollektive Aktion."
Enders wies erneut darauf hin, daß die nicaraguanische Regierung die
Miskito-Indianer in großem Umfang unterdrücke und sie zum Verlassen ihrer
Dörfer und zum Leben in Regierungslagern zwinge. Zum Zeitpunkt, als er
Washington verlassen habe, so Enders, lebten bereits rund 6 000 MiskitoFlüchtlinge in Lagern in Honduras, nachdem sie der Verfolgung durch die
Sandinisten entflohen waren.
Teil der amerikanischen Anstrengung, die subversiven Tätigkeiten Kubas
in Mittelamerika einzuschränken, sei die Errichtung eines Rundfunksenders
- Radio Marti. Dies stelle eine Möglichkeit dar, "das Monopol bei Nachrichten
und politischen Kommentaren zu brechen, das der kubanische Rundfunk gegenüber
seinem eigenen Volk hat."
Das kubanische Volk hat den Worten Enders zufolge für die "sehr ehrgeizigen außenpolitischen Abenteuer Kubas in den vergangenen zwanzig Jahren
in Afrika und nunmehr in Mittelamerika" mit seinem niedrigen Lebensstandard
teuer bezahlt. "Abenteuer dieser Art wären nicht möglich, wenn das kubanische
Volk genauer wüßte, was seine eigene Regierung tut."
Auf eine Frage nach der Wirkung von Präsident Reagans Initiative für das
karibische Becken räumte Enders ein, daß sie spät komme; es sei jedoch besser,
"es jetzt zu tun, als es nie zu tun". Zwei Drittel der Regierungen im karibisehen Raum seien Demokratien, und die Initiative ziele darauf ab, daß sie
dies durch das Angebot von Hilfe für ihre "zerbrechlichen und bedrohten Volkswirtschaften" auch blieben.
+++++

�11

17. März 1982

US-EXPERTEN: GUERILLA IN EL SALVADOR WIRD VON AUSSEN UNTERSTÜTZT

WASHINGTON - (AD) - Leitende Beamte früherer demokratischer wie republikanischer Administrationen in den Vereinigten Staaten gaben am 10. März 1982
ihrer festen Oberzeugung Ausdruck, daß die Guerilla in El Salvador Unterstützung aus nicaraguanischen und kubanischen Quellen findet.
Nach einer Unterrichtung im Außenministerium, bei der ihnen Geheimmaterial über Mittelamerika vorgelegt wurde, erklärten die Beteiligten, es läge
nicht im Interesse der Vereinigten Staaten, alle verfügbaren Informationen zu
veröffentlichen, die die Unterstützung der Guerillatätigkeit in El Salvador
von außen dokumentieren.
William P. Rogers, ehemaliger Außenminister unter Präsident Richard Nixon,
erklärte jedoch, die der Gruppe vorgelegten Beweise seien "überwältigend" gewesen.
"Ich glaube,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�"Ich glaube, es gibt keinerlei Zweifel hinsichtlich der Tatsache, daß
die Guerilla in El Salvador von Nicaragua und Kuba Unterstützung und Leitung
erhält", sagte Rogers.

"Jeder, der an diesem Treffen teilgenommen hätte,

wäre davon überzeugt worden, daß der Standpunkt der amerikanischen Regierung
fundiert ist. Dies war die gemeinsame Ansicht aller Anwesenden."
Brent Scowcroft, Sicherheitsberater unter Präsident Gerald Ford, erklärte, die Informationen des Außenministeriums seien ein "sehr überzeugender Beweis" für äußere Unterstützung der Guerilla-Aktivitäten in El Salvador.
"Sie waren zutiefst beunruhigend" und boten Beweise für "Unterstützung seitens Nicaraguas und in gewissem Umfang seitens Kubas."
Robert Strauss, amerikanischer Repräsentant für Handelsverhandlungen
unter Präsident Jimmy Carter, stellte fest, daß die Mitteilungen "eindrucksvolles Beweismittel" gewesen seien, die "auf überzeugende

Weise" die äußere

Einmischung in El Salvador belegten. Wegen des nationalen Interesses könne
er das Zögern der Reagan-Administration verstehen, "wirklich umfassend vor
die Öffentlichkeit zu treten" und die sensitiven Geheiminformationen vorzulegen.
Lloyd Cutler, ein Berater Präsident Carters, stellte befriedigt fest,
daß "diese Geheiminformationen die unvermeidliche Schlußfolgerung zulassen,
daß die nicaraguanische Regierung die salvadorianische Guerilla materiell
unterstützt, um ihre Streitkräfte zu organisieren und zu kommandieren und
daß sie ihnen die meisten ihrer Waffen und die Transportmittel zur Verfügung
stellt."

