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                  <text>Information
und
Dokumentation

1
»

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14. Mai 1980

24

I N H A L T

DOKUMENTATION
Carter: Weltstabilität erfordert starke amerikanische Führung
- Rede des US-Präsidenten in Philadelphia Erklärung von Vizepräsident Mondale in Belgrad
- Wortlaut HINTERGRUNDMATERIAL
Gedenktag zum Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert an 35 Jahre
der Zusammenarbeit im Bündnis
- Von George S, Vest, Unterstaatssekretär
Giftmüll und gefährliche Substanzen
- US-Umweltschutzbehörde veröffentlicht neuen Vorschriftenkatalog
"Kleinar-beit" für die Nutzbarmachijng der Erdwärme
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Diagnoseihilfe für die Beobachtung Frühgeb orener

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�Dokumentation

I 1

International ^ommunication Agency
Embassy ot the United States of America

24

14. Mai 1980

CARTER: WELTSTABILITÄT ERFORDERT STARKE AMERIKANISCHE FÜHRUNG
- Rede des US-Präsidenten in Philadelphia -

PHILADELPHIA - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 9. Mai 1980 in einer
Rede vor dem Rat für Weltpolitik (World Affairs Council) in Philadelphia die
Notwendigkeit einer starken amerikanischen Führung betont, wenn die Welt zu
einer globalen Zusammenarbeit und zum Frieden kommen solle.

Eine solche Welt-

gemeinschaft, so führte Carter vor dem Rat - einer privaten Organisation aus, müsse auf der Achtung der Menschenrechte beruhen .

Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Es ist mir ein Vergnügen, in Philadelphia zu sein - denn die Stadt, in
der unsere Nation geboren wurde, ist ein besonders geeigneter Ort, um über die
künftige Außenpolitik dieser Nation zu sprechen.

Und es ist mir ein besonderes Vergnügen, vor dem Rat für Weltpolitik in
Philadelphia zu sprechen.

Ich kenne die gute Arbeit, die Sie geleistet haben,

um Philadelphia zu einer wahrhaft internationalen Stadt zu machen und das Motto
Ihrer Organisation zu erfüllen:

"In einer Demokratie ist es nicht wesentlich,

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�wesentlich, daß man sich immer einig ist, sondern daß man mitmacht."

Und ich

möchte hinzufügen, daß auch die informierte Kenntnis wesentlich ist.
Während der letzten sechs Monate fand all unser politisches Handeln im Ausland im Scheinwerferlicht zweier Krisen statt: dem Festhalten der amerikanischen Geiseln im Iran und der brutalen Invasion der Sowjetunion in Afghanistan.
Wenn wir mit diesen Krisen fertig werden wollen, dann müssen wir unsere
Taktiken mit den sich ändernden Umständen ebenfalls ändern.

Aber unsere Ziele

werden immer die gleichen bleiben:
Wir werden nicht ruhen, bis unsere amerikanischen Mitbürger, die im Iran
im Gegensatz zu allen Gesetzen von Recht und Anstand festgehalten werden, sicher
und frei sind.
Zusammen mit anderen Ländern, die die sowjetische Aggression verurteilt
haben, werden wir der Sowjetunion weiterhin einen wirtschaftlichen und politischen Preis auferlegen, bis sie ihre Streitkräfte zurückzieht und die Unabhängigkeit Afghanistans wiederherstellt.
Diese beiden Krisen unterstreichen die Tatsache, daß unsere Welt ein
gefährlicher Ort ist. Aber was ich heute herausheben möchte, ist, daß inmitten
der Krisen des Augenblicks die Grundsätze der amerikanischen Außenpolitik mit
Stärke und Entschlossenheit hochgehalten werden.
Die zentrale Realität, vor der Amerika heute steht, ist die einer komplexen
Welt - einer Welt, die turbulent ist, weil sie zum erstenmal in ihrer gemeinsamen
Geschichte politisch erwacht ist.
Unsere Welt ist eine Welt der widersprüchlichen Hoffnungen,Ideologien und
Mächte.

Es ist eine Welt, die eine vertrauensvolle, stabile und mächtige amerika-

nische Führung braucht, um die Tendenz der Geschichte zu wenden - weg von dem
Gespenst der Aufspaltung hin zu dem Versprechen einer echten weltweiten Zusammenarbeit und einem echten weltweiten Frieden.
Wir
- 2 -

�Wir müssen in unserer Außenpolitik also danach streben, die Verpflichtung
zu hohen Idealen mit einer nüchternen Berechnung unserer eigenen Lebensinteressen zu verbinden.

In diesem komplexen Zeitalter muß unsere Außenpolitik diese beiden Hauptströme des traditionellen amerikanischen Denkens zu einer stetigen Handlungsweise verbinden, die geeignet ist, in einem revolutionären Zeitalter

eine ver-

nünftigere Welt zu gestalten.
Für dieses unruhige Zeitalter sind unveränderliche amerikanische Ideale
relevant.

Unsere Gesellschaft ist immer für politische Freiheit, soziale Ge-

rechtigkeit und Pluralismus eingetreten.

Diese unsere Werte haben eine echte

Bedeutung in einer Welt, die nicht mehr von einigen Imperien beherrscht wird,
die eine gerechtere Verteilung der politischen und wirtschaftlichen Macht fordert.

Aber in dieser Zeit des revolutionären Wandels haben auch die Chancen für
Gewalt und Konflikt zugenommen.

Die Macht Amerikas muß stark genug sein, um

mit dieser Gefahr fertig zu werden, diese Ziele voranzutreiben und seine nationalen Interessen zu verteidigen.

Darum muß unsere Außenpolitik - die Politik, die wir in den letzten drei
Jahren gestaltet haben - gleichzeitig auf dem Primat bestimmter moralischer
Grundsätze - Grundsätze, die auf der Verwirklichung der Menschenrechte beruhen wie auch auf der Erhaltung einer militärischen Stärke Amerikas basieren, die
hinter niemandem zurücksteht.

Die Verschmelzung von Grundsatz und Macht ist

der einzige Weg, um weltweite Stabilität und weltweiten Frieden zu sichern und
uns gleichzeitig der Realität des weltweiten Wandels und Fortschritts anzupassen.

Die Komplexität miteinander zusammenhängender und manchmal beunruhigender
Ereignisse und Umstände erfordert, daß wir in Amerika das Maß an öffentlicher
Einsicht und Unterstützung erhöhen.

Die Außenpolitik konzentriert sich nicht

mehr auf einen einzigen und einfachen Punkt, wie den Sieg über die Nazi-Aggres-

- 3 -

�Nazi-Aggression oder die Abwehr einer monolithischen Stalinschen Bedrohung.
Wir Amerikaner brauchen heute vielmehr die Reife, zu erkennen, daß wir gleichzeitig

stark sein und uns anpassen müssen - daß wir unsere Interessen mit

Nachdruck schützen und ehrenhafte Wege finden müssen, um denjenigen gerecht zu
werden, die neue Ansprüche auf wirtschaftliche und politische Macht anmelden.
Es gibt zwei Vorbedingungen für eine wirksame amerikanische Außenpolitik,
die auf der Hand liegen:

eine starke Volkswirtschaft und eine starke Vertei-

digung.
Darum habe ich dem Ausbau einer nationalen Energiepolitik die höchste
Priorität eingeräumt.

Darum müssen wir den Kampf gegen die Inflation gewinnen.

Der Kongreß und ich arbeiten entschlossen auf dieses Ziel hin.
lich alle Amerikaner an.

Das geht wirk-

Diese gemeinsame Anstrengung erfordert einige Opfer,

und ich werde dafür sorgen, daß diese Opfer fair aufgeteilt werden.

Die Ant-

wort unserer Demokratie auf die wirtschaftlichen Herausforderungen wird ausschlaggebend sein, ob wir mit der Herausforderung anderer weltweiter Verantwortlichkeiten in den achtziger Jahren und darüber hinaus fertig werden können.
Obwohl es nicht leicht sein wird, werden die angeborenen Vorteile des natürlichen Reichtums unseres Landes und der gemeinsame Einsatz unseres Volkes die
Garanten unseres Erfolges sein.
Wir müssen auch militärisch stark sein. Tatsache ist, daß die Sowjetunion
ihre militärischen Fähigkeiten seit 15 Jahren weit über das Maß ihrer echten
Verteidigungserfordernisse hinaus ausgebaut hat. Im gleichen Zeitraum waren
unsere Verteidigungsausgaben meist rückläufig. Wenn dieser negative Trend angehalten hätte, dann hätten wir uns in einer Situation befunden, in der wir vor
einem schweren militärischen Ungleichgewicht gestanden hätten - einem Ungleichgewicht, das wegen der wachsenden Unruhe in der ganzen Welt noch bedrohlicher
gewesen wäre. Darum habe ich eine Modernisierung unserer strategischen und
konventionellen Streitkräfte auf breiter Basis in die Wege geleitet und an der
Stärkung unserer Bündnisse gearbeitet. Wir und unsere Verbündeten haben uns zu
einer anhaltenden realen Erhöhung unserer jährlichen Verteidigungsausgaben verpflichtet.

