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                  <text>Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. April 1980

20

INHALT

DOKUMENTATION
Carter erläutert US-Politik gegenüber dem Iran und Afghanistan
- Rede vor der Gesellschaft der Zeitungsherausgeber Carter und Sadat bezeichnen ihr Treffen als konstruktiv
- Erklärung der beiden Präsidenten Carter und Sadat suchen Wege zur Beschleunigung des Friedensprozesses
im Nahen Osten
- Erklärung des Weißen Hauses zum Treffen der beiden Präsidenten Die sowjetische Invasion in Afghanistan
- Eine Untersuchung des US-Außenministeriums HINTERGRUNDMATERIAL
Endrunde für Seerechtskonferenz
- US-Botschafter Richardson optimistisch über endgültigen Vertragsentwurf im Sommer 1980 WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Benzin aus Schweröl
Eiweißquelle - neu entdeckt
- Amarantgewächse für Ernährungswissenschaftler interessant -

Um Über/enclung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. April 1980

20

CARTER ERLÄUTERT US-POLITIK GEGENÜBER DEM IRAN UND AFGHANISTAN
- Rede vor der Gesellschaft der Zeitungsherausgeber -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 10. April 1980 in einer
Rede auf der Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft der Zeitungsherausgeber in Washington nachdrücklich seinen festen außenpolitischen Kurs gegenüber
dem Iran und der sowjetischen Invasion in Afghanistan dargelegt.
Gegenüber dem Iran, so betonte Carter, werden die Vereinigten Staaten
nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen ihre Macht weiterhin vorsichtig und überlegt ausüben.

"Wir werden jeden - und ich wiederhole jeden - le-

gitimen Einsatz dieser Macht vorsehen, um unsere Mitbürger sicher und frei
nach Hause zu bekommen", so betonte der Präsident.
Auch bezüglich der sowjetischen Invasion in Afghanistan und des Boykotts
der Olympischen Spiele in Moskau ließ Carter keinen Zweifel an seiner festen
Haltung. Zum SALT II-Vertrag erklärte der Präsident, daß er weiterhin grundsätzlich für die Ratifizierung sei und keine Maßnahmen treffen werde, die im
Gegensatz zum Geist und Buchstaben des Vertrages stünden, solange die Sowjetunion sich einer ähnlichen Zurückhaltung befleißige.
Die

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Während der letzten zwei Tage bin ich mit dem ägyptischen Präsidenten
Sadat zusammengetroffen - dessen historischer Besuch in Jerusalem den Prozeß
der Friedensstiftung ausgelöst hat, der zu den übereinkommen von Camp David
führte.

Durch seine Bemühungen und die von Ministerpräsident Begin, mit dem

ich kommende Woche zusammentreffen werde, ist es uns gelungen, praktisch ein
Wunder zu vollbringen:

einen Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten.

Seine Bestimmungen werden peinlich genau eingehalten.
Wir stehen jetzt in Verhandlungen, um Frieden und Sicherheit für Israel
und seine Nachbarn sowie die volle Autonomie für die Bewohner West-Jordaniens
und des Gaza-Streifens zu gewährleisten.

Wir führen diese Gespräche mit der

Ermutigung, daß die Übereinkommen von Camp David voll eingehalten werden.
Präsident Sadat und ich sprachen über viele Fragen, und ich war nicht
überrascht, daß er viele meiner Gedanken und Besorgnisse über den Verlauf weltpolitischer Ereignisse teilte.
•

Ich möchte heute zu Ihnen über die dringendsten Gebote der amerikanischen
Außenpolitik mit besonderem Nachdruck auf ein spezielles Gebiet der Welt
sprechen.
Es ist wichtig, daß wir die Dinge klar und nüchtern sehen - nicht als
eine einfache Welt entweder des guten Willens weitweit oder der Feindseligkeit weltweit - , sondern als eine komplexe, sich verändernde und gelegentlich gefährliche Welt, wie sie tatsächlich existiert.
Es handelt sich nicht um "eine" Welt, sondern um "viele" Welten.

Es

handelt sich heute nicht mehr um eine Welt, die durch die Konkurrenz kolonialer Weltreiche strukturiert und kontrolliert wird.

Es handelt sich vielmehr

um eine komplizierte Welt, in der nationale, religiöse und ethnische Selbstbehauptung alte Grenzen und Bündnisse sprengt.

- 2 -

Es handelt sich um eine Welt

�Welt widerpsrüchlicher Ideologien, ungleichen Besitzes und unterschiedlicher
Ressourcen.

Es handelt sich um eine Welt, in der die Fähigkeit zu zerstöre-

rischer Gewalt sich sofort in alarmierender Weise bis zur kleinsten Terroristenbande ausbreitet - und in furchterregender Weise in den nuklearen Arsenalen
der Supermächte konzentriert ist.

Und es ist gerade in einer solchen sich ver-

ändernden Welt - voller Unsicherheit, Argwohn, Verschiebungen und Streben
nach Gleichgewicht -, in der wir nach Frieden und Sicherheit für uns selbst
und für alle Menschen auf Erden streben.

Wir besitzen soviel jugendliche Lebenskraft, daß wir gelegentlich vergessen, daß wir eine im besten Sinne reife Nation sind.

Wir sind seit zwei Jahr-

hunderten eine demokratische Republik, und wir sind die stärkste Nation auf
Erden.

Aber wir erleben Herausforderungen, die jeden Tag unsere Reife und un-

sere Fähigkeit auf eine Bewährungsprobe stellen.
In vielen Sprachen und aus vielen fremden Kulturen bitten andere Menschen
ständig Amerika um eine Antwort auf eine riesige Zahl von - oft widersprüchlichen - Anliegen.

Länder fordern Führung - gleichzeitig fordern sie Unabhängigkeit des
Handelns.

Sie fordern Hilfe - aber sie lehnen jede Einmischung ab.
Sie fordern Verständnis - aber sie weigern sich oft umgekehrt für uns
Verständnis aufzubringen.

Manche fordern Schutz - hüten sich aber vor den Verpflichtungen des Bündnisses.

Andere fordern Festigkeit und Gewißheit - aber fordern gleichzeitig die
Flexibilität, die das Tempo des Wandels und die Tücke der Ereignisse verlangen.

Die
- 3 -

�Die Welt fordert - voller Ungeduld - alle diese Dinge auf einmal und
will sie heute, nicht erst morgen.
Nirgendwo treffen wir auf die von mir eben beschriebenen Herausforderungen direkter als im Iran.

Keine einzige Situation hat unser Volk so erbittert,

unsere Reife so auf die Probe gestellt, unsere Geduld so strapaziert, unsere
Fähigkeit so gefordert wie die anhaltende Gefangenschaft unserer amerikanischen
Mitbürger in der Botschaft in Teheran.
Kein einziges anderes Ereignis spiegelt so deutlich die Unordnung unserer
Zeit und die konkurrierenden Pressionen auf eine große und mächtige Nation
wider.

Diese Krise fordert von uns, daß wir mit einer Klugheit und einem Mut

handeln, die sowohl Ergebnisse zeitigen als auch Leben erhalten.
Ich bin zutiefst stolz auf die standhafte Stärke, die Amerika im Umgang
mit verantwortungslosen iranischen Behörden an den Tag gelegt hat, die nicht
bereit waren, zu handeln, oder unfähig waren, ihre Zusagen zu erfüllen.

Den

Führern der iranischen Regierung mangelt es an dem Zusammenhalt und dem Willen, Ordnung in ihr chaotisches Land zu bringen und sich für eine Basis; zu entscheiden, auf der ihr illegales Festhalten der Geiseln beendet werden könnte.
Lange Monate waren wir es, die trotz der ungeheuerlichen Provokation Zurückhaltung der Stärke geübt haben. Ich bedauere diese Zurückhaltung nicht,
die dazu diente, das Leben von Amerikanern zu schützen und es Vertretern der
iranischen Regierung und Vertretern der Vereinten Nationen zu erlauben, die
Krise beizulegen.
Aber wir mußten - weil der Iran nicht in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht und seinen eigenen Interessen handeln wollte - erneut selbst handeln.
Die Schritte, die ich in dieser Woche vollzogen habe, um die diplomatischen Beziehungen zu beenden und Sanktionen zu verhängen, sind fest und wesentlich,
und wir hoffen, daß sie überzeugend sein werden.
Amerika

�Amerika wird die sorgfältige und überlegte Ausübung seiner Macht fortsetzen.

Wir werden jeden - und ich wiederhole jeden - legitimen Einsatz die-

ser Macht vorsehen, um unsere Mitbürger sicher und frei nach Hause zu bekommen.

Aber die harte, bittere Wahrheit ist, daß eine kleine Zahl fanatischer
Eiferer in einem Machtkampf im Iran die unschuldigen amerikanischen Geiseln
für ihre eigenen Zwecke benutzen, obwohl dies ernste negative Folgen für das
ganze iranische Volk hat.

Im Interesse des iranischen Volkes und seiner möglichen Zukunft als vereinte und friedliche Nation in Freiheit ist es zwingend notwendig, daß die
iranische Regierung diese Krise beilegt.
isoliert den Iran immer mehr.

Jeder Tag, den die Krise andauert,

Jeder Tag, den die amerikanische Botschaft ein

Gefängnis bleibt, treibt den Iran selbst weiter in die Gesetzlosigkeit und
immer tiefer in die Unordnung.

Bei einer Rückkehr von Vernunft braucht das Schicksal des Iran nicht die
internationale Gesetzlosigkeit zu sein.

Seine Zukunft braucht nicht der po-

litische wie moralische Bankrott zu sein.

Wenn Einmischung von außen eine Bedrohung darstellt, dann kommt diese Bedrohung nicht von den Vereinigten Staaten.

Die Herausforderung in jenem Teil der Welt - wie in anderen Teilen kommt von der Überschneidung zweier historischer Entwicklungen.

Die eine ist

die wachsende Forderung nach Entwicklung und Selbstbestimmung, die in der
ganzen, wie wir sie nennen, Dritten Welt spürbar - und zutiefst spürbar - wird.
Die Vereinigten Staaten reagieren mit Sympathie auf diese Forderung.

