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BrU

Information
und
Dokumentation

ULag

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27

4. Juni 1980

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Carter:

Kein Abzug amerikanischer Truppen aus Europa

- Wortlaut des CBS-Fernsehinterviews "Face the Nation" (c) 1980 CBS, Inc.
Carter gegen europäische Nahost-Initiative
- Auszüge aus dem Interview mit "Cable News Network" -

HINTERGRUNDMATERIAL
Rentabilität der Produktion synthetischer Brennstoffe
Real kosten noch schwerer abschätzbar - Auf längere Sicht Vorteil gegenüber Erdöl
- Von James R. Hardcastle -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�I

3n

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

4. Juni 1980

27

PRÄSIDENT CARTER: KEIN ABZUG AMERIKANISCHER TRUPPEN AUS EUROPA
- Wortlaut des CBS-Fernsehinterviews "Face the Nation" (c) 1980 CBS, Inc.

Präsident Jimmy Carter hat am
1. Juni 1980 in der Fernsehreihe
"Face the Nation" der amerikanischen
Fernsehgesellschaft CBS zu wirtschaftsund außenpolitischen Fragen Stellung
genommen und sich dabei unter anderem
gegen einen Abzug amerikanischer Truppen
aus Europa gewandt. Mit freundlicher
Genehmigung von CBS geben wir nachfolgend
das Interview im vollen Wortlaut in
deutscher Übersetzung wieder.

FRAGE: Herr Präsident, auf dem gleichen Stuhl, auf dem Sie jetzt
sitzen, hat vorige Woche ihr wichtigster Berater für Wirtschaftsfragen,
Charles Schultze, gesessen und gesagt, die Rezession sei den Anzeichen
nach beträchtlich steiler als angenommen, und die Arbeitslosigkeit werde

Postfach 20 0 3 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�werde wahrscheinlich höher sein als angenommen.
Ist Ihre Regierung bereit, Krisenpläne dafür auszuarbeiten, was getan
werden muß, wenn die Rezession so schlimm wird, wie einige Wirtschaftler es
voraussagen?
ANTWORT:

Ja, wir werden natürlich die Verhältnisse in der Wirtschaft

für den Rest des Jahres und darüber hinaus tagtäglich beobachten.

Wir sind

allerdings der Auffassung, daß unsere grundlegende Verpflichtung zur
Bekämpfung der Inflation die höchste Priorität behalten muß und daß wir die
Zinsen und die Inflationsrate senken müssen.

Hier gibt es bereits gute

Anzeichen.
Als Ergänzung dazu halten wir jedoch unsere gut funktionierenden
Programme der Bundesregierung aufrecht, um solchen Familien in jenen
Gemeinden zu helfen, die von der Arbeitslosigkeit betroffen sind, und wir
werden auch die Arbeitsbeschaffungsprogramme und die Wohnungsbauprogramme
sowie die Arbeitsbeschaffungsprogramme der Kommunen fortsetzen und verstärken, die dazu beitragen werden, die Rezession abzuschwächen, die wir
haben und die rascher gekommen ist,als wir erwartet haben, die aber nach
unserer Auffassung nicht lange dauern wird.
ZWISCHENTEXT: Von CBS News sehen Sie ein unmittelbares und nicht
vorgeprobtes Interview mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten im
Rahmen des Programms Face the Nation.
Präsident Carter wird von den CBS-Korrespondenten im Weißen Haus,
Lesley Stahl; dem Chef des Washingtoner Bureaus der Nachrichtenagentur
Associated Press (AP), Walter Mears,und von dem Moderator und CBS-Korrespondenten George Herman befragt werden.

Das

�Das Programm Face the Nation ist von CBS produziert und die Gesellschaft
ist allein verantwortlich für die Auswahl des heutigen Gastes und der
heutigen Befrager.
FRAGE:

Herr Präsident, ich möchte nicht auf diesem Punkt herumreiten,

aber könnten Sie uns eine Vorstellung geben, welcher Art die Anreizprogramme
sind, die Sie in Reserve halten, um sie anzuwenden, wenn sich die Rezession
als schlimmer und anhaltender erweisen sollte als erwartet?
ANTWORT: Zunächst einmal haben wir im Rahmen des Konzepts eines
ausgeglichenen Haushaltsvoranschlages und auch einer starken Verteidigung
keine jener Programme beschnitten, die mit den Alten zu tun haben, die
mit Jugendarbeitslosigkeit zu tun haben usw. Wir rechnen sogar in diesem
Sommer und im Sommer 1981 mit einer Million (neuer) Arbeitsplätze für
benachteiligte Jugendliche im Alter von 15 Jahren und darüber. Das wird
dazu beitragen, die Spannungen zu mildern, die in einem Wohngebiet herrschen
können, das von der Rezession hart betroffen wird.
Darüber hinaus kommt man nach meiner Überzeugung der Rezession am
besten mit dem bei, was wir mit unserer Inflationsbekämpfungspolitik bereits
getan haben - die Zinsen gehen stark zurück -,und ich kann Ihnen in diesem
Programm hier,ohne befürchten zu müssen, falsch zu liegen, voraussagen, daß
wir im Sommer im Gefolge dieses starken Rückgangs der Zinssätze einen
starken Rückgang der Inflationsrate erleben werden.

Das würde es erleichtern,

Häuser zu bauen und zu verkaufen, Autos zu bauen und zu verkaufen und das
Vertrauen des Verbrauchers auf längere Sicht wiederherzustellen.
Wir verfügen darüber hinaus noch über ein neues Programm.

Es ist

die einzige große neue innenpolitische Initiative, die wir dem Kongreß
vorgelegt haben, um zwei Milliarden Dollar über das hinaus bereitzustellen,
was bisher für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit zur Verfügung
stand.

Das Programm ist für jene, die geneigt sein könnten, die Oberschule

- 3 -

�Oberschule abzubrechen, und ihnen Arbeitsplätze zu verschaffen, vor allem
in der Privatindustrie, und eine Ausbildung, um diese Arbeitsplätze behalten
zu können.
Und schließlich versuchen wir uns vor zu einschneidenden Kürzungen auf
dem innenpolitischen Sektor durch den Kongreß zu bewahren, etwa auf dem
Gebiet der Arbeitsplatzbeschaffung durch die Gemeinden.

Und letztlich

haben wir auf dem Gebiet des Wohungsbaus die Hypothekengarantien für mit
Bundesmitteln unterstützte Häuser auf 240 000 Häuser in diesem Jahr und
auf 300 000 Häuser im Voranschlag für das Haushaltsjahr 1981 erhöht, plus
100 000 weitere im Rahmen des sogenannten Programms 235. Derartige Programme
werden dazu dienen, das Problem der Rezession zu mildern, aber mir wäre
natürlich auch lieber, wir hätten keine Rezession.
erleben.

Wir werden jedoch eine

Sie ist rascher und tiefgreifender gekommen als wir dachten.

In

der Wirtschaft sind bereits korrigierende Kräfte am Werk.
FRAGE:

Herr Präsident, in der abschließenden Debatte im Wahl kämpf 1976

erklärte Gerald Ford, daß die Öffentlichkeit sein Verhalten gegenüber der
Wirtschaft begreifen und schätzen werde.

Sie sagten, daß er sich schämen

sollte, bei 7,5 Millionen Arbeitslosen eine solche Erklärung abzugeben.
Sie sagten ferner, Arbeitslosigkeit und Inflation seien sehr schwere Anklagepunkte gegen die Ford-Administration.
Heute sind fast 7,3 Millionen Menschen arbeitslos,und die Inflation
ist schlimmer;als sie damals war. Warum sind das nicht ebenso schwere
Anklagepunkte gegen Ihre Administration?
ANTWORT: Es handelt sich um ein ernstes Problem. Wir stehen heute
vor völlig anderen weltweiten Umständen als vor vier Jahren. Erstens
konnten wir vor vier Jahren von einer sehr stabilen öl Preisentwicklung
profitieren, die uns die OPEC auferlegte. In den letzten Monaten des
Jahres 1974 und im ganzen Jahr 1975 erlebten wir nur sehr geringe Anstiege

- 4 -

�Anstiege des ölpreises.

Seit über einem Jahr sind die ülpreise auf welt-

weiter Basis um durchschnittlich 10 Prozent pro Monat gestiegen.
ölpreise haben sich in einem Jahr verdoppelt.

Die

Und unsere Wirtschaft muß

sich jetzt diesen Veränderungen anpassen.
In den letzten dreieinhalb Jahren haben wir netto 9,3 Millionen neue
Arbeitsplätze in unserem Lande geschaffen, und das ist bisher noch niemandem
gelungen.

Von diesen 9,3 Millionen Arbeitsplätzen erhielten beispielsweise

allein eine Million farbige Beschäftigte.