�Es ist unsere Aufgabe, eine wahrhaft kooperative Weitgemeinschaft aufzubauen, ein weltumspannendes Mosaik zu schaffen, das den Reichtum und die Vielfalt der Völker, Kulturen und Religionen dieser Welt umfaßt.

Die philosophische

Grundlage einer solchen Gemeinschaft müssen Achtung vor den Menschenrechten
sowie die Unabhängigkeit der Staaten sein.
Um die Aussichten auf diese Zeit des Friedens zu fördern, werden wir den
beständigen Kurs beibehalten, zu dem wir uns in diesen vergangenen dreieinhalb
Jahren verpflichtet haben.
Wir verfolgen fünf Hauptziele:
- Erstens:

Nicht nur vermehrte wirtschaftliche, sondern auch politische

Solidarität zwischen den Industriedemokratien.
- Zweitens: Aufbau eines wirklich kooperativen Verhältnisses zur Dritten
Welt.
- Drittens:

Standhaftigkeit bei unseren Anstrengungen, dem Nahen Osten

und anderen Unruhegebieten dieser Welt Frieden zu bringen.
- Viertens:

Verteidigung unserer strategischen Interessen, besonders der-

jenigen, die derzeit in Südwestasien bedroht sind.
- Fünftens: Förderung der Rüstungskontrolle, vor allem durch Begrenzung
der strategischen Waffen in Übereinkunft mit der Sowjetunion sowie Aufrechterhaltung eines standhaften und ausgewogenen Verhältnisses zur Sowjetunion.
Unser erstes Ziel - Solidarität mit unseren Verbündeten - ist der Prüfstein unserer Außenpolitik.

Ohne diese Solidarität können die Weltwirtschaft

und die internationale Politik durchaus in Unordnung geraten.
Aus

- 5 -

�Aus diesem Grund haben wir die Nordatlantische Verteidigungsgemeinschaft
angeführt, als es um das Programm der Verbesserung ihrer konventionellen Streitkräfte ging.
rischer

Und letzten Winter kam die NATO in einer Entscheidung von histo-

Tragweite überein, in Antwort auf den Ausbau der sowjetischen Raketen-

streitmacht ihre Atomraketen in Europa zu verstärken.
Im nächsten Monat werden die sieben führenden Industriedemokratien in
Venedig ein Gipfeltreffen abhalten.

Wir alle haben die Absicht, dieses Gipfel-

treffen nicht nur zu einem weltweiten Meilenstein weltwirtschaftlicher Zusammenarbeit zu machen, sondern auch unsere politische und strategische Solidarität
zu fördern.
Zweitens werden wir unsere Anstrengungen fortführen, die Bandbreite unserer
Zusammenarbeit mit den neuerwachten Staaten der Dritten Welt zu erweitern.
Gegen Ende dieses Jahrhunderts werden 85 Prozent der Weltbevölkerung in Lateinamerika, Asien und Afrika leben.

In den vergangenen Jahren haben wir durch die

Panamakanal-Verträge, durch unsere Verpflichtung zum Mehrheitswahlrecht in
Afrika und durch die Normalisierung der Verhältnisse mit China die Beziehungen
der Vereinigten Staaten mit diesen Regionen gewaltig verbessert.

Wir können

stolz auf das Erreichte beim Bau stabiler neuer Brücken zur Welt der sich entwickelnden Länder sein.
Die Vereinigten Staaten respektieren den Wunsch der Entwicklungsländer
nach echter Blockfreiheit, und sie respektieren die Bewegung der Blockfreien
als Ausdruck dieses Wunsches. Staaten, die ihre eigene Unabhängigkeit schätzen, widerstehen bereits heute den Anstrengungen, die Bewegung der Blockfreien
zu untergraben und sie zu einem Werkzeug sowjetischer Außenpolitik zu machen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, mit solchen Staaten bei der Lösung von
Konflikten und bei der Förderung größerer sozialer Gerechtigkeit auf der ganzen Welt zusammenzuarbeiten.
Drittens werden wir auch weiterhin für den Frieden im Nahen Osten arbeiten. Ein solcher Friede ist für alle Beteiligten von entscheidender Bedeutung.

- 6 -

�Bedeutung.

Israel verdient ihn, und Israel braucht ihn für sein langfristiges

überleben.

Die arabischen Staaten brauchen Frieden, um die legitimen Rechte

der Palästinenser zu befriedigen und um sicherzustellen, daß ihre eigene soziale Entwicklung ohne Unterbrechung und ohne äußere Einmischung weitergehen kann.
Der Westen braucht Frieden im Nahen Osten oder er läuft die ernste Gefahr, daß
die Radikalisierung dieser Region auch Außenstehende in seine explosiven Konflikte hineinzieht.

Der Friedensprozeß von Camp David hat bereits zum ersten Friedensvertrag
geführt, den es jemals zwischen Israel und einem arabischen Staat gab. Wir
sind entschlossen, eine noch umfassendere Regelung zu erreichen; wir werden
uns von diesem Ziel nicht ablenken lassen.

Während wir unsere Anstrengungen im Nahen Osten fortsetzen, erfüllt mich
zugleich ein gewisser Stolz über die Beiträge, die wir in anderen Bereichen
geleistet haben - wie etwa beim Panamakanal-Vertrag und der Erzielung eines
Friedens in Zimbabwe.

Dies sind bedeutsame Leistungen - nicht nur zum Wohl

der Menschen, um die es dort unmittelbar geht, sondern auch zum Wohl unseres
Nationalinteresses.

Viertens muß der Westen seine strategischen Interessen überall dort verteidigen, wo sie bedroht sind.
Seit 1945 sind die Vereinigten Staaten zur Verteidigung unserer Hemisphäre
und Westeuropas, aber auch des Fernen Ostens - vor allem von Japan und Korea verpflichtet.

In den letzten Jahren ist deutlich geworden, daß das Wohlergehen dieser
lebenswichtigen Regionen von dem Frieden, der Stabilität und der Unabhängigkeit
des Nahen Ostens und der Region um den Persischen Golf abhängt.

Aber die

sowjetische Invasion Afghanistans und die fortschreitende Disintegration des
Iran gefährden die Sicherheit dieser Region entscheidend.

Ich
- 7 -

�Ich möchte noch einmal unterstreichen, was ich am 23. Januar in meiner
Botschaft über die Lage der Nation gesagt habe:
"Unser Standpunkt muß absolut klar sein:
Ein Versuch durch eine Macht von außen, die Kontrolle über die Region
des Persischen Golfes zu erlangen, wird als ein Angriff auf die lebenswichtigen Interessen der Vereinigten Staaten betrachtet werden. Und
solch

ein Angriff wird durch den Einsatz aller notwendigen Mittel, ein-

schließlich militärischer Macht, zurückgewiesen werden."
Die Maßnahmen, die wir unsererseits und in Zusammenarbeit mit anderen
ergreifen, umfassen komplizierte Unternehmungen, beträchtliche

Ausgaben und

ein sorgfältiges Gleichgewicht zwischen dem Drang der kollektiven Sicherheitsinteressen der Region und ihren politischen Realitäten.
schritte.

Wir machen gute Fort-

Wir müssen - und wir werden - noch mehr erzielen.

Die Notwendigkeit zu gemeinsamer Handlung in dieser Region wird absolut
nicht von irgendwelcher Kriegslüsternheit seitens der friedliebenden Staaten
diktiert, sondern von der eindeutigen strategischen Bedrohung, die von der
sowjetischen Invasion Afghanistans herrührt.

