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und
Dokumentation

3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. August 1980

38

INHALT

DOKUMENTATION
USA entwickeln neue Flugzeug-Technologie
- Erklärungen des US-Verteidigungsministers und des Staatssekretärs
für Forschung und Entwicklung Brown: Strategische Waffen schrecken vor Atomkrieg ab
- Rede des US-Verteidigungsministers vor dem Naval War College -

INFORMATION
USA bedauern Störung der Stimme Amerikas durch Moskau
- Erklärung des State Department Neues Brennstoff-Synthesewerk in Kentucky geplant
Positive Bilanz der Geschwindigkeitsbegrenzung

Um Übcr/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. August 1980

38

USA ENTWICKELN NEUE FLUGZEUG-TECHNOLOGIE
Erklärungen des US-Verteidigungsministers und des Staatssekretärs
für Forschung und Entwicklung -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben eine neue FlugzeugTechnologie entwickelt, die es erlaubt, bemannte oder unbemannte Flugzeuge
zu bauen, die von den bestehenden Luftverteidigungssystemen nicht erfaßt
werden können. Die Entwicklung dieser Technologie, die die Bezeichnung
"Stealth" (heimlich) trägt, wurde am 22. August 1980 von dem amerikanischen
Verteidigungsminister Harold Brown und dem Staatssekretär im Verteidigungsministerium für Forschung und Entwicklung, Dr. William J. Perry, auf einer
Pressekonferenz bekanntgegeben.
Brown betonte, die Bekanntgabe erfolge, weil Berichte in der Presse
über die bisher geheime Entwicklung aufgetaucht seien, und nicht wegen der
bevorstehenden Präsidentschaftswahlen. Es gehe hier um eine Entwicklung für
Bomber, Kampfflugzeuge und Marschflugkörper, die das militärische Kräfteverhältnis wesentlich verändere.

Die

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D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Die Erklärung des amerikanischen Verteidigungsministers hat folgenden
Wortlaut:
Ich gebe heute einen wichtigen technologischen Fortschritt von großer
militärischer Bedeutung bekannt.

,

Diese sogenannte "Stealth"-Technologie erlaubt es den Vereinigten Staaten, bemannte und unbemannte Flugzeuge zu bauen, die von den bestehenden
Luftverteidigungssystemen nicht erfolgreich abgefangen werden können.

Wir

haben zu unserer Befriedigung herausgefunden, daß die Technologie funktioniert.
Dieser Erfolg wird ein hervorragendes Instrument für den Frieden sein.
Er verspricht, unseren taktischen Streitkräften und der Abschreckungsstärke
unserer strategischen Streitkräfte eine einzigartige neue Dimension hinzuzufügen.

Gleichzeitig wird er uns Fähigkeiten verleihen, die im völligen

Einklang mit unserem Streben nach verifizierbaren R'üstungskontrollabkommen,
vor allem mit den Bestimmungen von SALT II, stehen.
Wir haben die Geheimhaltung dieses Programms drei Jahre lang erfolgreich aufrechterhalten. Das war möglich aufgrund der gewissenhaften Anstrengungen der relativ wenigen Personen in der Exekutive und in der Legislative,
die über die Tätigkeit unterrichtet wurden, und der daran arbeitenden Vertragsfirmen.
In den letzten Monaten wurde jedoch der Kreis der Personen, die von dem
t

Programm wußten, ausgedehnt, zum Teil wegen des erweiterten Bereichs der Anstrengung und zum Teil wegen der Debatte im Kongreß über Vorschläge für neue
Bomber. Bedauerlicherweise hat es in den letzten Tagen einige undichte
Stellen bezüglich des Stealth-Programms in der Presse- und Fernsehberichterstattung gegeben.
Angesichts

- 2 -

�Angesichts dieser durchgesickerten Meldungen halte Ich es nicht fUr angebracht oder glaubwürdig, daß wir die Existenz dieses Programms dementieren.
Und es ist jetzt wichtig, einige der durchgesickerten Informationen zu korrigieren, die den Standpunkt der Regierung bezüglich eines neuen Bomber-Programms falsch darstellten.

Der sogenannte Stealth-Bomber spielte bei unserer

Entscheidung im Jahre 1977, den B-1-Bomber einzustellen, keine Rolle, ja, er
war noch nicht einmal im Entwurf vorhanden.
Ich freue mich, daß bisher keine der höchst sensitiven und wichtigen
geheimen Informationen über die Charakteristika dieses Programms enthüllt
worden sind.

Ein wichtiges Ziel der heutigen Bekanntgabe besteht darin, die

Art von Informationen klarzustellen, die wir mit der höchsten Geheimhaltungsstufe mit allen Mitteln zu schützen beabsichtigen.

Dr. Perry, mein Staats-

sekretär für Forschung und Entwicklung, einer der Hauptarchitekten dieses
Programms, wird diesen Punkt näher erläutern.
Kurz gesagt, wir haben eine neue Technologie von außerordentlicher militärischer Bedeutung entwickelt.

Wir wenden diese Technologie mit Nachdruck

an, um eine Reihe von Militärflugzeugen zu entwickeln, und diese Programme
sind sehr vielversprechend.

i.

Wir können auf diesen jüngsten Erfolg der amerikanischen Technologie
sehr stolz sein. Er kann eine wichtige Rolle spielen in der Stärkung unserer
strategischen und taktischen Streitkräfte, ohne in irgendeiner Weise irgend eine unserer Rüstungskontroll initiativen zu gefährden. Und er kann zur
Aufrechterhaltung des Friedens beitragen, indem er einen neuen und bedeutsamen Ausgleich zu dem Versuch der Sowjetunion darstellt, mit dem zahlenmäßigen
Gewicht eine militärische Überlegenheit zu gewinnen.
Ich möchte jetzt Bill Perry bitten, Ihnen zusätzliche Einzelheiten über
unser Stealth-Programm mitzuteilen.
Die Erklärung von Dr. Perry hat folgenden Wortlaut:

- 3 -

Der

�Der Zweite Weltkrieg hat gezeigt, welche entscheidende Rolle die Luftmacht bei militärischen Operationen spielen kann.

Er zeigte auch das Poten-

tial des Radar als Hauptmittel der Ortung von Flugzeugen und der Feuerleitung
gegen sie.

Im Endeffekt lag jedoch der Vorteil deutlich beim Flugzeug.

