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                  <text>Information
und
Dokumentation

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a

»

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

47

22. Oktober 1980

INHALT

INFORMATION
Nukleares Entsorgungsprogramm

DOKUMENTATION
Muskie:

Amerika steht bei SALT II vor grundlegender Entscheidung

- Rede des Außenministers vor dem Women's National Democratic Club

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
VOYAGER I sondiert den Planeten Saturn
- Von G. Weiss -

Um Übcf/cndung von
ßckgcKcmplaren wird
Qcbeten

Postfach 20 03 00

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

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Information

CO

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

47

22. Oktober 1980

NUKLEARES ENTSORGUNGSPROGRAMM

- (AD) - Als "ersten Schritt" zum Aufbau eines umfassenden nuklearen
Entsorgungsprogramms bezeichnete ein amerikanischer Atomwissenschaftler
das jetzt von Präsident Carter unterzeichnete Gesetz, das die Endlagerung
von 2,2 Millionen Litern hochaktiven flüssigen Atommülls in die Wege
leitet. Die Abfälle befanden sich bisher in einem Zwischenlager des
"Nuclear Service Center" im Westen des Bundesstaates New York.
Das "Service Center", die einzige kommerzielle Wiederaufarbeitungseinrichtung, die es in den Vereinigten Staaten gab, war von 1966 bis 1972
in Betrieb. Seitdem werden die hochaktiven Abfälle in bundeseigene Anlagen
gebracht, um dort aufbereitet zu werden. Das neue Gesetz sieht vor, daß
der flüssige Atommüll in einem nukleartechnischen Betrieb des US-Energieministeriums verfestigt und, in Doppelkanistern verpackt, zu einer bundeseigenen Deponie für die Endlagerung transportiert wird. Das "Service
Center" wird anschließend entseucht.
Weder

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

�Weder in bezug auf das Verfestigungsverfahren noch die Methode oder
den Ort der Endlagerung wurde bis jetzt eine endgültige Wahl getroffen.
Wissenschaftler staatseigener Institute überprüfen zur Zeit wissenschaftliche
und technische Daten einer Anzahl von Möglichkeiten zur Lagerung, beispielsweise in unterirdischen Salzstöcken.

Aber auch die Verfahren zur Verfestigung

werden erneut gründlich geprüft.
1

Eines davon ist die "Verglasung" von Atommüll, wobei die flüssigen
Abfälle zusammen mit glasigem Material erhitzt werden.

Die Mischlösung

bildet dann bei der Abkühlung eine feste, glasartige Substanz.

Wie Präsident

Carter erklärte, will man erreichen, "eine praktisch unzerstörbare feste
Masse" herzustellen.
Die Umwandlung von flüssigem Atommüll in einen festen Stoff hat

auf

den radioaktiven Zerfall keinen Einfluß. Aber in fester Form sind die
Abfälle leichter zu handhaben und vom Grundwasser fernzuhalten.

Mit der

Räumung der Deponie im Bundesstaat New York und der Umwandlung der Abfälle
machen die zuständigen Wissenschaftler zu ersten Mal den Versuch, eine so
große Menge flüssigen Atommülls zu verfestigen.

Präsident Carter bezeichnete

das Gesetz als "einen wesentlichen Teil der nuklearen Entsorgungspolitik.
Wir verfolgen mit aller Intensität moderne Verfahren zur Aufbereitung der
inzwischen angefallenen großen Mengen starkaktiver Abfälle.
Das Gesetz fordert außerdem fortlaufende und strenge Umwelt- und
Sicherheitskontrollen.

+ + + + +

�1

1
I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

22. Oktober 1980

47

MUSKIE: AMERIKA STEHT BEI SALT II VOR GRUNDLEGENDER ENTSCHEIDUNG
- Rede des Außenministers vor dem Women's National Democratic Club

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Edmund Muskie betonte am 16. Oktober 1980 vor dem Women's National Democratic Club in
Washington, daß die Vereinigten Staaten in bezug auf SALT II vor einer grundlegenden Entscheidung stehen.