So haben wir die hohe Arbeitslosen-

rate abgeschwächt, die ich erbte, als ich im Januar 1977 mein Amt übernahm.
Und wir senken die Zinssätze.

Und wir werden, wie ich bereits gesagt

habe, erleben, daß die Inflationsrate im zweiten Halbjahr stark zurückgehen
wird und der Sommer eine gute Senkung bringen wird.
FRAGE: Herr Präsident, Sie haben in den meisten Ihrer Reden in jüngerer
Zeit von positiven Dingen gesprochen. In Ohio haben Sie am Donnerstag gesagt,
daß wir eine Wende in der Wirtschaft herbeigeführt haben. Sie betonen immer
wieder das, was Sie eben gesagt haben. Und doch nimmt die Arbeitslosigkeit
zu. Die jüngsten wirtschaftlichen Indikatoren sind die schlechtesten, seit
es sie gibt. Die meisten Wirtschaftler sagen, wir würden in eine tiefe
Rezession stürzen„
Warum sprechen Sie von all dem immer in so optimistischen Worten?
Fürchten Sie nicht um Ihre Glaubwürdigkeit?
ANTWORT: Nun, ich habe keinen Zweifel, daß wir in einer Rezession
stecken, die stärker ist, als wir angenommen haben - das habe ich schon
zweimal in dieser Sendung gesagt. Aber es gibt auch einige eingebaute
Korrekturfaktoren, die wir nutzen können, um die negative Auswirkung der
Rezession zu mildern - Senkung der Inflationsraten und der Zinssätze, was
den Wohnungsbau, den Automobil bau und die Verbrauchernachfrage beleben wird.

Wir
- 5 -

�Wir haben auch bessere Programme der Bundesregierung zu Buche stehen,
als wir in der Vergangenheit hatten, um den Familien zu helfen, die zeitweilig oder auf längere Zeit arbeitslos sind»

Ich habe beispielsweise den

Kongreß um rund 1,5 Milliarden Dollar ersucht - und ich habe keinen Zweifel,
daß er sie uns geben wird -, um jenen in der Autoindustrie Beschäftigten
zu helfen, die zeitweilig oder auf längere Zeit arbeitslos geworden sind.
Das ist nicht annähernd so gut wie eine Vollbeschäftigung, aber es hilft
den einzelnen Familien, die Folgen zu überwinden.
Wir können nicht voraussagen, wie schwer die Rezession sein wird.
Das kann niemand vorher sagen.

Aber wir werden das Problem von Tag zu

Tag verfolgen.

Und wenn es schlimmer und länger sein sollte, als wir

annehmen, dann

werden wir den Nachdruck auf jene Programme legen, die

bereits Wirkung zeigen,und wir werden den Kongreß einschalten.
FRAGE: Kein neues Programm? Wird es nur die Programme geben, die
in Kraft gesetzt wurden, bevor Sie wußten, daß die Rezession so schwer sein
würde?
ANTWORT:

Natürlich ist die Frage aufgetaucht, ob wir ein stimulierendes

Steuersenkungsprogramm einführen sollten.

Ich sehe keine Aussichten für

die Einführung eines stimulierenden Steuersenkungsprogramms in diesem Jahr,
Aber wir werden etwas tun, wenn wir übertriebene Bundesausgaben
kürzen können in Übereinstimmung mit dem Voranschlag für einen ausgeglichenen
Haushalt, den ich dem Kongreß vorgelegt habe, und wenn ich sicher bin,
daß die Steuersenkung ihrer Natur nach nicht inflationär sein wird, dann werden
wir damit beginnen, eine Steuersenkung vorzubereiten, deren Einführung 1981
vorgesehen werden kann, aber nicht in diesem Jahr.
FRAGE: Herr Präsident, in letzter Zeit legen Sie die Betonung auf
Sozial Programme,und Sie bekämpfen einen Vorschlag im Kongreß zur Erhöhung

�Erhöhung des Verteidigungshaushalts.

Dies taten Sie, obwohl die Chefs

des Gemeinsamen Stabes den ziemlich ungewöhnlichen Schritt unternahmen
und öffentlich dagegen Stellung bezogen. Wie können Sie angesichts dieser
Art Opposition Ihre Haltung hinsichtlich Erhöhung der Verteidigungsausgaben
rechtfertigen?

Und wie können Sie es dulden, daß die Chefs des Gemeinsamen

Stabes Ihnen gegenüber so viel Widersetzlichkeit an den Tag legen?
ANTWORT: Das ist nichts so Unerhörtes - und zudem völlig im Einklang
mit den Pflichten der Chefs des Gemeinsamen Stabes. Wenn man sie fragt:
Könnten Sie mehr Geld für die Verteidigung brauchen? Dann sagen sie "Ja".
Wenn Sie die Verantwortlichen für den Wohnungsbau, für Verkehr, für Erziehung
oder Soziales oder Gesundheit gefragt hätten: "Können Sie mehr Geld für
Ihre Programme brauchen?", dann hätten sie natürlich auch "Ja" gesagt. Das
beste ist, einen Blick auf die Vergangenheit zu werfen.
Während der acht Jahre republikanischer Regierung,bevor ich Präsident
wurde, gab es eine Nettominderung der Verteidigungsausgaben von 30 Prozent
in realen Dollar, 30 Prozent über einen Zeitraum von acht Jahren.

Ich bin

jetzt erst etwas über drei Jahre im Amt und wir haben einen sehr guten
Zuwachs...
FRAGE:
ANTWORT:
FRAGE:
ANTWORT:

Aber Sie kämpfen für...
Wir...wollen Sie, daß ich Ihre Frage beantworte?
Ja, Sir. Aber...
Nun gut. Aber., ich werde auch die zweite Frage beantworten.

Unsere Verpflichtung gegenüber der Verteidigung hat stark zugenommen.

In

diesem Zusammenhang haben wir das Verteidigungsministerium leistungsfähiger
gemacht.

Wir machten Schluß mit der Verschwendung von wortwörtlich Milliarden

Dollar im Verteidigungsministerium - unter meiner Führung und auch unter

- 7 -

�unter der Führung von Harold Brown - und die Chefs des Gemeinsamen Stabes
stimmten dem zu.

Ich trage also eine wesentliche Verantwortung dafür,

daß das Verteidigungsministerium leistungsfähiger wurde und sorgfältiger
abgestimmt mit unseren Erfordernissen zur Aufrechterhaltung der Sicherheit.
Dies kann man nicht machen, indem man in einem Jahr riesige Ausgaben hat
und im nächsten Jahr wegen einer Überreaktion eine empfindliche Verminderung.Nicht nur haben wir uns für die nächsten fünf Jahre zu dem anhaltenden
Wachstum verpflichtet, mit dem wir in den letzten drei Jahren begonnen
haben, sondern ich glaube auch, daß der Kongreß ebenso wie zukünftige
Präsidenten die Ratsamkeit dieses Schrittes erkennen und dieses ständige Wachstum
aufrechterhalten werden; denn ungeachtet der Inflationsrate ist es oberste
Priorität, unserem Land eine angemessene Verteidigung, uns allen Sicherheit
zu geben.
FRAGE: Angesichts der Art und Weise, wie unsere Verbündeten mit uns
zusammengearbeitet haben - oder wie sie dies nicht getan haben: Wenn wir
Geld beim Verteidigungshaushalt einsparen wollen, können wir welches einsparen,
indem wir mehr Truppen aus Europa abziehen und unseren Anteil an den NATOStreitkräften verringern?
ANTWORT: Das möchte ich nicht befürworten. Wir haben etwa 300 000
amerikanische Soldaten in Europa, um die Verteidigung unserer Verbündeten
zu unterstützen und auch um unmittelbar die Verteidigung unseres eigenen
Landes gegen eine kommunistische Aggression durch den Warschauer Pakt aufrechtzuerhalten. Ich würde eine solche Reduzierung dieser Truppen überhaupt
nicht befürworten.
Was wir seit meinem Amtsantritt getan haben, war der Vorschlag für
eine Verpflichtung der NATO-Verbündeten zuäner wohlüberlegten Erhöhung
der Verteidigungsausgaben über einen Zeitraum von 15 Jahren hinweg. Damit
im Einklag haben wir zusammen mit der Bundesrepublik Deutschland, Großbritannien und anderen einem jährlichen Zuwachs von real drei Prozent

�Prozent zugestimmt - zumindest bei den Bewilligungen und tatsächlichen
Ausgaben im Verteidigungsbereich.

Unsere Verpflichtung in diesem Land

in Einklang mit dem ausgeglichenen Haushalt, den ich vorgelegt habe, und
mit dem Fünfjahres-Plan ist es, über die Inflationsrate hinaus bei den
Bewilligungen für die Verteidigung einen Realzuwachs von vier Prozent zu
haben.