Die Unfähigkeit, eine überzeu-

gende Antwort auf diesen verächtlichen Akt der Aggression zu finden, würde
nur zu seiner Wiederholung einladen.
über die Gewalt hinaus, die der Unabhängigkeit und dem Volk von Afghanistan
angetan wird, nehmen die Truppen der Roten Armee, die ihre dortige Position
konsolidieren, zudem eine Stellung ein, von denen aus der sowjetische Imperialismus sich tiefgreifender und gefährlicher auf die Politik in diesem lebenswichtigen Gebiet auswirken könnte. Afghanistan war lange Zeit ein Puffer gegen
Außenseiter, die jene Region zu beherrschen suchten. Dies ist die historische
Rolle, die Afghanistan zurückgegeben werden muß. Ein Erfolg der Sowjets dort
- sogar zu dem hohen Preis an Blut und Ansehen, den Moskau derzeit zahlt - könnte Afghanistan von einer Barriere gegen Aggression in eine Startrampe für weitere Überfälle umwandeln.
Dies
- 8 -

�Dies würde Pakistan und den Iran - aber nicht nur diese Staaten allein bedrohen.

Die sowjetische Aggression in Afghanistan konfrontiert - solange

ihr nicht Einhalt geboten wird - die ganze Welt mit der schwerwiegendsten
langfristigen strategischen Herausforderung seit Anfang des Kalten Krieges.
Den Umfang dieser Herausforderung zu unterschätzen würde einen historischen
Irrtum bedeuten - einen Irrtum mit wahrscheinlich historischen Folgen,

Die Haltung Amerikas ist klar.

Auch steht sie in Einklang mit den Inter-

essen unserer Verbündeten, deren Wohlergehen - zusammen mit unserem eigenen eng mit der Sicherheit und der Unabhängigkeit dieser strategisch gesehen lebenswichtigen Region verbunden ist.

Daher müssen vi^r uns gemeinsam der Heraus-

forderung stellen, vor der wir alle stehen.

Innerhalb der Region selbst müs-

sen die Nationen auch erkennen, daß unsere Bestrebungen den ihrigen entsprechen
- zusammenzuarbeiten, um die Unabhängigkeit und Stabilität der Region zu erhalten.

Fünftens, diese Administration hat sich mit Nachdruck für die Rüstungskontrolle, vor allem für die Begrenzung der strategischen Rüstung und die Aufrechterhaltung eines festen und ausgewogenen Verhältnisses zur Sowjetunion
eingesetzt und bleibt diesen Zielen verpflichtet.

Unsere Entschlossenheit,

dieses Ziel weiter zu verfolgen, bleibt so stark wie je.

Rüstungskontrolle und die Begrenzung der strategischen Rüstung sind von
entscheidender Bedeutung für uns und alle anderen Völker.
men

ist eine große Leistung meiner Administration.

Das SALT II-Abkom-

Es trägt direkt zu un-

serer nationalen Sicherheit bei, und wir werden uns an die Bedingungen des
Vertrags halten, solange die Sowjetunion sich auch nach ihnen richtet.

Natür-

lich werden wir uns um seine Ratifizierung, sobald die Zeit dafür gegeben ist,
bemühen.

Aber auch der Zeitpunkt rückt rasch näher, an dem wir über SALT II hinaus
denken müssen - um weitere, umfassendere Abkommen auszuhandeln, die sowohl neue
Kategorien strategischer Waffen wie auch Waffen von geringerer als kontinenta-

- 9 -

�kontinentaler Reichweite betreffen.

Wenn die achtziger Jahre nicht zu einem

Jahrzehnt der Gewalt werden sollen, dann müssen wir erneute Anstrengungen
machen, um das Wettrüsten zu stabilisieren und den Bereich der Rüstungskontroi 1abkommen zu erweitern.

Nach engen Beratungen mit unseren Verbündeten und der

Sowjetunion wollen wir diese erweiterten Anstrengungen fortsetzen.
Unser Ziel bleibt die Entspannung mit der Sowjetunion. Aber eine solche
Entspannung muß auf dem festen Fundament der Abschreckung gegründet sein. Die
Sowjets müssen begreifen, daß sie nicht rücksichtslos den Weltfrieden bedrohen,
daß sie keine Aggression begehen und dennoch die Früchte einer Zusammenarbeit
mit dem Westen genießen können.

Sie müssen begreifen, daß ihre Invasion

Afghanistans einen tiefen abträglichen Effekt auf das Verhalten und die Einstellung der amerikanischen Öffentlichkeit gehabt hat.
Angesichts der Aggression kann es nicht so weitergehen, als wäre nichts
geschehen. Die Sowjets werden auch keinen Erfolg bei ihren Bemühungen haben,
das Bündnis zu sprengen oder uns in den falschen Glauben einzulullen, daß Europa irgendwie eine Insel der Entspannung sein könnte, während die Aggression anderswo durchgeführt wird.
Aber ich möchte genauso klarstellen, daß der Weg zu verbesserten Beziehungen offen ist, wenn die Sowjets ihr Verhalten ändern. Das ist der Weg, den
wir vorziehen.
Zusammengenommen sind die von mir umrissenen Ziele die Kompaßpunkte, die
Amerikas Kurs in dieser Welt des Wandels und der Herausforderung bestimmen.
Sie verknüpfen unsere spezifischen Aktionen miteinander, mit der Vergangenheit
und der Zukunft.
Unsere Außenpolitik ist so gestaltet, daß sie dem revolutionären Zeitalter, in dem wir leben, entspricht.

Um wirksam zu sein, muß sie das kluge

Verständnis und die weite Unterstützung des amerikanischen Volkes haben.

Das

hängt davon ab, daß die Öffentlichkeit begreift, daß Außenpolitik nicht eine

�eine Sache von Augenblickserfolgen ist. Wir müssen mit über längere Zeiten
sich hinziehenden Handhabungen von allem Anschein nach unlösbaren Situationen
und oft auch sich widersprechenden Realitäten rechnen.
Um diese historische Rolle des Schutzes unserer Interessen und der Bewahrung des Friedens zu spielen, müssen die Vereinigten Staaten stetig und beständig sein.

Unsere Verpflichtung gegenüber den amerikanischen Idealen muß un-

wandelbar und unsere Macht glaubwürdig sein.
Wir werden auch weiterhin jede Anstrengung machen, wenn möglich mit friedlichen Mitteln, und durch eine kollektive Maßnahme mit unseren Verbündeten, um
die Freilassung unserer Landsleute zu erlangen. Und wir werden den führenden
Männern im Iran zum Bewußtsein bringen, daß die Integrität und Unabhängigkeit
ihres Landes nur Schaden nehmen kann durch eine Politik wie der ihren, die zur
internationalen Isolierung und zum inneren Zerfall führt. Wir leben nicht in
einem permanenten Streit mit dem iranischen Volk. Wir wollen ein würdevolles
Verhältnis zum Iran gestalten, sobald wir einmal diese illegale Aktion werden
hinter uns gebracht haben.
Unsere Nation hat auch weiterhin verantwortungsbewußt und in gutem Glauben gegenüber dem Volk und den Führern des Iran gehandelt.
Unser Rettungsversuch war eine Hilfs- und Befreiungsaktion - und nicht ein
militärischer Überfall. Sein einziges Ziel war es, unschuldige Opfer aus der
Gewalt terroristischer Ausbeuter zu befreien. Ich bedauere nur, daß er ohne
Erfolg blieb und daß acht tapfere Männer bei dem Unfall sterben mußten, als der
Rettungstrupp seinen Sammelplatz in der Wüste verließ.
Unser Eintreten für eine Welt, die die Menschenrechte repräsentiert, ist
von der ganzen Welt vernommen worden - von den freien Menschen und von denen,
die unterdrückt sind.

Der ungestüme Wunsch einer großen Zahl von Kubanern,

aus ihrem Land zu fliehen, ist ein beredtes Zeugnis für das Versagen des CastroRegimes.
Wir
- 11 -

�Wir müssen sicherstellen, daß die Kubaner, die in unser Land kommen, mit
all der Menschlichkeit und dem Mitgefühl behandelt werden, das wir anderen
Gruppen und einander entgegengebracht haben.

Um dem Leiden und dem Tod auf

hoher See ein Ende zu machen und um uns die Möglichkeit zu geben, die knappen
Mittel des Bundes so gut wie möglich einzusetzen, muß sich der Prozeß in geordneter Form und in Einklang mit unseren Gesetzen abwickeln.
Auf der Konferenz in Costa Rica arbeiten wir energisch mit weiteren 16
Staaten und internationalen Organisationen zusammen, um Möglichkeiten zu entwickeln, die eine sichere und geordnete Evakuierung der ausreisewilligen Kubaner
erlauben.

