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                  <text>7Vj

Information
und
Dokumentation

\TJ

afJ[J

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30

25. Juni 1980

INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Herausforderung des westlichen Bündnisses
Afghanistan: Die Beweggründe für die Reaktion der NATO
von George S. Vest
Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten
NATO« Stärkung der transatlantischen Zusammenarbeit
von Robert W. Komer
Unterstaatssekretär im US-Verteidigungsministerium

Um Übef/endung von
ßckqcKcmplorcn wird
gebeten

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D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�30

25. Juni 1980

DIE HERAUSFORDERUNG DES WESTLICHEN BÜNDNISSES

AFGHANISTAN: DIE BEWEGGRÜNDE FÜR DIE REAKTION DER NATO
von George S. Vest
Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten

NATO: STÄRKUNG DER TRANSATLANTISCHEN ZUSAMMENARBEIT
von Robert W. Komer
Unterstaatssekretär im US-Verteidigungsministerium

Unterstaatssekretär George S. Vest
vom amerikanischen Außenministerium
und Unterstaatssekretär Robert W. Komer
vom Verteidigungsministerium haben in
den nachfolgenden Artikeln die Auffassung
der Vereinigten Staaten zu der sowjetischen
Invasion in Afghanistan und die aus
ihrer Sicht notwendigen Reaktionen des
Nordatlantischen Bündnisses dargelegt.

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�30

25. Juni 1980

AFGHANISTAN: DIE BEWEGGRÜNDE FÜR DIE REAKTION DER NATO
von George S. Vest

Strategisch gesehen, stellt die sowjetische Invasion Afghanistans
eine erhöhte Bedrohung für das Nordatlantische Bündnis dar, vor allem
wenn man sie vor dem Hintergrund der langfristigen sowjetischen Aufrüstung
in Osteuropa und des Strebens Moskaus sieht, seine Macht in der ganzen
Welt darzustellen. Und diese Bedrohung kann noch größer werden, wenn
die sowjetische Führung die Fähigkeit der NATO, sich auf eine gemeinsame
und langfristige Reaktion auf diese jüngste Herausforderung zu einigen,
falsch einschätzen würde.
Am 14. Mai dieses Jahres kamen die Außenminister der an der militärischen
Integration des Bündnisses beteiligten Länder mit den Verteidigungsministern
dieser Länder zur Halbjahreskonferenz des Verteidigungs- Planungsausschusses
der NATO in Brüssel zusammen. Es war das erstemal seit der sowjetischen
Invasion der Tschechoslowakei im Jahre 1968, daß Außen- und Verteidigungsminister des Bündnisses sich auf diesem Forum trafen. Ihr Hauptaugenmerk
war auf Afghanistan gerichtet. Die Bedeutung der sowjetischen Invasion dort

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0 5 3 0 0

�dort geht weit über die in der Tschechoslowakei hinaus.

Zum erstenmal

seit dem Zweiten Weltkrieg haben reguläre Einheiten der sowjetischen Landund Luftstreitkräfte die Grenzen eines Landes außerhalb des Warschauer
Paktes überschritten.
Die Konferenz in Brüssel unterstrich den Ernst, mit dem das Bündnis
diese neue Herausforderung des Weltfriedens und der internationalen Stabilität
betrachtet.

Und da die Verteidigungsprogramme des Bündnisses auf den Grund-

lagen der Außenpolitik beruhen, war die gemeinsame Tagung geeignet,
sicherzustellen, daß die Führer im Kreml klar verstehen, daß sich die NATO
über die Auswirkungen des sowjetischen Handelns einig ist und sich auf
eine gemeinsame Verteidigungsreaktion darauf verständigt hat.
Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß die sowjetische Aggression
in Afghanistan - einem scheinbar fernab liegenden Land - eng mit der
Sicherheit Westeuropas und der Vereinigten Staaten zusammenhängt. Damit
soll nicht gesagt werden, daß wir der Auffassung seien, die Sowjets planten
die Anwendung direkter militärischer Gewalt gegen Europa selbst in naher
Zukunft, sondern vielmehr soll bekräftigt werden, daß ihre neue Position
in Afghanistan eine subtilere, wenn auch keineswegs weniger ernste Bedrohung
der Nordatlantischen Gemeinschaft darstellt:
-

Der Zugang zum öl des
amerika lebenswichtig
der Zeit, als sich die
Instabilitäten in der

Persischen Golfs, der für Europa und Nordist, ist heute stärker gefährdet, als zu
Sorgen des Westens auf im wesentlich interne
Region Südwestasien beschränkten.

