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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. Januar 1982

INHALT

INFORMATION
Weltumspannende Fernsehsendung:

Demonstration globaler Solidarität

mit dem polnischen Volk

DOKUMENTATION
Präsident Reagan proklamiert Tag der Solidarität mit Polen
- Solidarität ein Symbol des Kampfes um Grundrechte -

HINTERGRUNDMATERIAL
Rostow besorgt über sowjetischen Expansionismus
Beweise für den Einsatz von Biotoxin-Waffen durch die Sowjetunion
- Richard Burt vor der Auslandspresse in Washington -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Stereotaktische Strahlentherapie
- Sehr kleine, schwer zugängliche Gehirntumore unter Beschuß -

Um Über/endung von
ßelegexemploren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�27. Januar 1982

WELTUMSPANNENDE FERNSEHSENDUNG:
DEMONSTRATION GLOBALER SOLIDARITÄT MIT DEM POLNISCHEN VOLK

WASHINGTON - (AD) - Eine vom US-Amt für internationale Kommunikation
(USICA) am 31. Januar 1982 per Satellit weltweit ausgestrahlte Fernsehsendung
wird nach den Worten von USICA-Direktor Charles Z. Wick die Unterstützung der
freien Welt für das polnische Volk zum Ausdruck bringen.
Wick erklärte am 20. Januar vor der Presse in Washington, daß sowohl
die britische Premierministerin Margaret Thatcher als auch Bundeskanzler Helmut
Schmidt, die Ministerpräsidenten von Belgien, Portugal und Norwegen sowie der
Außenminister Luxemburgs an der Sendung "Daß Polen Polen werde" teilnehmen und
man dies auch von einer großen Zahl von führenden Persönlichkeiten anderer
Staaten erwartet. Thema der Sendung wird die Proklamation von Präsident Reagan
sein, der den 30. Januar zurrTTag der Solidarität mit dem polnischen Volk" erklärt hat.
Direktor Wick brachte die Hoffnung zum Ausdruck, daß das weltweite Echo
auf dieses Programm zusätzliche Aufmerksamkeit für die Notlage des polnischen
Volkes und "hoffentlich etwas Bewegung in Richtung auf eine Verbesserung seiner
Situation" bringen wird.
Es wird

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Telex: 08-85432

�Es wird

erwartet, daß die Sendung von etwa 300 Millionen Menschen außer-

halb der Vereinigten Staaten gesehen wird und daß weitere 100 Millionen das
Programm durch die "Stimme Amerikas" (VOA) empfangen werden, die es in 40
Sprachen, darunter in Polnisch, ausstrahlt.
Das Leitmotiv der Sendung - menschliche Freiheit - wird durch Auszüge
aus der Weltliteratur, klassische und volkstümliche Musikstücke, Tänze, Objekte der bildenden Künste und dergleichen zum Ausdruck gebracht.

Zu den pro-

minentesten Teilnehmern aus dem Bereich der Künste gehören der Cellist Mstislav
Rostropovich, der Sänger Frank Sinatra sowie die Schauspieler Charlton Heston,
Kirk Douglas und Orson Welles.

Im Verlauf des Programms wird Präsident Reagan

im Weißen Haus eine Erklärung abgeben, die die Unterstützung für das polnische
Volk zum Ausdruck bringt. Auch Howard Baker, der Fraktionsführer der Mehrheit
im Senat,und Thomas "Tip" 0'Neill, der Sprecher des Repräsentantenhauses, werden eine Stellungnahme abgeben.
Das Thema dieses Tages der Solidarität mit dem polnischen Volk entstammt einem Lied des polnischen Dichters Jan Pieczak "Daß Polen Polen werde"
und das in seinem Verlangen nach Freiheit zu einer Hymne der Gewerkschaft
Solidarität und aller Polen geworden ist.
Zur Rolle von USICA bei dieser Fernsehsendung erklärte Wick, daß das
Amt "einfach ein Katalysator für die ganze übrige Welt gewesen ist, wie dies
durch die Teilnahme von führenden Persönlichkeiten des Auslands und Gewerkschaftsdemonstrationen in der ganzen Welt" zur Lage in Polen deutlich geworden sei. Wick fügte hinzu, daß es bei Fragen des Mitleids, der Entrüstung und
der Besorgnis über die Lage in Polen keinerlei Uneinigkeit zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Freunden und Verbündeten auf der ganzen Welt gibt.
Er erwähnte, daß Außenminister Haig die Pläne für diese Sendung mit den europäischen Verbündeten auf der NATO-Sondersitzung in Brüssel be- : ...
sprochen hat. Auf die Frage, welche Reaktion er von den Sowjets auf dieses
Programm erwarte, antwortete Wick, er hoffe,"daß es zu einer Erleichterung der
jetzigen Unterdrückung führt und den Status quo ante wiederherstellt".
+ + + + +

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Dokumentation
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27. Januar 1981

