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                  <text>[jlljg, N I

Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

31 A

2. Juli 1980

INHALT

DOKUMENTATION
Erklärungen vor dem Abflug Präsident Carters nach Europa
- Die Vereinigten Staaten wünschen Zusammenarbeit bei schwierigen Fragen
Gemeinsame amerikanisch-italienische Presseerklärung zum Besuch
Carters
Carter: Der Westen muß sich der sowjetischen Bedrohung stellen
- Ansprache des Präsidenten beim Staatsbankett in Rom Ansprache Präsident Carters beim Besuch im Vatikan
Carter-Presseunterrichtung am 22. Juni 1980 in Venedig
Präsident Carters Erklärung auf der abschließenden Pressekonferenz
in Venedig
Begrüßungsansprache Präsident Carters auf dem Belgrader Flughafen
Präsident Carters Toast beim Staatsbankett in Belgrad
- Anmerkungen zu möglicher Übergangsregelung in Afghanistan Carter Interview mit jugoslawischen Medienvertretern

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�Dokumentation

I

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2. Juli 1980

31

ERKLÄRUNGEN VOR DEM ABFLUG PRÄSIDENT CARTERS NACH EUROPA
- Die Vereinigten Staaten wünschen Zusammenarbeit bei schwierigen Fragen

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter brachte vor seinem
Abflug nach Europa zum Wirtschaftsgipfel in Venedig und Besuchen in Rom,
Jugoslawien, Spanien und Portugal am 19. Juni 1980 seine Überzeugung
zum Ausdruck, daß die schwierigen Fragen, vor denen die demokratischen
Industriestaaten stehen, nur in Zusammenarbeit gelöst werden können.
Bei der Verabschiedung Jimmy Carters durch Vizepräsident Walter F,
Mondale wurden von beiden folgende Erklärungen abgegeben:

Ansprache des Vizepräsidenten:
"Herr Präsident und Rosalynn, Sie treten heute eine kritische Reise
in einer kritischen Zeit an. Sie werden in Venedig zum erstenmal seit
der sowjetischen Invasion Afghanistans mit den Führern der westlichen

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�westlichen Welt zusammentreffen.
für die ganze Welt:

Diese Invasion ist eine Herausforderung

eine Herausforderung für den Frieden, für die Prinzipi

des Völkerrechts und für die nationale Souveränität.
Um sich dieser Herausforderung zu stellen, müssen die führenden
Demokratien der Welt mit gemeinsamer Stimme sprechen.

Sie treffen auch

zu einem Zeitpunkt zusammen, da die Probleme der Inflation und Rezession
die Volkswirtschaft eines jeden Landes bedrohen.

Auch sie erfordern

internationale Zusammenarbeit und fordern uns alle dazu auf, mit einer
gemeinsamen Stimme zu sprechen und in gemeinsamer Absicht zu handeln.
Herr Präsident, Sie werden darüber hinaus drei wichtige Staaten
Südeuropas besuchen, von denen jeder an der Schwelle eines neuen Anfangs
steht. Zwei der ältesten, stolzesten und erhabensten Länder, Spanien
und Portugal, sind zugleich zwei der jüngsten Demokratien der Welt;
und mit einer neuen Führung beginnt das neue Jahrzehnt für das starke,
einige und unabhängige Volk in Jugoslawien. An diesem bedeutsamen Punkt
ihrer Geschichte bringen Sie jeder dieser drei Nationen die Botschaft
unseres Respekts, unseres guten Willens und unserer Freundschaft.
Wenn Sie Italien, die erste Station Ihrer Reise besuchen, werden
Sie bei einem Volk sein, zu dem sich Amerika besonders hingezogen fühlt.
Denn aus der Saat, die Italien gesät hat, ist der westlichen Welt so
viel Kultur erblüht. Von den Ufern dieses Landes aus überquerten so
viele Menschen den Ozean, um beim Aufbau unseres eigenen Staates zu helfen,
Sie bringen nach Italien die Wärme und die Wertschätzung und die Liebe
des amerikanischen Volkes.
Ich weiß, Herr Präsident, daß ich für alle Amerikaner spreche,
wenn ich sage, daß Sie uns angesichts solch historischer Gespräche, die
auf Sie warten, mit unserem Wunsch für eine sichere und erfolgreiche
Reise verlassen.
Die

�Die Antwort Präsident Carters lautete:
Vielen Dank, Fritz.

Ich weiß, daß ich dieses Land mit großem

Vertrauen darauf verlasse, daß Sie während meiner Abwesenheit

die Re-

gierungsgeschäfte bestens führen und daß wir jederzeit in ständiger
Verbindung sein werden.

Zum zweiten weiß ich, daß das amerikanische Volk

sein Herz und seinen Verstand auf die Herausforderungen dieses äußerst
schwierigen Besuchs eingestellt hat, auf das Zusammentreffen in kurzen
Zeitabständen mit den Führern der westlichen Welt und Japans im Verlauf
von mehr als 12 verschiedenen Konsultationen von großer Bedeutung.
Diese Reise ist verhältnismäßig kurz, aber sie ist von großer Bedeutung
und beinhaltet viele Schwierigkeiten und Herausforderungen. Unsere
Aufgabe ist vielgestaltig. Wir werden Themenkreise wie die Energieabhängigkeit untersuchen; die Volkswirtschaften der sich entwickelnden
Länder und unserer eigenen Länder; die Frage eines dauerhaften Friedens
im Nahen Osten. Wir werden die eindeutige Herausforderung durch die
sowjetische Invasion Afghanistans diskutieren; die Frage des Terrorismus
und wie wir den Iran behandeln können; die Kontrolle der Kernwaffen.
Und wir werden in Einzel treffen mit den Führern all dieser Staaten auch
die Meinungsverschiedenheiten sowie die gemeinsamen Absichten und Verpflichtungen unserer Länder besprechen.
Aber wenn es um all diese miteinander zusammenhängenden Probleme
und heiklen Nuancen der Meinungsverschiedenheiten geht, werden wir durch
dieses Bewußtsein geleitet werden: Durch die Macht freier, demokratischer
Länder, die die Verschiedenartigkeit begrüßen und die keine Mauern
errichten, um ihre eigenen Völker einzusperren; die bestehen, um die
Menschenrechte und den einzelnen Menschen zu schützen - nicht, um sie
zu versklaven. Die Macht der Demokratie und der Freiheit wird die
Zukunft der Welt gestalten.
In

- 3 -

�In Rom werde ich mit der italienischen Führung, mit Präsident Pertini
und mit Ministerpräsident Cossiga zusammenkommen, um diplomatische
Themen sowie Fragen der Energie und Sicherheit zu erörtern.

Dann werden

Papst Johannes Paul II und ich unsere Arbeit für die Menschenrechte,
für menschliche Ansprüche, für die Flüchtlinge und über Rüstungskontrolle
fortsetzen, die wir während seines Besuchs in Washington vorigen Oktober
begannen.

Danach werde ich für zwei Tage nach Venedig zu dem Treffen

der Gipfelkonferenz gehen, dem sechsten solcher Treffen zwischen den
bedeutendsten nichtkommunistisehen Industriestaaten.
Die demokratischen Industriestaaten bestehen derzeit mit Erfolg sehr
schwere Prüfungen.
komme:

Damit nirgendwo in der Welt ein Mißverständnis auf-

Wir sind nicht motiviert durch Feindschaft gegen irgendwen, auch

nicht durch irgendwelche Wünsche nach rücksichtsloser Konfrontation oder
der Rückkehr zum

kalten Krieg.

Aber wir müssen die ablehnende Haltung

der Welt gegenüber der sowjetischen Aggression wachhalten und dürfen es
den Sowjets nicht erlauben, irgendwelche dauernde Vorteile aus ihrer
Invasion des neutralen Landes Afghanistan zu ziehen.
Während wir auf diese Antwort und auf viele andere schwierige
Lösungen hinarbeiten, wird Amerika klar und deutlich seine eigenen
Verpflichtungen und Erfordernisse zum Ausdruck bringen - und wir werden
gespannt sein, die Ansichten der anderen Länder zu hören und zu verstehen.
Wir sind nicht der Warschauer Pakt, der durch die Panzer eines Landes
zusammengehalten wird. Wir sind verbunden durch gemeinsame Ideale,
gemeinsame Ziele und gegenseitigen Respekt. Unser Bündnis ist auf
Verständnis gegründet und nicht auf Forderungen; darauf, einander zuzuhören und nicht darauf, dem anderen etwas vorzuschreiben. Das ist es, was
diesen Gipfeltreffen ihre Bedeutung gibt. Das ist es auch, was diese
Gipfeltreffen zeitweilig so schwierig macht.

Wir

�Wir werden zusammen die schwierigen Probleme angehen, vor denen
jedes Land zu Hause steht:

Inflation, Arbeitslosigkeit, steigende öl-

preise, Energieeinsparung, Energieproduktion in unseren Ländern selbst;
eine ganze Reihe von Problemen, die miteinander verbunden und sehr
verwickelt sind.

Für uns Amerikaner ist es wichtig, sich zu vergegen-

wärtigen, daß internationales Einvernehmen und Zusammenarbeit bei diesen
Fragen für unsere Sicherheit, unsere Arbeitsplätze und unsere Lebensqualität ganz genauso wichtig sind wie alles das, was wir selbst hier
im eigenen Land tun können.
Unmittelbar nach dem Gipfeltreffen in Venedig werde ich nach Jugoslawien,
Spanien und dann nach Portugal reisen. Ich werde der Führung und dem
Volk von Jugoslawien die standhafte Unterstützung Amerikas für die Unabhängigkeit, die Einheit und die territoriale Integrität dieses großen
Landes sowie unseren Respekt für Jugoslawiens konstruktive blockfreie
Haltung übermitteln.
Amerika hat mit Erstaunen, mit tiefer Wertschätzung und Bewunderung
Spanien und Portugal dabei beobachtet, wie sie in den letzten Jahren
den bemerkenswerten Übergang von Autokratie zu Demokratie vollzogen haben.
Ich werde der Führung und dem Volk in beiden Ländern persönlich die große
Freude zum Ausdruck bringen, die wir Amerikaner über den Erfolg dieser
historischen Leistung empfinden.

Ich werde mich all diesen Staaten,

ihren Führern und in manchen Fällen ihren Völkern anschließen bei der
Erfüllung der schwierigen und anspruchsvollen Tagesordnung des Friedens,
des Ausarbeitens einer soliden wirtschaftlichen Grundlage für die ganze
Welt und der Widmung der hohen Ideale und der tiefen Verpflichtung freier
Menschen.
Abschließend möchte ich sagen, daß die schwierige Aufgabe, das
demokratische Bündnis dabei zu führen, sich den Herausforderungen,
Gefahren und Chancen eines neuen Jahrzehnts zu stellen, Mut erfordert

- 5 -

�erfordert Geduld, Wissen und Ausdauer bei den Völkern aller unserer Länder.
Es gibt für einen amerikanischen Präsidenten keine bedeutsamere Aufgabe,
und ich bin dankbar für Ihre Unterstützung, während wir Frieden, Sicherheit
und ein besseres Leben für uns selbst und für die ganze Welt suchen.
Vielen Dank.

+ + + + +

�m üäfTTm

•DE MM

Dokumentation

f• j

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2. Juli 1980

31

GEMEINSAME AMERIKANISCH-ITALIENISCHE PRESSEERKLÄRUNG
ZUM BESUCH CARTERS

ROM

- (AD) - Die Pressestelle des Weißen Hauses gab am 20. Juni 1980

in Rom folgende gemeinsame amerikanisch-italienische Presseerklärung
zum Staatsbesuch Präsident Carters in Italien heraus:
Auf Einladung des Präsidenten der Italienischen Republik, Sandro
Pertini, stattete der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika,
Jimmy Carter, vom 19. bis 21. Juni Rom einen Staatsbesuch ab. Der Besuch
bot den beiden Präsidenten Gelegenheit, einen produktiven Meinungsaustausch
zu führen. Ferner fanden konstruktive Treffen zwischen Präsident Carter
und dem Präsidenten des Ministerrates, Francesco Cossiga statt. An den
Treffen nahmen auch die Außenminister Emilio Colombo und Edmund Muskie
teil.
Beide Seiten stellten mit Befriedigung die außerordentlich engen
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Italien fest, die auf
alten Bindungen der Freundschaft und Verwandtschaft, auf einer gemeinsamen

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�gemeinsamen Verpflichtung zu demokratischen Werten und auf Bindungen
beruhen, die aus der Mitgliedschaft beider Länder im Atlantischen Bündnis
entspringen.

