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                  <text>T

nformotion
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

3. Dezember 1980

53

INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL
David Newsom: Sowjets spüren Kosten der Invasion Afghanistans
- USICA-Interview mit dem US-Staatssekretär für politische
Angelegenheiten Äußere Ereignisse erschweren Beziehungen im Bündnis
- Von George S. Vest US-Unterstaatssekretär für europäische Angelegenheiten
USA fordern Anwendungsbegrenzung für Fluorchlorkohlenwasserstoffe

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Saturnforschung mit Überraschungen
- Naturwissenschaftler suchen Erklärung für rätselhafte Phänomene

Um Übcr/cnJung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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Tel.: 0228-339 22 40
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�3. Dezember 1980

53

DAVID NEWSOM: SOWJETS SPOREN KOSTEN DER INVASTION AFGHANISTANS
USICA-Interview mit dem US-Staatssekretär für politische Angelegenheiten

WASHINGTON - (AD) - David Newsom, Staatssekretär für politische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, unterstrich in einem Interview mit
einem Korrespondenten des US-Amtes für Internationale Kommunikation (USICA),
daß die Sowjetunion die Kosten ihrer Invasion in Afghanistan spüre.

So sei

zum Beispiel die sowjetische Fleischproduktion aufgrund des teilweisen Embargos
amerikanischer Getreideverkäufe um fünf Prozent gesunken; andere Großprojekte
seien vom Lieferausfall westlicher Technologie betroffen.

Zudem habe die

jüngste Verurteilung der sowjetischen Invasion durch die Vollversammlung der
Vereinten Nationen gezeigt, daß sich die Weltmeinung hinsichtlich der sowjetischen Präsenz in Afghanistan nicht geändert habe.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Mr. Newsom, waren Sie eigentlich während Ihrer jüngsten Reise

in mehrere europäische Hauptstädte ausreichend von der europäischen Besorgnis
über die sich verschlechternde Lage am Persischen Golf und von der europäischen
Bereitschaft beeindruckt, einen größeren Anteil der Lasten bei der Verbesserung

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�Verbesserung der Verteidigungskapazitäten der NATO zu übernehmen?
ANTWORT:

Die Europäer sind mit uns einer Meinung, daß eine substan-

tiellere westliche Militärpräsenz im Persischen Golf wünschenswert ist. Sie
stehen jedoch zu Hause vor dem Problem, die verschiedensten Forderungen mit
anderen internen Erfordernissen in Einklang zu bringen - ein Problem, wie
es Regierungen überall in ähnlicher Weise, und besonders in einer Zeit der
Inflation, erleben.
Im Mai dieses Jahres kam man in der NATO allgemein überein, daß eine
jährliche 3prozentige Erhöhung der Verteidigungsausgaben nötig sei, sollte
die NATO die Elemente der sogenannten Phase Zwei der Stärkung des Bündnisses
vervollständigen.
Die europäischen Staaten begreifen, daß ihr Beitrag zu dieser Anstrengung zum größten Teil in Form einer Stärkung der NATO erfolgen muß, wenn wir
eine wesentlich größere Last im Persischen Golf übernehmen sollen.

Wir be-

dauern, daß in diesem Jahr nicht alle europäischen Länder in der Lage waren,
diese drei Prozent zu erreichen.

Meiner Meinung nach wird es auch weiterhin

ein Ziel der Vereinigten Staaten sein, sie hierzu zu ermutigen, und wir
hoffen, daß sie in den kommenden Jahren in der Lage sein werden, näher an
das heranzukommen, was wir als das notwendige minimale Jahreswachstum betrachten.
FRAGE:

Sind die Vereinigten Staaten mit der europäischen Unterstützung

unserer Anstrengungen zufrieden, mehr militärische Präsenz im Persischen Golf
und im Gebiet des Indischen Ozeans zu konzentrieren?
ANTWORT: Die Europäer haben gewisse Schritte unternommen, die unserer
Ansicht nach eine große Hilfe und Unterstützung unserer Anstrengungen sind.
Großbritannien hat weitere Einheiten der britischen Flotte im Indischen
Ozean disloziert. Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland hat der Türkei
und Pakistan umfangreiche Hilfe geleistet. Andere europäische Staaten tun,
was in ihrer Macht liegt, um Länder in dem Gebiet zu stärken, zu denen sie

�sie traditionell Beziehungen unterhalten.
Wir begrüßen alle diese Maßnahmen.

Wir sind jedoch weiterhin der Mei-

nung, daß der entscheidende europäische Beitrag in Europa geleistet werden
muß, in der Stärkung der NATO - und dies wird auch weiterhin ein Ziel dieser
Regierung sein.
FRAGE:

Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat zum zweitenmal

in diesem Jahr eine Resolution verabschiedet, die den Abzug der sowjetischen
Truppen aus Afghanistan und Selbstbestimmung für das afghanische Volk fordert. Glauben Sie, daß angesichts der sowjetischen Mißachtung der UN-Resolution vom Januar und ihrer Gleichgültigkeit gegenüber einer nahezu universellen
Verurteilung der Invasion durch die Staaten außerhalb des Sowjetsblocks die
Resolution, die am 20. November verabschiedet wurde, irgendeinen Einfluß auf
den Kreml haben wird, um eine politische Lösung in Afghanistan zu erreichen?
ANTWORT:

Es ist auch weiterhin unsere Absicht, daß die weltweite Ver-

urteilung der sowjetischen Maßnahme, daß der weltweite Druck, der durch die
Abstimmungen in den Vereinten Nationen zum Ausdruck kommt, und daß das Zögern
der Staaten, mit dem Babrak-Regime in Afghanistan zu verkehren, wesentliche
Elemente dabei sind, den Sowjets die weitverbreitete Mißbilligung ihrer Schritte in Afghanistan vor Augen zu führen.
Es ist schwer zu sagen, an welchem Punkt die Sowjets sich zu dem Entschluß durchringen werden, daß ihre Haltung bezüglich Afghanistans neu überdacht werden muß.