Die an-

dere Entwicklung ist der sowjetische Expansionismus, dem zu widerstehen wir
entschlossen sind.

Im Jahre 1946 haben sich die Vereinigten Staaten der sowjetischen Besetzung
des Nordiran, der sowjetisch geschürten Subversion in Griechenland und den
- 5-

�den sowjetischen Forderungen an die Türkei nachdrücklich widersetzt.

In der

Geschichte ist die amerikanische Stärke dazu benutzt worden, den Ländern des
Gebietes des Persischen Golfes zu helfen, ihre Stabilität zu schützen und
ihre Souveränität zu erhalten.
In unserer heutigen Welt sieht die Wirklichkeit so aus: Moskau nützt
Unruhen nicht aus, um die Unzufriedenheit anzupacken, die hinter solchen Unruhen stecken, oder um die Ungleichheit zu beseitigen, die solche Unruhen
fördern, sondern um seine Herrschaft auszuweiten und seinen imperialen Ehrgeiz zu befriedigen.
In Afghanistan wurde die ganze Heuchelei des sowjetischen Werbens um die
Dritte Welt enthüllt.

Die Sowjetunion hat gezeigt, daß sie sich nicht durch

Prinzipien, durch das Völkerrecht, durch die Meinung der Weltöffentlichkeit
oder durch die Opposition patriotischer Afghanen abschrecken läßt.

Und sie

hat dies in einer Region deutlich werden lassen, die politisch unsicher und
wirtschaftlich von entscheidender Bedeutung ist.
Die Unterwerfung Afghanistans stellt den ersten direkten Einfall sowjetischer Streitkräfte in Gebiete jenseits der Grenzen der Warschauer PaktStaaten seit dem Zweiten Weltkrieg dar.
Die Explosivität dieser Region, ihr großer natürlicher Reichtum und die
Bereitschaft der Sowjetunion, ihre militärischen Streitkräfte, die sie im
Verlauf des gewaltigen, vom Kreml über die letzten 15 Jahre hinweg betriebenen
Militäraufbaus geschaffen hat, auch einzusetzen: all dies macht die Invasion
Afghanistans für die Zukunft des internationalen Friedens so beunruhigend.
•

'

•

•

•

-

•

•

In Südwestasien sind instabile und unkontrollierbare Kräfte am Werk.

Mit

ihrer Invasion haben die Sowjets Kräfte des historischen, religiösen, wirtschaftlichen und ethnischen Konfliktes in Bewegung gebracht, die sich ihrer
Kontrolle entziehen und die zu noch schwerwiegenderer direkter Konfrontation
zwischen anderen Staaten führen könnten, die vitale Interessen in dieser Region haben.
Die

�Die Welt kann sich aber auch nicht von der grausamen Wahrheit abwenden,
daß die Besetzung Afghanistans durch erschreckende Unmenschlichkeit gekennzeichnet ist. Tausende afghanischer Freiheitskämpfer sterben jede Woche,
manche unter ihnen bei brutalen Massenexekutionen.
Erdboden gleichgemacht,

Ganze Dörfer werden dem

über 800 000 Menschen sind aus dem Land geflohen.

Eine Taktik des Schreckens, einschließlich des Gebrauchs chemischer Waffen,
ist das Kennzeichen dieses unbarmherzigen Versuchs, den moslemischen Widerstand zu brechen und eine sowjetische Art von Frieden einzuführen - einen
Frieden brutaler, bewaffneter Unterdrückung.
Anfang dieses Jahres haben 103 andere Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen gemeinsam mit uns die sowjetische Invasion verurteilt und den sofortigen Abzug der Invasionsstreitkräfte aus Afghanistan gefordert. Die Bürger
der Sowjetunion wurden über diesen Schritt nie informiert. Diese beispiellose Verurteilung war bezeichnend, aber wegen des auf dem Spiele stehenden
Prinzips, wegen der für die westliche Sicherheit so großen Bedeutung der Region, wegen der Grausamkeit des sowjetischen Angriffs und wegen des unmittelbaren Einsatzes sowjetischer Truppen in einem solchen Konflikt ist es für uns
dringend notwendig, uns auch weiterhin der Herausforderung dieser Invasion
mit Ruhe und unmißverständlicher Entschlossenheit zu stellen.
Die von mir angeordneten Maßnahmen dienen dem Ziel, den Frieden zu fördern. Sie umfassen das Embargo für weitere Getreidelieferungen, strengere
Kontrolle des Handels mit hochtechnologischen Gütern, Begrenzungen für Fischereirechte in unseren Gewässern, Verstärkung unserer Flottenpräsenz im Indischen
Ozean, intensivierte Entwicklung unserer Schnellen Eingreiftruppen und unserer
Kapazität zu ihrer Dislozierung und Unterstützung sowie unser Angebot an Staaten in dieser Region, ihnen bei der Gewährleistung ihrer eigenen Sicherheit
zu helfen. Dies sind notwendige Schritte auf einem Weg, den wir gehen müssen
und gehen werden.
Wir können keine Gewißheit über die Beweggründe der Sowjets hinsichtlich
ihres Einmarsches in Afghanistan haben - ob Afghanistan der Zweck oder nur ein
Auftakt ist. Aber abgesehen von den Motiven besteht kein Zweifel darüber, daß
- 7 -

�daß die sowjetische Invasion für die Unabhängigkeit der Staaten in dieser Region und für den Zugang der Staaten dieser Welt zu den lebenswichtigen Rohstoffquellen und den Seewegen eine verstärkte Bedrohung darstellt.
Aber unser Interesse an Frieden und Stabilität in diesem Gebiet geht
weit über wirtschaftliche Gesichtspunkte hinaus. Wunschdenken beseitigt nicht
die Tatsache, daß Konflikte und Spannungen in dieser Region auch den umfassenderen Frieden gefährden.

Und sollte die Invasion Afghanistans tatsächlich ein

neues Muster sowjetischen Verhaltens im kommenden Jahrzehnt vorausahnen lassen,
so müssen wir Amerikaner uns über die Tatsache im klaren sein, daß wir vor bedrohlichen und schwierigen Zeiten stehen.

In dieser Welt immer stärkerer Inter-

dependenz würde die Annahme, man brauche sich einer Aggression nur dann entgegenzustellen, wenn sie sich vor der eigenen Haustür ereignet, nur die Einladung zu neuen Abenteuern und das Risiko neuer Fehlurteile bedeuten.
ist klar:

Unser Kurs

durch standhafte Reaktion beabsichtigen wir, der Aggression dort Ein-

halt zu gebieten, wo sie stattfindet, und vor ihr an anderen Stellen abzuschrecken.
Lassen Sie mich diesen zentralen Punkt unserer Politik erläutern.
Amerika und die Amerikaner sind nicht durch unbarmherzige Feindschaft motiviert, durch einen Wunsch nach blinder Konfrontation oder eine Rückkehr zum
Kalten Krieg. Aber würde Amerika nur einfach die sowjetische Besetzung und
Beherrschung Afghanistans als eine vollendete Tatsache hinnehmen, so würde
dies für die Welt ein zynisches Beispiel sein, das nur zu weiterer Aggression,
weiterer Spannung und weiterer Gefahr für den Frieden ermutigen könnte. Es ist
die Verantwortung Amerikas, unsere Verurteilung der sowjetischen Invasion in
klaren Worten auszudrücken - so lange, wie diese Invasion andauert.
Es ist von äußerster Wichtigkeit, daß wir die sowjetische Aggression in
keiner Weise entschuldigen. Wir müssen uns auch an die Erfahrung aus dem Jahr
1936 erinnern, das Jahr der Olympischen Spiele in Berlin.

Sie wurden dazu

verwandt, das Prestige des ehrgeizigen Diktators Adolf Hitler aufzublähen,
der Welt Deutschlands totalitäre Stärke zu beweisen, so wie sie benutzt wurden,
um die Welt an den Ufern des Rheins einzuschüchtern.
Die

�Die Parallele hinsichtlich Ort und Zeitpunkt zu den Olympischen Spielen
von 1936 ist auffallend.

Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf die zwingende

Ähnlichkeit zwischen der Nazi-Auffassung von den Spielen im Jahr 1936 als
einem propagandistischen Sieg und der sowjetischen Auffassung von den Spielen
des Jahres 1980 hinweisen.

Hier ist ein Auszug aus der diesjährigen Ausgabe

des "Handbuchs für Parteiaktivisten", das in Moskau für die Aktivisten der
sowjetischen Kommunistischen Partei herausgegeben wurde:
Es geht bei der Auswahl der Städte zur Austragung der Olympischen
Spiele unmittelbar um den ideologischen Kampf zwischen Ost und
West.

Die Entscheidung, die Ehre der Abhaltung Olympischer Spiele

der Hauptstadt des ersten sozialistischen Staates der Welt zu verleihen, ist überzeugender Beweis für die allgemeine Anerkennung der
historischen Bedeutung und Richtigkeit des außenpolitischen Kurses
unseres Landes und des gewaltigen Dienstes, den die Sowjetunion
beim Kampf um den Frieden leistet.

Vor ein paar Wochen traf ich im Weißen Haus mit amerikanischen Sportlern
zusammen.

Ich erklärte, worum es den Sowjets bei den Olympischen Spielen geht,

und erläuterte die moralischen und politischen Gründe, warum die Vereinigten
Staaten keine Mannschaft zu den Spielen in Moskau schicken werden.

Ich bin

mir des Opfers bewußt, das ich von diesen Männern und Frauen fordere zugunsten
der Sicherheit ihres Landes und ihrer Welt.
rung der Sowjetunion.

Sicherlich versteht es die Füh-

Denn es ist weit mehr als eine symbolische Geste, wenn

wir keine Mannschaft nach Moskau schicken.

Es ist eine deutliche Zurückwei-

sung - um mit ihrem "Handbuch" zu sprechen - der "Richtigkeit" ihrer Außenpolitik.

Nach den Grundsätzen der Olympischen Spiele vertreten die Sportler ihre
Länder.

Die Vereinigten Staaten wünschen nicht, in einem Gastland vertreten

zu werden, das in einen anderen Staat einmarschiert ist und diesen unterdrückt.