Es geht dem Außenminister zufolge um die Fra-

ge, ob die Vorteile des Vertrags erhalten werden und es im Rahmen von SALT III
zu weiteren Rüstungsbegrenzungen kommt oder "ob wir dieses Abkommen zerreißen und den Versuch machen wollen, noch einmal ganz von vorn anzufangen."
Nach einigen einleitenden Worten ging der Außenminister auf sein zentrales Thema, den SALT II-Vertrag, ein:
Ich freue mich darauf, den meisten Teil der Zeit, der uns hier zur Verfügung steht, darauf zu verwenden, die Fragen zu besprechen, die Ihnen wichtig sind.
Aber ich möchte zu Beginn einige Minuten über etwas sprechen, was für
mich besonders wichtig ist: die Zukunft des SALT II-Vertrages, ja, die
Rüstungskontrolle selbst.

., .
Voriges

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Voriges Jahr hörte ich mir als Mitglied des Außenpolitischen Ausschusses
des Senats aufmerksam die Debatte über den Vertrag an.
Ich kam zu einer klaren und eindeutigen Schlußfolgerung:

daß nämlich

die Ratifizierung dieses Vertrags in seiner derzeitigen Form zwingend im
Interesse dieser Nation ist.
Als Befürworter des Vertrags unterstützte ich gleichwohl die Entscheidung des Präsidenten, angesichts der sowjetischen Invasion Afghanistans im
vorigen Dezember die Verschiebung einer Plenardebatte im Senat zu erreichen.
Es war offensichtlich, daß sich unsere Aufmerksamkeit - als Regierung
und als Volk - auf die Bedeutsamkeit dieses sowjetischen Schrittes sowie auf
eine starke amerikanische und internationale Reaktion richten mußte.
Und es war ebenso offensichtlich, daß die sowjetische Invasion den Weg
zur Ratifizierung nur noch steiler machte.
•

Die Sowjets stehen noch immer in Afghanistan.

Dies ist eine Tatsache,

die zu ignorieren wir uns nicht leisten können.
..

Als eine Nation, die ihre Freiheit schätzt, müssen wir uns auch über
die Freiheit des afghanischen Volkes von militärischer Aggression Gedanken
machen.
Und wir können die Drohung nicht ignorieren, die die sowjetische Invasion für eine Region darstellt, die nicht nur für die Vereinigten Staaten,
sondern für die ganze Welt lebenswichtig ist. Wir müssen voll und ganz bereit sein, diese lebenswichtigen Interessen zu schützen.
Solange die sowjetischen Streitkräfte noch dort stehen, können wir nicht
erlauben, daß Afghanistan unserer Aufmerksamkeit entzogen wird oder von der
internationalen Tagesordnung verschwindet.
Die
- 2 -

�Die sowjetische Führung muß begreifen, daß ihrer Aggression Widerstand
entgegengesetzt wird, und daß die einzige Grundlage, auf der sich eine Verbesserung unserer Beziehungen entwickeln kann, diejenige wechselseitiger Zurückhaltung ist.
Gerade wegen der Tatsache, daß SALT II ein abschätzbares Maß an Zurückhaltung bei den sowjetischen Kapazitäten sicherstellt - eine Zurückhaltung,
die es mit nahezu völliger Sicherheit ohne den Vertrag nicht geben würde -,
sollten wir den SALT II-Vertrag so bald wie möglich ratifizieren.
Wir sollten dies nicht für die Sowjets tun; wir müssen es vielmehr für
uns selbst tun.

Denn der Vertrag vermindert die Bedrohungen, vor denen wir

ansonsten in den kommenden fünf Jahren stehen würden.
Lassen Sie mich Ihnen kurz einige Beispiele dafür geben, was ich damit
meine.
- Ohne den Vertrag können die Sowjets bis 1985 25 Prozent mehr strategische Bomber und Raketen dislozieren als es möglich wäre, wenn der Vertrag
in Kraft ist.
- Wir schätzen, daß sie ohne den
zelne Kernwaffen zusätzlich auf jenen
dies unter dem Vertrag möglich wäre.
könnte 20 bis 30 Kernwaffen tragen ten zehn.

Vertrag bis 1985 mehrere tausend einBombern und Raketen haben werden als
Jede ihrer schweren Raketen allein
anstatt der unter dem Vertrag erlaub-

- Ohne den Vertrag gibt es für keine Partei irgendwelche Verbote, ihre
strategischen Programme zu verheimlichen - etwa, die Signale ihrer Raketenversuche zu verschlüsseln oder ganz einfach ihre Programme vor unseren Satelliten oder anderen technischen Überwachungsmechanismen zu verbergen.
- Wir würden in der Tat ohne den Vertrag von mehr Dingen weniger wissen.

