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                  <text>T

nfoimcilion
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

6. Januar 1982
INHALT
DOKUMENTATION
Erklärung Ronald Reagans bei der Verabschiedung von
Bundeskanzler Schmidt
Ronald Reagan: Der Friede bleibt unser Ziel
- Neujahrsbotschaft des US-Präsidenten an die Welt Präsident Reagan: Die Sowjets sind für die Unterdrückung
in Polen verantwortlich
- Erklärung über Maßnahmen gegen die Sowjetunion Walter Stoessel erläutert Lage in Polen
- Interview mit europäischen Journalisten HINTERGRUNDMATERIAL
William P. Clark: Der neue Sicherheitsberater Reagans
Die Vereinigten Staaten kämpfen gegen chemische Kriegführung
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuartige Palladium-Katalysatoren
- Spezielle Verbindungen auch für Krebstherapie von Interesse
Von G. Weiss
Naturrätsel am Planeten Saturn
- Kondensation kleiner Materieteile in Randbändern der Ringe •

Um Uber/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

6. Januar 1982

ERKLÄRUNG RONALD REAGANS BEI DER VERABSCHIEDUNG VON BUNDESKANZLER SCHMIDT
- Reagan und Schmidt besprechen die westlichen
Maßnahmen zur polnischen Krise -

WASHINGTON -(AD) - Präsident Reagan stellte am 5. Januar 1981 nach Beendigung seiner Gespräche mit Bundeskanzler Schmidt im Weißen Haus fest, daß
er seinem Gast gegenüber seine Überzeugung zum Ausdruck gebracht habe, daß
"jetzt eine greifbare Reaktion des Bündnisses auf die polnische Krise erfolgen muß". Beide Staatsmänner hätten "die Notwendigkeit eindringlicher westlicher Maßnahmen" besprochen, um die polnischen und sowjetischen Behörden
dazu zu bewegen, das Kriegsrecht aufzuheben.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Bundeskanzler Schmidt und ich haben gerade wieder eines unserer Treffen
in einem kritischen Augenblick der Weltpolitik beendet. Natürlich stand im
Mittelpunkt unserer Überlegungen Polen und die Verhängung des Kriegsrechts
über diesem unglücklichen Land.
Wir besprachen

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�Wir besprachen eingehend das Ausmaß sowjetischer Beteiligung an der
gegen das polnische Volk gerichteten Unterdrückung sowie die Notwendigkeit
eindringlicher westlicher Maßnahmen, um die polnischen und sowjetischen Behörden dazu zu bewegen, das Kriegsrecht aufzuheben, all jene freizulassen,
die verhaftet wurden und die Wiederaufnahme eines nationalen Dialogs zu ermöglichen, der zu einer echten Reform führt.
In diesem Zusammenhang ging ich noch einmal mit dem Bundeskanzler die
Reihe von Maßnahmen durch, die ich in meiner Weihnachtsbotschaft und am 29.
Dezember angekündigt hatte. Ich unterstrich meine Überzeugung, daß jetzt eine
greifbare Reaktion des Bündnisses auf die polnische Krise erfolgen muß.Sollte
es uns nicht gelingen, darauf zu beharren, daß die Sowjetunion ihren direkten
und indirekten Druck auf Polen aufgibt, so könnten sich daraus die ernstesten Folgen für die internationalen Beziehungen ergeben.
Unsere heutigen Gespräche deckten ein weites Feld von Themen der Wirtschaft und der Sicherheitspolitik ab. So besprachen wir zum Beispiel die Bedeutung der Verhandlungen über Kernwaffen mittlerer Reichweite in Genf, die
am 30. November begonnen haben, und brachten unsere Hoffnung zum Ausdruck,
daß die Sowjetunion sterile Propaganda vermeidet und konstruktiv auf unsere
Vorschläge einer Null-Lösung für echte Verminderung bei den Kernwaffen
reagiert.
Weitere internationale Fragen unserer Tagesordnung umfaßten die Aussichten für Gespräche über die Verminderung der strategischen Rüstung - die wir
START nennen; außerdem die Lage in Mittelamerika, im Nahen und Mittleren
Osten und im südlichen Afrika sowie der Stand des KSZE-Prozesses im Lichte
der polnischen Krise.
Wir bekräftigen erneut unsere Besorgnis, die wir beide angesichts der
fortdauernden sowjetischen Besetzung Afghanistans hegen sowie unsere Unterstützung für Initiativen des Europaparlamentes

und des Kongresses der Ver-

einigten Staaten, den 21. März zu einem Afghanistan-Tag zu erklären.
Was die
- 2 -

�Was die Vereinigten Staaten angeht, so veröffentlichen sie heute durch
das US-Amt für Internationale Kommunikation (USICA) im Ausland eine Broschüre,
die in beredten Worten die menschliche Seite des Kampfes der Afghanen gegen
die sowjetischen Besatzungsstreitkräfte dokumentiert. Ich habe persönlich
Bundeskanzler Schmidt ein Exemplar überreicht.
Vor allem aber waren wir uns hinsichtlich der Bedeutung der amerikanischdeutschen Partnerschaft und der Notwendigkeit weiterer enger Konsultationen
einig. Wir hoffen, diese Kontakte zu erweitern und zu vertiefen. Wir machen
zudem der öffentlichen Meinung in beiden Ländern, vor allem der jüngeren
Generation, die Verantwortung deutlich, die wir alle bei der Aufrechterhaltung unserer Freundschaft und unserer Verpflichtung gegenüber jenem Instrument teilen, das den Frieden über 30 Jahre lang bewahrt hat - das Nordatlantische Bündnis.
Herr Bundeskanzler Schmidt, auf Wiedersehen.

- 3 -

�6. Januar 1982

RONALD REAGAN: DER FRIEDE BLEIBT UNSER ZIEL
- Neujahrsbotschaft des US-Präsidenten an die Welt

WASHINGTON - (AD) - In einer Neujahrsbotschaft wandte sich Präsident Ronald Reagan

am 31. Dezember 1981 an die Welt und brachte darin

seine Hoffnung zum Ausdruck, daß der Frieden bewahrt und Freiheit für alle
Menschen ermöglicht werde.
Die Botschaft hat folgenden Wortlaut: •
Es ist mir eine große Ehre, Ihnen allen im Namen des amerikanischen
Volkes die besten Wünsche für ein glückliches neues Jahr zu übermitteln.
Wir blicken auf das kommende Jahr als eine Zeit großer Möglichkeiten. Wir
hoffen und beten, daß guter Wille und Rechtschaffenheit die Oberhand behalten mögen und daß die Menschheit es ein wenig besser haben wird aufgrund
der Dinge, die wir als einzelne und als Nation im vor uns liegenden Jahr
tun werden.
In den

