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                  <text>Information
und
Dokumentation

\*Ä

finül

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. März 1980

15

I N H A L T

DOKUMENTATION

Präsident Carter legt Bericht über Rüstungskontrolle vor
- Wortlaut des Begleitschreibens an den US-Kongreß US-Verteidigungsminister erläutert Reaktion auf Afghanistan-Krise
- Rede Browns vor dem New York Council on Foreign Relations Vance beantwortet Fragen zur Weltlage

WIRTSCHAFT
US-Industrie: Produktionssteigerung mit weniger Energie

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gcbcccn

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Dokumentation

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. März 1980

15

PRÄSIDENT CARTER LEGT BERICHT ÜBER RÜSTUNGSKONTROLLE VOR
- Wortlaut des Begleitschreibens an den US-Kongreß -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 7. März 1980 dem amerikanischen Kongreß seinen Jahresbericht über die Rüstungskontrolle unterbreitet
und in diesem Zusammenhang die Überzeugung seiner Regierung unterstrichen, daß
die Rüstungskontrolle einen echten Beitrag zur nationalen Sicherheit leisten
könne.
In einem Begleitschreiben zu dem 200 Seiten umfassenden Bericht erklärte
der Präsident, er glaube mit Sicherheit, daß bei der Behandlung des SALT II-Vertrages durch das Plenum des Senats "diejenigen, die sich um unsere nationale
Sicherheit Gedanken machen, den Vertrag als einen klugen und umsichtigen Schritt
unterstützen werden".
Das Begleitschreiben Carters hat folgenden Wortlaut:

An

;

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�An den Kongreß der Vereinigten Staaten.
Ich freue mich, Ihnen den Jahresbericht 1979 des amerikanischen Amtes
für Rüstungskontrolle und Abrüstung unterbreiten zu können.

Während der letz-

ten Jahre hat SALT unser Denken über die Rüstungskontrollmaßnahmen der Vereinigten Staaten mehr oder weniger beherrscht.

SALT ist eine der vielen

Rüstungskontroilbemühungen, die in diesem Bericht beschrieben werden.

Im

Juni vorigen Jahres unterzeichnete ich gemeinsam mit dem sowjetischen Staatsund Parteichef Breschnew in Wien den SALT II-Vertrag und unterbreitete ihn dem
Senat mit der Bitte um Rat und Zustimmung zur Ratifizierung.
war SALT Gegenstand einer intensiven nationalen Debatte
von Anhörungen durch drei Ausschüsse des Senats.

Seit dieser Zeit

sowie auch Gegenstand

Im November unterbreitete

der Außenpolitische Ausschuß den Vertrag befürwortend dem Plenum des Senats.
Nach der sowjetischen Invasion in Afghanistan ersuchte ich den Senat jedoch, die Erörterung des SALT II-Vertrags im Plenum aufzuschieben, damit der
Kongreß und die Exekutive ihr Hauptaugenmerk auf legislative und andere Angelegenheiten richten könne, die als Reaktion auf diese Krise erforderlich sind.
Ich habe jedoch die Absicht, den Senat um Behandlung des Vertrages zu ersuchen,
nachdem diese dringenderen Angelegenheiten erledigt sind. In meiner Botschaft
über die Lage der Nation erklärte ich hier vor Ihnen: "Gerade jetzt in einer
Zeit großer Spannung wird die Beachtung der durch die Bedingungen dieser Verträge gegenseitig auferlegten Beschränkungen im besten Interesse beider Länder
sein und dabei helfen, den Weltfrieden zu bewahren." Wenn das Plenum des Senats mit der Aussprache über SALT II beginnt, dann bin ich überzeugt, daß
diejenigen, die sich um unsere nationale Sicherheit Gedanken machen, den Vertrag als einen klugen und umsichtigen Schritt unterstützen werden.
Meine Administration ist weiterhin der Überzeugung, daß die Rüstungskontrolle
echte Beiträge zu unserer nationalen Sicherheit leisten kann.

Wir bleiben dem

Prozeß der beiderseitigen und verifizierbaren Rüstungskontrolle zutiefst verpflichtet, vor allem auch dem Bemühen, die Verbreitung und Weiterentwicklung
nuklearer Waffen zu verhindern.
Diejenigen
- 2 -

�Diejenigen von Ihnen, die die Gelegenheit haben, den beigefügten Bericht zu lesen, und sich darüber Gedanken machen, werden zwingende Beweggründe für die Bedeutung der darin beschriebenen Arbeit feststellen - für
uns, für unsere Verbündeten und für diejenigen, die von uns in der Welt eine
führende Rolle erwarten.

Wir müssen sorgfältig ausgehandelte, verifizier-

bare Lösungen für das Wettrüsten anstreben, auf das sich einige Länder jetzt
eingelassen haben. Wir müssen bereit sein, mit anderen zusammenzuarbeiten,
um der Welt Frieden und Stabilität zu bringen.
Wenn wir uns nun darauf verlassen, daß das Amt für Rüstungskontrolle
und Abrüstung, das Verteidigungsministerium sowie andere Behörden hinsichtlich ihrer Aufgaben und Pflichten wachsam sind, so sollte doch keiner von
uns die Gefahr übersehen, der wir uns alle - einzeln und gemeinsam - gegenübersehen und die uns als souveräne Nation und als Teil der Staatengemeinschaft der Welt bedroht.

- 3 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. März 1980

15

US-VERTEIDIGUNGSMINISTER ERLÄUTERT REAKTION AUF AFGHANISTAN-KRISE
- Rede Browns vor dem New York Council on Foreign Relations -

NEW YORK

- (AD) - Verteidigungsminister Harold Brown ging am

6. März 1980 vor dem "New York Council on Foreign Relations", einer Privatorganisation von Bürgern, deren Interesse der Außenpolitik gilt, auf die
amerikanische Reaktion gegenüber der sowjetischen Invasion Afghanistans
ein.
Die Rede des Verteidigungsministers hat

folgenden Wortlaut:

Die siebziger Jahre gingen mit der sowjetischen Invasion Afghanistans
zu Ende.

Die achtziger Jahre begannen - in diesem Land und in der ganzen

Welt - mit der sich daran anschließenden Debatte darüber, wie auf diese
Invasion zu reagieren sei.

Diese Debatte - zeitweise konfus, zeitweise

ärgerlich, zeitweise scharfsinnig - ist noch nicht abgeschlossen.
Ich möchte in meinen Amerkungen heute übe die amerikanischen Interessen - von denen einige lebenswichtig sind - in jenem Teil der Welt

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Welt sprechen, über die Natur der Herausforderung, die die sowjetische
Bedrohung dort darstellt, über unsere Antwort auf diese Herausforderung
und insbesondere darüber, wie unsere militärischen Kapazitäten sich in
einen sicherheitspolitischen Gesamtrahmen für diese Region einfügen und zu
dieser Antwort beitragen.
Obgleich die jüngsten Ereignisse in Afghanistan von entscheidender
Bedeutung sind, so machen sie dennoch bei weitem nicht das gesamte Problem
aus.

Jede Diskussion über die angemessene amerikanische Antwort muß damit

beginnen, diese besonderen Ereignisse - die Invasion und deren Folgen in den weiteren Kontext vergangener und möglicher oder wahrscheinlichter
zukünftiger Entwicklungen zu stellen.
Der vollständige Kontext der sowjetischen Invasion umfaßt die historischen
Ambitionen Rußlands in dieser Region, umfaßt 20 Jahre Aufrüstung der sowjetischen Streitkräfte, umfaßt die jüngere Entwicklung der sowjetischen
Fähigkeii. zur Machtdarstellung und schließlich die allerjüngsten Umwälzungen
in der islamischen Welt.
Die Erklärungen für die Gründe der sowjetischen Invasion sind unterschiedlich.

Es bleibt die einfache Tatsache bestehen, daß ihre Motive

höchstwahrscheinlich gemischter Natur sind und wir die genaue Mischung
nicht kennen.

Aber Politiker kommen nicht darum herum, sich sowohl mit

dem besonderen Vorfall - der Invasion - als auch mit der langfristigen
Frage zu beschäftigen, wie man in Zukunft vor solchen Schritten abschrecken
kann.
In Überlegung dessen vollzog sich die amerikanische Antwort seit
der Dezember-Invasion auf zwei Ebenen:
-

Zum ersten wurde den Sowjets für diesen besonderen Fall direkter
Aggression ein echter Preis abgerungen.
Zum
- 2 -

�Zum zweiten wurde damit forgefahren, eine Strategie zu entwerfen,
und eine Reihe wirtschaftlicher, politischer, diplomatischer und
militärischer Maßnahmen entwickelt, um vor ähnlichen sowjetischen
Schritten in Zukunft abzuschrecken oder solche zu vereiteln Schritte, die noch unmittelbarer amerikanische Interessen bedrohen
könnten.