Sollten rechtliche Schritte notwendig sein, um die Entscheidung durch-

zusetzen, kein Team nach Moskau zu schicken, so werde ich sie ergreifen.
Alle
- 9 -

�Alle diese Entscheidungen fordern Opfer, und meine Maßnahmen sollen
sicherstellen, daß die Lasten so gerecht wie möglich verteilt werden.

Das

amerikanische Volk hat gezeigt, daß es gewillt ist, seinen Anteil der Last
zu tragen - aber es ist von entscheidender Bedeutung, daß die Last des Opfers auch von unseren Verbündeten und anderen Staaten getragen wird.
Weder wir noch unsere Verbündeten haben die Absicht, das Rahmenwerk der
Ost-West-Beziehungen zu zerstören, das für viele Menschen konkrete Vorteile
erbracht hat. Aber wenn wir weiterhin die Vorteile der Entspannung suchen
und dabei die Notwendigkeit der Abschreckung ignorieren, so werden wir letztlich die Vorteile von beiden verlieren.
Es ist entscheidend, daß unsere Absichten völlig klar sind.

Die Maßnah-

men, die wir seit der Invasion gegen die Sowjetunion ergriffen haben, werden
inkraft bleiben, bis ein vollständiger Rückzug der sowjetischen Truppen aus
Afghanistan stattfindet.

Dann, und nur dann, wären wir bereit, uns den Nach-

barn Afghanistans bei einer Garantie für echte Neutralität und Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten Afghanistans anzuschließen.

Wir unter-

stützen die Wiederherstellung eines neutralen, blockfreien Afghanistans mit
einer Regierung, die sich den Wünschen des afghanischen Volkes offen zeigt.
Obwohl die Sowjets von Truppenrückzug gesprochen haben, haben sie in
Wirklichkeit kein Interesse an solchen Vorschlägen gezeigt. Derzeit gibt es
keine Zeichen eines sowjetischen Rückzugs, ja, ihr militärischer Aufmarsch
geht weiter. Win müssen bereit sein, unseren Kurs zu halten, für die Aggression so lang wie notwendig einen Preis zahlen zu lassen.
•

Daher stehen wir vor etwas, was sich als ein längerer Zeitraum erhöhter
Belastung in den Ost-West-Beziehungen herausstellen könnte. Um in dieser schwierigen Periode die Stabilität in größtmöglichem Maß zu erhöhen, werden wir
weiterhin ein stabiles militärisches Gleichgewicht unterhalten - sowohl durch
die beständige Modernisierung unserer eigenen Verteidigung als auch durch ausgehandelte Rüstungsbegrenzungen, die ausgewogen und verifizierbar sind. Die-

- 10 -

�DiesanZiel - einem stabilen Gleichgewicht - wird durch den SALT II-Vertrag
gedient.

In einer Zeit erhöhter Spannungen, ist es umso wichtiger, verläß-

liche Beschränkungen beim strategischen Wettrüsten zu haben.
integraler Bestandteil unserer nationalen Sicherheitspolitik.

SALT ist ein
Ich bleibe der

Ratifizierung des Vertrags verpflichtet, und die Vereinigten Staaten haben
die Absicht, ihren Verpflichtungen gemäß dem Völkerrecht nachzukommen und
keine Maßnahmen zu ergreifen, die mit seinem Ziel und seinen Absichten nicht
in Einklang stehen, solange die Sowjets sich gleicher Zurückhaltung befleißigen.

Der von uns in dieser unruhigen Welt verfolgte Kurs ist beständig, fest
und fair.

Es ist der Kurs einer starken, stabilen Nation, die reife Zurückhaltung
ausübt, aber auf Gerechtigkeit besteht - die Politik, die wir hinsichtlich
des Iran verfolgen.

Es ist der Kurs einer standhaften Nation, die auf gute Beziehungen hofft,
aber entschlossen ist, vor Aggressionen abzuschrecken - der Kurs, den wir bei
unseren Verhandlungen mit der Sowjetunion verfolgen.

Es ist der Kurs des Friedensstifters - die gleiche Rolle, zu der sich die
Vereinigten Staaten im Nahen Osten und in der ganzen Welt verpflichtet haben.

Und es ist der Kurs einer verständnisvollen Nation, die ein Gefühl hat
für die Gezeiten des Wechsels und für die Rechte und Bedürfnisse aller Menschen - Amerikas rechtmäßige Stellungnahme zu dem revolutionären Klima, in
dem derzeit eine neue Welt ersteht.

Unsere Aufgabe ist es, Ordnung zu fördern, nicht unseren Willen aufzuzwingen; unsere Bürger und unsere nationale Ehre zu schützen, nicht andere
zu verletzen oder zu entehren; Zurückhaltung zu erzwingen, nicht Konfrontation herauszufordern; die Schwachen zu unterstützen, nicht sie zu beherrschen;
und sicherzustellen, daß die Grundlagen unserer neuen Welt auf einem stabilen
- 11 -

�stabilen Gleichgewicht der Supermächte ruhen - und nicht auf Sand gebaut sind.
Dies ist eine lohnende Aufgabe für eine große Nation, für ein sorgendes
Volk und für loyale Freunde.
Es ist die historische Mission der Vereinigten Staaten von Amerika, und
die Vereinigten Staaten von Amerika werden diese Mission erfüllen.

+ + +

Im Anschluß an die Rede wurde dem amerikanischen Präsidenten eine Reihe
von Fragen gestellt, die sich mit der Situation der Geiseln in Teheran, den
Kontakten der USA mit ihren Verbündeten sowie der amerikanischen Reaktion auf
die sowjetische Aggression in Afghanistan befaßten.
Zur Unterstützung durch die amerikanischen Verbündeten wurde der US-Präsident gefragt:
"Zum Thema der Unterstützung durch die Verbündeten gibt es einander widersprechende Berichte, ob sie uns nun unterstützen werden oder nicht. Welche
spezifischen Zusagen erhalten Sie von ihnen, ob sie nun entweder ihre Botschafter abziehen oder ähnliche Sanktionen, wie Sie sie angeordnet haben, anwenden
werden?"
Darauf erwiderte Präsident Carter:
•

"Durch eigene, persönliche Botschaften - entweder per Telegramm oder per
Telefon - habe ich unsere Verbündeten dringend aufgefordert, uns ihre volle
Unterstützung zu geben.

Die Unterstützung ist gelegentlich wirksam gewesen.

Bei anderen Gelegenheiten waren wir enttäuscht.
Seit

�Seit die Bemühungen, die Geiseln zu überstellen oder freizulassen, sich
als nicht wirksam herausgestellt haben, haben wir in letzter Zeit unsere Bestrebungen verstärkt, unsere Verbündeten zu veranlassen, auf eigene Initiative
zu handeln, um die Freilassung der Geiseln zu erreichen.
Ich habe erst kürzlich mit einigen der europäischen Staatsmänner gesprochen. Gestern und heute sind die Außenminister zahlreicher Länder in Lissabon
zusammengetroffen. Sie haben beschlossen, sich an die iranischen Regierungsvertreter mit der Forderung zu wenden, die Geiseln unverzüglich freizulassen,
und auf einen Zeitplan für die Freilassung der amerikanischen Geiseln zu dringen. Was zu tun ist, wenn eine solche Maßnahme nicht erfolgt, muß von diesen
autonomen und unabhängigen Ländern und ihren Staatsmännern entschieden werden.
Wir haben Maßnahmen vorgeschlagen wie die Verhängung solcher Sanktionen,
wie sie vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen vorgeschlagen wurden, die
dann allerdings legal von der Sowjetunion blockiert wurden, und auch das Abziehen des diplomatischen Personals (der Verbündeten) aus Iran oder möglicherweise auch den Abbruch der Beziehungen zu Iran.
Ich kann Ihnen nicht sagen, was unsere Verbündeten und Freunde praktisch
tun werden, aber wir verwenden soviel Anstrengungen wie möglich darauf, unsere
Verbündeten zu veranlassen, in starker und konzertierter Weise zu handeln, wobei wir hoffen, daß dadurch der augenblickliche tote Punkt überwunden und die
Krise gelöst wird."

+ + + + +

- 13 -

�m

I 1

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. April 1980

20

CARTER UND SADAT BEZEICHNEN IHR TREFFEN ALS KONSTRUKTIV
- Erklärung der beiden Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter und der ägyptische Staatspräsident Anwar el Sadat haben ihre zweitägigen Gespräche in Washington als konstruktiv bezeichnet.

Bei diesen Gesprächen am 8. und 9. April 1980 standen die

Autonomieverhandlungen für die Palästinenser im Gaza-Streifen und in WestJordanien im Mittelpunkt.

Zu den Gesprächen gaben beide Präsidenten am 9. April

folgende Erklärungen ab:
Präsident Carter:
Unser Land fühlt sich erneut geehrt und ist erfreut, Präsident Anwar
Sadat als Vertreter der großen ägyptischen Nation hier zu sehen.

Sein persön-

licher Mut und sein Verständnis für schwierige Fragen, seine Geduld in Verhandlungen und sein sehr vernünftiger Rat und seine Klugheit, an der er mich
teilhaben läßt, sind sehr hilfreich für unser Land, wenn es um das Streben
nach Frieden nicht nur im Nahen Osten, sondern in der ganzen Welt geht.

Die

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Die enge Verbundenheit unserer diplomatischen Beziehungen und unserer
beiden Völker ist für uns als Amerikaner wirklich ermutigend.

Wir hatten

in den letzten zwei Tagen die wohl umfassendsten Gespräche, die ich als Präsident bezüglich vieler der unsere beiden Länder berührenden Fragen je erlebt
habe.

Wir haben uns vor allem auf den weiteren Fortschritt zum Frieden im Nahen Osten zwischen Israel und seinen Nachbarn konzentriert.

Dies war eine

gute Gelegenheit für uns, die Dinge zu sondieren und die Fragen mehr im einzelnen anzusprechen und herauszufinden, ob es Meinungsverschiedenheiten zwischen uns und dem ägyptischen Volk geben könnte.

