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                  <text>9. Juli 1980

INHALT

INFORMATION
Synthesebrennstoff-Gesetz von Präsident Carter unterzeichnet
DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Carters zur Registrierungspflicht
HINTERGRUNDMATERIAL
Gedanken zur transatlantischen Partnerschaft
- von James G. Lowenstein überzeugende Starterfolge des US-Energieprogramms
- Integrierende Maßnahmen in Wirtschafts-, Finanz- und Forschungspolitik - ein tragfähiges Fundament für die Zukunft Reform der Atomkraftwerks-Sicherheitsbestimmungen
- US-Repräsentantenhaus verabschiedete erstes Gesetz WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Zink-Chlorid-Batterie-System für Elektroautos

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�Information

3

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9. Juli 1980

SYNTHESEBRENNSTOFF-GESETZ VON PRÄSIDENT CARTER UNTERZEICHNET

- (AD) - Das Gesetz Über die mit vorerst 20 Milliarden Dollar
aus der Staatskasse zu fördernde großtechnische Produktion von synthetischen
Brennstoffen unterzeichnete President Carter am 30. Juni 1980 1m Rahmen
einer Feierstunde 1m Weißen Haus. Der Kongreß hatte Ende Juni das Kernstück eines schon vor einem Jahr vom Präsidenten eingebrachten Gesetzwerks zur künftigen Energiepol1t1k der Vereinigten Staaten verabschiedet.
Es Ist darauf abgestellt, die Abhängigkeit der USA von Importöl drastisch
zu verringern und die Energieversorgung in höchstmöglichem Umfang aus
einheimischen Quellen zu bestreiten.
Der Präsident bezeichnete die Inkraftsetzung des SynthesebrennstoffGesetzes als einen "stolzen Tag" für Amerika. "Der Grundpfeiler unserer
nationalen Energiepolitit wird endlich gesetzt. Unsere unerträgliche
Abhängigkeit von ausländischem öl bedroht unsere wirtschaftliche Sicherheit
und unsere nationale Sicherheit. Die Energiesicherheit Amerikas ist
der Schlüssel für beides, denn alle drei sind Glieder ein- und derselben
Kette."
Der

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�Der Präsident verwies darauf, daß er mit dem Augenblick seiner
Amtsübernahme im Energieproblem eine ernste Gefahr für Leben und Existenz
der Amerikaner gesehen habe.
die Inflation.

Denn der hohe Preis des Importöls treibe

Mit der Inflation komme Arbeitslosigkeit und sinkende

Produktivität im eigenen Land und Mangel und Armut in weniger entwickelten
Ländern.
"Dies sind die harten Tatsachen", erklärte der Präsident, "und
es fiel uns schwer, uns ihnen zu stellen.

Aber in den vergangenen

12 Monaten haben Amerikaner aller Schichten und von allen Regierungsebenen unsere Entschlossenheit zu erkennen gegeben, daß unser Land
mehr Energie produzieren, entdecken, nutzen und sparen wird - und wir
werden dies mit amerikanischen Ressourcen, amerikanischem Wissen und
Können und amerikanischer Arbeitskraft tun.
Die Verabschiedung des Energiesicherungsgesetzes ist der Glanzpunkt unserer Anstrengungen, eine umfassende nationale Energiepolitik
zu entwickeln und durchzusetzen, nämlich
-

eine Politik, die unseren Energieproblemen gerecht wird;

-

eine Politik, die unser Programm für die Zukunft vorzeichnet;

-

eine Politik, die uns die Waffen an die Hand gibt, um den Energiekrieg zu wagen und zu gewinnen....

Alles in allem wird das Energiesicherungsgesetz in diesem Jahrzehnt
das größte Engagement in bezug auf Kapitalinvestitionen, Technologie,
Arbeitseinsatz und Ressourcen seit dem Raumfahrtprogramm in Gang setzen es wird an Umfang sogar die koordinierten Programme weit in den Schatten
stellen, die uns zum Mond brachten und mit denen wir unser Fernstraßennetz
gebaut haben."
Die

�Die Vereinigten Staaten haben, wie Präsident Carter erklärte, seit
1977 ihre ölimporte um mehr als 1,5 Millionen Barrel (Barrel = Faß mit
159 Litern) pro Tag verringert.

In der ersten Hälfte dieses Jahres

lagen die Importe um 12,9 Prozent unter denen von 1979; der Benzinverbrauch
ging um acht Prozent, der gesamte Ölverbrauch um mehr als neun Prozent
zurück.

Die einheimische Rohöl Produktion steigt wieder an. Und im

ersten Quartal 1980 wurden 16 Prozent mehr amerikanische Kohle gefördert
- Kohle, die in den USA reichlich vorhanden ist und wichtiger Rohstoff
für Synthesebrennstoffe sein wird.
Der Präsident verwies darauf,daß das neue Gesetzeswerk, das mehr
Möglichkeiten zum Energiesparen eröffne und eine neue Industrie zur
Energieproduktion ins Leben rufe, durch die Planung, den Bau und den
Betrieb von Synthesewerken, deren Versorgung mit Rohstoffen sowie die
Gewinnung von Alkohol und anderen Biomasse-Brennstoffen jährlich mindestens
70 000 neue Arbeitsplätze schaffe. Tausende weiterer Arbeitsplätze werden
sich durch die Programme zur Energieeinsparung und Nutzung der Sonnenenergie
sowie durch die indirekten Auswirkungen aller Programme ergeben.
Das Gesetz verfügt die Einsetzung einer staatlichen Gesellschaft
zur Förderung aller notwendigen Maßnahmen, um bis 1992 einen Tagesausstoß
von zwei Millionen Barrel synthetischer Brennstoffe durch Kohleumwandlung,
die Extraktion von öl aus Ölschiefer und Teersanden und durch andere
Mittel zu erreichen. Die Bank für Sonnenenergie und Energieeinsparung
wird mehr als drei Milliarden Dollar in direkten Subventionen an Privathaushalte und Betriebe für Energie-Sparmaßnahmen und zur Nutzung regenerierfähiger Energiequellen geben. Die USA streben an, bis zum Jahr 2 000
etwa 20 Prozent des Energiebedarfs mit Sonnenenergie zu decken. Mit
mehr als einer Milliarde Dollar wird die Produktion von Brennstoffen
wie GAS0H0L (Benzin-AIkohol-Mischkraftstoff) aus Getreide und anderer
"Biomasse" gefördert. Allein im laufenden Jahr wollen die USA ihre
GASOHOL-Produktionskapazität vervierfachen.
In
- 3 -

�In dem Gesetz sind mögliche Umweltprobleme berücksichtigt, die sich
im Zusammenhang mit der intensivierten Energieproduktion und massiven
Kohleverwertung ergeben können.

