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                  <text>und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. März 1982

10
INHALT

DOKUMENTATION
Botschafter Bennett von Einheit der NATO überzeugt
- Rede des Ständigen Vertreters der USA im Nordatlantikrat vor der ATA
US-Kongreß verabschiedet Resolution zum Afghanistan-Tag
- Wortlaut HINTERGRUNDMATERIAL
Weinberger: Strategische RListungskontrollverhandlungen schon bald
möglich
- Von unserem Sonderkorrespondenten William H. Durham Sowjets dislozieren mehr SS-20 als erwartet
- Von unserem Sonderkorrespondenten William H. Durham Polen und El Salvador: Ein Vergleich
- Von unserer Korrespondentin Dian McDonald Amerikanische Auslandshilfe fördert Frieden und Sicherheit
- Von USICA-Korrespondentin Dian McDonald USA über militärische Rüstung in Nicaragua besorgt
- Von unserem Sonderkorrespondenten WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Grundwasser in Gefahr
- US-Wissenschaftler warnt vor giftigen Chemikalien
BERICHTIGUNG
Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
10. März 1982

BOTSCHAFTER BENNETT VON EINHEIT DER NATO OBERZEUGT
- Rede des Ständigen Vertreters der USA im Nordatlantikrat vor der ATA

Kopenhagen -(AD)- Der Ständige Vertreter der Vereinigten Staaten im Nordatlantikrat, W. Tapley Bennett Jr., gab in einer Rede vor der Vereinigung der
Atlantischen Gesellschaften (ATA) am 2. März 1982 in Kopenhagen seiner Zuversicht Ausdruck, daß die Vereinigten Staaten und Europa auch weiterhin ihren
Verteidigungserfordernissen im Geist der gemeinsamen Zielsetzung nachkommen
werden.
Die wesentlichen Auszüge aus der Rede Bennetts haben folgenden Wortlaut:
Eine große Tragödie in diesem Winter in Europa - die Ereignisse in Polen
dient uns allen als brutale Erinnerung an den Zweck und die Notwendigkeit des
NATO-Bündnisses. Die Verhängung des Kriegsrechts am 13. Dezember und die anhaltende Unterdrückung in Polen seit diesem Tag beweisen erneut den tiefen
Graben, der zwischen den sozialen und politischen Systemen sowjetischer und
westlicher Natur besteht. Dies ist zudem ein Beweis für die reaktionäre Realpolitik der Sowjetunion, der Haupttriebkraft hinter der polnischen Tragödie. .
Worum es

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Telex: 08-85432

�Worum es in Polen geht, ist mehr als die unmittelbare Frage der Menschenrechte, mehr als die Verletzung der Abkommen von Helsinki, obwohl diese für
uns alle von zentraler Bedeutung und von unmittelbarem Interesse sind. Worum es
geht, ist die Möglichkeit, die das polnische Experiment zu enthalten schien,
daß friedlicher innerer Wandel schließlich in Osteuropa doch möglich sei. Bis
dahin war die Frage nach Veränderung in Osteuropa stets ganz einfach beantwortet worden: Nein - Budapest 1956, Berlin 1961, Prag 1968. Die Sowjetunion
betrachtete stets ihre imperialen Erfordernisse als untrennbar von der umfassenden Beherrschung der örtlichen Regime und hat diese Erfordernisse stets so
interpretiert, daß sie sklavischen Gehorsam gegenüber den importierten Strukturen einer Parteidiktatur bedeuten. Für einen kurzen Augenblick schien der
Fall Polen für die Reglementierten einen Hoffnungsstrahl zu bringen. Die
Arbeiterbewegung machte wiederholt deutlich, daß sie keine Herausforderung für
Polens internationale Position

darstellen wollte. Die von ihr gesuchten Ver-

änderungen waren internen Charakters. Aber sogar diese begrenzten Zielsetzungen
erwiesen sich als zu weitgehend für die Sowjets.
Manche Beobachter sagen jetzt, daß es unrealistisch gewesen sei, von einer
sozialen Bewegung zu erwarten, größere interne Veränderungen in Polen zu erreichen, da das Land angeblich in Jalta der Sowjetunion "gegeben" worden sei. Dies
ist eine gewaltige Verzerrung der geschichtlichen Tatsachen. Die Abkommen von
Jalta forderten freie Wahlen in Polen, die nie stattfanden. Andere wiederum
stellen die seltsame politische Behauptung auf, die eine unveränderliche Verbindung zwischen der internationalen Lage eines Landes und dem Charakter seines
internen Regimes annimmt. In dieser Hinsicht ist es interessant festzustellen,
daß Osteuropa wahrscheinlich derjenige Teil der Welt ist, in dem es in den vergangenen drei Jahrzehnten am wenigsten interne politische und soziale Entwicklung gegeben hat. Die Dritte Welt ist ihren Weg vom Kolonialismus zur Unabhängigkeit gegangen. Führungsgestalten sind gekommen und gegangen. Monarchien
haben aufgehört zu existieren. Eine Anzahl von Staaten in Westeuropa und anderswo hat Fortschritte von der autoritären zur demokratischen Regierungsform gemacht. Zuweilen gab es bedauerliche Ausrutscher in die falsche Richtung, die
sich jedoch immer wieder als korrigierbar erwiesen haben. Der geregelte Verlauf

�geregelte Verlauf von Wahlen hat in vielen unserer Länder zu gewaltigen Machtverschiebungen geführt. Einzig Osteuropa wurde aus dieser natürlichen Dynamik
herausgehalten - eingefroren in das Eis sowjetischer totalitärer Herrschaft.
Der KSZE-Vertrag
Die Unterdrückung in Polen seit dem 13. Dezember ist eine gewaltige Verletzung der fundamentalen Prinzipien der Schlußakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), eines feierlichen internationalen
Abkommens, das die sowjetische und polnische Führung 1975 in Helsinki unterzeichneten. ...
Niemand, der den Ablauf der KSZE-Nachfolgekonferenz in Madrid verfolgt
hat, kann sich irgendwelchen Illusionen hingeben, wie lange die Menschenrechte
in Westeuropa bestehen bleiben würden, würde die Sowjetunion nicht durch unsere
Wachsamkeit und Einigkeit in ihre Schranken verwiesen. ...
Manche haben auch gesagt, daß es illusorisch sei zu glauben, daß die
Sowjets jemals dazu gebracht werden könnten, die Grundsätze von Helsinki tatsächlich wirkungsvoll in die Tat umzusetzen. Sie kommen von dieser Behauptung
aus zu der Schlußfolgerung, wir sollten jetzt nicht aufgeregt sein, wenn die
Sowjets zeigen, daß sie nach Helsinki genauso grundsatzlos sind, wie sie es
zuvor waren. Dieses pseudorealistische Argument geht jedoch an den Abkommen
von Helsinki und dem gesamten KSZE-Prozeß und seiner Zielsetzung vorbei. Es
gab, dessen bin ich sicher, 1975 auf westlicher Seite keine Illusionen über
den tatsächlichen Zustand der politischen oder sozialen Beziehungen innerhalb
der Staaten und zwischen den Staaten des Sowjetblocks. Es bestand jedoch der
Wunsch, ein Rahmenwerk für die Zukunft zu entwerfen, ein Maß zu setzen, das
unter anderem die sowjetische Einhaltung der Menschen- und Bürgerrechte zu
einem wesentlichen Element der Ost-West-Beziehungen machen würde. Es ist
keine Frage, daß dieses Maß verwirklicht wurde. Die Treffen von Belgrad und
Madrid sowie die Reaktion auf die Ereignisse in Polen sind in sich selbst ein
Beweis für die wirkungsvolle Ausweitung der Tagesordnung zwischen Ost und West.
Gegenwart und
- 3 -