Nach

dem Zweiten Weltkrieg wurden Verteidigungsraketen - sowohl landgestützte als

,

auch luftgestützt - entwickelt und mit Radar-Feuerleitsystemen "verheiratet".
Dies erhöhte die Wirksamkeit der Luftverteidigungssysteme wesentlich, und
das Verhältnis verschob sich zu Ungunsten des Flugzeuges.

In den letzten

Jahrzehnten haben wir an Techniken gearbeitet, um solche Luftverteidigungssysteme zu überwinden.

Derzeit machen unsere Militärflugzeuge reichlich Ge-

brauch von elektronischen Gegenmaßnahmen (Störung) und fliegen tief, um sich
im "Radarschatten" (im Konturenflug) zu bewegen, was beides die Wirksamkeit
von Luftverteidigungsradar herabsetzt.

Durch diese Mittel haben wir die Wirk-

samkeit unserer Militärflugzeuge gegen Radar-geleitete Verteidigungsraketen
aufrechterhalten.
Die Sowjets legen jedoch weiterhin sehr großen Nachdruck auf die Entwicklung und Dislozierung von Luftverteidigungsraketen - in dem Versuch, den
Vorteil auszugleichen, den wir in der Luftmacht haben. Sie haben Tausende
von Boden-Luft-Raketensysteme gebaut, sie wenden Hochleistungsradar mit Monopuls-Zielverfolgungsverfahren an, die sehr schwer zu stören sind, und in den
letzten Jahren haben sie Luft-Luft-Raketen entwickelt, die von "Abwärtssicht"("look down")-Radar geleitet werden, die in der Lage sind, Flugzeuge zu orten,
die im Konturenflug (im "Radarschatten") fliegen.
Wegen dieser Entwicklungen und wegen der Bedeutung, die wir der Aufrechterhai tung unserer Luftüberlegenheit beimessen, haben wir seit Jahren an der
Entwicklung der sogenannten "Durchdringungs"-Technologie gearbeitet: der
Technologie, die die Wirksamkeit von Radar und anderen in Luftverteidigungssystemen benutzten Sensoren herabsetzt. Besonderer Nachdruck wurde auf die
Entwicklung jener Technologie gelegt, die ein Flugzeug für Radar "unsichtbar"
macht (wobei "unsichtbar" natürlich nur in übertragenem Sinne gemeint ist).
Anfang der sechziger Jahre wandten wir eine besondere Version dieser Tech-

._ 4 _

^

�Technologie für einige unserer Aufklärungsflugzeuge an. Mitte der siebziger
Jahre wandten wir sie bei den damals entwickelten Marschflugkörpern (Tomahawk
und ALCM) an.

Im Sommer 1977 wurde klar, daß diese Technologie in ihrer

Wirksamkeit wesentlich ausgedehnt werden und auf einen weiten Bereich von
Vehikeln, einschließlich bemannte Flugzeuge, Anwendung finden konnte.

Wir

kamen zu dem Schluß, daß es möglich wäre, Flugzeuge zu bauen, die so schwer
zu orten sind, daß sie von keinem der existierenden Luftverteidigungssysteme
erfolgreich erfaßt werden könnten.
In Erkenntnis der großen Bedeutung einer solchen Entwicklung unternahmen
wir drei miteinander zusammenhängende Maßnahmen: Erstens, wir nahmen eine
rund zehnfache Erhöhung unserer Investitionen zur Förderung dieser Technologie
vor; zweitens, wir leiteten eine Reihe ganz vordringlicher Programme für die
Anwendung dieser Technologie ein; drittens, wir gaben dem gesamten Programm
einen außerordentlichen Geheimhaltungsschutz - bis zu dem Punkt, daß sogar
die Existenz eines solchen Programmes geheimgehalten wurde.
&gt;

Zunächst waren wir,in der Lage, die Kenntnis von dem Programm auf ganz
wenige Regierungsvertreter in der Exekutive und Legislative zu begrenzen,
und es gelang uns,,die Existenz des Programms völlig geheimzuhalten.

Als

das Programm jedoch in seinem Umfang zunahm - derzeit wird jährlich hundertmal mehr Geld für das Programm ausgegeben als zu dem Zeitpunkt 1977, als wir
beschlossen, das Programm zu beschleunigen -, war es notwendig, mehr Personen
zu unterrichten.
kannt geworden.

Die Existenz des Stealth-Programms ist jetzt öffentlich beAber selbst wenn wir jetzt die Existenz eines Stealth-Pro-

gramms bestätigen, so werden wir eine neue Geheimhaltungslinie ziehen, um
jene Information über das Programm zu schützen, die ein sowjetisches Gegenprogramm erleichtern könnte.

Wir werden weiterhin mit der höchsten Geheim-

haltungsstufe Informationen schützen über:
a) die spezifischen Techniken, die wir zur Herabsetzung der Ortungsfähigkeit verwenden;
b) das

�b) das Ausmaß des Erfolgs jeder dieser Techniken;
c) die Charakteristika der spezifischen Vehikel, die entwickelt werden;
d) die Mittel, die für spezifische Programme eingesetzt werden; und
e) die Zeitpläne spezifischer Programme.

*

Aus diesen Grundregeln werden Sie, wie ich meine, erkennen, daß mir in
dem, was ich Ihnen über das Programm sagen kann, außerordentlich enge Grenzen
gesetzt sind.

Ich möchte so sagen:

Erstens, bei der Stealth-Technologie

handelt es sich nicht um einen einzigen technischen Weg, sondern um eine komplexe
Synthese vieler Wege.

Selbst wenn ich es Ihnen beschreiben dürfte, könnte ich

das nicht in einem Satz oder in einem Absatz.

Zweitens, wir haben zwar in den

letzten drei Jahren bemerkenswerte Fortschritte in dieser Technologie erzielt,
aber wir konnten auf der ausgezeichneten Arbeit in unserem Verteidigungstechnologie-Programm der letzten zwei Jahrzehnte aufbauen.

Drittens, diese Tech-

nologie könnte - zumindest theoretisch - auf jedes militärische Vehikel angewandt werden, das mit Radar-geleitetem Feuer angegriffen werden kann.

Wir

erwägen,alle solche Anwendungsmöglichkeiten zu entwickeln, die am praktikabelsten sind und die die größte militärische Bedeutung haben.

Viertens, wir

haben in dem Programm außerordentliche Erfolge erzielt, einschließlich der
Flugerprobung einer Reihe verschiedener Vehikel.

i

+ + + + +

- 6 -

�lO

•L

ilWill Hfl

3PS

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. August 1980

38

BROWN: STRATEGISCHE WAFFEN SCHRECKEN VOR ATOMKRIEG AB
Rede des US-Verteidigungsministers vor dem Naval War College

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Harold Brown
hat sich am 20. August 1980 in einer Rede vor dem Naval War College (Kriegsschule der US-Marine) ausführlich mit der Entwicklung der strategischen Politik der Vereinigten Staaten befaßt.