Was uns anbelangt, so werden wir der Zusammenführung von Familien

die oberste Priorität einräumen, wobei auf Kuba selbst oder in einem dritten
Land - etwa Costa Rica - eine erste Überprüfung stattfinden sollte.
Die Außenpolitik Amerikas muß stets das widerspiegeln, was wir als Volk
sind.

Wir sind ein starkes Volk, und wir sind ein Volk, das sich um andere

sorgt.

Wir sorgen uns um die Menschenrechte; wir sorgen uns um einen anstän-

digen Lebensstandard; wir sorgen uns um die Unabhängigkeit der Staaten und die
Rechte des Individuums.

Wir verfügen über eine nüchterne verantwortungsbe-

wußte Erkenntnis dessen, daß die Macht Amerikas gerade in einer unruhigen Welt
besonders wichtig ist, wo andere von uns abhängen, was ihre Sicherheit und ihre
Freiheit anbelangt.
Unsere Interessen und unsere Ideale dienen einander.

Unsere Macht muß

zum Dienst beider verwendet werden.
Der Kurs, den ich heute gesteckt habe, ist weder einfach noch anspruchslos, aber es ist ein sicherer und solider Kurs, den wir zu verfolgen haben.
Unsere Außenpolitik verdient Ihr Verständnis und Ihre Unterstützung,
nicht nur zum Zweck der Sicherheit unseres eigenen Landes, sondern auch, damit
die Menschen überall in der Welt die Gewißheit haben können, daß sich Amerika

- 12 -

�Amerika dazu verpflichtet hat, seine gewaltige Macht zu einem klaren, standhaften und beständigen Zweck zu verwenden:

für die gesamte Menschheit eine

Zukunft in Fortschritt, Freiheit und Frieden zu finden.

- 13 -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
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14. Mai 1980

24

ERKLÄRUNG VON VIZEPRÄSIDENT MONDALE IN BELGRAD
- Wortlaut -

BELGRAD - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident Walter Mondale, der am
7. Mai 1980 an der Beisetzung des verstorbenen jugoslawischen Staatspräsidenten
Josip Broz Tito teilnahm, gab am gleichen Tag in Belgrad eine Erklärung ab, in
der er betonte, daß sich an der Unterstützung der Vereinigten Staaten für
Jugoslawien nichts geändert habe.

Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:

Der Präsident hat mich und diese Delegation ersucht, ihn bei diesem
feierlichen Anlaß zu vertreten und Ihnen und dem jugoslawischen Volke das Beileid des amerikanischen Volkes und der Regierung der Vereinigten Staaten zum
Ausdruck zu bringen. Wir sind hier, um zusammen mit Ihnen einer großen Gestalt
der Weltpolitik, einem Helden des Zweiten Weltkrieges und einem der mutigsten
und einfallsreichsten Staatsmänner der Nachkriegsjahre einen letzten' Tribut
zu zollen.
Präsident Josip Broz Tito hatte sich den Prinzipien der Unabhängigkeit,
Gleichheit und Nichteinmischung in innere Angelegenheiten verschrieben. Als
einer der Gründer der blockfreien Bewegung hat Präsident Tito einen gewaltigen

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�gewaltigen Beitrag zur Förderung der Annahme dieser Prinzipien durch die ganze
internationale Gemeinschaft geleistet.

Er war der ganzen Welt Inspiration und

Beispiel.
Die Bevölkerung der Vereinigten Staaten fühlt mit Ihnen den Verlust. Ich
bin heute hier, um Ihnen zu versichern, daß die Beziehungen der Freundschaft
und der gegenseitigen Verständigung, die Präsident Tito zwischen unseren beiden
Ländern aufzubauen half, auch in Zukunft aufrechterhalten und verstärkt werden.
Unsere Unterstützung der Unabhängigkeit, territorialen Integrität und Einheit
Jugoslawiens hat mehr als 30 Jahre überdauert. Sie hat sich mit dem Ableben
Ihres großen Führers nicht geändert.

Wir versichern Ihnen unsere weitere Unter-

stützung.
Die Vereinigten Staaten vertrauen darauf, daß das jugoslawische Volk die
Ziele erfolgreich weiterverfolgen wird, denen Präsident Tito sein Leben gewidmet
hat - die Förderung eines stabilen und gedeihenden Jugoslawiens und eine sichere
Welt in Frieden. Die Vereinigten Staaten stehen wie immer bereit, mit Ihnen zusammenzuarbeiten.
Im Namen des Präsidenten und des ganzen amerikanischen Volkes möchte ich
heute Ihnen und dem jugoslawischen Volk und der jugoslawischen Regierung nicht
nur unser tiefes Beileid, sondern auch unser Vertrauen in die Zukunft Jugoslawiens
als der stolzen, unabhängigen und friedlichen Nation zum Ausdruck bringen, für
die Präsident Tito sein ganzes großes Leben lang so tapfer und unermüdlich gekämpft hat.

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�24

14. Mai 1980

GEDENKTAG ZUM ENDE DES ZWEITEN WELTKRIEGS ERINNERT AN 35 JAHRE
DER ZUSAMMENARBEIT IM BÜNDNIS
Von George S. Vest, Unterstaatssekretär

Der nachfolgende Artikel von George S. Vest,
Unterstaatssekretär im amerikanischen Außenministerium, wurde in Erinnerung des 35.
Jahrestages jenes 8. Mai 1945 geschrieben,
an dem nach Jahren der blutigen Konfrontation
der Zweite Weltkrieg in Europa zu Ende ging
und eine Periode konstruktiver Zusammenarbeit
begann.

Der 8. Mai 1980 bedeutet für Europa den 35. Jahrestag des Ende des Zweiten Weltkriegs.

In Europa und in den Vereinigten Staaten verbindet man mit

diesem Jahrestag das Ende des zerstörerischsten Krieges der modernen Zeit.

Es

war ein Krieg, der ganz Europa und schließlich sogar die ganze Welt in den Abgrund stürzte, der viel von jener europäischen Kultur zerstörte, wie sie die
Welt bis dahin kannte&gt;und der auf beiden Seiten unerhörtes menschliches Leiden
verursachte.

Aber die 35 Jahre seither bedeuten zugleich mehr als eine ganze Generation
von menschlicher Arbeit und Fortschritt, von Problemen und Herausforderungen, von

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�von Erfolgen und Niederlagen,

über die Hälfte der derzeitigen Bevölkerung

Europas und Nordamerikas war zur Zeit des Zweiten Weltkrieges noch nicht einmal geboren; noch weniger Bürger nahmen aktiv an jenen Geschehnissen teil, die
1945 zum Sieg der Alliierten führten.
Für diese Bürger und für die führenden Persönlichkeiten, die dabei halfen,
ihre Geschicke in den vergangenen 35 Jahren zu lenken, ist es weitaus wichtiger, diesen Jahrestag als einen Anfang zu betrachten, als einen Ausgangspunkt
für eine neue Welt der Nachkriegszeit, denn als den letzten Tag für das, was
vorher kam.

Der 8. Mai 1945 stellt den Beginn eines neuen Systems der Bezie-

hungen zwischen den Staaten Europas und Nordamerikas dar.

Er ermöglichte die

Neuordnung der Beziehungen zwischen alten Widersachern und leitete über in eine
Periode noch nie dagewesener Freiheit und Prosperität für die Länder im westlichen Teil des europäischen Kontinents.

Die Welt der Nachkriegszeit
Die Situation, wie sie sich am 8. Mai 1945 darbot, bildete die Grundlage
für die Welt, in der wir heute leben.

Es ist tragisch, daß die Hoffnungen des

Jahres 1945 sich nicht in ganz Europa verwirklichen ließen.

Nahezu die Hälfte

der Völker des Kontinents ist noch immer nicht in der Lage, ihr Schicksal selbst
zu bestimmen.

Diese Völker kamen nicht in den Genuß jener demokratischen Prin-

zipien, von denen die Führer aller Länder in Ost und West sprachen, als das
Feuer vor 35 Jahren eingestellt wurde.
Nicht weniger betrüblich ist die anhaltende Trennung von Menschen, die auch
weiterhin Familien und ganze Nationen inmitten des Kontinents auseinanderreißt.
Die fortbestehende Teilung der deutschen Nation ist ein flagranter Verstoß gegen die von den siegreichen Alliierten getroffenen Kriegs- und Nachkriegsabkommen.