Unserer Meinung nach werden sie es jedoch sicher nicht

tun, wenn diese Art internationalen Drucks nicht anhält.

Daher begrüßen wir

die Maßnahmen, die in diesem Jahr von der Vollversammlung hinsichtlich
Afghanistans getroffen wurden, und insbesondere die Tatsache, daß im Gegensatz zu den 104 Stimmen, die im Januar für eine ähnliche Resolution abgegeben
wurden, diesmal 111 Stimmen dafür waren - was ein weiterer dramatischer Beweis dafür ist, daß die Weltmeinung sich über die Sowjetpräsenz in Afghanistan
nicht geändert hat.
FRAGE:
- 3 -

�FRAGE:

War Ihrer Ansicht nach die westliche Reaktion auf die sowjetische

Invasion Afghanistans ausreichend, um - erstens - der Sowjetunion eine sinnvolle Strafe aufzuerlegen und um - zweitens - sie davor abzuschrecken, weitere
aggressive Schritte im Bereich des Persischen Golfs zu unternehmen?
ANTWORT:

Wir sind der Meinung, daß die getroffenen Maßnahmen etwa beim

Teilembargo für Getreide und die Einschränkung beim Transfer von modernster
Technologie - um zwei davon zu nennen -, eine Wirkung auf die Sowjetunion
ausgeübt haben.

Die Frage der Beziehungen zur Sowjetunion nach der Invasion

von Afghanistan war unsererseits gegründet auf der Erkenntnis, daß wir einerseits zufriedenstellende Beziehungen zu den Sowjets brauchen, aber daß andererseits die Sowjets keine aggressiven Schritte dieser Art unternehmen
können, ohne die Kosten dafür zu zahlen.

Ich glaube, sie zahlen einen Preis.

Man sagt uns, daß die Fleischproduktion in der Sowjetunion um 5 Prozent zurückgegangen ist. Wir wissen, daß einige ihrer Großprojekte durch den Lieferstopp modernster Technologie betroffen wurden.
Die Antwort lautet "Ja", wir sind der Meinung, daß die von uns getroffenen Maßnahmen der Sowjetunion die Kosten dieser Art Unternehmung deutlich
gemacht haben, und wir können sehen, daß sie derzeit keinerlei weitere aggressive Schritte plant. Wir meinen, daß die Erfahrung von Afghanistan sie zu
einer Pause veranlassen dürfte, sollte sie solcherlei Schritte im Sinne haben.
FRAGE: Können Sie sich möglicherweise eine sowjetische Rolle bei der
Lösung des Konflikts zwischen dem Iran und dem Irak oder eine darauf folgende "
Vertiefung der sowjetischen Beziehungen zu den ölfördernden Ländern am Golf
vorstellen?
ANTWORT:

Das Zentrum der Anstrengungen zur Lösung des iranisch-irakischen

Krieges ist gegenwärtig der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen,und die
Sowjets sind natürlich eins der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates.
über diese Art von Rolle im Sicherheitsrat hinaus erkennen wir keinerlei
sowjetische Anstrengungen, entweder zu einer friedlichen Lösung beizutragen
- 4 -

�beizutragen oder sich in diesem Konflikt auf die eine oder andere Seite zu
schlagen.
Derzeit scheinen die Sowjets nicht glücklicher über diesen Krieg zu
sein als irgendwer sonst, und sie scheinen unserer Ansicht nach auch keine
besonderen Vorteile daraus zu ziehen.
FRAGE:

Herr Staatssekretär, kann man realistischerweise Verringerungen

bei den weitreichenden nuklearen Mittel Streckensystemen (LRTNF) der Sowjets
erwarten, wenn die Systeme dort bereits disloziert sind und wir keinerlei
LRTNF-Dislozierungen vor Ende 1983 vorsehen?
ANTWORT: Es herrscht das Gefühl, daß es eine echte Möglichkeit dahingehend gibt, daß die Gespräche, die wir mit den Sowjets auf eine sehr vorläufige
Weise angefangen haben, die Möglichkeiten bieten, gewisse Abkommen bei den Reduzierungen zu erzielen. Und wir setzen voraus, daß die Sowjets hierzu in
der Lage sind, wenn sie erst einmal solchen Gesprächen zustimmen.
FRAGE:

Die amerikanische Außenpolitik war während des Wahl kämpfs um

die Präsidentschaft ein entscheidendes Thema.

Welches waren die wesentlichen

Leistungen der Regierung Carter in diesem Bereich und welche Wirkung hatten
sie auf Europa?
ANTWORT: Unser umfassendes Eingehen auf die Außenpolitik im Verlauf
unseres Wahlkampfes überschattete meiner Meinung nach dennoch die Liste der
wesentlichen Leistungen der Regierung Carter auf dem Gebiet der Außenpolitik.
Ich würde hier nennen den Panamakanal-Vertrag, den Frieden zwischen
Israel und Ägypten als ein Ergebnis der Camp-David-Vereinbarungen, die Verhandlungen über und den Abschluß des SALT II-Vertrags - obwohl dieser schwerwiegende Probleme nach sich zog -, das enge Arbeitsverhältnis mit den Verbündeten in Europa, das eine Lösung der Zimbabwe-Rhodesien-Frage mit sich gebracht hat, sowie die Haltung, die die Entwicklung eines Friedensplans für

�für Namibia zur Folge hatte, der ebenfalls unter entscheidender Zusammenarbeit
mit den Verbündeten in Europa ausgearbeitet wurde.
Ich glaube, dies alles sind Beiträge zur Geschichte, die sowohl einige
der neuen Initiativen dieser vergangenen Administration zeigen

als auch das

enge Verhältnis, mit dem sie - trotz vieler Kommentare, die das Gegenteil behaupten - mit Europa zusammengearbeitet hat, um einige dieser Ziele zu erreichen.
i

FRAGE:

Die Regierung Reagan wird im Januar ihr Amt übernehmen.