�Gegenwart und Zukunft
Wir sind heute weit von dem Optimismus des Sommers in Helsinki im Jahre
1975 entfernt. Dies sind unruhige Zeiten - und nicht nur wegen der Ereignisse
in Polen. Die sowjetische Invasion Afghanistans im Dezember 1979 und der fortdauernde Krieg, der dort zwischen annähernd 100 000 Soldaten und dem afghanischen Volk geführt wird, haben bereits wiederholt Fragen über die sowjetischen
Ambitionen und die sowjetische Bereitschaft geführt, zu ihrer Verwirklichung
Gewalt einzusetzen. Manche Leute sind der Meinung, daß die sowjetische Aggression in Afghanistan für die Zukunft ein noch düstereres Potential hat als
sogar die Ereignisse in Polen. Die aggressiven Akte der Sowjets sowie ihrer
Stellvertreter und Verbündeten von Angola bis Äthiopien, von Kampuchea bis El
Salvador haben ebenfalls zu größten Bedenken geführt. Es ist deutlich, daß es
derzeit weder in Europa noch andernorts einen funktionierenden Kodex des internationalen Verhaltens gibt. Und es gibt in allen Teilen der Welt höchst

gegen-

wärtige Gefahren für grundlegende westliche Interessen.
Wie sollen wir diese Situation betrachten und was sollten wir tun, um
die Zukunft zu gestalten?
Erstens sollten wir immer darauf hinweisen, daß die grundsätzlichen westlichen Zielsetzungen richtig sind: das Streben nach Respekt vor den Menschenrechten; das Streben nach einem Gleichgewicht bei den konventionellen Streitkräften in Mitteleuropa; das Streben nach Kontrolle der strategischen Kernwaffen; das Streben nach Parität bei den nuklearen Mittel Streckensystemen, vorzugsweise auf Null-Niveau; das Streben nach allgemeiner Zurückhaltung und Gegenseitigkeit beim internationalen Verhalten. Das Erreichen dieser Ziele würde
einerReduzierung der Spannung und der Verbesserung der Lebensqualität eines
jeden einzelnen dienen. Sie erfreuen sich der berechtigten Unterstützung der
Öffentlichkeit aller unserer Länder.
Zweitens müssen wir uns daran erinnern, daß es bei den Ost-West-Beziehungen
Leistungen und Rückschläge gegeben hat. Das Viermächte-Abkommen von 1971 über
Berlin zum Beispiel ist noch immer ein wirkungsvoller Garant der westlichen
Rechte in dieser Stadt und des Zugangs zu dieser Stadt. Der Doppelbeschluß des
- 4 -

�Doppelbeschluß des Bündnisses vom Dezember 1979 über die Modernisierung der
nuklearen Mittel Streckensysteme und darüber, diese Modernisierung mit Rüstungskontrollgesprächen auszubalancieren, hat die Sowjetunion zum ersten Mal dahin
gebracht, Verhandlungen über ihre nuklearen Mittel Streckensysteme zuzustimmen.
Bis dahin hatten die Sowjets es vorgezogen, die Gespräche allein auf interkontinentale Systeme zu beschränken und die 840 nuklearen Gefechtsköpfe ihrer SS-20
zu ignorieren, die bereits disloziert sind und deren Anzahl noch immer mit einer
Rate von mehr als 3 pro Woche zunimmt.
Drittens müssen wir erkennen, daß jede erfolgreiche Ost-West-Politik unvermeidlicherweise auf einem wirksamen Gleichgewicht der Macht gegenüber der Sowjetunion beruht. Eine ernsthafte Politik der Spannungsminderung, der Rüstungskontrolle und der Regelung des Verhaltens kann sich nicht auf Wunschdenken gründen.
Die Sowjetunion konnte in der Geschichte immer nur durch ausreichende Machtgegengewichte zurückgehalten werden. Ja, die jüngere Geschichte deutet darauf hin,
daß die fruchtbarsten Perioden der Ost-West-Beziehung in Europa immer dann
kommen, wenn allgemein in Ost wie West anerkannt wird, daß die NATO sowohl im
konventionellen wie im nuklearen Bereich eine wirksame Abschreckungskapazität
unterhält.
Schließlich müssen wir uns den Herausforderungen der Abschreckungskapazität des Westens stellen - nicht nur in Europa, sondern auch darüber hinaus.
Innerhalb Europas besteht das Problem bekanntermaßen einerseits darin, genügend
Mittel für die konventionelle Verteidigung bereitzustellen, um eine hohe Nuklearschwelle sicherzustellen, und andererseits darin, ein

ausreichendes Spektrum

der Nuklearrüstung zu haben, damit die Sowjetunion nicht in die Lage versetzt
wird, das Bündnis politisch oder strategisch durch begrenzte Aggression zu
dominieren, die mit der Drohung einer Eskalation verbunden wird. In dem Maße,
in dem wir bei der Bereitstellung einer angemessenen konventionellen Verteidigung versagen, sind wir gezwungen, uns in zunehmendem Maße bei der Abschreckung
auf die Kernwaffen zu stützen.
Mittel zur

�Mittel zur Verteidigung
Meine Regierung war stets der Überzeugung, daß eine wirksame konventionelle
Verteidigung des Westens möglich ist, wenn wir als Verbündete den ernsthaften
politischen Wunsch haben, sie auch zu erreichen. ...
Alles, was nötig ist, ist der politische Wille. Was angesichts des anhaltenden Anstiegs der sowjetischen Militärproduktion erforderlich ist, ist das
Beibehalten einer deutlichen realen Wachstumsrate bei den westlichen Verteidigungsanstrengungen sowie die Garantie, daß wir für das bei der Verteidigung
investierte Geld auch die wirksamsten Ergebnisse erzielen. Die Sowjetunion
hat ihrerseits ihre realen Verteidigungsausgaben während des vergangenen Jahrzehnts über 4 Prozent pro Jahr erhöht, und es ist zu erwarten, daß dies auch
weiterhin der Fall ist - trotz einer Abwärtsbewegung ihres Gesamtwirtschaftswachstums. Die NATO-Staaten haben sich selbst das Ziel eines dreiprozentigen
realen Anstiegs pro Jahr gesetzt. Wir können und müssen in diesem Bereich das
uns selbst gesteckte Ziel erreichen, wenn wir eine angemessene Abschreckung
aufrechterhalten wollen.
Der Doppelbeschluß
Im Nuklearbereich bietet der NATO-Doppelbeschluß vom Dezember 1979 den
Rahmen zur Beseitigung des Ungleichgewichts, das sich als ein Ergebnis der anhaltenden sowjetischen Dislozierung der SS-20-Raketen entwickelt hat, welches
nunmehr insgesamt über 840 einsatzbereite Gefechtsköpfe ausmacht. Bei den Verhandlungen in Genf haben die Vereinigten Staaten die Beseitigung aller sowjetischen und amerikanischen nuklearen Mittel Streckensysteme vorgeschlagen. Dies
wäre ein ausgewogenes Ergebnis, das keiner Seite einen Vorteil bringen, den
Sicherheitsinteressen beider Seiten dienen und die schreckliche nukleare Last
erleichtern würde. Die Sowjetunion hat bislang keinerlei Bereitschaft erkennen
lassen, in diese Richtung zu gehen, sondern statt dessen Vorschläge unterbreitet
- Herr Breschnew hat sich kürzlich wieder einmal als Friedenstaube dargestellt -,
die es in ihrer Wirkung letztlich den Sowjets erlauben würden, die Bedrohung
ihrer SS-20 beizubehalten und sogar noch auszuweiten, während die Vereinigten
Staaten, die derzeit keine Raketen mittlerer Reichweite haben, daran gehindert

- 6 -

�daran gehindert würden, überhaupt welche zu dislozieren.
Den Vereinigten Staaten ist es sehr ernst damit, echte Verringerungen
bei den Kernwaffen auf beiden Seiten der Grenze zwischen West und Ost zu erzielen. Wir sind nicht an jener Sorte von Abrüstungspropaganda interessiert,
die in einem endlosen Strom aus Moskau kommt,und wir zählen darauf, daß die
westeuropäische öffentliche Meinung klarsichtig genug ist, um zwischen beidem
zu unterscheiden.
Die

Last der Kernwaffen ist ein Problem, das uns alle plagt. Es ist zu

einem Thema der öffentlichen Kontroverse in unseren Ländern geworden, und die
Sowjetunion versucht, dies schamlos auszunutzen, um die öffentliche Meinung
im Westen entweder zu erschrecken oder einzulullen. Ich bin jedoch der festen
Überzeugung, daß die Mehrheit der Öffentlichkeit im Westen erkannt hat, daß
ohne eine einige westliche Haltung keine Aussicht darauf besteht, in Genf ein
ausgewogenes Abkommen zu erreichen, und keine Aussicht, das gefährliche Ungleichgewicht zu beseitigen, das heute besteht. Die sogenannten Friedensmarschierer gefährden in Wirklichkeit den Frieden, wenn sie einen einseitigen
Abbau der Strategie der Abschreckung fordern, die es ihrer Generation überhaupt
ermöglicht hat, unter Bedingungen des Friedens und der Sicherheit aufzuwachsen.
Die jungen Marschierer von heute haben bei aller Sympathie, die man für ihre
Sehnsüchte aufbringen kann und in vielen Fällen für ihren Idealismus, schließlich nicht den schwer verdienten Frieden zustande gebracht, dessen Europa sich
heute erfreut. Es war die ältere Generation, die gekämpft hat und gestorben
ist, um diesen Frieden zu schaffen.
Die Friedensmarschierer scheinen mehr Angst vor den defensiven Raketen
des Westens zu haben, die noch nicht einmal disloziert sind, als vor den einigen hundert offensiven Nukleargefechtsköpfen der SS-20-Raketen der Sowjets,
die bereits auf ganz Westeuropa gerichtet sind - ein sowjetisches Nuklearsystem,
das speziell für die Bedrohung Europas, nicht der Vereinigten Staaten, entwickelt
worden ist. Wenn die Friedensmarschierer in ihrem vereinfachten Ziel Erfolg
haben sollten und damit wirksam die amerikanische und die europäische Verteidigung voneinander abkoppeln, würden sie denn bereit sein, die Kosten und Mühen