PRÄSIDENT REAGAN PROKLAMIERT TAG DER SOLIDARITÄT MIT POLEN
- Solidarität ein Symbol des Kampfes um Grundrechte

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat den 30. Januar 1982
zum Tag der Solidarität mit dem polnischen Volk proklamiert. In seiner am
20. Januar veröffentlichten Proklamation betont Reagan, daß die freie polnische Gewerkschaft Solidarität "den Kampf wirklicher Arbeiter in einem sogenannten Arbeiterstaat um die Erhaltung grundlegender menschlicher und wirtschaftlicher Rechte symbolisiert". Er verweist darauf, daß die Geschichte
zeige, wie die Stabilität in Europa durch ein unterdrücktes Polen gefährdet
sei.
Die Proklamation hat folgenden Wortlaut:

Proklamation
des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika
Solidarnosc, die Bewegung der freien polnischen Gewerkschaft Solidarität,
wurde nicht nur aus dem Versagen der polnischen Regierung heraus geboren, den
Ansprüchen ihres Volkes gerecht zu werden, sondern zugleich aus einer frei heit-

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�einer freiheitlichen Oberlieferung heraus, die von dem stolzen polnischen
Volk über zwei Jahrhunderte der ausländischen und inländischen Tyrannei hinweg gehegt und gepflegt wurde.
Die Solidarität symbolisiert den Kampf wirklicher Arbeiter in einem sogenannten Arbeiterstaat um die Erhaltung grundlegender menschlicher und wirtschaftlicher Rechte, die sie sich in Danzig im Jahr 1980 zu erkämpfen begonnen hatten - das Recht auf Arbeit und darauf, die Früchte dieser eigenen Arbeit zu ernten, das Recht auf Versammlungsfreiheit, auf Streik und auf Gedankenfreiheit.

Die Solidarität versuchte, die tiefverwurzelten wirtschaft-

lichen Übel Polens anzupacken und zu lösen; sie handelte in gutem Glauben und
verfolgte einen Weg des konstruktiven Dialogs mit der polnischen Regierung.
Trotz dieser friedlichen Anstrengungen seitens der Solidarität brandete
eine brutale Welle der Unterdrückung über Polen.

Die Verhängung des Kriegs-

rechtes beseitigte alle Reste der neugewonnenen Freiheit.

Die Behörden haben

zu willkürlicher Verhaftung und der Anwendung von Gewalt Zuflucht gesucht,
was zu gewalttätigen Akten und zum Verlust von Leben geführt hat; der freie
Fluß von Menschen,Gedanken und Informationen wurde unterdrückt; die Uhr der
Menschenrechte in Polen wurde um mehr als 30 Jahre zurückgedreht.

Das Ziel

dieser Unterdrückung ist die Bewegung der Solidarität, aber mit ihrem Angriff
auf die Solidarität greifen deren Feinde das gesamte Volk an.

Zehn Millionen

der 36 Millionen polnischer Bürger sind Mitglied der Solidarität.

Zusammen

mit ihren Familien stellen sie die überwältigende Mehrheit der polnischen Nation dar.

Indem sie die Solidarität verfolgt, führt die polnische Militär-

regierung einen Krieg gegen ihr eigenes Volk.
Die Geschichte zeigt uns, daß die Stabilität in Europa bedroht ist, wenn
Polen unterdrückt wird. Herz und Sinn aller freien Menschen üben in dieser
Stunde des Leidens Solidarität mit dem polnischen Volk.
Wir haben große Hochachtung vor der Führuqgsqualität und den Zielen von
Lech Walesa, dem Kopf der Solidarität, und wir bringen unsere ernste Sorge
um sein derzeitiges Wohlergehen zum Ausdruck.
- 2 -

Als Amerikaner haben wir eine

�wir eine besondere Beziehung zur Solidarität und zu den grundlegenden
Menschenrechten, die sie hochzuhalten sucht,und stehen dabei in der langen
Tradition polnisch-amerikanischer Freundschaft und Freiheit.

Das Eintreten

Präsident Wilsons für die Selbstbestimmung des polnischen Volkes half bei
der Wiedergeburt der polnischen Nation zu Beginn dieses Jahrhunderts.

Heute

steht Amerika bereit, einem Polen großzügige Unterstützung und Hilfe zu gewähren, das auf einen Weg echter innerer Versöhnung zurückkehrt.
In der Welt gibt es heute einen Geist der Solidarität, den keine physische Kraft brechen kann.

Er überquert nationale Grenzen und dringt in die

Herzen der Männer und Frauen allerorts ein.

In den Fabriken, Schulen und

Bauernhöfen, in Städten und Dörfern auf der ganzen Welt stehen die Menschen
der freien Welt geeint mit unseren polnischen Brüdern und Schwestern.