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�In den Vereinigten Staaten war das vergangene Jahr eine Zeit erneuerter Hingabe an die grundlegenden wirtschaftlichen und politischen Konzeptionen Amerikas, genau so, wie dies das Volk durch die Wahlen des Jahres
1980 zum Auftrag machte. Nach einer Periode zunehmender Macht der Regierung entschied das amerikanische Volk, daß es an der Zeit sei, von staatlicher Kontrolle und Reglementierung loszukommen und auf etwas zuzusteuern,
das mehr in Einklang mit unserem Glauben an die Freiheit steht - die Freiheit aller und jedes einzelnen.
Die Vereinigten Staaten waren in diesen vergangenen zwölf Monaten mit
Frieden gesegnet - und Frieden bleibt unser Ziel. Unsere militärische Stärke ist diesem edlen Ziel gewidmet. In Übereinstimmung hiermit schlug ich am
18. November im Namen des amerikanischen Volkes der Sowjetunion eine Beseitigung jener Kernwaffen vor, die Europa bedrohen. In den kommenden Monaten
werden die Verhandlungen zwischen unseren beiden Staaten diese Anstrengung
fortführen. Die Vereinigten Staaten haben einen Plan zur Entfernung aller
landgestützten Atomraketen mittlerer Reichweite auf dem europäischen Kontinent vorgelegt. Wir fordern die Sowjetunion auf, sich uns dabei anzuschließen, dieses Ziel zu erreichen.
Es macht uns keine Freude, unsere Mittel zur Herstellung von Kriegsgerät zu verwenden. Während der vergangenen zehn Jahre verringerten die Vereinigten Staaten den Umfang ihrer Streitkräfte und senkten ihre Militärausgaben. Leider wurde diese Geste mit einer massiven Aufrüstung der sowjetischen Streitkräfte beantwortet. Hoffen wir, daß die derzeitige Möglichkeit
für Rüstungsverminderung nicht vertan wird. Die Sowjetunion sollte einsehen,
daß ihre Mittel besser dafür eingesetzt würden, die Bedürfnisse ihres Volkes
zu befriedigen als Vernichtungsinstrumente zu produzieren.
1981 peinigte auch weiterhin sinnlose Gewalt die Welt. In Ägypten wurde
ein großer Mann, ein Mann des Friedens, ermordet. Ein Anschlag wurde auf das
Leben von Papst Johannes Paul verübt, wodurch die Welt fast dieses aufrichtigen Gottesmannes beraubt wurde. Auch ich hatte die Gelegenheit zu erkennen,

- 2 -

�zu erkennen, daß wir die uns bleibende Zeit nützen müssen, um jene Werte zu
fördern, die überdauern werden, wenn wir als einzelne nicht mehr sind.
Ein ehemaliger Präsident der Vereinigten Staaten hat einmal gesagt:
"Das höchste Ideal des amerikanischen Volkes ist der Idealismus... Amerika
ist eine Nation von Idealisten." Dies ist heute genauso richtig wie damals,
als Präsident Calvin Coolidge im Jahr 1925 diese Worte sprach.
Wir Amerikaner bleiben jenem Konzept von Freiheit verpflichtet, das unserem Volk Freiheit und Oberfluß gebracht hat. Zudem sind wir eine Nation,
die sich aus Menschen zusammensetzt, die hierher von überall in der Welt gekommen sind, Menschen aller Rassen und aller Glaubensbekenntnisse, die gelernt haben, miteinander in Frieden und Wohlstand zu leben. Vielleicht kennen auch Sie jemanden oder haben Verwandte, die jetzt hier leben. Nun,sie
sind in genau demselben Maß Amerikaner wie diejenigen, die vor zwei Jahrhunderten auf der Suche nach Freiheit hierherkamen. In einem sehr konkreten
Sinn sind alle Menschen, die sich nach Freiheit sehnen, unsere Mitbürger.
Es ist diese Liebe zur Freiheit, die uns und unsere Vorfahren in dieses
Land brachte.
•

Wegen dieses besonderen amerikanischen Wesenszuges sind unsere Herzen
bei jenen, die Unterdrückung erleiden. Im vergangenen Jahr haben wir gesehen,
wie die Arbeiter in Polen dafür kämpften, ihr Land näher zur Freiheit zu
bringen - und die dafür Blutvergießen und Unterdrückung erlebten. Wir haben
gesehen, wie das mutige Volk Afghanistans gegen gewaltige Widerstände in
dem Versuch ankämpft, ausländische Herrschaft abzuschütteln.
Während meines Lebens habe ich den Aufstieg des Faschismus und des Kommunismus gesehen. Beide politische Theorien verherrlichen die unumschränkte
Macht des Staates. Auf einige Intellektuelle übten diese Ideologien zunächst
eine gewisse Faszination aus. Aber beide haben versagt. Beide verwehren die
gottgegebenen Freiheiten, die die unveräußerlichen Rechte eines jeden Menschen

- 3 -

�Menschen auf diesem Planeten sind, und sie verneinen die Existenz Gottes.
Wegen dieses grundlegenden Fehlers ist der Faschismus bereits zerstört und
ist auch der Bankrott des Kommunismus für jedermann offenbar - eines Systems, das bei der Produktion von Kriegsmaschinerien effizient ist, aber
sein Volk nicht satt machen kann.
Wir Amerikaner beginnen dieses neue Jahr mit erneuerter Verpflichtung
gegenüber unseren Idealen und mit der Zuversicht, daß der Frieden erhalten
bleiben und letztlich Freiheit für alle Menschen herrschen wird.
Wo immer Sie deshalb auch sein mögen: Amerika wünscht Ihnen für dieses
Neue Jahr alles Gute. Und all jenen, die danach verlangen, in Freiheit zu
atmen, die sich nach einem besseren Leben sehnen, sei gesagt: Wir denken
an euch, wir beten für euch, und wir sind stets mit euch.

- 4 -

�6. Januar 1982

PRÄSIDENT REAGAN: DIE SOWJETS SIND FÜR DIE UNTERDRÜCKUNG
IN POLEN VERANTWORTLICH
- Erklärung über Maßnahmen gegen die Sowjetunion -

LOS ANGELES - (AD) - Präsident Reagan hat am 29. Dezember 1981 in
Los Angeles eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, die gegen die Sowjetunion
wegen ihrer "gewaltigen und unmittelbaren Verantwortung für die Unterdrükkung in Polen" ergriffen werden sollen.
Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Die Sowjetunion trägt eine gewaltige und unmittelbare Verantwortung
für die Unterdrückung in Polen, über viele Monate hinweg haben die Sowjets
öffentlich und insgeheim einen solchen Schlag gefordert. Durch jetzt bekanntgewordene Briefe an die polnische Führung, durch militärische Manöver
und durch andere Formen der Einschüchterung wurde von ihnen erheblicher
Druck ausgeübt. Nunmehr unterstützen sie öffentlich die erfolgte Unterdrückung.

Vorige

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�Vorige Woche habe ich erklärt, daß ich einen Brief an Präsident
Breschnew geschickt hatte, in dem ich darauf drängte, er möge die Wiederherstellung der grundlegenden Menschenrechte in Polen ermöglichen, wie dies
in der Schlußakte von Helsinki niedergelegt ist. Ich habe ihn außerdem darüber informiert, daß die Vereinigten Staaten bei anhaltender Unterdrückung
keine andere Wahl haben würden, als weitere konkrete politische und wirtschaftliche Maßnahmen zu ergreifen, die unsere Beziehungen beeinflussen.
Die Unterdrückung in Polen dauert an,und Präsident Breschnew hat auf
eine Weise geantwortet, die deutlich macht, daß die Sowjetunion nicht den
Ernst unserer Besorgnis und auch ihre Verpflichtungen nicht versteht, die
sich sowohl aus der Schlußakte von Helsinki als auch aus der Charta der
Vereinten Nationen ergeben. Ich habe daher entschieden, daß die folgenden
sofortigen Maßnahmen gegenüber der Sowjetunion ergriffen werden:
- Alle Flüge der AEROFLOT in die Vereinigten Staaten werden suspendiert.
- Die sowjetische Einkaufskommission wird geschlossen.
- Die Ausgabe oder die Erneuerung von Lizenzen für den Export von elektronischer Ausrüstung, von Computern und anderem hochtechnologischen
Gerät in die Sowjetunion wird suspendiert;
- Verhandlungen über ein neues langfristiges Getreideabkommen werden
verschoben.
- Die Verhandlungen über ein neues amerikanisch-sowjetisches Schiffahrtsabkommen werden suspendiert, und nach Ablauf des derzeitigen Abkommens über Zugangskontrolle sowjetischer Schiffe zu amerikanischen
Häfen am 31. Dezember wird eine neue Regelung in Kraft treten.
- Für die Ausfuhr in die Sowjetunion werden bei einer erweiterten Liste
von Ausrüstungsgegenständen zur ül- und Gasförderung Lizenzen erforderlich. Die Ausstellung solcher Lizenzen wird suspendiert. Hierin
eingeschlossen sind Maschinen zur Rohrverlegung. •
- Amerikanisch