Es

scheint die Vorstellung zu herrschen, daß allein die Tatsache einer neuen Administration eine neue Art von Führung bringen wird.

Könnten Sie hierzu etwas

sagen?
ANTWORT: Natürlich hat jede neue Regierung die Möglichkeit zu neuen Richtungen, zu neuen Methoden. Dennoch sind die grundlegenden Probleme, vor denen
die Vereinigten Staaten stehen, ziemlich konstanter Natur und werden zweifellos die Tagesordnung der neuen Administration in großem Umfang festlegen. Dinge
wie unsere Beziehungen zu den Sowjets, unser Verhältnis zu Europa, der Einstieg
in den gesamten Problemkomplex von Kairo bis Islamabad wird eine neue Regierung unvermeidlicherweise beschäftigen. Es wird Gelegenheit zu Neuanfängen
geben, aber die Grundsätze amerikanischer Interessen, die grundlegende Verständigung mit unseren Verbündeten und die Notwendigkeit effektiver amerikanisch-sowjetischer Beziehungen, wie sie weltweit verstanden werden, werden für
jede neue Administration bestimmte Grenzen ihres Verhaltens festlegen.

+ + + + +

- 6 -

�3. Dezember 1980

53

ÄUSSERE EREIGNISSE ERSCHWEREN BEZIEHUNGEN IM BÜNDNIS
Von George S. Vest
US-Unterstaatssekretär für europäische Angelegenheiten

- (AD) - Die transatlantischen Beziehungen wurden während des vergangenen Jahres durch Entwicklungen außerhalb des NATO-Gebietes erschwert
- man könnte sogar sagen, davon beherrscht.
Zu diesen gehört natürlich auch die Gefangennahme amerikanischer Diplomaten als Geiseln im Iran, der anhaltende Krieg zwischen dem Iran und dem
Irak sowie vor allem die sowjetische Invasion und die noch andauernde Besetzung Afghanistans. Auch sollte man die fortgesetzte Modernisierung der
sowjetischen konventionellen Rüstung und der nuklearen Mittel Streckenwaffen
(TNF) nicht übersehen, die auf Westeuropa gerichtet sind.
Um ganz offen zu sein:

Das Atlantische Bündnis steht heute vor einem

der drängendsten und kontroversesten Probleme seiner 31jährigen Geschichte:
Wie es nämlich wirkungsvoll und gemeinsam mit den Bedrohungen seiner Sicherheit fertig wird, deren Ursprung außerhalb seiner Vertragsgrenzen liegt.
Als

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�Als der Nordatlantikvertrag im Jahr 1949 unterzeichnet wurde, schien
die Welt viel größer zu sein; das Konzept weltweiter Interdependenz war noch
nicht auf den Plan getreten.

Die NATO-Mitgliedstaaten nahmen die Verpflich-

tung zu gegenseitiger Sicherheit auf sich und schworen, daß ein Angriff auf
einen als Angriff gegen alle angesehen würde.

Der Vertrag definiert das

Gebiet obligatorischen wechselseitigen Militärbeistands als Westeuropa einschließlich der Türkei, Nordamerika sowie den Teil des Atlantik nördlich
des Wendekreises des Krebses.
Aber was geschieht bei einer Bedrohung des Wohlergehens eines oder
mehrerer Mitgliedstaaten, die ihren Ursprung außerhalb dieses Bereiches
hat?

Es ist eindeutig, daß das Interessengebiet der NATO weit über diese

Grenzen hinausreicht.
Heute stellen die sowjetische Invasion und Besetzung Afghanistans, der
anhaltende Aufruhr im Iran sowie der iranisch-irakische Krieg eine entscheidende neue Bedrohung dieses Wohlergehens des Bündnisses dar. Wir stehen ganz
einfach vor einer Periode der Instabilität in einem Gebiet von lebenswichtiger Bedeutung sowohl für Europa als auch für die Vereinigten Staaten.
über 50 Prozent des von Westeuropa importierten Erdöls sowie ein wesentlicher Teil des üls, das Amerika einführt, kommen aus dem Bereich des
Persischen Golfs. Die sowjetische Präsenz in Afghanistan stellt eine Bedrohung des Persischen Golfs dar, die weder politisch noch wirtschaftlich
zu ignorieren ist.
Die Staaten Westeuropas und Nordamerikas stellen zusammen mit Japan
heute die Grundlage des weltweiten wirtschaftlichen Fortschritts und der
Stabilität dar. Würde diese Grundlage erschüttert, würde dies alle Staaten
negativ beeinflussen.
Es besteht ein entscheidendes Bedürfnis, die politische Solidarität
des Nordatlantischen Bündnisses aufs neue zu bestätigen.

Und ebenso bedeut-

sam - womöglich noch bedeutsamer angesichts der Bedrohung des Öls vom
- 2 -

�vom Persischen Golf - ist die lebenswichtige Notwendigkeit, sich dieser Bedrohung - wenn nötig auf militärische '.^leise - stellen zu können.

Aufgrund der Fähigkeit Amerikas, seine Militärmacht weltweit darzustellen, müssen d^e Vereinigten Staaten die Hauptrolle bei der Verteidigung der
Bündnisinteressen im Golfgebiet übernehmen.

Darauf verständigten sich im

vorigen Mai einstimmig die Außen- und Verteidigungsminister des Bündnisses.