Es sieht deshalb u.a. die Fertigstellung

einer umfassenden Studie über säurehaltigen Regen und andere Auswirkungen
der Verbrennung fossiler Brennstoffe auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft
vor.
Die Entscheidung über die Einsetzung einer "Energie-MobilisierungsKommission" (Energy Mobilisation Board) steht noch aus.

Die entsprechende

Gesetzesvorlage wurde am 27. Juni noch einmal an den Vermittlungsausschuß
des Kongresses zurückverwiesen.

Präsident Carter richtete einen dringenden

Appell an den Kongreß, die Frage umgehend zu behandeln und ein Gremium
einzusetzen, das Genehmigungsverfahren beschleunigt und für angemessenen
Umweltschutz sorgt.

Auch die Vorlage über die forcierte Umstellung

von ölheizkraftwerken auf Kohle (ein 10-Milliarden-Dollar-Projekt) sollte
nach Ansicht des Präsidenten unverzüglich verabschiedet werden.

+ + + + +

�I

Dokumentation
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32

9. Juli 1980

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS ZUR REGISTRIERUNGSPFLICHT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 2. Juli 1980
eine Proklamation unterzeichnet, mit der die Registrierung männlicher
amerikanischer Bürger im Alter von 19 und 20 Jahren für eine eventuelle
Wehrpflicht eingeführt wird. Bei der Unterzeichnung betonte Präsident
Carter ausdrücklich, daß es sich nur um eine Registrierung handle und
für die Wiedereinführung der Wehrpflicht ein eigenes Gesetz verabschiedet
werden müßte.
Die Erklärung des Präsidenten bei der Unterzeichnung hat folgenden
Wortlaut:
Heute vormittag unterzeichne ich eine Proklamation über die Durchführung des Registrierungsgesetzes, das der Kongreß kürzlich verabschiedet
hat. Ich möchte gleich zu Anfang sagen, daß der Kongreß eine sehr kluge
Entscheidung getroffen hat. Ich möchte betonen, daß das Registrierungsgesetz, das jetzt verabschiedet wurde und in Kraft tritt, keine Kriegsdrohung bedeutet, sondern der Erhaltung des Friedens dient.
Die

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Te|ex:

�Die Maßnahme, die von unserem Lande - wie von fast allen anderen
Ländern der demokratischen Welt - ergriffen wurde, soll dazu dienen, den
Frieden zu erhalten.

Wir sind zutiefst besorgt über die ungerechtfertigte

und verwerfliche Invasion Afghanistans durch die Sowjetunion und die
sowjetische Besetzung dieses unschuldigen und wehrlosen Landes, die
völlig unberechtigt ist.
Wir haben eine Reihe von Schritten unternommen - wirtschaftliche,
diplomatische, politische und militärische Schritte -, um die Sowjetunion
davon zu überzeugen, daß ihr Handeln schlecht beraten ist, und sie
zu ermutigen, ihre Truppen aus Afghanistan abzuziehen, und auch um eine
weitere Aggression zu verhindern, falls die Sowjets sich zu einer solchen
versucht fühlen sollten.

All die Maßnahmen, die wir ergriffen haben,

sind ihrer Natur nach friedlich, und wir fühlen uns weiterhin einer
friedlichen Lösung von Streitfällen verpflichtet.
Die Freiheitskämpfer in Afghanistan, die nach der Befreiung ihres
Landes streben, verdienen die Bewunderung der ganzen Welt, und ihr Mut
und ihre Ausdauer sind für sich allein schon das stärkste Gegenmittel
gegen einen Erfolg der sowjetischen Aggression.
Ich möchte betonen, daß das Registrierungsgesetz nicht die Wehrpflicht
bedeutet. Ich bin gegen eine Wehrpflicht in Friedenszeiten. Dieses
Registrierungsgesetz wird ganz wesentlich dazu beitragen, den Widerstand
unseres eigenen Landes aufzurufen, um nicht der Versuchung zu erliegen,
die zum Krieg und damit zur Wehrpflicht führen könnte. Die einzige Zeit,
in der ich an die Unterbreitung eines Wehrpflichtgesetzes im Kongreß
denken könnte, wäre eine Zeit des Krieges oder eine Zeit des nationalen
Notstandes, und in einem solchen Falle, wenn die Sicherheit unseres
Landes bedroht ist, wäre eine getrennte gesetzliche Maßnahme durch den
Kongreß notwendig - ein eigenes Gesetz, um unter solchen Umständen
die Wehrpflicht einzuführen.
Ich
- 2 -

�Ich darf sagen, daß wir uns weiterhin auf die Meldung von Freiwilligen
für die Streitkräfte zur Verteidigung unseres Landes verlassen werden.

Im

übrigen werden wir durch den Haushalt 1981 und durch eine Reihe von
Gesetzen, die einige der Mitglieder des Kongresses, die hinter mir stehen
und wir selbst eingebracht haben, dem Verteidigungshaushalt rund eine
Milliarde Dollar hinzufügen, um zusätzliche Freiwilligenmeldungen von
hochbegabten jungen Männern und Frauen zu bewirken und auch dafür zu
sorgen, daß jene gut ausgebildeten Soldaten länger im Militärdienst
bleiben.
Lassen Sie mich abschließend sagen, daß nach Unterzeichnung dieser
Proklamation junge Männer, die in den Jahren 1960 und 1961 geboren wurden,
sich bei den Postämtern ihrer jeweiligen Gemeinden melden müssen. Das
bedeutet nicht, daß sie eingezogen werden. Es bedeutet, daß wir den
Prozeß beschleunigen, durch der - sollte in Zukunft eine Zeit
des Notstandes oder eine Bedrohung unserer nationalen Sicherheit oder eine
Zeit des Krieges eintreten - die Mobilisierung unseres Verteidigungsmechanismus in Gang gesetzt werden kann. Es handelt sich um eine Vorsichtsmaßnahme, die dazu dient, unser Land stark zu machen und den Frieden
zu erhalten.
Ich möchte um die Unterstützung aller Amerikaner für diesen Schritt
bitten: der Amerikaner, die registriert werden, und der Amerikaner aller
Altersstufen, die an ein starkes Amerika glauben, die an den Patriotismus
glauben, die an die Erhaltung des Friedens durch Stärke glauben.
Ich möchte jetzt die Proklamation unterzeichnen, die das RegistHerungsgesetz in Kraft setzt.