�- Amerikanisch-sowjetische Austauschvereinbarungen, die demnächst zur
Erneuerung anstehen - einschließlich der Abkommen über Energie, Wissenschaft und Technologie - werden nicht erneuert. Eine umfassende
Überprüfung aller anderen amerikanisch-sowjetischen Austauschvereinbarungen wird stattfinden.
Die Vereinigten Staaten wollen ein konstruktives und wechselseitig vorteilhaftes Verhältnis zur Sowjetunion. Wir beabsichtigen, auf hoher Ebene
einen Dialog aufrechtzuerhalten. Aber wir sind bereit, in jedwede Richtung
zu gehen, für die sich die Sowjetunion entscheidet - in Richtung auf größere wechselseitige Zurückhaltung und Zusammenarbeit oder weiter auf einem
unangenehmen und weniger vorteilhaften Weg. Wir werden in den kommenden Tagen und Wochen die Ereignisse in Polen genau beobachten. Weitere Schritte
könnten notwendig sein, und ich bin bereit, sie zu unternehmen. Die amerikanischen Entscheidungen werden von den sowjetischen Maßnahmen bestimmt sein.
Außenminister Haig steht in Verbindung mit unseren Freunden und Verbündeten hinsichtlich der von uns ergriffenen Maßnahmen und hat erklärt, warum
wir der Überzeugung sind, daß solche Schritte zu diesem Zeitpunkt entscheidend sind.
Ich fordere die Sowjetunion noch einmal auf, den eindeutigen Wunsch der
überwältigenden Mehrheit des polnischen Volkes nach einem Prozeß der nationalen Versöhnung, Erneuerung und Reform anzuerkennen.

+ + + + +

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

6. Januar 1982

WALTER STOESSEL ERLÄUTERT LAGE IN POLEN
Interview mit europäischen Journalisten -

WASHINGTON - (AD) - Walter Stoessel, der in Vertretung von Alexander
Haig als amerikanischer Außenminister fungierte, legte am 30. Dezember 1981
in einem Interview mit europäischen Journalisten die Haltung der Vereinigten
Staaten zu den Vorgängen in Polen dar und stellte sich anschließend den Fragen der Presse.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
Während der letzten 18 Monate waren wir Zeugen einer der außergewöhnlichsten Entwicklungen in diesem Jahrhundert. Praktisch die gesamte polnische Bevölkerung, einschließlich großer Teile der kommunistischen Partei,
nahmen an einem noch nie dagewesenen friedlichen Prozeß der Erneuerung und
Reform teil. Es war eine echte Massenbewegung.
In den vergangenen Monaten gab es sogar eine praktische Beendigung der
Streiks, während sich ein interner Konsens über die Zukunft Polens abzu-

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�Polens abzuzeichnen begann.
Aber gerade in dem Augenblick, als diese friedliche Erneuerung Frucht zu
tragen begann, wurde dem Land die schwere Hand des Polizeiterrors auferlegt einem Staat, der sich angeblich auf einer zehn Millionen starken Arbeiterbewegung gründete. Alle freien Menschen müssen sich fragen, warum dies getan
wurde - in Verletzung der Vereinbarungen der Schlußakte von Helsinki, die
von Polen und der Sowjetunion unterzeichnet wurde

-, und was wir dagegen

unternehmen.
Es gibt derzeit in dieser Welt keine wichtigere moralische Frage. Es
ist klar, daß wir mit einer polnischen Militärjunta, die diese Unterdrückung
durchführt und mit der Sowjetunion, deren monatelanger offener und heimlicher
Druck all dies zustande brachte, nicht bei der normalen Tagesordnung bleiben
können.
Im Namen der überwältigenden Mehrheit des polnischen Volkes, das derzeit
nicht für sich selbst sprechen kann, müssen wir eine Erneuerung des nationalen Dialogs zwischen der Solidarität, der Kirche und der Regierung fordern.
Es kann kein sinnvoller Dialog stattfinden, wenn diejenigen eingesperrt
sind, die für die breite Masse des polnischen Volkes sprechen. Man kann nicht
aus einer Gefängniszelle heraus verhandeln.
Die internationale Arbeitsorganisation, die ILO, darf in einem sogenannten Arbeiterstaat noch nicht einmal Arbeiter besuchen.
Die Vereinigten Staaten und der Westen haben eine moralische und politische
Verpflichtung, in dieser Situation nicht nur das Wort zu ergreifen, sondern auch
zu handeln. Daher haben die Vereinigten Staaten den Eindruck, daß sie eine
Führungsrolle übernehmen sollten, und wir hoffen, daß andere ebenfalls handeln werden. Um vor weiterer Unterdrückung abzuschrecken, muß es praktische
Konsequenzen für diejenigen geben, die sie ausüben wollen.
Wir müssen
- 2 -

�Wir müssen uns daran erinnern, daß zur Herrschaft des Bösen nur eins
nötig ist: Daß anständige Menschen daneben stehen und nichts tun. Die Vereinigten Staaten haben nicht die Absicht, nichts zu tun.
FRAGE: Herr Minister, die Maßnahmen, die Sie bisher ergriffen haben,
waren einseitige Maßnahmen. Sehen Sie hier eine Möglichkeit für einen ernsthaften Bruch im Bündnis in dem Sinne, daß Sie Führung ausüben, dann aber
nach hinten schauen und feststellen, daß niemand folgt?
ANTWORT: Ich glaube, das ist wahrscheinlich übertrieben. Wir hatten
natürlich von Anfang an sehr gute Konsultationen hinsichtlich der Lage in
Polen. Und ich glaube.es herrscht gutes Einvernehmen hinsichtlich der verschiedenen Schritte, die von den Regierungen in dieser Situation unternommen werden könnten - und die Schritte, die wir einseitig unternommen haben,
sind abgestuft und maßvoll.
Ich würde annehmen, daß wir unsere Konsultationen über diese Schritte
mit unseren Verbündeten in den kommenden Tagen noch verstärken werden und
unsere Erwartungen und Hoffnungen gehen dahin, daß sich uns andere in parallelen oder ähnlichen Aktionen anschließen - nicht notwendigerweise genau
die gleichen, die wir unternommen haben, aber Schritte, die demselben Ziel
dienen und daß auf keinen Fall Länder so handeln, daß das untergraben wird,
was wir getan haben.
FRAGE: Wenn ich noch einmal auf den letzten Aspekt Ihrer Erklärung
eingehen darf, Herr Minister: Sie sagen, Sie hofften, daß die anderen sich
ihnen anschließen werden oder zumindest nichts untergraben. Gibt es hier
eine Art Sicherheit, eine Gewißheit, daß dies in der Tat passieren wird?
Schließlich haben wir uns innerhalb des Bündnisses fast 18 Monate lang
darüber konsultiert, was im Falle einer sowjetischen Intervention zu tun
sei. Das hat nun stattgefunden und Sie haben Schritte unternommen. Können
Sie denn nicht nach so vielen Monaten der Konsultation mehr oder weniger
vorhersagen, ob Sie zumindest ein biß:hen Unterstützung bekommen?
ANTWORT:

�ANTWORT: Ich glaube, wir können diese Voraussage machen, und wir haben
natürlich schon Unterstützung für die Maßnahmen erlebt, die wir vorher hinsichtlich Polens ergriffen haben. Die meisten Regierungen des Bündnisses
haben hinsichtlich der Kredite ähnliche Maßnahmen ergriffen und achten darauf,
daß Hilfe lediglich dem polnischen Volk selbst zukommt. Das alles läuft also
bereits. Und ich glaube auch, daß wir bei den anderen, gegen die Sowjetunion
gerichteten Maßnahmen Unterstützung für unseren Kurs erleben werden.
FRAGE: Aber ganz offen Herr Minister, haben Sie nicht viel positivere
Schritte seitens der europäischen Länder erwartet?
ANTWORT: Ich glaube wirklich nicht. Natürlich haben wir diese Maßnahmen
erst gestern angekündigt. Die genauen Maßnahmen wurden den Verbündeten mit
einem sehr kurzen zeitlichen Abstand übermittelt.
Wir hatten über solche Maßnahmen als Teil einer, wenn Sie so wollen,
Palette gesprochen - einer Palette von Maßnahmen, die getroffen werden könnten; aber das genaue Paket wurde erst geschnürt, als der Präsident dazu seine Entscheidung gefällt hatte. Das aber geschah sehr rasch nach Erhalt des
Breschnew-Briefs, der durch Ton und Haltung anzeigte, daß wir Schritte unternehmen mußten, und daß sie schnellstens unternommen werden mußten, um so wirkungsvoll wie möglich zu sein.
So viel zum Zeitfaktor. Ich glaube, wir werden nunmehr einen Prozeß der
Konsultationen über diese Maßnahmen erleben. Außerdem wird es seitens der
Europäischen Gemeinschaft eine Reihe von Treffen geben, und auch beim NATORat, möglicherweise ein NATO-Ministertreffen Anfang Januar. Durch diesen
Prozeß werden wir zu einer guten Verständigung gelangen.
FRAGE: Herr Minister, es scheint einen grundlegenden Unterschied zwischen
Ihrer Perspektive und der Ihrer Verbündeten, besonders der Deutschen zu geben,
die die Unterdrückung in Polen als eine

Unterdrückung von Polen durch Polen

ansehen - und daher eine polnische Angelegenheit. Dagegen betrachten Sie sie,
als von der Sowjetunion inspiriert.
- 4 -

c«. k , nn

�Es kann nur das eine oder das andere sein, nicht wahr?
ANTWORT: Wir haben folgenden Eindruck: Während die eigentliche Unterdrückung in Polen offensichtlich durch die Polen selbst ausgeführt

wird,

so wurden sie doch über einen langen Zeitraum hinweg selbst von den Sowjets
unter Druck gesetzt und es sollte keinerlei Zweifel darüber geben, daß letztlich die Sowjets hinter dem stehen, was in Polen vorgeht.
Man kann darüber argumentieren, ob General Jaruzelski autonom handelte,
als er den Schritt zum Kriegsrecht tat, oder ob er direkt durch die Sowjets
hineingestoßen wurde. Ich glaube, die objektive Tatsache ist, daß das Kriegsrecht verhängt wurde, daß die Sowjets dahinter stehen und daß das der Punkt
ist, über den wir uns Gedanken machen sollten.
Ich meine, es sollte auch keinen Zweifel darüber geben, was in Polen
vorgeht, daß wir Zeuge der Unterdrückung einer Arbeiterbewegung sind, daß
wir erleben, wie viele Tausende von Menschen im Gefängnis oder im Internierungslager festgehalten werden und daß es keinen Dialog zwischen Kirche,
Staat und Solidarität gibt.
Dies also geschieht. Es geschieht in Verletzung der Schlußakte von
Helsinki und wir fühlen eine Verpflichtung, unsere Stimme zu erheben. Und
ich glaube, wir alle im Bündnis stimmen darüber überein, daß wir unsere
Stimme wegen dieser Verletzungen erheben sollten.
Die Erklärungen der Besorgnis, die von den Regierungen abgegeben wurden,
waren in dieser Hinsicht sehr deutlich.
FRAGE: Aber,Herr Ministert wann ich hier noch etwas weitergehen darf,
die Ankündigung von Strafmaßnahmen gegen die Sowjetunion sind doch bei dem
Klima der europäischen Politik wirklich ein sehr ernster Schritt. Wir alle
wissen, wie empfindlich das Ost-West-Klima seit einiger Zeit schon ist und
wir alle wissen, wie empfindlich die westlichen Verbündeten insbesondere

- 5 -

�Verbündeten insbesondere dabei sind, nicht zu überreagieren, wenn sie es
vermeiden können.
Ich habe es aus einer Quelle in Bonn, daß die hier in Washington gestern
angekündigten Maßnahmen der Übereinkunft des Bündnisses nach wirklich dem extremen Fall einer militärischen Intervention durch die Sowjets vorbehalten
sein sollten. Aber Sie waren irgendwie etwas schnell bei der Hand, als Sie
die Hälfte dieser Maßnahmen sozusagen aus der Schublade holten, bei denen
das Bündnis übereingekommen war, sie im Fall einer offenen sowjetischen Militärintervention zu ergreifen. Ich könnte mir zu diesem Punkt seitens der
Europäer eine ziemliche Verwirrung vorstellen, daß Sie nämlich ohne ausreichende Konsultation die schärfsten Gegenmaßnahmen ergriffen haben, die möglich waren für den Fall eines Ereignisses, das in den Augen der Europäer noch
gar nicht stattgefunden hat - ich meine die offene Militärintervention durch
die Sowjetunion.
Wie würden Sie diese beiden Einstellungen in Einklang bringen?
ANTWORT: Natürlich ist eine einheitliche Haltung des Bündnisses am
einfachsten dadurch zu erlangen, daß man auf eine offenkundige sowjetische
Militärintervention reagiert - und hierfür wurden ganz genaue Pläne ausgearbeitet, wurde - wie Sie andeuten - eine ganze Liste von Maßnahmen in Erwägung
gezogen.
Gleichzeitig arbeitete das Bündnis aber auch Maßnahmen aus, die in einer
Situation ergriffen werden sollten, die unterhalb einer umfassenden sowjetischen Militärintervention lag. Dies aber ist offensichtlich eine kompliziertere Angelegenheit, und es ist schwieriger, spezielle Reaktionen auszuarbeiten.
Aber ich würde sagen, daß all die von uns ergriffenen Maßnahmen der Art
waren, wie wir sie für einen begrenzteren Notfall, wie auch für den letztendlichen Notfall besprochen hatten.
Es gab