Er nannte sie "ein ausgewogenes Ganzes

aus Streitkräftemodernisierung, ausgehandelter Begrenzung sowie überzeugender
und wirkungsvoller Abschreckungsdoktrin."

Es sei das einzige Ziel der ameri-

kanischen strategischen Streitkräfte, den Frieden zu bewahren und die Gefahren
eines Atomkrieges zu vermindern.
Die Rede des Verteidigungsministers hat folgenden Wortlaut:
Es ist für mich eine echte Freude, hier im Naval War College zu sein.
Ihr Dienst hier ist eine vorzügliche Gelegenheit, etwas Distanz zu den Verantwortlichkeiten des Alltags zu gewinnen und sich über eine Reihe von wichtigen nationalen Sicherheitsfragen einige intensive und ernsthafte Gedanken
zu machen.
Eine

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�Eine der kritischsten dieser Fragen und zugleich eine, der derzeit viel
öffentliche Aufmerksamkeit geschenkt wird, ist die strategische Nuklearpolitik.

Sie ist auch das Thema meiner heutigen Anmerkungen.
Die Ausarbeitung einer strategischen Nuklearpolitik, die uns von einem

Atomkrieg weg und nicht auf einen hin führt, erfordert leidenschaftslose
Analyse, ausgewogenes Urteil und ein klares Verständnis der komplexen Vielgestaltigkeit des Atomzeitalters.
Die überragende Zielsetzung unserer strategischen Streitkräfte ist die
Abschreckung vor einem Atomkrieg. Abschreckung erfordert Stabilität. Um
strategische Nuklearstabilität zu erzielen, müssen drei Voraussetzungen erfüllt werden:
Erstens: wir müssen über strategische Kernwaffen verfügen, die einen
sowjetischen Erstschlag absorbieren und auch dann noch mit verheerender Wirkung zurückschlagen können.
Zweitens: wir müssen den Anforderungen im Sicherheitsbereich gerecht
werden und insgesamt ein strategisches Gleichgewicht auf dem niedrigsten
und stabilsten Niveau aufrechterhalten, das durch unsere eigene Streitkräfteplanung und durch unsere Rüstungskontrollabkommen möglich gemacht wird.
Drittens: wir brauchen eine Doktrin und Pläne für den Einsatz unserer
Streitkräfte - im Bedarfsfall -, die den Sowjets die harte Realität klarmachen,
daß sie - welchen Kurs in Richtung auf einen Atomkrieg sie auch immer einschlagen mögen - niemals einen Vorteil erzielen könnten, der den unannehmbaren Preis aufwiegen würde, den sie dafür zu zahlen hätten.
Die Fähigkeit unserer Streitkräfte zum überstehen eines Überraschungsangriffs ist das Wesen der Abschreckung. Derzeit garantiert unsere Triade
der strategischen Kernwaffen, daß unsere Abschreckung überlebensfähig ist.
Aber

�Aber in Zukunft könnten die sowjetischen Militärprogramme zumindest
potentiell die Überlebensfähigkeit jeder Komponente unserer strategischen
Streitkräfte bedrohen.

Was unsere Interkontinentalraketer, (ICßMs) anbelangt,

so ist die Möglichkeit mehr oder minder erkannt worden.

Die Sowjets sind

derzeit dabei, Tausende von ICBM-Gefechtsköpfe zu dislozieren, die treffsicher genug sind, um unsere festen MINUTEMAN-Silos zu bedrohen.

Was unsere

Bomber anbelangt, so sind die Bedrohungen weniger konkret, hinsichtlich unserer U-Boot-gestützten Raketen (SLBMs) mehr hypothetisch.

Jedoch entwickeln

die Sowjets derzeit fliegende Radarstationen und Antiflugzeugraketen, um unsere durchdringenden B-52 Bomber abzuschießen.

Und sie suchen intensiv nach

Systemen, um unsere U-Boote zu entdecken und zu zerstören, die mit ballistischen Raketen bestückt sind.

Diese sowjetischen Anstrengungen dürfen wir

nicht ignorieren.
Als Reaktion auf diese derzeitigen und zukünftigen Bedrohungen verstärken wir unsere strategischen Nuklearkapazitäten in angemessenem Umfang und
in allen Bereichen.

Dies ist notwendig, weil - bei derzeitig im wesentlichen

ausgewogener Stärke - der Umfang und die Schwungkraft der sowjetischen Programme im Lauf der siebziger Jahre, die sich unvermeidlicherweise auf ihre
Dislozierung im Lauf der achtziger Jahre auswirken werden, ausgleichende
Schritte der Vereinigten Staaten erfordern.

Obwohl wir einige bedeutsame Fortschritte erzielt haben, vor allem bei
den Mehrfachgefechtsköpfen, betrugen unsere Investitionen in strategische
Programme weniger als ein Drittel dessen, was die Sowjets für ihre strategischen Programme ausgaben.
*•

Wenn wir eine Fortsetzung dieses Trends zuge-

lassen hätten, dann hätten wir Mitte der achtziger Jahre vor einer Situation
gestanden, die man bestenfalls als eine Vorstellung von Unterlegenheit,
schlimmstenfalls als eine echte Möglichkeit der nuklearen Erpressung bezeichnen müßte.

Daher verstärken wir alle drei Elemente unserer strategischen Streitkräfte:

In
- 3 -

�In dreieinhalb Jahren haben wir das Programm der TRIDENT-Rakete und
das Unterseeboot-Programm wieder ins Gleis gebracht.

Wir haben damit be-

gonnen, unsere Poseidon-Unterseeboote mit der neuen TRIDENT I-Rakete auszurüsten, die die Meeresgebiete, in denen die Unterseeboote patroullieren
können und noch in Reichweite ihrer Ziele sind, um ein Zehnfaches vergrößert.
Das erste TRIDENT-Unterseeboot, die USS Ohio, wird noch in diesem Jahr in
die Seeerprobung und im kommenden Jahr in den aktiven Flottendienst gehen.
Ihr Schwesterschiff, die USS Michigan, wird bald vom Stapel laufen.
Wir unternehmen wichtige Schritte, um eine lebensfähige und wirksame
Bomberflotte aufrechtzuerhalten.