-

Obwohl der sowjetische Schritt nur der jüngste, wenn auch ohne
Zweifel flagranteste Übergriff auf die Dritte Welt ist, so bleibt
die Tatsache bestehen, daß die Sowjets gezeigt haben, daß sie, wenn
sie es für notwendig erachten, bereit sind, ihre Streitkräfte über
die Grenzen und über die Grenzen ihrer Verbündeten im Warschauer

�Warschauer Pakt hinaus einzusetzen.
-

Während der letzten fünfzehn Jahre sind die konventionellen Streitkräfte und die nuklearen Mittel Streckensysteme (TNF) der Sowjetunion
vis-a-vis Westeuropa ständig verstärkt worden und übersteigen heute
in ihrer Stärke alle vernünftigen Verteidigungserfordernisse ganz
beträchtlich.

Gleichzeitig haben die Sowjets ihre Fähigkeit zur

weltweiten Darstellung ihrer Macht stetig weiter entwickelt und
haben mit der Erprobung dieser Fähigkeiten in Afrika, im Indischen
Ozean und in S'üdostasien begonnen.
-

Es besteht ein ernstes Risiko, daß die sowjetischen Führer die
Lebhaftigkeit der gegenwärtigen Debatte in der NATO über grundlegende Risse im Bündnis falsch verstehen und versucht sein könnten,
die Situation weiter auszunutzen.

Die Brüsseler Tagung der Außen- und Verteidigungsminister der NATO
war daher darauf ausgerichtet, jeden Zweifel auszuräumen, den die sowjetischen
Führer an der Reaktion des Bündnisses auf die Invasion Afghanistans haben
könnten.
Die Minister verurteilten die sowjetische Handlung nachdrücklich als
eine Bedrohung des Weltfriedens und der internationalen Stabilität. Und
sie einigten sich auf eine Reihe kurz- und längerfristiger Verteidigungsprogramme, um die dringendsten Mängel in der NATO-Verteidigung zu beheben.
Sie kamen ferner in unmißverständlichen Formulierungen überein, daß die
Notwendigkeit der Wiederherstellung des Gleichgewichts in Südwestasien,
das durch die sowjetische Aggression gestört wurde, eine Neuverteilung der
Sicherheitslasten im Bündnis erfordert.
Sie

- 3 -

�Sie einigten sich darauf, daß zumindest kurzfristig das Ungleichgewicht
in Südwestasien durch einen raschen Aufbau von Sicherheitsvorkehrungen
gegen jede weitere sowjetische Expansion dort behoben werden muß.

Die

Vereinigten Staaten müssen dabei notwendigerweise den Hauptteil dieser
Last übernehmen.
Da die Vereinigten Staaten diese Last nicht tragen und gleichzeitig
alle ihre erhöhten Beiträge zur Verbesserung der Verteidigung Europas
verwirklichen können, wie sie in dem Langfristigen Verteidigungsprogramm
der NATO vorgesehen sind, haben die europäischen Verbündeten zugestimmt,
Anpassungen ihrer Beiträge zu den langfristigen Plänen für die Modernisierung
der konventionellen Streitkräfte der NATO vorzunehmen.

Dazu gehören solche

Gebiete wie erhöhte Einsatzbereitschaft, raschere Mobilisierung von Reserven,
erhöhte Einlagerung von Munitions- und Materialreserven für den Ernstfall,
Verbesserung der Verteidigung zur See, Erweiterung der strategischen
Luftbrücken-Kapazität, wirksamere europäische Unterstützung der nordamerikanischen Verstärkung Westeuropas, Militärhilfe für Portugal und
die Türkei sowie Verbesserungen der militärischen Infrastruktur der NATO.
Diese Neuverteilung der Lasten bedeutet in keiner Weise, daß die
Sicherheit Europas in den grundlegenden amerikanischen Prioritäten einen
geringeren Rang erhielte. Ja, es ist vielmehr so, daß Außenminister Muskie
und Verteidigungsminister Brown ihren Kollegen in Brüssel versichert haben:
"Die Sicherheit des NATO-Gebietes bleibt ein zentrales Anliegen der
amerikanischen Politik, und die Vereinigten Staaten haben keine Pläne,
irgendwelche amerikanischen Streitkräfte, die ständig in Europa stationiert
sind, für einen Einsatz in Südwestasien abzuziehen."
Es wird zwar eine Verlagerung eines geringen Teils der amerikanischen
Seestreitkräfte geben, die jetzt im Mittelmeer stationiert sind, und im
Fall einer größeren Konfrontation in Südwestasien möglicherweise auch v_oini

- 4 -

�von Seestreitkräften im Atlantik, aber es ist und bleibt eine Tatsache, daß
die Vereinigten Staaten Europa weiterhin als die Grenze für die Sicherheit
der Vereinigten Staaten betrachten.