Im Verlauf der Gespräche fand ein Meinungsaustausch über

wichtige internationale Fragen von besonderem Interesse für beide Regierungen
statt:

Dazu gehorten die Krise in Afghanistan, die Situation im Nahen

Osten, das schwere Problem der illegalen Inhaftierung der Geiseln im
Iran und die amerikanisch-italienische Zusammenarbeit zur Förderung der
Sicherheit und des Friedens.

Präsident Carter brachte seine Anerkennung

für die konstruktive Rolle zum Ausdruck, die Ministerpräsident Cossiga
in seiner Eigenschaft als Präsident der Europäischen Gemeinschaft für
die laufende Periode gespielt hat.
Die durch die bewaffnete Intervention der Sowjetunion und die anhaltende
Besetzung Afghanistans geschaffene internationale Lage wurde eingehend
geprüft. Man kam überein, daß diese sowjetische Maßnahme - in flagranter
Verletzung der Charta der Vereinten Nationen unternommen - eine Gefahr
für den Frieden und eine ernste Herausforderung des Westens und dessen
Interessen in Südwestasien und im Persischen Golf darstellt, und daß sie
ein ernstes Hindernis für die Fortsetzung des Entspannungsprozesses
geschaffen hat.
Als Ergebnis dieser Beurteilung betrachten beide Seiten eine umfassende westliche politische Strategie als unerläßlich, die darauf angelegt
ist, der Sowjetunion durch die Anwendung greifbarer Maßnahmen die Notwendigkeit eines sofortigen und völligen Abzuges ihrer Truppen aus
Afghanistan klarzumachen.
In Übereinstimmung mit dieser Ansicht begrüßten beide Seiten die
konzertierten Schritte, die die NATO gegenwärtig unternimmt, um als
Antwort auf die strategische Herausforderung aller westlichen Verbündeten
die gemeinsame Verteidigung zu stärken. Beide Regierungen bekräftigten
ihre Verpflichtung zur frühest möglichen Verwirklichung dieser im Lang-

- 2 -

�Langfristigen Verteidigungsprogramm der NATO niedergelegten Ziele.

Beide

Seiten erkannten an, daß eine erhöhte Aufmerksamkeit Europas für die
Sicherheitserfordernisse innerhalb des Vertragsgebietes der NATO wegen
der Verpflichtung amerikanischer Ressourcen zum Aufbau eines Sicherheitsrahmens in der Region Südwestasiens und des Persischen Gol ,"2S eine noch
größere Dringlichkeit bekommen hat. Präsident Carter und Ministerpräsident Cossiga brachten ihre Befriedigung über die Entscheidung der NATO zum Ausdruck, die sich ergänzenden Ziele der Rüstungskontrolle und der Dislozierung von nuklearen
Mittel Streckensystemen (TNF) weiter zu verfolgen.

Präsiden

Carter

bekräftigte seine Bewunderung für die führende Rolle von Ministerpräsident
Cossiga in diesem Bemühen. Ministerpräsident Cossiga verwies aui die
aktive Unterstützung, die Italien der Verwirklichung des NATO-Angebots
vom 12. Dezember 1979 geben wird, das die Sowjetunion einlädt, in Verhandlungen über die Begrenzung der weiterreichenden nuklearen Mittelstreckensysteme (LRTNF) einzutreten.
Präsident Carter brachte seine eigene Anerkennung und die des
amerikanischen Volkes für die italienische Unterstützung der internationalen Anstrengungen zur Sicherstenung der Freilassung der im Iran
unter Verletzung des Völkerrechts und aller weltweit akzeptierten Verhaltensregeln festgehaltenen amerikanischen Geiseln zum Ausdruck. Es
wurde unterstrichen, daß der Grundsatz der Herrschaft des Rechts, der
für die Gesundheit und Stabilität der Weltgemeinschaft so lebenswichtig
ist, bei dieser Krise auf dem Spiele steht. Es wurde ferner die Oberzeugung zum Ausdruck gebracht, daß die Freilassung der Geiseln eine
Vorbedingung für die Wiederherstellung des internationalen Prestiges
des Iran und für die Wiederaufnahme gegenseitig nutzbringender Beziehungen
mit seiner Regierung, einschließlich des Widerrufs wirtschaftlicher
Sanktionen, ist.
Sich

- 3 -

�Sich anderen Fragen gemeinsamen Interesses zuwendend bekräftigte
Präsident Carter die amerikanische Verpflichtung zu einem umfassenden
Frieden im Nahen Osten, einschließlich der Lösung des Palästinenser-Problems
in all seinen Aspekten.

Er bekräftigte seine Überzeugung, daß die Über-

einkommen von Camp David weiterhin den gesündesten Rahmen dafür darstellen,
auf der Basis des wesentlichen Fortschrittes aufzubauen, der bereits
erzielt worden ist, um die Jahrzehnte der Bitterkeit und des Konflikts
im Nahen Osten zu beenden.
Ministerpräsident Cossiga gab der vollen Zustimmung Italiens zu dem
Ziel eines umfassenden und dauerhaften Friedens mit Gerechtigkeit für
alle, für Israel wie auch für die arabischen Staaten und dem palästinensischen
Volk Ausdruck.

Dieses Ziel haben auch die Vereinigten Staaten.

Es wird

ebenfalls von den Ländern der Europäischen Gemeinschaft unterstützt und
wurde vom Europäischen Rat in der Erklärung vom 13. Juni von Venedig
erneut bekräftigt.

Im Zusammenhang mit den auf die Erreichung dieses

Zieles gerichteten Anstrengungen gab der Ministerpräsident der Hoffnung
Ausdruck, daß ein bemerkenswerter Fortschritt bei der Durchführung aller
Aspekte des in Camp David dank des persönlichen und mutigen Einsatz von
Präsident Carter erzielten Abkommens gemacht werden könnte.
Beide Seiten bekräftigten erneut ihre Verpflichtung, auf eine auf
den Prinzipien der Gegenseitigkeit und gemeinsamen Zurückhaltung basierende
Entspannung hinzuarbeiten. Sie stimmten darin überein, daß Entspannung
nur unter der Bedingung zustande kommer '&lt;ann, daß ihr umfassender und
unteilbarer Charakter als unerläßlich anerkannt wird.
Ein Meinungsaustausch über die Tagesordnung des vom 22. bis 23. Juni
stattfindenden Gipfeltreffens in Venedig schloß sich an.

Präsident

Carter sprach seinen Dank für die umfassenden Vorbereitungen aus, die
Italien als Gastgeber für die sieben demokratischen Industrieländer
getroffen hat, die an dem Gipfel teilnehmen werden.
Beide

�Beide Seiten stimmten überein, daß die Notwendigkeit für engere
Konsultationen zwischen den demokratischen Industriestaaten bestehe, um
eine umfassende, auf gegenseitiger Sicherheit beruhende Strategie zu
formulieren, um den Herausforderungen der achtziger Jahre - den Krisen,
der Instabilität und den Konflikten in der Welt, die oft durci; Armut,
Unterentwicklung und Ungerechtigkeit hervorgerufen werden - zi begegnen.
Zur Förderung der engen bilateralen Beziehungen zwischen Italien
und den Vereinigten Staaten kam man überein, die für beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit auf einer Reihe von Gebieten zu intensiveren. Die
beiden Regierungen gaben ihren Entschluß bekannt, bei der Gestaltung
der größten Anlage der Welt zur direkten Umwandlung von Sonnen!ich*
in Elektrizität - einer bei Puglia gelegenen photoelektrischen Anlage
mit 1 Megawattleistung - zusammenzuarbeiten. Sie kamen überein, andere
Projekte für Forschung und Informationsaustausch auf dem Gebiet der
Solarenergie und der Kohletechnologie, der geothermisehen Energie, der
nuklearen Sicherheit und der Energieeinsparung weiterzuentwickeln.
Auf dem sozialen Sektor wurde Übereinstimmung erzielt, die Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, vor allem unter den
Jugendlichen, fortzusetzen. Dabei wurde auch der Befriedigung über die
positive Auswirkung des sozialen Sicherheitsabkommens Ausdruck gegeben. Die
beiden Regierungen werden weiterhin sowohl auf bilateraler wie multilateraler
Basis bei der Unterdrückung des internationalen Rauschgifthandels, sowie
bei Verhinderung und Behandlung von Rauschgiftmißbrauch zusammenarbeiten.
Es wurde erörtert, die Kenntnis der Sprachen der beiden Länder zu
fördern. Nachdem sie mit Befriedigung die Ergebnisse der am 4. Mai 1978
in Rom unterzeichneten Vereinbarung ("memorandum of agreement") zur
Kenntnis genommen hatten, kamen beide Seiten überein, bei der Produktion
von Fernsehprogrammen für den Unterricht in ihrer jeweiligen Sprache
zusammenzuarbeiten. Die italienische Regierung bekundete ihre Absicht,

- 5 -

�Absicht, ihren finanziellen Beitrag zum Fulbright-Programm zu erhöhen,
um dem amerikanischen Beitrag für die kommenden Jahre zu entsprechen.
•

Der von der CINI-Stiftung in Venedig und der Guggenheim-Stiftung
in New York vor kurzem bekanntgegebene Entschluß, bei der Einrichtung
eines größeren Kulturzentrums in Venedig zusammenzuarbeiten, wuroe mit
Befriedigung als ein konkretes und überzeugendes Beispiel für de.i Beitrag
angeführt, den der private Sektor für die Entwicklung bilateraler Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Italien leistet.

+ + + + +

- 6 -

�Dokumentation

I
31

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2. Juni 1980

CARTER: DER WESTEN MUSS SICH DER SOWJETISCHEN BEDROHUNG STELLEN
- Ansprache des Präsidenten beim Staatsbankett in Rom -

ROM- - (AD) - Am 20. Juni 1980 warnte Präsident Carter auf einem
Staatsbankett, das ihm zu Ehren gegeben wurde, vor der Gefahr, daß das
strategische und wirtschaftliche Gleichgewicht sich zugunsten des
Totalitarismus verschieben werde, wenn die demokratischen Industriestaaten
nicht angesichts der neuen sowjetischen Herausforderung zusammenstehen.
Zugleich verwies er jedoch auch darauf, daß nichts "die außergewöhnlichen
Leistungen unserer Gesellschaft insgesamt verdunkeln" könne.
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
In jedem unserer Länder wurde eine Demokratie geboren. Beide
kämpften darum, das Gleichgewicht zwischen Einheit und Freiheit zu
erringen, das befreite Gesellschaften zur höchsten Form menschlicher
Regierung führt - zur Selbstregierung.
Freiheit

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�Freiheit und Menschenrechte haben in Tat und in Gedanken keinen
standhafteren Freund als Sandro Pertini.

Für die Freiheit des einzelnen

und für die Demokratie in seinem Land zahlte er den Preis jahrelanger,
grausamer Gefangenschaft.

Ja, ich habe gehört, daß er 1940 nicht -

wie es dem Gesetz nach sein Recht gewesen wäre - aus dem Gefängnis entlassen
wurde, weil er als "besonders gefährlich" angesehen wurde.
er bis heute geblieben:

Und das ist

gefährlich für jeden, der damit droht, die

Freiheit eines Menschen, die Rechte einer Gruppe, das Leben oder die
Existenz freier Menschen einzuschränken oder zu zerstören.

