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I 3

Information
und
Dokumentation

1

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. August 1980

37

INHALT

DOKUMENTATION
Außenminister Muskie erläutert Bündnissysteme der USA
- Rede vor dem Commonwealthclub in San Francisco Brown:

USA wollen keinen Atomkrieg

- Schreiben an die NATO-Verteidigungsminister -

HINTERGRUNDMATERIAL
Ausreichende Reserve entscheidend fürj^ahrung^smHtelversorgung der
Weltbevölkerung
- USICA-Interview mit Dale Hathaway, Staatssekretär im US-Landwirtschaftsministerium -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Das Meer - Energiequelle für Inseln und Küstenländer
- USA intensivieren Forschungs- und Entwicklungsprogramme
Start des Raumtransporters: Mä'rz 1981

Um Übcr/cncJung von
BcIcgcKcmplorcn wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Dokumentation

a

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. August 1980

37

AUSSENMINISTER MUSKIE ERLÄUTERT BÜNDNISSYSTEME DER USA
- Rede vor dem Commonwealthclub in San Francisco -

SAN FRANCISCO - (AD) - Der amerikanische Außenminister Edmund Muskie
hielt am 9. August 1980 in San Francisco vor dem Commonwealthclub eine Rede,
in der er sich eingehend mit den Bündnissystemen, denen die Vereinigten Staaten angehören, befaßte.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Als der Präsident mir den Posten des neuen Außenministers anbot, sicherte er mir zu, daß es nicht allzu viel zu reisen geben werde.
Seither bin ich in Brüssel und Wien gewesen, in Venedig, Ankara und
Kuala Lumpur; zweimal in Japan.
Nun ist das Reisen gar nicht so schlecht.

Denn ich habe herausgefunden,

daß es eine Ähnlichkeit gibt zwischen Auslandsreisen und dem Senioritä'tssystem im Senat: man findet mit der Zeit immer mehr Geschmack daran.
Teils

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D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Teils aufgrund der Umstände, aber zum größeren Teil aus eigenem Antrieb,
verwendete ich einen ansehnlichen Teil meiner Zeit im Verlauf der letzten
zweieinhalb Monate - sowohl während meiner Reisen als auch zu Hause - auf das
Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Hauptverbündeten.
Ich habe dies getan, weil ich zutiefst davon überzeugt bin - und das
war zu jedem Zeitpunkt meiner öffentlichen Laufbahn der Fall -, daß die Stärke und der Zusammenhalt unserer Bündnisse für unser Wohlergehen als Amerikaner
lebenswichtig sind.
Heute möchte ich gemeinsam mit Ihnen einige Überlegungen hinsichtlich
unserer grundlegenden Bündnisse anstellen: hinsichtlich ihres derzeitigen Zustandes und ihrer Entwicklung in der Zukunft.
Meine eigene öffentliche Laufbahn begann, als unsere Sicherheitsbündnisse der Nachkriegszeit - vor allem der NATO und unsere Bündnisse mit Japan geschlossen wurden.

Von jenem Zeitpunkt an bis heute gab es kaum einen Augen-

blick, in dem die Stärke dieser Partnerschaften nicht in Frage gestellt wurde.
Journalisten und andere "Untersuchungsbeamte" überprüften regelmäßig
unsere Bündnisse und fanden sie gefährdet:
auch durch "gähnende Löcher".

durch "Haarrisse" -, manchmal

Sie beschreiben diese Probleme mit Worten wie

"Verwirrung und Unordnung".
Vor den gleichen Behauptungen stehen wir heute.
Es wäre wahrscheinlich möglich, eine Antwort darauf einzig auf die höchst
reale und breite Übereinstimmung zu gründen, die sich auf dem Gipfeltreffen
von Venedig sowie auf dem Treffen der NATO-Minister in Ankara zeigte.
Aber ich möchte nicht in der Rhetorik globaler Beteuerungen schwelgen.
Tatsache ist, daß es Meinungsverschiedenheiten zwischen uns gibt.
Auch
- 2 -

�Auch biete ich nicht die Rhetorik der Gegenbeschuldigungen an. Gelegentliche Spannung zwischen freien Verbündeten ist verständlich.

Wir und

unsere Verbündeten stehen jetzt sowohl vor neuen Herausforderungen als auch
vor den alten Herausforderungen für die Interessen außerhalb der Grenzen
unserer Bündnisse und wieder anderen, die sich aus unserer wachsenden wirtschaftlichen Interdependenz ergeben.

Unsere gemeinsamen Ziele jedoch sind dauerhaft:

wir stehen zusammen,

um unsere demokratische Lebensweise zu erhalten, indem wir vor Krieg abschrecken und indem wir daran arbeiten, die Spannungen zwischen uns und unseren Gegnern abzubauen.

Aber während wir diese überdauernden, zentralen Ziele verfolgen, müssen die Formen unserer Zusammenarbeit ausgeweitet werden.
über unsere gemeinsame Verteidigung hinaus ist es stets für uns und
unsere Verbündeten wünschenswert gewesen, unsere Handlungen in anderen Teilen der Welt zu koordinieren.

Heutzutage jedoch ist diese weitere Zusammen-

arbeit nicht nur wünschenswert, sondern unabdingbar.
in einer neuen Ära.

Denn wir befinden uns

Wir leben in einer Zeit, da die zentralen Interessen der

demokratischen Industriestaaten nicht nur durch drohende militärische Gewalt
an den unmittelbaren Grenzen berührt werden, sondern auch durch die Tatsache
entfernterer Aggression.

Es ist ein Zeitalter, da die Wirtschaftspolitik

ebenso wie die militärische Strategie unserer Sicherheitsinteressen grundlegend beeinflussen - ein Zeitalter, da wir uns sowohl über die direkte
Bedrohung durch bewaffnete Angriffe als auch die Bedingungen Gedanken machen
müssen, die in der Welt der Entwicklungsländer Aufruhr schaffen.

Und es ist

ein Zeitalter, in dem die Verteidigung der gemeinsamen westlichen Interessen
in zunehmendem Maße konzertierte westliche Reaktion erfordert.

Den Herausforderungen dieses neuen Zeitalters müssen wir uns stellen.
Die demokratischen Industrieländer

müssen eine koordinierte Reaktion auf

- 3 -

�auf die bedrohlichen Ereignisse jenseits der Bündnisgebiete entwerfen.
wir dies nicht, so könnten die Folgen schwerwiegend sein.

Tun

In allen unseren

Staaten könnte sich das Vertrauen in unsere Bündnisse und das Vertrauen zueinander aushöhlen.

Und wenn wir zulassen, daß kurzfristige nationale Anliegen

uns davon abbringen, uns den strategischen Herausforderungen zu stellen, die
wir alle teilen - wie etwa in Afghanistan -, würden wir unsere zukünftige
Sicherheit gefährden.

*

Es gab in den vergangenen Monaten Spannungen, als wir und unsere Verbündeten neue Reaktionen auf die Aggression in Afghanistan und den Terrorismus
in Teheran ausarbeiteten.
Aber die Meinungsverschiedenheiten, die es dabei gegeben hat, sollten
eine zentrale Tatsache nicht verdunkeln: mit den Maßnahmen, die wir ausarbeiten, schaffen wir zugleich neue Formen der Zusammenarbeit.
zeß hat beträchtlichen Lärm verursacht.