Außenminister Muskie hat dies am

14. Mai so ausgedrückt: "Die Lasten, die wir tragen, um unsere kollektive
Verteidigung aufrechtzuerhalten, sind keine Lasten, die wir edelmütig
für andere tragen, sondern Lasten, die wir in kluger Weise für uns selbst
tragen."
Wenn wir das sagen, dann erwarten wir jedoch weiterhin von unseren
Verbündeten, daß die Lasten des Opfers gerecht verteilt werden, wenn es
darum geht,durch Entwicklungen in Südwestasien entstehende neue Bedrohungen
der Stabilität zu begegnen.
Das Bündnis muß im vernünftigen Selbstinteresse gegen diese jüngste
sowjetische Bedrohung aufstehen. Obwohl diese Bedrohung weitab vom NATOTerritorium erfolgte, so hat sie doch direkte Auswirkungen auf unser aller
Lebensinteressen.
Die Vereinigten Staaten haben nach dem Zweiten Weltkrieg erkannt, daß
ihre Sicherheit nicht mehr länger in den Vorstellungen einer "Festung
Amerika" gewährleistet werden kann.

Heute könnte das Atlantische Bündnis

durchaus an einem ähnlichen Punkt anlangen.

Damit soll keine Veränderung

in den traditionellen Grenzen des Vertragsgebiets der NATO vorgeschlagen
werden, sondern betont werden, daß sich die NATO jetzt kollektiv darauf
einigen muß, wie sie die Sicherheit innerhalb dieser Grenzen gewährleisten
will, und zwar in Begriffen,die weit über diese Grenzen hinausreichen,
angefangen mit dem Gebiet,aus dem 60 Prozent der öllieferungen kommen,
die für unser wirtschaftliches Wohlergehen so entscheidend wichtig sind.
Die Tagung vom 14. Mai zeigt sicherlich, daß das Bündnis jetzt bereit
ist, kollektiv auf die Ereignisse in Südwestasien zu reagieren.

Und ich

bin sicher, daß in den kommenden Wochen und Monaten die Festigkeit und

- 5 -

�. :

und Dauerhaftigkeit dieser Reaktion die Sowjetunion von der Verführung
abhalten wird, unsere Entschlossenheit und unsere Einigkeit falsch einzuschätzen.
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�25. Juni 1980

NATO: STÄRKUNG DER TRANSATLANTISCHEN ZUSAMMENARBEIT
von Robert W. Komer

Ich glaube, daß nunmehr innerhalb des Atlantischen Bündnisses generelle
Einigkeit darüber herrscht, daß die sowjetische Invasion Afghanistans
eine ausgewogene, langfristige westliche Antwort erfordert.

Das Treffen

der Außen- und Verteidigungsminister aus den Ländern, die der integrierten
Militärstruktur der NATO angehören, am 14. Mai 1980 war ein Meilenstein
auf dem Weg zur Entwicklung einer solchen Antwort.
Die zunehmende Bedrohung des westlichen Zugangs zum lebenswichtigen
Erdöl des Persischen Golfs bedarf kaum der Erläuterung. Die Gesundheit
unserer Volkswirtschaften, von denen wiederum unsere Verteidigung abhängt,
steht womöglich auf dem Spiel. Die sowjetische Invasion Afghanistans
läßt mit ziemlicher Sicherheit auf eine zunehmende sowjetische Bereitschaft
schließen, brutale Militärgewalt unter solch einladenden Umständen anzuwenden.
Die

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0 5 3 0 0

�Die Invasion muß zudem gesehen werden vor dem Hintergrund des gewaltigen Zuwachses sowjetischer Militärmacht im Lauf der letzten 20 Jahre.
Wir in der NATO wurden in den letzten Jahren in zunehmendem Maß dadurch
alarmiert.