Wir bereiten uns jetzt auf einen Besuch von Ministerpräsident Begin in
der kommenden Woche vor, der mit Vertretern seiner Regierung hier sein wird,
und wir gehen davon aus, daß dies ein weiterer Schritt zur Verwirklichung der
Hoffnungen und Erwartungen sein wird, die in den Übereinkommen von Camp David
so klar und deutlich niedergelegt wurden - Verwirklichung der Sicherheit für
Ägypten und der Sicherheit für Israel, Frieden zwischen allen Ländern der Region, Anerkennung souveräner Rechte, Anerkennung der Sicherheit Israels innerhalb anerkannter Grenzen, Anerkennung der Verwirklichung der palästinensischen
Rechte, Anerkennung der Tatsache, daß die Palästinenser eine Stimme bei der
Bestimmung ihrer eigenen Zukunft haben müssen, Lösung der Flüchtlingsfrage alle diese in den übereinkommen von Camp David so gut beschriebenen Elemente
sind unsere gemeinsamen Ziele.

Diese Gespräche hier waren konstruktiv,und es konnten selbstverständlich
keine Entscheidungen getroffen werden, da auch Ministerpräsident Begin und die
Israelis sorgfältig konsultiert werden müssen.

Die Vereinigten Staaten werden

notwendigerweise weiterhin eine Rolle, eine große Rolle, bei diesen Gesprächen
spielen, und ich freue mich auf den Besuch von Ministerpräsident Begin in der
kommenden Woche.

Wir haben ihn - ich habe ihn - auf dem laufenden gehalten

über den Fortschritt unserer eigenen Gespräche hier, und wir haben ihn an den
grundlegenden Elementen unserer Gespräche teilhaben lassen.

Wir werden nach

der Abreise von Präsident Sadat Ministerpräsident Begin einen kompletten Bericht
- 2-

�Bericht geben, und ich werde selbstverständlich nach dem Besuch von Ministerpräsident Begin Staatspräsident Sadat einen kompletten Bericht geben.

Ich möchte jetzt unseren hochgeschätzten Gast bitten, einige Worte zu
sagen.

Wir fühlen uns wiederum geehrt, daß er hier bei uns weilt, und ich

bin zutiefst dankbar für seinen Beitrag zu meiner Fähigkeit, unser Land zu
führen:

Präsident Sadat.

Präsident Sadat:

In den letzten beiden Tagen haben wir über alle möglichen Alternativen
gesprochen und haben alle möglichen Alternativen sondiert, um dem Friedensprozeß neuen Aufschwung zu geben.

Lassen Sie mich in aller Offenheit sagen, vor

einem Jahr haben wir hier den Vertrag zwischen Ägypten und Israel unterzeichnet; jede Vertragspartei erfüllte ihre Verpflichtungen genauestens, aber,
wie gesagt, in aller Offenheit, wir hätten das niemals erreicht ohne die Hilfe
Präsident Carters und des hinter ihm stehenden amerikanischen Volkes.

Im Augenblick gibt es viele Schwierigkeiten und neue Entwicklungen in
dem Gebiet, in dem wir leben, nämlich in Afghanistan, im Iran und durch die
Bedrohung des (Persischen) Golfes.

All das sollte nach meiner Auffassung die

Anstrengungen beflügeln, zu einem Abkommen über die volle Autonomie für die
Palästinenser zu gelangen, das materiell das zweite Dokument von Camp David
ausmacht.

Wie Sie wissen, ist die Palästinenserfrage der Kern und die Crux

des ganzen Nah-Ost-Problems und des arabisch-israelischen Konflikts.

Und lassen Sie mich hinzufügen:

Ich bin sicher, daß wir mit der Hilfe

der Vereinigten Staaten, mit der Hilfe von Präsident Carter und seiner Entscheidung und seiner Grundsätze zu einem Übereinkommen gelangen und all die
Schwierigkeiten überwinden können, wie wir alle bisherigen Schwierigkeiten
überwunden haben.
Präsident

�Präsident Carters Entscheidung, als voller Partner zu handeln, war
der Wendepunkt in der Geschichte dieses Konfliktes und stand hinter allen Erfolgen, die wir in den letzten beiden Jahren erzielt haben - Erfolge, von
denen niemand glaubte, daß sie nach einer so langen Zeit des Streites in nur
zwei Jahren eintreten könnten.

Lassen Sie mich diese Gelegenheit ergreifen

und meinem teuren Freund Präsident Carter und für die sehr herzlichen Gefühle des tapferen amerikanischen Volkes, deren Freund zu sein ich stolz bin,
meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen.

Ich werde Sie, wie ich zuvor schon

versprochen habe, niemals enttäuschen.
Ich danke Ihnen.

+ + + + +

�innu
I 3

Dokumentation

V* J

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20

16. April 1980

CARTER UND SADAT SUCHEN WEGE ZUR BESCHLEUNIGUNG DES FRIEDENSPROZESSES
IM, NAHEN OSTEN
- Erklärung des Weißen Hauses zum Treffen der beiden Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter und der ägyptische Präsident Sadat
haben erneut ihre Zielsetzung bekräftigt, alles zu tun, um bis zum 26. Mai
dieses Jahres ein Obereinkommen bei den Autonomieverhandlungen im Nahen Osten
zu erzielen.
Die am 9. April 1980 vom Weißen Haus zum Treffen der beiden Staatsmänner
veröffentlichte Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Präsident Sadat und Präsident Carter haben zwei Tage ausführlicher Gespräche beendet, im Verlauf derer sie sorgfältig und eingehend eine ganze
Reihe von Themen erörterten, einschließlich des Nahen Ostens, Südwestasiens,
Afrikas und der verbliebenen Fragen bei den gegenwärtigen Autonomieverhandlungen.
Die Gespräche fanden im Geiste der engen Beziehung statt, die Präsident
Sadat und Präsident Carter zusammen mit Ministerpräsident Begin bei ihrer Zu-

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�Zusammenarbeit entwickelt haben, um dem Nahen Osten Frieden zu bringen.
Beide Staatsmänner brachten erneut ihre Überzeugung zum Ausdruck, daß die
Übereinkommen von Camp David und der darauffolgende Friedensvertrag zwischen
Ägypten und Israel nach Jahrzehnten des Konfliktes die ersten greifbaren
Fortschritte erzielt haben, um in diesem, von Unruhe heimgesuchten Gebiet
der Welt einen echten Frieden zu erreichen.

Präsident Carter pries die ge-

wissenhafte, zeitweilig sogar vorzeitige Ausführung des Friedensvertrages,
und betonte, daß Präsident Sadat wie auch Ministerpräsident Begin der Welt
einen Beweis für ihre Entschlossenheit geliefert haben, ihren Völkern die
Leiden eines Krieges zu ersparen.
In ihren Gesprächen betonten die beiden Präsidenten erneut ihre gemeinsame
Entschlossenheit, im Rahmen der übereinkommen von Camp David die laufenden
Autonomieverhandlungen als einen weiteren Schritt zu einer umfassenden Friedenslösung im Nahen Osten erfolgreich abzuschließen.

Sie konzentrierten sich

auf Möglichkeiten, den Friedensprozeß zu beschleunigen und die verbleibenden
Verhandlungsprobleme zu lösen.
Präsident Carter hat die Absicht, diese Gespräche nächste Woche mit
Ministerpräsident Begin im Rahmen einer ebenso eingehenden Analyse fortzusetzen.
Die beiden Präsidenten bestätigten erneut, daß es Absicht beider Parteien
sei, alles nur Mögliche zu tun, um bis zum 26. Mai Einigkeit zu erzielen., dem
Stichtag, den Präsident Sadat und Ministerpräsident Begin in dem übereinkommen festlegten, das sie Präsident Carter zum Zeitpunkt der Unterzeichnung
ihres Friedensvertrages zusandten.
An den Gesprächen nahmen auf ägyptischer Seite darüber hinaus der Minister
für Verteidigung und Kriegsproduktion, General Kamal Hasan Ali; der Außenminister

Dr. Butros Butros Ghali; der ägyptische Botschafter in den Vereinigten

Staaten, Dr. Ashraf Ghorbal ; und der Erste Staatssekretär und Direktor des
Amtes des Vizepräsidenten, Dr. Osama El-Baz teil; die amerikanische Seite

- 2 -

�Seite wurde zudem vom Vizepräsidenten Mondale; von Außenminister Cyrus Vance;
dem Sicherheitsberater des Präsidenten, Dr. Zbigniew Brzezinski; dem persönlichen Vertreter des Präsidenten, Botschafter Sol Linowitz; dem amerikanischen
Botschafter in Ägypten, Alfred Atherton, dem Stellvertretenden Sicherheitsberater des Präsidenten, David Aaron; dem Staatssekretär im Außenministerium,
Harold Saunders; und dem Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates Robert Hunter
vertreten.

+ + + + +

- 3 -

�CO

I 2

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. April 1980

20

DIE SOWJETISCHE INVASION IN AFGHANISTAN
- Eine Untersuchung des US-Außenministeriums

WASHINGTON

- (AD) - Das amerikanische Außenministerium hat am

8. April 1980 eine ausführliche Untersuchung der sowjetischen Invasion
in Afghanistan und der amerikanischen und internationalen Reaktion auf
dieses Ereignis veröffentlicht.

Das Arbeitspapier hat folgenden Wortlaut:

Die Sowjets sind am 27. Dezember 1979 nach Monaten der innenpolitischen
Unruhen und eines wachsenden sowjetischen Engagements in Afghanistan einmarschiert. Dieses sowjetische Engagement wuchs ständig, nachdem der
marxistische Staatsstreich unter Führung von Mohammad Taraki die blockfreie
republikanische Regierung von Präsident Daoud im April 1978 gestürzt hatte.
Obwohl die Sowjetunion bei diesem Staatsstreich, wenn überhaupt, nur eine
geringe Rolle spielte, so unternahmen die Russen anschließend rasch Schritte,
um ihren vorherrschenden Einfluß in Afghanistan zu errichten.
Im Laufe des Jahres 1979 versuchten sie, eine funktionierende Regierung
in Kabul einzusetzen. Die Instabilität der afghanischen Politik, das

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�r

das Unvermögen der neuen Führung und eine wachsende gestützte Aufstandsbewegung im Innern bedrohte jedoch die Kontrolle des Landes durch das
prosowjetische Regime.