- 7 -

�und Mühen zu tragen, die mit einer ausreichenden konventionellen Verteidigung
für Europa verbunden wären, um die gewaltige Überlegenheit des Warschauer Paktes
auf diesem Gebiet auszugleichen? Man kann diese Frage noch genereller stellen:
Wo bleibt die Unterstützung verbesserter konventioneller Streitkräfte seitens
jener, die sich angeblich über die Kernwaffen solche Sorgen machen? Die Kernwaffen in Europa, das sollte man nicht vergessen, wurden erst notwendig, weil
wir es nicht fertiggebracht haben, für eine ausreichende konventionelle Verteidigung zu sorgen.
Paradoxerweise sind einige jener, die am lautesten nach Rüstungskontrolle
rufen, in Wirklichkeit ihre Gegner. Jene, die die gemeinsame Verpflichtung zu
beiden Teilen des NATO-Doppelbeschlusses vom Dezember 1979 untergraben möchten,
untergraben in Wirklichkeit jede Hoffnung auf einen Erfolg im Sinne einer echten Rüstungskontrolle.
Und möge sich niemand darüber täuschen - die Sowjets haben um ihres langfristigen Ziels der Abspaltung Europas von Amerika willen im Augenblick keine
höhere Priorität als die Aufhebung des NATO-Beschlusses von 1979. Dann würde
es kein Gegengewicht zu ihrer nuklearen Bedrohung Europas geben - und dies
zusätzlich zu ihrer überwältigenden Überlegenheit bei den konventionellen
Streitkräften. Sie hätten endlich das volle Potential für die politische Erpressung Westeuropas.
RüstungskontrollVerhandlungen können nur echte und sichere Ergebnisse
bringen, wenn wir im Westen von einer Position der Stärke und des Selbstvertrauens ausgehen. Die Russen haben keinen Zweifel daran gelassen, daß sie
weder Idealisten noch Philanthropen sind.
Ich meinerseits glaube nicht, daß der Instinkt Westeuropas zum überleben
in Freiheit so verkümmert ist, daß die Menschen nicht bereit oder nicht in der
Lage wären, sich den harten Herausforderungen zu stellen, vor denen sie stehen.
Es ist in der Tat eine Illusion zu glauben, daß irgendjemand von uns auf nationaler Basis die Risiken dieser gefährlichen Welt vermeiden könnte. Der verbreitete Spruch "Halt die Welt an, ich möchte aussteigen!" entbehrt jeder

- 8 -

�entbehrt jeder Realität. Kernwaffen werden nicht einfach verschwinden, weil
wir Angst haben, uns mit ihnen zu befassen. Wenn die Abschreckung versagt,
kann niemand erwarten, verschont zu bleiben, am wenigsten mein eigenes Land.
Ein demokratisches und pluralistisches Bündnis akzeptiert, daß es unterschiedliche Politiken unter den Verbündeten über die Frage der Dislozierung von Kernwaffen in Friedenszeiten gibt, aber weder die Bedrohung aus dem Osten noch der
Schutz der westlichen Abschreckung kennen solche Unterschiede. Jene, die keine
nuklearen Abschreckungsstreitkräfte auf ihrem Territorium dulden, verdanken
ihre Sicherheit in großem Maße jenen, die dies tun. Keiner würde den Zerstörungen eines Atomkrieges entgehen, darum müssen wir zusammen vor ihm abschrecken
und ihn verhindern.
Die Last der Verteidigung drückt schwer auf unsere Bevölkerung, vor allem
in der jetzigen Zeit wirtschaftlicher Schwierigkeiten. Kein Land spürt diese
Last schwerer als mein eigenes, das schon immer einen höheren Prozentsatz seines
Bruttosozialproduktes für Verteidigungsprogramme aufgewandt hat als andere
NATO-Mitglieder. Aber nach amerikanischer Auffassung ist Verteidigung einfach
etwas, was man nicht aufschieben kann. Wenn wir verständlicherweise wünschenswerten Sozialprogrammen in einem Maße Nachdruck verleihen, daß es uns nicht
gelingt, unsere Verteidigung in Ordnung zu halten, dann setzen wir eben diese
soziale Struktur und sogar all die anderen Kräfte unserer demokratischen Gesellschaft einem schweren Risiko aus.
Denn genau das ist der ganze Zweck unserer Verteidigung - unserer Abschrekkung - nämlich den Frieden zu erhalten, wie den sozialen Fortschritt und die
persönliche Freiheit zu erhalten und zu sichern, die wir im Westen so oft als
etwas Selbstverständliches vorausgesetzt haben. Man braucht von hier in Kopenhagen nicht sehr weit zu reisen, um den Unterschied zu erkennen. Wie sehnsüchtig
blicken die Polen und die Ostdeutschen nach Westen.
Ich bin überzeugt, daß das Bündnis seine grundlegende Einigkeit bewahren
wird, daß die strategische Verbindung zwischen den Vereinigten Staaten und Europa
in unserem beiderseitigen Interesse gestärkt werden wird, und daß unsere Fähigkeit, vor Konflikt und politischer Nötigung abzuschrecken, aufrechterhalten

- 9 -

�abzuschrecken, aufrechterhalten wird

- Dinge, die uns eine ganze Generation

lang gegen eine sowjetische Taktik des Wechsels von Druck und Freundlichkeit
erfolgreich gelungen sind. Die grundlegende Notwendigkeit für Verteidigung
und Abschreckung bleibt bestehen, und wir werden sie in gemeinsamer Zielsetzung
im Interesse des Friedens für die Menschheit weiterhin aufrechterhalten.

+++++

- 10 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10

10. März 1982

US-KONGRESS VERABSCHIEDET RESOLUTION ZUM AFGHANISTAN-TAG
- Wortlaut -

Washington -(AD)- Der amerikanische Kongreß hat einmütig eine gemeinsame
Resolution beider Häuser verabschiedet, durch die Präsident Reagan ermächtigt
wird, den 21. März 1982 zum Afghanistan-Tag zu proklamieren. An diesem Tag soll
überall in den Vereinigten Staaten des Freiheitskampfes des afghanischen Volkes
gegen die Besatzung seines Landes durch sowjetische Truppen gedacht werden.
Das amerikanische Repräsentantenhaus verabschiedete die Resolution am
4. März mit 395 zu null Stimmen. Bereits einen Tag zuvor hatte der Senat sich
mit 96 zu null Stimmen für die Resolution ausgesprochen, die dem Weißen Haus
zur Unterzeichnung durch Präsident Reagan zugeleitet wurde.
In der Resolution wird darauf hingewiesen, daß Afghanistan mehr als zwei
Jahre nach der sowjetischen Invasion immer noch ein Land sei, das von über
80 000 sowjetischen Soldaten besetzt und terrorisiert wird.
Die gemeinsame Resolution hat folgenden Wortlaut:
Eine gemeinsame

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�Eine gemeinsame Resolution,
die den Präsidenten ermächtigen und ihn auffordern soll, eine Proklamation zu
erlassen, durch die der 21. März 1982 zum Afghanistan-Tag proklamiert wird zu einem Tag, an dem des Kampfes des afghanischen Volkes gegen die Besetzung
seines Landes durch sowjetische Streitkräfte gedacht wird.
In Anbetracht der Tatsache,
daß Afghanistan mehr als zwei Jahre nach der sowjetischen Invasion immer
noch ein Land ist, das von über 80 000 sowjetischen Soldaten besetzt und terrorisiert wird;
daß die

anhaltende sowjetische Besetzung Afghanistans gewaltiges Leid

unter dem afghanischen Volk hervorruft und dieses Volk seines grundlegenden
Rechtes auf nationale Souveränität beraubt;
daß mehr als 2,5 Millionen Menschen - über 15 Prozent der Bevölkerung des
Landes - vor der sowjetischen Besetzung geflohen sind und nun als Flüchtlinge
in Pakistan oder anderen benachbarten Ländern leben;
daß die sowjetische Invasion Afghanistans den Geist und die Absicht der
Erklärung über die Grundsätze der Schlußakte der Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa (KSZE) untergräbt, die von der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken im Jahre 1975 in Helsinki unterzeichnet wurde;
daß die Marionettenregierung Babrak Karmals, von der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken eingesetzt und am Leben erhalten, dem afghanischen Volk
- unter Verletzung der Charta der Vereinten Nationen - das Recht auf Selbstbestimmung verwehrt;
daß der ungebrochene Widerstand der afghanischen Freiheitskämpfer gegen
die sowjetischen Besatzungsstreitkräfte ein Ansporn für die freie Welt ist;
daß die Vollversammlung der Vereinten Nationen am 18. November 1981 eine
Resolution verabschiedet hat, in der der "sofortige Abzug der ausländischen
Truppen aus Afghanistan" gefordert wird;
daß das afghanische Volk den 21. März als Beginn eines neuen Jahres und
als Symbol der Wiedergeburt der Nation begeht;
daß das Europaparlament seine Absicht erklärt hat, den 21. März 1982 als
Afghanistan-Tag zu begehen,
sei daher