Wir reagieren darauf mit unserer Verpflichtung zu einem

dreiprozentigen Realzuwachs des Verteidigungshaushalts und dem Langfristigen
Verteidigungsprogramm, das auf dem NATO-Gipfeltreffen im Jahr 1978 beschlossen wurde.
Afghanistan hat die amerikanische Erkenntnis der sowjetischen Bereitschaft geschärft, die wachsende militärische Stärke dazu zu verwenden, die
sowjetische Macht entweder direkt oder durch Vertreter weitab von der
Sowjetunion selbst zu demonstrieren.

Aus diesem Grund begreifen wir zugleich

die Notwendigkeit einer gemeinsamen globalen Antwort.
Stärke oder Schwächt

Eine einmal erkannte

in Nordostasien oder in Europa kann nicht ohne

Auswirkungen auf die sowjetische Kalkulationen bleiben, was in SUdwestasien
machbar ist.

Und so wird auch die Abschreckung sowjetischer Abenteuerlust

im Bereich des Persischen Golfs beeinträchtigt, wenn die Staaten, die zu
Gegenmaßnahmen in der Lage wären, sich vor solchen Schritten fürchten, weil
sie anderswo verwundbar sind.
Die Vereinigten Staaten aber sind das einzige größere Land der
Freien Welt, das ausreichende Fähigkeiten zur Demonstration weitreichender
Macht hat, um im Namen der anderen wie im eigenen Namen diese Rolle der
Abschreckung oder - falls notwendig - der Verteidigung gegenüber dem
sowjetischen Expansionismus in diesem Schlüsselbereich zu übernehmen.
Wir rechnen mit der Hilfe der bedrohten Regierungen in diesem Gebiet
und der amerikanischen Verbündeten. Dennoch wird die Hauptlast notwendigerweise auf die Vereinigten Staaten fallen.
Diese neue große Last für die Vereinigten Staaten - zusätzlich zu
unserer vorrangigen Verantwortung für die Aufrechterhaltung des strategischen
und taktischen Nuklearschirms, zur Kontrolle der Meere im Namen des Bündnisses

- 2 -

�Bündnisses und zu einem substantiellen Beitrag zur Abschreckung in Europa
und Nordostasien - wird unvermeidlich eine Umorientierung der amerikanischen
Militärmittel aus anderen Bereichen bedeuten, sollte es zu einem dringenden
Notfall in Sü'dwestasien kommen.

Obwohl wir versuchen, unsere Schnellen

Eingreiftruppen soweit möglich aus Streitkräften zu rekrutieren, die keine
NATO-Verpflichtungen haben, so werden doch einige Umgruppierungen sogar
in Friedenszeit notwendig sein - und könnten im Fall einer ernsten Krise
im Persischen Golf ziemlich umfangreich sein.
Die Vereinigten Staaten haben bereits die folgenden Schritte unternommen, um die westlichen

Möglichkeiten im Indischen Ozean und im

Bereich des Persischen Golfs zu verbessern:
-

Wir haben einen Zerstörer und eine Fregatte zu unserer Streitmacht
im Mittleren Osten zum ständigen Einsatz verlegt;

-

Wir haben unsere Streitmacht im Mittleren Osten vorläufig durch
zwei zusätzliche Zerstörer vergrößert;

-

Wir haben vorläufig eine unserer beiden Flugzeugträger-Kampfgruppen
aus dem Mittelmeer in den Indischen Ozean verlegt.

Sollte sich die Situation im Persischen Golf zu einer grcßBren
Konfrontation auswachsen, so müßten wir auf unsere Schnellen Eingreiftruppen zurückgreifen.
Taktische Flugzeugstaffeln könnten aus den Vereinigten Staaten nach
Südwestasien verlegt werden, und auch andere Luft- und Bodenstreitkräfte
könnten eingesetzt werden.
Zusätzlich zu den Einheiten, die bereits in unsernSchnellen Eingreiftruppen zusammengefaßt sind, prüfen die Vereinigten Staaten, welche noch