Es sei auch deutlich geworden, daß "die kubanische Regierung un-

mittelbar an Nicaraguas Militärhilfe für die Guerilla in El Salvador beteiligt ist."
Sol Linowitz, unter Präsident Carter Sonderbeauftragter für den Nahen
Osten und ehemals Botschafter bei der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS),
unterstrich die umfassende Information, die die Gruppe erhalten hatte, und
nannte die Beweise "glaubwürdig und einen Grund zur Sorge."
Anne Armstrong,

�Anne Armstrong, Vorsitzende des Beraterausschusses des Präsidenten

für

Auslandsaufklärung und ehemalige amerikanische Botschafterin in Großbritannien,
stellte fest:

"Ich habe nicht den geringsten Zweifel daran, daß dieser Auf-

ruhr von den Nicaraguanern und den Kubanern gelenkt wird, sehr wahrscheinlich
auch von anderen."
Leo Cherne, Stellvertretender Vorsitzender des Beraterausschusses, erklärte, er verlasse das Treffen "völlig überzeugt, daß die Veröffentlichung
des uns vorgelegten Materials die weitere Möglichkeit der Vereinigten Staaten,
solches Geheimmaterial zu erhalten, gefährden" würde. Cherne ließ keinen
Zweifel daran, daß "die Beweise äußere Einmischung in El Salvador zeigen."

- 3 -

�11

17. März 1982

US-EXPERTEN: HOFFNUNGSVOLLE ZEICHEN FÜR WAHLEN IN EL SALVADOR
- Von unserer Korrespondentin Mildred Sola-Neely -

WASHINGTON - (AD) - Wenn es der Guerilla in El Salvador nicht gelingt,
die Wähler am Wahltag vor einer Stimmabgabe abzuschrecken, dann könne es in
diesem Land aufgrund der Wahlen eine demokratische Regierung geben.
Dies ist die Ansicht des amerikanischen Wahlforschers Richard Scammon,
der zusammen mit seinem Kollegen Howard Penniman als Mitglied der von den USA
benannten Beobachtergruppe für die Wahlen in El Salvador von einem ersten Besuch dieses Landes nach Washington zurückgekehrt ist.
Scammon wies darauf hin, daß trotz der Guerilla-Drohungen und bürgerkriegsähnlicher Unruhen in Venezuela im Jahre 1963 die Bevölkerung eine demokratische Regierung gewählt habe, die sie heute noch unterstütze. Dasselbe
habe sich 1966 in der Dominikanischen Republik nach dem Sturz von Trujillo
ereignet.
Sowohl Scammon als auch Penniman zeigten sich beeindruckt von den Vorbereitungen, die in El Salvador für die Wahlen am 28. März getroffen werden.
Alles sei gut organisiert und verlaufe nach Plan, sagten die beiden