Dieser Pro-

Aber zum größten Teil sind die

Töne, die wir hören, konstruktive Töne.
Verschaffen wir uns zunächst Klarheit über die grundlegende Stärke, die
im Mittelpunkt dieser Beziehungen steht.
Unsere Bündnisse sind erfolgreich, was ihre grundlegende Sinngebung anbelangt - die kollektive Verteidigung ihres gemeinsamen Territoriums.
Die Nordatlantische Verteidigungsgemeinschaft hat mehr als 30 Jahre Frieden hervorgebracht. Eben weil sie eine Aggression gegen Westeuropa vernichtend zurückweisen könnte, hat die NATO diese Aggression abgeschreckt.
»

In diesem Prozeß hat die NATO bemerkenswerte Elastizität und Wachstum
gezeigt.
- Wir haben erfolgreich weitreichende Anpassungen der strategischen
Doktrin in den Griff bekommen: den Übergang aus dem Zeitalter der massiven

- 4 -

�massiven Vergeltung zu einer realistischeren Strategie - einer Strategie
der flexiblen Antwort auf die gesamte Bandbreite der Gefahren, denen wir
gegenüberstehen.
- Im Juni 1978 hat die NATO das Langfristige Verteidigungsprogramm angenommen, um die Schwächen in unserer Verteidigung auszumerzen und für die
Zukunft vorzusorgen.
- Die NATO-Verbündeten haben sich zu dem Ziel eines dreiprozentigen
Real Zuwachses der Verteidigungsausgaben pro Jahr verpflichtet.
- Die NATO reagiert wirkungsvoll auf die Anwesenheit neuer sowjetischer
Kernwaffen im europäischen Bereich: mit neuen eigenen Systemen und mit einem
Angebot, mit den Sowjets wirklich gleichmäßige Beschränkungen dieser Waffen
auszuhandeln.
Dies sind die Anstrengungen eines Verteidigungsbündnisses, das kraftvoll seinen grundlegenden Zweck verfolgt: starke und entschlossene Verteidigung.
Das gleiche gilt für den Pazifik.
Unsere strategische Beziehung zu Japan weitet sich aus.

Und unser Ver-

hältnis zu den ANZUS-Staaten - zu Australien und Neuseeland - ist fest.
So steht am Anfang die Tatsache, daß unsere wichtigsten Beziehungen
auf dem Gebiet der Friedenssicherung auf beiden Seiten des Globus funktionieren.

Sie sind solide.

geschaffen wurden:

Sie machen Fortschritte.

Sie tun das, wofür sie

sie schrecken vor einer Aggression ab.

Dennoch wäre es töricht, die neuen Gegebenheiten zu ignorieren, die
uns dazu drängen, neue Formen der Zusammenarbeit zu gestalten.
Eine
- 5 -

�Eine dieser neuen Gegebenheiten zeigt sich beispielhaft in der sowjetischen Militärpräsenz in Afghanistan.
In den vergangenen Jahren hat sich die militärische Reichweite der
Sowjetunion bis in die Dritte Welt hinein ausgedehnt. Afghanistan ist der
jüngste und dramatischste Beweis für die wachsende sowjetische Militärtätigkeit in der Entwicklungswelt.
Durch ihre Nähe und durch ihr Beispiel hat die sowjetische Invasion
die Bedrohung der Energieversorgung und der Handelswege verstärkt, die für
die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten lebenswichtig sind.

Und sie

beweist deutlich, daß es für die westlichen Interessen neue Herausforderungen
jenseits der unmittelbaren Bündnisgrenzen gibt.
•

Ein zweiter neuer strategischer Gesichtspunkt ist die verbesserte wirtschaftliche und politische Lage unserer Verbündeten. Die Vereinigten Staaten halten noch immer den strategischen Schirm. Aber unter diesem Schirm
hat sich eine Gruppe von immer wohlhabenderen und mächtigeren Staaten versammelt.
Die Probleme, die diese Entwicklung mit sich bringt, ähneln etwas den
Steuerproblemen eines Multimillionärs: sie sind zwar schwierig, aber trotzdem ist es eine Art von Problemen, die man nicht ungern hat.
Starke Partner verdienen nachdrückliche Überlegung: bei den amerikanischen Entscheidungen wird es keine automatische Fügsamkeit geben. Diese
Tatsache kann nur diejenigen beunruhigen, die auf die Tage warten, da Amerika
womöglich seine Verbündeten dominiert. Nichtsdestoweniger ist der Wandel
eine Tatsache.
Daß Entscheidungen jetzt tatkräftig debattiert werden, ist kein Zeichen
eines geschwächten Bündnisses; es ist ein Zeichen für Verbündete» die stärker geworden sind.
Tatsache
- 6 -

�Tatsache ist auch, daß unsere wirtschaftlichen und politischen Interessen nicht immer identisch sind.

Für viele Amerikaner ist die Entspannung

eine Abstraktion - durchaus eine vernünftige Politik, aber dennoch eine, die
weit von ihrem täglichen Leben entfernt ist. Für die Menschen in der Bundesrepublik Deutschland hingegen hat das Maß an Spannung zwischen Ost und
West direkte Auswirkung auf die Probleme des Alltags.

Die Möglichkeit zu

Verwandtenbesuchen, die Möglichkeit für Deutsche, aus dem Osten zu emigrieren, die tägliche Lage in Berlin - um all das geht es.
Und es gibt noch andere Unterschiede.

Die Abhängigkeit der Staaten

Europas und Japans von ausländischen Energiequellen ist größer als unsere.
Diese unterschiedlichen Standpunkte müssen bei der Festlegung gemeinsamer
Positionen in Einklang gebracht werden.
Wir in den Vereinigten Staaten müssen ein Gefühl für die besonderen
Bedenken und Verletzlichkeiten unserer Verbündeten bekommen.
Gleichzeitig müssen unsere Verbündeten die wachsende Verantwortung übernehmen, die mit der wachsenden Stärke einhergeht. Sie müssen bereit sein,
ihren Anteil an der gemeinsamen Last zu übernehmen.
Der Anfang der Weisheit ist die freimütige Erkenntnis dieser Realitäten
- und die Verwendung dieser Grundlage für neue Formen der Zusammenarbeit.
Lassen Sie mich kurz darlegen, wie ich die Entwicklung dieser Formen sehe.
Der erste Bereich ist unsere gemeinsame Strategie zur Bewältigung der
Ost-West-Beziehungen.
Die Grundlage dieser Strategie muß - heute wie in der Vergangenheit - eine
militärische Abschreckung sein, die außer Frage steht.

Denn Abschreckung ist

auch weiterhin der Eckstein des Friedens, den wir zu bewahren beabsichtigen.
Der
- 7 -

�Der Beitrag unserer NATO-Partner für unsere kollektive Verteidigung wird
hier bei uns zu Hause nicht ausreichend erkannt.

Unsere Partner kommen für

fast die Hälfte der Verteidigungsausgaben der NATO auf; für fast 60 Prozent
der Streitkräfte; für etwa 75 Prozent der Panzerfahrzeuge; für mehr als 90
Prozent der Panzerdivisionen.
Aber angesichts der ständigen Zunahme der sowjetischen Militärmacht sind
wir und unsere Verbündeten gezwungen, noch größere Verteidigungsanstrengungen
zu unternehmen.
werden.

Diese neuen Lasten müssen fair und gleichmäßig verteilt

Da wir in den Vereinigten Staaten unsere eigenen Verteidigungsausgaben
deutlich erhöhen, erwarten wir von unseren Verbündeten,ihrer Verpflichtung
nachzukommen und ihre eigenen Ausgaben um drei Prozent pro Jahr zu erhöhen.
Und da die Vereinigten Staaten die Führungsrolle übernehmen, um gemeinsame Bündnisinteressen im Persischen Golf und in Südwestasien zu schützen,
werden unsere Verbündeten einen größeren Anteil an der Stärke der NATO in
Europa übernehmen.
Kurz gesagt, da wir das tun, was zur Aufrechterhaltung eines militärischen
Gleichgewichts notwendig ist, werden wir unsere Verbündeten weiterhin auffordern, Verteidigungslasten zu übernehmen, die ihrem Wohlstand, ihrem Einfluß
und ihrer Stärke entsprechen.
Eine gemeinsame Strategie bezüglich der Ost-West-Beziehungen erfordert
auch eine abgestimmte politische Antwort auf die sowjetischen Aktionen in
der ganzen Welt.
Die demokratischen Industriestaaten müssen den sowjetischen Führern unmißverständlich klarmachen, daß Abenteuer wie in Afghanistan echt auf Kosten
unserer direkten Beziehungen gehen.
Wie
- 8 -

�Wie der Präsident in Venedig sagte, kann Europa keine "Insel der Entspannung" sein, während anderswo eine Aggression stattfindet.