- 3 -

�noch umfangreicheren Streitkräfte notwendig sein könnten, um auf einen so
großen Ernstfall in Slidwestasien reagieren zu können, für den sogar die
derzeit aufgestellten Eingreiftruppen nicht ausreichend sein würden.
Sogar die Dislozierung von Truppen in bescheidenem Umfang würde im
Eventualfall notwendigerweise eine erhebliche Auslastung amerikanischer
Luft- und Seetransportkapazitäten erfordern, die natürlich zugleich nötig
sind, um amerikanische Dislozierungen in Europa und Nordostasien zu unterstützen.
Dennoch - und dies ist von grundlegender Bedeutung - haben diese
möglichen Verminderungen der Verfügbarkeit amerikanischer Streitkräfte für
die NATO keinerlei Einfluß auf die Bedeutung der NATO für die grundlegende
Politik Amerikas.
In der Tat wollen wir Verminderungen der amerikanischen Streitkräfte
und amerikanischer Ausrüstung im europäischen NATO-Bereich vermeiden, wie
dies während des Vietnam-Konflikts und im Verlauf der Nahostkrise 1973
geschah.
Die Vereinigten Staaten haben noch immer die Absicht, mit dem Programm
der raschen Verstärkung für Europa weiterzumachen. Wenn Europa seinen
Anteil an der "transatlantischen Zusammenarbeit" erfüllt, werden wir
unsere Verpflichtung aufrecherhalten, innerhalb von 10 bis 14 Tagen nach
der Dislozierungsentscheidung unsere Landstreitkräfte in Europa mehr als
zu verdoppeln und unsere taktischen Luftstreitkräfte zu verdreifachen.
Dennoch spreche ich nur einen ganz einfachen Tatbestand aus, an dem wir
alle nicht vorbeikommen: Wenn die Vereinigten Staaten umfangreiche Streitkräfte nach Südwestasien dislozieren müssen, um dem gemeinsamen Interesse
zu dienen, so wird dies unvermeidlich in einem gewissen Maß zu Lasten
unserer Fähigkeit gehen, die NATO oder Nordostasien in einem Eventualfall
direkt zu unterstützen.
Daher
- 4 -

�Daher brauchen wir eine bessere "Arbeitsteilung" zwischen den
Vereinigten

.Staaten und ihren Verbündeten, weil wir in einem zusätzlichen

kritischen Gebiet der Welt die Hauptlast für Abschreckung und Verteidigung
übernehmen müssen.

Dies bedeutet in der Tat, daß unsere Verbündeten mehr

tun müssen, um die Verteidigung der Freien Welt in der NATO und in anderen
Bereichen zu stärken.

Wir drängen indessen nicht auf eine große Zahl neuer

Initiativen "made in Washington".
Davon liegen der NATO schon mehr als genug vor mit den bestehenden
Zielsetzungen für die Streitkräfte und dem Langfristigen Verteidigungsprogramm.

Stattdessen schlagen wir die Beschleunigung ausgewählter be-

stehender Programme vor - über die man sich im Bündnis schon weitgehend
geeinigt hat.
Wesentlich aber bleibt, daß wir NATO-Mitglieder zumindest unserer
Verpflichtung nachkommen müssen, eine dreiprozentige reale jährliche
Zuwachsrate in den Verteidigungsausgaben auf jeden Fall zu erzielen.
Ein Nachlassen unserer Anstrengungen in dieser Hinsicht kann in Moskau
nicht anders als ein Zeichen unseres Versagens angesehen werden, die harten
Entscheidungen zu treffen, die zur Erhaltung unserer eigenen Sicherheit
notwendig sind.

Dies ist nicht nur eine Aufgabe für die größeren Verbündeten.

Auch die kleineren Mitglieder des Bündnisses spielen entscheidende Rollen
und müssen ihrerseits ihren Beitrag leisten.
Als Antwort auf die Notwendigkeit unmittelbarer kurzfristiger Initiativen
seitens aller Verbündeten, werden die Vereinigten Staaten ihrerseits:
-

so rasch wie möglich mit der Produktion unserer neuen großen
Kampfpanzer vorangehen;

-

die Beschaffung von Materialreserven für die Land- ind Luftstreitkräfte beschleunigen;
die
- 5 -

�-

die Maßnahmen zum Schutz all unseres militärischen Personals
gegen eine nukleare, biologische und chemische Kriegsführung
beschleunigen;

-

weitere Seeüberwachungsflugzeuge einsetzen und die Indienststellung
von Raketen-Schnellbooten beschleunigen;

-

eine rasche Dislozierung von

Nah-Luftverteidigungssystemen

für Flugplätze planen, soweit dies notwendig ist;
-

in Anerkennung der Erfordernisse der NATO die Streitkräfte zur
Luftaufklärung im Gefechtsfeld ausweiten;

-

etwa 14 Tanker der Handelsschiffahrt dafür bestimmen, mit Heckausrüstungen zum Auftanken anderer Schiffe versehen zu werden; und

-

wie bereits angelaufen das "Maritime Poinf'-Luftverteidigungsprogramm und das HARPOON-Antischiffsraketen-Programm - beschleunigen.