Auch wenn die Vereinigten Staaten diese Rolle übernehmen sollen - und
sie haben damit durch die Aufstellung einer Schnellen Eingreiftruppe (RDF),
durch die Vorausbereitstellung von Schiffen mit Ausrüstung, Munition, Treibstoff und weiteren Versorgungsgütern im Indischen Ozean sowie durch den
Abschluß von Abkommen mit Staaten der Region zur Nutzung von Anlagen zur Unterstützung der amerikanischen Präsenz im Bedarfsfall einen Anfang gemacht -,
müssen die Europäer die sich hieraus ergebende Lücke in der europäischen Verteidigungsplanung füllen.

Um es jedem ganz deutlich zu machen:

Wir schlagen nicht die Schaffung

einer militärischen Streitmacht des Bündnisses zum Einsatz außerhalb des
NATO-Gebietes vor.

Erforderlich ist vielmehr die Übernahme einer Arbeitstei-

lung, die sich auf das Konzept gründet, daß Europa Schritte zum Auffüllen jener
Lücke übernehmen wird, indem eine glaubwürdige Abschreckung und angemessene
Verteidigung für Europa durch Europa gewährleistet wird, wenn die Vereinigten
Staaten den Hauptteil der Sicherheitslasten in Südwestasien übernehmen.

Aus amerikanischer Sicht hat oberste Priorität, daß alle Bündnismitglieder ihrer Verpflichtung aus dem Jahr 1978 nachkommen und ihre Verteidigungsausgaben jährlich um drei Prozent - inflationsbereinigt - erhöhen.

Die

amerikanischen Verteidigungsausgaben werden im kommenden Jahr wahrscheinlich
entsprechend dem Haushalt, den Präsident Carter dem Kongreß im Januar vorlegen wird, um 4 oder 5 Prozent steigen.

Sein Nachfolger Reagan hat sich be-

reits für noch höhere Verteidigungsausgaben stark gemacht; allerdings wird
die genaue Höhe der Verteidigungsausgaben erst bei Amtsübernahme der neuen
Regierung festgesetzt.

...
wir
- 3 -

�Wir sind uns darüber im klaren, daß viele unserer Verbündeten vor wirtschaftlichen Schwierigkeiten stehen, die sie ihrer Meinung nach davon abhalten, einen angemessenen Umfang der Verteidigungsausgaben zu erreichen.

Wir

haben jedoch allen unseren NATO-Verbündeten klargestellt, daß wir die Verpflichtungen eines jeden Verbündeten zu einem Real Zuwachs von 3 Prozent bei
den Vereinigungsausgaben ebensolche Bedeutung beimessen und ein jeder darum
ringen sollte, ihr nachzukommen.
Was erwarten die Vereinigten Staaten über diese Verpflichtung hinaus
noch von Europa, um die Lücke zu füllen, die durch das Erfordernis amerikanischer Präsenz und Militärkapazität im Persischen Golf entstanden ist?
Hier gibt es eine Reihe von Notwendigkeiten, auf die sich die Außen- und
Verteidigungsminister der NATO im Mai vorigen Jahres einigten und mit denen
sich die Treffen der Außen- und Verteidigungsminister der NATO im Dezember
beschäftigen werden.
- Vermehrte Vorräte bei den Verteidigungsreserven: Wenn die Streitkräfte des Bündnisses nicht genügend Munition und Vorräte haben, können sie
keine glaubwürdige Abschreckung und keine angemessene Verteidigung bieten.
- Verbesserten Einsatz der Reserven und verfeinerte Mobilisierungsverfahren.
- Erhöhte Marinekapazitäten:

Die Verbündeten müssen in der Lage sein,

die lebenswichtigen Nachschublinien über den Atlantik zu schützen, wenn
amerikanische Seestreitkräfte im Indischen Ozean und im Persischen Golf
disloziert sind.
- Bereitstellung ziviler Luftfahrtkapazität in Europa zur Verstärkung
in Krisenzeiten:

Dies ist für eine rasche Verstärkung in Europa von entschei-

dender Bedeutung, da amerikanische Flugzeuge wahrscheinlich für Lufttransportverstärkung und Nachschub bei Ereignissen im südwestasiatischen Raum eingesetzt werden würden.
- Unterstützung
- 4 -

�- Unterstützung in Europa zu Lande:

Die Vereinigten Staaten haben sich

verpflichtet, bis Ende 1982 Vorausbereitstellungsmaterial für weitere drei
Armeedivisionen in Europa zu liefern.

Die Europäer können hierfür Gelände

und Lagermöglichkeiten zur Verfügung stellen sowie durch den Einsatz ausgebildeter Reservekräfte und qualifizierter Zivilisten die Sicherung und andere
Unterstützung der Verstärkung und des Nachschubs übernehmen.
Weitere Bereiche, auf denen Verbesserungen möglich sind, wurden seit
Mai im Langfristigen Verteidigungsprogramm (LTDP) der NATO und von den
höchsten militärischen Stellen der NATO genannt.
Die Vereinigten Staaten fordern nicht die Schaffung neuer, aktiver
Militäreinheiten in Westeuropa.

Jedoch sollten Reservisten in Einheiten ein-

gegliedert und mit Ausrüstung versorgt werden, falls ihre Mobilisierung in
einer Krise erforderlich sein sollte.
Anstrengungen sollten zur Mobilisierung von Unterstützung amerikanischer
Verstärkungen unternommen werden.

Schließlich tragen die Vereinigten Staaten

den Hauptanteil der Kosten in diesem Bereich, indem sie das vorausbereitzustellende Material liefern, das in Europa gelagert werden soll, sowie das
geschulte Personal, um es im Ernstfall zu bedienen.
Es ist wichtig, sich in Erinnerung zu rufen, daß es bisher zwischen den
NATO-Verbündeten keinerlei Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Analyse
der Verteidigungserfordernisse gegeben hat.