In dem Maße, in dem der Widerstand gegen ein

Regime wuchs, das als anti-islamisch und sowjetisch beherrscht angesehen
wurde, weiteten die Sowjets ihre militärische Präsenz ständig aus und
gestalteten die Kontrolle der Regierung immer enger.

Nach einer Schießerei

Mitte September 1979, die sich aus einem sowjetischen Versuch entwickelt
haben könnte, den damaligen Ministerpräsidenten Hafizullah Amin zu beseitigen, wurde Taraki ermordet und Amin übernahm die Regierung.
Amin wurde während der sowjetischen Invasion im Dezember 1979 bei
einem sowjetischen Angriff auf seinen Palast getötet.

Babrak Karmal,

der in Osteuropa im Exil lebte, wurde von den Sowjets als Präsident eingesetzt.

Die ersten Bekanntgaben über Amins Sturz, obwohl angeblich von

Radio Kabul ausgestrahlt, erfolgten in Wahrheit über einen Sender in der
Sowjetunion.
Die Sowjetunion übt jetzt fast vollständig die Kontrolle über alle
wichtigen Bereiche der afghanischen Regierungstätigkeit aus. Babrak
Karmal besitzt faktisch weder Unabhängigkeit noch Autorität. Die sowjetischen
Berater haben allmählich immer größere Machtbefugnisse über die Regierung
erlangt und treffen die jeweils anstehenden Entscheidungen. Die Polizeiund Sicherheitskräfte sind fest in sowjetischer Hand, wobei Beamte des
KGB direkt in die Operationen eingreifen.
Gegenwärtig befinden sich etwa 80 000 Mann sowjetischer Truppen in
Afghanistan, weitere 25 - 30 000 sind im sowjetischen Grenzgebiet stationiert.
Die Zahl der sowjetischen militärischen Berater hat sich inzwischen auf
5 000 erhöht, verglichen mit etwa 350 in der Zeit vor dem Sturz Daouds.
Mit dem Anwachsen ihrer Zahl hat sich auch ihre Rolle geändert. Der
sowjetische Einfluß läßt sich in fast allen Bereichen der Regierungspolitik
erkennen. Die afghanische Armee steht faktisch ganz unter sowjetischem

- 2 -

�sowjetischem Kommando, und zwar vom Verteidigungsministerium bis herab
zur Bataillonsstärke.

Außer bei kleineren lokalen Einsätzen entscheiden

die Sowjets über die Aktionen der afghanischen Streitkräfte.

Einige

Einheiten der afghanischen Armee wurden entwaffnet.
Trotz sowjetischer und afghanischer Erklärungen, daß die Sowjets
nur für kurze Zeit in Afghanistan bleiben würden, gibt es eine Fülle von
Hinweisen, daß Moskau eine längere Besetzung plant.
Auch die Verlegung weiterer sowjetischer Truppen an die afghanische
Grenze zeigt, daß die Sowjets eine Verstärkung ihrer Streitkräfte planen.
Sie errichten feste Barackenunterkünfte für ihre Soldaten sowie weitere
militärische Anlagen in Afghanistan. Ursprünglich nach Afghanistan entsandte
Reservisten werden durch längerfristig dienende Truppeneinheiten ersetzt.
Der Entschluß zu umfassenden Operationen gegen die Aufständischen läßt
erkennen, daß sie gewillt sind, allen nationalistischen Widerstand auszuschalten. Bei der Entschlossenheit der afghanischen Widerstandskämpfer
läßt das auf einen langen und blutigen Kampf schließen.
Alle drei von den Sowjets gestützten marxistischen Regierungen haben
brutale Repressionen ausgeübt. Als Taraki 1978 an die Macht kam,wurden
viele ehemalige Regierungsbeamte hingerichtet und ganze Familien eingekerkert; Tausende wurden, ohne auch nur den Anschein eines Verfahrens
zu wahren, in die Gefängnisse geworfen. Im Pol-I-Charki-Gefängnis bei Kabul
lag die Zahl der nächtlichen Hinrichtungen im Durchschnitt bei 50 Personen.
Amin verstärkte diese Repressionen noch und hielt die Ordnung durch
blanken Terror aufrecht. Bei nächtlichen Razzien in Kabul wurden oft
Tausende abtransportiert. Obwohl Babrak durchgreifende Reformen versprochen hatte, wurden außer seinen Gefolgsleuten nur wenige politische
Gefangene freigelassen, die Hinrichtungen halten an, und das Gefängnis
von Pol-I-Charki untersteht jetzt sowjetischen Wächtern.
Die

- 3 -

�Die aufeinander folgenden Regierungen haben alle versucht, die
Aufständischen auf dem Lande niederzuzwingen.

Viele Dörfer wurden zer-

stört und eine Reihe von Massenexekutionen - machmal im Beisein sowjetischer
Berater - durchgeführt.
Ale die Sowjets in Afghanistan einfielen, versuchten sie anfangs,
militärische Aktionen zu vermeiden, durch die die Bevölkerung gegen sie
aufgebracht werden könnte.

Als sie aber sahen, daß ihre Versuche, die

Bevölkerung zu einer Duldung ihrer Intervention zu bringen, erfolglos
blieben, gingen sie zu brutaleren Methoden über.

Bei der jüngsten Offensive

in der Provinz Konarha machten sie die Dörfer mit Napalm und hochexplosiven
Geschossen dem Erdboden gleich und zwangen Tausende zur Flucht nach Pakistan.
Es gibt auch Hinweise, daß die Sowjets chemische Waffen in Afghanistan
angewandt haben.

Der Afghanische Widerstand
Trotz der überwältigenden sowjetischen militärischen Übermacht hat
sich der Widerstand seit Beginn der Invasion dramatisch gesteigert. Die
Widerstandskämpfer operieren in den Weiten des Landes, unterstützt von
afghanischen Truppen, die sich ihnen angeschlossen haben. In einigen
Fällen sind ganze Einheiten zu den Widerstandkräften übergelaufen.
Andere Einheiten haben gemeutert, ihre Berater getötet und gegen die
sowjetischen Soldaten gekämpft. Aber selbst die Verbände, die offensichtlich loyal geblieben sind, wurden durch zahlreiche Fälle von Desertion
geschwächt und haben sich mehrfach geweigert, an offensiven Operationen
teilzunehmen.
Auch die von der Regierung in den Städten ausgeübte Kontrolle ist
seit der sowjetischen Invasion immer schwächer geworden.

- 4 -

Zu verschiedenen

�verschiedenen Zeiten hatte die Regierung nahezu völlig die Kontrolle in
den Städten Herat, Khandahar und Jalalabad verloren.

In den meisten

größeren, aber auch in vielen kleineren Städten kam es zu Generalstreiks
und Demonstrationen.

In Kabul, wo die früheren marxistischen Regierungen

keine besonderen Schwierigkeiten hatten, kam es im Februar zu einem von der
Bevölkerung unterstützten sechstägigen Streik begleitet von heftigen
Demonstrationen gegen die Regierung.
Das Babrak-Regime findet in breiten Teilen der Bevölkerung faktisch
keine Unterstützung und wird allgemein für unfähig angesehen.
über 700 000 Afghanen haben ihre Häuser und Dörfer verlassen und
sind in der Mehrzahl nach Pakistan geflohen. Die Zahl der Flüchtlinge
hat damit 5 Prozent der Gesamtbevölkerung erreicht und dürfte bis zum
Sommer auf zehn Prozent ansteigen.
Die Zahl der sowjetischen Verluste hat bisher etwa im Durchschnitt
bei 500 in der Woche gelegen, wobei die meisten Opfer von Überfällen
auf Konvois und kleinere Kampfgruppen waren.

Die Gesamtzahl der Verluste

dürfte Anfang April die Zahl 7 000 erreicht haben.

Die Politik der Vereinigten Staaten
Worum es in Afghanistan geht, ist vor allem die Freiheit einer Nation
und eines Volkes.

Die Sowjets versuchen, Afghanistan unter ihre Kontrolle

zu bringen und dabei seine Unabhängigkeit und sein Recht auf Selbstbestimmung zu zerstören.
Lebenswichtige amerikanische Interessen stehen in Südwestasien und
im Persischen Golf auf dem Spiel.

Etwa 25 Prozent unserer jährlichen

�jährlichen ölimporte kommen aus dem Gebiet um den Persischen Golf.

Unsere

Verbündeten und andere Nationen - Entwicklungsländer wie Industrieländer sind in noch höherem Maße vom öl aus diesem Gebiet abhängig.

Etwa 66 Prozent

der westeuropäischen ölimporte und 75 Prozent der ölimporte Japans kommen
aus dem Golfgebiet.
Unser Interesse an diesem Gebiet aber geht über das rein Wirtschaftliche
hinaus.

Friede und Stabilität in dieser Region sind auch von entscheidender

Bedeutung für die dortigen Staaten.

Die Stärke und das Geschick, mit denen

die Vereinigten Staaten und andere für ihre Unabhängigkeit eintreten, wird
diesen Ländern und anderen beweisen, wie fest und stetig unsere Zielsetzungen sind.
Wir können nicht mit Sicherheit wissen, welche Absichten die Sowjets
in dieser Region verfolgen - ob ihre Motive in Afghanistan begrenzt oder
Teil einer umfassenderen Strategie sind. Tatsache aber ist, daß sich
viele zehntausend sowjetische Soldaten in Afghanistan befinden. Die
sowjetischen Aktionen haben die potentielle Gefahr für die Sicherheit der
Staaten in diesem Gebiet und den Zugang der Welt zu lebenswichtigen Rohstoffquellen und Schiffahrtsstraßen vergrößert.
•

Dieser potentiellen Gefahr gegenüber fest und entschlossen zu
reagieren, heißt nicht apokalyptische Visionen zu beschwören, sondern
ganz einfach klug und besonnen sein. Wie Präsident Carter sagte: "Wenn
man der Aggression nicht entgegentritt, wird sie zu einer ansteckenden
Krankheit."
•

Die von uns als Antwort auf die sowjetische Invasion getroffenen
Maßnahmen richten sich auf fünf Hauptziele:
-

Unser erstes Ziel ist es, die Sowjetunion einen hohen Preis für
ihre Aggression zahlen zu lassen - weil wir verabscheuen, was dem

�dem afghanischen Volk angetan wird, und um vor ähnlichen Aktionen
an anderen Stellen abschrecken zu helfen.