- 6 -

�Es gab keine klare, eindeutige Linie zwischen diesen beiden Arten von
Notfällen. Ich möchte zugleich wiederholen, daß das, was wir bisher unternommen haben, abgestuft und maßvoll war. Es ist keineswegs das Letztmögliche,
das getan werden könnte und wir werden daher die Ereignisse in Polen genau
beobachten und sehen, was sich dort zuträgt. Wenn die Unterdrückung andauert
oder die Lage sich gar verschlimmert, könnte in bezug auf Sanktionen auch
noch anderes in Erwägung gezogen werden.
FRAGE: Glauben Sie wirklich, eine Möglichkeit zu haben, die Haltung der
Sowjets hinsichtlich Polen zu ändern?
ANTWORT: Ich glaube, es gibt eine Möglichkeit. Wir wissen, daß sich die
Sowjets über 18 Monate hinweg aus diesem oder jenem Grund von einer Intervention in Polen zurückhielten. Obgleich sie drohten, Briefe schickten und auf
verschiedene Weise Druck ausübten, so intervenierten sie doch nicht; das
Kriegsrecht wurde nicht ausgerufen.
Diese Einflüsse, die eine solche Zurückhaltung erforderten, sind nicht
plötzlich verschwunden und wir glauben, daß wir durch die von uns getroffenen Maßnahmen jene Elemente der Zurückhaltung dazu ermutigen können * hervorzutreten, daß die Aussicht besteht, daß es Bewegung in Richtung auf jenen Prozeß gibt, der in Polen vor dem 13. Dezember stattfand.
FRAGE: Meinen Sie damit letztlich, daß ein verbaler Ausdruck der Besorgnis eigentlich nicht viel Wert hat und daß der große Prügel die einzige Sprache
spricht, die die Sowjets verstehen?
ANTWORT: Ich glaube, daß es wichtig und willkommen ist, seine Besorgnis
zum Ausdruck zu

bringen, und ich bin sicher, daß diese Sorge aufrichtig und

ernst gemeint ist. Gleichzeitig meine ich aber auch, daß sie durch konkrete
Schritte unterstützt werden muß, die Zeugnis von der Stärke dieser Besorgnis
geben. Und genau das versuchen wir mit unseren Maßnahmen zu tun und hoffen,
daß andere uns folgen werden.

TRAPP-

- 7 -

�FRAGE: Um noch einmal auf das zurückzukommen, was Sie vorhin über bestimmte sowjetische Zwänge und sowjetische Zurückhaltung bei Polen gesagt
haben: Es gibt eine Richtung, die behauptet, dies sei nicht so sehr Zurückhaltung ihrerseits gewesen, sondern vielmehr eine verlängerte Suche nach
der in ihren Augen richtigen Lösung, die es ihnen erlauben würde, die Bewegung niederzuschlagen. Sie hatten nie die Absicht, sie zu tolerieren. Sie
brauchten nur etwas länger, um zur Niederschlagung zu kommen, ohne bis zur
militärischen Intervention zu gehen.
Um etwas den advocatus diaboli zu spielen: Wie können wir annehmen, daß
es Elemente gab, die die Sowjets zurückhielten, da doch offenkundig jener Typ
der Entwicklung, den wir jetzt erkennen - die Niederschlagung - nur etwas
länger dauerte? Wie können wir glauben, daß wir - der Westen oder wer auch
immer - irgendetwas mit dieser Zurückhaltung der Sowjets Über einen so langen Zeitraum zu tun hatten?
ANTWORT: Es ist offensichtlich schwer, genau zu wissen, was die Sowjets
motiviert hat und was sie motiviert. Gleichzeitig ist aber deutlich - und
alle Beweise, über die wir verfügen, deuten darauf hin -, daß die Sowjets
während dieser ganzen Zeit von der Haltung des Westens beeindruckt waren,
von der sicheren Erkenntnis, daß im Fall einer militärischen Intervention
vom Westen sehr harte Maßnahmen ergriffen würden und daß dies einen sehr
nachteiligen Effekt auf die Ost-West-Beziehungen insgesamt und auf die vielen Dinge - sowohl wirtschaftlich als auch politisch - haben würde, an denen die Sowjets interessiert sind.
Ich meine, das ist offensichtlich - und eine der wichtigsten Beschränkungen, die bisher gewirkt haben, eine die, wie ich glaube, auch weiterhin
wirksam bleiben kann.
FRAGE: Um auf mein Argument zurückzukommen: Es war also nicht so sehr
die Tatsache, daß sie nur einfach länger brauchten, um aus diesem Dilemma
herauszukommen...?
ANTWORT:
- 8 -

�ANTWORT: Nein, ich glaube nicht. Sie waren besorgt über den Gang der
Dinge in Polen. Sie haben nach Wegen gesucht, um damit fertig zu werden zurückgehalten durch die westlichen Maßnahmen. Dies ist sicherlich ein
Element des Gesamtbildes.
FRAGE: Herr Minister, dies mag vielleicht eine schwierige Frage sein, aber welche Unterschiede sehen Sie zwischen den Reaktionen in Paris, in
London und in Bonn?
ANTWORT: Das ist schwierig, und ich möchte keine Vergleiche im einzelnen anstellen. Es scheint deutlich, daß die öffentliche Reaktion in Frankreich besonders stark war. Das hat sicher zu tun mit Emotionen in Frankreich
hinsichtlich Polens und der historisch sehr engen Beziehung zur polnischen
Nation. Das wurde sehr deutlich und von da aus waren die Erklärungen der
französischen Regierung besonders nachdrücklich und klar.
Auch in Großbritannien haben wir ähnlich deutliche Erklärungen und Reaktionen gesehen. Ich würde sagen, in der Bundesrepublik ist die Situation etwas anders - und zwar aus verständlichen Gründen. In gewisser Hinsicht ist
die Bundesrepublik in einer anderen Lage. Die geographische Lage Deutschlands ist doch recht anders. Es ist am exponiertesten. Die Bundesrepublik
hat starke Handelsbeziehungen zu Osteuropa und gewichtige humanitäre Anliegen.
Das ist verständlich. Andererseits habe ich den Eindruck, auch in der
Bundesrepublik haben wir eine starke öffentliche Reaktion erlebt. Man macht
sich viele Sorgen darüber, was in Polen vorgeht. Wir stehen mit der Bundesregierung in engem Kontakt, in enger Konsultation und wir freuen uns auf den
Besuch von Bundeskanzler Schmidt nächste Woche in Washington, wo wir Gelegenheit haben werden, auf höchster Ebene mit ihm Gespräche zu führen und,
wie ich hoffe und glaube, zu einer gemeinsamen Beurteilung der Lage und
dessen kommen werden, was getan werden sollte.
FRAGE:

- 9 -

�FRAGE: Herr Minister, ich glaube, wir haben nur noch Zeit für eine
weitere Frage. Würden Sie es geradeheraus sagen: Sie machen sich um die
Deutschen Sorgen?
ANTWORT: Nein, das würde ich nicht sagen. Ich habe ja etwas Erfahrung
mit der Bundesrepublik Deutschland, nachdem ich vier Jahre lang dort Botschafter war. Und ich habe das größte Vertrauen in das deutsche Volk und
in die Bundesregierung, daß man das Richtige tut.
FRAGE: Vielen Dank für Ihre diplomatische Antwort.
ANTWORT: Vielen Dank.