Es gab vielleicht einige Mei-

nungsverschiedenheiten zu Fragen wie dem Boykott der Olympischen Spiele in
Moskau und darüber, ob ein normaler Dialog mit der Sowjetunion fortgesetzt
werden sollte. Aber es gab keine Meinungsverschiedenheiten über die Verteidigung des Bündnisses.
Die NATO steht nunmehr vor einer entscheidenden Herausforderung:

Wie

sollen ihre Streitkräfte modernisiert und wie soll die Lücke geschlossen
werden, die durch das Bedürfnis nach einer amerikanischen Präsenz - im Namen
aller Bündnismitglieder - im Persischen Golf geschaffen wurde.
Die
- 5 -

�Die vor uns liegende Aufgabe besteht weniger in der Definition dessen,
was zu tun ist, als darin, die Verpflichtungen zu erfüllen, die eingegangen
wurden.
heit.

Wir wissen, daß dies heute nicht leichter ist als in der VergangenDie Verteidigung ist in einer Zeit der Inflation und der knappen Haus-

halte nicht billig, aber es ist nicht zum erstenmal in der Geschichte des
Bündnisses, daß seine kollektiven Erfordernisse gegen die lauten Stimmen angehen müssen, die argumentieren, daß in diesem Jahr andere Erfordernisse
höhere Priorität hätten.

Aber ohne die spezifischen und anhaltenden Ver-

teidigungsausgaben, die erforderlich sind, werden die allgemeinen Verpflichtungen zu einer angemessenen Verteidigung sinnlos.

Die Beiträge der ein-

zelnen Mitglieder des Bündnisses sind - ungeachtet ihres Umfangs - nicht nur
in militärischer Hinsicht bedeutsam; kollektiv bilden sie den Ausdruck einer
politischen Verpflichtung gegenüber dem Bündnis und des Zusammenhangs des
Bündnisses.

Sie sind - und dies ist ebenso wichtig - die unabdingbare Grund-

lage für die Rüstungskontrolle.
Es wäre für die Gesundheit des Bündnisses und für die Sicherheit Westeuropas tödlich, wenn sich die Einstellung durchsetzen würde, daß die Aufrechterhai tung des Gleichgewichts zwischen Ost und West oder die Reaktion
auf Entwicklungen im größeren, globalen Kontext Angelegenheiten seien, die
dem einzelnen Mitgliedstaat gleichgültig sein könnten.
Um ganz offen zu sein: Es herrscht hier in den Vereinigten Staaten eine
weitverbreitete Einstellung, wonach Europa zu seiner eigenen Verteidigung und
in seinem eigenen Interesse bereit sein sollte, seinen Anteil der Last zu
übernehmen - in Maßgabe seines wirtschaftlichen und politischen Gewichtes in
der Welt.
In der Welt von heute beeinflussen Ereignisse jenseits der Grenzen von
Europa unausweichlich auch Europa und eigentlich uns alle.

Unser Ziel muß

sein, zu einer gemeinsamen Definition des Problems sowie zu einer übereinstimmenden Formel zu gelangen, um sich gemeinsam mit ihm auseinanderzusetzen.
Dieser Prozeß hat erst begonnen, und die Diskussionen innerhalb des Bündnisses waren und werden zeitweilig schwierig sein.

Auf jeden Fall will ich

�ich unseren europäischen Verbündeten versichern, daß das Atlantische Bündnis ein Grundstein der Außenpolitik der Vereinigten Staaten bleiben wird.
Dies ist schließlich stets die grundlegende Einstellung der beiden großen
politischen Parteien in den Vereinigten Staaten und ihrer Führung seit Gründung der NATO im Jahr 1949 gewesen.
Die NATO hat uns allen in den vergangenen Jahrzehnten einen großen
Dienst geleistet. Die Ministertreffen der NATO im Dezember müssen sich den
neuen Herausforderungen mit derselben Standhaftigkeit stellen. Davon hängt
unsere gemeinsame Verteidigung ab. Und wie gut wir uns diesen Herausforderungen stellen, wird ein entscheidender Prüfstein der Wirksamkeit der NATO
in den achtziger Jahren sein.

- 7 -

�3. Dezember 1980

53

USA FORDERN ANWENDUNGSBEGRENZUNG FÜR
FLUORCHLORKOHLENWASSERSTOFFE

- (AD) - Mehr internationale Zusammenarbeit ist erforderlich, um die
Mengen von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FKW) in der Atmosphäre zu begrenzen.

Diesen Standpunkt vertritt die US-Delegation auf der Tagung des Umwelt-

ausschusses der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung) vom 2. - 4. Dezember 1980 in Paris. Denn die Wissenschaftler
der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA befürchten, daß die wachsenden
Mengen von FKW-Verbindungen in der Stratosphäre zu einem übermäßigen Abbau
der Ozonschicht führen, die Mensch, Tier und Pflanze gegen schädliche Ultraviolettstrahlung von der Sonne schützt.
Die Vereinigten Staaten haben schon vor einigen Jahren Maßnahmen ergriffen, um die Verwendung von FKW-Verbindungen zu drosseln. So ist seit 1978
die Verwendung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen als Treibmittel bei Spraydosen nur noch in ganz bestimmten, wenigen Fällen (fünf Prozent des früheren
Umlaufs) erlaubt. Auch Schweden, Norwegen und Kanada haben FKW-Verbindungen
in Spraydosen entweder verboten oder stark eingeschränkt.

Die EG appellierte

an ihre Mitgliedstaaten, den Einsatz solcher Chemikalien bei Spraydosen um
mindestens 30 Prozent zu verringern und die Produktionskapazität nicht weiter

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�weiter zu erhöhen.

Für 1981 ist eine Überprüfung der Situation vorgesehen.

Die amerikanischen Herstellerfirmen bemühten sich um eine rasche Umstellung auf andere Chemikalien als Treibgase für Spraydosen, beispielsweise
Stickstoff, Kohlendioxid und Propanverbindungen.