�sei daher durch den im Kongreß versammelten Senat und das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten von Amerika beschlossen, daß der Präsident ermächtigt und aufgefordert wird, eine Proklamation zu erlassen, durch die der
21. März 1982 zum Afghanistan-Tag bestimmt und an die Bevölkerung der Vereinigten Staaten appelliert wird, diesen Tag mit angemessenen Feierlichkeiten und
Aktivitäten zu begehen.
+++++

- 3 -

�10

10. März 1982

WEINBERGER: STRATEGISCHE RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN SCHON BALD MÖGLICH
Von unserem Korrespondenten William H. Durham -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar
Weinberger hat erneut unterstrichen, daß Verhandlungen mit der Sowjetunion
über strategische Kernwaffen "innerhalb weniger Monate" möglich seien. Vor
dem Nationalen Presseklub in Washington, wo Weinberger am 8. März 1982 eine
Rede hielt und anschließend Fragen beantwortete, sagte er, die strategischen
Verhandlungen könnten in Kürze beginnen, wenn die Sowjets dazu bereit seien.
Weinberger gab seiner Hoffnung Ausdruck, daß die Verhandlungen zu einer
Zeit und unter Umständen beginnen würden, die von einer deutlichen Stärke
der Vereinigten Staaten gekennzeichnet seien. Wenn es den Vereinigten Staaten jedoch nicht gelinge, ihre Stärke wiederzugewinnen, so fügte er hinzu,
"wie können wir dann die sowjetischen Führer jemals dazu bewegen, wirklichen
RUstungsverminderungen zuzustimmen?"
In einem solchen Falle, so Weinberger weiter, "wäre alles, worauf wir
hoffen könnten, ein weiteres völlig nutzloses Abkommen wie SALT II, das es den
Sowjets erlaubt, ihre militärische Stärke zu erhöhen, die eine Bedrohung

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�eine Bedrohung darstellt.

Er wolle damit nicht behaupten» daß die Sowjet-

union SALT II verletze, aber die sowjetische Bedrohung der Völker der freien
Welt wachse täglich.
Der Verteidigungsminister wies darauf hin, daß das strategische Modernisierungsprogramm der Reagan-Administration nur etwa 15 Prozent des amerikanischen Verteidigungshaushaltes während der nächsten fünf Jahre ausmache.
Kritiker, die behaupteten, die Vereinigten Staaten bereiteten einen "begrenzten strategischen Atomkrieg" vor, hätten Unrecht.

"Die Tatsache, daß wir

nicht mehr für die strategischen Nuklearstreitkräfte ausgeben, läßt eine sehr
bewußte Politik erkennen", so betonte Weinberger, die "ein kalkuliertes Risiko" enthalte.

"Unsere Politik verkörpert eine maßvolle Wegnahme der Beto-

nung der Nuklearkapazitäten."

Die Administration habe für das Haushaltsjahr

1983 rund 14 Milliarden Dollar für strategische Nuklearprogramme - einschließlich neuer strategischer Bomber und MX-Raketen - angefordert, jedoch 60 Milliarden Dollar für die konventionellen Streitkräfte - einschließlich einer
Stärkung der Flotte.
Auf Fragen bezüglich eines potentiellen Konflikts zwischen Israel und
der PLO im Libanon sagte Weinberger, er hoffe, daß die Friedensmission des
amerikanischen Botschafters Philip Habib weiterhin ungestört verlaufen werde.
"Was wir erleben", so fügte der Verteidigungsminister hinzu, "ist ein recht
gefährlicher Aufbau von Waffen in diesem sehr unsicheren Gebiet, und wenn
das geschieht, dann ist der natürliche Wunsch, die Situation des potentiellen
Konflikts so rasch wie möglich zu entschärfen." Die Verpflichtung gegenüber
Israel sei nach wie vor ungeschmälert und werde auch ungeschmälert bleiben.
Allerdings, so führte Weinberger weiter aus, sei es für die Vereinigten Staaten und Israel wichtig, "eine Reihe weiterer guter Freunde" in dieser Region
zu haben.
Bezüglich etwaiger Waffenlieferungen an Jordanien sagte Weinberger,
diese Frage werde von einer gemeinsamen Militärkommission, möglicherweise
Anfang April, geprüft.
Zu den

�Zu den Entwicklungen in Mittelamerika, besonders in El Salvador, erklärte der Verteidigungsminister, die Reagan-Administration sei der Überzeugung, daß es für die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten in der
Karibik und hinsichtlich der Verteidigung der kontinentalen USA äußerst schädlich sei, wenn die Kommunisten neben Kuba einen weiteren Stützpunkt auf dem
amerikanischen Kontinent gewinnen könnten. Dies würde nach seiner Auffassung
wesentliche Veränderungen in der Dislozierung der amerikanischen Streitkräfte
notwendig machen und die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, ihren Verpflichtungen in anderen Teilen der Welt nachzukommen, schmälern.

Das Programm Prä-

sident Reagans für das Karibische Becken bezeichnete Weinberger als "eines
der besten Mittel", um revolutionäre Bewegungen daran zu hindern, an Stärke
zu gewinnen.

Es handle sich hier um ein "erregendes" Programm zur Belebung

der Wirtschaft der Länder dieser Region, das den jeweiligen Regierungen die
Möglichkeit geben werde, "dem eigenen Volk zu helfen."

+ + + + +

- 3-

�10

10. März 1982

SOWJETS DISLOZIEREN MEHR SS-20 ALS ERWARTET
- Von unserem Sonderkorrespondenten William H. Durham -

WASHINGTON - (AD) - General Bernard Rogers, Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte Europa, erklärte in einer Anhörung vor dem Streitkräfteunterausschuß des amerikanischen Senats am 28. Februar 1982, daß die Sowjets
- ganz im Gegensatz zu Berichten in den Medien - die Dislozierung ihrer SS-20Raketen in Osteuropa nicht eingestellt haben, sondern neue Startanlagen bauen.
Dabei werden die von der NATO geschätzten Zahlen sogar noch 'übertroffen, nachdem allein während des vergangenen Jahres mehr als 70 SS-20-Raketen disloziert wurden.
Diese 70 neuen Raketen, so Rogers, entsprechen 210 neuen Gefechtsköpfen
und geben dem Warschauer Pakt ein Übergewicht von 3 : 1 gegenüber der NATO.
Zudem werden auch noch

Startanlagen für die SS-21- und SS-22-Raketen ange-

legt und die SS-23-Rakete zur Dislozierung vorbereitet.

Darüber hinaus haben

die Sowjets im Jahr 1981 mehr als 25 Backfire-Bomber gebaut.
Angesichts dieser Aufrüstung steht, wie Rogers erklärte, die NATO auch
weiterhin fest zu ihrem Beschluß, landgestützte Marschflugkörper und PERSHING
II-Raketen zu dislozieren, während gleichzeitig die amerikanisch-sowjetischen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen in Genf über alle Nuklearen Mittel Streckensysteme (INF) unterstützt werden.

Rogers:

Der Terminplan der NATO

zur Modernisierung ihrer INF-Systeme "wird weiter eingehalten".
Er informierte darüber, daß im Februar 1981 in Großbritannien mit dem
Bau der Bodenanlagen für landgestützte Marschflugkörper begonnen wurde, die
dort ab September 1983 disloziert werden sollen. Auch die Bundesrepublik
I
Deutschland ist, Rogers Ausführungen zufolge, noch immer bereit, PERSHING
II-Raketen zu übernehmen, sobald Großbritannien die Marschflugkörper disloziert.

Italien wiederum "steht fest zur Dislozierungsentscheidung der NATO

und wird diese Dislozierung der bodengestützten Marschflugkörper auf seinem
Boden akzeptieren."

In Belgien gab es bei der Entscheidung über die Annahme

dieser Waffen eine Verzögerung:

Dort soll sie von den Ergebnissen der Ver-

handlungen in Genf abhängig gemacht werden.