- 3 -

�wissen.

Unsere Fähigkeit zur Beobachtung sowjetischer Militäranstrengungen

würde zu einem Zeitpunkt schwer behindert, da es keinerlei vereinbarte Begrenzungen darüber gäbe, was sie tun können.

In einem solch ungehemmten Um-

feld wird unsere eigene Verteidigungsplanung schwieriger, ungewisser und
kostspieliger.
- Ohne den Vertrag wären wir gezwungen, mehr von unseren Dollars für
strategische Programme auszugeben, als dies geplant ist, auf Kosten von Sozialprogrammen und zu Lasten unserer konventionellen Streitkräfte - oder
durch neue Steuerlasten.
Der Vertrag erzielt diese Beschränkung der sowjetischen Kapazitäten
ohne wesentlichen Eingriff in unsere eigenen strategischen Modernisierungsprogramme.

Die MX-Rakete, die Marschflugkörper, unsere neuen TRIDENT-Unter-

seeboote und -raketen - all diese Programme, die wir in den vergangenen
Jahren begonnen haben, um sicherzustellen, daß wir in den achtziger Jahren
ein stabiles nukleares Gleichgewicht aufrechterhalten - können und werden
unter dem SALT-Abkommen termingerecht vorangehen.
Es ist klar, daß dieser Vertrag nicht das Ende des Wettrüstens oder
des Risikos einer nuklearen Katastrophe bedeutet.

Die Gefahren, die zwei

umfassend gerüsteten Nuklearstaaten innewohnen, werden fortdauern.
Aber der Vertrag vermindert diese Gefahren, indem er das nukleare
Gleichgewicht stabiler macht, indem er die Ungewißheiten vermindert, die
zu einer tödlichen Fehlkalkulation auf dieser oder jener Seite führen könnten, indem er das Risiko vermeidet, weitere Milliarden in ein verschärftes
Wettrüsten zu stecken, das uns weniger - nicht mehr - Sicherheit erkauft.
Aus diesen Gründen hat der Präsident klargestellt, daß er sogleich
nach Zusammentritt des Senats dessen Führung konsultieren wird in der Absicht, die Behandlung des Vertrags im Senat wiederaufzunehmen und den Vertrag zur Abstimmung zu bringen, sobald dies praktisch möglich ist.
Denn
- 4 -

�Denn wir müssen uns einer entscheidenden Tatsache dieses Vertrags bewußt sein: Wir können seiner Vorteile nicht nur durch Ablehnung, sondern
auch durch Untätigkeit verlustig gehen.
In den Monaten seit der Vertragsunterzeichnung haben weder wir noch die
Sowjets Maßnahmen ergriffen, die mit dem Wortlaut des Vertrags unvereinbar
wären. Mit der Zeit könnte jedoch eine solche freiwillige Selbstbeschränkung
immer untragbarer werden.
Die Abkommen beinhalten Zeitpläne - zeitliche Programme, die integraler
Bestandteil des Handels waren. Diese Zeitpläne laufen. Es gibt spezielle
Maßnahmen, die für 1981 vorgesehen waren. Zum Beispiel müssen die Sowjets
Systeme abbauen, durch die sie ansonsten oberhalb der neuen Begrenzungen liegen würden. Und während der Vertrag selbst nicht vor 1985 ausläuft, gibt es
doch ein separates Protokoll, das Ende 1981 ausläuft. Mit dem näherrückenden
Ablaufen des Protokolls könnte auch die Übereinkunft insgesamt zerbröckeln.
Kurz - wie Juristen zu sagen pflegen -, die Zeit ist ein wesentlicher
Bestandteil dieses Abkommens.

Und die Zeit verrinnt.