Bereits zu Beginn seiner Amtsperiode kam

Präsident Carter zu dem Schluß, daß Luft-Boden-Marschflugkörper eine wirksamere und leistungsfähigere strategische Waffe wären als der Bomber vom
Typ B-l. Seither haben technische Entwicklungen in den USA und Erkenntnisse der Aufklärung über Fortschritte in der sowjetischen Luftverteidigung
dieses Urteil nachdrücklich bestätigt.
In der Zwischenzeit setzen wir die Entwicklung der Technologie und
die Entwürfe für ein neues Trägerflugzeug für Marschflugkörper und einen
neuen Bomber fort, sollten sie notwendig werden, um mit der Bedrohung in
den neunziger Jahren und darüber hinaus fertig zu werden.
Die Verwundbarkeit unserer festverbunkerten Interkontinentalraketen
wird für die nächsten paar Jahre der am meisten Sorge bereitende Mangel unserer Streitkräfte sein. Beobachter haben diese Entwicklung seit vielen
Jahren kommen sehen, aber eine brauchbare technische Lösung war nicht zu
finden, bis das Programm der multiplen Schutzbunker für die MX entwickelt
und im Jahre 1979 angenommen wurde. Dieses Programm - das, wie wir glauben,
der Kongreß und die öffentliche Meinung auch weiterhin unterstützen werden ist äußerst wichtig für die Erhaltung des strategischen Gleichgewichts auf
lange Sicht. Die anderen Elemente unserer strategischen Streitmacht - von
denen jedes Anfang der achtziger Jahre rasch weiterentwickelt werden wird ermöglichen es uns, das Gleichgewicht und eine überlebensfähige Abschrekkung während der Zeitspanne aufrechtzuerhalten, in der unsere Interkonti-

�Interkontinentalraketen noch verwundbar bleiben.

Dies ist natürlich eine Si-

tuation, in der wir nicht für immer leben wollen.

Wir müssen uns gegen die

möglichen Verwundbarkeiten der anderen Pfeiler der Triade sichern und beispielsweise nicht zulassen, daß sich die Sowjets völlig auf ihre Kapazitäten
zur U-Bootbekämpfung konzentrieren.

Daher die Notwendigkeit der MX.

Die

große Anstrengung - und die erheblichen Kosten -, die wir aufzubringen gewillt sind, um die Überlebensfähigkeit der MX sicherzustellen, sind der Beweis dafür, daß wir in der Planung unseren strategischen Streitkräften eine
Vergeltungsrolle zuweisen.

Ein überlebensfähiges System bedeutet weniger

Gefahr als das verwundbare, das es ersetzt.
Nicht im eigentlichen Sinne ein Teil unserer strategischen Streitkräfte,
aber doch entscheidend wichtig für das nukleare Gesamtgleichgewicht, sind
die nuklearen Mittel Streckensysteme (TNF).

Im vergangenen Jahr ist das NATO-

Bündnis zu einer gemeinsamen Entscheidung gelangt - zu einer für einige Verbündete sehr schwierigen Entscheidung - auf den im großen Rahmen durchgeführten
Aufbau der sowjetischen TNF zu reagieren.

Diese Entscheidung umfaßt ein kom-

biniertes Programm verbesserter amerikanischer TNF - landgestützter Marschflugkörper (cruise missiles) und PERSHING II-Raketen - und die Weiterverfolgung der Bemühungen, mit den Sowjets eine faire und verifizierbare Begrenzung der TNF auf beiden Seiten auszuhandeln.

Wir haben ferner unser Eintre-

ten für eine starke alliierte Nuklearkapazität durch das jüngste Abkommen
unter Beweis gestellt, durch das TRIDENT-Raketen einer modernisierten britischen
Nuklearstreitmacht verfügbar gemacht werden sollen.
Diese Programme ziehen Nutzen aus der technologischen Stärke der Vereinigten Staaten - bei der Gestaltung und der Qualität der U-Boote, bei der
Treffsicherheit und minimalen Größe der Marschflugkörper und bei einem wirksamen Programm für die Mobilität landgestützter Raketen.

Sie bieten lang-

fristige Lösungen und sind nicht Maßnahmen zur bloßen überbrückung von Lücken.
Vor allem bei den strategischen Streitkräften müssen wir unsere Ressourcen
für solche Waffensysteme aufwenden, die unseren Bedürfnissen auf lange Sicht
hin dienen werden, nicht aber unsere Kräfte vergeuden, um rasche aber nur unvollständige und kurzlebige Lösungen zu finden.
Zusammengenommen
- 5 -

�Zusammengenommen stärken diese Programme die Abschreckung.

Sie sorgen

für eine vermehrte überlebensfSh1gkelt unserer strategischen Streitkräfte,
Indem sie unsere Verwundbarkelt gegenüber sowjetischen Drohungen vermindern.
Sie halten die strategische Stabilität aufrecht, indem sie unsere Kapazität
zur Abschreckung vor einem Atomkrieg vermehren.
Ein zweiter Teil unseres Programms zur Erzielung einer strategischen
Stabilität besteht 1n dem Bemlihen um das Zustandekommen gerechter und verlflzlerbarer Abkommen zur Kontrolle der strategischen Rüstungen, wie der SALT IIVertrag.

Rüstungskontrolle Ist nicht ein Ersatz fUr eine energisch durchge-

führte Modernisierung der Streitkräfte, sondern eher eine Ergänzung, indem sie
wirksame Kontrollen in bezug auf Größe und Kapazität der sowjetischen strategischen Streitkräfte an die Hand gibt.

Gleichzeitig erlaubt sie uns die Durch-

führung derjenigen Programme, die wir brauchen, um das strategische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.
Diese Administration hat sich wie alle anderen Administrationen in
Washington seit Beginn des Nuklearzeitalters um die Kontrolle der nuklearen
Rüstung bemüht - nicht unseren Gegnern zuliebe oder aus irgendeiner Illusion
über ihren wahren Charakter, sondern als Mittel zur Stärkung unserer eigenen
Sicherheit und des Friedens in der Welt.

Wir wollen Rüstungskontrollabkommen

mit den Sowjets, und sie wollen sie mit uns, gerade weil wir Gegner sind - zwischen Freunden sind solche Abkommen nicht nötig.