Befürchtungen, daß dadurch

die Unfallgefahr infolge der Brennbarkeit mancher Ersatz-Treibgase erhöht
würde, sind nach den bisherigen Erfahrungen nicht gerechtfertigt.

Dies er-

klärte F. Allen Harris, Direktor der EPA-Abteilung für Internationale Angelegenheiten.
Aber die ungiftigen, nicht brennbaren und chemisch sehr beständigen
Fluorchlorkohlenwasserstoffe finden nicht nur in Spraydosen Anwendung.

Sie

dienen z.B. als Kühlmittel, als industriell verwendete Lösungsmittel bei Reinigungs- und Trocknungsprozessoioder als Aufschäummittel zur Herstellung von
Schaumstoffen, wie sie für Isolierzwecke aller Art - von der Bauindustrie
bis zum Verpackungswesen - gebraucht werden.

Zum Teil wurde die Anwendung

auf diesen Gebieten in den letzten zwei Jahren noch ausgeweitet. Wie Barbara
Blum, die stellvertretende Leiterin der EPA, kürzlich erklärte, befürchte
man, daß durch diesen Sachverhalt die günstigen Auswirkungen der gesetzlich
verordneten und freiwillig vorgenommenen Einschränkung des Einsatzes von
FKW-Verbindungen bald zunichte gemacht werden.
Eine Studie der Rand Corporation besagt, daß ohne zusätzliche Beschränkungen die Anwendung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen, weltweit gesehen,
in den nächsten zehn Jahren um neun Prozent jährlich ansteigen werde.

Das

bedeute eine Erhöhung der im Jahr 1980 emittierten Menge von 680 000 Tonnen
auf 2,041 Millionen Tonnen im Jahr 1990. Die Nationale Akademie der WissenSchäften (NAS) der USA verwies in ihrem 1979 veröffentlichten Bericht auf
die Gefahr, durch die fortgesetzte Emission von Fluorchlorkohlenwasserstoffen
den Abbau der schützenden Ozonschicht unserer Erde um ein Sechstel zu riskieren.

Dies hätte zur Folge, daß der Anteil gefährlicher ultravioletter Sonnen-

einstrahlung in mittleren Breiten um 44 Prozent steigt.

Für die Vereinigten

Staaten allein könne dies eine Zunahme um mehrere Hunderttausend Fälle von

- 2 -

•

�von Hautkrebs der nicht lebensbedrohlichen Erscheinungsform bedeuten, aber
auch um einige Tausend Fälle der malignen Verlaufsform bedeuten.

Zu anderen

möglichen Auswirkungen verstärkter ultravioletter Einstrahlung zählten
niedrigere Ernteerträge u.a. bei Tomaten, Zuckerrüben und Mais, merkliche
Einbußen bei Fangerträgen an Makrelen, Schrimps, Krabben und Anchovis als
Folge des Absterbens von Larven, und Schäden bei Rinder- und Schweinebeständen.
Die EPA strebt nunmehr eine allgemeine Beschränkung der FKW-Produktion
mit strikter Emissionskontrolle an. Allerdings habe es, wie EPA-Beamte betonen und auch in Pressekommentaren erörtert wird, wenig Sinn, wenn die Vereinigten Staaten, auf die ein Drittel der Weltproduktion an FKW-Verbindungen
entfällt, einseitig Maßnahmen zur Produktions- und Anwendungsbeschränkung
ergreifen.

Schließlich handle es sich um ein weltweites Problem, das welt-

weit in Angriff genommen und durch international abgestimmte Maßnahmen gelöst werden müsse.
Entsprechende Vereinbarungen werden durch den Umstand erschwert, daß
es für die Zerstörung der Ozonschicht durch die Freisetzung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen noch immer keine exakten wissenschaftliche Beweise
gibt.

Zwar sind sich die Experten einig, daß FKW-Gase unverändert bis zur

Stratosphäre aufsteigen und dort an chemischen Reaktionen beteiligt sind,
die zu ihrer Zersetzung und damit auch zum Abbau der Ozonschicht führen.
Aber hinsichtlich des zeitlichen Ablaufs, des Ausmaßes des Ozonabbaus, des
Ausmaßes der Schäden für das Leben auf der Erde gibt es unterschiedliche
Meinungen.
Die "New York Times" vertrat kürzlich in einem Leitartikel die Ansicht,
daß vorläufig kein Ende des Gelehrtenstreits zu erwarten sei, weil es noch
ein Jahrzehnt dauern könne, bis genaue Meßdaten zu den komplexen Vorgängen
und Auswirkungen in der Atmosphäre vorliegen.
langen jedoch sofortige, vorbeugende Maßnahmen.

Die EPA-Wissenschaftler verDenn wenn man sich erst in

zehn Jahren zu drastischen Einschränkungen entschlösse, könne es bereits zu
spät sein - und die ganze Welt wäre von den Schäden betroffen.
+ + + + +
- 3 -

�T

Wi//en/chcift
und Technik
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3. Dezember 1980

53

SATURNFORSCHUNG MIT ÜBERRASCHUNGEN
Naturwissenschaftler suchen Erklärung für rätselhafte
Phänomene

(AD)

Noch bis zum 19. Dezember 1980 läuft die Fotoserie der

amerikanischen Raumsonde VOYAGER 1 vom Planeten Saturn, die Ende August 1980
begann und während des Vorbeiflugs am zweitgrößten Planeten unseres
Sonnensystems Mitte November der Forschung so faszinierende und völlig
unerwartete Einblicke in eine fremde Welt ermöglichte.

"Wir haben in diesen

Tagen mehr über das Saturnsystem gelernt als in der gesamten bisherigen
Geschichte der Plantenforschung", meine der Astronom Dr. Bradford Smith,
der Leiter des VOYAGER-Aufnahmeteams.
"Sprachlos", wie sie selbst sagten, "überwältigt", "begeistert"
verfolgten die Astronomen, Geologen und Physiker im Beobachtungszentrum
des Jet Propulsion Laboratory in Pasadena (Kalifornien) die Bildfolge auf
den Monitoren, die der mit größter Präzision arbeitende Roboter aus
1,5 Milliarden Kilometern Entfernung zur Erde funkte.