Die amerikansichen Interessen
Die amerikanischen Interessen hinsichtlich der Region um den Persischen
Golf im sü'dwestasiatisehen Raum konzentrieren sich kurzfristig sicherlich
auf die sichere und schnelle Freilassung der Amerikaner, die in Teheran
als Geiseln festgehalten werden; längerfristig können unsere Interessen
ziemlich schlicht so dargestellt werden:
1) den Zugang zur angemessenen Ölversorgung sicherzustellen;
2) der sowjetischen Expansion zu widerstehen;
3) die Stabilität in dieser Region zu fördern und
4) den Friedensprozeß im Nahen Osten voranzutreiben sowie gleichzeitig
die weitere Sicherheit des Staates Israel sicherzustellen (und gerade
bei dieser Sicherstellung zu helfen).
Betrachten wir diese einzelnen Punkte der Reihe nach.
öl ist der Lebenssaft der modernen Industriegesellschaften.
des importierten Erdöls der ganzen Welt kommen aus diesem Gebiet:

60 Prozent
etwa

13 Prozent des in den Vereinigten Staaten verbrauchten Öls und viel höhere
prozentuale Anteile unserer Verbündeten - 45 Prozent des Öls der Bundesrepublik Deutschland, 75 Prozent des Öls für Frankreich und für Japan.
Der
- 3 -

�Der Verlust dieses Öls würde für die Volkswirtschaften des Westens
und des industrialisierten Fernen Ostens ein Schlag katastrophalen Ausmaßes
darstellen.
Sogar bei einem Erfolg in der so notwendigen Anstrengung zur Verminderung
der amerikanischen Abhängigkeit von importierten Erdöl

würde der Verlust

der Lieferungen aus dem Persischen Golf unseren Verbündeten und Freunden
irreparablen Schaden zufügen.

Tatsächlich würde eine sowjetische Kontrolle

dieses Gebietes große Teile der industrialisierten Welt und der Entwicklungsländerpraktisch zu wirtschaftlichen Vasallen machen.

Die UdSSR würde noch

nicht einmal den ölfluß auch wirklich zu unterbrechen brauchen.
•

'

Die russischen Träume und Pläne von Expansion und Herrschaft in dieser
Region gehen noch auf zaristische Tage zurück.

Aber unseren langfristigen

Interessen und denjenigen dieses Gebietes ist am besten gedient, wenn die
Staaten dieser Region die Freiheit haben, sich in ihrer eigenen Weise
zu entwickeln, ohne ausländischem Druck oder Herrschaft zu unterliegen.
Sitzt die Sowjetmacht erst auf den ausgedehnten ölreserven, so würde der
Sowjetstaat zum erstenmal einen internationalen ökonomischen Hebel besitzen,
der seiner militärischen Macht entspräche.
Stabilität in dieser Region bedeutet nicht, daß keine Veränderungen
stattfinden. Es bedeutet starke Sicherheitsmaßnahmen bei jedem dieser
Staaten sowie Gelegenheiten für gewaltlose Lösung örtlicher Spannungen
und Unterschiede. Die Einflüsse sowohl des industrialisierten Westens
als auch des islamischen Fundamentalismus werden auch weiterhin das Leben
des einzelnen und die Zukunft der Nationen in dieser Region unmittelbar
berühren. Aber wir können dort eine Rolle beim Aufbau individueller und
kollektiver Sicherheit spielen und gleichzeitig solch destabilisierende
Entwicklungen wie die Proliferation von Kernwaffen verhindern.

�Der Friedensprozeß im Nahen Osten ist grundlegender Teil der amerikanischen
Politik - genauso wie unsere Verpflichtung zur Sicherheit von Israel.
Aspekte des Strebens nach einem stabilen und sicheren Nahen

Diese

Osten haben in

der Folge der kürzlichen Ereignisse im Iran und in Afghanistan neue Bedeutung
gewonnen.
Der Weg hin zum Frieden im Nahen Osten ist lang, steinig und gefährlich.
Aber Fortschritt auf diesem Weg ist - insgesamt gesehen - eine der großen
Erfolgsmeldungen der internationalen Politik gewesen. Noch im Jahre 1973
lagen Israel und Ägypten miteinander im Krieg. Als diese Regierung ihr Amt
antrat, kam der einzige internationale Austausch zwischen diesen beiden
Staaten aus den Läufen der Gewehre bei Grenzangriffen. In dem kurzen Zeitraum von drei Jahren sind wir Zeugen der Vereinbarungen von Camp David
geworden, des Rahmenwerks eines umfassenden Friedens und der offenen
Grenzen und des Austausches von Botschaftern. Bei der Verfolgung des
Friedens werden wir auch weiterhin unserer nationalen Verpflichtung zur
Sicherheit Israels nachkommen. Wir werden auch mit unseren arabischen
Freunden bei der Erstellung eines Sicherheitsrahmens zusammenarbeiten, der
dazu beiträgt, diese Region von dem sowjetischen Expansionismus und jeder
sich daraus ergebenden Bedrohung des freien ölflußes zu schützen, der für
sie und die übrige Welt so wichtig ist.
Beim Versuch der Förderung dieser vier Interessen wird unsere Entschlossenheit zur Beantwortung jeder Bedrohung dieser Interessen deutlich.
Präsident Carter formulierte es in seiner Botschaft über die Lage der
Nation so: "Ein Versuch durch eine Macht von außen, die Kontrolle über die
Region des Persichen Golfes zu erlangen, wird als ein Angriff auf die
lebenswichtigen Interessen der Vereinigten Staaten betrachtet werden. Und
solch ein Angriff wird durch den Einsatz aller notwendigen Mittel, einschließlich militärischer Macht, zurückgewiesen werden."
Internationale

�Internationale Komplikationen für die Sowjets
Bevor ich auf unsere Strategie und unsere Fähigkeit im einzelnen zu
sprechen komme, in Zukunft eine solche Bedrohung abzuwenden, möchte ich
einige andere Faktoren darlegen, die in die sowjetischen Überlegungen in
diesem Gebiet einfließen und die zur Lösung unserer dortigen Probleme
beitragen könnten.
An deren erster Stelle steht der Wiederaufstieg des Islam, der eine
historische Bewegung hin zum Nationalismus in diesem Teil der Welt verstärkt.

Im Gegensatz zur Sowjetunion versuchen wir nicht, eine starke

islamische Bevölkerung von den Einflüssen ihrer religiösen Tradition zu
trennen.

Wir versuchen nicht, religiösen Aktivismus in der islamischen

Welt zu unterdrücken.

Und dies gilt auch hinsichtlich des Iran.

Wie wir

im Verlauf der andauernden Geiselkrise oft klargestellt haben, kommt eine
äußere Bedrohung der islamischen Revolution des Iran - sollte es eine
solche Bedrohung geben -, von der Sowjetunion, nicht von den Vereinigten
Staaten.
Der zweite Faktor - und mit dem ersten verwandt - ist der aktive
Widerstand von Völkern voller Nationalgefühl gegen äußere Beherrschung.
Die kürzlichen Ereignisse in Afghanistan erinnern uns - und zweifellos
noch unmittelbarer die Sowjets - an die zeitlose Wahrheit der Beschreibung,
die uns Toynbee vom klassischen Problem der Eindringlinge gegeben hat:
...Ein anmaßendes Selbstvertrauen, geboren aus diesem falsch verstandenen Glauben an ihre eigene Unbesiegbarkeit, führt sie in die Katastrophe durch unbesonnenen Angriff auf noch immer ungebrochene Völker,
deren Geist und Fähigkeit zum Widerstand sie völlig überrascht.
Ich möchte damit nicht sagen, daß die Sowjets sich nicht in
Afghanistan durchsetzen können. Sie können es - aber nur zu einem bestimmten