Ihre

Sache ist auch die unsrige.
Deshalb erkläre ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, den 30. Januar 1982 zum Tag der Solidarität. Ich fordere das
Volk der Vereinigten Staaten und alle freien Völker auf, diesen Tag durch
Versammlungen, Demonstrationen, Veranstaltungen, Gottesdiensten und andere
angemessene Ausdrucksformen der Unterstützung zu begehen. Wir werden unsere
Solidarität mit dem mutigen Volk Polens zeigen und ein Ende seiner Unterdrückung, die Freilassung all der willkürlich Verhafteten und die Wiederherstellung der international anerkannten Rechte des polnischen Volkes sowie
die Wiederaufnahme des inneren Dialogs und Versöhnung in Einklang mit den
grundlegenden Menschenrechten fordern.
Zur Beurkundung dessen unterzeichne ich am 20. Tag des Januar im Jahr
des Herrn 1982 und im 206. Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten
von Amerika diese Erklärung.
Ronald Reagan
Weißes Haus
20. Januar 1982
+ + + + +
- 3 -

�Hintergrund
materiell
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27. Januar 1982

ROSTOW BESORGT OBER SOWJETISCHEN EXPANSIONISMUS

WASHINGTON - (AD) - Der Direktor des US-Amtes für Rüstungskontrolle und
Abrüstung, Eugene Rostow,hat sich besorgt über den sowjetischen Expansionismus geäußert und erklärt, daß die Reagan-Administration Polen niemals als zu
Moskaus Einflußphäre gehörig bezeichnet hat.
In einer Rede vor dem"Komitee für die freie Welf'sagte Rostow am 22.
Januar 1982 in Washington, die Administration versuche, die Sowjetunion davon zu überzeugen, daß sie ihren Expansionismus eingrenzen müsse und daß ihr
Imperium zu stark expandiert habe. Der sowjetische Expansionismus, so Rostow,
"fängt an, auf sehr empfindliche Nerven zu treffen." Dabei sei die sowjetische
Antwort "sehr interessant: 'Ihr fordert uns auf, eine Außenpolitik aufzugeben,
die in unserer Natur als Gesellschaft und als Staat verwurzelt ist'." Dabei
könne "die einzige amerikanische Antwort nur sein: 'Nein, das verlangen wir
überhaupt nicht. Ihr könnt die Tugenden des Kommunismus predigen, solange ihr
wollt und wir ihr wollt. Aber was wir - und was das weltpolitische System nicht tolerieren können, ist eine Sondergenehmigung dafür, den Glauben mit
dem Schwert zu verbreiten."'
Rostow

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�Rostow unterstrich, daß "wir nicht gesagt haben, Polen liegt innerhalb
der sowjetischen Einflußphäre.und daß die Sowjetunion alles tun kann, was sie
will, solange die Welt außerhalb nicht betroffen ist."
Bei seiner Behandlung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen sprach
Rostow außerdem von der Haltung der Reagan-Administration bei der Rüstungskontrolle. Im vergangenen Jahrzehnt, so sagte Rostow, "nahmen wir an, daß die
sowjetische Einstellung hinsichtlich der Kernwaffen und unsere Einstellung dieselbe waren, daß sie, genau wie wir, das Problem der Kernwaffen mit Widerwillen behandelten... Niemand kann das heute mehr sagen."
"Ihr Ziel ist ein ganz anderes, und wir sollten nur ein solches Kernwaffenabkommen annehmen, das sich auf dem Grundsatz gleicher Abschreckung gründet. Für uns bedeutet Abschreckung zweierlei: Abschreckung vor einem Atomkrieg
und - im Hinblick auf unsere entscheidenden nationalen Interessen - die Erhaltung der Möglichkeit, falls notwendig, Kernwaffen einzusetzen, wenn unsere
höchsten Interessen durch einen konventionellen Angriff bedroht sind."
"Dies ist ein Faktum", unterstrich Rostow, "das viele Leute sowohl in
den Vereinigten Staaten als auch in Europa und in Japan manchmal vergessen.
Aber es ist ein Faktum."
"Wiederaufbau und Erneuerung Europas, Amerikas, Kanadas, Japans und vieler anderer Länder sind von der Tatsache abhängig, daß die Vereinigten Staaten
bereit sind, Kernwaffen einzusetzen, wenn die Notwendigkeit besteht, sich vor
Angriffen auf ihre Interessen zu verteidigen, die mit konventionellen Streitkräften durchgeführt würden - und daß die Sowjetunion hieran auch glaubt."
Rostow sagte, "die derzeitige Furcht vor den Kernwaffen rührt von der
Tatsache her, daß das nukleare Gleichgewicht... während der siebziger Jahre
ausgehöhlt und verändert wurde" - und zwar zugunsten der Sowjetunion. "Wir
werden einige der Folgen (dieser Tatsache) bei der Haltung berücksichtigen
müssen, die wir (bei den Rüstungskontrollgesprächen mit Moskau) einnehmen werden."
"Wahrscheinlich
•

- 2 -

•

•

•

"

