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und
Dokumentation

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

25

2 1 . Mai 1980

INHALT

DOKUMENTATION
Pressekonferenz von US-Außenminister Muskie in Washington am 20.5.1980
- Wortlaut US-Außenminister verurteilt sowjetische Aggresstion
- Ansprache Muskies am 16. Mai 1980 in Wien Staatssekretär Cooper erläutert die amerikanische Haltung im Nord-SlidDialog
Präsident Carter begrüßt die Entscheidung des deutschen NOK
Präsident Carter trifft Mitglieder des Internationalen Olympischen
Komitees (IOC)
- Amerikanische NichtteiInahme an den Moskauer Spielen erneut bestätigt
HINTERGRUNDMATERIAL
Weltverbrauch an Kohle wächst
- Internationale Studie bewertet Rolle der Kohle in den nächsten
Jahrzehnten -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�WilWi Iffil
I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

21. Mai 1980

25

PRESSEKONFERENZ VON US-AUSSENMINISTER MUSKIE
IN WANSINGTON AM 20.5.1980
- Wortlaut -

WASHINGTON

- (AD) - Der amerikanische Außenminister Edmund Muskie

hat auf seiner ersten Pressekonferenz in Washington am 20. Mai 1980
zum amerikanisch-sowjetischen Verhältnis, dem französisch-sowjetischen
Gipfeltreffen, dem Iran, der Republik Korea, Kuba, dem Mittleren Osten
und zu seiner eigenen Rolle im Außenministerium Stellung genommen.

Muskie

bedauerte, daß das Treffen zwischen dem französischen Staatspräsidenten
Giscard d'Estaing und dem sowjetischen Partei- und Regierungschef Leonid
Breschnew ohne Konsultation unter den Verbündeten stattgefunden habe.
Die Pressekonferenz des amerikanischen Außenministers hat folgenden
Wortlaut:
FRAGE:
beginnen:

Herr Außenminister, darf ich mit einer zweiteiligen Frage
Verließen Sie das Wiener Treffen mit Außenminister Gromyko

mit dem Gefühl der Hoffnung, daß sich die Sowjets unter vorstellbaren

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Bonn 2

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Tel: 0228-89 32 40
T e | e x : 08-85432

�vorstellbaren Umständen aus Aufghanistan zurückziehen würden?

Und zweitens,

glauben Sie, daß der beginnende Dialog mit den Sowjets durch das Treffen
zwischen Präsident Giscard und Breschnew in Warschau gestört oder überhauüt
berührt wurde?
ANTWORT:

Was den ersten Punkt angeht, so hat es in dem Standpunkt,

den die Sowjets hinsichtlich des Abzuges der sowjetischen Truppen aus
Afghanistan in der Öffentlichkeit einnehmen, keine Veränderung gegeben.
Es gab Unterstützung für den sogenannten afghanischen Vorschlag, der ein
oder zwei Tage vor dem Treffen mit Gromyko auftauchte, und der wurde offensichtlich als Grundlage zur Erwägung angeboten.
Was das Treffen zwischen Giscard und Breschnew angeht, so glaube
ich nicht, daß dieses Treffen meine Vorstellungen von dem sowjetischen
Standpunkt bezüglich des Abzuges von Truppen in irgend einer Weise verändert hat.
FRAGE: Berührt oder kompliziert es den Dialog zwischen den Vereinigten
Staaten und den Sowjets, wenn ein Dritter parallele Gespräche führt?
ANTWORT: Solange ich keinen Bericht gesehen habe, welche Quelle
auch immer interessiert sein mag, uns zu berichten, was auf diesem Treffen
stattfand, ist es für mich schwierig, diese Frage zu beantworten. Ich
möchte sagen, daß nach meiner Meinung ein solches Treffen ein angebrachtes
Thema für Konsultationen wäre.
Unsere NATO-Verbündeten haben mir nichts deutlicher zu verstehen
gegeben

als die Wichtigkeit von Konsultationen, wenn es um mögliche

amerikanische Aktionen geht.

Konsultationen waren bis zu diesem Augen-

blick immer eine Zweibahnstraße gewesen.

Ich hoffe, daß sie im Zusammen-

hang mit unseren NATO-Verbündeten genau das bedeuten.
FRAGE:

- 2 -

�FRAGE:

Herr Außenminister, kürzlich haben Sie in einem Nachruf

auf Hubert Humphrey von den beiden Idealen des verstorbenen Vizepräsidenten
gesprochen: das eine, daß die Vereinigten Staaten ein Zufluchtsort sein
sollen; und zweitens von seiner großen Verpflichtung zur Abrüstung.

Sie

schienen beide Grundsätze zu unterstützen.
Aber ich frage mich, ob Sie uns in der Praxis sagen können, was Sie
über kubanische Flüchtlinge in unserem Lande denken; ob Sie glauben, daß
es da keine Grenzen geben sollte; ob Sie glauben, daß die Leute aus Haiti
auch als politische Flüchtlinge behandelt werden sollen. Und wenn Sie von
Rüstungskontrolle sprechen, und wenn Sie diese als Teil einer Sicherheitsvereinbarung sehen, ob Sie dann bereit sind, das umzukehren, was die
Regierung auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle getan hat; d.h. natürlich, die
Dinge auf ganz kleiner Flamme zu kochen?
ANTWORT:

Was die Flüchtlingsfrage angeht, so meine ich, daß unser

Ideal und die Norm unseres Landes seit 200 Jahren noch immer das amerikanische
Ideal des offenen Zufluchtsortes für Menschen ist, die vor politischer
Unterdrückung fliehen.
Wir werden jedoch - nicht nur wir, sondern auch andere Länder - im
Augenblick von Flüchtlingsproblemen überwältigt, von denen viele mit dem
Versuch zusammenhängen, die Freiheit zu suchen und der politischen Unterdrückung zu entkommen.

Und das Problem ist seiner Natur nach so über-

wältigend, daß es nicht nur der Verwirklichung unserer eigenen Ideale
bedarf, sondern auch des Strebens nach wirksamer internationaler Zusammenarbeit, um mit diesen Problemen fertig zu werden.
Um Ideale zu verwirklichen, wird es immer notwendig sein, mit
praktischen Problemen ihrer Verwirklichung zu Rande zu kommen.

Und um

solche Probleme geht es sicherlich bezüglich Kubas, bezüglich Kampucheas
(Kambodschas) und bezüglich anderer Gebiete der Welt.

- 3 -

Im übrigen scheinen

�scheinen viele dieser Probleme in der einen oder anderen Form mit der
Sowjetunion zusammenzuhängen.
•

•

,:

'

•

•

'

r

•

'

Was die Rüstungskontrolle anbetrifft, so meine ich, ist unser Ziel
nach wie vor klar.

Wir sind der Meinung, daß unsere eigene nationale

Sicherheit durch wirksame Rüstungskontroi labkommen gefördert wird.

Die

Sowjetunion hat durch ihr Handeln in Afghanistan bewirkt, daß die Aussichten
für eine Billigung des SALT II-Vertrages im Senat geringer geworden sind.
Das bedeutet nicht, daß wir unser Interesse daran verloren oder
unsere Verpflichtung zu diesem Vertrag aufgegeben haben.

Aber die Sowjets

haben durch diese einmalige Handlung die Probleme geschaffen, die jetzt
die Verwirklichung dieses Zieles stärker außer Reichweite gerückt haben
als noch vor sechs oder acht Monaten.
FRAGE:

Herr Außenminister, bezüglich dieser Situation in Afghanistan

sagten Sie, daß keine Änderung des formellen Standpunktes eingetreten sei,
als Sie mit Gromyko zusammentrafen, aber haben Sie überhaupt einen Hinweis
erhalten, daß die Sowjetunion planen könnte, sich vor den Olympischen
Sommerspielen aus Afghanistan zurückzuziehen?
ANTWORT: Ich habe aufgrund dieser Gespräche oder irgend welcher
anderer Informationen keinen Anlaß anzudeuten, daß die Sowjets einen Abzug
in diesem Zeitraum planen.
FRAGE:

Herr Außenminister, um auf die Olympiade zu kommen; der

Olympiaboykott scheint zusammengebrochen zu sein.
gehen jetzt zur Olympiade.