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6. Januar 1982

WILLIAM P. CLARK: DER NEUE SICHERHEITSBERATER REAGANS

WASHINGTON - (AD) - Der bisherige Stellvertretende Außenminister
William P. Clark ist von Präsident Reagan zu seinem neuen Sicherheitsberater ernannt worden. Er tritt die Nachfolge von Richard V. Allen an.
Clark hatte sich im amerikanischen Außenministerium rasch eingearbeitet
und sich einen Namen als tüchtiger Verwaltungsmann, harter Arbeiter und geschätzter Vermittler gemacht. Er ist bekannt dafür, klare Entscheidungen zu
treffen und verfügt über sehr gute Kontakte zu wichtigen Regierungsvertretern in Washington. Mit dem Präsidenten ist er seit 14 Jahren persönlich vertraut
und wird in seiner neuen Stellung als Sicherheitsberater im Weißen Haus
direkten Zugang zu Reagan haben.
Wie der Stellvertretende Pressereferent des Weißen Hauses, Larry Speakes,
mitteilte, hat der Präsident Clark mit der "Entwicklung, Koordination und
Durchführung der nationalen Sicherheitspolitik" beauftragt. Clark ist in
seiner neuen Stellung Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrates.
Die Ernennung

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Telex: 08-85432

�Die Ernennung Clarks hat in der amerikanischen Presse und Öffentlichkeit weitgehende Anerkennung gefunden.
Clark, am 23. Oktober 1931 in Oxnard, Kalifornien geboren, war Beisitzer am Obersten Gerichtshof von Kalifornien, wohin ihn 1973 Ronald Reagan
in seiner Gouverneurszeit berufen hatte.
Von 1971 bis 1973 war er Richter am kalifornischen Appellationsgerichtshof. Zuvor war er von 1969 bis 1971 an einem oberen Gericht in Kalifornien
tätig.
Von 1967 bis 1969 war er als Stabschef von Gouverneur Ronald Reagan in
Sacramento verantwortlich für die Reorganisation der Exekutive des Staates
Kalifornien und stand dabei in intensivem Kontakt mit mehreren Bundesministerien in Washington und Kongreßabgeordneten aus Kalifornien.
Von 1959 bis 1969 war er Seniorpartner der Anwaltsfirma Clark, Cole
and Fairfield in Oxnard, Kalifornien.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam Clark im Rahmen einer nachrichtendienstlichen Tätigkeit nach Westeuropa.
Seine Erfahrung in Rechtsfragen umfaßt die Vertretung von Klienten in
und aus Westeuropa und Mexiko, Vortragstätigkeit über vergleichendes Recht
in Budapest und Salzburg.
Clark besuchte die Universitäten Stanford und Santa Clara sowie die
Loyola Night Law School.

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�Hintergrund
materiell
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6. Januar 1982

DIE VEREINIGTEN STAATEN KÄMPFEN GEGEN CHEMISCHE KRIEGFÜHRUNG

WASHINGTON - (AD) - In einem am 4. Januar 1982 im "Wall Street Journal1
veröffentlichten Leserbrief hat der Direktor des Büros für politisch-militärische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Richard Burt,
darauf hingewiesen, daß die Reagan-Administration dem Problem der Anwendung von chemischen Waffen und Giftstoffen "höchste Priorität" einräume.
Das Ziel der amerikanischen Regierung sei es, "der Anwendung von chemischen
Waffen und Giftstoffen gegen unschuldige und wehrlose Menschen in Laos,
Kambodscha und Afghanistan ein Ende zu bereiten".
Der Leserbrief von Richard Burt hat folgenden Wortlaut:
Ich teile viele der Beurteilungen, die in Ihrem Leitartikel vom 18.
Dezember bezüglich der ABC-Fernsehdokumentation über den Einsatz chemischer
Waffen in Südostasien und Afghanistan zum Ausdruck kamen. Ich muß mich jedoch gegen die in diesem Leitartikel und in einem früheren Leitartikel zum
gleichen Thema vertretene Auffassung wenden, die Vereinigten Staaten hätten

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�hätten sich nicht nachdrücklich genug mit diesem Problem befaßt.
Diese Administration hat dem Problem der Anwendung chemischer Waffen
und von Giftstoffen höchste Priorität eingeräumt. Leitende amerikanische
Regierungsvertreter, darunter Außenminister Haig, haben zahlreiche öffentliche Erklärungen abgegeben, in denen die Aufmerksamkeit auf dieses abscheuliche und ungesetzliche Tun hingelenkt

wurde. Gleichzeitig hat die

Administration umfassende neue bilaterale und multilaterale Kontakte geknüpft, um andere Regierungen dazu zu bewegen, diesem Problem eine ähnliche Priorität einzuräumen. Die Vereinigten Staaten sind in dieser Angelegenheit auch formell und nachdrücklich bei der Sowjetunion und bei den
Regierungen von Laos und Vietnam vorstellig geworden.
Die erste öffentliche Äußerung über die amerikanische Besorgnis bezüglich des Einsatzes chemischer Waffen in Südostasien und Afghanistan erfolgte
vor über zwei Jahren. Vor 18 Monaten hat die Regierung eine 125seitige Zusammenstellung von Beweisen für einen solchen Einsatz veröffentlicht. Diese
Dokumentation wurde im März vorigen Jahres durch eine weitere längere Veröffentlichung ergänzt. Neben öffentlichen Anstrengungen fanden vertrauliche
diplomatische Bemühungen statt. Bereits

1978 begannen die Vereinigten Staa-

ten diese Frage auf diplomatischem Wege, zuerst mit Laos und dann mit Vietnam
und der Sowjetunion aufzugreifen. Im Jahre 1980 brachten die Vereinigten
Staaten dieses Problem zum erstenmal vor die Vereinten Nationen, wo es uns
und anderen besorgten Regierungen gelang, eine internationale Untersuchung herbeizuführen.
Am 13. September 1981 veröffentlichte die Regierung neue dramatische
praktische Beweise, durch die, wie Außenminister Haig feststellte, Toxine
(Giftstoffe) als Bestandteil der chemischen Einsatzmittel identifiziert
wurden, die in Südostasien verwandt werden. Diese Beweise wurden der
Öffentlichkeit und der Weltgemeinschaft zur Verfügung gestellt, nachdem
die Versuche abgeschlossen und die Ergebnisse der Analysen verfügbar waren.
Seither wurden alle nur möglichen Anstrengungen unternommen, um zusätzliche

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�um zusätzliche Beweise zu sammeln und der Öffentlichkeit so viele Einzelheiten wie möglich bezüglich der Informationsquellen, der Methoden der Analyse
und der Auswirkungen unserer Befunde zur Verfügung zu stellen. Ohne die Frage einer sowjetischen Beteiligung ganz zu erfassen, haben wir sie sorgfältig
und genau dokumentarisch

belegt. In meinen eigenen Aussagen vor dem Abrü-

stungsunterausschuß des Außenpolitischen Ausschusses des Senats am 10. November habe ich die Beweise für die sowjetische Beteiligung in einiger Ausführlichkeit dargelegt. In diesen gleichen Aussagen habe ich die Auffassung
der amerikanischen Regierung deutlich gemacht, daß wir den Einsatz toxischer
Waffen als eine Verletzung des Genfer Protokolls von 1925 und der Konvention über das Verbot biologischer Waffen von 1975 sowie der Regeln des Völkerrechts betrachten.
Diesen Monat wurde der Auftrag für eine Untersuchung durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen erneuert. Trotz heftigen sowjetischen
Widerstandes sicherte dieser Schritt die Unterstützung durch 86 Nationen zehn mehr als im vorigen Jahr, und 66 mehr als die Handvoll von Ländern,
die den sowjetischen Versuch unterstützten, diese Untersuchung zu unterdrücken. Ich bin mir darüber im klaren, daß kein