Beiderseitiges Interesse

ist hier die treibende Kraft und beiderseitiger Nutzen das notwendige Kriterium für ein jedes Rüstungskontroi labkommen zwischen den Supermächten.
Der SALT II-Vertrag wird den Ausbau der strategischen Waffen der Sowjet- i
union erheblich einschränken, weit unterhalb des Niveaus, das wahrscheinlich
ohne die Begrenzungen durch diesen Vertrag erreicht worden wäre; die Sowjets
werden ihre derzeitigen strategischen Kernwaffen um etwa zehn Prozent reduzieren
müssen und werden bei der Zahl von Gefechtsköpfen begrenzt sein, die sie dislozieren können.
SALT II

�SALT II wird bei den zukünftigen strategischen Waffen der Sowjetunion
sowohl hinsichtlich ihrer Anzahl als auch ihrer Eigenschaften genauere Aussagen zulassen - und dadurch unsere eigene Verteidigungsplanung erleichtern.
SALT II wird ein unnötiges, ungehindertes und Liberaus kostspieliges Wettrüsten im Bereich der strategischen Waffen mit der Sowjetunion verhindern.
Dies ist umso wichtiger, als wir vor der dringenden Notwendigkeit stehen, mehr
Mittel für die konventionellen Streitkräfte bereitzustellen - ein Erfordernis,
das nunmehr als Ergebnis der sowjetischen Invasion Afghanistans nur noch umso
dringlicher geworden ist.
Die Chefs des Gemeinsamen Stabes betrachten auch weiterhin die von dem
Vertrag auferlegten Begrenzungen als in unserem nationalen Sicherheitsinteresse liegend.
Die sowjetische Invasion Afghanistans machte es in der praktischen Politik notwendig, die Ratifizierung von SALT II zu verschieben, während wir
die sowjetischen Maßnahmen einer Beurteilung unterzogen und die notwendigen
Antworten gaben. Aber die Ratifizierung des Vertrags zum frühestmöglichen
Zeitpunkt ist auch weiterhin für unser nationales Sicherheitsinteresse von Bedeutung.
Zusätzlich zu den strategischen Waffen, die technisch angemessen sind,
benötigen wir einen politischen Rahmen:
Wir müssen das Notwendige anordnen, damit die Abschreckung auch weiterhin
funktioniert;
wir müssen unsere Beschaffungsstrategie für den Erwerb strategischer Kernwaffen sowie für die entsprechenden Befehls-, Kontroll- und Kommunikationssysteme lenken; und
wir
- 7 -

�wir müssen unsere operative Planung für den Einsatz unserer Streitkräfte
- sollte dies notwendig sein - ausgestalten.
Als Ergänzung zu unseren Anstrengungen bei der Waffenmodernisierung und
bei den RüstungskontrollVerhandlungen haben wir in den vergangenen drei Jahren
intensiv daran gearbeitet, die Abschreckung sicherer und wirkungsvoller zu
machen - durch bessere Planung und durch eine überzeugendere Darlegung unserer
strategischen Doktrin.

Im Verlauf dieses Prozesses haben wir eine Reihe wich-

tiger analytischer und operativer Schritte unternommen.
;

' .

'"

Im Sommer 1977 ordnete Präsident Carter eine grundlegende Überprüfung
unserer Zielpolitik an.

Im Verlauf der folgenden 18 Monate wurde diese Studie

von militärischen und zivilen Experten durchgeführt, wobei unsere Streitkräfte,
Pläne, Probleme und Kapazitäten sowie die Perspektiven, die Stärke und die Verwundbarkeit der Sowjetunion in Rechnung gestellt wurden.
Seit ich dem Präsidenten meinen Bericht zu dieser Analyse vorgelegt habe,
sind wir mit Bedacht daran gegangen, seine Grundprinzipien durchzuführen.
Ich habe die wesentlichen Regeln dieser Strategie des Gegenzuges Anfang 1979
in meinem Verteidigungsbericht ausgeführt, mehr in die Einzelheiten gehend im
Januar dieses Jahres.
Auf einem Treffen der Nuklearen Planungsgruppe der NATO im Juni dieses
Jahres informierte ich unsere Verbündeten über die Schlußfolgerungen, zu denen
wir gelangt sind, und die Maßnahmen, die wir nunmehr ergreifen. Sie unterstützen voll und ganz die Notwendigkeit für die Vereinigten Staaten, über eine
große Bandbreite von nuklearstrategischen Optionen zu verfügen. Unsere Strategie des Gegenzuges steht in völligem Einklang mit der flexiblen Antwort
der NATO und zeigt in der Tat unsere Entschlossenheit an, diese Strategie
des Bündnisses in die Tat umzusetzen.
Präsident Carter hat vor kurzem eine Durchführungsdirektive erlassen
- die Präsidialdirektive No. 59 -, in der unsere neuformulierte Doktrin kodifiziert wird und durch die eine Orientierung bei der weiteren Entwicklung
- 8 -

�Entwicklung unserer Planung und unserer Zielerfassung geschaffen wird.

Es ist offensichtlich, daß die Einzelheiten unserer Planung Pin streng
behütetes Geheimnis bleiben müssen.
unserer Politik öffentlich
zu gefährden.

Dennoch kann die grundlegende Prämisse

mitgeteilt werden, ohne unsere eigene Sicherheit

In der Tat liegt es gerade in unserem nationalen Interesse,

daß unsere Abschreckungspolitik - und die Folgen einer Aggression - sowohl
von Freund als auch von Feind verstanden werden.

Lassen Sie mich zunächst betonen, daß die Präsidialdirektive 59 (P.D.59)
keine neue strategische Doktrin ist; sie ist keine grundlegende Abkehr von
der amerikanischen Strategiepolitik während etwa des vergangenen Jahrzehnts.
Sie ist vielmehr eine Verfeinerung, eine Kodifizierung vorhergehender Erklärungen zu unserer Strategiepolitik.

Die P.D.59 übernimmt die gleiche wesent-

liche strategische Doktrin und formuliert sie klarer, überzeugender angesichts
der gegenwärtigen Bedingungen und der gegenwärtigen Möglichkeiten.

überdies ist es eine Absicht meiner heutigen Darlegung des Problems - sowie meiner früheren Erklärungen zu diesem Thema -, den Sowjets die Natur
unserer Strategie des Gegenzuges klarzumachen.

Dies geschieht, um sicherzu-

stellen, daß kein potentieller Gegner der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten jemals zu der Schlußfolgerung gelangen könnte, eine Aggression könne
die Kosten wert sein, die in ihrem Verlauf entstehen.

Dies gilt für jedwedes

Konfliktniveau, das ins Auge gefaßt werden könnte.

Die Abschreckung bleibt unser grundlegendes strategisches Ziel, so, wie
es dies bisher in der Geschichte der Fall gewesen ist. Aber Abschreckung muß
eine weit größere Bandbreite von Bedrohungen im Zaum halten als nur einen massiven Angriff auf amerikanische Städte.