Die Schritte, die wir

ergriffen haben - in bezug auf Getreidelieferungen, Technologie,
die Olympischen Spiele, Fischerei rechte und auf anderen Gebieten sind ein klarer und eindeutiger Beweis für unsere Entschlossenheit.
Ja, die Sowjets zahlen einen hohen Preis und zwar nicht nur aufgrund
der von uns getroffenen Maßnahmen, sondern auch durch die Verurteilung
durch eine überwältigende Mehrheit der Staaten der Welt und auf dem
Territorium von Afghanistan.
Unser zweites Ziel ist der Abzug aller sowjetischen Streitkräfte
aus Afghanistan. Die von uns verhängten Sanktionen werden in
Kraft bleiben, bis alle sowjetischen Truppen aus Afghanistan abgezogen sind.
Um den Abzug zu unterstützen, hat der Präsident klargestellt, daß
wir bereit sind, internationale Bemühungen um die Wiederherstellung
einer neutralen, blockfreien afghanischen Regierung, die den
Wünschen des afghanischen Volkes entspricht, zu unterstützen.
Nach Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan wären die
Vereinigten Staaten gewillt, sich gemeinsam mit den Nachbarn
Afghanistans an einer Garantie zu beteiligen, die die wahre
Neutralität des Landes und die Nichteinmischung in seine inneren
Angelegenheiten gewährleistet. Die Sowjets haben jedoch keinerlei
Interesse an derartigen Vorschlägen gezeigt, auch gibt es bislang
keinerlei Anzeichen für einen sowjetischen Abzug.
Damit gewinnt unser drittes Ziel umso mehr an Bedeutung:

Die

Ost-West-Beziehungen in einer Periode erhöhter Spannung so zu
gestalten, daß ihr wesentlicher Rahmen erhalten bleibt.
Wir

- 7 -

�Wir werden die wegen der Aggression verhängten Sanktionen, solange
dies notwendig ist, beibehalten, aber wir wollen keine Rückkehr zur
unqualifizierten Konfrontation vergangener Zeiten.
Wir werden weiterhin in unserem eigenen nationalen Interesse
um eine ausgewogene und verifizierbare Rüstungskontrolle bemüht
sein.

Der Präsident hat klar ausgesprochen, daß wir uns auch

weiterhin für die Ratifizierung des SALT-II-Vertrags einsetzen
werden.

Der Vertrag dient unseren Sicherheitsinteressen.

In

Einklang mit dem internationalen Recht werden wir bis zur Ratifizierung
keine Aktionen unternehmen, die dem Ziel oder Zweck des Vertrages
entgegenlaufen würden, solange die Sowjets in gleicher Weise handeln.
Wir werden formelle Abkommen mit den Sowjets nicht aufheben.
Wir werden uns auch weiterhin auf die Madrider KSZE-Folgekonferenz
vorbereiten.
Auch werden wir weiterhin bemüht sein, die Beziehungen zu den osteuropäischen Staaten zu festigen.
Und wir bleiben bereit zur Gestaltung eines stabileren und produktiveren
Verhältnisses zur Sowjetunion, wenn die Umstände dies erlauben.
-

Unser viertes Ziel ist die Zusammenarbeit mit den Staaten Südwestasiens und mit anderen zur Stärkung der regionalen Sicherheit,
Stabilität und Unabhängigkeit. Zu diesen Bemühungen gehört auch
die Unterstützung der Staaten dieses Gebiets bei der Verstärkung
ihrer Verteidigungskapazität, der Festigung ihrer politischen und
wirtschaftlichen Stabilität sowie die Verbesserung unserer eigenen
Kapazität zu militärischen Gegenmaßnahmen in Krisensituationen,
durch die unsere eigenen lebenswichtigen Interessen und die unserer
Freunde bedroht werden könnten.
Wir
- 8 -

�Wir werden auch weiterhin auf einen umfassenden Frieden im
Nahen Osten hinarbeiten, durch den die Sicherheit Israels verstärkt,
die Sicherheit der Nachbarn Israels gefördert und der gesamten
Region größere Stabilität gegeben wird.
-

Schließlich müssen die jüngsten Ereignisse in Südwestasien uns
dazu veranlassen, unsere Verpflichtung für den Aufbau der grundlegenden militärischen und wirtschaftlichen Stärke unseres Landes
zu erneuern.

Wir können dem klaren Auftrag nicht länger ausweichen, daß wir unsere
Abhängigkeit vom ausländischen öl verringern müssen.
Darüber hinaus werden unsere Gesamtprogramme zur Verteidigungsmodernisierung unverzüglich vorangetrieben werden; dazu gehören auch
Verbesserungen unserer Fähigkeit, schnell und effektiv auf militärische
Notfälle zu reagieren. Wir haben nicht den Wunsch nach militärischer
Überlegenheit, aber wir werden ein militärisches Gleichgewicht aufrechterhalten.
Die Sowjetunion hat ihre Verteidigungsausgaben jährlich um real
etwa vier Prozent erhöht, und das seit mehr als zehn Jahren. Während
dieses Zeitraumes haben wir eine wesentliche Verstärkung der strategischen,
TNF- und der konventionellen Kapazität der Sowjets erlebt, über fast
den gleichen Zeitraum hinweg waren die amerikanischen Verteidigungsinvestitionen - nach Inflation - abnehmend. Von 1976 an haben wir diesen
Trend der abnehmenden amerikanischen Vertiedigungsausgaben umgekehrt.
Wir sind jetzt dabei, unsere strategischen, TNF- und konventionellen
Streitkräfte umfassend zu modernisieren.
Über

�über zehn Jahre lang waren die Vereinigten Staaten bestrebt, diejenigen Gebiete der Zusammenarbeit mit der Sowjetunion zu erweitern,
die unsere Beziehungen mehr reziprok und produktiver gestalten könnten.
Die Entspannung muß jedoch eine Zweibahn-Straße sein.

Die sowjetische

Invasion hat die Spannungen vermehrt und es unmöglich gemacht, daß wir
mit der Sowjetunion verkehren, als wäre nichts geschehen.

Internationale Reaktion
Am 14. Januar 1980 hat die Vollversammlung der Vereinten Nationen
die sowjetische Invasion in Afghanistan mit 104 gegen 18 Stimmen bei
18 Enthaltungen verurteilt - eine der größten Mehrheiten in der Geschichte
der Weltorganisation bei einer Frage dieser Art. Dieses überwältigende
Abstimmungsergebnis hat alle Vorstellungen, die die UdSSR vielleicht
gehabt haben mag, platzen lassen, daß die Weltgemeinschaft gegenüber
ihrer Aggression indifferent bleiben würde.
Westeuropa: Die europäischen Staatsmänner haben unmißverständlich
die sowjetische Invasion verurteilt und die Bemühungen unterstützt,
einen sowjetischen Abzug herbeizuführen. In einem gemeinsamen Kommunique
vom 5. Februar haben der französische Staatspräsident Valerie Giscard
d'Estaing und Bundeskanzler Helmut Schmidt erklärt, daß die Invasion
"ernsthafte Gefahren für die Stabilität in dem Gebiet und für den Frieden
hervorruft." Sie stellten fest, daß "angesichts der Ereignisse in
Afghanistan die Entspannung schwieriger und unsicherer geworden und deshalb
der Abzug der ausländischen Truppen aus Afghanistan eine Notwendigkeit
ist."
Die politische Zusammenarbeit Europas im Hinblick auf Afghanistan
hat sich auf die Europäische Gemeinschaft konzentriert.

Bei einem Treffen

�Treffen der EG-Außenminister am 15. Januar bekräftigten diese ihre
"ernste Besorgnis" über die sowjetische Invasion, die eine ernsthafte
Verletzung der Grundsätze der Vereinten Nationen darstelle, eine flagrante
Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines blockfreien Landes und
eine Bedrohung für Frieden, Sicherheit und Stabilität. Sie kamen überein,
das EG-Lebensmittel-Hilfsprogramm 1979 für Afghanistan einzustellen,und
verpflichteten sich zu einer Nothilfe für die afghanischen Flüchtlinge
durch den Flüchtlingshochkommisar der Vereinten Nationen. Die EG stimmte
dem Grundsatz zu, daß ihre Agrarvorräte weder direkt noch indirekt an
die Stelle der Lieferungen treten sollten, die die Vereinigten Staaten
den Sowjets verwehren.
Verschiedene europäische Staaten haben einseitige Wirtschaftsmaßnahmen
gegen die Sowjetunion ergriffen. Dazu gehören verminderte diplomatische
Kontakte, die Absage oder Verschiebung von Austauschbesuchen sowie konkrete
wirtschaftliche Maßnahmen wie die britische Reduzierung der Exportsubventionen
für die Sowjetunion.
Asien:

Australien und Neuseeland haben Sanktionen gegen die Sowjet-

union verfügt, ihre Kontakte mit den Sowjets verringert und den Boykott
der Moskauer Olympischen Spiele unterstützt. Australien erhöht seine
Verteidigungsausgaben und hat einen Flugzeugträger zur Unterstützung
unserer Präsenz in den Indischen Ozean entsandt.
Die japanische Regierung hat in aller Öffentlichkeit die sowjetische
Invasion verurteilt. Die Japaner arbeiten hinsichtlich des Boykotts
des Exports moderner Technologie und neuer Exportkredite mit uns zusammen.
Sie haben eine Erhöhung der Hilfe für Pakistan angeboten und die Hilfe
für Afghanistan eingestellt. Die Regierung unterstützt ferner den
Olympiaboykott.

Der

�Der südkoreanische Außenminister Pyk Tong-Chin hat kürzlich in
einer öffentlichen Erklärung seine tiefe Besorgnis über die wachsende
militärische Stärke der Sowjetunion in der Welt zum Ausdruck gebracht.
Die iranische Regierung hat die sowjetische Invasion mit allem
Nachdruck verurteilt.