�bestimmten Preis, einem hohen Preis.
Und welche Probleme die Kräfte der Religion und der Unabhängigkeit, die
über dieses Gebiet hinwegstürmen, uns auch immer bringen:

vergessen wir

nicht, daß sie uns letztlich dabei helfen können, den sowjetischen Expansionismus zu behindern.
Die Bedenken der Dritten Welt haben im Nachklang der sowjetischen
Invasion eine - für manche Beobachter überraschende - Rolle gespielt.
Afghanistan gab sich freundlich, ja, prosowjetisch. Als unterentwickeltes
Land ist es in der Geschichte ein Pufferstaat zwischen den rivalisierenden
Großmächten gewesen. Die rasche Verlegung sowjetischer Panzer, Kampfhubschrauber und Zehntausender Soldaten zur Unterdrückung des "befreiten"
Afghanistan schockierte zu Recht einen großen Teil der Dritten Welt.
Unsere Verbündeten und die anderen industrialisierten Demokratien
(sowie, um ein weiteres Beispiel zu nehmen, auch China) teilen unser
Interesse und unsere Bedenken in diesem Gebiet - sowie, im großen und ganzen,
unsere Beurteilung der Gefahren, auch wenn sie nicht jedes Element unserer
Formeln zur Behandlung der Lage übernehmen. Westeuropa und Japan hängen
noch stärker als wir von den ülVorräten der Region ab. Viele unserer Verbündeten haben mit den Ländern dort historische Bindungen. Während wir die
Unterstützung der Verbündeten in diesem Gebiet suchen, müssen wir indessen
erkennen, daß direkte Beiträge nicht der einzige Weg sind, auf dem sie
helfen können. Zum Beispiel geben uns die Beiträge der Verbündeten zu
ihrer eigenen Sicherheit größere Beweglichkeit bei den Maßnahmen, die wir
ergreifen müssen, um unsere militärischen Kapazitäten zu stärken, damit wir
uns den Bedrohungen des Friedens und unserer gemeinsamen Interessen im
Persischen Golf und in Südwestasien stellen können.
Diese verschiedenartigen Faktoren können uns dabei helfen, der von den
Sowjets gestellten Herausforderung entgegenzutreten, ja, sie sind unabdingbarer

�unabdingbarer Bestandteil einer umfassenden Antwort.

Dennoch gibt es

keinen Zweifel darüber, daß die Vereinigten Staaten die Führung bei der
Organisierung einer solchen umfassenden Antwort auf die sowjetische
Aggression in Afghanistan und einer wirkungsvollen Abschreckung vor noch
gefährlicheren Schritten übernehmen müssen, die die Sowjets ansonsten
in Zukunft zu ergreifen versucht sein könnten.

Diese umfassende Antwort

muß vielseitig - militärisch und nichtmilitärisch - sein.

Die nichtmilitärischen Komponenten der Abschreckung
Der erste nichtmilitärische Bestandteil ist eine wirkungsvolle, langfristige Energiepolitik zur Verminderung unserer Abhängigkeit von importiertem
Erdöl.
Es muß jedoch Klarheit darüber herrschen, daß kein vorstellbarer
Maßnahmenkatalog - Einsparung, Lagerung oder alternative Energiequellen das kurzfristige Sicherheitsproblem eliminieren kann, das durch die Bedrohungen des Golfs und seines Öls geschaffen wurde. Die harte Tatsache
ist, daß die Vereinigten Staaten oder unsere Partner in der industrialisierten
Welt oder die Entwicklungsländer im kommenden Jahrzehnt oder wahrscheinlich
sogar im darauffolgenden nichts tun können, um schweren Schaden von sich
zu wenden, wenn der Großteil der Ölversorgung aus dem Persischen Golf für
einen längeren Zeitraum abgeschnitten würde.
Es handelt sich bei diesem Problem hier nicht darum - wie manche
behaupten -, ob es wegen der OPEC Krieg geben wird, oder darum, Schlangestehen vor den Zapfsäulen zu vermeiden.
nötig.

Einsparung ist in jedem Fall

Aber hierfür einzutreten als Ersatz für amerikanische Führung

bei der Stärkung der Sicherheit der Golfregion bedeutet lediglich, den
Ernst der wirklichen Lage nicht zu erfassen oder ihn zu verdrängen - denn

- 8 -

�denn dies betrifft nicht nur uns, sondern auch unsere Verbündeten und Freunde.
Sogar für ein energieunabhä'ngiges Amerika gäbe es keine Sicherheit in einer
Welt, in der Westeuropa oder Japan, die Türkei oder Brasilien im Energiebereich zu Geiseln einer freindlichen Macht würden.
Der zweite nichtmilitärische Aspekt betrifft die Wirtschaftshilfe
für jene Länder in dieser Region, die mit den Problemen der Entwicklung
ringen. Ein besonders wichtiges Beispiel bietet der Fall unseres Verbündeten
Türkei. Wirtschaftliche Unsicherheit läuft darauf hinaus, politische
Instabilität zu fördern. Hilfe für ein Land zur Lösung seiner internen
Probleme ermöglicht es diesem, sich wirkungsvoller mit der gemeinsamen
Sicherheit und anderen regionalen Belangen zu befassen. Wir erwarten von
unseren Freunden in der industrialisierten Welt und den reichen Olförderla'ndern in diesem Gebiet, ihren vollen Anteil auf dieser Seite der Aufgabe
zu übernehmen.

Militärische Komponenten der Abschreckung
Ich möchte mich nun den militärischen Komponenten zuwenden. Bei
unseren militärischen Planungen für den Persischen Golf und Südwestasien
- wie überhaupt insgesamt - ist unser oberstes Ziel die Abschreckung.
Das bedeutet, wir versuchen klarzumachen, daß mit einer Aggression große
Risiken und Strafen verbunden sind. Wir müssen notfalls in der Lage sein,
eine Aggression auf verschiedenen Ebenen niederzuschlagen. Ohne Frage
stellen eine solche Fähigkeit und der Wille zur Tat die wirkungsvollste
Abschreckung dar.
Bevor ich zur Erörterung der Arten von Streitkräften übergehe, die
zur Durchführung dieses Operationsziels notwendig sind, möchte ich noch
vier allgemeine Überlegungen zu den militärischen Komponenten unserer

�unserer Antworten anstellen.
Erstens, obgleich die Ausdrücke "Schnelle Eingreiftruppen" ("Rapid
Deployment Forces") und "Machtdarstellung" ("Power Projection") relativ
neue Schöpfungen der Fachsprache sind, so sind die militärischen Aufgaben,
die sie bedeuten, überhaupt nicht neu. Die Vereinigten Staaten betreiben
schon seit ziemlich langer Zeit dieses Geschäft des schnellen Dislozierens
und der Machtdarstellung.

Wer daran zweifelt, sollte die Angehörigen des

Marinekorps fragen, die vor fünf Jahren ihren 200. Jahrestag feierten.
In beiden Weltkriegen, in Korea und später in Vietnam zeigten wir,
daß wir in der Lage waren, Streitkräfte in sehr bedeutenden Größenordnungen
weit von unseren Küsten entfernt zu unterhalten.

Was immer auch unsere

anderen Schwierigkeiten in jenen Fällen waren, so waren die logistischen
Kapazitäten, die die Vereinigten Staaten zeigten, doch in der Tat eindrucksvoll.

Darüber hinaus ist es seit langer Zeit Teil unserer Militärdoktrin,

bereit und im Stande zu sein, in Krisenfällen auch in räumlich entfernten
Gebieten einzugreifen, ohne dadurch unsere Fähigkeit zur Abschreckung und
Verteidigung auf anderen Schauplätzen zu gefährden.
Zweitens, ich lehne schlechthin die These ab, daß wir die Kapazität
zu einem wirksamen Einsatz von Streitkräften gar nicht entwickeln sollten,
da wir sonst versucht sein könnten, sie unklug einzusetzen. Ich glaube,
das amerikanische Volk und seine politische und militärische Führung sind
klug genug - und wie man hinzufügen könnte, erfahren genug - um einige
einfache Wahrheiten zu begreifen und zu akzeptieren:
•. &gt; -.

-

Daß nämlich Streitkräfte allein nicht alle Probleme der Welt
zu lösen vermögen;
•

-

daß ihr Einsatz eine sehr schwerwiegende Sache ist;
daß
- 10 -

�-

daß derartige Streitkräfte und der Wille zu ihrem Einsatz, fall dies
notwendig sein sollte, wesentlich für die Verteidigung unserer
lebenswichtigen Interessen sind; und

-

daß diese Interessen sorgfältig definiert werden müssen.