Belgien wird, wie Rogers erläuter-

te, die Ergebnisse dieser Verhandlungen alle sechs Monate überprüfen.

Die

Niederlande haben eine Entscheidung darüber vertagt.
Der NATO-Oberbefehlshaber erklärte, die schwierigste Frage bei den INFVerhandlungen in Genf sei das Problem der Verifizierung, besonders bei den
mobilen SS-20-Raketen. In Beantwortung von Fragen brachte Rogers seine Überzeugung zum Ausdruck, daß der Warschauer Pakt im Fall eines Angriffs diesen
wahrscheinlich mit konventionellen Streitkräften durchführen würde. Dabei
wäre die NATO wegen unzureichender konventioneller Streitkräfte gezwungen,
entweder nukleare Gefechtsfeldwaffen einzusetzen oder aber zu kapitulieren.
Dabei würde der Rückgriff auf nukleare Gefechtsfeldwaffen unvermeidlicherweise
auch zum Einsatz von strategischen Kernwaffen führen.
Aus diesen Gründen, so die Folgerung von Rogers, dringe er darauf, daß
die NATO-Mitglieder fest zu ihrer Verpflichtung einer Stärkung der konventionellen Streitkräfte innerhalb des Zeitraums von 1983-1988 stünden. Dies werde
auf dem Verteidigungsministertreffen der NATO im Mai besprochen werden.
Hinsichtlich der Bedrohung durch den Einsatz chemischer Kampfstoffe
durch die Sowjets sagte Rogers, es sei sowjetische Doktrin, im Kriegsfall
- 2 -

�im Kriegsfall "chemische Waffen in großem Umfang einzusetzen".

Die sowjetischen

Streitkräfte "haben umfangreiche Offensiv- und Defensivkapazitäten.

Sie üben

bisweilen mit echten Kampfstoffen und Schutzanzügen".
Die Kapazitäten der Vereinigten Staaten zur chemischen Kriegsführung
seien nahezu veraltet und unzureichend, um vor einem sowjetischen Einsatz solcher Waffen abzuschrecken.

Daher habe Präsident Reagan kürzlich entschieden,

mit der Modernisierung der amerikanischen Kapazitäten zu beginnen.

Das Haupt-

ziel der Vereinigten Staaten sei es bei den chemischen Waffen jedoch, sie alle
von der Erde zu verbannen.
Auf Fragen nach der Friedensbewegung in Westeuropa stellte Rogers fest,
es handle sich dabei um drei Bereiche der Öffentlichkeit: Zum einen aus
Leuten, die "von der Sowjetunion zur Täuschung benutzt werden".

Dies seien

die "Frontorganisationen", die darauf hinwirken sollen, daß die sowjetischen
Ziele erreicht werden.
er nicht geben.

Eine Schätzung der Vertreter dieser Kategorie könne

Der zweite Teil besteht aus "Aktivisten", die nach etwas

suchen, was sie unterstützen können".
sich am meisten sorgen müsse:

Der dritte Teil sei der, um den man

Dies seien junge Menschen, "die den Krieg nie

erlebt haben" sowie "eine beträchtliche Gruppe Erwachsener", die sich wegen
eines zukünftigen Krieges Sorge machen.
Dieser dritte Teil, so Rogers, glaube daran, daß Pazifismus, Neutralismus
oder Unilateralismus die Lösung seien, wie ein Krieg vermieden werden könne.
Er würde nicht die Notwendigkeit einer starken Verteidigung zur Abschreckung
vor einem Krieg einsehen. "Die Botschaft, die wir diesem dritten Bereich vermitteln müssen, besteht darin, daß man von einer Position der Stärke aus verhandeln muß."

+ + + + +

- 3 -

�Hintergrund
matcriol
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. März 1982

10

POLEN UND EL SALVADOR: EIN VERGLEICH
- Von unserer Korrespondent in Di an McDonald -

WASHINGTON - (AD) - Journalisten und andere Analytiker des politischen
Geschehens haben in den letzten Wochen auf der Suche nach neuen Erkenntnissen
über die gestörte Lage in Polen und El Salvador die Ereignisse in beiden Ländern verglichen.
In welcher Hinsicht entsprechen die Situationen einander?

In einer Hin-

sicht erinnert El Salvador "etwas an Polen", wie Elliott Abrams, Unterstaatssekretär für Menschenrechte und humanitäre Fragen im amerikanischen Außenministerium,kürzlich in einem Interview sagte:
sowjetische Intervention vor.

"In beiden Fällen liegt eine

Es gibt eine sowjetische Rolle bei der Bekämp-

fung der Demokratie in Polen, und es gibt eine sowjetische Rolle bei der Bekämpfung der Demokratie in El Salvador, wo ihre direkte und indirekte militärische Unterstützung darauf hinausläuft, die Wahlen (v. 28. März) zu unterbinden und einen Sieg der Guerilla gegen die Regierung und die offensichtlichen
Wünsche der Bevölkerung von El Salvador zu erringen."
Dann aber ging Abrams auf die Unterschiede zwischen El Salvador und Polen
ein:

Die Schritte der salvadorianischen Regierung "bestehen in einem Programm

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Telex: 08-85432

�einem Programm der sozialen und wirtschaftlichen Reform und dem Bemühen, die
Demokratie zu etablieren und zu institutionalisieren".

In Polen hingegen sei

ein Militärregime auf Geheiß Moskaus eingeschritten, "um der Demokratie Einhalt zu gebieten, und der Liberalisierung Einhalt zu gebieten - und das Regime
hat keinen Zweifel daran gelassen, daß es nicht zur Demokratie zurückkehren
wird".
So ist die Lage in El Salvador nach Abrams von jener in Polen grundverschieden - und ein Blick auf die historischen Tatsachen stützt diese Sicht.
Die polnische Regierung stand weder vor terroristischen Drohungen, noch
vor einem Guerilla- oder einem Bürgerkrieg, noch vor anderer Gewalt, als sie
am 13. Dezember 1981 das Kriegsrecht verhängte.

Der militärische Schlag folg-

te intensivem Druck aus Moskau, den von der polnischen Gewerkschaftsbewegung
Solidarität im August 1980 in Gang gesetzten Reformprozeß aufzuhalten.
Das polnische Reformbestreben setzte zum erstenmal ein Zeichen dafür,
daß die Unzufriedenheit der Arbeiter in einem kommunistischen System sowjetischer Machart bei der Erlangung eines gewissen Maßes an Freiheit erfolgreich
war. Diese Revolution wurde auf Betreiben der Sowjets niedergeschlagen, und
noch heute gewährt Moskau einem Kriegsrecht Unterstützung, das auferlegt wurde,
um einen sich entfaltenden Prozeß der Demokratisierung zum Halten zu bringen
und zu zerstören.
*

In El Salvador ist die Lage ganz anders.
Die salvadorianische Regierung fördert die Entwicklung eines politischen
Entwicklungsprozesses in den breiten Massen und hat offene und ehrliche Wahlen
für eine verfassungsgebende Versammlung im März gefordert.
Acht politische Parteien haben sich registrieren lassen, um an diesen
Wahlen teilzunehmen, die vom Rat der Bischöfe der Katholischen Kirche und von
den wichtigsten Arbeiter- und Landarbeiterorganisationen in El Salvador unterstützt werden. Auf einem Treffen der Außenminister der Organisation der

�Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) unterstützten die Länder der
westlichen Hemisphäre die salvadorianischen Wahlen mit 22 zu 3 Stimmen.
Die Regierung El Salvadors hat Beobachter dieser Hemisphäre, aus Westeuropa und andernorts eingeladen, um den Wahl kämpf und die Wahlen selbst zu
beobachten und um deren Offenheit und Ehrlichkeit festzustellen.
Nur die Linksguerilla in El Salvador, unterstützt von der Sowjetunion
und deren Verbündeten, stellen sich gegen diesen sich innerhalb der Massen
entfaltenden politischen Prozeß.
In dieser Hinsicht paßt die Haltung der Sowjetunion in Polen zu jener in
El Salvador. Ihre öffentlichen Erklärungen, die sich gegen den Prozeß in El
Salvador stellen, stehen in Einklang mit ihrer Opposition zu dem breiten politischen Prozeß, der sich in Polen zu entwickeln begann.
Weder die Vereinigten Staaten noch deren Verbündete haben Waffen nach
Polen geschmuggelt.