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�die beiden amerikanischen Wahlforscher. Nach ihren Beobachtungen und Feststellungen unterstütze der Großteil der Bevölkerung die Wahlen, über eventuelle
Manipulierungen der Wahl zeigten sich die amerikanischen Experten nicht allzu
besorgt. Dies sei nicht so einfach, sagte Scammon, wenn mehrere Hundert ausländische Pressevertreter und Beobachter Zeuge des Wahlprozesses seien. Auch
die sechs an der Wahl beteiligten Parteien sowie die Gewerkschaften wollen
Beobachter zu den rund 300 Wahllokalen überall im Lande entsenden.
Die Wahlbeteiligung bereitet nach Ansicht der amerikanischen Beobachter
die größte Sorge; es ist schwierig, die Zahl der stimmberechtigten Wähler zu
schätzen und auch, in welchem Ausmaß die Drohungen der Guerilla gegenüber den
Wählern Erfolg haben werden. Nach Schätzungen der zuständigen Stellen in El
Salvador gibt es nur etwa 1,4 Millionen Stimmberechtigte im Lande. Viele
Wähler dürften den Urnen fernbleiben, wenn sie fürchten, daß die GueriHeros
im Falle der Stimmabgabe ihre Häuser niederbrennen oder ihnen die Finger abhacken. Deshalb soll statt der roten Farbe, die Spuren an den Fingern der
Wähler hinterlassen würde, eine andere Methode angewandt werden, die nur mit
Hilfe ultravioletter Strahlen bei den Betroffenen auszumachen wäre.
Die Regierung kann nicht viel für den Schutz der Wähler tun. Armeeeinheiten
werden in der Nähe der Wahllokale stationiert, um für den Fall von Unruhen einzugreifen. Nach der Wahl wäre es jedoch schwierig, die Wähler vor Vergeltungsmaßnahmen der Guerilla zu schützen. Unter diesen Umständen schätzt Penniman
die Wahlbeteiligung nur auf etwa vierzig Prozent.
Nach den Worten Scammons ist der Wahl kämpf in vollem Gange. Jeder der
sechs Parteien ist im Rundfunk und im Fernsehen freie und gleiche Sendezeit
eingeräumt worden. Jeder Stimmberechtigte, der über die erforderliche Identitätskarte verfügt, kann in einem Lokal seiner Wahl seine Stimme abgeben, was
für die Menschen in den Flüchtlingslagern eine Erleichterung bedeutet. Der
Wahlmechanismus ist einfach und für jedermann verständlich. Die Stimmzettel
tragen nur den Namen der sechs Parteien und deren Symbole - für jene, die
nicht lesen können. Der Wähler braucht nur die Partei seiner Wahl anzukreuzen.
Die beiden amerikanischen Wahlexperten rechnen mit inoffiziellen Ergebnissen etwa sechs bis neun Stunden, nachdem die Wahllokale um 18.00 Uhr
- 2 -

�um 18.00 Uhr Ortszeit geschlossen haben. Sie werden mit den übrigen Mitgliedern
der amerikanischen Beobachtergruppe rechtzeitig vor der Wahl nach El Salvador
zurückkehren, um sich ein Bild von dem eigentlichen Wahlverlauf zu machen.
Scammon und Penniman waren bereits als Wahlbeobachter in Vietnam, Ulster,
Zimbabwe und der Dominikanischen Republik.
+++++

- 3 -

�11

17. März 1982

BEWEISE FÜR MILITÄRISCHE ROSTUNG IN NICARAGUA
- Kommentar der Stimme Amerikas -

- (AD) - Die Reagan-Administration hat sich zu dem außergewöhnlichen
Schritt entschlossen, vom amerikanischen Geheimdienst gesammeltes Material
zu veröffentlichen, um damit die Behauptung zu untermauern, daß Nicaragua
auf dem Wege ist, sich zur stärksten Militärmacht Mittelamerikas zu entwikkeln - und dies mit Hilfe Kubas und der Sowjetunion.
Der rasche Ausbau der Streitkräfte in Nicaragua geht dabei weit über
die Verteidigungserfordernisse des Landes hinaus.
Die von der amerikanischen Regierung veröffentlichten Luftaufnahmen
sind Beweise einer gewaltigen Ausweitung der militärischen Einrichtungen
Nicaraguas.

Seit die Sandinisten vor zweieinhalb Jahren an die Macht gelang-

ten, wurden 36 neue Kasernen gebaut - bei der Machtübernahme waren es 13.
Die neuen Standorte sind - wie die Fotos zeigen - im Stil der Garnisonen in
Kuba und in der Sowjetunion angelegt.

Bei einigen dieser Militärlager zei-

gen die Fotos deutlich Panzer und Flugabwehrgeschütze.
Außerdem ist

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Außerdem ist Nicaragua dabei, mindestens vier Flugplätze auszubauen.
Luftaufnahmen vom Januar zeigen einen Flugplatz, dessen Landebahn nunmehr
verdoppelte Länge

hat.