Und ich möchte jenen Mitgliedern des Kongresses

meinen Dank aussprechen, die so klug und mutig für dieses Gesetz gestimmt
haben.
Ich danke Ihnen.
+ + + + +

- 3 -

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9. Juli 1980

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GEDANKEN ZUR TRANSATLANTISCHEN PARTNERSCHAFT
von James G. Lowenstein

James G. Lowenstein ist Botschafter
der USA in Luxemburg. Der Artikel
basiert auf einer Ansprache, die der
Verfasser kürzlich vor dem Politischen
Ausschuß der Ncrdatlantischen
Gesellschaft gehalten hat.

Wir Amerikaner sind stolz auf die Rolle, die wir bisher in Europa
gespielt haben. Wir sind der Ansicht, daß es ohne unsere Hilfe nicht
möglich gewesen wäre, die allgemeine Weltordnung dreißig Jahre lang
angesichts der ernsten Drohungen derjenigen aufrechtzuerhalten, die sie
in einer Weise zu verändern wünschen, die für die demokratischen Gesellschaften
unannehmbare Folgen mit sich gebracht haben würde. Große Befriedigung
ziehen wir Amerikaner aus der Tatsache, anderen mehr Wirtschaftshilfe gegeben
zu haben als irgendein anderes Land, mehr Nahrungsmittel verteilt, mehr
Menschen aus anderen Ländern ausgebildet und mehr Einwanderer wi11 kommen

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�willkommen geheißen zu haben.
Aber für diese dreißig Jahre des Friedens und des Wohlergehens mußte
ein hoher Preis entrichtet werden.

Es ist ein Preis, den die Amerikaner

nicht mehr allein zu zahlen bereit sind.

Und da eine lebensfähige

amerikanische Politik von der Unterstützung des amerikanischen Volkes
abhängt und diese Unterstützung sich wiederum auf die amerikanische
Vorstellung gründet, daß Europa sein Teil dazutut, hängt nunmehr die
Rolle Amerikas im Bündnis im gleichen Maß von Ihnen ab wie von uns.

Aber

ist dies nicht schließlich das Wesentliche einer Partnerschaft?
Wenn es um die weitere amerikanische Unterstützung für die NATO
geht, so ist die Vorstellung in den Vereinigten Staaten, daß uns unsere
europäischen Partner unterstützen, von der gleichen Bedeutung wie die
Vorstellung in Europa, daß die amerikanische Verpflichtung zu Europas
Verteidigung unverändert gilt.
Und meiner Meinung nach ist es gerade der Zustand dieser wechselseitigen Vorstellungen - bzw^ dieser falschen Vorstellungen -, von dem
man sagen könnte, er sei im Mittelpunkt all der Spannungen, die derzeit
in den amerikanisch-europäischen Beziehungen herrschen.
Der derzeitige Unterschied bei den Auffassungen dreht sich um Iran
und Afghanistan. Von unserem Standpunkt aus gesehen ergibt sich folgendes
Bild: obwohl Sie unsere Entrüstung über die Geiselnahme und das Festhalten
der amerikanischen Diplomaten teilen und mit uns einer Meinung sind, daß
die derzeitige Instabilität im Iran eine strategische Bedrohung darstellt,
fürchten Sie doch, daß unsere Reaktion das Risiko in sich birgt, den Iran
in die Arme Moskaus zu treiben. Was Afghanistan angeht, so teilen Sie
unserer Meinung nach zwar unsere Bedenken darüber, daß die sowjetische
Invasion eine Bedrohung des Zugangs zum öl des Persischen Golfs darstellt,
daß sie auf eine größere Bereitschaft der Sowjetunion zur Anwendung

�Anwendung militärischer Gewalt schließen läßt, einen Wandel in den Absichten
Moskaus signalisiert und die Verwundbarkeit des Westens unterstreicht; zugleich
stimmen Sie mit einigen der von uns vorgeschlagenen Gegenmaßnahmen nicht
überein, vor allem nicht mit vielen der wirtschaftlichen Maßnahmen, für
die wir uns stark gemacht haben - Getreide, Technologie, Olympische
Spiele. Wir sind der Meinung, daß diese Wirtschaftssanktionen dazu
beitragen, die Sowjets von weiteren Abenteuern abzuschrecken. Viele von
Ihnen glauben, daß sie die Sowjets nur bestrafen sollen, daß sie unwirksam
sind und innenpolitisch Opfer bei Handel und Beschäftigung mit sich
bringen, was bei Ihnen zu Hause ernsthafte wirtschaftliche und politische
Probleme verursachen könnte.
Zusammengefaßt: wir tendieren dazu, in Europa einen Mangel an
politischer Bereitschaft zu erkennen, während Sie dazu neigen, in Washington
Unstetigkeit und Unentschlossenheit auszumachen.
Wie sieht die Lösung aus? Wir können diese unterschiedlichen
Auffassungen überbrückt werden? Wir erkennen keine rasche und leichte
Methode, um zu lösen, was in der Tat ein chronisches Problem ist.
Unserer Ansicht nach gilt etwas seit dem Bestehen dieses Bündnisses
- e i n Bündnis, das ein Harvard-Professor namens Henry Kissinger in einem
1965 geschriebenen Buch "The Troubled Partnership" nannte - (im Deutschen
hat das Buch den Titel : "Was wird aus der westlichen Allianz?"d. Red.), daß
nämlich Ruhe, Verläßlichkeit und umfassende Konsultation notwendig sind,
wobei alle Bündnispartner Bereitschaft nicht nur zur Information und
zum Zuhören zeigen, sondern auch zur Anpassung an die Bedenken der
anderen Partner, bevor größere Entscheidungen getroffen werden, die auch
diese anbelangt.
Eine der Sorgen unserer europäischen Verbündeten besteht, wie wir
wissen, darin, wie die Invasion Afghanistans unser Konzept der Ost-WestBeziehungen langfristig beeinflußt.