Denn das würde

einfach zu neuen Abenteuern und Krisen in Europa und anderswo einladen.
Wir müssen bereit sein, an unserem Kurs in der Afghanistanfrage so
lange festzuhalten, wie dieser Angriff auf die nationale Freiheit andauert.
Wenn Länder des Bündnisses oder ihre Firmen dort einspringen, wo die Vereinigten Staaten und amerikanische Firmen abseits bleiben, dann wird dieser Bruch
des Vertrauens und der Zusammenarbeit hier die öffentliche Unterstützung untergraben, auf der ein starkes Bündnis beruht.
Die Länder des Bündnisses müssen ausdauernd und stark sein, um die
Sowjets zur Zurückhaltung zu bewegen. Und diese Zurückhaltung ist für einen
Fortschritt in den Ost-W,est-Beziehungen notwendig. Entspannung und Abschrekkung sind also untrennbare Teile desselben Ganzen.
Aus diesem Grunde ist auch ein Fortschritt an einer anderen Front von
entscheidender Bedeutung für den Zusammenhalt des Bündnisses.

Neben unserer

anhaltenden Festigkeit hängt eine gemeinsame Strategie des Bündnisses gegenüber der Sowjetunion von unserer echten Bereitschaft ab, konkrete Abmachungen
anzustreben, die den Interessen des Westens dienen - vor allem vernünftige
Beschränkungen des Wettrüstens.
Wenn wir uns - und hier spreche ich hauptsächlich von den Vereinigten
Staaten - von unserer Verpflichtung zu einem stetigen Fortschritt in der
Rüstungskontrolle abwenden, dann wird die Stärke und die Einheit des Bündnisses echt erschüttert werden. Man kann sich wirklich kaum einen schwereren
Schlag vorstellen.
Wollen wir uns keinen Täuschungen hingeben:

Der Schlüssel zur künfti-

gen Rüstungskontrolle ist die Ratifizierung des SALT II-Vertrages.
Alle die strategischen Programme, die wir geplant haben, können unter
diesem Vertrag fortgesetzt werden.
Aber
- 9 -

�Aber ohne den Vertrag könnten wir 1985 vor 7000 bis 8000 mehr sowjetischen
Raketen und Bombern stehen, als es wären, wenn der Vertrag in Kraft wäre.
Ohne den Vertrag gäbe es nichts, um die Sowjets davon abzuhalten, jede
ihrer schweren Raketen mit 20 oder 30 mehr Nukleargefechtsköpfen statt der im
Vertrag vorgesehenen 10 auszurüsten.
Ohne den Vertrag stünde es den Sowjets frei, ihre strategischen Programme
vor der Beobachtung durch unsere Satelliten und andere Beobachtungseinrichtungen zu verbergen.

Wir wüßten weniger über die künftigen Bedrohungen, vor

denen wir stehen könnten.
Natürlich werden wir alles notwendige tun, um einer erhöhten Bedrohung
zu begegnen.

Aber das Wettrüsten wird während immer weiter hinausgezogener

Verhandlungen zu seiner Kontrolle nicht stillstehen.

Das war niemals der

Fall und wird auch niemals der Fall sein.
Und jeder,der behauptet, wir könnten ein besseres Abkommen aushandeln,
ohne zuerst SALT II unter Dach und Fach zu bringen, macht sich selbst etwas
vor.
Afghanistan hat ohne Frage die Ratifizierungsgespräche erschwert. Es
hat die Ratifizierung kein Jota weniger wichtig für unsere nationalen Interessen gemacht; nicht ein Jota weniger entscheidend für die Aufrechterhaltung
einer gemeinsamen Strategie der Ost-West-Beziehungen mit unseren Verbündeten.
Ein zweites und damit zusammenhängendes Gebiet, auf dem die Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und dem Bündnis wachsen muß, ist unsere Gesamteinstellung zur Entwicklungswelt.
Ich rede hier nicht von einer Art Verschwörung der Industriestaaten, bei
der die Starken dem Rest der Welt ihren Willen aufzwingen.

Diese Zeiten sind

vorbei. Und wir sollten ihnen nicht nachtrauern.
Aber
- 10 -

�Aber es liegt in unserem gemeinsamen Interesse, miteinander zusammenzuarbeiten, um an die Wurzeln der Instabilität und des Konflikts zu gehen,
bevor es zur Explosion kommt.
Es liegt in unserem Interesse, die Regierungen der Dritten Welt in ihrem
Kampf gegen Armut und Krankheit und Hoffnungslosigkeit zu unterstutzen, bevor
die Enttäuschungen den Siedepunkt erreichen.
Es liegt in unserem Interesse, in einem vernünftigen Umfang Sicherheitsbeistand zu leisten, wo das dazu beitragen wird, die nationale Unabhängigkeit
gegen Bedrohungen von außen zu verteidigen.
Und es liegt in unserem Interesse an Harmonie, wenn wir nach praktischen
Lösungen auf dem Verhandlungswege für Streitfälle in unruhigen Gebieten der
Welt, wie dem Nahen Osten, streben.
Und schließlich wird unser Verhältnis zu unseren Verbündeten in zunehmendem Maße durch Wirtschaftsfragen gestaltet werden, denn die wirtschaftlichen Strömungen, die unser tägliches Leben gestalten, fließen durch die
ganze Industriewelt.
Was die Energie anbetrifft: Werden wir uns als Konkurrenten um das
knappe öl den Hals abschneiden - oder werden wir gemeinsam als Mitverbraucher
handeln, um unsere Abhängigkeit zu verringern und die Stabilität und Zurückhaltung auf dem Markt zu fördern?
Was den Handel anbetrifft:

Werden wir in einen neuen protektionistischen

Kreislauf hineinschlittern - oder werden wir weiterhin Formen des Handels
entwickeln, die frei und fair sind?
Was die Wirtschaftspolitik angeht:

Wird jeder von uns einfach seinen

zeitweiligen Vorteil anstreben - oder werden wir unser binnenwirtschaftliches
Handeln koordinieren, um unseren langfristigen Gesamtinteressen zu dienen?
Die
- 11 -

�Die Zukunft der Bündnisbeziehungen wird ebenso sehr davon bestimmt werden,
wie diese Fragen beantwortet werden - von dem Ausmaß unserer wirtschaftlichen
Zusammenarbeit ebenso wie von der Gestaltung unserer militärischen Zusammenarbeit.
- . Daß wir alle diese Dinge tun müssen, liegt auf der Hand - ob wir sie jedoch tun werden, steht noch keineswegs fest.
Es könnte sein, daß die demokratischen Industriestaaten es zulassen
werden, daß unsere abweichenden Interessen und unsere individuellen Probleme
uns auseinander treiben.
Oder aber wir können auf den neuen Formen der Zusammenarbeit aufbauen,
die Gestalt anzunehmen beginnen.
- Die Industriestaaten koordinieren in einem größeren Maße als bisher
ihre nationale wie ihre internationale Energie- und Wirtschaftspolitik.
- Die NATO-Verbündeten haben einen festen Standpunkt gegen den außerordentlichen sowjetischen Druck eingenommen, unseren Kurs bezüglich der Modernisierung der nuklearen Mittel Streckensysteme (TNF) zu revidieren.
- In den letzten Jahren haben die westlichen Demokratien ein beispielloses Maß an Zusammenarbeit bei der Lösung gefährlicher regionaler Streitigkeiten - in Rhodesien und Namibia - gezeigt.
- Die demokratischen Industriestaaten haben sich in einem massiven Hilfsprogramm für die Türkei zusammengeschlossen.
- Obwohl wir umfassendere Maßnahmen angestrebt haben, so ist es doch
eine Tatsache, daß sich unsere Verbündeten uns in der Verhängung wirtschaftlicher Saktionen gegen den Iran wegen des Festhaltens amerikanischer Geiseln
angeschlossen haben.
- Und
- 12 -

�- Und das Gipfeltreffen in Venedig und die NATO-Tagung in Ankara demonstrierten die wesentliche Einigkeit der Verbündeten, indem sie auf einem
völligen - nicht kosmetischen - sowjetischen Abzug aus Afghanistan beharrten.