Sie hat die Besorgnis ausgedrückt, daß die UdSSR

eines Tages vielleicht einen ähnlichen Schritt gegenüber dem Iran unternehmen könnte.
ASEAN-Staaten:

Die ASEAN-Staaten (Vereinigung Südostasiatischer

Staaten) haben öffentlich die sowjetische Invasion verurteilt - erst
kürzlich in dem Kommunique vom März, das während der Konferenz der
ASEAN-Außenminister mit der Europäischen Gemeinschaft veröffentlicht
wurde.
••

•

,

Indien: Indien tritt für einen baldigen Abzug der sowjetischen
Truppen aus Afghanistan ein.
Islamische Welt: Am 27/28. Januar haben 35 Moslemstaaten, die an
der außerordentlichen Ministersitzung der islamischen Konferenz in
Islamabad teilnahmen, mit allem Nachdruck "die sowjetische militärische
Aggression gegen das afghanische Volk" verdammt. In der Schlußerklärung
der Konferenz wird der unverzügliche und bedingungslose Abzug aller
sowjetischen Streitkräfte verlangt, nicht nur aus Afghanistan, sondern
auch aus dem Hörn von Afrika.
In einer von Saudi Arabien vorgeschlagenen Resolution hat die
Konferenz ebenfalls
-

die Mitgliedschaft Afghanistans in der Organisation der islamischen
Konferenz aufgehoben;
die
- 12 -

�-

die Mitgliedstaaten aufgefordert, sich der Anerkennung des
Babrak Karmal-Regimes zu enthalten und die diplomatischen
Beziehungen mit Afghanistan solange zu unterbrechen, bis der
vollständige Abzug der sowjetischen Truppen erfolgt ist;

-

alle Mitgliedstaaten aufgerufen, jegliche Unterstützung des
gegenwärtigen afghanischen Regimes einzustellen;

-

die islamischen Mitgliedstaaten aufgefordert, die an Afghanistan
grenzenden islamischen Länder sowie die Bemühungen zu unterstützen, ihre Souveränität, ihre nationale Unabhängigkeit und
ihre territoriale Integrität zu schützen; und

-

vorgeschlagen, daß die Mitgliedstaaten in Erwägung ziehen, sich
nicht an den Olympischen Spielen in Moskau zu beteiligen, es
sei denn, alle sowjetischen Truppen würden aus Afghanistan abgezogen.

Lateinamerika: Fast alle lateinamerikanischen Länder haben die
sowjetische Intervention verurteilt. Alle stimmten für die Resolution
der UN-Vollversammlung vom 14. Januar - außer Kuba und Grenada, die
dagegen stimmten,und Nicaragua, das sich der Stimme enthielt.
Afrika:

In der Vollversammlung der Vereinten Nationen sprachen sich

24 afrikanische Länder für die Resolution aus, 18 enthielten sich der
Stimme oder waren nicht anwesend,und drei stimmten gegen die Resolution
(Mozambique, Angola und Äthiopien).
Blockfreie Staaten:

Die blockfreien Länder haben generell ihre

Mißbilligung der sowjetischen Intervention zum Ausdruck gebracht (rund
zwei Drittel stimmten für die Resolution der Vollversammlung). Die blockfreien Länder als Gruppe waren jedoch nicht in der Lage, sich über eine

- 13 -

�eine Tadels-Resolution zu einigen.
Osteuropa:

Die Reaktionen auf die Invasion reichen von einer starken

Unterstützung der sowjetischen Aktionen durch Bulgarien, die Tschechoslowakei
und Ostdeutschland bis zur Kritik an der Intervention durch Rumänien,
Jugoslawien und Albanien.

Ungarn und Polen waren zurückhaltender und

weniger lautstark hinsichtlich der Unterstützung Moskaus.
Kommunistische Länder Asiens:

Vietnam, die Mongolei, Laos und die

Heng Samrin-Regierung in Kambodscha haben die Sowjets öffentlich unterstützt.
Die nordkoreanischen Regierungsvertreter haben keine öffentliche
Erklärung abgegeben.

Auf einer Konferenz von Parlamentariern aus 12

kommunistischen Ländern Anfang Februar hat sich die nordkoreanische
Delegation jedoch geweigert, eine Resolution zu unterstützen, in der die
Solidarität mit dem Regime in Afghanistan zum Ausdruck gebracht und die
sowjetische Invasion stillschweigend gutgeheißen wurde.
Die chinesischen Medien sowie öffentliche Erklärungen haben wiederholt
die sowjetische Invasion verurteilt, einen Rückzug der sowjetischen Truppen
verlangt und eine gemeinsame Antwort auf die sowjetischen Maßnahmen gefordert. China hat ferner erklärt, daß es sich einem internationalen
Boykott der Olympischen Sommerspiele in Moskau anschließen werde.

+ + + + +

- 14 -

�I I LI

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
16. April 1980

20

ENDRUNDE FÜR SEERECHTSKONFERENZ
US-Botschafter Richardson optimistisch über endgültigen
Vertragsentwurf im Sommer 1980

NEW YORK

- (AD) - Botschafter Elliot L. Richardson, der Leiter der

US-Delegation bei den internationalen Verhandlungen über einen neuen Seerechtsvertrag, hält eine Einigung über die endgültige Fassung des Vertragstextes auf der nächsten Verhandlungsrunde in Genf (28. Juli bis 29. August
1980) für "eindeutig möglich".

Damit würde nach sechs Jahren zäher und

teilweise recht schwieriger Verhandlungen das von den 163 Teilnehmerländern
gesteckte Ziel erreicht.
In einer Erklärung vor Journalisten bei Beendigung der ersten Hälfte
der neunten Verhandlungsrunde in New York am 3. April 1980 gab Botschafter
Richardson einen Oberblick über die noch anstehenden Probleme, z.B. das
Wahlsystem für den Rat der Internationalen Meeresbodenbehörde, und die
Formulierung der abschließenden Klauseln des Vertrags. Wie der Botschafter
erklärte, werden die Vereinigten Staaten in Genf einen Vorschlag einbringen,
der bis zum Inkrafttreten des regulären Vertragswerks die beständige Weiter-

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Weiterentwicklung der Meeresbergbautechnik ermöglichen soll.

Richardson

führte u.a. aus:
"In der ersten Hälfte der neunten Verhandlungsrunde... für den Seerechtsvertrag wurden mit der Verringerung der Anzahl offenstehender Fragen
wesentliche Fortschritte erzielt.

In der Tat ist es jetzt eindeutig möglich,

daß unsere Arbeit im Sommer abgeschlossen werden kann. Die größten in Genf
zu bewältigenden Aufgaben betreffen das Wahlsystem für den Rat der Internationalen Meeresbodenbehörde und die endgültige Formulierung der letzten
Vertragsklauseln.

Zwar ist auch die Frage der Zonenabgrenzung noch offen.

Aber sie wurde ausgiebig erörtert, und die endgültige Lösung wird nicht
mehr viel Zeit erfordern..,. Ungewiß ist noch, wieviel Zeit der allgemeinen
Debatte und der Erörterung von möglichen offiziellen Änderungsanträgen
eingeräumt wird.
•

Das konkreteste Ergebnis der Verhandlungen hier in New York ist die
zweite Revision des "Informal Composite Negotiating Text" (ICNT = Konventionsentwurf, Ausgangsgrundlage für die Erörterungen bei der jeweiligen Verhandlungsrunde). Wenn, wie man erwartet, die in den Berichten der Vorsitzenden
enthaltenen Texte alle - oder fast alle - in die zweite revidierte Fassung
einbezogen werden, wird dies einen großen Schritt vorwärts bedeuten.
Im Fall des Meeresbergbaus liegen die wichtigsten Verbesserungen in
der Festsetzung von Minimalwerten relativ zur Höchstproduktion und im
Verzicht auf das Moratorium. (Hierbei handelte es sich um einen von
Vertretern der Entwicklungsländer eingebrachten Vorschlag, über neue Meeresbergbauprojekte ein Moratorium zu verhängen, wenn z.B. in 20 Jahren eine
Konferenz zur Überprüfung der Meeresbergbau-Industrie eingerufen werde,
Anm. d.Red.) Hinsichtlich der finanziellen Bedingungen von Verträgen und
der Finanzierung von Unternehmensaktivitäten der Behörde wurde der frühere
Wortlaut durch einen allgemein zufriedenstellenden Text ersetzt, und hinsichtlich der Statuten für den letztgenannten Komplex wurden bemerkenswerte

- 2 -

�bemerkenswerte Verbesserungen erzielt. Die Bestimmungen zur Frage des
Technologietransfers sind zwar noch immer unvollständig, tragen aber zu
einem praktikableren System bei, von dem sowohl die Industrieländer als
auch die Entwicklungsländer profitieren werden.

Es wurde eine beträchtliche

Anzahl von Änderungen vorgenommen, die das Ausbeutesystem sowohl für die
(vom Exekutivrat gelenkte) Unternehmensaktivität als auch für die privaten
Firmen regeln, weiter herausgearbeitet und geklärt haben.
Was die Wahl für den Rat betrifft, so bleibt es ein wesentliches - in
der Tat lebenswichtiges - Ziel der Delegation der Vereinigten Staaten, zu
einem Resultat zu kommen, mit dem die wichtigsten wirtschaftlichen Interessen,
um die es hier geht, ausreichend geschützt werden.
Eine der umstrittensten Fragen auf den Tagungen der letzten zwei
Jahre war die Definition der äußeren Grenze des Festlandsockels, sofern
diese jenseits der 200-Meilen-Zone liegt. Das letzte noch verbleibende
Problem dieses Komplexes scheint nunmehr gelöst zu sein.
Eine von der US-Regierung und allen auf Umweltschutz bedachten
Gruppen gewünschte Bestimmung für den Schutz von Meeressäugern, insbesondere
von Walen,wird nun endlich in den revidierten Text aufgenommen werden.
Auch die Kompromißformeln über die Meeresforschung, die auf früheren
Konferenzrunden Gegenstand intensiver Erörterungen waren, können jetzt in
die zweite revidierte Fassung eingearbeitet werden.