Kurz: sind wir zum Kalten Krieg

- 3 -

�Krieg zurückgekehrt, und - wenn dem nicht so ist - wollen wir das?

Ich

habe das Außenministerium um eine Antwort auf diese Frage gebeten.

Hier sind

die wesentlichen Elemente der Erwiderung:
Erstens:

Während wir beabsichtigt haben, die Sowjets einen hohen

Preis zahlen zu lassen, von dem wir hoffen, er möge mit dazu beitragen,
vor ähnlichen Schritten anderswo abzuschrecken, waren die von uns
getroffenen Maßnahmen zugleich darauf gerichtet, uns dem Ziel eines
vollständigen Abzugs der sowjetischen Streitkräfte aus Afghanistan näherzubringen.
Zweitens: gleichzeitig haben wir ein anhaltendes Interesse an einer
Ausgestaltung der Beziehung zur Sowjetunion, bei der der grundlegende
Wettbewerb durch Zurückhaltung eingeschränkt wird.
'•

Drittens: Mit der Verhängung von Sanktionen haben wir kein einziges
unserer formellen Abkommen mit der Sowjetunion aufgehoben. Das Rahmenwerk
für eine stabilere, für beide Seiten nützliche Beziehung bleibt erhalten.
Viertens: Wir bleiben auch weiterhin Verhandlungen mit den Sowjets
über Rüstungskontrolle verpflichtet. Obgleich wir die politischen
Schwierigkeiten einer Ratifizierung in nächster Zukunft erkennen, so bleiben
wir doch dem SALT II-Vertrag verpflichtet und haben die Absicht, keine
Maßnahmen zu ergreifen, die dem Zweck oder dem Ziel des Vertrags zuwiderlaufen oder die im Widerspruch zum SALT I-Zwischenabkommen stehen,
überdies haben wir unsere Bereitschaft zu erkennen gegeben, in Verhandlungen
über weitreichende nukleare Mittel Streckensysteme (LRTNF) im Rahmen von
SALT III einzutreten und einen vorbereiteten Meinungsaustausch sogar noch
vor der Ratifizierung von SALT II abzuhalten. Wir bedauern nur, daß sich
die Sowjets nicht zu einer positiven Reaktion bereitfinden konnten.
Fünftens

- 4 -

�Fünftens:

Ohne eine Rückkehr zu normalen Geschäftsbeziehungen

zu siganlisieren, erkennen wir doch die Bedeutung der Offenhaltung von
Kommunikationskanälen zu den Sowjets, wie dies durch das Treffen von
Außenminister Muskie mit seinem sowjetischen Amtskollegen Gromyko in
Wien belegt wurde.
Sechstens: Gleichzeitig haben wir unsere Politik der verstärkten
Bande mit Osteuropa fortgesetzt. Wir beabsichtigen, die Suche nach
verbesserten Beziehungen zu allen osteuropäischen Ländern fortzusetzen
und zwar in dem Maß, in dem sie unser Interesse erwidern und die Bereitschaft dafür zeigen, unsere Bedenken in Rechnung zu stellen. Obgleich wir
jedoch nicht darauf bestehen, daß die Staaten des Warschauer Paktes
unsere Ansichten zu den Ereignissen in Afghanistan teilen, so würden es
doch Schritte ihrerseits, die zur Untergrabung der von uns hinsichtlich
unserer Bezeihungen mit der Sowjetunion getroffenen Maßnahmen dienen würden,
für uns in zunehmendem Maß schwieriger machen, mit den Politiken fortzufahren, die zwischen einzelnen osteuropäischen Staaten und der Sowjetunion
unterscheiden.
Und siebtens:

wir haben erneut unsere Verpflichtung gegenüber dem

KSZE-Prozeß bekräftigt, den wir nicht nur als Teil eines Rahmenwerks
ansehen, der dabei helfen kann, zur Entwicklung einer stabileren Beziehung
zur Sowjetunion beizutragen, sondern auch als einen Prozeß, der auf
konstruktive Weise die osteuropäischen Völker mit einbezogen hat.
Es scheint mir, als stellten diese Elemente kein Rezept für eine
Rückkehr zum Kalten Krieg dar.
Und dennoch besteht die europäische Presse seit einigen Monaten
auf dem Gegenteil.

Mir scheint, einer der Gründe für das Problem der

unterschiedlichen Auffassungen in den Vereinigten Staaten und in Europa
ist die Berichterstattung über Europa in der amerikanischen Presse und

- 5 -

�und über die Vereinigten Staaten in den europäischen Medien. Mein
Eindruck ist, daß die amerikanische Presse nicht nur unzureichend über die
technologischen Fortschritte berichtet, die die europäischen Länder machen
sowie über deren gesellschaftliche Konsequenzen, sondern daß ihre Berichterstattung über das politische Geschehen in Europa sich dem anzuschließen scheint, womit die amerikanische Regierung im Augenblick besonders
beschäftigt ist.

Im letzten Jahr war dies vor allem abwechselnd das

TNF-Problem, Iran und Afghanistan. Aber die Europäer machen sich zumindest ebenso viele Sorgen um den Nahen Osten und um das Erdöl, um die
Stahlpreise und um Dollarschwankungen.

Liest man die amerikanische Presse,

so kann man dies nicht einmal erahnen, und ich finde in der amerikanischen
Presse nur sehr wenige Analysen und Kommentare darüber, in welcher Beziehung
Themen der Außenpolitik zu den innenpolitischen Sorgen in Europa stehen.
Was die Berichterstattung in der europäischen Presse über die Vereinigten
Staaten anbelangt, so kommt sie mir oft genug oberflächlich vor. Ein
Europäer, der über die Vereinigten Staaten liest, hat nur eine sehr
vage Vorstellung von der Vielfalt der amerikanischen Gesellschaft, von
den Konflikten und Widersprüchen zwischen den moralistischen und
materialistischen Aspekten der amerikanischen Psyche oder von der selbstbewußten Geistigkeit der politischen Analyse und des politischen Denkens
in Amerika. Und es gibt viele wichtige Bereiche im politischen und
sozialen Leben Amerikas, die die europäische Presse kaum berührt. Und
auf beiden Seiten des Atlantik scheint bei der Presse eher die Einstellung
zur Kritik als zur Erklärung zu herrschen.
Aber ungeachtet aller Kritik und ungeachtet aller auftretender
Unterschiede in der Auffassung, ist es meiner Meinung nach wichtig,
nicht zu vergessen, daß seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs jeder
amerikanische Präsident und jeder Außenminister das Primat der amerikanischen
Verpflichtung gegenüber Europa betont hat.
Präsident