Die einzige plausible Erklärung dafür ist, daß der

Flugplatz dazu dienen soll, modernste sowjetische MIG-Kampfflugzeuge aufzunehmen.
Die Regierung der Sandinisten baut ein stehendes Heer von über 25 000
Mann auf.

Zusammen mit der Miliz bedeutet dies eine militärische Kapazität

von insgesamt fast 70 000 Mann - mit Abstand die größte in Mittelamerika.
In Nicaragua befinden sich derzeit über 2000 kubanische Militärberater
- sowie weitere 50 bis 75 Berater aus der Sowjetunion.
Kein einziger der Nachbarn von Nicaragua verfügt über so viele Soldaten
und Waffen.

Costa Rica hat noch nicht einmal eine Armee.

sich die Frage:

Warum diese fieberhafte Aufrüstung?

Deshalb stellt

In den Vereinigten

Staaten herrscht die Sorge, daß dies den Aufbau eines militärischen Stützpunktes in Nicaragua signalisiert, der als Ausgangsbasis für Aggressionen
gegen die Nachbarn dienen könnte.

Schon jetzt verfügen die Vereinigten Staa-

ten über Beweise, daß Nicaragua sowjetische Waffen an die Linksguerilla in
El Salvador weitergibt.
Die Regierung unternahm den außergewöhnlichen Schritt einer Veröffentlichung von geheimen Luftaufnahmen, um die amerikanische Öffentlichkeit über
die Gefahr zu unterrichten, die die militärische Aufrüstung in Nicaragua darstellt.
Die Vereinigten Staaten versuchen noch immer, die Beziehungen zu
Nicaragua zu normalisieren.

Sie würden gern den Zusicherungen der Sandinista-

Regierung Glauben schenken, daß sie keine offensive Militärkapazität entwickelt.

Aber die Beweise sprechen eine andere Sprache.

+ + + + +

�Wi//cn/chcift
und Technik

•

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

11

17. März 1982

DRITTER EINSATZ DER RAUMFÄHRE "COLUMBIA"
Start voraussichtlich am 22. Mä'rz zu siebentägigem Testflug
Von 6. Weiss

- (AD) - Jack R. Lousma (46), Oberst des Marinekorps und Astronaut mit
59 Tagen Flugerfahrung an Bord von SKYLAB im Jahr 1973, wird zusammen mit dem
"Neuling" C. Gordon Füll ertön (45), Oberst der Luftwaffe, den amerikanischen
Raumtransporter COLUMBIA beim dritten Testflug führen. Wenn alles nach Plan
verläuft, wird der "Space Shuttle" am 22. März 1982 starten, etwas mehr als
sieben Tage (insgesamt 171 Stunden) im Weltraum bleiben und in dieser Zeit
die Erde 116 Mal umkreisen.
Die Testflugphase schließt auch noch den vierten Einsatz ein.
soll am 7. Juli 1982 beginnen und ebenfalls sieben Tage dauern.

Dieser

Erst dann

kann die Entwicklung der Raumfähre als im großen und ganzen als abgeschlossen
gelten, obgleich auch in der Folgezeit noch einige Änderungen wie z.B. Verwendung eines wesentlich leichteren Außentanks (Gewichtseinsparung zugunsten der
Nutzlasten) vorgesehen sind.

Während der ersten vier Flüge werden die even-

tuell noch bestehenden Risiken der neuen Technologie und die Möglichkeiten für
weitere Verbesserungen im Betrieb und bei der Ausrüstung ausgelotet. Trotz der

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Trotz der technischen Pannen beim zweiten Flug (12. - 14. November 1981)
und dessen Abkürzung von 114 auf 54 Stunden hat sich inzwischen das Gesamtprogramm von der Konzeption und Ausführung her als überaus erfolgreich und
bahnbrechend für die Zukunft der bemannten Raumfahrt erwiesen.
Der Raumtransporter ist das erste Gerät, das wiederverwendbar ist und,
mit Tragflächen und Steuerklappen ausgerüstet, in der erdnahen Luftschicht
wie ein Flugzeug operiert und schließlich wie dieses landet.

Schon jetzt

hat es den Anschein, daß die damit gewonnenen Erkenntnisse dazu führen werden, beim Bau und Betrieb bestimmter Windkanal typen und anderer Anlagen zur
aerodynamischen Forschung gewisse Änderungen vorzunehmen.