Als Staats-

oberhaupt war er der erste, der sich an die iranischen Behörden mit dem
Aufruf wandte, unser diplomatisches Personal aus den Händen der Terroristen
zu befreien, und es bereitet mir ein großes Vergnügen, bei dieser öffentlichen
Gelegenheit die Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, die das amerikanische
Volk und ich für diese unerschütterliche Unterstützung hegen.
Heute morgen haben Präsident Pertini und ich einige der zentralen
Fragen besprochen, die den Weltfrieden stören. Danach konnte ich diese
Fragen auch mit Ministerpräsident Cossiga erörtern, dessen Besuch in
Washington im Januar und dessen Präsidentschaft in der Europäischen
Gemeinschaft uns alle so tief beeindruckt haben.
Drei grundlegende Gedanken durchzogen unsere heutigen Gespräche.
Der erste: Angesichts einer Zeit der Gefahr, des Wandels und der Prüfung
in den achtziger Jahren besteht die bestmögliche Politik für unsere
Länder in einer Politik, die beides erstrebt - eine starke Verteidigung
der nationalen Sicherheit und alles andere,was notwendig ist.
In den vergangenen Jahrzehnten widerstand der Westen mit Erfolg dem
sowjetischen Expansion!'smus nach Westen wie nach Osten. Heute sehen
wir, wie sich die Sowjetunion nach Süden schiebt: direkt nach Afghanistan
hinein und indirekt durch Vietnam und Kambodscha. Dies stellt eine
strategische Herausforderung der lebenswichtigen Interessen des Westens

- 2 -

�Westens dar, der sich die demokratischen Industriestaaten gemeinsam
stellen müssen. Wenn wir in unserer Entschlossenheit fest bleiben,
werden wir eine Haltung definieren, aus der heraus wir zur Entspannung
ermutigen können.
Wenn wir dabei versagen, werden wir zulassen, daß das strategische,
politische und wirtschaftliche Gleichgewicht sich schwerwiegend zugunsten
des Totalitarismus verschieben wird.
Eine zweite Überzeugung, die wir teilen, ist die, daß wir unser
gemeinsames Erbe der Freiheit nicht durch Waffen allein verteidigen
können. Die Zukunft unserer Art zu leben hängt in gleichem Maße von unserer
Fähigkeit ab, allen unseren Bürgern wirtschaftliche Möglichkeiten und
soziale Gerechtigkeit zu bieten und eine annehmbare Umwelt zu schaffen,
in der die Freiheit überleben und gedeihen kann. Wir müssen zugleich
sorgfältige Theoretiker und praktische Politiker sein, wenn wir uns mit
der Energieabhängigkeit, der Inflation, den Entwicklungsländern, mit
Rüstungskontrolle und dem Frieden in den unruhigen Regionen wie etwa
dem Nahen Osten befassen.
*
Der dritte grundlegende Gedanke, der unser heutiges Gespräch durchzog, war der, daß nationale Sicherheit und Weltfrieden nur durch Aufrechterhaltung eines starken und einigen Atlantischen Bündnisses erreicht
werden können. Genauso wie die beste Regierungsform die Selbstregierung
ist, so ist das haltbarste Bindemittel jedes Bündnisses die Freiwilligkeit.
Wir haben ein Bündnis unabhängiger Demokratien. Wir erhalten unsere
Stärke aus unseren gemeinsamen Traditionen und unseren individuellen
Unterschieden.
Herr Präsident, fürchten wir uns nicht davor, die grundlegendsten
Herausforderungen unseres Bündnisses heute unmittelbar und vor den Augen
der Öffentlichkeit anzugehen.
In
- 3 -

�In letzter Zeit haben wir viel über Differenzen und Meinungsverschiedenheiten zwischen den westlichen Demokratien gehört.
in meinem Land und in Europa sprechen über Verwirrung.

Einige Stimmen

Einige Pessimisten

betrachten die Debatte zwischen demokratischen Staaten als ein Zeichen
fataler Schwäche.

Sie sagen einen Niedergang der westlichen Zivilisation

voraus und streuen Pessimismus, Materialismus, Willensschwäche und schwindendes
Vertrauen in uns selbst und in unsere Institutionen aus.
Unsere Erfahrung und die Wirklichkeit selbst zeigen deutlich, daß
diese selbsternannten "Realisten" Unrecht haben.

Unser offener und

öffentlicher Kampf mit wirtschaftlichen und sozialen Problemen kann nicht
die außergewöhnlichen Leistungen unserer Gesellschaft insgesamt verdunkeln.
Die demokratischen Staaten sind für junge Studenten aus der ganzen
Welt ein Magnet.

Die demokratische Welt ist ein Mittelpunkt der

intellektuellen und technologischen Innovation, sie ist ein großartiger
Sammelpunkt kultureller Kreativität, sie macht einen großen Wiederaufschwung des religiösen Glaubens durch, und unsere politischen Institutionen
zeigen eine Beweglichkeit, wie es sie ihresgleichen in der totalitären Welt
nicht gibt.
Nicht vor der Demokratie sind seit 1945 Millionen Flüchtlinge davongelaufen. Nicht um der Demokratie zu entkommen, haben Menschen in den
letzten Wochen ihr Leben in kleinen Booten auf hoher See aufs Spiel
gesetzt. Und nicht wegen der Demokratie haben nahezu zehn Prozent des
Volkes eines ganzen asiatischen Staates ihre ursprüngliche Heimat verlassen. Und es war sicherlich nicht die Demokratie, vor der Hunderttausende Männer und Frauen und Kinder aus Afghanistan flohen, sondern
ausländische Unterdrückung. Diese Stimmen fliehender Millionen - wie die
lautwerdenden Stimmen von weiteren Millionen Menschen - werden abgegeben
für den tiefverwurzelten Glauben, der der Demokratie ihre einzigartige
Dynamik gibt: unseren grundlegenden Glauben in die unveräußerlichen Rechte

�Rechte und die Würde des Menschen.
Materielle Leistungen und kulturelle Lebenskraft allein können nicht
die Kraft unseres geistigen Erbes erklären. Und auch in den Unternehmungen,
den Fertigkeiten und dem Erfolg unserer Menschen allein läßt sich der
Geist unserer Gesellschaft nicht finden.
Der grundlegende Wunsch nach Demokratie steigt aus der Mitte des
Herzens und der Seele des Menschen.
Deshalb ist das Echo des ununterdrü'ckbaren Rufs nach Freiheit auf
der ganzen Welt zu hören.

Dieser Ruf erhält seine Stimme durch die Staaten,

die sich morgen in Venedig versammeln.
Unser Glaube an die Menschenrechte - die Freiheit, die Würde und den
Wert jedes einzelnen - ist der unwiderstehlichste revolutionäre Wurf unserer
Zeiten. Er hat ein Niveau des wirtschaftlichen Fortschritts und der
geistigen Kreativität hervorgebracht, wie dies keiner anderen politischen
Lehre oder Idee gelang. Wir haben keinen Grund, Veränderung, neue Ideen
oder neue Probleme zu fürchten. Wir verlassen uns nicht auf militärische
Invasionen durch sogenannte befreundete Nachbarn, noch weniger auf
Terrorismus, um die Idee der Freiheit aufrechtzuerhalten - sie steht für
sich allein.
Das Streben nach Freiheit und Demokratie hat sich in den letzten
Jahren ausgebreitet - in Spanien, in Portugal, in Griechenland, in Afrika
und in Lateinamerika. Heute tönt die echte menschliche Stimme der
Demokratie viel klarer als die krächzenden Lautsprecher der autoritären
Regime.
Aber obgleich die Freiheit nicht durch Gewalt aufgezwungen zu werden
braucht, so wissen wir doch zu gut, daß sie - einmal gewonnen - verteidigt

- 5 -

�verteidigt werden muß.

Die Suche nach dem Frieden fordert Stärke, nicht

Schwäche, Beständigkeit, nicht Wankelmütigkeit, Stolz, nicht Arroganz.
Wir versuchen nicht, die Welt nach dem Modell Amerikas oder des Westens
neu zu gestalten.

Wir möchten, daß die Völker der Welt über ihr eigenes

Geschick entscheiden, ihr eigenes Geschick in die Hand nehmen und ihre
Wahl selbst treffen.

Wir sind zuversichtlich, denn die Geschichte ist

auf der Seite der Freiheit.
Daß wir uns hier nicht mißverstehen: Der Westen ist nicht motiviert
durch rastlose Feindseligkeit oder durch einen Wunsch nach unterschiedsloser Konfrontation oder durch eine Rückkehr zum kalten Krieg. Aber würde
das westliche Bündnis die ausländische Besetzung und Beherrschung Afghanistans
lediglich als eine vollendete Tatsache hinnehmen, so wäre dies für die
Welt nur ein zynisches Signal, das nur zu weiterer Aggression ermutigen
könnte, zu weiterer Spannung und zu weiterer Gefahr für den Weltfrieden.
Es ist unsere Verantwortung, in klaren Worten unsere Verurteilung
der sowjetischen Invasion anzuzeigen, solange diese Invasion andauert.
Wir sind nicht in der Lage, mit Gewissheit die Beweggründe dieses
jüngsten sowjetischen Schrittes zu beurteilen - ob Afghanistan ein Zweck
oder ein Vorspiel ist -, aber es kann keinen Zweifel darüber geben, daß
die Invasion eine erhöhte Bedrohung für die Unabhängigkeit der Staaten
in dieser Region und für den Zugang der Welt zu lebenswichtigen Rohstoffen
und Seewegen darstellt.
Tatsache ist, daß unsere Demokratien in entscheidendem Maße von
den öl Vorräten einer unbeständigen Region abhängig sind, deren eigene
Sicherheit jetzt durch innere Uneinigkeit und äußere Bedrohung in Frage
gestellt ist. Wird es nicht gelöst, so könnte dieses Sicherheitsproblem
unsere Art zu leben ändern. Schon jetzt berührt es unser aller Leben
direkt und drastisch.
Aber

�Aber unser Interesse an Frieden und Stabilität in dieser Region
geht weit über das rein Wirtschaftliche hinaus.

In dieser Welt der immer

größeren wechselseitigen Abhängigkeit ist die Annahme, daß der Aggression
nur dann entgegenzutreten sei, wenn sie sich vor der eigenen Haustür
zuträgt, eine Einladung zu neuen und höchst schwerwiegenden Abenteuern.
Entspannung mit den Sowjets bleibt weiterhin unser Ziel, aber
Entspannung muß gegründet sein auf eine standhafte Grundlage der Abschreckung
vor Aggression. Die Sowjets müssen begreifen, daß sie den Weltfrieden
nicht rücksichtslos bedrohen oder daß sie auch weiterhin die Vorteile
der Zusammenarbeit genießen können, während sie eine Politik bewaffneter
Intervention verfolgen.
Vor allem aber soll jeder wissen, daß den Anstrengungen, unser
Bündnis zu entzweien oder uns in dem falschen Glauben einzuschläfern,
Amerika oder Europa könnten irgendwie eine Insel der Entspannung sein,
während an einem anderen Ort eine Aggression stattfindet, kein Erfolg
beschieden sein wird.
Wir erkennen, Herr Präsident, daß unsere Politik jenen gegenüber,
die den Frieden bedrohen, klar sein muß, folgerichtig und verständlich.
Es darf keinen Raum geben für irgendwelche Fehlurteile.
Aber lassen Sie mich ebenso klar sagen, daß der Weg zu verbesserten
Beziehungen offen ist - und daß dies der Weg ist, den wir bevorzugen.
Ich bin überzeugt davon, daß das amerikanische Volk unsere anhaltenden großen Anstrengungen zur Rüstungskontrolle wünscht - genauso
wie es eine anhaltende kraftvolle Politik gegenüber sowjetischer Aggression
will. Wir wissen, daß das SALT II-Abkommen unmittelbar zur Sicherheit
nicht nur der Vereinigten Staaten, sondern auch Europas und sogar der ganzen
Welt beitragen kann. Es kann dabei helfen, künftigen Rüstungswettstreit zu

- 7 -

�zu beschränken, auf der historisch wichtigen Linie der Kernwaffenbegrenzung
fortzufahren und den Glauben daran zu bewahren, daß sogar die gefährlichsten
Meinungsverschiedenheiten in einem Rahmen der Zusammenarbeit abgebaut
werden können.
Gerade in dieser Zeit der Spannung ist die Einhaltung der beiderseitigen Beschränkungen, die der Vertrag auferlegt, im tiefsten Interesse
jedes Staates der Erde. Daher habe ich die Absicht, Ziel und Zweck dieses
Vertrags zu honorieren, solange die Sowjetunion, von uns dabei beobachtet, das
gleiche tut.
Ich werde meine engen Konsultationen mit unserem Kongreß fortsetzen
in der Absicht, die Ratifizierung von SALT II zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu erreichen.
Weiterhin müssen wir, damit das Jahrzehnt der achtziger Jahre nicht
zum Jahrzehnt der Gewalt wird, mit unseren Freunden in der erneuerten
Anstrengung zusammenarbeiten, alle Aspekte des Rüstungswettlaufs zu
stabilisieren und die Bandbreite der Rüstungskontrollmöglichkeiten auszuweiten.
Zusammengefaßt: Ich akzeptiere die Voraussagen über Schwäche und
Versagen der Demokratie in der Welt nicht. Ein Niedergang unserer
Gesellschaften, unserer Werte, unserer Freiheiten wird nur dann eintreten,
wenn wir es zulassen, nur dann, wenn wir uns der Ungewißheit über unseren
Standpunkt und über unsere Überzeugung ausliefern, nur dann, wenn wir
vergessen, daß jede Nation und jeder einzelne die Verantwortung mitträgt,
zusammenzustehen und jene gemeinsamen Überzeugungen zu verteidigen, die
uns einen - und ich bin überzeugt, daß wir nie aufgeben noch vergessen
werden.