�Präsident Carter bekräftigte dies eindringlich am 9. Mai in einer
Rede in Philadelphia, als er die Solidarität mit unseren Verbündeten
als "den Prüfstein unserer Außenpolitik" definierte. Gleichgültig,
weswegen Sie uns sonst auch kritisieren mögen: Tatsache ist, daß wir
Europa nicht den Rücken gekehrt haben - wir haben weder protektionistischem
Druck 1m Wirtschaftsbereich noch isolationsistischem Druck im politischen
Bereich nachgegeben.
Im Gegenteil: während republikanischer und demokratischer Administrationen,
im Verlauf konservativer und liberaler Regierungsperioden der amerikanischen
Geschichte, durch alle politischen und wirtschaftlichen Erschütterungen
hindurch, die wir in den vergangenen drei Jahrzehnten erlebt haben,
schwankten wir zu keiner Zeit 1n unserer Überzeugung, daß eine möglichst
enge Beziehung zu einem möglichst starken Europa die wesentlichste Bedingung
der amerikanischen Politik ist. Ich bin davon überzeugt, daß die Europäer
nicht wollen, es wäre anders.

+ + + + +

- 7 -

�9. Juli 1980

32

ÜBERZEUGENDE STARTERFOLGE DES US-ENERGIEPROGRAMMS
Integrierende Maßnahmen in Wirtschafts-, Finanz- un^ Forschungspolitik
ein tragfähiges Fundament für die Zukunft

- (AD) - Ein überaus wichtiger Markstein auf dem Wege der Vereinigten
Staaten zu größerer Unabhängigkeit vom Ausland in der Energieversorgung
war die Verabschiedung des "Energiesicherungsgesetzes von 1980", das
Präsident Carter am 30, Juni 1980 unterzeichnete. Der US-Kongreß bewilligte 20 Milliarden Dollar für die erste Phase der Produktion synthetischer
Brennstoffe, die Erschließung regenerativer Energiequellen und umfassende
Maßnahmen zur Energieeinsparung,,
Das Gesetz sieht die Errichtung einer unabhängigen staatlichen
Gesellschaft, der "Synthetic Fuels Corporation" vor, deren sieben Direktoren
vom Präsidenten ernannt und vom Kongreß bestätigt werden müssen. Sie
hat die Aufgabe, die großtechnische Produktion von Brennstoffen aus Kohle,
Ölschiefer, Teersanden und anderen alternativer, Quellen zu finanzieren.
Dies geschieht vor allem durch Kredite, Kreditbürgschaften, Abnahmeund Preisgarantien an die Privatwirtschaft für qualifizierte Projekte.
Nach

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T e | e x : 08-85432

�Nach vier Jahren wird der Kongreß unter Bewertung der inzwischen
aufgebauten Produktionskapazitäten und Planungen für die Zukunft darüber
entscheiden, ob weitere 68 Milliarden Dollar (insgesamt 88 Milliarden
waren vom Präsidenten in seinem vor einem Jahr eingebrachten Vorschlag
gefordert worden) für derartige Projekte bereitzustellen seien.

Vorläufiges

Produktionsziel für Synthesebrennstoffe sind täglich 500 000 Barrel
(1 Barrel = 159 Liter) im Jahr 1987, zwei Millionen Barrel pro Tag im
Jahr 1992. Außerdem soll die strategische ölreserve wieder aufgefüllt
und eine Bank mit drei Milliarden Dollar Kapital für Investitionen zur
Energieeinsparung und Erschließung regenerativer Energiequellen, für
zusätzliche Kredithilfen der BrennstoffProduktion aus Biomassen und
Alkohol sowie für Zuschüsse zu Energiespar-Investitionen von Elektrizitätsund Gaswerken eingerichtet werden.
Mit der Verabschiedung des Nationalen Energiegesetzes (NEA) im
November 1978 schuf die US-Regierung bereits eine wichtige Basis für die
jetzt in Gang kommenden Maßnahmen. Diese Politik läßt, wie aus einer
kürzlich vom US-Außenministerium veröffentlichten Übersicht hervorgeht,
nunmehr erste eindrucksvolle Erfolge erkennen. Sie betreffen u.a. die
Einsparung von Energie im wirtschaftlich- industriellen und privaten
Bereich, den Rückgang von Ölverbrauch und ülimporten, den Abbau der
staatlichen Subventionierung von einheimischem Erdgas und Erdöl und die
Entwicklung alternativer Energiequellen. Mit der Verabschiedung des
neuen "Energiesicherungsgesetzes" wird übrigens auch die Nutzbarmachung
der Erdwärme und die Verwertung von Müll zur Energiegewinnung stärker
als bisher gefördert.

- Einsparung von Energie In der Praxis hat gegenwärtig die Einsparung von Energie Vorrang.
Für einschlägige Programme wendet die Bundesregierung im laufenden

- 2 -

�laufenden Haushaltsjahr mehr al 1,5 Milliarden Dollar auf.

Durch

Steuererleichterungen und Regierungszuschüsse ergeben sich allein für
den ßausektor mehr als 3,5 Milliarden Dollar an privaten und öffentlichen
Investitionen,

Außerdem hat die Bundesregierung über die nächsten zehn

Jahre sechs Milliarden Dollar für beschleunigt durchzuführende Energiesparinvestitionen, insbesondere bei Wohnungen für Familien mit mittleren
und niedrigen Einkommen, vorgesehen.

Langfristige Kredite bedeuten für

die Begünstigten Sofortersparnisse bei den Lebenshaltungskosten.

Die

Energieeinsparung als Folge dieser Maßnahmen könnte bis 1990 den ölbedarf
um 500 000 Barrel pro Tag senken.
Großer Wert wird seit Anlaufen eines entsprechenden Programms
im Jahr 1975 auf die verbesserte Wirtschaftslichkeit der Kraftfahrzeuge
gelegt. Die amerikanischen Autohersteller haben bereits bei ihren
Modellen für 1978, 1979 und 1980 die von der Regierung geforderten durchschnittlichen Verbrauchswerte unterschritten. Zunehmend strengere
Anforderungen werden helfen, bis 1985 täglich etwa 500 000 Barrel, bis
1990 sogar mehr als eine Million Barrel zu sparen. Ein im April von
Präsident Carter verkündetes Programm zielt darauf ab, durch die Einrichtung von Fahrgemeinschaften, Training in benzinsparendem Fahren und
die Auszeichnung von Einzelpersonen und Betrieben, die im Energiesparen
besonders erfolgreich sind, die Sparerfolge zusätzlich zu fördern.