Aber Verbündete der Sowjetunion haben große Mengen Waf-

fen nach El Salvador geschmuggelt - und tun dies auch jetzt noch.
Im Gegensatz zur Sowjetunion, die auch weiterhin die Unterdrückung des
polnischen Volkes unterstützt, hat keine westliche Regierung sich in die nationale Souveränität von El Salvador eingemischt. Die legitime salvadorianische Regierung hat um amerikanische Hilfe ersucht, und die amerikanische
Politik zielt darauf, El Salvador dabei zu helfen, ein größeres Maß an Demokratie und gleichzeitig an Frieden und sozialer Reform zu erlangen. Im Jahr
1980 stellten die Vereinigten Staaten fast 56 Millionen Dollar an Hilfe für
El Salvador zur Verfügung - mit dem Ziel, die Bedingungen zu verbessern, die
der Unruhe und dem Extremismus zugrundeliegen. Diese Hilfe hat dazu beigetragen, Arbeitsplätze zu schaffen, die Hungernden zu ernähren, den Wohnungsbau, die Ausbildung und die Gesundheitsfürsorge zu verbessern und die Reformen
zu unterstützen, die die Wirtschaft von El Salvador öffnen und modernisieren.
Am 16. Januar

�Am 16. Januar 1981 nahm die Regierung Carter in Reaktion auf die von
den Kommunisten mit Waffen versorgte Guerillaoffensive zum erstenmal nach
drei Jahren die Waffenverkäufe nach El Salvador wieder auf.
Die Reagan-Administration genehmigte in der Folge weitere Militariieferungen und -dienstleistungen im Umfang von insgesamt 35 Millionen Dollar und erhöhtedie Wirtschaftshilfe auf mehr als 100 Millionen Dollar.

El Salvador

wird vielleicht beträchtliche weitere amerikanische Hilfe im Zusammenhang
mit Präsident Reagans Initiative für das Karibische Becken erhalten, die
dieser am 24. Februar bekanntgab.
Mitte 1981 befanden sich 55 amerikanische Militärberater in El Salvador
mit dem Befehl, nichts zu tun, was seiner Natur nach eine Kampfhandlung sein
könnte, und nichts, was bei der Ausbildung zu einer Verwicklung in Kampfhandlungen führen könnte. Anfang März 1982 befanden sich 49 amerikanische Berater und Techniker in El Salvador.

Die Sowjetunion hat in Polen 100 000 Sol-

daten stationiert.
Das Verhältnis der Katholischen Kirche zur salvadorianischen bzw. zur
polnischen Regierung ist ein weiterer Bereich, in dem sich die Lage in beiden Ländern unterscheidet.
In El Salvador wird das Recht der Kirche zur Teilnahme an der Debatte
über die Zukunft der Nation anerkannt, und ihre Ansichten und ihre Kritik
werden respektiert.
Die Kirche hat die Bevölkerung gedrängt, an den bevorstehenden Wahlen
teilzunehmen, und hat die Anstrengungen der Linken verurteilt, die Wahlen
zu stören.
In einer Erklärung vom 17. Februar legte die Bischofskonferenz von El
Salvador die Unterstützung der Kirche für die Wahlen dar und bestätigte, daß
der zunehmende Guerillaterrorismus darauf abzielt, den Wahlvorgang zu behindern.
"Wir sind
- 4 -

�"Wir sind der Überzeugung, daß die Wahlen trotz der unnormalen

Bedin-

gungen der friedliche Weg für die Mehrheit des Volkes sind, die Nein! zur
Gewalt gesagt hat und die dadurch die Gelegenheit hat, ihren Willen zum Ausdruck zu bringen.

Dies könnte der Beginn einer Lösung des bewaffneten Kon-

fliktes sein," heißt es in der Erklärung.
In Polen wurde die Katholische Kirche durch das das Kriegsrecht verhängende Regime angegriffen. Eine Attacke aus jüngster Zeit über Radio Warschau
beschuldigte die katholischen Priester, "alte Quellen des Konfliktes" wiederzubeleben.
Das Regime hat polnische Priester wegen "verräterischer" Tätigkeiten
kritisiert, weil jene die Führung der Gewerkschaft Solidarität gelobt und die
Gläubigen dazu gedrängt hatten, sich der Beseitigung der Kreuze an öffentlichen Plätzen zu widersetzen.
Die salvadorianische Regierung unterstützt die Unabhängigkeit der Arbeiterorganisationen. In Polen wurde das Kriegsrecht verhängt, um die Unabhängigkeit der Arbeiterbewegung zu zerstören.
Die nationale Arbeiter- und Landarbeitervereinigung von El Salvador, die
Unidad Populär Democratica (UPD), unterstützt den Wahlprozeß und hat die
meisten der regionalen und internationalen demokratischen Gewerkschaftsorganisationen dazu eingeladen, Wahlbeobachter zu den Wahlen am 28. März zu
schicken.
In einer Presseerklärung am 20. Februar bekräftigte ein Sprecher der
UPD diese uneingeschränkte Unterstützung der Wahlen, weil "sie der Beginn der
Lösung der unnatürlichen Situation" in El Salvador sein könnten.
Elliott Abrams stellte fest, daß die Regierung El Salvadors in schwierigster Lage daran arbeite - und in gewisser Hinsicht dabei auch Fortschritte
mache - Respekt für die Menschenrechte zu erzielen.
+ + + + +
- 5 -

�10

10. März 1982

AMERIKANISCHE

AUSLANDSHILFE FÖRDERT FRIEDEN UND SICHERHEIT

- Von USICA-Korrespondent Dian McDonald -

Washington -(AD)- Außenminister Alexander Haig erklärte am 4. März 1982
vor dem Kongreß, daß die von der Reagan-Administration für das Haushaltsjahr
1983 angeforderten Mittel für die Auslandshilfe den "zwingenden Notwendigkeiten
bei der nationalen Sicherheit, der Außen- und Wirtschaftspolitik dienen".
In einer Anhörung vor einem Bewilligungsunterausschuß des Repräsentantenhauses sagte Haig, daß "eine erstklassige amerikanische Außenpolitik ganz einfach nicht mit zweitklassigen Mitteln betrieben werden kann".
Haig warnte davor, daß eine NichtZuteilung des Geldes "politische Konsequenzen in der Entwicklungswelt haben und einen fruchtbaren Boden für sowjetischen Expansionismus darstellen würde".
In seiner vorbereiteten Erklärung stellte Haig fest, daß die Anforderungen des Präsidenten für das Jahr 1983 einen Zuwachs von 1,4 Milliarden Dollar
ausmachen. "Ich erkenne die Tatsache an, daß die Zusage der Auslandshilfe in
diesen ernsten Zeiten schwierig sein wird, aber wir werden später einen noch
größeren Preis zahlen müssen, wenn wir jetzt nicht handeln. Die grundlegendsten
Interessen Amerikas stehen unter Angriff."
Haig fügte

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�Hang fügte hinzu, Präsident Reagan sei "der festen Überzeugung, daß die
von ihm angeforderten Mittel für die Verteidigung dieser Interessen entscheidend
sind und für die Förderung einer friedlicheren und sichereren Welt. Die
Sicherheit unserer Nation morgen erfordert, daß wir heute in die Auslandshilfe
investieren."
Haig erläuterte, daß El Salvador der "größte Einzelempfänger sowohl von
Sicherheits- als auch von Wirtschaftshilfe" unter den Staaten des Karibischen
Raums sei, und verwies darauf, daß die Beträge für Sicherheitshilfe im Karibischen Becken "bescheiden sind und nur etwas über 100 Millionen Dollar aus
der Gesamthilfeanforderung von 675 Millionen Dollar" für die gesamte Region
ausmachen.
Im Verlauf der anschließenden Befragung wurde Haig um eine Erläuterung
dafür gebeten, wie die Administration einen so beträchtlichen Zuwachs der
Auslandshilfe rechtfertigen könne - zu einer Zeit, da sich die amerikanische
Wirtschaft an einem solchen Tiefpunkt befinde.
Der amerikanische Außenminister wies darauf hin, daß andere Industriestaaten die sich verschlechternden Wirtschaftsbedingungen noch weit stärker
fühlten, "die Entwicklungswelt jedoch am meisten leidet". Die Amerikaner müßten
erkennen, daß "Not und Mangel in der Entwicklungswelt politische Folgen haben
wird".
Haig sagte auf eine weitere Frage, er sehe in den amerikanischen Verteidigungserfordernissen und in dem Auslands- und Sicherheitshilfeprogramm ein "Doppel paket, um lebenswichtigen amerikanischen Interessen gerecht zu werden".
"Die sowjetische Führung ist nie von unseren Worten beeindruckt ..., eher
schon von unseren Taten", erklärte Haig. Eine Investition in die Verteidigung
heute, so führte der amerikanische Außenminister aus, sei eine Garantie für
Erfolg und schließliche Verringerung in der Zukunft.
Was die Beziehungen der Vereinigten Staaten zu Nicaragua anbetrifft, so
unterstrich Haig, daß die USA der nicaraguanischen Regierung deutlich zu verstehen gegeben habe, daß sie "mehr als bereit sind, die Beziehungen zu normalisieren". Die Regierung von Nicaragua beharre jedoch darauf, dieiRevolutionen