�Herr Präsident, Herr Ministerpräsident, meine Damen und Herren:
Genauso wie in jeder Demokratie müssen wir daran arbeiten, den Geist der
Gemeinsamkeit zu nähren, der allein eine ganze Nation zu mehr machen kann
als die Summe ihrer Teile.

So gilt auch innerhalb des Bündnisses freier

Staaten, daß wir sicherlich einzeln verwundbar sind, wenn wir nicht zusammenarbeiten.
Ich biete Amerikas eigene standhafte Verpflichtung gegenüber unseren
gemeinsamen Interessen der Sicherheit und des Friedens, und wir verlassen
uns auf unsere europäischen Freunde und Verbündeten, sich uns in dieser
Anstrengung anzuschließen. Gemeinsam können und werden wir die Werte
und Interessen unserer Gesellschaft verteidigen. Die Erfahrung der
Geschichte rät zu einem solchen Kurs. Gegenwärtige Umstände erzwingen
ihn.
In diesem Geist des Bündnisses und der Partnerschaft bitte ich Sie,
sich mir zu einem Toast auf Präsident Pertini anzuschließen, auf die
Traditionen zweier großer Nationen, die gleichzeitig parallel und
miteinander verflochten sind, und auf den unverbrüchlichen Geist der
Freiheit, Freundschaft und Liebe zum menschlichen Leben, der für immer
unsere Länder und unsere Völker verbinden wird.

+ + + + +

- 9 -

�fl l )

I

Dokumentation
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31

2. Juli 1980

ANSPRACHE PRÄSIDENT CARTERS BEIM BESUCH IM VATIKAN

VATIKANSTADT - (AD) - Präsident Jimmy Carter stattete am 21. Juni 1980
dem Vatikan und seiner Heiligkeit, Papst Johannes Paul II, einen offiziellen
Besuch ab und hielt beim Empfang durch den Papst folgende Ansprache:
Euer Heiligkeit, so glücklich ich war, Sie als den ersten Papst,der
das Weiße Haus besuchte, begrüßen zu dürfen, so glücklich bin ich heute,
von Ihnen in Ihrer alten und heiligen Stadt begrüßt zu werden.
Wie Millionen vor mir bin ich durch die herrlichen Werke Michelangelos,
Raphaels, Berninis und vieler anderer großer Künstler tief bewegt. Sie
haben uns den Beweis hinterlassen, daß wir, wenn wir unsere Energien von
der Zerstörung weg dem Schöpferischen zuwenden, in der Lage sind, das Werk
des Göttlichen im Dienste der Menschen zu vollbringen.
Heute ist es wohl mehr denn je notwendig, daß Staatschefs und Führer
religiöser Glaubensgemeinschaften sich gemeinsam der Verpflichtung zum
Dienst an der Menschheit hingeben.
Inmitten

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Telex: 08-85432

�Inmitten einer Reise, die ich gegenwärtig unternehme und deren
Ziel es ist, den Frieden und die Zusammenarbeit und die gemeinsamen
Zielsetzungen mit den engen Partnern meines Landes zu fördern, ist es
für mich heute ein Privileg, mit einem Manne zusammenzutreffen, der sich
leidenschaftlich diesen gleichen Idealen verschrieben hat.
Ich bin dankbar, daß wir die gemeinsame Überzeugung haben, daß der
Kampf um die Förderung der Würde und des Anstands des Lebens des einzelnen
der Geschichte den Sinn gibt, daß durch unser Handeln unser Glaube Leben
erhält, daß die Rolle eines Staates nicht darin besteht, den Geist seiner
Menschen zu unterdrücken, sondern zu befreien, und daß es die Pflicht der
führenden Persönlichkeiten ist, sich mit allen zusammenzutun, die auf
den Wegen des Friedens wandeln.
•

Unsere gemeinsame Pilgerreise ist notwendiger denn je. Die Ressourcen
der Welt, die von Gott für alle gedacht sind, werden zu einem großen
Teil abgezweigt, um Mittel der Zerstörung zu finanzieren. Zu Millionen
ziehen heimatlose Menschen, oft durch Gewalt aus ihrer Heimat vertrieben
und dem Hunger und der Krankheit ausgesetzt, durch die Welt in der Suche
nach der elementaren Würde, die ihnen vorenthalten wird.
Wir alle teilen die Verantwortung dafür, diesen Tragödien ein Ende
zu setzen. In der gegenwärtigen Weltlage wissen wir, daß sie mit widerstrebenden Interessen durchzogen ist, die die Gefahr von Blutvergießen
heraufbeschwören. Aber sie ist auch voller Chancen für Versöhnung, und
wir müssen diese Initiativen ergreifen und sie nutzen.
Die Nationen können einen Anfang machen, indem sie sich an ein
universelles moralisches und politisches Gebot halten, daß der Schutz
der Menschenrechte jeder Person die Voraussetzung für und die Zielsetzung
von Regierungen ist. Sie können auch die Souveränität anderer Nationen
als heilig betrachten.
Die
- 2 -

�Die Siedler Amerikas wurden durch das Versprechen der Freiheit
und eines besseren Lebens an unsere Küsten gelockt.

Im Laufe unserer

langen, jetzt über 200jährigen Geschichte hat sich Amerika von dieser
Tradition des ständigen Strebens - nicht nur für uns selbst, sondern
für alle Völker, - leiten lassen.
Darum sind das Streben nach persönlicher Freiheit und nach der
Sicherheit der Nationen und dem Frieden in der Welt Grundprinzipien
amerikanischer Außenpolitik.

Und darum hegen Amerikaner auch eine so

tiefe Bewunderung und eine so große Liebe für Papst Johannes Paul II.
Amerikaner aller Glaubensgemeinschaften haben sich über seinen Besuch
in unserem Lande im vorigen Jahr gefreut.

Es war eines der bemerkens-

wertesten Ereignisse in der Geschichte unseres Landes.

Wir haben mit

Achtung und Dankbarkeit erlebt, wie er auf seinen früheren Reisen
Millionen von Menschen in seinen Bann gezogen hat.

Seine moralische und

geistige Führung hat die Aufmerksamkeit der Welt auf jenes Leiden vor Hunger,
vor Armut und Krankheit, auf die Flüchtlinge in allen Winkeln der Erde
und auf jene gerichtet, die unter politischer Unterdrückung leiden.
Die Vereinigten Staaten teilen die Anliegen seiner Heiligkeit.
Das sind auch unsere unerledigten Aufgaben. Amerika hat großzügig
auf die Not der Männer, Frauen und Kinder von Kamputchea reagiert, und
wir handeln mit Gerechtigkeit und Nächstenliebe an jenen Menschen, die
untragbaren Bedingungen in der Karibik entfliehen. Und wir arbeiten mit
den internationalen Hilfsorganisationen, wie dem katholischen Hilfswerk,
zusammen, um jenen Nahrung und Unterkunft zu gewähren, die durch den Krieg
in Indochina, am Hörn von Afrika und in Afghanistan vertrieben wurden.
Darüber hinaus versuchen die Vereinigten Staaten eine neue führende
Rolle zur Herstellung eines gerechten und dauerhaften Friedens im Nahen
Osten zu übernehmen.

Wir freuen uns, Verfechter der Sache der Demokratie

- 3 -

�Demokratie und der menschlichen Entwicklung in Lateinamerika zu sein.
Und wir werden weiterhin bestrebt sein, die Vereinigten Staaten zu einem
würdigeren Lande zu machen, das sich der sozialen Gerechtigkeit, den
wirtschaftlichen Chancen und der religiösen Freiheit verschrieben hat.
Und noch etwas, was für mich ungeheuer wichtig ist. Im Namen des
amerikanischen Volkes möchte ich Ihnen, Eure Heiligkeit, persönlich danken
fUr Ihre Bemühungen um die Freilassung der 53 amerikanischen Geiseln,
die im Iran festgehalten werden - Opfer des Terrorismus, die in ständiger
Mißachtung des Völkerrechts und der weltweit akzeptierten Regeln des
Anstandes festgehalten werden.
Wir haben viele unerledigte Aufgaben, aber wir verfügen über viele
Kraftquellen des Mutes, der Geduld, des Glaubens, der Stärke und der
Liebe.

Wir haben diese Quellen bei unserem Zusammentreffen heute erneuert.

Zusammen arbeiten wir dem Tag entgegen, an dem nicht mehr Menschen andere
Menschen obdachlos und hungrig machen, an dem alle Menschen eine Stimme
haben werden, um ihr eigenes Schicksal zu bestimmen, an dem wir endlich
die schreckliche Angst vor nuklearer Zerstörung von unseren Kindern und
Kindeskindern nehmen können, an dem die Werte und Ideale der Freiheit
von allen Regierungen geachtet werden und an dem die Demut und der Dienst
am menschlichen Geist und den menschlichen Lebensverhältnissen die höchste
Ehre jedes menschlichen Staates ist.
Eure Heiligkeit, es ist mir eine Ehre und eine Freude, bei Ihnen
zu sein, und ich gehe in der Hoffnung, daß Sie für mich beten werden.

+ + + + +

- 4 -

�Dokumentation

I
31

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2. Juli 1980

CARTER-PRESSEUNTERRICHTUNG AM 22. JUNI 1980 IN VENEDIG

VENEDIG - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat nach dem ersten Tag
des Wirtschaftsgipfels in Venedig am 22. Juni 1980 eine informelle Presseunterrichtung abgehalten, die folgenden Wortlaut hat:
DER PRÄSIDENT: Wir haben den ersten Tag unserer Arbeit auf der
Gipfelkonferenz in Venedig abgeschlossen. Wir haben heute viel Zeit
damit verbracht, über die politischen und diplomatischen Wechselbeziehungen
zu sprechen, die uns verbinden, und wir haben auch das Problem erörtert,
vor dem wir in den achtziger Jahren stehen mit einer fast unausweichlichen
Verringerung der ölmenge, die uns zu Ende dieses Jahrzehnts zur Verfügung
stehen wird und die Notwendigkeit, unter uns selbst starke, vereinte,
abgestimmte Einsparungsverpflichtungen einzugehen und die Produktion
alternativer Formen der Energie zum öl zu erhöhen.
Ich war sehr erfreut über die Erklärung des Vorsitzenden und unseres
Gastgebers Ministerpräsident Cossiga am heutigen Nachmittag, die die
Einigkeit unter den hier versammelten sieben Nationen zeigt ebenso wie

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�wie die Verurteilung der sowjetischen Invasion und Besetzung Afghanistans,
die Verpflichtung, die wir gemeinsam eingegangen sind, unsere Opposition
zu dieser Invasionsarmee und unsere Bewunderung für die Freiheitskämpfer
in Afghanistan aufrechtzuerhalten, die ihr Land von den Besatzungstruppen
zu befreien suchen.
Wir beobachten mit Interesse die Ankündigung der Sowjetunion, daß
einige ihrer Streitkräfte aus Afghanistan zurückgezogen würden.

Wenn

diese Berichte bestätigt werden und wenn dieser Abzug auf Dauer ist und
wenn dieser Abzug ein erster Schritt wäre, die Sowjets zu einem ständigen
und völligen Abzug ihrer Streitkräfte in Afghanistan zu bewegen, dann
wäre das natürlich eine bedeutsame Sache.
Alle anderen Länder, die sich gegen eine Beteiligung an den Olympischen
Spielen ausgesprochen haben, haben ihren Standpunkt nachdrücklich bekräftigt,
und wir alle waren über das Ergebnis dieses ersten Arbeitstages sehr
befriedigt.
FRAGE: Herr Präsident, könnten Sie etwas über die Bedeutung der
sowjetischen Ankündigung über den Abzug gerade zum gegenwärtigen Zeitpunkt
sagen?
ANTWORT: Ich möchte dazu persönlich etwas sagen und nicht als
Sprecher der ganzen Gruppe. Meine Überzeugung ist, daß es-sehr viel mehr
mit dem Wunsch zusammenhängt, eine Beteiligung an der Olympiade zu erreichen
als die Formulierungen des Kommuniques zu beeinflussen, das hier in Venedig
herausgegeben werden wird. Der Olympiaboykott hat den Sowjets in der
Weltöffentlichkeit sehr geschadet und auch im eigenen Lande. Sie sind
jetzt bereit, die Auslagen einzelner Sportler zu bezahlen, denen es gestattet würde, in die Sowjetunion zu reisen, und ich glaube, daß dies
mehr ein Faktor ist als diese Gipfelkonferenz - aber wir wissen es noch
nicht. Wie ich bereits gesagt habe, die Bedeutung eines Truppenabzugs

- 2 -

�Truppenabzugs könnte erst richtig beurteilt werden, nachdem der Abzug
selbst bestätigt ist und nachdem wir die Gewähr haben, daß dies ein
erster Schritt eines völligen Abzuges der Sowjettruppen wäre.
FRAGE:

Herr Präsident, hat sich Präsident Giscard in irgend einer

Weise näher zu dieser Tass-Erklärung geäußert?