Wenn wir angesichts der eklatanten sowjetischen Aggression ein
deutlichen Signal gemeinsamer Entschlossenheit geben wollen, müssen
alle Verbündeten ihre entsprechenden kurzfristigen Maßnahmen innerhalb
der nächsten 12 Monate durchführen.
Aber diese kurzfristigen Initiativen sind lediglich ein erster
Schritt in Richtung auf eine Befriedigung dringlicher Erfordernisse des
Bündnisses. Wir müssen außerdem die langfristigen Maßnahmen beschleunigen,
um die Verminderung der NATO-Abschreckung auszugleichen, die durch die
Notwendigkeit geschaffen wird, daß die Vereinigten Staaten die Antwort
des Bündnisses in Südwestasien verstärken:

Die

- 6 -

�-

Die NATO bedarf besserer Nutzung ihrer europäischen Mannschaftsreserven und besserer Mobilisierungsverfahren.

Die Maßnahmen im

Rahmen des Langfristigen Verteidigungsprogramms, die zusätzliche
Reservekampfeinheiten erfordern, sollten von Vorschlägen rein
studienhaften Charakters übergehen zu konkreten Schritten und
sollten beschleunigt werden.
-

Die Bevorratung an Ausrüstung und Material für den Ernstfall sollte
in Europa erhöht werden.

-

Die Vereinigten Staaten brauchen den Beistand der zivilen Luftfahrt der Verbündeten, um bei der Erfüllung der europäischen
Zielsetzungen

zur Verstärkung behilflich zu sein - besonders dann,

wenn eine umfangreiche Verlegung amerikanischer Streitkräfte in
ein anderes Gebiet notwendig sein sollte.
-

Wir alle benötigen noch größere Beweglichkeit bei der Dislozierung
der verfügbaren Seestreitkräfte sowie qualitative Verbesserungen.
Desgleichen bedarf es der Verbesserungen bei der landgestützten
taktischen Luftunterstützung für Marineoperationen.

-

Die geplante Überprüfung des Finanzplafonds des laufenden Fünfjahres-Infrastrukturplans (1980-1984) nach Ablauf der ersten
Hälfte sollte beschleunigt werden.

NATO-Kommandeure lassen keinen

Zweifel daran, daß zusätzliche Mittel notwendig sind, um bekannte
Mängel der Infrastruktur auszugleichen - einschließlich der wichtigen
neuen Erfordernisse für die Stationierung der weitreichenden
nuklearen Mittel Streckensysteme (TNF).
-

Weitere Maßnahmen im Rahmen der Zielsetzungen des derzeitigen
Langfristigen Verteidigungsprogramms und anderer NATO-Programme
mögen den verbündeten Staaten wert erscheinen, sie beschleunigt

- 7 -

�beschleunigt durchzuführen. So werden zum Beispiel 1n den USA
stationierte Streitkräfte und erste Verstärkungen in noch größerem
Maß auf die rechtzeitige Bereitstellung der Unterstützung des Gastlandes angewiesen sein, wenn kurz vorher oder gleichzeitig eine
Dislozierung amerikanischer Streitkräfte zum Persischen Golf
stattfinden sollte. Daher haben wir unsere Verbündeten und die
zuständigen NATO-Stellen dazu ermutigt, noch weitere Maßnahmen
vorzuschlagen.
Die Pläne fUr die Verbesserungen der Verteidigung existieren bereits.
Wir Amerikaner drängen nur auf Dinge, Über die bereits Obereinstimmung
herrscht - zumindest 1m Prinzip. Und wenn wir uns zumindest an unsere
bereits gegebene Zusage zu einem Realzuwachs der Verteidigungsausgaben um
Jährlich drei Prozent halten, dann wird nach unserer Überzeugung das meiste
von dem, was nötig Ist, auch finanziert werden können. So suchen wir erneut
Jene Solidarität bei der Antwort auf die auftauchenden Verteidigungsaufgaben, wie wir sie 1977, 1978 und beim TNF-Programm 1979 gezeigt haben.

+ + + + +

�</text>
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