Die Sowjets sollten diese Entschlossenheit nicht unterschätzen.

Es entstehen neue Formen der Zusammenarbeit im Bündnis.
eindeutig mehr - viel mehr - getan werden.

Aber es muß

Wir müssen verhindern, daß wir

hinter den Fortschritten der letzten Monate zurückbleiben.

Ich habe keinen Zweifel, daß es in den kommenden Monaten und Jahren
weiterhin Meinungsverschiedenheiten und gegenteilige Auffassungen geben wird.
Die Vereinigten Staaten werden in solchen Zeiten ihre Auffassung nachhaltig
vertreten.

Aber wir sollten in solchen Augenblicken ein Gefühl für den größeren
Fortschritt einbringen, der gemacht werden muß.

Jene, die zweifeln, daß dieser Fortschritt möglich ist, sollten die
gegenwärtigen Augenblicke mit Augenblicken in der Vergangenheit vergleichen
- Augenblicke, in denen der Lärm, den die Welt vernahm, nicht der Lärm des
Aufbaus war, sondern das Knirschen der Zahnräder der Zusammenarbeit im Bündnis, die zum Stehen kamen.

Denken wir an die Suez-Krise im Jahre 1956, als

sich die Vereinigten Staaten im Gegensatz zu ihren Hauptverbündeten Großbritannien und Frankreich befanden

oder an die Zeit von Vietnam.

Wir sollten uns auch an einige fundamentale Tatsachen erinnern:

Die großen Industrieländer sind trotz all ihrer wirtschaftlichen Probleme die Hauptquelle des Wohlstandes der Welt.

Sie sind die Quelle der

Ideen, des technischen Geistes und der oragnisatorischen Fähigkeit, nicht
nur einen Großteil der Güter der Welt zu liefern, sondern auch die größte
Hoffnung auf einen Forschritt der Menschheit.

Und
- 13 -

�V

Und bei all ihren Unzulänglichkeiten sind unsere Länder die wesentlichen Hüter des demokratischen Erbes.

Wir haben Systeme, die an die Würde

des Einzelmenschen, die Unabhängigkeit von Nationen und die Zustimmung der
Regierten glauben und dies fördern.
Im Besitz solcher Aktiva und solcher Werte brauchen wir und unsere Verbündeten uns weder vor derzeitigen Meinungsverschiedenheiten noch vor unserer
gemeinsamen Zukunft zu fürchten.

+ + + + +

- 14 -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. August 1980

37

BROWN: USA WOLLEN KEINEN ATOMKRIEG
Schreiben an die NATO-Verteidigungsminister -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Harold Brown
hat in einem Schreiben vom 8. August 1980 an die Verteidigungsminister der
NATO-Länder, das am 11. August in Washington veröffentlicht wurde, die neue
Nuklearstrategie der Vereinigten Staaten erläutert.

Brown bezeichnete die

Verlagerung der strategischen Schwerpunkte in dieser neuen Konzeption als
eine "evolutionäre Entwicklung" durch die die Abschreckung verstärkt und die
Wahrscheinlichkeit eines Atomkrieges verringert werde.
Das Schreiben des amerikanischen Verteidigungsministers hat folgenden
Wortlaut:
Als ich am 1. Juni auf der Tagung der Nuklearen Planungsgruppe in Bodo
(Norwegen) unsere Strategie des Gegenzugs (countervailing strategy) erörterte, wies ich darauf hin, daß vom Präsidenten in Kürze eine Direktive ausgehen werde, in der diese Politik formell dargelegt würde.
berichten wissen, ist dies inzwischen geschehen.

Wie Sie aus Presse-

(Ich werde wohl bereits in

naher Zukunft eine öffentliche Erklärung zu unserer Politik abgeben, möchte

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�möchte aber diese Gelegenheit wahrnehmen, um mich mit Ihnen direkt über diese
Politik in Verbindung zu setzen.)
Die Politik des Präsidenten, wie sie in der neuen Direktive dargelegt
wird, ist die von mir beim Treffen der Nuklearen Planungsgruppe beschriebene
Politik des Gegenzugs. Es ist eine Strategie, die dazu bestimmt ist, die Abschreckung gegenüber einer jeden sowjetischen Aktion, die zu einem Atomkrieg
führen könnte, zu steigern, indem sie keinen Zweifel daran läßt, daß wir sowohl die Kapazitäten als auch die Pläne zum Einsatz unserer Streitkräfte
haben, falls die Abschreckung versagt.

Das heißt, daß ein Sieg für die UdSSR

kein irgendwie wahrscheinlicher Ausgang eines solchen Krieges wäre, wie immer
auch die Sowjets einen Sieg definieren mögen.
Da in einigen Presseberichten diese evolutionäre Entwicklung unserer
Doktrin als ein deutlicher Bruch mit der früheren Politik dargestellt worden ist, möchte ich hervorheben, wie ich dies auch bei der Nuklearen Planungsgruppe getan habe, daß die Vereinigten Staaten seit langem in ihre Pläne eine
wirksame und weitestgehende Erfassung der militärischen und Kontrollziele einbezogen haben.
Unsere diesbezüglichen Kapazitäten werden weiterhin verbessert und flexibler gestaltet werden, während wir diese Strategie des Gegenzugs durchführen.
Denn es ist von entscheidender Bedeutung, daß die sowjetische Führung erkennt,
daß sie durch eine Aggression nicht nur einen allgemeinen amerikanischen Vergeltungsschlag gegen den Gesamtbereich der Ziele riskieren würde, sie müssen
auch begreifen, daß im Falle sie eine Art Mittelstufe der Eskalation wählen,
die Vereinigten Staaten ihnen durch begrenztere Gegenzüge einen unannehmbar
hohen Preis hinsichtlich dessen aufzwingen könnten, was die sowjetische Führung am höchsten schätzt - die politische und militärische Kontrolle, die militärische Macht sowohl im nuklearen wie konventionellen Bereich und die
industrielle Kapazität zur Inganghaltung militärischer Operationen.
Wir

- 2 -

�Wir wissen um die großen Gefahren und Unsicherheiten einer jeden Anwendung von Kernwaffen, sei es als Vergeltung oder zu Beginn eines Konflikts.
Wir alle wissen darüber hinaus, daß auch die ausgeklügeltste Theorie für
den Einsatz von Kernwaffen uns nicht der Notwendigkeit einer Aktion behebt,
durch die wir alle eine adäquatere konventionelle Komponente in unserer militärischen Kapazität zur Abschreckung und Verteidigung schaffen.

Ein Atom-

krieg kann nicht ein bewußt gewolltes Instrument zur Erlangung unserer Sicherheitsziele oder zur Förderung unserer Interessen sein.

