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                  <text>20. Januar 1982

I N H A L T

INFORMATION
Weltweite Fernsehsondersendung zugunsten des polnischen Volkes
DOKUMENTATION
Präsident Reagan warnt vor weiterer Unterdrückung des polnischen
Volkes
- Auszüge aus seiner Pressekonferenz vom 19. Januar 1982 HINTERGRUNDMATERIAL
Die polnische Krise - Möglichkeit einer Beilegung
- Ein Kommentar der Stimme Amerikas WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Industrieforschung geht ins All
- Metallurgie-Labor an Bord des "Space Shuttle
Von G. Weiss

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

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Information

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International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. Januar 1982

WELTWEITE FERNSEHSONDERSENDUNG ZUGUNSTEN DES POLNISCHEN VOLKES

WASHINGTON - (AD) - "Daß Polen Polen werde" heißt es in einem polnischen Freiheitslied, das als Leitmotiv für eine Sondersendung dient, die
zur Unterstützung des polnischen Volkes am 31. Januar 1982 vom US-Amt für
Internationale Kommunikation über Satellit in die ganze Welt ausgestrahlt
wird.
Die Fernsehsendung mit dem Titel "Daß Polen Polen werde - ein Tag der
Solidarität mit dem polnischen Volk" Bringt die Unterstützung der Menschen
der freien Welt für die Polen zum Ausdruck. Als erste einer für Ende Januar geplanten Reihe soll sie die große Besorgnis der internationalen Gemeinschaft um die Notlage des polnischen Volkes widerspiegeln. Zudem ist
sie eine Reaktion auf die jüngste Bitte um weltweite Reaktionen des in
Brüssel tätigen polnischen Aktionskomitees, das sich aus Vertretern der Solidarität und polnischen Privatleuten zusammensetzt.
Präsident Reagan wird eine Erklärung abgeben, durch die der 30. Januar
zu einem "Tag der Solidarität mit dem polnischen Volk" proklamiert wird.
Das US-Amt

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Telex: 08-85432

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Das US-Amt für Internationale Kommunikation (USICA) unter der Leitung
von Charles Z. Wick rechnet damit, über Satellit insgesamt etwa 300 Millionen
Menschen außerhalb der Vereinigten Staaten anzusprechen. Weitere 100 Millionen Hörer können zudem über die "Stimme Amerikas" (VOA), dem Auslandssender von USICA, erreicht werden.
39 Sprachen ausstrahlen.

Der Sender wird das Programm in allen seinen

Im Verlauf des Programms wird Präsident Reagan vom

Weißen Haus eine Erklärung zur Unterstützung des polnischen Volkes abgeben.
Der Inhalt der Sendung ist auf eine breite humanitäre Basis abgestellt
und findet in den Vereinigten Staaten überparteiliche Unterstützung.

Howard

Baker, der Fraktionsführer der Mehrheit im Senat, und Thomas "Tip" O'Neill,
der Sprecher des Repräsentantenhauses, werden an der Sendung teilnehmen und
eine Sympathieerklärung für das polnische Volk abgeben.
Man erwartet zudem die Mitarbeit vieler anderer, vor allem westlicher
Länder; Erklärungen führender Persönlichkeiten sowie die Übertragung von Veranstaltungen der Kirchen und privater Organisationen in den Vereinigten Staaten und im Ausland. Damit soll die weltweite Besorgnis und Unterstützung
deutlich gemacht werden.
Das zentrale Thema des Programms ist die menschliche Freiheit. Dies
wird durch kulturelle Darbietungen - Auszüge aus der Weltliteratur, klassische
und volkstümliche Musikstücke, Tänze, Objekte der bildenden Künste und dergleichen - zum Ausdruck gebracht. Bekannte amerikanische und internationale
Persönlichkeiten der darstellenden Künste und aus dem Bereich des Kulturund Geisteslebens werden teilnehmen. Film- und Videopassagen der Geschichte
des Kampfes des polnischen Volkes um nationale Freiheit und der Ereignisse
in Polen seit der Verhängung des Kriegsrechtes im Dezember gehören ebenfalls
zur Sendung.
Das Thema dieses Tages der Solidarität mit dem polnischen Volk entstammt
einem Lied des polnischen Schriftstellers Jan Pieczak "Daß Polen Polen werde"
und wurde zur Hymne der Gewerkschaft Solidarität und aller Polen. Dieses be-

- 2 -

�Dieses bewegende Lied wurde als ein Ausdruck der Freiheitssehnsucht ins
Englische übertragen und sein Text und seine Musik werden als Thema der
Fernsehproduktion verwendet.
Die Produktion wird auf gemeinnütziger Basis von Martin Pasetta, dem
Geschäftsführer der Pasetta Productions Inc., Los Angeles geleitet, Produzent ist Eric Lieber.