Wir müssen unsere Entscheidungen treffen, oder sie werden für uns getroffen - durch Unterlassung.
Ich habe die konkreten, unmittelbaren Vorzüge des SALT II-Vertrags für
uns betont, weil ich der Meinung bin, daß sie ein überwältigendes Argument
für die Ratifizierung des Vertrags zum frühestmöglichen Zeitpunkt darstellen.
Aber es geht bei unserer Entscheidung über diesen Vertrag um noch etwas viel
Weiterreichendes: Es geht um die Zukunft der Rüstungskontrolle selbst.
Sieben amerikanische Präsidenten haben sich aus tiefster Überzeugung
der Anstrengung unterzogen, die schrecklichsten Schöpfungen der Menschheit
unter Kontrolle zu bringen. Dieser Prozeß ist erschreckend langsam gewesen
und hat nicht vermocht, mit der Technologie Schritt zu halten, die wir zu begrenzen suchen.
Und
- 5 -

�Und dennoch hat er eine Reihe von

Abkommen hervorgebracht, die eine ge-

fährliche Welt weniger gefährlich machten:
- das Verbot strahlungsgefährlicher Kernexplosionen in der Atmosphäre;
- der Vertrag über Raketenabwehr-Raketen (ABM), der ein gefährliches
und kostspieliges Wettrüsten bei diesen defensiven Waffen verhinderte;
- das SALT

I-Abkommen, das die Anzahl strategischer Raketen zu einem

Zeitpunkt einfror, als die Sowjets ausbauten, wir jedoch nicht; und
- nunmehr das SALT II-Abkommen.
Wenn wir uns von diesem Vertrag abwenden, werden wir nicht nur den bisher
erzielten Fortschritt gefährden; wir werden in eine ungewisse neue Welt eintreten, in einen unabsehbaren Zeitraum ohne die bindenden Beschränkungen von
SALT II, ja sogar ohne das ausgelaufene SALT I-Abkommen.
Und während wir versuchen, die Bruchstücke wiederaufzunehmen und von
neuem zu beginnen, wird die Technologie der modernen strategischen Waffen
nicht stillstehen. Sie wird vielmehr weitergehen. Und wir werden noch weit
größere Anstrengungen unternehmen müssen, um eine Kontrolle über das Wettrüsten zu erlangen, wenn es die Grundlagen nicht gibt, die wir schon geschaffen haben.
Was schon jetzt schwer ist, könnte hoffnungslos werden, nämlich, ein
Wettrüsten in den Griff zu bekommen, das die Zukunft der gesamten Menschheit
in Gefahr bringt.
Unsere Verbündeten begreifen diese Realität.

Sie alle unterstützen

nachdrücklich den Vertrag, denn sie erkennen die Vorteile eines stabilen
nuklearen Gleichgewichts und sie sehen in SALT II einen notwendigen Schritt
auf dem Weg hin zu weiteren Begrenzungen und weiteren Verringerungen.

- 6 -

Ganz

�Ganz besonders aber sehen sie in der Ratifizierung von SALT II eine Vorbedingung für umfassende Verhandlungen zur Begrenzung von nuklearen Mittelstrekkensystemen großer Reichweite (LRTNF) im Rahmen von SALT III. Eine Ablehnung dieses Vertrags wäre für das Bündnis ein folgenschwerer Schlag.
Zudem würde dies unsere Fähigkeit untergraben, andernorts auf Rüstungskontrolle hinzuarbeiten; unsere Fähigkeit, von solchen Staaten Zurückhaltung
zu erwarten, die auf der Schwelle zum Erwerb von Kernwaffen stehen, würde
zutiefst davon getroffen, wenn unsere eigene Verpflichtung zur gegenseitigen
Zurückhaltung auf diese Weise in Frage gestellt wäre.
Denn es wäre ein Propagandaerfolg von gewaltigem Ausmaß für unsere Gegner, wenn die Vereinigten Staaten als ein Feind der Rüstungskontrolle dargestellt würden.

Unsere Glaubwürdigkeit, unsere Stellung in der Welt als fried-

liche Nation ruht auch auf dem Schicksal dieses Vertrags.
Von mancher Seite wird vorgeschlagen, durch erneute Verhandlungen den
Prozeß der Rüstungskontrolle in Gang zu halten und einen besseren Vertrag
zu bekommen.
Ich bin fest davon überzeugt, daß dies ein Rezept für den Zusammenbruch,
nicht aber für den Fortschritt ist.
Dieser Vertrag ist das Ergebnis von siebenjährigen Verhandlungen unter
den Präsidenten Nixon, Ford und Carter. Wie alle komplexen Abkommen handelt
es sich um eine Anzahl kleinerer Verträge, die in einem ausgewogenen Gesamtpaket zusammengefaßt sind, von dem beide Seiten der Ansicht sind, es sei in
ihrem Interesse.
Können wir denn vernünftigerweise erwarten, den Sowjets größere Zugeständnisse abzuhandeln, ohne unsererseits Konzessionen zu machen?