�die Revolutionen in den benachbarten Staaten, vor allem in El Salvador, zu
unterstützen. In diesem Zusammenhang teilte Haig mit, daß sowjetische Panzer
in Nicaragua eingeführt, nicaraguanische Piloten in Osteuropa ausgebildet
worden und über 2 000 kubanische und 70 sowjetische Militärberater in Nicaragua
seien.
Der Geheimdienstausschuß, so der amerikanische Außenminister weiter, habe
Informationen vorgelegt bekommen, die das ganze nicaraguanische und kubanische
Engagement in El Salvador zeigten. "Diese Beweise sind unwiderleglich", so betonte Haig.
Der amerikanische Außenminister beschuldigte weiter die Regierung von
Nicaragua, Dörfer der Miskito-Indianer in der Nähe der Grenze zu Honduras zerstört und Bewohner getötet zu haben.
Zur Lage in El Salvador erklärte Haig, daß es noch zu früh sei, etwas über
den Ausgang der Wahlen zu sagen. Es wäre jedoch eine "große Tragödie", wenn
diese Wahlen verschoben werden sollten, denn sie seien Ausdruck des Willens
des salvadorianischen Volkes, den demokratischen Prozeß zu unterstützen.
Präsident Duarte bemühe sich um einen Reformkurs, und die Wahlen seien ein
Prozeß, der trotz der Drohung und Gewalt von außen stattfinde. Haig wies in
diesem Zusammenhang darauf hin, daß Duarte für Verhandlungen mit der Führung
der Guerilla sei, daß sich solche Verhandlungen nach Meinung Duartes jedoch
auf die Selbstbestimmung des Volkes und nicht auf die Aufspaltung der Macht
konzentrieren müßten.
Bezüglich der Entwicklungen im Nahen Osten erinnerte Haig daran, daß sich
der. Prozeß von Camp David bei der Amtsübernahme der Reagan-Administration bereits "hingezogen" habe und Meinungsverschiedenheiten bezüglich der SinaiVerhandlungen und der Autonomie-Verhandlungen aufgetreten seien. Trotz all der
in der Zwischenzeit eingetretenen Ereignisse habe die Waffenruhe jedoch gehalten, und der Camp-David-Prozeß gehe weiter. Der ägyptische Präsident Hosni
Mubarak habe ihm, Haig, versichert, daß er an Camp David und dem israelischägyptischen Friedensvertrag festhalten werde.
Auf Fragen

- 3 -

�Auf Fragen nach der Entscheidung der Administration, Beschränkungen für
Lieferungen von Gerät und Material an Südafrika aufzuheben, betonte Haig, daß
die Reagan-Administration die Apartheid-Politik nachdrücklich ablehne, aber
man versuche, mit der Regierung von Südafrika einen anderen Weg einzuschlagen.
Immerhin seien schon Fortschritte erzielt worden, vor allem bezüglich der Zusammenarbeit der südafrikanischen Regierung hinsichtlich der Unabhängigkeit
Namibias.

�10

10. März 1982

USA ÜBER MILITÄRISCHE ROSTUNG IN NICARAGUA BESORGT
- Von unserem Sonderkorrespondenten -

WASHINGTON - (AD) - Der Stellvertretende Direktor des Zentralamtes für
Sicherheit und Abwehr (CIA), Admiral Bobby Inman, hat sich besorgt über die
militärische Rüstung in Nicaragua geäußert. Vor der Presse wies der Admiral
am 9. Närz 1982 darauf hin, daß die Aufrüstung in Nicaragua die Erfordernisse
für die Verteidigung der eigenen Grenzen weit übersteige.

Diese Streitkräfte

könnten gegen die Nachbarn des Landes in Mittelamerika eingesetzt werden.
Die Aufrüstung zielt nach den Worten Inmans darauf ab, eine nicaraguanische Streitmacht aufzubauen, die größer ist als die sämtlicher Nachbarn zusammengenommen.

In Nicaragua befänden sich mindestens 50, wahrscheinlich je-

doch 70 sowjetische Offiziere als Berater in Organisation und Taktik für die
Militärs in Nicaragua.

Die Kubaner sorgten für die Ausbildung, während die

Sowjets die notwendigen Mittel und das Gerät stellten.
Inman und John Hughes, der Stellvertretende Direktor des militärischen
Nachrichtendienstes der Vereinigten Staaten (DIA), zeigten der Presse Fotos
von militärischen Einrichtungen in Nicaragua, die von Aufklärungsflugzeugen

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�von Aufklärungsflugzeugen aufgenommen wurden.

Diese Aufnahmen wurden haupt-

sächlich von Hughes ausgewertet, der auch die sowjetischen Raketen auf Kuba
während der Kuba-Krise im Jahr 1962 entdeckte.
Hughes teilte mit, daß die Fotos von Nicaragua 49 aktive Garnisonen erkennen ließen, d.h. 36 mehr als von General Somoza gebaut wurden, der von den
Sandinisten gestürzt wurde. Weiter würden vier Flugplätze ausgebaut, offensichtlich um sie für die sowjetischen MIG-21 benutzbar zu machen, die in diesem Jahr erwartet werden.
All

diese neuen und verbesserten Einrichtungen, so führte Hughes aus,

seien nach kubanischen und sowjetischen Plänen aufgebaut. Jeder Kasernenkomplex
verfüge über eine Hindernisbahn nach sowjetischem Muster, und es seien fast
überall sowjetische Panzer, Haubitzen, Hubschrauber und Mannschaftspanzer vorhanden.
Gegenwärtig befinden sich nach Auskunft von Hughes 6050 Kubaner in
Nicaragua, darunter rund 2000 Militärberater. Bei den anderen handle es sich
um Bauarbeiter, Sanitätspersonal, Regierungsberater und Lehrer.
Nicaragua baut seine regulären Streitkräfte auf 25 000 bis 30 000 Mann
aus; dazu kommen 100 000 bis 150 000 Mann Miliz. Zur Zeit Somozas hatte die
Armee eine Stärke von 14 000 Mann. Bis Ende Frühjahr ist nach den Ausführungen
von Admiral Inman damit zu rechnen, daß die nicaraguanischen Streitkräfte über
50 bis 75 sowjetische Panzer verfügen werden.
Hughes zeigte ferner Aufnahmen von 16 Indianerdörfern am Coco-Fluß nahe
der Grenze zu Honduras, die von nicaraguanischen Regierungsstreitkräften zerstört wurden, wobei Tausende von Indianern umkamen oder umgesiedelt wurden.
Dies geschah möglicherweise, um ein Aufmarschgebiet gegen Nachbarländer zu
schaffen.

+ + + + +

�Uli//cn/ch(ifl
und Technik
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Embassy of the United States of America

10

10. März 1982

GRUNDWASSER IN GEFAHR
- US-Wissenschaftler warnt vor giftigen Chemikalien
Von G. Weiss

(AD) - Ein Viertel des Trinkwassers in den Vereinigten Staaten ist durch
Verseuchung mit Chemikalien gefährdet. Dies ist der Anteil, der unterirdischen
Wasser-Reservoiren für die laufende Versorgung entnommen wird. Bis vor kurzem
hatte man als selbstverständlich angenommen, daß dieses Wasser "sicher", d.h.
von Schadstoffen frei sei. Wie jedoch Professor Perry L. McCarty, der Leiter
des Departments für Städte- und Tiefbau der Stanford-Universität, Anfang Februar
1982 in einem Pressegespräch erklärte, haben in weiten Teilen der USA durchgeführte Untersuchungen gezeigt, daß toxische Chemikalien ins Grundwasser eingedrungen sind. "Wir haben gewaltige Anstrengungen unternommen", so McCarty, "um
unsere Wasserläufe sauberer zu bekommen. Nun müssen wir plötzlich feststellen,
daß Grundwasser, das wir für sicher hielten, wegen der wachsenden Gefährdung
durch Industriechemikalien dringend unsere

Aufmerksamkeit erfordert." Industrie-

staaten müßten das Problem jetzt in Angriff nehmen, wenn die Versorgung mit Trinkwasser für die Zukunft gesichert werden soll.
Deponien für