Wir wollen jeden Gegner von jeder Art

Kurs abschrecken, der zu einem allgemeinen Atomkrieg führen könnte.

Unsere

strategischen Streitkräfte müssen auch von Nuklearangriffen auf kleinere Ziele
in den Vereinigten Staaten oder auf amerikanische Streitkräfte abschrecken sowie ein Schutzwall gegen nuklearen Zwang oder nuklearen Angriff auf unsere

�unsere Freunde und Verbündeten

sein.

Und die strategischen Waffen müssen in

Verbindung mit den nuklearen Mittel Streckensystemen (TNF) zur Abschreckung
auch von konventioneller Aggression beitragen.

(Ich sage "beitragen", denn

wir erkennen, daß weder die Kernwaffen noch die klügste Theorie ihres Einsatzes für uns - und unsere Verbündeten - die Notwendigkeit beseitigen können,
eine wirkungsvolle konventionelle Abschreckung zu unterhalten.)
In unserer Analyse und in unseren Planungen verwenden wir notwendigerweise größere Aufmerksamkeit darauf, wie ein Atomkrieg wirklich auf beiden
Seiten ausgetragen werden würde, wenn die Abschreckung versagen sollte.

Es

gibt dabei keinen Widerspruch zwischen der Überlegung, wie ein Krieg ausgetragen werden würde und welche seine Ergebnisse sein würden einerseits sowie unserer Absicht andererseits, durch gegenseitige Abschreckung auch weiterhin den
Frieden zu sichern.

Ja, diese Betrachtungsweise hilft uns sogar dabei, Ab-

schreckung und Frieden zu erzielen, indem sie nämlich sicherstellt, daß unsere
Fähigkeit zur Vergeltung in vollem Umfang glaubwürdig ist.
Per Definition bedeutet erfolgreiche Abschreckung unter anderem, den
Blick der Sowjets dafür zu schärfen, was ein Krieg bedeuten und welche Risiken
und Verluste eine Aggression beinhalten würde. Wir brauchen Streitkräfte,
Pläne für den Eventualfall, sowie Befehls- und Kontrollkapazitäten, die die
sowjetische Führung davon überzeugen, daß kein Krieg und kein Aggressionskurs
ihrerseits, der zum Einsatz von Kernwaffen führen würde, auf welcher Angriffsskala und in welchem Stadium des Konflikts auch immer, zum Sieg führen könnte wie immer sie auch den Sieg definiert. Sie von dieser grundlegenden Wahrheit
zu überzeugen, ist die sicherste Gewähr dafür, daß sie nicht in die Versuchung
einer Aggression gerät.
Operativ erfordert unsere Strategie des Gegenzuges, daß unsere Pläne und
Kapazitäten so strukturiert werden, daß sie mehr Gewicht auf die Fähigkeit legen, strategische Kernwaffen selektiv genauso wie bei einer umfassenden Vergeltung als Antwort auf massive Angriffe auf die Vereinigten Staaten einzusetzen.
Es ist unsere Politik - und wir haben in zunehmendem Maß die Mittel und die de- 10 -

�detaillierten Pläne, um diese Politik durchzuführen -, sicherzustellen, daß
die sowjetische Führung weiß, daß wir - sollte sie irgendein mittleres
Aggressionsniveau wählen - durch selektive, umfangreiche (aber noch immer
nicht maximale) Angriffe einen unannehmbar hohen Preis in Gestalt von Dingen
erzwingen können, die die sowjetischen Führer am höchsten einzuschätzen
scheinen, nämlich die politische und militärische Kontrolle, die militärische
Macht sowohl nuklearer als auch konventioneller Art, sowie die industrielle
Kapazität, einen Krieg durchzustehen.

Bei unseren Planungen haben wir nicht

das Problem der Beendigung eines Krieges ignoriert; wir würden dies auch nicht
im Fall eines Krieges tun.

Und natürlich haben wir eine überlebensfähige und

dauerhafte Kapazität - und werden sie aufrechterhalten -, um die ganze Bandbreite von Zielen anzugreifen - einschließlich der sowjetischen Wirtschaftsbasen -, sollte dies die angemessene Antwort auf einen sowjetischen Schlag
sein.
Auf Anweisung des Präsidenten hat das Verteidigungsministerium seit 1977
an der Erhöhung der Flexibilität unserer Pläne gearbeitet, um uns der innewohnenden Kapazitäten unserer Streitkräfte zu bedienen. Wir unternehmen außerdem Schritte zur Verbesserung unserer Fähigkeit zum Unterhalt wirkungsvoller
Kommunikation sowie des Kommandos und der Kontrolle unserer Streitkräfte sogar
unter den höchst ungewissen und chaotischen Bedingungen, die bei einem Atomkrieg herrschen würden. Diese Maßnahmen sind eine große Verstärkung unserer
Abschreckung.
Diese Doktrin - ich habe es schon vorher betont - ist kein Neuanfang.
Die Vereinigten Staaten haben zu keiner Zeit eine Doktrin gehabt, die sich einfach und einzig auf reflexhafte, massive Angriffe sowjetischer Städte gründete.
Stattdessen waren unsere Pläne schon immer selektiver (Optionen, die den urban-industriellen Schaden begrenzten) und umfassender (eine ganze Bandbreite
militärischer Ziele).

Auch frühere Regierungen bis weit in die sechziger

Jahre hinein erkannten die Unangemessenheit einer strategischen Doktrin, die
uns einen zu engen Optionsspielraum gab.

Die grundlegende Prämisse der Stra-

tegie des Gegenzuges ist eine natürliche Entwicklung aus den theoretischen
Grundlagen, die sich im Verlauf einer Generation herausgebildet haben - etwa

�etwa unter den Verteidigungsministern McNamara und Schlesinger, um nur zwei
meiner Vorgänger zu nennen, die am engsten mit der Entwicklung unserer Nukleardoktrin identifiziert worden sind.
Diese Regierung erhebt nicht den Anspruch, die Notwendigkeit für eine
breite Skala der Abschreckung, für verbesserte Flexibilität, für sicheres
und verläßliches Kommando und Kontrolle unserer eigenen Streitkräfte im Fall
des Versagens der Abschreckung oder für wirkungsvollen Zieleinsatz der Streitkräfte sowie ihrer politischen Führung und militärischen Kontrolle erfunden
zu haben.
Diese Entwicklung unserer Doktrin erhöht die Abschreckung und vermindert
die Wahrscheinlichkeit eines Atomkriegs.