Das ermöglicht uns eine starke Zusage zur Verteidigung, Vorhersag-

barkeit und eine gute Planung.

Und dieser Verteidigungshaushalt wurde -

ganz nebenbei gesagt - von den Chefs des Gemeinsamen Stabes, dem Verteidigungsminister und mir selbst entworfen und gebilligt.
FRAGE: Herr Präsident, könnten Sie uns sagen, wie im Fall der
amerikanischen Geiseln in Teheran eine Wendung der Lage herbeigeführt
wird?
ANTWORT:

Wir haben hier keinen angemessenen Fortschritt erzielt.

Was wir von Anfang an getan haben, war der Versuch, das Leben und die Sicherheit
dieser Geiseln zu schützen angesichts der ursprünglichen Bedrohung, sie
vor ein Gericht zu stellen und sie hinzurichten; weiterhin der Aufbau
einer weltweiten grundlegenden Unterstützung für unsere Position, die Verurteilung des Iran und die Forderung an die iranische Regierung, diese
Geiseln zu schützen und freizulassen; schließlich eine angemessene Verpflichtung
zur militärischen und sonstigen Stärke unseres eigenen Landes, um die
Geiseln zu schützen und ihre Freilassung zu beschleunigen.
Wenn Sie sich erinnern, so waren wir anfangs einfach um ihr Leben
aufs höchste besorgt, denn jene Drohungen hinsichtlich ihrer Sicherheit
und ihr Leben wurden offen und öffentlich ausgesprochen. Wir stehen vor
einem schrecklichen Beispiel von internationalem Terrorismus, dem Festhalten unschuldiger Menschen als gewaltsam entführte Opfer - unterstützt
und gutgeheißen von der Regierung des Iran. Nicht nur haben unser Land
und unsere Verbündeten diese Handlungsweise verurteilt und ergreifen
jetzt multilaterale Wirtschaftssanktionen gegen den Iran, sondern auch

- 9 -

�auch die moslemischen Länder selbst - zu denen der Iran gehört - haben
kürzlich den Iran aufgerufen, die Geiseln freizulassen und diese Krise zu
beenden.
9Jßi2norJ
FRAGE:

Und dennoch sagt das iranische Parlament jetzt, daß es Ende

Juli werden könnte, bevor dort über das Schicksal der Geiseln auch nur
diskutiert wird?
ANTWORT:

Es ist meine Hoffnung und mein Gebet, daß sie sehr bald

entlassen werden. Aber ich kann es nicht vorhersagen.
.

FRAGE: Halten Sie es noch immer für eine Krise, Herr Präsident?
Wenn ich durch meine Notizen schaue, so bemerke i c h , daß Sie vor ein paar
Monaten, jedesmal wenn Sie Besucher im Weißen Haus hatten, das Thema erwähnten
und es selbst zur Sprache brachten« Jetzt kommt es mir so vor, als würden
Sie es seltener erwähnen und weniger o f t von selbst darauf kommen . I s t es
noch immer eine Krise? Sollten wir noch immer täglich im Radio und Fernsehen
sagen: Heute i s t der 100. oder der 200. Tag - oder welcher es auch immer
ist?
'• ~zo' 9*&lt;52nj
;, nsi'fB\
«enin9rg9fl srbarnßir erb riß gnu-isbiol .s'rb bnu nß'il asb gnul
ANTWORT:

Ja,

rios ;n928fi

rrasJUfbs us n

9'rb rnu f29bnßJ nsroors 29-i92nu 9&gt;hßt2 rteor.tano? bau figrloarißJ'r!" rt
FRAGE: Sollten wir die Fahnen noch immer auf halbmast setzen und gelbe
Bänder befestigen? Mit anderen Worten: I s t es noch immer eine Krise?
ngd9J trir mu riDß^rp
,9 fio"re öt'2 nri9W
ANTWORT:-vsWist noch immer eine Kriseast nnsb f ^eio29d sieria
*&lt;ov n9ris^£ "irfl .nsrbo
. fne^ö bnu ne^o nob-u
FRAGE: Warum sprechen Sie nicht darüber?9rqsf98 n s r h H ^ i r b ;
bn

ANTWORT:

Es gibt in meiner täglichen Arbeit keinen Augenblick, an dem

ich mir nicht der Tatsache bewußt b i n , daß 53 amerikanische Geiseln i n einem
Akt des internationalen Terrorismus vom Volk, von der Regierung und den_

- 10 -

�den Terroristen im Iran gefangengehalten werden.
Wir haben im Indischen Ozean und in der Region des Persischen Golfs
eine militärische Streitmacht, vorwiegend Seestreitkräfte, in Stellung
gebracht.

In der Hoffnung, die Geiseln zu befreien, haben wir einen

Rettungsversuch unternommen, der leider nicht erfolgreich war.
mit diesem Fehlschlag bewiesen wir
Geiseln zu schützen.

Aber sogar

unsere Entschlossenheit, diese 53

Und zu den multilateralen Schritten und Wirtschafts-

sanktionen unseres Landes kommen nunmehr diejenigen unserer Verbündeten
hinzu.
Ich glaube nicht, daß es irgendjemanden in verantwortlicher Position
im Iran gibt, der nicht eingesteht, daß der Iran unter dem Festhalten
dieser Geiseln wirtschaftlich, politisch und diplomatisch leidet. Dieser
Druck muß aufrechterhalten werden, auch wenn er bis jetzt noch nicht
erfolgreich war. Und einer der Wege, um diesen Druck aufrechtzuerhalten,
besteht darin, die Welt tagtäglich daran zu erinnern, daß die Geiseln
festgehalten werden.
FRAGE: Aber, Sir, haben Sie nicht selbst irgendwie ein anderes
Signal gegeben dadurch, daß Sie jetzt aus dem Weißen Haus herauskommen und
mit dem Wahl kämpf beginnen, nachdem Sie so lang gesagt haben, wegen des
Iran würden Sie das nicht tun?
ANTWORT: Nun, in gewissem Maß haben sich die Umstände geändert, und
in gewissem Maß muß die Betonung verlagert werden. Nach der erfolglosen
Befreiungsaktion war es besser für uns, uns darauf zu konzentrieren, daß
auf den Iran ein breiter wirtschaftlicher Druck internationalen Ausmaßes
ausgeübt würde. Als Ergebnis dieser Anstrengung haben die europäischen
Verbündeten nunmehr Wirtschaftssanktionen gegen den Iran ergriffen.
Wenn

- 11 -

�Wenn ich es auch lieber gesehen hätte, wenn sie eine striktere Haltung
eingenommen hätten, so sind sie doch ausreichend.
Verbündeten nicht kontrollieren.

Wir können diese

Es sind unabhängige Staaten.

Aber sie

haben mit den zusätzlichen Wirtschaftssanktionen gegen den Iran einen
großen Schritt über das hinaus getan, was der Iran in der Vergangenheit
erlebte.

Wir hoffen, daß all diese Anstrengungen zusammen Erfolg haben

werden, um das Leben unserer Geiseln zu schützen,und daß sie zum frühestmöglichen Zeitpunkt freigelassen werden; ich bete darum, aber ich kann den
Tag nicht voraussagen.
FRAGE:

Und doch sprechen sie (die Iraner) auch weiterhin davon, die

Geiseln vor Gericht zu stellen.

Wird es die Regierung zulassen, daß diese

Menschen im Iran vor Gericht gestellt werden?
ANTWORT: In der dritten Novemberwoche - ich glaube, es war der 20. veröffentlichten wir eine Erklärung, die in der Tat noch immer gilt und die
darstellt, welche Schritte sich unser Land als Optionen offenhält für den
Fall, daß die Geiseln vor Gericht gestellt oder auf andere Weise mißbraucht
werden. Diese Maßnahmen gegenüber dem Iran würden sehr ernster Natur sein.
Wir haben uns noch keiner einzigen Option begeben, derer sich unser Land
bedienen kann. Aber ich glaube, es wäre unangemessen, wenn ich im einzelnen
sagen würde, was wir tun würden.
FRAGE: Herr Präsident, die Europäer scheinen sich in der NahostFrage in eine andere Richtung zu bewegen, um - vielleicht vor den Vereinten
Nationen - etwas für die Selbstbestimmung der Palästinenser vorzuschlagen.
Sind Sie - nun, offfensichtlich: Sie sind dagegen, ist das richtig?
ANTWORT: Ja. Wenn Sie es aus einer langfristigen Perspektive betrachten, so sehen Sie, daß wir bei der Frage des Friedens im Nahen Osten
Fortschritte machen. Noch vor zwei Jahren hätte niemand geglaubt, daß
Israel und Ägypten, ein wichtiges arabisches Land und Israel Verhandlungen

- 12 -

�Verhandlungen darüber beginnen würden, wie die Differenzen zwischen
ihnen beseitigt werden könnten.