Immer mehr Länder

Sind Sie der Meinung, daß Ihre Position in

dieser Hinsicht von vielen Freunden Amerikas unterlaufen worden ist?
Und zweitens, haben Sie das Gefühl, daß Ihr Treffen mit Gromyko
ihnen praktisch eine Ausrede geliefert hat, für eine Beteiligung an der

�der Olympiade zu stimmen und Ihre Position bezüglich des Boykotts zu
unterlaufen?
ANTWORT: Darf ich den zweiten Teil Ihrer Frage zuerst beantworten. Was
die Regierungen anbetrifft, so habe ich keinen Grund zu der Annahme, daß
das Treffen mit Gromyko die Unterstützung, die Regierungen für die Boykottinitiative zu geben bereit waren, in irgend einer Weise unterlaufen oder
verwässert habe. Ob es sich auf die Olympischen Komitees ausgewirkt hat,
ist eine Frage, die ich nicht beantworten kann.
Mein Eindruck ist, daß die Olympischen Komitees in verschiedenen
Ländern geneigt waren, unabhängig zu urteilen - auf jeden Fall ein von
ihren Regierungen unabhängiges Urteil abzugeben. Es hat unter den kleineren
europäischen Ländern in den letzten 24 Stunden mehr solche gegeben, als
uns lieb war. Auf der anderen Seite haben sich schon heute 45 Länder
endgültig verpflichtet, sich dem Boykott anzuschließen. Und das bedeutet
sicherlich, daß es sich nicht mehr um eine Olympiade handelt.
Es handelt sich um ein sportliches Ereignis, aber es wird keine
Olympiade sein. Und es scheint mir, daß dieser Punkt den Sowjets ganz
klar gemacht werden sollte, und die Olympischen Komitees, die ihre Opposition
gegen einen Boykott gerechtfertigt haben, sollten sich ganz klar darüber
sein, daß das olympische Ideal getrübt ist.
Meine eigene Auffassung ist selbstverständlich, daß die Invasion
in Afghanistan dem olympischen Ideal um 180 Grad entgegengesetzt ist,
und daß jene, die das olympische Ideal hochhalten wollen, daran interessiert
sein müßten, Länder von einer solchen Politik des Abenteuertums abzuhalten
und abzubringen. Ich möchte also hoffen, daß jene Länder, in denen die
Olympischen Komitees die Entscheidung getroffen haben, nach Moskau zu gehen,
diese Entscheidung überdenken werden.
Und

- 5 -

�Und in einigen Fällen gibt es von den Wählern getragene Körperschaften
in jenen Ländern, die sich entschlossen haben, sich dem Boykott anzuschließen, die für diese Entscheidung sind, wie auch immer das nationale
Olympische Komitee entscheiden mag.
FRAGE:

Herr Außenminister, fast zur gleichen Zeit, als Sie sagten,

die Verbündeten seien hinsichtlich Afghanistans ganz auf unserer Seite,
planten die Franzosen dieses Gipfeltreffen mit Breschnew - offensichtlich
ohne jegliche Konsultation, ja sogar, ohne Sie in Wien daraufhin angesprochen zu haben, daß das Treffen geplant war.
-

Ihrer Meinung nach:

Was könnte es sein, was die Franzosen zu erzielen

glauben, wenn sie diese unabhängigen Gespräche abhalten?
ANTWORT: Ich nehme an, ihr Ziel ist, ihre Entschlossenheit zur
Unabhängigkeit zu unterstreichen. Zeitweilig ist das enttäuschend - und
sogar mehr als das. Aber sie scheinen die Gefahren, die mit Afghanistan
verbunden sind, genauso wie wir zu sehen, und sie scheinen ebenso darauf
bedacht zu sein, die Tatsachen von Afghanistan zu ändern, zumal diese die
Entspannung beeinflußt und die Entwicklung in Richtung auf Rüstungskontrolle
und die anderen Zielsetzungen verlangsamt haben, die wir mit der Entspannung
verfolgen wollten.
Aber zugleich bestehen sie auf ihrem Vorrecht nach unabhängigem
Denken, nach unabhängigen Initiativen und unabhängigen Betrachtungsweisen;
praktiziert man dies jedoch zu weitgehend, so ist es gar nicht so förderlich
wie sie es vielleicht gern hätten oder wie sie es selbst behaupten - für
jene Art des gegenseitigen Vertrauens und der Konsultation, von der wir alle
letzte Woche der Meinung zu sein schienen, daß sie für die Solidarität und
die Einheit des Bündnisses wesentlich ist.
Wir

�Wir verstehen natürlich, daß Meinungsverschiedenheiten in freien
Gesellschaften ziemlich unvermeidlich sind; dennoch muß man sich auf eine
Handlungsweise einigen, nachdem die Meinungsverschiedenheiten zum Ausdruck
gebracht worden sind, und die Konsultation muß weitergehen.

Und ich muß

sagen, daß ich mir Gedanken darüber mache, daß der Lehrer, der mir gerade
eine Lektion über Konsultation erteilt hat, keine Neigung zeigt, das zu
praktizieren, was er selbst gepredigt hat.
FRAGE:

Herr Außenminister, nachdem Sie nun Gelegenheit hatten,mit

dem Präsidenten zu sprechen, und ein Treffen mit Herrn Gromyko hatten:
können Sie uns etwas darüber sagen, wie Sie die Zukunft der sowjetischamerikanischen Beziehungen sehen?
treffen?

Werden Sie Gromyko vielleicht erneut

Oder was werden Sie jetzt tun?

ANTWORT: Hinsichtlich des Treffens mit Herrn Gromyko waren meine
Erwartungen nicht hoch, konzentriert man sich auf die Möglichkeit einer
bedeutsamen Änderung der Haltung. Aber ich dachte, es sei nützlich, die
Treffen abzuhalten, und sie waren sogar notwendig, damit es keine falsche
Auffassung, keinen Rechenfehler und kein Mißverständnis hinsichtlich
unserer echten Bedenken geben kann, hinsichtlich unserer wirklichen Ziele und dies in der Hoffnung, daß durch die Bereinigung der Atmosphäre auf
beiden Seiten in dieser Hinsicht wieder ein Dialog begonnen werden kann,
durch den schließlich erneut gemeinsame Interessen identifiziert werden
können, die uns beiden dienen.
Würde man die sowjetische Standardargumentation, die seit Afghanistan
immer und immer wieder vorgebracht wird, als ihre tatsächliche Auffassung
von den amerikanischen Maßnahmen und der amerikanischen Politik seit jener
Zeit akzeptieren, dann würde diese ihre Auffassung einige Korrektur erfordern.

Zum Beispiel ihre Auffassung, daß wir vor Afghanistan den SALT II-

Vertrag absichtlich untergraben und torpediert - sie gebrauchten dieses
Wort nicht - hätten.
Und

- 7 -

�Und ich dachte, es sei für mich wichtig, Herrn Gromyko klarzumachen,
daß der Senat - obgleich der Kampf um SALT II sehr heftig war - seinen
Zeitplan vor allen innenpolitischen Themen freigemacht hatte, so daß die
Debatte im Januar oder Anfang Februar dieses Jahres hätte beginnen können,
daß wir bereit waren, dies zu tun,und daß wir glaubten, es gäbe eine
knappe Möglichkeit - und ich versuchte nicht, zu übertreiben, ich sagte
"eine umkämpfte Chance" - für eine Ratifizierung. Aber ihre Invasion
Afghanistans machte alle Aussicht auf eine Zweidrittelmehrheit zunichte.
Ich sagte, sie sollten das in

Rechnung stellen.

Es ist dies eine

politische Tatsache - es ist keine Vorbedingung, es ist keine Verknüpfung,
es ist eine Tatsache -, daß für eine Ratifizierung des SALT II-Vertrags
eine Zweidrittelmehrheit im Senat nötig ist, und daß dies wegen ihnen nun
außer Reichweite ist. Und dies sollten sie verstehen.
Sollten sie also an SALT II und an den Vorteilen, die er unseren
beiden Ländern und der Welt hinsichtlich geringerer Spannungen und verbesserter Aussicht auf Frieden bringen könnte, interessiert sein, wirklich
interessiert sein, dann müssen sie in Rechnung stellen, daß sie durch ihre
Maßnahme, und allein durch ihre Maßnahme, es im gegenwärtigen Klima
unmöglich gemacht haben, auf eine Ratifizierung des SALT II-Vertrags zu
dringen. Und ich war der Meinung, es sei für sie wichtig, dies zu wissen.
Sollte nun tatsächlich die Entspannung das gewesen sein, was viele
Leute in Amerika glauben - nämlich lediglich ein anderes Instrument oder
Waffe für die Sowjets, die sie zu ihrem eigenen Vorteil verwenden - und eben
keine echte Verpflichtung zu den Vorzügen der Entspannung auf gegenseitiger
Grundlage -, dann werden sie diese Tatsache vielleicht ignorieren. Aber
wenn sie sich tatsächlich Gedanken über die Entspannung machen und SALT II
wirklich unterstützen, und zwar in dem Sinn, daß eher Gleichheit beider
Seiten als Überlegenheit der einen oder anderen Seite erzielt werden sollte,
wenn sie sich wirklich Gedanken darüber machen, wie Spannungen abgebaut

- 8 -

�abgebaut und die Gefahren von Krieg und Aggression verringert werden können,
dann müssen sie diese Tatsache in Rechnung stellen.