- Abbau von Subventionen für öl Die Preisbindung für einheimisches öl läuft am 30. September 1981
endgültig aus. Das Programm begann am 1. Juni 1979, als neu entdeckte
Erdölvorkommen, öl aus Sekundär- und Teritiärförderung, ferner die
Produktion aus unbedeutenden Vorkommen zu höheren als den staatlich festgesetzten Preisen abgegeben werden durfte.

- 3 -

Inzwischen unter!iegen

�unterliegen 38 Prozent des in den USA geförderten Öls keiner Kontrolle
mehr.

Der zu erwartende Nachfragerückgang als Folge der Angleichung

an die Weltmarktpreise ab Oktober 1981 könnte bis 1990 zu einer Importdrosselung um zwei Milliarden Barrel pro Tag führen.

Für schweres öl

aus einheimischer Produktion wurde schon im August 1979 die Preisbindung
aufgehoben.

- Importe Auf dem Wirtschaftsgipfel von Tokio im Juni 1979 erklärten sich
die Vereinigten Staaten bereit, ihre ölimporte auf 8,5 Millionen Barrel
pro Tag zu begrenzen.

Kurz darauf gab Präsident Carter bekannt, daß die

Nettoimporte auf 8,2 Millionen Barrel/Tag und darunter gedrosselt würden
und die Einhaltung der Importquoten kontrolliert werde.

Während den

Vereinigten Staaten auf der Ministerratssitzung der Internationalen
Energieagentur (IEA) im Dezember 1979 täglich 8,5 Millionen Barrel an
Importen zugestanden wurden, begrenzte Präsident Carter diese Menge in
seiner Botschaft zur Lage der Nation im Januar 1980 auf 8,2 Millionen
Barrel.

- Benzinverbrauch im Jahr 1980 Präsident Carter verfügte, daß der durchschnittliche Benzinverbrauch
der USA pro Tag nicht mehr als sieben Millionen Barrel betragen dürfe 5,5 °rozent weniger als 1979. Die Aufteilung unter den Bundesstaaten
erfolgt nach einem den jeweiligen Gegebenheiten entsprechenden Schlüssel.
- Raumtemperaturen -

�- Raumtemperaturen Das Bundesprogramm zur Temperaturkontrolle in nicht als Wohnung
genutzten Gebäuden wurde bis zum 1. Januar 1981 verlängert.

Hierbei

geht es um die von der Regierung verfügte Einhaltung von Höchsttemperaturen
für Heizung und Warmwasser und maximale Kühltemperaturen für Klimaanlagen
bei etwa drei Millionen Gebäuden.

Seit Inkrafttreten des Programms 1m

Juli 1979 dürfte bereits Energie in einem Umfang eingespart worden sein,
der 200 000 bis 400 000 Barrel öl pro Tag entspricht.

- Besteuerung von Situationsgewinnen Präsident Carter unterzeichnete am 1. April 1980 das Gesetz über
die Besteuerung der sog. Situationsgewinne ("Windfall Profits Tax"),
welche den Mineral öl firmen durch die allgemeine Preissteigerung beim
öl und die Aufhebung der Preisbindung für amerikanisches öl zufallen.
Die Einkünfte aus dieser Steuer werden zur Entwicklung alternativer
Energiequellen beitragen, ferner zusätzliche, energiepolitisch wirtschaftliche
Massenverkehrsmittel finanzieren helfen und die finanzielle Unterstützung
von Familien mit geringem Einkommen zum Ausgleich der Energiekostensteigerung nach der Aufhebung der Preisbindung von öl und Gas ermöglichen.

- Kohle statt Erdöl und Erdgas Vom Kongreß noch nicht verabschiedet sind die von Präsident Carter
eingebrachten Gesetze, durch die der Erdöl- und Erdgasverbrauch in
Heizkraftwerken in einem Umfang reduziert werden soll, der 1990 der
Einsparung von etwa 1 Million Barrel öl pro Tag entspricht. Den Ausgleich

- 5 -

�Ausgleich sollen in erster Linie einheimische Kohle und wirkungsvolle
Energiesparprogramme schaffen.

Der ihnen zugrundeliegende Plan ist

darauf abgestellt, mehr Kraftwerke in kürzerer Zeit auf Kohlebefeuerung
umzustellen, als dies auf der Basis bereits geltender Gesetze möglich
ist.

Für die beschleunigte Umstellung sind Zuschüsse von der Bundes-

regierung und eine Straffung der bürokratischen Verfahren vorgesehen.
Die Finanzierung erfolgt über Einkünfte aus der Situationsgewinnsteuer.

- Energie- und Ölverbrauch der USA Der gesamte Energieverbrauch in den Vereinigten Staaten hielt sich
1979 auf dem Stand von 1978 - gegenüber einer realen Wachstumsrate
des Bruttosozialprodukts um 2,3 Prozent.

Dieser Umstand verweist auf

einen bemerkenswerten Wandel gegenüber der Relation zwischen Energieverbrauch und Wirtschaftswachstumsraten vor Beginn der siebziger Jahre.
Der Ölverbrauch war im Jahr 1979 um 2,4 Prozent niedriger als 1978. In
den ersten viereinhalb Monaten dieses Jahres lag der Tagesverbrauch
bei 17,6 Millionen Barrel und damit um 9,2 Prozent unter dem Verbrauch
des Vergleichszeitraums im Vorjahr.