Aber selbst wenn wir

diese Beschränkungen und Risiken, wie sie von unserem Standpunkt aus im

We-

sen der Kernwaffen liegen,anerkennen, so können wir uns nicht das Risiko
leisten, daß die sowjetische Führung die Illusion hegt, daß ein Atomkrieg
eine Option - oder die Androhung eines nuklearen Krieges ein Zwangsmittel
zur Förderung sowjetischer Interessen sein könnte.

Diese lehrmäßigen Erklärungen und die Planungsmaßnahmen, die wir ergreifen, um sie durchzuführen - sowie unsere Modernisierungsprogramme für die
Streitkräfte und natürlich auch unsere Rüstungskontroilbemühungen - verbessern den Beitrag unserer strategischen Nuklearstreitkräfte für die Abschrekkung über das gesamte Spektrum der Bedrohungen, mit denen wir alle ernsthaft
rechnen müssen, und für die Erhaltung des Friedens in Freiheit.

Wir haben

nicht den Wunsch, einen Atomkrieg zu führen; er wäre eine unvorstellbare
Katastrophe.

Wir haben auch keinerlei Illusionen über die Schwierigkeiten

der Begrenzung seiner Eskalation noch über die sich daraus ergebenden Folgen.
Aber der beste Weg, um einen solchen Krieg zu vermeiden ist, sicherzustellen,
daß die sowjetische Führung sich keine Illusionen darüber macht, was ein derartiger Krieg für die sowjetische Staatsmacht bedeuten würde.

Natürlich sind es die Kapazitäten unserer Streitkräfte und nicht die
Worte, die wir darüber machen, die den stärksten Einfluß auf die sowjetischen
Anschauungen ausüben.

Aber ich bin zuversichtlich, daß die formelle Erklä-

rung des Präsidenten über unsere Gegenzug-Strategie in Verbindung mit unseren energisch durchgeführten Modernisierungsprogrammen in Moskau als eine

- 3 -

�37

20. August 1980

AUSREICHENDE RESERVE ENTSCHEIDEND FÜR NAHRUNGSMITTELVERSORGUNG
DER WELTBEVÖLKERUNG
- USICA-Interview mit Dale Hathaway, Staatssekretär im
US-Landwirtschaftsministerium -

WASHINGTON - (AD) - Dale Hathaway, Staatssekretär im amerikanischen Landwirtschaftsministerium, äußerte sich in einem Interview mit dem Korrespondenten
des US-Amtes für Internationale Kommunikation (USICA), John J. Harter, zur
internationalen Situation und zu den Problemen der Versorgung der Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln.

Es bestehe, so erklärte Hathaway, eine dringende

Notwendigkeit zu verbreiteter Reservehaltung von Nahrungsmitteln im Rahmen
eines allgemein gültigen Aktionsprogramms, das in Mangelzeiten die Freigabe
regelt.

Der Staatssekretär verwies darauf, daß die Vereinigten Staaten bisher

stets 55 bis 60 Prozent der gesamten internationalen Nahrungsmittelhilfe geleistet hätten und in diesem Jahr beabsichtigten, für bedürftige Entwicklungsländer mehr als sechs Millionen Tonnen Nahrungsmittel bereitzustellen.
Das Interview mit Staatssekretär Hathaway hat folgenden Wortlaut:
FRAGE:

�FRAGE:

Was bedeutet der Begriff "NahrungsmittelSicherung für die Welt"?

ANTWORT:

Im Grunde bedeutet er, daß genügend Nahrungsmittel erzeugt und

verfügbar gemacht werden müssen, um der Weltbevölkerung die Möglichkeit zu
ausreichender Ernährung zu geben.

Hierbei ist eine Unterteilung notwendig.

Die erste Hälfte der Forderung bezieht sich auf die Tatsache, daß bei einem
großen Teil der armen Länder - in Afrika, Asien und Lateinamerika - sowohl
die Wachstumsrate der Bevölkerung als auch ihre sehr bescheidene, gleichwohl
aber zunehmende Einkommensverbesserung folgendes bedeutet:

Die Nachfrage nach

Nahrungsmitteln steigt mit weitaus größerer Geschwindigkeit als die Fähigkeit
zur Produktion von Nahrungsmitteln.

Wenn diese Tendenzen anhalten, vermögen

schon um die Jahrhundertwende selbst agrarwirtschaftlich so leistungsfähige
Länder wie die Vereinigten Staaten den Nahrungsmittel bedarf dieser Menschen
nicht mehr zu decken.

Manche werden nichts bekommen, weil Nahrungsmittel so

rar und teuer werden.

Das zweite Element im sogenannten Ernährungssicherungsprogramm hat mit
der Tatsache zu tun, daß ein großer Teil der Weltproduktion an Nahrungspflanzen nach wie vor von natürlichen Regenmengen abhängt. Und wie das Wetter von
Jahr zu Jahr verschieden ist - daß es zu viel oder zu wenig regnet, daß es zu
kalt oder zu warm ist -, so verschieden fallen auch die Ernten aus. Wenn man
nicht über Nahrungsmittelreserven aus guten Erntejahren verfügt, kann es bei
schlechtem Wachswetter zu erheblicher Nahrungsmittel Verknappung kommen, Menschen verhungern, obgleich langfristig gesehen zufriedenstellende Produktionstrends bestehen. Eine echte Nahrungsmittel Sicherung muß beide Elemente
haben: Es muß eine ausreichende, lange anhaltende Wachstumsrate der Weltagrarproduktion und eine Politik ausreichender Vorratshaltung vorhanden sein,
um den veränderten Wetterverhältnissen von einem Jahr zum andern Rechnung
zu tragen.
FRAGE:

Glauben Sie, daß die Notwendigkeit einer weltweiten Nahrungsmittel-

Sicherung in dem Maße stärker in den Vordergrund tritt, in dem viele Entwicklungsländer immer weniger in der Lage sind, ihren eigenen Nahrungsmittel bedarf
selbst zu decken?

ANTWORT:

�ANTWORT:

Ein hoher Prozentsatz der Weltbevölkerung ist heute von Im-

porten, insbesondere von Getreideimporten abhängig.

Von immer größerer Be-

deutung ist eine ausreichende Vorratshaltung geworden, um sicherzustellen,
daß die Handelskanäle bei der Deckung des Weltbedarfs funktionieren.

Ganz

besonders notwendig ist ein Vorrat an Nahrungsgetreide, der in weiten Regionen unter Bestimmungen angelegt wird, die eine Freigabe in Zeiten der Verknappung vorsehen.

In den letzten paar Jahren haben wir in bezug auf dieses

Element der Nahrungsmittel Sicherung für die Welt keinen wirklich bedeutsamen
Fortschritt erzielt.

In den Jahren 1977 und 1978 bemühten wir uns sehr um

ein internationales Weizenabkommen, das eine Vorratshaltung vorsah.

Leider

brachten wir es nicht zustande, weil andere Länder keinen Beitrag zu den
Kosten leisten wollten.

FRAGE:

In welcher Form würde die neue Konvention über Nahrungsmittel -

hilfe zur Lösung dieses Problems beitragen?
ANTWORT:

Bei den Verhandlungen über die Nahrungsmittelhilfe-Konvention

hatten wir mehr Erfolg.

Wir konnten erreichen, daß die Mindestbeiträge im

Rahmen der Nahrungsmittelhilfe-Konvention gegenüber den Mengen nach der früheren Konvention verdoppelt wurden.

Es war also ein weiter Weg bis zur re-

gelmäßigen Nahrungsmittelhilfe für jene Länder, die sie entweder infolge
langewährender Schwierigkeiten oder kurzfristiger schlechter Ernten benötigen.
Wir hatten sehr gehofft, daß die so schnell zu Reichtum gekommenen ölexportierenden Länder beachtliche Beiträge zur Nahrungsmittelhilfe-Konvention
leisten würden, weil sie es sich wirklich leisten können.