Dies wäre

keine Formel für Verhandlungen, sondern für eine Sackgasse - während sich
die Sowjets Waffen verschaffen, die ihnen dieser Vertrag versagt.
Und
- 7 -

�Und während wir gleichzeitig eine neue strategische Doktrin - eine
Doktrin der "Überlegenheit" - verkündeten, würden die Aussichten dieser Verhandlungen sich verflüchtigen.
Ganz gleich, ob es "Überlegenheit" oder "Sicherheitsspielraum" heißt:
Eine solche Doktrin verwirft das zentrale Prinzip dieses Vertrags, daß nämlich die meiste Sicherheit von einem Gesamtgleichgewicht bei unseren Waffen
herrührt.

Sie fordert letztlich, daß wir nur dann einen Vertrag annehmen

sollten, wenn er unausgewogen ist, wenn für die Vereinigten Staaten ein Vorteil eingebaut ist.
Dies ist die unmißverständliche Bedeutung der Worte. Wenn eine Seite
"Überlegenheit" fordert, muß die andere Unterlegenheit akzeptieren; wenn die
eine einen Sicherheitsspielraum fordert, muß die andere einen Gefahrenspielraum akzeptieren.
Das heißt praktisch, daß wir auf dieser Grundlage keine Rüstungskontrollabkommen aushandeln - oder neu aushandeln - können, denn sie wären nicht
verhandlungsfähig.
Unser Land steht vor einer grundlegenden Wahl: Ob wir nämlich die Vorteile dieses Vertrags sichern und durch SALT III zu weiteren Begrenzungen
kommen wollen - oder ob wir dieses Abkommen zerreißen und den Versuch machen
wollen, noch einmal ganz von vorn anzufangen.
Ich kann mich in den 35 Jahren meiner Tätigkeit im öffentlichen Leben
nur an wenige nationale Entscheidungen erinnern, die tiefgreifendere Konsequenzen hatten.
Den Weg, den wir bei dieser schicksalhaften Frage einschlagen, wird unsere Zukunft in den kommenden Jahren gestalten.
Kernwaffen

- 8 -

�Kernwaffen sind eine Erfindung des Menschen.
nicht rückgängig machen.

Man kann ihre Erfindung

Aber wie wir uns der früheren Herausforderung der

Spaltung des Atoms stellten, müssen wir die gleiche Entschlossenheit aufbringen, die gleiche unbeugsame Verpflichtung gegenüber der Aufgabe, diese
Instrumente der Selbstzerstörung unter vernünftige Kontrolle zu bringen.
SALT II steht im Mittelpunkt dieses Versuchs.
Ich weiß, daß die Ratifizierung schwierig sein wird.
Aber ich weiß auch, daß sie notwendig ist.
Dies hier ist eine politische Gruppierung, das Land befindet sich im
Wahl kämpf.

Und das Thema, über das ich jetzt gesprochen habe - die Zukunft

von SALT II und des Rüstungskontroilprozesses - ist ein politisches Thema.
Es ist kein Thema der Partei politik. Die Debatte im vorigen Jahr hat
gezeigt, daß es Fürsprecher und Gegner auf beiden Seiten des Kongresses gibt.
Aber es ist ein Thema, das klar und deutlich Teil des Präsidentschaftswahlkampfes geworden ist.
Präsident Carter, sein Außenminister und seine Regierung haben sich mit
aller ihrer Energie der Ratifizierung dieses Vertrags sowie dem Vorantreiben
des Rüstungskontrollprozesses auf der Grundlage eines stabilen nuklearen
Gleichgewichts mit der Sowjetunion verpflichtet.
Der Widersacher des Präsidenten würde diesen Vertrag zerreißen und sich
auf die Suche nach einer militärischen Überlegenheit machen, die nicht nur
das Wettrüsten anheizen, sondern die Zukunft der Rüstungskontrolle einfrieren
würde.
Es handelt sich hier um ein eindeutiges Problem, um eine Frage von grundlegender Bedeutung, um eine Alternative, die dieser Wahlkampf dem amerikanischen Volk deutlich machen sollte.
Und
- 9 -

�Und ich würde meine Pflicht verletzen, bei der Darlegung der amerika
nischen Außenpolitik vor dem amerikanischen Volk behilflich zu sein, wenn
ich dabei versagen würde, dieses Thema zu besprechen und die grundlegende
Alternative klarzumachen.