�"Wahrscheinlich ist, daß wir nicht den Maßstab dislozierter /&gt;bschußbasen
benutzen werden, wie dies während der siebziger Jahre der Fall war, um die
Zerstörungskraft von Kernwaffen zu beschreiben und über ein Abkommen eine
Situation gleicher Abschreckung zu erreichen."
Die Gruppe, zu der Rostow sprach, war im Februar 1981 ins Leben gerufen
worden. Ihr gehören mehrere hundert bekannte amerikanische und europäische
Intellektuelle an, die sich zu einem Wochenendseminar über "die transatlantische Krise" trafen. Rostow meinte jedoch, er glaube nicht an das Vorhandensein einer solchen "Krise".
"Ja, es gibt Anspannung. Aber ich glaube nicht, daß wir innerhalb des
Bündnisses so etwas wie eine Krise haben, wie etwa die Krisen der Jahre 1954
und 1956, als die Vereinigten Staaten eine grundlegend andere Einstellung als
Großbritannien hinsichtlich des Fernen Ostens und des Mittleren Ostens hatten oder die Krise des Jahres 1966, als General de Gaulle die französischen Streitkräfte aus dem integrierten Kommando des Bündnisses abzog."

+ + + + +

,

- 3 -

�27. Januar 1982

BEWEISE FÜR DEN EINSATZ VON BIOTOXIN-WAFFEN DURCH DIE SOWJETUNION
- Richard Burt vor der Auslandspresse in Washington -

WASHINGTON - (AD) - Der Direktor des Büros für politisch-militärische
Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Richard Burt, informierte
am 13. Januar 1982 die Auslandspresse in Washington über den gegenwärtigen
Stand der Ermittlungen über den Einsatz von Biotoxin-Waffen. Die Vereinigten
Staaten haben, wie Burt erklärte, "zwingende" Beweise dafür, daß die Sowjetunion in die Anwendung tödlicher biologischer Waffen in Südostasien verwikkelt ist. Dieser Einsatz von Biotoxinen unter Mißachtung internationaler Konventionen sei ein wichtiges Problem für die ganze Welt, insbesondere für die
Dritte Welt, "weil diese Waffen gegen Menschen der Dritten Welt eingesetzt
werden".
Im folgenden bringen wir Auszüge aus der Erklärung Burts und der sich
daran anschließenden Pressekonferenz:
Burt:

Wir glauben, daß die Beweise für eine Verwicklung der Sowjets in

die Anwendung dieser (biologischen) Toxinwaffen in Südostasien zwingend sind,

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�zwingend sind. Zunächst einmal wissen wir, daß sich sowjetische Berater für
chemische Waffen in Südostasien aufhalten. Ganz offensichtlich ist die sowjetische Präsenz in Afghanistan besonders stark, und uns ist bekannt, daß sie
dort chemische Waffen stationiert haben.
Uns liegen Berichte von Oberläufern sowohl aus Südostasien als auch aus
Afghanistan vor, denenzufolge die Sowjetunion direkt in chemische Kriegführung verwickelt ist. Bislang haben wir keine Produktionsanlagen in Südostasien
ausgemacht, in denen die von uns identifizierten Toxinwaffen hergestellt werden könnten. Wir wissen, daß solche Anlagen - bzw. die Möglichkeiten zur Produktion solcher Waffen - in der Sowjetunion bestehen.
Und schließlich sind uns keine Anlagen zur Erprobung chemischer Waffen
in Südostasien bekannt, wohl aber in der Sowjetunion.
Ich glaube, die Skepsis gegenüber unseren Ermittlungsergebnissen ist teilweise verständlich - hauptsächlich deshalb, weil es sich hier um eine sehr
ernste Entwicklung handelt. Es sind sehr ernste Vorwürfe, die wir erhoben haben. Sie zeigen den Grad unserer Besorgnis über die Tatsache, daß diese Waffen eingesetzt werden. Außerdem ist dies ein höchst komplexer Bereich. Und es
ist nur natürlich, daß Fachleute und Wissenschaftler alle Fakten kennen möchten,
bevor sie Schlußfolgerungen ziehen.
Meines Erachtens haben wir unser Bestes getan, alle diese Fakten nicht
nur privaten Wissenschaftlern und anderen an dieser Frage Interessierten zugänglich zu machen, sondern auch sämtliche von uns erlangten Informationen
für die Untersuchung durch die Vereinten Nationen, die jetzt im Gang ist, zur
Verfügung zu stellen.
Gleichzeitig existiert nach unserer Meinung als weiteres Problem beim
Erörtern und Debattieren dieser Streitfrage das dabei angelegte "zweierlei
Maß", wie Außenminister Haig dies bezeichnet hat. Wir glauben, daß vor allem
unsere europäischen Verbündeten wegen dieser Entwicklungen angesichts der