Wir müssen uns von den Lehren der Geschichte leiten, aber nicht von
ihren Gespenstern bedrücken lassen.
Drittens, in der Presse ist verschiedentlich berichtet worden, daß
die Vereinigten Staaten sich angeblich für eine Strategie des "Stolperdrahts"
entschieden hätten, bei der wir - aus eigener Wahl oder durch Notwendigkeit
gezwungen - rasch zu taktischen Kernwaffen greifen würden, um uns gegen
einen sowjetischen Angriff in dem Gebiet zu verteidigen. Hier sind verschiedene Punkte zu klären. Jeder direkte Konflikt zwischen amerikanischen
und sowjetischen Streitkräften trägt das Risiko einer Intensivierung und
geographischen Ausbreitung des Konflikts in sich. Wir können nicht zulassen, daß die Sowjets allein über Schauplatz und Aktionen entscheiden.
Das bedeutet keinesfalls, daß die Eskalation bis zum Einsatz von
Kernwaffen die unbedingte Konsequenz eines amerikanisch-sowjetischen
Zusammenpralls in Südwestasien sein wird. Teils um ein solches Resultat
weniger wahrscheinlich zu machen, ist ein großer Teil unserer Anstrengungen
in dieser Region darauf gerichtet, die konventionelle Stärke zu verbessern,
die wir dort zum Tragen bringen können. Geht man von den amerikanischen
Kapazitäten und denen der anderen aus, deren Interessen durch eine sowjetische
Aggression gefährdet werden, berücksichtigt man die Schwierigkeiten, die
mit allen sowjetischen militärischen Aktionen über die Grenzen des eigenen
Landes hinaus in schwierigem Terrain und gegenüber einer feindseligen
Bevölkerung verbunden sind und nimmt man dazu den weiten Bereich unserer
Optionen, sowohl andere verwundbare Stellen der Sowjets für uns zu nutzen
und uns gegen den Angriff zu verteidigen, so sind konventionelle Abschreckung

- 11 -

�Abschreckung und Verteidigung durchaus realisierbare Ziele.
Viertens aber vertrete ich ganz generell die Ansicht, daß die Gesamtreaktion eine multilaterale ist und sein muß, die örtliche Streitkräfte,
amerikanische Verbände und Streitkräfte anderer
liegender Länder einschließt.

außerhalb der Region

So bemühen wir uns beispielsweise bei

verschiedenen Ländern der Region um einen stärkeren amerikanischen Zugang
zu örtlichen Anlagen und Einrichtungen.

Wir führen Gespräche sowohl mit

potentiellen Geber- wie potentiellen Empfängerländern über Programme für
Wirtschaftshilfe und Sicherheitsbeistand, die notwendige Ergänzungen zu
unseren anderen Anstrengungen darstellten.

Und wir stehen in Konsultationen

sowohl mit Ländern innerhalb wie außerhalb dieser Region über eine militärische
Zusammenarbeit in diesem Gebiet.
Trotz der Schwierigkeiten, die in einer von unabhängigen Staaten
getragenen multilateralen Aktion liegen, sind wir insgesamt bei unseren
Bemühungen bisher ganz erfolgreich gewesen und rechnen damit, dies auch
weiterhin zu sein.

Ich sollte vielleicht darauf hinweisen, daß wir in

vielen Fällen nicht um formelle, öffentliche Garantien und Abkommen bemüht
sind, sondern vielmehr um die Schaffung eines Systems besonnener Konsultation
und paralleler Verfolgung gemeinsamer Sicherheitsziele.
•

Um zum Ziel der Abschreckung zu gelangen, wird eine Kombination von
örtlichen Streitkräften für die Selsbtverteidigung von in dem Gebiet
präsenten amerikanischen Streitkräften und - soweit angebracht - von
amerikanischen und anderen Streitkräften erforderlich sein, die rasch disloziert
werden können, um bedrohte Gebiete zu verstärken.
•

In den meisten Fällen - ja,wohl beinahe in allen Fällen - würden
die örtlichen Streitkräfte in dem Land, das einem Angriff ausgesetzt ist
oder direkt bedroht wird, mobilmachen, um sich zu verteidigen.

Wir können

nicht hoffen, und es ist auch keinesfalls unsere Absicht, Völker in dieser

- 12 -

�dieser Region zu verteidigen, die nicht mithelfen wollen, sich selbst zu
verteidigen.

Genauso aber erwarten wir, daß wir dort, wo wir uns engagieren,

nicht allein stehen.

Weil die Aggression gegen einen sich zu einer Gefahr

für alle ausweiten könnte, dürften wohl andere in der Region sich der kollektiven
Verteidigungsanstrengung anschließen,und sicherlich sollten sie es tun.
Die Hilfe, die sie leisten könnten, würde von Fall zu Fall in ihrer Art
sehr unterschiedlich sein, von der Verfügbarmachung der notwendigen Zugangswege und Nachschubeinrichtungen bis zur Mobilisierung von Streitkräften,
die an unserer Seite stehen würden, um den Gegner abzuschrecken und zu
bekämpfen.
Die Abschreckung braucht außer den einheimischen Streitkräften sowohl
die militärische Präsenz der USA in dem Unruhegebiet als auch weitere amerikanische Streitkräfte, die rasch dahin gebracht werden können. Wichtig
dabei ist die Fähigkeit, Streitkräfte schnell in das Gebiet bringen zu
können und zwar mit der Stärke, Mobilität und Kampfkraft, die die Vorausverbände des Gegners daran hindern, lebenswichtige Punkte zu erreichen.
Es ist nicht notwendig, daß unsere ersten Kampfeinheiten imstande sind,
die gesamte Streitmacht zu schlagen, die ein Gegener schließlich ins Feld
führen kann. Es ist für uns genauso wenig notwendig, zu warten, bis der
erste Schuß fällt oder die ersten feindlichen Streitkräfte im Land sind.
Viele unserer Truppen können auf eine strategische Warnung hin in Marsch
gesetzt werden und einige schon nach Erhalt selbst sehr frühzeitiger und
durchaus noch nicht eindeutiger Anzeichen.
Eine wirksame amerikanische Antwort auf eine Aggression in diesem oder
anderen Unruhegebieten besteht aus verschiedenen Elementen. Beim ersten
Bestandteil - einer verstärkten kontinuierlichen Präsenz in Friedenszeiten werden vor allen die Seestreitkräfte ins Spiel treten. Unsere derzeigen Seestreitkräfte in der Region sind denen der Sowjetunion in diesem Gebiet
weit überlegen. Sie bieten uns eine taktische Luftstreitmacht, die sofort
eingreifen kann. Ich möchte hinzufügen, daß auch die Franzosen starke

- 13 -

�starke Seestreitkräfte im Indischen Ozean haben.

Außerdem machen wir

weiterhin ständige Fortschritte bei dem vor mehreren Jahren begonnenen
Ausbau unserer Anlagen auf Diego Garcia.

Unsere ständige Präsenz in dieser

Region wird um vieles größer sein als noch vor einem Jahr.
Die Vorausbereitstellung von Gerät ist der zweite lebenswichtige
Bestandteil.

Wir haben ein Programm in Angriff genommen, um eine Reihe

von Vorausbereitstellungsschiffen der US-Marine zu beschaffen, die uns
eine größere Flexibilität verleihen und uns der Probleme großer ständiger
amerikanischer Stützpunkte in Übersee in sensitiven Gebieten entheben werden.
Als kurzfristige Option stellen wir derzeit aktiv eine Flotte von
sieben Schiffen zusammen, die aus Schiffstypen besteht, wie sie in der
Handelsmarine verwandt werden, einschließlich von Roll-on/Roll-off- Schiffen
(Schiffe mit einer eigenen Laderampe, auf die Fahrzeuge ohne Hilfe von
Ladekränen oder sonstigen Ladeeinrichtungen direkt fahren können, Anm.
des Übersetzers), Großraumfrachtern und Tankern, um uns schon in den
nächsten Monaten mit dieser Kapazität auszustatten.