Allgemein gesehen werden durch diese Trennungen fundamentale Prinzi-

pien der Menschenrechte mißachtet, darunter auch das Recht auf Selbstbestimmung,
zu denen sich alle Länder bekannt haben.
Trotz
- 2 -

�Trotz dieser schmerzlichen und drückenden Probleme können die Länder Westeuropas und Nordamerikas stolz auf die im Verlauf der vergangenen 35 Jahre erzielten Erfolge sein.

- Die Zerstörung und totale wirtschaftliche Lähmung am Ende des Zweiten
Weltkrieges sind völlig überwunden.
tionsstand und einen

Westeuropas Wirtschaft hat einen Produk-

Wohlstand erreicht wie nie zuvor in der Geschichte.

- Stabile demokratische Systeme sind in jedem der westeuropäischen Länder
geschaffen worden.

Wenn auch der Kampf um die Bewahrung der Demokratie nicht

immer leicht gewesen ist, so können die westlichen Länder doch stolz auf die
durch ihre Regierungen gewährleisteten Garantien der fundamentalen Menschenrechte und der Freiheiten des Individuums sein.
- An die Stelle von alten Feindschaften zwischen den Ländern in Westeuropa
ist Einheit und Zusammenarbeit getreten.

Die Europäische Gemeinschaft bietet

den europäischen Rahmen für gemeinsame Anstrengungen zur Aufrechterhaltung der
westlichen Lebensform.

Umfassende

Organisationen wie die OECD, der IWF und

die IBRD helfen mit, um eine enge Zusammenarbeit zwischen den industriellen
Demokratien in der ganzen Welt zu sichern.

- Die militärische Zusammenarbeit zwischen den westlichen Ländern, am
direktesten durch das NATO-Bündnis, hat den Schutzschrtld geschaffen, der unseren
Gesellschaftsformen die Möglichkeit gab, sich frei zu entwickeln.

Im Verlauf

der Jahre hat sich die NATO zu einem Forum für eine echte politische Konsultation zwischen den Ländern der atlantischen Welt erweitert.

Solche Konsultationen

werden immer dringender notwendig werden, wenn unsere Gesellschaftssysteme sich
den Herausforderungen der achtziger Jahre stellen,

- Ein Anfang wurde mit dem Versuch gemacht, die tiefgreifenden Unterschiede,
die Ost von West trennen, zu überwinden.

Das Viermächte-Abkommen über Berlin

half mit, ein Problem zu entschärfen, das in der Vergangenheit die Welt an den
Rand eines nuklearen Krieges geführt hatte.

- 3 -

Bilaterale Anstrengungen zum Ab-

�•

Abbau der Spannungen durch Länder wie Frankreich, die Bundesrepublik Deutschland und die Vereinigten Staaten führten zu beachtlichen Fortschritten auf
politischem und militärischem Feld.

Und schließlich gaben umfassende multi-

laterale Bemühungen, wie die Wiener Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen (MBFR) und die Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa (KSZE), der Hoffnung Raum, daß alle Länder in Ost
und West eine gemeinsame akzeptable Basis finden würden, um die schmerzlichen
menschlichen Trennungen zu beseitigen, die den Kontinent auch weiterhin entstellten.

Die Rolle der Vereinigten Staaten
Eine der vielleicht bedeutsamsten Entwicklungen in den Jahren nach 1945
war das ständige Engagement der Vereinigten Staaten auf dem europäischen Kontinent.
Vor 1945 hatten die Amerikaner abgeschirmt und sicher auf ihrem Kontinent
gelebt und eine ständige Beteiligung an den, wie sie meinten, unerfreulichen
"Machtpolitiken" Europas abgelehnt. Viele Amerikaner meinten, dem Frieden der
Welt würde am besten gedient, wenn man es den Europäern überließe, sich mit
ihren eigenen Konflikten zu befassen. Die Mehrzahl der Amerikaner schien zu
glauben, die Sicherheit ihres Landes werde von den Ereignissen in der Alten
Welt nicht betroffen.
•

Diese Ansicht hat sich während des Zweiten Weltkrieges grundlegend gewandelt. Noch während die Kämpfe in Europa weiter tobten, kamen führende Männer
in Amerika zu der Überzeugung, daß ein Frieden niemals gewährleistet sein würde,
wenn die Vereinigten Staaten, die zum stärksten Land der Welt geworden waren,
Europa wieder den Rücken kehrten. Als der Krieg sich seinem Ende näherte,
entwickelte sich in den Vereinigten Staaten ein starker Konsens zugunsten eines
vollen und ständigen Engagements in weltpolitischen Angelegenheiten, einschließlich der Angelegenheiten Europas. Ein wesentlicher Faktor dabei war die auf

�auf breitester Ebene vorhandene Anerkennung der Tatsache, daß die Sicherheit
Amerikas nicht länger mehr einfach dadurch gewährleistet werden könnte, daß wir
unsere eigenen Grenzen verteidigten.

Es wurde klar, daß die Verteidigung

Amerikas bereits weit vor unseren eigenen Küsten, in Europa, begann.

Im Verlauf der Jahre 1944 und 1945 wurden die Vorbereitungen für ein
Engagement der Vereinigten Staaten in der Welt der Nachkriegszeit fortgesetzt.
Das Abkommen von Bretton Woods aus dem Jahr 1944 brachte die Gründung des Internationalen Währungsfonds (IWF) mit sich sowie die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (IBFR) = Weltbank.

Die Vereinigten Staaten machten

sich für die Unterstützung dieser Institutionen in Anerkennung der Tatsache
stark, daß Frieden und Demokratie nie ohne eine solide wirtschaftliche Grundlage gedeihen können.

Die Anstrengungen zur internationalen Zusammenarbeit

kamen 1945 einen weiteren Schritt voran, als die Charta der Vereinten Nationen
unterzeichnet wurde.

Ein wichtiges amerikanisches Ziel beim Aufbau der Verein-

ten Nationen war es, für die Vereinigten Staaten eine ständige Mitgliedschaft
in dieser weltumspannenden Körperschaft sicherzustellen - und somit unser Engagement für die internationalen Angelegenheiten zu garantieren.

Gegen die Sowjetmacht in Europa

Die Ideale, die die Charta der Vereinten Nationen enthielt, verblichen
rasch, als die Sieger begannen, gegen die durch den Krieg verursachte Unordnung und Zerstörung anzukämpfen.

Die Gewehrläufe waren kaum abgekühlt, da fin-

gen die Realitäten von Geographie und Machtpolitik an, auf die Hoffnungen nach
Frieden und Zusammenarbeit in der Welt der Nachkriegszeit einzuwirken.

Besondere Sorge bereitete dabei die Herausforderung durch die expandierende
sowjetische Militärmacht, die ihren Einfluß auf den europäischen Kontinent ausdehnte.

Als deutlich wurde, daß die Sowjetunion nicht bereit war, sich an die

Abkommen aus der Kriegszeit zu halten, die eine gemeinsame Verwaltung für ganz
Deutschland vorgesehen hatten, zog sich langsam eine Linie zwischen die beiden
Teile des Kontinents.

Diese Linie erhielt einen noch permanenteren Charakter,
- 5-

�Charakter, als in den Staaten Osteuropas Regierungen eingesetzt wurden, die
gegenüber der sowjetischen Führung loyal waren.
.

Diese Herausforderung führte zu einer klaren Antwort seitens aller Bereiche
des amerikanischen politischen Spektrums.

In Reaktion auf dringende Bitten un-

serer Freunde in Europa entwarfen Präsident Truman und Außenminister George
Marshall eine Politik, die Amerikas Verpflichtung zur Verteidigung Westeuropas
stärkte und eine noch nie dagewesene Bereitschaft zur Teilnahme am wirtschaftlichen Wiederaufbau des Kontinents zu erkennen gab.
Diese Politik half bei der Entwicklung einer Interessengemeinschaft zwischen
den Vereinigten Staaten und Kanada auf der einen
auf der anderen Seite.

und den Ländern Westeuropas

Ereignisse wie die Verpflichtung Präsident Trumans zur

Verteidigung Griechenlands und der Türkei (die "Truman-Doktrin" von 1947), das
Europäische Wiederaufbauprogramm (der "Marshallplan") von 1947 und die Gründung
der Nordatlantischen Verteidigungsgemeinschaft von 1949 verfestigten die Bindungen zwischen der Alten und der Neuen Welt.