Und es schien mir

sehr wichtig, diese Gelegenheit gehabt zu haben, um diesen Punkt bei den
Gesprächen klarzustellen.
Sollten sie nun nach ihrer Rückkehr abwägen und glauben, was ich ihnen
sagte, dann könnten sie vielleicht damit beginnen, die Politik zu überprüfen, die in diese Sackgasse geführt haben.
FRAGE:

Nun,nachdem Sie mit dem Präsidenten über dieses Treffen ge-

sprochen haben: sehen Sie einen Zweck in einem weiteren Treffen mit Herrn
Gromyko und gibt es Aussicht dafür?
ANTWORT: Meiner Meinung nach hängt es davon ab, wie alles in der
Sowjetunion und hier verdaut wird. Wir sind eifrig dabei, alles abzuwägen
und zu bewerten, was er sagte, was er unterstellte, welche Signale gesendet
worden sein könnten, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie die sowjetische
Reaktion sein könnte, nachdem sie das Ganze verarbeitet haben. Das gleiche
werden wir tun.
Ich glaube, das wird etwas Zeit brauchen,und noch wird einiges
geschehen müssen - etwa die rhetorischen Reaktionen, die solchen Treffen
gewöhnlich folgen. All das könnte unsere Endeinschätzung dessen beeinflussen,
was sich im Verlauf meines Treffens mit Herrn Gromyko ergeben hat.
FRAGE:

Was die Autonomieverhandlungen für die Palästinenser angeht:

haben Sie schon irgendwelche Pläne ausgearbeitet, um aus der Sackgasse
herauszukommen?

Glauben Sie, daß Präsident Sadat wieder an den Gesprächen

teilnehmen wird - und falls ja, wann?

Drittens:

haben Sie Hoffnungen, die

europäischen Verbündeten von einer Anerkannung der PLO abzubringen?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Mein Eindruck hinsichtlich der an den Gesprächen teil-

nehmenden Parteien, Ägypten und Israel, ist, daß sie beide ungeachtet
der augenblicklichen Lage fest zu einer Fortsetzung der Gespräche stehen.
Zu den Gesprächen möchte ich folgendes sagen:

zum ersten Mal in der

Geschichte des Nahen Ostens seit Israels Unabhängigkeit haben die beiden
Parteien die harten, zentralen Probleme in den Griff bekommen, die einem
echten Autonomieabkommen im Wege stehen.
Es sind etwa sechs Fragen, um die es geht: um Land, um Siedlungen,
um Sicherheit und so fort, und nachdem eine Menge auderer Probleme aus
dem Weg geräumt ist - wie etwa die Frage nach der Machtbefugnis bzw.
der vorgeschlagenen Befugnis zur Selbstbestimmung -, wird deutlich, daß
hinsichtlich der meisten Regierungsfunktionen, die die Menschen betreffen,
die deren Gesetzgebung unterliegen würden, ein grundlegendes übereinkommen
in Reichweite ist.
Es bleiben also noch die sechs schwierigen Probleme. Nun wäre
es schön, wenn diese alle bis zum 26. Mai gelöst wären, aber sie werden wohl
nicht alle gelöst sein. Andererseits haben die Parteien keine andere Wahl,
als sich mit diesen sechs Fragen auseinanderzusetzen. Es gibt keine
Möglichkeit, sich davor zu verstekcen oder sich von ihnen zurückzuziehen.
Sie stecken beide darin und sind - schon der Natur dessen nach, was bisher
erreicht worden ist, sowie der Natur dessen nach, worüber man bisher übereingekommen ist - gezwungen, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen.
Und ich glaube, der Stabilität in diesem Gebiet wäre schlecht gedient,
der Aussicht auf weitere Unterstützung für die Ergebnisse dieses Prozesses
wäre schlecht gedient, wenn wir jetzt aussteigen würden oder wenn Initiativen
von anderen Ländern ergriffen würden, die diesen Prozeß untergraben würden.
Dies bedeutet nicht, daß die Lösung dieser sechs Fragen einfach sein
wird. Dies ist es offensichtlich nicht. Und es wird Zeit und Ausdauer,
Ermutigung und Ansporn brauchen. Es wird all die überzeugende Kraft brauchen,

�brauchen, über die interessierte Parteien verfügen, um Ergebnisse zu erzielen.
Ich verstehe natürlich, daß diejenigen, die nicht in den Camp DavidProzeß verwickelt waren - einschließlich unserer europäischen Freunde und
der gemäßigten und radikaleren arabischen Länder-, mit dem Prozeß unzufrieden sind, aber nichts,was von außerhalb vorgeschlagen wurde, bietet soweit ich das sehen kann - mehr Aussicht darauf, diese sechs grundlegenden
Fragen und die Frage der Autonomie wirkungsvoller in den Griff zu bekommen
als diese Gespräche.
Die Wirkung jedes Eingriffs von außen und jedes Umwegs wird in einer
Ausdünnung der Konzentration bestehen, die wir derzeit auf diese Fragen
verwenden können und wir würden in einem solchen Fall nur zeitlich und wahrscheinlich auch hinsichtlich der Aussichten zurückgeworfen werden, die wir
auf eine erfolgreiche Behandlung dieser Fragen haben.
Ich verstehe, daß es schwer ist, Parteien, die nicht unmittelbar
damit zu tun haben, von diesem Standpunkt zu überzeugen, aber was ich
sage, sage ich mit großer Überzeugung. Als ich das Amt des Außenministers
übernahm, wollte ich zu meinem eigenen Nutzen diese Frage hier gleich in
der ersten Zeit meiner Amtstätigkeit erschöpfend behandeln. Und dies ist
eine Schlußfolgerung, zu der ich gelangt bin, nachdem ich unsere Botschafter
in Ägypten und Israel zurückgerufen und mit ihnen sowie Mr. Linowitz und
anderen die Fragen sorgfältig besprochen habe.
FRAGE:

Herr Außenminister, die Verbündeten haben hinsichtlich des

Iran weniger getan, als die Vereinigten Staaten gehofft hatten.
Ändert dies in irgendeiner Weise Ihre Strategie?

Und was ist ins-

besondere nunmehr die Strategie für die nächsten Wochen und Monate in
bezug auf die Geiseln?
ANTWORT:
- 11 -

�ANTWORT:

Ich glaube, ich habe den ersten Teil Ihrer Frage nicht

richtig verstanden...
FRAGE:

Die Frage war, daß die Verbündeten in Europa hinsichtlich der

Sanktionen für den Iran weniger getan hätten, als wir erwartet hatten, und
ich möchte nun wissen, ob das an sich schon einen Unterschied in der
Strategie ausmacht?
ANTWORT: Um die Antwort unserer Verbündeten auf unsere Politik in
die richtige Perspektive zu rücken,muß man sich auf die Tatsache konzentrieren,
daß unsere Politik in bezug auf den Iran zum gegenwärtigen Zeitpunkt aus zwei
Elementen besteht. Erstens aus Sanktionen, um weiterhin einen Druck auszuüben. Wir sind der Ansicht, daß dieses Land auf lange Sicht gesehen damit
befaßt sein muß, eine normale Rolle für sich und sein Volk innerhalb der
Völkerfamilie zu spielen,eine Rolle, die Handel, Gewerbe, den Fluß von Gütern,
Ressourcen usw. einschließt. Jedes Land, insbesondere ein Land, das aus
einer Revolution gegen - wie es meint - eine Repression hervorgeht, maß
sich betroffen fühlen, weil Revolutionen schließlich ihren Ursprung in
der Unzufriedenheit des unterdrückten Volkes gegenüber einem besonderen
Regime oder einer besonderen Regierung haben.
Die Grundlage für die Unzufriedenheit ist also noch vorhanden, und
eine neue Regierung muß, nachdem sie einmal gebildet ist, sich damit
auseinandersetzen. Und um sich mit diesen Problemen auseinanderzusetzen politischen, wirtschaftlichen, möglicherweise Bedrohungen von außen um sich also mit diesen Problemen wirksam auseinanderzusetzen, muß die
Regierung des Iran, wenn sie sich jetzt herausbildet, sich mit ihnen befassen;
sie muß sich mit anderen Ländern befassen und auch mit den Problemen der
Normalisierung der Beziehungen mit zumindest jedem anderen Land der Welt,
auch mit den Vereinigten Staaten.
Mir

- 12 -

�Mir scheint, die Sanktionen sind eine andere Möglichkeit, und sie
sind positiv.

Sie sind nicht so weitreichend, wie die Gemeinschaft am

22. April andeutete, aber es sind Sanktionen, und sie stellen einen positiven
Akt der Unterstützung dar.

Wir sollten sie als solchen Akt nehmen.