Niemand hätte davon geträumt, daß die

Grenzen geöffnet würden, daß es zu gegenseitiger diplomatischer Anerkennung
kommen würde, zu einem Austausch von Botschaftern und daß die Touristen
zwischen Tel Aviv und Jerusalem auf der einen Seite und Kairo und Alexandria
auf der anderen hin- und herfliegen würden.
Gegenwärtig arbeiten wir sehr eng mit den Israelis und den Ägyptern
zusammen, um die formellen Gespräche wieder in Gang zu bringen. Die
Grundlage für diese Gespräche und einen künftigen Fortschritt müssen die
Resolution 242 der Vereinten Nationen und das Dokument von Camp David sein,
das fast zu einer Art Bibel geworden ist. Jeder Versuch, den die europäischen
Verbündeten unternehmen könnten, um diesen Prozeß von Camp David zu
umgehen oder durch etwas anderes zu ersetzen, wäre nach meiner Meinung ein
Fehler. Und jeder Versuch, die UN-Resolution 242 zu verstümmeln oder zu
verändern, wäre ein sehr schwerer Fehler. Wir würden das nicht zulassen.
Und wenn notwendig würde ich im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
handeln, um jeden Schaden an der UN-Resolution 242 zu verhindern.
Es liegt auf der Hand, daß wir keine leichte Lösung der wichtigen
und schwierigen und alten Spaltung erwarten können, die zwischen den
arabischen Ländern und Israel besteht. Aber wir haben uns jetzt auf die
wenigen verbliebenen Probleme konzentriert, die zwar sehr ernst aber ganz
klar definiert sind; es geht um die Selbstverwaltung in der West Bank und
im Gaza-Gebiet, Landrechte, Wasserrechte und derartige Dinge. Und die
Israelis wissen, worum es geht. Die Ägypter wissen, worum es geht. Wir
wissen, worum es geht. Und andere in der Welt, die daran interessiert sind,
wissen, worum es geht. Wir würden versuchen, die europäischen Verbündeten
davon abzuhalten, sich in diesen Prozeß einzumischen, so lange wir noch
in Verhandlungen stehen, die zum Erfolg führen könnten.
FRAGE:

- 13 -

�FRAGE:

Herr Präsident, im Jahre 1968 hat Richard Nixon erklärt,

daß er eine Debatte mit Hubert Humphrey suche, aber nicht, wenn George
Wallace, der für eine dritte Partei kandidierte, an der Debatte teilnehmen
würde.

Als Ergebnis gab es in jenem Jahr keine Wahl kämpfdebatten.

Jetzt sagen Sie, daß Sie mit Ronald Reagan debattieren würden, aber
nicht, wenn John Anderson beteiligt würde»

Bedeutet das, daß es in diesem

Jahr keine Wahl kämpfdebatten geben wird?
ANTWORT:

Ich hoffe, daß es Wahl kämpfdebatten geben wird.

Die Geschichte

dieser Debatten ist, wie Sie wissen, auf die nominierten Kandidaten der
Republikanischen und der Demokratischen Partei beschränkt, die beiden
Männer, die eine Chance haben, allen vernünftigen Erwartungen nach als
Präsident gewählt zu werden.
Ich halte die Debatten für wichtig. In den sechziger Jahren trugen
die Debatten zwischen Kennedy und Nixon dazu bei, die Meinung Amerikas
über den bevorzugten Kandidaten zu bilden. Ich habe keinerlei Zweifel,
daß die Debatte 1976 - die Debatte zwischen mir und Gerald Ford - eine
große Auswirkung auf den Ausgang der Wahl hatte. Ich glaube an das Zweiparteiensystem. Und ich glaube, die Art der Debatten hilft in dieser
Hinsicht sehr viel.
Ich sehe keinen Grund, warum ich gegen zwei Republikaner antreten
soll,die in der Republikanischen Partei aktiv sind, die führende Posten in
der Republikanischen Partei innehatten, deren Stimmen immer für die
Republikaner gezählt haben und die sich heute noch als Republikaner
identifizieren.

Einer von ihnen war erfolgreich, Ronald Reagan.

andere nicht, John Anderson.

Anerson hat keine Vorwahl gewonnen.

nicht einmal in seinem Heimatstaat gewonnen.

Der
Er hat

Und wenn ich gegen zwei

Republikaner antreten würde, dann wäre das nach meiner Meinung ein schwerer
Fehler.
Wenn
- 14 -

�Wenn seitens Reagans der Wunsch herrschen sollte, gegen Anderson
zu debattieren, dann sollte das meiner Meinung nach gestattet sein,
wenn jemand die Sendezeit bezahlt.

Wenn das stattfinden sollte, oder

ob es stattfindet oder nicht - ich bin gerne bereit, mit Ronald Reagan
zu debattieren.

Das wäre eine Chance für uns - aber keine Diskussion

zwischen drei oder vier oder-fünf oder sechs verschiedenen Personen, sondern
eine scharfe Debatte zwischen zwei Leuten - einer davon vertritt die
Demokratische Partei und alles wofür sie eintritt - ihre Geschichte, ihre
Gegenwart und ihre Zukunft - und der andere, Ronald Reagan, vertritt die
Republikanische Partei und das, wofür sie eintritt - ihre Geschichte,
ihre Gegenwart und ihre Zukunft.
braucht.

Das ist das, was das amerikanische Volk

Und ich komme gerne mit Ronald Reagan zusammen und debattiere

mit ihm über all diese Fragen,wenn er und ich als Kandidaten nominiert werden.
Und ich glaube nicht, daß wir dem Wunsch anderer Republikaner oder Unabhängiger nachzugeben brauchen, die beteiligt sein möchten.
FRAGE:

Sie haben auch gesagt, daß der Abgeordnete Anderson...

FRAGE: Würden Sie das etwas schärfer formulieren. Wollen Sie sagen,
daß Sie sich weigern würden, an einer Debatte teilzunehmen, wenn Ronald
Reagan John Anderson mitbringen würde, oder wenn ein Dritter Anderson
mitbringen würde?
ANTWORT:

Das ist richtig.

Aber ich debattiere gerne mit Ronald

Reagan.
FRAGE: Sie haben gesagt, daß der Abgeordnete Anderson wahrscheinlich
Ihnen mehr Stimmen wegnehmen wird als
Gouverneur Reagan.
ANTWORT:

Ja, welche Erfolge Anderson auch in den allgemeinen

Wahlen haben mag, so wird es Ronald Reagan helfen und auf meine Kosten
gehen.

Daran hege in keinen Zweifel.
FRAGE:
- 15 -

�FRAGE:

Wären Sie auch so besorgt, wenn es um eine Debatte mit zwei

konservativen Republikanern ginge?
ANTWORT:

Wenn Sie wirklich prüfen, wie John Anderson in der Vergangenheit

gestimmt hat, dann werden Sie feststellen, daß kaum ein Unterschied
zu dem Fraktionsführer der republikanischen Minderheit, John Rhodes, oder
zu anderen prominenten Republikanern besteht, die sich selbst als sehr
konservativ bezeichnen.

Ich halte es daher für lächerlich, daß ein

demokratischer Präsident, der, wenn ich Erfolg habe, als Kandidat der
Demokraten nominiert ist, gleichzeitig mit zwei Republikanern debattiert,
die aus der gleichen Partei kommen und die allgemein die selbe...
FRAGE:

Aber macht Ihnen nicht am meisten Sorgen, daß Anderson Ihnen

Unterstützung wegnimmt, in die demokratischen Wahl kreise einbricht?
ANTWORT: Wie ich bereits gesagt habe, jeder Erfolg, den Anderson
im November hat - und das kann niemand voraussagen - wäre eine Hilfe für
Reagan und ginge auf meine Kosten.

+ + + + +

- 16 -

�27

4. Juni 1980

CARTER GEGEN EUROPÄISCHE NAHOST-INITIATIVE
Auszüge aus dem Interview mit "Cable News Network'

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 31. Mai 1980
in einem Interview mit der amerikanischen Fernsehgesellschaft "Cable
News Network" eine ganze Reihe außenpolitischer Fragen beantwortet und
sich unter anderem gegen eine europäische Nahost-Initiative ausgesprochen.
Er werde nicht zögern, das amerikanische Vetorecht im Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen zu nutzen, um jede Maßnahme zu blockieren, die Inhalt
und Form der Resolution Nr. 242 zerstören würde.
Das Interview Carters mit dem Vizepräsidenten und Chefredakteur des
Washingtoner Bureaus von Cable News Network, George Watson, und dem bekannten
Korrespondenten Daniel Schorr hat in seinen außenpolitischen Passagen
folgenden Wortlaut:
FRAGE:

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Telex: 08-85432

�FRAGE:

Lassen Sie uns - weil es aktuell ist - mit dem Problem der

palästinensischen Autonomiegespräche beginnen.