- 3 -

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. Januar 1982

PRÄSIDENT REAGAN WARNT VOR WEITERER UNTERDRÜCKUNG DES POLNISCHEN VOLKES
- Auszüge aus seiner Pressekonferenz vom 19. Januar -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 19. Januar 1982 warnend
darauf hingewiesen, daß die USA nicht ewig auf Verbesserungen in Polen warten
würden, bevor sie weitere Schritte gegen die Unterdrückung des polnischen Volkes unternähmen. Der Präsident gab seine erste Pressekonferenz in diesem Jahr.
Er befaßte sich mit der Situation in Polen, mit den israelisch-ägyptischen
Autonomieverhandlungen, der amerikanischen Verteidigungspolitik sowie einer
Reihe von innenpolitischen Fragen, die im Mittelpunkt der Pressekonferenz
standen.
Die Fragen und Antworten zu außenpolitischen Themen sowie zur Verteidigungspolitik haben folgenden Wortlaut:
FRAGE: Herr Präsident, es sind nun drei Wochen her, seit Sie die Sanktionen gegen die Sowjetunion im Zusammenhang mit Polen verkündet haben. Welche
Wirkung - wenn überhaupt eine - haben sie gehabt? Wenn sie keine Auswirkungen

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�Auswirkungen gehabt haben, was wird dann als nächstes geschehen und wann?
ANTWORT: Meiner Meinung nach haben diese Schritte Auswirkungen gehabt,
obwohl es keinen Zweifel daran gibt, daß sich die Situation in Polen verschlechtert. Man hat versucht, die Situation so darzustellen, als mildere
sie sich. Dies ist nicht der Fall. Die Menschen sind immer noch eingekerkert.
Es gibt keine Kommunikation mit der Solidarität oder zwischen der Militärregierung und der Bevölkerung, und das Kriegsrecht ist immer noch in Kraft.
Wir sind jedoch der Meinung, daß die Maßnahmen eine Auswirkung gehabt
haben, und wir haben uns hinsichtlich einiger zusätzlicher Dinge, die getan
werden könnten, zurückgehalten - Dinge, die wir in Erwägung ziehen werden,
und die jenen Maßnahmen zugefügt werden können, die wir bereits unternommen
haben.
Ich habe eine längere Nachricht vom Papst erhalten. Er heißt gut, was
wir bisher getan haben. Er ist der Meinung, daß dies nützlich war, und doch
werden wir nicht ewig auf Verbesserungen in der dortigen Situation warten.
Wir haben andere Maßnahmen, die wir ergreifen können.
FRAGE: Herr Präsident, nachdem Außenminister Haig nun aus dem Nahen Osten
zurück ist, hat man da neuen und konkreten Grund zum Optimismus in der Frage
der Erreichung eines Abkommens über das Problem der palästinensischen Autonomie, und sehen Sie es als entscheidend wichtig an, daß irgendein Abkommen
noch vor dem April erreicht wird, wenn die Israelis ihren Rückzug vom Sinai
planmäßig

beenden werden?

ANTWORT: Es gibt keinen Zweifel, daß dies das härteste Problem der gesamten Nahost-Regelung ist. Wir wollen keinerlei Termin nennen, bis wann das
entschieden werden muß. Der Außenminister war auf einer Erkundungsreise, und
er wird erneut dorthin reisen, wenn auch noch kein genaues Datum dafür festgelegt worden ist.
Wir möchten