Zwar entspricht

der vom Vorsitzenden vorgeschlagene Wortlaut nur unzulänglich unserer festen
Überzeugung von den Vorteilen einer freien wissenschaftlichen Forschung - jedoch
können die Kompromisse von den Vereinigten Staaten letztlich unter der
Voraussetzung akzeptiert werden, daß man keine weiteren Abstriche an ihnen
zu machen versucht.

Hier ist zu erwähnen, daß die Regelung für den Schutz

der marinen Umwelt keine weitere Arbeit erforderte oder erfordert, da
dieser Verhandlungspunkt im Frühjahr vergangenen Jahres in Genf bereits
erfolgreich abgeschlossen wurde.
Die
- 3 -

�Die in Genf noch zu erledigende Arbeit an den abschließenden Vertragsbestimmungen gilt Fragen wie z.B. der Verfahrensweise bei Zusatzklauseln
und der Inkraftsetzung des von uns konzipierten Vertragswerkes.

Diese

Probleme sind schwieriger, als sie oberflächlich betrachtet erscheinen mögen,
da sowohl für die Zusammensetzung des Rates der Internationalen Meeres-bodenbehörde als auch für die Regelung der Finanzierung der Unternehmensaktivitäten der Behörde die Mitgliedschaft eines weitgefaßten Querschnitts
der an der Konferenz teilnehmenden Staaten anzunehmen ist.

Auch die

Bestimmungen über die Vorbereitsungskommission sind noch fertig auszuarbeiten; diese muß das Fundament für die Inkraftsetzung des Vertragswerks
schaffen, sobald die erforderliche Mindestzahl an Ratifikationen erreicht
ist...
Schließlich hat meine Delegation einen Vorschlag formuliert, der sich
mit der Förderung der ständigen Weiterentwicklung der Meeresbergbautechnologie
in den paar Jahren befaßt, die sicherlich zwischen der Unterzeichnung
und dem Inkrafttreten des Vertragswerks liegen werden.

Das Ergebnis

vorläufiger und informeller Konsultationen mit einer Anzahl anderer Delegationen hier in New York ermutigt mich, zu glauben, daß während der Erörterungen in Genf eine befriedigende Lösung zu erreichen ist.
Abschließend sei bemerkt, daß wir unter Hingabe an die Sache und
bei harter Arbeit in der Lage sein könnten, die revidierte ICNT-Fassung zu
einem Vertragsentwurf zu gestalten, der schließlich in Genf angenommen
wird. Ich muß erneut betonen, daß der Zeitplan Raum für Verhandlungen lassen
muß und sie nicht beherrschen darf. Die Konferenz hat nur ein einziges
Ziel - sie hat eine Konvention hervorzubringen, die auf breiter Basis
Gemeinsamkeit unter den Industrie- und Entwicklungsländern gebietet."

+ + + + +

- 4 -

�I

Uli//cn/choft
und Technik

3

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20

16. April 1980

BENZIN AUS SCHWERÖL

- (AD) - Die amerikanische Mineral ölfirma Ashland Oil Inc. hat
ein neues Verfahren entwickelt, das es erlaubt, im Raffinerieprozeß
25 Prozent mehr Benzin als bisher aus einem Faß Rohöl zu gewinnen. Dies
wird ermöglicht, indem der Anteil des Schweröls, der bei der Rohöl Verarbeitung anfällt, zusätzlich für die Benzingewinnung genutzt wird.
Normalerweise bestehen die Produkte aus einem Faß Rohöl zu 50 Prozent
aus Benzin, zu 25 Prozent aus Treibstoff für Düsenflugzeuge, Kerosin und
anderen Destillaten und zu 25 Prozent aus Schweröl.
zu niedrigeren Preisen als Heizöl verkauft.

Letzteres wird dann

Es ist schwierig.das Schweröl

weiter aufzubereiten, weil es mit Schwefel und anderen Elementen wie z.B.
Nickel und Vanadium verunreinigt ist. Ashland hat jedoch einen Katalysator
entwickelt, der Spurenelemente wie Nickel entfernt und den Schwefel in
Schwefelwasserstoffgas umwandelt.

Das Unternehmen beabsichtigt, seine

Raffinerie in Ashland (Kentucky) um eine zusätzliche Anlage (Kostenpunkt:
70 Millionen Dollar) zu erweitern, in der der neue Konversionsprozeß
durchgeführt wird.

Bestimmte Rückstandsprodukte sollen an die Industrie

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D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�Industrie und an Kraftwerkgesellschaften verkauft werden; allerdings
befürwortet die US-Regierung bei diesem Unternehmen die Umstellung von
öl- auf Kohlefeuerung und fördert entsprechende Umrüstungen.

+ + + + +

�31
I 3

Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. April 1980

20

EIWEISSQUELLE - NEU ENTDECKT
Amarantgewächse für Ernährungswissenschaftler interessant

- (AD) - Die in tropischen wie gemäßigten Zonen gut gedeihenden
Amarantazeen, zu denen beispielsweise auch der bei uns als Zierpflanze
gezogene Fuchsschwanz gehört, zählen als Gemüse und Brotfrucht zu den
ältesten

Nahrungspflanzen der Welt.

Verschiedene Arten werden in Asien

(vor allem Indien), Nordafrika, Südeuropa, im Hochland von Mittelamerika,
in Mexiko und in der Anden-Region von Südamerika seit Jahrhunderten angebaut.
Amarantus-Pflanzen sind eine wertvolle Quelle für Eiweiß, Kalorien und
Mineralsalze.

Sie besitzen etwa 75-87 Prozent des Proteingehalts von Eiern

und rangieren, was ihren Eiweißgehalt angeht, weit vor Weizen und Mais.
Offenbar ist die Wissenschaft dabei, diese Pflanzengattung als
Nahrungsreservoir neu zu entdecken.

Die amerikanische National Stiftung für

die Wissenschaft (National Science Foundation) bezeichnet sie als "eine
der verheißungsvollsten 20 neuen Nahrungspflanzen in den Vereinigten Staaten"
Am landwirtschaftlichen Institut der Universität Kalifornien in Davis
wurden in den letzten Jahren zahlreiche Untersuchungen und Versuche

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Versuche mit den (einjährigen) AmarantuspfTanzen vorgenommen.

So

berichtete

Dr. Subodh K. Jain, Professor für Agronomie und Pflanzengeographie, auf
einer Konferenz über Böden und Pflanzen in Kalifornien (30. Januar 1980 in
Sacramento) von günstigen Ertragsergebnissen auf Versuchsfeldern der
Universität.

Der Anbau von bestimmten Amarantus-Arten in dieser Region

der USA könne als zukunftsträchtig angesehen werden.

Die Körner könnten

wie Brotgetreide zu Mehl vermählen oder wie Puffmais oder Puffreis zubereitet
und als Nährmittel verwendet werden.

Experimente mit Versuchstieren hätten

gezeigt, daß Amarantus sowohl in der Form von Grünfutter als auch in der
Form von Körnerfutter gerne angenommen und vom Organismus gut verwertet
werde.
Gegenwärtig bemüht man sich, wie Prof. Jain erklärte, um verbesserte
Züchtungen für den Anbau der 90 cm bis drei Meter hoch werdenden körnertragenden Amarantus-Pflanzen, damit sie ohne Schwierigkeit maschinell
geerntet und unter den Anbaubedingungen von Kalifornien in die Intensivbewirtschaftung einbezogen werden können. Nährmittel firmen, die sich auf
sog. Gesundheitskost spezialisiert haben, beabsichtigen, Frühstücksflocken
mit Amarantus anzureichern. Die Fa. Rodale Press, ein führendes amerikanisches
Unternehmen auf diesem Gebiet und gleichzeitig bekannter Verlag für Literatur
über gesunde Ernährung, habe schon neue, besonders ertragreiche Sorten entwickelt.
Prof. Jain und Mitarbeiter beobachteten, daß die Amarantus-Pflanzen
schnell wachsen und sehr bald Unkraut, das mit ihnen um die Nährstoffe
konkurriert, überwuchern. Weder Krankheiten noch Schäden durch Insekten
habe man bisher feststellen können. Die Amarantus-Felder kommen mit einem
Minimum an künstlicher Bewässerung aus, die in der Landwirtschaft Kaliforniens
eine wichtige Rolle spielt. Auch sind die Pflanzen fähig, sich den verschiedensten Böden und klimatischen Bedingungen anzupassen.
Einer

�Einer holländischen Studie zufolge wird in den Tropen Amarantus vor
allem als Blattgemüse verzehrt, das "eine ausgezeichnete Quelle für Vitamin C
und A darstellt".

Obgleich es, ähnlich wie Spinat, einen hohen Exalsäure-

und Nitratgehalt aufweise, hätten Untersuchungen ergeben, daß bei Einhaltung
der üblichen Kochdauer und angesichts der verhältnismäßig kleinen Menge, die
dem Körper pro Tag zugeführt werde, keine Probleme durch den Genuß von
Amarantus-Gemüse zu erwarten seien.

Die Gattung der Amarantus-Pflanzen

seien, wie Prof. Jain hervorhob, "biologisch betrachtet als überaus vielversprechende neue Nahrungspflanzen anzusehen".

+ + + + +

- 3 -

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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter erläutert US-Politik gegenüber dem Iran und Afghanistan&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vor der Gesellschaft der Zeitungsherausgeber -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter und Sadat bezeichnen ihr Treffen als konstruktiv&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung der beiden Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter und Sadat suchen Wege zur Beschleunigung des Friedensprozesses im Nahen Osten&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Weißen Hauses zum Treffen der beiden Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die sowjetische Invasion in Afghanistan&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Eine Untersuchung des US-Außenministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Endrunde für Seerechtskonferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Botschafter Richardson optimistisch über endgültigen Vertragsentwurf im Sommer 1980 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Benzin aus Schweröl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eiweißquelle - neu entdeckt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Amaranthgewächse für Ernährungswissenschaftler interessant -&lt;/em&gt;</text>
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