Die Geburt der "Atlantischen Ge-

meinschaft" freier Gesellschaften war eine Entwicklung von historischem Ausmaß.

Fortdauer der amerikanischen Verpflichtungen in Europa
Sicherlich ebenso bedeutsam war die breite Unterstützung, die sich in der
politischen Führung und bei der Bevölkerung der Vereinigten Staaten für die
ständige Beteiligung der USA an den Vereinbarungen im Sicherheits- und Wirtschaftsbereich breitmachte, welche die Grundlage dieser Atlantischen Gemeinschaft bildeten. Die "überparteiliche Außenpolitik" Präsident Trumans wurde
durch ebenso standhafte Verpflichtungen Präsident Eisenhowers und dessen Nachfolger abgelöst.
Die amerikanische Politik gegenüber Europa wurde während der gesamten
Nachkriegszeit durch drei grundlegende Überlegungen geleitet:

�- Es herrscht

die Einsicht, daß die Prinzipien der pluralistischen Ge-

sellschaft die Grundlage für die Stärke der westlichen Gesellschaft in Europa
und Nordamerika bilden.

Eine Bedrohung der Freiheit in Westeuropa ist eine

Bedrohung der Freiheit der Vereinigten Staaten.

- Wie eng auch immer die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten
und Westeuropa sein mögen, so können die Interessen der Länder auf beiden Seiten des Atlantik nur dann umfassend geschützt werden, wenn alle Partner die
unterschiedlichen Interessen der einzelnen Länder der Atlantischen Gemeinschaft
würdigen.

Die Vielfalt unserer Gesellschaften und unserer Völker muß sich in

der Vielfalt unseres Bündnisses widerspiegeln.

- Schließlich hängt die Überlebensfähigkeit unserer Lebensweise von den
fortgesetzten Anstrengungen ab, die Trennungen im menschlichen Bereich zu überwinden, die Europa noch immer quälen.

Unsere militärische Verteidigung muß

durch Anstrengungen ergänzt werden, die Ursachen der Spannung zu überwinden,
die zur Teilung des Kontinents beitragen.

Trotz der Ost-West-Spannungen, die einen Großteil der ersten Nachkriegszeit charakterisierten, haben die einzelnen amerikanischen Präsidenten versucht, all diese Prinzipien auf die amerikanische Verpflichtung gegenüber
Europa anzuwenden.

- Im Verlauf der fünfziger Jahre verband Präsident Eisenhower amerikanische
Standfestigkeit in Bereichen wie etwa Berlin mit konkreten Anstrengungen, Gespräche über die Begrenzung von Kernwaffen zu beginnen.

Einige Treffen mit der

sowjetischen Führung waren jedoch zum Scheitern verurteilt wegen der Instabilität Osteuropas und wegen der grundlegenden Unvereinbarkeit des sowjetischen
Ehrgeizes in Europa mit der Entschlossenheit der westlichen Verbündeten zur
Sicherung ihrer Lebensweise.

- In den sechziger Jahren begannen die Präsidenten Kennedy und Johnson
mit konkreten Anstrengungen in Richtung Entspannung durch Verhandlungen über
den Atomwaffensperrvertrag und das Teststoppabkommen.
- 7 -

In diesem Zeitraum unter-

�unterstützten die Vereinigten Staaten auch die Entwicklung des Gemeinsamen
Marktes als europäischen Beitrag zur westlichen Einheit.

Konfrontationen wie

dem Bau der Berliner Mauer und der Raketenkrise um Kuba wurde mit Entschiedenheit entgegengetreten, aber die Vereinigten Staaten schlössen nicht die Tür zu
ehrlichen Anstrengungen bei der Verminderung von Spannungen.
- In den siebziger Jahren übernahmen die Vereinigten Staaten die Führung
bei der Suche nach konkreten Fortschritten beim Abbau von Spannungen in Europa.
In enger Zusammenarbeit mit unseren europäischen Verbündeten halfen wir bei
der Errichtung eines breiten politischen Rahmenwerks für die amerikanische Präsenz in Europa, was konkrete Fortschritte bei der Verringerung des Umfangs politischer und militärischer Konfrontation auf dem Kontinent zur Folge hatte.
Die Regierung Präsident Carters hat diese überlieferten Bestandteile amerikanischer Politik zu einem umfassenden Netzwerk verwoben, um den Herausforderungen der achtziger Jahre gerechtzuwerden.
- Der grundlegenden Struktur des westlichen Bündnisses verpflichtet, schlug
Präsident Carter auf den Gipfeltreffen von London (1977) und Washington (1978)
ein weitgespanntes Programm politischer und militärischer Zusammenarbeit zwischen
den Mitgliedern der NATO vor.

Das Ziel bestand darin, die konventionelle Ver-

teidigung des Bündnisses zu stärken, die politische Konsultation zwischen den
Bündnismitgliedern auszuweiten und neue Möglichkeiten zur Verminderung von Spannungen zwischen Ost und West auszuloten.

Die Erklärung von Washington im Jahr

1978 stellte einen umfassenden Entwurf der atlantischen Zielsetzungen in den
achtziger Jahren dar.
- Aus der Überzeugung heraus, daß die amerikanische Außenpolitik die Ideale
unserer Gesellschaft hervorheben muß, formulierte Präsident Carter mit neuer
Klarheit das amerikanische Eintreten für Menschenrechte und für die Grundfreiheiten in der ganzen Welt.

Dadurch machte der Präsident deutlich, daß das ame-

rikanische Menschenrechtsanliegen sich nicht auf eine bestimmte Gesellschaft
oder ein bestimmtes Gesellschaftssystem bezog und daß es nicht unser Ziel war,
sich in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen.

Er stellte

jedoch klar, daß die Vereinigten Staaten gegenüber Verletzungen der Menschenrechte in anderen Teilen der

�der Welt nicht die Augen verschließen konnten.

- Entschlossen, die Anstrengungen zur Verminderung der Spannungen zwischen
Ost und West fortzusetzen, entwarf Präsident Carter ein umfassendes Programm
zur politischen und militärischen Entspannung.

Mit neuer Kraft setzte er die

Verhandlungen zur Begrenzung der strategischen Rüstung (SALT) mit der Sowjetunion fort.

Die Vereinigten Staaten schlugen außerdem eine Reihe von Verhand-

lungen über die Begrenzung der Weiterverbreitung konventioneller Waffen und
zum Abschluß eines Abkommens über das Verbot aller Kernwaffenarsenale vor.

Im

politischen Bereich setzten sich die Vereinigten Staaten für die Weiterentwicklung der bilateralen Beziehungen zur Sowjetunion und zu den Ländern Osteuropas
ein und bemühten sich darum, die umfassende Verwirklichung der KSZE-Schlußakte
sicherzustellen.

In Wien blieb der Erfolg der MBFR-Verhandlungen ein grundle-

gendes Ziel Amerikas.

Blick in die Zukunft

Wie die Ereignisse der letzten neun Monate gezeigt haben, kann der Westen den
Fortxhritt der vergangenen 35 Jahre nicht

einfach für selbstverständlich halten.

Unsere Freiheit und unser Wohlergehen werden durch politische Instabilität in
vielen Teilen der Welt und durch die zunehmende Unsicherheit hinsichtlich der
Versorgung mit Rohstoffen herausgefordert, die die Grundlage der modernen Industriegesellschaft bilden.

Ein besonders schmerzlicher Aspekt dieser Instabi-

lität ist die unannehmbare Lage im Iran, wo unsere Geiseln auch weiterhin unter
Verletzung aller Grundsätze des Völkerrechts und des zivilisierten Verhaltens
gefangengehalten werden.

Die europäische Unterstützung unserer Position wird

von allen Amerikanern sehr gewürdigt.

Die beklagenswerte Invasion Afghanistans durch die Sowjets beweist, daß
die Verringerung der Ost-West-Spannungen in der unsicheren Welt der achtziger
Jahre ebenfalls schwieriger werden wird.

Angesichts zunehmender wirtschaftlicher

Schwierigkeiten und des ungewissen Führungsproblems wird die Sowjetunion im
Lauf dieses Jahrzehnts wahrscheinlich ein immer schwierigerer Verhandlungs- 9-

�Verhandlungspartner werden.

Es besteht die Möglichkeit, daß die westliche

Welt sich erneut einer Herausforderung durch die Sowjetmacht stellen muß, die
so gefährlich sein könnte wie jene der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg.
•

.