Dies tut sie, weil sie - wie unsere

nuklearen Modernisierungsprogramme - die Überlebensfähigkeit unserer Streitkräfte betont und den Sowjets die Botschaft übermittelt, daß jede oder alle
Komponenten sowjetischer Macht - und nicht nur ihr urban-industrieller Komplex - im Rahmen der Vergeltung angegriffen werden könnten.
Was wir in den vergangenen dreieinhalb Jahren getan haben,war, einen genaueren Blick auf unsere Kapazitäten, unsere Doktrin und unsere Pläne zu werfen angesichts dessen, was wir über die sowjetischen Streitkräfte, ihre Doktrin
und ihre Pläne wissen. Es scheint, daß die sowjetische Führung zumindest mit
der Möglichkeit eines verhältnismäßig langen Schlagabtausches rechnet, falls
es zu einem Krieg kommen sollte; und zumindest in einigen Kreisen scheint die
theoretische Möglichkeit eines Sieges in einem solchen Krieg ernstgenommen zu
werden. Wir können es uns nicht leisten, diese Ansichten zu ignorieren, sogar
dann nicht, wenn wir anders denken - wie ich etwa. Wir brauchen - und wir
haben - eine Position sowohl hinsichtlich der Streitkräfte als auch der Doktrin,
die den Sowjets und der Welt klarmacht, daß jeder Gedanke an Sieg in einem
Atomkrieg unrealistisch ist.
.

Die Einführung unserer Strategie erfordert von uns, bei unserer operativen Planung einige Änderungen vorzunehmen - wie etwa einen graduellen Anstieg
- 12 -

�Anstieg bei Umfang, Vielfalt und Flexibilität der uns für den Fall einer
sowjetischen Aggression zur Verfügung stehenden Optionen.
ist seit 1977 bereits getan worden.

Einiges davon

Aber es muß noch mehr getan werden.

Wir müssen auch die Überlebensfähigkeit und Ausdauer unseres Befehls- und
Kontroll Systems verbessern.

Es handelt sich nicht um eine Strategie des Erstschlags.

Wir sprechen

darüber, was wir tun könnten und entsprechend der Natur eines sowjetischen
Angriffs tun würden in Beantwortung eines sowjetischen Angriffs.

Nichts

an dieser Politik faßt ins Auge, daß ein Atomkrieg ein absichtliches Instrument zur Erreichung unserer nationalen Sicherheitsziele sein könnte - denn
dies kann es nicht sein.

Aber wir können es nicht riskieren, daß die sowje-

tische Führung sich der Illusion hingibt, ein Atomkrieg könne eine Option
darstellen - oder die Drohung damit ein Mittel für sie, um Druck auszuüben.

Während wir unsere Fähigkeit und unsere Absicht erklären, einen sowjetischen Sieg - sogar unter den gefährlichsten Umständen - zu verhindern,
machen wir uns keine Illusionen darüber, was ein Atomkrieg für die Menschheit bedeuten würde.

Er würde eine unvorstellbare Katastrophe sein.

Wir sind uns auch der gewaltigen Ungewißheiten bewußt, die mit jeder
Art Einsatz von Kernwaffen verbunden sind.

Wir wissen, daß das, was als ein

angeblich kontrollierter, begrenzter Schlag anfangen würde, leicht - und
meiner Ansicht nach sogar sehr leicht - zu einem totalen Atomkrieg eskalieren
könnte.

Wir wissen außerdem, daß sogar ein begrenzter nuklearer Schlagab-

tausch gewaltige Verluste und Zerstörung mit sich bringen würde.

Aber neben

der massiven Vergeltung haben wir schon immer als Antwort auf schwerwiegende,
aber immer noch begrenzte Provokation auch andere Optionen benötigt.

Die

Ausweitung der sowjetischen strategischen Kapazität im Verlauf der letzten
zehn Jahre sowie unsere Bedenken darüber, daß die Sowjets womöglich nicht
daran glauben, daß ein Atomkrieg nicht zu gewinnen ist, stellen die Vereinigten Staaten vor die Notwendigkeit weiterer und selektiverer Vergeltungsoptionen.
Die
- 13 -

�Die Maßnahmen bei Doktrin und Planung, die wir ergreifen, verbessern
in Verbindung mit unseren Waffenmodernisierungsprogrammen die Wirksamkeit
unserer strategischen Kernwaffen angesichts der gesamten Bandbreite von Bedrohungen.

Sie verdeutlichen unsere Einstellung, wonach der beste Weg zur

Vermeidung eines Krieges ist, sicherzustellen, daß die sowjetische Führung
sich keinerlei Illusionen darüber hingibt, was ein solcher Krieg für die
sowjetische Staatsmacht und für die sowjetische Gesellschaft bedeutet.
Zusammengenommen ist unsere Strategiepolitik ein ausgewogenes Ganzes
aus Streitkrä'ftemodernisierung, ausgehandelter Begrenzung sowie überzeugender
und wirkungsvoller Abschreckungsdoktrin.

Wir haben ein einziges Ziel:

Frieden zu bewahren und die Gefahr eines Atomkrieges zu vermindern.

den

Dies ist

gleichzeitig ein militärisches, ein politisches und ein moralisches Ziel.
Wir werden auchi weiterhin eine integrierte Politik der Aufrechterhaltung und
Modernisierung unserer Streitkräfte zum Erhalt eines angemessenen Gleichgewichts verfolgen und versuchen, den Rüstungswettlauf zu stabilisieren sowie
unsere Doktrin und unsere Planung zu verbessern, um den Sowjets jede Hoffnung
auf einen Sieg in einem Atomkrieg zu rauben, wie immer sie auch einen Sieg
definieren und auf welche Ebene auch immer ein solcher Konflikt ausgetragen
werden sollte.
•

Es ist von entscheidender Bedeutung, daß unsere Politik der nuklearen
Abschreckung vom amerikanischen Volk, von unseren Freunden und Verbündeten
sowie auch von unseren Gegnern verstanden wird. Dies ist der Sinn und Zweck
dieser Rede. Es liegt vor allem an Experten wie Ihnen, diese verwickelten
und doch so bedeutsamen Politiken der nationalen Sicherheit zu verstehen und
zu erklären. Ja, dies ist eine der wichtigsten Funktionen derjenigen unter
uns, die im Rahmen der Formulierung oder der Durchführung unserer Politik den
nationalen Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten dienen.