Sie sind zwar nicht völlig

zusammengebrochen, doch an einem toten Punkt angelangt.

Die Europäer scheinen

jetzt bereit zu sein, irgendeine Art von Initiative zu ergreifen, und zwar
in einer propalästinensischen Richtung.

Bereitet Ihnen das Sorgen?

Und

wenn ja, was können Sie in diesem Fall tun?
ANTWORT:

Ja, dies bereitet mir Sorgen, schon seit etwa drei Jahren.

Es ist wichtig, die Dinge in die richtige Perspektive zu rücken.

Noch vor

zwei Jahren glaubte niemand daran, daß es jemals direkte Gespräche zwischen
einem arabischen Land und den Israelis geben würde oder daß es einen Frieden
zwischen den wichtigen arabischen Ländern und Israel geben könnte.

Und

niemand dachte auch nur im Traum daran, daß diplomatische Beziehungen aufgenommen und daß Touristen zwischen Tel Aviv und Jerusalem einerseits und
Alexandria und Kairo andererseits hin- und herfliegen würden.
Aufgrund des Mutes und der Überzeugung der israelischen und ägyptischen
Staatsmänner sind bereits gewaltige Fortschritte erzielt worden.

Bevor der

Nahost-Friedensvertrag hier vor dem Weißen Haus vor etwas mehr als einem
Jahr unterzeichnet wurde und bevor das übereinkommen von Camp David erreicht
wurde, standen wir vor gleichermaßen schwierigen wie hartnäckigen Problemen,
und in gleicher Weise war eine ganze Reihe von Leuten enttäuscht, die nicht
an einen Fortschritt in Richtung auf den Frieden glaubten.
Wir müssen die Grundlage für die Friedensverhandlungen wahren, urti zwar
auf zweifache Weise.

Da ist einmal die Resolution 242 der Vereinten

Nationen, und da gibt es zweitens die Übereinkommen von Camp David, die
schon fast so etwas wie eine Bibel für Israel und Ägypten geworden sind,
wenn es um diese detaillierte Verhandlungen geht.
Wie Sie wissen, bestehen gegenwärtig ernste Meinungsverschiedenheiten
zwischen Israel und Ägypten in der Frage, wie schnell man sich in Richtung

- 2 -

�Richtung auf die volle Autonomie bewegen wolle, eine gemeinsame Verpflichtung;
wie schnell man sich bewegen solle in Richtung auf den Abzug der israelischen
Streitkräfte und der Verwaltungsbehörden in diesem Raum; wie man Sicherheitseinrichtungen auf dem Westufer zum Schutze Israels vor Aggression von außen
errichten solle und wie man mit den Wasserrechten und mit den Landrechten
verfahren solle.

Diese Fragen sind außerordentlich schwierig zu lösen, aber

wir sind jetzt doch schon an dem Punkt, wo wir uns sozusagen mit dem
Wesentlichen befassen.

Die Fragen sind ganz klar definiert.

In der letzten Zeit hat sich innerhalb der israelischen Regierung eine
scharfe Meinungsverschiedenheit herausgebildet, und wir warten jetzt darauf,
daß Israel und Ägypten wieder zusammenkommen. Wir sind sehr darum bemüht,
daß dies geschieht. Meine Voraussage hier und heute ist, daß wir ohne
weitere größere Verzögerung wieder am Verhandlungstische sitzen werden,
wobei wiederum Fortschritte in Richtung auf einen Nahost-Friedensvertrag
auf dieser Grundlage sowie zur vollen Autonomie der West Bank und des
Gazastreifens erzielt werden.
Was nun die europäischen Länder angeht, so hegen sie die gleiche
Hoffnung wie wir, daß nämlich die Frage der Autonomie auf der West Bank,
die Lösung des palästinensischen Problems, die Gewährung von Sicherheit
für Israel ein dauerhafter Frieden im Nahen Osten umfassend mit den Nachbarn
Israels ausgehandelt wird. Wir verfolgen die gleichen Ziele. Ich glaube
nicht daran, daß die Europäer innerhalb der nächsten zwei Wochen irgendwelche Schritte unternehmen werden.
FRAGE:
ANTWORT:
FRAGE:

Sie glauben nicht daran?
Nein.
Aber Sie treffen doch in Venedig zusammen?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Wir alle treffen in Venedig zusammen, wir sieben, und zwar

in der zweiten Juni halfte, am 22. Juni.

Die Mitglieder der Europäischen

Gemeinschaft, so glaube ich, kommen am 12. oder 13. Juni zusammen.

Es

wird mit nahezu größter Sicherheit seitens dieser Länder vor diesem Termin
keine Maßnahmen geben.

Wir ermutigen unsere europäischen Verbündeten,

nicht in die Verhandlungen einzugreifen, solange wir uns treffen und
Fortschritte in Rieht auf eine Nahost-Friedensregelung machen.
Ich kann sie natürlich nicht kontrollieren.
haben sie ihre eigene Meinung.

Ganz offensichtlich

Das hat sich schon häufig gezeigt.

kann auch weder Israel noch Ägypten kontrollieren.
eine aussöhnende und vermittelnde Rolle.
Gespräche andauern.

Ich

Wir spielen vielmehr

Wir sorgen dafür, daß die

Beide Länder verlassen sich auf uns.

Und in dem

Ausmaße, wie sie mir trauen, wie sie den Absichten und Verpflichtungen
unseres Landes für Frieden und Fairness vertrauen,

in dem Ausmaße haben

wir auch Aussicht auf Erfolg.
Um die Dinge zusammenzufassen: Wir verfügen über eine gute Basis;
die Streitfragen sind ganz klar definiert; sowohl Israel als auch Ägypten
wünschen eine Friedensregelung. Wir ersuchen unsere europäischen Verbündeten,
sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt hier nicht einzumischen.
FRAGE:

Haben die Verbündeten zugestimmt?

ANTWORT: Ich glaube nicht, daß für die nächsten zwei Wochen in diesem
Zusammenhang etwas geschehen wird - was uns genügend Zeit geben wird, um
an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Selbst wenn sie intervenieren
würden, werden wir nicht zulassen, daß die Vereinten Nationen irgendeine
Maßnahme ergreifen, die die Unverletzlichkeit der gegenwärtigen Form der
Resolution 242 zerstören würde.
FRAGE:

�FRAGE:

Haben Sie denn eine feste Vorstellung hinsichtlich dessen,

was bei den Vereinten Nationen geschehen könnte?
ANTWORT:

Nun, wir haben ein Veto-Recht, das wir nötigenfalls aus-

üben können, um zu verhindern, daß der Prozeß von Camp David zerstört oder
unterlaufen wird, und ich würde nicht zögern, dieses Recht, falls nötig,
anzuwenden.
FRAGE:

Herr Präsident, an diesem Sonntag sind es genau sieben Monate,

daß im Iran die Geiseln genommen wurden.
ANTWORT:

Ja.

FRAGE: Gibt es irgendeine neue Initiative, gibt es irgendeinen Grund
zur Hoffnung, daß sie dem Zeitpunkt ihres Frei kommens näher gerückt sind?
ANTWORT: Nun ganz ohne Frage sind sie dem Zeitpunkt ihres Freikommens
heute sieben Monate näher als damals. Niemand hat damit gerechnet, daß
die Terroristen die Geiseln so lange festhalten würden oder daß die
Regierung des Iran diesen internationalen Akt des Terrorismus sowohl
billigen als auch unterstützen würde. Wir haben niemals auch nur für
einen Augenblick die Notwendigkeit außer acht gelassen, alle nur möglichen
Wege zu gehen, um die Geiseln freizubekommen, sei es durch wirtschaftliche
Mittel oder durch die Mittel der Diplomatie, sei es durch Mobilisierung
von Kräften anderer Nationen in der Welt sowie der Vereinten Nationen und
des Internationalen Gerichtshofs oder durch wirtschaftliche Sanktionen,
Wir haben seither jedes mögliche Machtmittel, soweit wir können, gegenüber
der iranischen Regierung und dem iranischen Volk angewandt, um die Geiseln
freizubekommen und sie zu schützen, solange sie dort festgehalten werden,
Das iranische Parlament ist nun gewählt worden,
Sitzung abgehalten.

Es hat seine erste

Khomeini und die anderen iranischen Führer haben

- 5 -

�haben versprochen, daß das Parlament sich mit der Frage befassen werde.
Wie Sie wissen, haben wir einen Rettungsversuch unternommen, der zu unserem
Bedauern nicht erfolgreich war.