Verlaufe der Zeit werden diese Sanktionen eine zunehmend stärker

Im

werdende

Auswirkung auf den Iran haben.
Der andere Teil unserer gegenwärtigen Haltung ist es, wo immer möglich
sich der diplomatischen Kanäle zu bedienen, nicht auf der Suche nach
Surrogaten für unsere Position, sondern in der Suche nach diplomatischen
Initiativen, die dem Iran die Konsequenzen einer wachsenden Isolierung von
der übrigen Welt bezüglich seines eigenen Wohlergehens klarmachen sollen.
Zu einem Zeitpunkt, da die Autorität gebrochen und geteilt ist,
wie es seit der Geiselnahme der Fall ist, ist es schwierig, einer solch
geteilten Regierung ein Gefühl der Verantwortung aufzuzwingen. Nachdem
sich einmal eine Regierung konstituiert hat, nachdem das Parlament geoildet
worden ist, wird die Verantwortung und die damit einhergehende Verantwortlichkeit ganz klar jenen zufallen, die in ihre Ämter gewählt worden sind. Sie
werden die Bedeutung einer sich fortsetzenden Geiselnahme für die Zukunft
des Iran und des eigenen Wohlergehens in Erwägung ziehen müssen.
Mir scheint, daß eine nachdrückliche Verfolgung der diplomatischen
Optionen zu diesem Zeitpunkt angezeigt ist; die dynamischen Kräfte der
gegenwärtigen Situation wirken sich auf den Iran aus wie auch auf uns.
Es ist überaus wichtig, daß wir diese Schwungkraft bewahren und daß wir versuchen, uns um Öffnungen zu bemühen, die angezeigt werden.
Ich bezweifele sehr, daß wir durch amerikanische Surrogate effektiv
sein können.

Ich meine vielmehr, daß sich durch indirekte diplomatische

Kanäle Möglichkeiten ergeben.
solcher Möglichkeiten.

Von Zeit zu Zeit erhalten wir Hinweise

Meiner Ansicht nach müssen wir dieses Feld bearbeiten

- 13 -

�bearbeiten und bestellen, damit etwas darauf wächst, und ich glaube
wirklich, daß es sehr wichtig ist, diese Option zu verfolgen.
Die Sanktionen sind keine Sache für sich allein.

Sie müssen im

Zusammenhang mit anderen Dingen gesehen werden.
•

FRAGE:

Herr Außenminister, Südkorea befindet sich gegenwärtig in

einer schwierigen Position, politisch und wirtschaftlich und insbesondere
hinsichtlich des Prozesses der politischen Liberalisierung, und ich meine
auch, der Dialog zwischen Nord und Südkorea läuft nicht allzu gut.
.

•.

Was ist als neuer amerikanischer Außenminister Ihre Politik hinsichtlich der koreanischen Halbinsel?
ANTWORT: Nun, es ist jetzt vielleicht angebracht zu sagen, daß ich
mit der Vereidigung als Außenminister nicht sozusagen über Nacht eine
ganze Bandbreite von Politiken hinsichtlich des gesamten Bereiches der
amerikanischen Besorgnisse und Interessen mitgebracht habe» Wenn Sie mich
nach meiner Politik fragen, so werden Sie häufig nicht so sehr von einer
Politik hören, als vielmehr meine persönliche Reaktion auf eine Situation
oder gegebenes Problem erfahren. Ich möchte diesen Unterschied hier machen,
damit ich mir ein wenig Bewegungsfreiheit erhalte, um dadurch die Gelegenheit
zu haben, dann tiefer in einige dieser Probleme einzudringen - und das
koreanische Problem gehört dazu.
. .

Ich muß sagen, daß meine Reaktion auf die Situation in Korea von
tiefer Besorgnis gekennzeichnet ist, daß sich diese Situation von einer
Politik der Liberalisierung entfernt, die ich für die langfristige
politische Gesundung als wesentlich erachte. Ich möchte hoffen, daß sich
alle Elemente der Gesellschaft in dieser Übergangsperiode Zurückhaltung
auferlegen und daß diejenigen, die die Autorität haben, es tunlich und
angemessen empfinden, sich in Richtung auf die politische Liberalisierung

�Lieberalisierung zu bewegen.
Mehr möchte ich dazu im Augenblick nicht sagen.
FRAGE:

Herr Außenminister, es besteht das weitverbreitete Gefühl,

daß die generellen Richtlinien für die Außenpolitik, für die Sie sich einsetzen, denen vergleichbar sind, für die Ihr Amtsvorgänger eingetreten
ist.

Was glauben Sie selbst, was Sie angesichts der Zweifel Westeuropas an

der Außenpolitik der Carter-Administration und angesichts des Antagonismus
der Sowjetunion zu jener Außenpolitik in den sechs Monaten bis zur Wahl
wesentlich anders machen können?
ANTWORT:
Ein halbes

Ich habe eine Präsidentenwahl in zwei Monaten verloren.

Jahr scheint mir eine ganze Menge Zeit zu sein, etwas Positiveres

zu bewerkstelligen.

(Gelächter)

Ich hege aber nicht die Illusion, ich könnte Wunder wirken,und auch
nicht die, Probleme so vielschichtiger Art wie diese ließen sich allein
deshalb rasch lösen, weil mit mir ein neues Gesicht oder eine neue Gestalt
auftritt - so unerwartet und unvorhergesehen mein Auftritt auch kam.
Ich habe allerdings, wie zu erwarten steht, nach 22 Jahren im Senat
und 26 Jahren als ein politischer Führer auf höchster einzelstaatlicher
Ebene gewisse Vorstellungen von der Welt, in der ich lebe, von den Wertbegriffen, die mein Land repräsentiert, und auch von den Zielsetzungen,
die wir verfolgen sollten.
Ob ich eine Zweitschrift meines Vorgängers bin oder nicht, ist eine
Schlußfolgerung, die sich leicht ziehen läßt. Ich habe eine andere Art,
an diese Aufgabe heranzugehen. Bei meiner Ankunft in Brüssel hat mich
eines besonders beeindruckt: daß sich meine Kollegen aus den Bündnisstaaten
einem amerikanischen Secretary of State gegenübersahen, der aus der Politik

- 15 -

�Politik kommt - was lange nicht mehr der Fall war.

Sie hatten nach meinem

Eindruck, das Gefühl, sie sprächen zu einem Landsmann, weil sie natürlich
alle selbst Politiker sind, die aus parlamentarischen Systemen hervorgegangen
sind.
Ob mir das hinsichtlich Überzeugungskraft, Einfluß oder Glaubwürdigkeit
einen Vorteil einbringt, ist keine Frage, die sich dadurch beantworten läßt,
daß man mich mit dem Manne vergleicht, der mein Vorgänger war.
Ich bin, was ich bin.

Herr Gromyko sagt, er rätsele noch immer daran

herum, was ich sei. Er wird, hoffe ich, noch weiter herumrätseln, glaube
ich doch, daß - mindestens im Bereich des amerikanischen Senats - nur der
erfolgreich sein kann, der nicht auch den zweiten Schuh auszieht, die Leute
solange im Unklaren über seinen nächsten Schritt läßt, bis sie begreifen,
welches Ziel er verfolgt. Ich werde, sobald ich mich richtig eingearbeitet
habe, auf meine Art und Weise klarzustellen versuchen - anfangs so bescheiden
wie möglich -, was ich für die Grenzen halte, innerhalb derer wir auf die
Mitarbeit unserer Verbündeten rechnen, und innerhalb derer wir willig sind,
eine Politik der Entspannung mit der Sowjetunion zu versuchen.
•

Es besteht meiner Meinung nach eine Notwendigkeit, die bestehende
Verwirrung zu beseitigen, die nicht Schuld eines einzelnen sein dürfte.
Ich bin nicht daran interessiert, Fehler zu bewerten. Nach meinem Dafürhalten aber ist die Vorstellung eines Außenministers mit klarem Richtungsbewußtsein, ob Übereinstimmung über die einzuschlagende Richtung besteht, ein
wichtiger erster Beitrag. Und das bedeutet keine Verunglimpfung von Cy Vance keineswegs. Das heißt nur, daß ich Politiker bin.
Ich mußte mein Eintreten für gewisse Aspekte der Außenpolitik vor
einer Wählerschaft verteidigen, die mir das Mandat geben oder verweigern
konnte. Ich mußte lernen, meiner Haltung vor einer großen Zuhörerschaft
Ausdruck zu geben, die mein Standvermögen beurteilen konnte. Das lehrte

�ANTWORT: Wie einer meiner Professoren der juristischen Fakultät zu
sagen pflegte: das
ist eine sehr gute Frage (Gelächter), und ich habe
nicht die Absicht, eine sehr differenzierte Antwort auf sie zu geben.
Etwas zu sagen, was über das hinausgeht, was ich heute morgen schon gesagt
habe, sollte ich meinem Dafürhalten nach nicht einer Pressekonferenz
vorbehalten, sondern andernorts sagen.
Wie angedeutet, bin ich tief besorgt darüber, daß sich die dortige
Regierung von der Liberalisierungspolitik abgewandt hat. Ich hoffe, daß
sie auf den früheren Weg zurückkehren wird und daß in der Zwischenzeit, so
hoffe Ich, alle Elemente Zurückhaltung üben werden, damit die Lage einigermaßen stabil gehalten werden kann.
Ich bin mir darüber im klaren, daß ich eine stärkere Erklärung als
diese abgeben könnte; ich halte dies aber im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht
für nützlich. Ich darf hoffen, daß meine relative bescheidene Antwort
nicht als ein Mangel an Interesse an diesem Problem interpretiert werden
wird. Ich halte Ihre Frage für angemessen.