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�Deponien für Müll und Sondermüll, aus Tanks abgepumpte Schlämme, Sammelund Klärbecken für Flüssigabfälle sowie Chemikalien, die bei Unfällen und durch
Unachtsamkeit in den Boden gelangen, bilden nach den Ermittlungen McCartys und
seiner Mitarbeiter die Hauptquellen der Grundwasserverschmutzung. In 35 amerikanischen Bundesstaaten habe man bereits verunreinigtes Grundwasser festgestellt - im Staat Massachusetts allein an 44 Stellen in Gebieten, die Wasser
für die öffentliche Versorgung liefern. Im Bundesstaat Connecticut wurden 16,
im Staat New York 12 und in weiteren 20 Bundesstaaten vereinzelt ähnliche Fälle
festgestellt.
Ursache der Grundwasserverschmutzung seien, wie Prof. McCarty ausführte,
synthetische Industriechemikalien in Konzentrationen, die möglicherweise als
gesundheitsschädlich angesehen werden müßten. Am häufigsten wurden bisher TCE
(Trichloräthylen) und DBCP (Di-Bromchlorpropan) gefunden - Verbindungen, die
als Wasserbelastung noch relativ neu sind. Untersuchungen mit den modernen,
sehr empfindlichen Meß- und Analyseinstrumenten helfen, sie zu identifizieren.
Standardwerte für höchstzulässige, als ungefährlich zu betrachtende Konzentrationen gebe es noch nicht. Solange diese nicht existierten, sei es jedoch
riskant, derart belastetes Grundwasser zur Verwendung als Trinkwasser für unbedenklich zu erklären. Trinkwasser aus der Wasserleitung sei demgegenüber als
sicher zu betrachten, weil die Wasserwerke gründliche Kontrollmethoden anwenden. Im übrigen machen die Grundwasservorkommen, die bisher als verunreinigt
ermittelt wurden, einen geringen Anteil der unterirdischen Reservoire aus.
Allerdings stellte sich beispielsweise in New Jersy, vor allem aber in
Kalifornien, wo Versalzung und zu hohe Wasserentnahmen für landwirtschaftliche
Zwecke große Probleme schaffen, die Verunreinigung bereits als ziemlich umfangreich heraus. McCarty plädiert deshalb für äußerst sorgfältige Aufbereitung
und weitergehende Wiederverwendung kommunaler Abwässer, als es zur Zeit üblich
ist. Gegenwärtig laufende Studien in Kalifornien und Arizona sollen die Frage
klären helfen, ob-bzw. inwieweit aufbereitete, unterirdisch gespeicherte Abwässer, denen nicht alle Belastungsstoffe entzogen sind, zur Grundwasserverschmutzung beitragen.
Vom Ausmaß
- 2 -

�Vom Ausmaß her ergeben sich natürlich aus der Verschmutzung der Oberflächengewässer nach wie vor die größten Probleme. Weitaus gefährlicher ist jedoch nach
Ansicht Prof. McCartys die Grundwasserverseuchung, weil dabei in wissenschaftlicher Sicht einfach zu viele Unbekannte im Spiel seien. Flüsse z.B. sind, sobald eine Verschmutzungsquelle gefunden ist, relativ schnell zu entgiften. "Ist
aber Grundwasser erst einmal verseucht, stehen wir den damit verbundenen Problemen noch recht hilflos gegenüber." Die unterirdischen Schichten, die Sickerwasser aus Niederschlägen und Binnengewässern leiten und sammeln, sind häufig
von komplexer Struktur und ganz unterschiedlicher Ausdehnung. Eine "Etage" in
einer Reihe von "Stockwerken" kann verseucht sein, während die übrigen - noch sauber sind. Eine umfassende Kontrolle der Entnahmespeicher für Trinkwasser zur
kommunalen Versorgung, noch mehr von Brunnen auf dem Lande (jährlich werden
Hunderttausende zur Individualversorgung neu angelegt) wäre ein unendlich
schwieriges und kostspieliges Unterfangen.
Im Hinblick auf die neuartigen Belastungsstoffe im Grundwasser ist der Geschmack des Wassers McCarty zufolge kein brauchbarer Indikator. Man sei erst in
jüngster Zeit auf eine ganze Gruppe von Chemikalien aufmerksam geworden, die gewöhnlich als Lösungsmittel benutzt werden und sich gut mit Wasser mischen. Im
Gegensatz zu DDT oder PCB (Polychloridbiphenole) werden sie nicht in der Nahrungskette angereichert. Aber sie dringen in unterirdische wasserführende
Schichten vor. (Die frührere Annahme, toxische Chemikalien würden nach dem
Einsickern in den Boden durch Filtration, Adsorption oder biologische Zersetzung
beseitigt, habe sich als falsch erwiesen.)
Als typisches Beispiel nannte Prof. McCarty den Fall von Jackson Township
in New Jersey, wo eine kommunale Mülldeponie zur Aufnahme von Abwasser- und
Tankschlämmen, aber auch von Industriechemikalien benutzt wurde. Etwa 100 Trinkwasserbrunnen in der Umgebung der Deponie mußten geschlossen werden. Grund: Das
Wasser war mit Chloroform, Methylenchlorid, Trichloräthylen, Äthylbenzol, Azeton
und anderen synthetischen Chemikalien verseucht. "Die Konzentrationen waren sogar höher als jene, die allgemein in unbehandelten städtischen Abwässern angetroffen werden", sagte McCarty.
Noch gebe
- 3 -

�Noch gebe es keine Beweise dafür, daß diese Stoffe Krebs oder andere Krankheiten verursachen. Es könne 10 bis 15 Jahre erfordern, um herauszufinden, ob
einige der sogenannten stabilen Kohlenwasserstoffe (molekulare Verbindungen),
die mancherorts im Grundwasser entdeckt wurden, die menschliche Gesundheit gefährden. Jedoch stelle die Flut immer neuer Chemikalien und die ständige Zunahme von deren Anwendung den Umweltschutz vor große Probleme. "Selbst das Chlor",
so Prof. McCarty, "das wir dem Trinkwasser zusetzen, um es sicherer zu machen,
reagiert häufig auf natürliche Weise mit gewissen Chemikalien im Wasser und bildet neue Verbindungen. Sie können gefährlich sein - im gegenwärtigen Stadium
wissen wir über all diese Dinge einfach viel zu wenig."
Die Probleme der Wasserverseuchung seien von jenen der Luftverschmutzung
nicht zu trennen, erklärte Prof. McCarty. Insbesondere sollten die Auswirkungen
des sogenannten sauren Regens als Folge hoher Konzentrationen von Stickstoffund Schwefeloxiden in der Luft im Hinblick auf mögliche Reaktionen mit anderen
chemischen Belastungsstoffen im Boden untersucht werden. Aber auch die Verfahren
zur Beseitigung von Sondermüll und die Auswirkungen solcher Stoffe auf Umwelt
und Grundwasser erforderten eingehende Beobachtung. All dies sollte nicht nur
der Öffentlichkeit klar gemacht werden und sich in der Forschung und in behördlichen Maßnahmen niederschlagen. Vielmehr handle es sich auch um Probleme,
die gemeinsame Anstrengungen von Naturwissenschaftlern, Ingenieurwissenschaftlern
und Sozialwissenschaftlern erfordern, um brauchbare Lösungen zu finden und massiven Gefahren vorzubauen. Werde diese Vorsorge versäumt, seien die Kosten für
künftige Korrekturen unabsehbar.
Perry L. McCarty befaßt sich seit fast 25 Jahren mit Fragen und Problemen
des Angebots und Bedarfs an Wasser für Landwirtschaft, Bevölkerung und Industrie.
Vor 20 Jahren ging er vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston
an die Stanford-Universität. Die von ihm in der Zwischenzeit aufgebauten Programme für Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Umwelttechnik sind heute
richtungsweisend in den Vereinigten Staaten.
+++++

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

BERICHTIGUNG

In Amerika Dienst Nr. 8 vom 24. Februar 1982 unter Dokumentation
in dem Artikel: "Weinberger warnt vor Folgen des Technologietransfers in
den Osten" auf Seite 9, zweite Zeile, erstes Wort muß es richtig heißen:
"eine Schwächung irgendwelcher Art..."
Wir bitten, diesen Druckfehler zu entschuldigen.

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�</text>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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              <text>Amerikadienst 10.03.1982</text>
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          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschafter Bennett von Einheit der NATO überzeugt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Ständigen Vertreters der USA im Nordatlantikrat vor der ATA -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Kongress verabschiedet Resolution zum Afghanistan-Tag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weinberger: Strategische Rüstungskontrollverhandlungen schon bald möglich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Sonderkorrespondenten William H. Durham -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjets dislozieren mehr SS-20 als erwartet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Sonderkorrespondenten William H. Durham -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Polen und El Salvador: Ein Vergleich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserer Korrespondentin Dian McDonald -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Auslandshilfe fördert Frieden und Sicherheit&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von USICA-Korrespondentin Dian McDonald -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Grundwasser in Gefahr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Wissenschaftler warnt vor giftigen Chemikalien -&lt;/em&gt;</text>
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