- 10 -

�I a

UUi//cn/choft
und Technik
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22. Oktober 1980

47

VOYAGER 1 SONDIERT DEN PLANETEN SATURN
- von G. Weiss -

- (AD) - Die amerikanische Forschungssonde VOYAGER 1 passiert
am 12. November 1980 den Ringplaneten Saturn. Mit Spannung erwarten die
Wissenschaftler die Nahaufnahmen und Ergebnisse der Messungen, die vor,
während und nach der größten Annäherung auf 124 200 km über der Wolkenh ü n e und beim Durchgang durch das Ringsystem gemacht werden.
Erste direkte Meßdaten und Fotos wurden bereits im August und
September 1979 von dem amerikanischen Forschungsgerät PIONIER 11 zur Erde
übermittelt. Dieser "Pfadfinder" in unserem Sonnensystem war im Jahr 1973
am Kap Canaveral gestartet worden und hatte im Dezember 1974 beim Passieren
des Planeten Jupiter eine Fülle von Daten und Bildern aus einer fernen
Welt geliefert. Durch die Masse dieses größten Planeten im Sonnensystem
wurde er umgelenkt und auf eine Bahn katapultiert, die knapp fünf Jahre
später ein Rendezvous mit Saturn ermöglichte. Die Sonde bewies eine erstaunliche Leistungs- und Überlebensfähigkeit im interplanetaren Raum.

Mit

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D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Mit welcher Präzision PIONIER 11 nach dem Vorbeiflug am Jupiter,
wo das Gerät einem harten Strahlenbombardement mit zeitweiligem Ausfall
von Instrumenten ausgesetzt war, arbeitete und auf Funkkommandos von der
Erde reagierte, zeigt folgendes Beispiel:

Die Bahnberechnung der NASA-

Wissenschaftler von Ende 1974 hatten ergeben, daß PIONIER 11 am 5, September
1979 seine größte Saturn-Nähe erreichen werde.

Aber man wußte auch, daß

der Ringplanet am 9. September 1979 von der Erde aus gesehen direkt hinter
der Sonne stehen, diese also zum Zeitpunkt der Nahbeobachtungen den Funkverkehr mit der Sonde blockieren würde,

über Funk wurde deshalb ein Boden-

triebwerk gezündet, um dem Gerät soviel zusätzliche Beschleunigung zu erteilen, daß es einige Tage früher die Bahn des zweitgrößten Planeten
kreuzen würde.

Das Manöver gelang - PIONIER 11 passierte am 1. September

1979 den Saturn und näherte sich ihm bis auf 21 000 km Abstand.
Das erste wichtige Ergebnis des Vorbeiflugs war einfach die Tatsache,
daß die Sonde keinerlei Beschädigungen durch Materie,die in Saturnnähe
vermutet wurde, erlitt.

Man wußte ja noch nichts darüber, ob es sich bei

dem durch Radarmessungen von der Erde aus erfaßten Material außerhalb
der sichtbaren Ringe um dichten, feinen Staub oder größere, in relativ
weitem Abstand voneinander driftende Materieklumpen handelte,,

Schließlich

wandert der Saturn in einer mehr als 915 Mal größeren Entfernung um die Sonne
als unsere Erde - ein Umlauf dauert 29,46 Jahre.

Zur Zeit des PIONIER-

Besuchs war er fast 1,58 Milliarden Kilometer von uns entfernt.
Den Beobachtungen durch PIONIER 11 ist es z.B. zu verdanken, daß
das Magnetfeld des Saturn (es ist ca. tausendmal stärker als das der Erde),
ferner bis zu einem gewissen Grade Dichte, Druck und Temperatur seiner
Atmosphäre sowie Ausdehnung und Stärke der Ionosphäre ermittelt werden
konnten. Im Gegensatz zur Kenntnis vom Planeten Jupiter vor der "PIONIER"Zeit war zu diesen Punkten kaum etwas bekannt, da ajch die vom Saturn
emittierte Radiostrahlung, die auf eine innere Wärmequelle hindeutet,
die Erde nicht erreicht. Die Forscher wußten z.B. nicht, ob der Saturn

- 2 -

�Saturn ein Magnetfeld und Strahlungsgürtel besitzt.