Bisher haben sie

dies jedoch nicht getan.

FRAGE: Welchen Bezug hat der Gesetzesvorschlag der Regierung Carter von
1979 für die Schaffung einer, wie man es nennt, "Reserve zur NahrungsmittelSicherung" zur Nahrungsmittelhilfe-Konvention?

ANTWORT:

Eine Reserve zur Nahrungsmittel Sicherung ist das Programm un-

serer Regierung, mit dem gewährleistet werden soll, daß die Vereinigten Staaten
stets genügend Getreide verfügbar haben, um ihren Verpflichtungen zur Nah- 3-

�Nahrungsmittelhilfe im Rahmen der Konvention nachzukommen - mag unsere Ernte
in diesem oder jenem Jahr noch so karg bemessen sein, und ohne Rücksicht auf
den kommerziellen Bedarf.

Das heißt mit anderen Worten, daß wir vier Mil-

lionen Tonnen Weizen in Reserve halten, die ausschließlich für Zwecke der Lebensmittelhilfe zu verwenden sind, wenn das Angebot so knapp geworden ist,
daß wir über den Markt dafür nicht genügend Nahrungsmittel erhalten können.
FRAGE:

Manche behaupten, "Nahrungsmittelhilfe" sei im Grunde ein Weg

für Lebensmittel exportierende Länder, genügend Weizen über nichtkommerzielle
Kanäle loszuwerden, um sicherzustellen, daß auf den Weltmärkten die Weizenpreise hoch bleiben.
ANTWORT:
für 1980 zu.

Was sagen Sie dazu?

Das mag 1960 so gewesen sein, aber es trifft ganz gewiß nicht
Unsere Lebensmittelhilfe macht heute etwa vier Prozent des Ge-

samtwertes unserer Agrarexporte aus.

Unsere Lebensmittelhilfe ist nicht ge-

ringer geworden, aber unsere kommerziellen Exporte sind stark angestiegen.
Wir exportieren heute pro Jahr mehr als 100 Millionen Tonnen Getreide, wovon
nur vier Prozent auf die Nahrungsmittelhilfe entfallen.

Sie war einmal ein

höchst bedeutsamer Faktor im Weizenexport, Reisexport und im Export einiger
anderer Güter.

Das ist sie aber jetzt nicht mehr.

-

FRAGE: Obgleich durch die Nahrungsmittelhilfe-Konvention die garantierte
Mindestmenge der Nahrungsmittelhilfe für bedürftige Entwicklungsländer von
4,2 auf 7,6 Millionen Tonnen jährlich angehoben wurde, ist damit noch immer
nicht das 1974 auf der Welternährungskonferenz gesteckte Ziel von 10 Millionen Tonnen erreicht. Besteht Aussicht, daß man ihm doch noch näher kommt?
ANTWORT:

Ich hoffe es. Die Vereinigten Staaten boten an, bis zur Hälfte

der zehn Millionen Tonnen jeweils so viel zu liefern, wie die Länder der ganzen übrigen Welt.

Bisher wurde dieses Angebot nicht - oder zumindest nur

ungenügend - angenommen.

Eine Anzahl immens reicher Länder nimmt in diesem

Jahr aus ölexporten etwa 150 Milliarden Dollar ein - und manche sind der Meinung, diese Länder könnten in bemerkenswerter Weise zur Lebensmittelhilfe bei
tragen.

Wir hoffen, daß sie es in Zukunft tun.
FRAGE:
- 4 -

�FRAGE:

Wie wird der amerikanische Beitrag zur Lebensmittelhilfe im

Rahmen der Konvention und anderweitig aussehen?
ANTWORT:

Die USA haben ihren früheren Mindestbeitrag in etwa verdoppelt,

so daß wir uns gegenwärtig auf die Lieferung von 4,4 Millionen Tonnen von insgesamt 7,6 Millionen Tonnen festgelegt haben. Jahr um Jahr haben wir 55 bis
60 Prozent aller Lebensmittelhilfe in der Welt bereitgestellt.

Tatsächlich

kommt von den Vereinigten Staaten und von anderen Ländern mehr als nur der
Mindestbeitrag.

Gegenwärtig beabsichtigen wir, pro Jahr mehr als sechs Mil-

lionen Tonnen Nahrungsmittelhilfe zu geben, und die Welt als Ganzes stellt
wesentlich mehr als 7,6 Millionen Tonnen zur Verfügung.
FRAGE:

Wird das ausreichen, um das Problem der Nahrungsmittel Sicherung

zu lösen?
ANTWORT: Das Nahrungsmittel sicherungsproblem wird durch Lebensmittelhilfe als solche nicht gelöst, Sie hilft zwar armen Ländern, die sich infolge temporärer schlechter Ernten, wie wir sie in Ostafrika und Kambodscha
erlebt haben, in einem Notstand befinden. Und sie hilft Ländern mit chronischem Nahrungsmittelmangel wie z.B. Ägypten und Bangladesch, wo die Agrarproduktion mit der Wachstumsrate bei der Bevölkerungszahl nicht mehr Schritt
halten kann. Aber weder die eine noch die andere Art der Unterstützung kann
die Reserven ersetzen, die angelegt werden müssen, um mit den jährlichen
Schwankungen der Ernteerträge fertig zu werden.
FRAGE: Besteht die Gefahr, daß arme Länder von Nahrungsmittelhilfe abhängig werden und sich dann plötzlich infolge unvorhergesehener Umstände einer
drastischen Reduzierung gegenübersehen?
ANTWORT: Eben aus diesem Grunde haben wir unsere Reserve für die Nahrungsmittelsicherung in den Vereinigten Staaten angelegt. Das jüngste Beispiel für eine solche Situation erlebten wir 1974-75, als durch das Zusammentreffen von schlechten Ernten und einem rapide wachsenden kommerziellen Bedarf die Vereinigten Staaten ohne ausreichende Reserven dastanden, um ihren
- 5 -

�ihren Verpflichtungen zur Nahrungsmittel hilfe zu einem Zeitpunkt nachzukommen, wo sie dringend gebraucht wurde. Wenn der Kongreß die von uns empfohlene
Anlegung von Reserven zur Nahrungsmittel Sicherung billigt, wird sich dies
nicht wiederholen,
FRAGE:

Wo sollten Reserven angelegt werden?

In Erzeugerländern oder

in Verbraucher!ändern?
ANTWORT:

In beiden.

Es ist ungemein kostspielig, Nahrungsgetreide in

den Tropen auf Vorrat zu halten.

Aber da die Logistik schwierig ist und die

Ernteerträge stark schwanken, sollte eine Mindestmenge von Nahrungsmittel Vorräten in den Verbraucher!ändern in Reserve liegen - gleichgültig, ob wir von
reichen Ländern wie Japan oder armen Ländern wie Bangladesch sprechen.
Da man aber auch nicht im voraus weiß, wo von einem Jahr zum andern besonderer Bedarf besteht, und es viel billiger ist, Getreide in gemäßigtem
Klima auf Vorrat zu halten, ist es außerdem sinnvoll, größere Mengen in den
Exportländern in Reserve zu halten.
vernünftigen Schlüssel teilen.

In die Kosten könnte man sich nach einem

Damit meine ich, daß die Vereinigten Staaten,

die EG und Japan einen Teil der Kosten übernehmen sollten - ebenso die Sowjetunion, die eine erhebliche Quelle für die Instabilität der Weltmärkte darstellt.