Diese Schiffe werden

mit der Ausrüstung ganzer Einheiten, Nachschubgütern, Brennstoff und Wasser
beladen werden - Mengen,die eine Landungsbrigade des amerikanischen Marinekorps in Stärke von etwa 10 000 Mann sowie mehrere Staffeln von Kampfflugzeugen der amerikanischen Luftwaffe in die Lage versetzen würden,
unabhängig zu operieren bis weiterer Nachschub aus den Vereinigten Staaten
eintreffen kann.
•

Die beladenen Schiffe werden Vorauspositionen beziehen, die nur
wenige Tagereisen vom Seegebiet des Persischen Golfes und des Arabischen
Meeres entfernt sind. Im Ernstfall könnten sie in einen vorbestimmten
Hafen nahe des Zielgebietes einlaufen und sich dort mit Flugzeugen und
Mannschaften treffen, die direkt von Stützpunkten in den Vereinigten
Staaten eingeflogen werden. Diese Einrichtung wird uns die Fähigkeit verleihen, innerhalb von Tagen statt von Wochen auf eine Krise in dem Gebiet

- 14 -

*

�Gebiet zu reagieren.
Mobilität - vor allem Luft- und Seebrückenkapazität - ist der dritte
Bestandteil. Wir stehen heute nicht ohne eine solche Kapazität da. So
könnten beispielsweise die ersten landgestützten taktischen Flugzeuge
innerhalb von Stunden in der Region sein, und größere Einheiten unterstützt
von dem fliegenden Frühwarn- und Leitsystem AWACS innerhalb weniger Tage.
Das erste Bataillon der 82. Luftlandedivision könnte innerhalb 48 Stunden
nach dem Marschbefehl eintreffen, die gesamte Division etwa innerhalb von
zwei Wochen. Eine volle Landungsstreitmacht des Marinekorps (eine Division
und ein Luftgeschwader)könnte in vier Wochen disloziert werden.
Darüber hinaus haben wir wichtige Verbesserungen unserer Kapazität
für einen raschen Einsatz (Soforteinsatzkapazität) vorgesehen. Vor einigen
Jahren begannen wir mit der Beschaffung von Maschinen des Typs KC-10 zur
Betankung aus der Luft (Tankflugzeugen), und wir beschleunigen jetzt
diese Anschaffungen. Wir haben ferner ein langfristiges Beschaffungsprogramm
für ein neues Transportflugzeug vom Typ "CX" begonnen (das entweder nach
einem neuen Entwurf oder auf der Grundlage eines vorhandenen Flugzeuges
gebaut wird), das für die Dislozierung überdimensionaler Lasten über große
Entfernungen hinweg geeignet ist. Wir sind schließlich, als Interimsmaßnahme,
dabei, schnelle Handelsschiffe zu erwerben, die ein unmittelbares militärisches
Seebrückenpotential darstellen.
Der vierte Bestandteil betrifft die Zugangs- und Durchgangsrechte, auf
die ich bereits abgehoben habe. Wir stehen in intensiven - und meinem Urteil
nach erfolgreichen - Verhandlungen über verbesserten Zugang zu See-, Luftund anderen Stützpunkten, um unsere Fähigkeit zur Versorgung von Schiffsund Flugzeugdislozierungen zu erhöhen. Lassen Sie mich noch einmal den
Unterschied zwischen der Suche nach Zugang und der Suche nach ständigen
Stützpunkten unterstreichen. Im wesentlichen ersuchen wir verschiedene
Länder in der Region, uns in die Lage zu versetzen, ihnen wirkungsvollere

- 15 -

�wirkungsvollere Unterstützung zu gewähren, sofern sie uns brauchen und uns
wollen.

Dies ist etwas ganz anderes als sie aufzufordern, ständige

amerikanische Stützpunkte zu beherbergen.
•

Häufige Dislozierung und Übungen in dem Gebiet enthalten einen
anderen wesentlichen Bestandteil.

Wir haben den Umfang und das Tempo der

regelmäßigen Dislozierungen unserer Seestreitmacht in dem Gebiet ausgeweitet.
Um zum Beispiel einen bestimmten Zeitpunkt herauszugreifen:

Vorigen

Oktober führte die Kampfgruppe unseres Flugzeugträgers "Midway" zusammen
mit Flotteneinheiten Großbritanniens und Australiens ein Manöver durch.
Außerdem waren vier Schiffe der amerikanischen Mittelost-Streitmacht im
Persischen Golf stationiert.

Eine zweite Flugzeugträger -, Kampfgruppe

erreichte außerdem im Dezember ? vom Westpazifik kommend - das Arabische
Meer.

Seit dieser Zeit stehen über 150 trägergestützte taktische Flugzeuge

und 14 Kriegsschiffe im Persischen Golf und im Arabischen Meer in ständiger
Bereitschaft, um eine sichtbare Präsenz der USA zu unterhalten.
Unsere Fähigkeit zur Darstellung von Luftmacht über große Entfernungen
wurde außerdem durch drei B-52 Seeüberwachungs- und drei fliegende

Früh-

warn- und Kontrollmissionen demonstriert, die im Gebiet des Indischen Ozeans
geflogen wurden.

Schließlich wird eine Landungseinheit des Marinekorps

gegen Ende dieses Monats im Arabischen Meer eintreffen.

Und schon vorher

haben wir dort taktische Flugzeuge disloziert - zum Beispiel F-15 und Frühwarnsysteme (AWACS) in Saudiarabien als Teil unserer Antwort der Bedrohung
des Nordjemen.
In der Debatte, die aus der Krise um den Persischen Golf erwachsen
ist, scheinen wir manchmal gegen den Angriff einer seltsamen Kombination
von Kritikern zu kämpfen.

Auf der einen Seite sind jene, die auf das Rede-

pult hämmern und nach schlecht definierten harten Maßnahmen schreien (oft,

�(oft, um Probleme zu lösen, für die es keine militärische Lösung gibt),
während sie gleichzeitig unsere militärischen Fähigkeiten verhöhnen.

Auf

der anderen Seite erklären unterschiedliche Stimmen, daß wir vor keinerlei
Problemen stehen, ausgenommen derer, die wir durch unsere eigene Überreaktion
schaffen und daß wir uns daher über unsere militärischen Kapazitäten überhaupt keine Sorgen zu machen brauchten.
Jede dieser Einstellungen - zur nationalen Politik erhoben - würde
unsere Sicherheit großen Gefahren aussetzen und würde der Sowjetunion ein
auf ernste und gefährliche Weise falsches Signal geben.

Schlußfolgerung
Die Politiken und die Methoden, die ich dargelegt habe, sind keine
Schritte in Richtung Krieg.
Krieg zu verhindern.

Sie sind dazu entworfen, stark zu machen und

Was wir tun, stellt eine notwendige und vernünftige

Antwort auf konkrete Erfordernisse dar.
Militärkapazitäten ist ein Faktum.

Der massive Zuwachs der sowjetischen

Ihre Bereitschaft, Stellvertreter und

sogar Einheiten der Roten Armee zu benutzen, um militärische und politische
Macht außerhalb der Grenzen der Sowjetunion auszuüben, wurde demonstriert.
Die Vereinigten Staaten und die Staaten, mit denen wir am engsten verbunden
sind, sind derzeit - und noch für eine lange Zeit - durch eine überaus
verwundbare Lebensader mit dem Nahen Osten und dem Persischen Golf verbunden.
Vielleicht werden die Sowjets diese Lebensader niemals bedrohen.
Vielleicht sind die "milderen" Interpretationen ihrer Invasion Afghanistans
- sofern man das Wort "mild" überhaupt gebrauchen kann - korrekt.

Aber als

Politiker, als verantwortungsbewußte Bürger und als Weltmacht können wir
dies nicht gefahrlos sagen.

Tatsächlich sind die Schritte, die wir unter-

nehmen müssen, um uns vor den Folgen der unmittelbaren Bedrohung durch das

- 17 -

�das kürzliche aggressive sowjetische Verhalten zu schlitzen, wahrscheinlich
der wirkungsvollste Weg, um langfristig die künftigen sowjetischen Unternehmungen einzudämmen.
Wir sagen zu den Sowjets nicht, daß Wettstreit der einzige Weg für
uns Ist. Wir sind auch weiterhin gewillt, auf den Gebieten zusammenzuarbeiten, wo sich unsere Interessen decken - wie dies bei SALT der Fall
ist.

Aber dort, wo sie unsere Interessen bedrohen, werden wir uns ihnen

auch auf dieser Grundlage entgegenstellen.
-

Wir müssen der Sowjetunion zeigen:
-

daß die Invasion Afghanistans in dem Teil der Welt, der nicht von
Moskau beherrscht wird, durchweg als rohe Verletzung der Normen
internationalen Verhaltens angesehen wird;

-

daß ihre dafür abgegebene Rechtfertigung weltweit als eine durchsichtige Verdrehung angesehen wird; und

-

daß die internationale Gemeinschaft der Ansicht ist, daß ähnliche
Schritte in der Zukunft die ernsthaftesten Gefahren sowohl für die
Sowjets als auch für die übrige Welt mit sich bringen würden.

Damit die Vereinigten Staaten in Zukunft ihre angemessene Rolle bei
der Abschreckung vor einer solchen Aggression spielen können, müssen wir
die angemessene militärische Kapazität und den Willen haben, sie zu gebrauchen, sollte dies notwendig sein.
Wenn wir die Absicht haben, eine Supermacht zu bleiben und unser
eigenes pluralistisches politisches und wirtschaftliches System zu schützen,
müssen wir uns langfristig verpflichten zu
wirtschaftlichem

- 18 -

�1) wirtschaftlichem Wiederaufbau,
2) einem Programm der Verminderung unserer Abhängigkeit von importierter
Energie und - nicht minder wichtig 3) einer Erhöhung unserer militärischen Kapazität, einschließlich
der Fähigkeit, Streitkräfte in Gebiete zu dislozieren, die weit
weg, aber lebenswichtig für uns sind - in einem Sicherheitsrahmen,
der bei der Stabilisierung solcher Gebiete hilft.
Diese Aufgaben werden nicht leicht sein. Sie können nicht als einmaliges Sofortprogramm durchgeführt werden. Aber wenn wir bei ihrer Durchführung versagen, wird das 21. Jahrhundert wahrscheinlich gefährlich werden für unsere Ideale, für unsere Sicherheit und für unsere Kinder.