Heute ist bekannt,

daß seine Ringe diese Strahlungsgürtel sehr scharf trennen - ein Phänomen,
das beim Jupiter nicht zu beobachten ist.
Auf Grund von Gravitationsmessungen ist anzunehmen, daß der Planet,
ein Körper von 120 000 km Äquatordurchmesser, einer Entfernung von 109 400 km
von Pol zu Pol und mit 95facher Erdmasse, einen Doppelkern besitzt: Der
innere, sehr heiße Kern aus geschmolzenen Schwerelementen wie Eisen und
Nickel, der zwei bis drei Erdmassen haben könnte, ist der Theorie zufolge
von einem zweiten Kern umgeben, der aus leichten, aber stark komprimierten
Stoffen wie Wasser, Ammoniak und Methan besteht. Diese Zone dürfte neun
bis zehn Erdmassen entsprechen und bis zur 28 000 km-Grenze des Gesamtdurchmessers hinausreichen. Darüber befindet sich, so wird angenommen, eine
viele Tausend Kilometer dicke Schicht aus flüssig-metallischem Wasserstoff d.h. unter hohem Druck stehendem Wasserstoff in atomarer Form, der
Elektrizität leitet. Er könnte die Quelle des Magnetfeldes sein. Diese
Zone wiederum ist umgeben von einer Schicht "normalen" flüssigen Wasserstoffs, wie er beispielsweise im Laboratorium benutzt wird, Darüber liegt
die Gashülle mit Wasser, Methan, Ammoniak, Wasserstoff und Helium, Im
Vergleich zur Erde ein enorm großer Körper, hat Saturn eine mittlere
Dichte von nur einem Achtel des für die Erde ermittelten Wertes, Seine
Gravitationskraft entspricht, ungefähr jener unseres Planeten.

- Komplexes Ringsystem Auf Fotos, die PIONIER 11 übermittelte, wurden mehr Ringe entdeckt,
als von der Erde aus zu beobachten sind. Am auffälligsten ist der sogenannte
E-F-F-Ring. Er erscheint auf den PIONIER-Aufnahmen als dünnes Gebilde
unmittelbar außerhalb des äußersten, von der Erde aus sichtbaren Ringes.
Er ist mehr als 2 000 km breit, und an ihn schließt sich nach außen hin
ein bis 5 000 km breiter, noch "durchsichtigerer" Ring an. Schon weit

- 3 -

�weit draußen, in ca. 500 000 km Abstand von der Obergrenze der Wolkenhülle, stieß PIONIER 11 auf einen bis dahin unbekannten Saturnring.
Es ist noch nicht lange her, daß man annahm, der Saturn sei der
einzige Ringplanet in unserem Sonnensystem.

Neue Entdeckungen zeigten aber,

daß auch die Planeten Jupiter und Uranus Ringe besitzen.

Nach Meinung

von NASA-Wissenschaftlern ist deren Zustandekommen noch ebenso rätselhaft
wie das der Saturnringe, obgleich man es mit verschiedenen Theorien zu
erklären versucht.
Galilei entdeckte als erster, daß Saturn anders beschaffen ist als
die übrigen Planeten.

Im Jahr 1610 sah er mit seinem primitiven Fern-

rohr eine große und zwei kleine Kugeln, die langsam ihr Aussehen zu
verändern schienen.

Erst ein halbes Jahrhundert später erkannte Huygens

mit einem stärkeren Instrument, daß es sich bei Galileis "Kugeln" um
einen flachen, vom Planetenkörper getrennten Ring handeln müsse.

Noch

im gleichen Jahrhundert stellte Gassini eine Zweiteilung des als ein festes,
starres Gebilde erscheinenden Ringes fest.