Hat er eine persönliche

Mitteilung von Breschnew erhalten und hat er darüber gesprochen?
ANTWORT:
FRAGE:
ANTWORT:

Ja.
Was hat er Ihnen gesagt?
Diese Erklärungen möchte ich lieber ihn selbst abgeben

lassen.
FRAGE:

Können Sie uns etwas über Ihr langes Gespräch mit Giscard

d'Estaing sagen?
ANTWORT: Es hätte nicht besser verlaufen können. Präsident Giscard
d'Estaing und ich stehen häufig und regelmäßig miteinander in Verbindung,
entweder telefonisch oder telegraphisch, und wir treffen uns, wann immer
wir können. Wir haben einen weiten Bereich von Fragen erörtert; bilaterale
Fragen zwischen uns und Frankreich, Angelegenheiten bezüglich der Europäischen
Gemeinschaft und auch Fragen bezüglich Ostafrikas, des Persischen Golfes
und der südwestasiatischen Region. Das ist ein Bündnis und eine Beziehung
zwischen unserem Lande und Frankreich, die sehr wertvoll für uns und
für die Franzosen sind, und es gibt, so weit ich weiß, keine Meinungsverschiedenheiten, die Anlaß zur Besorgnis zwischen unseren beiden Ländern
wären.
FRAGE:

Herr Präsident, warum erwägen Sie nicht, daß wir vom Boykott

der Olympiade abrücken, wenn sich die Sowjets aus Afghanistan zurückziehen?
ANTWORT:
- 3 -

�ANTWORT:

Nein, unsere Entscheidung, nicht an der Olympiade teilzu-

nehmen, wurde bereits im Februar getroffen, und was mich angeht, ist diese
Entscheidung unwiderruflich.
FRAGE:

Haben Sie, nachdem Sie mit Präsident Giscard gesprochen

haben, den Eindruck, daß der sowjetische Bericht über einen Abzug aus
Afghanistan ernst gemeint ist oder handelt es sich nur um ein Komplott,
um eine Beteiligung an der Olympiade zu erreichen?
ANTWORT:

Das kann ich auch nicht wissen.

Wir alle sind der Auf-

fassung, daß diese sowjetische Ankündigung nur dann als bedeutsam beurteilt
werden kann, wenn sie genau stimmt, wenn sie für die Dauer gilt und wenn
sie ein erster Schritt zu einem völligen Abzug ist.

Ein Teilabzug

sowjetischer Truppen, sorgfältig ausgewählter Einheiten, hätte wenig
Bedeutung.
nicht.

Aber wir kennen heute die Antwort auf all diese Fragen noch

Wir werden es mit der Zeit herausfinden müssen.

+ + + + +

- 4 -

�Dokumentation

I

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2. Juli 1980

31

PRÄSIDENT CARTERS ERKLÄRUNG
AUF DER ABSCHLIESSENDEN PRESSEKONFERENZ IN VENEDIG

VENEDIG

- (AD) - Im Verlauf der gemeinsamen Pressekonferenz am

Ende des Weltwirtschaftsgipfels vom 22. bis 23. Juni 1980 in Venedig gab
der amerikanische Präsident folgende Erklärung ab:
Unser Treffen endet in einem Geist erfreulicher Eintracht und gegenseitigen Vertrauens. Wir sind gemeinsam übereingekommen, eine Liste
für individuelle und gemeinsame Maßnahmen zu erarbeiten. Von der Geschichte
dieser schönen Stadt haben wir eine wichtige Lektion gelernt:

Daß sogar

die gesichertsten politischen Mächte rechtzeitig handeln müssen, um
bedeutsame Veränderungen zu gestalten.
Die Republik von Venedig hinterließ uns ihre unvergleichliche
Schönheit, die wir zu unserem großen Vergnügen sahen. Aber am Ende
gelang es ihren Führern nicht, sich den Drohungen des Wandels zu stellen,
die aus dem Osten hereinbrachen und sie versagten dabei, die Gelegenheiten
für einen Wandel zu ergreifen, die sich ihnen damals im Westen boten.
Wir

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Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Wir sind entschlossen, dieselben Fehler nicht zu wiederholen.
Alle von uns, die wir in Führungspositionen dienen, erkennen, daß das
Jahrzehnt der siebziger Jahre eine Periode großer Schwierigkeit und großer
Herausforderungen war, eine Zeit des Kampfes gegen unvorhersagbaren und
unkontrollierbaren Wandel. Aber wir alle erkennen auch, daß die achtziger
Jahre womöglich noch viel schwieriger sein werden, noch herausfordernder
und noch viel weniger vorhersagbar.
Die freien Völker stehen vor einer schwierigen Wahl.

Die Freiheiten,

die unsere Nationen stark machten, sind im Jahrzehnt der achtziger Jahre
in Gefahr.

Und wir haben uns auf dieser Konferenz in Venedig dazu

verpflichtet, diese Freiheiten in den achtziger Jahren und sogar bis zum
Ende dieses Jahrhunderts zu bewahren.
Die Herausforderungen sind ihrer Natur nach politisch und wirtschaftlich.
Wir haben unsere vereinte Stärke, unseren Einfluß und unsere Stimmen gegen
den Einmarsch einer grausamen Macht in das Land seines nächsten, schutzlosen
Nachbarn aufgeboten, eine Invasion, die die Stabilität eines Gebietes
dieser Welt bedroht, das für uns alle von entscheidender Bedeutung ist.
Die sowjetische Aggression in Afghanistan ist ein weitreichender Angriff
auf das Völkerrecht und eine ernste Bedrohung der Stabilität in dieser
lebenswichtigen Region.
Wir haben uns dazu verpflichtet, uns dieser sowjetischen Invasion
mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu widersetzen. Und wir tun
dies, weil es ein moralisches Gebot und zugleich ein strategisches Gebot
ist. Und wir wissen auch, daß der Widerstand heute gegen sowjetischen
Militarismus und Aggression es uns ermöglicht, in Zukunft-die Wege des
Friedens, der Entspannung und der Schlichtung wieder zu begehen.
Wir haben unsere nahezu einzigartige Einigkeit bei unserer Ablehnung
von Terrorismus, Entführung und Angriffen auf unschuldiges diplomatisches

- 2 -

�diplomatisches Personal demonstriert sowie hinsichtlich der Linderung
des Leidens vieler Millionen Flüchtlinge in der ganzen Welt.

Wir haben

uns zur gleichen Übereinstimmung verpflichtet» was die Absicht der Überwindung unserer gemeinsamen wirtschaftlichen Herausforderungen anbelangt.
Wir fahren fort, die inflationären Kräfte zu bekämpfen, die das Vertrauen
vergiften, auf dem unsere Wirtschaftssysteme gegründet sind.

Wir alle

wissen nur zu gut, daß diese Schlacht noch lange nicht gewonnen ist.
Sie zwingt uns zu einer noch größeren gemeinsamen Anstrengung.
In unserem eigenen Land waren wir seit der Übereinkunft des Gipfeltreffens
von Tokio bei der Reduzierung von ölimporten sehr wirkungsvoll und haben
einen seit langem anhaltenden Aufwärtstrend umgekehrt. Ich habe gerade
heute die Zahlen erhalten: In den ersten Monaten dieses Jahres sanken die
öleinfuhren unseres Landes um 13,4 Prozent unter diejenigen des gleichen
Zeitraums im Vorjahr - ein Hinweis nicht einmal so sehr auf unsere eigene
Leistung, sondern auf das Ergebnis dieser Gipfeltreffen, die sich in
der Vergangenheit schon so greifbar auf das Leben unseres Volkes ausgewirkt
haben.
Wir sind entschlossen - wie der französische Präsident gesagt hat -, die
Verkettung zwischen unserem wirtschaftlichen Wachstum und unserem Ölverbrauch aufzubrechen. Wir haben uns ehrgeizige Ziele für alternative
Energiequellen gesetzt, um öl durch Kohle und Ölschiefer, von der Sonne
hergeleitete Energie sowie durch Energie aus Getreide und Bäumen zu ersetzen - dem Äquivalent von zwischen 15 und 20 Millionen Barrel öl pro
Tag gegen Ende dieses Jahrzehnts.
Und wir haben konkrete, definitive Maßnahmen beschlossen, mit
denen wir dieses Ziel erreichen können. Dies sind keine Zahlen, die der
Öffentlichkeit unbegründet vorgelegt werden. Diese Verpflichtung ist für
uns alle bindend.
Mit

- 3 -

�Mit Ölverbrauch sowie Exploration und Entwicklung alternativer
Energiequellen - einschließlich unserer gewaltigen Kohlevorrä'te - stellt
sich uns ein Abenteuer, eine aufregende Möglichkeit zum Gebrauch unseres
Einfallsreichtums und unseres Könnens.
Und schließlich stehen wir, was die armen Länder dieser Welt anbelangt,
vor einer weiteren Herausforderung - jene Länder, die durch die ungerechtfertigten und exzessiven öl Preiserhöhungen

der OPEC-Staaten in besonderem

Maß geschwächt wurden. Auch hier müssen wir unsere Sorge mit konkreten
Maßnahmen in Einklang bringen.

Denn ohne solche Maßnahmen werden wir vor

einem sich beschleunigenden Kreislauf der Entfremdung, Verzweiflung und
des Aufruhrs stehen.
Wir werden diese Frage der Hilfe, des Beistands und des Handels
bis zum nächsten Jahr, wenn diese Gipfelkonferenz erneut zusammentritt,
1n allen Einzelheiten analysieren.

Wir teilen die Verantwortung unter-

einander und mit den Entwicklungsländern, um ein besseres Leben für uns
alle zu erzielen.

Wir wissen, daß der Hunger, unter dem viele dieser

Völker leiden, nicht nur ein Hunger nach Nahrungsmitteln ist, die unser
Land, Gott sei Dank, im Überfluß hat.

Es ist zugleich ein Hunger nach

gegenseitigem Respekt, nach gegenseitigem Verständnis und nach gegenseitiger Unterstützung; wir sind uneingeschränkt auf Gegenseitigkeit
hierzu bereit.
Wir erkennen diesen Hunger nach gleicher Behandlung und Gleichheit
der Beziehungen an, und wir haben beschlossen, alles zu tun, was wir
können, um diesen Hunger mit Würde und mit gleicher Behandlung zu stillen.
Was wir angesichts dieser Gefahren und Chancen tun, ist Maßstab
unseres Willens zum überleben als freie Gesellschaften. Es gibt nicht mehr
viele echte Unterschiede zwischen Innenpolitik und Außenpolitik, zwischen
militärischer Stärke und Stärke im Bereich von Wirtschaft oder Energie,

�Energie, zwischen wirtschaftlicher Gesundheit und politischer Vitalität.
Diese Faktoren und die Kennzeichen eines Lebens in einem Staat sind
eng miteinander verwoben und untrennbar.