+ + + + +

- 19 -

�Dokumentation

i 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. März 1980

15

VANCE BEANTWORTET FRAGEN ZUR WELTLAGE

CHICAGO - (AD) - Im Anschluß an seine Rede vor dem "Rat für
außenpolitische Beziehungen" (Chicago Council on Foreign Relations) am
3. März 1980 in Chikago stellte sich der amerikanische Außenminister
Cyrus Vance den Fragen seiner Hörer. Die Fragen und Antworten hatten
folgenden Wortlaut:
FRAGE: Sie bezogen sich (in Ihrer Rede) auf Ihre Gespräche mit
dem französischen Staatspräsidenten Giscard d'Estaing und Bundeskanzler
Helmut Schmidt, die später, nach der Invasion Afghanistans, eine energische
Erklärung zur Unterstützung der Einheit des Bündnisses veröffentlichten.
Dennoch haben viele Beobachter über die Reibungen innerhalb des Bündnisses
in den letzten Monaten gesprochen,und die Frage ist, wie einig unsere
europäischen Verbündeten hinter Ihnen und Ihrer Politik im Nahen Osten
und Südwestasien stehen?
ANTWORT:

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�ANTWORT:

Lassen Sie mich zunächst sagen, daß wir über eine Reihe

gemeinsamer Zielsetzungen, eine Reihe gemeinsamer Ziele sprechen.
Der Hauptzweck meiner Reise war es, mit den Staatschefs der vier
Länder, die ich besucht habe, über unsere Beurteilung der Bedrohung, vor
der wir stehen, sowie die kurzfristigen und langfristigen Ziele zu sprechen,
so wie wir sie sehen.

Drüber hinaus erörterten wir die Frage, welche

Schritte unternommen werden könnten, um diese Ziele zu erreichen.
Was die Beurteilung dieser Bedrohung anging sowie kurz- und langfristige Ziele, fand ich, daß es ein hohes Maß an Übereinstimmung gab ja, daß wir auf derselben Linie lagen.
Als wir zur Frage der konkreten Schritte kamen, gab es Meinungsunterschiede bei einigen Punkten. Ich meine, das ist verständlich - es ist
für mich verständlich. Wir werden unsere Konsultationen fortführen bei
der gemeinsamen Arbeit, diese gemeinsamen Ziele und Zielsetzungen in die
Tat umzusetzen; und wir werden versuchen, sowohl gemeinsame Schritte als
auch parallele Schritte zu finden, durch die wir diese unsere gemeinsamen
Ziele erreichen werden. Ich bin der Ansicht, daß es im Gegensatz zu vielem,
wovon man von Zeit zu Zeit hört, unter uns Einigkeit gibt.
FRAGE: Herr Minister, eine Reihe von Fragen wird sich natürlich
mit den verschiedenen Aspekten der Lage im Iran und in Afghanistan beschäftigen» eine Reihe davon sind Beschwerden darüber, warum uns unsere
Verbündeten angeblich nicht mehr Unterstützung gewährt haben, andere fragen
wegen der Olympischen Spiele: Werden wir den Boykott tatsächlich durchziehen?
Inwieweit läßt sich die gegenwärtige Situation mit den Olympischen
Spielen im Nazi-Deutschland des Jahres 1936 vergleichen? Tun wir unseren
Sportlern und uns selbst mehr weh als den Sowjets?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Lassen Sie mich mit dem letzteren beginnen und erinnern

Sie mich dann noch einmal an die anderen Fragen.
Was die Olympischen Spiele angeht, so haben wir hierzu unsere Entscheidung getroffen:

Wir haben gesagt, wir würden nicht an Olympischen

Spielen teilnehmen, die in der Hauptstadt eines Landes stattfinden, das in
ein anderes Land einfällt.
Entscheidung.

Diese Entscheidung wurde getroffen, es ist unsere

Und es ist die Entscheidung, der wir folgen werden.

FRAGE: Unter den Kritikern der harten Reaktion der Regierung auf die
Invasion Afghanistans waren Ronald Reagan und George Kennan. Kennan stellte
fest, daß sich vom geopldtitischen Standpunkt aus die Meinung vertreten ließe die angeblich Mr. Reagan geäußert haben soll -, daß es vernünftiger wäre,
energische Schritte gegen Kuba, das nur 90 Meilen von unserer Küste entfernt
liegt, zu unternehmen, als zu versuchen, das sowjetische Verhalten 5000
Meilen weit weg zu beeinflussen, in einem Land, das an der sowjetischen
Grenze liegt.
Was ist Ihre Antwort?
ANTWORT:

Meine Antwort lautet, daß es für mich schwierig ist, diese

Eingebung von Mr. Kennan zu verstehen.

Der Vorschlag, wir sollten über

Kuba in diesem Moment eine Blockade verhängen, mit all den Gefahren, die
das mit sich bringen würde - und wir erinnern uns ja noch daran, was
damals, 1962, geschah -, ist meinem Urteil nach zu dieser Zeit nicht sehr
sinnvoll.
Ich meine, es ist ganz deutlich, daß unsere lebenswichtigen nationalen
Interessen sowie diejenigen unserer Verbündeten durch den Schritt bedroht
sind, den die Sowjets in Afghanistan getan haben, indem sie Zehntausende
ihrer Soldaten in dieses Land schickten und dabei nicht nur alle Regeln
der Charta der Vereinten Nationen und des Völkerrechts verletzten,sondern

- 3 -

�sondern auch die Menschenrechte der Menschen dieses Landes, und gleichzeitig zur Bedrohung der umliegenden Länder wurden

sowie zu einer potentiellen

Bedrohung - ich erwähnte es eben schon - der lebenswichtigen Interessen,
die wir alle am Fluß des Erdöls aus dieser wichtigen Region haben.
Aus diesem Grund, so will es mir scheinen, sollten wir unsere Aufmerksamkeit hierauf konzentrieren; und unsere Verbündeten teilen diese
Ansicht.
FRAGE:

Eine Anzahl von Fragen unserer Zuhörer geht

darauf ein, was

Sie über die Notwendigkeit einer starken Verteidigung gesagt haben.

Die

Leute machen sich besonders Gedanken über das Problem der Freiwilligenstreitkräfte.

Werden die Vorschläge zur Registrierung junger Männer und

Frauen zur Wehrdienstpflicht führen?

Und

inwieweit sollten Ihrer Meinung

nach auch Frauen bei Kampfeinheiten dienen?
ANTWORT: Was die Registrierung angeht, so habe ich sehr klare persönliche Ansichten. Und ich vertrete sie schon lange, auch wenn sie oft
nicht mit den Ansichten anderer Leute übereinstimmen.
Ich bin der Ansicht, daß es ein Fehler war, die Wehrdienstpflicht
abzuschaffen und zur Freiwilligenarmee überzugehen. Meiner Überzeugung
nach sollte es nicht nur Wehrdienstpflicht geben, sondern allumfassenden
Dienst, und jeder sollte seiner Regierung dienen müssen.
Ich meine nicht, daß dieser Dienst notwendigerweise Militärdienst
sein muß; aber man sollte zumindest ein Jahr irgendeiner Art Dienst für
das eigene Land widmen.

(Beifall!)