Hypothesen und

Vorstellungen die in Jahrhunderten auf- und ausgebaut worden waren, erwiesen sich plötzlich als viel zu primitiv, unvollständig, zum Teil auch

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�auch schlichtweg als falsch.

Und da die Auswertung der ca. 18 000 Fotos

und der Flut von Meßdaten, die zum allergrößten Teil noch in den Computern
gespeichert sind, erst am Anfang steht, dürften der Planetenforschung
noch manche Überraschungen sicher sein.
Rätselhaft ist den Wissenschaftlern vieles an dem prachtvollen, in
Rot-, Gelb- und Braunschattierungen schimmernden Ringsystem in seiner
hundert- oder gar tausendfachen Gliederung, wie sie VOYAGER zumersten
Mal sichtbar machte.

Die Saturnringe beschäftigten die Astronomen, seitdem

Galilei sie im Jahr 1610 entdeckte.

Allerdings sah er mit seinem kleinen

Fernrohr gar keine Ringstruktur, sondern er verglich das seltsame Phänomen
mit Henkeln an beiden Seiten einer Schüssel.

Die moderne Fernrohroptik

läßt drei breite Hauptringe im Äquatorbereich (die Rotationsebene ist um
27 Grad zur Bahnebene geneigt) erkennen, die von innen nach außen mit
"C", "B" und "A" bezeichnet werden.
Was aber brachten die Aufnahmen der beiden VOYAGER-Fernsehkameras
alles an den Tag! Sie bestätigten beispielsweise nicht nur die Existenz
des von PIONIER 11 im vergangenen Jahr entdeckten dünnen "F"-Rings, sondern
zeigten auch, daß er aus mindestens drei unterschiedlich stark verzwirnten
"Strähnen" besteht. Diese Tatsache verlangt eine spezielle Analyse, denn
sie ist nicht allein mit den Keplerschen Gesetzen der Himmelsmechanik zu
erklären. Vielleicht, so meinen jetzt mache Wissenschaftler, sind
neben der Gravitation auch elektrische und mechanische Kräfte unter dem
Einfluß von Strömen und Magnetlinien im Magnetfeld des Saturn am Werk.
VOYAGER 1 fand einen zusätzlichen "G"-Ring - aber nur indirekt,
nämlich an Hand seines Schattens, der über zwei Monde zwischen den Bahnen
des "F"- und des noch weiter draußen liegenden "E"-Rings wanderte.

Der

"G"-Ring scheint innerhalb der Umlaufbahnen der beiden Geschwistermonde
S-10 und S-ll zu liegen.

Auch den sehr durchsichtigen, dünnen "D"-Ring

konnte VOYAGER 1 fotografieren.
aufzuspüren.

Er ist von der Erde aus optisch nicht

�Nach Ansicht der Wissenschaftler ist es zum besseren Verständnis
der Entwicklung des Sonnensystems sehr wichtig, herauszufinden, wie und
weshalb die Ringpartikel rillenähnlichen Bahnen folgen, wie sie Strähnen
bilden und ob sie verklumpen oder nicht.

Denn aus Ringen von Partikeln,

die um die Sonne kreisten, könnten sich Klumpen und schließlich die
Planeten herausgebildet haben.

"Die Saturnringe verhalten sich manchmal

wie eine Wolke von Partikeln, manchmal aber wie Monde", sagte der Geologe
Harold Masursky.

"Erst wenn wir wissen, weshalb das so ist, verstehen wir

auch besser die Vorgänge bei der Planetenbildung".
Große Überraschung löste der Anblick der kraterübersäten Oberfläche
des Eismondes Rhea aus, der den Saturn auf einer der inneren Trabantenbahnen
umkreist. Für die Geologen ist es noch ein Rätsel, wieso bei Eis die
Auswirkungen von Meteoritenbombardements oder einer Kollision mit anderen
Körpern den Auswirkungen auf Gestein so ähnlich sind - beispielsweise
beim sonnennahnem Planeten Merkur.
Der Saturnmond Titan scheint ein Objekt ganz besonderer Art zu
sein. Er enthält mehr Gestein als die anderen Trabanten, und er besitzt
eine Atmosphäre. Die Annahmen zu seiner Größe mußten allerdings korrigiert
werden. Er ist zwar größer als der Planet Merkur (Durchmesser: 4 840 km),
aber sein Durchmesser wird jetzt kleiner als 5 100 km beschätzt, so daß
als größter Mond im Sonnensystem nicht Titan, sondern der Jupitermond
Ganymed anzunehmen ist.
Die Atmosphäre des Titan besteht hauptsächlich aus Stickstoff "eine Ironie, daß wir bei den Innenplaneten vergeblich nach einer der
irdischen Lufthülle ähnlichen Atmosphäre suchten und sie nun weit draußen,
in den kalten Außenbereichen des Sonnensystems finden", meinte Masursky.
Drei Dunstschleier liegen über der dichten Atmosphäre, die am
Boden einen Druck vom Eineinhalbfachen des Drucks an der Erdoberfläche
haben dürfte. Der erste Schleier liegt 150 km über der Wolkengrenze, der
zweite 300 km und der dritte 500 km darüber. Die Schichten bestehen vor

- 4 -

�Vor VOYAGER hatte man die Trennung der Ringe, deren Materie sich
ja unterschiedlich schnell um den Planeten bewegt (die Bahngeschwindigkeit
nimmt von innen nach außen ab), als Resonanzerscheinungen erklärt, die
Lücken als Instabilitätszonen.