- Weniger ölimporte Die Netto-Ölimporte der Vereinigten Staaten beliefen sich 1979 auf
7,8 Millionen Barrel pro Tag (einschließlich der Importe für die strategische
ölreserve) - gegenüber 8 Millionen/B/Tag im Jahr 1978 und 8,5 Millionen
Barrel pro Tag im Jahr 1977. In den ersten viereinhalb Monaten des
Jahres 1980 wurden Tagesimporte von 6,8 Millionen Barrel ermittelt,
d.h. 12,7 Prozent weniger als 1979.
- Energie

�- Energie- und Ölverbrauch in Einzelbereichen Verkehrswesen:

Im Jahr 1979 lag der Benzinverbrauch in Amerika

um 5 Prozent unter dem von 1978. Diese Tendenz verstärkte sich inzwischen,
wie der weitere Rückgang um 8,2 Prozent während der ersten viereinhalb
Monate im Jahr 1980 gegenüber 1979 zeigt.
Heizöl:

Sowohl in Privatwohnungen als auch in gewerblich genutzten

Bauten ging der Ölverbrauch von 1973 bis 1979 um 8 Prozent (300 000 Barrel
pro Tag) zurück.
Industrie:

Trotz Wirtschaftswachstum und höherem Produktions-

ausstoß der Industrie lag hier der Energieverbrauch nur geringfügig
über dem von 1973. Seit 1972 haben in den Vereinigten Staaten

die zehn

energieintensivsten Industriebranchen eine um 14 Prozent bessere Effizienz
der Energienutzung erzielt und sparen heute gegenüber 1972 das Äquivalent
von 1,2 Millionen Barrel pro Tag ein.

- Preissituation Von Monat zu Monat wird der gegenwärtige Anteil von 38 Prozent der
nicht preisgebundenen amerikanischen öl Produktion steigen, bis ab
1. Oktober 1981 jegliche Preisbindung entfällt. Selbst mit Subventionen
ist der Unterschied zwischen dem Importölpreis und dem Mischpreis bzw.
den Abnahmepreisen für Raffinierien viel geringer.als allgemein angenommen
wird. Die Rohöl kosten der amerikanischen Raffinerien belaufen sich
im Durchschnitt auf mehr als 80 Prozent des Weltmarktpreises. Dieser
Abstand verringert sich mit der zunehmenden Aufhebung der Preisbindung
für einheimisches öl ständig - bis zur völligen Angleichung an den
Weltmarktpreis im Herbst 1981.
Mit
- 7 -

�Mit Ausnahme von Benzin und Propan unterliegen die Wiederverkaufspreise für Mineralölprodukte keiner Preisbindung mehr.

- Energieproduktion Die einheimische Energieproduktion soll auf den höchstmöglichen
Stand gebracht werden.

Deshalb hat Präsident Carter die Bedeutung eines

sicheren Ausbaus der Kernkraft bekräftigt.

Die Nukleare Aufsichts-

kommi'ssion (NRC) der USA erteilt seit kurzem wieder Genehmigungen für
Kernkraftwerke.

Die Kernkraft spielt auch künftig eine wichtige Rolle

in der amerikanischen Energieproduktion.

Ihr Anteil an der gesamten

Stromproduktion betrug 1979 11,5 Prozent (gegenüber 4,5 Prozent im
Jahr 1973).
Die Kohleproduktion erreichte 1979 die Rekordhöhe von 775 Millionen
short tons (712 Millionen metrische Tonnen) und lag damit um 15,8 Prozent
über der Jahresförderung von 1978. Aufgrund der von der Regierung
verfolgten Politik wird künftig ständig mehr Kohle abgebaut und sowohl
für die Stromerzeugung als auch die direkte industrielle Verwertung u.a. der Erzeugung synthetischer Brennstoffe - eingesetzt werden.
Die stufenweise Aufhebung der Preisbindung für den Erdgasförderpreis
stimuliert die einheimische Erdgasproduktion. Sie erscheint jetzt
lohnender, und der ständige Rückgang in der Reservenergänzung wurde etwas
gebremst. Die vermarktete Produktion im Jahr 1979 lag bei 560 Milliarden cbm,
1,3 Prozent weniger als 1978„ Die US-Regierung verfolgt jetzt das Projekt
einer Alaska-Erdgasleitung mit großem Nachdruck. Seit April 1979 wurden
bereits zahlreiche Umstellungen auf Erdgas vorgenommen; ca. sieben
Prozent der Eigenheime, die bisher Heizöl benutzten, verwenden jetzt

�jetzt Erdgas oder Holz.
Die Inlandförderung von Rohöl lag 1979 bei durchschnittlich 8,5
Millionen Barrel pro Tag gegenüber 8,7 Millionen Barrel im Jahr 1978.
Für Expo"*oration und neue bzw. verbesserte Produktionsstätten wurde in
den USA in letzter Zeit viel unternommen.

Die Zahl der Explorations-

bohrungen erhöhte sich von 1973 bis 1979 um 87 Prozent.

- Forschung und Entwicklung Das Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsprogramm der
Vereinigten Staaten auf dem Energiesektor wird in einem am 25. Juni 1980
von der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris veröffentlichten
Bericht als "gewichtig und breit fundiert" besonders hervorgehoben.
Die Mittel dafür seien von 808 Millionen im Haushaltsjahr 1974 auf
3,8 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr 1980 angehoben worden (militärische
Energieforschungs- und Entwicklungsprogramme sind dabei nicht berücksichtigt). Im Jahr 1979 entfielen allein 55 Prozent aller in den
21 IEA-Mitgliedstaaten für Energieforschung und Entwicklung aufgebrachten
Mittel auf die Vereinigten Staaten. Um die auf dem Wirtschaftsgipfel
von Venedig anvisierten Ziele für die nächsten zehn Jahre, nämlich
Verdoppelung der Kohleproduktion und Ersatz von öl durch Alternativenergien entsprechend einem Energiegehalt von 15 - 20 Millionen Barrel
öl pro Tag, zu erreichen, ist nach Ansicht von Dr. Donald M. Kerr eine
rasche Kommerzialisierung bereits erarbeiteter Technologien für Alternativenergie notwendig. (Dr. Kerr ist der Vorsitzende des IEA-Komitees für
Forschung, Entwicklung und Demonstration und Direktor des amerikanischen
Wissenschaftlichen Laboratoriums Los Alamos.) Auf dem Gebiet von Forschung
und Entwicklung trete die Kohleforschung mit der Entwicklung besserer
umweltschonender Abbauverfahren und Verbrennungsverfahren mit höherem
Wirkungsgrad bei geringerer Umweltbelastung immer mehr in den Vordergrund.
+ + + + +
- 9 -

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3

«KlInternational Communication Agency
Embassy of the United States of America

9. Juli 1980

32

REFORM DER ATOMKRAFTWERKS-SICHERHEITSBESTIMMUNGEN
US-Repräsentantenhaus verabschiedete erstes Gesetz

- (AD) - Das erste Gesetz zur Neuordnung der Bestimmungen für die
Sicherheit bei Atomkraftwerken wurde kürzlich vom amerikanischen Repräsentantenhaus verabschiedet und dem Senat zugeleitet.