Auch die Konstruk-

tion künftiger Raumfluggeräte sowie von schnellen, hochfliegenden Flugzeugen
dürfte nicht unbeeinflußt bleiben.
.

Überholungszeiten werden kürzer
COLUMBIA mit den anmontierten Feststoffraketen samt Außentank für
flüssigen Wasserstoff und Sauerstoff (Treibstoff für die drei Haupttriebwerke)
steht bereits seit dem 16. Februar wieder an der Startrampe 39 A von Kap
Canaveral.

Zwei

Monate war der Orbiter nach dem Huckepacktransport auf einer

Boeing 747 von Kalifornien nach Florida im Hangar gründlich inspiziert und
überholt worden, ehe er zum Aufrichten und für den Zusammenbau mit dem Außentank und mit den Feststoff-"Boostern" in die riesige Montagehalle des KennedyRaumflugzentrums gezogen
deutlich kürzer:

wurde.

Die Wartungs- und Oberholungszeiten werden

Waren vor dem ersten Flug (12. - 14. April 1981) noch 612

Tage im Hangar und 35 Tage in der Montagehalle erforderlich, so dauerte die
Vorbereitung für den zweiten Flug 103 bzw. 21 Tage und ging bei dem jetzt bevorstehenden dritten Flug auf 69 Tage (von denen aber nur 47 "echte" Arbeitstage im Hangar waren) und 114 Tage in der Montagehalle zurück.
George Page, Flugdirektor der US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA für
das Space-Shuttle-Programm, erklärt dies u.a. mit der inzwischen sehr viel
größeren Routine der Technikergruppen im Umgang mit dem neuartigen Fluggerät und mit verbesserten Hilfsmitteln zur Durchführung der Hangar- und Montage- 2 -

�und Montagearbeiten.

Auch seien die einzelnen Aufgaben nach dem zweiten Flug

im November 1981 weit weniger umfangreich als nach dem ersten Flug gewesen.
Wichtige Punkte waren z.B. der Ersatz (und die gründliche Untersuchung durch
die Herstellerfirma) der Brennstoffzelle, wegen der der zweite Flug vorzeitig
beendet wurde, der Einbau größerer Brennstoffzellen-Tanks zur Erzeugung von
mehr Strom und Wasser angesichts der vorgesehenen längeren Flugdauer, der Ersatz eines schadhaften Hilfsstromaggregats und von 449 Kacheln des Hitzeschildes.
Nach dem ersten Flug war CLUMBIA mit Hitzeschildschäden zurückgekommen,
die die Montage von 1872 neuen Keramikplatten notwendig machten. Nach der
Rückkehr vom zweiten Flug fielen an manchen Schutzplatten Blasenbildung, Verfärbung und verkohlte Streifen in der Oberflächenschicht auf - bei einigen
Silikatplatten war diese sogar teilweise abgeplatzt. Die Ursachen werden
noch untersucht (als Ursache der Blasenbildung wird Feuchtigkeitsaufnahme bei
starken Regengüssen vor dem Start vermutet). Jedoch waren die Schäden insgesamt viel geringer als nach dem ersten Flug, obgleich das von Joe Engle
durchgeführte Wiedereintrittsmanöver weitaus "aggressiver" war als das von
John Young.

Programm für STS-3
Beim dritten Einsatz der COLUMBIA (STS-3, Abkürzung für "Space Transportation System, Mission 3") ist ein äußerst umfangreiches technologisches und
wissenschaftliches Arbeitsprogramm vorgesehen. Zwar konnten sich Joe Engle
und Richard Truly über Mangel an Arbeit nicht beklagen. Sie erfüllten trotz
der verkürzten Flugdauer dank der Flexibilität des Programms alle wichtigen
Zielsetzungen.