Außerdem bin ich der Meinung, daß zumindest ein Teil der Kosten für

die lokale Vorratshaltung von den ärmeren Ländern übernommen werden könnte
- auch wenn vieles dafür spricht, daß sie sowohl auf den Import von Getreide
als auch auf Hilfe von außen zum Aufbau der Lager angewiesen sind,
FRAGE-

Welche Rolle könnte hier die Organisation der erdölexportieren-

den Staaten (OPEC) spielen?
ANTWORT: Die OPEC könnte eine überaus bemerkenswerte Rolle insofern
übernehmen, als sie hilft, die Vorratsspeicher in den ärmeren Ländern, den
Ankauf von Reserven zu finanzieren, und indem sie sich an den laufenden Lebensmittel hrfe-Programmen beteiligt.
FRAGE:
- 6 -

�FRAGE:

Gibt es einen echten Hinweis darauf, daß andere Exportländer

für Nahrungsmittel einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung des Weltprogramms
für die Nahrungsmittel Sicherung leisten?
ANTWORT:

Mehrere Länder - u.a. Kanada, Australien, die Europäische Ge-

meinschaft und Japan in bescheidenem Rahmen - haben zu erkennen gegeben, daß
sie dazu bereit sind.
FRAGE:

Glauben Sie, daß man sich in den "Globalverhandlungen" im Januar

auf die von uns erörterten Fragen konzentrieren wird?
ANTWORT: Ich vermute, daß sie auf der Tagesordnung stehen. Eine ausreichende Nahrungsmittelversorgung ist wohl zwangsläufig ein Dauerproblem.
Aber ich sehe nicht ein, wieso diese Frage wichtiger sein soll als die Probleme, die durch die Eskalation der Preise für fossile Brennstoffe und deren
schlimme Auswirkungen auf Entwicklungsländer entstehen; deren Fähigkeit zur
Produktion ihrer Nahrungsmittel wird durch die sich unaufhörlich drehende
Preisspirale für Düngemittel, Dieselkraftstoff und andere in ihrer Landwirtschaft notwendigen Dinge aufs Spiel gesetzt. So scheint mir, daß es einen
ganzen Komplex von Fragen gibt, der international erörtert werden müßte:
Nahrungsmittel, die Auswirkungen der Brennstoffpreise auf die NahrungsmittelProduktion und eine Vielzahl anderer Probleme.
Es ist schrecklich einfach, sich auf eine weltweite Nahrungsmittel- und
Agrarstrategie zu konzentrieren und die Tatsache außer acht zu lassen, daß
die einzelnen Länder keine entsprechenden Strategien besitzen.

Wenn man keine

realistische Politik betreibt, um die Systeme zur Nahrungsmittelproduktion
und des Agrarwesens der einzelnen Länder funktionsfähig zu machen, hilft es
nicht viel, hinauszugehen und zu sagen:
gie".

"Wir brauchen eine globale Strate-

Wir sollten mit länderbezogenen Strategien anfangen, die funktionieren

- und dazu gehörten auch Handel und Hilfsaktionen -, und dann prüfen, ob wir
unsere verschiedenen Länderstrategien in eine realistische Globalstrategie
einbringen können.
Ich
- 7 -

�Ich bezweifle, daß die "GlobalVerhandlungen" zu den echten Sachfragen
vorstoßen, um für diese Lösungen zu finden. Meines Erachtens ist das wahre
Problem erkannt und recht gut umrissen. Jetzt brauchen wir stetige und wachsende Aufmerksamkeit für eine Vielzahl relativ wichtiger Dinge - tagein und
tagaus. Gelegentliche internationale Konferenzen, mögen sie einmal im Jahr
oder alle fünf Jahre stattfinden, sind von untergeordneter Bedeutung gegenüber der Tatsache, sich stets der Existenz des Problems bewußt zu sein und
unermüdlich, wenn auch in kleinen Schritten, auf seine Lösung hinzuarbeiten.

- 8 -

�3

L

öMOfi

Wi/scn/choft
und Technik
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20. August 1980

37

DAS MEER - ENERGIEQUELLE FÜR INSELN UND KÜSTENLÄNDER
- USA intensivieren Forschungs- und Entwicklungsprogramme

WASHINGTON - (AD) - Nach der Einrichtung eines Sonderprogramms im USEnergieministerium, die Nutzbarmachung der thermischen Meeresenergie durch
intensivere Forschung und Entwicklung zu beschleunigen, unterzeichnete Präsident Carter am 4. August 1980 ein Gesetz, das entsprechende Genehmigungsund Förderverfahren für die Industrie regelt. Die Vereinigten Staaten beabsichtigen, mit der Umwandlung der im Meer gespeicherten Wärmeenergie in
elektrische Energie einen Teil des Programms zu bestreiten, mit dem bis zum
Jahr 2000 ca. 20 Prozent des gesamten amerikanischen Energiebedarfs aus
Sonnenenergie und anderen regenerierfähigen Energiequellen gedeckt werden
sollen. Der Anteil der aus dem Meer gewonnenen Energie könnte zu diesem
Zeitpunkt bei 10 000 Megawatt liegen.
Bei der Umwandlung der im Meer gespeicherten Wärmeenergie (das entsprechende US-Programm läuft unter der Bezeichnung "Ocean Thermal Energy
Conversion - 0TEC") nutzen die Ingenieure die Temperaturunterschiede zwischen warmem Oberflächenwasser und kaltem Tiefenwasser.

Am rentabelsten

dürfte das Verfahren für Inseln und Küstenbereiche innerhalb des Gürtels

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Gürtels vom 20. Breitengrad nördlich bis zum 20. Breitengrad südlich des
Äquators sein. So bezeichnete ein hoher Verwaltungsbeamter aus Puerto Rico
die OTEC-Technik, für die amerikanische, japanische und französische Wissenschaftler Pionierarbeit leisteten, als "die natürliche Lösung für Puerto
Rico".

Dort wurden bereits mehrere Standorte auf ihre Eignung für eine 0TEC-

Demonstrationsanlage getestet.

Bereits im Jahr 1990 könnte, wie Robert

Cohen, Leiter des OTEC-Programms im US-Energieministerium, auf der 7. Konferenz über Meeresenergie (2. - 5. Juni 1980) in Washington erklärte, eine
Konversionsanlage von 250 Megawatt Stromleistung vor den Küsten Puerto Ricos
Elektrizität sehr viel billiger produzieren als ein neu installiertes, mit
öl beheiztes Kraftwerk.
Die Vereinigten Staaten wollen bis zum Jahr 1985 eine OTEC-Pilotanlage
in Betrieb nehmen, die zunächst 10 Megawatt Strom produziert, dann jedoch
aufgrund der vorgesehenen Modularbauweise auf die Leistungskapazität von
40 Megawatt erweitert werden kann. Eine solche Anlage lieferte genügend
Strom, um 40 000 Haushalte zu versorgen. Bisher vorliegenden Studien zufolge würde die erste 40-Megawatt-Anlage etwa 280 Millionen Dollar kosten.
Für technisch ausgereifte, kommerzielle OTEC-Anlagen mit ca. 400 Megawatt
Leistung dürften nach gegenwärtigen Berechnungen etwa 880 Millionen bis
1,2 Milliarden Dollar zu investieren sein.
Im äquatornahen Gürtel beträgt der Temperaturunterschied zwischen dem
Oberflächenwasser von 26 C Durchschnittstemperatur und den Schichten in
1000 m Tiefe etwa 20 - 22°C. Er reicht aus, um nach einem schon mehr als
100 Jahre bekannten Prinzip unter Einsatz modernster technischer Ausrüstungen elektrischen Strom zu erzeugen: In einem Wärmeaustauscher wird ein
flüssiges Arbeitsmedium, dessen Siedepunkt unter dem von Wasser liegt
(z.B. Freon oder Ammoniak) mit Hilfe des warmen Oberflächenwassers in den
gasförmigen Zustand übergeführt. Dabei dehnt sich das Arbeitsmedium aus
und treibt eine mit einem Stromgenerator gekoppelte Turbine. Das kältere
Tiefenwasser bringt das Gas wieder zur Kondensation, und nun kann der Zyklus
im geschlossenen OTEC-System von neuem beginnen. Der dabei produzierte

- 2 -

�produzierte Strom ließe sich über Kabel zur Küste leiten oder zum Betrieb von
schwimmenden Produktionsstä'tten auf künstlichen Inseln nutzen.