Dennoch glaube ich, daß dies den Menschen

im Iran und der Welt und den Geiseln, die davon wissen, vor Augen geführt
hat, daß wir uns von Anfang an und auch weiterhin zutiefst verpflichtet fühlen,
die Geiseln freizubekommen und sie zu schützen, solange sie dort sind.
Und wir haben in der Chinesischen See und im Arabischen Golf ausreichend
starke Seestreitkräfte zusammengezogen, um den Leuten in Iran kundzutun,
daß wir keinerlei übergriffe gegenüber diesen Geiseln dulden werden.

Ich

kann also nicht voraussagen, wann sie freigelassen werden, aber wir werden
sie nicht vergessen.

Wir werden weiterhin alles tun, um ihre Sicherheit

zu gewährleisten und sie heimzubringen.
FRAGE:
ANTWORT:
FRAGE:

Herr Präsident, glauben Sie, daß Sie sie heimbringen werden?
Ja!
Lebendig?

ANTWORT: Ja, ja! Das glaube ich. Es gibt ein überwältigendes
weltweites Eintreten dafür, daß den Geiseln nichts geschieht und daß
sie freigelassen werden. Das ist nicht auf die demokratischen Staaten
des Westens beschränkt. Dies wird als Verpflichtung auch außerordentlich
stark bei den islamischen Staaten spürbar, die kürzlich zu einer Konferenz
in Islamabad zusammentrafen und die sich mit dem iranischen Außenminister
einig waren, daß der Iran die Geiselkrise bereinigen und die Geiseln so
bald wie möglich freilassen sollte.
FRAGE:

Herr Präsident, Südkorea, eine Militärdiktatur, mit 40 000

amerikanischen Soldaten im Land; läßt unser nationales Sicherheitsinteresse
uns noch eine andere Alternative als die Unterstützung eines anderen
unpopulären und repressiven Militärregimes an dieser Stelle?
ANTWORT:
- 6 -

�ANTWORT:

Wir haben in Südkorea zwei Dinge in Erwägung zu ziehen,

die sich immer auf unsere Politik ausgewirkt haben und die sich nicht
verändert haben; einmal, die Sicherheit Südkoreas gegenüber einer Aggression
von außen, in erster Linie von Nordkorea; und zweitens, die Förderung'des
demokratischen Prozesses im Sinne der Menschenrechte und die Entwicklung
zu einer Demokratie in Südkorea.
Das Sicherheitsanliegen ist nicht erschüttert. Wir und die Spdkoreaner und andere beobachten sehr genau jede potentielle Gefahr aus
Nordkorea, und es besteht nach meiner Ansicht kein Zweifel, daß unsere
Streitkräfte und die Streitkräfte Südkoreas ausreichend stark sind, um
jede mögliche Invasion oder Bedrohung der Sicherheit Koreas zurückzuweisen.
Die Demokratisierung hat einen Rückschlag erlitten, darüber besteht
kein Zweifel. Wie Sie wissen, wurde Präsident Park, der frühere Führer
Südkoreas, ermordet. Er hat eine ganze Reihe guter Dinge getan. Er
wurde für einiges kritisiert, was er nicht schnell genug getan hat.
Er stand achtzehn Jahre lang an der Spitze dieses Landes und wurde ermordet.
Ein gewisses Maß von Unruhe und Durcheinander in der Verwaltung und auch in
den herrschenden Kreisen war vorauszusehen. Wir drängen die militärischen
Führer und ihre gewählten zivilen Führer in Südkorea so rasch wie möglich
zu einer völlig demokratischen Regierung zu gelangen. Inzwischen sorgen
wir dafür, daß die Sicherheit Koreas gewahrt wird.
FRAGE: Stellt sich dies Ihnen als einer jener Konflikte dar, wie
er sich ergeben muß aus dem Zwiespalt zwischen Ihrer Menschenrechtspolitik und den Realitäten, wie in Argentinien, von der Art wie sie offensichtlich Pat Derian dazu brachte, von seinem Amt im Außenministerium
zurückzutreten?
ANTWORT: Nein, da ist keine Unvereinbarkeit. Nach meinem Urteil ist
die Aufrechterhaltung der Sicherheit einer Nation gegenüber kommunistischer

- 7 -

�kommunistischer Subversion oder Aggression eine Vorbedingung für die Achtung
und Würdigung der Menschenrechte und die Einsetzung demokratischer Verfahren.

Wir haben kein Mittel, um die inneren politischen Verfahren einer

Nation zu kontrollieren noch verfügen wir über die Informationen, um eine
solche Kontrolle zu versuchen.

Das ist ein Urteil, das die Bevölkerung dort

selbst fällen muß, aber es gibt einen bemerkenswerten Grad von Einigkeit
in Südkorea.

Es gibt einen bemerkenswerten Grad von Homogenität unter

der Bevölkerung in ihrer ethnischen und religiösen Tradition und in
ihrem gemeinsamen Streben nach Freiheit und ihrem Widerstand gegen die
Aggression.
Ich wünsche, daß jede Nation auf der Erde demokratisch wäre.

Ich

glaube, daß unsere Regierungsform eine ist, der man nacheifern wird,
aber wir können damit nicht rechnen.

Und wir können auch nicht unsere

Beziehungen zu unseren Verbündeten und Freunden und Handelspartnern durchtrennen und sie alle sowjetischem Einfluß überlassen und vielleicht sogar
einer Subversion und Inbesitznahme, einfach weil sie unseren Wertmaßstäben der
Menschenrechte nicht entsprechen.

Das aber heißt nicht, daß wir unsere

Wertmaßstäbe aufgeben, und es heißt auch nicht, daß wir in Zukunft
irgendwie weniger wirksam als in der Vergangenheit in der Verfolgung
dieser Ziele sein werden....
FRAGE: Herr Präsident, wir werden nicht die Zeit haben, alle Themen
mit Ihnen zu erörtern, die wir heute gerne mit Ihnen besprechen möchten,
aber lassen Sie mich eine weitreichende Frage zur Außenpolitik stellen.
Wir sehen russische Truppen auf Kuba. Sie möchten, daß sie dort herausgehen. Sie gehen aber nicht heraus. Man sieht, daß die Russen in
Afghanistan sind. Sie haben sich sehr darum bemüht, daß sie dort herausgehen. Die Truppen sind immer noch da. Ja, man hat manchmal das Gefühl,
die Russen sind immer einen Schritt voraus, und wenn dem so ist, gibt es dann
überhaupt eine Zukunft für die Entspannung?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Ja, es gibt eine Zukunft für die Entspannung,und ich glaube,

jede Beurteilung des relativen Fortschrittes hinsichtlich des weltweiten
Einflusses zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion während
der vergangenen zehn Jahre, der schweren Jahre, zeigt, daß wir weitaus
größere

Fortschritte bei der Gewinnung neuer Freunde und neuer Verbündeter,

neuer Handelspartner gemacht haben als die Sowjetunion.
Es gibt heute kein Land auf der Welt, das versucht, das sowjetische
Regierungssystem zu einem eigenen zu machen. Wie ich vorhin schon betont
habe, sind fast alle der drei Millionen Flüchtlinge aus Ländern unter
sowjetischem Einfluß oder sowjetischer Förderung oder aus Ländern mit von
den Sowjets finanzierten Regierungen gekommen. Das zeigt Ihnen also die
Attraktivität unserer Regierungsform, wie sie die Menschen sehen, die man
als neutral oder blockfrei bezeichnet.
Unser Land hat zwei Verpflichtungen, die über allen anderen stehen.
Die erste ist die Sicherheit unseres Landes.

Das ist die wichtigste

Verantwortung, die ich trage, wo ich jetzt hier in meinen Amtsräumen sitze,
um die Sicherheit unserer Nation zu erhalten.
Die zweite Verpflichtung geht damit einher, und sie besteht darin,
unsrem Land den Frieden zu bewahren.

Ich bin der Überzeugung, daß wir

unserem Lande den Frieden nur bewahren können durch Stärke, vor allem
durch militärische Stärke, und wir haben unsere militärische Stärke
weitgehend gefördert, seit ich mein Amt übernommen habe.

Wir haben einen

langen Abwärtstrend umgekehrt, der in den acht Jahren vor meiner Amtsübernahme bestand, und es geht jetzt wieder aufwärts; wir haben uns nicht nur
während der letzten drei Jahre verpflichtet, die Stärke unseres Landes zu
bewahren, sondern wir tun dies auch für die nächsten fünf Jahre.
Die Stärke muß jedoch auch die Wirtschaft umfassen, wie Sie sehr wohl
wissen, und die Stabilität eines politischen Systems und seiner Bündnisse,

- 9 -

�Bündnisse, die sich heute in weitaus besserer Verfassung befinden als noch
vor drei Jahren.
zurecht kommen.