+ + + + +

,ü .

�Dokumentation

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

21. Mai 1980

25

US-AUSSENMINISTER VERURTEILT SOWJETISCHE AGGRESSION
- Ansprache Muskies am 16. Mai 1980 in Wien -

WIEN

- (AD) - Der amerikanische Außenminister Edmund Muskie hat

in einer Ansprache anläßlich des 25. Jahrestages der Unterzeichnung des
österreichischen Staatsvertrages am 16. Mai in Wien erneut mit Nachdruck
die sowjetische Aggression in Afghanistan verurteilt.

Jeder Aggressions-

akt bedrohe die Sicherheit überall, so erklärte er.
Muskie traf am gleichen Tag zu einer dreistündigen Unterredung mit
seinem sowjetischen Kollegen Andreij Gromyko zusammen. Auf einer Pressekonferenz unmittelbar nach dem Zusammentreffen lehnte Muskie es ab, auf
Einzelheiten einzugehen. Es habe sich um "ernste" Gespräche gehandelt,
die seine Überzeugung bestätigt hätten, daß solche Gespräche notwendig seien,
Der amerikanische Außenminister gab dazu folgende kurze Erklärung ab:
Dies wird keine lange Pressekonferenz.

Herr Gromyko und ich hatten

ein offensichtlich langes und ernstes Gespräch über eine Reihe praktischer
Probleme.

Das Zusammentreffen hat meine Überzeugung bestätigt, daß es

notwendig war, dieses Gespräch zu führen.

Ich werde hier auf keine Einzel-

Postfach20 03 0 0 Tel: 0228-89 32 40
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�Einzelheiten eingehen.

Ich halte es für meine Pflicht, dem Präsidenten

zu berichten -was ich tun werde.
zu weiteren Gesprächen führen wird

Und ich möchte hoffen, daß das Treffen
und daß diese an einem bestimmten

Punkt auf diesem Wege zu einer Beilegung der bestehenden Streitfragen führen
werden.

Ich habe dem nichts hinzuzufügen.

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag hielt der amerikanische
Außenminister folgende Ansprache:
Herr Präsident, Herr Bundeskanzler, Herr Generalsekretär Waldheim,
sehr verehrte Herren Minister und Botschafter, meine Damen und Herren.
Es ist mir eine Ehre und eine Freude, an diesem stolzen Tag die
herzlichen Wünsche des amerikanischen Volkes an das österreichische Volk
zu überbringen.
Und ich bringe an diesem historischen Jahrestag auch eine Botschaft
der Bewunderung und der Freundschaft von Präsident Carter.
Ich freue mich, daß meine erste Auslandsreise als ein Neuling in dem
Beruf des amerikanischen Außenministers mich nach Europa und zu dieser
Feier geführt hat.
Denn dies ist heute ein wichtiger Meilenstein für Österreich und
seine Bevölkerung.

Und für uns alle ist diese Gelegenheit ein Ausdruck

der Hoffnung auf Frieden.
Vor 25 Jahren unterzeichneten die Vier Mächte das Abkommen, das das
Ende der Besatzung in Österreich brachte.

Die nationale Unabhängigkeit

und Integrität dieser großen Nation wurden wiederhergestellt.
Und

- 2 -

�Und durch die Stärke, die Entschlossenheit und den Einfallsreichem
der Führer und der Bevölkerung Österreichs ist dieser Vertrag seither in
lebendige

Wirklichkeit umgesetzt worden.

Österreich ist heute eine erfolgreiche Demokratie.
Es hat eine blühende und dynamische Gesellschaft - weit über die
Erwartungen hinaus, die selbst die Weitblickendsten unter uns hegen konnten.
Und in diesem Zeitraum hat die Rolle Österreichs als konstruktive
Kraft in der Welt ständig zugenommen. Hier treffen sich wirklich die
Straßen,und hier ist gemeinsamer Boden für alle Nationen.
Sie haben die Politik der aktiven Neutralität verfolgt - die Politik,
die diesem Vertrag zu Grunde liegt und die in Ihrer Verfassung niedergelegt
ist - nicht eng und zögernd, sondern mit Weitblick und Mut.
Die Vereinigten Staaten achten zutiefst die ewige Neutralität Österreichs,
und wir werden seine Unabhängigkeit weiterhin unterstützen.
Der österreichische Staatsvertrag wurde vor dem Hintergrund einer
unruhigen Welt unterzeichnet.

Die Spannungen zwischen den Ländern waren

groß - vor allem zwischen den westlichen und östlichen Siegern des Zweiten
Weltkrieges.

Im gleichen Sinne steht die heutige Feier im Gegensatz zu

der Atmosphäre, die in einem großen Teil der Welt herrscht.
Eine Reihe von Krisen bedroht die internationale Stabilität.
Unsere Volkswirtschaften - in den Industrie- wie in den Entwicklungsländern - stehen vor schwierigen Problemen.
Wir

- 3 -

�Wir sind mit dem Gespenst des internationalen Terrorismus konfrontiert Akten der Unmenschlichkeit unter Mißachtung der grundlegendsten Prinzipien
einer zivilisierten Welt.
Wir erleben eine Welt in beträchtlichem Umbruch - da sich Länder und
Völker mit wachsendem Nachdruck geltend machen.
Alle diese Krisen sind eine Herausforderung an den Einfallsreichtum der
internationalen Gemeinschaft, wie sie ihr selten zuvor gestellt wurde.
Und wir müssen uns nüchtern einer weiteren Realität stellen.

Die

Grundsätze der Neutralität, der Unabhängigkeit und der territorialen
Integrität, die im Falle Österreichs so geachtet wurden, werden heute verletzt.
Heute werden wir erneut mit einer lebenswichtigen Lehre der Vergangenheit
konfrontiert:

Daß ein Akt der Aggression - gleichgültig an welchem Ort -

die Sicherheit überall bedroht.
Auch heute werden sich mein Land und andere Länder nicht weniger als
in der Vergangenheit solchen Handlungen widersetzen. Durch die Festigkeit
und Klarheit unserer Reaktion, durch eine starke Verteidigung und starke
Bündnisse ist es unser Ziel, das Gleichgewicht zu erhalten - und die Zurückhaltung zu stärken -,auf der der Frieden für uns und andere beruht.
Wir werden weiterhin die Kosten für die Aggression fordern, solange
sie andauert.

Denn wir sind dem Aufbau des Friedens verpflichtet, indem wir

ein internationales Umfeld schaffen, in dem nationale Unabhängigkeit
respektiert wird.
Und wir werden weiterhin auf andere Weise daran arbeiten, einen stabileren
Frieden zu schaffen. Wir wollen den Rahmen der Ost-West-Beziehungen erhalten.

Wir
- 4 -

�-

Wir werden weiterhin eine ausgewogene Kontrolle und Verringerung
der Rüstungen auf der Basis der Gleichheit anstreben.

-

Wir bleiben der Ratifizierung des SALT II-Vertrages verpflichtet,
und wir werden uns an seine Bestimmungen halten, solange dies
beiderseits geschieht.

-

In Übereinstimmung mit der NATO-Entscheidung vom Dezember vorigen
Jahres werden wir weiterhin für baldige Verhandlungen über eine
Begrenzung weitreichender nuklearer Mittel Streckensysteme in Europa
(LRTNF) eintreten, und wir werden die Verhandlungen hier in Wien
über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen (MBFR) in
Europa fortsetzen.

-

Wir erwarten die Madrider Folgekonferenz der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) als eine Gelegenheit für
ausgewogene Gespräche über die Entwicklungen seit Belgrad.

-

Und der Weg zu einer breiteren Zusammenarbeit, zu einem Abbau
der Spannungen in Europa und anderswo ist offen, wenn die Politik
anderer dies erlaubt. Wir haben uns einer realistischen Suche nach
gemeinsamem Boden verschrieben. Aber wir müssen alle einsehen,
daß Entspannung nur in einer Atmosphäre der Zurückhaltung, auf der
Grundlage der Treue zu den Grundgeboten des internationalen Rechts
gedeihen kann.

Wir hegen weiterhin die Hoffnung, daß ein Fortschritt erzielt werden kann.
Und diese Gelegenheit hier bestärkt unsere
Hoffnung: Denn der Vertrag,
dessen wir heute gedenken, ist eine ständige Mahnung. Er ist eine Mahnung,
daß es selbst in schwierigsten Zeiten möglich, ja am wichtigsten ist, für
eine stabile und friedliche Welt zu arbeiten.
So

- 5 -

�So ist diese Feier nicht nur Anlaß zu einem stolzen Blick zurück, sie
ist ein Grund zur Hoffnung.
Ich bin
zu dürfen

dankbar

für die Gelegenheit, diesen Tag mit Ihnen verbringen

und Sie erneut der Freundschaft, der Achtung und der Unterstützung

seitens des amerikanischen Volkes zu versichern.