- 2 -

�angesichts der direkten Bedrohung besorgt sein sollten, die sich aus den Einsatzmöglichkeiten für chemische Waffen durch die Sowjetunion auch für die Bevölkerung Westeuropas ergibt.
Noch wichtiger ist unseres Erachtens, daß jedermann ganz einfach vom humanitären Standpunkt aus wegen der Tatsache besorgt sein müßte, daß Waffen, die
durch eine internationale Konvention aus dem Jahr 1972 verboten sind - sie
verbietet biologische und Toxin-Waffen - in weit abgelegenen Gebieten der
Erde verwendet werden. Und er müßte sich außerdem wegen der Tatsache Sorge
machen, daß man solche Waffen möglichst unauffällig gegen primitive und meist
wehrlose Menschen einsetzt. Nach unserer Meinung wird durch diese Umstände ein
solches Verhalten nur noch abscheulicher.
Wir glauben, daß die Menschen in Asien und im Mittleren Osten besonders
besorgt sein sollten, weil diese Waffen in ihren Regionen tatsächlich verwendet werden. Als Problem der Dritten Welt ist dies eine besonders heikle Angelegenheit, denn diese Waffen werden gegen Menschen der Dritten Welt eingesetzt - und tatsächlich sind chemische Toxin-Waffen bereits seit dem ersten
Weltkrieg gegen Menschen der Dritten Welt eingesetzt worden.
Schließlich sind es auch die Auswirkungen auf die Rüstungskontrolle, die
die ganze Welt angehen. Unseres Erachtens steht die Notwendigkeit eindeu- '
tig fest, sich aktiv dafür einzusetzen, daß die Konvention von 1972 mit dem
Verbot dieser Toxin-und biologischen Waffen auch eingehalten wird. Die gesamte
Menschheit hat ein echtes Interesse daran, sicherzustellen, daß die Konvention von 1972 eingehalten wird.
Die Beweise - auf der Basis allen Beweismaterials und aller Fakten,
nicht einfach auf Grund von Berichten von Flüchtlingen oder der Nachrichtendienste oder der Besuche oder der Artikel von Journalisten, die sich jetzt für
dieses Thema interessieren, sondern nunmehr auch auf Grund des uns vorliegenden naturwissenschaftlichen Beweismaterials und der Versuchsergebnisse, zu denen wir gelangt sind - machen unsere Schlußfolgerung zwingend, daß diese Waffen eingesetzt werden..."

ronnF-

�FRAGE: Können Sie eine genaue Zusammenfassung dessen geben, was die Vereinten Nationen in ihrer Untersuchung unternommen haben?
ANTWORT (Burt): Wir müssen, glaube ich, klar erkennen, daß die Vereinten
Nationen eine politische Institution sind - und ich brauche Ihnen die Art der
Beschränkungen für die Vereinigten Staaten oder eine andere Mitgliednation
der UNO nicht zu erklären, die sich bei der Verfolgung einer so heiklen und
potentiell kontroversen Frage wie dieser ergeben.
In Anbetracht solcher Beschränkungen war unser Auftakt bei den Vereinten
Nationen relativ gut. Wir haben, offen gesagt, als Wichtigstes die Weiterführung dieser Untersuchung erreicht - und dies zu einem Zeitpunkt, an dem eindeutig die Sowjetunion und ihre Verbündeten die Untersuchung beendet sehen
wollten.
Es ist klar, daß sie durch diese Untersuchung in Verlegenheit gebracht
werden, daß diese Berichte sie in Verlegenheit bringen. Schon allein die Tatsache kann ihnen nicht, gleichgültig sein, daß wir die Untersuchung mit einem
Abstimmungsergebnis weiterführen können, bei dem die Stimmenmehrheit größer
war als bei der Abstimmung über die Aufnahme der Untersuchung. Dies ist in
meinen Augen ein politischer Erfolg.
Ich glaube, es ist zu früh, um genaue Angaben dazu zu machen, wie objektiv diese Untersuchung sein wird. Alles in unserer Macht stehende wird getan,
um sicherzustellen, daß sie objektiv sein wird. Als allererstes bemühen wir
uns, alle unsere Fakten der Gruppe zu übermitteln. Wir tun alles, was wir
können, um Druck auf die Regierungen auszuüben - die der Sowjetunion, Vietnams
und anderer Länder -, dieser Gruppe den Besuch der Stätten zu erlauben, wo
solche Angriffe stattgefunden haben. Bisher hatten wir dabei keinen Erfolg.
Wir bringen die Mitglieder der Untersuchungskommission mit Augenzeugen
dieser Angriffe zusammen, wir geben ihnen Listen von Personen, die Berichte
über diese Angriffe und die Flüchtlinge besitzen, die davon erzählen können...
Wir machen
- 4 -

�Wir machen alles uns verfügbare wissenschaftliche Beweismaterial ebenso
zugänglich, wie wir unsere eigenen Analysenverfahren erklären möchten, damit
die Mitglieder der Untersuchungskommission alle jene Informationen erhalten,
die sie als mindestes

brauchen.