Heute weiß man, daß selbst die "Lücken"

erhebliche Mengen von Materie enthalten, und daß das gesamte Ringsystem
eher einer fein gerillten Scheibe gleicht, unterteilt in mehrere größere,
unterschiedlich gefärbte Zonen.

Viele Hunderte, vielleicht sogar Tausende

von "Rillen" scheinen auf der Ringscheibe eingekerbt zu sein - und mindestens
zwei der Ringe dieser Feinstruktur schwingen nicht kreisförmig, sondern
ellipsenförmig um den Planeten.

Dasselbe gilt übrigens für die beiden

Monde S-10 und S-ll, die den Saturn gemeinsam auf nur 50 km auseinanderliegenden Umlaufbahnen umkreisen.
Nur in einigen Fällen gibt es eine Erklärung für die Trennung der
Ringe - so durch Resonanzerscheinungen (Störung der Eigenbewegung von
Materie und Körpern durch Fremdeinfluß) in Verbindung mit den Monden
Iapetus, Mimas, Titan, S-10 und S-ll. "Die Resonanztheorie ist aber auf
die Struktur des 'B'-Rings nicht anwendbar", erklärt der Physiker Jeffrey
Cuzzi, "Sie reicht dafür einfach nicht aus. Der 'B'-Ring ist stark
gegliedert - aber ohne eine erkennbare Symmetrie oder ein Muster". Im
Vergleich zum relativ flachen und einheitlichen "A"-Rinc erscheint er
geradezu "chaotisch", während sich der "C"-Ring durch eine gut hervortretende Struktur von gewisser Symmetrie auszeichnet. Seine Materie
scheint zum Teil aus Brocken bis 1 m Größe zu bestehen, wie aus Frequenzänderungen von Radiowellen geschlossen wurde. Zwischen den Brocken gibt
es große Zwischenräume. Dagegen scheinen die Materieteile im "B"- und
"A"-Ring dicht an dicht zu schweben. Bei den dunklen "Speichen", die über
dem hellen "B"-Ring liegen, dürfte es sich um sehr kleine Partikel handeln,
die mit dem Magnetfeld des Saturn, nicht aber mit den Ringen rotieren.
Elektrostatische Kräfte halten sie über der "B"-Ring-Materie.

Nach

�vor allem aus Polymeren und anderen kohlenwasserstoffhaltigen Verbindungen,
die entstehen, wenn Methan durch Sonnenlicht chemisch verändert wird.
Weitere wichtige Ergebnisse der VOYAGER-Reise:
-

Die dem Saturn zugekehrte Seite des Titan emittiert Radiostrahlung.

-

Die Ringe des Saturn emittieren Impulse von Radiowellen, die
durch elektrische Felder in den Ringen und Partikelkollisionen
verursacht werden.

-

Radiowellen vom Saturn selbst scheinen nur von der nördlichen
Hemisphäre zu kommen, was offenbar auf eine Magnetfeldanomalie
zurückzuführen ist.

-

Hellere oder dunklere Färbung in den bunten Bändern der Gashülle
des Planeten Saturn (man zählt erheblich mehr solcher Bänder als
in der Jupiterhülle) scheint mit tieferen bzw. etwas höheren
Temperaturen in Zusammenhang zu stehen, was in den nächsten
Monaten genau analysiert werden wird. Strahlströme in den
orange- und lachsfarbenen Bändern in Äquatornähe erreichen Windgeschwindigkeiten von 400 Metern pro Sekunde, verglichen mit
100 m/sec auf dem Jupiter. Sie scheinen stets im Mittelbereich
breiter Bänder aufzutreten, während in den Randgebieten nahezu
Windstille herrscht - auf dem Jupiter dagegen erscheinen sie
an den Bandrändern. Und die Strömung nimmt nur eine Richtung,
während in den Zonen und Bandgürteln des Jupiter sowohl Ostais auch Westströmunqen beobachtet wurden. Kreisförmige Wolkengebilde und Strömungswirbel führen den Strahl strömen Energie zu,
die offenbar aus tieferen Regionen der Atmosphäre stammt.
Der

- 5 -

�Der nächste Besuch einer irdischen Meß- und Fotosonde beim Saturn
wird im August 1981 erwartet, wenn VOYAGER 2 den Ringplaneten erreicht
und u.a. die Monde Enceladus und lapetus recht genau unter die Lupe nehmen
wird.

Vielleicht erhalten dann die Wissenschaftler Aufschluß darüber,

weshalb die Oberfläche von Enceladus verhältnismäßig glatt, frei von
Kratern erscheint, als ob sie aufgeschmolzen worden sei, und weshalb
lapetus eine dunkle und eine helle Seite aufweist.

i

"Die dunkle Seite sieht

aus, als ob jemand Ruß darüber gestreut hätte", meinte einer der Geologen.
Dieser "Jemand" könnte der Mond Phoebe gewesen sein.

Er umkreist den Saturn

gegenläufig zu den anderen Trabanten in einer lang ausgezogenen Ellipse,
Vielleicht stammt er aus dem Asteroidengürtel und wurde vom Saturn eingefangen.

Staub, durch Meteoritenbombardements von Phoebes Oberfläche

freigesetzt und von der Masse des Saturn angezogen, könnte die Bahn des
lapetus gekreuzt haben und dabei dem Mond so nahe gekommen sein, daß sich
große Mengen auf der einen Hälfte niederschlugen.
mehreren Hypothesen.

Dies ist eine von

Mehr Klarheit können erst weitere Untersuchungen

bringen.
VOYAGER 1 wird in etwa zehn Jahren unser Sonnensystem in Richtung
des Sternbildes Ophiuchus (Schlangenträger) verlassen.

NASA-Wissenschaftler

halten es für denkbar, auch dann noch Meßsignale, ja vielleicht sogar
eine "Übersichtsaufnahme" des Sonnensystems von der Sonde zu empfangen.

+ + + + +

- 6-

l

�</text>
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