+ + + + +

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

21. Mai 1980

25

STAATSSEKRETÄR C00PER
ERLÄUTERT DIE AMERIKANISCHE HALTUNG IM NORD-SÜD-DIALOG

WASHINGTON - (AD) - Der Staatssekretär für Wirtschaftliche Angelegenheiten, Richard N. Cooper, erläuterte in einer Erklärung vor einem
Unterausschuß des Außenpolitischen Ausschusses des Repräsentantenhauses
am 15. Mai 1980 die amerikanische Haltung im Nord-Süd-Dialog. Er wies
darauf hin, daß dieser Dialog gerade dann besonders erfolgreich gewesen
sei, wenn er sich auf spezifische Themen und realistische Vorschläge
konzentriert habe und eindeutig beiderseitige Interessen verfolgt wurden.
Die wesentlichen Auszüge aus der Erklärung des Staatssekretärs haben
folgenden Wortlaut:
Das Ziel der Entwicklungsländer im Nord-Süd-Dialog ist eine Umgestaltung
des internationalen Wirtschaftssystems, die Schaffung einer neuen Weltwirtschaftsordnung mit den Hauptzielen der Förderung ihrer Entwicklung
und dessen, was sie als eine gleichmäßigere Verteilung der Reichtümer
dieser Welt erachten.
Wir

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�Wir verstehen die Bestrebungen der Entwicklungsländer, und wir
sympathisieren mit ihnen.

Auch wir haben ein gewaltiges Interesse an dem

weiteren ruhigen Funktionieren des internationalen Wirtschaftssystems.

Wir

sind der Welt größter Exporteur und Importeur sowohl von Rohstoffen als auch
von Fertigwaren, der größte Kapitalanleger im Ausland und schließlich der
größte internationale Schuldner und zugleich Geldgeber.

Wesentliche Ver-

änderungen des Systems können daher bedeutsame Auswirkungen auf unser eigenes
Wohlergehen haben.
Blicken wir auf die letzten drei Jahrzehnte zurück, so hat unserer
Meinung nach das System flexibel - wenn schon nicht stets reibungslos auf die wesentlichen Veränderungen in der Welt reagiert,

einschließlich der

zunehmenden wirtschaftlichen und politischen Bedeutung der Entwicklungsländer.
Wir sind für die weitere Entwicklung dieses Systems, um sich auf neue
Situationen einzustellen.

Aber die Änderungen, die vorgeschlagen werden,

sollten mit höchstmöglicher Wahrscheinlichkeit das System für jeden verbessern; sollte dies nicht der Fall sein, so wäre es unsinnig, ein System
zu stören, das bislang hinreichend gut funktioniert hat.
Natürlich haben wir zusätzliche Kriterien, mit denen wir Änderungsvorschläge für dieses System beurteilen. Wir wünschen ein System, das die
Stabilität und die Voraussagbarkeit bietet, welche den Handel fördern und
finanzielle Transaktionen erleichtern, Transaktionen, die in zunehmendem
Maß ihrer Natur nach langfristig sind. Dies bedeutet nicht ein System, das
sich der Veränderung widersetzt, sondern das vielmehr erkennt, daß die
nationalen Sozial- und Wirtschaftsstrukturen den Wandel nur bei einem vernünftigen Tempo absorbieren können. Plötzliche Änderungen bei den Spielregeln für Investitionen und finanzielle Transaktionen oder grobe Verwerfungen bei den Verhaltensmustern im Handelsbereich tendieren dazu, die
gesamte wirtschaftliche Aktivität zu behindern. Aus diesem Grund setzen
wir uns für den notwendigen Wandel in einem Tempo ein, das ohne übermäßige
Störungen absorbiert werden kann.
Zweitens
- 2 -

�Zweitens wünschen wir ein internationales System, das die wirkungsvolle
Nutzung der Ressourcen dieser Welt fördert.

Wie uns die derzeitige Energie-

situation schmerzlich klargemacht hat, können wir es uns nicht leisten,
die Rohstoffe der Welt zu vergeuden - sei es Kapital, seien es Rohstoffe
oder Menschen.

Daher haben wir im Prinzip ein internationales System des

Freihandels und des ungehinderten Kapital Stroms verfolgt.

Wir sind davon

überzeugt, daß ein solches System dazu führen wird, daß die Länder aus
ihren wechselseitigen Vorteilen und der zunehmenden weltweiten Effizienz
Nutzen ziehen.
Wie uns allen bewußt ist, stehen die Industrieländer zudem vor ihren
eigenen Wirtschafts- und Haushaltsproblemen, besonders in diesen Zeiten
der Stagflation. Dies ist einer der wesentlichen Gründe dafür, daß es
schwer für uns ist, einige der legitimen Wünsche der Entwicklungsländer zu
erfüllen, wie etwa den nach mehr offizieller Hilfe und vermehrtem Zugang
zu unseren Märkten. Hierbei handelt es sich um Forderungen, die zwar das
Weltwirtschaftssystem nicht gefährden, jedoch zusätzliche Ausgaben für Hilfsund Ausgleichungsprogramme für Arbeiter und Industrien erfordern, die von
den erhöhten Einfuhren betroffen sind.
In gewissem Sinn umfaßt daher der Nord-Süd-Dialog das Abwägen einer
Vielfalt politisch, wirtschaftlich und sozial wünschenswerter Ziele Entwicklung, Wachstum, Leistungsfähigkeit, Ausgeglichenheit und Stabilität bei der Bewertung ganz bestimmter politischer Vorschläge...
Im Nord-Süd-Dialog sind Fortschritte erzielt worden. Maßnahmen wurden
ergriffen, aus denen beide, Industrie- und Entwicklungsländer, Nutzen ziehen,
und die Entwicklungsländer weiter in das internationale Wirtschaftssystem
einbezogen haben. Ohne ins Einzelne zu gehen, können einige Beispiele
erwähnt werden:
Bei

- 3 -

�Bei den Rohstoffen wurden neue Abkommen über Gummi und Zucker ausgehandelt; die Vereinigten Staaten traten dem Zinn-Abkommen bei.

Die

Verhandlungen über einen Gemeinsamen Fonds kommen gut voran, wobei
es hoffentlich im Juni zu einer Endregelung kommen wird.

Liberalisie-

rungen im Rahmen der Finanzierungserleichterungen bei Kompensationsgeschäften durch den Internationalen Währungsfonds in den Jahren 1975
und 1979 sind für Exporteure von Rohstoffen besonders nützlich.
Bei der Tokio-Runde einigten sich die Industriestaaten darauf, die
Zölle um etwa ein Drittel zu senken und sich bei den Zoll frei grenzen
größere Disziplin aufzuerlegen.

Außerdem unterzeichneten die

Vereinigten Staaten 27 bilaterale Abkommen mit Entwicklungsländern.
Auch hatten alle Industrieländer erst vor kurzem Zoll Präferenzen
eingeführt, um den armen Entwicklungsländern zu helfen.
Im Finanzbereich stellen die vom IWF eingerichteten Erleichterungen
und erweiterten Quoten Mittel zur Verfügung, um eine Reihe von Anpassungsproblemen der Entwicklungsländer mit größeren

Beträgen

und zu flexibleren Bedingungen in den Griff zu bekommen.

Vor zwei

Wochen (am 22. April 1980) wurde im Rahmen der UNCTAD (der UNKonferenz über Handel und Entwicklung) Einigung über einen Kodex
bei bestimmten Geschäftspraktiken erzielt.
Was die Entwicklungshilfe angeht, so wurden in den vergangenen
vier Jahren zusätzliche Mittel im Umfang von über 100 Milliarden
Dollar für die Multilateralen Entwicklungsbanken und -fonds ausgehandelt. Dazu gehören 40 Milliarden Dollar für Kapital aufStockung
der Weltbank, die deren Funktionstüchtigkeit bis weit in die achtziger
Jahre hinein garantieren werden. In Rom wurde der Internationale
Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung eingerichtet. Einzelne
Industrieländer und die Länder der OPEC haben ihre eigenen Hilfsprogramme ausgeweitet.
Den

�-

Den ärmsten Entwicklungsländern wurde besondere Aufmerksamkeit
geschenkt.

Die offizielle Entwicklungshilfe für sie stieg von

etwa 4,1 Prozent ihres Gesamtbruttosozialprodukts im Jahr 1971
auf annähernd 10,3 Prozent im Jahr 1978.
-

Im Bereich der Technologie haben wir bei der UN-Konferenz über
Wissenschaft und Technologie der Entwicklung der Errichtung eines
Zwischenfonds für Wissenschaft und Technologie für die Entwicklung
zugestimmt.