All diese Elemente müssen

miteinander verschmolzen werden, um die Grundlage für echte Sicherheit
zu bieten - Sicherheit für die Zukunft wie für die Gegenwart.
Hier in Venedig sind wir gemeinsam diese ganze Bandbreite von
Herausforderungen angegangen, und gemeinsam haben wir unsere Antwort
entworfen. Unsere Gastgeber haben uns durch ihre Gabe der Gastfreundschaft
diesen Weg und die Gelegenheit zu Harmonie und greifbarer Zusammenarbeit
eröffnet. Wir schulden den Behörden der italienischen Republik unseren
Dank für die Vorbereitung und Koordinierung unserer Arbeit, insbesondere
unserem Vorsitzenden, Ministerpräsident Cossiga und den Einwohnern von
Venedig, die unseren Aufenthalt hier so angenehm machten.
Wir verlassen dieses Treffen mit Dank für ihre Hilfe, angeregt durch
ihr Beispiel, wie sie selbst die Probleme lösen und dazu verpflichtet,
durch unsere gemeinsame Arbeit zu zeigen, wie sehr wir die Opfer schätzen,
die sie für unsere Bequemlichkeit gebracht haben.
Wir werden nun in unsere eigenen Länder zurückkehren, um von uns
selbst mehr Opfer zu fordern. Es wird ohne Zweifel einige geben, die sich
den Verpflichtungen widersetzen werden, die wir hier eingegangen sind,
und den Versprechungen, die wir hier einander gegeben haben. Manche
werden versuchen, die Durchführung unserer Maßnahmen hinauszuzögern.
Aber ich bin zuversichtlich, daß unsere demokratischen Gesellschaften
diese Lasten der Freiheit auf sich nehmen werden, anstatt dann, wenn wir
versagen, noch weit drückendere Lasten von außen auferlegt zu bekommen.
Wir sind freiwillig zu unseren Schlußfolgerungen gekommen, wie sich
dies für eine Verbindung freier Völker ziemt. Wir haben uns über Wege
geeinigt, wie wir die Sicherheit unserer freien Welt garantieren können.

- 5 -

�können. Jetzt werden wir unverzüglich zeigen, daß wir das Werkzeug der
Demokratie handhaben können, um eine Zukunft in Freiheit zu bauen.
Dies war eine überaus erfreuliche Erfahrung für mich und von großem
Nutzen für unser Land. Die Verbindung mit den anderen Führern, die ihre
bedeutenden Länder vertreten, ist in der Tat ein wesentliches Element bei
der zukünftigen Gestaltung des Lebens des Volkes der Vereinigten Staaten
von Amerika. Ich stehe in ihrer sowie, Herr Vorsitzender, besonders in
Ihrer Schuld und in der des italienischen Volkes und der Einwohner dieser
schönen Stadt.

+ + + + +

�1

Dokumentation

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2. Juli 1980

31

BEGRÜSSUNGSANSPRACHE PRÄSIDENT CARTERS AUF DEM BELGRADER FLUGHAFEN

BELGRAD - (AD) - Bei seiner Ankunft auf dem Belgrader Flughafen
am 24. Juni 1980 hielt Präsident Carter folgende Ansprache:
Herr Präsident, jugoslawische und amerikanische Freunde, ich habe
mich auf diesen Tag seit dem März 1978 gefreut, als mich Präsident Tito
einludt, nach Jugoslawien zu kommen.
Ich bin der Präsidentschaft der Sozialistischen Bundesrepublik von
Jugoslawien sehr dankbar, daß sie diese Einladung erneuert hat.
Meine Freude über den Besuch dieses stolzen und schönen Landes wird
getrübt durch die Trauer, die wir alle angesichts des Ablebens von Präsident
Tito fühlen. Er war ein großer Mann, einer der größten des 20. Jahrhunderts. Er war einer jener Handvoll Staatsmänner, von denen man wirklich
sagen kann, daß sie die moderne Welt gestaltet haben - und er war einer
von jener noch kleineren Handvoll, die sie zum besseren hin gestaltet haben.

Er

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T e | e x : 08-85432

�Er war ein Mann von außergewöhnlichem Mut, von physischem, moralischem
und politischem Mut.

Zudem war er ein Mann der Einbildungskraft und der

seltenen Art praktischer Einsicht, jener Art Vision, die nicht nur erkennt,
wie eine bessere Welt aussehen könnte, sondern zugleich, wie die unvollkommenen Werkzeuge, über die wir verfügen, eingesetzt werden können, um
beim Aufbau einer besseren Welt zu helfen.
Präsident Titos Beitrag zur Entwicklung eines starken, unabhängigen
und blockfreien Jugoslawien hatte natürlich nicht seinesgleichen, aber
sein Beitrag zum internationalen Frieden und zur internationalen Stabilität
war nicht weniger bedeutsam.
Ich hatte das Privileg, mit Präsident Tito zusammenzuarbeiten.
Ich habe seinen Ratschlag zutiefst geschätzt, der das Ergebnis von so
viel Weisheit und Erfahrung war.

Er teilte diese Weisheit sehr großzügig

mit mir, sowohl im direkten Gespräch als auch durch die vielen Briefe,
die wir austauschten.
. •

.

-

;

-

:

,

,

,

Ich teile Ihre Trauer über sein Ableben und Ihre Bewunderung für
seine Leistung.

Präsident Tito hinterließ ein kostbares Vermächtnis,

ein starkes, unabhängiges und blockfreies Jugoslawien.
•

.

.

'

•

.

Ich bin nach Belgrad gekommen, um Sie der Freundschaft und der
Unterstützung der Vereinigten Staaten beim Ausbau dieses Vermächtnisses
zu versichern. Präsident Tito widmete einen großen Teil seiner Anstrengung
der Schaffung guter Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern. Heute
ist die Grundlage dieser Beziehungen fest und dauerhaft.
&gt;

•

In den vergangenen drei Jahren sind
beiden Ländern zudem noch sichtbar enger
darauf, mit Ihnen zusammenzuarbeiten, um
In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen,

- 2 -

die Bande zwischen unseren
geworden und ich warte nur
sie noch fester zu gestalten.
Herr Präsident, heute erneut

�erneut die grundlegende Kontinuität der amerikanischen Politik gegenüber
Jugoslawien zusichern.
Die Vereinigten Staaten unterstützen die unabhängige territoriale
Integrität und Einheit Jugoslawiens und werden dies auch weite hin tun.
Die Vereinigten Staaten möchten ein wirtschaftlich blühende m d politisch
starkes Jugoslawien sehen. Die Vereinigten Staaten respektieren Jugoslawiens
Blockfreiheit und bewundern Jugoslawiens konstruktive internationale Rolle.
Wir sind bereit, eng mit Ihnen zusammenzuarbeiten, um die • weitergehende Entwicklung eines unabhängigen Jugoslawien zu gewährleisten, denn
wir wissen, daß Ihre Unabhängigkeit nicht die Schöpfung einer äußeren
Macht ist, sondern des Mutes und des Opfers des jugoslawischen Volkes.
Und wir wissen zugleich, daß das große Bollwerk Ihrer Unabhängigkeit
Ihre eigene leidenschaftliche Entschlossenheit ist, sie zu verteidigen.
Diese Entschlossenheit ist wahrscheinlich der Schlüsse! zu der
besonderen Rolle, die Jugoslawien in der Welt spielt.
ein Vorreiter der Blockfreiheit
freien.

Jugoslawien war

und ein Gründer der Bewegung der Block-

Auch heute bleibt Jugoslawien ein bedeutender Führer dieser

Bewegung - sowohl militärisch als auch wirtschaftlich und politisch.
Jugoslawien hat eine Politik echter Blockfreiheit verfolgt, die
ihm den Respekt der ganzen Welt erbracht hat. Gerade jetzt, zu einer Zeit,
da die Prinzipien der Gleichheit, der Nichteinmischung und der territorialen
Unverletzlichkeit bedroht sind, gewinnt Jugoslawiens standhafte Verteidigung
der Prinzipien der Vereinten Nationen und der blockfreien Bewegung neue
Bedeutung.
Wir wissen, daß Jugoslawien einen bedeutsamen Beitrag zur Lösung
der internationalen Probleme und zur weiteren Entwicklung der Entspannung
zwischen West und Ost beitragen kann. Auch die Vereinigten Staaten wünschen

- 3 -

�wünschen eine Stärkung der Entspannung, und wir werden eifrig auf dieses
Ziel hinarbeiten.
sein.

Aber Entspannung muß auf Gegenseitigkeit gegründet

Es muß auf wechselseitige Zurückhaltung gegründet sein.

Und es

muß gegründet sein auf der Achtung vor den Prinzipien der Souveränität,
der territorialen Integrität und der Nichteinmischung in die Angelegenheiten anderer Staaten.
Dies sind die Prinzipien des internationalen Lebens, für die
Jugoslawien stets gekämpft hat.

Gleichzeitig sind die Vereinigten Staaten

nachdrücklich der Meinung, daß die Anstrengungen zur Verminderung der
Möglichkeiten eines Atomkriegs weitergehen müssen, genauso wie ü4€ Anstrengungen zur Schaffung eines internationalen Systems, das dabei hilft,
die Spannungen zu verringern und Frieden, Sicherheit, Freiheit und wirtschaftliches Wohlergehen zu fördern.
Trotz der Krisen, die heute die Welt bedrängen, bleiben die Vereinigten
Staaten auch weiterhin der Erhaltung des Rahmenwerkes der Entspannung
verpflichtet sowie der Aufrechterhaltung eines Dialogs zwischen den
Staaten der Welt, wobei wir besonders die Gespräche und Verhandlungen über
Rüstungskontrolle und Abrüstung unterstützen, wo immer sie zu beiderseitiger
Sicherheit und zu internationaler Stabilität beitragen können.
Wir urterstützen zugleich die Folgekonferenz der Schlußakte von
Helsinki in Madrid, die unserer Überzeugung nach zur umfassenden und freimütigen Überprüfung des bisherigen Fortschritts und zu ausgewogenen
Schritten in allen Bereichen der Schlußakte beitragen kann.
Herr Präsident, ich freue mich auf unsere Gespräche über diese und
andere Themen.

Wir sind begierig, Ihre Vorstellungen über die Wege zu

hören, auf denen Jugoslawien und die Bewegung der Blockfreien zur Lösung
der vielen schwierigen Probleme beitragen können, vor denen die Welt steht.
Herr
- 4 -

�Herr Präsident, unsere Zeit hier ist kurz und wir haben viel zu
besprechen, aber wir werden auf der Grundlage gemeinsamer Vorsätze aufbauen.

Ich freue mich sehr, hier zu sein.

Ich bringe Ihnen und dem ganzen

Volk von Jugoslawien die wärmsten Wünsche des Volkes der Vereinigten
Staaten.

Vielen Dank für diese freundliche Aufnahme.

+ + + + +

- 5 -

�Dokumentation

IUI C*

I a

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2. Juli 1980

31

PRÄSIDENT CARTERS TOAST BEIM STAATSBANKETT IN BELGRAD
Anmerkungen zu möglicher Übergangsregelung in Afghanistan

BELGRAD

- (AD) - In seiner Tischrede im Verlauf des Staatsbanketts

in Belgrad anläßlich seines Besuches unterstrich Präsident Carter am
24. Juni 1980, daß die Vereinigten Staaten nach einem sowjetischen Rückzug
aus Afghanistan bereit seien, sich Zusicherungen und Übereinkommen zur
Schaffung eines wirklich unabhängigen, blockfreien Afghanistan mit einer
für das afghanische Volk annehmbaren Regierung anzuschließen.
Die Tischrede des Präsidenten hatte folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, werte amerikanische Kollegen und jugoslawische
Freunde!
Obgleich dies mein erster Besuch in Jugoslawien ist, so hat das
besondere Verhältnis zwischen unseren Ländern bereits sieben amerikanische
Präsidenten einbezogen, angefangen mit Harry Truman. Ich bin hier, um
die Kontinuität dieser Beziehungen zu bestätigen. Ich bin hier, um unsere

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Telex: 08-85432

0 5 3 0 0

�unsere standhafte Unterstützung der Unabhängigkeit, territorialen
Integrität und Einheit Jugoslawiens sowie unseren Respekt für die blockfreie Haltung Jugoslawiens erneut zu bekräftigen.
Dies sind die Prinzipien, die Präsident Tito und ich während seines
Besuchs in den Vereinigten Staaten vor etwas über zwei Jahren unterstrichen
haben.

Sie sollen wissen, daß sie heute für die amerikanische Politik

noch genau so im Mittelpunkt stehen wie damals.
Mit großer Trauer zolle ich hier heute abend Präsident Tito einen
persönlichen Tribut.

Ich betrachte ihn als einen Freund und zugleich

als einen Staatsmann von ungewöhnlichem Einfallsreichtum.