Nun könnte es sein, daß ihre Schlußfolgerungen in unserer Sicht alles
andere als zufriedenstellend sind - aber wir werden zum mindesten in der Lage
sein, nachzuweisen, daß wir die Informationen zur Verfügung gestellt haben...
Wir hoffen, daß man die Untersuchungen 'überwacht und daß andere Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen Druck - konstruktiven Druck - ausüben, um sicherzustellen, daß die Untersuchung nicht oberflächlich durchgeführt wird.
Ich möchte dem noch einen Punkt hinzufügen: Für die Finanzierung der
Untersuchung ist eine UN-Abteilung zuständig, an deren Spitze ein Sowjetrusse steht. Und dies ist etwas, was wir in Rechnung stellen müssen...
FRAGE: Wie ich einem Artikel der "New York Times" entnehmen konnte,
wären diese Mykotoxine direkt in Vietnam leicht herzustellen - ein Wissenschaftler bezeichnete sie als "Bauerngift". Wie stellen Sie hier eine Verbindung zur Sowjetunion her?...
ANTWORT (Oberstleutnant der US-Luftwaffe Fred Celec vom Büro für politisch-militärische Angelegenheiten): Erlauben Sie, daß ich auf zwei entscheidende Punkte zu sprechen komme. Zum ersten ist es absolut richtig, daß Sie,
wenn Sie eine für Laborzwecke erforderliche Menge dieses Materials herstellen
wollen, dies in jedem beliebigen Laboratorium einer Universität oder Forschungseinrichtung tun könnten.
Wenn Sie es in ausreichenden Mengen zum Einsatz mit Waffen produzieren wollen, müssen Sie schon von technischen Anlagen reden, oder aber davon,
kleine Mengen über einen langen Zeitraum hinweg herzustellen - und wenn Sie
nun die Menge, von der berichtet wurde, in Erwägung ziehen und einige einfache Berechnungen ausführen, werden Sie finden, daß zum Lagern dieses Ma-

- 5 -

�dieses Materials buchstäblich Tausende von Ein-Liter-Flaschen erforderlich
sind, um genug davon einsetzen zu können, wie sie es getan haben.
Die Mengen würden eine große Produktionsanlage erfordern, die uns aber
verborgen ist.
Zweiter Punkt: Es handelt sich zwar um eine einfache Waffe, deren Entwicklung aber sehr kompliziert ist. Um diese Waffe durchzukonstruieren, müßte
man sie auch getestet haben, damit man weiß, in welcher Weise sie versprüht,
welche Auswirkungen verschiedene meteorologische Faktoren wie Wind, Temperatur oder Regen haben, wie lange sich die Toxine in einem Gebiet halten, damit man auch weiß, wann die eigenen Truppen dort einmarschieren können, ferner
welches die optimale Höhe zum Versprühen ist, um entsprechend der Absicht, ein
bestimmtes Gebiet voll abzudecken, auch genau das Richtige zu tun.
Dies erfordert umfangreiche Anlagen und umfangreiche Testoperationen.
Noch einmal: Solche Anlagen existieren unseres Wissens nicht in Südostasien
in einem so nahegelegenen Raum, aber sie existieren in der Sowjetunion. In
der Sowjetunion gibt es chemische Testanlagen, die genau diese Art von Versuchen durchführen.
Und das ist es, was uns zu dem Schluß führt, daß sich die Anlagen nicht
in Südostasien befinden und auch nicht das Scharfmachen der Giftstoffwaffen
dort erfolgt.
ERGÄNZENDE

ANTWORT (Gary Crocker vom Büro für Nachrichtendienste und

Forschung im US-Außenministerium): Ich möchte hier nur hinzufügen, daß ich
die Idee, es handle sich um eine Produktion der Vietnamesen, als eine akademische Abschweifung vom Beweismaterial bezeichnen würde.
Es gibt einen ganzen Komplex von Beweismaterial, den wir sorgfältig geprüft haben, und wir haben uns dabei gefragt: "Könnte es vielleicht in Vietnam hergestellt worden sein?" Und es gibt keinen Beweis von dieser Seite, dort