Und in der Folgezeit traten bei

der Saturn-Beobachtung mit ständig weiter verbesserten Instrumenten immer
mehr Unterteilungen in Ringe unterschiedlicher Reflexionsfähigkeit und wie durch PIONIER 11 "vor Ort" ermittelt - auch unterschiedlicher Lichtdurchlässigkeit, Dicke und Materiemasse in Erscheinung.

- Monde Von den bis zum PIONIER-Besuch bekannten zehn Trabanten (seitdem
wurden drei weitere entdeckt) wurde der Saturnmond Titan besonders unter
die Lupe genommen; die Sonde passierte ihn in knapp 360 000 km Abstand.
Titan ist nicht nur der größte Saturn-Mond, sondern auch der größte
bekannte Satellit im Sonnensystem.

Er übertrifft den Planeten Merkur

und erreicht fast die Ausmaße des Mars.

Er besitzt, wie seit längerem

�längerem bekannt, eine dichte Methan-Atmosphäre.

Der atmosphärische

Druck dürfte jenem der irdischen Lufthülle vergleichbar sein.

So wurden

auch Vermutungen angestellt, ob es auf der Titanoberfläche organische
Moleküle geben könnte und alles in allem Bedingungen herrschten, die
möglicherweise sogar eine Entwicklung von Leben zuließen.
nicht dafür ausgerüstet, nach Leben zu suchen.

PIONIER 11 war

Die Sonde meldete als

Globaltemperatur 75 Grad Kelvin - das sind minus 198 Grad Celsius, ein
Wert, der wahrscheinlich nicht auf eine lebensfreundliche Umwelt schließen
läßt.

Allerdings war es nicht möglich, den Unterschied zwischen Tag- und

Nachttemperaturen zu ermitteln.
Näheres hoffen die Wissenschaftler in Kürze durch VOYAGER 1 zu
erfahren. Die Sonde, die schon seit dem 22. August 1980 Aufnahmen vom
Saturn zur Erde übermittelt, wird sich Titan bis auf 5 000 km nähern.
Ihre Fotos haben ein weitaus höheres Auflösungsvermögen als die von
PIONIER 11. So bekam sie beispielsweise auf einer aus 106 Millionen km
Abstand am 24. August gemachten Aufnahme das Ringsystem mit gut erkennbarer
Struktur und die Monde Enceladus, Dione und Thetys aufs Bild. Während
der Nahbeobachtung von Titan durch VOYAGER 1 wird übrigens auch eine
gründliche Untersuchung von dessen Atmosphäre möglich sein.
Gemeinsam mit der Zwillingssonde VOYAGER 2, die im Juli 1979 den
Jupiter passierte und sich ebenfalls auf Kurs zum Saturn befindet, liefert
VOYAGER 1 seit Jahresbeginn u.a. Meßdaten, die inzwischen eine Korrektur
der bei Saturn angenommenen Rotationsdauer von 10 Stunden 14 Minuten pro
Umdrehung auf 10 Stunden 40 Minuten notwendig machten. Für VOYAGER 1
beginnt die Nahbeobachtungsphase am 11. November, einen Tag vor der
größten Annäherung an den Planeten und seinen Mond Titan. Erst am
15. Dezember 1980 stellt die Sonde ihre Messungen und Aufnahmen ein, um
dann, wie schon PIONIER 11, einen Kurs einzuschlagen, der aus dem Sonnensystem hinausführt.
Im

- 5 -

�Im August 1981 wird VOYAGER 2 am Saturn zu Nachbeobachtungen eintreffen. Nach ihrem Rendezvous mit dem Ringplaneten wird die Sonde zum
Planeten Uranus weiterziehen, ein Ziel, das sie im Januar 1986 erreicht.
Und wenn alles gut geht, ist im September 1989 sogar eine Beobachtung
des Planeten Neptun zu erwarten - allerdings aus relativ großem Abstand»
Mit Ausnahme von Pluto, dem äußersten bekannten Planeten unseres Sonnensystems, hätten dann Instrumentensonden alle unsere nahen und fernen
Nachbarn inspiziert.

+ + + + +

�</text>
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      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nukleares Entsorgungsprogramm&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Muskie: Amerika steht bei SALT II vor grundlegender Entscheidung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Außenministers vor dem Women's Democratic Club -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;VOYAGER I sondiert den Planeten Saturn&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von G. Weiss -&lt;/em&gt;</text>
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