Ich schätzte

seinen Rat, seine Weisheit und seine Ansichten. Aus unserer privaten
Korrespondenz, die sogar noch während seiner letzten Krankheit andauerte,
gewann ich tiefe Einsichten.
Die großen Männer der Geschichte hinterlassen manchmal die Nationen,
die sie geführt haben, mit ungenügendem Rüstzeug, um sich der Welt ohne
sie zu stellen. Was mich während meines kurzen Besuchs hier beeindruckt
hat, ist die Tatsache, wie reibungslos Sie die Herausforderung des Übergangs bewältigt haben. Das ist eine Würdigung nicht nur des Weitblicks
von Präsident Tito, sondern zugleich der Hingabe und des Patriotismus
seiner politischen Erben. Ein Mann wie Präsident Tito kann nicht ersetzt
werden. Es liegt in der Natur solcher Menschen, daß sie unersetzlich
sind. Aber der Mut und der Erfindungsreichtum des jugoslawischen Volkes
garantieren, daß Präsident Titos Lebenswerk in den kommenden Jahren
voranschreiten wird.
Jugoslawiens unerschütterliche Verteidigung der Prinzipien echter
Blockfreiheit und der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten
unabhängiger Staaten ist in der instabilen und verworrenen Welt von heute
von besonderer Bedeutung.
Die_
- 2 -

�Die Vereinigten Staaten respektieren eine solche Politik.

Als

Präsident ist es stets meine Hoffnung gewesen, daß wir in vielen Bereichen
der Welt von Konflikt auf Frieden übergehen könnten.

Ich erwartete

bedeutsame Leistungen bei der Rüstungskontrolle durch die Ausführung von
SALT II. Die Ratifizierung dieses Vertrags wurde zeitweise vereitelt,
aber nicht aufgegeben.
Wir sind tief betroffen, daß ein ungerechtfertigter Akt bewaffneter
Aggression in Afghanistan andauert, neben Ihnen eines der Gründungsmitglieder der blockfreien Bewegung - ein kleines Land, das für niemanden
eine Bedrohung darstellte.
Die große Mehrheit der Länder der Welt hat in einer außergewöhnlichen
Abstimmung durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen den unverzüglichen
und bedingungslosen Abzug aller ausländischen Truppen aus Afghanistan
gefordert.
Wir wollen, daß ein unabhängiges und bündnisfreies Afghanistan wiederhergestellt wird, das mit all seinen Nachbarn in Frieden leben und zur
Stabilität dieses Gebietes beitragen kann.
Bei Abzug aller sowjetischen Truppen aus Afghanistan wären wir bereit,
uns Garantien und Abmachungen anzuschließen, um ein wahrhaft unabhängiges,
bündnisfreies Afghanistan mit einer für das afghanische Volk akzeptablen
Regierung zu begründen.
Wir wären bereit, uns um eine Übergangsregelung zu bemühen, die
zusammen mit dem unverzüglichen Abzug aller sowjetischer Truppen aus
Afghanistan durchgeführt werden kann, damit Frieden und Ruhe in diesem
leidenden Land wieder hergestellt werden.
Herr

- 3 -

�Herr Präsident, unsere Gespräche heute sind auch auf die ernsten
Konsequenzen des politisch motivierten Terrorismus eingegangen.
Ich spreche im Namen eines jeden amerikanischen Bürgers, wenn ich
sage, wie dankbar wir für das klare und unumwundene Eintreten Jugoslawiens
für die Freilassung des amerikanischen diplomatischen Personals sind,
das in diesem Augenblick im Iran als Geiseln gefangengehalten wird, unter
Verletzung jedes Gebotes nicht nur des Völkerrechtes, sondern auch des
einfachsten Anstands.
Ich möchte meinerseits nochmals betonen, daß meine Regierung keine
terroristischen Akte gegen jugoslawische Vertreter und Einrichtungen in den
Vereinigten Staaten dulden wird, und daß wir allen politischen Bestrebungen,
die auf die Unterminierung der Einheit und territorialen Integrität
Jugoslawiens abzielen, energisch entgegenwirken werden.
•

-

Herr Präsident, unsere heutigen Gespräche haben mich in meiner
Ansicht bestärkt, daß Jugoslawiens Konzeption der Blockfreiheit keine
passive, die Entscheidung meidende Haltung ist, sondemein kühnes, kreatives
und ideenreiches Herangehen an die Probleme der Welt, vor allem der
Entwi cklungslander.
Und unsere Gespräche haben noch etwas bekräftigt: Daß wir beide,
Jugoslawien und die Vereinigten Staaten, die bilateralen Beziehungen
zwischen uns stärken wollen - und daß wir dies auf der Basis der Unabhängigkeit, der Gleichberechtigung und der gegenseitigen Achtung tun
wollen.
Ich möchte Ihnen im Namen meiner Familie und meiner Mitarbeiter für
Ihre großzügige Gastfreundschaft und Herzlichkeit danken. Ich freue
mich auf einen weiteren Gedankenaustausch mit Ihnen über internationale
Fragen, über die wir so viele miteinander zu vereinbarende Ansichten

�Ansichten haben, und auch über bilaterale Fragen, bei denen wir in den
letzten Jahren einen so großen Fortschritt erzielt haben.
Ich möchte mein Glas erheben:
Auf die Präsidentschaft der Sozialistischen Föderativen Republik
Jugoslawien und ihren Präsidenten, seine Exzellenz Cvijetin Mijatovic;
auf eine starke und blühende Sozialistische Föderative Republik
Jugoslawien;
auf die Völker Jugoslawiens, deren Unabhängigkeitsliebe wir bewundern
und unterstützen; und
auf die weitere Stärkung der jugoslawisch-amerikanischen Freundschaft
für die Sache des Friedens und der Stabilität in der Welt.

+ + + + +

- 5 -

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

31

2. Juli 1980

CARTER-INTERVIEW MIT JUGOSLAWISCHEN MEDIENVERTRETERN

Präsident Carter gewährte je einem
Vertreter des jugoslawischen Fernsehens und der Zeitung "Politika"
am Vorabend seiner Europa-Reise ein
Interview, das am Abend des 23. Juni 1980
gesendet und in der Ausgabe der "Politika"
vom 24. Juni veröffentlicht wurde. Das
Interview hat folgenden Wortlaut:

FRAGE: Herr Präsident, obwohl sich die amerikanisch-jugoslawischen
Beziehungen seit langem schon günstig entwickelt hatten, glaubt man,
daß sie sich während Ihrer Präsidentschaft besonders rasch fortentwickelt
haben. Wie sehen Sie in dieser Hinsicht Ihre erste Reise nach Jugoslawien?
Was erwarten Sie von diesem Besuch?
ANTWORT:

Allem voran bin ich sehr gespannt auf Jugoslawien. Wir

hatten, wie Sie wissen, die Ehre eines Besuchs Ihres Präsidenten Tito*
Sein Besuch und seine Ratschläge hatten so erfreuliche Ergebnisse, daß

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�daß man offenkundig sagen kann, wir unterhalten gegenwärtig mit Jugoslawien
die besten Beziehungen, die seit vielen Jahren zwischen uns bestanden haben.
Zweitens betreiben wir eine geradlinige Politik gegenüber Jugoslawien
gemäß unserer Verpflichtung hinsichtlich dessen Unabhängigkeit, territorialer
Integrität und Einheit - seit über 30 Jahren, seit Präsident Truman mein
Amt bekleidete.
Drittens, wir teilen uns in eine ganze Reihe bilateraler Sorgen um
Frieden und Stabilität, um die Verhinderung von Akten des Terrorismus
und der Aggression, um die Rolle, die die Völker der Bewegung der Blockfreien
spielen sollen, und natürlich auch um die Möglichkeiten zur Verbesserung
der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen. Ich freue mich besonders auf
das Zusammentreffen mit den neuen Führern in Jugoslawien. Vielleicht
kann ich ihnen, da unser Zusammentreffen nach der Wirtschaftsgipfelkonferenz
in Venedig stattfindet, Bericht über das erstatten, was sich die wichtigsten
Industrieländer des Westens von der Zukunft in bezug auf Inflation,
Arbeitslosigkeit, Energie und Handel erhoffen. Deshalb meine ich,daß
es ein interessanter und auch sehr nützlicher Besuch für uns sein wird.
FRAGE: Die Jugoslawen und der größte Teil der internationalen
Öffentlichkeit haben Kenntnis von der weit über das übliche Maß hinausgehenden Intensität der persönlichen Korrespondenz zwischen Ihnen und
Präsident Tito.
Können Sie uns sagen, wie es zu diesem Austausch persönlicher
Botschaften kam, und welche Bedeutung er hatte?
ANTWORT: Er war für mich wie für Ihr Land äußerst wichtig. Ich
hatte Präsident Tito und seinen Beitrag zur Entwicklung unabhängiger
Nationen und zur Erhaltung des Friedens und der Freiheit nicht nur der
Menschen in Ihrem Land, sondern auch in vielen anderen Ländern überall

- 2 -

�überall auf der Erde seit langem schon bewundert. Als ich Präsident
wurde, eröffnete ich den Gedankenaustausch gewissermaßen auf Versuchsbasis
und er ging begeistert darauf ein. So tauschten wir viele lange Briefe
aus, die ihrem Wesen nach geheim und vertraulich waren - dabei aber äußerst
offen in der Erörterung der Probleme unserer beiden Länder ui 1 unserer
Beziehungen, und auch in der Diskussion von Ereignissen, di s ch in
anderen Ländern abspielten,aber von Belang für uns waren. D.^ Ratschläge
und Hinweise, die er mir gab, waren wohlüberlegt, tief durchdacht und
gestützt auf seine langjährigen Erfahrungen im Umgang mit führenden
Politikern der Welt und mit Völkern überall auf der Erde, die E - sehr
viel besser kannte als ich. Als er zu seinem offiziellen Bes. h hier
in Washington eintraf, kamen wir sofort sehr gut miteinander zurecht,
was wir beide als erfreulich empfanden; somit dürfte die lange S e n e von
Mitteilungen, die als Teil unserer geheimen Korrespondenz hin und her gingen,
auch für ihn eine große Hilfe gewesen sein, unser Volk und seine derzeitige
Politik besser zu verstehen. Für mich jedenfalls waren sie äußerst hilfreich.
FRAGE:

Gestatten Sie mir, Herr Präsident, natürlich nur, wenn es

sich um keine Staatsgeheimnisse handelt, zu fragen:

Gibt es irgend-

welche Einzelheiten in diesem persönlichen Briefwechsel mit Präsident
Tito, an die Sie sich erinnern?
ANTWORT: Aissich die Beziehungen innerhalb der blockfreien Bewegung
und auch die zwischen uns und der Sowjetunion änderten, als wir nach einer
Basis für eine stärkere Entspannung und für den Frieden suchten, als wir
um die Grundsätze der SALT-Vereinbarungen zur Begrenzung der nuklearen
Waffen rangen und natürlich auch später, als sich die Geiselfrage ergab
und die Sowjets in Afghanistan einmarschierten - diese Art von aktuellen
Problemen wurde zwischen uns diskutiert. Ich empfing seinen Rat und
ich gab ihm natürlich Auskunft über die Politik unseres Landes in bezug
auf die jeweiligen Fragen.
Er

- 3 -

�Er hat sich bei seinem Besuch hier sehr wohl gefühlt und ich habe
keinen Zweifel, daß er hoch erfreut war über die Bewunderung, die ihm
mein eigenes Volk so offenkundig entgegengebracht hat.
FRAGE:

Sie haben die Bedeutung der Bewegung der Blockfreien unter-

strichen, der Jugoslawien als ein sehr aktives Mitglied angehört; man
hat in jüngster Zeit aber den Eindruck, daß von den Blockfreien in der
amerikanischen Politik weniger häufig die Rede ist.

Teilen Sie diesen

Eindruck, und was ist Ihre Position und Haltung, was die Blockfreiheit
für die Weltpolitik von heute angeht?
ANTWORT: Das ist eines der Themen, die Präsident Tito und ich in
aller Breite miteinander erörtert haben: Die Unterwanderung der Bewegung
der Blockfreien, die von ihrer Anfangsphase an mit dem wachsenden Einfluß
beispielsweise der Kubaner begonnen hat, die offensichtlich von der
Sowjetunion beherrscht werden und mit dieser verbündet sind; und dann die
Frage, wie die wirklich nicht blockgebundenen Länder unter der Führung
Indiens und Jugoslawiens die Integrität der Bewegung angesichts der
starken Rolle der Kubaner wiederherstellen könnten. In Vorbereitung
seiner Teilnahme an der Konferenz von Havanna legte er mir einige der
Grundsätze dar, die dort diskutiert und erörtert werden sollten, und ich
glaube,daß er auf der Konferenz der Bewegung der Blockfreien in Havanna
einen bemerkenswerten Erfolg in seinem Bemühen verzeichnen konnte, die
ganze Bewegung wieder auf die wahre Unabhängigkeit und Blockfreiheit zurückzuführen.
Wir machen uns ernste Sorgen über die Integrität und das Gewicht
der Bewegung der Blockfreien. Ich weiß, daß Präsident Tito gegen Lebensende wie seine Nachfolger heute sehr darauf drängte, die wahre Blockfreiheit wiederherzustellen. Die sowjetische Invasion Afghanistans ist
eine ernste Abkehr von der Achtung vor den blockfreien Ländern. Auch
wenn Afghanistan die Charta der Bewegung der blockfreien Länder nicht

4 -

�nicht unterzeichnet hat, war es dennoch ein blockfreies Land bis die
Sowjets einmarschierten.