- 2 -

�Wir möchten, wann immer möglich, helfen, wenn wir einige Gedanken darlegen können, die für die Autonomiegespräche nützlich sein könnten. Dies ist
der nächste Schritt im Rahmen des Prozesses von Camp David. Wir setzen also
keinen Termin, aber wir hoffen, daß wir helfen können und daß man bis zum
Sinai-Zeitpunkt über eine Art von Plan verfügt, nach dem man verfahren kann.
FRAGE: Herr Präsident, wir wissen, daß Sie in den nächsten Monaten großes Interesse daran haben werden, mehr Mittel für die Verteidigung ausgeben
zu können. Ich möchte gerne wissen, ob Sie uns einmal den wahren Grund dieser
Maßnahme erklären könnten? Ist dies gedacht, um vor einer sowjetischen Aggression abschrecken zu können, oder ist es eine Verhandlungstaktik gegenüber der
Sowjetunion? Und ist es nicht so, daß Waffen, die einmal hergestellt sind,
letztendlich auch eingesetzt werden können?
ANTWORT: Ich hoffe und bete mit all meiner Kraft, daß die Waffen nicht
eingesetzt werden. Und ich glaube, daß dies die Zielsetzung ist. Wenn die
militärische Verteidigung gut aufgebaut wird, dann braucht sie auch nicht angewandt zu werden. Und wir sind noch niemals in einen Krieg hineingezogen worden, weil wir zu stark waren.
Aber Ziel und Zweck unseres Militärprogrammes ist es, daß wir wieder etwas aufbauen, was man während der vergangenen Jahre überaus vernachlässigt hat.
Wir sind weit hinter dem Punkt zurück, an dem wir jetzt eigentlich sein sollten.
Unser Wirtschaftsproblem in bezug auf die Budgets und alles andere wäre heute
minimal, wenn wir mit Verteidigungseinrichtungen arbeiten könnten, die richtig
aufrecht erhalten worden wären.
Ich möchte auch darauf hinweisen, daß wir bei allen Argumenten und bei
aller Besorgnis hinsichtlich dieses Problems in diesen Zeiten der wirtschaftlichen Belastung einen geringeren Prozentsatz des Bruttosozialproduktes für das
Militär ausgeben, als dies in vielen vielen Jahren in Friedenszeiten der Fall
gewesen ist.
Aber es

- 3 -

�Aber es ist doch so, daß wir - wenn wir uns mit dem Gegner, dem potentiellen Gegner an den Tisch setzen,über Rüstungsreduzierungen sprechen, was
im Augenblick ja der Fall ist - weitaus erfolgreicher sein werden, wenn dieser Gegner weiß, daß die Alternative ein Aufbau bis zu einer entsprechenden
Ebene ihm gegenüber ist.
Bisher - in früheren Verhandlungen - brauchten sie keinerlei Konzessionen zu machen, weil wir einseitig abrüsteten. Aber jetzt ist es doch so, wie
dies vor einiger Zeit in einem Cartoon in einer Ihrer Veröffentlichungen dargestellt wurde, wo man sah, daß Breschnew zu einem General seiner eigenen
Armee sprach und dabei sagte: "M:r war der Rüstungswettlauf lieber, als wir
die einzigen waren, die daran teilnahmen".

+ + + + +

�20. Januar 1982

DIE POLNISCHE KRISE - MÖGLICHKEIT EINER BEILEGUNG
- Ein Kommentar der Stimme Amerikas -

- (AD) - Es ist einen Monat her, seit die polnische Regierung über ihre
eigenen Bürger das Kriegsrecht verhängt hat. Trotz eines leichten Nachlassens des eisernen Griffes, in dem Warschau das Leben des polnischen Volkes
hält, dauert die Krise an.
Die Wege zu einer Lösung der polnischen Krise sind einen Monat nach Beginn der Unterdrückung noch klarer sichtbar, als dies zu Beginn der Unterdrückung der Fall war.
Drei Maßnahmen sind von entscheidender Bedeutung: Ein wirkliches Ende
des Kriegsrechts, die Freilassung der politischen Gefangenen und die Wiederaufnahme des internen politischen Dialogs, der vor der Niederschlagung stattgefunden hatte.
Hinsichtlich dieser Punkte stimmen nicht nur die westlichen Regierungen
überein, sondern auch Organisationen wie etwa die Sozialistische Internationale, die sie klar zum Ausdruck gebracht hat, und sogar einige der unabhängiger

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der unabhängiger gesinnten kommunistischen Bewegungen in Europa, besonders
die in Italien und Spanien.
Sogar in Frankreich, wo die kommunistische Partei traditionell der Linie
Moskaus folgt, haben sich viele Mitglieder dieser Partei den gewaltigen Demonstrationen