Die Ausbeute an Meßdaten und Versuchsergebnissen (ausgenommen

das Pflanzenwachstumsexperiment mit Samen einer Zwergart von Sonnenblumen,
für das die Zeit zu kurz war) war überraschend umfangreich.
Auch dieses Mal ist COLUMBIA eine fliegende Meßstation mit mehr als 3500
Sensoren,

über 1100 technische Tests hat die NASA für die vier TestfVüge vor- 3 -

�Testflüge vorgesehen. Mikrophone, Sensoren zum Erfassen von Zug- und Druckbelastungen an den Bauteilen, Instrumente zum Messen von Geschwindigkeiten,
Drücken, Temperaturen, Lärmpegeln und Geräuschen, von Gasen, die im gesamten
System frei werden, von Biegekräften und Materialreaktionen an der Zelle liefern eine Flut von Daten. Selbst winzige Staubpartikel, die sich möglicherweise beim Start vom Fluggerät lösen, in der Ladebucht schweben und Messungen mit Instrumenten oder Teleskopen stören könnten, werden unter Beobachtung
gehalten.
Während beim Unternehmen STS-2 Rückkehrmanöver und Landung teilweise
manuell gesteuert wurden, übernehmen bei STS-3 und STS-4 Computer die volle
Kontrolle - vom Wiedereintritt in die Erdatmosphäre bis zum Ausrollen und
Stillstand auf der Landepiste.

Der Eintrittswinkel in die Atmosphäre soll

künftig flacher gehalten werden und statt 40 Grad, wie bisher, weniger als
38 Grad (schließlich sogar nur 28 Grad) betragen.

Die mechanische und ther-

mische Belastung ist dann größer. Aber der Orbiter ist für solche Beanspruchungen ausgelegt.
Auch Lousma und Fullerton werden, wie Engle und Truly, Experimente mit
dem CANDARM ausführen - jenem mehrgliedrigen, 15 m langen "Robotarm", mit
dem Nutzlasten verschiedenster Größe und Masse im Weltraum abgesetzt oder
eingeholt werden können.

Er wird z.B. im Verlauf der Mission STS-3 einen

Abluftmonitor (environmental contamination monitor), der zahlreiche Sensoren
und Meßinstrumente enthält, in bestimmte Positionen außerhalb der geöffneten
Ladebucht bringen und der direkten Einwirkung von Gasen und anderen Emissionen
der COLUMBIA aussetzen.

Zweck dieses Experiments ist es, herauszufinden,

ob vom Orbiter emittierte Partikel und Gase die Meßdaten anderer Instrumente
oder von wissenschaftlichen Nutzlasten beeinträchtigen oder verfälschen könnten, und wie dem zu begegnen sei. Während des bevorstehenden Fluges wird
auch erstmals ein System erprobt, das künftigen NASA-Kunden die Möglichkeit
bietet, eigene Instrumentensätze oder Mini-Laboratorien zur Durchführung bestimmter Aufgaben im nahezu schwerelosen Zustand auf einen Orbiter-Flug mitzugeben und gegen "Platzmiete" im Nutzlastraum installieren zu lassen.

Vor

allem kleinere Firmen, Laboratorien oder auch einzelne Forscher und selbst

�und selbst Oberschulen

werden - vermutlich schon beim nächsten Flug,

STS-4 - diese Dienstleistung der NASA in Anspruch nehmen.

Ende Januar 1982

lagen bereits Anmeldungen von fast 200 potentiellen Kunden zur Mitnahme von
320 Experimentierkanistern vor.
Pro Flug können bis zu 15 solcher Mietraum-Kanister zugeladen werden,
von denen einer bis zu 12 verschiedene Experimentierausrüstungen enthält.
Der kleinste Mietplatz mißt 0,135 cbm und kann 90 kg Experimentiermaterial
und Ausrüstungen aufnehmen. Kostenpunkt: Ca. 3000 Dollar. Die NASA fordert,
daß die Versuche automatisch laufen und nicht der Wartung durch die Astronauten bedürfen. Der beim STS-3-Flug an Bord installierte Kanister ist allerdings nur eine Attrappe von 182 kg Masse. Im Behälter befinden sich akustische
Meßgeräte, Vibrations-, Druck-, Wärme- und Beschleunigungssensoren, deren
Daten künftigen Kunden helfen sollen, die Parameter bei der Anlage ihrer eigenen Experimente zu berücksichtigen und, falls erforderlich, Schutzvorkehrungen gegen eine Beeinträchtigung der Versuche zu treffen.