- 6 -

�Seite, dort ist einfach nichts. Das gesamte Material weist in die andere
Richtung - daß nämlich dieses Toxin in der Sowjetunion hergestellt und den
Vietnamesen verfügbar gemacht wurde und daß die Waffen dort hergestellt worden sind.
Ich spreche hier nicht von heikler Geheimdiensttätigkeit. Sie können
die Geschichten von Leuten lesen, die Raketen beschrieben haben, welche sie
fanden, die die sowjetischen Berater dort beschrieben haben, die im Zusammenhang mit den Waffen halfen. Da ist der Pilot, der die Einsätze flog, der beschrieb, wie die Raketen vorbereitet, am Flugzeug aufgehängt wurden, und der
den sowjetischen Techniker beschrieb, der sich dort befand und ihnen sagte,
wie es zu machen sei...
FRAGE: Haben Sie die Angelegenheit direkt mit der Sowjetunion erörtert,
und wie war deren Reaktion?
ANTWORT (Burt): Wir haben diese Frage direkt mit der Sowjetunion erörtert,
aber es gab weiter nichts als eine negative Reaktion. Es wurde glatt abgeleugnet.. .
FRAGE: Sie sagen, das Beweismaterial dazu, daß die Sowjetunion diese Chemikalien bereitgestellt hätte, sei "zwingend", aber es hat doch den Anschein,
daß dies nicht hundertprozentig zu beweisen ist. Ich wüßte gerne, welche anderen Beweise Sie hatten...
ANTWORT (Burt): Bei der nachrichtendienstlichen Arbeit und in der Politik
gibt es graduelle Unterschiede für Beweise, und wir fühlten uns sicher genug
für die Schlußfolgerung, daß dem so war, um die Frage nun mit den Sowjets zu
erörtern und sie in die Öffentlichkeit zu bringen. Natürlich unternehmen wir
alles, um mehr Beweise zu erhalten, gewiß auch mehr Proben, um den Fall weiterhin mit Proben belegen, die Anzahl der Berichte von Augenzeugen erhöhen zu
können, sich ergänzendes bzw. übereinstimmendes Beweismaterial von ganz unterschiedlichen Orten zu bekommen...
Es ist
- 7 -

�Es ist eine Art Puzzlespiel, wir setzen kleine Teile zusammen- und das
Bild zeichnet sich immer klarer ab, je weiter wir vorankommen.
FRAGE: Sie haben ein bißchen das Problem, nicht ganz glaubwürdig zu sein,
da doch jedermann weiß, daß die Vereinigten Staaten im Vietnamkrieg Entlaubungsmittel einsetzten. Könnte ins Protokoll aufgenommen werden, daß diese
Mittel sowie jegliche anderen chemischen Mittel, die die Vereinigten Staaten
in diesem Krieg eingesetzt haben könnten,... in keiner Weise jenen ähnlich waren, die hier verwendet werden (in Laos, Kampuchea, Afghanistan)?
ANTWORT: (Burt): Die Vereinigten Staaten setzten im Vietnam-Krieg keine
Toxin-Waffen oder biologischen Waffen ein. Die Vereinigten Staaten haben keinerlei Pläne, solche Waffen herzustellen. Ich darf wohl hinzufügen, daß zwischen Entlaubungsmitteln und diesen Waffen ein gewaltiger Unterschied besteht,
und ich meine, daß jemand, der eine Verbindung zwischen beiden herzustellen
versucht, einfach keine Ahnung von den Fakten hat.
Es ist nun einmal so, daß das Herbizid "Agent Orange" in der Vergangenheit benutzt worden ist, in gewaltigen Mengen benutzt worden ist - sowohl in
den Vereinigten Staaten als auch in Südostasien. Ich glaube, jemand formulierte es kürzlich so, daß die Idee, "Agent Orange" in etwa mit diesen (Toxin-)
Waffen zu vergleichen, so ähnlich ist, als könnte man jemandem - in der Annahme, daß es seiner Gesundheit schaden könnte - eine Zigarette anbieten, aber
ihm ebenso gut auch einen Trank mit Zyankali geben.
Wir reden von Waffen, von Toxinen, die in zehn Minuten Menschen töten und
einen sehr, sehr qualvollen Tod herbeiführen, wobei Menschen nach Kontakt mit
diesem Mittel Blut erbrechen...
FRAGE: Den Mechanismus der Konvention von 1972 kenne ich nicht genau aber wäre es möglich, eine der Signatarmächte dieser Konvention auf Grund des
bisher erhaltenen Beweismaterials öffentlich anzuprangern?
ANTWORT:

�ANTWORT (Burt): Wir wollen dieses Problem konstruktiv angehen. Schließlich will man ja nicht die einzige existierende RUstungskontrollVereinbarung,
die diese Aktivitäten verbietet, einfach aus dem Fenster werfen, wenn wir glauben, das Abkommen retten zu können. Es ist ein ungemein wichtiges Abkommen.
Wir sehen keinen Grund dafür, daß Nationen diese Waffen bauen, damit experimentieren oder in Arsenalen halten müssen. Deshalb wünschen wir jetzt auf
bilateraler und internationaler Ebene - durch offizielle internationale Organisationen und durch Ansprechen dieser Frage im internationalen Rahmen - Druck
auf die darin verwickelten Regierungen auszuüben, damit solche Aktivitäten beendet werden. Das ist unser Hauptziel - ein Ende machen.
Und im Verlauf dieses Prozesses würden wir auch gerne die Konvention von
1972 sta'rken, und wir suchen nach Mitteln und Wegen, dies zu tun. Ein möglicher
Weg dahin wäre die Einführung von Bestimmungen, die die Verifizierung im Rahmen
dieser Konvention stärken und Vorkehrungen für Überwachung und Einhaltung der
Abmachungen treffen, wie es ja auch in einer Reihe von internationalen RUstungskontroll Vereinbarungen der Fall ist, die wir jetzt haben.
FRAGE: Gibt es einen Mechanismus, um die Respektierung, die Einhaltung
dieser Konvention zu erzwingen? Können Sie beispielsweise eine Sonderkonferenz
fordern?
ANTWORT (Burt): Das ist eine Möglichkeit. Sie wird als StaatsparteienKonvention bezeichnet. Die Signatarstaaten dieser Vereinbarung können zusammentreten, um Änderungen und Verbesserungen für diese Konvention zu erörtern,
und dies ist etwas, was wir im weiteren Verlauf mit anderen interessierten
Nationen eruieren wollen.
FRAGE: Haben Sie dies überhaupt schon mit Ihren Verbündeten besprochen,
diese Stärkung der Abkommen von 1972?
ANTWORT:

�ANTWORT (Burt): Wir haben in dieser Richtung noch keine offiziellen Kontakte angeknüpft. Es ist eine Angelegenheit, die, wie ich glaube, informell
als eine sich für uns ergebende Möglichkeit erörtert worden ist.
Betonen möchte ich hier, daß wir dies nicht zu rein propagandistischen
Zwecken tun würden. Wir möchten damit zum Erfolg kommen. Und das bedeutet, daß
wir sicher sein wollen, daß eine solche Initiative auch weiterverfolgt wird,
daß sie von anderen Ländern unterstützt wird und diese willens wären, auf eine echte Stärkung der Konvention hinzuarbeiten.
Dafür sind nicht die Vereinigten Staaten verantwortlich. Dies ist ein
i iternationales Problem, und wir möchten, daß andere Regierungen dies erkennen
und entsprechende Schritte unternehmen, wenn sie der Ansicht sind, dies liege
im Interesse der internationalen Gemeinschaft...
Wir haben zunehmende Besorgnis unter den Ländern der Dritten Welt bei den
Vereinten Nationen und an anderer Stelle bemerkt - insbesondere bei den am ehesten betroffenen Ländern. Länder in Südostasien sind darüber besorgt und beunruhigt.
Wir möchten zwischen den Europäern und den Ländern der Dritten Welt einen
Unterschied machen. Wir meinen, sie können diese Frage auf unterschiedliche
Weise zur Sprache bringen, und uns ist sehr daran gelegen, daß beide Staatengruppen das Problem ernst nehmen.

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�MIIM

BTTlST

Wi//en/chcift
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. Januar 1982

STEREOTAKTISCHE STRAHLENTHERAPIE
Sehr kleine, schwer zugängliche Gehirntumore unter Beschuß

(AD) - Ein neuartiges Strahlentherapiegerät wurde kürzlich im Klinikum
Los Angeles der Universität Kalifornien (UCLA) vorgestellt. Dieses "GammaMesser", wie es auch genannt wird, ist das zweite Gerät dieser Art in der
Welt. Es ist ein Geschenk des schwedischen Neurochirurgen Lars Leskell, der
es entwickelt hat, an UCLA. Das erste Gerät befindet sich im Karolinska-Institut in Stockholm.
Mit dem Instrument, technisch gesehen einem stereotaktischen Kobaltgerät,
können sehr kleine Gehirntumore oder andere Läsionen bis etwa 1 cm Durchmesser
exakt angepeilt und zerstört werden. Die Vorrichtung, die einem großen Helm
ähnelt, enthält 178 Strahlenquellen mit radioaktivem Kobalt. Die von ihnen
ausgehenden Gamma-Strahlen werden auf sehr kleine Zielpunkte im Gehirn gerichtet.
Bei chirurgischen Eingriffen im Gehirn und bei der Hirnforschung wird die
stereotaktische Technik bereits seit Jahren angewandt. Ein am Schädel befestig-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Schädel befestigtes stereotaktisches Gerät ermöglicht beispielsweise bei
neurochirurgischen Eingriffen die Berechnung von Richtung und Eindringtiefe
der durch ein Bohrloch in der Schädel decke in das Gehirn eingeführten Kanüle
samt Instrument. Es ist ein Verfahren zur dreidimensionalen Abgrenzung des
zu erfassenden Bereichs.
Auf die Strahlentherapie übertragen scheint diese Technik besonders gut
,
geeignet zu sein, um sehr kleine Tumore im Gehirn, die auf chirurgischem Wege
nur schwer zu erreichen sind, unter Kontrolle zu bringen. Bei diesem Verfahren *
bedarf es keines chirurgischen Eingriffs. Es ist relativ einfach durchzuführen
und verursacht kaum Schmerzen. Für die Behandlung ist nur eine einzige Sitzung
erforderlich. Die Strahleneinwirkung führt weder zu Haarausfall noch auffälligen Hautreaktionen. Der Therapie vorgeschaltet ist die genaue Lokalisierung
des Tumors durch röntgenographische oder computergestützte szintigraphische
Verfahren.

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