Noch ist nicht klar, wie sich diese Herausforderungen entwickeln werden
und auf welche Weise die westliche Welt sich ihnen stellen wird.

Deutlich

ist jedoch, daß die Interessengemeinschaft, die sich zwischen den Staaten der
atlantischen Welt im Verlauf der letzten 35 Jahre entwickelt hat, wichtiger
denn je sein wird.

Es gibt keine "nationalen" Lösungen mehr für die Probleme,

vor denen wir stehen.

Ein Land oder eine Gruppe von Ländern kann sich nicht

mehr von Ereignissen in anderen Teilen der Welt abkapseln.

Die Vereinigten

Staaten bleiben den gemeinsamen Lösungen für unsere gemeinsamen Probleme verpflichtet, wobei die Interessen aller Mitglieder der Atlantischen Gemeinschaft
in Rechnung gestellt werden.

Nur durch eine solch gemeinsame Handlungsweise

können wir sicherstellen, daß unsere demokratische Lebensform gesund überleben
wi rd.

+ + + + +

�24. Mai 1980

24

GIFTMÜLL UND GEFÄHRLICHE SUBSTANZEN
US-Umweltschutzbehörde veröffentlicht neuen Vorschriftenkatalog

- (AD) - Die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA veröffentlichte Anfang
Mai 1980 einen 2000 Seiten starken neuen Vorschriftenkatalog zur Behandlung
und Beseitigung von gefährlichen Abfällen.

Für insgesamt 512 Substanzen - bis

Ende des Jahres wird sich diese Zahl auf mehr als 575 erhöhen - sind darin alle
Aspekte von der Produktion und dem Transport solcher Stoffe bis zu ihrer Beseitigung behandelt.

Mengenmäßig rechnet man mit 40 Millionen Tonnen pro Jahr, die

nunmehr ständiger Kontrolle unterworfen werden.
Als "gefährlicher Abfall" gilt jeder Stoff, der bei nicht sachgemäßer Behandlung oder Beseitigung Umweltbelastungen oder gesundheitliche Probleme verursacht.

Bis Mitte August 1980 müssen alle Industrieunternehmen über Produk-

tion, Transporte und Beseitigung aller gefährlichen Abfälle Berichte vorlegen
und bis Mitte November den Gesetzen und Vorschriften entsprechende Maßnahmen
getroffen haben.

Danach werden Verstöße mit Geldbußen oder Gefängnisstrafen

geahndet werden.
Entgegen einem Vorschlag Präsident Carters fallen "Sünden der Vergangenheit",
wie ein Sprecher der EPA die bereits vorhandenen Deponien für gefährliche Abfälle
bezeichnete, nicht unter die neuen Vorschriften zur Giftmüllbeseitigung. Der

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�Der Katalog wird fortlaufend überprüft und ergänzt werden, um neu hinzukommende Substanzen sofort einbeziehen zu können. Alle Unternehmen, die gefährliche
Abfälle produzieren, transportieren und beseitigen, werden ebenso erfaßt wie
die für den Transport benutzten Verkehrswege bis hin zum jeweiligen Standort,
Zielpunkt und zur Absicherung einer bestimmten Ladung.

Exporteure von Gift-

müll sind gehalten, der EPA vier Wochen vor dem Abgang der ersten Sendung deren
Art samt Empfängerland zu melden, woraufhin dieses über diplomatische Kanäle
verständigt wird.
Für Betriebe, in denen als gefährlich geltende Abfälle anfallen, sind einfache Tests vorbereitet worden, mit denen weitere Materialien, die sich möglicherweise entzünden oder die von korrosiver, reaktiver oder toxischer Wirkung
sind, identifiziert werden können.

Organisatorische und technische Vorschrif-

ten für Unternehmen, die gefährliche Abfälle lagern, behandeln oder beseitigen,
sollen einen sicheren Betriebsablauf gewährleisten.

Dazu gehören auch regel-

mäßige Inspektionen, Personalschulung, Pläne für den Katastrophenfall, Grundwasser-Überwachung und regelmäßige Berichte an die Bundesbehörde für Umweltschutz EPA.

Kleinunternehmen wie Installateure oder Elektriker, die insgesamt

nur ein Prozent der Abfälle verursachen, wurden ausgenommen.

Jedoch müssen alle

Betriebe in den USA,die gefährliche Abfälle weiterverwerten, Berichte an die EPA
geben.
Die Gesamtkosten für die Industrie als Folge dieser neuen Vorschriften
werden auf eine Milliarde Dollar pro Jahr beziffert (dies entspricht weniger
als zwei Promille des Umsatzes). Bei 86 der 4200 bisher durch die EPA überprüften Unternehmen besteht die Gefahr, daß sie aufgrund der neuen Bestimmungen
schließen müssen - insbesondere Textil-, Gerberei-, Elektroplattier- und Chemiebetriebe. Dadurch würden ca. 5000 Arbeitsplätze verloren gehen. Gleichzeitig
werden jedoch, wie EPA-Administrator Douglas M. Costle ausführte, mit der Einrichtung von mehr als 100 neuen,technisch einwandfrei geführten Giftmülldeponien
viele Tausende neuer Arbeitsplätze geschaffen werden.
+ + + + +

- 2 -

�14. Mai 1980

24

"KLEINARBEIT" FÜR DIE NUTZBARMACHUNG DER ERDWARME

- (AD) - Die Möglichkeiten der Erschließung von relativ oberflächennahen
Wärmezentren unserer Erde für die Energieproduktion finden in vielen Teilen
der Welt immer größeres Interesse.

Allerdings bestehen nach wie vor erhebliche

technische Hindernisse, um diese weitgehend regenerative Energie in größerem
Umfang nutzen zu können.

Für Aufgaben von Forschung und Entwicklung auf diesem

Gebiet stellte das US-Energieministerium im laufenden Haushaltjahr 150 Millionen Dollar zur Verfügung.

In enger Zusammenarbeit mit Fachleuten und Orga-

nisationen in anderen Ländern bemühen sich amerikanische Ingenieure und Geologen, geeignete Förderplätze und wirtschaftliche Produktionsverfahren zu finden.
Im Rahmen von Projekten der Internationalen Energie-Agentur (IEA) erproben die Vereinigten Staaten derzeit gemeinsam mit Italien, Neuseeland und Mexiko
neuartige Ausrüstungen bei Feldversuchen, u.a. einen besonders robusten und
transportablen Generator. Die Bundesrepublik Deutschland beteiligt sich mit
einer Million Dollar an einem deutsch-amerikanischen Gemeinschaftsprojekt, bei
dem heißes Trockengestein in der Tiefe eines Experimentierfeldes bei Los Alamos
(Neu-Mexiko) die Energiequelle darstellt. Im Gegensatz zu bisher in Anspruch
genommenen Quellen, wo heißes Wasser oder sogar Dampf aus der Erde strömt, gibt

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�gibt es bei den durch unterirdische Magmakammern aufgeheizten Formationen von
Trockengestein kein natürliches Transportmedium für die gespeicherte Wärmeenergie.

Es wird durch Einpumpen von Wasser und Ausleiten des "künstlichen

Thermalwassers" geschaffen.

Mit dem Projekt von Los Alamos hoffen die beiden

Länder, Verfahren zu entwickeln, um auf wirtschaftliche Weise diese Wärmequelle
für die Energieproduktion anzuzapfen.

Von der Auslandsabteilung des US-Energieministeriums verlautet, daß kürzlich eine IEA-Studie über die Nutzung von Trockengestein abgeschlossen wurde,
an der neben den USA die Bundesrepublik, Schweden, die Schweiz und Großbritannien
beteiligt waren.

Die USA hofften jetzt auf Anschlußexperimente ihrer europäischen

Partner, um an geeigneten Plätzen Entwicklungsprojekte für die neue Technik zur
Nutzung von heißem Trockengestein in Gang zu bringen.

In zwei bilateralen Vereinbarungen zwischen den Vereinigten Staaten und
Italien geht es vor allem um Austausch von Informationen und Spezialisten, gemeinsame Projekte zur Verbesserung der Thermalwasserförderung, Nutzung stark
mineralhaltigen Thermalwassers hoher Temperatur.

Tiefbohrungen, physikalische

Probleme im Zusammenhang mit Thermal wasservorkommen, Wärmetransport, Umwelttechnologie sowie um den Austausch von wissenschaftlichen Unterlagen über Quellen
und größere unterirdische Heißwasservorkommen, die mit Computern erarbeitet
werden.