Innerhalb dieses Rahmens wollen wir mit der Sowjetunion
Wir wollen mit niemandem Krieg führen, aber wir sehen

nicht müßig zu, wenn die Sowjets unschuldige Länder und ihre Menschen
unterjochen.

Wir sehen nicht müßig zu, wenn die Sowjetunion uns und

unsere Verbündeten bedroht.

Wir bemühen uns um Rüstungskontrollen, um

die Bedrohung einer nuklearen Zerstörung der Welt abzubauen.

Aber wir

werden fest bleiben gegenüber der sowjetischen Aggression und dabei so
viel Unterstützung zwischen unseren Verbündeten und Freunden und gleichgesinnten Ländern sammeln wie nur möglich.
Zu Zeiten werden wir - weil wir eine Supermacht sind - wenn wir es
müssen, allein stehen, und wir sind stark genug, das zu tun und um es
wirksam zu tun.

Und innerhalb dieses Rahmens ist die Entspannung not-

wendig

+ + + + +

- 10 -

�od-

3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

4. Juni 1980

27

RENTABILITÄT DER PRODUKTION SYNTHETISCHER BRENNSTOFFE
Real kosten noch schwerer abschätzbar - Auf längere Sicht Vorteil
gegenüber Erdöl
- Von James R. Hardcastle -

Der Verfasser ist Herausgeber des in
Washington erscheinenden "Energy Research
Digest", einer Publikation, in der die
staatlich geförderten Forschungs- und
Entwicklungsprogramme auf dem Energiesektor erörtert werden.

Ende 1979 bewilligte der amerikanische Kongreß 20 Milliarden Dollar für
die erste Phase eines nationalen Programms zur Produktion synthetischer Brennstoffe, das laut Präsident Carter insgesamt 88 Milliarden Dollar erfordern
dürfte.

Inzwischen befaßt sich der Kongreß mit Gesetzen, die für die Industrie

die notwendigen Anreize schaffen, um die Werke bauen zu können.

Dennoch er-

geben sich viele Fragen durch das Programm, das bis 1987 eine Tagesproduktion
von synthetischem Gas und öl anstrebt, die 68 000 Tonnen öl entspricht.

Diese

soll bis 1992 auf das Vierfache (272 000 Tonnen) gesteigert werden.
Wie,

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�Wie, wo und woraus sollen diese Brennstoffe entstehen?
kosten?

Was werden sie

Welche Auswirkungen werden - und dies ist äußerst wichtig - die rie-

sigen neuen Anlagen auf die Menschen und das Umland haben?

Allgemeine Fragen
In den Vereinigten Staaten sind Ölschiefer und Kohle die Hauptquellen
für synthetische Brennstoffe.

Die bekannten abbaufähigen ölschiefervorkommen

könnten schätzungsweise 75,3 Milliarden Tonnen Syntheseöl liefern.

Synthese-

gas und synthetische Flüssigbrennstoffe, die weiteren 59 Milliarden Tonnen öl
entsprechen, ließen sich aus den riesigen amerikanischen Kohlevorkommen gewinnen, ohne die Verwendung von Kohle für die Direktverbrennung oder den
Hüttenbedarf einzuschränken.

"Diese Mengen", bemerkte kürzlich der Vorsit-

zende der EXXON-Corporation, C.C. Garvin, "reichen aus, um den gegenwärtigen
amerikanischen Tagesbedarf von 2,5 Millionen Tonnen für die nächsten 150 Jahre
zu decken.

Das ist mehr öl, als in allen OPEC-Ländern zusammen vorhanden

ist."
Ölschiefer wie Kohle verlangen langwierige Aufschlußverfahren, ehe sie
öl oder Erdgas ersetzen können. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, müssen
Abbaubetriebe und Produktionsanlagen groß ausgelegt sein. So dürfte beispielsweise der Kohledurchsatz eines kommerziellen Hydrierwerks, das Flüssigbrennstoffe herstellt, bei 30 000 Tonnen pro Tag liegen. Erfahrungsgemäß
vergehen sechs bis acht Jahre, um eine Anlage dieser Größe zu planen und zu
bauen. Und da man bei den ersten derartigen Betrieben in Neuland vorstößt,
sie vermutlich in wenig besiedelten, abgelegenen Gebieten erstellt werden
und ganz neue Städte dazu gebaut werden müßten, könnten die Kosten noch weit
über dem liegen, was für die Großanlagen ohnehin schon angesetzt wird.
So schätzt Garvin - und Regierungsbeamte teilen seine Meinung -, daß
die Synthesebrennstoff-Großbetriebe Real kosten verursachen werden, die unter
Berücksichtigung der Inflation irgendwo zwischen zwei und vier Milliarden

- 2 -

�Milliarden Dollar anzunehmen sind.

Bei einer Tagesproduktion von insgesamt

68 000 Tonnen Synthesebrennstoff in etwa zehn Anlagen wären somit 20 bis 40
Milliarden Dollar erforderlich.

Um das für 1992 gesteckte Ziel zu erreichen,

müßte das Vierfache aufgebracht werden.

Michael Gluckman vom amerikanischen "Electric Power Research Institute"
(EPRI - Forschungsinstitut der amerikanischen Elektrizitätswirtschaft) macht
jedoch darauf aufmerksam, daß bei praktisch allen Schätzungen zu den Kosten
synthetischer Brennstoffe mit Abweichungen der realen Kosten um bis zu 30
Prozent nach oben oder unten gerechnet werden könne.

Standortbedingte Fak-

toren und die tatsächlichen Kosten der Betriebselemente lassen nun einmal
eine große Variationsbreite zu - abgesehen davon, daß sich erst in der Praxis
die Kosten eines bestimmten Typs von Großbetrieb herausstellen werden.

Heutzutage wirken sich die öl kosten nahezu auf das gesamte Preisgefüge
aus.

Und da ein Produktionsbetrieb für synthetische Brennstoffe so viele

Wirtschaftsgüter zur Ausrüstung benötigt, sagt Gluckman voraus, daß die
Kostenausweitung bei Synthesebrennstoffen dem Ansteigen der Weltölpreise
hart auf den Fersen folgen werde.

Dies sei der Grund dafür, daß die ange-

nommenen Kosten für die Gewinnung von öl aus Ölschiefer - sie lagen zu Beginn der siebziger Jahre bei ca. 7 Dollar pro Barrel (159-Liter-Faß) - heute
schon an die Marke von 30 - 35 Dollar heranreichen können.

Ähnliche Kosten-

steigerungen seien praktisch für alle Synthesebrennstoffe erkennbar.
jedoch auch einen wichtigen positiven Aspekt:

Es gibt

Mehr als die Hälfte der Pro-

duktionskosten für Synthesebrennstoffe aus Ölschiefer oder Kohle beruhen auf
festen Kapitalkosten, die schon vor dem Bau der Anlage fixiert sind.

Selbst

die Kosten so wichtiger Größen wie die des zu verarbeitenden Rohstoffes dürften kaum im gegenwärtigen Ausmaß eskalieren, da es sich beim Bergbau um kapitalintensive Aktivitäten mit zahlenmäßig begrenzten variablen Kosten handelt.

Nach Ansicht Gluckmans bedeutet das also, daß ein Vorteil der Errichtung
hoch kapitalintensiver Synthesebrennstoffwerke darin zu sehen sei, daß sie

- 3-

�sie die Fixierung der Brennstoffkosten auf einem konstanten - wenn auch hohen - Niveau erlauben.

So seien beispielsweise die Kosten der Brennstoff-

produktion (schätzungsweise zehn Dollar pro Barrel) in der Kohleverfl'üssigungsanlage, die in Südafrika vor 30 Jahren gebaut wurde, heute wahrscheinlich
nicht viel höher als damals, obgleich inzwischen die Weltpreise für öl von
weniger als zwei Dollar auf 30 Dollar pro Barrel gestiegen sind.

Mithin seien

künftige Synthesebrennstoffe aus Anlagen, die gerade erst geplant werden, in
der Preisstufe von 60 - 70 Dollar pro Barrel wahrscheinlich sehr viel günstiger
als Erdöl zum Weltmarktpreis etwa im Jahr 1990 - also wenige Jahre nach der
Aufnahme des Betriebs in diesen Anlagen.