Das Arbeitsprinzip wurde mit einem als "Mini-OTEC" bezeichneten System
in den Gewässern vor Hawaii, in Laboratorien des US-Energieministeriums sowie
in Japan und Frankreich bereits erprobt.

Die vom US-Bundesstaat Hawaii und

einem Konsortium der Firmen Lockheed Missiles &amp; Space Company, Dillingham
Corporation, Alfa-Laval und Roto-Flo finanzierte Versuchsanlage "Mini-OTEC"
erreichte im vergangenen Jahr eine elektrische Leistung von 50 kW.

Aufgrund

der bisher gesammelten Erfahrungen ist anzunehmen, daß wegen der relativ
kostspieligen technischen Ausrüstungen der Preis für OTEC-Strom gegenwärtig
zwar mit dem Preis für Strom aus ölbeheizten Kraftwerken vergleichbar wäre,
aber angesichts der ständig weiter anziehenden ölpreise schon in einem Jahrzehnt wesentlich kostengünstiger sein wird.
In der ersten Phase des amerikanischen OTEC-Programms wurden in kleinem
Maßstab angefertigte Ausrüstungen erprobt.

Man wollte zunächst einmal er-

kunden, ob und in welcher Weise das System Wassertemeperaturen und im Wasser
lebende Organismen beeinflußt, welcher Art und wie umfangreich Schäden und
Korrosion am System durch Seewasser, Schlick, Algen und andere Faktoren sind
und wie die Anlage sauber gehalten werden kann.
gramms ist inzwischen angelaufen:

Die zweite Phase des Pro-

Ein ehemaliger Tanker der US-Marine, umge-

rüstet zur schwimmenden Versuchsstation ("The Ocean Energy Experiment"),
erprobt Wärmeaustauscher für eine 1-Megawatt-Anlage auf See.

Die dritte

Phase schließlich soll die technischen und wirtschaftlichen Informationen
bringen, die als Grundlage für den Bau kommerzieller Anlagen notwendig sind.

Auf technischem Gebiet ist in bezug auf die Entwicklung optimaler Grundausrüstungen - Ketten, Verankerung, Rohrleitungen, Kabel, usw. - noch viel
zu tun.

Beispielsweise wurde jetzt vom US-Energieministerium eine 300 m

lange Kaltwasserleitung aus glasfaserverstärktem Kunststoff (Rohrdurchmesser:
3 m) mit Erfolg erprobt.

Für eine kommerzielle Anlage jedoch wären sehr viel

längere Kaltwasser-Rohrleitungen mit dem fünf- bis zehnfachen Durchmesser er-

- 3-

�erforderlich.

Für die Wärmeaustauscher müssen besonders korrosionsbestän-

dige Werkstoffe, möglicherweise rostfreier Stahl oder gar Titan, verwendet
werden.

Denn Seewasser ist sehr aggressiv und zerstört Metalle wie Alu-

minium in relativ kurzer Zeit.

Schlick oder Algenbesatz in den Rohrleitun-

gen würde mit der Zeit die Leistung der Wärmeaustauscher beeinträchtigen.
Um dies zu verhindern und die Rohre sauber zu halten, presst man mit einem
Abriebmittel überzogene Schwammgummikugeln durch die Ansaugrohre.
•

.

In einer auf drei Jahre angesetzten Gemeinschaftsstudie mit Kollegen
vom US-Amt für Umweltschutz (EPA) untersuchen derzeit Wissenschaftler des
US-Energieministeriums Fragen wie mögliche Umweltbelastungen durch chemische
Schadstoffe aus einer OTEC-Anlage, den Einfluß derartiger Strukturen auf
ökologische Systeme im Meer sowie Art und Umfang eventueller Gefahren für
das Betriebspersonal, die durch Sicherheitsmaßnahmen auszuschalten sind.

+ + + + +
...
. •

•

•

�3
3

Uli//cn/chofl
und Technik
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20. August 1980

37

START DES RAUMTRANSPORTERS: MÄRZ 1981

- (AD) - Mit allen verfügbaren Kräften und Mitteln arbeitet das USBundesamt für Luft- und Raumfahrt (NASA) darauf hin, den neu festgesetzten
Termin für den ersten Orbitalflug eines bemannten Raumtransporters (Space
Shuttle) im März 1981 einzuhalten. Wie NASA-Administrator Dr. Robert Frosch
auf einer Pressekonferenz am 1. August 1980 in Washington erklärte, sei dies
trotz des gedrängten Zeitplanes und die endgültige Lösung der noch bestehenden Probleme beschlossene Sache.
Der "Space Shuttle", ein wiederverwendbares Orbitalgerät für bemannte
Raumflüge, wird vertikal wie eine Rakete gestartet, kehrt aber wie ein Flugzeug zur Erde zurück. Das neue System soll die bemannte Raumfahrt wirtschaftlicher und flexibler machen. Infolge zwischenzeitlich aufgetretener
technischer Schwierigkeiten ist die NASA mit dem ersten bemannten Orbitalflug fast zwei Jahre im Verzug. Der jüngste Zwischenfall war ein Brand,
durch den während eines Tests am 30. Juli in Mississippi ein Triebwerk beschädigt wurde. Die Verzögerungen bereiten der NASA vor allem deshalb erhebliche Sorgen, weil nicht nur amerikanische Kunden, sondern auch eine Anzahl anderer Länder, z.B. die Bundesrepublik und Kanada, erhebliche Mittel
für Reservierungen im Nutzlastraum des Space Shuttle bereitgestellt haben

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

T e l : 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�haben oder beabsichtigen, dies zu tun.

Im Frachtraum werden beispielsweise

Satelliten zum Absetzen oder Instrumente für Experimente während des Fluges
in der Erdumlaufbahn untergebracht.

Wichtigste Nutzlast des Orbiter ist

das wiederverwendbare Laboratorium SPACELAB, das von einem Konsortium europäischer Firmen unter Federführung der Europäischen Weltraumorganisation
ESA gebaut wurde.
Als das bisher kritischste technische Problem erwies sich der Hitzeschild.

Er besteht aus mehr als 30000 quadratischen Plättchen aus keramischem

Material, die einzeln an der Außenwand des Raumgleiters befestigt werden
müssen.

In mehreren Tests hat sich immer wieder eine Anzahl von ihnen gelöst

oder gelockert.
sert.

Das gesamte System wurde inzwischen verstärkt und verbes-

Gegenwärtig wird die Außenseite der Orbiterzelle erneut mit den Schutz-

platten besetzt.
Der Zeitplan bis zum März 1981 sieht folgendermaßen aus:
Bis zum 23. November hofft die NASA, den Orbiter im Montagegebäude
des Kennedy-Raumfahrtzentrums am Cape Canaveral zu haben. In der Zwischenzeit müssen die Flugtüchtigkeit der Triebwerke gesichert, die Änderungen am
Manövriersystem des Orbiter durchgeführt und die restlichen Arbeiten am
Startplatz beendet werden. In der riesigen Montagehalle werden die zwei als
Booster dienenden großen Feststoffraketen und der außen befestigte Treibstofftank mit dem Orbiter zusammengebaut. Dann folgen Tests für das integrierte System. Für Februar 1981 ist das Ausrollen des Fluggeräts zum Startplatz geplant. Dort werden weitere Tests, einschließlich Brenntests der
Triebwerke, sowie die "Generalprobe" für den Start im März durchgeführt.

+ + + + +

�</text>
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