Die umfangreichen Erfahrungen und Meßwerte, die italienische Fachleute

im Gebiet der Thermalquellen von Lardarello gesammelt haben, kommen inzwischen
beiden Ländern bei der Erschließung geothermischer Energiespeicher zugute.
In den Vereinigten Staaten sind neben dem US-Energieministerium 20 weitere
Bundesbehörden und Unternehmen der Privatwirtschaft an geothermisehen Projekten
beteiligt.

In der Abteilung "Erdwärme" des Energieministeriums, das für die

einschlägigen Programme der Bundesregierung federführend ist, hofft man, daß
die kommerzielle Nutzbarmachung leicht zugänglicher und von der Wasserzusammensetzung her wenig

problematischer Thermal wasservorkommen bis 1985, unter hohem

Druck stehender Vorkommen bis 1995 und von heißem Trockengestein etwa um die Jahrhundertwende in die Wege geleitet werden kann.
Ungefähr
- 2-

�Ungefähr 75 Prozent der im US-Energieministerium dafür zur Verfügung
stehenden Mittel gehen an die Industrie, die eine Schlüsselrolle bei der Konzipierung und Durchführung von Entwicklungsaufgaben spielt. Als wichtigste
Ziele des Geothermie-Programms werden genannt 1) Auffindung geeigneter Gebiete
und ihre Überprüfung durch Suchbohrungen und Ergiebigkeitstests; 2) Entwicklung der wirtschaftlichsten Technologien für die Stromerzeugung aus Erdwä'rme
sowie für die direkte Erdwärme-Nutzung; 3) Untersuchungen zur Umweltbelastung
als Folge der Anwendung dieser neuen Technologien, und 4) Bau von Demonstrationsanlagen verschiedener Größenordnung und mit verschiedenen Arbeitssystemen.
(Bei einigen dieser Projekte ist bereits im Laufe dieses Jahres damit zu rechnen, daß sie entscheidende Betriebsphasen erreichen.)

Als Standorte für Kraft-

werke mit 50 Megawatt elektrischer Leistung sind Valles Caldera (Neu-Mexiko)
und Heber (Kalifornien) vorgesehen, während in Malta (Idaho) und in Hawaii
kleinere Anlagen, u.a. mit transportablen Generatoren für den Einsatz direkt
an der Thermalquelle, erprobt werden.

Sie sollen zur Stromversorgung kleiner

Abnehmergruppen insbesondere in abgelegenen Gegenden dienen.

Bei einer Aus-

wahl anderer Experimentieranlagen geht es zunächst einmal um die Erprobung
von Ausrüstungen und Arbeitssystemen für die Nutzbarmachung sehr heißen, stark
korrodierenden Salzwassers aus dem Untergrund.

/'

+ + + + +

- 3 -

�31
I 3

Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14. Mai 1980

24

DIAGNOSEHILFE FÜR DIE BEOBACHTUNG FRÜHGEBORENER

- (AD) - Blutungen im Schädelinnern sind die häufigste Ursache für Krankheit und Tod Frühgeborener. Mit Hilfe einer Ultraschallsonde (das Verfahren
wurde von Radiologen der Stanford-Universität in Kalifornien entwickelt) können
solche Blutungen bereits in einem Stadium entdeckt werden, in dem noch gar
keine klinischen Symptome wie Krampfanfälle oder unregelmäßige Atmung und Atemstillstand darauf hindeuten. Der Arzt erhält so die Möglichkeit, das unreife
Neugeborene auf Anzeichen für die Bildung zunehmender Flüssigkeitsmengen im
Gehirn - eine Folgeerscheinung von Blutungen - zu beobachten und den Hydrocephalus
zu behandeln, noch ehe irreparable Schäden eingetreten sind.
Wie Dr. David London von der School of Medicine der Stanford-Universität
berichtet, könne man mit diesem Verfahren in 40 - 70 Prozent der Fälle von Frühgeborenen mit weniger als 1500 Gramm Körpergewicht, bei denen es zu Blutungen
kommt, entscheidende Hilfe leisten. Gegenwärtig überlebt höchstens die Hälfte
von ihnen.
Das Ultraschallinstrument war ursprünglich von Dr. Alan Susal, Assistenzprofessor für Augenheilkunde, und Elektronikingenieuren der Stanford-Universität
für diffizile Augenuntersuchungen entwickelt worden. Dr. Dieter Enzmann und

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�und Dr. Barbara Carroll von der Abteilung für diagnostische Radiologie verwendeten es versuchsweise für verschiedene andere diagnostische Zwecke und
ließen dann entsprechende Anpassungen vornehmen.
Bei Frühgeborenen mit hohem Unreifegrad wird eine Sonde mit dünnem Ultraschall strahl an der Fontanelle angesetzt und auf die mit Liquor gefüllten
Hirnkammern gerichtet.

Es zeigte sich, daß mit Ultraschall Regionen, in denen

Blutungen auftreten, genauso exakt wie mit der Computer-Tomographie-Methode
erfaßt und abgegrenzt werden können.

Das neue Verfahren ist jedoch sehr viel

vorteilhafter, weil es am Inkubator in der Intensivstation durchzuführen ist
und das Baby zur Untersuchung nicht in den Tomographieraum gebracht werden muß.
Außerdem, so Dr. Enzmann, vermeidet man Risiken, die mit der Einwirkung ionisierender Strahlung verbunden sind.

"Bei den von uns angewandten Energiestufen

sind keine schädlichen Ultraschallwirkungen bekannt", erklärte Dr. Enzmann.
Das Verfahren ist auch billiger als die Computer-Tomographie (CT), denn die
Ultraschall-Apparatur kostet nur etwa ein Zehntel dessen, was für einen CTScanner aufgewendet werden muß. Allerdings bietet dieser die Möglichkeit,
Differentialdiagnosen durchzuführen und bei Vorliegen ähnlicher Krankheitsbilder
zu klären, was als Ursache in Frage kommt.
Die genaue Ursache intrakranieller Blutungen bei Frühgeborenen ist, wie
Prof. Enzmann erklärte, nicht bekannt. Sie treten in einem Bereich des Gehirns
auf, der beim normal entwickelten Neugeborenen bereits umgebildet ist. Dies
lasse darauf schließen, daß in der noch unreifen Hirnregion unter den Bedingungen einer vorzeitigen Geburt Blutungsneigung bestehe. Die Statistiken über
die Häufigkeit von Hirnblutungen bei Frühgeborenen weisen große Schwankungen
auf - schon allein deshalb, so Enzmann, weil es den Ärzten erst seit kurzem
möglich ist, mit Hilfe der CT-Methode zu exakten Befunden zu kommen.
Solange man nicht genau weiß, wann und unter welchen Umständen intrakranielle Blutungen bei unterreifen und unreifen Frühgeborenen auftreten, ist
kaum eine vorbeugende Behandlung möglich.

Werde jedoch eine Hirnblutung ent-

deckt, könne man, so Enzmann, das Baby mittels Ultraschall sorgfältig auf An-

- 2 -

�Anzeichen einer ödembildung am Hirnventrikel beobachten und sie mit Lumbalpunktur behandeln.

Enzmann bedauert, daß es noch nicht möglich ist, jedes

unterreife Frühgeborene in der Intensivstation auf Anzeichen einer Blutung
zu untersuchen.

Jetzt soll eine Studie in Angriff genommen werden, um genau

herauszufinden, wo es bei diesen Babies zu Blutungen kommt und wie sich anschließend Ödeme im Gehirn entwickeln.

Für die neurologische und geistige

Entwicklung von Babies, bei denen intrakranielle Blutungen diagnostiziert
wurden, hat das Frühgeborenen-Forschungszentrum der Stanford-Universität ein
langfristiges Beobachtungsprogramm in Angriff genommen.

+ + + + +

- 3 -

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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter: Weltstabilität erfordert starke amerikanische Führung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Präsidenten in Philadelphia -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Vizepräsident Mondale in Belgrad&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gedenktag zum Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert an 35 Jahre der Zusammenarbeit im Bündnis&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von George S. Vest, Unterstaatssekretär -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Giftmüll und gefährliche Substanzen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Umweltschutzbehörde veröffentlicht neuen Vorschriftenkatalog -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Kleinarbeit" für die Nutzbarmachung der Erdwärme&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Diagnosehilfe für die Beobachtung Frühgeborener&amp;nbsp;</text>
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