Auf dem Gipfeltreffen in Tokio haben wir uns mit der

Verdoppelung der Mittel für die internationalen landwirtschaftlichen Forschungszentren einverstanden erklärt, die sich auf die
Landwirtschaftsprobleme der Entwicklungsländer konzentrieren.
Wenn wir auch weiterhin Fortschritte auf dem Feld des Nord-Süd-Dialogs
machen wollen, sollten wir uns überlegen, welche Faktoren zu den Erfolgen der
Vergangenheit geführt haben. Zwei Punkte verdienen Beachtung.
Erstens, der Dialog war immer dann besonders produktiv, wenn er sich
auf spezielle Themen und auf realistische Vorschläge konzentrierte. UNCTAD II
beschäftigte sich mit Handelserleichterungen und UNCTAD IV mit Rohstoffabkommen und dem Gemeinsamen Fonds. Die Entwicklungsländer drängten bei anschließenden internationalen Treffen auf die weitere Behandlung dieser
Fragen, und es kam schließlich zu positiven Ergebnissen.
Zweitens: Fortschritt ist dann am wahrscheinlichsten, wenn es um
eindeutig beiderseitige Interessen geht - und nicht so sehr darum, daß eine
Seite die andere auffordert, Konzessionen zu machen, ohne selbst etwas
dafür zu bekommen. Hinsichtlich der Rohstoffpolitik zum Beispiel reagierten
die Vereinigten Staaten in dem Glauben daran, daß stabile Rohstoffpreise
und Produktion sowohl für die Verbraucher- als auch für die Herstellerländer von Vorteil seien. Ungerechtfertigt niedrige Preise ermutigen den
Produzenten und können in der Folge zu Knappheit und hohen Preisen führen,

- 5 -

�führen, während heftig steigende Preise eine inflationäre Wirkung auf
die Volkswirtschaften der Verbraucher haben.

Ähnlich halfen die Erleichterungen

bei den Finanzierungsmöglichkeiten nicht nur den Lieferanten von Rohstoffen
dabei, kurzfristige Knappheit bei ihren Exporteinnahmen auszugleichen,
sondern ermöglichten es ihnen auch, ihre Nachfrage nach Industriegütern auf
einem gleichmäßigeren Niveau zu halten, was eine günstige antizyklische
Auswirkung auf die Hersteller von solchen Industriegütern hatte.
Manchmal fehlten diese Bedingungen.

Voriges Jahr legten etwa die

Entwicklungsländer auf der UNCTAD V in Manila eine lange Liste mit Forderungen
vor, ohne sich jedoch auf bestimmte Bereiche zu konzentrieren.

Daher war

diese Konferenz eine Angelegenheit ohne inneren Aufbau, die nur begrenzte
Ergebnisse zeitigte.

Die Entwicklungsländer haben ihre Position für die

UNIDO III (die UN-Organisation für industrielle Entwicklung) in der hochpolitischen Atmosphäre von Havanna entwickelt.

Dabei produzierten sie

nicht nur eine weitere lange Liste mit Forderungen,ohne auf die Interessen
der Industriestaaten zu achten, sondern legten auch einen völlig unrealistischen
Vorschlag über einen Nord-Süd-Fonds in Höhe von 300 Milliarden Dollar vor,
der der Förderung der Industrialisierung der Entwicklungsländer dienen
soll.

Wiederum war ein Fortschritt unmöglich...

Ein Grund für die Schwierigkeit der Entwicklungsländer, ihre Aufmerksamkeit
auf einige wenige Hauptprobleme zu begrenzen, ist die Vielfalt ihrer Interessen.
Die ärmsten Länder brauchen mehr amtliche Entwicklungshilfe, Länder mit
mittlerem Einkommen möchten Unterstützung ihrer Zahlungsbilanz und verbesserte
Bedingungen im Rohstoffhandel,und den reicheren Entwicklungsländern geht
es vor allem um Zugang ihrer Industriegüter zu den Märkten, sowie um Zugang
zu privaten Kapitalmärkten und um Technologie. Die öl importierenden Länder
wünschen sich stabile öl preise und Hilfe, um für ihr öl bezahlen zu können;
die öl exportierenden Länder machen sich Gedanken um die Inflation in den
Industrieländern und um die Sicherheit ihrer Vermögenswerte. Politiken,
die vielleicht einer Gruppe von Entwicklungsländern helfen können, sind für

- 6 -

�für andere schädlich.

Dies hat zur Folge, daß eine Liste von Forderungen

erstellt wird, die auf dem größten gemeinsamen Nenner basiert,der zwar ihre
kollektiven politischen Forderungen befriedigt, aber ihre politische Wirksamkeit bei Verhandlungen mit den Industriestaaten einengt und die Gesamtdialoge
auf äußerste erschwert.
Bei der Vorbereitung der weltweiten Verhandlungen haben wir unsere
Erfahrung aus den Nord-Süd-Gesprächen sorgfältig überprüft und die kritischen
Probleme untersucht, die wir vor uns sehen. Wir wissen, daß wir in eine
Periode hoher öl preise,relativ niedriger Wirtschaftswachstumsraten und größerer
finanzieller Ungleichgewichte eintreten. Langsames Wachstum und Handelsdefizite werden viele Beteiligte dazu verleiten, protektionistische
Maßnahmen im Handelsbereich zu fordern. Außerdem wird eine Reihe von Entwicklungsländern mitte der achtziger Jahre vor zunehmendem Nahrungsmittelmangel stehen.
In den nächsten Jahren müssen wir Wege finden, um Energie wirkungsvoller
zu nutzen und neue Energiequellen zu erschließen. Wir müssen Wege finden,
um sicherzustellen, daß die gewaltigen OPEC-Überschüsse zurücktransferiert
werden, um auch weiterhin ein vernünftiges Wanstumsniveau zu ermöglichen.
Wir müssen uns dem Druck nach Protektionismus widersetzen und die Ausweitung
der Nahrungsmittelproduktion sicherstellen.
Längerfristig muß sichergestellt werden, daß alle Länder ihre Produktion
von konventioneller und nichtkonventioneller Energie erhöhen, während wir
uns von Volkswirtschaften ablösen, die sich auf das Erdöl stützen,und in solche
übergehen, die auf einer breiteren Mischung von Energiequellen basieren.
Wir müssen alle Länder dazu ermutigen, Maßnahmen zu ergreifen, die es ihren
Volkswirtschaften erlauben, sich diesen veränderten Bedingungen anzupassen, und
wir müssen den Entwicklungsländern dabei helfen, ihre Nahrungsmittel Produktion
zu erhöhen.
Dies sind die wichtigsten Aufgaben, die es auf vielen Ebenen und in vielen
Formen zu verfolgen gilt....
+ + + + +
- 7 -

�1

1
I

3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

21. Mai 1980

25

PRÄSIDENT CARTER BEGRÜSST DIE ENTSCHEIDUNG DES DEUTSCHEN NOK

WASHINGTON - (AD) - In einer vom Weißen Haus in Washington am 15. Mai
1980 veröffentlichten Erklärung hat Präsident Carter die vom Nationalen
Olympischen Komitee (NOK) der Bundesrepublik Deutschland getroffene Entscheidung begrüßt, nicht an den Olympischen Sommerspielen in Moskau teilzunehmen.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Wir begrüßen die mutige Entscheidung des westdeutschen Olympischen Komitees
nicht an den Olympischen Spielen in Moskau teilzunehmen.

Das Komitee, die

Bundesregierung und die Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland verdienen
die Bewunderung all jener in der ganzen Welt, die an Frieden und Freiheit
glauben und die die Tatsache anerkennen, daß das Erreichen dieser Ziele zuweilen schmerzhafte Opfer erfordert.
Die sowjetische Invasion Afghanistans ist ein schwerwiegender Schlag gegen Frieden und Freiheit. Wir hoffen, daß die anderen Olympischen Komitees
in Westeuropa dem Rat ihrer eigenen Regierungen folgen und sich dem westdeutschen Olympischen Komitee dabei anschließen werden, ihre ablehnende Haltung
gegenüber der sowjetischen Aggression zu demonstrieren.
+ + + + +

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�Dokumentation

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

21. Mai 1980

25

PRÄSIDENT CARTER TRIFFT MITGLIEDER DES
INTERNATIONALEN OLYMPISCHEN KOMITEES (IOC)
Amerikanische NichtteiInahme an den Moskauer Spielen erneut bestätigt -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter traf am 16. Mai 1980
mit Vertretern des Internationalen Olympischen Komitees, darunter dessen
Präsidenten, Lord Killanin, zusammen und unterstrich erneut, daß die
Vereinigten Staaten angesichts der sowjetischen Invasion in Afghanistan
nicht an den Olympischen Sommerspielen in Moskau teilnehmen werden. Carter
machte zugleich deutlich, daß die amerikanische Haltung keineswegs ein Ende
für die Unterstützung der internationalen olympischen Bewegung durch die
Vereinigten Staaten bedeute, daß aber ein Boykott der Spiele als Protest
gegen die sowjetische Aggression notwendig sei.
Die Erklärung, die das Weiße Haus nach dem Treffen des Präsidenten
mit den Vertretern des IOC veröffentlichte, hat folgenden Wortlaut:
Der Präsident traf heute mit Lord Killanin, dem Präsidenten des
Internationalen Olympischen Komitees und Madame Monique Berlioux, dessen

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�dessen Direktorin, auf deren Bitte hin zusammen.