Bericht der Vereinten

Nationen allein, keine Resolution allein und keine internationale Untersuchung allein genügen werden, um diesem Tun Einhalt zu gebieten. Und doch
bedeutet diese kürzliche Abstimmung in den Vereinten Nationen einen wesentlichen, wenn auch bescheidenen Schritt in unseren ständigen Bemühungen, ein
breites Segment der öffentlichen Meinung der Welt zu mobilisieren, gegen
die Anwendung dieser barbarischen Waffen zu protestieren und die Einstellung
ihrer Anwendung sicherzustellen.
Die Vereinigten Staaten haben eine Reihe von Initiativen ergriffen, um
die Information über den Einsatz chemischer und toxischer Waffen so weit
wie möglich zu verbreiten. Journalisten wurde direkter und umfassender Zugang zu den zuständigen Wissenschaftlern der Regierung, Untersuchungspersonen und Regierungsvertretern gewährt. Im Oktober besuchte eine Gruppe amerikanischer Regierungsvertreter und Experten Europa, wo sie alle verbündeten

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�verbündeten Regierungen im Detail über unsere neuesten Beweise unterrichteten. In jeder der besuchten Hauptstädte kam das Team auch mit Journalisten,
Wissenschaftlern und anderen nicht der Regierung angehörenden Persönlichkeiten mit einem potentiellen Interesse an dieser Sache zusammen. Ein ähnliches
Team traf in New York mit der Gruppe der Vereinten Nationen zusammen, die den
Einsatz chemischer Waffen untersucht,

um den schriftlichen Bericht der Ver-

einigten Staaten an die Vereinten Nationen zu ergänzen.
Das Ziel der amerikanischen Regierung bei all diesen Schritten besteht
darin, der Anwendung von chemischen Waffen und Giftstoffen gegen unschuldige
und wehrlose Menschen in Laos, Kambodscha und Afghanistan ein Ende zu bereiten. Ich darf Ihnen versichern, daß wir weiterhin über diesen Einsatz, so
lange er andauert, Informationen sammeln, analysieren und veröffentlichen
werden. Wir werden uns auch weiterhin bilateral, multilateral und vor jedem
möglichen Forum nachdrücklich mit dieser Angelegenheit befassen.
Die Vereinigten Staaten können jedoch nicht allein handeln, wenn wir
bei der Veröffentlichung und letztlichen Beendigung dieser Greuel Erfolg
haben wollen. Hier haben Privatpersonen und private Organisationen ebenfalls
eine Pflicht zu handeln, und haben die Möglichkeit,wirksam zu handeln. Die
Presse kann eine unerläßliche Rolle als unabhängige Quelle für Beweis und
Analyse spielen. Die Sendung von ABC hat bewiesen, daß es für eine private
Organisation, wenn sie über Entschlossenheit und Initiative verfügt, möglich
ist, Beweise über den Einsatz chemischer und toxischer Waffen zu sammeln,
zu analysieren und auszuwerten. Ich bin sicher, daß Sie sich uns in dem Bemühen anschließen werden, andere dazu zu bewegen, dieser Angelegenheit die
Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdient, wie Sie es bezüglich der Anregung eines weltweiten Protestes gegen den Einsatz von Toxinen und anderen
tödlichen und kampfunfähig machenden chemischen Waffen getan haben.
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�6. Januar 1982

1

NEUARTIGE PALLADIUM-KATALYSATOREN
Spezielle Verbindungen auch für Krebstherapie von Interesse
Von G. Weiss

(AD) - Die Erforschung metallorganischer Verbindungen bringt immer wieder Überraschungen. So verwies kürzlich Dr. George R. Newkome, Chemiker an
der Staatsuniversität Louisiana in Baton Rouge, in einem Bericht an die
"National Science Foundation" (NSF-Nationale Forschungsstiftung der USA)
auf neue Möglichkeiten zur Anwendung bestimmter Organoppalladium-Verbindungen sowohl in der chemischen Industrie als auch in der Medizin. Palladium gehört zu den Metallen der Platingruppe und ist ein Edelmetall. Schon
seit einigen Jahrzehnten spielt es als Katalysator - insbesondere bei Hydrierprozessen - eine wichtige Rolle, weil es große Mengen Wasserstoff aufzunehmen vermag. Dieser adsorbierte Wasserstoff ist sehr aktiv und reagiert mit vielen Stoffen, mit denen er normalerweise nicht reagieren würde.
Der Katalysator selbst, ein Hilfsmittel zur Beschleunigung oder Verlangsamung chemischer Reaktionen, erfährt dabei keinerlei chemische Veränderung.
Mit

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�Mit finanzieller Unterstützung der NSF befaßt sich Dr. Newkome vor
allem mit löslichen Katalysatoren. Die jüngsten Untersuchungen galten
einer Klasse metallorganischer Palladiumverbindungen, bei denen Palladium
als zentrales "Kern"-Atom an seinem Platz im Molekül gehalten werden soll,
damit die katalytische Wirkung erhalten bleibt. Laut Newkome fungieren die
Organopalladium-Verbindungen als lösliche Katalysatoren. Winzige Mengen davon sind bei Anwesenheit von Wasserstoff in der Lage, ganz bestimmte organische Moleküle wirksam umzubauen. Da sie gegenüber Hitze, Licht und oxidierenden Prozessen beständig sind, könnten sie nach Ansicht Newkomes und
seiner Mitarbeiter eine wichtige Rolle dabei spielen, die Energiekosten für
zahlreiche chemische Prozesse drastisch zu verringern.
Beispielsweise führen geringe Strukturveränderungen an diesen Molekülen zu Verbindungen, die eine monomolekulare Schicht von metallischem Palladium auf schwer zugänglichen Oberflächen ablagern können. Daraus ergebe sich
eine Möglichkeit, so Dr. Newkome, Bereiche von aktivem Metall in Reaktionsgefäße direkt einzubauen, um so ein katalytisches Medium von einem ganz bestimmten Wirkungsmechanismus zu schaffen. Die Anwendung solcher Organopalladium-Reaktionsmedien bei der Synthese komplexer zwei- und dreidimensionaler Moleküle eröffne einen neuen Weg zu einem höchst interessanten und
aktiven Gebiet der Chemie.
- Chemotherapeutikum Organopa1ladium-Verbindungen einer ganz bestimmten Geometrie müßten
nach Ansicht Newkomes, ähnlich wie die in der Krebstherapie vielfach angewandten cis-Platin-Verbindungen, von hohem therapeutischem Wert sein. Sie
wären wesentlich aktiver und weniger toxisch als die heute in der Krebstherapie üblichen Schwermetall-Präparate.
Von der Forschergruppe Newkome wurden inzwischen bei einer ganzen
Serie von Organopalladium-Verbindungen die für solche Zwecke erforderlichen

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�erforderlichen Molekül strukturen "konstruiert" und die Struktur jedes einzelnen Typs bestimmt. Erste Versuche zur Erprobung an Desoxyribonucleinsäure
(DNS) ergaben, daß sie auf diese eine etwa zehntausendfach stärkere Wirkung
haben als cis-Platin-Verbindungen. Die Tendenz zur Zerstörung von Zellen
mit hoher Teilungsrate, die für Krebsgeschwülste typisch sind, ist bei ihnen sehr viel stärker ausgeprägt. Somit wäre es möglich, mit sehr viel niedrigeren Dosen als bei den heute üblichen Präparaten auszukommen, wodurch
das Problem unerwünschter, ja unakzeptabler Nebenwirkungen wie z.B. eine
irreversible Schädigung der Nieren, wesentlich gemildert würde.