+ + + + +

- 14-

�Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. August 1980

38

USA BEDAUERN STÖRUNG DER STIMME AMERIKAS DURCH MOSKAU
- Erklärung des State Department -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium hat die Tatsache
bedauert, daß die Sowjetunion die Störungen der Sendungen der Stimme Amerikas
sowie anderer westlicher Rundfunksender wieder aufgenommen hat. In einer Erklärung vom 20. August 1980 betonte das State Department, man könne nur den
Schluß ziehen, daß die sowjetische Maßnahme - der erste derartige Schritt
seit sieben Jahren - durch den großen Unterschied zwischen sowjetischzensierten Nachrichten und dem freien Informationsfluß aus dem Westen ausgelöst worden sei.
Die Erklärung des amerikanischen Außenministeriums hat folgenden Wortlaut:
"Wir bedauern die Tatsache, daß die Sowjetunion die Störung von Sendungen
der Stimme Amerikas nach der Sowjetunion sowie anderer westlicher Rundfunksendungen zum ersten Mal seit 1973 wieder aufgenommen hat.

Diese Maßnahme der

Sowjetunion erfolgt unter krasser Mißachtung der Bestimmungen der Schlußakte
von Helsinki hinsichtlich der Verbreitung von Informationen.
Wir

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D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Wir wissen nicht, warum die Sowjetunion diesen unglücklichen Rückschritt
getan hat, und wir wissen auch nicht, ob er zeitweiliger oder langfristiger
Natur ist.

Die Rundfunkpolitik der Stimme Amerikas hat sich im Verlaufe der

letzten sieben Jahre nicht wesentlich geändert, und man kann nur annehmen,
daß die sowjetischen Stellen in der letzten Zeit besorgt geworden sind über
die große Lücke zwischen den stark zensierten Nachrichten, wie sie dem sowjetischen Volk durch die sowjetischen Nachrichtenmedien dargeboten werden,
und den Nachrichten, wie sie die Stimme Amerikas bringt."
In einer Erklärung der Stimme Amerikas wird darauf hingewiesen, daß nicht
nur die eigenen, sondern auch die Sendungen der British Broadcasting Company
(BBC) und der Deutschen Welle gestört werden.

Man habe festgestellt, daß zu-

mindest sechs Frequenzen gestört würden, auf denen in russischer, ukrainischer
und armenischer Sprache gesendet werde.

Die Direktorin der Stimme Amerikas,

Mary Bitterman, erklärte in diesem Zusammenhang, es sei nicht an Vergeltungsmaßnahmen gedacht, da sich Amerika dem freien Fluß von Informationen verpflichtet fühle.

i

�ä

a
38

Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. August 1980

NEUES BRENNSTOFF-SYNTHESEWERK IN KENTUCKY GEPLANT

- (AD) - Ein Kooperationsabkommen über den Bau einer Demonstrationsanlage für die Herstellung von Synthesebrennstoffen in Newman (Kentucky) wurde
vom amerikanischen Energieministerium mit dem Bundesstaat Kentucky und der
"International Coal Refining Company", einem amerikanischen Privatunternehmen,
unterzeichnet. Das 1,5-Milliarden-Dollar-Projekt kann jedoch erst nach Abschluß der Umweltbelastungsanalyse in Angriff genommen werden.
Die Anlage soll 1984 den Betrieb aufnehmen. Bei einem Tagesdurchsatz
von 5400 Tonnen stark schwefelhaltiger Kohle wird sie nach dem SRC-I-Verfahren
(SRC ist die Abkürzung für die Verfahrensbezeichnung "Solvent Refined Coal",
eine neue Methode für die Entfernung von Schwefel und anderer Beimengungen
aus Kohle) ein "sauber" verbrennendes Produkt liefern. Es kann als fester
Brennstoff verwendet oder zu flüssigen Brennstoffen weiterverarbeitet werden.
Demgegenüber wird im Werk Morgantown (Westvirginia), das gemeinsam von den
USA, der Bundesrepublik Deutschland und Japan errichtet wird, das bereits verbesserte SRC-II-Verfahren angewandt. Dieses erlaubt die direkte Umwandlung
von Kohle in flüssige Brennstoffe.

Die

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Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Die Tagesmenge, die im Werk Newman erzielt werden wird, entspricht etwa
20 000 Faß Rohöl.

Die Internationale Coal Refining Company beabsichtigt,

die Demonstrationsanlage ganz zu übernehmen, wenn sich die Methode als erfolgreich erweist, und den Betrieb zu einem großtechnischen Werk mit einer
Tageskapazität auszubauen, die 100 000 Faß Rohöl entspricht.

Während der

ersten Betriebsjahre will man zunächst weitere praktische Erfahrungen sammeln und technische, finanzielle und betriebstechnische Parameter bekommen.
Zwei weitere Demonstrationsanlagen für die Kohleumwandlung, für die das USEnergieministerium erhebliche Mittel zur Verfügung stellt, sind das Hydrierwerk von Catlettsburg (Kentucky) und ein Exxon-Betrieb in Baytown (Texas).

+ + + + +

�Information

i

31

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

38

27. August 1980

POSITIVE BILANZ DER GESCHWINDIGKEITSBEGRENZUNG

- (AD) - Seit Januar 1974 sind auf den meisten amerikanischen Fernstraßen aus Gründen der Energieeinsparung 88 km pro Stunde (55 mph) als
Höchstgeschwindigkeit zugelassen. Wie Energieminister Neil Goldschmidt
kürzlich berichtete, haben inzwischen Untersuchungen zu den Auswirkungen
dieser Maßnahme ergeben, daß pro Jahr im Durchschnitt 12,87 Milliarden Liter
Benzin weniger verbraucht wurden. Außerdem ist die Zahl der Verkehrstoten
merklich zurückgegangen. Während 1973 bei Zugrundelegung von jeweils 160
Millionen Fahrkilometern noch 4,11 tödliche Verkehrsunfälle zu verzeichnen
waren, betrug 1974 die entsprechende Durchschnittszahl 3,52; bis 1979 war
sie auf 3,35 zurückgegangen.
Fachleute schätzen, daß die Einführung der Geschwindigkeitsbeschränkung
wesentlich dazu beitrug, daß in den letzten sechs Jahren der Verkehr etwa
37 000 weniger Todesopfer forderte, als die Statistiken der Jahre vor 1974
hätten erwarten lassen. Bei Umfragen in allen Teilen der USA sprachen sich
mehr als 70 Prozent der amerikanischen Bevölkerung für die Beibehaltung der
Geschwindigkeitsbeschränkung aus.
+ + + + +

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Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

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