Der Präsident bestätigte

erneut, daß die ablehnende Haltung der Vereinigten Staaten gegenüber der
Entsendung einer Mannschaft zu den 22. Olympischen Spielen in Moskau einzig
von der sowjetischen Invasion in Afghanistan und unserer Überzeugung herrührt, daß es nicht angemessen ist, an den Spielen in einem Gastland teilzunehmen, das bei seinem Nachbarn einmarschiert ist.
Der Präsident machte deutlich, daß diese Haltung in keinster Weise
unserer Unterstützung der internationalen Olympischen Bewegung Abbruch
tut und wir bei den 23. Olympischen Spielen in Los Angeles im Jahr 1984
Athleten aus allen teilnahmeberechtigten Ländern willkommen heißen werden.
Der Präsident versicherte erneut, daß die Vereinigten Staaten auch
weiterhin anderen Regierungen und Olympischen Komitees eindringlich empfehlen
werden, sich einer Teilnahme an den Olympischen Spielen diesen Sommer in
Moskau zu widersetzen.

Er bemerkte, daß über 40 Nationale Olympische Komitees,

einschließlich derer der Vereinigten Staaten, der Bundesrepublik Deutschland,
Kanadas, Chinas, Norwegens, Kenias, Argentiniens und vieler moslemischer
Länder sich bereits dazu entschlossen haben, nicht an den Olympischen Spielen
in Moskau teilzunehmen.

Es wird erwartet, daß weitere einflußreiche Nationale

Komitees im Lauf der kommenden beiden Wochen die gleiche Haltung einnehmen
werden.

+ + + + +

�21. Mai 1980

25

WELTVERBRAUCH AN KOHLE WÄCHST
Internationale Studie bewertet Rolle der Kohle in den nächsten Jahrzehnten

- (AD) - Kohle kann in den nächsten 20 Jahren die Hälfte bis zwei
Drittel des zusätzlichen Energiebedarfs für ein mäßiges Weltwirtschaftswachstum decken. Dies besagt die am 12. Mai 1980 veröffentlichte internationale Studie "Kohle - Brücke zur Zukunft", die von Experten aus 16
Ländern unter der Leitung von Prof. Carrol L. Wilson (Massachusetts
Institut of Technology - MIT in Boston) als Ergebnis zweijähriger Untersuchungen ausgearbeitet wurde. Die Verfasser, die als Leiter von Fachressorts im Staatsdienst stehen oder an führender Stelle in der Wirtschaft
tätig sind, sehen für die nächsten zwei Jahrzehnte eine Verdreifachung des
Kohleverbrauchs und eine Steigerung des Welthandels mit Kohle für die Wärmeproduktion um das 10- bis 15fache voraus. Dies würde eine jährliche Erhöhung
der Kohleförderung um fünf Prozent notwendig machen. Schon heute wird ein
Viertel des Weltenergiebedarfs mit Kohle eingedeckt.
Im Jahr 2 000 wird, wie jetzt auch, der größte Anteil des Kohleverbrauchs auf die Stromerzeugung entfallen (er liegt z.Zt. bei mehr als

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�als 60 Prozent).

Weitere wichtige Anwendungsgebiete finden sich in ver-

schiedenen Sektoren der Industrie, insbesondere bei der Hüttenindustrie;
außerdem wird Kohle als Rohstoff für die Gewinnung synthetischer Brennstoffe
dienen.

Mit einer Verdreifachung der Kohleproduktion, gekoppelt mit der

Entwicklung anderer Energiequellen außerhalb des ölbereichs sowie "energisch
geförderten" Sparmaßnahmen,ergebe sich, wie die Studie besagt, die Möglichkeit,
für die Weltenenergieproduktion eine jährliche Zuwachsrate von mindestens
1,8 Prozent und ein "mäßiges" Wirtschaftswachstum von mindestens 3 Prozent
zu erzielen.

Werde jedoch die Kohleförderung nicht ausgeweitet, seien

"die Aussichten düster".
Als weitere Hauptpunkte in den Schlußfolgerungen der Studie werden
genannt:
-

Verbraucher, Produzenten und Regierungen müssen prompte und koordinierte
Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, daß die erforderlichen
Kohlenmengen verfügbar sind.

Im besonderen können Regierungen

wesentliche Beiträge leisten, indem sie für vertrauenswürdige
und stabile Verhältnisse sorgen, die für Investitionsentscheidungen
notwendig sind, indem sie ferner Verzögerungen in der Genehmigung
und Planung von Projekten ausschalten, klare und vernünftige
Bestimmungen für den Umweltschutz erlassen und die Ausweitung des
freien und am Wettbewerb orientierten internationalen Kohlenhandels
erleichtern;
-

Kohle kann in den meisten Regionen auf eine Weise abgebaut, transportiert und genutzt werden, die einem hohen Gesundheits-, Sicherheits- und Umweltschutzstandard entspricht - und zwar unter Ausschluß
nicht akzeptierbarer Kostensteigerungen. Die gegenwärtigen Erkenntnisse über mögliche Auswirkungen von Kohlendioxid auf das
Klima rechtfertigen nicht, eine Ausweitung der Kohlenutzung zu
verzögern;
Mancherorts
- 2 -

�-

Mancherorts ist Kohle als Primärenergie für die Stromerzeugung und
für Industriezwecke bereits voll wettbewerbsfähig.

Mit dem weiteren

Ansteigen der ölpreise auf dem Weltmakrt wird sie ihren Anteil
auf den genannten Gebieten erhöhen und zusätzliche Märkte gewinnen;
-

Technologie-Fortschritte bei der Verbrennung, Vergasung und Verflüssigung von Kohle werden in den neunziger Jahren und danach
auch unter Gesichtspunkten des Umweltschutzes eine starke Ausweitung
der Kohlenutzung als akzeptabel erscheinen lassen;

-

die für eine Vergrößerung der Fördermengen und Transportkapazitäten
für Kohle erforderlichen Mittel können durchaus von einheimischen
und internationalen Kapitalmärkten aufgebracht werden.

Allerdings

dürften Schwierigkeiten in der Finanzierung großer Kohleprojekte
in einigen Entwicklungsländern "Sonderlösungen" erforderlich machen.
In der Kohlestudie wird hervorgehoben, daß vermutlich nur die Vereinigten
Staaten und Australien in der Lage sein werden, im Jahr 2 000 mehr als 100
Millionen Tonnen jährlich zu exportieren. Für die USA wird in zwei Jahrzehnten eine Jahresexportmenge von ca. 350 Millionen, für Australien von
200 Millionen Tonnen Kohle angenommen. Andere wichtige Förderländer
dürften u.a. Südafrika, Kanada, Polen, die Sowjetunion und die Volksrepublik
China sein. In gewissem Umfang seien, wie in der Studie ausgeführt ist, auch
Entwicklungsländer wie Indien, Kolumbien und Indonesien als Kohleexportländer
zu betrachten.
Der Weltkohlehandel, Hüttenkohle eingeschlossen, dürfte bis zum Ende
des Jahrhunderts auf das Vier- bis Fünffache der gegenwärtigen Mengen, d.h.
auf 800 Millionen bis eine Milliarde Tonnen anwachsen. Die letztgenannte
Menge sei das Äquivalent zur Hälfte des ölexports der OPEC-Länder im Jahr
1979. Zu den wichtigsten Kohleimportländern werden Japan, Frankreich, Italien
und andere westeuropäischen Länder sowie Südkorea und Taiwan zählen.
Unter
- 3 -

�Unter Zugrundelegung der heutigen Kohlepreise von 35 Dollar pro Tonne
könnte der Export von 350 Millionen Tonnen amerikanischer Kohle im Jahr
2 000 zusätzliche Deviseneinnahmen in Höhe von etwa 12 Milliarden Dollar
bringen. Dies ist wesentlich mehr, als durch die Exporte von Getreide oder
Sojabohnen erzielt wird.
Die Kohle-Studie wurde von einer Reihe internationaler Stiftungen,
den Firmen AMAX, Atlantic Richfield Company und Bechtel National Inc.
sowie vom US-Energieministerium finanziert. An ihrer Durchführung waren mehr
als 80 Fachleute aus Australien, Dänemark, der Bundesrepublik, aus Finnland,
Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Kanada, den
Niederlanden, aus Polen, Schweden, den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China beteiligt.

+ + + + +

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          <description>The nature or genre of the resource</description>
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              <text>Digitalisat</text>
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          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
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              <text>Amerikadienst 21.05.1980</text>
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          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz von US-Außenminister Muskie in Washington am 20.05.1980&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Außenminister verurteilt sowjetische Aggresstion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache Muskies am 16. Mai 1980 in Wien -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Staatssekretär Cooper erläutert die amerikanische Haltung in Nord-Süd-Dialog&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter begrüßt die Entscheidung des deutschen NOK&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter trifft Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Amerikanische Nichtteilnahme an den Moskauer Spielen erneut bestätigt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltverbrauch an Kohle wächst&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Internationale Studie bewertet Rolle der Kohle in den nächsten Jahrzehnten -&lt;/em&gt;</text>
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