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�6. Januar 1982

NATURRÄTSEL AM PLANETEN SATURN
Kondensation kleiner Materieteile in Randbändern der Ringe -

(AD) -- Die Ringscheiben des Planeten Saturn sind erstaunlich dünn,
haben ausgesprochen scharfe Ränder und bestehen teilweise aus Partikeln,
die auf rätselhafte Weise nach ihrer Größe sortiert sind. Dies berichtete
eine Gruppe von Wissenschaftlern der Stanford-Universität (Kalifornien)
auf einer Regionaltagung der "American Geophysical Union" Anfang Dezember
1981 in San Francisco, auf der neue Forschungsergebnisse aus dem N^\SARaumfahrtunternehmen VOYAGER 2 erörtert wurden.
Dr. G. Leonard Tyler und Dr. R. von Eshelman (beide Professoren der
Elektrotechnik) fanden bei der Auswertung von Meßdaten eines Radiowellenexperiments von Bord der Sonde, daß die Dicke der Ringe in vertikaler Richtung bei höchstens 500 m, wahrscheinlich eher bei 400 m liege. Dies gelte
für den gesamten Ringbereich von ca. 180 000 km Ausdehnung.
VOYAGER 2

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�VOYAGER 2 hatte den Planeten bzw. dessen Ringsystem bereits passiert
und sandte nun Radiostrahlen der Frequenzen 3,6 cm (X-Band) und 13 cm (S-Band)
zu der jenseits des Saturn stehenden Erde. Dabei wurden die Radiowellen an den
Planetenringen in einer Weise gestreut und abgelenkt,die Rückschlüsse auf die
Dicke der Ringscheiben und die Größe der darin schwebenden Partikel - von der
Größe eines Golfballs bis zu der eines acht bis zehn Meter großen Hauses zulassen. An den Ringrändern erfuhren die Radiowellen die "klassische" Streuung. Die Beobachtungen ergeben, daß die Ringkante extrem scharf und ziemlich
glatt ist.
Eine Frage war damit beantwortet, die schon vor mehr als 300 Jahren gestellt wurde, nachdem Huygens im Jahr 1656 den Ring des Saturn entdeckt
hatte. Die neuen Erkenntnisse werfen jedoch viele neue Fragen auf: Weshalb
ist z.B. die Materie in den Ringen nicht gleichmäßig verteilt? Es gebe Abschnitte, so Tyler, in denen sehr kleine Partikel im Kantenbereich regelrecht
aufgehäuft seien. Solche Bänder habe VOYAGER 2 entlang der Hauptringe C, B
und A immer wieder gefunden. Die Wissenschaftler bezeichnen sie als "Kondensationen".
Der planetennächste C-Ring wurde von VOYAGER 2 am gründlichsten sondiert. Die ungleichmäßige Materieverteilung in den Kondensationsbereichen
sei, wie Professor Tyler erklärte, ganz auffällig gewesen. "Auf irgendeine
Weise hält die Natur dort Material zurück und häuft es am Rande auf". Welcher mechanische Prozeß dem zugrunde liege, wisse man gegenwärtig nicht. Er
scheine im A-Ring, in der dritten Scheibe, nur teilweise wirksam zu sein,
denn dieser weise an einer der Ringkanten - nicht an beiden - Aufhäufungen
auf. Beim B-Ring sei an einer Außenkante die Aufhäufung kleiner Materieteile deutlich zu beobachten (die andere Randzone wurde nicht untersucht).
An den schmalen Ringen des Planeten Uranus, die jeweils kaum mehr als
100 km breit sind (im Gegensatz zu 18 000 bis ca. 25 000 km Hauptringbreiten beim Saturn), zeigt sich dem Bericht Tylers zufolge ein ganz ähnliches
Phänomen. Wie ein Bedeckungsexperiment mit Hilfe eines Sterns ergab, ist dort

�ist dort im Randbereich ebenfalls eine Kondensation von Partikeln zu beobachten, die etwa die gleiche Größe wie die Partikel der aufgehäuften Materie in den Saturn-Ringen haben dürften.
Professor Tyler und seine Mitarbeiter wollen als nächstes die Auswertung der Meßdaten vom B-Ring des Saturn zu Ende führen und dann versuchen,
den relativen Anteil der großen und kleinen Partikel in den Ringen herauszufinden. Die Meßdaten aus dem Radiowellenexperiment mit X-Band und S-BandImpulsen ergaben außerdem, daß in der großen Lücke zwischen dem A- und B-Ring,
in der sogenannten Cassini-Teilung, kleine Partikel fast völlig fehlen, dagegen Materietrümmer von etwa 10 m Größe verhältnismäßig häufig anzutreffen
sind. Woraus die Ringmaterie besteht, weiß man nicht. Jedoch gibt es gute
Gründe für die Annahme, daß es sich hauptsächlich um Eisbrocken handelt.
- Heißes Gas im Bahnbereich von drei Saturnmonden Knapp 100 000 km außerhalb des Saturn-Ringsystems registrierte
V0YAGER 2 den Beginn einer ringwulstförmigen Zone sehr heißen Gases. Sie
hat etwa 450 000 km Durchmesser und reicht bis ungefähr 12 Saturn-Radien,
d.h. bis ca 720 000 km Entfernung vom Planeten in den Raum hinaus. Auf der
Tagseite ist ihre Ausdehnung merklich größer als auf der im Planetenschatten liegenden Seite.
Das dünne Gas - pro Kubikmeter dürften kaum mehr als 1000 Teilchen
vorhanden sein - war zur Zeit des Durchgangs von VOYAGER 2 ungefähr 300
mal heißer als die Sonnenkorona. Es ist dies der schwache, ausgedehnte
Strahlenkranz der Sonne mit sehr dünner Gasatmosphäre, die angesichts der
Bewegungsgeschwindigkeit der Partikel eine Temperatur von 1,2 bis 1,5
Millionen Grad haben dürfte.
Im Jahr 1979 hatte VOYAGER bereits eine heiße Plasma-Wolke um den Planeten Jupiter entdeckt, die jedoch nur die Hälfte der Temperatur besaß, die
im August 1981 in Saturn-Nähe gemessen wurde. Dr. S.M. Krimigis, Chefwissen-

�Chefwissenschaftler des Raumfahrtdepartments am Institut für angewandte
Physik der Johns Hopkins-Universität (Baltimore, Maryland), berichtete, daß
in dem betreffenden Bereich von der US-Sonde PIONIER 11 im Jahr 1979 und von
VOYAGER 1 im November 1980 relativ "kühles", wenn auch ein paar Millionen
Grad heißes Plasma registriert worden sei. Dessen Dichte war ungefähr Tausendmal größer als die des superheißen Gases, das VOYAGER 2 beobachtete. Es
befindet sich in einer Region, in der die Monde Dione und S-12 (Abstand
vom Planetenzentrum 377 000 km) sowie Rhea (526 800 km) den Saturn umkreisen.

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