Temperaturextreme
In einem jetzt erstmals durchgeführten Versuch will die NASA herausfinden, wie sich extreme Temperaturen auswirken: Die Besatzung wird den Orbiter zunächst 80 Stunden lang in einer Position halten, in der die Nase zur
Sonne gerichtet ist. Später geschieht dasselbe 30 Stunden lang mit dem Heck,
zuletzt für 26 Stunden mit der Ladebucht. Die jeweils der Sonne zugekehrten
Segmente werden sehr heiß, alle übrigen nehmen äußerst tiefe Temperaturen an.
Es ist wichtig, zu wissen, wie groß die Temperaturunterschiede werden können
und ob sich die Laderaumtore auch dann noch schließen lassen, wenn das Fluggerät ungleiche Wärmewerte aufweist. Ein rasches Schließen der Tore könnte
z.B. im Fall einer schwerwiegenden Panne notwendig werden, die die vorzeitige
Rückkehr zur Erde verlangt. Mit offenen oder unvollständig geschlossenen Toren wäre jedoch die Rückkehr nicht möglich.

Die NASA-

�Die NASA-Abteilung für Weltraumforschung und Technologie-Anwendung
hat Versuche aus verschiedenen Gebieten vorbereitet:

Untersuchung des mög-

lichen Einflusses von Schwerelosigkeit auf das Wachstum faseriger bzw. holziger Anteile am pflanzlichen Gewebe, z.B. bei Setzlingen von Gurken,
Hafer und Erbsen; elektrische Felder und atmosphärische Teilchen in der Umgebung der Raumfähre; Wärmeverteilung innerhalb des Fluggeräts; Erfassung von
Strahlen in bestimmten Spektralbereichen, Beobachtung von Eruptionen auf der
Sonne.
Für künftige Produktionsaufgaben im Weltraum ist ein weiteres Elektrophorese-Experiment zur Trennung biologischer Substanzen in der Schwerelosigkeit von Bedeutung.

Mit Hilfe dieser Technik hofft man,Impfstoffe mit hö-

herem Reinheitsgrad und wirksamere Arzneimittel herstellen zu können.
"Monodisperse Latex Reactor" dient einem ähnlichen Zweck.

Der

Im praktisch

schwerelosen Zustand sollen Kugelchen ganz bestimmter Größe als Träger für
Arzneistoffe hergestellt werden.

Die gleichmäßige Ausbildung der Kugelchen

ist im Weltraum eher als unter irdischen Bedingungen zu erreichen.
Um ca. 645 kg ist der externe Flüssigtreibstoff-Tank im Vergleich zum
COLUMBIA-Flug im November 1981 leichter.

Die Herstellerfirma verzichtete

auf den weißen Anstrich des riesigen Behälters und hielt auch die Schicht der
aufgesprühten Schaummasse zur thermischen Isolierung um einige Millimeter
dünner. Mit der NASA wurde inzwischen vereinbart, das Tankgewicht für STS-7
auf 32,35 Tonnen zu reduzieren (beim Tank für STS-3 beträgt es 34,4 Tonnen,
bei STS-2 waren es noch 35,05 Tonnen).

+ + + + +

- 6-

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="8869">
              <text>17.03.1982</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="8870">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="8871">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="13926">
              <text>Amerikadienst 17.03.1982</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="13927">
              <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Haig nennt fünf Punkte für den Spannungsabbau in Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan proklamiert 21. März zum Afghanistan-Tag&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Grundzüge der amerikanischen Agrarpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ausführungen von Hormats, Brock und Block vor dem US-Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stoessel äußert sich zum Problem der sowjetischen Erdgasleitung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Botschafter Fields: Verifizierbarkeit und Einhaltung von Abkommen über Kernwaffenteststopps entscheidend&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des amerikanischen Vertreters beim Abrüstungsausschuss -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unterstaatssekretär Enders: Bedeutsame Reformen in El Salvador&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Experten: Guerilla in El Salvador wird von außen unterstützt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Experten: Hoffnungsvolle Zeichen für Wahlen in El Salvador&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beweise für militärische Rüstung in Nicaragua&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dritter Einsatz der Raumfähre "COLUMBIA"&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Start voraussichtlich am 22. März zu siebentägigem Testflug -&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