FRAGE: Herr Minister, hier ist eine Frage, die sich auf eine Umfrage
des "Chicago Council ori Foreign Relations" vor einem Jahr bezieht, als die
Mehrheit der Befragten große Bedenken über die immer schwächer werdende

- 4 -

�werdende Stellung der Vereinigten Staaten in der Welt zum Ausdruck brachte.
Nach der Hauptursache für diesen Niedergang befragt, führten es die meisten
der Befragten auf den verminderten Wert des US-Dollar zurück, nicht auf die
wachsende militärische Macht der Sowjetunion.
Die Frage ist:

Was hat die Regierung Carter getan, bzw. was tut sie,

um den Niedergang des Dollar aufzuhalten?
ANTWORT:

Eines der entscheidenden Dinge, die die Regierung im Zu-

sammenhang mit dem Problem des Dollar tun muß,ist es, die notwendigen Schritte
an der Energiefront zu unternehmen, wie ich es schon besprochen hatte.
Dies steht im Zentrum der zu ergreifenden Maßnahmen, denn das hat entscheidende
Auswirkung darauf, was mit dem Wert des Dollar geschieht.
Außerdem müssen wir, das ist offensichtlich, hier zu Hause Schritte
unternehmen, um die Inflation in den Griff zu bekommen;

denn das ist das

zentrale innenpolitische Thema in diesem Augenblick, ein Thema, dem diese
Regierung und der Kongreß jetzt und in den kommenden Monaten ihre Aufmerksamkeit widmen müssen.
FRAGE: Eine Reihe von Fragen zielt auf verschiedene Aspekte der Energieprobleme und unsere internationalen Beziehungen in diesem Zusammenhang. Wie
groß sind die Chancen, die Internationale Energieagentur (IEA) innerhalb
eines vernünftigen Zeitraums zu einem wirkungsvollen Verbraucherkartell
oder zu einem Bündnis der Verbraucher zu machen, um der OPEC entgegenzutreten?
ANTWORT:

Meinem Urteil nach wird die Internationale Energieagentur

im großen und ganzen auch weiterhin so arbeiten,wie sie das im Moment tut,
das heißt, sie dient als Körperschaft, die zu Zeiten zum Handeln aufgerufen
wird, da die Preise über den Gefahrenpunkt hinausgehen und es dann für sie
- nämlich die 20 Staaten, die der IEA angeschlossen sind - notwendig wird,

- 5 -

�wird, die Last zu teilen, die ihnen auferlegt wird.

Ich glaube, sie

wird eher dabei bleiben.als eine andere Gestalt anzunehmen.
FRAGE:

Herr Minister, da dies hier im Mittleren Westen ein land-

wirtschaftliches Gebiet ist, gibt es noch eine Reihe von Fragen über den
Getreideboykott.

Dies zeigt deutlich, daß viele sich über die Auswirkungen

des Getreideembargos auf die Herstellung und Weiterverarbeitung von Nahrungsmitteln Gedanken machen.

Der Londoner "Economist" hat die These aufgestellt,

daß es den amerikanischen Farmern und Steuerzahlern möglicherweise mehr
Schmerz bereiten könnte als der Sowjetunion.
Welches sind die wirtschaftlichen Folgen in den Vereinigten Staaten,
und wie weh können wir der Sowjetischen Regierung durch dieses Embargo tun?
ANTWORT: Was die letztere Frage angeht, so glaube ich, daß das
Getreideembargo über 17 Millionen Tonnen, die die Vereinigten Staaten nicht
verschiffen werden, seine Wirkung hat und auch weiterhin seine Wirkung auf
die Sowjetunion haben wird. Ich bin der Ansicht, daß es außerdem Wirkung
auf einige der Länder haben wird, die in diesem Bereich von der Sowjetunion
abhängig sind, und ich glaube daher, daß das Getreideembargo in seiner
kombinierten Wirkung bedeutungsvoll sein wird.
Es ist ein Schritt, der Opfer fordert. Aber wie ich bereits gesagt
habe: andere werden Opfer bringen müssen und bringen sie. Dies ist notwendig, wenn wir die Schritte unternehmen wollen, die unsere Entschlossenheit
und unsere Standhaftigkeit angesichts der Lage zeigen, vor der wir stehen und
die in der Tat eine kritische Lage ist.
FRAGE:Es

bleibt uns noch Zeit für zwei weitere Fragen.
•

.

•

Interessant ist, daß sich eine Reihe von Fragen eher mit Südostasien
als mit Südwestasien beschäftigt.

In Kambodscha und auch in anderen Bereichen

�Bereichen dieser Region haben die Vietnamesen große Verwüstung angerichtet.
Außerdem wurde da gestern in einem Artikel des "New York Times Magazine"
die bohrende Frage nach Kindern amerikanischer Soldaten gestellt, die in
Vietnam zurückgelassen wurden.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, daß wir

in absehbarer Zukunft diplomatische Beziehungen mit Vietnam aufnehmen - wie
auch immer geartete diplomatische Beziehungen?

Und

inwieweit droht die

vietnamesische Armee, auch weiterhin in dieser Region umfangreiche Gewinne
zu erzielen?
ANTWORT:

Ich glaube, es ist unwahrscheinlich, daß wir in absehbarer

Zeit Beziehungen zu Vietnam aufnehmen werden.

Zu Beginn der Regierung Carter

wiesen wir darauf hin, daß wir zu einem Schritt in dieser Richtung bereit
seien, falls die andere Seite entsprechend reagiert.
Zuerst stellten die Vietnamesen uns gegenüber die Forderung nach
"Reparationen", wie sie das nannten. Wir sagten, daß dies unter keinen
Umständen geschehen würde; und dies bildete ein Hindernis auf dem Weg zu
jeder Art Forschritt, bis sie es zurücknahmen. Etwa gleichzeitig aber
begannen sie mit dem Programm, Zehntausende von Menschen ins Meer zu treiben die "boat people". Und zur gleichen Zeit bereiteten sie sich auf die Invasion
Kambodschas vor.
Damals sagten wir ihnen, daß wir keinen Fortschritt auf eine Normalisierung
hin machen könnten, solange diese beiden Maßnahmen ihrerseits fortgesetzt
würden. Hinsichtlich der "Bootsmenschen" gab es einigen Fortschritt; es
gab ein Moratorium über einen Zeitraum der Vertreibung der "Bootsmenschen"
aus Vietnam. Aber was Kambodscha angeht, so stehen vietnamesische Truppen
noch immer dort und wurden nicht abgezogen; deshalb bleibt dies auch weiterhin ein Hindernis.
Langfristig erstreben wir eine Normalisierung der Beziehungen, aber
wir müssen uns um diese drängenden Fragen kümmern,und diese Art Probleme

- 7 -

�Probleme muß erst überwunden sein, bevor wir zu jenem Punkt kommen können.
FRAGE:

Eine letzte Frage:

Der Fragesteller weist darauf hin, daß der

Ansicht mancher Leute nach die Weltstabilitä't stärker durch die Instabilität
bedroht wird, die auf Präsident Titos Tod folgen könnte.
Wird die Sowjetunion eine Krisenlage ausnützen, die sich vielleicht
nach Titos Tod entwickelt,und versuchen, das Machtgleichgewicht der Welt
zu ändern?
ANTWORT: Die Führung in Jugoslawien ist fähig, stark und entschossen;
und wir vertrauen darauf, daß sie in der Zeit nach Tito ihren Staat mit
Stärke und Weisheit führen kann.
Was uns anbelangt, so unterstützen wir voll und ganz ihre unerschütterliche Haltung hinsichtlich der Bedeutung ihrer Unabhängigkeit, ihrer
Souveränität und ihrer territorialen Integrität.
Was unsere eigenen Beziehungen angeht, so sind unsere Beziehungen
zu Jugoslawien gut, ja,ich glaube, sie sind tief und stark.

Ich glaube

nicht, daß für Jugoslawien in der Zeit nach Tito Gefahr besteht.

Die

Führung ist gut und stark, und sie wird in der Lage sein, ihr Land gut und
weise zu führen.

+ + + + +

�a
I 3

e

Wift/choft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. März 1980

15

US-INDUSTRIE: PRODUKTIONSSTEIGERUNG MIT WENIGER ENERGIE

- (AD) - Angesichts der steil ansteigenden Energiekosten versucht die
amerikanische Industrie öl ,zu sparen, wo immer ihr dies möglich erscheint.
Und dabei stellt sie fest, daß dennoch die Produktion keineswegs absinken
muß, sondern sogar erheblich gesteigert werden kann. Der Wirkungsgrad der
Energienutzung sollte von 1972 bis 1980 um 17 Prozent verbessert werden
- ein Ziel, das bereits 1978 erreicht wurde. Die Bemühungen der Industrie,
Energie immer rationeller zu nutzen, gehen weiter, teilweise mit staatlicher
Förderung, teilweise auch unter staatlichem Druck: 1) Industrie-Investitionen
für energiesparende Ausrüstungen werden mit einem zehnprozentigen Steuerkredit
honoriert; 2) neue Kesselanlagen und Industrieöfen müssen mit Kohle befeuert,
bereits vorhandene Großanlagen,wo immer möglich, von ül- auf Kohlebefeuerung
umgestellt werden; 3) für die zehn größten Sektoren der Industrie wurden für
1980 spezielle Richtwerte für den Wirkungsgrad der Energienutzung festgesetzt.
Alles in allem entfallen zur Zeit auf die amerikanische Industrie etwa
35 Prozent des gesamten Energieverbrauchs und 20 Prozent des Ölverbrauchs in
den Vereinigten Staaten.