Diese Beeinträchtigung der Integrität kleinerer

und schwächerer Nationen hat ihm und mir große Sorgen bereitet.
FRAGE:

Aber Sie halten die Bewegung der Blockfreien für einen

wichtigen Faktor in der Politik von heute?
ANTWORT:

Ja, für äußerst wertvoll für die Aufrechterhaltung des

Friedens und der Stabilität in der Welt und auch für die Bemühungen,
wirtschaftlichen Herausforderungen wie der explosionsartigen Erhöhung
der Energiepreise entgegenzutreten.

Was die blockfreien Länder tun und

sagen, ist,dessen bin ich sicher, sehr wichtig für unsere

beiden Länder,

für die Sowjetunion und für die übrige Welt.
FRAGE: Ihre Regierung, Herr Präsident, weiß um die Notwendigkeit
ernster Veränderungen in der Struktur der Wirtschaftsbeziehungen der
Welt. Dennoch ist aber auf diesem Gebiet bisher fast nichts geschehen.
Was sehen Sie als einen gangbaren Weg aus der Stagnation heraus hin zu einer
neuen wirtschaftlichen Form?
ANTWORT:

Meiner Meinung nach kann man zutreffend sagen, daß wir dank den

regionalen Entwicklungsbanken, des Internationalen Währungsfonds und auch
der bilateralen Wirtschaftshilfe - durch die Ausweitung des Handels, durch
die Beseitigung protektionistischer Schranken und durch Maßnahmen des
Kulturaustauschs - viele Fortschritte in Richtung auf die wirtschaftliche
Entwicklung erzielt haben.

Dies gilt für unsere Beziehungen zu Jugoslawien

und zu anderen Ländern und für die Beziehungen der anderen Länder untereinander, die uns nicht unmittelbar berühren.
Die öl Preiserhöhungen durch die OPEC-Länder haben allerdings die
Energiekosten so in die Höhe getrieben, daß viele Länder gegenwärtig fast
ihre gesamten Exporterlöse auf den Kauf von öl aus den OPEC-Staaten zu

- 5 -

�zu den explosionsartig gestiegenen Preisen verwenden müssen.

Die OPEC-

Preise haben sich beispielsweise im Verlauf des Jahres 1979 mehr als
verdoppelt.

Sie stiegen stärker an, als je zuvor in der Geschichte seit

der ersten Entdeckung von Erdöl.

Wir selbst haben große Energievorräte,

sind aber noch immer ein großer Importeur.

Diese Entwicklung hat die

Weltwirtschaft erschüttert, und wir sind gegenwärtig dabei, Mittel und
Wege zur Einsparung von Energie zu suchen und alternative Energieformen
zu entwickeln, die nicht vom öl abhängig sind.
Wir machen meines Erachtens langfristig gesehen Fortschritte auf diesem
Gebiet, mußten aber aufgrund der unerwarteten ülpreisexplosion Rückschläge
hinnehmen.
FRAGE:

Manche Leute behaupten, das Erdöl sei teuer, während andere

sagen, die Computer seien auch teuer - was $11en wir aber mit jenen Ländern
tun, die keine Computer und auch kein Erdöl besitzen?
ANTWORT: Mehrere Länder haben natürliche und menschliche Ressourcen,
die sie bei ausreichenden Investitionen und nach Schaffung angemessener
Mittel zum Absatz ihrer Produktion anzapfen können. Ich bin der Auffassung,
daß der größte Aktivposten unseres Landes - historisch und über Jahrzehnte
hinweg gesehen - unsere landwirtschaftlich nutzbaren Bodenflächen sind,
die uns zur Erzeugung von Nahrungsmitteln und Faserstoffen für die ganze
übrige Welt befähigen. Offensichtlich verdanken wir den technischen
Fortschritt unserem, den Wettbewerb fördernden System der freien Wirtschaft,
das wir auf der Basis nahezu unbegrenzter natürlicher Hilfsquellen an
Mineral Stoffen, wachsender Wälder und ertragreicher Böden errichtet haben.
Aber jedes Land ist anders. Was wir heute zu tun versuchen, ist,
ein Marktsystem für die Welt zu schaffen, die Handelsschranken zu beseitigen und die leicht verwundbaren ärmeren Länder zu schützen, die häufig
nur ein oder zwei Exportgüter erzeugen, aus deren Absatz sie die dringend

�dringend benötigte Kaufkraft schöpfen können.
Wir haben unter meiner Führung auch eine Kommission zum Problem
des Hungers in der Welt eingesetzt. Sie soll für eine gerechtere Verteilung der Nahrungsmittel Vorräte sorgen und die nur über sehr schlecht
entwickelte Anbaumethoden verfügenden Völker dahin bringen, mit dem in
diesem Land entwickelten besseren Saatgut, Methoden der künstlichen
Bewässerung und verbesserten Düngemitteln mehr zu erwirtschaften. Wenn
wir mit unseren Technikern in jene kleinen, in der Entwicklung begriffenen
Ländern gehen, um ihnen dabei zu helfen, lernen wir selbst vio dazu,
was uns sehr zugute kommt.
FRAGE: Es ist viel die Rede von sehr schwierigen Zeiten hinsichtlich
der Entspannung. Wir wollen auch darüber sprechen. Wenn wir von der
Annahme ausgehen, daß sich gewisse kritische Streitfragen nicht innerhalb
sehr kurzer Zeit lösen lassen, was wird dann Ihrer Meinung nach in der
Zwischenzeit mit der Entspannung geschehen?
ANTWORT: Wir versuchen das Wesen der Entspannung herauszustellen das heißt, der Aggression entgegenzutreten und die Bedrohung des Weltfriedens zu beseitigen. Das muß gleichzeitig geschehen. Die Entspannung
und die Aussichten auf den Weltfrieden haben infolge der ungerechtfertigten
sowjetischen Invasion Afghanistans einen Rückschlag erlitten. Selbst
angesichts dieser sehr ernsten Entwicklung versuchen wir auch weiterhin
auf jede nur mögliche Weise, den Frieden der Welt zu erhalten, die Verbreitung
von Kernwaffen zu begrenzen und gleichzeitig ein besseres Einverständnis
unter den Nationen wiederherzustellen.
Insbesondere in Afrika und Asien haben wir neue Kommunikationswege
im Verhältnis zu Ländern wie Nigeria

geschaffen und davor schon zu

Ägypten, das früher kein sehr enger Freund von uns war.

Und in jüngerer

Zeit haben wir unsere Beziehungen zu China normalisiert.
Wir
- 7 -

�Wir wollen der Aggression auch weiterhin entgegentreten - ebenso
wie der Verfolgung von Menschen in Ländern wie Kambodscha und Äthiopien,
aus denen viele Flüchtlinge zu entkommen trachten.

Das gleiche gilt

natürlich für Afghanistan und neuerdings auch Kuba. Wir drängen gleichzeitig auf eine größere Achtung vor den Menschenrechten und der menschlichen
Freiheit.
Die Erhaltung des Friedens und der Stabilität, die Suche nach Methoden
zur Begrenzung der Kernwaffen, die Verbesserung der Kommunikationen unter
den Völkern und der Schutz der Menschenrechte - das sind meiner Auffassung
nach die Grundlagen für die Vorbereitung und die Durchführung der Entspannung.
FRAGE:

Wir nehmen Ihre Auffassung hierzu gerne zur Kenntnis.

Kann

eine europäische Konferenz mithelfen, gewisse positive Errungenschaften,
die uns die internationale Zusammenarbeit im Rahmen der Entspannung
eingebracht hat, mindestens für Europa zu bewahren?

Was halten Sie von

der KSZE-Folgekonferenz in Madrid?
ANTWORT:

Meiner Meinung nach war die Konferenz (KSZE-Folgekonferenz)

von Belgrad insofern ein historisches Ereignis, als sie

den Völkern -

verschiedenen Völkern mit verschiedenen Perspektiven - die Möglichkeit
bot, nach Gemeinsamkeiten zu suchen, auf die sie ihre Pläne für die
Zukunft gründen können.
Wir werden nach Madrid mit der Verpflichtung gehen, das weiter
auszubauen, was in Helsinki entschieden wurde:

Sorge zu tragen für

mehr Sicherheit unter den Völkern; für ein Nachlassen der Spannungen,
die sich aufgrund mißverstandener Absichten zwischen den Völkern ergeben
könnten; für die Förderung der Menschenrechte; und für die Entwicklung
besserer wirtschaftlicher Beziehungen.

Es

�Es wird in Madrid Schwierigkeiten geben.
zutreffende Vorhersage.

Ich halte das für eine

Wir sind aber auch der Auffassung, daß wir

gemeinsam unsere Grundsätze verwirklichen und die in Helsinki gegebenen
Zusagen ihrem Geiste nach erfüllen können.
FRAGE: Herr Präsident, zum Schluß möchte ich eine persönliche
Frage an Sie richten. Sie sind nunmehr fast vier Jahre im Amt, und ich
erinnere mich noch daran, als Sie es antraten. Sie sagten e-inmal, es
sei eine sehr schwere Bürde und es gebe Beschränkungen für das, was
ein Präsident tun kann. Wenn Sie nunmehr den Blick auf eine neL'e Amtszeit richten, fühlen Sie da die Bürde der großen Hoffnungen, di. Sie zu
Beginn hegten, nicht noch stärker?
ANTWORT: Ich glaube schon, daß ich nicht alle Belastungen vorausgesehen habe. Und ich habe auch die Begrenzungen hinsichtlich der Lösung
der Probleme der Welt nicht vorausgesehen. Wir sind eine Supermacht,
aber wir haben es mit anderen freien und unabhängigen Ländern zu tun,
die eine andere Perspektive haben als wir selbst. In einer freien Welt,
in der Völker ihre Entscheidungen nach eigenem Gutdünken treffen, kommt
es zwangsläufig zu Meinungsverschiedenheiten.
Dennoch haben wir Fortschritte erzielt. Die Welt befindet sich im
Grunde im Frieden. Wir haben Fortschritte in der Festlegung der Grundsätze für die SALT II-Vereinbarungen gemacht, deren Ratifizierung wir
doch noch erleben werden, um dann zu SALT III und zur Begrenzung der weitreichenden nuklearen Mittelstreckenraketen (LRTNF) überzugehen. Wir
haben neue Beziehungen zu einem Viertel der Menschen dieser Erde geknüpft zur Volksrepublik China. Wir haben unter schwierigsten Umständen bemerkenswerte Fortschritte im Nahen Osten erzielt: mit Friedensverträgen,
die nunmehr zwischen Israel und der wichtigsten arabischen Nation bestehen,
und wir arbeiten nunmehr, unter schwierigen Umständen, wie ich schon sagte,
auf weitere Fortschritte hin. Ich glaube,wir haben das NATO-Bündnis gestärkt

- 9 -

�gestärkt und die Beziehungen zwischen uns und Jugoslawien waren, wie
Sie vorher schon sagten, nie besser.
Wir machen also Fortschritte.
und ohne Zittern und Zagen.

Wir stellen uns den Problemen offen

Wir schrecken nicht zurück, wenn es gilt,

schwierige Entscheidungen zu treffen.

Der Schaden, den Vietnam und die

Watergate-Schwierigkeiten in unserem eigenen Land angerichtet haben,
ist im wesentlichen repariert.

Wir haben heute ein im Geist in seiner

Einigkeit viel stärkeres Land, obwohl es mit einigen wirtschaftlichen
Problemen zu kämpfen hat; diese sind aber auch nicht ganz so ernst, wie
die vieler anderer Länder.
Im allgemeinen bin ich zufrieden mit den Fortschritten, die wir
bisher gemacht haben.

Ich hoffe, daß ich wiedergewählt und die Chance

haben werde, meinem Land vier weitere Jahre zu dienen.

Wenn sich diese

Hoffnung erfüllt, werden wir weitere Fortschritte machen.
FRAGE:

Wir danken Ihnen sehr für dieses Interview, Herr Präsident.

ANTWORT: Es war mir ein Vergnügen, und ich freue mich auf meinen
Besuch in Jugoslawien.

+ + + + +

- 10 -

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