Es leitet Reformen ein,

die nach dem Reaktorunfall von Three Mile Island bei Harrisburg (Pennsylvanien)
im März vergangenen Jahres eine Wiederholung solcher oder ähnlicher
Vorkommnisse verhindern sollen.
Der Nuklearen Aufsichtskommission (NRC) der Vereinigten Staaten werden
u.a. zusätzliche Mittel für Kontrollaufgaben auf dem Gesundheits- und
Sicherheitssektor bewilligt.

Vorgesehen sind verbesserte Katastrophen-

schutzmaßnahmen seitens einzelstaatlicher und kommunaler Behörden, bessere
Schutzvorkehrungen gegen Sabotageakte und die Ausarbeitung eines nationalen
Bereitschaftsplanes für eine angemessene Soforthilfe bei nuklearen Unfällen.

Dem

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Dem Gesetz zufolge werden 146 hauptamtliche NRC-Inspektoren zusätzlich eingesetzt und den verschiedenen Atomkraftwerken zugeteilt. Das
Gesetz sieht außerdem vor, daß
-

jeder Verstoß gegen Genehmigungsbestimmungen der NRC mit einer
Geldstrafe in Höhe von 25 000 bis 100 000 Dollar geahndet wird;

-

die NRC neue Genehmigungen für den Betrieb von Atomkraftwerken
erst dann erteilen darf, wenn ein vom zuständigen Bundesstaat
oder von zuständigen kommunalen Behörden gebilligter Katastrophenschutzplan über Maßnahmen bei nukleartechnischen Unfällen vorliegt
oder ein Plan für den angemessenen Schutz der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit existiert;

-

Sabotage nach dem Strafrecht zu ahnden ist; und

-

neue Bestimmungen für die Standortwahl auszuarbeiten sind, die
gewährleisten, daß neue Atomkraftwerke weitab von dichtbevölkerten
Gebieten errichtet werden.

Im Fall eines nuklearen Unfalls muß der Präsident einen nationalen
Einsatzplan ausarbeiten lassen. Die NRC ist verpflichtet, Ausbildungsprogramme für das Betriebspersonal von Atomkraftwerken zu verbessern und
den Gouverneuren der Bundesstaaten geplante Transporte von Atommüll durch
das ihrer Kontrolle unterliegende Gebiet vorher zu melden.

+ + + + +

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I 3

Wi//cn/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

9. Juli 1980

32

ZINK-CHLORID-BATTERIE-SYSTEM FÜR ELEKTROAUTOS

- (AD) - Mit einem von dem amerikanischen Unternehmen "Gulf
&amp; Western Industries" entwickelten Zink-Chlorid-Batterie-System fahren
zwei auf Elektroantrieb umgerüstete Testfahrzeuge, die Firmenprä'sident
David N, Judelson kürzlich in New York der Öffentlichkeit vorstellte.
Das mit insgesamt 27 Millionen Dollar von Gulf &amp; Western sowie dem von
der amerikanischen' Kraftwerkindustrie unterhaltenen "Electric Power
Research Institute" und vom US-Energieministerium finanzierte Projekt
wurde bereits 1972 in Angriff genommen. Das Ergebnis bezeichnete
Judelson als "eine der vielleicht sinnvollsten Entwicklungen dieses
Jahrhunderts". Denn im Gegensatz zu den Säurebatterien wird die ZinkChlorid-Batterie nicht aufgebraucht und dürfte, wie aus mehrjährigen
Dauertests zu schließen ist, praktisch unbegrenzt wiederaufladbar sein.
Demonstriert wurde das Batteriesystem an einem Kombifahrzeug
japanischer Bauart und an einem VW-Rabbit. Die Reichweite beträgt
240 km bei einer Fahrgeschwindigkeit von 88 km pro Stunde.

Sie wäre

sicherlich größer, wenn ein speziell dafür konstruiertes Fahrzeug zur

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�zur Verfügung stünde. Autos mit dem Zink-Chlorid-Batterie-System sind
als Zweitwagen vor allem für den wohnortnahen Berufs- und Stadtverkehr
gedacht.

Die Batterie läßt sich aus der Steckdose (Wechselstrom, 220 V)

in sechs bis acht Stunden neu aufladen,,

Bei einem durchschnittlichen

Strompreis von 5 Cents pro Kilowattstunde in den USA lägen nach Berechnungen
von Gulf &amp; Western Industries die Betriebskosten für einen mit vier
Personen besetzten VW-Rabbit bei 1,4 Cent pro Kilometer - im Vergleich
zu gegenwärtig 4 Cent bei dem mit Benzinmotor ausgerüsteten Fahrzeug.
Wie Charles J. Smith vom amerikanischen Energieministerium erklärte,
dürfte die Zink-Chlorid-Batterie früher als andere vom Energieministerium
geförderte Kraftsysteme für Elektroautos zur kommerziellen Anwendung
kommen,

Nach Auskunft eines Firmensprechers könnte damit in etwa vier

Jahren gerechnet werden.

Und es sei denkbar, daß schon in zwei Jahrzehnten

die Produktion von Elektroautos mehr als ein Drittel der gesamten Kraftfahrzeugproduktion ausmache.
Durch weitere technische Verbesserungen will die Firma Gulf &amp; Western
Industries das Batteriesystem (mit einem Gesamtgewicht von ca. 540 kg
einschließlich Kaltspeicher, einiger Tausend Plattenelektroden aus
Graphit sowie Pumpen und Minicomputer zur Steuerung des Betriebsstroms)
noch leistungsfähiger und damit für den Betrieb billiger gestalten.
Das Projekt ist Teil eines von der amerikanischen Privatwirtschaft,
von privaten und staatlichen Forschungsinstituten betriebenen und von
Behörden geförderten Programms zur Entwicklung wirtschaftlicher Elektrofahrzeuge, die schon in absehbarer Zukunft einen nicht zu unterschätzenden
Beitrag zur Einsparung von Importöl leisten könnten. Dabei werden die
verschiedensten technischen Möglichkeiten in bezug auf die Kraftquelle
sowie Kombinationen von Elektroantrieb und Benzinmotor erprobt.

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- 2 -

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