Da früher Energie reichlich vorhanden und billig

war, hatte man sich zunächst wenig um energie-effiziente Produktionsprozesse
gekümmert.

Dies ist aber in den letzten paar Jahren anders geworden. Die

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Die jährliche Zuwachsrate des Energieverbrauchs ging erheblich zurück.

Beim

öl betrug sie 1979 noch drei Prozent gegenüber sieben Prozent vor vier Jahren.
Beamte des US-Energieministeriums schätzen, daß der Ölverbrauch der amerikanischen Industrie von nun an ständig weiter sinken wird.
Zum Teil sind die öleinsparungen auf den verstärkten Einsatz von Kohle
zurückzuführen - der Kohleverbrauch der amerikanischen Industrie lag trotz
der damit verbundenen Umweltprobleme im vergangenen Jahr um vier Prozent höher
als 1978, nachdem er in den Jahren davor ständig weiter abgesunken war. Ungeachtet der reichlich vorhandenen Vorräte ging gleichzeitig der Verbrauch an
Erdgas sprunghaft zurück - eine Spätfolge der 1973 sich abzeichnenden Tendenz
zu unzureichender Erdgasversorgung aus amerikanischen Quellen, was die Regierung veranlaßt hatte, eine Umstellung auf ölfeuerung zu empfehlen.

Die Mineral-

öl gesell Schäften hatten dadurch, wie sie sagen, eine Absatzeinbuße von mehr
als 85 Milliarden cbm; der Verkauf von 28,3 Milliarden cbm sei ihnen für immer
verloren gegangen, weil die Kunden kostspielige Umrüstungen auf ölbefeuerte
Kessel vornahmen.
Heute versuchen sie, ehemalige Abnehmer zurückzugewinnen und neu hinzukommende Verbraucher für die Verwendung von Gas zu interessieren. Zum einen,
so argumentieren sie, seien künftige Verknappungen nicht zu befürchten. Zwar
sei in der Gasproduktion in den USA ein langsamer Rückgang zu verzeichnen, jedoch würde aus Kanada und Mexiko sowie - in der Form von verflüssigtem Erdgas - aus Algerien und Indonesien ständig mehr geliefert. Und schließlich
sei Gas noch immer billiger als öl. Außerdem werde man in Zukunft aus Ölschiefer, Kohle, Torf und Abfall Gas auf synthetischem Wege gewinnen. Als eine
weitere Quelle kämen extrem tief liegende natürliche Vorkommen in Frage, sofern die notwendige Technik für ihre Ausbeutung zur Zufriedenheit entwickelt
werden könne.

Industriebranchen

�Industrieb ra n c h en yerfo1ge n ehr g ei z i g e Spar z i e 1 e

Die riesige chemische Industrie hatte sich 1972 zum Ziel gesetzt, den
Energieverbrauch um eine Menge zu drosseln, die knapp 43 000 Tonnen öl pro
Tag bzw. einer Verbesserung der Energienutzung um 14 Prozent gegenüber 1972
entsprach.

Im Jahr 1978 (das z. Zt. letzte Jahr, für das vollständige Sta-

tistiken vorliegen) jedoch war der entsprechende Wert bereits auf 17 Prozent,
drei Prozent über den Richtwert, geklettert.

Dies wurde durch Ersetzen al-

ter, wenig wirtschaftlicher Fabrikationsanlagen, das Verbrennen flüssiger
und gasförmiger Prozeß-Abfallprodukte in neuartigen Kesselanlagen und die Installierung von Kesselreglern für wirtschaftliche Energienutzung erreicht.

Einige Unternehmen geben hohe Summen dafür aus, um beispielsweise Phosphatgestein naß zu mahlen und auf die normalerweise vorangehende Trocknung zu verzichten.

Andere sind jetzt in der Lage, mit Wasser geschlämmte Kohle anstatt

öl zu verbrennen.

Die Mineralöl- und Kohleindustrie sind selbst die drittgrößten Energieverbraucher bei der Herstellung ihres "Produkts" - nämlich Energie.

Sie hatten

sich vorgenommen, bis 1980 eine Energiemenge einzusparen, die 28 600 Tonnen öl
pro Tag entspricht.

Ähnlich wie die chemische Industrie haben sie dieses Ziel

bereits 1978 erreicht, und zwar durch bessere Isolation und neue, hochmoderne
Wärmeaustauscher.

Außerdem verwenden sie unter hohem Druck stehende flüssige

und gasförmige Prozeßprodukte, um damit Turbinen anzutreiben, Strom zu erzeugen oder mechanische Arbeiten zu verrichten.

Rauchgas wird in Kohlendioxid

umgewandelt, um Dampf für Generatoren zu produzieren.

Die größten Energieverbraucher in der Industrie sind die Rohmetallhersteller.

Die Produzenten von Eisen, Stahl und Aluminium hatten sich eine neun-

prozentige Verbesserung der Energieausnutzung vorgenommen (dies entspricht mehr
als 28 600 Tonnen öl pro Tag)5ein Ziel, das 1978 erreicht war.

Alte und ver-

altete Anlagen waren stillgelegt und leistungsfähigere Elektroofen installiert
worden; pro Tonne Roheisen verbrannte man weniger Koks, und Abwärme wurde in

- 3 -

�in den Prozeß zurückgeführt.
Den Fahrzeugherstellern war es gelungen, bis 1978 ihren Richtwert für verbesserte Energienutzung von 16 Prozent auf 21 Prozent zu bringen und ihn seitdem noch weiter zu erhöhen.

Vertreter der Branche berichten, daß beispiels-

weise der Ersatz von Metallteilen durch Kunststoffteile, Konstruktionsänderungen an bestimmten Teilen zur Verringerung der Wärmebehandlungszeit und die Einführung elektrischer Induktionserhitzung dazu verholfen hätten.
Bei der Textilindustrie, bei Fertigfabrikaten in der Metallindustrie sowie in den Branchen Steine und Glas gab es 1978 noch Rückstände zu den für 1980
gesetzten Zielen, jedoch war mehr erreicht worden, als zunächst vorhergesagt.
Textilfirmen kümmerten sich um bessere Isolier- und Kühl verfahren, leistungsfähigere Kessel anlagen, Abwärmerückführung, Verringerung der Prozeß-Temperaturen,
generelle Verkürzung der Produktionsverfahren und Reduzierung der Trocknungszeiten auf ein Minimum.
Ziegelwerke berichten über bessere Isolierung der Brennöfen.

Die Herstel-

ler von Portland-Zement verwenden einen Trocken-Prozeß-Ofen, der, wie sie sagen, 18 Prozent weniger Energie verbrauche.

Umgebaute und besser isolierte

Öfen in Metall betrieben der weiterverarbeitenden Industrie brachten eine um
22 Prozent bessere Energieausnutzung.
Nur die Papierindustrie kämpft noch darum, die angestrebten 20 Prozent
besserer Energieverwertung zu erreichen.

Bis 1978 hatte sie 14 Prozent er-

reicht - in erster Linie durch Umstellung der Kesselbefeuerung von öl auf das
bei ihnen reichlich anfallende Abfallholz.

Einer der Betriebe deckt derzeit

80 Prozent seines Energiebedarfs aus dieser Quelle.
Allgemein gesehen wird es aber immer schwieriger, die Energienutzung weiter
zu rationalisieren.

"Von jetzt an ist harte Technik notwendig, das Warten auf

den Verschleiß alter Ausrüstungen
leute.

und Innovation im Prozeß", meinen die Fach-

Ganze Betriebe müssen möglicherweise aufgegeben, die Belegschaften um-

- 4 -

�umgeschult werden.

Dennoch zeichnen sich immer wieder neue Wege ab, wie die

Aluminiumindustrie demonstriert:

Sie Verbrauchterbeispielsweise im Jahr 1978

für die Gewinnung von einem Kilogramm Aluminium 17 Kilowatt Strom.

Neue Pro-

duktionsverfahren, auf die sie gegenwärtig umstellt, dürften diese Strommenge
bis zum Ende des Jahrhunderts - vielleicht auch schon früher - auf 11 oder
gar weniger als neun Kilowatt verringern.

+ + + + +

- 5 -

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter legt Bericht über Rüstungskontrolle vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Begleitschreibens an den US-Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Verteidigungsminister erläutert Reaktion auf Afghanistan-Krise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede Browns vor dem New York Council on Foreign Relations -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vance beantwortet Fragen zur Weltlage&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Industrie: Produktionssteigerung mit weniger Energie</text>
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