Einer EPRI-Studie zufolge wird 1995

der Barrel-Preis für Raffinerieprodukte aus Erdöl bei 100 Dollar liegen, wenn
die realen Betriebskosten um nur zwei Prozent pro Jahre steigen und die jährliche Inflationsrate bei sechs Prozent liegt. Dies kommt sehr viel teurer als
Synthesebrennstoffe aus einem Betrieb, der in den achtziger Jahren gebaut worden ist.
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Rohstoff Ölschiefer
Für die Gewinnung von öl aus Ölschiefer bedarf es keiner komplizierten
chemischen Prozesse. Vielmehr besteht die Hauptaufgabe darin, riesige Mengen
von Ölschiefer abzubauen, ihn zu zerkleinern und soweit aufzuheizen, daß das
darin gebundene öl freigesetzt wird. Das Produkt entspricht normalerweise
den Mitteldestillaten - jener Gruppe von Mineralölprodukten, bei denen gegenwärtig die stärkste Nachfrage besteht und zu denen z.B. Dieselöl, Düsentreibstoffe und leichtes Heizöl gehören. Außerdem kann Schieferrohöl in modernen,
mit Hydrieranlagen ausgerüsteten Raffinerien mit Wasserstoff behandelt werden,
um ihm Arsen- und Stickstoffbeimengungen zu entziehen.
Für die im Endeffekt billigere unterirdische Verschwelung sind noch
nicht alle technischen Probleme gelöst. Wohl aus diesem Grund neigen manche
öl firmen dazu, mit dem Bau oberirdischer Retortenbetriebe zu beginnen, sobald
sich Möglichkeiten zur Beilegung der Fragen zu behördlichen und finanziellen

�finanziellen Maßnahmen abzeichnen.

Praktisch alle Experten sind sich darin

einig, daß öl aus Ölschiefer zusammen mit Gas mittleren Heizwerts aus Kohle
die derzeit billigsten Synthesebrennstoffe darstellen.

Ein Wirtschaftlich-

keitsvergleich zwischen synthetischen Brennstoffen, wie er in einer EPRIStudie vorgenommen wurde, zeigt, daß 1985 für Schieferöl 35 Dollar pro Barrel
in heutigen Dollars, für Flüssigbrennstoffe aus Kohle dagegen 51 Dollar anzusetzen sind.
Es gibt jedoch eine Reihe von Problemen im Zusammenhang mit Schieferöl:
Die wichtigsten amerikanischen ölschiefervorkommen sind in abgelegenen, ariden
Regionen der Bundesstaaten Colorado, Utah und Wyoming konzentriert.

Jede

massive Bautätigkeit in solchen Gebieten führt zwangsläufig zu "EnergieboomStädten", sobald die Bauarbeiter und die Arbeitskräfte für die neuen Betriebe
heranströmen.

Die Erfahrung zeigt, daß eine solche Entwicklung einschneidende

Eingriffe in das Leben der "Alteinwohner" und der neu Zugezogenen bedeuten
kann.
Oberhalb eines bestimmten Produktionsniveaus - viele meinen bei 65 000
bis 130 000 Tonnen/Tag - dürften soziale Probleme, in Verbindung mit unzureichender Wasserversorgung und Problemen der Beseitigung der gewaltigen Mengen an chemisch aktivem festem Abfall, eine weitere Expansion der Schieferölproduktion mit dem Abbau und oberirdischer Aufbereitung blockieren.

Diese

Grenze könnte erst durch die unterirdische in-situ-Verschwelung, vielleicht
auch durch öl frei Setzung mittels Radiowellen, zugunsten einer weiteren Produktionsausweitung verändert werden.

Kohleumwandlung
Wie beim Ölschiefer haben auch die Verfahren zur Vergasung und Verflüssigung der Kohle ihre positiven und negativen Seiten.

Ein wesentlicher Unter-

schied zum Ölschiefer ist der, daß Kohle in so vielen Regionen ausreichend vorhanden ist, daß einschränkende Faktoren wie Wassermangel, zu wenig Arbeitskräfte, unzureichende Infrastruktur und Umweltschutzvorschriften viel weniger
- 5 -

�weniger ins Gewicht fallen.

Und während im allgemeinen die Kohleumwandlung

schwierige Technologien erfordert, ist eines ihrer Produkte, nämlich mittelwertiges Kohlegas (eine Mischung aus Wasserstoff, Kohlenmonoxid und Methan)
schon beinahe mit Importrohöl zu gegenwärtigen Preisen wettbewerbsfähig.
Sein Heizwert entspricht mehr als der Hälfte des Heizwerts von hochwertigem
Erdgas.
"Nur noch bescheidene zusätzliche Anreize wären notwendig, um seine Produktion zu sichern", meinte Garvin.

Die anderen gasförmigen und flüssigen

Synthesebrennstoffe, die mit der verfügbaren Technologie aus Kohle zu produzieren seien, längen im Preis jedoch um 15 - 25 Prozent über Importrohöl und
hochwertigem Gas und um 20 - 60 Prozent über anderen flüssigen Produkten - vom
Methanol bis zum Benzin.

In der bereits erwähnten EPRI-Studie wurde berech-

net, daß die Kosten für Kohlegas mittlerer Qualität im Jahr 1985 einem ölpreis
von 35 Dollar/Barrel (gegenwärtiger Dollarkaufkraft) entsprechen.

Es wäre

unwirtschaftlich, dieses Gas über mehr als ein paar Hundert Kilometer in
Pipelines zu transportieren.
dustrielle Zwecke.

Aber das Gas eignet sich vorzüglich für in-

EXXON hat bereits Pläne für den Bau eines Werkes zur

Braunkohlevergasung in Texas ausarbeiten lassen, um für einen petrochemischen
Komplex bei Baytown Heizenergie und chemisches Rohmaterial zu liefern.

Ähn-

liche Pläne werden von anderen Mineralölfirmen und Chemiewerken wie "Celanese"
und "Eastman Kodak" verfolgt.
Dieses Gas bildet ja gleichzeitig den Rohstoff für eine Reihe weiterer
flüssiger Brennstoffe - einschließlich Benzin, Dieselöl und Methylalkohol.
Einige der bekanntesten Spezialisten arbeiten gegenwärtig an der Entwicklung
von Katalysatoren, mit denen die Älteren Verfahren verbessertund selektiv
Benzin oder Dieselöl aus Kohlegas erzeugt werden kann.
Mit erheblicher Unterstützung seitens des US-Energieministeriums entwickeln die Firmen Gulf Oil, EXXON und andere Unternehmen verschiedene Verfahren, um aufgeschlämmte Kohle und aus Kohle extrahierte Lösungsmittel direkt zu hydrieren.

Diese Prozesse, die vielleicht ab 1990 kommerziell genutzt

werden können, würden die Gewinnung flüssiger Kohleprodukte auf billigerem
— D —

�billigerem Wege als durch die Synthese aus Kohlenmonoxid und Wasserstoff, den
Hauptbestandteilen von Gas der mittleren Qualität, erlauben.
Ein weiterer Weg wäre die Verarbeitung von Gas aus ähnlichen, aber modifizierten Reaktoren, um es zu einem Produkt von Methanqualität zu verbessern.
In Mercer County (Norddakota) wird in Kürze mit Unterstützung des Energieministeriums ein Projekt zur Umwandlung von jährlich 4,5 Millionen Tonnen Braunkohle in synthetisches Erdgas von einem Konsortium von Firmen in Angriff genommen, die Gas-Pipelinen betreiben.

Schätzungen zufolge wird der Gaspreis

bei Inbetriebnahme des Werkes im Jahr 1984 oder 1985 Erdöl mit einem Barrelpreis von 30 - 47,40 Dollar vergleichbar sein.
Daß die möglichen Umweltbelastungen und Umweltschäden als Folge solcher
Vorhaben von vornherein einkalkuliert und durch entsprechende Gegenmaßnahmen
unter Kontrolle gehalten werden, sind Erfordernisse, denen sich keiner der
Beteiligten entziehen darf. Sorgfältige Planung und Standortwahl, umgehende
Rekultivierung des Landes von Tagebaubetrieben, Maßnahmen zur Luft- und Wasserreinhaltung und nicht zuletzt zum Schutz der Umwelt ebenso wie der Arbeiter
im Betrieb vor krebserzeugenden Substanzen in der verarbeiteten Kohle sind
einfach notwendige Aktionen - und die Mittel dafür müssen und können auch aufgebracht werden.

+ + + + +

- 7 -

�</text>
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          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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          <name>Title</name>
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              <text>Amerikadienst 04.06.1980</text>
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          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter: Kein Abzug amerikanischer Truppen aus Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des CBS-Fernsehinterviews "Face the Nation" - (c) 1980 CBS, Inc.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter gegen europäische Nahost-Initiative&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus dem Interview mit "Cable News Network" -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rentabilität der Produktion synthetischer Brennstoffe&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Realkosten noch schwerer abschätzbar - Auf längere Sicht Vorteil gegenüber Erdöl&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von James R. Hardcastle -&lt;/em&gt;</text>
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