angeschlossen, die die von der Sowjetunion unterstützten Ver-

suche der polnischen Regierung verurteilen, etwas aufzuzwingen, was sich
präzise als eine stalinistische Struktur in Polen beschreiben läßt.
Die Römisch-Katholische Kirche steht angesichts der Unterdrückung der
freien Gewerkschaft Polens, der Solidarität, als Sachwalter des polnischen
Volkes gegen eine kommunistische Militärdiktatur und besteht weiterhin auf den
drei Bedingungen für politische Erneuerung.
Vor diesem Hintergrund setzt das Regime des Generals Jaruzelski seinen
tragischen und heuchlerischen Kurs fort, behauptet in der Öffentlichkeit,
daß es gern das Kriegsrecht aufheben würde, stellt jedoch gleichzeitig klar,
daß es als Ersatz hierfür etwas erwartet, was einer totalen ideologischen
Konformität der Masse des polnischen Volkes gleichkommen würde.
Die Welt draußen läßt sich durch solche Widersprüche nicht täuschen.
Der Weg heraus aus der polnischen Krise bleibt für Warschau und seine Chefs
in Moskau genau das, was er von dem Augenblick an war, als die Unterdrückung
begann - ein eindeutiges Ende der Militärdiktatur, die Freilassung der politischen Gefangenen und eine Wiederaufnahme des internen politischen Dialogs.
Das sind vernünftige Bedingungen. Sie bieten echte Hoffnung auf eine
Lösung der wirtschaftlichen Krise und des politischen Bankrotts in Polen. Und
wenn die Sowjetunion sich ernsthaft Gedanken über ihre eigenen langfristigen
Interessen machen würde, so würden diese Bedingungen für Moskau genauso viel
Sinn beinhalten wie für die Welt außerhalb des Kommunismus.

+ + + + +

�20. Januar 1982

INDUSTRIEFORSCHUNG GEHT INS ALL
Metallurgie-Labor an Bord des "Space Shuttle
Von G. Weiss

- (AD) - Mehrere amerikanische Industrieunternehmen bereiten Forschungsund Produktionsexperimente im Weltraum vor. Dabei geht es zunächst einmal
um die Untersuchung von Erstarrungsvorgä'ngen bei Metallen und Legierungen aus
der Schmelze sowie um Tests zur Herstellung pharmazeutischer Präparate höchsten
Reinheitsgrades an Bord des "Space Shuttle", des amerikanischen Raumtransporters.
Die erste Vereinbarung über technische Zusammenarbeit, deren Ergebnisse
ein Jahr nach Abschluß und Auswertung des Experiments der öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, hat die US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA mit dem
Maschinenbauunternehmen "John Deere and Company" getroffen. Dies berichtete
Larry Fosbinder, ein Mitarbeiter der Firma, auf der Jahrestagung der "American
Association for the Advancement of Science - AAAS" (Dachverband der wissenschaftlichen Gesellschaften der USA) Anfang Januar 1982 in Washington. Ziel
des Abkommens ist die Entwicklung von Gußeisen höherer Festigkeit und Zähigkeit.
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Die Qualität

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�Die Qualität des Gußeisens wird durch das Gefüge der metallischen Grundmasse und die Ausbildung des Graphits bestimmt.

Dafür spielen die Zusammen-

setzung der Schmelze sowie die Bedingungen beim Erschmelzen, Vergießen und Abkühlen eine ganz wichtige Rolle.

Jedoch wird die genaue Erforschung der Er-

starrungsvorgä'nge und der Möglichkeiten, Form und Kristall struktur des Graphits
im Metall zu steuern, durch den Umstand erschwert, daß unter irdischen Bedingungen die Schwerkraft zusätzlichen, in der Auswirkung praktisch nicht vorhersehbaren Einfluß hat.

Sie verursacht in gasförmigen und flüssigen Massen soge-

nannte Konvektionsströme - das sind Ausgleichsströmungen zwischen Zonen bzw.
Schichten unterschiedlicher Temperatur.

Sie sind dafür verantwortlich, daß

beim erstarrten Metall Unterschiede im Gefüge, in der Legierung sogar Unterschiede in der Zusammensetzung auftreten.

Besteht eine Flüssigkeit aus mehre-

ren Komponenten, sorgt die Gravitation dafür, daß die verschiedenen Stoffe das
Bestreben haben, sich voneinander zu trennen.

Das bedeutet z.B., daß nach

der Abkühlung das erstarrte Material einer Schmelzmasse uneinheitlich ist.

Mit

zahlreichen "Tricks", z.B. speziellen Zusätzen und Verfahren zum Vorwärmen von
Gußformen, überhitzen einer Schmelze, zum Abkühlen und zur nachfolgenden Wärmebehandlung des erstarrten Metalls bemühen sich die Metallurgen, die Qualität
des Werkstoffs einheitlicher zu gestalten und Mängel auszumerzen.

Die Schwerkraft spielt jedoch bei Objekten in der Erdumlaufbahn, beispielsweise an Bord des Raumtransporters, praktisch keine Rolle.
kraft ist durch die Fliehkraft aufgehoben.

Die Erdanziehungs-

Erst wenn das Raumschiff, etwa

durch ein Bremsmanöver als Vorbereitung für die Rückkehr zur Erde, erheblich
an Geschwindigkeit verliert, macht sie ihren Einfluß wieder geltend.

Zwar

wird auch im Erdorbit der Wert "Null" für die Gravitation nie ganz erreicht.
Denn alle Objekte, bis hin zu den kleinsten Teilchen, sind ja der Massenanziehung unterworfen.

Aber diese beträgt "bei ruhigem Flug" nur etwa ein Mil-

lionstel des an der-Erdoberfläche üblichen Wertes.

Und selbst wenn dieser

Wert - etwa während eines Kurskorrekturmanövers - für kurze Zeit ansteigen
und etwa ein Tausendstel der irdischen Schwerkraftwirkung annehmen sollte, läge er doch noch immer im Bereich dessen, was Wissenschaftler als "Mikrogravitation" bezeichnen.
Daß es

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Daß es z.B. außerhalb des Wirkungsbereichs der Erdschwerkraft möglich
ist, Kristalle mit sehr viel besseren elektrischen Eigenschaften zu züchten,
zeigte ein Experiment von Professor Harry C. Gatos vom Department für Material forschung und Werkstofftechnik des Massachusetts Institute of Technology (MIT)
in Boston, USA, während des SKYLAB-Programms. Das Ergebnis war ein IndiumArsenid-Kristall von konstanter elektrischer Leitfähigkeit. Im Gegensatz dazu waren die elektrischen Eigenschaften beim Gegenstück, das unter optimalen
Bedingungen im irdischen Laboratorium hergestellt wurde, zwischen beiden
Kristall enden sehr unterschiedlich. Obgleich die damaligen Experimente noch
ziemlich primitiv angelegt waren, nannte Gatos das Resultat "weit besser als
die Erwartungen".
Jetzt ist beabsichtigt, unter technisch viel günstigeren Bedingungen an
Bord des Raumtransporters den Ablauf des Erstarrungsvorgangs bei Gußeisen,
der ja durch das Fehlen des Störfaktors "Schwerkraft" vereinfacht ist, für die
metallurgische Forschung zu nutzen. "Gußeisen kennt man nun schon seit mehr
als einem Jahrtausend", sagt Fosbinder, "aber über den Kristallisationsprozeß des Graphits weiß man selbst heute noch viel zu wenig. Wohl haben die
letzten Jahre neue, verheißungsvolle Verfahren zur Herstellung von Gußeisen
hervorgebracht. Wir sind der Meinung, daß Versuche in der Schwerelosigkeit
eine Menge dazu beitragen können, um die Graphitbildung besser zu verstehen
und Werkstoffe mit sehr viel besseren Eigenschaften herzustellen."

\

Die Festigkeitswerte und andere chemische Eigenschaften metallischer
Werkstoffe liegen weit unter dem, was theoretisch zu erreichen wäre. So könnten Stähle 100-bis lOOOmal fester sein, als sie tatsächlich sind. Hielten
die Schaufelblätter von Turbinen die hohen Temperaturen aus, mit denen der
Werkstoff unter idealen Bedingungen zu belasten wäre, dürfte der Wirkungsgrad
der Maschinen wesentlich höher sein. Die Sicherheit bei Herzschrittmachern
wäre durch verbesserte Materialeigenschaften ebenso länger gegeben wie die
Lebensdauer von Metall teilen der als Gelenkersatz implantierten Prothesen.
Von großer Bedeutung für die Gußeisenqualität ist z.B., ob der Graphit
grobblättrig oder fein ausgebildet, ob er gleichmäßig verteilt oder in Nestern
- 3 -

�.

in Nestern angeordnet ist. Graphit wird in seiner Kritallisation stark von
Keimwirkungen beeinflußt. Je mehr Kristallisationskeime in der Schmelze in
Lösung gebracht werden können, desto feiner wird die Graphitausbildung sein,
und desto geringer ist die Brüchigkeit des daraus resultierenden Werkstoffs.
Probleme der Werkstofftechnik gibt es noch mehr als genug. Forschungseinrichtungen im Weltraum schaffen eine neue Möglichkeit, Lösungen zumindest
für einen Teil davon zu finden. Thomas Piwonka von TRW Inc. in Kalifornien
hält noch sehr viel mehr Forschung für erforderlich, ehe die Industrie sich
für die Material Produktion im Weltraum unter kommerziellen Gesichtspunkten
engagieren könnte. Von Konferenzteilnehmern aus Europa war zu hören, daß
dort die gegenwärtigen Aktivitäten auf dem Gebiet der Werkstoff-Forschung unter den Bedingungen der Mikrogravitation von der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA organisiert und koordiniert werden. Neben europäischen Programmen
gebe es bemerkenswerte Aktivitäten auf nationaler Ebene, vor allem in der
Bundesrepublik Deutschland, in Frankreich und in Schweden.

+ + + + +

�</text>
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